1888 / 51 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 25 Feb 1888 18:00:01 GMT) scan diff

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söwindenk Diese Auslaffung, die un weifelhaft von einem hervor- ragenden Führer der Partei berrübrt, ollie doch über den einen Punkt allen Zweifel beheben, daß es ein Irrtbum ist, zu glaubezr, die Be- kämpfung der Sozialdemokratie auf dem Boden des gememen Rechts würde von den sozialistischen Agitatoren weniger beanstandet werden. Die Klagen über eine AUSnahmegefetzge'bung gxgen die Sozialdemokratie würden auch dann kein Ende nehmen. Wer in dieser Beziehung Ruhe haben will muß auf jede Bestimmung gegen die sozialistische Propa- ganda verzichten, w_ie indem Artikel des ,VolkalatteS“ 1th auch rund und nett erklart wird.

_ Wie die „Nord-Oftsee-Zeitung“ konstatirt,

hat , die nerxe Provinzial- und Kreisordnung für die Provinz Schle§wtg-Holstetn_allen biUigcn Wünschen, die seit Jahren aus den verschiedensten Schichten der Bevölkerung heraus [auf gewvrden sind, soweit es zrgend anging, nach Mög1ichkeit Rechnung zu tragen gesucht. Sie verspricht, dennAmtsbezirken die dringend nothwendige Crleichtcrung durch StgatSzuschuffc zu verschaffen. Nach den mannigfacbsten Bezie- hungen hm sucht fie weiter dem erhöhten Bedürfniß nach unmittel- barem regen Verkehr der Behörden unter einander zu genügen. Sie ist so umfassend angelegt, daß fie wirklich für alle nur denkbaren Einzelfälle Vorkehrungen Ütfft. Man könnte sie fast vonommen nennen, Wenn man nickxt, wüßte, daß auch die umsichtißste, einschneidenste, gewissenhaft ßusiiearbertetste Vorlage an sich noch eine (Gewähr dafür bietet, d.:ß ihr Inhalt alsbald in Fleisch und Blut dcr Interessenten. der Ein- wohnerschaft der Kreise und drr Provinz über eben wird. Stets bleibt auch die beste Theorie grau, gegenüber der raxis. Erst durch langjähriges Einleben und Vertrautfein mit aÜen Besiimmunacn der neuen Ordnung, erst durch gegenwitigcs Aussvrechcn, durch mühsame Verständigung von Fall zu Fall, durch beiderseitig befriedigende authentische Auslegung der einzelnen Bestimmungen und Vorschriften kann die in Ausficht gesicUte Provinzial- und Kreisordnung den vollen Segen für das Lehen, der Provinzbewohner erlangen, den man fich vyn ihnen ohne ZWeifel im vollbercchtigtcn Selkxstgefühl und ohne jede Uebertreibung versprechen darf.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Ueber die Ergebnisse der Ausgrabungen zu Per- gamon, in den Jahren 1883 bis 1886 enthält das „Jahrbuch der Königlich preußischen Kunstsammlungen“ (Berlin, (55. Grote'fche Verlagsbuckxhandlung, 9. Band, 1. und 2. Heft der „Studien und Forschungen“) einen vorläufigen Bericht, w,:lchendic Hrrn. C. Hamann, R. Bohne und M. Fränkcl erstattet haben. Wir entnehmen dem- selben Folgendcs: AUSgangspunkt und Haudigsgcnstand der Aus- grabungen „war der berühmte große Altar mit seinen Bildwerken gewesen, 1116 jxßt den kostbarstrn Schoß unserer Antikrnsammlung blldkn. Dre Außgrabungkn h1iten geschlossen mit dem Funde von Stückcn der Giganwmackyie-Rclieis am Wssiahhanxxe des Bur.)- bergcs, urztcr drm Altarv'lateau, Ohne daß eine Grenz? erreithf worden xvarc, Welche den Fortgang solcher Funde unwahrscheinlich ge- macht hatte. Neben den Altar war als zweites großcs Untcrsuchungs- Objcxt das Athezia-Heiligthum Jerreten; 1ein Plateau War allerdings vol1„ftand1g abgeraumt, aber man mußte sich sagen, daß hinahgefaüene Stücke ndjhwendiger Weise an den “Abhängen nach Westkn und Süden, die z:och unahgeräumt waren, Vékschü1161 liegen und auch in dem noch 111cht abgetragenen späteren Maucrivcrk am Rande des Plateaus fieckxn „mußten. Die Fortseßung der Arbeiten vcrsprack) eine VervoUstandtgung des gewonnenen Materials, aber zugleich auch eme .VermchrUng der Kenntniß von dem Ganzen der alten hellemschen Köntgxstadt oder Wenigstcns doch der Burgkrone, wo vornehme Gebaude, wie namentlich die Königlichcn Wohnungen zu Vermuthen waren. Die bezüglichen Anträge der Museumsverwal- tung fandxn, von der Königlichen Akademie der Wissenschaften befür- wrzrtxt, dre Anerkemxung der Minister, und im Auftrage des Aus- waritgen Amts erwirkte die Kaiserliche Botschaft bei dEr Hohen Pforte dic Erlaubm der ottomanischen Regierung zur Fortscyung ker, Ausgrabunzzezt. x_ür die Kosten dersi-lbcn hatte Sc. Majestät der Kaiser und Konig dre Gnade, zu Anfang Mai 1883 eine Summe aus'detn, AÜcrhöchsten Dispofitionsfonds zn hcwiÜigen, mit der die Weiterführung deH Unternehmens ahcrmais an ein Jahr gesichwt wqr.D1e Arbeiten [lcßkn sich im Jahre 1883 zwarnoch nicht zum Abschluß bringen, konnten aber aus MuseumSmittcln im Gange erhalten werden.

Inzwischen hatten die Aufgaben des Unternehmens ganz unexwartete ormen angenommen denn wo man zunächst nur nach Erganzungs- tücken gesucht hatke, "ah man nunmehr zwei neue große Baukomplxxe auftauchen: den Marl"? und das Theater. „Demgegenüber mußte un Symmer 1884 in den Nuß gbungen vorlaufig nacbgelaffen werden. Die Museums-Verwaltung and aber noch einmal bei den Ministern Gehör und bei St, Majestät dem Kaiser und König, welcher per- sörxlizb von dem Stande der Arbeiten Einsicht zu nehmen gerubte, gnadtße Genetheit zur Bcwiüigung einer neuen Jahreörate aus dem Aan, öchstxn ispositionsfonds. So konnte im Sommer 1885 die Arbeit mit voller Kraft wieder aufgenommen und mrt einer besonderen Beibülfe des Ministers auch die AuSgrabung am sogencznnten Augusteum, welches jetzt als Trajaneum erkannt Wurde, Wetter fortgefeßt Werden. Im [6 ten Jahre entstanden ferner, großentheils mit Unterstützung der A ademie der Wissenschaften, mehxrere Einzeluntersuchungen und wissrnschaftliche Arbeiten. Dahin gehort die kartographische Aufnahme der pergamenischen Landschaft duroh rr). yon Diest und Genossen, sowie deren spätere archäologische Verch standtgung durch Hrn. Schuchhardt, ferner das genauere Studium einzelner Städtepläße im ergameniscben Gebiet, namentlich der Ruinen von Aigai (Nemrud- alessi) durch die Hrrn. Bohn, Schuchhardt und Senz, endlich die Untersuchung dxr Wasser- leitungen Von„Pergamon durch die Hrrn. Gräber und Schuchhardt. Als im Winter 1886 die ganze, gegen den Schluß stark gesteigerte Auögrabungsarbeit zu Ende ging, Wurde im Cinvernehmewmit dc-n türkischen Behörden für die Bewachung der AgSgrabungsstatten Sorge getragen und den Besuchern des rcnk- wurdtgen Plaßes ein Von der GeneralverWaltung der Königlichen Musexxi herausgegeben“ „Führer durch die Ruinen von Pergamon“ (Berlin, W Spcmgnn) dargeboten. Vor der Hand scheint es nun- mehr, tvte der Bericht sagt, gerathen, erst einmal das abschließende Werk der .Alterthümer von Pergamon“ den AuWrabungen nachkommen zu lassen. Die HerauSgabe der letzteren hat mit dem zweiten Bande begonnen, dessen Korrekturbogen Hr. Bohn an Ort und Stelle während des Fortgangs der Außgrabungen erledigt hat. Drei sndere Bande sehen der Vollendung cntgkgcn: der des Hrn."S11Üer' über das Trajaneum, drr von Hrn. Bohn verFaßtc uber die Theaterterrasfe und ein von dcn Hirn. Frankel ,und Fabricius bearbeiteter Band über die Inschriften. _ Der Bericht sth fich zubsammen aus einem ausführlichemArbeitsbericht von Carl Hamann, ü er die dritte Angrabr-mgs-Campagne, vom 18. April 1883 bis 15. Dezember 1886, einc'm Bericht über die Architektur der ausgegrabenen Bauten, von Richard Bohn, mit einem von dem Verfasser gezeickanctexi Situationsplan dcr Hochburg, des Markts und Theaters. ferneremer Zdealanficht dcr rekonstruirtenHoch- stadt von ergczmon (auf besonderen chromolitho- und hcliograpbirten Tafeln) sowre (tm _Text) Details Von den Resten des schönen ionischen ZPYI, und cndlick) einem Bericht über die Inschriften Von Max ran e .

_- Jn Nrw-York erschien soeberx und Wurde der Anki- quariaisb1ichand1ung von Otto Harasjowiß, Leipzig, zum Debit übergeben: ÜLLER bexjaoU 01" Obs Roman 8,1141 137231111118 ])81'1008 (from 13. (3. 146 to 4.1). 1100) 177 11. .4. 80p1100183. Ein stattlicher Band von 1188 Seiten in 40. In Leinenband. (Preis 45 „M) _ Dieses wichtige, m Gelehrrenkreiscn wvhlhekanntc Werk, welches [ange Zrit vergriffen war und hoch im Preise stand, liegt hier in neuer Vcr- befferter AuGgabe und in vorzüglicher Ausstattung vor. Auf der Hith moderner _Forschung stehend, bietet es zu einem mcißtgen Preise emen Ersaß für das Vor 200 Jahren er- schtxncnx und sriner Scltenheit und Kostbarkeit ircgen nur Wenigen zizgangltche (“7108837111111 Srasaitatjß dcs ])ULUUJS, um so mehr als dte BZifijgung des laieinischen Worts in aUen wichtigcrcn FäUen es auch fur den der „englischen Spracthnkundigen gleichermaßen nutzbar macht. In giisiziebtgster Weise find neben den Profanschreibcrn die Kirchenvdtrr" fur _das Werk bcnußt, sodaß rs fiir Theologen ebenso- wohl wie fur Phrlologcn unschäßharc Dienste leistet. Aber auch die byzantinischenRechtsqxtrüen find nicht unberücksichtigt gelassen, währrnd der Wert!) desselben für den Historiker bekannt ist.

Theater und Musik.

Im Deutschen Theater wird morgen, Sonntag, „Romeo

und Julia" und Montag .Dieherühmte Frau“ gegeben. Das Weitere

Repertoire der Woche ist folgendermaßen festgesteklt: Dienstag, W„ .Galeotto“; Mittwoch, 29., ,Die berühmte Frau“; Donnerstag, 1. März: „Faust“; _Txeitag, 2., ,Die berühmte rau“; Sonnabend, Z., „Götz von Berlt tngen“* _Sonnta , 4., „Die berühmte Frau“, _ Am Montag, den „5. carz, get das vieraktige Trauerspiel „Herzog Ernst“ von Ezml Wolff zum ersten Mal in Scene.

, Im Belle-Allxa'nce-Theater erhält fick) die „Salon. ttrolerin“ mit r. Geislinger in der TitelroUe fortdauernd in der Gunst des Publikums.

_Jm Walh_alla - Theater beginnen am" 2. März die Munchener Gaste vom dortigen Gärtnerplaß-Tbeater, weche gegenwärtig in Hannover die glänzendsfe Anerkennung von Kritik und Publikum er alten, ihr hiesiges Gastspiel.

_ Der Pianist Hr. Frederic Lamond aus Edinburg, durch sein fruheres Austreten hieryelbst bereits vortbeilbaft bekannt. gab gestern unxer Mitwirkung des Philharmonischen Orchesters im Saale der Sing-Akademie ein Concert, dessen Programm nur Werke neuerer Komponisten enthielt. Hr. Lamond ist einer der hervor. ragendsten Virtuosen unserer Zeit. Seine musterhaft geschulte Technik geht stets Hand in Hand mit tief eingehender und feinsinniger Schattirrmgswäse; sein Anschlag vermeidet im Forte jede Härte und ist un Piano von reizvollster Wirkung. Triller, Doppelgriffe und OktaVengänge in schnellstem Tempo machen dem Spieler keine Mühe. Das wundervolle Concert vvn Brahms (oy. 83), das nach 'edem Anhören immer mehr fesselt, trug der Künstler mit voÜtändiger Beherrschung aÜer Schwieriqkeiten und mit höchst geschmacktwller Ausdrucksweise vor. Reicher Beifall wurde der Ausführung dieses sowie des öfter e- hörten k-moU-Concerts von Kensclt zu Theil. Auch die Solosiü e: die Phantasie und Fuge von aff, die beliebte Romanze und Vogel- Etüde von Henselt, sowie Liszt's Tarantelle aus „78118213 9 11941011“ gelangen dem Spieler ganz vorzüglich und wurden gleichfalls mit allgemeinem Beifall aufgenommen. Das Philharmonische Orchester unter Leitung des Hrn. Kogel leistete wiederum sehr Tüchtiges, doch wollen wir nicht verschweigen, daß die Begleitung im ersten Concert uns rxiituntcr zu stark erschien. _ Der schöne, klangvolle Flügel von Bechstein kam dem Concertgcher sehr zu statten.

Mannigfaltiges.

(Nordd. AÜg. Ztg.) Dem Geschäfts-Comité für die Deutsche Al] emeine Ausstellung für Unfallverhütung im Jahre 1889 ist?ochen folgendcs Schreiben des Reichskanzlers Fürsten von WiStnarck zugegangen:

„Berlin, 23. Februar 1888.

Ew. Hochwohlgehorcn danke ich verbindlichst für Ihre Mit- theilungen über die für nächsics Jahr in Aussicht genommene Aus- stellung für UnfaÜverhütung. Das Untcrnehmen hat ,meine volle Theilnahme, weil ich in ihm ein Mittel sehe, die Fürsorge für die Arbeiter zu fördern und denselben durch Augenschein darzu- thun, daß ihr Wohl den Arbeitgebern am Herzen liegt. Mögen Ihre humanen Bestrebungen von Erfolg gekrönt Werden.

gez. von Bikomarck.“

Die Feier des 50jährigen Pricster-Jubiläums Papst

Leo's UllT. wurde gestern von den Katholiken Berlins durch-

cinen Festakt mit Prolog, Chorgesängrn und lebendem Bilde in dem (1qu Reichste geschmückten Saal der Philharmonie be- gangen. Die cFestrede hielt Ohcr-Trihunals-Raxh P. Reichenspcrger. Derselbe exitroöte ein Bild von dem Leben und Wirken des Papitrs und feierte demelben als Fricdensstifrer und Errctter aus den Gefahren der sozialen Nöthe.

London, 23. Februar. (A. C.) Die Zahl der vöxlig aller Mittel Entblößten (panpsrs) in London betrug, die in Jrrcnanftalten aufgenommrncn und die Vagabonden nicht eingerechnet, am [213th Sonnabend 110220, während sie an dem gleichen Daxiim des Vorjahres 104560, 1886 102 050 und 1885 97 434 betrug.

Brüssel, 24. Februar. (W. T. B.) Vom Congo_ ein- gelangte Nachrichten mckden den Tod der beidsn belgijchen Afrikaforscher van de Velde und Warlomont.

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25, Februar 1888, orgens.

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Stationen. Wind. Wetter.

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Anfang 7 Uhr.

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Ulrifang 7 Uhr. Montag :

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Anfang 7 Uhr.

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bedeckts) Julia.

halb bed. wolkig heiter

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1) Nachts Schneegestöber. ') Nachts Schnee.

2 = leicht, 3 = schwach, 4 = mäßig, 5 = frisch von Otto Ewa 6 = stark, 7 = steif, 8 = stürmisck), 9 = Sturm Montag: 1O0rk= starker Sturm, 11 = heftiger Sturm, 12 = Mizekado.

an.

Uebersicht der Witterung.

Das barometrisckoe Maximum über Nord-Europa Die Reise um die Welt

hat an Um an u exommen, eine D ss [' t nebst einem Vorspiel: f 9 zg epre 19" ieg Großes Ausstattungsstück mit Ballet

t d von A. d'Ennery und Jules Verne. ha je och an Montag und fol ende Tage:

über der Alvengegend. Die östliche Luftströmung MUMM“ dauert über Central-Europa fort, Stärke abgenommen. Das Wetter ist über Deutsch-

land ungewöhnlich kalt, an der Küste trübe mit die Welt in 80

Schneefällen. Jm Bzinnenlande vorwiegend heiter Cbemniß meldet Minus 17 Grad. Schneehöhe in Hamburg 12, Berlin und Breslau 7 am.

- Deutsche Seewarte.

Theater-Auzeigeu. * Rönigliäze Ickxauspirie. Sonnfag: Opern-

haus. 52. Vorsteüung. , in 2 Akten von Mozart. Dichtung von Schikancder. ßjrollé-üjrona. (110111201111: Ur kojrjsr )

Schauspielhaus. ljeit Salomo's. Paul Heyse. In Scene gesetzt vom Direktor Anno.

Opernhaxts. Waffenschmied. Anfang 711 Uhr,

Schauspielhaus. Historisches Schauspiel in 5 Akten von Paul Hey e.

Dienstag: Opernhaus. Trompeter von Säkkin en.

Flotow. Tanz von E. Deutsthes Theater. Sonntag: Romeo und

Yonxtag: e;();Zielhetrtühmte Fran. ten ag: a eo o.

Die nächste Aufführung von Faust findet am Vermischtes. Donnerstag, den 1. März, statk.

') Nachts Schnee, Höhe 12 0111. 4) Nebel, 5) Gestern EYatZTT-ZYTF.

„;Scbnee, Schneehöhe 7 am. 6) Nachts Schnee, Höhe Französischen von Carl Laufs. am. 82. Male: Der

Ein toller Einfall. _ Der

Victoria-Theater. Sonntag: Zum 592.M.:

Walhalla-Theater. Nur noch 4 Vorstellungen!

des Jmpresario Mr. Schürmann.

(111'0118. 111118. Krauoins 1)80k028..)

Die Zauberflöte. Oper Montag: Zum Bencfiz fiir

56. Vorstellung. Die Weis- Schauspikl in 5 Akten von

„_ 53. Vorstellmm. Der Die Dreizehn. KomUÖc Oper in 3 Akten von Anfang 7 Uhr.

57. Vorsielkung. Colber .

54. Vorsteüung. Der

Montag : Dieselbe

raeb. Axifang 7 Uhr. E. Jacobson.

Sonntag : Zum 82. M. :

Hierauf: Zum 2. Male:

Montag: Dieselbe Vorstellung.

Concert-Baus. Sonntag:

75 Künstler (10 Solisten). in 80 Tagen, 50 Künstler. Die Wette um eine Montag: Concert.

Die "Reise um Circus Kenz.

agen. lungen.

Um Uhr Abends:

Ejroné-(Zironu. Opéra. 13011118 911 3 aarss (18 Hindernisseü“. U, 11. 141b8rd 178-11100 sr 111. [„srrjer.

Jriedriä; - Wilhelmnädlisüxes Theater. Sonntag: Mit neuer Ausstatrung. OpereÜc in 3 Akten mit freier ' “'“ Benutzung eines französischen Sujets von F.Zell.

Montag 11. folgende Tage: Die Dreizehn.

Residenz-Theater. Sonntag: Zum 65. Male: mit Oper in 4 Akten Fraucillou. Schauspiel in 3 Akten von A. Dumas

nebst einem Vorspiel von Victor E. Neßler. Dick)" (Sobn). DLUMÜ "MFM! LÜWU- Anfang 711517- jung mit aiztorifirter theilweiser Benn ung der Idee und einiger Original-Liedcr aus 5. Victor von Scheffele Dichtung von R. Bunge. BaUet von Charles Grirllemm. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. 58. Vorstellung. Ein Winter- nxarchen. Schaus"prel m 4 Akten von Shakespeare, fur die deutsche Buhne neu übersetzt und bearbeitet

orsteÜung. Anfang 7:1 Uhr.

Welle-„RUmnce-Theater. Sountag: Gastspiel der Fr. Marie Geistinger mit den Mitgliedern des Friedricix-Wilhelmstädtischcn Theaters. Zum , 25. Male: Die Salontirolerin. Posse mit Gesang von Franz von Dmgeltedt. Musik von Fr. von m 3 Akten (4 Bildern) von Engelbert Karl und Geboren: (Hin Sohn: Hrn. Willy Bretha _ (Katharina und Midei Achenbacher: Fr.,“Marte Geistinger.) Anfang 7 Uhr.

Sonntag, Vormittags 11.) Uhr: Matinée zum Besten der hinterlassenen Familie des verstork-enen thakysptelerds dTLUJMder Acbärberg. i A war er nn e icar e. nter v er ngen. rn. ermann üm ers Die schöne Galathee. F;) H K p ( Montag u. folg. Tage: Die Saloutirolcrin.

Central-Theater. Sonntag: Mit ganz neuen

Posse in 4 Akten nach dem Dekorationen, Kostümen und Requisiten. Mizekado d Ein T i ' 4 Akt DieWHtheltsZiteZl. 7

, v er: a n . " . . Skala für die Windstärke: 1 = leiser Zug Pititu. Paroldjistisch-musikalischer Scherz in lgAkt m en von _annsa nfang Uhr

Concert des Kapeljmeisters Herrn Karl Meyder, Streich - Orchester „.

Sonnta : 2 r Vo tl- Um 4 Uhr NachmittTigs (eZnoYind Jex): Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-

Jckmikesr-VorYUulrigkiunxrlMinqung sädmmtliZTr , own._ aren :! ou oer:„ Sonntag: Gastspiel der Mdlle. Decroza und der elektrische Dame.“ Komische BaUet- Tintomime. _

französischen Operetten-Gesellschaft unter Leitung Die luft gen

Ein Studenten-Ausflug mit Große Original-Pantomime. _ (Siroüé- In beiden VorsteÜungen: Yuftrcten der 5 Phäno- mene der Luft. _ Austreten der vorzügliwsten Mr. Poiricr: Reitkünst'lerinne" imd Reitkünstler. _ Reiten und Vorführen dcr besidrcsiirten Schul- und Frei- heitspferde. Montag: Napoli, odcr: Salvator Rosa. E. Renz, Direktor.

Zum 5. Male: berger, odcr:

Zum 17. M.:

Faunäten - Nachrichten.

Verlobt: Frl. Lydia Schi1cider mit Hrn. Konrad Schauer (Svreitgen_Ka[k). _ Frl. Paula Hertzog

Hrn. Ma Riedel (Leipzig-Gr.-Wieder1t3sch). -- Frl. Jo anna Framke mit Hrn. Maurer- meister Heinrich EÜroth_(Berlin). _ Frl.H»;[ene Alslebrn mit Hrn. Kaufmann Rich. Mitüer (Berlin). _ Frl. Marie Brandt mit Hrn. Post- sekretär Joseph Scheffer (Berlin).

Verehelicht: Hr. Assistenzarzt 1)r. Ort;) Neu- mann mit Frl. HeneLachman11(Krotqschln). „- Kr. Heinrich Kottenhoss mik Frl. MathcldeSchur- off (Gereléberg). _ Hr, Julius Prinz mit Frl. Karoline Nördlinger (Berlin).

(Krefeld). _ Hrn. ])r- Schocndoerffer (Königs- berg). _ Hrn. Amtsrichter Heinrich Krauß (Guben). Hrn. I. Stcvrr (Wustrow). _ Hrn. Fr. Holtz (Rebclow). _ Cine Tochter: Hrn. Prem.- Lieut. a. D. Max von Dallwx)? (Kl. Voldeko). - . heine). _ Hrn. Boffe (Vordorf 13. Mein ). _ Zwei F?rbtßr: «Hrn. Lehrer Richard Bohne (Groß- mno. Gestorben: Frau Ulrike von Thielau, geb. von Tschirscbkv (Lampersdorf). _ Frau Zum Burgsdorff, geb. von Burg§dorffchFrankfurta. O.). Gesangsposse -* Hr. Opernsänger a. D. Heinrich Söhlmann (Berlin). _ Hrn. Willy cZeaeler Sohn Walter ZBerlin). -- Hr. Rentier Lndwi Karl Tieß (Ber- in). _ Hr. Rentier Eduard Fi?cher (S önebeck). - Frl. Anna Fuchs (Magdeburg). _ r._Max von Auer (Wilna). _ FrauReckotSanwalt_Lubr1nß (Gettorf). _ Hr; Eduard Wildies (Tilsit). "- Hr. Rentier August Voigt (Quedlinburg).

Dcr Kur-

Gesellsckxafts-

Redacteur : Ri e d e [. Verlag der Expedition (S ch ola).

Berlin:

Anstalt, Berlin ZW., Wilhelmstraße Nr. 32.

Sieben Beilagen (einschließlich Börsen-Beilage).

Heidel-

Hedwig Von * ' des Paragraphen Annahme finden,

. der Pro

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

.J./.“: 51.

Yiehtamtliches.

Preußen. Berlin, 25. Frbruar. Im weiteren Verlaux der gestrigen (45) SiZirng des Reichstages olgte ie zweite Verathung des Ge eßentwurfs, betref- kend den Schu von Vögeln. ' Abg. Baum ach hat mit Mitgliedern aller Parteien mehrere Amendements einßebracht, um die in erster Lesung erhobenen Bedenken zu eseitigen. Von einem Antrage- zu §.1“, auch das Zerstören und AuSnehmen von Eiern, das AUSne men und Tödten von Jungen zu untersagen, bemerkt Abg. ermes, daß er sich durchaus innerhalb der Tendenz und der GreYen des Geseßes bewege, und auch der Staats- sekretär von oetticher äußert sich dahin, daß der Burzdesrath dem Antrags nicht widersprechen werds. Der §. 1 wrrd Mit dem Antrag an enommen,

Jm §. 2 !Zoll nach dem Kompromiß-Antrage Baumbach jede Art des Fangens von Vögeln, so lange der Boden mrt Schnee bedeckt ist, verboten sein. In der Vorlage Wird vom Fangsn und der Erleaung gesprochen. , , .

Abg. Meyer (Hal]e) hält das; Schießen auf Vdgel n):t der Vogelftinte so latige der Boden mit Schnee bedcht M', für eine Handlung, die der Tendenz des Gesetzes entschieden widerspricht und bittet, die NegierungSvorlage anzunehmen.

Abg. Hermes: Es wäre eine roße Härte, das Erlegen von Vögeln zu untsrsagéix. Der Bo en könnte vom November biS zum “ebruar mit Schnee bedeckt u_nd es dann selbst dem Jagdbere tigten nicbt eintnal erlaubt 1ein, einen Krammetts- vogel zu schießen. Deshalb soÜe das Erlegen von Vögeln 111 dieser Zeit gestattet sein. ' ' .

Abg. Meyer (Hal]e): Der AuEdrtzck Härte sei m diesYm Falle entschieden zweischneidig. Er fmde drs Härte darm, daß man gegen niißliche Vögel mit der Vogelftinte vorgehen dürfe. Diesem Vergnügen foÜte man entschieden eiiien Damm ent- gegenseßen; das sei auch die TLnsz der Regrerungßvorlage. Er habe auf verschärfends Amendementxz gsrdckmet. . Wenn man aber die Vorlage, die schon an sick) nicht weit genug gehe, in disser Weise noch ahfchwäche, dann gehe der Nutzen des Geseßes iiberhaupt verloren.

Staatssekretär von Boetticher: ,

Es ist ja ganz richtig, was der Herr Vorredner gesagt hat, daß durch den Antrag dsr Hrrn. [)r. Bamnhack) und Genoffen der Zweck der Regierungsvvrlage in Etwas beeinträchtigt wird, insofern dicser Antrag ge enüber der Regierungédorlagc es für zuläsiig erklären wil], daß Vöch so lange der Boden mit Schnee bedeckt ist, zwar nicht gefangen, abc'r geschossen Werden dürfen. Nun würde ich ja natürlich in erster Linie die Regierungsvotlage zu vertreten haben und also wünschen müssen, daß dieser Antrag abgelehnt wird; allein, wenn ich mir die Bedeutung des Amendements klar mache, so glaube ich, daß die Wirkung desselben keine so wesentliche sein wird, daß man um deswiUen das Grieß in Frage zu stellen genöthigi ist. Es handelt sich hier darum, ob einmal gelegentlich der Auß- übung der Jagd ein Vogel geschossen werden darf. Das ist etwas ganz Anderes, als Wenn man das anyen mit Neßen und anderen Fanggeräthen zuläßt, wodurch eine 5 affenvertilgung er- möglicht wird, dre allerdings den Zweck des Gefeßes auf das Er- beblickzste beeinträchtigen würde. Aus diesem Grunde glaube ich, da es sich hicr allerdings um eine Restriktion, aber um eine Restriktion von untergeordneter Bedeutung handelt, daß der Vundeörath kein Be- denken tragen wird, sofern der Reichstag dem Amendement ])r. Baum- bach beitreten soUte, aucb seinerseits seine Zustimmung zu ertheilen.

Der §. 2 wird nach dem Antrag Baumbach angenommen, ebenso die §§. 3 und 4 unverändert.

Zu §. 5 scLlägt der Antrag Baumback) den Zysaß vor, daß Vögel, wel 6 em jagdbarcn Fedsr- und H„aarwrld und deren Vrutnachfte en, nach Maßgabe latidedeseßlicher Bestimmungen von den Jagd: und Fischereiberecht1gten und deren Beauftragten getödtet werden dürfen. _ , "

Abg. Keller: In verschiedenen Landestherlen' hatten zur Zeit der Reife in den Weinbergen außer den Eigenthümern nur öffentli e Schußbeamte (Forst; und Waldhüter, Flur- schüßen rc.) en utritt zu den'Wember en; es müßten also auch diese befugt ein, schadenbrmgexide ögel abzuschießen.

Abg. Hermes: Dieser Kategorie gehören der Storch, der Eisvogel und die Wafferamsel an, welche einmal dem ja 8- baren Wild und der Fischerei nachtheilig werden könnten. n diesem Falle solle es den Eigenthiimern oder den Fischerei: und Jagdberechti ten gestattet sem, diese „Vögel zu tödten;

Kommi ar Geheimer Ober-RegieryngS-Ratl) Thiel: Der Antrag abe gewisse Bedenken'gegexi sich. Aus der Zffahl der schadensti?tenden Vögel seien hier einzelne Yrauöge ri en, die zu tödten den Eigenthümery, „Jagd- oder ischerei erechtigten erlaubt sein solle. Es ser Mindestens zwerfe1haft, ob es zweckmäßig sei, eine solch? besondere Erlaybmß zu haben. Denn schon nach der Vorlage könne in den Fällen, wo solche Schäden vorkommen, von den Behörden eine Er- laubniß zur Tödtung gegeben werden, und die Behörden werden sie nicht versagen, wenn ein besonderer Schadxn nach- weisbar “sei. Es sei immerhin zu befiirchten, daß die Jagd steh auch auf manche harmlose Vögel richten würde; tinter dem Vorwand, daß sie der Ja d oder Fischerei schadlich seien. Souls die von dem Abg. aumba? vorgeschlagene, assung

„0 würde fich_]e enfalLS empfehlen, das Amendement'Keller m densßlben arxszunehmen. Ab . von Mirbach: Die Frage_ stehe m Verbrxidung mit

iZkriptionslisiw, welche auf einem Kompromrß beruhe; er bitte, um das Gesch nicht zu gefährden, den Antrag Baum- bach anzunehmen. ,

Der §. 5 wird mit demselben und dem Zufaß Keller an- genommen. '

Die §§. 6 und 7 enthalten die Strafbeftimmun en Fir die Uebertretung des Ge eyes, wonach neben der Ge_ - 0 _er Haftstrafe auch auf die inziehung der verbotswrdrrg m Bxsrß kenommenen, feilgebotenen oder verkauéten Vögel, Nester, Eier, omie auts Einziehung der beim Vogel an 2_c. benußtrn Werk- th-uge er annt werden kann, ohne Unter chied, ob die einzu- ziehenden Gegenstände dem Verurtheilten Zetkören oder nicht.,

Abg. Baumbach beantragt dazu den u aß, daß auf die bezeichneten Maßnahmen auch darm selbständig erkannt werden könne, wenn die Verfolgung einer bestimmten Person nicht

ausführbar ift.

Berlin, Sonnabend, den 25. Februar

Abg. Meyer (Hasle) fragt, ob der Zusaß nicht überftüsfig sei, da doch unzweifelhaft da, wo dé: Thäter nicht ermittelt werde, die Kon skation des konfiskabeln Geräthes zulässig sei.

_ Abg. von erßen: Der Zusaß fei _bxantragt, um jedes Mißverständnis; auch bezüglich der einzuziehenden Gegenstände, wel 6 dem Thäter nicht gehören, auszuschließen, sowie wit sicht darauf, daß es bei dieser Art von Vergehen Un- gemein schwer sei, den Thäter zu ermitteln.

Geheimer Ober:Regierungs-Rath Lenjhe hält den Zusaß für eine Verbesserung des Geseßes und glaubt, die Annahme desselben Seitens der Regierungen in Aussicht stellen zu können.

Die §. 6 und 7 werden mit dem Zusaß angenommen.

Der . 8 enthält das Verzeichnis; derjexiigen Vögel, welche nicht unter das Gesetz fallen sollen, darin zunächst die nach Maßgabe der LandeSgeseHe jagdbaren Vögel. Abg. Meyer (Halle) beantragt, von den jagdbaren Vögeln dis Wachtel aUSzunehmen, sie also dem Schuß des Geseßes zu unterstellen.

Abg. Meyer(Hall€): Man habe aÜe" Vsranlaffung, sich der Wachtel besonders anzunehmen, weil ihr BEstand in bedenklichem Rückgang begriffen sei.

Abg. Fürst Haßfeldt: Troß seinrr eigenen Vorliebe für den Wachtelschlag könne er den Antrag materisl] nicht für be- gründet erachten. Die Wachtel habe nicht in dem hehanptetsn Maß abgenommen. Wenn man sie auch schiißs, so wsrde sie doch während des ganzen WinterS geschossen und gefangen. Durch den Antrag würde man in die Partikulargefeßgebung der Einzelstaaten eingreifen.

Geh. OberRegierungNath Thiel: DL!“ Abg. Meyer wolle die Wachtel absolut schützen. Aber nach dem beantragten Amendement soUe sie nur vor Schluß deS Septsmbßrs nicht getödiet werden. Es würde also lediglich auf eine Schrmzeit von 4 Tagen hin- aquaufen. Und das sei der Miihe nicht wertl). Wenn die). Wachtel absolut geschith werdßn sollte', so würds ein neues Prinzip in das (Heseß hineingebracht wsrden, dae;- Bedenken errégen würde.

Abg. Meyer (HaÜe) zieht mit Riicksicht auf die Erklärung dss RegierungL-vertrstsrs seinen Antrag zuriick, behält sich aber vor, ihn in der dritten Lsfung wieder einzubringsn.

Ferner werden 17 Vogelart-Zn aufgezählt, die 0.12: schäd- lich von dem Geseß ([UK-genommen werden soUen. Alls Antrag der Abgg. Baumbach nnd GSROffSU WLdeU aus diesem VSL"- ?Liniß die Eisvögel, Störche uud Flußsseschwalben ge: tri en.?“-

Nach der Vorlage soll dcr in der biSlWr iiblichßn Wrist», betriebene Krammetsvogslfang durch die Vorschriften dieses Gestßrs nicht berührt werdcn.

Baumbach und Genossen beantragen, den Krammetsvogel- fang auf die eit vom 21. Septsmber bis 31. „Dezembsr zu beschränken un ferner die Berechtigten, welche mAusiibung des KrammetIvogelfanges goschüßte Vögel unbeabsichtigt mit- fangen, straflos zu lassen. _ Abg. Meyer (Halle) beantragt, statt „21. September“ zu setzen „1. Oktober“.

Nbg. Meyer(Ha11e): Prinzipiell sei er für die Streichung des ganzen Absaßes iiber den KrammetHvogélfang; eventuel! wolle er den Fang erst am 1. Oktober beginnen lassen, dann lätten die Krammetßvögel wenigstens noch 10 Tage längsr Zeit, sich freiwiÜig zu expatriiren und dem Fang zu entgehen. Mit der Streichung der Vorschrift iiber den KrammetSvo-sel: fang stehs und falLe der kulturelle Werth dieses Geskßes. Der Mensch müsse die el schützen, weil sie ihn in seinen wirthschaftlichen Unterne mungen unterstützten. Jm Voxzel- schuß könne man eher zu weit gehen, als nicht weit genug.

GelZeimer Ober-Negierung-Rath Thisl: Der Nachweis einer be eutenden Abna?me der Krammetswögel sei nicht ge: führt worden. Statisti che Erhebungen in einigrn Revieren bewiesen eher das Ge enthsil. Die Zak)! der Nichtkrammets. vögel, die gelegentli des Dohne'nstiegs gefangen werde, betta nur 4 Proz., sei also verhältnißmäßig gering.

Zlbg. Hermes: Hr. Me er gehe von der irrigen Voraus- ?eizung aus, daß eine Adna me der KrammetL-vögel kdnstatirt

ei. Sei dies durch die Erfahrung widerlegt, so sei nicht ein- zusehen, warum man Anderen überlassen soÜe, den Krammets- vogel zu fangen und zu essen, der für uns vorhanden sei. Wollte man den Fang bis zum 1. Oktober hinausschieben, so würde namentlich in den östlichen Bezirken das Resultat des Fanges ein minimales sein. Er bitte deshalb, bei dem Antrag Baumbach stehen zu bleiben.

Der Antrag Meyer wird abgelehnt und die Bestimmung über den KrammetSvogelfang mit der von Baumbach vor- geschlagenen Aenderung angenommen.

Auf den Vorschlag des Abg. KelXer (Württemberg) und unter Zustimmung des Staatssekretärs vonsVoetticher wird als Geltungstermin dieses Geseßes der 1. Juli 1888 festgeseßt.

Das Haus wendet sich darauf zur Berathrm fol ender Resolution: den VundeSratl) zu ersuchen„ möglicht ba d auf Grund vorstehenden Reichsgeseßes internationale Verträge zum Schuße der nüßlichen Vögel abschließen und hierbei thun- lichst berücksichtigen zu woüen, daß die fxftzuseßenden „Schon- ZLexten gemäß dem Verweilen der Vögel m den verschiedenen

'ndern geregelt werden.

Abg. Frhr. von Neurath empfiehlt als MitautrMftekler die Annahme die er Resolution in der dritten LesunJ. an könne Mitte März vom Wildprethändler Schnep en aufen, also zu einer Zeit, wo sie bei uns nicht gefcho_ en werden dürfen. Woher kämen fie? Aus Italien, wo sie cFrüher aufträten. Es müßten also die Schonzeiten in dxn vers iedenen Ländern nach dem Verweilen der Vögel verschieden geregelt werden.

Staatssekretär von B o e tt ich er :

Meine Herren! Ick halte eigentlich “die Resolution für über- flüssig, denn die verbündeten Regierungen find ja ohnedies auf diesem Gebiete bestrebt gewesen, zu internationalen Abmachungen zu kommen. Die Vorlegung erade des Geseßeniwurfs, den wir soeben durcb- berathen haben, ix? damit motivirt, wie Sie „aus der Begründung ersehen können daß es r uns darauf ankommt, eme geseyliche Grundlage in Deutschland zu aben, um demnäcbt mit besserem Erfolg auf inter- nationalem Wege zu gemeinsamen aßnahmxn zu elangen.

Also einer Anregung, wie sie durch diese esolution gegeben werden soll, bedn es bei den verbündeten Regierungen nicht mehr; sie find davon dur drungen, daß, wenn man auf diesem Gebiet ettvas Wirksames leisten will, man zn“ internationalen Vereinbarungen

188§_.

kommcn muß. Sie werden also in ihren Bestrehungen nicht nach- laffen und werden ihre Bemühungen darauf richten, daß der Vogel- schutz wirklich ein internationaler wird.

Wenn gleichzeitig dabei in der Resolution der Wunsch ausge- sprochrn ist, daß die festzuseyendcn Schonzeiten gemäß dem Verweilen der Vögel in den verschiedenen Ländern geregelt werden mögen, so ist das, glaube ich, auch exwas ganz Selbstverständliches. Man würde irrationell handeln, wenn man Vereinbarungen treffen wolLte, bei denen man eine solche Regelung nach dem natürlichen Verhalten der Vögel unterlassen kvoÜte.

Also, meine Herren, ich glaube, die Resolution ist entbehrlich: Wenn aber der ReichSFag gleichwohl seinem innern Drange Luft schaffen will, um auch srinerseiis das Besxreben der Verbündeten Regierunaen zu unterstützen, so habe ich meinerseits auch dagegen nichts zu erinnern, daß die Resolution angenommen wird. ' ,

dUeber die Resolution wird in dritter Lesung abgestimmt wer en.

Es folgt die Berathung mehrerer Petitionen we en Herbei- führung gesetzlicher Mittel zur Bekämpfung der runkfucht. Schon am 28. März v. I. hat der Staatssekretär von Voetticher die Erklärung abgegebrn, daß nach einer angesteÜten Enquete die Zahl der Branntweinverkaufsstiixten abgenommen habe; die Frags, ob eine Korrektur der Gereßgebung angezeigt sei, sei den verbündeten Regierungen vorgelegt worden; man dürfe erwarten, daß nach Ablauf einiger Monate die Aeußerungen der Regierungsn Eingegangen sein wsrden. Mit Rücksicht auf diese von einem Kommiffarius jeßt wiederholte Erklärung beantragt dis Kommission, die Petition dem Reichskanzler als Material für die Geseßaebung zu Überweisen.

Abg. Struckmcmn: Er möchte die verbündeten Regierungen ersuchen, ihre gsfeßgebsrischen Vorschläge nicht wie bisher auf einzelne Maé'erien zu beschränken, sei es auf das (Hsbiet des Kriminalrechts, sei es auf das der Gewerbeordnung, sondern die Sache einheitlich zu regeln, wis es in Schweden, HoÜand, Oesterreich und in den Vereimgtén Staaten geschshen sei. DIe Geseßgebun müsse zunächst vorbeugend zu Werke g€hen in der Konzesßonirung dEr Schankstéitten. Die bisherige Ein- schränkung der Konzessionen auf Grund der Bedürfnißfrage sei in den Händen der Polizc-i meist zu subjsktiv und ver- schiedsnartig erfolgt. Diejenigen Schankstätten, welche die Konzession Erhielten, erwürben damit mit der Zeit gewisser- maßen ein Realrecht. Denn es sei außerordentlich schwer, wenn das Vedürfniß nicht mehr vorhanden sei, Jemandem die Konzession zu versagen. Seitdsm man mit der Konzessio- nirung strenger verfahre, seien auch die Preise der Gastwirt - schaften unverhiiltnißmäßig in die Höhe gegangen. Die Za [ d€r Schänken müßte nach der Einwohnerzahl festgestellt und an eine persönliche Abgabe geknüpft werden. Vielleicht könnte auch nach dsm Gothenburger Systsm für beschränke Zeit eine Konzession ertheilt und die gemeinnüßigen Gesellschaften oder die Kommunen dabei berücksichtigt werden. Dann wäre auf dem Gebiet des Strafrechts zu erwägen, ob nicht die Trunken- bolde, die noch nicht eine Armenunterstüßung bekommen hätten _ denn in diesem Falle könnten sie schon )'th in ein Arbeitshaus gebracht werden _ einfach unter Kuratel gestellt werden könnten.

Abg. Schrader: Leider gehe bei uns der Kampf gegen die Trunksucht nur von den wohlhabenden „Klassen aus, und nicht von denjenigen Klassen, die am meisten darunter zu leiden hätten, vor Allem nicht von den am meisten interessirten Fraucn, wie es anderwärts geschehe. Es wäre sehr zu über- legen, ob nicht die KonzessionLertheilung in die Hände der Kommune gelegt werden könnte. In England müßten die Bewerber persönlich erscheinen und erhielten die Konzession nur, wenn Einwendungen Seitens der Gemeindemitglieder nicht erhoben würden. Das sei das beste Mittel, um un- geeignete Elemente fernzuhalten. Die Normirung der Schänken- zahl nach der EinwohnerÉahl scheine ihm unthunlich. Es müßten doch die lokalen erhältniffe, wie die Lage und Aus- dehrzung des OrteS, der Fremdenverkehr u. s. w. berücksichtigt wer en.

Das HauH beschloß nach dem Antrags der Kommission.

Von mehreren Schlofferinnungen wird in Petitionen die Aenderung des §. 369 des Strafgeseßbuchs beantragt, wonach Schlosser 0 ne obrigkeitliche Anweisung oder ohne Genehmi- gun des ausbesißers bezw. seines Stellvertreters oder des Wohnungsinhabers Schlüssel nicht anfertigen und Schlösser nicht öffnen dürfen; es soll na den Potitionen 1) der Ver- kauf und das Ein affen von chlü eln nur, den Junungs- schloffern gestattet ein, oder 2) der . 369 nicht nur ge en Schlosser, sondern gegen Jedermann nwendung finden. ie Kommission beantragt, über das Petitum 1 ziir Tages- ordnung überzugehen, das Petitum at] 2 dem Reichskanler zur Berücksichtigung bei einer in Aussicht genommenen Revi-xon des Reichs=Strafgeseßbuchs zu überweisen. ,

Abg. Ackermann beantragt, die Worte „der einer in Aus- ßchxchzn nehmenden Revision des Reichsstrafgeseßbuchs“ zu

rei en.

Abg. Meyer-Haüe macht darauf aufmerksam, daß dieser Vorschlag eine sehr große Tra?weite habe, und es deshalb nicht weckmäßig sei, bei dem so s echt beseßten Hause darüber zu

erathen und abzustimmen. r beantragt deshalb, den Gegen- stand von der Ta eSordnung abzuseÉen. _

Das Haus s ließt sich diesem orschlage an.

Darauf wird eine Reihe von Petitionen als ungeeignet zur Verhandlung im Plenum erklärt.

Schluß 33/4 Uhr. Nächste Sißung Sonnabend 1 Uhr.