_ .- ...»...
Bewilligungen für koloniale Zwecke nicht eine unerwünsöte Höhe an- nehmen, müffen Sie immer sehen, was wir aubgegeben haben. Wenn das aber in dem großen Topf der Reichßschulden verschwindet, werden sehr bald die 4 bis 500 Millionen für Südwestafrika vergessen sein; wenn sie aber im Koionialbudget stehen, würde sie sich jedermann vor Augen balken. Also wir erreichen gerade das Umgekehrte.
Nun sind einige verfaffungSrecbtlicbe Bedenken oder Tan- gierungen des Vudgetrecbts geltend gemacht. Das “kann ich nicht sehen. Bereits in dem Gesetz vom Jahre 1892 hat man die Anleihe ins Auge gefaßt; jevt will man es ausführen, nachdem es sich, wie ich sage, nicht um einen einzelnen Fall wie Togo handelt, für den es wirklich ein Unding gewesen wäre, eine kleine Anleihe von 7- bis 8000000 „Fi aufzunehmen und damit das ganze System zu durch- brechen, sondern um 150 Millionen im Minimum. Darin soll nun eine Bindung des Reichstags liegen, daß da steht, daß die jeweilig bewilligten MittLl in dieser Form auSgegeben Werden folien. Meine .Herren, was Sie auf das Ordinarium verweisen Wollen, was auf die einmaligen Ausgaben des Ordinariums oder was auf das Extra- ordinarium, das haben Sie in diesem Hause noch jeweils in der Hand gehabt. Ich erinnere Sie nur daran, daß wir im vorigen Jahre die Außaaben für den Krieg in Südwestafrika ganz einfach geteilt, die eine Hälfte auf das Extraordinarium bis zum 1. Oktober genommen und die andere Hälfte in das Ordinarium eingeordnet haben. Da hat keiner gesagt: weil wir es früher so gemacht haben, müffen wir es wieder so machen. Aber ein Eesev bat nieht mehr Kraft als ein Eiatsdispositiv; mehr als Geseß gibt es nicht.
Ebenso ist es aber auch nicht richtig, wenn der Herr Abg. En- berger meint, das sei für aiie Zukunft bindend, und die Schußgebiete würden sich nunmehr keine_ Sparsamkeit auflegen. Meine Herren, in dem Moment, wo wir, wo das bobe Haus nicht mehr aufpaßt, was die Scbuvgebiete verlangen, und die Zentralkolonialverwaltung anfängt, zu schlafen, wird natürlich die Bewilligung nach allen Richtungen loszeben. Aber dazu sind wir ja alle miteinander da, daß wir aufpassen.
Der Herr Abg. Erzberger bat sicb einigermaßen darüber ver- wundert, daß bier eine Soiidarbaft außgesprochen werden solle ohne Rücksicht auf die Größe und die Prosperität der einzelnen Kolonie. Ia, meine Herren, in jeder Genoffenscbaft deutschen Rechts, falls sie nicht mit beschränkter Haftung ist, baftet immer jeder für das Ganze, und der Mann, der nur einen Ochsen bat, bafiet gerade so für die ganze Schuld der Genossenschaft wie ein Großgrundbesiver.
Nun sagt der Herr Abg. Erzberger: Mir ist das Gescß recht, wenn Sie die Reich§garantie streichen. Nun, meine Herren, ich glaube, auch solche Schußgebieißanlciben kann man verkaufen. Das kostet dann so und so vielmeerinsen und jo und so viel mehr für die Tilgung, und das macht so und so viel mehr Reichözuschuß. Aber wir wollen billig und verständig finanzieren. Ich hoffe, wenn wir einmal wieder zu solchen Anleihen kommen sollten, dann wird es schon. obne Reichgarantie geben. “ Die Leute müssen erst einmal sehen, daß die Scbusgebiete sehr wertvoll sind, und daß das Deutsche Reich bintec ihnen steht. Daß es wegen der 1 bis 20/9, die an den Zinsen fehlen, nicht die Kolonien fallen lassen wird, das liegt auf der Hand. Diese Schußgebietöanleiben sind vom Reiche garantiert, auch obne daß das darauf gedruckt wird. Jeder weiß, daß das Reich nie dafür zu haben sein wird, daß man, weil vielleicht an den Zinsen etwas fehlt, nun das Schußgebiet den Gläubigern über- bieu solle.
Aber die Solidarbaft der Schutzgebiete hat noch einen anderen Sinn. Für uns hier ist unsere Kolonialwirtscbaft ein Einheitliches. Wir behandeln hier nicht die Etats von Togo,“ Kamerun usw., sondern "ir verhandeln bier über den Etat des Reichskolonialamts, und daran gliedern sich die anderen Sachen an. Wir betrachten diese ganzen Koloniur als einen Globus und wollen diese ganzen Kolonien als eine einheitlize Kolonialwirtfchaft angesehen wissen. Wir können nicht gut eine gute Kolonie gegen eine schlechte ausspielen, sondern wir müssen die Kolonien so, wie wir sie nun einmal erworben haben, behandeln.
Aber noch aus einem anderen Grunde ist die Solidarbaft au- gebracbt. Es ist sehr wichtig für eine solche Anleibr, daß sie nicht mit- zu kleinen Beträgen berauökommt. Das ist die Crux alier deutschen Stadtanleiben, die mit 5 bis 6 Millionen an die Börse kommen. Die haben dann einen niedrigeren Kurs. weil fich kein Markt dafür etabliert; sie ist untergebracht bei ein paar Sparkassen und reichen Leuten, die sie nicht wieder beraus- geben, und wer einmal eine solche Stadtanleibe verkaufen will, muß 1 bis 2 0/0 im Kurse nachgeben oder muß sebr lange warten, bis sich wieder ein Käufer findet, der mündelsicbere Papiere braucht. Das ist meine Erfahrung als Bankier. Es ist also notwendig, für ein Papier einen entsprechenden Markt zu haben. Deshalb wollen wir keine Kamerunanleibe, keine Togoanleibe usw. haben, sondern eine durch die Garantie des Reiches gedeckte Sammelanleibe. Sie haben aber auch aus einem anderem Grunde ein größeres Inter- effe an dieser Sache. Jemand, der eine Sebußzebietanleibe kauft, fängt auch an, sich für diese Sache zu interesfieren, ganz anders, als wenn er sich z. B. eine Reich§anleibe kauft. Sie gewinnen so Leute, die fich dafür interessieren und vielleicht auch nach anderer Richtung bin Informationen einziehen, möglicherweise auch Kapitalien bin- tragen, und ich meine, daß, da dieKenntnis unserer Schutzgebiete troß allem, Was bier im Hause vsrbandelt wird, noch eine sebr magere ist, man auch auf diese Hilfe nicht verzichten sollte. Im allgemeinen halte ich es nicht für richtig, daß die Schutzgebiete drirtkn Per- sonen gegenüber verschuldet sein sollen. Das würde ein Aufgeben der Sparsamkeit und einer gesunden Etatswirtscbaft bedeuten.
Ich meine, daß die Firanzierurg der Koioniaieisenbabnen eigent- lich von der Form, in der diese Kolonialanleiben außgegeben werden sollrn, nur in einem sehr geringen Maße abbänzt, und daß es ganz gleichgültig ist, ob sie durch ein Darlehen des Reichs an die Schuß- gebiete finanziert werden oder anders. Einfacher, verständlicher, k!arer und auch sicherer isi, diese Sachen zu trennen und das Reich nicht mit einer Anzahl von Anleihen zu belasten, mit denen es direkt nichts zu tun hat.
In Togo haben Sie eine Anleihe mit einer Tilgungsdauer von 30 Jahren. In Südwestafrika haben Sie binterber eine Tilgunßödauer von 56 Jahren gegeben. Sie haben später der Manengubababn in Kamerun eine Tilgungsdauer von 87 Jahren ge- geben. und in demselben Jahre, wo Sie für Togo ein: Tilgungs- daucr von 30 Jahren festsesten, haben Sie auch Ostafrika 87 Jahre
überaus tödlichen Vefireben, welches Togo zeigt, obne Reicbszusekuß aussukommrn, indem es sich seine Leibriemen enger scbnaüte in bezug auf feirte Administration, als es gut war, Togo eine zu knappe Wirtschaft getrieben" bat, die derEntwicklung des Landes entgegen- steht. Nichtsdesioweniger. haben wir hier einen Fehlbetrag. Nun sehe ich nicht ein, daß wir] Togo so viel ungünstiger sielle'n sollen als die anderen Schußyebiete, und daß wir darauf aussehen müssen, daß das gleichmäßige Tempo, das für die Keetmansboop-Lüderißbucbt- Anleibe festgestellt ist, auch für die Usambara-Anleibe gelten soll. Ich sebr also nicht ein, warum wir Togo um 100000 .“ schlechter stellen sollen. Gerade dieses Schuygebiet, welches sicb unter der Führung seines tüchtigen Gouverneurs so gut gehalten bai, verdient eine Be- lohnung. (Bravo! rechts.)
Von den Abgg. von Treuenfels (dkons.) und Genossen ist folgende Resolution eingegangen:
.Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, im Reichsbausbalts- etat jür 1909 eme Summe anzufordern zur Errichtung eines Denkmals in der Reichshauptstadt für die in Südweßafcika gefallenen Offiziere, Sanitätßoffiziere, Militärbeamte, Unteroffiziere Und Mannschaften.“ *
Abg. von Treuenfels (dkoni): Ge en unsere Resolution könnte vielleicht der Einwand erhoben werden, daß sie etwas Ueberflüssi es sei, daß es ein Noyum sei, für Lefaiicne Soldaten ein Denkmal aus Reichs- mttteln zu err: ten. Es st aber auch ein Novum, daß wir einen Kolonialkrieg ge 'brt haben. Ich gebe zu, daß wir eigentlich Denkmäler genu baben. Manches „Denkmal mag recht überflüssig sein, aber ein enkmal, welches die Nation ihren Söhnen errichtet, die für ihr Vaterland ibr _Blut vergossen haben, ist nicht überflüsßg. T_Om Zuruf von der außersten Lmken babe ich erwartet, und ich in uberzeugt, daß die Herren der äußersten Linken unsere Resolution ablehnen w_erden, ich wünsche es sogar, denn ich halte es nicht für förderlich fur das Andenken der Gefallenen, wenn die Mittel für ein Denkmal mitbewilligt werden von Leuten, die unsere Krieger draußen als Barbaren, wüste Geselien hinstellen und ihr Andenken in den Augen des Auölandes berabgeseßt haben. Den Taten unserer Leute draußen ist seinerzeit gar nicht genügend Beachtung geschenkt worden, man hat viel mehr von dem russisch- japaniscben Krie e gesprochen, als von den Taten unserer Truppen in üdw-Zu rita Unxere braven Krieger haben hervorragende Beweise iel! siloser Tap erkeit geliefert. Sie baden e- bungert m_1d gedürstet und sind troßdem mit voller Freud g- keit fur Kaiser und Reich mit einem Hurra in den Tod egan en. Sie haben damit bewiesen, daß unsere alten militärischen ugen en von 1866 und 1870 nicht nur auf dem Kontinent fich bewährt haben. Das kameradsckoaftlicbe Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Unter- Fbenen bat sich auch bier wieder glänzend bewährt. Es ist eine
brenpflicht des deutschen Volkes, dieser Männer mit Dankbarkeit zu edenken. Wir wollen uns in dieser Beziehung nicht von En land exchämen, lassen, wv man auf Schritt und Tritt auf solche enk- m 1er trifft. Und wenn hier vor kurzer Zeit versucht worden ist, einen Gegensa zu konstruieren zwischen denjenigen Mitgliedern meiner kénrtei, dre Se Junker nennen, und den anderm, so haben Sie auch ier wieder einen Beweis, daß das vollständig deplacirrt ist. Zeigen wir, da wir unseren braven gefallenen Söhnen, die in dem Wüsten- sande (blummern und Zeugnis für den deutsckren Rubm abgelegt haben, ein treues Andenken bswabren.
Staats ekreiär des Rei skolonialamts Wirkli er Ge- heimer RatsDernburg: ch , ck
Meine Herren! Die warmen Worte des Herrn Vorredners werden in unser aller Brust ein lebhaftes Echo auslösen. Es ist keineswegs zu viel gesagt, was er hier diesen braven Soldaten und Oifixieren nachgerufen bat. Auch von seiten der Verwaltung ist dieses Gefühl bereits lange gehegt, und es ist bereits ein Aufruf unterwegs, welcher vom Reitbskamler Fürsten von Bülow, meiner Wenigkeit und den meisten Chefs der Reicbsämter sowie der preußischen und bundesstaat- lieben Ministerien unterzeichnet ist, um ein solches Denkmal zu errichten. Ick babe keinen Zweifel und hoffe, daß er Erfolg haben wird. Immerhin würde es wohl auch im Sinne der Verwaltung sein, wenn Sie dieser Resolution beistimmen würden, da man ja doch nicht genau voraussehen kann, ob die notwendige Samme für ein würdiges Denkmal zusammenkommen wird.
Meine Herren, ich möchte diese Gelegenheit benußen, um Ihnen folgendes mitzuteilen:
Eine beute Mittag von Oberstleutnant von Estorff eingegangene Depescbe meldet: , Am 16. d. M. griff das Expeditionskorps gegen Simon Copper
Coppers mitten in der Kalahari an.
Der Feind vrrlor 58 Männer tot, 7 Männrr und einige Weiber wurden gefangen, der Rest der Werft zerstreute sid nach Süden und Südwesten.
Auf unserer Seite fielen Hauptmann von Erckrrt, Leutnant Ebinger und 12 Mann, schwer verwundet wurden 9 Mann, leicht veWundet 3 Offiziere 5 Mann.
Das Expeditionskorps war in der Gesamtsiärke von 430 Weißen mit 4 Maschinengewebrm und 700 Kameelen von 2 verschiedenen Punkten aufgebrochen, am 11. batte es sich vereinigt, am 15. war Simon Coppers Aufenthalt erkundet,
Am 16. griff Hauptmann von Erckert Simon Copper mit 2 Detachements unter den Hauptleuten Grüner und Wilieke an und fiel selbst bei Beginn des Gefechts.
Hauptmann Grüner übernahm das Kommando und befabl dem im Halbkreis um die Wkrft lirgendrn Expeditionskorps den ununter- brochenen Anlauf gegen den Feind. Dieser wurde in 2 Stunden von Stellung zu Steliung geworfxn, bis er um &8 Uhr Vormitrags seinen verzweifelten Widerstand aufgab und in regelloser Flucht aus- einander lief.
Erbeutet wurden 29 Gewehre, zablreicbe Munitionen, eine kleine Heerde Vieh, einige Pferde.
Die Leistung des Expeditionskorps verdient als eine seiten hervorragende bezeichnet ju werken, in ihrem tapferen Führer _ dem Hauptmann von Erckert - verlieren wir einen der besten und riiter lichsten Offiziere; die Verluste find außerordentlich schwer, die An- strengungen für die Truppen selten groß gewesen. erst nach vier Tagen konnte zum ersten Male abgekocht werden, die Witterung war heiß und trocken, das ießte Vley-Waffer reichte nicht einmal zum Tränken der Kameele.
Simon Copper ist schwer geschädigt, aber noch nicht endgültig beseitigt.
Meine Herren, es gibt kaum ein Dokument, welches mebr geeignet wäre, die Worte des Herrn Vorredners zu unterfireicben. (Bravo!) Meine Herren, leider muß ich noch hinzufügen, daß am 5. März in Kamerun der sehr variente Hauptmann Glauniug nach einem sieg- reichen Gefecht durcb Kop'sibuß gefalien ist.
Meine Herren, ich glaube, das Wenigste, was wir tun können im
gegeben. Nun babe ich bereits darauf hingewiesen, daß in dem
Interesse dieser braven Soldaten, unter dnen ich gam besonders den
unter Führung des Hauptmanns von Erckert die Werft Simon"
Hauptmann von Erckert nenne, den Sobn einer alten preußisöen' Offiziersfamilie, den ich selbst gekannt babe, ist, dieser Resolution
Ihr: volle Zustimmung zu geben.
Abg. Erbprinz zu obenlobe-Langenburg (Rp.): Im Namen meiner Freunde erk äre ich unsere Zustimmung zu dem Antrage Treuenfels. Fur eden Deutschen ist es ein tiefbetrübendrs Be- Lvußtiein, daß auch evt noch, nachdem die schwersten Kämpfe über- standen sind, Opfer an edlem deutschen Blut an Offizieren und Mannschaften gebracht werden müssen. Es ist mir Bedürfnis, das hier außxusprecben, wir werden den Guten ein ehrendes Andenken bewahren. Der bisherige Verlauf der Debatte bat neigt, daß zwischen der Veertnnq und dem Reichstag eine größere Uebereinstimmung herrscht, als es früher der Fall war. Die energi! Tätigkeit des neuen Staatssekretärs hat hierzu ganz wesentlich be getragen. Aber auch andere Gründe haben mit dazu beigetragen, daß im deutschen Volke ohne Unterschied der Partei sich eine größere Kolonialfreundliäo- keit zeigt. Vor nicht zu ferner eit herrschte ,bei uns. eine gewiffe koloniale Nervosität, die zum Tei nicbt unberechtigt war. Es fehlte uns an einer Tradition in den Kolonien. Die RMerung hatte auch da keine Erfahrung; Zustände traten ein, die illionen kosteten und dem Volke die Lust an den Kolonien nahmen. Demgegenüber sahen wir, wie Englands Kolonien prosperierten, vergaßen aber, daß auch andere Nationen nicht mit einem Schlage solche Erfolge erreicht hatten. Die Verluste in den Kolonien baben uns gezeigt, daß wir Geduld haben müffen, das; wir froh sein müssen, da wir in Jahrzehnten etwas Durchgreifendes erreichen können. Wir iind doch jevtso weit ekommen, daß wir hoffen dürfen, daß die Kolonien allmählich sich :) konsolidieren, um obne Reichszu chuß auszukommen. Das wäre nicht nur ein finanzieller Erfolg, sondern auch von günsiigsiem Einfluß auf die ganze Verwaltuugßlätigkeit der Regierung. Man kann allmählich an eine Dezentralrsation denken; noch jest wird sebr vieles von der Zentrale erledigt, was füglicb in den Schutzgebieten selbst erledigt werden könnte, zumal die Zentralinst-nz mit den örtlichen Verhältnissen doch nicht so vertraut sein kann, um ihr eine endgültige Ent- scheidung zuzumuten. Die Beamten der Lokalverwaltung sollten also auch den Gouverneuren gegenüber mit größerer Verantwortlicbkeit ausgestattet werden. Vor allem ist aber eine gründlichen Aus- bildung der Kolonialbeamten in der Praxis dam nöti ; es muß ein Kolonialbeamtenstand angestrebt werden, der nach ?einer Vor- und Ausbildung wirklich kolonial ist; die Beamten müssen in den Scbußgebieten selbst außgebildet werden, nicht am grünen Tisch, sondern durch uweisung an die BezirkSamtmänner. Eine gewisse Tradiiion mu in der Verwaltun kpraxis durchgeführt werden, die Bezirkßamtleute dürfen nicht me r in so kurzen Fristen ibren Ziosim verlassen. Soll der Kolonialbeamtenftand aber tüchtig und raucbbar sein, so muß man auch seine Zukunft sicberfielien; es müßte ihnen nach einem gewissen Aufenthalt in den Schuß- gebretcn ein Anspruch auf Pension gewährt werden; vielleicht könnte man ihnen auch nach einer Reibe von Dienstjahren ein Kapital [geben, vielleicht auch könnte solchen Kolonialbeamten, die n den Tropen nicbt mebr dienstfäbia sind, in der Heimat weitere dienstlickoe Besckpästigung in Aussicht gestellt werden. Nur eine systematische Vorbildung und Ausbildung un erer Kolonial- beamten kann uns den wirklichen Beüv unserer Kolonien garantieren; nur mit Hilfe eines solchen werden wir an eine richtige Ein- geborenenpolitik treiben können. Von allen eth schen Momenten ab- eseben, wird die Vorfrage zu steUen sein: Wie ist die wirtschaftliche
bung der Schuhgebiete anzustreben? Wir wissen, daß die Kulturen dxr Eingeborenen in Ostafrika bedeutend zugenommen haben. *Das bisher in unseren Kolonien Erreichte kann aber noch nicht die obere Grenre dessen darstellen, was der Eiaaeborene leisten“ kann, denn er arbeitet bis jeßt noch mit sebr primitiven Mitteln. Wird nun der Schwarze sich fur die höhere Kultur entwicklungsfäbig zeigen, wird er zu böberer Kultur zu envecken sein, wird er die Skgnungen der europäischen Kultur sicb nußbar machen können? Ja, aber nur, wenn er durch den Euroväer angeleitet wird. Was aus den Negern wird, wenn sie sich selbst überlassen bleiben, das bat man an den Neger- republiken gesehen, das haben die neuesten Vorgänge auf iti gelehrt. Es ift nicht die Aufgabe des Staates, große Ges äfte mit den Kolonien zu machen, wobl aber, die Arbeitskräfte der Eingeborenen für diese selbst und für die Gesamtheit nußbar zu machen. Dazu müssen die Ein eborenen aber erst arbeiten gelernt haben, und das ist die nätbite Aufßabe der Verwaltung. Er soll für seine Arbeit reichlieben Verd enst bekommen .und auf diesem Umwege zur Erkenntnis vom Nußen de; Arbeit kommen. Die Warnung des Staatssekretärs vor Ermutigung der Auswanderung nqch Ostafrika sollte gewi nicht gegen die dortigen Ansiedler gerichtet sern, sondern nur die A lebnun einer Verantwortung dafür sein, wenn jemand dabin ebt. Die egierung bat eine sebr langwierige und schwere, aber au sebr lohnende Aufgabe übernommen, eine Auf- gabe, die ihre ganze Energie erfordert. Die Regelung der Arbeiter- verbältniffe wird stets große Schwierigkeit bieten. Sehr dankens- wert war der Hrnweis auf die Reaelung in den benachbarten englischen Kolonien; wir haben daran ein Muster, von dem nüßlicher Gebrauch zu machrn sein wird. Es gibt sicher wie bei uns so auch in Afrika nur wenig Menschen, denen die Arbeit, zumal die harte Arbeit, noeh
wirkliches Vergnügen bereitet; es wird ohne einen gewissen Zwang .
nicht abgeben. Der europäische Ansiedler darf, auch darauf wird die Regierung zu sehen haben, seine Arbeiter ni t mißbandeln; die köiv-riicbe ücbtigung muß möglichst eingeschrän und eine amtliche Aufsicht ge bt werden, die wahrzunehmen unsere Kolonialbeamten sicb ficberlicb trov der großen räumlichen Schwierigkeiten an- aelegen sein [affen werden. Lebhaft erfreut uns die Vorlage wegen Verbrsserunq der Verkekawe e in den Kolonien. Vis jeßt ist in “dieser Beziehung nur in escheidener Weise vorgegangen worden, weil in der Heimat vielfach das Verständnis dafür “noch feblle. Die neuen Bahnen werden nicht nur dem Handel und der wirtschaft- lichen Entwicklung dienen, sie werden auch den Ansiedlern im Innern in der Rikbtung zugute kdmmen, daß sie ihnen die Mögiichkeit der Kommunikation mit der Küste erleichtern, sodaß sie nicht mehr wie bWber jgbrelanß von allem Verkehr abgeschnitten zu sein brauchen. Was Sudwesia kika speziell betrtfft, so trifft die Verwaltung das Richtige, wenn fir den W-ißen die Absaymöglichkeit für ihre Produkte erleichtert. Das numerische“ Verhältnis zwischen Ansiedlern und Kauf- leuten _und Handwerkrrn ist jekt kein richtiges. In dieser Beziehung wizd dre Schaffrrng neuer ?( saßmöglichkeit eine geeignete Abhilfe bringkn. Es ist freudig begrüßt worden, daß der neue Staatssekretär em festes Prbgramm aufgestelit bat. Im allgemeinen können wir sagen, daß wir Deutsche zu leicht geneigt sind, der rauen Theorie zu folgen. In den Kolonien handelt es sicb um rasche Öntschli ungen und darum, dgß wér dort die richtigen Männer haben. Der taats- sekretafr ist ern Mann der Praxis; hoffentlich gelingt es ihm, die Kolonrrn auf die Höhe zu bringen, die wir alle wünschen. Vizepräfideyt Kaempf: Der Vorredner hat am Eingang seiner Rede den Gefubleu Ausdruck gegeben, welcbe die Mitteilung des Staaisirkreiärs des Reichskoloniaiamts über die neuerlichen Kampfe m Sudwestafrika und Kamran und die damit für uns verbundenen Verluste _bervorrufen mußten. Ich glaube, daß das gesamte Haus diese Gefuole tetit, und ich b7n der Ansicht, ck ich Ihren Gefublen Aerruck gebe, wenn ich Sie bitte, sich in E rana dieser gefallenen Offiziere _und Soldaten sowie derer, die in den früheren Kolonial- kämpfen tbr Leben geiafsetx haben, von Ihren Pläßen zu erheben. (All- seitige Zusiimmun ; dre Mitgxieder desHauses und des Bundeörats haben sicb schon bei den ten Worten des Präsidenten von ihren Pläßen erhoben.)
5
(Schluß in der Zweiten Beilage.)
„ .
Zweite Beilage“
zum“ Deutschen Reichsanzeiger imd Königlich Preußischen Staatsanzeiger.
M 69.
Berlin, Freitag, den 20. März
' ' 1908.-
(Schluß aus der Ersten Beilage.)
Abg. Eichborn (Soz.): Es ist mir mitgeteilt worden, daß der Abg. Müiler-Meiningen keineswegs den Auftrag der gesamten Presse hatte, hier einem der Herren Xreßvertreter gewiffermaßen eine öffentliche Rüge zu erteilen, und i „muß sagen, daß wirklich der Anlaß auch nicht so groß war, davon em großes AufhebenSzu machen. Wenn die Herren auch einmal etwas lauter werden, so sollten wir doch nicht gleich so engberzig und kleinlich sein, uns darüber besonders aufzuregen. ch denke, wir bilden uns alle nicht ein, unfehlbar zu sein. Die Herren oben haben sehr schwer und lange zu arbeiten, und ich denke, wir sollten nicht gleich nervös werden, wenn'sxie sich auch einmal etwas erlauben.. -- Was den KYoniaietat anbetrt t, so weiß ich wirklich nicbt, worin sich das neue System so sehr von dem alten unterscheidet. Neu ist nur und wirklich anerkenrknswert die Offenheit, mit der der neue Staatssekrejär die Zustände namentlich in Ost- afrika geschildert bat. Uns war das ja alles bekannt; das der- brecberische Treiben, der Raubbau, der dort getrieben_ wird, die Brutalität der Beamten hat wesentlich zu den A_ufstanden Anlaß gegeben. Der Ab . Spahn ermahnte uns geftern, uberthese alten Dinge Gras wachßen zu lassen. Aber gerade jene Mrßsiande sind es gewésen, die die Opfer gekostet haben, die wir'alle beklagen. Wir alle haben soxben das Andenken der gefallenen Krieger eebrt, und es ist eine Unwahrheit, wenn der, Abg. von Treuenfels ebaupiet, wir hätten die Soldaten beschimpft. Diese Soldaten sind Fleisch von unserem Fleisch, sie gehören in ,der Hauptsache den unxersien Volksscbicbten an. Der Staatssekretgr bat die Eingebore n fur das wichtigste Aktivum der Kolonien erklart. Mit der Ueber e_ßurzg, die der Abg. Schrader diesem Sass gegeben hat, daß namlich die Kolonien Schutz-, nicbt AusbeutungSobjekse sein sollen, wrrd ficb'der Staatssekretär kaum einverstanden erklären; denn in seinem Srnne soll sicb doch das Aktivum aucb verzinsen. eine Renis, abwerfen. Der Staatssekretär bat gedroht, gegen dre_Un_botmaßrgkeit mit den schärfsten Strafen vorzugeben. Die Pruzeliirafe soll danach also in ein gewisses System gebracht werden, wxnn sie auch mxt Krulelen umßeben werden soll. Was nußt uns eme auSgrmergelte Eingeborenenmasse. Trotha verfolgte eine Außrottungspoltttk, der StaatSiekretär wird nun jedenfalls eine Verordnung erlaffen, daß die noch in Afrika befindlichen Soldaten zur Fortpflanzung der Eingeborenen nutzbar gemacht werden. Es ist erfreulich, daß man die Kulturmaske gelüftet und, offen bekaxmt , hat, da die eifrige Hebung der Schwarzen ihre Grenze in tbrer mqtcriellen Llusbeutung findet. Man hört es heraus, daß auch die_Mtssionare mehr Vorarbeiter der Ausbeutung sein sollen als Trager christ- licher Kultur. Für uns Sozialdemokraten ist in dem neuen System des StaatKs-krelärs nur eine organisierte Ausxrußung der Neger en't- balken. Ohne gewisse Aussicht steckt “kern Unternehmer sern Kapital in die Kolonien. Darum legt der Staatssekretar das Haupt- gewicht auf den Handel und auf den Bau von Eisenbahnen. Die 150 Millionen werden natürlich nur der Anf_ang sein; schon in den vorgelegten Karten sind die Anhaltspunkte fur eine Fortjesuna vor- handen. Wir fragen: warum nicht gleich Volle Arbeit macheg? Wir werden es noch alle erleben, daß der Staatssekretar in kunftigen Sißungen sagen wird: wir müssen weiter bauen, die Bahnen zu Ende führen. Die an die Bahnen geknüpften Hoffnungerr können wir nicht teilen. Sieht man sich nüchtern die _Berichte an, dre uns zugegangen sind, so muß man troß aller Schönfarberer zu einem Urteil kommen, das für die Kolonien nicht sehr rosig ausfällt. Kamerun soll vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch_ stehen ' es ist ein jahrelanger Raubbau getrieben worden, die'Handler aben in verbrecheriscber Weise auch mit Menschenleben emen Raubbau getrieben. Der wirt- schaftliche Zusammenbruch ist auch_ durch eine oder einige Eisen- bahnen nicbt aufzuhalten. In Sudwestafrika ist nur wenig Be- völkerung vorhanden, und die vorhandetze ist krank und ohne leb- Mit Togo renommiert man, weil es rn seinen Außgaben und Ern- nabmen balanciert; das ist nur dem Schnapßzoll _zu _verdanken. Es werden Generationen notwendig sein, und die Kaprtalren werden ins Ungemeffene Wachsen, bis das Mutterland einen Vorteil von
at. _ WMF» Dr. Paasche (nl,): Dem Abß. von Treuenfels mochte ich unsern Dank dafür aussprechen, daß er d e Anregung gegeben h_at, ein dauerndes Denkmal für diejenigen_zu schaffen, die in schweren Kampfen draußrn ihr Leben haben lassen muffen. Wir hoffen, daß es bald ge- lingen möge, Frieden ohne weitere große Opfer herzustellen. Dem Staatssekretär danke ich, daß er nicht mehr sich so hart und schroff wie in seiner ersten Rede iq der Kommission 'ausJefproYen hat. Aber er macht einen prinzipiellen Unterschied zwis en seiner Anschauung und der, die estern der Abg. v. Liebert ausgesprochen hat. Es besteht er er zwischen diesen beiden Anschauungen gar kein fundamentaler Unterschied. Auch die um Liebert denken gar nicht daran, den Eingeborenen zur Arbeit u erziehen nur für die Pflanzer und Plantagenbesißer, ki: wollen ihn nur auch für diese erziehen. Das Jntereffe der Neger ist auch gewahrt, wsnn Z': bei einem guten wohlwollenden uud humanen Arbeitgeber im rezist stehen. (Zuruf: bei den Sozialdemokraten.) Es kann nichr ieder ein selbstgndrger Arbeiter ein, auch bei uns ist,das nicht möglich. Auch gegenuber dem Unter- cbied, den der Sraatssekretär zwi1chen Negerkultur und Plantagen- ultur macht, muß ich meinen abweichenden Standpunkt darlegen. Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit Kolonialproblemen und habe eit mehr als 20 Jahren in der Budgetkommission an allen kolonialen Yufgaben mitgearbeitet. Die Forderung, daß'man den Neger buman nnd gerecht behandeln soll, ist von aller) Seiten anerkannt und nicht neu. Dem Neger vernünftige Bedürfnisse beizubringen, um ihn zu
veranlaffen, in seinem eigenen Jntereffe Kulturarbeit zu leisten, ist „
runda, den ich vertreten habe, seit ich „zum ersten Male
Lil? GProfesffxr Vorlesungen über Kolonialpolitik gehalten , habe. Wenn man aber das eigene Interesse der Neger allzu sehr in den Vordergrund stellt und dabei einen Gegensatz schafft zu denen, die lantagenkuitur treiben, so ist das vom Uebel. Jeb babe die
Kolonialpolitik nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch studiert, und in vielen kolonialen Gebieten und auch in __solchen, die eine alte Kultur haben, wo seit Jahrhunderten europatsche K_ultur- arbeit unter den Eingeborenen getrieben _wird, und babe ubrrall beobachtet, das; nur die Kolonien vorwarts kommen, bei denen Schwarze und Weiße Hand in Hand geben., In Englisch-West- indien ziehen sich die Weißen zurück, weil dre Neger allzu burxran behandelt werden. Der Neger, wenn er der Herr wird, steht die Zügel viel straffer an als der Weiße. Letzterer zieht dann fort, und was bleibt, ist nicht Kultur mehr, sondern Unkultur. Der Neger arbeitet nur in seinen) Interesse, nur fur das, was er braucht. In Portorico babe ich Spanier gesehen, die zu Negern herab esunken waren; das sind die Folgen, wenn man den Neger sich auss lie [ich selbst überläßt. Haben Wik nicht alles etan, um auch die Einge orenenkultur zu beben und zu pflegen? Das
&olonialwirtschaftlicbe Komitee hat seit Jahren nichts anderes getan. Man ist von alledem jeßt zurückgekommen, nicht weil der Herren- standpunkt herrscht, sondern weil die Neger noch nicht so Mit sind, daß sie für rab selbst sorgen. Wie viel HungerSnot haben wir nicht auch in stafrika noch jetzt ebabt weil die Eingeborenen noch b-ute nicht imstande sind, ohne zwiichentreten der Weißen große Massen von Produkten zu produzieren und zu konservieren, um uber
arme eiten binwe zukommen. Die kulturelle Arbeit, haben schon die M sfionen gelei?tet, dazu braucht may keine politische Macht. I t "handelt es sicb darum, wirtschaftlrcbe Produkte zu schaffen, un ere Industrie zu Abnehmern zu machen, d e Hilmeittel unserer Produktion in eigenen Ländern zu produzieren. Das ist nicht Außbeutungspolitik, sondern Sibux unseres Wirtschaftölebens. Es wird so dargestellt, als ob in der rbeiterfrage die Weißen die
Schuld trügen. Wenn jemand in der Kolonie mit der ervferd--
eitsche berum cht, so dient ihm diese als Spazierstock. Auch hier peben Leute mßt der Nilpferdveitscbe berym. Es wird niet_nand ein- ?aiien, damit zu schlagen. Daß keine Markte organisiert wurden, ist unzutreffend. Ich babe viele Plantagen gesehen, wo dies der Fall War. Näbrt man den Neger gut und gibt ibm satt zu essen, so hat man auch Arbeiter. Das sagen nicht nur dte Pflanzer, sondern auch die Missionare. Ein satter Neger ist ein williger N_eger. Die Mehrzahl der Pflanzer baut den Leuten auch_ gute Hutten, gibt ihnen, wenn es kalt ist, warme D'ecken und nabrt sie gut. „Dazu ist er überhaupt schon durch sein etgenxs Jntereffe gezwungen, denn sonst sind die Leute einfach aux nachsten Tage verschwundeu. Der schlimmste Aufstand, der in SudWestafrika, ist doch nicht durch die Robeit der Arbeit eber veranla , sondern die Herero haben. in der grausamsten Wei?e die friedli neben ibnen lebenden Weißen bingemordet. (Widerspruch bei den Sozigldenzokraten. Zuruf: Sie haben betrogen !) Es mögen thrugereren „vorgekommen sein, aber wir würden uns das traurtgste Zeugnis ausstelien, wenn wir bier im Reichstage zugeben wollten, daß draußen unsere Landßleuie Betrüger und Schaffe sind. Die binau_s- gehen. sind wahrhaftig nicht die schlechtesten Clenrente, die fur ein Neu-Deutscbland kämpfen und bluten, dre ihre Haut zu Markte tragen und mehr leisten Lals mancher, der hier hinter den Fleiicbtöpfen siven bleibt. Wir wiffen doch, da auch in Ostafrika von Grausamkeit nicht die Rede war. Die ingeborenen soliten zur Kultur erzogen werden, und das war ibnen_unbequem. Der Staatssekretär bat gewiß mit Recht gesa_gt, daß_fur die An- siedler viele Vorbedingungen fehlten. Ich batie gewunscht,sdaß"er hinzugefügt hätte, diese Vorbedingungen wollen wir so bald_wte mog- lich schaffen. Auf dem fruchtbaren Hochlande sind weite Flachen vor- handen, wo kleine fleißi e An edler in roßer Zahl ihr Brot finden können. Diese kleinen lZlni'ied er sind cherlich k_eine Ausbeuter und Unterdrücker, sie arbeiten mit ihren eigenen Fanden, mit Frauen und Kindern. Was die Trappisten gro es geleistet haben in dieser Beziehung, können auch die deutschen Ansiedler leisten; Es bandeU ich hier um die Gründung eines Neu-Deutscbland fur_ die beranwa sende Jugend. Ueber die Art der Finanzierun und uber die Eisenbahnen im einzelnen werden wir 1a in der ommission (Gelegenheit haben, uns zu unterbaltexr. Dari_kbar aber bin ich dem Staatssekretär, daß er diese Forderung fur die errnbabnen gebraxht bat.
Präsident Graf u tolberg: Meme Herren, in den lcßten Tagen sind mebrfaÖ während der Reden einzelner Mitglieder des Hauses Aeußerungen des Mißfallens von. der Journglistenjribune gegeben worden. Ich habe bereits Gelegenbxtt gehabt, drese Störung der Ordnung zu rügen, ich will aber noch et'nmal daranuf aufnzerksam machen, daß ich im Wiederholungsfalle genötigt sein_w1_zrde, diejenige Tribüne, von der solche Störungen gu6geben, raumxn zu lassen. Wenn ein Mitglied des Hauses gegenuber solchen Storungen einen von mir nicht gehörten unparlamentarischen Außdruck gebraucht bat,
so bedaure ich das.
Staatssekretär des Rrichskolonialamts, Wirklicher Geheimer Nat Bernburg:
Der Herr Abg. Dr. Paastke gibt mir Gelegenheit, noch einmal die ja so viel umstrittene Frage der Arbeiter in Ostafrika zu berühren. Ich hoffe, es gelingt mir nun, einmal festzustellen und ganz genau zu um- schreiben, warum es fich handelt. (Unruhe.)
Anscheinend stehen sich hier sebr verschiedenartige Anschauungen gegenüber; und troßdem hat der Herr Abg. Dr. Paascbe _ und mit Recht- gesagt: so weit sind wir gar nicbt auSeinander in der Frage, wie es immer wieder durch das Hervorkebren gewisser Gegensäße erscheinen will. Wenn ich mich gestern gegen die von dem Herrn Abg. von Liebert vertretene Theorie gewandt habe, so habe ich es getan mit Rücksicht auf die Zitate, die er aus der .Usambara Post“ vorgelesen hat, und mit Rücksicht auf die Anwaltschaft. die er gegen- über denjenigen Leuten übernommen bat, die diese Sachen in dem Blatte geschrieben haben.
Nun besteht aber doch ein ganz gewaltiger Unterschied zwischen dem, was die Farmer und Pflanzer für die Zukunft verlangen, und dem, was in diesem boben Hause auch von den Nationalliberalen be- fürwortet wird. Meine Herren, es ist doch keiner von Ihnen hier, der etwa dafür einträte, daß man 12 Rupien Hüttensieuer nehmen soll; keiner tritt dafür ein, daß man bis 25 0/9 Zölle auf die Nezernabrung legen soll;
keiner dafür, daß die Leute mit Gewalt aus Unyamwesi nach der Küste.
gebracht werden sollen, das; sie dort zwangsweise und übermäßig lange gehalten, wieder eingefangen und zurückgeführt werden sollen. Es ist doch überhaupt niemand in diesem hoben Hause, der dieseübertriebenen Forderungen der Herren in Usambara vertritt! Dagegen hat gestern der Herr Abg. von Liebert, wenn ich ihn recht verstanden babe, diese Forderungen vertreten, indem er eine Drohung verlesen bat, wonach die Leute, wenn diese Forderungen nicht bewilligt würden, außzieben würden, und ferner eine Beschreibung des Negers und meiner Ansicht über ihn gegenübcrgestelit. Dagegen babe ich mich gewehrt. Ich glaube, wir sind uns alle darin einig, daß wir das ganz sicher nicht wollen. Wir wollen keinen Zwang, wir wollen keine hoben Steuern, wir wollen keine Beseßung der Grenzen, um die Leute dort zu halten; kurzum: wir wollen alles das nicht, was die Pflanzer übertriebener- weise verlangt haben. Was wir aber zusammen wollen -- darüber sind wir doch einig -- ifi eine Arbeitsordnung. die das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen regelt, eine Arbeitöordnung ungefähr in den Grenzen, wie sie die Engländer haben, eine Arbeitöordnung, die den Leuten ihre Löhne, einen Arzt, ihr Essen sichert und ihnen die, Möglichkeit gibt, sich zu erholen. Das wollen wir alle; dagegen babe ich nichts gehört.
Nun hat der Abg. Dr- Paascbe gesagt. ich hätte erklärt, die Leute sollten nur für sich, nur in ihrem eigenen Interefse ihr Geschäft betreiben, während er selbst verlanzt, daß sie auch für die Plantagenbesiver arbeiten. Ia, meine Herren, wozu machen wir denn überhaupt Arbeitßordnungen? Damit die Leute auf den Plantagen arbeiten und man dort Arbeiter bat! Wozu wollen wir denn Arbeiterkammifsare anstellen? Damit die Leute gern dorthin geben und den notwendigen Schuß, aber auch die notwwdige Freudigkeit
* haben! Wozu babe ich denn hier versprochen, die Werbeordnung für
Un vamwefe auSzustellm? Doch damit die Leute auf den Plantagen Arbeiter kriegen! Wozu würde ich denn alle diese Dinge unternehmen müssen, wenn nicht die Absicht wäre, diesen Leuten zu helfen? Ich meine, es gebörk ein gewisser Zwang, den man meinen Aeußerungen antut, dazu, um zu behaupten, ich hätte mich auf den Standpunkt ge- stellt: feindlich gegen die Plantagen, nur für die Arbeiter, nur für die Neger! Wer das behauptet, der traut meiner volkswirtscbaftlitben Er- kenntnis ungemein wenig zu! Also ich wehre ab alle diejenigen Maß- regeln, welcbe dazu dienen sollen, auf dem Wege des Zwangs die Arbeiter in die Plantagen zu schaffen, auf dem W des direkten oder indirekten fiskalischen Zwanges dureh eine außermentlicbe Er- höhung der Lebensbedürfniffe und Steuern der Neger. Dagegen stehe ich auf dem Standpunkt, daß durch eine gerechte, mäßige und billige ArbeitSordnung, durch die Bemühungen, die die Arbeiterkommiffare aufwwden werden, die im Innern des Landes die Bezirkßamtmänner auanden werden, die Farmer und Ansiedler dort beffere, willigere und mehr Arbeiter bekommen werden, als sie bisher gehabt haben. Darauf kommt es ja so sehr an. Es ist mit großem Recht gesagt worden: ein satter Neger ist ein guter Arbeiter. Selbstverständlith werden die Farmer und Pflanzer dann beffere Arbeiter haben.
Aber das ist doch ganz etwas anderes als das, was man von uns verlangt hat. Von *uns ist verlapgt worden -- ich wiederhole das _, daß man mit Anwendung yon fiskalischem Zwang bezw. mit der Peitsche oder mit der Steuerscbraube den Farmern und Pftanzern dort bis zu 36000 Arbeitern garantiere. Ich gebe zu, die Herren haben das vielleicht gar nicht so heftig gemeint; aber sie haben es aus- gesprochen und haben es nicht bloß zu Hause außgesprocben, sondern find auch bier damit hergekommen. Also darüber be- steht vollständige Klarheit. Ich bin der Ansicht, daß diese Leute ihre Arbeiter haben müssen, daß es ferner wichtig ist, daß die Plantagen dort bestehen. Ich babe mich ja in der Kommission und jest immer wieder auf den Standpunkt gestellt: es gibt eine Anzahl Kulturen, die gar nicht anders gewonnen werden können als auf dem Wege der Plantage; und diese Kultur'en sind für unsere nationale Wirtschaft wichtig. Ich stehe auf dem Standpunkt des Herrn Abg. Dr. Paasche, wenn er sagt: wozu kolonisieren wir? Wir kolonisieren erstens, um unseren Ueberschuß an Menschen gut und günstig und in enger Verbindung mit der Heimat unterzubringen, zweitens, um unserer Industrie ein Absaßgebiet und ein Rohstoff- produktionögebiet zu erwerben. Zu diesen Zwecken kolonisieren wir. Alles das müssen wir auf alle mögliche,Weise zu erreichen suchen. Wenn wir 1. B. einen großen Hanfberbrauch haben und wir können Sisal in unseren Kolonien ziehen, so werden wir das tun. Das können wir aber nur auf dem Wege der Plantage. Ebenso ist es mit der Baumwolle. Eine gute Qualität Baumwolle, die bewäffert werden muß, kann wahrscheinlich nur auf dem Wege der Plantage gezogen werden. Waruäk soll ich gegen die Plantagen irgendwie un- freundlich sein?! Im Gegenteil, was ich gesagt habe, ist das - und es ist merkwürdig, wie selbst verständigen Leuten aller Sinn für die Nuance verloren zu geben scheint -: Ich kann es nicht verantworten, daß Ostafrika nur auf Plantagenkultur gestellt wird. Darauf hat man nun gemeint: Dernburg ist ein Feind der Plantagen. Ostafrika kann nicht nur auf Plantagenkultur gestellt werden, weil die Plantagen keine NabrurigSmittel produzieren, weil sie von dem Kapital abhängig sind, das vorhanden ist, weil sie abhängig sind von dem Weltmarkt und den Weltmarktpreisen, und weil fie überhaupt eine so intensive Landwirtschaft verlangen, daß es gar nicht genug Arbeiter und Menschen in Ostafrika gibt. um auch nur einen ganz geringen Teil dieses Landes unter Plantagen zu stellen. Also nicbt nur auf Plantagen kann das Land gestellt Werden, aber auch auf Plantagen. Das ist nun hoffentlich ein für allemal klar. (Heiterkeit.)
Weiter die Frage der Erziehung zur Arbeit. Das kann meines Erachtens dadurch am besten erfolgen, daß man in den Negern Be- dürfniffe erweckt. Ich bin nicht der Ansicht, daß ein, Neger zum Feldbau auf dem Wege der Plantagen erzogen werden muß. Da kann man ibn vielleicht lebten, wie man anhaltend hintereinander arbeitet. Aber wenn jemand in einen so ungeheuren Betrieb gesteckt wird und er vom Morgen bis zum Abend Sisalschößlinge backt, wa! er nie in seinem Leben, wenn er nach Hause kommt, wieder zu sehen bekommt, so lernt er dabei gerade so wenig wie irgend jemand, der in einen großindustrieiien Betrieb in der Heimat gesteckt ist. Im Gegenteil - das werden mir die Afrikaner, die hier sind, bestätigen - weiß der Neger hinsichtlich der Qualität und Tragfähigkeit des Bodens sehr oft viel beffer Bescheid als der Weiße, der dort hinkommt. Wir haben darüber allerhand Beobachtungen gemacht. Dagegen ist es absolut richtig, daß das Ferment für die Bewegung des Negers in der Richtung, daß er sich entwickelt und Bedürfnis: bekommt, daß er produziert und konsumiert, der Weiße ist. Das wird nie und nimmer von mir geleugnet werden. Ich habe nur gesagt: aber nicht jeder Weiße, obne Rücksicht auf Charakter, Amt und Vorbildung. Das lehne ich ab, daß ich den Neger sich selbst überlassen will; davon ist gar nicht die Rede. “
Der Herr Abg. Dr. Paasche hat gesagt, man dürfe die Neger nicht zu human behandeln, und hat auf Westindien hingewiesen, wo sie Staatsbürger seien. Za, zwischen der Lage des wesiindiscben und des afrikanischen Negers ist doch ein bimmelweiter Unterschied. Was ich von dem afrikanischen Neger verlange, ist nicht viel mehr, als was jedermann für irgend ein kostbares Stück seines Haushalt] oder für ein Stück Vieb verlangt. (Hört! hört!) Ich will ihnen gute Hütten verschaffen, rechtzeitiges Essen verschaffen, er soll einen Arzt baben, seinen Lohn will ich ibm sicherstellen, feine Kontraktzeit soll begrenzt werden und seine Selbstbestimmung soll nicht auSgesthloffen sein. Aber was hat das mit dem Zerrbild vou Zivilisation und Staatswesen auf Haiti zu tun und den Dingen, die schlimmer sind, als die alierscblimmste Wildensoxietät? Gerade das ist es, was mich von den Anschauungen der Mitte des Hauses unter- scheidet, daß ich über einen bestimmten Grad hinaus den Neger der
Kultur gar nicht für fähig balte. Das sind gerade die Vorwürfe, die