1866 / 94 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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11. In der Marine. Marine-Beamte. Durch Verfügung des Kriegs-Minisieriums. Meding. Hartwig, Wulff, Verwalter-Applikanien, zu überzähli- gen Marine-Verwaltern ernannt.

Nichtamtliches.“

Preußen. Potsdam, Neues Palais, den 21. April. Se. Königl. Hoheit der Kronprinz fuhr am Mittwoch den 18ten und am Donnerstag den 19. d. M. um 8 Uhr von Potsdam nach Berlin, wohnte daselbst den Truppcnbefichtignngen Seitens Sr Maj. des Königs bei und erthcilte hierauf an ersterem Tage dem MarincftabSarzt [)1'. Wenzel im Wartesalon des Potsdamer Bahnhofs, am zweiten Tage dcm Major a. D. Landratb v. d. Lancken und dem Konsul Stoll aus Neapel in Höchstseincm Palais Audienzen. Se. König- liche Hoheit begab sich am Mittwoch um 12 Uhr nach Potsdam zurück, am Donnerstag wohnte Höchfidcrselbe, nach- dem noch Prinz Carl von Hohenzollern Hoheit einen Besuch abgestattet, um 1 Uhr dem Lcichenbegängniß des in Folge seiner im lcßten Jeldzuge crhaltcncherwundung verstorbenen Lieutenant von Studniß bei und erfolgte die Rückkehr in das Neue Palais mit dem 2-Uhr-Zuge. Gegen 6Uhr Verabschiedete fich cbendaselbst Se. Hoheit Prinz Carl von Hohenzollern vor seiner Abreise nach Düsseldorf.

Freitag, den 20. April, empfing Se. Königliche Hoheit der Kronprinz den Kammerherrn von Behr, am Vormittage dcs 21sten nahm Höchstderselbe Civil- nnd Militair- Vorträge entgegen.

Schleswig-Holstein. Schleswig , 19. April. (Nordd. Ztg.) Gestern Abend fand zur Feier der vor zwei Jahren erfolgten Erstürmung dcr Düppler Schanzen ein glänzender Bal] statt, zu dem der Magistrat Und das Dcputirtenkollegium nebst einer großen Anzahl hiesiger Beamten und Bürger den Gouverneur und sämmt- liche Offiziere und Militairbeamte der hiefigeu Besahung eingeladen hatten.

Hannover, 20. April. Die Königliche Verordnung, die Errichtung eines evangelisch-lutherischen Landes-Konsistoriums betreffend, vom 17. April d. J. bestimmt, daß in der RefidenzstadtHannover als oberste Behörde der evangelisch-lutberischen Kirche des Königreichs ein Landes-Kon- fistorium errichtet Werden soll. Dasselbe soll aus ordentlichen und außer- ordentlichen» Mitgliedern bestehen. Die Provinzial-Konsistorien zu Hannover, Aurich, OSnadrück, Stade und Otterndorf und die sonst unter dem Kultus- Ministerium zu einer Theilnahme an der Regierung der evangelisch-luthe- rischen Kirche im Köiiigreiche berufenen Behörden oder Personen find _ jedoch mit Außnahme ihrer Zuständigkeiten für die reformirteKirche -- dem Landcs-Konfistorium untergeordnet. Den Geschäftskreis dcs Landes-Konststo- riums bilden (nach §.3) diejenigen Angelegenheiten, welche das Bekenntnis; und die Lehre der Kirche, die Seelsorge, den Kultus und die Kirchenzucht," die Vorbildung, Prüfung und Ordination für das geistliche Amt,“ die Anstellung und Entlaffung der Geistlichen, einschließlich der Hülfsgcist- lichen, Superintendenten und General-Superintendenten, deren Amtsführung, Fortbildung und Wandel betxeffen. Am Volkß'schulwesen soll das Landes- Konfistorium zur Wahrnehmung des kirchlichen Interesses eine, vornehmlich den Religionsunterricht betreffende, nach Anhörung deffelben vom Kultus- Ministerium im Einzelnen zu ordnende Betheiligung erhalten. Daneben ist das Landes-Konfistorium dazu berufen, durch Beachtung und Berathung der kirchlichen Zustände und Interessen im Allgemeinen, und namentlich auch in Beziehung auf Kirchenrerfassung, Visitation und Ehe, soweit ihm hierin nicht nach §. 3 schon Weiter gehende Zuständigkeit Verließen ist, durch Er- ßattung erforderter Gutachten, Erledigung sonstiger Aufträge und Einbrin- gung von Anträgen beim Kultusministeiium oder nöthigcnfalls bei dem Könige der Kirche zu dienen.

Die Provinzial-Konfisiorien behalten ihre bisherige Zuständigkeit, fie haben solche jedoch, was die im Z. 3 bemerkten Angelegenheiten betrifft, unter Aufsicht und Leitung des Landcs-Konfiftoriums, sowie mit Beachtung nachstehender Bestimmungen zu üben: Allgemeine Anordnungen dürfen nur von dem Landes-Konfistorium oder mit dessen Zustimmung erlassen werden,“ wegen der Prüfungen soll das Weitere vom Könige nach Anhörung des Landes-Konststoriums geordnet werden, unter Festhaltung jedoch des Grund- sahes, daß die über Befähigung für das geistliche Amt entscheidende Prü- fung künftig allgemein beim Landes-Konfistorium abgehalten Werden soll,“ die Ernennung der Geistlichen fiir Stellen, Welche landesherrlich beseyt Werden und die Bestätigung derselben für andere Stellen wird dem Landes- Konfistvrium vorbehalten, welches dabei mit dem betreffenden Provinzial- Konfistorium nach näheren , im Wege dir Instruction zu ertheilenden Vor- schriften fich zu benehmen hat,“ in DiZziplinarstrafsachen der Geistlichen bleibt, auch wenn es fich um Entfernung vom Dienfle handelt, den Provinzial- Konfistorien die Entscheidung in erfter Instanz. Darüber tritt das Landes- Konfisiorium als zWeite Instanz ein, vorbehaltlich übrigens der Befugniß desselben, kraft der Oberaufsicht die Provinzial-Konfistorien zu gehöriger Uebung der Disziplinargewalt anzuhalten, erforderlichen Falls auch eine Sache den an sich zuständigen Provinzial-Konfistorien abzunehmen und einem anderen deren Erledigung in erster Instanz aufzutragen.

Hinsichtlich der im J. 3 nicht benannten Angelegenheiten bleibt“ das Kultus-Ministerium die unmittelbar vorgesehte Behörde der Provinzial- Konfisiorien.

Das Landes-Konflfiorium ist dem Kultus-Ministerium unlergeordnet. Entstehen zwischen dem Kultus-Ministetium und dem Landes-Konfisiorium Meinungsverschiedenheiien über die Grenzen der beiderseitigen Zuständigkeit oder in Angelegenheiten, in welchen ohne beiderseitiges Einverständniß nicht

verfahren wrrden kann, so ist nöthigenfalls -- mittelst Vortrags des Mj. nisters .. die Königliche Entscheidung zu erwirken. Den k;Jeityunkt, mit welchem das Landes-Konfislorium in Wirksamkeit

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tritt, wird das Kultus-Minisierium verkünden.

» Zu Landtags-Kommissarien auf die Dauer dieser Diät für beide Kammern sind bestellt: der Geheime Jinanz-Direktor von Seebach, der Geheime Finanz-Rath von Klenck, der Geheime Re- gierungs-Rath Brüel, die Ober-Jusliz-Räthe Francke und Eggeling, der Geheimechations-Raih Hartmann, die Regierungs-RätbeKüster, Jacobi, Niemeyer, Haase, Marcard, der Wegebaurath Bockelberg und der Kloster-Kaminer-Assessor Barkhausen.

Nassau. Wiesbaden, 20. April. (Jr.J.) Die Ständc- Versammlung hielt gestern ihre erste öffentliche Siyimg in Budget- Angelegenheiten ab. Sie seyte die Landcsstenerkaffe-Einnahmcn, das Budget der herzoglichen Staatseisenbahn, die Domanial-Einnahmen und deren Auögabcn fest. Abg. Braun berichtete über das Budget über direkte und indirekte Stcurrn, iiber den Vrreinszoll, die Vier- nnd Branntweinsteuer und den Bezug aus den Einkünften dcs Domainenfiskus. Der Ausschuß verlangt Abschaffung des von der Regierung seither dnrchgefiihrten Grundsaßes, wodurch der Ertrag der indirekten Steuern bei der Budgetirung unterschäßt worden und der Jahresabschlnß eine weit höhere Summe aufzuweisen hatte, so daß, statt des befürchteten Defizits, ßets ein großer Einnahmeüber- schuß in das nächstfolgende Jahr überging.

Bayern. München, 21). April. Freiherr v. d. Pfordtcn reift morgen Mittags zur Ministerkonfcrenz nach Aungurg, wo die Herren v. Beust, v. Varnbüler, v. Dalwigk und vermuthlich auch v. Edelsheim zusammentreffen.

Oesterreich. Pesth, 19. April. Die Magnatentafsl hielt eine kurze Sihnng, in Welcher beschlossen warde, die Adrrffe als gelesen zu betrachten und etwaige styliftischc Korrekturen den Dcputirten zu überlassen. Hiermit entfiel dic Sprzialdebaite. Heute bcgiebl fich eine Dcputation dcr Franzstädter Kirchenbau-Kommission nach Wien, um Ihrer Majestät der Kaiserin für die Uebernahme des Protektorats iiber den genannten Kirchenbau zu danken. Die Deputation wird Sonnabend Mittags empfangen werden.

Lemberg, 18 April. Fürst Sangriszko beantragt, wegen beschleunigten Bach der Lemberg - Brody - Tarnopoler Eisenbahn Schritte zu thun. Der Antrag geht an den Landesausschuss. Las- kowski referirt Namens der Spezialfommisfion iiber die Regierungs- vorlage, betreffend die administrative LandeSrin theilung und proponirt: 1. daß der Landtag mit der Eintheilung in zwei Statthalterei- gebiete unter einem General-(HOUVcrneur nicht cinderstanden sei und zu- gleich um Aufhebung der bestehenden Statthallerei-Kommission in Krakau bitte,“ 2. daß derselbe die projektirte Eintheilung in 74 Bezirke mit eini- gen Abänderungen billige. - Es erfolgt eine lebhafte Debatte über Punkt 1 Seidler ist vom Standpunkte der Lokalintercsscn Krakaus und der wefilickycn Landestheile, Lozindki vom ruthenisch-nationale-n Standpunkte dagegen. Der Ruthene Pawlifow verlangt die poli- tische Landestrennung mit Landtagen in erberg und Krakau. Dcr Regierungscommissair empfiehlt die KoniniisfionQdorschläge Und er- klärt, der Gedanke einer politischen Landestrenmmg liege der Regie- rung ferne,“ die Idee ivcgen Einscßung eines (Heneralgouvcrnciirs sci aufgegeben. - Punkt 1 wird schließlich angenommen Nach zweistiindiger Pause Verathung iiber Prinft 2, welche schließlich auf die nächstfolgcnde SiYimg vertagt wurde. '

Großbritannien und Irland. London, 19. April- Jn der gestrigen Sitzung des Unterhauses wurde nichts von allgemeinem Interesse verhandelt. Einige Bills von örtlicher Be- deuxung, den Hopfcnhandcl, Gesellschaftsbanken und dcrgleiclzen mehr betreffend, gelangten zur 2. Lesung.

Der Marquis von Westmeath hat, da die 2. Lesung der Parlamentseidbill im Hause der Lords durchgc'gangen ist und da selbst die Erzbischöfe von Canterbury und Armagh nebst Jord Derby es fiir unnüy gehalten haben, auf Verwerfung dcr Maßrcgcl anzufragen, nun seinen förmlichen Protest gegen die erfolgte zweite Lesung erhoben und in der gewöhnlichen Form mit ausführlicher Motivirung im Tagebuch drs Obrrbauses verzeichnet.

Nach einem eben erschienenenParlamentSaiisweise sind zu Gun- sien der Reformbill seit dem Scklusse dor Parlam-cntsferien bis vergangenen Freitag 610 Petitionen mit im Ganzen 440,941Unter- schriften einaelaufen. Die meisten Unterschriften zählte die Petition aus Manchester und Salford, nämlich 71,817, eine aus Glasgow zählte deren 21,017. Gegen die Bill sind 16 Petitionen mit zu- sammen 2895 Unterschriften gerichtet worden.

Frankreich. Paris, 19. April. Zn der“"gestrigen Sißung des gesetzgebenden Körpers ivurde zur Discussion des Art. 2 des Handels- Marine-Projektes geschritien: »Die durch Art. 1 und 2 des Geseßes vom 6. Mai 1841 den Dampfmaschinen französischer Fabrication, welche für inländische, zum internationalen Dienste bestimmte Schiffe angefertigt Wer- den, angeseßte Prämie fällt weg. Dieselbe soll jedoch für jeßt schon in Angriff genommene Maschinen dieser Art noch fortdauerna Dieser Artikel wurde nach einer unbedeutenden Discussion angenommen und dann zum Art. 3 übergegangen, der folgendermaßen lautet: „Sechs Monate nach Erlaß des gegenwärtigen Geseßes können Dampf- und Segel-Seeschiffe gegen Erle-

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einer Ab abe von 2 ranken pchonnc ihres Gehalts zur Franzöfirung ZkFZcisation) LZugelassen iFerden. Dieselbe Adgabe wird von den Kielböden eiserner oder hölzerner Schiffe erhobena. Plichon sucht zu beweisen, daß, indem man den auf fremden Werften gebauteziSchiffcn gestalte, französisch zu Werden, man die franzöfischen Schiffswerfte rumirte, u'nd dies die Folge hriben könnte, daß es der französischen Kriegs- Marine plöylich rin Schiffsarbeiiern fehlen würde. Der Regieriings-Joiiiiiitssar'bestreitet dies und giebt folgende Aufschlüsse: th zufolge ist der Dienst m den Staais-Marme- Wérksiättcn ein von den Privat-Llnsialtcn gcznz getrennter, so lmrge der Friede besteht Dieselben haben aber auch ein großes Juteressr fur den Staat, dercn Desorganisation ist aber nicht zu befruchten. Die Staats- Arscnalc beschäftigen 25,001), die Privat- Anslaltcn haben 9-' bis 10,000 Arbeiter, von denen der Staat aber noch eincn_ großen Theil'bcschaftigt (seit längerer Zeit liefern fie für 6 Millionen Arbeit per-Jahr"). So Zrbeite Z B, der berühmte Schiffsvaucr Normand nur allem fur den Staat. Außerdem arbeiteten die Prival-Schiffswerstr fast nur „für fremdc Regisrrun- «ien, da die französischen gepanzerten Schiffe _ckren Ehrgeiz erregt hatte)). Seit fiinf oder sechs Jahren hätte die sranzöfijche Industrie 'von ihiien fur ungefähr 50 Millionen Franken Bestellungen erhalten., Sie arbeite qlso fast nur ausschließlich für den Staat und _fremde Regieru-ngcii. Er giebt zu, daß nach Annahme des neuen Gescxzes manches Schiff im Auslande iiibaut werden würde. Das Privai-Marine-Material würde fich aber bcrmchren, nnd die Ausgaben, welclie jährlich für die Llusbcfferung gemacht Werden müßten, den französischen Werkstätten zu (Hufe kommen. Die fran- zösische *Der-Marine habe. daher von den Resultaten des 11cucn„Geseßeß nichts zu fürchten, im Gcgcnthcil, fie müsse deffrn Anniihme ivunschen. Nach einigen Bemerkungen Pliehon's und Armand's ergreift Thiers das Wort, um fich nochmals mit aller Enrrgie gegen das Pk01ckt auszusprechen. Ji)m antwortet der Staatsminister Rouher. Derselbe giebt einige Aufschlussc iiber den Preis der Schiffe im Außlandc und in Frankreich. Er gießt zu, daß die Schiffe ersten Ranges in Frankreich nicht höher zu stehen kamen, als die, ivelide England liefert. Die Schiffe zweitrn Rausch koßcicri aber in England 30 Prozent weniger, als in Frankreich. Die amerikanischer), schwedischen und iiorivegischen Schiffe kosten ihm zufolge noch weniger. Sie seien freilich iivcniger werth, als die französischen, aber, das habe keine Be- deutung, da man fick) ihrer nicht lange bedienx. Thiers hatte behagptct, das Personal der französischenHandclÖ-Marinc sei in der Adnahme begriffen. Nach Rouher isl dies nicht Wahr," seit dem 1. Januar 1865 habe ,es zuge- nommen. Damals sei das Personal der überseeischen Schiffe 21,833 Mann, das der Kiiltenfabrer 32,360 Mann und das der kleinen Fischerei 32,186 Mann stark gewesen,“ heute stellten sich die Zahlen folgender Maßen: 24,548, 37,000 und 33,000. Die Ankündigung des neuen Geseyes habe also die Handels“ - Marine nicht entmuthigt. -- Der Art. 3 wurde hierauf ati- genommen. Der Artikel 4 lautet, wie folgt: »Das von fremden, in die iranzösisckyen Häfen einlaufenden Schiffen diEhcran ethodene Tonnengeld wrrd vom 1. Januar 1867 an aufgehoben. Dagegen bleibt das von fremden wie einheimischen Schiffen als Garantie fiir die zur Qlusbefferung der frau- zösischen Seehäfen gemachten Anleihen erhobene Tonnengeld bestehen. Kaiserliche Dekrete können auf dem Wege der Verwaltung zur Begegnung ron Audgaben ähnlicher Art ein Tonncngcld anordnen,. wriched rider, deri Dccime inbegriffen, “ZZ Jr. nicht Übrrstcigen darf und die emhemnschen rote remden Schi“e tre cn muß.« s Der Stxats-Vßinister Ronher erklärt, daß das Tonnengcld a„uf fran- zösische Schiffe in Folge des 1826 mit EnglJnd abgeschlossctixn.Schifffahris- vertrages erhoben werde. In England wurdexr"(wahrscheinlich aber, nur noch Öis1872) zum Besten der verschiedenen „Hafen Von den englischezi Schiffen ebenfalls Tonnengaldcr crixoben, Und dasjelbe babe b'ctm,2lb.1chlus1e obigen Vertrages dazu gefiihrt, daßqur Hrrs-ie-Uung der Gleichheit in den französischen Häfen fiir die franzöjixchen Schiffe Aehnliches geschehe. Der Artikel wird gutgehcißen. ' " '

In der heutigen Sißung wurde die DlSkUsjlon uber dieQHandcls-

Marine-Angclcgcnheit fortgesexzt.

Rußland und Polen. St. Petersburg,“ 19. April. Ueber den Verbrecher, Welcher das Attentat gegen den Kaiser ver- iibt, sind der »Nord. Posta folgende Nachrichten ziigegangen." Der- selbe sagt aus, er sei der Sohn eiiies Bauern mis einem der sudlichrn Gouvernements, 24 Jahr alt, griechischen Glaubens und h-eiße Alexej Petrow; seine Erziehung habe er in einem Gymnasium semer Helmuth erhalten, den Kursus vor 5 Jahren beendigt und seitdem sei er in Rußland umhergewandert, in St. PeterLdurg befinde er sich seit einem Jahre,“ während der ganzen Zeit habe er hier keine

unwahr zu sein, da der Verbrecher unter Anderem sagte, rr wolle seinen eigentlichen Namen nicht nrnnen, arts Furcht, daß die Nach- richt von dem von ihm Verlibtcn Verbrechen seine Eltern vor der Zeit ills Grab bringen könne. Ucbrifgens dauern die durch diese 2111 aden verur achten Utitersuchu11geii ort. .

gL-xon derspoltiischen Grenze, 19. April. (Osts-„Zlg-Ä Jn offiziellen russischen Kreisen interesfirt „man fich lrbhqjt fur das yon namhaften „Kapitalisten unterstützte Projekt der Weiterfahrung der ]cßt im Bau begriffenen Bahnlinie Balta-Kieiv nach Tarnopol rind Leniverg. Kommt dies Projektzur Ausführung, was ivegeii der Vdrtheile, die es .der österreichischcn Regierung bietet, sehr wahrscheinlich ist, [0 Wird Kiew in unmittelbare Verbindung mit Wien und dadurch unt allen erzw- päischcn Hauptstädten gebracht. _ In jüngster Zeit haben zahlreiche,

durch den letzten Aufstand in ihrem Wohlstande *zurückgekommcne * . . * thümer seße ihre Beratdungen auch mt xore-

deutsche Kolonistenfamilien in den Kreisen Kalisch, Konin iind W10- claivek ihre bisherigen Wohnfihe verlassen und find Weiter nach

Osten, namentlich nacb Wolhynien, gezogen , um “sich dort nieder- zulassen. Die meisten haben die Gegend um Shitomir, wo sich

beständige Wohnung gehabt und sich mit Ta-- gelöhnerardeit in den Artellen beschäftigt. Diese Ausfagen scheinen '

schon aus früherer Zeit zahlreiche und zum Theil blühende deutsche Kolonieen befinden, zu ihrem anfiedclungsort gewählt.

SchWeden und Norwegen. Stocholm- 15- April. Ueber die beabsichtigte Wiedereinführung des Zolles auf Lebensmittel schreibt *Aftonbl.- u. A.: Die Vorzüge des Einfuhrzolles fiir den, Ackerbau sind jedenfalls nur eingebildete. Gerade zu der Zeit, als wir von diesem Zolle befreit waren, hat fick) die schwedische Land- wirthschaft und der Ackerbau zu der Höhe entwickelt, auf welcher dieselben jeßt stehen. Wir sind ein exportirendes Land dieser Pro- dukte geworden und haben das Vefireben, die Production derselben fortwährend zu vermehren. Eine Ausimhme hiervon kann nur dann eintreten, wenn unser Land von MißwuckW heimgesucht werden sollte,“ aber dann gerade ist es der Landmann, welcher kaufen muß, und gerade dann müssen die Einfuhrabgaben aufgehoben werden, wovon uns Finnland erst jüngst ein Beispiel gab.

Amerika. New-York, 7. April. Das Ergebniß der Senats-Abstiimming iiber die („'ivjl-liilexi» 3111 Wurde sowohl im Hause selbst, als auch im Lande, soweit die Kunde davon gelangt. war, mit Beifall begrüßt. Die Bill ist sofort an das Repräsen- tantenhaus gesandt worden, nic) am 7. April dariiber verhandelt wurde. Voraussichtlich "wird ste auch hier und zwar wahrscheinlich mit großer Stimmcmnehrhcit angenommen werden. (Ist nach tele- graphischer Mittheilung geschehen.) Der Präfident hielt am 6. einen iiber 3 Stunden dauernden Staatsrath und soll der Prozeß von Jeffer- son Dav is den Gegenstand der Berathung gebildet haben. Es scheint, daß die Freunde des Expräfidenten der Konföderirten es wenigstens für jest aufgegeben haben, scine Freilassung Vermitielst cines llaiWa» (:()!"pUZ zu verlangen. -- Eine zahlreiche Deputation aus Virginia hat den Präsidenten der aufrichtiger: und einmiithigcn Unierßüßrmg sei- ner Politik Verfichert. - Zn Washington ging das Gerücht, daß der Präsident in Kurzem eine allgemeine Amnesiir proklamircn würde. In Nciv-Orleans bctrachtete man diese Amnesie als schon in seiner jüngsicn Proclamation enthalten und sollen die Herren Slides] und Benjamin im Begriff gewesen sein, nach Louisiana zurückzukehren. - Der Washingtoner Korrespondent eines Bostoner Blattes berichtet, der Finanzaussthuß des Repräsentantenbauses sei zu dem Schlusse gelangt, daß die Steuerlast fügsich 50 Miljionen Dollars verringert Werden könne und werde deShalb eine dahinzielende Bill in den ersten Tagen einbringen. Die Taxe auf Manufakturen, Kleidungs- fiiicke, Papier 11. s. 11). soll danach beträchtlich herabgelevt werden. * In New-Yorf und in Charleston find zerstörende Jeiiersbrünste Vor- gefallen, Welche in ersterer Stadt einen Schaden von nicht viel we- niger als eine Million Dollars Verursacht haben sollen.

Ueber angebliche Neger-Aufstände auf mehreren Pflanzungen Cuba's find aus der Havanna bis zum leßten März Berichte ein- gelaufen. In verschiedenen Theilen der Insel seien Feuersbrünste ausgebrochen, Welche man von Sclaven angestiftet glaubt. Ein Ver- ein hat sich gebildet, um die Einfuhr afrikanischer Neger zu ver-

indem.

h »Reuiers Office- meldet: New-York, 12. April, Nachmittags Der Senat hat die Anleihe-Bill angenommcn. Wie bereiis vom Senate, so ist auch jsßl vom Repräsentantendauie die Bürgerrechts-Bill mit der erforderlichen ZweidritrUs-ngoßrar gegen das Veto des Präsidenten angenommen. Es imd (.Hjerucrte im Umlaufe, wonach binnen Kurzem eine allgemeine Anrnciiie prc- klamirt Werden wird. Eine große Anzahl Feiiier Hai "ck 971 der canadischen Grenze des Staates New-Brunézwicf _zuiammenrotiirt urid: bedroht Campobello und St. Stephens.

Telegraphische Depesciyen aus dem Wolff'schen Telegraphen-Vürean.

DreSden, Sonnabend, 21. April. Straatsminiüer Friidrrr von Beust, Welcher grstcrn Abend zu 'der iriirirlsiaariiMn YÖÄMZIT- konferenz nach Augsburg abgereist is:, baite vorher iii Jeirzis :?:: Besprechung mit dem Herzdge von Kddurg-GOida.

Frankfurt a. Pk., Sonnabend, 21. Ilrril. Mi::zZZ. Ministrrkonfcrenzen der Mittelstaaten werden erst mergexi. "ZEN.“ in Augéburg eröffnet werden. Es smd zu denislden eixzelxd-srx - Regierungen von Bayern, Sacbim, Würtrewderßx Bad:». HO?» Darmstadt, Weimar, Gsida und Meiningm.

London, Freitag, 20. April,- Admds.

auf eine Interpellation des Parlaunnxs-Miisißdks :;

die in Paris zusammengetretcne Konierenz iiber die Org.:rrii'rxßixio !iedsr Den Fudai; dcr Beratbungen könne er keine Mi::béiiMsrn WMW- Grix'iixd fragt darauf, ob England gegen die Wadi des“ Prix:,zm DN: 43qu-