1908 / 69 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 20 Mar 1908 18:00:01 GMT) scan diff

Bewilligungen für koloniale Zwecke nicht eine unerwünschte Höbe an- nehmen, müffen Sie immer sehen, was wir aussegeben haben. Wenn das aber in dem großen Topf der Reichsslkulden verschwindet, werden sehr bald die 4 bis 500 Millionen für Südwestafrika vergessen sein; wenn sie aber im Kolonialbudget stehen, würde sie sich jedermann vor Augen balten. Also wir erreichen gerade das Umgekehrte.

Nun sind einige verfassungSrecbtlicbe Bedenken oder Tan- gierungen des Budgetrecbts geltend gemacht. Das kann ich nicht sehen. Bereits in dem Gesetz vom Jahre 1892 hat man die Anleihe ins Auge gefaßt; jest will man es ausführen, naÖdem es sicb, wie ich sage, nicht um einen einzelnen Fall wie Togo handelt, für den es wirklich ein Unding gewesen wäre, eine kleine Anleihe von 7- bis 8000000 .,“ aufzunehmen und damit das ganze System zu durch- brechen, sondern um 150 Millionen im Minimum. Darin soll nun eine Bindung des Reichstags liegen, daß da sieht, daß die jeweilig bewilligten Mittél in dieser Form ausgegeben werden sollen. Meine Herren, was Sie auf das Ordinarium verweisen wollen, was auf die einmaligen Aufgaben des Ordinariums oder was auf das Extra- ordinarium, das haben Sie in diesem Hause noxb jeweils in der Hand gebabt. Ich erinnere Sie nur daran, daß wir im vorigen Jahre die AuSgaben für den Krieg in Südwestafrika ganz einfach geteili, die eine Hälfte auf das Extraordinarium bis zum 1. Oktober genommen und die andere Hälfte in das Ordinarium eingeordnet haben. Da bat keiner gesagt: weil wir es früher so gemacht haben, müffen wir es wieder so machen. Aber ein (Geiss bat nicht mehr Kraft als ein Eiatsdispositiv; mehr als Gesey gibt es nicht.

Ebenso isi es aber auch nicht richtig, wenn der Herr Abg. En- berger meint, das sei für alie Zukunft bindend, und die Schußgebiete würden sich nunmehr keine. Sparsamkeit auflegen. Meine Herren, in dem Moment, wo wir, wo das hohe Haus nicht mehr aufpaßt, was die Sebuvgebiete verlangen, und die Zentralkolonialverwaltung anfängt, zu schlafen, wird natürlich die Bewilligung nach allen Richtungen losseben. Aber dazu sind wir ja alis miteinander da, daß wir aufpassen.

Der Herr Abg. Erzberger bat sicb einigermaßen darüber ver- wundert, daß bier eine Solidarbaft ausgesprochen werden solle obne Rücksicht auf die Größe und die Prosperität der einzelnen Kolonie. Ja, meine Herren, in jeder Genossenschaft deutschen Rechts, falls sie nicht mit beschränkter Haftung ist, haftet immer jeder für das Ganze, und der Mann, der nur einen Ochsen bat, basket gerade so für die ganze Schuld der Genossenschaft wie ein Großgrundbesißer.

Nun sagt der Herr Abg. Erzberger: Mir ist das Gesetz recht, wenn Sie die Reicbsxzarantie streichen. Nun, meine Herren, ich glaube, auch solche Schußgebieisanleiben kann man verkaufen. Das kostet dann so und so viel mehr Zinsen und jo und so viel mehr für die Tilgung, und das macht so und so viel mehr Reich9zuschuß. Aber wir wollen billig und verständig finanzieren. Jeb boffe, wenn wir einmal wieder zu solchen Anleihen kommen soliten, dann wird es schon. ohne Reichgaraniie geben. Die Leute müffen erst einmal sehen, daß die Sebuvgebiete sehr wertvoll find, und daß das Deutsche Reich hinter ihnen steht. Daß es wegen der 1 bis 20/9, die an den Zinsen fehlen, nicht die Kolonien fallen [affen wird, das liegt auf der Hand. Diese SebusgebietSanleiben sind vom Reiche garantiert, auch obne daß das darauf gedruckt wird. Jeder weiß. daß das Reich nie dafür zu haben sein wird, daß man, weil vielleicht an den Zinsen eWas fehlt, nun das Schußgebiet den Gläubigern über- lesen solle.

Aber die Solidarbaft der Scbußgebieie hat noch einen anderen Sinn. Für uns hier ist unsere Kolonialwirtsebaft ein Einheitliches. Wir behandeln bier nicht die Etats von Togo,“ Kamerun usw., sondern wir verhandeln hier über den Etat des Reichskolonialamts, und daran gliedern sich die anderen Sachen an. Wir betrachten diese ganzen Kolonien als einen Globus und wollen diese ganzen Kolonien als eine einbeitliÖe Kolonialwirtschaft angesehen wissen. Wir können nicht gut eine gute Kolonie gegen eine schlechte ausspielen, sondern wir müssen die Kolonien so, wie wir sie nun einmal erworben haben, behandeln.

Aber noch aus einem anderen Grunde ist die Solidarbafi an- gebracht. Es ist sebr wichtig für eine solche Anleihe, daß sie nicht mit- zu kleinen Beträgen herauskommt. Das ist die Crux aller deutschen Stadtanleiben, die mit 5 bis 6 Millionen an die Börse kommen. Die haben dann einen niedrigeren Kurs, weil sich kein Markt dafür etabliert; sie ist untergebracht bei ein paar Sparkassen und reichen Leuten, die sie nicht wieder beraus- geben, und wer einmal eine solche Stadtanleibe Verkaufen will, muß 1 bis 2 0/9 im Kurse nachgeben oder muß sebr lange warten, bis sich wieder ein Käufer findet, der mündelsicbere Papiere braucht. Das ist meine Erfahrung als Bankier. Es ist also notwendig, für ein Papier einen entsprechenden Markt zu haben. Deshalb wollen wir keine Kamerunanleibe, keine Togoanleibe usw. haben, sondern eine durch die Garantie des Reiches gedeckte Sammelanleibe. Sie haben aber auch aus einem anderm Grunde ein größeres Inter- effe an dieser Sache. Jemand, der eine Schutzgebietanleibe kauft, fängt auch an, sich für diese Sache zu interessieren, ganz anders, als wenn er sicb z. B. eine Reichsanleibe kauft. Sie gewinnen so Leute, die sich dafür interessieren und vielleicht auch nach anderer Richtung bin Informationen einziehen, möglicherweise auch Kapitalien bin- tragen, und ich meine, daß, da die Kenntnis unserer Schußgebiete troß aliem, was hier im Hause Verhandelt wird, noch eine sehr magere ist, man auch auf diese Hilfe nicht verzichten solite. Im allgemeinen halte ich es nicht für richtig, daß die Schußgebiete driitkn Per- sonen gegenüber verschuldet sein sollen. Das würde ein Aufgeben der Sparsamkeit und einer gesunden Etaiswirtsibast bedeuten.

Ich meine, daß die Finanzierurg der Koioniaieisenbabnen eigent- lich von der Form, in der diese Kolonialanleiben ausgegeben werden soilxn, nur in einem sehr geringen Maße abbänzi, und daß es ganz gleichgültig ist, ob sie durch ein Darlehen des Reich an die Schuß- gebiete finanziert werden oder anders. Einfacher, verständlicher, kiarer und auch sicherer ist, diese Sachen zu trennen und das Reich nicht mit einer Anzahl von Anleihen zu belasten, mit denen es direkt nichts zu tun hat.

In Togo haben Sie eine Anleihe mit einer Tilgungsdauer von 30 Jahren. In Südwestaf:ika haben Sie hinterher eine Tilgungsdauer von 56 Jahren .gegeben. Sie haben später drr Manengubababn in Kamerun eine Tilgungsdauer von 87 Jahren ge- geben, und in demselben Jahre, wo Sie für Togo ein-x Tilgungs- dauer von 30 Jahren festsesien, haben Sie auch Ostafrika 87 Jahre

überaus löbliäen Befireben, welches Togo zeigt, obne Reicbszusckuß auszukommen, indem es fich seine Leibriemen enger scbnaliie in bezug auf feirte Adminiiiration, als es gut war, Togo eine zu knappe Wirtschaft getrieben" bat, die der Entwicklung des Landes entgegen- steht. Nichtsdeiioweniger. haben wir hier einen Fehlbetrag. Nun sehe ich nicht ein, daß wir] Togo so viel ungünstiger sielién sollen als die anderen Schußgebiete, und daß wir darauf aussehen müssen, daß das gleichmäßige Tempo, das für die Keetmansboop-Lüderißbucbt- Anleihe festgestellt ist, aueh für die Ufambara-Anleibe gelten soll. Ick; sebe also nicht ein, warum wir Togo um 100000 .“ schlechter stellen sollen. Gerade dieses Schußgebiet, welches fich unter der Führung seines tüchtigen Gouverneurs so gut gehalten hat, verdient eine Be- lobnung. (Bravo! rechts.)

Von den Abgg. von Treuenfels (dkons.) und Genoffen ist folgende Resolution eingegangen:

„:Die verbündeten Regierungen zu ersuchen„ im Reichsbausbalts- etat im: 1909 eme Summe anzufordern zur Erri tu ng eines Denkmals in der Reichshauptstadt für die in Südwestafrika gefallenen Offiziere, Sanitätsoffiziere, Militärbeamte, Unteroffiziere nnd Mannschaften.“ *

Abg. von Treuenfels (dkoni): Ge en unsere Resolution könnte vielleicht der Einwand erhoben werden, daß sie etwas Ueberflüssi es sei, daß es ein Novum sei, für gefallene Soldaien ein Denkmal aus Zieicbs- mitteln iu erri ten. Es ist aber auch ein Novum, daß wir einen Kolonialkrieg ge übrt haben. Ich gebe zu, daß wir eigentlich Denkmäler genug haben. Manches 'Denkmal mag recht überflüssig sein, aber ein Denkmal, welches dre Nation ihren Söhnen errichtet, die für ihr Vaterland ibr _Blut vergossen haben, ist nicht überfiüsßq. T_Oen Zuruf von der außersten Linken babe ich erwartet, und ich in uberzeugt, daß die Herren der äußersten Linken unsere Resolution ablehnen werden, ich wünsche es sogar, denn ich halte es nicht für förderlich fur das Andenken der Gefalienen, wenn die Mittel für ein Denkmal mitbewilltgt werden von Leuten, die unsere Krieger draußen als Barbaren, wüste Geselien binstelien und ihr Andenken in den Augen des Auslandes berabgeseßt haben. Den Taten unserer Leute draußen ist seinerzeit gar nicht genügend Beachtung qeschenkt worden, man bat viel mehr von dem russisch- japaniscben Krie e gxsprochcn, als von den Taten unserer Truppen in üdwe'iafrika. Unxere braven Krieger haben hervorragende Vewei e ielbsiloser Tap erkeit geliefert. Sie haben e- bungext urid gedü tet und sind troßdem mit voller Freud g- keit fur Kaiser imd Reich mit einem Hurra in den Tod egan en. Sie haben damtt bewiesen, daß unsere alten militärischen ugen en von 1866 und 1870 nicht nur auf dem Kontinent si:b bewährt haben. Das kameradfcbaftliche Verhältnis zwischen Vorgeseßten und Unter- xbenen bat sich auch bier wieder glänzend bewährt. Es ist eine

brenpfticbt des deutschen Volkes, dieser Männer mit Dankbarkeit zu gedenken. Wir wollen uns in dieser Beziehung nicht von En land bexchämen, lassen, wo man auf Schritt und Tritt auf solche enk- m ler trifft. Und wenn hier vor kurzer Zeit versucht worden ist, einen Gegensa zu konstruieren zwischen denjenigen Mitgliedern meiner Fartei, die S e Junker nennen, und den anderm, so haben Sie auch

ier wieder einen Beweis, daß das vollständig deplaciert ist. Zeigen wir, da wir unseren braven gefallenen Söhnen, die in dem Wüsten- sande cblummern und Zeugnis für den deutschen Nubm abgelegt haben, ein treues Andenken bewahren.

Staatssekretär des Reichskolonialamts, Wirklicher Ge- heimar Rat Bernburg:

Meine Herren! Die warmen Worte des Herrn Vorredners werden in unser aller Brust ein lebhaftes Echo auslösen. Es ist keineSwegs zu viel gesagt, was er hier diesen braven Soldaten und Offizieren nacbgerufen hat. Auch von seiten der Verwaltung ist dieses Gefühl bereits lange gehegt, und es ist bereits ein Aufruf unterwegs, welcher vom Reichskanzler Fürsten von Bülow, meiner Wenigkeit und den meisten Chefs der Reichsämter sowie der preußischen und bundesstaat- lieben Ministerien unterzeichnet ist, um ein solches Denkmal zu errichten. Ick babe keinen Zweifel und hoffe, daß er Erfolg haben wird. Immerhin würde es wobl auch im Sinne der Verwaltung sein, wenn Sie dieser Resolution beisiimmen würden, da man ja doch nicht genau voraussehen kann, ob die notwendige Summe für ein würdiges Denkmal zusammenkommen wird.

Meine Herren, ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um Ihnen folgendes mitzuteilen:

Eine beute Mittag von Oberstleutnant von Estorff eingegangene Depesche meldet:

Am 16. d. M. griff das Expeditionskorps gegen Simon Copper

Coppers mitten in der Kalahari an.

Der Feind verlor 58 Männer tot, 7 Männer und _einige Weiber wurden gefangen, der Rest der Werft zerstreute sib nach Süden und Südwesten.

Auf unserer Seite fielen Hauptmann von Erckert, Leutnant Ebinger und 12 Mann, schwer verwundet wurden 9 Mann, leicht verwundet 3 Offiziere 5 Mann.

Das Expeditionskorps war in der Gesamtsiärke von 430 Weißen mit 4 Maschinengewehren und 700 Kameelen von 2 verschiedenen Punkten aufgebrochen, am 11. hatte es fich vereinigt, am 15. war Simon Coppers Aufenthalt erkundet.

Am 16. griff Hauptmann von Erckert Simon Copper mit 2 Detachements unter den Hauptleuten Grüner und Wilieke an und fiel selbst bei Beginn des Gefechts.

Hauptmann Grüner übernahm das Kommando und befahl dem im Halbkreis um die Wrrft [irgenden Expeditionskorps den ununter- brochenen Anlauf gegen den Feind. Dieser wurde in 2 Stunden von Stellung zu Stellung gewotfcn, bis er um i8 Ubr Vormitrags seinen verzweifelten Widerstand aufgab und in regelloser Flucht aus- einander lief.

Erbeuiet wurden 29 Gewehre, zahlreiche Munitionen, eine kleine Heerde Vieb, einige Pferde.

Die Leistung des Expeditionskorps verdient als eine seiten hervorragende bezeichnet zu werten, in ihrem tapferen Führer - dem Hauptmann von Ekckert - Verlieren wir einen der besten und ritter lichsten Offiziere; die Verluste sind außerordentlich schwer, die An- strengungen für die Truppen selten groß gewesen. erst nach vier Tagen konnte zum ersten Male abgekocht werden. die Witterung War heiß und trocken, das ieyte Vlcy-Waffer reichte nicht einmal zum Tränken dec Kameele.

Simon Copper ist schwer geschädigt, aber noch nicht endgültig beseitigt.

Meine Hmm, es gibt kaum ein Dokument, weiches mebr geeignet wäre, die Worte des Herrn Vorredners zu unterstreichen. (Bravo!) Meine Herren, leider muß ich noch hinzufügen, daß am 5. März in Kamerun der sehr verdiente Hauptmann Glauning nach einem sieg- reichen Gefecht durcb Kop'scbuß gefaiirn ist. *

Meine Herren, ich glaube, das Wenigste, was wir tun können im

gegeben. Nun babe ich bereits darauf hingewiesen, daß in dem

Intereffe dieser braven Soldaten, unter d.:ien ich ganz besonders den

unter Führung des Hauptmanns von Erckert die Werft Simon“

Hauptmann von Etikett nenne, den Sobn einer alten preußischen"

Offiziersfamilie, den itb selbst gekannt habe, ist, dieser Resolution Ihr: volle Zustimmung xu geben. ' *

Abg. Erbprinz zu Hobenlobe-Lanaenburg (Rp.): Im Namen meiner Freunde erkläre ich unsere Zustimmung zu dem Antrage Treuenfels. Fur Leden Deutschen ist es ein tiefbetrübendes Be- wußtsein, daß auch est noch, nachdem die schwersten Kämpfe über- standen sind, Opfer an edlem deutschen Blut an Offizieren und Mannschaften gebracht werden müssen. Es ist mir Bedürfnis, das hier auszusprechen, wir werden den Guten ein ehrendes Andenken btwabren. Der bisherige Verlauf der Debatte bat ezeigt, daß zwischen der Bemaltunq und dem Reichstag eine grö ere Uebereinstimmung herrscht, als es früher der Fall war. Die energische Tätigkeit des neuen Staatssekretärs bat hierzu ganz wesentlich beigetragen. Aber auch andere Gründe haben mit dazu beigetragen, daß im deutschen Volke obne Unterschied der Partei sieh eine größere Kolonialfreundlicb- keit zeiat. Vor nicht zu ferner Zeit herrschte bei uns, eine gewisse koloniale Nervosität, die zum Tei nicbt unberechtigt war. Es fehlte und an einer Tradition in den Kolonien. Die Re ierung hatte auch da keine Erfahrung" Zustände traten ein, die illionen kosteten und dem Volke die Lust an den Kolonien nahmen. Demgegenüber sahen wir, wie Englands Kolonien prosperierten, vergaßen aber, daß auch andere Nationen nicht mit einem Schlage" solche Erfolge erreicht batten. Die Verluste in den Kolonien haben uns gezeigt, daß wir Geduld haben müssen, daß wir froh sein müffen da wir in Jahrzehnten etwas Durcbgreifendes erreichen önnen. Wir sind doch jeßtso weit ekommen, daß wir hoffen dürfen, da? die Kolonien allmählich sich o koniolidieren, um ohne Reichszu chuß auszukommen. Das wäre nicht nur ein finanzieller Erfolg, i_ondern auch von günstigstem Einfluß auf die ganze Verwaltungßiatigkeit der Regierung, Man kann alimäblicb an eine Deoentralrsation denken; noch jest wird sebr vieles von der Zentrale erledigt, was füglicb in den Sebußgebieten selbst erledigt werden könnte, zumal die Zentralinst-nz mit den örtlichen Verbältniffen doch nicht so vertraut sein kann, um ihr eine endgültige Ent- scheidung zuzumuten. Die Beamten der Lokalderwaltung sollten also auch den Gouverneuren gegenüber mit größerer Veraniwortlicbkeit ausgestattet werden. Vor allem ist aber eine gründlichen Aus- bildung der Kolonialbeamten in der Praxis dazu nöti ; es muß ein Kolonialbeamtenstand angestrebt werden, der nach ?einer Vor- und Ausbildung wirklich kolonial ist; die Beamten müffen in den Schutzgebieten selbst auSgebildet werden, nicht am grünen Tisch, sondern durch uweisung an die Bezirksamtmänner. Eine gewiffe Tradition mu in der Verwaliun spraxis durchgeführt werden, die Bezirksamileute dürfen nicht me 1: in so kurzen Frisien ihren Fosten verlassen. Soll der Kolonialbeamtenftand aber tüchtig und raucbbar sein, so muß man auch seine Zukunft sicherstellen; es müßte ihnen nach einem gewissen Aufenthalt in den Schuß- gebreien ein Ansvrutb auf Pension gewährt werden; vielleicht könnte man ihnen auch nach einer Reihe von Dienstjahren ein Kapital Leben, vielleicht auch könnte solchen Kolonialbeamten, die n den Tropen nicbt mebr diensifäbia sind, in der Heimat weitere dienstliebe Beschäftigung in Aussicht gestellt werden. Nur eine systematische Vorbildung und Ausbildung an erer Kolonial- beamten kann uns den wirklichen Besitz unserer Kolonien garantieren; nur mit Hilfe eines soscben werden wir an eine richtige Ein- geborenenpolitik treiben können. Von alien etbscben Momenten ab- gesehen, wird die Vorfrage zu stellen sein: Wie in die wirtschaftliche Hebung der Schußgebiete anzustreben? Wir wissen, daß die Kulturen dxr Eingeborenen in Ostafrika bedeutend zugenommen haben. * Das bisher in unseren Kolonien Erreichte kann aber noch nicht die obere Grenze dessen darstellen, was der Eiuaeborene leisten“ kann, denn. er arbeitet bis je t noch mit sebr primitiven Mitteln. Wird nun der Schwarze sich fur die höhere Kultur entwicklungsfäbig zeigen, wird er zu böberer Kultur zu emecken sein, wird er die Signungen der europäischen Kultur fich nußbar machen können? Ja, aber nur, wenn er durch den Europäer angeleitet wird. Was aus den Negern wird, wenn sie sicb selbst überlassen bleiben, das hat man an den Neger- republiken gesehen, das haben die neuesten Vorgänge auf iti gelehrt. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, große Ges äfte mit den Kolonien zu machen, wobl aber, die Arbeitskräfte der Ctngeborenen für diese selbst und für die Gesamtheit nutzbar zu machen. Dazu müssen die Ein eborenen aber erst arbeiten gelernt baden, und das ist die nächte Auf abe der Verwaltung. Er soll für seine Arb-it reichlichen Verd enst bekommen .und auf diesem Umwege zur Erkenntnis vom Nutzen de." Arbeit kommen. Die Warnung des Staatssekretärs vor Ermutigung der Austderung nqcb Ostafrika sollte gewi nicht gegen die dortigen Ansiedler aerichtet sem, sondern nur die A lebnun einer Verantwortung dafür !ein, wenn jemand dabin gebt. Die egierung bat eine sehr langwierige und schwere, aber auch sebr lohnende Aufgabe übernommen, eine Auf- gabe, die ihre ganze Energie erfordert. Die Regelung der Arbeiter- verbältnisse wird sixis große Schwierigkeit bieten. Sehr dankens- wert war der Hinweis auf die Neaelung in den benachbarten englischen Koionien; wir haben daran ein Muster, von dem nützlicher Gebrauch zu machen sein wird. Es gibt fieber wie bei uns so auch in Afrika nur wenig Menschen, denen die Arbeit, zumal die harte Arbeit, noch

nicht abgeben. Der europäische Ansiedler darf, auch darauf wird die Reaierung nz sehen haben, seine Arbeiter ni t mißbandeln; die köyv-riicbe Zuchtigung muß möglichst eingeschrän und eine amtliche Aussicht geubt werden, die wahrzunehmen unsere Kolonialbeamten sick) sicherlich trotz der großen räumlichen Schwierigkeiten an- aelegen sein [affen werden. Lebbaft erfreut uns die Vorlage wegen Verbxffxrunq der Verkehrswe e in den Kolonien. Bis jeßt ist in _dte'ser Beziehung nur in escheidrner Weise vorgegangen worden, weil in der Heimat vielfach das Verständnis dafür noch fehlte. Die neuen Bahnen werden nicht nur dem Handel und der wirtschaft- ltcben Entwicklung dienen, sie werden auch den Ansiedlern im Innern in der Richtung zugute kymmen, daß sie ihnen die Möglicbkeit der Kommunikation mit der Küste erleichtern, sodaß sie nicht mehr wie bisher jahrelang von allem Verkehr absescbnitten xu sein brauchen. Was Südwestafrika speziel] betrifft, so trifft die Verwaltung das Richtige, wenn sie den W-ißen die Absaßmöglichkeit für ihre Produkte erleichtert. Das numeriscbé Verhältnis zwischen Anfiedlcrn und Kauf-

leuten und Handwerkern ist jekt kein richtiges. In dieser Beziehung

wi'xd die Schaffrrng neuer A saßmöglicbkeit eine geeignete Abhilfe bringkn. (Es ist freudig begrüßt worden, daß der neue Staatssekretär ern festes Prygramm aufgestaut bat. Im allgemeinen können wir sagen. daß wir Deutsche zu leicht geneigt sind, der rauen Theorie zu folgen. In den Koionien handelt es sicb um rasche ÉntscbliYungen und darum, d9ß wir dort die richtigen Männer haben. Der taats- sekreta'r ist em Mann der Praxis; hoffentlich gelingt es ihm, die Kolontxn auf die Höhe zu brinaen, die wir alle wünschen. Vizepräfideyt Kaempf: Der Vorredner hat am Eingang seiner Rede den (Gefubleu Ausdruck gegeben, welche die Mitteilung des Staaisirkreiärs des Reichskoionialamts über die neuerlichen Kampfe tn erdwestafrika und Kamerun und die damit für uns verbundenen Verluiie _bervorrufen mußten.. Ich glaube, das; M gesamte Haus diese Geiuoie tetit, und ich b'n der Ansicht, daß ich Jbren Gefublen Ausdruck gebe, wenn ish Sie bitte, sich in Ehrung dieser gefallenen Offiziere _und Soldaten sowie derer, die in den früheren Kolonial- kämpfen tbr Leben geiafferr haben, von Ihren Plätzen zu erheben. (All- seitige Zusiimmun ; dte Mitglieder desHauses und des BundeSrats baden sicb schon bei den ten Worten des Präsidenten von ihren Pläßen erhoben.)

!

(Schluß in der Zweiten Beilage.)

wirkliches Vergnügen bereitet; es wird ohne einen gewissen Zwang .

zum Deutschen Reichsanzeiger imd Königlich Preußischen Staatsanzxiger.

M 69.

(Schluß aus der Ersten Beilage.)

Abg. Eichborn (Soz.): Es ist mir mitgeteilt worden, daß der Abg.Müi1er-Meiningen keineswegs den Auftrag der gesamten Preffe batte, bier einem der Herren Preßvertreter gewifiermaßen eine öffentliche Rüge zu erteilen, und ich'muß sagen, daß wirklich der Anlaß auch nicht so groß war, davon ein großes AufhebenSzu machen. Wenn die Herren auch einmal etwas lauter Werden, io sollten wir doch nicht gleich so engberzig und kleinlich sein, uns daruber besonders aufzuregen. Ich denke, wir bilden uns alle nicht ein, unfehlbar zu sein. Die Herren oben haben sehr schwer und lange zu arbeiten, und ich denke, wir sollten nicht gleich nervös werden, wemrxe sich auch einmal etwas erlauben.. - Was den Kyioniaietat anbetrt i, so weiß ich wirklich nicbt, worin sich das neue System so sehr von dem alten unterscheidet. Neu ist nur und wirklich anerkenrénswert die Offenheit, mit der der neue Staatssekretär die Zustände namentlich in Ost- afrika geschildert bat. Uns war das ja alles bekannt; das Ver- brecheriscbe Treiben, der Raubbau, der dort getrieben_ wird, die Brutalität der Beamten hat wesentlich zu den Al_ufsianden Anlaß gegeben. Der Ab . Spahn ermahnte uns gesiern, ub:r„diese alten Dinge Gras wachixen zu lassen. Aber gerade jene Mtßsiande find es gewésen, die die Opfer gekostet haben, die wir'alle beklagen. Wir alle haben soeben das Andenken der gefallenen Krieger Leebrt, und es ist eine Unwahrheit, wenn der; Aba. von Treuenfels ebaupiet, wir hätten die Soldaten beschimpft. Diese Soldaten sind Fleisch von unserem Fleisch. sie gehören in _der Haypisache den unxersien Volksscbichren an." Der Staatssekretar bat die Eingebore n fur das wichtigste Aktivum der Kolonien erklärt. Mit der Ueber e_ßurzg, die der Abg. Schrader diesem Saße gegeben hat, daß n'amltcb die Kolonien Schuß-, nicht Ausbeutungsobjekte sein sollen, wird sicb der Staatssekretär kaum einverstanden erklären; denn in seinem Sinne soll sich doch das Aktivum aucb verzinsen. eine Reniek abkverfen. Der Staajssekretär bat gedroht, gegen dte_Un_botmaßtgkeit mit den schärfsten Strafen vorzugeben. Die Pruzelnrafe soil danach also in ein gewisses System gebracht werden, wxnn sie auch unt Kruielen UMgebLn werden soll. Was nußt uns eme ausgxmergelte Eingeborenenmaffe. Trotha verfolgte eine Ausrottungspolitik, der Staatßiekreiär wird nun jedenfalls eine Verordnung erlaffen, daß die noch in Afrika befindlichen Soldaten zur Fortpflanzung der Eingeborenen nußbar gemacht werden. Es ist erfreulich, daß man die Kulturmaske gelüftet und, offen bekazmt_bat, da _ die eisiige Hebung der Schwarzen ihre Grenze in ihrer mqterieilen Llusbeutung findet. Man hört es heraus, daß auch die„Mtssionare mebr Vorarbeiter der Ausbeutung sein folien als Trager chrisi- licber Kultur. Für uns Sozialdemokraten ist in dem neuen System des Staatssekretärs nur eine or anifierte Ausxiußung der Neger en_t- halten. Ohne gewisse Aussit steckt kein Unternehmer sem Kapital in die Kolonien. Darum legt der Staatssekretar das Haupt- gewicht auf den Handel und auf den Bau von Eisenbahnen. Die 150 Millionen werden natürlich nur der Anfgng sein; schon in den vorgelegten Karten sind die Anhaltspunkte fur eine FortießunZ vor- handen. Wir fragen: warum nicht gleich volle Arbeit macher_1r Wir werden es noch aiie erleben, daß der Staatssekretar in kunftigen Sitzungen sagen wird: wir müssen weiter bauen, die Bahnen zu Ende führen. Die an die Bahnen geknüpften Hoffnungetr können wir nicht teilen. Sieht man sich nüchtern die_Berichte an, die uns zugegangen sind, so muß man trov aller Schönfatberet zu einem Urteil kommen, das für die Kolonien nicht sehr rosig ausfällt. Kamerun soll vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch sieben" es ist ein jahrelanger Raubbau getrieben worden, diexHändler aben in verbrecheriscber Weise auch mit Menschenleben emen Raubbau getrieben. Der wirt- schaftliche Zusammenbruch isi aucb_ durch eine oder einige Eisen- bahnen nicbt aufzuhalten. In Sudweftasrika ist nur wenig Be- völkerung vorhanden, und die vorhanderze ist krank und ohne Vtxb. Mii Togo renommiert man. weil es m seinen AuSgaben und Em- nabmen balanciert; das ist nur dem SchnapSzoll _zu verdanken. Es werden Generationen notwendig sein, und die Kaprtalien werden ins Ungemeffene wachsen, bis das Mutterland einen Vorteil von

at.

ibnMAbg. Dr. Paasche (nl,): Dem Abi!" Von Treuenfels möchte ich unsern Dank dafür aussprechen, daß er d e Anregung gegeben h_at, ein dauerndes Denkmal für diejenigen zu schaffen, die in schweren Kampfen draußxn ihr Leben haben [affen müssen. Wir hoffen, daß es bald ge- lingen möge, Frieden ohne weitere große Opfer herzustellen. Dem Staatssekretär danke ich, daß er nicht mehr sich so bart und schroff wie in seiner ersten Rede iti der Kommission „ausgesproYen hat. Aber er macht einen prinzipiellen Unterschied zwis en seiner Anschauung und der, die Zestern der Abg. v. Liebert ausgesprochen bat. Es besteht a er zwischen diesen beiden Anschauungen gar kein fundamentaler Unterschied. Auch die um Liebert denken gar nicht daran, den Eingeborenen zur Arbeit u erziehen nur für die Pflanzer und Plantagenbesißer, iie wollen ihn nur auch für diese erziehen. Das Interesse der Neger ist auch gewahrt, wsnn Fe bei einem guten wohlwollenden und humanen Arbeitgeber im ierrst sieben. (Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Es kann nicht' 1eder ein selbstgndtger Arbeiter ein, auch bei uns ist das nicht möglich. Auch gegenuber dem Unter- cbied, den der Skaaissekretär zwischen Negeriultur und Plantagen- ultur macht, muß ich meinen abweichenden Standpunkt darlegen. Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit Kolonialproblemen und habe eit mehr als 20 Jahren in der Budgetkommission an alien kolonialen Ylufgaben mitgearbeitet. Die Forderung, daß'man den Neger human und gerecht behandeln soll, ist von aller) Seiten anerkannt und nicht neu. Dem Neger vernünftige Bedürfnisse" beizubringen, um ihn zu veranla en,

ein GrÜndsaß, den ich vertreten babe, seit ich „zum ersten Male als Profeffor Vorlesungen über Kolonial olitik gehalten , babe. Wxnn man aber das eigene Interesse der eger allzu sebr m den Vordergrund stellt und dabei einen Gegensaß schafft zu denen, die [antagenknltur treiben, so ist das vom Uebel. Jeb babe die Kolonialpolitik nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch studiert, und in vielen kolonialen Gebieten und auch in _solchen, die eine alte Kultur haben, wo seit Jahrhunderten europaiscbe Kultur- arbeit unter den Eingeborenen gctrteben _wird, und habe ub=rall beobachtet, daß nur die Kolonien vorwarts kommen, bei denen Schwarze und Weiße Hand in Hand geben., In Engiisih-Wesi- indien sieben sich die Weißen zurück, weil die Neger allzu burxian behandelt werden. Der Neger, wenn er dxr Herr wird, steht die Zügel viel straffer an als der Weiße. Leßterer zieht dann fort, und was bleibt, ist nicht Kultur mehr, sondern Unkultur. Der Neger arbeitet nur in seinen) Interesse, nur fur das, was er braucht. In Portorico babe ich Spanier gesehen, die zu Negern herab esunken waren; das sind die Folgen, wenn man den Neger si auss lie lich selbst überläßt. Haben wir nicht alles etan, um an die Einge otenenkultur zu beben und zu pflegen? Das Kolonialwirtscbaftliche Komitee hat seit Jahren nichts anderes getan. Man ist von alledem jetzt zurückgekommen, nicht weil der Herren- siandpunkt herrscht, sondern weil die Neger nock) nicht so weit sind, daß sie für ich selbst sorgen. Wie viel Hungersnot baben wjr nicht auch in stafrika noch jeßt gehabt, weil die Eingeborenen noch b'ute nicht imstande sind, ohne Dazwischentreten ,der Weißen große Massen von Produkten zu produzieren und zu konservieren, um uber

in seinem eigenen Interesse Kulturarbeit zu leisten, ist ,

Zweite Beilage“-

Berlin, Freitag, den 20. März

arme eiten binwe?zukommen. Die kulturelle Arbeit haben schon

die M ffionen geleitet, dazu braucbt man keine politische Macht.

I t handelt es sich darum, wirtschaftliche rodukte zu schaffen, un ere Industrie zu Abnehmern zu machen, dY Hilmeinel unserer Produktion in eigenen Ländern zu produzieren. Das ist nicht Ausbeutungspolitik, sondern Schu-Z unseres Wirtschaftslebens. Es wird so dargestellt, als ob in der rbeiterfrage die Weißen die Schuld trügen. Wenn jemand in der Kolonie mit der Nilpferd- peitsche berumgebt, so dient ihm diese als Spazierstock. Auch hier eben Leute mit der Nilpferdpeitscbe berym. Es wird niemand ein- ?ailen, damit zu schlagen. Daß keine Markte organisiert würden, ist unzutreffend. Ich habe viele Plantagen ;;eseben, wo dies der Fall war. Näbrt man den Neger gut und gibt ihm satt zu essen, so hat man auch Arbeiter. Das sagen nicht nur die Pflanzer, sondern auch die Missionare. Ein satter Neger ist ein wiliiger N_eger. Die Mehrzahl der Pflanzer baut den Leuten auch_ gute Hutten, gibt ihnen, wenn es kalt ist, warme Dicken und nabri sie gut. Dazu ist er überhaupt schon durch sein etgenxs Jntereffe gezwungen, denn sonst sind die Leute einfach aux nachsten Tage Verschwunden. Der schlimmste Aufsfand, der in Sudwesiafrika, ,ist doch nicht durch die Robeit der Arbeit eber veranla , sondern die Herero haben in der grausamsten Weir die friedli neben ibnen lebenden Weißen bingemordei. (Widerspruch bei den Sozigldetrtokraten. Zuruf: Sie haben betrogen!) Es mögen Bgtrugereien .dorgekommen sein, aber wir würden uns das traurtgste Zeugnis ausstellen, wenn wir bier im Reichstage WWU wollten, daß draußen unsere Landsleute Betrüger und uste find. Die hinaus- gehen. sind wahrhaftig nicht die schlechtesten Clenrente, die fur ein Neu-Deutscbland kämpfen und bluten, die ihre Haut zu Markte tragen und mehr leisten-als mancher, der hier hinter den Fleischtöpfen siven bleibt. Wir wiffen doch, da auch in Ostafrika von Grausamkeit nicht die Rede war. Die ingeborenen sollten zur Kultur erzogen werden, und das war ibnen_unbequem. Der Staatssekretär bat gewiß mit Recht gescxgt, daß_fur die An- siedler viele Vorbedingungen fehlten. ch batie gewunscht,_daß er hinzugefügt hätte, diese Vorbedingungen wollen wir 10 bald wie mög- lich schaffen. Auf dem fruchtbaren Hochlande sind weite Flachen yor-

cherlich keine Ausbeuter und

banden, wo kleine fleißi e An edler in kiroßer Zahl ibr Brot finden

können. Diese kleinen nfieder find _ ' Unterdrücker, sie arbeiten mit ihren. egenen Fanden, mit Frauen und Kindern. Was die Trapptsien gro es geleistet haben in dieser Beziehung, können auch die deutschen Ansiedler leisten; Es bandeit rch bier um die Gründung eines Nerz-Deutscbland fur" die beranwa sende Jugend. Ueber die Art der Fmanzierun und uber die Eisenbahnen im einzelnen werden wir ja in der ommission Gelegenheit haben, uns zu unterhaltext. Daxrkbar aber bin ich dem Staatssekretär, daß er diese Forderung fur die Cnxnbabnen gebraxht bat.

Präfident Graf u Stolberg: Meme Herren, in den [cßten Tagen sind mebrfach während der Reden einzelner Mitglieder des Hauses Aeußerungen des Mißfallens von, der Journgiistentribuue gegeben worden. Ich habe bereits Gelegendxtt gehabt, diese Störung der Ordnung zu rügen, ich will aber noch et'nmal darairf aufnxerksam machen, daß ich im Wiederholungsfalle genötigt sein_w1_zrde, diejenige Tribüne, von der solche Störungen gusgeben, raum_en zu iaffen. Wenn ein Mitglied des Hauses gegenuber solchen Storungen einen von mir nicht gehörten unparlamentarischen Ausdruck gebraucht hat,

so bedaure ich das.

Staatssekretär des inchskolonialamts, Wirklicher Geheimer Rat Bernburg: '

Der Herr Abg. Dr. Paascke gibt mir Gelegenheit, noch einmal die ja so die! umstrittene Frage der Arbeiter in Ostafrika zu berühren. Ich hoffe, ck gelingt mir nun, einmal festzustellen und ganz genau zu um- schreiben, warum es sich handelt. (Unruhe.)

Anscheinend sieben sich bier sebr verschiedenartige Anschauungen gegenüber; und troßdem hat der Herr Abg. Dr. Paasche - und mit Recht- gesagt: so weit sind wir gar nicht auseinander in der Frage, wie es immer wieder durch das Hervorkebren gewiffer Gegensätze erscheinen will. Wenn ich mich gestern gegen die von dem Herrn Abg. von Liebert vertretene Theorie gewandt habe, so habe ich es getan mit Rücksicht auf die Zitate, die er aus der .Usambara Post“ vorgelesen hat, und mit Rücksicht auf die Anwaltschaft, die er gegen- über denjenigen Leuten übernommen bat, die diese Sachen in dem Blatte geschrieben haben.

Nun besteht aber doch ein ganz geWaltiger Unterschied zwischen dem, was die Farmer und Pflanzer für die Zukunft verlangen, und dem, was in diesem hoben Hause auch von den Nationalliberalen be- fürwortet wird. Meine Herren, es ist doch keiner von Ihnen bier, der etwa dafür einträte, daß man 12 Rupien Hüttensieuer nehmen soll; keiner tritt dafür ein, daß man bis 25 0/9 Zölle auf die Negernabrung legen soll; keiner dafür, daß die Leute mit Gewalt aus Unyamwesi nach der Küste- gebracht werden folien, daß sie dort zwangsweise und übermäßig lange gehalten, wieder eingefangen und zurückgeführt werden sollen. Es isi doch überhaupt niemand in diesem hoben Hause, der diese übertriebenen Forderungen der Herren in Usambara vertritt! Dagegen hat gestern der Herr Abg. von Liebert, wenn ich ihn recht verstanden babe, diese Forderungen vertreten, indem er eine Drohung verlesen bat, wonach die Leute, wenn diese Forderungen nicht bewilligt würden, auSzieben würden, und ferner eine Beschreibung des Negers und meiner Ansicht über ihn gegenübergesiellt. Dagegen babe ich mich gewehrt. Ich glaube, wir sind uns alle darin einig, daß wir das ganz sicher nicht wollen. Wir wollen keinen Zwang, wir wollen keine hoben Steuern, wir wollen keine Beseßung der Grenjen, um die Leute dort zu halten; kurzum: wir wollen alles das nicht, was die Pflanzer übertriebener- weise verlangt haben. Was wir aber zusammen onen - darüber sind wir doch einig - ist eine ArbeitSordnung, die das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen regelt, eine Arbeitsordnung ungefähr in den Grenzen, wie sie die Engländer haben, eine ArbeitSordnung, die den Leuten ibre Löhne, einen Arzt, ihr Effen fiebert und ihnen die, Möglichkeit gibt, sich zu erholen. Das wolien wir alle; dagegen babe ich nichts gehört.

Nun hat der Abg. Dr. Paascbe gesagt, ich hätte erklärt, die Leute sollten nur für sich, nur in ihrem eigenen Interesse ibr Geschäft betreiben, während er selbst verlanzt, daß sie auch für die Planiagenbesißer arbeiten. Ia, meine Herren, wozu machen wir denn überhaupt Arbeitsotdnungen? Damit die Leute auf den Plantagen arbeiten und man dort Arbeiter bat! Wozu wollen wir denn Arbeiterkommiffare anstellen? Damit die Leute gern dorthin geben und den notwendigen Schuv, aber auch die notwwdige Freudigkeit

1908-

Un yamwese aUSzustellen? Doch damit die Leute auf den Plantagen Arbeiter kriegen! Wozu würde ich denn alle diese Dinge unternehmen müssen, wenn nicht die Absicht wäre, diesen Leuten zu helfen? Ich meine, es gehört ein gewiffer Zwang, den man meinen Aeußerungen antut, dazu, um zu behaupten, ich hätte mich auf den Standpunkt ge- stellt: «feindlich gegen die Plantagen. nur für die Arbeiter, nur für die Neger! Wer das behauptet, der traut meiner volkSwirtscbaftlicben Er- kenntnis ungemein wenig zu! Also ich wehre ab alle diejenigen Maß- regeln, welcbe dazu dienen sollen, auf dem Wege des Zwangs die Arbeiter in die Planiggen zu schaffen, auf dem Wex-xxdes direkten oder indirekten fiskalischen Zwanges durch eine außerordentliche Er- böbung der Lebensbedürfniffe und Steuern der Neger. Dagegen stehe ich auf dem Standpunkt, daß durch eine gerechte, mäßige und billige ArbeitSordnung, durch die Bemühungen, die die Arbeiterkommiffare aufwenden werden, die im Innern des Landes die BezirkSamtmänner aufwckrden werden, die Farmer und Ansiedler dort beffere, willigere und mehr Arbeiter bekommen werden, als sie bisher gehabt haben. Darauf kommt es ja so sehr an. Es ist mit großem Recht gesagt worden: ein satter Neger ist ein guter Arbeiter. Selbstverständlicb werden die Farmer und Pflanzer dann beffere Arbeiter haben.

Aber das isi doch ganz etwas anderes als das, was man von uns verlangt hat. Von »uns ist verlaxigt worden - ich wiederhole das _, daß man mit Anwendung von fiskalischem Zwang bezw. mit der Peitsche oder mit der Steuerschraube den Farmern und Pflanzern dort bis zu 36000 Arbeitern garantiere. Ich gebe zu, die Herren haben das vielleicht gar nicht so heftig gemeint; aber sie haben es ans- gesprochen und haben es nicht bloß zu Hause ausgesprochen, sondern sind auch bier damit hergekommen. Also darüber be- steht vollständige Klarheit. Ich bin der Ansicht, daß diese Leute ihre Arbeiter haben müssen, daß es ferner wichtig ist, daß die Plantagen dort bestehen. Ich habe mich ja in der Komuiission und jest immer wieder auf den Standpunkt gestellt: es gibt eine Anzahl Kulturen, die gar nicht anders gewonnen werden können als auf dem Wege der Plantage; und diese Kulturkn sind für unsere nationale Wirtschaft wichtig. Ich stehe auf dem Standpunkt des Herrn Abg. Dr. Paascbe, Wenn er sagt: wozu kolonisieren wir? Wir kolonisieren erstens, um unseren Ueberschuß an Menschen gut und günstig und in enger Verbindung mit der Heimat unterzubringen, zweitens, um unserer Industrie ein Absaßgebiet und ein Rohstoff- produktionsgebiet zu erwerben. Zu diesen Zwecken kolonisieren wir. Alles das müffen wir auf alle mögliche„Weise zu erreichen suchen. Wenn wir :. B. einen großen Hanfverbrauch haben und wir können Sisal in unseren Kolonien ziehen, so werden wir das tun. DaS können wir aber nur auf dem Wege der Plantage. Ebenso ist es mit der Baumwolle. Eine gute Qualität Baumwolle, die bewäffert werden muß, kann wahrscheinlich nur auf dem Wege der Plantage gezogen werden. Waruü? so!]. ich gegen die Plantagen irgendwie un- freundlich sein?! Im Gegenteil, was ich gesagt babe, ist das - und es ist merkwürdig, wie selbst verständigen Leuten aller Sinn für die Nuance verloren zu geben scheint -: Ick; kann es nicht verantworten, daß Ofiafrika nur auf Plantagenkultur gestellt wird. Darauf hat man nun gemeint: Dernburg ist ein Feind der Plantagen. Ostafrika kann nicht nur auf Plantagenkultur gestellt werden, weil die Plantagen keine Nabrurigsmittel produzieren, weil sie von dem Kapital abhängig sind, das vorhanden ist, weil fie abhängig sind von dem Weltmarkt und den Weltmarktpreisen, und weil sie überhaupt eine so intensive Landwirtschaft verlangen, daß es gar nicht genug Arbeiter und Menschen in Ostafrika gibt, um auch nur einen ganz geringen Teil dieses Landes unter Plantagen zu stellen. Also nicht nur auf Plantagen kann das Land gestellt werden, aber auch auf Plantagen. Das ist nun hoffentlich ein für allemal klar. (Heiterkeit.)

Weiter die Frage der Erziehung zur Arbeit. Das kann meines Erachtens dadurch am besten erfolgen, daß man in den Negern Be- dürfnisse erweckt. Ich bin nicht der Ansicht, daß ein Neger zum Feldbau auf dem Wege der Plantagen erzogen werden muß. Da kann man ihn vielleicht lebten, wie man anhaltend hintereinander arbeitet. Aber wenn jemand in einen so ungeheuren Betrieb gefieckt wird und er vom Morgen bis zum Abend Sisalscbößlinge backt, was er nie in seinem Leben, wenn er nach Hause kommt, wieder zu sehen bekommt, so lernt er dabei gerade so wenig wie irgend jemand, der in einen großindusiriellen Betrieb in der Heimat gesteckt ist. Im Gegenteil - das werden mir die Afrikaner, die bier sind, bestätigen - weiß der Neger hinsichtlich der Qualität und Tragfähigkeit des Bodens sehr oft viel beffer Bescheid als der Weiße, der dort binkommi. Wir haben darüber allerhand Beobachtungen gemacht. Dagegen ist es absolut richtig, daß das Ferment für die Bewegung des Negets in der Richtung, daß er sich entwickelt und Bedürfniffe bekommt, daß er produziert und konsumiert, der Weiße ist. Das wird nie und nimmer von mir geleugnet werden. Ick: habe nur gesagt: aber nicht jeder Weiße, obne Rücksicht auf Charakter, Amt und Vorbildung. Das lehne ich ab, daß ich den Neger sich selbst überlaffen will; davon ist gar nicht die Rede.

Der Herr Abg. Dr. Paasche hat gesagt, man dürfe die Neger nicht zu buman behandeln, und hat auf Westindien hingewiesen, wo sie Staatsbürger seien. Ja, zwischen der Lage des westindiscben und des afrikanischen Negers ist doch ein bimmelweiter Unterschied. Was ich von dem afrikanischen Neger verlange, ist nicht viel mehr, als was jedermann für irgend ein kostbares Stück seines Haushalt] oder für ein Stück Vieh verlangt. (Hört! hört!) Ich will ihnen gute Hütten versibaffen, reibtzeitiges Essen verschaffen, er soll einen Arzt baden, seinen Lohn will ich ibm sicherstellen, feine Kontraktzeit soll begrenzt werden und seine Selbstbestimmung soll nicht ausgescbioffen sein. Aber was hat das mit dem Zerrbild vou Zivilisation und Staatswesen auf Haiti zu tun und den Dingen, die schlimmer sind, als die alietscblimmste Wildensozietät? Gerade das ist es, was mich von den Anschauungen der Mitte des Hauses unter- scheidet, daß ich über einen bestimmten Grad hinaus den Neger der

* haben! Wozu babe ich denn hier versprochen, die Werbeordnung für

Kultur gar nicbt für fähig balte. Das sind gerade die Vorwürfe, die