bei den Offiz'eren der Landw. Inf. 1. Aufgebots angestellt. Len, Lt._im 2. Littbau. Feldart. Next. Nr. 37; zugleich ist derselbe bei den Re]. Offizieren des Regis. angesteUt.
Malick] Cälbskslbe Armee.
Offiziere, Fähnricbe usw. 6. Juli. v. Laffert, Gen. Lt. und Kommandeur ber 1. KW. Brig. Nr. 23, beauftragt mit Wahr- nehmung der Geschafte des Inspekteurs der Militärteitanstalt, unter Anweisung des Standortes Dnsden zu den Offiziersn von der Armee verseßt. Frbr. v. Welck, Oberst und Kommandeur des Karab. Regts., mit der Fubrung der 1. Kav. Brig. Nr. 23 mit der Wahr- nehmung der Geschäfte des Inspekteurs der Militärreitansialt be- auftragt. Frhr. v. Bodenbausen, Oberstlt. beim Stabe des Gardereiterregts“, zum Kommandeur des Kafab. Regis. ernannt. Edler 1). der Planitz, Rittm. und Eskakr. Chef im Gardereiter- regt., unter Beförderung zum Major, vorläufig obne Patent, zum Stabe dieses Regis, Schulz, Rittm. und Eskadr. Chef im 3. Ulan. Regt. Nr. 21 Kaiser Wilhelm U., König bon Preußen, als Hauptm. in_ „7289 KriegSrninisierium, v. Zescbau, Hauptm. im Kriegs- mmuterium, als Rittm. und Eskadr. Chef in das Gardereiterregt., _ versest. Schäffer, Rittm. im 3. Ulan. Rent. Nr. 21 Kaiser Wilhelm U., König von Preußen, zum Eskadr. Chef ernannt.
Kaiserliche Schutztruppe»
TraVemünde, an Bord S. M. Iackzt ,Hobenzollern“, 4.Iuli. Lutter, Oberli._in der Schußtruppe für Südwestafrika, Vom 13. Juli bis zumd8. tAugust 1908 zur Dienstleistung beim Tslegrapbenbat. Nr. 1 omman ier .
YiehtamtlicheH.
Deutsches Reich.
Preußen. Berlin, 9. Juli.
_Die Be'voUmächtigten' zum Bundesrat, Großherzoglich “badischer Wirklicher_ Geheimer Rat Scherer und Königlich bayexxscher Ministerialrat Treutlein-Moerdes sind von Berlin abgereist.
Laut Mkldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Tiger“ Vorgestern in Nanking eingetroffen.
Oefterreich-ngaru.
In der gsstrigen Sißunq des österreichischen Abge- ordnetenhausßs nntcrbreitete der Finanzminister einen Nachtragskredit von 41/2 Millionen Kronen zur Ver- besserung dsr materiellen Lage der unteren Kate- gorien der Staatsbeamten, für die eine vöÜige Neu- ordnung des ganzen Gchaltssystems geplant ist. Der jähr- liche Gesamtaufwand ist mit 18 MiUionen Kronen veranschlagt.
Nach dem Bericht dcs „W. T. B.“ Erklärte der Minister im Nxmen der gesamten Rxgierung, daß diese Summe das Aeußersie sei, was die Siaatsfinnnzen für diese Zwecke zur Verfügung stellen könnten, und daß die Vorlage für absehbare Zeit endgiltigen Abschluß der Ge- haltsregulierungen und dsr Bkzugsaufbefferungen für die Staats- bediensteren bilden müffe.
Gleichzeitig unterbreitete der Finanzminister eine Vorlage, betreffend die Reform der Gebäudesteuer, indem er ber- vorhob, daß die bisherigen Normen nicht mehr den Anforda-
rxmgen der Gegenwart entsprächen, und ersuchte das Haus,- 518 Vorlage eingehend zu prüfen, die vorwiegend eine Er mäßtgung der bestehenden Stcuersäße bezwscke. Der Minister
„legie- tm Ansch1uß_ daran unter lebhaftem Beifal] des Hauses m eingehender Wsise das Finanzprogramm dar, besonders das große Jnvcstxitonsprogramm für die Eisenbahnen.
_ In seinen Ausffihrungen über die Anforderungen der Staats- eiienkxaanerwaltung wies der Minisikr darauf bin, das; das Eisenbahn- miniiterium für die nächsi€n bicr Jahre 160 000 000 Kronen bxan- sPrUÖen würde. Er erde die Von ker Eisenbahnverwaltung beanjprucbten Summen, die auch nach Vornahme bedeutender Reduziexungen noch _erbeblicb sein würden, unter der Vorausseßung ]Ur Verfügung iteUen, daß die Eisenbahnberwaltung al]: Mittel an- wende, um die noch bestehende Pajfivität derZStaatSbc-bnen zu bkbeben. Außer den zu gewärtinenden Anforderungen dss Eisenbabnreffoits und den bereits icsiuebenden 45 000 030 für die Offiziersgagen usw. würden 0011 den einzelnen Resorts Mebranforderungen von mehr als 200 000 000 Erhoben, wslchen im ganzen eine vorausfichilicb: Mkbr- bedeckung bon nur 97 000 000 gségenüberstebe. Solchen Erfordernissen nachzukommen, könne kein Finanzminister mit seinem Gewissen bxr- einbaren, wenn er nicht wieder ganz offen die Bahn des "Defizits betreten vate. ,Wir sind“, erklärte der Finanz- minister, „bart an bieskm Rande. Wir haben im nächsten Iabte,_ivenn die AniordsrUngcn so weiter gcben, ein Defizit zu beiürcbtxn. Ich wkrde daher mit aUer Entschiedenheit auf die einichneidcnk1te Reduktion dieset Neuanspcücbe dringen, um das Gleichgewicht betzusiekien. Die weitestgehende Zurückhaltung auf dem finanzZIUen (Gebiete ist gerad? jxßt um so notwendiger und dringender, als Riesenaufgaben zu löjen find, die vor aUem eine gssnnde Finanzgebabrung uni) gesunde finanzielle Verhältnisse ekfordern. Wonen Sie ernstlich daran geben, eine Indoliditäts- und Altersbersorgung zu schaffen und die zweijährige Dienst- zeit einzufübrxn, woklsn_ Sie ernstlich die Wasserstraßen bauen ur.d Flüsse rxgulieren, dann müffcn Sie Ihre ge- wöhnlichkn Anstrderungen und auf so Verschiedensn (Pe- biétcn vorgebrachten Lieblingßvoünscbe zurückstellen, dann müffen Sie es aber auch dem Finanzminister überlassen, ob und wann eine Steuer rsduziert werden, ob und wann cine Steuer erhöht werden kann. Herobseßungen einzelner oder ganzer Steuergattungen dürfc'n Sie nicht in Angriff nebmxn, das Budget dürfen Sie nicht stören, sonst stehen Sie Vor dem Ge1penst bes'Dsfiziis, des finanziellxn Ruins des Staats.“ Der Minister hat schließlich um die baldigste Beratung der beiden Vorgelegten Gejeyentwürfe.
_ Das Haus sZßte' alsdann die Debatte über den Dringlich- keixsantrag dex Sozialdemokraten, betreffend das allgemeine, Flex e und _direkie Wablxechb zu den Landtagen fort und ehnte schl1eßllch die: Dringlichkeit ab.
_ Wie 'die „qu6 Freie Preße“ meldet, find die Schwxerzgketten, die von den deutsch:!)öhmischen Abge- ordneten m den l'eßten T_agen erhoben worden waren, bei: Belegt, nachdem sie im Sinne der Behebung ihrer nationalen
eschwerden Zusagen erhalten haben.
Großbritannien und Irland.
Der Admiral Lord CbarlesBeresford hai, „W. T. B.“ zufolge, ein in scharfsn Worten abgefaßtes Memorandum an die Admiralität gerichtot, in dem er feststellt, daß er mit der_nnter seinen Bxfehl gcstslltcn unzulänglichen Flotte nicht imstande sei, die Sicherheit Großbritanniens gchn einen fremden Angriff zu gowährlsisten.
_ _ Im Unterhauss warfen gestern mehrere Mitglieder tm Laufe der Ver " ,lmt'gen über das schottische Budget_ die Frageber frempxn ' leppneßfischerei im Mora Ftrtl) auf, die den bnttschen Schleppneßfischern ausschließli vorbez halten [ei, nnd bezeichneten die dortige Schleppneßftscherei durch Nrchtbrrten alstUngeseßlich. „
Der Staatssekretär'Grey verurteilte, nach dem Bericht des „W T. B.“ in seiner Erwiderung die Hmblungsweife dcr britischen Schleppnekfiféer, die fich einer fremden lagge bedienten, um die britischer: Vor chriften zu“: um eben und 2:11 rte, wenn man deanrlaß eines Gesc es egen die fremden Fischer ins Auge faffe, möge man beder- en, aß ck , _bio jekt herkömmliche britische Politik aewesen sei, die Dreiv'teilengrenze aufrechtzucrbalten und dem Streben . jeber auswärtigen Macht, eine Rechtsprechung zu (Gunsten des Fischens über diese Grenze hinaus zu er- zwingen, fich zu wideäsEm. England würde sich lächerlich machen, wenn es jetzt binsich des Moray Firth mit einem gegenteiligen Verlangen berbortreten'xwürde. Wenn die Bestimmungen über die Schleppne fischerei in déé Nordsee geändert werden sollten, so müßte dies im C nversiändnis qtit den an der Frage interessierten Mächten geschehen. Die Re ierung werde erwäaen, ob es sich empfehle, sich mit den anderen ächten wegen der Sache in Verbindung zu seßen.
Auf eine Anfrage Bellairs (Liberczl), 95 die Regierung ihr Augenmerk darauf richten werde, wxe die Meinungs- verschtedenbeiten unter den hohen Marineoffi- zieren beizulegen seien, ob ferner die Rxgtexung Mittel und Wege in Erwägunq ziehen werde,_duxch dre em Wechsel in der Organisation und Verwaltung, die diesen Ante; onismus ver- ursachten, herbeigeführt werde, und ob"s1_e schl1e lich steh über den Wert eines solchen Weck) els schlussig machen wolle, er- xvilderte der Premierminister Squith, obiger Quelle zu- so ge:
Abgesehen yon unerwiesenen Gexüchten, babe er keine Kenntnis
Von derartigen Meinungsverschiedenbeiten. Wenn die Regierung Grund zu der Annahme haben werde, das; ein Zustand bestehe, welcher der Disziplin "und der ruhigen Arbeit in der Flotte nachteilig _ sei, so werde sie nicht zögern, für schnelle und witkvame Abhilfe zu sorgen. In bezug auf den leßten Teil der Anfrage sagst der Minii1er,_ er müsse die darin enthaltenen Andeutungen nachdrücklich zurückweiien. Die Leitung der Marine- politik des Landes liege bei der Regierung. Die Marineoffiziere hätten kiese Politik weder zu erörtern, noch zu kritisieren, sondern si: im Gehorsam gegen die Vor ese ten und in Uebereinstimmung rnit den Kameraden auszuführen Howe lediglich die Erfüllung der hehren Aufgabe, der sie sich gewidmet hätten, im Auge zu behalten. , _„Der gestern veröffentlichte Bericht des Finanzkomitees Übex eme Natiynalgarantie für Schiffsschäden in Kriegszeiten gibt der Meinung Ausdruck, daß es nicht wünschen-Zwert set, daß der Staat es unternehme, Schiffseignern pder Gewerbetreibenden die Verluste u ersehen, die sick) fur fie infblge vpn Veschlagnahmunge e_sS iffes durch Feindeshandin Kriegszeiten ergäben. Das .utee sei nicht in der Lage, die Annahme einer Nationalga T **,e in irgend einer Form u empfehlen mit Ausnahme de; igen, die durch die Aufre t: erhaltung einer mächtigen F 01 e gewährt werde.
Frankreich.
Im Ministerium des Neußern ist, „W. T. B.“ zufolge, gestsrn nachmittag das neue Abkommen, betreffend den Telephonverkebr zwischenDeutschland und Frank- reich, vom Botchafter ürsten von Radolin und dem Minister des Aeußern Pi on unterzeichnet worden.
_ DieDeputierten qmmer genehmigte gestern in erster Lesung das Grenz !bkoxv- n zwi-“Öen dem Congo- s_taat und Franzö "ÄÖÜ 71.183520sz den GYentwurf uber Auszxichn "gen“ für 15“...- in arokko kämpfendsn Trap" en. Darauf beantwortete der Kriegs- minister Picquart eine Interpellation über die Ein- berufung der Reservisten.
Nach dem Bericht des „W. T. B.“ fühlte der Kriegsminister aus, das; trotz der Schwierigkeiten der Einbxrufung die Reservisten einen Hauptbestandteil der nationalen Verteidigunq darstellten. Sie hätten in diesem Jahr: einen rccht erfreulichen Anblick geboten und tatsächlich verwendbare Regimenter gebildet. Picquart schloß mit der Versicherung, daß er alles tun werde, um die Cinberufungen nach Möglichkeit hinauszuschieben.
Sodann wurde eine TageSordnung, in der der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird, einstimmig angenommen.
Der Berichterstatter für dte Vorlage, betreffend Ab: schaffung der Todesstrafe, Castillard beantragte, die weitkre Verhandlung Über diesen Gegenstand auf morgen zu verta en. ZZiergechn protestierten unter lebhaftem Beifall der äußerten
mken Viviani und Briand, da die nächste Sißung der
Arbeitergeseßgebung vorbehalten sei. Die Vertagung wurde sodann mit 259 gegen 257 Stimmen angenommen und die Sißung geschlossen.
_ Dic AUsgaben für die marokkanische Ex- pedition seit Januar 1908 werden in dem Bericht über die Nachtragskredite, obiger Quelle zufolge, auf ungefähr 30000000 Fr, beziffert.
Wie der Berichterstatter Doumer im Namen der Budget- kommisswn darlegte, Umfaßie das laufende Etatsjabr am 1. Juli 59 364200 Fr. ErgänzungSaus aben, denen 49689156 Fr. McQ.“- einnabmen gegenüberstehen. (Zobald man die marokkanischen unk) anderen Ausgaben in Rechnung zieht, erreicht das Defizit jedoch die Höhe bon 95175045 Fr. Doumer sprach die Ansicht aus, daß, um das Gleisbgewicbt im Etat herzustellen, bis Ende des Rechnungsjabres keine neuen Ergänzungskredite bewilligt wexden dürften.
Rußland.
In der gestrigen Sißung der besonderen AUSgleichs- kommission „wurde die wischen dem RcichSrate und der Rctcbsduma emgetretene emungSversehiedenheit Hinsichtlich des Etats der außerordentlichen Ausgaben geprüft und der Titel 568 Budgetooranschlags für 1908, Deckun der kurzfristigen, Obligationen der Reichsrente , be- rqten, Eine Emrgqnq wurde, nach dem Bericht des „W. T. B.“, 61th erzielt, da die Mitglieder beider Häuser bei ihrer Meinung
8 arrten.
_ In der Reichsduma le te der Vertreter des Ministers des Innern _gestern auf eine nfrage Erklärungen Über die Ernteausstchten vor.
Nack) diesen Erklärungen steht das Winterkorn am schlechtesten, und zivar in folgenden Gouvxrnements: im iüdkiöben Rayon in fünf Gouvernements, in Kleinrußland in drei, im Schwarxerderayon in vtex, ix_n Mittelindusirierayon in zwei, im Ostrayou in zwei, im Sudweitravon in einem und im Nordkaukasus auch in einem Gouvunement. In diesen Gouvernements sind somit nur ““'/5 der Wikitxtkornernte brauchbar. Infolge des guten Zustandes des dortigen Sammkorns wird die Bevölkerung durch deffen Ve1kaus si die Mittel für die nötig:" Winteraussaat beschaffen können. Daher ii jest schwer festzustellen, ob ebentuell Vorschuß ge- leistet wsrden müsse. Ferner sind örtliche Saaworräte von 189* Mil- lionen Pud und_ örtliébe Reservekapitalien Von 25 Miüionen Rubel vorhanden. Außekdem Verfügt das Minifterium des Innern über
5 6 MiUionen Rabel, bie, faUs in dem Stande der Ernte nicht bald . ein Umschwung eintritt, voraussichtlich genügen werden.
_ Bei den Landtagswahlen in Finnland haben, „W. T. B.“ zufolge, die Sozialisten 7 Si e, die Alt- nnen 53, die Anhänger der Schwedenpartei , die Jung- nnen 29, die Agrarier 8 und die christliche Partei 4 erhalten.
Türkei. '
Nach einer Meldung des „K.K. Teleqraphenkorrespondenz- bureaus“ ist der General SckZemsi-Pascha, der gegen meuternde Truppen nach Monast r gesandt worden war, vor- gestern dort beim Verlassen des Telegrapbenamts von einem Hürlxischen Offizier erschossen worden. Der Täter ist ent:
0 en.
Der Ministerrat hat umfassende enerßische MaßreJln wegen der Ereigniffe im Wila1et Monastir eschlossen. as Gerücht, daß die ]ungtürkische Bewegung sich dort ausbreite, ist bisher unbestätigt.
Serbien.
Die Kompromißverbandlungen der beiden radi- kalen Parteien sind endgültig gescheitert. Wie das „W. T. B.“ meldet, hat Welimirowiisck) gestern vormittag dem KöniJe sein Mandat zur Bildung eines Kabinetts wieder- zurückgeste t. Der König hat darauf Paschitsch und Milo- wanowitsch empfangen.
Dänemark.
Die Jacht „Zobenzollern“ mit dem Deutschen Kais er an Bord ist, „W. - . B.“ zufolge, nach vortrefflicher Fahrt bei gutem Wetter gestern abend 71/4 Uhr in Odds eingetroffen.
Amerika.
Nach einer Meldung des „Reuierschen Bureaus“ hat BrafiliendierevolutionäreRegierungvonParaguat) offiziell anerkannt.
Afieu.
Die „St. etexsburger Telegrnphenagentur“ veröffentlicht Über die Eret nisse in Persien, „W. T. B_.“ zufolge, Zufß Grund autJenUscher Angaben emen Bericht, in dem es
ei t:
Der Oberst Liakoif batte die Vorschrift, sich jeglicher Teilnahme am politischen Parteikampfe zu enthalten, Und im Falle eines aktiVen Vorgehens gegen die VolksVertretung waren die russischen Offiziere angewiesen, ihre Funktionen persischen Offizielen zu überßeben. Die leßten Ereignisse waren durch die Verschwörung gegen den Schub hervorgerufen, dem persönliche Gefahr drohte. Daher War Liakoff kraft seiner Instruktionen und seiner Steliuna verpflichtet, den Schuh mit aUen Mitteln zu Verteidigen. Bei der Belagerung der Moschee am 23. Juni handelte Liakoff, der in ununterbrochenem Verkehr mit dem Palais stand, wo die Minister und der größte Teil der axla- menismitglieder Versammlungen abbieltcn, auf unmittelbaren Bxiebl des Schabs und konnie steh der Erfüüung dieser Pflicht nicht ent- ziehen. Als jedoch der ruffische Gesandte in Teheran erfuhr, der Seba!) wolle Liakoff zum Generalgouverneur von Tebexan er- nennen, erhob er dagegen Protest und Mo aj cd ed Daulebwurde dazu ernannt. Infolge dsr Proklamierung des Belagerungs- zustandes wurde alles Militär in Teheran Linkoff als Garnisoncbef untersieüt und ibm zugleich der Schutz dür Hauptstadt übertragen. Als Liakoff auf Befehl des Schabs die von ihm unterzeichneten Maß- regeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung veröffentlichte, bat der russische Gesandte den Schah, diese kurcb von den persischen Behörden ausgehende Befehle zu erseßkn. Auch unter normalcn Zuständen liegt dem Chef der Kosakenbrigabe der Schuß der Hauptstadt und die Sorge für die Sicherbeit der Gesandtschaften sowie der übrigen Ausländer ob.
_ Der Vizekönig in Mukden hat eine Pro- klamation erlaZsen, in der, nach einer Depesche des „W. T. B.“, verfügt wird, da der deutsche Handel nach Tengwang- schen die gleiche Behandlung zu erfahren habe, wie der ]apani che Handel nach diesem Plaß.
Afrika.
NUL einem Telegrnmm der „Kölnischen Zeitun “ aus Tanger at der Generalrnspekteur der marokkanischen ol'rzei- truppe, Oberst M üller beim diplomatischen Korps Protest ein- gelegt egen die Ueberführung der Polizeitruppe von Mazagan nach 2 zemur als gegen die Algkcirasakte verstoßend.
Der Sultan Abdul Asis Hat, derselben Quelle zufolge, auf Vorstellungen von Einwohnern von Rabat und Sale hm den Zug nach Marrakesch als aussichtslos aufgegeben.
em „Temps“ wird aus Casablanca emeldet, daß der General d'Amade am 6. d. M. das Ge iet des Schtuka- stammes verlassen Habe und etwa 25 km von Azemur in der Richtung auf Casablanca lngere. Nach den leßten Meldungen der „AgenceHavas“ halten Truppen des Sultans Abdul Asis Azemur beseßt.
Nr. 53 des „Zentralblatts der Bauverwaltung“, beraus- aenekyen im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 4. Iulid. M. hat folgenden Inhalt: Amtliches: Preis.:usscbreiben Vom 1. Juli 1908. _ Dienstnachrichten. _ Nichtamtliches: Die neue Friedbofanla e der Stadt Meran. _ Die Troqscbleuse auf Walz-n. _ Vermifxckotes: Wettb€werb um Entwürfe für ein Wirtschastsgebäude in den Mars- feldanlagen in Colmar im Elsaß. _ Preisbewerbung für ein Um- schlagblatt der Zeitschrift „Schlesien“. _ Wettbewerb um Entwürfe für ein neUeZ Geschäftsgebäude der Kommerzbank in Lübeck. _ Bücherschau.
Statistik und Volkswirtschaft.
DerBesu derTecbnisÖen ochscbulen re nsi ck Sommerhalbéabr1908, P uße m
Im „Zentralblatt der Bauverwaltung" find Ueberficbten über die Zahl der an den einzelnen Technischen Hochschulen Preußens im Sommerhalbjahr 1908 einaesckyriebcnen Studierenden, örer und Gasiieilnehmer nach vorläufigen Feststxaungen veröffentli tworden. Berechnet man auf Grund derselben .die Gesamtzablen für aUe-vier Tcchnischen Hochschulen Preußens, so ergibt sich das folgende:
Nach vorlaufigen Feststellungen werden die vier preußischen Technischrn Hcchikbulen in Cbarlottenburg-Berlin, HannoVer, Aachen und Danzig zusammen im laufenden Sommerhalbjahr von 4068 immatrikulierten Studierenden (gegen 4116 im Sommer 1907 nach endgültiger FesisieUung) und 1252 auf Grund der §§ 34 bis 36 der Verfassungsstatuten dicser Hochschulen zur Annahme von Unterricht berechi ten bezw. zugelaffenen Hörern und Gastteilnebmern (argen 1253) esucbt; das sind insgesamt 5320 (im Sommer 1907 5369) Teilnehmer. Davon entfallen auf die TechnisÖe Hochschule in Charlottenburg - Berlin 2084 (2184) Studierende und 611 (581) Hörer, insgesamt 2695 (2765) Teilnehmer, auf die Teck)- niscbe Hochschule in Hannover 895 (83-5) Sjudierende und 212 (222) Hörer, insgesnmt 1107 (im Sommer_1907 ebenfalls 1107) Ein- gxscbciebene, auf die Technische Hochsayule in Aachen 536 (547) Studierende und 143 (157) Hörer, insgesamt 679 (704) Teilnehmer, auf die Technische Hochschule in Danzig 553 (500) Studierende und 286 (293) Hörer, insgesamt 839 (793) Eingeschriebene.
b
n 4068 4116 immatrikulierten Studierenden widmen sch ?YnEdé-ieb) der rchite)ktur, 1284 (1197) dem Bauingenieurwe-en, 937 (986) dem Maschineningenieurwesen weitere 231 (237) der Elek- trotecbnik, 229 (275) - nur in Charlottenburg-Bernn und Danzig _. dem Schiffbau, 78 (80) _ ebenfalls nur in Cbarloitenburg-Berlin und Danzig _ dem Schiffsmaschinenbau, 239 (262) der Chemie und Elektrochemie, 242 (228) _ nur in Charlottenburg-Verlin und Aachen _ der Hüttenkunde, 82 (97) _ nur in Aachen _ dem Bergbau und 44 (49) allgemeinen Wiffenschaften. Am zablreicbsien sind also diejenigen Studierenden, welche das Bauingenieurwesen als Studienfach gewählt haben; dann folgen der abl nach die dem Maschineningenieurwesen und die dex Architektur ck Widmenden.
Von den immatrikulierten Studierenden sind 2958 aus Preu ßen, 639 aus anderen deutsclken Staaten, 471 _ und ztvar 327 in Cbarlottenburg-Verl n, 82 in Aachen, 39 in Hannover und 23 in Danzig _aus dem Auslande. Von den 471 AuSländern stammen 96 (davon 63 in Cbarloitenbura-Berlin) aus Rußland,_87 (72 inBerlin) .aus Oesterreich-Ungarn, 48 (47 in Berlin) aus Rumanien, 40 (26 in Berlin) aus Norwegen, 37 davon 24 in Aachen) aus Luxemburg, 29 (23 in Aachen) aus den iederlanden, 14 (11 in Berlin) aus Bulgarien, 12 aus Serbien, 11 aus Großbritannien, 10 aus Belgien, 8 aus der Schweiz, 7 aus Italien, 6 aus Portugcxl, 5 aus Spanien, je 4 aus der Türkei und Griechenland, it; 3 aus Frankreich und Schweden, 1 aus Dänemark, ferner 24 (22 m Berlin) aus Amerika und 22 (21 in Berlin) aus Asien. Von den nur als Hörer auf Grund von § 34 der Verfaffungs- statuten der Technischen Hochschulen zur Annahme von Unterricht zu- elaffencn 460 Personen _ 204 in Cbarlotienburg-Berlin, 103 in annover, 84 in Aachen und 69 in Danzig _ widmen fich 142 der rchitektur, 99 dem MaschineningenieurWesen,_ 69 dem Bauingenieur- und in Aachen Huttenkunde und Berg- fck [ timerbbelxliche ?lnlzablsähvonf E.?ökrtern Te nis en :) u en; de 1": rgen_vere1en 1 au e ro- ?eexonik,chSchffk-aé ckZtrtd andere Studienfachec. Unter den , Hörern befinden sich 38 Ausländer, davon je 11 in Charlottenburg- Berlin und annover, 10 in Aachen und 6 in_Danzig. _ Ferner find 696 Per onen als Gastt_8_ilnebmer gemaß § 35 der Ver- faffunzsftatuten (Regierungsbauiubrer, Studierende anderer Hoch- schulen usw.) zur Annahme Von Unterricht berechtigt oder auf (Grund von § 36 der Statuten zugelassen, und zwar 311 (darunte; 11 Damen) in Cbarlottenburg-Beri'in, 109 (darunier 29 Damen) in Hannover, 59 in Aacbzn und 217 in Danzig. Endlich wohnen an der Technischen Hochs als in Cbarlottenburg-Verlin noch 96 kommandierte Offiziere und iaf ineningenieure der Kaiserlichen Marine (88 und 8) dem
Unierricht i.
Der Anteil der Hauptsckpiffabrtsländer an der Handelsflotte der Welt.
Das soeben erschienene „Jahrbuch für Deutschlands Seeintexeffen', herausgegeben von .Nauticus', enthält, wie die fruheren Jahrgänée, eine lehrreiche Zusammenstellung über die Entwicklun der Wet- bandelsflotte. Die Gesamtkonnage der le teren belief si im August 1897 auf 20 322 500 Nettoreg.-Tons, im ygus11907 auf 27 260 300 Nettoreg.-Tons. Die Vergrößerung ist alio ganz erheblich gewesen. Von diesen Zahlen entfielen auf die Segelschiffstonnaße im August 1897 8894700 Nettoreg.-Tons, zehn Jahre später 7245 600 Nettoreg.-Tons, d. h. es ist ein absoluter Rückgang der Segel- schiffstonnage eingetreten. Die Dampfertonnage hat sich in dem gleichen Zeitraum von 11427 700 Nettoreg.-Tons guf 20014700 Nettoreg.-Tons vermehrt und beträgt beute ungefahr ebensoviek wie die gesamte Weltbandelsflotteq bor 10 Jahren." In diesen Zahlen liegt noch kein absoiut zuverlassiaer Maßstab fur die Entwi lung der Leistungsfähigkeit der WeltbandUsftotte, da quantitativ der Dampfer vermöge seiner schmücken Bewegung mehr zu leisten im- stande ist als das langsamere Segelschiff. Staiistisch berechnet, hat man die Leistungsfähigkeit der Dampferreqisiertonne etiva d'reimal so hoch zu Veransehlagen wie die Segelschiffstonne. .Nauttcus" be- rechnet die Leistungsfähigkeit der Welthandelsflotte für den August 1897 auf 43178000 Nettoreg.-Tons, für den August 1907 auf 67 290 00) Nettoreg.-Tons; das wäre in 10 Jahren eine Zunahme von 55,8 0/0. '
Uebe": die Entwlcklung der Handelsflotte der einzelnen Lander geben die folgenden Ziffern Aufschluß:
Dampfer
w en; auch Chemie chxst studiert eine nicht
Segler im August 1897 1907 1897 1907 1000 Nettoregisterions 6741,4 10 183,4 30986 1683,3 10343 444,3
2 267,9 544,4 535,0 14628
1 263,5 13328 Norwegen 360,4 775,4 1103,3 702,8 Frankreich . . 499,9 736,9 269,7 521,4 Iapan . . . . . 246,9 666,1 31,7 168,4 Rußland . 192,4 564,3
, . . 505,8 399,4 Jtaiken . . . . 235,7 518,1 451,4 473,3.
Diese Zahlen gefiaiten interessante Rückschlüsse. Bei den Dampfern isi Verhältnismäßig übkrall eine erhebliche Zunahme des SchiffSraumes eriolat, besonders stark bei Japan, Rußland, Norwegen und Italien. Absolut ist freiliZ das Wachstum bei den größten Schiffahrtsländern, (Großbritannien, eutschland und der nordamerikaniichen Union, noch stärker, und man darf sich durch das prozentual stärkere Wachstum an- derer Länder in dieser Beziehung nicht zu Truaschlüffen Verleiten lassen. Weit bezeichnender ist die Entwicklung der Segelschiffstonnage. Eine Abnahme der Segelionnage haben die äiteren schiffabr1treibenden Lander Großbritannien, Deutschland (dieses alierdings nicht in so scharfem Maße) und Norwe en zu verzeichnen, während die Ver- einigten Staaten von Amer ka und die übrigen Länder auch auf diesem Gebiete zum Teil recht beträchtliche Fortschritte auszuweisen baben. Nebkn dem jungen Japan bat die stärkste Vermehrung der Segelschiffe Frankreich zu verzeichnen, obne waifel eine Folge der Rineiswegs befürwortungswürbigen Subventionspolitik der franzöfiscben
eg erung. _ Der gesamten Leistungs ähigkeit nacb verfügt Großbritannien x_tber 47,9 0/0, Deutschland (1 er 10,8 0/0, die nordamerikanische Union uber 7,8 0/9 der Gesamtheit der Weltbandeléfioite. Erwähnung ver- dient die Tatsache, daß die glxicben Anteilziffern „sich für 1897 auf 54.0 0/0 Für Großbritannien, 8,4 0/0 für Deutickyland und 6,8 0/9 für die Vereinigten Staaten berechneten.
(Großbritannien Deutschland . . . Vereini te Staatkn von merika
Zur Arbeiterbewegung.
Für die Sonntagsruhe im Bäckergerverbe wird neuer- dings in Gebilfenkreisen wieder lebhaft agitieri. Sie streben, der -V9ff- Ztg.“ zufolge, eine einbeit1iche Regelung für das ganze Deutsche Reick) an und verlangen Ausseßung der Arbeitszeit von Sonnabend abend bis Montag früh 2 oder 3 Uhr. In manchen Städten, beifsxlxexsweise in Münster, Solingen, Elberfeld, sei dies bereits ein- ge u r .
Die Ofenfabrikanten in Velten kündigten am 1.Iu1i sämtliche mit den Töpfern, HilfSarbeitern und K_utscbern vor fünf Jahren, im Jahre 1903, abgeschlossenen Ta:iwerträge, die am 1. Oktober d. I. ablaufen. _
Nach einem Telegramm der „Kölnischen Zeitung“ aus Mul- bauxen i. Els. beschloß die gestern abgehaltene Versammlung der Elsassiscben Baumwollspinner und-Weber fast einstimmig, etre Betriebseinschränkung bis Ende Oktober auf der gleichen Grund- la§é_ivie die süddeutschen Spinner zu befürworten. Die bindenden Erklarungen der einzelnen Betriebe werden bis zum 13 d. M. erwartet.
Nachdem der Polizeipräfekt von Paris die Abhaltung einer 5Ykksammlung im roßen Saal der Arbeiterbörse zu der Beratung ubt-r einen Generaßnusstand Verboten batte, beschlossen, wie .W- T. V." meldet, die organisierten Arbeiter, dies Verbot dadurch IU UmJeben, daß sie die auf den inneren Hof hinausgehenden Fenster der
Bureaus in der Arbeiterbörse mit Lampious beleuchteten und von dort aus Reden hielten, in denen fie gegen das Verbot protestierten. Ein Redner er- klärte, der Verband der Arbeitersyndikate müsse in allen Korporationen eine Abstimmung über den Generalausstand veranlafsen und dem allgemeinen Arbeiterverband Vollmacht erteilen, den-Generalausfiand zu verfügen, sobald er es für nötig halte. Schließlich nahm die Versammlung eine Ta eSotdnung an, in der fie ihren Entschluß kund- gibt, über ihre Intere en zu verhandeln troß des Verbotes, in ihrem eigenen Gebäude zu tagen, und m der fie |ck verpflichtet, im ge- eigneten Augenblick einen Generalausftand von 24 oder 48 Stunden in verfügen. Die Veranstaltung 'der nachsten Versammlung wurde dem Verband überlaffen.
Knust mid Wissenschaft.
Professor Flinders-Petrie gibt im „American Magazine“ Berickot über sein Unternehmen, das in .der AusgrabunBvon Memphis gipfeln soll. Die .Voff- „ tg- teilt aus diesem nicht folgendes mit: Die Arbeiten des beru mten englischen Archäologen erstreckten fich zunächst aux die aenaue Feßskellung des Planes und.der Umfassungsmauer des gro en Ptab-Tempels. Von dem gewaltigen Bauwerk ist nur noch ein kleines Stuck der großen Umfassungsmauer über dem Erdboden erhalten und der Rest der Bauteile muß erst frei- gelegt werden. An der westlichen Seite des Tempels batte bereits früher die ägyptische Regierung AuSgrabungSarbeiten begonnen. Aller in die Tiefe gebenden iTeststellubg ging man aus dem Wege, sodaß die englischen Ar äolo en nun zunächst dieser Arbeit widmen müffen. Da ei it der Wasserstand das schwerste Hindernis. Der Nil ist um etwa zwanzig Fuß öber als in alten Zeiten. Gebiete, die früher stets uber dem Nilspiegel lagen, sind jetzt nur im Mai und im Juni erreichbar, und die tiefer liegenden Stätten erfordern Pumparbeiten. Lange Ketten von Arbeitern sind bier am Werke, die Trümmerfelder vom Schlawrxte freizulegen. Besonders hinderlich für die AufräumangSarbetten ijt die Unregel- mäßigkeit des Trümmerfeldes; die Erde muß über lange Reiben von gewaltigen Steinblöcken fortgetragen werden und die amber- liegenden Blöcke, die als wichtiße Anhaltspunkte für die einstige Tempelanlage an ihrem PlaÉe ge alten Werden müssen, machen die Einrichtung eines kleinen chienenweges zur Unmöglichkeit. Die bisherigen Axbeiten haben erkennen lassen, daß sowohl in dem ersten wie in dem zweiten Tempelbofe große granitenx Tore bestanden, die in ihrer Form Grabeingängen glichen, und die zur Aufnabm_e von Opfergaben zur Verehrung des Baukönigs Ramses dienten. Wahrend der Arbeiten am Tempel ließ Ramses eine große Anzahl zum dritten Teil in die Mauer eingelaffener Säulen aufrichten, eine architektoni_sche Neuerung, die man im alten Aegypten fonstkaum wiederfindst. Spater ließ der Pharao das Werk wieder“ niederreißen und benuJe die ge- waltigen Blöcke als Gesimsblöcke bei einem anderen Bau. as älteste Werk, das bis jetztentdecktwurde, ist ein Torweg aus massiVen Granit- blöcken, deren jeder gegen 7 Tsns wiegt. Er wurde ursprünglich von dem Pharao Ra-en-user (5. Dynastie) in dern Sonnentempel Von Abusir errichtet, der kürzlich von deutschen Archäologen freigelegt Wurde. Die
„Widmung des Tempels war ursprünglich im oberen Torbogen ein-
gegraben, aber Ramses ließ diesen entfernen und benußte ihn zum Bau seines eigenen Terrpels in Memphis. N1cht zufrieden damit, ließ er auch Hunderte von Tons großer Steine vom Sonnentempel und von benachbarten Pyramiden berbeischaffen. Das Mauerwerk ruht streckenweise auf einem Fuße von rotem Granit, der darauf schließen läßt, daß die Pyramiden ihre Steine in recht ausgedehnten: Maße zu den Bauten des Pharaos hergeben m_ußten. U. a. wurde ein roter Granitaltar aus der 9. Dynastie geiunben und ein anderer aus der 12., die beide Von Ramses wieder auf- gestellt wurden und in denen sich iniersffante Anweisungen über die Obfervorscbriften finden. Unter der“]8._Dynasiie scheint eine gründliche Revision der in den Tempeln angebauften Opfergaben bor- genommen worden zu sein, wobei die eringwertigeren fortgeworfen Wurden; in den Erdschichtcn unter den undamenten der großen west- lichen Hane fand man eine ansehnliche Zahl von Ueberresten kleiner Opfertafeln, die also schon vor dem Beginn des Ramsesschen Tempel- baues bier bingeraten sain müssen. Ueber Zwanzig von diesen Tafeln sind noch vonommen erhalten, von anderen fand man zahlreiche Fragmente. Sie geben einen interessanten Ein- blick in die (Gottesbetrackyiung der opfernden Bittsteller. Auf einigen Tafeln findet man nur ein Ohr, auf anderen viele, auf manchen sogar eine Unmen e_von Ohren und was diese bedeuten soUen, ergibt sie!) aus den «nichriften, die lauten: „Höre, () tak)“ oder ,Ptab, höre auf die Bitte Von dem oder dem". Dur das Eingraben der Ihren g1nubie der Bittsteller dem Gotta das An- hören seines Flehens zu erleichtern. Das gibt auch die Erklärung für die Unzabl polierter kleiner Ohrformen, die man überall findet. Man bediente sich ihrer bsi den Gkbeten. Wahrscheinlich wurden die Bitten in das Ohr bineingesprocben, _das dann, mit den Wünschen der Frommen beladen, im Tempel zuruckblieb. Es scheint foaar, daß der erkauf solcher geweibten Ohren von den Priestern des “Tempels ais Amtsgescbäft betrieben wurde. In der großen westlichen Säulen- bable finden *sich unzählige große Blöcke mit Inschriften, die Ramses' Namen tragen. Bemerkenswert dabei ist _die architektonische Raum- gestaltung; in der Mitte befindet sich eme größere Säulengruppe, die offenbar ein besonderes böberes Dach trug und so durch eine Art Fenstergeschoß dem großen Raume Oberlicht zuführte. (Gegen- über den großen Pylonen waren Koloffe aus weißem Kalkstein aus- gesteüt, hinter ihnen andere Koloffe bon gewaltigen Abmessungen, die aus Alabaster gefertigt waren, und zu beiden Seiten des Ein- gangs sch1ießlich solche aus rotem (Granit. Ein anderes Bauwerk, das von Ramses aufgeführt wurde, ist vollständig abgetragen, und man fand nur noch die Fundamente, große Alabasterblöcke, schwarzen Granit und grün polierte Sterne, die den Namen des Pharaos tragen und den des Hohen riesters Kba-em-nas. Aus der Ptole- mäerxeit fand man einen [tar aus grünglasiertem Tonwerk, mit Relieffigmen geschmückt, die durchweg noch vortrefflich erhalten sind. Von der späteren Geschichte des Tempels sprechen Bauarbeiten, die dem östlichen Torweg gegenüberliegen. Hier fand man auch Teile eines massiven Architravs aus rotem Granit, dcn Ptolemäus17. gestiftet batte, und die Kapitäle von der zugebörendeu Granitsäule. So wurden noch hundert Jahre nach dem Verschwinden der ein- geborenen Dynastie dem Tempel große Bauanlagen angegliedert. Ein Lewaltiges Stück Arbeit, das erst gegen Ende dieser Saison in Angrff enommen werden kann, stebt den Forschern noch bevor: es handelt ck darum, die große fumpfartige Bodenvertiefung freizulegen, in der früher die Bildwerke aus ältesten Zeiten gefunden wurden. Diese Stätte zählt zu den boffnunstoUsien Arbeitsgebieten, da sie früher anscheinend nie genauer dur forscht wurde. Denn an einer Seite fand Flinders-Petrte noch ein altes Fundamentund ein Fragment einer Basaltstatue von feinster Arbeit.
Literatur.
Elisabeth Christine, Königin bon Preußen, Herzogin von Braunsäweig-Lüneburg. Das Lebensbild einer Vetkannten. Von Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem. Nach Quellen bearbeitet unter Verwendung zum Teil unbenu ten Matérials aus dem Braunschweigischem Landesarchiv zu Wolfen üttel. Mit einem Titelbild. Berlin, Verlagsbuchbandlung Al red Schall, Königlich preußische und Herzoqiich Bayerische Hofbu handlung. Verein der Bücherfreunde. 219 S. Preis 4.16. _ Die Vorliegende Biographie ist dem Andenken der Gemahlin Frixdricbs des Großen gewidmet, deren Los es war, nach einer kurzen Zeit des Glücks ihrem bobxn Gemahl entfremdet zu werdcn und in freudlbser Zurückseßung _etn Dulderleben auf dem Thron zu führen. Von dem warmen Gefubl beseelt, daß dieser Königin nicht nur in ihrem langen Leben, sonrern auch in dem Urteil der Nachwelt bitteres Unrecht geschehen fei hat es die Verfafferin unternommen, aus den Blättern, die Elifabeib Christine hinterlassen hat, ihren Briefen, Tagebüchern und sonstigen Aufzeichnun en ihr Bild neu erstehen zu [offen. Sie hat dabei nicht nur die vorßandene Literatur benußt, sondern auch durch Verwertung
archivalischen Materials, durch Heranziebun der Briefe der Königin an ihren Bruder, den Herzog Karl 1. yon * raunfrhweig, dem Wesen Elisabeth Christines man en neuen Zug abgewonuen. Es ist ein Buch volL lebendiger Teilna we, das ansprechend und überzeugend wirkt.
_ Das Fürstentum Fürstenberg von seinen Anfängen bis zur Mediatisierung im Jahr 1806. Von Dr. Georg Tumbült, Fürstlich Fürstenbergischer Aichivrat, Vorstand des Fürstlichen Archivs, der Bibliothek und des Münzkabinetts. Mit einer genealogischen Tafel. Freiburg (Baden), I. Bielefelds Verlag, 1908. 245 S, Brosch. 5 «76, gebd.„6 „kö. _ Die Geschichte des Fürstenbergischen Hauses ist schon mederbolt bearbeitet worden, doch sind die bis- herigen Darstellungen veraltet oder unvollständig, sodaß bier eine Lücke auszufüllen war. Dem Verfa er war es besonders darum zu tun, die rechtlichen und zv rtscbaftlichen Verhältniffe des Fürstentums Fütstenberg in gedrangter Kürze zu verfolgen und herauszubeben. Im VorderYund stand die Frage nach der Aus- bildung der Grafschaft zu einem erritorium, zur Landeshoheit; diese Entwicklung, die um das Jahr 1500 im wesentlichen abgesMoffen ist, reicht in ihren Keimen in eine Zeit zurück, für die nur weng urkund- liches Material beizubringen ist, läßt sich aber yon 1200 an in den Haupizügen Verfolgen. Der Schöpfer des furstenbergischen Staats. wesens war Graf Joseph Wilhelm Ernst, der 1716 in den Reichsfürstensiand erhoben wurde. Sein Vater batte für seine Linie die Primogeniturordnung eingeführt (1701), dazu kam, daß er selbst 1744 alle fürstenbergifchen Lande vereinigte. Er verlegte seine Residenz von Stühlingen nach Donaueschingen und erhob so den Marktflecken zum Hauptort des Fürstentums. Fürst Kail Egon 11. von der bökmischen Linie, e- storben 1854, büßte 1806 unter der Nachwirkung des Rei s- deputationshauptscbluffes die Souveräniiät ein. Bei den einzelnen Regenten ist auch auf die Tätigkeit, die sie außer Landes ausübten, auf ihre Sieüungen im Dienst bon Kaiser und Reich oder andere Landesfürsten kurz bingzwiesen.
_ Das erste Jahr des Ministeriums Bismarck und die öffentliche Meinung. Von Otto Nirrnbeim. (Heft 20 der Heidelberger Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte. Herausgegeben bon Karl Hampe, Erich Marcks und Dietrich Schäfcr.) Heidelberg 1908. Carl Winters Unibetfitätsbuchbandlung. 624 S. 16 „M _ Der Verfasser des vorliegenden Buchs hat sich die Aufgabe gestellt, die Aeußerungen zu den politifchen Fragen der Zeit vom Sep- tember 1862 bis zum Nobember 1863 an der Hand der damaligen Zei- tungen und Zeitschriften zu Verfolgen und so die Steüunq zu untersuchen, die die politischen Parteien dem Ministerium Bismarck gegenüber ein- nahmen. Neben den Preßäußerungen. soweit sie in den führenden Organen der Parteien niederaelegt find, find die zahlreichen Flug- schriften aus jener Zeit berücksichtigt worden. Was die Anordnung des Stoffs betrifft, o ist der gesamte Inhalt, da die Hauptstreit- fragen der Iabre1862/63 in PWWM auf dem Gebiet des Ver- faffungskonflikts, der auswärtigen olitik und der deutschen Frage liegen, nach diesen drei Gesichtspunkten gegliedert. Aus der großen Fülle bon Cinnlbeobaxhtungen gelangt der Verfasser zu dem die bis- herige Erkenntnis bestatige_nden Ergebnis, daß die wxnigsten der in Frage kommenden Publizisten so viel geistige Beweglichkeit besessen baben, um der Richtung, die Bismarck einschlug, folgen zu können. Wohl kann man in manchen Schriften guten Gedanken begegnen, aber es fehlt ihre Anwendung auf die gegebenen Verbältniffe. Von allen Publizisten jener Monate seien es lediglich Constantin Rößler und LaffaUe, die ein weitergebenbes Verständnis für die von Bismarck inaugurierte Politik zeigten. Im wesentlichen siebe' der preußische Ministerpräsident in dem gewaltigen Kampf allein, o_erkannt oder zum mindesten unerkannt bon fast auen. Der Verfasser ist selbst nicht der Meinung, daß er zu erheblich neuen Ergebnissen gelangt sei, er hat sich damit be nügen wollen, für einen künftigen Forscher das Verstreute und stoffliZ; zu uUsangreicbe Material durch die erarbsitung in eine brauchbare Form zu bringen. ,
_ Der Kampf um Ernst ?)äckels Entwicklungstbeorie Und noch mehr um seine materialistische, von bm Monismus genannte Weltanschauung ist in weite Kreise getragen, nachdem die ,Wclträtsel' des ISnenser (Gelehrten durcb billige Ausgaben eine Maffenverbreitung nefunden haben. Neben Philosophen und Theologen haben zahlreiche Vertreter naturwiffenfckpaftlicher Disziplinen sich mit Ha_ckel auseinandergeseßt, indem sie sich meist als seine Gegner erklarten. Die_deutschen Physiker haben in diesem wiffenschaftlichen Streit Zurnckbaltung geübt, obwohl Häxkel sich in seinem „Substanzgeseß' auch mit der pbyfika1i1chen Lehre eingehend beschaftigt. Von ausländischen Physikern hat der St. Petersburger ' Profeffqr waolson fich entschieden egen Häckel gewandt. Eine wettére Kritik aas dem Lager der Pin; ker liegt in der jest auch ins Deutsche übertragenen Schrift bon Sir OliVer Lodge ,Lfeben und Yinterie' vor. (Verlag von Karl Curtius in Berlin. 2,40 86.) Lod e hat mit seinem Buche eine böbera Absicht, als nur Line ontwbersschrifi zu schreiben. Das Buch sol] eine bestimmte Lebte über die Wechselwirkung Von (Heist und Materie und damit auch über die Natur des Menickoen ausstellen. Nicht als avalutcr Häckelgegner, er läßt diesem-melmsbr auf seinem Sondsr- ge iet volie Gerechtigkeit werden, krittfiert Lodge in sachlicher und ruhiger Form Häckels Lebte. Bereits Vor vier Jahren unter dem Titel „Hi kg 8116 Uarbsr“ in (England erschienen, errethe die Schrift s. Zt. dort großes Aufsehen. Die deutsche Ueberießung si da_nkbar zu begrü en undi r eine weite Verbreitung zu wünschen. Sie duxfie zur Aufklarnng über den Häckelschen „Monismus' erbebltcb beitragen. Besonders beworgeboben sei auch der ausgezeichnet beutlicheDruck des
Buches. Laud- und Forstwirtschaft.
Saatenstand in Italien während des zweiten Drittels des Monats Iuni1908. .
In Norditalien und teils auch in Mittelitalien wirkten , die bäUfiger fallenden Niederschläge wohltuend auf die Felder. In einigen Gegenden Nord- und Mittelitaliens, besonders aber in Venetien bedroht die Peronospora ernstlich die Weinpfianzungen. 'Durckp den andauernben Mangel an Niederschlägen Wurden in verschiedenen Gegenden_Sud- italiens und in Sardinien die Feldfrüchte, vor allem das Gemuie, be- deutend geschädi t. Die G ? treid : e rnte verspricht im Norden durchweg ein gutes Erge nis, während sie in Mittel- und Süditalien nach den einzelnen Landstrichen verschieden ausfallen wird. Der Stand der Wein- und Olivenpflanzungen berechtigt im größten Teile des Königreichs zu den besten Hoffnungen. Die Ernte dcr Seiden- raupenkokons gebt mit einem im anzen zuiriedenstellenden Er- gebnis ihrem Abschluffe entgezen. (Veri t des Kaiserlichen General- konsulats in Genua.)
Saatenstand und Getreidebandel in Spanien.
Der Kaiserliche Generalkonsul in Barcelona berichtet ubterm 30. v. M.: Das Wachstum der Saaten ist im Juni durch ern izr! allgemeinen beständiges Wetter Weiter gefördert wvrden, besonders tn den großen Produktionszentren Kastiliens und einigen anderen Landes- teilen, in denen die Entwicklung wegen der besonders kühlen Tempergtur dieses Frühjahrs ursprünglich zurückgeblieben war. Die Ernte durfte daber, soweit sich jetzt übersehen läßt, befriedigend werden. Die Preise hielten fich bei andauernder Nachfrage bis in die [este Woche durch- Weg fest. Ein geringes Abflauen derselben ist jedoch in Anbetracht der baldigen Beendigung der Ernte wahrsckoeinlicb.
Die Preise waren für Weizen für je 100 kg in Peseten auf
den Märkten von: am 30./5. 6./6. 13/6. 20./6. 2776;
Valladolid . . 28,90 28,90 28,90 28,90 28,84 Salamanca . 28,61 28,61 28,61 28,61 28,29 Arevalo . . . . 28,61 28,90 28,61 28,61 28,29 Medina del Campo 28,05 28,36 28,36 28,36 28,29 Rioseco . . . . 27,16 27,74 27,74 27,74 27,72 Yüafiel . 28,90 28,90 28,90 28,61 28,58
adrid 31,79 31,79 31,79 31,79 32,91-