1888 / 155 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 15 Jun 1888 18:00:01 GMT) scan diff

wurden 2 getödtet und 5 verleßt, und zwar entfallen je eine Tödtung auf die Verwaltunngezirke der Königlichen Eisenbahn- Direktionen zu Köln (rechtSrheinische) und zu Erfurt, je eme Verlesung auf die Königlich württembergischen und auf die Großherzoglich badischen Staatseisenbalénen sowie, auf die Ver- waltungsbezirke der Königlichen Ei xnbabn-Direktionen zu Erfurt, Bromberg und Hannover; von Baaneamten und Arbeitern im Dienst wurden beim eigentli en Eisenbahn- betriebe 15 getödtet und 71 verleßt, von S_teuer- u. s. w. Beamten 2 verleßt, von fremden Personen (einschließlich der nicht im Dienst befindlichen Bahnbeamten und Arbeiter) 11 getödtet und 7 verleßt. Außerdem wurden 2 Beamte bei Nebenbeschästigungen verleßt. Von den sämmtlichen Unfällen [Wim Eisenbahnbetriebe entfaÜen auf: 3. Staatsbahnen und unter StaatSUerwaltung stehende Bahnen (bei zusammen 3003547 km Betriebslänge und 763 720 024 e: förderten Achskilometern) 122 Fälle, darunter die größte n- ;ahl auf die Verwaltungsbezirke der Königlichen Eisenbahn- Direktionen zu Köln (rechtsweinische) (16), zu Breslau (15) und zu Berlin (14),_verhältnißmäßig, d. h. unter Be- rücksichtigung der geförderten Achskilometer und der im Be- triebe gewesenen Längen, sind in dem Vérwaltungsbezirk der Königlichen Eifenbahn-Direktion zu Altona, auf der Main- Neckar:Eisenbahn und in dem Verwaltungsbezirk der König- lichen Eisenbahn-Direktion zu Köln (rechtSrheinische) die meisten Unfälle vorgekommen. 13, Größere Priyatbahnen _ mit js iiber 150 km Vetriebslän e _ (bei zu1ammen 1729,431rm Betriebslänge und 22 799 71 geförderten Achskilometern) 2 älle, und zwar auf die Hessische LudwigS-Eisenbahn. (). leinere Privatbahnen _ mit je unter 150 ]«u Betriebslänge _ (bei zusammen 1658,82 km Betriebslänge und 9838 981 geförderten Achskilometern) 2 FÜR, und zwar am die Lübeck-Büchener Eisenbahn.

_ Die wissentlich widerrechtliche Ueberschreitung der an sich statthaften vorläufigen Festnahme einer Person, beispiels- weise das Fesseln und Binden des Fesigsnonimen_en,_welcher ohnedies Widerstand zu leisten außer Stande ist, 1st nach SMLM Urtheil des Reichsgerichts, 1. Strafienats, vom 13. Februar 5. I., als vorsäßliche und widerrechtliche Frei- heiftsberaubung aus §. 239 des Strafgeseßbuchs zu be- stra en,

_ Durch AÜLrhöchste Ordre vom 29. 1). M. ist dem Kreise Grottkau, welcher den Bau einer Kreischaussee_von Perschkenftein iiber Reisewiß nacb 'Gwß-Karlowiß ausgefiihrt hat, gegen Uebernahme der künftigen chauffeemäßigen Urxter- haltung der Straße das Recht zur Erhebung des Chairs 1ee- geldes nach den Bestimmungen des Chaussee eld-Tariis vom 29. Februar 1840 einschließlich der in demse ben enthaltenen Bestimmungen _iiber die Befreiungen, sowie der sonstigen,- die Erhebung betreffendexi zusäßlichen Vorschriften _ vorbehaltlich der Abänderung der yämmtlichen voraufgeführten Bestimmungen _ verliehen worden. Auch sollen die dem Chauffeegeld-Tarif vom 29. Februar 1840 angehängten Bestimmungen wegen der Chaussee-Polizsivergehen auf die gedachte Straße zur Anwendung kommen.

_ Durch Allerhö ste Kabinets=Ordre ist bestimmt worden, daß die zur Zeit in _ etreff des Tragens der Bärte in der Armee bestehende Verichiedenbeit dahin beseitigt werde, daß künftig das Tragen der Vollbärte iiberall gestattet sei.

_ Der General der Kavallerie Graf von Waldersee, General-Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs und General=Quartiermeifter, ist mit den Offizieren des Großen Generalstabs nach der Provinz Ostpreußen zur Großen Generalstabs-Uebunngeise abgereist.

Potsdam, 15. Juni. (W. T. B.) Se. Majestät der Kaiser Friedrich ist ohne Kampf verschieden. Die ganze Familie war beim Ableben zugegen.

Der Reichskanzler Fürst Bisvmrck ist um 1 Uhr 40 Minuten hier eingetroffen und hat sich nach Schloß Jriedrichskron begeben.

Frankfurt a. M., 15. Juni. (W. T. B.) In Fol e Ablebens Sr. Majestät des Kaisers blsibt die Bör?e und Effekten:Sozietät heute geschlofssn.

Köln, 15. Juni. _ (W. T. B.) Soeben verkündet die Kaiserglocke im Dome die Nachricht von dem Ableben Sr. Majestät des Kaisers u_nd Köni s Friedrich. Flaggen iiberall halbmast. Börsen sind geschlo en.

Aachen, 15. Juni. (W. T., B.) Nach dem Eintreffen der Trauerbotschaft fingen die Glocken sämmtlicher Kirchen zu läuten an. Häuser in tiefem Trauerschmuck.

Sachsen. Dresden_, 15. Juni. (W. T. B.) Die Herzogin von Genua ist heute früh auf Schloß Pillniß eingetroffen.

Die _ggnze Stadt hat in Folge des Ablebens Sr. Ma1e1tät'kdes Kaisers undKönigs tiefe Trauer angelegt; alke offentlnhen Vergnügungen sind eingestellt.

Baden. Karlsruhe, 14. Juni. (W. T. B.) Die Großherzoglichen Herrschaften begaben sichlegeute Vor- mrttag, nqchdem fie das heutige Bulletin iiber das efinden Sr. Majestät des Kaisers erhalten hatten, sofort zu Ihrer Ma1estät der Kaiserin Augusta und verblieben einige Zeit daselbst. De_r Erbgroßherzog und die Frau Erbgroßherzbgin, die heute nach reiburg zurückzukehren gedachten, sind in Baden-Baden geblie en.

Sachsen - Weimgr - Eisenach. W eimar, 14. Juni. W. C.) Der Großherzog empfing am 12 d. M. auf „_ l_oß_ Belvedere den beim Großherzoglichen Hofe beglaubigten Komglich belgischen, Gesqndten Grafen von Straten- V o n t h oz in Abichiedsaudienz.

Sachjeu-Altenbnrg. 13. Juni. (Chcmn. Tgbl.) Der Herzog ist Jm. Monta iiber Heidelberg und Vaden-Baden zu einem 14tag1gen Außenthalt nach der Schweiz abgereist.

Sachsen-Coburg-Gotha. Gotha, 14. Juni. (Goth. Fig.) In der" heurigen Sißung des aemeinschafilichen andtagss fur die Herzogthümer CoburgZund Gotha wurde ziznachst," dem Antrage der Kommission LJemäß, das Gesey eine Ybanderung des Gesetzes über die rganisation der Justizbehorden erster, Instanz betreffend, angenommen, ebenso der Antrag des Ministeriums, betreffend die Genehmi- gimg, der EtatSiiberschreitung bis zu dem BetraZe on 200034 fur 1ed§s der Etatsjahre 1887/88 und 1888/8 . Hieran er- folgt;B d1e_ Vertagung des Landtages durch den Staats-Minister von omn.

Neuß j. 8. Gera, 13. Juni. Magd. Ztg.) Der regierende Fürst hat sich von Schlo Oberstein bei Gera zu einem längeren Somrüeraufenthalt nach Schleiz begeben.

Hamburg, 15. Juni. (W. T. B. Sofort nach Ein- treffen der Nachricht des Ablebens r. Majestät des Kaisers Friedrich wurden Flaggen in Stadt und Hafen halbmast gezogen. Börsen geschlkossen.

Pest, 14. Juni (W. T. B.)

Oesterreich-Uu neu. In dem Ausschu e der ungarischen Dele ation für auswärtige Angelegenheiten wurde das udget des AUSWärtigen verhandelt. Referent Falk hob hervor, seit der lesten Session sei eine wesentliche Veränderung der politischen Lage nicht eingetreten. In diesem negativen Resultate liege die günstigste Kritik für die Leitung der auswärtigen Politik; denn diese strebe keinerlei positive Einflußnahme auf den Gang der Orientangelegenheiten an; sie sei lediglich bemüht, das im Berliner Vertrage stipulirte SelbstbestimmungSrecht der dortigen Staaten zu wahren. Referent beantragt, der Ausschuß möge, nachdem der Minister des Auswärtigen in aÜen Punkten an seinem von den Delegationen gebilligten Programme festgehalten hgbe und da der gegenwärtige Zustand. im- Orient dieiem Programme voilständig entspreche und da dieses Resultat mit durch- aus friedlichen Mitteln erreicht wurde, bei den Delegationen beantragen, daß dieselben auch in diesem Jahre der Leitizng der auswärtigen Politik ihre volle Anerkennung und_ ustim: mung ausdrücken. Apponyi, Csernatony und Horvath 1 ließen sich dem Antrags Falk's an. Ane Redner wünschen, daß in dem Berichte die herz1ichste Fusiimmung zu der Politik be- tont werde, welche in dem ündniß mit Deutschland aus- gedrückt sei.

Der Minister des Auswärtigen, Graf Kälnoky dankte für die Anerkennung der Seitens der Leitung der auSwärtigen Politik geübten Reserve bei der Erörterung spezieller Fragen und gab sodann ein Exposé: über die auswärtige Lage. Der Minister hob hervor, daß im Orient in den leßten Monaten nichts eingetreten sei, was eine bleibende Veränderung der dortigen Lage hätte hervorrufen kön_nen. Namentlich habe sich nichts ergeben, was die österreichiiche Regierung drängen könnte, etwas u thun, was nicht in der Situation liege und auch nicht aÜZeitige Zustimmung und Unterstiißung jener Faktoren finden würds, mit denen disReqierung wenn möglich in aÜen Fragen, namentlich aber in der Orientfrage, einig _und gemeinsam vorzngehen wünsche. AÜgemein herrsche das Gefühl vor, daß die durch die europäische Lage hervorgerufene Span- nung nachgelassen habe, und diese Beruhi ung entspreäxe aUen Wünschen. Andererseits dürfe man sicha er auch der Thatsache nicht verschließen, daß von den Ursachen, welche im leßten Winter und früher die Besorgniffe um den Weltfrieden hervor- riefen, keine geschwunden sei, . Die Fragen über Bulgarien seien bei der politischen Situation im Großen nur ein relativ wichtiger Faktyr; fiir O_esterreich-Ungarn jßdoch entf iedené wichtiger gls Mr ,e meisten europäiichen i_e. ' enxx an «***-"„; ' _ archie gewiffe Besorg- nisse fiir die friedliche Entwiäelun der Zukunft heran- träten, so sei deren QrÜLe nicht a ein in den Zuständen der Baikanhalbinsel zu suchen, sondern in der allgemeinen europäiichen Lage, in den Machtverhältniffen der einzelnen Staaten, ii-i den tiefgehenden Divergenzen ni ist) sehr der Kabinetts als der Bevölkerung, in den Gegen äßen dariiber, was zu erhalten und zu zerstören sei, und in den Fluk- 1uati0nen von Anfichten und Gefühlen, die sich zeitweilig glätten, aber auch plößlich zur Sturmflutb anwachsen können. Diese Verhältnisse müßten neben den Phasen der Orient: frage immer im Auge behalten werden; wenn konstatirt worden iei, daß in den letzten Monaten eine wessntliehe Veränderun der politischen Lage sich nicht ergebxn habe, so habe fi dies auch auf diese aÜgemeine politi1che Lage bezogen. Es sei vielleicht jeßt eine Phase relativer und bedeutender Beruhigung im Vergleich zu der Lage_bei_ Beginn des Jahres. Er wolle keineswegs diefe Ruhe sorticheuchen und die Hoffnung schmächen, daß es_ gelingen könnx, die JriedenSzuversicht fiir die Zukunft aus eine mehr genchertß

asis zu steÜen. Andererseits aber sei es seine Pflicht, darauf hinzuweisen, wie es ebensowohl möglich yei,daß diese Unsicher- heit,-unter welcher man seit Jahren zu leiden habe, eine längere Dauer behalte. Diese Erkenntnis; habe eben noth- wendig gemacht, daß die Staaten, welche zur Siche- rung ihrer Machtstellung und des Friedens gezwungen waren, ihre Wéhrkräfte zu verstärken, sich nicht darauf be- schränken können, unter dem jeweiligen Drucke eines momen- tanen Alarms vorübergehende Sickzerheitsmaßregeln zu ergreifen, sondern bedacht sein müssen, auch organisch ihre Kräfte zu stärken und zu vervollkommnen, um ruhig jeder vantualität, _ und auch einer unvermutheten, _ entgegen- treten zu können. Ein solcher Zustand sei aber noch immer beffer als der Krieg. Die im Berichts des Aus- schusses angeregte Erwähnung des Bundesvertrages mit Deutschland acceptire er mit grbßter Befriedigung und Dankbarkeit" es bestehe wohl für Niemand weifel dariiber, daß die AÜianz Oesterreich-Ungarns mit eutschiand von aÜen Völkern der Monarchie als Gewähr des zriedens, als einer der nüßlichsten und segensreichsten politis en Akte der leßten Zeit anerkannt werde. Es sei_ wohl kaum friiher ge: schehen, daß ein als geheim abgexchloßener StaatSakt, der auf diese Weise in die Oeffentlichkeit gebracht sei, mit so allseitiger Biliigung begrüßt wurde. Dies sei zugleich ein vollgiiltiger Beweis der voUen Ehrlichkeit und Lauterkeit des Bündnisses, “sowie dafür, daß es auf die wichtige Basis der Erhaltung des Friedens und der Staatswohlfahrt beider Theile gesteljt sei.

DLL? Minister stimmt Czernatom) vollkommen zu, welcher auf die Wichtigkeit des Bündnisses mit Italien als eines Komplements zu dem Bündnis; mit Deutschland hin- ewiesen habe. Gerade für Oesterreich-Ungarn, welches Ytereffen nach „Süden, Osten, nach dem Mittelländischen

eer und nach dem Orient, also arallel mit Italien, wahr- zunehmen habe, sei dieses FreundsZaftSverhältniß von großer Bedeutung, abgesehen davon, daß dasselbe ein Verhältniß der _Sympathie und Gcgenseitigkeit mit einem Nachbarstaat her- 1tellte, welches nicht nur beiderseits vollkommene Sicher- Zeit, sondern auch ein Einstehen für gleiche Ziele und

ntereffen in sich schließe. Der Minister spricht die Genug- tyuung über den mit Italien abgeschlossenen Handels: vertrag _aus, der gewiß auch beitragen werde, die Freund- schaft beider Staaten zu erhöhen. Besonderes Verdienst an

diesem Erfolg gebühre dem Minister-Präfidenten CriSpj, der mit großer Energie und erleuchtetem Verständniß die Richtung der italienischen Politik zu erfassen und zu beleben gewußt habe. Der Minister pflichtet der Bemerkung bei, “daß die Interessen der Monarchie in der Orientsrage mit denen der Balkanvölker identisck) seien; doch möchte er sie dadurch ergänzen, daß. diese Interessen zugleich eurw päische seien, was für die Ste ung Oesterreich-Ungarns in dieser Richtung eine wrsentliche Stärkung bedeute. Die Ziele der Orienwolitik Oesterreich-Ungarns seien dieselben wie jene der meisten europäischen Kabinete; dieselben wurden in England, welches hierbei wesentlich in Betracht komme und dessen politische Richtung mit der von der österreichisch-ungarischen Regierung bezeichneten vollkommen übereinstimme, mit großer Sympathie aufgenommen. Nachdem der Minister hierauf noch aus spezieüe Fragen einzelner Dele irten über die Orientbahnen und Errichtung eines zwischen lonichi und Uesküb gelegenen Konsulats geantwortet hatte, beschließt der Ausschuß ein: stimmig, dem Minister des Auswärtigen die Anerkennung und Zustimmung auszusprechen.

Auf die Ausführungen ApponJi's betreffs der Erhebung der Gesandtschaft in Madri zur Botschaft erklärte der Minister-Präsident, es sei für das monarchische Europa von hohem Interesse, daß die weitere Entwickelung Spanien estaxte, jene Stellung _wieder einzunehmen, die seiner großen hi?tori1chen Veraangenheit entspreche. Auf eine Anfrage Falk's wegen der Orientbahnen erwiderte der Minister: Präsident, die Bahn von Salonichi sei recht gut gsbaut. Einige Schwierigkeiten, xiamentlich betreffs des Postdienstes, welche Seitens der türkiichen Behbrden hervorgetreten, seien bereits beseitigt. Man könne honen, daß nunmehr ein ge»- ficherter Postverkehr auch künftig keine Unterbrccbung erleide; es dürfte noch zwei Monate dauern, bis die Konstantinopeler Linie zur Eröffnung vollkommen bereit sei. Den Bulgaria müsse man die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie [ros der_Schwierigkeiten den Bau der Bahn nicht unterbrochen uni; der_Uelben ohne Anlehen aus den eigenen Staatseimiahmon bestritten haben, was freilich die Verzögerung erkläre.

Großbritannien und Irland. London, 14. Juni. (W. T. B.) Das Unterhaus nahm die zweite Lesung der Weinzoll:Bill an. _ Der erste Lord des Schaßes Smiil) gab mit dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns Mittheilung von einem heute Nachmittag 3 Uhr in Berlin aufgegebenen Telegramm iiber den weyig Hoffnung gewährcnden Zustand Sr. Majestät des Kai1ers Friedrich.

TasOberhausnahmdieersteLesung derRegierungs: Vill, durch welche das Aktiengesellichaftsgeseß abge: ändert und insbesondere die Gründung betrügerischer Gesellschaften verhütet werden sol], an.

_ 15. Juni. (W. T. B.) Die Nachrichten übst die verhängnißvoile Wendung in demBefinden desDeutfchen

Kaisers haben Hier iiberall lebhaftes Mitgefühl erweckt. Die

Morgenblätter be prechen den Zustand in der theilnahmvollsteis Weise, spxnden der Kaiserlichen Familie, wie dem deutsche“. Volk Trost und onen den großen Eigenschaften des Kaisers Friedrich hohe Bewunderung.

Frankreich. Paris,13.,Juni„(Fr.C.)DieDeputirten: kgmmer feste heute die Berathungen über die Reglemen- tirung der Arbeitszeit in den Zabriken und Werkstätten für Frauen und Kinder fort. anacl) sollen die Frauen nicht über zehn Stunden täglich und Unerwachsene bis zum 18._Jahre nicht über acht Stunden arbeiten dürfen. Eiii Beichluß wurde „nicht gefaßt.

_ 14. inm. (W._ T. B.) Die Deputirtenkammsr nahm den Geießeiitwurs, wonach die Paßgebiihren herab- geießt werden, ohne Debatte einstimmig an.

_ 6talien. Rom, 14. Juni. (W. T. B.) Der Justiz- Mmiter hat im Senat das neue Strafgeseßbuch einge: bracht. Die Deputirtenkammer nahm vor dem Eintreten in die Sp_ezial:Berath_ung des Marinebudgets eine TagesZordnung an, durch welche iie das Vertrauen in den Maritie:Minifter bekundet. Der Minister-Präsident Crispi ist heute Abend hierher zurückgekehrt.

Spanien. Madrid, 13, Juni. Ylkoholsteuergeseß ist in beiden Cortes angenommsn worden.

_ 14. Juni,. (W. T. B.) Das neue Kabinet ist nun: mehr definitiv Wie folgt gebildet: Sagasta VorsiÉ, Alonzo Mariinez Justiz, Armijo Auswärtiges, apdepon Kolonien, Arias Marine, Moret Inneres, Puigcerver Finanzen, Canalejas Arbeiten und Oryan Krieg. §Oas amtliche Blatt veröffentlicht ein Dekret, durch welche?- der Chef der_Artillerie ermächtigt wird, bei der Firma- Krupp 5 Geiehiiße nebst deni dazu erforderlichen Zubehör für 1920000 Fr. zu kaufen; die1elben sind zur Vertheidigung der befestigten Küstenpläße bestimmt.

Belgien. Brüssel, 15. Juni. (W. T. B.) Tie liberal progresiistische Vereinigung hat in ems: gc1tern Abend abgehaltenen aklgemeinen Versammlung _be- icblnsxen, Uck) der Theilnahme an der Stichwahl am nächit811 Dienstag zu enthalten.

L_lmerika. Washington, 13. Juni (per Kabel). (NC,) Präxident Cleveland unterzeichnete heute die Vorlage, welche_ ein Arbeits - Departement im Staats- Miniiterium ins Leben ruft. _

Zn heutiger Sißung des Senats hielt Mr. Hal? (Maine)_eine heftige Rede gegen den Fischereiixertras- Mr. Blair (New Hampshire) lenkte Mr. Hale's Aurmerkjami ke_1t auf die Forts, welche von den Briten in Britisch-Kolym- bien errichtet werden. Mr. Hale erwiderte, er glaube LUÖZ- dgß irgend welche kluge britische Staatsmänner 111" einem andxren Gefühl als dem der Besorgnis; und “urch! einen Komlikt mit den Vereinigten Staaten betta "teten- Die_ Dinge, auf welche Mr. Blair hinweise, „starxdslé iiidei;_ im Zusammenhange mit dem von Großbritannieti 1-779 emgeichlagenen Verfahren. Es treffe Fürsorge für d1_e ZW kunst. _Mr. Hale drückte auch die Meinung aus, daß Dkk Plan für eine SchiffSeisenbahn zwischen der Fundy-Bai und dem St. Lorenzgolie, mittelst welcher eine hinreichende Wlöab von Kanonenbooten nach den Seen zur Beherrschung deM-[ben befördert werden könnten, von großer Wichtigkeit sei.

New =Yor k, 13. Juni (per Kabel). (21. C.) Mr. POEM der amerikanische Gesandte am Hofe von St. James4-reitx heute an Bord des norddeutschen Lloyddampfers „Aller UC England behufs Wiederaufnahme feiner diplomatisckjén lwgenherten.

(W, T. B.) Das Häusern der

' Ein_zielbewußtes Vorgehen Werde auf diesem Gebiete leicht Wandel

Afrika. Egypten. Kairo, 13.Juni. A C “- - gramm des „Bt_ireau _Neuter“) Ein Bote ist hie(r borLKrLrToeslkb 30Zekommen mit Briefen, welche Quittungen enthalten über

fv.Steri von Layton a _ Zmdurman gefangen gehaFensZZ“ der von den DeWischen

Australien. Sydney, 13. Juni 21 C

des Bureau Reuter.) Die _hier tagende Kobferenz)vot(iTÉxngrrL tre_tern der australischen Kolonien, welche die Chxnxsen-Einwanderungsfrage lösen soll, beschloß die Reichswgierung anzugehen, ihre guten Dienste bei Chinä qnzuwenden zu Gunstßn des Abschluffes eines Vertrags ähn- [,ch dem zw1schen China und den Ver. Staaten bestehenden. Die Koloxuen ihrerseits onen die Kopfsteuer aufheben, sowie dtedZFßZane BeCstlxxnnxungen b§treffs des Tonnengehalts und a,!- . . me en wür e ni t stattet

Passe von Kolonie zu Kolonie zu reicshen.gs werden, ohne

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Die „Deutsche volkswirt a'tli »

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eu “e a'aren'im Auslande. Von dem Grundsa ? ' ' und fckZlecbt scheint die dquÖe Industrie in ibren befierenßUe'anYFi fich grupdlicb abwchden zu onen. Und dies mit vollem Rechte. Denn eme versxandtge imd umsichtige Konkurrenz kann in der That :hxe Yufgczbe ,nicbt darin erkennen, dem Gegner durch eine gewisse Auf- krtngitchkett einen Voriprurig abzugewinnen, sondkrn ibn durcb beffere Q'ußlltat der Waare [::-Warn aber fickxer zum Rückzuge zu zwin en. ijge sensationell? Ereigmsie der i_üngsten Zeit haben die Gediegen eit dex deuticbc'r) Arbeit und der, deut1chen Marke in das bellste Licht gestellt. Wir „ertntiern zu wtxderholten Malen an .die Sbeffielder- Rasirmeffer, die unt der Bezeickinung: „In Hamburg geschliffen“ auf den _engltschrn Markt gebracht Wurden und obne diese Bezeichnung dexic-lbst keinen Absqs, finden konnten, an die Bkmübungen des fran- zoiiixkcn HandelH-thsters Lockrov, den franzöfisckien Markt vor deut1chen Provegtenzen zu ber1ch1ie en, indem er die Bezeichnung der- ]elben als franzdfisxhe Waare dur drakoniscbe Maßregklu zu abnden vxrxucbte mittelst eiiiesGesetZes, das vor zehn Jahren in Frankrijk!) einfach zu den anogltchkeiteq gehört hätte.

Derartige Symptome lieferten den glänzendsten Beweis für die Berechtigung des Grundsatzes, _daß nur der Sieg über den inneren Werth des Fabrikats die errjcbaft und den Gsnuß der gemachten Eroberung daucrnd zu verburgen vermöge. Bereits in dem Bericht der Handels- und Geweibkkammer von Chemnitz für das Jabr 1886 war berooraeboben worden, das Mittel, durcb Welches sich die deutschen Fabrikaxe aUem Wettbewerbe zum Tro einen dauernden und uberlegeneti Play auf dem Weltmarét ficbern werdeii, bestehe mcht_ ' darin, zu der Hervorbringung minder- wertbtger __Waarcn 181118 Zuflucht zu nehmen, sondrrn mit akle_n Kraften_ _darnaci) zu streben, iMMLk bessere, edlere und schonere Qualitatbiz zu er;:elcn, damit die ausländiscbe Industrie nicbt znek)r_den Ryf gtoßereron-ymmenheit besitze, dieser Ruf vielmehr in ertter Linie der h_ethckU-n Produktion gebiibre. Bereits erscha11en vom Auslande aus tmxner lauter die Stimmen, wslche die Verbrei- tunxzsfabigkelt der deut1chen Erzeugnisse auf die größere Güte derselben zyruckzufubren gezwuiigen sind. Nach dieser Richtung find die Hebel einzusetxen, Welche emen _1mnier _Zrößeren Aufschwung bewirkrn und 181311 fuhren werden, dax; die Superioriiät deutschen gewerblichen Fleixzesxxller Welt vor Auaen gebracht werde“.

Wabreqnd mm der Cbemnißer Bericht im Interesse der Superioritat' des deutschen Handels die Aufmerksamkeit der Fabri- kantxrz auf die Hebung der Qualität der deinsann Waarm lenkt, bc- scbästxgt sich, der diesjährige Handelskammerbericht für Aachen und Burt1_cheid Mit der Frage des nationalen Handels in dcr Weise, daß er auf jenen Appell zurückkommt, _der Ende 1887 an die deutschen

qbrikanten ergangen i'): „Deutickxe Waaren -- dwtsche Marken, 2th .es dort, das itt der Grundfaß, der in dit" deutschen Eeiäyäitswelt noch immer nicht zur aiigeineinen Geltung, g'elangt Ut. Allzu häufig noch bezeichnen deutsche Fabrikantrn ihre Waarkn init außerdeutschen Fabrikationsorten, Marlin und Firmen, geben ihnen eine fremdsprachige Aufmachung und vertreibrg iie nur!. ausländischem Maß und Gewicht,_ohne durch einen m_igemenenen Zu- satz die deutsche Herkunft der deutichen Wczare is_tintlrcb zu machen.“ Der Bericht untersucht den Ursprunß dieier UWLUL, der noch eben aus jenen Zeiten stamme, wo es not,wendig war, die Gediegenbeit Und _Preiswürdigkeit der Waare auf das Conti) desjenigen Landes zu schreiben, dessen SpraÖe, c'“cibriikationso'.)_1:te und qucn der Konsument auf der Waare finde. AnYati den Ras der deuticben Prodizknon zu m_ebren, arbeite man also den Konkurrenznationxn in die H_ande und die_Früchte der mühevollen und eifrigen Arbeit der deut](_hxn_ Ge- schaftswelt_ ernten schließlich Diejenigen, die an der Ykieitigung dcr deutichen Konkurrenz das dringendite Jnterciie haben, ein Vorgehen, das weder Patrioti1ch noch klug SSWZW werden kann. Noch beklagenswertber sei es aber, _wenn sich deut1che Fabrikanten dazu hergäben, in Deutschlgnd selbst lßxe WMW“ UKW fremdiändischer Bezeichnung zu verkauiexi. Thatmcblrci) werder) 1a ailerdings gewisse deutsche Produkte EMMA? dka Umwegebber das Ausland als nicht deutsches Fabrikat m Deut1chland vertrieben.

sxbassxxi; deutsche Moden seien schon durch die Hutmacher mit Erfolg “_UJLmbrt und deutsche Möbel haben den Géscht119ck des'Publikuxns sur das Fremdländische schon verdrängt. Wenn die; Fabrikanten_ reit zusammenhalten, werden eben auch auf anderen Gebieten die deuticben Waaren nicht mehr nöthig haben, fick) hinter dem erborgten Flitrer des Auslandes zu verbergen. , _ Indem wir auf diese Enunziationen zurückkommen, woilen wir mehl verabsäumen, daran zu gemahnen, daß cs eben _rre Wirkuggen unjerer „praktischen', unserer ,nationalcn' Wiitb1chastspolittk iind, wc[The_derlei Symptome hervorgebracht baben, wahrend pack)" beit Gxundjäßkn des „Quizzes fairs“, des Freihandels, es als nnderiinmg er]chemen würde, wenn man dem Einzelnen zumuthesn wollte, er solle sem Privatintereffe auch nur vorübergehend tri _den Dienst der Allgemeinheit steilcn. Der Schuß der beim1schen Arbeit und der heimischen Produktion macht sich „gerade nach der von uns hier geschilderten Richtung bereits ,in der aller- WVbltbätigstcn, die kühnsten Erwartun exi _überiietgenden Wene seltrnd, und es sieht zu erwarten,_daß cin rgstiges, ztelbeWußics Vor- ben nach den Grundsäßen dieier .prakt1!chen'_ und ,xiationalen“

lrtbschaftSpolitik allmählich zu Konsequenzen fuhren wrrd,_r_ve[che guck) die starrsten Anbänger des Manchestertbzzms, insofern dreielben lbre Loyalität nicht gänzlich dem * arteiinterene izntergcordnet _baben, Zu ,der Ueberzeugung drängen en, daß der Leiter _unserer xeßtgen Wlktbsckzaftspolitik wieder einmal mit einer geradezu itaunensrvertlxn Voraussicht auf ein großartiges Ziel losgegangen Ut.

_ Der „Schwäbische Merkur“ schreibt: _

Die Frage der Arbeiterschußgrseßgebung w_tr_d in abiehbarer Zeit Zaunr von der Tagesordnung vericbwmden. Sri! Jahren besteht in 1er em gewisses Mißverhältniß zwischen dem Reichstage und den ver- aneten Regierungen. Die VolkSvertretung bat eine Reibe von Schutzbestimmungen in fertige, geseßgeberifche" Form, gebracht, der Bundesrat!) aber unterlät es, diesen Beschluffen beizutreten; Im Grunde wird indeß kein lnbefangener behaupten“ wollen, daß dj_e Ne- alerungen an Arbeiterfreundlickvkeit hinter dem Reichstage zuruckitariden. Der Unterschied wird vielmehr darin zu suchxn sein, daß der Reichs- WZ die in der Schuyfrage zu thuenden Schulte rnehr unter dem (Ge- s' isdnnkt des menschlich Berecbti ten und Wunschknsxverthem der Bundeskatb fie mehr unter dem Ge chispunkt der praktncben Durch-

msoweniger verdenken können, als sie nicht nur_die _geießgeberiicbe, )ndern auch die administrative Verqntwortung fur die betr. Ges e : übernehmen Haben. Je länger diese _Fragen erorte'rt worden fix) , nsomebr hat fich gezeigt, daß fie gegenuber der ve'rrvtckelten Mannig- ltigkeit des wirklichen Lebens mz_tstens gocb ntzbt als spruchreif igesehen werden können. Inzwischen , nnd die entsprechenden Ulamentarifchen Verhandlungen gar_ nicht obnx Nutzen gervesen. _Ée haben ohne Zweifel nicht wenig kgzu beigetragen, daß sick) "den Kreisen der Arbeitgeber beute doch eine. weit großxre Berett- w'i keit zeigt, fich im Jntereffe der Gesundheit der Arbeiter gewisse

_ ränkungen aufzuerlegen, als noch vor w_entgen_Jabren. Undso bat stäeine Entwickelung angebahnt, der gegeniiber die Schwarzmalerei, mi welcher einzelne Parteien ibre_ Agitation fur die Arbeiterschuy- JLsgebung ausstatten, als vollstandig grundloie Uebertreibung ersc'int. Sehr deutlich erhellt dies aus dem Jabresbericbt des Fabrikinspektors für Württemberg; Aus _derxiselben ist zu enttbmen, das; neben den Unfallvekbutungsvorichrrsten der Be- Ufomoffei-ischaften auch die zur Fernbaltung genzudbeitéscbadlicber Elnfiffe von den Arbeitern bestimmien Maßnahmen immer (111 exeinere Anwenduna finden, daß ,beiqnders fiir eine ersvrieß- lt ZZefriediaung des Wohnungs-, theilweise auch des Nahrungs- beduniffes Seitens der Arbeitgeber Sorge getragen wird. Die ?_lrbeszeit scheint in Württemberg fczst nur 111 der Textilindustrie eme bermäßi e Länge aufzuweisen. Ziemlich dieselbe Beobachtung wird _) im ü rigen Deutschland gemacbt. Daß diesem ungesunden VerbaNiß ein Ende gemacht Werden muß,_ wird immer mehr an- erkazmi ebsnso aber auch, daß der zxveckma [gere Weg dazu die frei- wrütge Verständigung der Berufsgenoixen, n_i tder_geie_x3[iche Maximal- odex Ncmalarbeitstag ist. Es ist erfreulich, daß diese Ansicht aucb Seiteys “kes württembergischen abrißnspekidrs in einer Weise vertheirgt wird. welcbe darauf chliegen läßt, daß sie in den dortigenindustrieüen Kreisen vielfach getbeilt wird. Auch das Kapitelder Sonntagsarbeit bespricht drr in _Réde_stebende Jahres- bericht, md cs erhellt wieder einmal, daß dasielbe, ioweit das Gebiet der etgetlicben Industrie in Frage komziii, dgrchaus nicht „von der Bxdeutng ist, zu welcher eine gewine Agitation es auxbauschen mdchte. Das Wort des Berichts: „Die Fabrikanten nxiiier) Fxbr wxbl, “aß die SonntagSarbeit an sicb schon ganz unvortbeilbaft i_st', durfte s' ziemlich aUgemein in Deutscbland zutreffen. Von bewn- deremßitrreffe sind auch die Feststellungen des Berichts in Bezug auf die Frauen- und Kinderarbeit. Eine extreme, nicbt nur_vvn den Sozaldemokraten vertretene Forderung wi[l die Ausscbließuxig des Weibs aus der Fabrifindust'rie überhaupt. Dem gegenüber .lst ÜkaVlebben, dax; der württembergische Jniprkwr nachtbeil1ge “olgen de- Fabrik escbäftigung für weibliche Arbeiter nicbt gesunrxzi at., Und besonders kann er auf Grund der Urtbeile vorzugswe11e zustandtgrr Männer berichten, daß die fittliche Haltung dsr indizstri- LÜxtx Bebölkrung bintec derjknigen der länd1ich2n nicht_ zurücxitebt. Hxn11cht11ch der Kinderarbeit endlich ist zu rrkyäkxnen, _daßtz die m Nr wiirttembergschen Jndusiric schon an sich geringe Beichastigung von Kindern noé) mehr abgenommen bat. Die gleiche Beobachtung Mücht man iast überaÜ in Deutschland. Nach alledem ist die 2311- n;:bme wohl nicht zu JSWagt, daß in unseren ArbeixerVerhälthen eine (zus _der freien Entschließung der Arbeiigrbrr entstandene Vene- rung in erfreulichem Fortschreiten begriffen iir.

_?lmtsblatt des ReiÖZ-Postamts. Nr. 26. _ Inhalt: Vsrsugungen: vom 8. _Juni 1888. Wegiau der besonderen Zwischen- aurttux-[gxn der bei Poitagenturen beschäftigtxn Landbriefträger über die Entschadigungen für Bestellung und Einiammlung der mehr als 2? kg schweren Packete 2c. _Vom 11.Juni 1888. Postverbindungen nacb den Inseln Föhr und Sylt.

Statistische Nachrichten.

Nach Mittbeilung des Statistischen Aw“? "“" Stadt BUN" sind bei den bjefigen Standesäm*““n m der Wocbe vom 3, Juni bis jnk[„ ' zur Anmeldung gekommen:

(*“ --

227 Eheicöließungen, Kxaölxelbendg'eborene, 26 Todtgeborene, 544 Sterbefälle.

DreSden. Die ErgebniFs der _Gewerbezäblung _vom 5. Juni 1882 liegen nunmehr, nachdem die für das Reich bearbeiteten Ergcbniffe vor einiger Zeit veröffentlicht_find, auch für das_Kanigreicb kabsen in einer beiondxrsn Verarbeitung in_ der „Zertickprift des Königlich Sächii1chen Statistiichen Bureaus' (2. Suvpxement zum 22. Jahrg. 1886) vor., Das umfangreicbe HLft, welches das Statistische Bureau des Königlichen Ministeriums desInncrn über die gewerbtreibenden Personen und die Gewerbe- betriebe Sachsens Herausgegeben bat, kann insqfern als eine wichtige Erganzung der auf Sachsen beziralicbegi' reichs1tatistischen Veröffent- lichungen gelten, als es die ipezifixch 1ächs11chen Eigentbümlicbkeiten des GewerbSlebens auch besonders eingehend bkbandelt. Zu diesen ge- hören namexitlich die hervorragende Stellung der Textilindustrie und der Hausindustrte, denen besondere Abschnitte gewidmet find, alsdann die in Sack1en _besonders starke Beibeiligung drs weiblichen Geschlecbts an der ixiduitrieklcn Gütervroduktion. Bei der Bkarbeitung der Gewerbe- Statistik find_Haupt- und Nebenbctriebe unterschieden worden. Zu den HZuptbetrxeben hat man alle diejeni en gerechnet, in denen minde- stens _eme Perwn mxt_ibrer HauptbeichäZtigung tbätig ist, sei es als _(Yeichaftsleiter, Gebulse, Arbeiter u. 1.11). in der Betriebsstätte selbst, iet es va Betriebe aus in der Hausindustrie, oder aucb in Straf- und Beiierungs-Anitalten; Betriebe dagegen, in welchen keine Person mit ibrér ngptbefchäfxtgung tbätig ist, die vielmehr eine oder me rere Perionen lediglich neben1ächlich b cbäftigen, find als N2benbetriebe_ betrachtet worden. Die abl der 1882 in Sacbsen ermittelten, in 20 Getrerbegruppen unterschiedenen Hauptbetriebe beträgt 313140. Davon gehörten 109 278 (34.9 0/0) zur. Textilindustrie; 71760 (22,9 0/0) zur GrupOe Bekleidung und Reinigung; 35519 (11,3%) zum Handengewerbe; 18 825 (6 9/0) zur Gruppe drr Nahrungs- und Genußmittel; 8347 (2,79/9), zum Baugewerbe. Die Zahl der in allen Hauptbetrieben beschaftigten Personen betrug 793 760. Von diesen arbeiietcn 235 690 (29,7%) in der Textilindustrie; 114157 (14,4%) in den zur Bekleidung und Reinigung gehörigen Gewerben; 68 641 (8,6 0/0) ini andelsgewerbe; 54 094 (6,8%) in der Nahrungs- und Genuß- nztiteimdustrie; 51675 (6,5%) im BaugeiVerbe. Mit Rücksicbt auf die m den Betrieben_verivendeten KraftmascZJicn unterscheidet die 1882 er Gewerbe-Statiftik Hauptbktkiebe mit otoren und Haupt- betriebe obne Motoren. Die ab[ der Hauptbetriebe mit Motoren, in denrti zusammen 214 651 * erionen beschäftigt wurden, beträgt 9789, dicxe-nige der Hauptbetriebe obne Motoren, in Welchen 579 109 Per- sonen„ar_beiteten, 303 351. Es betrug demnaÉurchschnittlich die Zahl der beschaftigten Personen in einem Hauptbetrie e mit Motoren 21,9 und in eineni Hauptbetrxebe obne Motoren 1,9 U/0. Hinsichtlich der in den Betrieben_beschastigten Personen Find unterschieden worden: Betriebe obne (Gebixlfen (212 749), Betriebe mit 1 bis höchstens 5 Gebülfsn (88 221 unt 233 940 Personen), Betriebe mit mehr als 5 Gebülfen, und zwar Betriebe mit 6 bis 10 Personen (4991 mit 40193 Personen), Beiriebe mit 11 bis 50 Personen (5864 mit 123448 Personen), Betriebe niit 51 bis 200 “Persynen (1114 mit 100062 Personen), Betriebe M11 201 bis 1000 Perionen (193 mit 71 738 Personen) und Betriebe mit, mehr als 1000 Personen (8 mit 11749 Personen). Vonxden ermrttelten 46 307 Nebenbetrieben entfallen 13 307 auf die Textilindustrie UNd 12 336 auf das Handelsgewerbe. Fast 9 Zehntel der Nebenbxtriebe sm_d Alleinbetriebe (obne Gehülfen und Motoren). Ju drr fiir Sach1en wichtigsten Jndustriegruvpe, der Textil- industrie, nxmznt hinsichtlich der Zabl der Betriebe und der in den- selben beschaftigien Personen die Weberei die erste Stelle ein. Als-

führbarkeit beurtheilt. Und das Letztere wird man den Regierungen

dann folgen die Strickerei und Wirkerei, die Häkelei, Stickerei und

Spißenfabrikation, die Posamentenfabrikation. Was die Beibeiligm) des weiblichen Geschlechts an der Gewerbtbätigkeit anlangt, so tt dieselbe in Sachsen beträchtlich stärker, als im Deutschen_Re1ch übxr- kauvt; denn wäbrend von aUen Gewerbtbätigen im Deut1chen_ Renk nur 20,56 Prozent weiblich waren, betrug dieser Prozentiav für Sachsen 27,78. Dieses stärkere Hervortreten weiblicher Elemente in der_gewerbtreibenden Bevölkerung Sachsens hat seinen Gru_nd vorzugs- weiie in der starken Entwickelung der sächsischen Textilindmtrie, wexcbe einen größeren Prozentsatz weiblicher Personen, beschäftigt. als. fast alie anderen Erwerbegrupven. Auch die Gruvve der Bekleidung und Reinigung, welche die verhältnißmäßig größte Zahl weiblicher Personen beschäftigt, ist in Sachsen relativ stärker oer- treten als im Deutschen Reich. In Bezug auf die Verwendyng weiblicher Personm zu gerverblicben Arbxiten beißt_es iii dieiem neuesten Heft der säcbfiscben statistischen Zeiticbrift: ,das es ailerdings zu wünschen sei, dahin zu. streben, das; wenigstens die perbeiratbqeten Frauen aus den Fabriken verschwinden und mit drr Zeit dem Haus- ichen Herde und drr Pflege ihrer Kinder zurückgegeben wxrden. Anders siehe es mit den nicht Verheiraibrten weiblichen Prrxonen. Sobald sicb dieselbrn nicht in einer Haußbaltung oder in der Kindst- pflege nüßlicb machen können, liege SS in ihrem eigenßn wie im aesammtsn volkswirtbschaftlicben Inkereffe, daß fie ebenw wre die Männer einen bestimmten Beruf auszusiiilen sucben; fie soUien daher auch ebenso wie die Knaben nach dem Verlassen der Volks'chule zu einem bestimmten Beruf vorgebildei werden.“

_ Nach der „Wiener Wobn.-Ztg.' bat fick) im Vergleich zum Vorquartal am 1. Juni d. I. die Zahl der lssrsi€benden Wob- nungen von 3613 aus 3698 und die Zabl der zu den näcbfien Ter- minen (August oder November) zu vermierbcnden denUngen von 2501 am 2806 erhöht. Die Gesammtzabl der leerstrbendén und drr zu den nächsten Auszicbterminen zu Vermictbenden Wobnungen bat iich von 6114 des Vorquartals auf 6504, also um 390 Wobnungen, ver- mebrt. DiksL Zunahme der zu vcrmietbrnden Wobmmgen berubt darauf, daß viele Familien ihre Stadtwohnung Über den Sommer auslassen und auf das Land ziebcn. Leerstebende und ziim AUJUst', bezw. November-Tcrmin zu Vermietbende Wobnungsn cntfallen: Auf die Zinskatkgorie bis zu 200 Fl. Zins“ 1112; auf die Zinskategorie von 201-400 F1. Zins 2567; arif die Zinskatrgorie von 401-600 Fl. Zins 1179; auf die Zinskatrgorie von 601_1000 Fl. Zins 965; auf dieZinskategorie von 1000_2000 Fl. Zins 531; aur" dir Zinskategorie bon 2001_5000 Fl. Zins154; auf dieZinskategorie von mehr als 5000 Fi Zian 6, Die klsinste Zabl [erritebender und zu dén nächsten Terminen zu vermietbendkr denUngM entfällt somit auf die Zinskatraoris von 201 bis 400 F1. Jabrsszins, und dieser zu- nächst auf die Zinskatcgorir von 401_600 Fl. Jabrrszins. Von einem Mangel an kléinen und k12111kkén Wobnangen kann somit keine dee sein, umsowenigsr, als von den Wohnungeii der «Uerkleixiirsn Zinskategorie _ d. i. bis zu 200 F1. JabreSzins _ Zleichiails 1102 rbeils [errstebcw tbeils zu vermietbén sind,

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

„Unter der Linde“ betitelt W. Heimburg sieben Noweüen, Mlébe, zu einrm Bändchen versinigr, im Verlage von Ernst Keil's Nachfosßer, Lkipzig, erschiknen. Untsr den beiiebten Schrift- steÜcrinnen nimmt W. Heimburg Line brrvorragrnde SteUe ein. Jbr (_mmutbigrs Erzählersalsnr bat 11T!) in 811121' Réibe icseind Und ge- ichickt qescbriebener Romane und NoveUen, MUT)? in beliebtéii Journalen und in Buchform erschienen, auf das Beste bewäkyrt, Die vorliegende Sammlung weiit neben gut Gelungenem ÜUÖ Weniger Wertbboiles auf. Zu den bestsn dieser kleiien NobeUen gehört unstreitig die crits, bktiteit: „Am Abgrund“, in weicber mit vsyébologiscber Frinbeit die Seäenqualcn eines in einen verbaßten Beruf widcr Willen binein gedrängten jungen Mannes geschildert werden; sie iir kiiniileriscb am besten durcbgcarbeitet und Verdient dir an sie gewandte Mübe wegen des in

ihr b?bandelk-zn 'mnkb/xr- StoFes. Schwäch4r ist schon di? zweite NoveUe; _UUfekk HÜUIJ OF, we1087n 11117711 rVÜk'L-viioneacll Vcriau;

(:.- _aoer den Durcbschnittsstandbunkt kaUm erbebt. Aucb die dritte „Marinc“ erreicbt tro's ibrkr gemütbvollkn Sebildcrimg nicht dis erste, und di? übrigsn: „In der Webergasse", ,Grcßrnürteroben“ und „Aus mxinen vier Präölen' *."md nur inittklmäixige SÖöpfungen. Jmmerbin Wird das vorliegende Bändchen sriiirn Leserkrsis finden, der sich an dernielben erfreuen dürfte.

__ ,Ueber_chin€1iscbes Tbearer“ bstitslt !,"icb cine kirins Scbriit, welck€ weben im Verlage der Scbulze'scben Hbf=Vuchband: !UZg (A. Scbwarks), Oldcnburg und Lribzig, erickyienkn ist. Der Ver- saiier, vor) V.)?innigerode, giebt bier (ine intereffante Sci.";ilderung des (bineüicbZn Tbeaterwessns, n:?lcbcs 5611 dem unirigen sO crbrblicb abweicht, dag em Vergleich kaum zu zieben ist. Das chirie7ische Tbeqter wurde einer Sage nacb von dem Kaiirr Ming Weng, welcher ungefähr um die Mitte des vierzebntsii Jabrbunderts regierte, ge- gründet, kam aber nicht zu re-Ézter Vliitbe und Wurde erst wieder ins Leben geraien durch drei talsmroile MäkMSk, Tin, Tau und Tschung: dem Lcßteren verdankt das chin€fisch8 Tbsater seinen akrobatiscbeii und MUÜkälik-ÖSU Tbc-il. Dem Publikum im Allgemeinen wurde dcr Besuch des Theaters abr: er?,“t ungefäbr ums Jahr 1730 gestattet, nacbdem Hong Hai, der zweite Kaiisr aus der jeßigcn Dxnaitie, durch einen Befehl die ErlanniiJ zar Errich= tung einrs öffentlicben Tbsatcrs in Peking Ngeben barrs. ZUr Er- innerung an di2_rrei Gründer Tin, Tau und TsÖung findet anäßrlick) einmal eine bcwnders Festieier statt, Miche drri Tage dauert und zwar ist Von jedem Tage em ganzes Drittel für riessFeirr ausschließ- lich_ bcstimmt. Der Verfaffer bietet in seinem Buch eine anziebende Beichreibung eines solchsn Frites, drin er in San Francisco beiwobnte, _Er schildert die lesonkerlickékeitrn, Ueberraickyungen und phantaitiscben Jdcén _ dss Stückes", desen karzßefaßten Inhalt ein Scbaui'picler in folgenden einfacbsn Worten ankündigt: „Heute ist der Geburtstaß dsr Göttin dcr Gnade, wir onen Alle bmgoben und ibr Glück wimickxen ' Und nun folgt die meist vanto- mimiscbe, durcb Akrobatcnkmist'tücke, Aufzüge, irmboliicbe Cérrmonim _Unterbrocbene Handlung. __ Der Name des besten Schauspiels, das in chinesischer Sprache geicbrieben iir, [3111th Lck-Kirog-Fong; es handelt_ fait ausschlic'licb von der Verrinigung der sécbs chinesiscbe'n Königreiche_ durcb den remier-Minister Schung, einige bundrrt Fabre vor Christi Geburt, Ursprünglich Waren die Scbaaspiele in Cbmx rein historischen analts, bald aber traten grwiffe Nuanxirqngcn sin, sodaß man isst fiebrn verschiedene Abartc'n m_iterichkiden kann, nämlich: 1. Fu - Tscbcng (Rein histo- ri7ches Schauspiel vdsr Trauerspikl), 11. Mai Wud (Lustsbiel), 111. Oi-Yu (Platonischcs Liebesdrama), 117. Tai Mong (Höfiscbes Drama), ?. Hong-Koi (Ritterlicbes Drama), 71. YUen-Wana (Ver- folgungsdrama), 1711. Po-Yena (Das Vcrdisnst belobnrnde Drama); die drei leßtgenannten find Melodramen. An die Bedeurung dieser Bübnenn*erke, die darin bearbeiteten Stoffe in ihrem Zusammenhange mit dxn öffentlichsn und "sittlichen Zuständen in China, knüpft der Verfaiier eine inbe charakteristiscber Bemerkungen, welche eine eingebendcrc Krnntnif; der (bin?!"iscbcn Grseüscbaft vor- ausseycn. Der Schauspielcrstand ist kein gcachteter in _(Cbina, Der Schauspieler ist von jeglicher Vertrauens- 1tellung oder st_a_atlicben Aniteüuya gußgeichloffen, ebenso seine Söhne, Enkel und 191111192 Nacipkommenicbast. Möchte die finanzirlle Stellung einxs _Scbauipiclrrs aber noch_so glänzend sein, es würde sicb kein Cbineie dazU hergeben, Bernssichauwieler zu Werden und somit einem Staind: anziigrbörcn, drr zu den veräciytlicbsten der verächtlicben short. Weil aber das Gesetz den Schauspielern nebst ibrcn Nach- _ommen das Ergreifen cines anderen Berufes streng verbietet„ Weil sie 1ozysaqer1_ kékVmet smd, ba_lt€n sie es nicht der Mübe fiir Werth, Erwarniiie anzulegen _:_md stecken sogar ziemlich tief in Schulden. Das Reiultat davon __tit, daß San FranciSco die beste chinesische S_éoauiptelertruppe beiiyi, weil viele Schauspieler, aus finanzisllm Ruckficbten gezwungeii, ihrem Vaterlande den Rücken kehren. _- Yas anregend “geschriebene Buch wird für viele Laier von JKtercffe 1,8111. Der Preis desielben bexrägt 1 «“