1908 / 238 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 08 Oct 1908 18:00:01 GMT) scan diff

veterinär im Feldart. Regt. Nr. 72 Hochmeister, tum Oberveterinär, Stummer, Unterveterinär im Hus. Regt. L_andgraf Friedrich 11. von

ffen-Homburg (2. Kurbeff.) Nr. 14, Schuler, Unterveterinär im

asur. Feldart. Regt. Nr. 73, - mit Wirkung vom 1. Oktobsr 1908 zu Obereterinären, Dr. Henze (1 Bochum, Garde) und Zörner (Landsberg a. W.), Unterveteiinäre der Res., zu Obexveterinaren des Beurlaubtenstandes, -- ernannt. Pahl, ObZrVeterinar im 1. Garde- feldart. Rem., der Charakter .Stabsveterinar' verlieben. Broh- mann, SrabSVeterinär im Drag. Regt. von Arnim (2. Brander- burg.) Nr. 12, zum Gren. Regt zu Pferde Freiherr von Derfflinger (Neumärk) Nr. 3, Born, Oberdeterinär im Schleswig-Holstein. Ulan. Regt. Nr. 15, behufs Wabmebmuna der Stabsoeterinar-

eschäfte tum Drag. Regt. _von Arnim '(2._Brandenburg.) Nr. 12, Ziegs, Oberveterinär Asfi't. bei der Mtlitarlebrsckpmiede in Königs- berg i. Pr., zum 1. Östpreuß. Feldart. Regt. Nr. 16, Neumann, Obxrveterinär im 2. Pomm. Ulan. Regt. Nr. 9, als'Alsist. zur Militärlebricbmiede in Königsberg 1. _Pr, - mit Wirkung vom [Oktober 1908 versetzt. (Hanser,Muller,Kroeninß,„Musbak, Ebach, Klabr, Militärbauregiftratoren auf Probe ei den Bau- ämtern in Rastatt bezw. ][ Koblenz, Frankfurt a. O., KarlSrube, 11 Koblenz und 111 Mainz, endgültig angeitxllt.

Die Jntend. Sekretäre: Zenker, HulSmann, Buick Von den Intent). des 7111. Armeekorps bzw. der 2. Div. und des LN. Armeekorps, zu denen des 1. bzw. 711. und 711. Armeekorps, Heße (Karl), Waechter von den Jntend. des1x. Armeekorps bzw. der 33. Div, zu denen des FAU. bzw. 7111. Armeekorps, - zum 1. Januar 1909 VerseY. _

26. September. rmand, GerichtSaffeffor, als etatmaß. Militärintend. Affeffor bei der Jntend. des_ 17. Armeekorps ange- stellt. Nicolaus (Alfred), Jntend. Sekretar von der Intend. des 111. Armeekorps, zu der des Gardekorps verseßt. Preußer. Ober- ]ablmftr. vom SchleSWig-Holstein. Drag. Regt. Nr. 13, auf seinen Antrag mit Pension in den Ruhestand verfest-

Köuialitb Müsst!" Amex. Ok !;

Offiziere, Fähnriche sw. Dresden, 5. to er. Seine Majestät der König von Spanien zum Chefdes 2. 111011. Regis. Nr. 18 ernannt. '

24. September. Böhringer, Lt. im 1. wazt. Nr.12, vom 1. Oktober d. I. ab auf ein Jahr zur ienstleiiiung zum 2. Trainbat. Nr. 19 kommandiert. _

27. September. Schubert, Oberli. im 1. Feldart. Regt. Nr. 12, rnit dem 30. September 5. J. von dem Kommando zur Dienstleistung beim Königl. prsuß. Großen Generalstabs enthoben und vom 1. Oktober d. I. ab auf zwei Jahre ohne Gehalt be- urlaubt.

1. Oktober. (Gr. Schall-Riaucour, Lt. im_Gardereiter- regt, vom 1. November d. I. ab auf ein Jahr zur Kaiserlichen Ge- sandtschaft in Adis Abeba kommandiert. _

Jm Sanitätskorps. 30. Sevtemder. Dr. Wolf, Unterarzt der Res. im Landw. Bezirk 11 Dreßden, als Unterarzt des Aktivstandes unter Beauftraguna mit Wahrnehmung einer offenen Assist. Arzistelle unterm 1. Oktober d. J. beim 1. Feldart. Regt.

Nr. 12 angesteüt. _ Militargeistlicbe.

Durch Verfügung des KriegßminifteriUms. 26. SL)- tember. Dr. Kaiser, kathol. Militärpfarrer bsim 2113-12. K. O.) Armeekorps, unterm 1. Oktober d. I. zum 24111. (1. K. S.) Armee- korps Verießt. Klesse, Kaylan in Leipzig, unterm 1. Okther d. I. zum futbol. Militärpfarrer ernannt und dem Fix (2. K. O.) Armee- korps zugeteilt.

Beamte der Militärverwaltung.

Dur Verfügung des KriegSministeriums. 26. Sep- tember. ckDr. phil. Tbiergen, wiffenscbaftlicher Hilfslehrer am Kadettenkorps in Dresden, unterm ]. Oktober d. I. als Oberlehrer auf Probe bei dieser Behörde angestellt. Dr. phil. Hoffmann, Kandidat des höheren Schulamis, unterm 1. Oktober d. I. als wlffen- schaftlicher Hilfslehrer am Kadettenkorps in Dreéden angestellt.

Angekommen:

Seine Ex eUenz der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Wirkliche Gleime Rat von Schoen, vom Urlaub.

In der Dritten Beilage zur heutigen Nßmmer des „Reichs- und Staatsanzeigers“ ist eme Genehmigungsiirkunde,

betreffend eine Anleihe der Neinickendorf-Lieben-.

walde-Groß-Schönebecker Eiienbahn-Aktiengesell-

sch (: ft, veröffentlicht.

Nichtamtliches.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 8. Oktober.

Der BundeSrat "versammelte sich heute ixxinex Plenar- srßung; vorher liielten die vereinigtewAUSs une fur Justiz- wesen und für Elsaß-Lothringen sowie der Ausschuß fur Zustizwcsen Sißungen.

-___-___ . -.,-é*

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Der Präsident des Reichsveriickierunngtß, „Wirkliche Geheime Oberre irungSrat Dr. Kaafrnann, in in dienst- lichen AngelegenZeitsn nach Rom abgereist.

Laut Meldung des „W. T. V.“ ist S. M. S. ,Hertlia“ vorgestern in Las Palmas auf Gran Canaria eingetroffen und geht am 19. Oktober von dort nach Queenstown (Irland) in See.

S. M. S. „Leipzig“ ist vorgestern in Kiukiang( arigtse) und S. M. S. „Luchs“ gestern in Kobe (Japan einge- troffen.

Württemberg.

Die Volksschulkommisiion der weiten Kammer iir gestern nachmittag zur Beratung der olksfchulnovelle zusammengetreten. Der sozialdemqkratrsche Antra auf Strei- chung des Religionßunterrichts m der Bolkss ule wurde, „W. T. V.“ zufolge, mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Ebenso wurde der Antra? der Volkspartei, die Erteilung des Reli ionsunterrichts au die Geistlichkeit zu beichränken und_die ehrer davon zu befreien, gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt.

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Oesterreich-ngaru.

Die Proklamation des Kgisers Franz_Joseph , an die bosnische Bevölkerung ist durch die Vehorden, die ; Ortsälteften und öffentliche AuSrufer im ganzen Lande zu gleicher Zeit bekannt gexSeben' und den Truppen durch_dte Chefs der Abteilungen nvtgeteilt worden. 'Die Landbevolke- rung nimmt, dem „K. K. ' Telegrayhen - Korrespon- denzbureau“ zufolge, da_s Ereignis mrt Ruhe_ und Würde entgegen. In Seraxewqhielt gestern der Gemeinderat eine Festfißun a_b und sandte ente Huldigungsdepesche an den Kaiser Franz oseph ab. Desgleichen aehew aus allen Landes- teilen HuldigungsteleKramme von Gemeinden und. Kor- porationen an den aiser und den gemeinsamen Finanz: minister ab. , - Zu der Einverleibyng Bos'niens Und . der Zerzegowina in die „osterreichisch : ungarische onarchie bemerkt das Wiener „Fremdenblatt“,_ daß die Regelung der Rechtsverhältniffe der okkupixrten'Lander ein wichtiger historischer Akt von, großer Tragweite sei, zu dessen zusammenfaffender Charaktertfierunßwan sagen durfe, daß _er aus kulturellen Motiven erfloffen ei _ daß der Zettputikt, in dem er vor fich Hehe, von der, politischen Notwendigkeit, an- egeben worden se und daß er in Ausfuhrung der eigcxntlichen Zlbsichten des Berliner Vertrages ein Hervorragend friedliches Ziel verfolge. Das mannte Blatt fährt dann [(in: Der Berliner Vn ag enthielt fur uns ein europaisches Mandat, in BoSnien und der Herzegowina die Orrmzrig herzustellen und dmch ibre dauernde Aufrechterhaltung den europai'rhen Frieden an_einem gefährdeten Punkt zu sichern. Wir h_aben diese Aufgabe gelöst, wir haben diesen Ländern den Frledexi ziztuckgegeben und alle Segnungen der Zivilisation vermittelt, 10008 fie heute auf einer boden materiellen und individuellen Entwickxlur-gsstuffe angelangt sind. Die Okkupation der beiden Lander _berubt auf den uns dom Berliner Kongreß unter außdrucklicber Zustimwung auch der ersten Bevollmächtigten Enalands und Rußiands uber- getragenen Rechten, während die rechtlkche Stellung dieser Lanker in bezug auf das RechtSoerbältnis Mischen“ unserer M_onarchi: und der Türkei durch die Sonderkonvention vom _21. April 1879 aeregelt wurde, um deren Abänderung allein es fich teßt handelt. Diese _Sonder- konVention enthielt zwei uptpunxtx; der eine sprach gegenuber der faktischen Ausübung der ouveränitatSrechte d_Ukch Oefterreich-Uxigarn die Belaffung eiuer rein nominellen turktscben _Sonderanitat aus, der andere betraf die näheren Abmachungen uber die von beiden Staaten im Sandschak Novibajar zu gntexhxltenden Garntsqnen, Diese leßteren Bestimmun en wurden mitRucksicht auf den damaligen Scbwäcbezustand der Türei getroffen._ (Es ist Vollsendz eine An- erkennung der Tatsache, daß fich die Turkei seither wirder erholt iind insbesondere durch die jet erfolgte Neuordnung ihrer Verbaltntffe konsolidiert bat. Zugleich iefein wir aber „damit einen unzweifel- baften Beweis sowohl für die territoriale Unetgxnnuyigkeit unserer all- eweinen Orientpolitik, als auch in_sbesondere fur u_nseken Wunsch, der ürkei ein sichtbares Pfand unjercr ircundscbattliäyen Gesinnung und unseres vollen Vertrauens in die_ttc1_1en statten Grundlagen ihrer Staatlichkeit zu geben. Die Souveramtat des Sultans in den okku- pierten Ländern, diesen zweiten Hauptpunkt des Synderabkommens vom Jahre 1879, konnten wir drei Ic_tbrtxbnte lang !chqnen, erstens, weil sie eine solche Form der Soukeranitat darstellte, die uns in der geordneten und einheitlichen Verwaltung nicbt bebinderte,_ dann aber auch weil ihre Sch'onung bisbxr mit keiner Geiabr fur die Stabilität in den okkavierten Landern, zu_ deren Aufrecht- erbaltunx; uns der Berliner Vsrtrag „Yetvflwbtete, Verhanden war. Eine solche Gefahr babrn aber gewmeAmtatwnen, die Be- unruhigung in die Bevölkerung tragen, nabegeruckt. (Es entstand die Notwendigkeit. jener Gefahr durch eine geeignete Maßregxl entgegen- zutreten. Diese Maßregel' besteht in der endgultigen Klarung eines - bisher ungeklärten und mit stetewKo likationen drohenden Vet- bältniffes. Es war unsere Pflicht, dt: in oönien und der Herzegowina geschaffene Ordnung im Sinne und zum Schuße der Grundgedanken des Berliner Vertrages aufrecht zu erhalten. Das Blatt weist sodann auf_ die Vsrlsihung eines kon: ftitutionellen, Regimes an die Bevolkeruug Hm und sUZRT Diese konnte erst nach Klärung t-s Rechtswerbältni ts_obne Gefahr von Verwicklungen eriolgen. Was ad.r unser Vecbaltnis tur Türkei detri t, so hoffen wir, daß, Erregung des ersten Augen lick; vorüber ttt, ,dtksks bisbxr „durch die Last eines unklarxn Zustandes kompliziertx' erbaltms in Zu- kunft volle Freandicbaftlichkeit und gegenjettigßs Vertrayen ge- winnzn wird. Durch disNegelung des SouVeränitaiSdcrbaltntffea'urd durch die Gewährung konstitutioneller Einrichtungen bieten wir diesen Ländern die Nabe n:ch außen und nach innen undSerricbte'n so an der Grenze der neuen Türkei einen festen Wall zum Schutze ihres Terri- toriums und ihrer natioualen Zukunft.

Der Rechtslehrer Yerrenhausmitkßlied Hofrat Larnmasch führt in einem Artikel es „Fremden lattes“ zur Angliederung Bosmens und der Herzegowma aus: _

Der bedorstedende Ziziammentritt daS iarkiscben arlaments b_abe Oesterreich-Ungarn vor die Notwendigkxit emxr ?vai on des Verhalt- niffes der okkuvierten Provinzen zur Moxiurcbie gestellt. Durch etwaige aus Voßnien für jenes Parlament gewabite Persö-lickvkeiten könnten sich für die Türkei wie für Oesterreicb-Ungarn Verlegenheitcn und Gefahren ergeben. Es könnte sich ein itaatSr-sébtlich und völker- rechtlick) gleichmäßig vnmöglicher Zustand zeigen. Ferrer ergebe sich die Notwendigkeit angesichts des boden “kultureUen Aufichwyngs der Bevölkerung in ren Okkupationrgebteten, den berechtigten Wunsch nacb Gewäbrimg staatsbütgerlicbcr Rewte zu, yerwirkltäoen, zumal die Erteilung ciner Verfaffung m der Turkei dietem Wunsche einen gewiffen Nawdruck verlieben babe. Erne Verioffung aber könne nur von der unbeschränkten souveräaxn Gewalt erteilt werden, nur als Souveän dieser Länder könne der österreichische Kaiser und ungarische König eine Verfassung verleihe", denn_die1_e Y_erleibung sei *die voll- kommenste Ausübung seiner Souveratiitat uber_ sie. Eine Ver- iaffang sei also nur unter der VorauSixyung moglich, daß die im Artikel 25 des Berliner Vertrages autcechierbaltene Fiktiqn einer noch fortdauernden Souveränität des Sultans als nmwm _1118 auf- gegeben werde. Das Verhältnis der Monarchie zu BoSnien und der Herzegowira dürfe nicht bloß nacb drm Berliner Vertraae,_sondxrn auch nacb der Kondention yon 1879 zwischen Oesterreich- Ungarn und der Türkei keurteilt werden. Die Freiheit des Kultus für Bognien und die Herzeßowtna sei als _ein_ der österreichisch-ungarischen Monarchie angehöriges and 1ellttyer. ständlich. Bezüglich der Ebrenrecbte dss Sultans als religioses Oierb*upt Werde gewiß alles geschehen, qu zur Vollen Beruhigung der Mobammedanet notwendig sei thugliäZ der ottomaniicben Münzen bemerkte Lammasch, daß dieie tatiäcblicb n“cbi mehr zirkulieren. Wenn voUends OesterreiÖ-Un am 015 Kompeniation fur den Verzicht auf die Sebattenbälfte der ouvxrgnität icinerfeiks auf das reale und praktisch bedeutsame Recht, milttarische Bekaxzungen im Sandscbak Novibazar ju halten, verziwte, werde die Turkei keine Ursache haben, über diese Aenderungen zu klagen.

Großbritannien und Irland.

Der Premierminister ASquitk) und der Staatssekretär des Aeußern Sir Edward Grey haben sich gestern. in längerenNeden über die jüngsten politischen Ereignisse und die Stellung Englands _hierzu geaußcrt. _Nach den Berichten des „W, T. B.“ fuhrte der Premxermmifter ASquitk) aus: _

Wir begegnen an diesem Abende einer großen, uber die ganze

Wenn die

*, aller fremden Politiker richten sich auf die erschreckende Aufeinander.

folge von Umwälzungen, deren Schauplatz das östliche Europa ist. Wenige Eni nlffe unserer Zeit erregten eine herzlichen und allgemeinere Sympathie m britischen Volke, als die unblutige Revolution, weit!): die Türkei in eine freie, sich selbst regierende Nation umwandeln,

;Jbre Anstifter und Führer find außnabmslos ven höchst un-

eigennüsisen Beweggründen geleitet worden. und das neue Regierungs-

: system ist mit einem Minimum an Reibunaen ins Werk getreten.

Diele Situation, die zu so hoffnungsvollen Erwartungen berechtigte, wurde p'tößlicb gewaltsam unterbrochen durch die Pcoklamation-der bulgarischen Unabhängigkeit und, fast gleichzeitig, durch die Annexion Bozniens durch Oesterreicb-Ungarn. Beide Ereignis:, die von einander zu trennen kaum möglich ist, bilden gemeinsam einen schweren Schlag

gegen das neue,:ioch in seinen Anfängen begriffme Regime. Sie sind

in der Türkei mit nicht unbe reiflichem Unmut, aber mit hervundernso werter Rabe und Würde außgenommen worden.

Im weiteren Verlauf seiner Rede kam der Premrermimster auf das Januarprotokoll vom Jahre 1871_zu sprechen, das dem Vertraqe von London atigefügt ist und_m dem auch von Oxsterreich-Üngarn _ausdrücklich dem zugestimmt wird, daß keiiie Macht die in diesem Vertrage eingegangenen Ver: pflichtungen anders als Mit ustimmung der anderen vertra = schließenden Parteien lösen konne. Auch der urst von Bu :- arien_ könne ohne Zustimmung der atideren _ ächte - ein- chließlick) der Zustimmung der Turkei - keine Aenderung vornehmen.

Deshalb, so fuhr AEquitb fort, ist es die Pfiicbt der Regierung Seiner Majestät, die Parteien, die für den Bruch des Vertrags ver- antwortlich sind, darauf hinzuweisen, daß wir die leßten EreigniZe nicht als irgendwie recbtßverbindlicb anerkennen können, solange e nicht durch die Zustimmung der MäÖte geregelt sind. (Fs ist ferner klar, daß diese Geschehnisse, die mit solcher Ueberftüsmng vor sich gegangen sind, unweig*rlich zu anderen Fragen führen müssen, die von anderen im nahen Osten sebr interessierten Mächten erhoben werden können. Wir wrrden nicbt zögern, der Türkei unsere Versicherung zu geben, daß wir alles in unserer Macht Befindlicbe tun werden, Uw. ibre Jntereffen und ihren Status geachtet und aufrechterhalten zu sehen. Und es ist unser ernitester Wunsch, der Bevölkerung jenes Landes unjere Sympathie mit ihrer muen Regierung zu bezeigen, sowie unlere Sympathie mit dem Fortschritt und der Entwicklung der freiheitlichen Institutionen des türkischen Kaiserreiches. Indem wir diese Haltung einnehmen, liegt kein Grund zu der Annahme vor, daß wir damit unter den (Großmächten allein ständen, und wir gehen urs der _Hoffnung hin, daß eine sowohl gerechte wie friedliche Löiung die Kräfte der europäischen Diplomatie nicht überschreiten wird.

Sir Edward Grey sagte in seiner Rede, die er in. Wooler (Northumberland) Hielt, unter anderem:

Unsere Haiku (; wird diese sein: Wir können keiner Macht oder keinem Staate das Recht ;uerkennen, einen internationalen Vertrag ohne Zustimmung der anderen beteiligten Parteien zu ändern. Tak Ergebnis eines derartigen Vorgebns können wir so lange nicht an- erkennen, als bis die anderen Mächte brfraat worden sind, einschließ- lich, und speziell in diesem Falle, der Türkei, die eine der am meisten ketroffenen Mächte ist. Wecn es in der auswärtigen Politik einrcißen sollte, daß irgend eine einzelne Macht oder irgend ein Staat nach Belieben einen internationalen Vcr- traq verletzen könnte, so würde dies das öffentliche Vertrauen unter- graben. Die Neiguag, die Rüstungen zu vermindern, war in Europa im Zunehmen bxaiiffsn, aber wir können nicht erwarten, daß die Aus- gaben für die Rüstungen abnehmen, wenn man befütchien maß, diß die Verträ4e plöslicb obne Zustimmur-g aUer_ an ihnen bthiligixr. Mächte geändert werden körinen. Jm gegenwartigen Falle wurde es sehr wünschen§wert sein, kcine Zit zu verlieren und rer Turkei z:; versich;rn, daß in jeder Revision des Berliner ertrags die Inter- essen und der status der Türkei volle erückficbtigung finden wurden. Wir wünichen mit allem Ernst die Dinße so fair geleitet zu sehr", daß das Endergebnis al1er Aendemngen des Vertrags nicht sein werde, die neue Regierung in der Türkei zu entmuti en, sondern sie vielmehr zu unterstüven. Wir werden unseren Einfiu nach dieser Richtung dn) geltend machen. Es ift wünschenßwert, fich vor Augen zu halten, daß jede Kränkuna dss neuen Regimes rer j-yt friedlichen Bewegung eine militärische Richtung geben könnte. Hierdurch könnten alle Reforwm in der Türkei gefährdet werden, Mazedo irn und Armenien könnten wieder in jenen beklagenswerten Zustand geraten, in dem sie sich noch dor kurzer Zeit befunden haben. Es liegt kein Grund dor, waruw das, was gelcheben ist, zu irgendwelcher Friedensstörung fuhren sollte.

Der Redner schloß, er hoffe nicht nur, sonderri glaub? es auch, daß es zu keiner Störung kommen werde. Die materielle und tatsächliche Aenderung sei nicht so groß, da dYr Unterschied zwischen Autonomie und Unabhängigkeit vom praktischen Stani“ punkt aus nicht bedeutend sei.

Frankreich.

Der Minister des Aeußern Pichon hatte gestern, vc-r- mittag kurz hintereinander Besprechungen über die Orient: fragen mit den Botschaftern Englands, Italiens_ und Rußlands sowie dem serbischen Gesqndten ; außerdem konferierten Bichon und Clemenceau gememsamrrst _mit dem epglischin Botschafter und dann mit dxm grirchiichen'“Gesaridten. Wie die „Agence Havas“ meldet, liegt zur Zeit noch kein formeller Vorschlag für die Einberufung Liner Konfereti vor. ,

Am Nachmitta überrei ten dem Mini er Pichon drr österreichisch:ungarisc€e Boischater Graf Khevenhuiler die Zirkularnote seiner Regierung, betreffend 'die An- nexion Bosniens und der Herzegfowma und die Räumung des Sandschaks _ Novtbaza'r, und der türkischeBotschafter NaumPas ;: die Protestzirxulqr- note der Pforte gegen die biz garische UnabhangigZ keitSerklärung. In letzterer heißt es, „W. T. B.“ zufolgk-

Der Sultan erhebe nachdrückiich Einlprucb gegen die Haltuns des Fürsten Ferdinand und appslltere eindrinslich an dix Signaial- mäcbte des Berliner Vertrages, entsprechznde Verfugungen 1); treffen, keisvielSweife die Einberufung einer Konferenz bedu's Prüfung der Bedingunaen zur Wiederhersteüuna der Kelek;- 1ichen Ordnung in Bulgarien und Osirumelien umd AU,- recbterbaltung der Zntereff-n der Türkei. Die Pforte könrke zur Gewalt greifen, um ihren Rechten Achtung zu verschaffen, ck“:1 sie wolle dies aus Achtung dor dtn Verträgen und im Hindlick auf M allgemeinen Jntereffen ur-d das einmütigx Fr'edenébedurfnis vu: meiden. Sie protestiere formell gegen die eben vollzogene aneßun“ des Berliner Vertrags und behalte sicb aiSdtücklich alle ihr durch dies!" internationalen Akt v:rliebenen Rechte vor.

Rußland. _

Die offiziöse „Rossija“ veröffentlicht einen Leita_rt1kel_uk)€r die Annexion BoSniens und der Herzcgywina 10191? über die Proklamation Bulgariens u einer:“: unab- hängigen Königreich, in dem es, „T. B. zufolgk- u. 0. heißt: * H,

Der soeben von Oeiteireicb-Ungarn proklamierte Bescbl? BoSr-ien und die Herzegowina xu annektieren, und andererseits 'i? Unaibätigizk-itekrkläcung Bulgariens bilden eine wesentliche "“ lkßurg des Berliner Vertrages. Daher sei es xiicht zu verwunBTM- daß allerseits ungx-Juldig Nach1ichten entaeaengejeben werde, we , Maßreg-ln die Reaiciungen der übrigen Mächte ergreifen werden “" gefiabts der neuen Lage der Dinge auf der Valkarbalbinsel.

In dem Artikel wird dann weiter ausgeführt:

West verbreiteten Besorgnis und die Gedanken aller englischen und

Obgleich der Berliner Vertra nicht wenige für NRW“: drückende Bestimmungen enthalte, ach so!che, die zweifellos 11"? N'“

Bedeutung von temporären mid im Uebergangßzuftande be ndli n Abkommen hätten, babe Rußland stch nicht beeilt, die Fnge eFieer Abänderung dieses Vertrages aufzuwerfen, sondern seidurcbwcg besorgt gewesen, den Frieden aufrecht zu erhalten und den Vertrag zur Richt- schnur zu nehmen auf der Er_undlage der durch den Londoner Vertrag vom Jahre 1871 brstatigten internationalen Beziehungen, kraft deren ein Abkommen nicht anders geändert werden könne, als durch allgemeines Einverständnis der Signatar- Mächte. Rußland sei jedoch verpflichtet, seine Stimme zu erheben, wenn Ereigniffe eintreten, die nicht bloß die gese liebe Sphäre seiner politischen Tätigkeit berubrten, sondern auch de rechtliche Lage der internationalen Betiebungen im Wesen änderten. Nachdem Rußland so viel Blut vergoffen, um die Christen auf dem Balkan zu neuem Leben zu erwecken, und um deren gute Oraanisation nichtwenig Sorge getragen habe, l_önne es in der Wiederberstellung des Bulaarenreicbes nur den erwuuscbten Abfchluß einer historischen Sache und gleichsam das Erbteil seirzer eigenen Mühen erblicken. Dieser Akt im Leben Bulgariens bedurie jedoch der geseßmäßigen Anerkennung, und es sei notwendig, daß samtliche Abänderungen, die gleichzeitig in die bestehende Otdyung auf der Balkanhalbinsel eingeführt“ werden könnten, nicht Erschuxterunqen und internationale Verwicklunaen nach fick) zögert. Der naturlichste Weg zur Erreichung dieses Zieles wäre die gemeinsame Beratung der neuen Lage auf einer neuen Konferenz der Märkte, die die bisherige Ordnung auf der Balkanhalbinsel eingefuhrt baberz. Es sei voller Grund zu der Annahme vor- handen, dax ber den Macbten der Wunsch rege fei, ihre sich be- xgnenden ntereffen in Einklang zu bringen, und dieser Weg der Beratung au einer Konferenz der Mächte, die den Berliner Traktat unterzeichnet baden, werde zweifellos die beste Bürgschaft bilden für die Wicderberitellung des Gleitbgewichts auf der Valkanbalbi- sel und FejKufrseäpterbaltung eines dem nahen Osten gerechten und beständigen r e en .

Italien.

Wie „Agen ia Stefani“ meldet, hat der österreichisch- ungarische Bots qfter gestern vormrttag dem Minister des Aeußern Tittozii die Note seiner Regierun überreicht, welche die Grunde darlegt, die Oesterreich:?1ngarn zur thznexion VoSniens und der Herzegowina veranlaßt 0 en.

Türkei.

Der öfterreichisch:un5?arische Botschafter in Konstantinopel Markgraf Pallavicin überreichte gestern nachmittag der Pforte, „W. T. B.“ zufolge, nachstehende Note:

Als Oesterreich-Ungarn mit_ der Pforte am 21. Avril 1879 die Konvention, betreffend die Durchführung des Artikels 25 des Berliner Vertrages mit Bezug auf dex: Sandschak Novibazar, abschloß, aab es sich Rechenschaft uber die enge Solidarität der Interessen, die sich unter anderem in jenen Bestim- mungen der Konvention kundgab, welehe die Anwesenheit der österréichiich-ungarischen und ottomaniscben Garnisonen in gewissen Ortschaften vorsah. Die durch diese freundschaftliche Kooperation österreichisch-ungarischer und ottomanifcher Truppen vorgesehene Ab- slcht wurde erreicht. Es ist uns gelungen, die Ordnung aufrecht- tunbalten und den euroväiscben Frieden zu sichern, den eine Konfiaaralion 'in diesen Gebieten in Gefahr gebracht hätte in dem Augenblick, wo die Türkei durch die Folgen des Krieges Bscbwäcbt war. Seitdem hat sich die Lage gründlich geändert.

le 30 Jahre die der Unterzeichnung der Konvention folgten, ggben der Türkei Zeit, sich_ zu sammeln. Die politische Bewegung, die fich namentlich gegenwartig in der Türkei zeigt, läßt eine Er- starkung des ottomaniscben Staates und hierdurch eine Festigung der Grundlagxn des Reicbezs erkennen. Oesterreich-Ungarn gab vor nicht langer eit der Türkei den Beweis seiner wohlwollenden und fried- lichen bsicbten, indem es erklarte, es sei aeneigt, in der Konvention, betreffend den Eisenbabnanschluß Uvac-Mitrowi a, die Klausel auf- zunehmen, daß die Monarchie von nun an ncht mehr von ihrem Rechte Gebrauch machen werde, an anderen Punkten des Sand- schatz ohne vorheriges Einvernebmxn mit der Pforte Truppen zu baltexi. Heute, wo der Beginn einer neuen politischen Aera in Kon- stantinopel “eine auögezeichnete Vorbedeutung für die Zukunft der Türkei zu sein scbemt, hofft Oelterreicb-Ungarn, daß es der Pforte allein ge- linßen werde, die Ordnung in Sandschak aufrechtjuerbalten und so in die en Gegenden die Aufgabe zu erfüüen, die 131st dem Zusammen- wirken der beiden Regierungen oblag. O:sterreich-Ungarn zögert nieht, zu erklären, daß es in Zukunft auf dieGeltendmacbung der Rechte verzichtet, die ibm die Konvention bezüglich der Sandsckpaks einräumt. Was die dsterreiÖisch-ungarischen Truppen betrifft, so erhielten diese dxn Befehl, die Ortschaften, wo sie arnisonierten, zu räumen. Durch diese bochbedeutsame Tat glaubt Oeterreich-Ungam der Pforte nicht nur einen offenbaren Beweis seines Vertrauens und seiner aufrichtig freundiebaftlichxn Gefühle zu geben, sondern es setzt hierdurch gleich- zeitig den Gerucbten, die ihm egoistische Absichten und territoriale Begehrlichkeiten zuschreiben, das foxmellste Dementi entgegen. Wenn es feststeht, daß Oesterreicb-Ungarn nicht mehr die Absicht hat, an die Beitimmunaen des Konstantinopeler Vertrages betüalich deo Sand- sLbaks zu appellieren. so liegt ibm andererseits die Pflicht ob, seinen Standpunkt bejügliÖ der übrigen in dieéer Konvention spezifizierten Fragen klarzulegen. Oesterreicb-Ungarn at die ihm durch den Ver- liner Vertrag andertraute Milsikn ku BoSnien und der Herzegowina zum Wohle der dortigen Bevölkerung und selbst auch im Intereffe der Turkei erfüllt. Tatsächlich hat nur die in Boonien und der Herzeaowina durch den Berliner Vertrag geschaffene und Von Oester- reicb-Ungarn aufrecht erbaliene Lage der Tüikei gestattet, ihre Kräfte zur Wahrung der territorialen Integrität des Reichs zusammenzufassen. BOOnicn und die Heczegowina sind heute dank der fleißigen Arbeit der öfterreichlsch-ungari chen Ver- waltung zu einem hohen Grade materieller und geistiger ultur ge- langt. Der Augenblick sckeint also gekommen, das unternommene Werk zu krönen und diesen Provinzen die Wohltat des von der Be- völkerung gewünschten autonomen_ und konstitutioneUen Regimes zu aewäbren. Oesterreich Ungarn muß indessen, um seine edlen Ab- sichten zu verwirklichen, die Lage in beiden Provinzen genau _regeln und für wirk|ame Garantien gegen Gefahren vor- iorgen, die die Stabilität des im Jahr! 1878 eingeführten Regimes bxdroben könnten. Oesterreich-Ungarn sieht sich daher vor der ge- bteterischen Notwendigkeit, sieh der in der Konstantinovln Konvention enthaltenen Vorbehalte ju entledigen und, was VoOnien und die Herze-iowina betrifft, seine frühere Aktionsfreibeit wiederzuerlangen. EY glaubt, daß die Vejlebungkn zwischen Oesterreich-Ungarn und der Turkei, frei von der Uvficherbeit der Lage in BcSnien, der Herzegowina und im Sandstbak, mit der definiiiVen und normalen Sachlage, die Wik herstellen wollen, gewinnen werden.

Alttürkische Kreisc schieben _die jüngsten 001itischen Ereignisse auf ders Schuldkonto der Jun turken. Auf gungtürkischer Seite verteidt 1 man fick) damit, da die Geschehnisse nur Folgen und Na we en des alten Re imes seien. Gestern mittag fanden in K_on tantinopel Kundge unqen vor der en, lischen, der frau- zostschen und der russixYen Boticbczft, der griechi cher] Gesandtschaft und vor der bulgari en Agentie statt. _ In. einer zahlreich bxsuchten Volksversammlung vor dem KrieZSmmisterium wurde eine Resolution angenommen, m der es, nach einer Meldung des „K. K. Telegraphen-Korrespondenzburoaus“, heißt, daß die Pfortx alle nötigen diplomati chen Schritte veranlassen müsse, um die Rechte des Vaterlandes zu wahren.

„_ * anolYe des bulgarischen Staatsstreichxs hat die Be- Volkerung retas vorJeftern beschlossen, die Angliede- rung an Griechenlan zu proklamieren, und, der

Axistalten hellenische Behörden „eingeseßt worden. Die Be- ; polkerung strömt zu Tausenden ln Kanea zusammen, UM; dort ihrer Begeisterung für (Griechenland Ausdruck zu verleihen.

Serbien.

. In einer Note an die S_ixZnatarmächte des Ver- liner Vertrages protestiertdie xrbtsche Regierung auf Grund des_ Artikels 25 des Berliner Vertrages gegen die Einverleibung BoSniens und der Herzegowina in die l)„absburgische Monarchie. In der Note heißt es nach einer Meldung des „W. T. B.“:

Obwohl die serbischen Rechte auf dem Berliner Kongreffe un- vergleichlich'geringer befriedi t worden seien, als es den Kriegsopfern beider serbischen Länder, Öcrbirns und Montenegros, entsprochen hätte, und obwohl Serbien die Verpflichtungen aus dem Berliner VertraF shupulöser erfüllt hätte als irgend jemand anders, sei keine einzi e eranderung an diesem Vertrage seit den letzten dreißig Jahren zu unsten des Serbentums erfowt- Angesichts d'effen hoffe die serbische Regierung, daß die Bitte um Gerechtigkeit und um Schuß, gegen die offenbare Verlesung des Berliner Vertrages bei den Stgnatarmachten nicbt ungebött verhallen werde. Serbien könne nur in der WiederbxrsteUung der„Laae bezüglich BoSniens Volle Be- friedigung finden. Sollte dies unmöglich sein, so fordere Serbien eine en1f0rechende Entschädigung, um ihm BürgsÖaften zu sichern für sein unabhängiges staatliches Leben und um dem ferbisckoen Volke die Bedingungen für seinen nationalen Fortbestand wenigstens in dem Maße wiederzugeben, wie sie ihm der Berliner Vertrag ge- geben habe.

Die Meldungen über die Veränderungen hinsichtlich “BOSmens herben quf die Bevölkerung einen sehr tiefen Eindruck Femacht. Die Stimmung ist bet dem größten Teil des Volkes,

em „K. K; Telegraphen-Korrespondenzbureau“ ufolge, äußerst erregt. „Dux fuhrenden Politiker aller Parteien Sowie die Presse treten eirimutig fiir eine energische Steüungnahme zu Gunstsn des serbischen Teils der Bevölkerung von BosUien und der Herzegowma u'nd gegen OesterreichUnqarn ein, um dadurch eiiie ntervention _der europäischen Mächte Herbeizuführen. Die Qkupschtma ist zum nächsten Sonnabend einberufen

worden. Bulgarien.

Dxr__dir_zlomatische Agent Großbritapniens in Sofia Hat dym Ministerium des Auswärtigen gestern eine Note 1"ibsrreicht, die, „W. T. B;“ zufolge, die Erklärung enthält, daß die britilsche Regierung das Königreich Bulgarien nicht arxer'etinen könne, bevor die anderen Mächte und die Turkei ihre Haltung in der Angelegenheit präzisiert hätten.

Montenegro.

_ DieNLgierung hat an die Vertreter der Berliner Signatar- machte_eme Note gerichtet, in der die Verfügung, betreffend BNStiien, als eine Verlesung des Berliner Vertrages: be: zeichnet mird. In der Note wird nach einer Meldung des „K. K._Telegrqphrn:Korrespondenzbureaus“ Hinzugefügt: wenn die Machte diese Tatsache anerkennen wurden, halte sich Montenxgro voti allen Verpflichtungen aus dem Vertrage, namentlich soweit fie sich aus dem Artikel 29 ergeben, für

entbunden. Dänemark.

Der Finanzminister Neergaard, der gestern zum König beriifeti wurde, hat versprochen, die Bildung eines neuen Ministerrums iz versuchen. Wie das „W. T. B.“ meldet, wandte er sick) an eie beideti Gruppen der Regierungspartei, die [tt_ike Reformpartei und die Gemäßigten, die ihm ihre Unter- ftußung zusagten.

Koloniales.

Die Diamanten von Lüderikaucht in Deutsch-Südwest- (: r a.

In der „Deutschen Kolon_ialzeitang' berichtet Ferd. Geffert, einer der altesten Farmer im Sudkn von Deutscb-Südwestafrika, aus Ludeii bucht:

_ . ir leben hier im trockensten Klima. Das Regenwasser tragt hier keine Berge ad, sondem der fast unaufhörliÖe Wir-d, der den Sand und Kies aufwüblend im Laufe de'r Jahrtausende als äußxrit wirkur-gédolles Sand,;ebläse groteske Formen aus dem Urgestein auSmodelliert hat. Da man die Halbedelsteine, die im Verein mit den Diamanten geiur-den werden, auch im Granit sieht, ist es wabrsÖeinlich, daß dieser ebenfalls Diamanten enthalt, jedenfalls aber in weit aeringerer Menge als der Kies. Denn der Kik? ist allmählich avgereicbett worden, dadurch, daß alies weichere_und flachenbaft vorkommende Gestein, zunächst Glimmer und Kupferblattcben, außgeblasen Wurde, während die barten, spezifisch schweren Diamanten liegen blieben, um so mehr, als sie dank ihrer tetragonalen Kristallforw dem Sturm wenig Anhaltspunkte bieten. Die ubrigen Steine sind yon dem scharfen. Diamant führenden Sableif- mittel fait kuglich gerundet, kommen in allen Farben vor und würden sich zu sehr haltbaren Mosaiken verwenden la en,

Da sich in den Tälern der Verwitterungsfchutt im Windschatten der Berge anbäuft, jo werden da die mxisten Diamanten gefunden. Doch könnte man auch annehmen, daß einst ein Alluvium das Ur- gestein bedeckte, daß von höheren Lager: die Diamanten angespült Wurden urid nun nach Jahrtausende langem Windfraß das Linzize Ueberbleibiel sind. Dann wäre „es nicht außgefchloffen, daß in der Gxgend von Tsaucbaib oder Titus rWch Blaugrundpfeifen gefuriden wurden. Wahrscheinlich ist das nicbt. Denn auf Kilometsr haben die breit Quarz gebanderten Granitlcbicbten den leichen steilen Ein- fallSwink-l von etwa 70 0. Daraus läßt sich schlie en, daß ein enormes beirge_abgetragen wurde. In _der Zeit, die dazu benötigt wurde, waren langst alle Diamanten, hatten sie alluvial dem Urgestein auf. gelegen, zu Staub weggeschliffen worden. Die Schürfer haben die Natur zur Lebrmeisterin genommen und blasen zunächst durch eine Windiege. nicbt unähnlich einer Getreide- reinigungßmascbine, den Sand vorn Kies weg. Der Kies kommt als- dann in ein Handsicb. Durch eigenaitiges Schütteln kommen die Diamanten unten auf der Mitte des Siebes zu liegen. Das Sieb wird dann um efiülpt. Die gleich fcbWeren Granaten zeigen durch ihre dunkelrote ätbun an, wo man a11ch die Diamanten xu sucken bat. Solange ich zusa , wurden fast jeder Handfiebfüllung mit der Kinzel“ ein oder mehrere Diamanten entnommen. Da auf viele ilometer in der Runde die Edelsteine efunden werden, kann man sicb xine Vorstellung von dem beispiello en Reichtum machen. Un- willkurlicb denkt man an den Neid, den der Nibelungenbort bewor- rief, denkt dargn, daß der Grund, 'Wo jevt Kimberley steht, als dort die ersten Diamanten gefunden Wurden,_ nicht britisch war, daß Johannesburg. als dort unermeßliibe Schave gehoben wurden, nicht unter dem Union Jack stand. .

Es ist ein_besondets glücklicher Umstand, daß der als Wafferlos verschrieene Wustenstreifen reich an Brackwasser st- In den Tälern stößt man bereits in einer Tiefe von drei bis vier Metern auf zum Waschen durchaus geeignetes BraWaffer. Es ist keinestve 9 aus- geschlossen, daß noch Süßwaffer erbobrt wird. Denn hierzu ande ist e? Regel, daß das Bracknmffer dem Süßwasser überlagc'rt. Sonst kamen die Quellen von Anicbab oder die neu erfchloffenen Brunnen bei Garab als Trinkwasser in Betracht. Das Waser wird also keine

„A cnce Havas“ zufol e, gestern diesen Beschluß ausgeführt. U? der ganzen Zuse? find iw 577-12tlichen und kommunalen

Abbauerschwerung bieten.“

Parlamentarische Nachrichten.

Das Mitglied des Hauses der Abqeordnet befißey Braemer in Ernstberg bei 5,1*Lctltet.'kel)mxrril (YYY; ZZfZixxiklnntzenY,t VZrtreterNTIelrd KrZise Ragnit und PilLkallen 1: on. , i , na einer 2 an er„O ' * am 6. L. M. gestorben. g ftpreußischen ZAMM *

Statistik und Volköwirtschaft.

Die Zentralauskunftsstelle für Auswanderer ' Berlin (97.9,„Sc-bellingstiaße 4) hat im dritten Viertkljabnr 1908 (1. Juli bis 30. September) in 2263 Fällen Auskunft an* ' Außwanderungsluittge ertxilt, und zwar in 1704 Fällen schriftliche und. in 559 Fallen mrtndlicbe. Bearitwortet wurden ingaesamt 3702 Anfragen uber die Verfchiedenen Außwanderungßgsbiete. DÜVOn bezogen sich 2370 _an die deutschen Kolonien, und zwar auf Deutseh-Sadweitafcika 929, aiif Deutsch-Ostafcika 492, auf Kamerun 159, auf _Togo 136, auf Samoa 67, auf Deutsch- Neuguinea 42, auf die erolinen, Palau und Marianen 30, (Ulf Kiautfcbou 18 usw. Unter den fremden Außwauderungs- gebieten steht Sudbrasilten mit 158 Anfragxzxan der Spitze; dann folgen Azrgmttnien mit 155, die Versinigten Staaten von Amerika mit 92, Brasilien im aUgemeinen mit 59, Canada mit52, Chile mit 43, Nord- und Mitt'elbtasilten mit 39, araguay mit 24, Bolivien mit 21, Neu-Seeland mit 18, Uruguay und ritisÖ-Südafrika mit je 17, Mexiko und Ching mit_1e16, Rußland rnit 15, Cuba, PKW und Oasenßlcmd mit je 12, Niederlandisch- und Britifcb-Jndien mit-je 9. Der Rest Ver- teilt sich auf Ecuador, Guatemala, Kolumbien, Nicaragua, West- indien, Venezuela, HOFYUUQ Abesfinien, Algerien, Britiscb-Ostafrika, Aezypten, die Goldkuite, die Kanarischen Inseln, den Congostaat, Liberia, Madagaskar, Dabymev, Madeira, Portugiesiscb-Ostafrika, TuniYKleinasien, Japqn, die Pbtlivpinen, Siam, Sibirien, Tonkins, Neu-Oudwales, Viktoria, 'Ergland, rankreicb, Oesterreieb-Ungarri, Bulgarien, Italien, Spanien, dis S Weiz, die Türkei, Rumänien, Grieckpenland, Norwe-Jen, Schiveden usw. Es gibt somit kaum sin Gebiet der _Erde, uber das nicbt Anfragen eingelaufen und be- anthtet drvcire1n.23 21 f

_on en 4" n ragenden, die ihr Alter angaben, waren 197 noch nacht 20 Jahre alt. 934 standen im Altsr zwischen 20 und 30 215 zwischen 30 und 40, 54 zwischen 40 und 50 Jahren, und 25 waren uber 50 Jahre alt. Von den 1570 Fragestellern, die Angaben uber ihren Personepstand machten, waren 11731edig, 383 der- beiratet und 14 verwitwet. Nach dem Berufe waren unter den Anfragenden am starksten die Kaufleute, Handwerker und Landwirte Vertreten. BemerkenSwert itt, daß sich von den Anfraaenden nur 399 als mittellos bezeichneten, wahrend beinahe 1000 zum Teil über recht erhebliche Suuimen Verfügten, z, B. 24 über 10000 .“, 20 über 15000 „zz, 16 uber 20000 „45, 18 über 3000026, 6 über 40000 «46, 10 ubsr 50000 „xs usw. bis zu 500 060 .“ hinauf. '

Von den Anfragen kamen aus Preußen" 1485, und zwar aus Brandenburg mit Berlin 659, aus der Nbeirrrovinz 173, aus der Provinz SZckosen 103, aus Heffen-Naffau 96, aus Schlesien 92, aus Westfalen (6, aus Schleswig-Holstein 64, aus der Provinz Hannover 60, ans Westpreußen 46, aus Pommern 45, aus Oswreußen 36 und aus der Provinz Posen 35. An der Spiße der ubrigen deutschen Staaten steht das Königreick; Sachsen mit 166 An- fragen; kann so_lgen Bayern mix, 113, Hamburg mit 90, Baden mit 64, Wurttemdkrg mit 46, Heffen mit 33, Elsaß-Lotbringm rnit 23, Bremen mit 19, Mecklenburg-Scbwerin mit 15 usw. Aus den deutschen Kolonien kamen 8 Anfragen, aus dem Auslande 129, dation 46 ans Oesterreich-Ungarn, 21 aus der Schweiz, 19 aus En,“,- land, 10 aus Rußland usw. - Die Zentralauskunitssteüe für Auf- warderer erteilt kostenlos schriftliche und mündliche Auskunft.

Zur Arbeiterbewegung.

Aus München wird der .Frkf. Ztg.“ tele rapbiert, daß, nachdem eine Versammlung de_r Schneider und S neiderinnen gestern vorwittag den neuweranderten Tarif angenommen hat, der Ausstand der Damenmaßarbeiter nun beendet ist. (Vgl. Nr. 233 d. Bl.)

Kunst und Wiffenschaft.

Zn Aaiben ist, wie die .Frkf. Zig.“ mitteilt, der vafiklekrer an der dortigen Technischen Hochschule, Geheime Regierungßrat, Pro- feffor Wallner am 6. d_. M. im Alter von 73 Jahren gkt'wrhen. Yoxeffor Dr. Adolf Wyllner habilitiert? fich im Jahre 1855 in

atbnrg, kon'nte also dieies Jahr sein goldenes Jubiläuru al;" HW- scbullebrer feiern. Wiffenschaiten und Akademie.

Cr wqr Mitglied der bisfizen Akademie kk: korreipondierendex Mitglied drr Münchrn

Literatur.

Dantes poetische Werke. Neu Übertrager. Und wir Tri-

ginaltext Versehen'von Richard Zoozmann. 4 Bänkr. Verlag von Herd-r in Freiburg i. V, geb. in Leinwand 15 .“; i: Pngawkn! 28 .F. *Die Herderscbe Verlassbachbandlung dat sicb wit dn H::- auögabe dieskr Dantx-Auszabe ein großes, unbestreitbareé Verdi::iit erworben. Einmal in der Usberieser, Zoozmann, islbi't ein Dtck“:er,- sxme Uebersesung hat daher den groréen Vorzug vor der Mehrzadl drr synit Wrbandenrn _deutscben Dante- ebertragungen, daß ste von roe- tischer Schönheit ist. Zoozmarn hat aber auch die richtige Grenze zivisém dichterisebxr Freiheit und Achtung Vor dem Wortlaute des Origzials wit Geschmack und Takt einzuhalten g-wußt. Schon um dieser Vorzug: willen miiß die neue Uebersetzung aUen Dantefreunden boch will- kommen, sein. Ein besonderer Vorzug ist aber die Gegenüberstellun von Qriginal und Uebrrtragung; ermöglicht doch erst eine Paralle - auSgaoe ein völliges Eindringen in eine fremdsprachige Dichtung und hilft dem gcwiffeybaiten' Leser über etwaige Mängel der Uebersetzung -- und deren gibt es ]; auch in der heften «- hinweg. Daß neben der „Göttlichen Komödie" auch das .Neue Leben' und die „Gedichte' 1268 großen Florentinersin dieser Außgabe Aufnahme gefunden haben, kann gleichfalls nur mit Freude begrüßt werden. Auch die äuß:re Ausstattung des Werks steht durchaus auf der Höhe. _ Bei der erhöhten Aufmerksamkeit, die im naturwiffensckaft- lichen Unterricht der Pftanzenbiologie zugewandt wird, wird ein Buch jedenfalls willkommene Aufnahme finden, das von einem bervvrragenden Botaniker ßeschrieben, ohne große Vorkenntpiffe Vorauszusetzen, den reichen Sto geschickt und übersichtlich gliedert. Diese Vorzüge der- einigt die Schrift .Biologie der Pflanzen“, Schilderungen aus dem anzenleben von dem Profeffor an der Forstakademie in Eisknach Dr. . Migula, das mit 133 Abbildungen nach Photographien und eichnungen und mit 5 Tafeln aussestattet, bei Quelle und Meyer in ipzig eben ers ienen ift (geb. .,“ 8, geb. .“ 8,80). Das Buch behandelt in lebensvoüeM arstellunq die wichtigsten Gebiete der Pfiamenbiologie mit besonderer Berücksichtigung der heimischen Verbältniffe. Wo es irgxnd angängig war, nd die biologiscbxn Verbältniffe der ver- breitetsten oder doch lei t erreichbaren Pflanzen geschildert um ein Zelbständiges Beobachten der Natur zu ermöglichen. Acht Abschnitte ebandeln die Fottpfianzung der Gewächse, die Verbreitung der Pflanzen, ibre spezieUen Schußeinrichtungem ibre Anpassung an Klima und Boden. Den verschiedenen damit zusammenhängenden Pfiamcn esellscbaften in Wald und Feld, Heide und Moor ist das 5. Kapitek gewidmet. Die Biologie der Ernahrung sowie die überaus intereffanten Er- scheinungen des Genoffenschaftslebens zwischen Tanzen und Tieren bilden den Abschluß des prächtig außgesiatteten erkes, das für jeden Naturfreund eine anregende und interesante Lektüre, allen Lehrern und d(?'Ztifitdierenden bald ein bochgcicbäytcs Lebr- und Nachschlagebuch sein ur e.