1908 / 61 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 11 Mar 1908 18:00:01 GMT) scan diff

befriedigenden Lösung der Frage naö der Deckung dieser Auf-

wendungeu-in diesem hoben Hause zu aelmmen. Also schon damals ist die Ausgabe mit der Deckung in Zusammen- hang gebracht. Ich babe die Salbe beute vielleicht noch etivas schärfer formuliert, indem ich erklärt habe: es kommt nicht bloß darauf an, die Ausgaben für die Gehaltsverbesserung durÖ die Finanzreform aufzubringen; sondern es kommt darauf an, wie ck [(DM die Absicht meinck Herrn Amtsvorgängers in den von ibm vorbereiteten beiden Vorlagen war, das Ver- bältnis des Reichs zu den Vundckstaaten in bezug auf die schwebenden Mairikularbeiträge gründliib zu ordnen. Daß die ver- bündeten Regierungen in bezug auf die Beamtenbesoidungsverbeffe- tungen daran festhalten, das, meine ich, kann kein billig Urteilender ihnen verdenken. Ich habe vorhin die Zahlen genannt, die sich schon nach dem jetzigen Stande der Ausgaben hinsichtlich der schwebenden Matrikularbeiträge ergeben. Nun [ebnen ck die verbündeten Re- gierungen ab, zu diesen sehwebenden Beträgen noch einen Betrag, der 70 Millionen Mark jährlich wahrscheinlich überschreiten wird, bimu- zufügen, obne daß sie wiffen, woher sie die Deckung nehmen sollen. Ich denke, das ist einfach der Grundsaß, nach dem ein guter Haus- balter wirtschaftet, neue Ausgaben, die irgendwie verschoben werden können, nicht eher zu übernehmen, als wenn die Mittel dazu vor- handen sind. Auch wenn bloß die Deckung für die Beamten- beioldungsvorlage gewährt wird, wäre die Sorge noch nicht beseitigt, denn dann müßte der Grundsaß zur Anwendung kommen, daß man neue Einnahmen nicht verwenden darf, um neue Verpflichtungen ein- zugeben, ehe man nicbt die alten Schulden bezahlt hat.

An der Ernstlicbkeit dck Willens, den Beamten zu helfen, dürfen Sie nicht zweifeln; wenn kein anderer Grund vorläge, wäre ck schon der, daß ck im eigensteu Interesse der Regierung liegt, die sich schließlich doch aus einer großen Zahl von Beamten zufamwenseßt, den Beamten das zukommen zu lassen, was ihnen gebübrt. Mir speziell liegt die Sache ganz besonders am Herzen. Jeb bab: in meinersrüberen Stellung lange Jahre Zeit gehabt, mich mit den Beamten der Post auf vielen Reisen durch das Deutsche Reich persönlich in Verbindung zu seven und mit!) mit ihnen auch über ihre wirtschaftliche Lage zu besprechen. Diese Unterhaltungen und Besprechungen mit den Kollegen von der Poft-und unter Kollegen verstand icb nicbt bloß die höheren Beamten, sondern ebenso die mittleren und unteren Beamten - haben mich vollständig darüber aufgeklärt, daß die Leute der Schub in wirt- schaftlicher Beziehung in den letzten Jahren recht ernstlich drückt. (Bravo !) Was da irgend geschehen kann, soll gescheben, aber ich möchte doch auch vor einer kleinen Uebertreibung warnen. Die Knappheit in der Finanzlage dck Beamtenbudgets liegt zum Teil gewiß in der allgemeinen Preissteigerung, zum Teil aber aucb in einer etwas reichlicheren Lebenshaltung, die an sich ja ein Kulturfaktor isi, die aber doch eine gewiffe Elastizität läßt. Ick gebe zu, daß für kinderreiche Familien besonders in teueren Städten die Verhältnisse sebr eng sind, da wuß vorläufig durcb Unterstüvungen geholfen werden. Im übrigen glaube ich, daß man solche Schlagworte, wie ich sie nicht bier gehört, aber in der Presse 'gelesen babe, daß die Beamten am Hungertuch nagen müssen, doch als Uebertreibungen ansehen und bier bezeichnen darf.

Auch im Intereffe einer sachlichen Förderung der Beamten- vorlage kann ich ck nur für richtig balken, wenn die Besoldungs- vorlage gleichzeitig mit der Finanzvorlage behandelt wird. Das Ver- hältnis der Parieien zu den Beamten bat stch ja in den levten Jahren. das ist ein offenes Geheimnis, so gestaltet, daß ein starker Wett- bewerb um die Gunfi der Beamten seitens der verschiedenen Parteien eingetreten ifi. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich mache keiner Partei einen Vothrf, ich frage nicht, wer hat an- gefangen, aber tatsächlich ist ck so, daß, wenn Forderungen der Be- amten kommen, zunächst die eine Partei sagt, ihr habt Recht, die andere Partei sagt, ihr badi außerordentlich Recht, die dritte Partei sagt, ck ist gar nicht zu sagen, wie recht ihr habt, und die vierte Partei sagt, eigentlich seid ihr doch furchtbar bescheiden gewesen, daß ihr nicht mehr verlangt. (Zuruf von den Sozialdemokraten: Und was sagt die Regierung ?) - Was sagt die Regierung? Die Ne- gierung sucht objektiv zu prüfen, erkennt an, was sie für angemessen hält und bat jedenfalls ihrerseits keine Wablrückficbten zu nehmen. (Seb: riebtig! rechts.) Nun liegt, glaube ich, die Sach: so: den Beamten kann man keinen Vorwurf daraus machen, die Beamten waren in diesem Falle in der Lage der Umworbenen, und wenn stellenweise mehr verlangt ifi, als notwendig war, so ist das, wie gesagt, menschlich, wenn ck nachher aber zum Zahlen kommt, muß geprüft werden, was ist von den Forderungen, auch wenn sie die Untersiüsung dieses hoben Hauses ge- funden haben, angeweffen, und was geht über das Maß des Nötigen binaus? Da, meine ich, ist nun das babe Haus auch in einer gam anderen Lage, wenn ck die beiden Fragen gleichzeitig behandein kann. Darüber ist mir gar kein Zweifel _ und Sie, meine Herren, werden sich im stillen Kämmerlein schon dasseibe gesagt haben -, daß, wenn die Vorlagen kommen, mögen sie noch so reichlich ausgefialtet sein, auf die Herren Abgeordneten ein Andrang von Mebrfordenmgen ein- fiürmen wird, daß ihnen noch angst und bange werden wird! (Heiterkeit.)

Es handelt sich also darum, sachgemäß zu entscheiden; etroas anderck wollen auch die verbündeten Regierungen nicht. Da spielt nun auch der Faktor eine Rolle - und muß eine Rolle spielen -, daß jxder Posten, den Sie den Beamten bier ins Kredit steam, bei den Steuern, d. b. für die allgemeinen Steuerzahler, ins Debet ge- faßt werden muß. Diese AuSgleiehung der Interessen der Beamten mit den thereffen der Wähler, die nicht Beamte sind, muß objektiv und sachgemäß erfolgen. Das wird aber nur dann gelingen, wenn Sie beide Fragen im Zusammenhang behandeln. Und deshalb glaube ich, daß ck Von allen denen - und das ifi gewiß die weit- aus große Mehrheit diesck Hausck -, denen ck nur auf eine sach- liche Erledigung der Frage ankommt, als zweckmäßig anzuerkmnen sein wird, wenn die Besoldungövotlagen und ihre finanziellen Folgen in unmittelbarem Zusammenhang miteinander behandelt werden. (Seb: riätig! rechts.)

Daß die verbündeten Regierungen bereit sind, eine Rückwirkung der Besoldungsvorlagen eintreten zu lassen, wenn sich ihre Voraus- sepuuzen bezüglich der Finanzreform erfüllen - und das isi ja auch dir Bedingung für das Zustandekommen der Besoldungsvorlagen -, babe ich schon vorhin ausgesprorhw. -- DU Bedenken, das der Herr Abg. Dr. vaba bezüglich der Hinausscbiebung der Pensionierung der Beamten ausgesprochen hat, dürfte |ck dureh die verlesene Erklärung

erledigen, da die Absicht beliebt, die Pensionierung in diesem Falle aucb zurückwirken zu lassen, sodaß also ein Bomber. dee frübeein

den Ruhestand tritt, keinen Schadm erleidet. -- Ick kanu “UML ver“« ,

beblen, daß die verbündeten Regierungen sich zu dieser Zusage der Rückwirkung nur schwercn Herzens entschloffen baden, da sie im Falle der Rückwirbmg immerhin nicht die Deckung für die inzwisibeu ab- gelaufene Zeit haben. Man kann solche Steuervorkaaen ja nicht mit derselben Leichtigkeit mit rückwirkender Kraft ausstatten wie die Beamtenbesolduugsvorlageu. (Heiterkeit)

Buügliö der TeuerungszuÜgen babe ich dem vorhin Erklärten wohl kaum etwas hinzuzufügen. Bezüglich des Wohnungsgeldes liegt die Sache so: In dem Geieß vom 17. Mai 1906 ift gesagt:

Die nätbste Revision des Servistarifs und der Klaffeueinteilung der Orte erfolgt mit Wirkung vom 1. April 1908. Daraus bat die Praxis in ähnlichen Fäiien bisber gefolgert, daß das bestebende Grieß vorläufig fortgilt, ohne daß ck einer besonderen Ver- längerung bedarf. -

An dem ernsten Willen, den Beamten zu helfen, fehlt ck den ver- bündeten Regierungen gan] gewiß nicht! Wenn ich eine Bitte an Sie habe, so ist ck die: beifen Sie den verbündeten Regierungen, daß keine unnöiige Beunruhigung in Beamtenkreisen entstebi! Der Schaden davon trifft nicht eine einzelne Partei, trifft uicht die Re- gierungen allein, sondern die Gesamtheit! Die Gesundbeit unserer Beamtenverbältniffe beruht mit darauf, daß die Beamten gewiß sind, in ihren vorgeseßten Behörden Verireter zu finden, die sich ihrer berechtigten Interessen nach besten Kräften annehmen. Davon sollen die Beamten auch in dieser schwierigen Frage überzeugt sein, wenn ihnen auch vieUeicbt augenblicklich die Entscheidung aus begreif- licben Gründen eine Enttäuschung bereitet. Gerade die Zusammen- knüpfung der Finanzreform mit der Beamtenrefonu ist eine Garantie dafür, wie ernstlich den Regierungen an der Förderung der Beamten- reform liegt. (Lathen in der Mitte.) Denn ernsilich genug liegt ihnen die Förderung der Finanzreform am Herzen, das mögenxSie schon glauben. Nach der Auffassung der verbündeten Regierungen sind beide Vorlagen dringlich; aber beide gehören zusammen, sie ge- hören zusammen, wie Einnahmen und AnSgaben zusammengehören.

(Schr richtig! rechls.)

Ich bin am Ziel mit meinen Bemerkungen. Ich glaube, daß der eine und andere von anm _ ck Hat ja auch aus den Reden schon herausgeklungen _ wobl denken wird, das Ziel, das KH der neue Staatssekretär gesteckt bat. ist etwas weit und bvch- und ck gehört ein starker OptimiSmus dazu, um an dessen Erreichung zu glauben. Nun, meine Herren, einmal per- sönlich gesprochen: obne einen gewissen OptimiSmus *kann man keine großen Aufgaben lösen. (Bravo! rechts.) Wenn ich eine solche ernüe, aber frohe Zuversicht nicht hätte, dann wäre ich an das Amt, in welehem ich fiebe, nicbt herangegegangen. In dieser Zuverficht bestärkt mich die felsenfeste Ueberxeugung von der Nowendigkeit, daß die Aufgabe, die mir obliegt, gelöst werden muß, und daß sie also gelöst werden kann, und daß sich das Verständnis für die Notwendig- keit in immer weitere Kreise unserck Volkck verbreiten wird. Ich fuß: aber in leßter Linie auf einem festen Vertrauen auf den gesunden politischen Sinn, auf die Vaterlandsliebe unserck deutschen Volkck und seiner gewählteii Vertreter in diesem hoben Hause. (Lebhaftes Bravo !)

Auf Antrag des Abg. Singer (Soz.) findet eine Be- sprechung der Interpellation statt.

Abg. Singer (Soz.): Man kann bedauern, daß der neue Staats- sekreiär des Reichsschaßamtes mit einer solchen Rede hier hat debütieren müssen. Wäre alles, was der Staatssekretär gesagt bai, wirklich zu- treffend. dann hätte der Reichskanzler hier erscheinen und seine Sache führen müssen; der Schaßsekretär ist 'edenfalis noch nie im Reichtage als der berufene Vertrettr die Situation der auSwärtigen Politik angesebezr worden. Die Ausführungen über den westlichen Nachbar und uber den Wert, den Deutschland bei seinen Finanzsrbwierigkeiten im Rate der Völker einnimmt, scheinen mir ganz hinfällig; nach unserer Anficbt werden solche Gesichtßpunkte auch bei dem emagiertefien Gegner Deutschlands nieht in Betracht gezogen. Der Staatssekretär mag mit Verzeihen, wenn ich auf diese Seite seiner Ausführungen mit dem trivialen Worte erwidrre: Bange machen gilt nicht! Die Beamtenbesoldung soil jest nicbt verabschiedet werden können, weil die Finanzreform_ noch'ntcht zustande gekommen ist. Die Erhöhung der Beamtengebalter tft nach nzeiner Meinung eine absolute Notrvendigkeit, sie muß geschehen, gleichviel; wie die Finanzreform ausfällt; wie diese aber ausfallt, das ist abhangig von der Art der Vorschläge, die gemacht werden werden. Darum ist diese Verkoppluna durehaus unberechtigt. Die Beamtenbesoldun serböbung ist eine Pflicht der verbündeten Regierungen und des eicbstags. Gerade aus!) mit Rücksicht auf die weiteren, Aufgaben dieser Finanz- reform muß diese Verkopplung zuruck,;e'wtesen werden; denn die Finanzreform bezahlt schließlich das Volk m_ den erhöhten indirekten Steuern, und diesck_ Volk kann schon jetzt nichts mehr tragen. Die Steuerreform wird nicht eher zustande kommen, als bis die Regierun von dem unheilvollen „Grundfos abgeht,“ daß das Reich nur an indirekt Steuern angewiesen sein soll. Dre Steuern sind von denen an zubrinqen, die sie nach Bildurrék und Best in der Lage sind zu bezahlen. Wenn die be chenden Klo en in Deutschland sich den Luxus der großen Flotten- und Militäraußgaben gestatien, dann sollen fie aueh die Ausgaben dafür tragen, nicht aber der Muffe und also auch wieder den kleinen und mittleren Beamten auferlegen. Der Staatssekretär weist bin auf das Nationaivermögen, da] sicb erheblich erböbt habe; aber wo steckt diese Erhöhung in der Hauptsache? Nicht bei den Arbeitern und kleinen Gewerbetreibenden, sondern sie ist einer kleinen Minderheit in die Taschen geflossen, die denn auch wieder für diese neue Lasten aufkommen mögen. Es tft _ die erhöhten Spareinlagen als Ueberscbyffe uber den Bedarf der einzelnen anzusehen; ck handelt sich vielfach um vorübergehende Aufbewahrung von Geld, eine dauxtnde Steigerung dck Wohl- standes der Bevölkerung ist damit nicht zy_ beweisen. Die Lebenshaltung soll eine böbere geworden jean. Das kann zugegeben werden, aber daraus resultiert noch lange nicht eine größere Woblbabenbeit der breiten Massen. Die höheren Einnabmen geben schon in Hinsicht auf die erböbten Leben!:nittelpreise wieder drauf. Leßiere sollen kein entscheidender

aktor für die Notwendigkeit der Erhöhung der Beamtenbesoldunken ein. Ich bin e?enteiliger Meinung; die Schutzzollpolitik bai dese Erhöhung der (Eu det, die jeßt eim: 25% betragt, und an der das Zentrum dur us mitschuldig ist. Die Bevölkerung wird also jekt mit doppelten Ruten guüebiigt, _einmal mit den höheren Preisen der Lebenömiitei und Bedarfsgeaenstande und zugleich mit den dadurch nommdig aemarbten neuen Steuern. Mit großer Feierlichkeit wurde im vorigen Jahre die Beamtenbesoidunqsverbefferung amtlich angekündigt; aber daran war auch kein Zweifel, daß die Finanzreform erwartet werden müßte. Jenes Veri r m hat die Regierung nicht gehalten und bittet nun um Entf uld u ; die Parteien akt, die keine Block- vervfiicbtung übernommen ba en, find in der Kritik diesck Verbaltens der Regierung dunbaus frei. Es war die Neigung im Hause verbreitet, bei dieier Gelegenheit die Steuerftage selbst nicht zu erörtern“ der Staatssekretär hat aber selbs! davon angefangen, und so folgen

eine ganz irrige Annahme, -

, verfiänd

wir diesem Beispiel- Der neue Stkabsekretär stbeini sein Amtdmnitiu urimuzuwoilw,daß erüberseiueeiaene Mekyuna .und 'A Feu niöuxsaat- Er batte doch wenigstens |S mit An utungeu produzieren können, um zu vergewissern, ob _er für einzelne Vorfvagen auf eine Mehr im Hause rechnen kann. Er mutet aber dem Parlament g Aufgaben zu, obne dem se den Weg zu zeigen, den er geben . Er sprach von den Entw cfm. -die sein Vorgänger binterlafsen, und meinte, diese deckten jest das Bedürfnis nicht mehr; die selbst- verständlitbe Folge davon und ei entlich auch seine Pflicht wäre ge- wesen, uns zu s en, wie ,er den rf auf andere Weise und un- exäbr auf wel Weise er ibn decken wollte. Nach den Aus- rungen besonders am Schlusse seiner Rede läßt sicb voraus- en, daß er die Babu seines Vor ängers wandeln wird, daß Bedarf durch indir : Steuern aufgebracht und die breite affe dck Volkes wieder die Rechnung bezahlen soll. Es ist wenigstens gut, daß man nun im Volke weiß, was man von dem neuen Herrn zu erwarten bat. Das Wohlwollen der Bevölkerung für die Erhöhung der Beamtengebälter wird sebr ab- Fühlt werden durch diese Perspektive; auch in den Kreisen der eamten, die dann abermals zu den Notleidenden gebären, wird die Freude sebr gedämpft werden. Die erwartete Aufklärung ist also alles in allem ausgeblieben; wir hören nur, die Besoldungsverbefferung wird vertagt, ebenso wie die Finanzreform, und ck soil inzwischen eine Teuerungsvorla e gemacht werden. Es hätte gar nichts entgegen- gesianden. die eam'tenbesoldungsvorlage noch in dieser Seifion an den Reichstag zu bringen" jekt will man sie als Vorspann für die Finanzreform benu en. Der Gedanke der Deckung von Besoldungs- verbefferungen dur Anleihe ist eigentlich das Grotckeste, was man sich denken kann. Es werden schon viel zu viel Anleihen zur Deckung laufender Ausgaben im Reichöerat aufgenommen. Wenn die Einsel- siaaten im Bundesrat? alle die gro en Flotten-, Heerck- und Kolonial- auSgaben bewilligen, find sie an verpflichtet, daran mitzutragen. Ich habe gar nichts gegen eine Veredlung der Mateikularbeiträge; namentlich könnte Preußen als der Hauptschuldi e einen bedeutend höheren Betrag an Matrikulatbeiirägen auf sich ne mm. Der Bundes- rat hat also die Besoldungsverbefferung nicht an uns gebracht; die Berechtigung dieser Unterlaffungsfünde können wir nicht gelten lassen. Ick bitte den Staatssekretär, bei den verbündeten Re- gierungen dahin zz: wirken, daß die Finanzreform auf tragfähige Schultern gelegt wird; will man wieder die Lasten der Masse der armen Bevölkerung, aufbürden und deren indirekte Steuern erhöhen, so machen wir_mcht mit. _ Die Haltung unserer Partei wird der Beamtenscbast im Reich !ieis bewiesen haben, daß wir eine aus- kömmliebe Besoldung als eine Forderung der Gerechtigkeit anfeben. In der Sache treten wir den Forderungen und Wünstben der anderen Parteien bei. Bedauerp müssen wir, daß durch die Schuld der ver- bündejen Regierungen wieder ein Jabr vergeht, ebe etwas Durchgreifendes geschieht. Noch heute würde die Vorla e anstandslos durchgeben, wenn die verbündeten Regierungen cb entchlöiien, sie noch einzubringen. Den Beamten kann man ncht verdenken, wenn sie mit der TeuerungUulage nicht zufrieden sind. Eine solche darf nur in ganz außergewöhnlichen Fällen erfol en, um einer vorübergehenden Notlage abzubelien; aber sie zu einer ewobnbeit werden zu laffen, erscheint mir ein ganz falsches Prinzip. Wenn der Staatssekretär der Petitionsflut der Beamten an den Reichstag Einhalt tun will, so wird das ganz von dem Verhalten der verbündeten Regierungen abhängen. Nicht versäumen will ich, dem Grafen Oriola zu antworten, der uns wieder einmal anxapfte, weil “wir alle möglichen Forderungen stellen, aber für die Deckung nicht zu haben seien. Es ist das eme von den ollen Kamelien, die hundertmal vor- Tbrarbt werden, nachdem sie hundertmal widerlegt worden sind. Wir willigen für alle AuSgaben anstandslos die Mittel, wenn die Quellen, aus denen sie fließexr, uns im Prinz genebm sind. Sie bewilligen derte von Millionen, die Sie wo lgemut immer wieder der breiten asse der Bevölkerung auspacken. Machen Sie doch die Probe aufs Exempel, bringen Sie uns die Reicbeeinkommensteuer, die Reichsver- möaensfteuer. eine Erweiterung der Reichsnbschaftsfteuer, und wir werden die Ersten bei der Bewilli ng sein!

Abg. Freiherr von Gamp .): Jux Ge ensaß zum Vorredner darf ich konstatieren, daß der neue RetchSs aßsekreiär sich mit einer sehr guten Rede eingeführt bat, die noch dazu dem Stand- punkt meiner pblitiscben Freunde durchaus entspricht. Wir wünschen keine Steuerreform, die nach kurzer eit durch eine neue Steuer- reform abgelöst werden muß; ck legt nicht im Interesse der verbündeten Regierungen und des Reichstags, jedes Jahr mit neuen Steuervorlagen sich zu befaffen. Es wird am!) im Lande ungünstig ausgenommen, wenn in jedem Jahre neue Steuervorlagen an die Volksveriretung kommen. Mit dem Abg. Singer halte ich für falsch, die Beamtenbesoldungen aus Anleihen zu zahlen; aber der Abg. Singer hätte auch unsere auSnabmsweise La e anerkennen müssen. Der Abg. Singer bat dock; parlamentariicbe Erfa rungen genug, um zu wiffen, daß seine Steueranfcbauungen hier nicht im Handumdrehen zur Geltung gelangen. Der Reichstag muß doch bis zum 1. April den Etat verabschieden; dann kommen die Osterferien; das .Ver- sprecben der verbündeten Regierungen ist auch nur dahin gegangen, daß die Vorlage ,in diesem Jahre“ kommen sollte. Bei der nächsten Steuerreform wird ck sich nicht darum handeln, ob direkte oder indirekte Steuern, sondern direkte u nd indirekte Steuern; aber ck [affen sieb Wege finden, um auch einen Teil der Reichs- bedürfnifse durch direkte Staatßeinkommen- oder Vermögens- steuern zu decken. Dabei wird auch die Frage einer anderweiten Verteilung der Lasten auf die Einzelstaaten erwogen werden müssen. Es könnte eine Veredlung in gewissem Sinne möglich sein, obne die Jnteteffeu der Einzelstaaten zu verleven; die rößeren Staaten könnten sebr wobl die Steuern nach der Kop zahl tragen, um schlechter estellte zu entlasten. Dee A . Singer bat den wunder- baren Aus druck) getan,Heec und Matinese en Lu uSartikel. Jch Llanbe, die große Mehrzahl der Arbeiter haben die sicht, daß bede die notwendige Vorausseßung der Existenz des Deutschen Reiches sind. Der Abg. Singer über cbt, daß in den letzten Jahren die unteren Klaffer! nicht steuerlich bela tet worden sind. Der prin ipielle Stand- punkt dck Staatssekretärs, daß fur Ausgaben au die Deckun s- mittel vorhanden sein müffen, ist durchaus richtig; wir ba dick Verlangen immer in der Budgetkommission an die Regierung ze- sieilt; ck wird uns freuen, wenn die Regierung dick in Zukunft tut. Es ist nur zu bedauern, daß ck gerade gegenüber der Beamten- besolvungxfrage geschieht. Nach meiner Meinung wird viel zu viel auf Anleihe genommen; wir müßen uns auch in dieser Frage mit der Rzgierung darüber verständigen, wirs auf Anleihe genommen werden kann, und was aus laufenden Mtitelu Weckt werden muß. Die e Vorfrage muß erst entschieden werden. un der Kolonialeiat ni t zu lange eit in Anspruch nimmt, so ist ck nun Zeit genug, diese Vorstage zu erled en und eine Verständigung mit den verbündxten Re- Jerungen herbeizuführen. Das wird die Steuergesesgebung vereinfachen. edenfalls würden die Beamten nicht benach

w eder der Fenn

teiligt werden, wenn die Vorlag deren Beratung vielleicht 2-3 Monate erfordern würde, jest ni t erledi t wird; denn mit der Teuerungszulage würden sie ungefähr so veriJorgt werden, als wäre die Vorlage zustande ge- kommen. Vielleicht könnte der Untersiü ungsfonds für Beamte erhöht wmen. Der Staatssekretär will ck wobl nur vor der Einbrin ung der Steuervorlaaeu mit den maßgebenden Parteien

igen; so faffe ich seine bezüglich: Bemerkun auf. Wenn ein Privatmann so gewirtscbaftet hätte wie das tsch: Reich in den leßten Jahren, er würde sicher unter Kuratel gestellt werden. Es muß jeden alls von jekt ab Selkicbt gemaeht und andere Grundregeln au llt werden für die F nanzvemaltnng des Reichs. Es muß ganze r emacht werden, damit wir für einige Zeit Nubebaben. JedesM glied at die gleichePfiiibt wenn esdie

- Beamtenwünscbe erfüllen will, d e Konsequenzen zu sie en. WKM

verpflichtet. die Mittel zu bewilligen, die notwendig sind, um die n zu m Wir müssen uns da auf einer mittleren Linie ver- ändigen über ein großes Steuerptojekt; dick wird gelingen, die

ti FM fireif (SchlußinderZweiieuBEilasa)

zum Deutschen NeichSa

M 61. -

(Sihluß aus der Ersten Beilage.)

Aba- Dr. Graef (Wittich Vgg): Der Abg. Sin er sa ie, ck wäre Pflicht des Reichskanzlers gewesen, in erklären,gwan§m die Vorlage verzögert .worden ist. Ich kann ihm darin nur zustimmen,

»» die Sache ist wtch1tg_genug- Ich muß sagcn: „Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern. Wenn er so “selten erscheint, verliert er _ Statt dessen schickt er den Schah ekretar, um die Verschleppung zu entschuldigen. Wir wi en doch nicht, wie wir mit ihm daran sind; er sist mit der weißen este der Unschuld da und kann sich darauf zurückziehen, daß er ja die Saebe nicbt emacht hat. Ich kann nicht finden, daß er eine Schonzeit beanspru en darf; nimmt man eine solche Sache in die Harzd. so muß man auch,die nötige Sachkenntnis haben. Immer- hin muffen wir uns mii [einer Erklärung abfinden. Den Vorwurf aber, den er den Parteien gxmacht hat, das?; sie sich sozusagen einck unlauteren Wettbewerbs schuld! gemacht ba n, muß ich zurückweisen. Mxine Partei trifft em olcher Vorwurf jedenfalls nicht. Wir haben immer den Beamten gesagt, wir prüfen ihre Wunsche und Werden das, vertreten, was wir für berechtigt balten. Nicht die Regierung allem ist objektiv verfahren, bis jetzt hat sie eigentlich gar nichts getan. Drr Staatssekretär von Stengel sa te am 18. März vorigen Jahres, die Beamten rufen für sich und iLre Kinder nach_ Brot. Die Beamten haben nicht, wie der jeßige Staatssekretar sagte, böbere Ansprüche, sondern sie schreien nach Brot, weil sie Hunger haben. In den Kreisen der Beamten hatten die damaligen Erkiarungen des Staatsiekr'etärs Freude und Genugtuung hervorgerufen. Und nun heute die Erklärung d neuen Staatssekretars, die in höchstem Grade enttäuschen mu ! Wie soll ck da bei den Wahlen werden? Ein höherer Beamter soll ja allerdinÉs gesagt baben, we en drr Wahlen in Preußen brauchen wir keine orae zu haben, wir aben ja keine geheimen Wahlen. Daß , der Jhs. von Richthofen sich mit der Vertagung der Sache einverstanden erklart bat, muffen wir lebhaft bedauern; zur Erledigung einer so wichtigen und dringlichen Aufgabe muß der Reichstag Zeit haben, auch im Sommer. Der Staatssekretär hat erklärt, daß Beamten- beioldung und Dxckung zusammengehören. Früher war von einer solchen Verkoppelung bet der Re kerung bicbt die Rede. Der Freisinn darf die Verantwortungsür diese ache nicht ablehnen, er hat die Aufgabe, daran mitzuarbeiten. Die Erklärung, die der Staatssekretär im Auftrage des Reichskanzlers abgegeben bat, bat mich durchaus nicbt befriedigt. Mehr als erstaunlich ist die Bezu nabme dck Staatssekretärs auf die Zuckerfteuer, deren Herabseßung d 8 Regierung doch selbst zugestimmt hat; und nun erklart sie, daß die HerabseÉung der Beträge die Finanzen in Unordnung Zebracbt hat. Das rfreulichste an der Er- klärung des StaatSJekreiars ist, daß er eine TeuerungSzulage bewilligt und dem bevorstehenden Gesetz rückwirkende Kraft geben will. Wenn das so liegt, so haben wir keine Veranlaffun , die berechtigte Beunruhigung der Beamten noch zu vergrößern. Zeh befürchte aber, daß andere Parteien, wie die Sozialdemokratie, anders vc'rfabren und aus der Verschleppung der Vorlage Kapital schlagen werden. Wenn die Regierung die Vorlage noch weiter verzögert, so muß die Vkatenfreudigkeit darunter leiden. Darum sage ich: 71068111; 00118 6.

Staatssekretär des Reichsschaßamts, StaatSminifter S t) d o w :

Meine Herren, der Herr Vorredner hat dem Herrn Reichskanzler einen Vorwurf daraus gemacht, daß er bei der Vertretung dieser Frage uicht persönlich in diesem Hause erschienen ist. Wenn ich ihn recht verstanden babe, bat er daraus gefolgert, daß der Herr Reichskanzler dieser Sache nicht dasjenige persönliche Interesse zuwende, das die Sache verdiene. Ich muß dem durchaus widersprechen. Die Leitung der Reichsgescbäfte, soweit sie verfassungsmäßig dern Reichskanzler ob- liegt, wird von dem Herrn Reichskanzler auch dann auögeübt, wenn er nicht in diesem Hause ist, und ich kann nur versichern, daß er gerade dieser Frage bier sein persönliches Interesse in der lebhaftesten Weise zugewendet hat und daß in dieser Frage selbstverständlicb nichts obne ibn geschehen kann und geschieht.

Wenn dann der Herr Vorredner - wenn ich ibn recht ver- standen babe _, um zu beweisen, daß man sich in Regierungskreisen über die Rückwirkung der Vertagung auf das Verhalten der Beamten bei den Wahlen Sorge mache, eine durch die Presse gegangene Ge- schichte wieder vorgebracht bat, wonach angeblich ein höherer Beamter in Preußen auf eine entsprechende Andeutung gesagt habe: ach, in Preußen brauchen wir uns keine Sorge zu machen, da haben wir ja keine geheimen Wahlen, » so muß ich sagen: die Geschichte trägt so alle Spuren der inneren Unwabrscheinlicbkeit an sich (sehr richtig! rechts), daß ich doch glauben möchte, man sollte auf sie nicht eingeben, ehe man sie nicht wirklich verifiziert bat, ebe man nicht selbst sagen kann: ich weiß bestimmt, daß die Ge-

schichte wabr ift.

Was endlich den Zeitpunkt der Einbrir'gung der Vorlage im Herbst betrifft, so können Sie sich darauf verlassen, daß sowohl seitens des Reichsscbasamts als auch seitens der verbündeten Regierungen ailck zur Beschleunigung getan wird. Dazu haben die verbündeten Regierungen, dazu hat die Behörde, die ich zu vertreten die Ehre habe, ein viel zu großes Jntereffe, die Sache so bald als möglich zum Abschluß zu bringen. (Bravo! rechts.)

Abg. Zimmermann (d. Rip): Der Staatssxkretär bat vorbin auSdrücklicb gesagt, der Reichstag babe Wablrucksickvten zu nehmen. die Regierung nicht. Dies Wort vom BundeSralSnsche rnuß icb do beanstanden. Die heutige Erklärung der Regierung wird“Zu- frieden eit nicbt erwecken, sondern im Gegenteil die Unzufriedenheit au erordentlicb steigern. Schon vor Jabreösrist hat der Reichstag die be timmte Zusage der Erböbung im Namen des Reichskanzlers erhalten, nachdem die letzte GebaltSerböbung vor etwa zehn Jahren erfolgt war. An solchen Worten der Regierung soll man doch,nicht drehen und deueeln dürfen“ jeßt aber tritt eine Verschleppung, etne ;Hmausscbiebung der Aufbe erung ein, denn auf etwas anderes [(Fast die" Sache doch nicht hinaus. Die heutige Erklärung der Regierung tit eine bocbsi sell am verklau uiierte, ck hängen alierlei Wenn und Aber daran ck bei t, die Veso dungsaufbefferung soil erfolqezi, wenn die Ftnanzre orm zustande kommt usw ; dem Anieben des Reiches dem Auslande gegen. iiber entspricht ck auch, wenn die den Beamten gegebenxn Ver- "sprechun en erfüllt werden. Die Finanzreform ist gewiß dringlich, aber unYere Äctbältnifse im Innern müssen überhaupt gesanden, und dazu

e drt auch das Vorhandensein einck zufriedenen Beamtenstandes. Es können ja bei der Agitation Uebertreibungen vorgekommen sein; aber der neue SchaÉekretär weiß doch sehr gut, daß die Unterbeamtey bei der Post mit ebäitem von 800, 900, 1000 „kz auskommen mussen. Dr liegen doch die Schwierigkeiten der Lebensfubrunk, da liegen die "Anfänge |U einer Verschuldungswirtßéaft, die schl eßlicb mit einer Katastrophe endet, da muß der . [ angesevt werden. Und es Handelt fich ja gar nicht eigen! ich um eine Verbesserung, ck

die Füblun? mit den Viockparteien,

"ZweiteiBeilage

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nzeiger und Königlich Preußischen Staatsanzeiger.

Berlin, Mitth, den 11. März

um die Beba tung einer schon vorher ein- genommenen Ste ung. Es sprichtf unseren Beamtensiand, wenn er sich WM" stemmt, in eine tiefere_ soziale Schicht hinunter- z'ugleiten. nicht ein bitte_tes Gefubl sicb bei ihnen regen, wenn sie jeY derart binabgedrangt werden folien? Um diesen springenden unkt handelt ck M hier„ nicht ailein um rein wirtschaftliche Rückfichten. Die Leinausscbiebung der Verbesserung wird ihres politischen Eindrucks i der BLQMiensÖUst draußen nicbt verfehlen; und diese Wirkung wird eine sebr bedenkliche sein, um so bedenklicher, je weiter nach unten. Das Reich hat seinen Ve-

bandeit sich blo

unbedingt notwendigen materiellen Bedürfniffe ist die Voraussetzung für die gewissenhafte Pflichterfüllung; der Staat ist verpflichtet, seinen Beamten einen siandckgemäßen Lebenßunterhalt zu gewähren. Wenn der Staatssekretär ziemlich energisch den Rnchstag,und seine Parteien vornahm. so möchte ich doch nach der anderen Seite sagen, es ist eine eigentümliche Erscheinung, daß Staat und Reich an ihre Pfiicbt gegen ihre Beamten erst durch die Volksvertretung haben erinnert werden müssen. Der Staatssekretär ruft die Parteien zu Hilfe, die Beunruhigung aus den. Kreisen der Beamten zu bannen. Wenn dann der Mißmut bei den Beamten in die Höhe schi t, darf die Verantwortun nicht aus die politiscbxn Parteien (: gewälzt werden. Ueber ssen und Riehtung'der tyanzreform haben wir leider von dem Staatssekretär heute nichts aberes vernommen, das bedauere ich ganz außerordentlich. Wenn man immer die alten Remote wiederholt, wird man nicht du einer durckigreifenden Finanz- reform kommen. Solange wird dick nicbt griingen, bis nicht die Regierung den entscheidenden Schritt tut und die Mächte des Groß- kapitals, die bei dem Aufschwung des .Reichck die größten Verdienste eingebeimst haben, stärker „mit der Steuerscbraube heranziebt. Der Freiherr von Gazmp meinte, die Einzel- staaten wären gern bereit, höhere Beitrage zu zahlen. Hinsichtlich S:chsens kann ich ihn in die er Bejiebuna beruhigen, dort besteht diese Bereitwilliakeit jedenfa s nicht. Noch am leßten Tage, an dem der sächsische Landtag Versammelt war, wurde auf Anfrage von der Regierung dick scharf zum Ausdruck gebracht. _Es sei denn, man würde Sachsen mebr Stimmen im Bundeskat gewabren. Die Versckoiebuna drr Besoldungßvotlagx bedeutet eine direkte Schädigung des Ansehens der nationalen Parteien. Was „soli im nächsten Winter escheben? Soll dann diese Verschiebung wieder fortgeseßt werden? s muß eine durchgreifende Lösung drr Frage erfolgen, damit unsere Veamtensckpaft sieht, daß es_ uns wirklich Ernsi ist.

Abg. Dr. Wiemer (sr. Volksp.): Auch ich muß namens meiner Partei dem Bedauern über diese Hinausscbiebuna der Vorlage Ausdruck geben. Der Hinweis auf die HerabseYung der Zuckersteuer, mit der uns der Scbaßsekretär die Pille versü en wollte, ist nicht'siichbaltig. Denn die Herabseszung soll erst einireten, wenn 35 Millionen neuer Einnahmen für das Reich erschloffen sind. Die ustimmung dazu ist auch gegeben zu einem Zeitpunkt, wo man die inbringung der Be- soldungßdorlage noch für je t vorausseßte. 'Die Vertreter der agra- risch bochschußzöiinerischen olitik haben bei der„Durchsetzung der Zoilerböhung zu ihrem Vorteile ver essen, daß „dick auch zu ihrem

achieile ausschlagen könnte. Jeßt Sahm wir die Teuerungsverbält- nisse, die nicht vorübergehend sind. Einigermaßen foUte man, nun wenigstens durch eine außreicbende Teuerungßzula?e einen AuSgleicb ju schaffen suchen. Auf die Erhöhung der L_)fiziersbezüge will ich nicht eingehen, wir werden sie spater voraussichtlich im Zusammenhang mit den Beamtenbesoldungen, zu behandeln baben. Dringlicber aber als die Erhöhung der einzelnen Offiziersklaffen ist cberltcb diejenige für die Unteroffiziere. Die Fehler, die man in der inanzpolitik früher gemacht hat, rächen sich je t. Man hat diese Schwieri keiten auf das Konto der Blockvoiitik etzen wollen. Das ifi sachliZ unrichti . Auch wir haben die ftichttreue und den ernsten Willen und das ar itsvolie Bemühen dck reiberrn von Stengel gern anerkann aber einen Vorschlägen konnten wir nicht fol en und haben re t darin behalten. Dem neuen Staatssekretär en wir eine gewisse Schonzeit gewähren. DeSwegen können wir uns auch damit einverstanden erklären, daß die Finanzreform bis zum Herbst verschoben wird. Daraus folgt aber noch lange nicht die Notwendigkeit, auch die BesoldungSreform zu verschieben. Es wäre zweckmäßig _und auch für den Reichstag richtiger gewesen, wenn die einmal serti gesieüten Vorlagen eingebracht wären, damit man sie rechtzeitig hätte gründlich erörtern können. Die Steuerreform aber denken wir uns nicht so, daß wieder die minderbemittelten und ärmeren Volksklaffen vorwiegend be- lastet werden. Bei der Reichdfinanxreform muß nicht die Hauptaufgabe sein, die Einzelstaaten xu schonen,_ sondern dafür Sorge zu tragen, daß das Reich auch leisjungsfabig wird, um seine eigenen Aufgaben erfüllen zu können. Eine Vermehrung der direkten Steuern für das Reich halten wir nach wie vor für erforderlich. Auch bei der Erbschaftssteuer hat man uns von den verbündeten Regierungen seinerzeit gesagt, wir tasteten die Selbständigkeit der Einzelstaaten an und entzögen ihnen Steuer- queüen, die ihnen vrrbleiben müßten. Wir haben die Erbschaftssteuer doch auf das Reich übernommrn, und nichts von den Voraussagungen der verbündeten Regierungen in eingetroffen. Zum mindesten könnten die direkten Steuern parj pagsu mit den indirekten erhöht werden, wenn wir überhaupt an eine Vermehrung der indirekten Steuern herantreten wollen. Der Abg. Spahn lehnt direkte Steuern gb, indirekte abrr will er auch nicht, er hat auch die Matrikularbeitraße in Zusammenhang mit den Anleihen gebracht. Gerade de Matrikularumlagen kommen doch in den Einzelstaaten durch die Er- hebung direkter Steuern zum Austrag, sie sind das wirksamste Mittel dafür, daß bei der Erhöhung der Steuer nach den Grundsäven der steuerpolitifcben Gerechtigkeit verfahren wird, und nicht durch indirekte Steuern wieder die ärmeren S ichten getroffen werden. Ich kann nur wünschen, daß die Versuche auf, eredlung der Matrikular- beiträge nach Maßgabe der Leistungßfahigkett der Bundesstaaten fort- geseyt werden. Durch eine gerechte und zweckmäßi e Reform der Branntweinsteuer ließzn sich allein schon die De ungSmittel für eine Verbesserung der Bcamteybesoldungen finden. Der Staats- sekretär betonte die Notwendigkett, sich mit den Parteien ins Ein- vernehmen zu sejzen, wenn es fich um neue Steuern bandlé. Es war ein Fehler des Freiherrn von Stengel, daß er dick bei der Bandzrolen- steuer und dem Branntweinmonopol unterließ. Hoffentlich laßt der Bundeskat beide Projekte in der Yersenkung verschwinden. Hoffentlich liegt in der ein1chränkenden Erklarung des Staatssekretärs, daß erst für Deckung gesorgt werden m_uß,' kein Hmtergedanke, der die Be- fürchtungen der Beamten recktscritgt. Das Reich bat die Pflicht, die Beamten dienstireudig zu erhalten, und es tut dies am besten, wenn ck den Grundsaß beherzigt: wer schnell gibt, gibt doppelt.

Staatssekretär des Reichsschaßamts, Staatsminister St) d o 119;

Meine Herren! Von verschiedenen der .Herren Vorredner ist direkt oder indirekt der Vorwurf erhoben worden, daß ein Versprechen nicht eingelöst sei, das vor einem Jahre von meinem Herrn Amts- vorgänger namens des Herrn Reichskanjlers unbedingt gegeben sei. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) - Sehr falsch! Denn das Versprechen war kein unbedingtes, ck war bedingt durch die Ge- währung von Deckun'gsmitteln für die entstandenen Auögaben. ch

; babe das schon vorher hervorgehoben. Es ging ferner seitens de!

(1th gegenüber Verpflichtungen zu erfüllen; die Befriedigung der.

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Herrn Reichskanzlers dahin und konnte nicht weiter geben, als daß er bei den verbündeten Regierungen die entsprechende Vorlage vertreien wollte. Die verbündeten Regierungen --das wird auch dem Herrn Abg. Singer nicht unbekannt sein - sind verfaffunJSmäßig ein selbständiger Faktor in der Behandlung gesetzgeberische: Vorlagen. Jeßt sieben die verbündeiext Regierungen auf dem Standpunkt, daß mit Rücksicht auf die gesamte Finanzlage und nach den Erfahrungen der lesten Jahre die Besoldungsvorlaze nicht von der uwfaffenden Finanzreform ge,- trennt werden kann. Die preußischen Stimmen und mit ihnen der Herr Reichskanzler haben sich dieser Ueberjeugung angeschlossen, und darum ist jest die Vorlage nicht gekommen. '-

Wenn der Herr Vorredner gemeint bat, wenn man nun scipon einmal 23 Millionen an Teuerungszulagen auf jeden Fall gewäbren wollte, dann hätte man noch weiter geben können und gleich die Be- soldungsvorlage in Kraft treten lassen, so werden die verbündeten Ry gierungen schwerlicb imstande sein, diese Konsequenz zu ziehen; denn ck ifi ein großer Unterschied, ob ich für einmal das Risiko von 23 Mixiiouen auf mich nebme oder für alie Zeit das Risiko von 70 Millionen und mehr jährlich auf die Finanzen übertragen soll. (Sehr richiig2 rechts.)

Dann sind mehrere Herren, von dem Herrn Abg. Singer an, so gütig gewesen, mich zu einer Aeußerung in bezug auf meine Stellung zu den Steuerquellen zu reizen, aber ich bedauere, auf diese Reizung nicht reagieren zu können. Ich glaube, das liegt in den Verbältniffen. Es kommt darauf an, wie die verbündeten Regierungen sieben, nicht wie ich dazu stebe; ebe ich daher mit Vorschlägen komme, muß ich mich nach Verschiedenen Richtungen bin orientieren und i(b bitte, aus den Bemerkungen, die ich gemacht habe, nach keiner Richtung irgend- welche Schlüffe zu ziehen. Ick behalte nicht bloß mit -- das wäre das Wenigste -, ich behalte auch den Verbündeten Regierungen voll- kommene Freiheit nach jeder Richtung in der Beziehung Vor, und ich kann die Bemerkung nicht unterdrücken, daß ck von seiten der Parteien, die ein Interesse haben, die Sache zum guten Ziele geführt zu sehen, auch xweckmäßig wäre, wenn sie fich nicht schon jetzt für oder gegen gewisse Projekte festlegen würden. (Heiterkeit in der Mitte.)

Wenn endlich der Herr Vorredner noch gefragt hat, ob in dem Bedingungssaß, an welchen die Rückwirkuns geknüpft ifi, wenn eine befriedigende Finanzreform zu stande kommt, auch kein Hintergedanke wäre, so ist ganz gewiß in dem, was hier gesagt wurde, kein Hinter- gedanke. Die Sache liegt ja ganz klar: kommt die BesoldungSrorlage zu stande, dann soli sie rückwirkend sein; aber das'Zustandekommen der Besoldungsvorlage hängt eben von dem Zustandekommen der' Finanzreform ab. (Bravv! rechts.)

Abg. Spaß 11 (Zentr.) wendet sick) gegen eine Reibe von Aeußerungen der 21ng von Gamp Wiemer und Graef sowie des Staatssekretärs, ist aber ei de_r 11an e des Haußs auf der Jouxnalisientribüne nur teilweise verstandlich. Bezüglich der direkten Reichssteuern babe er seine Meinung und die des Zeptrums auSgesprocben; ob die Reichstags- mebrbeit sie teile, sei eine andere Sache, die Frage sei ja augen- blicklich nicbt praktisch. Daß die Finanzreform des Freiherrn von Stengel Fiasko emacht babe, könne er nicht zugeben. Man habe die ruhige Entw cklung der Ergebnisse dieser Reform _gar nicht ab- warten können; die Fabrkaxiensteuer sei von dem Freiherrn von Stengel nicht in der Form vorges lagen worden, die sie im Rei tage erhalten habe. Daß Deutchland auf den Kopf der Bevöi erung mit Sleuern sebr wenig belastet erscheint im Veraleicb mit dem Aus- lande, halte er für eine irrige Anschauung. Der kleine Steuer- zahler mit kinderreicher Familie sei viel schlimmer daran wie der vermögende Steuerzahler. Der Staatswkretär komme mit seiner Meinung, daß man auf das Ausland Rück- sicht nehmen müffe, vielleicht in Kollision mit dem Reichsranzler, der im preußischen Herrenbause bei der Polenvorlage eine sehr abweichende Meinung vertreten habe. (Der Redner verliest den betreffenden Paffus.) Mit Sicherheit könne man die Beamtenbefoldungsvorlage überhaubt nicht erwarten, denn Lie sei an das Schicksal der Finanzreform gekn_üpft, und sie ba e der Staatssekretär auch mit der Aufgabe belastet, eine finanzielle Auseinandersetzung zwischen dem Reich und den Einzelstaaten herbeizuführen, eine Auf abe, worüber man sich den Kopf zerbreche, solange das Reich be ebe. Der Abg. von (Gump wolle gleichfalis eine Reform, die auf Dezennien Rabe schaffe; solche Bedingungen soUten an die Reform nicht ge- knüpft werden. Wie die andauernde LebenSmittelVerteuerung gewirkt habe, sei auch ihm nicht unbekannt, obwohl ck sich hier nicht um Effen und Trinken allein handle, und man die Scthzollgese gebung dafür nicht verantwortlich machen könne; ck siehe na amtli en Er- mittlungen fest, das; seit 1890 bei einzelnen LebenSmitteln Preis- steigerungen von 20 bis 100 0/0 eingetreten seien. Die Koblen- preise hatten um mehr als F sich erhöht und seien allein vom Vorigen auf dieses Jahr ganz außerordentlich weiter gestiegen.

Staatssekretär des Reichsschaßamts, StaatSminifter S yd o w :

Bei der vorgerückten Stunde will ich mich in der Erwiderung auf den verehrten Herrn Vorredner auf einen Punkt beschränken, nämlich den, wo er meine Bezugnahme auf das Ausland in Gegensaß zu bringen gesucht hat zu einer Bemerkung, die der Herr Reichs- kanzler als Minisietpräsident in dem Herrenhaus - ich denke wobl bei der Polendebatte -- gemacht habe. Damals handelte ck sich darum, daß von einer Seite gegen die Rxgierungsvorlage argumentiert wurde, sie werde im Auslande, um ck kurz zu sagen, stark mißbilligt. Ich habe dagegen gesagt, unsere Position läßt uns dem Auslande gegenüber schwächer erscheinen, als wir sind. Ich behaupte gar nicht, daß das im Auslande mißbilligt wird, das wird vielleicht dem Aus- lande ganz angenehm sein, aber es ist ein großer Unterschied, ob man eine Vorlage, die die innere Politik betrifft, darum nicht will be- kämpfen lassen, weil sie dem Auslande nicht gefällt, oder ob man eiue Maßregel für nötig hält, um uns nicht nach außen in einem falscbm Licht mit Bezug auf unsere innere Stärke erstbeinen xu“ lassen.

Abg. Dr. Dröscber (kons.): Wir können uns bei der gegenwärtig"! Verhandlung von einem Eingehen auf Einzelheiten keine Fbrderura versprechen. Das Zustandekommen der Finanzreform wird dadurch für später nur ericbwert. Mit den Ausführungen des Staats- sekretärs können wir uns im großen und ganzen einverstanden erklären. Wir [eben auch in der Verkoppelung der Besoldungmfom mit der Finanzreform nicht so schwarz, daß wir eine Veriaauug der Be- oldung «1 081011638 Snoaas befütchten. Meine oiitiscben Freunde wollen keinen Zweifel darüber aufkommen la eu, daß