Marienburg, 9. uni. (W. T. B.) Bei Jonas- dorf besichtigte Ihre ajestät die Kaiserin und Königin das ganze JnundationSgebiet, den neuerbauten Fangdamm und die Dammbauarbeiten, ließ Sich verschiedene durch Ueberschwemmung Heimgesuchte vorstellen und fuhr sodann Fu Wagen nach Altfelde, von wo aus die Weiterreise nach El ing mittelst Extrazugs erfolgte.
Elbing, 9. Juni. (W. T. B.) Ihre Majestät die Kaiserin und Königin und Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Victoria mit GefolgetrafenperExtrazug um 11 Uhr 50 Minuten auf dem festlich geschmückten Bahn of ein. An demselben waren 3200 Schülerinnenber hiesigen8 ädchen- schulen aufgestellt, welche Blumen warfen. Zur Begrüßung Ihrer Majestät waren auf dem Bahnhof erschienen: der General von Lettow, der Landrath Dr.Dippe, der Erste Bürgermeister Elditt, der Geheime Kom1nerzien:Rath Schichau. Der kommandirende General von Kleist, der Ober-Präsident, sowie der Regierungs- Vräsident waren in- dem Zuge mit Ihrer Majestät eingetroffen. Nachdem auf dem Perron Ihrer Majestät, sowie Ihrer Köni : lichen Hoheit der Prinzessin Victoria Bouquets überrei t waren, erfolgte die Einfahrt in die Stadt, welche, aufs Reichste mit Blumen geschmückt, einem großen Garten gleicht. Am Eingange der Stadt war ein prächtiger Triumphbogen an: gebracht, die Straßen waren von einer dichlgedrängten Menschen: menge besetzt, welche Ihre Majestät mit endlosem Jubel empfing. 3900 Schüler, die Kriegervereine, alle Gewerke bildeten Spalier. An der rechten Seite der Straße hatte das Arbeiterpersonal der bekannten Cigarrenfabrik Loeser u. Wolff Aufstellung genommen. In der ganzen Länge standen auf dem erhöhten Trottoir circa 1000 Arbeiterinnen mit weißen Schürzen und ebensolchen hohen. Hauben bekleidet. An den beiden Enden waren die männlichen Arbeiter, Handwerker sowie die Jabrikbeamten aufgestellt. _ Nach einer Ansprache des Ersten
ürgermeisters im Kasinosaal trug die Tochter des Stadt: raths Hänseler ein Gedicht vor, worauf den Hohen Herr- schaften Blumen Überreicht wurden. Alsdann erfolgten die Vorstellungen der Damen des Vaterländischen Frauenvereins, der Herren des Ueberschwemmungsconiiiézs und anderer Herren, die sich um das Rettmigswerk verdient ge: macht haben, der Geistlichkeit, des Magistrats, der Kaufmannschaft und der Vertreter. der Sradtverordneten. Um 121/2 Uhr begab Sich Ihre Majestät zum Geheimen Kommerzien-Rath Schichau und nahm daselbst das Diner ein, an welchem 32 Personen Theil nahmen. Gegenüber "dem Platz Ihrer Majestät befand sich ein großes festlich geschmücktes Bild Sr. MajestätdesKaif-Irs Der Geheime Kommerzien- Rath Schichau _brachte einen begeistert aufgenommenen Toast auf Se. Majestät den Kaiser Friedrich aus, in welchem er die innigsten Wünsche für die baldige Genesung des chisers aussprach. Jhre Majestät die Kaiserin und Königin gedachte mit großer Anerkennung des ebenso reichen wie reizenden Schmuckes der Stadt imd bemerkte, daß Sie namentlich ange11ehm überrascht gewesen sei, so viele sauber Nekleidete Arbeiterinnen in der Aufstellung gesehen zu haben, Um 21/2 Uhr begab Sich Ihre Majestät nach der Turiihalle, wo 300 Ueberschwemmte Unterkunft gefunden haben. Hier wurde Ailerhöchstdieselbe von dem Stadtrath Ziegler Empfangen“, ein kleines Mädchen sagte ein Gedicht her. Nachdem Jhre Majestät unter Füh- rung des Bürgermeisters einen Rundgang durch die Haile gemacht und vielfach den von der Ueberschwemmung Heim- gesuchten Trost zugesprochen hatte, erfolgte unter enthusiasti- schem Jubel der Bevölkerung die Fachrt nach dem Bahnhof, wo Ihre Majestät um 3 Uhr die I)iü reise antrat.
Dirschau, 9. Juni. (W. T. B). Der Kaiserliche Zug ist auf der Rückfahrt Nachmitxags 31/2 Uhr Unter den brau- senden Hochrufen der zahlreich herbeigeftrömten Menge in den hiesigen Bahnhoß eingefahren. Ihre Majestat die Kaiserin _und Königin und Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Victoria verließen als- bald den Saloangen und nahm Erstere die Vor- stellung der Generalität, der Regiments:Commandeure und des Chefs der Marinestation Danzig durch den komman- direnden General, sowie der Spißen der CivilbehördenDanzigs durch den Ober-Vräfidenten entgegen. Außerdem erfolgte die Vorstellung des Ober-Biirgermeisters von Winter, des Landes- Direktors und des Velpliner Bischofs. Der Vorstand des Ysigeu Vaterländischen rauenvereins iiberreichte Ihrer
ajestät ein prachtvolles ouquet. Wegen borgeriickler Zeit wurde der Thee _in dem Wartesaal nicht eingenommen. Unter den Klängen der Nationalhymne erfolgte die Weiterfahrt nach Konitz.
Ißehoe, 7. Juni. (Hamb. Corr.) Unter reger Be: theiligung fand heute die feierliche. Beiseßrmg der in Montreux verstorbeiien Gemahlin des Prinzen Juiius zu SchleSwig-Holstein-Gliicksburg, Gräfin Roest, auf dem
iesigen Friedhof statt. Die Juliengarde, ein aus Zhehder ürgern bestehendes Schüßencorps, hatte Ehrejiwache geteilt und bildete von der KapeÜe bis zum Mausoleum Spalier. Außer dem Prinzen Julius hatten fick) die Geschwister, Prin- essin Loaise, Aebtissin des hiesigen adeligen Klosters, und rinz Johann, welcher zu diesem Behuf aus Kopenhagen eingetroffen war, eingefunden. Prinz ohann verläßt am Sonnabend friih unsere Stadt, während rinz Wilhelm nicht eingetroffen war. ...
Bayern. München, 10. Juni. (W. T. B.) Der Großheréog von Hessen, der Großfürst und die Großfür tin Sergius von Rußland sind zur Besichti-
' 911an der Kunstausstellung hier eingetroffen. Der Großherzog reist morgeii Abend wieder nach Darmstadt zurück, der Groß: fürst und die Großfürstin Sergius reisen nach Berlin weiter.
Baden. B ad en = Bad e n 9. Juni. (Karlsx'. Ztg.) Heute Nacht trafen der G ro H h erz o g und die G ro ß- berzogin _von „M ecklenburg-Schwerin, von Paris kommend, hier em. Der Gro ß herzo g und die Groß- Ze r z o gr 11 besuchten heute Vormittag die mecklenburgischen
_errschaftext. Heute Nachmittag gegen 4 Uhr traf die Grdßsursxm O [ga von Ryß land von Franzensbad Zier em. Die Großherzoglich meckl en urgischen gefearhthih“ af t e n waren der Großfürstin bis Oos entgegen-
)
am Bahnhof und geleitete ,die Gro ürstin in Höchstderen
Abftei equarxter, das Stephamenbad, wo die G ro ß h e rz o gi 11 „Ihre atserliche Hoheit erwartete.
der Gr o ß h erzo g empfin?zf seine Hohe Schwester
Oesterreith-ngarn. Wien, 11. Juni (W. T. B.) Der Kronprinz und die Kronprinzessin sind heute Morgen um 9 Uhr in Vanjaluka (BoSnien) eingetroffen und von den Spißen der Behörden, der Geistlichkeit und den Vertretern der Stadt feierlich empfangen. Ein Vanderium vornehmer Muhamedaner begleitete das hohe Paar bis nach dem Absteigequartier.
Pest, 9. Juni. (W. T. B.) Die österreichische Delegation wählte Smolka zum Präsidenten, welcher in der Ansprache auf die schwierige Aufgabe hinwies, die hoffentlich durch das patriotische Zusammenwirken eine glückliche Lösung finden werde. Redner wies sodann auf die Nothwendigkeit der Schlagfertigkeit der Armee An- gesichts der iiberal] vermehrten Rüstungen hin und betonte im AÜgemeinen den Wunsch nach Erhaltung des Friedens. „Der Begründer des zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschlmid be- stehenden Freundschafts- und Bündniß:Verhältnisses, Kaiser Wil- helm unvergeßlichen und glorreichen Angedenkens, ist gestorben, allein der jetzige hochherzige und menicbenfreundliche Kaiser, dem Gott vonommene Genesung gebe (VeifaÜ),' ist von dem- selben Geiste beseelt und wir wissen, daß das Freundschafts- und Bundeswrhältniß unerschüttert fortbesteht, als werthvollste und sicherste Gewähr einer langen Erhaltung des Friedens.“ Die Hoffnung auf eine längere Erhaltung des Friedens werde durch die Ueberzeugung gestärkt, daß der Kaiser von Oester- reich alles Mögliche aufbielen werde, um Oesterreich dieser Wohlthat iheilhaftig werden zu lassen. Der Präsident brachte hierauf ein dreimaliges begeistert aufgenommenes Hoch auf den Kaiser aus. Zum Vize:Präsidenten wurde Hauswirth gewählt.
Die ungarische Delegation wählte den Grafen Tisza zum Präsidenten. Terselbe betonte, der Patriotismus werde die Grenze zu finden wissen zwischen der Prengebung der Entwickelung der Heeresmacht und der Ueberschiißung der materiellen Kraft der Nation. In der gegenwärtigen Situation bilde das Friedensbiindnis; der Mächte den eiiizigen Ruhe- punkt. Die mnsichiige und vorsichtige Politik Oesterreich- Ungarns woÜe den Angriff und die Konflikte vermeiden, dochseienFVertheidigungsmaßnahmeii nothwendig. Jene würden sich tiichhen, die aus den einzelnen vorgekommenen Jncidenz: fälien 1chließen wollten, daß die Monarchie im gegebenen Falle nicht fähig fei, ihreganze Kraft harmonisch zu entfalten, „dennHarmonie herrschizwischen “uns in unverhxiichlicher Treue fiir den Monarchen und im Gefühle der Pflicht fiir die Er- haltung des Staats.“
_ 10. Jurij. (W. T. V.) Bei dem Empfang der Dele ationen durch den Kaiser betonten die Präsidenten dersel en die Bereitwilligkeit der Delegationen, die: für die Sicherheit und Machtsteüung der Monarchie unausweichlich erforderlichen Mittel zu bewilligen. Graf Tiszasagte: „Wenn auch der “0011 uns gepflegte Friede bisher erhalten blieb und die aliseitigen Beziehungen ungetrübt sind, so können wir aus doch nicht vor der Erkenntnis; verschließen, daß wir inmitten hohe Wogen werfender, divergirender Bestrebungen stehen und deshalb stark sein müssen.“
In der yon dem Präsidenten der österreichischen Dele- gation Smolka gehaltenen Ansprache an den Kaiser heißt es: „Kaiser Wilhelm, der Mitbegründer des zwischen Deutsch- land und Oesterreich:Ungarn geschlossenen Freundschafts- und Bündnißverhältniffes, ist zwar zu unierem größten Leidwesen vor kurzer Zeit in ein besseres Jenseits eiiigegangen, aber der jetzige erhabene, hocbherzige, menschensreund1iche Träger der Deutschen Kaiserkrone, welchen der LliTmächtige mit vollkmnmener Genesung begnaden woile, isi von demselben edlen Geiste wie sein verewigter Vater beseelt, und wir wissen es:_Vesagte_s Freundschafts: und Vündnißverhältniß besteht auirecht, besteht als ein unzerreißbares, bestehtals wertthUste, als zuverlässigste Bürgschaft fiir den Frieden wohl noch durch lange Zeit und da, wie selbst Uneingeweihten erkennbar sein kann, ,unyere Beziehungen zu den iibrigen Mächten auchfr-rund: liche smd, können wir uns wohl der frohenHoffnUng hingeben, daß die Wohlthat des Friedens uns noch durch längere Zeit werde erhalten bleiben.“
'Auf die Ansprachen der Präsidenten beider Delegationen erw1derte der Kaiser: „Der Ausdruck Ihrer tremri Ge- sinnungen gereicht Mir ur herzlichen Befriedigung. In den wenigen Monaten, seit .ch Sie um Mich verfammesc sah, “ist eine wesentliche Veränderung in der politischen Lage nicht ein- getreten. Der Hingang Sr. Majestät des Deutscheii Kaisers Wilhelm, Meines langjährigen Freundes und Verbündeten hci“: Mich tief betrübt. Es erfüÜt Mich mit Beruhigung, daß die nichr minder in_nigen Beziehungen, die Mich mit Sr. Majestät dem Kaiier Friedrich verbinden, dem zwischen den Nachbarreichen bestehenden Freundschafts- und Friedens- bu.nde aufs Vollkommenste entsprechen. Die Béziehungen der Monarchie zu den auswärtigen Mächten tragen fort: wiihrend emen durchaus freundschaftlichen Charciékier, auch sind Europa die Segmingen des Friedens erhalten geblieben. Wenn trqßdem Meine Regierung gezwungen ist, in ihrer pflichtmäßigeii Sorge Für die Sicherung unserer Grenzen und die Förderung un erer Wehrkraft bedeutende Kredite in Anjyruch zu nehmen, so liegt der Grund hiervon haupt: sächiich in der fortwährenden Unsicherheit der politischen Lage Europas und in der unaUSgeießtewSteigerung der Militärmacht und Schlagfertigkeit aller anderen. Staaten. Indem anch .Oeiterreich-Ungarn seine Entschloffeiiheit zeigt, mit ebenbürtigen Kräften und traditionellem Patriotismus fiir die Verrhetdigung seiner Interessen und jener des alige- meinen Friedens einzustehen, erfülit es eine erhabene Pflicht und wird es ihm, 10 Gott wil], auch fernerhin gelingen etwa drohende (Gefahren zu bannen. Im Hinblick auf diese Ver- hältnisse 1äl1t Meiner Kriegßverwaltung die Aufgabe zu, in dem_ Werke der Vervollständigung und Erweite- rung umerer militärischen Stellung und Schlagfertigkeit nicht zuriickzubleiben. Bei gewissenhafter Priifung; der bezüg- 17'„chen Vorlagen Meines Kriegs:Ministers wird es Ihnen nicht entgehen, daß dieselben mit thunlichster Rücksicht auf die ftnaYielle Lage der Monarchie abgefaßt sind. Die AuSgaben der erwaltung VoZUiens und der Herzegowina werden auch in diesem Ja re in den eigenen Einnahmen dieser Länder ihre volle De ring finden. Ueberzeugt, daß Sie Ihrer Auf- Zabe volle Einsicht ,und Hingebung entgegenbringen, wünsche
ch Ihrer Thätigkeit gedeihlichen Erfolg und heiße Sie von Herzen wiÜkommen.“
Großbritannien und Irland. London, 9. Juni. (A.C.) Die Verhandlungen im Oberhause waren ohne allgemeines Interesse.
' Das Unterhaus hielt zwei Sitzungen. In der Nach- nuttggssißqu, weiche aUSUahmsweise um 2 Uhr begann, wurde die Einzelberathung der ministeriellen Lokalderwaltungs-
vorlage fortÉese t. Artikel 1, welcher verfügt, daß ein Rath in jeder raf anft , bestehend aus einem Vorsitzenden und mehreren äthen, gebildet und mit der Erledi- gun der Verwaltungs- und Finanzgeschäfte der Graf- schaizt betraut werden soll, wurde nach zweistündiger Debatte in unveränderter assung angenommen, nach- dem der Präsident des Loka :RegierungSamt, Ritchie, in Uebereinstimmun mit dem von dem liberalen Unionisten Sir Henry James ge tellten Verlangen, die Zusage gemacht, daß Artikel “0 der Vorlage dahin ergänzt werden würde, daß jeder Flecken mit 50000 Einwohnern eine Grafschaft bilden 1oll. Anläßlich des Artikels 2, welcher die Zusammenseßung, und Erwählung der GrafschaftSräthe behandelt, wurde ein von dem Gladstonianer Seale-Hayne beantragtes Amendement an- genommen, demzufolge Geistliche als GrafschaftSräthe wählbar sein sollen. Die weitere Verathung des Artikels wurde um 7 [11er Abends vertagt. Aus der Abendsitzung ist nichts hervor- zU)e en.
Dublin, 10. Juni. (W. T. B.) Oberst King- Harman, Unter- Staatssekretär für Irland, ist heute friih gestorben.
Frankreich. Paris, 9. Juni. (W.T.V.) Präsident Carnot nahm eine Einladung der Stadt Vizille auf den 21. Juli zur Feier des Jahrestags der Revolution in der Dauphinée im Jahre 1788 cm.
Die Finanzkommission des Senats beschloß nahezu einstimmig, den Antrag des Finanz-Ministers Veytral, nach welchem das Finanzjahr künftig mit dem 1.JU[i beginnen soll, abzulehnen.
_ (Köln. Ztg.) Die Deputirtenkammer verhandelte heUte iiber den Kredit von 16500 Z'r. fiir den Unier- Staatsiekreiär im Ministerium des «;nnern. Baraille sprach gegen die Bewilligung. Floquet aber erklärte, es sei ihm unmöglich, die Arbeit eines Conseil:Präsideuten und Ministers des Innern ohne Unter-Siaatssekretär zu bewältigen; werde ihm der Kredit nicht bewiliigt, so sei er bereit, zurück- zutreten. Die Bewilligung des Kredits erfolgte hierauf mit 342 gegen 131 Stimmen.
Der Vevisionsausschuß der Deputirtenkammer ZZ? sth () gegen 4 Stimmen folgende TageSordnung be-
0 en:
„In der Erwägung, daß die Revision unumgänglich und das; nur durch ein Einvernehmen mit der Regierung die Erreicbunq des vor- gesteciten Zieles möglich erscheint; in Anerkennung der Zusage des Miiristeri-nms, die Rebifiou entireder “vor Ende dieses Jahres oder bor Schluß, der jetzigen Legisiainrperiode zu beantragen; iti der Ueber- zeugung, daß die Regierung dem Wunsebe des Ausschusses gemäß sich bemühen wird, so rasch wie möglich das Ziel zu erreichen, und endlich Mit dem Vorbehalt, die eingebrachten Anträge zu prüfen _ vertagt der Ansichuf; sich bis zum näcbftc'n 25. Oktober.“
_ 10, Juni. (W. T. V. Bei dem gestern zur Feier des 100. Jahrestags der ievolution in der Dan:- phinee startgehabten Banket erwiderte der Präsident der Republik, Carnot, den Toast Casimir Perier's und feierte die Verläufer der Revvlution in der Dauphinée als Männer„ welche die Konstituirung der modernen Gesellschaft vorbereitet und durchgesth hätten, daß die Prinzipien des gegenwärtigen nationalen Rechts triumphirten; aus dieser geschichtlichen Studie müßte Beruhigung und Versöhnung der Gemüiher, Einigkeit und Hingebung hervorgehen, um die Errungen- schaiten von 1789, welche ein alien Franzosen gemeinsames» Gebiet seien, zu erhalten.
Rußland-und Polen. St. Petersburg, 1.0. Juni. (253- T. V.) Nach der „ ieuen Zeit“ hat der Reichsrath das Gesetz iiber die LandeSpolizei in den baltischen, Provinzen, wie es im Ministerium des Innern aus- gearbeiiet worden, mit wenigen Aenderungen ange- Udmmen. Tas Grieß, welches wahrscheinlich erst mit dem 1. Januar 1889 in Kraft treten diirfte, läßt den Grundbesihern nur untergeordnete Polizeibefugniffe.
„Italien. Rom, 9. Juni. (W. T. B.) In der De- Zutirtenkamzner beantragt bei Berathung des Strafgefeßes- deScalchi die Weglassung der Bestimmungen, nach welchen Prieixer anders behandelt werden, als Laien, zog aber diesen Antrag zuriick, nachdem der Justiz:?)iinister sich gegen denselben ausgesprock)en hatte. Das ganze Strafgeseiz wurde in geheimer Abstimmung mit 245 gegen 67 Stimmen an- genommen.
_ 11. Juni. (W. T. B.) Der König, die. Königin Und der Kronprinz sind gestern Abend nach Bologna ab- aereiit, um der Feier des 8001ährigen BestLhSUs der dortigeii Universität beizuwohnen.
Der Minister:Präsident Crisyi hat sich nach Neapel begeben, wo derselbe bis Mittwoch zu bleiben gedenkt.
Schweden und Norivegen. Stockholm, 8. Juni. Auf die Meldung des 'iiliindischen Senats, daß die Grenzen zwischen Schweden und ? itiland auf mehreren StelLen undeutlich- 1eien, hat die russische Regierung durch ihrenhiesigen Gesandten, erklären [assemdaß sie die Ansicht des finländischen Senats wegen der Nothwendigkeit eiiier deutlichen Markirung der Reichs- g-renze zwiichen den beiden Ländern vollkommen theile und deshalb eme Untersuchung der Grenze von der Mündung des Tornexiflusses in die Bottnische Bucht bis zur Grenze gegen Norwegen für angebracht erachte. Die hiesige Regierung hat sich damit einverstandenerklärt, und soÜ nun in der ersten Hälfte des nächsten Monats eine Begehung der. Grenze statt- finden. _ Die Kronprinkzesfin wird am 8. Juli „von Franzensbad nach hier zuriick ehren.
Afrika. Egypten. Alexandria, 10. Juni. (WTB) Kelegranim des „Reuter'schen Bureaus“.) Das neue inisterium ist folgendermaßen gebildet: Riaz, Präsi- inanzen; Fazri Justiz; Mustapha
dium, Inneres und _ mar Hutft Krieg; Zekibez Bauten;
Fehmi Auswärtiges; Hiri Mubarek Unterricht.
Zeitungsstimmen.
„Aus London, 4. Juni, schreibt man der „Vossischen Zeitung“:
Der Vorstand der_ „Gesellschaft zur Unterstühung nothleidender Ausländer“ eriät soeben eine öffentliche Warnung gegen die Aus- wanderung nach ngland. Er vernicist auf die wesentlich ungünstigere Gestaltung der Verhältnisse im ganzen Wirthschaftslcben dieses Landes und auf den schweren Kampf, den in Folge dessen namentlich der neu eingewanderte _Fremdling hier um? sem Dasein zu fiihren hai. Die HülssgescUschaften, auf die man sich aUzu icbc verlasse, ständen der von Jahr zu Jahr wachsenden Noth mehr und mehr machtlos gegenüber und
nur ein kleiner Theil der erhobenen Ansprüche .könnte notbdürftig be- friedigt werken. Frisch Zugereisten könne dabei nur m,den seltensten Fällen eine Untertühuna „gewahrt werden, weshalb die Gesellschaft es als ihre heiligste Pflicht betrachte, dem ausqudcrun slustigen deutschen Landsmann kie_Mahnung zuzurixfen': „Bleib' zm end und nähr' dich redlicblf Es is? nur zu gerechxsertigt, ircnn die GeieÜschaft es einen unverzeihlichen Leichtsinn nennt, nn Vertragen auf die Unter- stüyungsgescüschasten :mttellos und ohne vorher gesicherte Steile nach London resp England zu kommen. Wer diese Warnuna nicht beachxet, der wird sich nicht beklagen dürfen, wenn er die großeZabl thatkrafttqer, aber hungernder und leidender Ausländer um einen, vernxebrt hat. Ueber alle Maßen ungünstig ist es zur Zeit hier für imitxllo1edeutsche Commis. Kellner müssen, wenn sie nicht dem Elend verfallen wogen, der Landessprache kundig sein, wenn sie herkommen. Der_deutickie Lehrer hat selbst im „günstigen“ Falle wenig Ausneht, hier mehr als ein kümmerlichcs Daiein zu fristen_; „eine Ausnahme nmÖt allenfalls der Ur Englischen machtige Musiklehrer. Schr ungünstig steht es um alie Arten , des Handwerks, besonders für Buchdrycker, Lithographeu, Barbiere, Schuhmacher, Schreiber, Tischler u. 1. w. Die Tischler habenbier gute Zeiten verlebt, aber die sind vorüber. Geübte Sck)neider_sind_en im Westend zeichise sebr lohnende Arbeit, indessen aber nur zeitiveiseiden-größten Theil des Jahres sind sie beschäftigunzslos. Ja der guten Zeit ,be- trägt der Lohn der Schneiker fiir eine normale Arbeitswvcbe nicht mehr als 2 Pfd. Sterk; diejenigen, Welche mehr verdienen (auß- :iahmsweise bis zu 6 Pfd. Stekl. die Woche), arbeiten im Akkord 16, 17 bis 18 Stunden täglich. Aber das ist in der Regel nur fiir wenige Wochen, denen kann meist Mondte des Arbeitsniangcis folgen, _wah'rc'nd welchcr fie froh sein naiisien, dann i_md Wann einnmzil fiir cimge Stunden Beschäftigung zu erhalten., Infolge des bestandig waibsende'n Mitbewerbes von Saiten neu ankommender Landsleute arbeitcnbte Bäckergebiilfen übermäßig lange unb gegen geringe Bezahlung; biele von ihnen sind brotlos. An Schlrsserri, wie überhaupt an (Eisen- arbeitern ist ebenfalls Uebeifluß vorhanden. Dasselbe gili pxon den Cigarrenmachern. Kdrzum, wohin man auch Wauen mag, UZ keine Berufsart, in welcher es eine Nachfrage zu befriedigen gäbe; uberall ein übergroßes, die Arbeitsbedingungen Verschlechtexndes Angebot vbn Beschäftigung suchenden „Händen“. Und wie in London, so 111 es in England überhaupt.
_ Indem die „Berliner Poirtischezi Nachrichten“ die Erfolge besprechen, welche die 1eßre Legislaturperiodedes Königreichs Ungarn auf _dem Gebiete dringend nothwendiger finanzieller Reformen gezeitigt hat, heben, sie hervor, w1e be- deutsam für dieses giinstige Er ebniß die Verlängerung der Wahlperioden gewesen. ist. Sie ?chreiben: ,
In Ungarn rechtfertigte die erste Skiswn des fiiiifjährigeiiRc1chs- tages, Welche am 5. Juni zu Ende ging, alle Hoffnungen, dre, an die Verlängerung der MandatSkaher geknüpft worden smd. Die Ver- handlungen waren schon in dieser ersten Sessikn frei von der) Wahl- nachwehen, Welche in friiherer Zeit in den_ ersten Reichstags- abschnitic-n die Arbeitskraft" n:)ck) unicrbunren hielten. Das BeWußisein, daß der Wablakt_ auf fünf Jahre hinaus ab- geschlossen ist, gab dem Parlament die Kraft "zu reiiheren Schöpfungen und die nötbige Ruhe, aiie Erwagungen ,und Fragen ohne Voreingenowmcnheii, (Ms " ihren rein sachlichen Inhalt zicibewußt zu priifen. Fiir die r*.achstcn Verbandkungßxahre ist dies ein günstiges Vorzeichen, welches 111cht hoch genug veranschiagt werden kann. Die nächsten Parlanienisseisibnen sdUen die finanzielle Sanirung Ungarns bringen; man kennt das Finanzprogramm Tisza's in seinen Grundzügen und zweifelt an der Durchfiihrung dieses Pro- gramms nicht, sofern der Reichstag die, Unerla'ßlicbe Ruhe und Muße haben wird, die seiner noch barrenden Reformarbciien _ zu bewältigen. Die erste iiberaus wichtige Etappe zum Ziel der _finaiizieüen Genesung ist schon erreicht. Die Votirung einiger Konsnmiteuercrhöhungen, so bei Wein, Fleisch und Bier, "war die bahnbrechende That, der die Er- höhung des Tabackgefälles auf dem Fuße fblgte. Das lehtere aÜein ergiebt dcm Staatssckxaß schon in allrrriäcbster Zeit eine Jahres- mehreimiahme V1." über fünf MiUiNien Gulden. Alle diese neuen Opfer wurden vom Reichstage ohne erhebliche Kämpfe bewiiiigt, Weil. fich Niemand der Erkenntniß zu verschließen berniochte, daß das Finanzprogramm, welches Tisza . in seiner voriäbrigen Grohivsrdeincr Rede verkündete und Welches in der reicheren Ausiiiitzitng der indirekten Steirern besteht, gieichwie bei uns in Deutschland ein ebenso gerechtes uls ersprießlichcs Mittel zur .Hersteiiung dcs Gleickxgcwicbts. im Staatshaushalt ist Mit dechwiÜigung der Spiritussieuer haben die Finanzgesehe in diesem Jabre ihren Höhepunkt erreicht. Die wirthsckwitliche Tragweite des 1c_hon im kommenden Herbst einzuführenden neuen Spiritussteuergesches laßt sich im Vorhinein kaum zifferniäßig bemessen, viel 1eichter hin- gegen läßt sich das finanzielle Ergebnis; desselben aniiäberungsweise feststelien. Und man kann ohne Uebertrcibung sagen, daß die Mehr- einnahmen aus der Spiritussieuer das ordentliche Defizit im Budget mehr noch als aufwiegen werden, Wirthschastiich brirackUet, beugt das „neue Branntweinsieriergesei eincr wenig erfreulichen Uebcrpro- duktion gerade in einem z.:anpt-Jndusiriczwrige ror.
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteo- rologie. Organ des Hydrographischen Amts und der Deutschen Seewarte. Herausgegeben von dem Hydrographischen Amt der Admualität. Sechzehnter Jahrgang. 1888. Heft 17. _ Inhalt: Der Einfiuß der Sonne und des Mondes auf den Erdmagnetismus, den Luftdruck und die Luftelektrtzität. Von Dr, P. Andrics. _ Zur Hydrographie der Ostküste von Afrika südlich “oon Zanzibar. (NW dem Bcricht S, M. Kr. .Möwe“, , Kommandant Korb.-Kapt. Boeters.) _ Aus dem Reisebericht dcs Kapt. F. Niejahr, Fübrer der deutschen Bark „,I. F. Pust“. Einige Bemerkungen über den Hafen von Peterbcad. Trinidad in Westindien. (D. S.) _ Reise der deutschen Brigg „Albert Reimann“, Kapt.. C. b. d. Heyden, von PM Natal nack) Makaffar in der Zeit vom 16. April bis 22. Juni ]YZ . (D. S.) _ Aus dem Reisebericht des Kapt. P. Reißenftein, Fuhrer des deutschen Vollschiffs „Salisbury“. Durchsegclung der SÜWJL Le Maire. Beruhigung der Wellen durch AnWendung von
hren; Zodiakallicht. Bemerkungen über Panama. Port Townsend. (D. LO.) _ Aus dem Reisebericht des Kapt. B. Rehberg, 2Führer dsr deutschen Bark „Van den Bergh“. Beschreibung zweier affor- bosen., Ansegelung von Nusa. Namu- (Pleasant-) Insel. (D. S.) ** c',.„siefsee-Lothungen im südatlantischen Ozean. _ Geographisckye
Osittohsbestimmungen in 'der Japanischen Binnenlands-See. _ Ykexielxahrs-Wetierrundschau der deutschen. SecWarte an der Hand der xggltchen synoptiicben Wetterkarten für den nordatlantischen Ozean. Sommer 1884. Mit 2 Tafeln.. _ Kleine Notizen. _ Tabellen. _
Karteixbeilagen. Eisenbahn-Verordnungs-Blatt. Nr. 15. _ Inhalt:
Geseb, betreffend die Ausübung des dem Staat zustehenden Stimm- rechts bei dem Anfrage wegen _Aufnahme einer weiteren Prioritäts- Anlkkbe der Westholsteinischen insenbahn-GeseilWaft. Vom 23. Mai 1888,- ((H.-S.S117.) - Erlasse des Ministers der öffentlichen Zirbetien': Vom 26. Mai 1888, betreffend Uebertragnng des Baues ser Tbetlstrecke Meine_Bahnhe-f Gifhorn der Eisenbahn von Braun- an'etß nach Gifhorn an das Königlicbe Eisenbahn-BetriebSamt Berlm-Lehrte) zu Berlin. _ Vom 28. Mai 1888, betreffend Ver- 1alten des Dienstversonals gegen das Publikum 2c. _ Vom 31. Mai NZZ, betreffend Verlegung der GeschäftSräume der Königlichen kaoem1e des Bauwesens, des Königlichen technischen Ober- rüfungs- Mxéickxtowte des Königlichen technischen PrüfungSamts in crlin. _ en.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Unter den Hohenzollern. Denkwürdiakeiten aus dem Leben des Generals Oldwig von Naßmer. Allen deutschen Pa- trioten gewidmet von Gneomar Ernst von Na mer. Aus der Zeit Friedrich Wilbelm's 111. 1. und 2 Theil: 18. _1832 und 1832_ 1839. Aus der Zeit Friedrich Wilhelm's 17. 1. Theil: 1840_1848. Gotha, Friedr. Andr. Peithes, 1888. (Preis: S. 6 e“:). _ Oldwig von Naßmcr, geboren 18. April 1782, zu Vellin in Pommern, ge- storben auf seinem Gut in Niederschlesien am 1. November 1861, war einer unserer bedeutendsten, sowohl im praktischen K*ienst. als durch wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnetsten (Generale, auf dessen Einfluß manche der wichtigsten neueren militärischen Organisationen zurückzuführen find. Was aber "diesem bedeutur-igsikbüen Leben einen besonderen Schmuck, eine bevor- zugte Stellung und ein außergewöhnliches Interesse verleiht, das sind die nahen und zum Theil intimen Beziehungen,_ in welchen der ver- ewigte General zu unserm erhabenen Königsbauie, zunächit zu König Friedrich Wilhelm 111. und ganz insonderheit zu Kaiser Wilhelm ]., der ihn „seinen treuen, bewährten Und unvergeßlichen Freund“ nannte, gestanden bat. Nachdem bereits 1876 Mittheilungen unter dem Titel: „Aus dem Leben des Generals Oldwia von Nahmer (Berlin, Mittler) ericbiencn waren, welche mit dem Jahre 1820 abschließen, werden die Denkwiirdigkeiten jeyt zunächst bis zum Jahre 1848 fortgeführt. Eine Fülle des geschichtlich und militärisch be- deutsamsten Materials, Verbunden mit den detaiÜirtesten Mit- ibeilungen Persönlicher und familiärer Natur, breitet sick) vor uns aus, so dk.!ß der Einblick in die feinsten Ziisamnienhänge der Er- eignisse ermöglicht wird. Hierzu tragen besonders die reichen Auszüge aus den Correspondenzcn hoher und höchster Personen bei. Daß der Verfasser die unumgängliÖe Diskretion bewahrt, ist selbst- bersiändlich. Er selbst“ spricht sick) in der Vorrede iiber die Modali- täten aus, unter deiicn er das bezüglicbe Material benuyt hat. Die Beilagen sind in roiitischer und militäri*"ck)er Beziehung von hohem Werth. Durch das angehänßte Personenregister wird der Gebrauch des Buchs "schr erleicbfert. Dcr icht erschienene Band (117 1) ist be: sonders interessant, weil er die Zeit König Friedrich Wilhelm's 11T, insonderheit 'das Jahr 1848 behandeii.
_ Geschichte des römischen Kaiserreichs bon der Schlacht bei Actium nnd der Eroberung Eghytens bis ziim Em- bruck) der Barbaren von Victor Duruy. Ueberseht von „Pro- fessor 1)r, Gustav Hertzberg. Mit ca. 2000 Jüustratibnen. 75._77. Heft ck 80 „z. Verlag von Schmidt u. Günther in Leipzig. _ Diese drei Lieferungen ciiihaiten folgende Abschnitte: Gordian 111. Kaisrr Philippus. Verfall der Industrie, des Verkehrs und der Künste. Enivöikerung des Reichs. Kaiser Decirs. DwGothen imd die Christen. Verwüstungen rer Barbaren, im RS1chL-_ Kaiser Valerian. Neue Versclgung der Christen 'Die Welt derBai'baren. Die römische Armee. Die Verwaitur-g. _ Nicht_wemger als 72 Illu- strationen meisterhaft ausgeführt zieren diese Lieferungen,
_ Die Europäisirunq Riihlands. Layd uiid Volk. Von A. Brückner. Gotha, Friedr. Andr. Peribes. „( reis: 10 5-6) _ Das neueste Werk 511. Brüoner's (in Dorpat) wei )t “;;n Fbrm, ana1t und Ergebnissen nicbt iiiiircicntiich von_ der herkbmrxilickyen Geschicbisliieratur ab. Statt, wie dicies gewbhxiiich 311 geicheben Pflegt, Begebenheiten der briiriicben G_e1chichte in ihrem QMM!) Verlaufe zu erzählen, stellt der Verfaßer. indem er den Eiiifliiß des höher kultibirten Westens auf Rußland" 111 den _[eßtin zwei bis drei Jahrhunrerten dnrsteiien will, langere Tb.].iigckU'ii- reihen zusammen, verfolgt dieselben diirch größere * Zeitranmc, iiberscbaut die Entwickelung. der rrissiscben Verhaltxiiiie, Wenn man sich so aubdriicken darf, (»I der Vogelperspektive und gela_:_;gt auf diesem Wege zu exakten Resnltaten iiber den von den Ruiien zuriickgelcgten Weg. Zu den wichiigsien Ergebiiisieii dcr Forschmggrn Bks gehört, dafi die Reformen, welcbe gewöhnlich sait" a11§1ch112ß11ch Peter dem Großen ziigesihrieben werden, bereiis viel friiher [)?JOJULU, daß aÜe Regierungen Wi! und nach Peter (111 dem Bestreben, Rußlmid dem WZÜUWVÜisÖLn Einfluß auszusetzen, Theil__nahmen _und das; em solcher Prozeß der Exnobäisirurg des mdskowifiirher) Reichs, welches friiher einen afiatischen Charakier h(xite, iich u:?dbhangtg Von dem WWW Einzelner habe voiiiixben müssen. DieZahl der benutzten Queilenwcrke beläuft sicb aiif mehrere Hundert. Die Zuiainmeniaffung der Ergebgiffe der Einzelforscbung rerleiht dem neuen Werk eine ipeiifisch 'WMM- schaftliche Bedeutung, zumal ron aiier Tendenz oder Polennk, von publizistischer Behandlung dcs Stoffes abgesehen Wild.. Das Birch isi trotz des sehr großen gelehrten Apparates jedem Gebildetcn [eichi verständlich und gut '.Äesbar. Am Schluß desselben Werden weitere Darstellungen der (Europäifirrng des Hoch und der priitiirhen Institutionen, des geistigen, ästhetischen und sittlichen Lebens in Rhiz- land in Aussichi gestellt. _ _ -.
_ „Naturgeschichte des Berliners“ niit bemmdexrr Bc- zugnabme auf diejenixie aiiderer Refidenzier (Dresdener _ Munchener _ Wiener1bon Or. Adolph Kobüt. Berliii, Hermann L*ÜZJTUÖ Verlag, 1888. (Preis 1 „;O) _ Cine rcrzleichende „'Nätlii'g01ch1,chke des Berliners“ mit besonderer Bezugnahme auf diejenige der ubrigen deutschen Rcfidenzier, Dresdener, Münchener und Wikiiér, hat es, jroß der nmffcnhafien Literatur über Berlin, bisher11ichtgegcberx. Die Vorliegende Schrift des Dr. Adolph Kohüt, der (1116 die 4 Merry- polen genau kennt und gründlich studirt hai, zeichner sich duroh 1charse Beobachtungsgabe, gesunden Humor Und Unparteilichkeit aus und ist ein ebenso (integendes wie unterhaltendes Büchlein.
Land- und Forstwirthschaft.
Saatenstandsberichte aus Bayern. Das Königliche statistische Bureau berbsfentliéot den Saatenstqnd iür_den Mondi Mai. Ob erbahern. Getreidcsiebt in den meisten Bezirken ziemlich gut. Die Wiesen haben, je nach Boden, Mittel oder „schlecht angeie t. Die gehegten Erwartungen des Vormonats gingen leider nicht in 1:- füliang, statt des ergiebigen warmen Regens, der zur Beflockung drs Wintergetreides erforderlich geireien wäre, war. _das Weiter meist trocken. che steht gut, mußte alTerdings in einigen Bezirken uw- gepfliigt Werden. Hopfen ist in der Entwickelung “noch Mei.“ fach zurück und hatte durch Ungeziefer“ 5." leiden. ' Jm Gegensah zu diesen nicht besonders gunsttgen Narbrxchtcg schreiben die Bezirke Tölz, Miesbach, Tegernsee und Prien, da;; die Aussichten sehr günstige seien, Vorzüglich Prien betont, die Yus- sichten auf gute Ernte. Obit steht heuer sehr gut und hat 'die Blutho- zeit gut überstanden. Ingolstadt befürchtet Futternoth.'KariLffel gui. Alies wartet auf Regen. Niederbayern. Winterweizen, «„immer- roggen und Hafer stehen gut, ebenso Klee. Wiizterroggen gut. Die Saaten stehen im Allgemeinen befriedigend, es ware jedoch aquiebrger Regen sehr erwünscht, und dürfte derselbefitr Klee, ck„Y)cifer, Sommer- korn und Wiesen bald komnwn. Hopfen ist gut, do noch Ziwas zu.- rück. Kartoffeln gehen erst auf. Der Bezirk Grafenau berichtet von einem starken Gewitter am 20. Mai, in Folge dessen 'e1"11 'Tbkll des Bezirks durch Hagelschlag und Ueberschwemmung sehr geichadtgt wurde:. Pfalz. Winterrveizen iind Winterspelz gut, wegewRegenmaz'igels zuriick, Winterroggen, zwiichen gut und Mittelmäßig, beginnnt zu bluhen, durch anhaltende Trockenheit kurz im Stroh und etwas dunner Stand. Sommergerste und Hafer gut, hat Regen dringend nöihtg. _Kgrtoffeln sehr gut, gehen gut auf. Klee zwischen gut und mrttelmaßrg, alter ziemlich gut, junger giebt wenig Futter. Wiesenxrster Schmit aur. Wein gut, aber noch weit in der Entwickelung zuruck, ebenso Hopfen. Oberpfalz. Winterweizen zwischen gut und mitleimaßtg, ebenso Winterroggen und Klee. Die anhaltende Treckenbcit hat auf alie Feldfrüchte schlimmen Einfluß geübt. Die Wintersaaten' sieben mrt wenigen AuSnahmen sehr mittelmäßig, besonders Roggen. Die Sommer- saaten find ungleich und theilweise mangelhaft aufge augen., Wasser- wiesen sind gut, Trockene Wiesen schlecht, Es beteht leider schon Futternoth, da die Vorräthe aufgezehrt smd, neues Futter aber nicht genügend oder gar nicht vorhandenist. Cs geben daher aueh die Viel)- preise zurück. Hopfen wächst gut, kann noch besser werden. Die Obst- bäume Versprechen reichen Ertrag, nur sind die Raupexi ziz fürchten. Kartoffeln versprechen Ertrag. Oberfranken. Die im ganzien
Monat in nahezu allen Bezirken herrschende Trockenheit mit kalten Nächten hat die Entwickelung der Wintersaaten vielfach gehindert, und fie stehen meist dünn und mager da. Aus gleichem Grunde ist 'das Auslaufen der Sommersaat ein diirftiges. und wenn Uicbk in kürzeiter Zeit ein durchweichender Regen kommt, find die Ausiicksten auf eine gute Getreide- und Futterernte sebr fraglich. Kartoffeln noch weit zurück. Klee zeigt schlechten Stand, wird theilweise umgeackert. Hopfen sebr gut, "doch kann ein bestimmtes Urtbeil noch nicht abgegeben werden. Einzelne Bezirke berichten von starkem Reif in der Nacht chm 27. auf 28. Mai, der viel schadete. Mittelfranken. Wintergetreide steht meist ziemlich gut. Die trockene Witterung berichten Wochen hatdie Entrvickclung der Wintersaaten nicht gerade begünstigt. Sommer- saaten gingen nur Anfangs ungleich aui, diirften aber, wenn nicht bald warme Regen kommen, dünn bleiben. Trockene Wiesen leiden eben- falls, daher meist schlechte Aussicht auf Futtererträgniß. Kartoffeln sind meist gut, ebenso der Hopsen. Mäuiefraf; vorhanden. Aus Unterfranken fehlt der Bericht. Schwaben. Die durch Mäusefraß, ungünstige Winter- und Frühjabrswiiterung ichwer ge- schädigte Wintersaat konnte sich in diesem Monat nicht ganz erholen, und mußten viele Bestände umgeackert werden. Auch die Sommer- saaten und die Wiesen sind zurück und lassen kein besonderes Ernte- crgebniß hoffen. Obst steht noch gut. Wiesen je nach Lage gut oder mittelmäßig.
_ Zeitschrift für Forst- und Jagdweien.(Ver1in.Ver1ag von Julius Springer) 6. Heft. _ anglt: Abbandiungen: Ueber pbänologiscbe Beobachtungen. Nach Profesior 131“. Müttricb. _ Zur Besteuerung des Waldes. Von Dr, W. Suden. _ Der Rcin- ertrag des NachhaitsWaldes. _ Rückblick und Bemerknngen_ zur Praxis der Einsteuerung. _ Ueber die Züchtung der L_ärcbe 0111" ge- raden SchaftwuÖS. Ein Beitrag zur Hoizzucht von Foriirath Kröm- melbein in Varel a. F. (Oldenburg). _ Statistik: Der Holiv-xrkebr auf den deutschen Wasserstraßen im Jahre 1885. Nach der Statistik des Deutschen Reiches, neue Folge, Band 22, bearbeitet dom Forst- Affeiior Goebel. _ Literatur.
Washington, 9. Juni. (W. T. B.,) Der Junibericht des landwirtbscbaftlichen Bureaus konstatirt eine Abnahme des mit Wiiiterireizen bebaiiten Areals un: 72/10 0/0, des mit Friih- jahrweizen bebauten um 1%. Das gesammte mit Weizen bebaure Areal umfaßt beinahe 36 Millionen Acres. Der Durchsckmitisstand dcs WinterWeizens b:1rägt 73310 gegen 731/10 im Mai. Das mit Gerste und Roggen bebaute Areal ist gehen 1887 fast unverändert, dcr Durchschniitsiiand bon Gerste ist 888/10, von Roggen 939/10. Das mii Baumwbiie bei,)flanzte Areal hat in allen Staaten, mit Aasnabme Floridas, ziigenommen imd beträgt insgesammt etwa 19 Millionen Acres. Der Durchschnittsstand ist 88710.
Sanitäts-, Veterinär- und QuarantäneWesen.
Süd-Amerika.
Die Veobachiimgsqiiarantänc, welcher die atis chilenischen Häfen in Montevideo ankommenden Schiffe bisher unterworfen waren, ist diirch Verordnung der Gesundheitskommiifion_dasrlbst vom 12. Mai 1888 aafgehbben worden. (Vergi. „R.-A.“ Nr. 134 vom 24. Mai 1888.)
Geiverbe und Handel.
_Tem ungarischen Abgeordnetenbaiise ist am 1. d. M. der Ent- WUrs einechseyes 'IOMELLIT worden, diirch Welches für die Zeit von seiner Verkiiiidung bis Ende AUgUst d. I. ein Zuschlag in Höhe von 36 F1. Geld per 100 B" zu den unter Position 76 des österrei- chisch-Ungarisck)eti Zolltarifs aufgeführten Cinfubronsäizen fiir gebran_nte geistige Flüssigkeiten (24 bezw. 40 Fl.) ein,]efiihrt werden 1011. Dirie Vorlage steht mit der gegenwärtixen Berathunh eines neuen Branntweinsteuergesehes in Zusammenhang Und ist bestimmt, im Interesse des Fiskus und der eiiiheimischen Branntwein-Jndustrie iiiicr 'SPTkiiiiliiOU arif dcn Erlaß dicses letzteren Gesche? möglichst rorzubeugen._ _
Dem biierreichiscbcn Abgeordiieieiibabse ist" eine V0r[age gleichen anaits zugegangen.
_ „In der am 9. d; M abgehaiimcn Gkneralbersammlung der Weimar-Geraer Eiienbahii, in weicher 1850 Aktien diirch 370 Stimmen_ vertreter] waren, wnrde die Dividende für die Stamm- Primiiäten aiif 3 0/0 feiigeieyt. Die tiirnusgrxnäß ansicheidenden Anf- sichtsratbsmitglieder wurden wiedergewählt.
Poicn, 11. Juni. (W. T. B.) Zu dem morgen begirmenden Wolimarit waren bis geitern Abend 3773 Clin, 1000 Ctr. mehr als 11m_ die glciche Zeit im Vorjahre, eingetroffen. Heute sind die Ziixxibrcx“. auiicrbrdeiiiliib flott, Käufer, namentlich Fabrikanien. iind ](hbn rieliaci) eingetroffen; Nachfrage nach seiner "„Viittciwoiie, für_welche dic boriäbrigen Preise „rich bewiüigt wurden, war recht lcbbasi. Wäiche 1011 befriedigend sein. Stimmung fest, Wetter schön.
Augsburg, 11. Juni. (W. T. B.) Wbilmarkt. Die Zufuhr ist bedeuteiid und besteht größteniheils in Basiardwoiic; die Waare ist gut behandelt und trocken, die Wäsche gnt, Käufer sind zahlreich anwesend, Verkäiiier zurückhaltend, der “.Narktverkcbr flau,
London, 11. Juni. (W.T.B.) Dir Getreidezufubren be-
trugen in der Worb? vom 2. bis 8. Juni: (Englischer Weizen 3101, fremder 43193, englische Gerste _, fremde 22 555, englische Maiz- qerste 18 470, fremde 217, englischer Haier 315, fremder 185 504 „Orts, cnglifrbes Mehl 15 948. fremdes 37 610 Sack und 5 Fasz. _ Glasgow, 9. Juni. (W. T. B.) Die Vorräthe von Roheisen in den Stores belaufen sich auf 991278 Tons gegen 881748 Tons im vorigen Jahre. Zahl der im Betrieb befind- lichen Hochöfen 87 gegen 78 im vorigen Jahre.
New-York, 9.J:1:ii. (M.TB.) Dcr Werih dcr inder ver- gangenen Wbche eingeführten Waaren betrug 7 256 579 Dol]., davon für Stoffe 1446 897 Doki. Der Werth der Einfuhr in der Vorwoche icirug 6 322 800 Dolb, davon fiir Sioffe 1507 048 Doll.
Submissionen im Aiislande.
Belgien. 18. Juli, Vormittcigs 11 Uhr. Brüssel. ebemjnii (18 fer ?jeinanx (rns (18 18. 101 9): Arbeiten zur Erbauung eincr Vizinalbahn ( Antivcrpen_ Saniboven-Lier). Näheres an Ort und SieUe sowie bei dem 111J8111611r1'r071110131 Zoxaerb tn Borgerhout (Antwerpen), S]]ÜUIIÉS (Le "1'nru110nc 147.
Verkehrs - Anstalten.
Um den bermehrten Anforderungen des erbeblirb gesteigerter. Um- fangs dcs Stadi-Fernsvreckoverkehrs zu gcniigcn im]. den Dienst- betrieb im Fernsprechwesen weiter 311 verbeiiern, hat das Reickss-Postamt Einleitungen getroffen, die hiesigen Fcrnspreéb-Ver- Mittelungsämter mit neuen vereinfachten Svstcmen aiiszustattcn, welche Neben einer wesentlichen Betriebsiwichiemnguxig auch eine größere Sicherheit in der Herstellung de_r von den Fei'nsprech-Theil- nehmern verlangten Drahtbcrbindnngeniieitattcn. Die nme Einrichtung wird in. nächster Zeit zuerst bei dem Vertxiittelungsatnt 17111 in dcr Eichhornstraße zur Anwendung gelangen. Sie bedingt eine theilweise Aenderung in der Nummeriruna der '21111ch1uf;leitungen. Den hicrvvn betroffenen Stadtsernsprecb-Theilnebmern wird die in der Fol e für fie in Betracht kommende Amchlußnnmmer deiiiiiächst von dem c“tabi- Xernsprechamte besonders ipitgctiwiltjwerden. Es wird sich empfehlen, bei Neubcscbaffunn yon Gcicksaftsanzcigcn, Briefbogen :c. den Vordruck der Nummer des Telepbbn-Ynscküuffrs einstweilen zu unterlassen.
Hamburg, "10. Juni. (W. T B.) Der ostdampfer „Thuriiigiq“ der Hklinbng. - Amerikanis en Packet- fahrt - Aktienges'ellichaft ist, von Hamburg kommend, gestern Abend 7,11bc m New-York eingetroffen.
__11.Juni. (W. TB.) Der Postdambfer „Hammonia“ der Hamburg - Amerikanischen Packetfahrt - Aktien- gesellschaft ist, von New-York kommend, heute früh auf der
Zoeiéré Kationnw (188