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Yiehtamtliches. Deutsches Reich.
Preußen. Berlin, 21. August. Se. Majestät der Kaiser und König begaben Sich gestern früh 73/4 Uhr mit dem Dampfer „Alexandria“ nach Spandau und besichtigten da- selbst das 4. Garde-Regiment z. und das 3. Garde- Grenadier-Regiment Königin Elisabet .
Um 11 Uhr erfolgte von dort die Rückfahrt, während welcher der Chef des Civilkabinets Sr. Majestät Vortrag hielt.
Se. Majestät speisten Nachmittags 3 Uhr mit dem Offizier-Corps des Lehr-Jnfanterie:Bataillons im Roßen Kasino in Potsdam und begaben Sich um 5 Uhr zum dler- schießen des 1. Garde-Regiments z. F. nach dem Katharinenholz.
_ Anläßlich der kürzlich erfolgtenWahl eines Stell- vertreters des zweiten von den Arbeixégebern zu wählenden nichtftändigen Mitgliedes des Reichs-Versicherungs- amts war der Zweifel angeregt worden, ob die den Landes- Versicherungsämtern untersteliten industriellen Be- rungenossenschaften, welche gleichfails zur Vetheiligun an dieser Wahl aufgefordert waren, dazu auch berechtigt seien un ob nicht vielmehr in dieser Theilnahme eine Beeinträchtigung des Wahlrechts der ausschließlich vom Reichs-Versicherungßami reffortirenden Berungenoffenschaften liege. Demgegenüber hat das Reichs-Versicherun Samt in einem kiirzlich an sämmtliche Berungenofse11schafts: orstände gerichteten Rundschreiben, wie die „B. V. N.“ mittheilen, darauf aufmerksam gemacht, daß die den Landes:VersicherungHämtern untersteliten Berufs- genossenschaften dadurch nicht außer jeden Konus mit dem Reichs-Versicherungsamt gebracht srien , da die Zuständigkeit des letzteren vielmehr sich auch bezüglich dieser BeruchgenoffrnsWsten auf ein weites Gebiet aligemeiner Ausfiihrungsbestimmungrn 11111) spezisiler Entscheidungen ersirecke, und daß es deshalb sachlich durchach begriindet sei, wenn die den LandeS-Versicherungsämtcrn untrrstellten (He- noffenschaftrn cm den Wahlrn zum RrichH-Versichrrungsamt theilnähmen. Das Gleiche ssi der Fal] mit den landwirt- schaftlichen Berrthgenossenschastcxi und mit den fiir die Unfa : versicherung errichteten staatlirhen Aufsichtsbehörden.
_ Durch Allerhöchste Ordre vom 10. d. M. ist genehmigt worden, daß die dem Chausseegeld:Tarif vom 29. Februar 1840 angehängten Bestimmungrn wegen der Chaussee:Polizei: Vergehen auf die von dem Saalkreise im Regierungsbezirk Merseburg erbauten Chausseen: 1) von Bdliberg nach Wörmlitz, 2) von Braschwitz iiber Plößniß nach Niemberg, 3) von Niemberg Über Schmerz bis zur Schwerzer Provinzialstraße, 4) von der Naundorf:Wettiner Chaussee iiber Dössel nach dem Birnbaum an der Garsena-Rothenburger Chaussee, 5) von Dössel nach Dobis, 6) von Lebendorf nach der Grube Georg zur. Anwendung kommen.
_ Der Kaiserliche Botschafter am russischen Hofe, r-dn Schwsiniß, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Fiir die Dauer der Abwesenheit desselben von St. Peteerurg fungirt bis auf Weiteres drr Legations- Sekretär Graf Vitzthum von Eckstädt als interimistisöher Geschäftsträger.
_ Der C ef-Präsident der Ober-Nechnungskammer, Wirk- liche Geheime ath von Stürtzner, ist von seiner Urlaubs;- reise nach Potsdam zurückgekehrt.
_ Der Kaiserlich _und Königlich österreiÖisch-ungarisähe Botschafter am hiesigen Allerhöchsten Hofe, Graf Széchéznyi, hat einen ihm bewilligten Urlaub angetreten. Fiir die Dauer der Abwesenheit desselbeir von Berlin fungirt der Botschaft?- Rath von und zu Eissenstein als interimistischer Ge- schäftsträger.
Frankfurt a. M., 20. August. (W. T. B.) Der italienische Minister-Fräsident _CrisPi ist heute Nach- mittag um 31/2 Uhr )ier eingetroffen und im Frankfurter Hof abgestiegen.
_ 21. August. W. T. B.) Heute Vormittag 9 Uhr 5 Minuten ist der inifter-Vräsident Cri-Zpi 713. Bebra- GöttingenHannover nach Hamburg weitergereist und begiebt sich von dort heute Abend nach Friedrichßruh.
Bayern. München, _ 20._August. (W. T. B.) Die Kaiserin von Oesterreich ist mit _der Prinzessin Valerie mittelst Extra uges heute Nachmrttag in strengstcm Incognito hier eingrtro en und in dem Hotel „ZU den vier IahreSzeiten“ abgestiegen.
Württemberg. Stuttgart, 20._August. (St.-A.f-W.) Die Erbgroßherzogin von Sach1en-Weimar ist vor- gestern zum Besuch des Kbnigs und der Königin in Schloß F r ie d rich s h a se 11 eingetroffen.
Frankreiéh. Paris, 20. August. (Köln. Ztg.) Jm DepartementderCharenteJnfé-rieure erhielt Boulanger 57 484 und Lair 42 416 Stimmen. Boulanger ist somit in allen drei Departements, in denen seine Kandidatur aufgestellt war, gewählt worden.
_ W. T. B.) Die republikanischen Abendblätter schreiben die dreifache Wahl Boulanger's zum Depu- tirten dem Umstande zu, daß die Wahl in durchweg kon- servativen Departements statt efmxdrn habe. Der „Temps“ sagt, das Ergebnis; der oahl sei ein erniedrigendes in Bezug auf den nationalen grsunden Menschenverstand und in Bezug auf di? Loyalität der Politik, aber durchaus kein beunruhigende-s , _ weil Boulanger seinen Triumph ausschließlich der Koalition der Konservativen 5er- danke. Diese Koalition sei aber nicht beunruhigender als die- jenige vom 16. Mai. Von mehreren Blättern wird aUSgefii'hrt, daß das Ergebnis; der gestrigen Wahlen vor Allem die Ohn- macht der radikalen Regierung beweise.
Niederlande. Haag, 20. August. (W. T. V.) Der König, welcher sich im Schlosse Loo befindet, ist seit eini en Tagen von einem katarrhalischen Leiden befallen und in zolge dessen das Bett zu hüten genöthigt.
Amerika. Washington, 17. August. (A. C.) Im
“Senat wird die Abstimmung darüber, ob der Fischerei-
v e rtr a g ratifizirt werden soll oder nicht, am 21. d. stattfinden. Der hiesiée haytis? e Gesandtr erklärt, daß G e n er al S a o m o n, we: cher Hayti beim Ausbruch der
jüngsten Revolution verließ, _dey Präfidentenposten nieder- ge_legt hat und sich wahrschxmltch nach Frankreich begeben erd. Der Gesazidtr ügt hinzu, daß General BoiSrond- Canal als provisoris er Präsident fungire, und daß die Kammern zusammengetreten sind, um einen Nachfolger für General Salomon zu wählen.
Afrika. Aus Suakrm, vom 16. August, liegt folgendes Tele ramm vor:
_ ie Abessynier haben den Derwiscben unter Abu An (: zwischen Meiammeh _und Gondar eine ernste Niederlage beigebra t. In Galabat steht eme große abesiyniscbe Streitkraft, und König Johannes bat emen h_ohe_n Eid geschworen, Kbartum einnehmen xu wollen. Der Khaltf ist in hohem Grade beunruhigt. _ Die Meidung von Lupton Pascba's Ableben wird von Augenzeugen bestatigt. Er starb_nach kurzem Krankenlager Anfangs JUli an der Aus- zehrung oder m_i einem ähnlichen Brustleiden und wurde als Maho- medaner beerdigt. De_r Khalif bedauerte sehr den Tod Lupton Zascha's, _da er sich_ im Arsenal als so nüßlich erwiesen hatte.
izpton_ hmterlaßi eme abeffyni1che Frau und eine Tochter. _ chr tn Suaktm herrscht Ruhe. Das italienische Ka- nonenboqt ,Provana“ kam hier am Dienstag von Maffovah an und wird am Sonntaa wieder die Rückreise antreten. _ Die A_marars und Hamdabs haben eine für OStnan Digma be- st_1mmte Karawane von Getreide und Waaren geplündert, und die Jemaiads belsgten eine Waarenladung mit Beschlag, die OSMan Digma auf der Kaffala - Berber - Route abgeschickt battc_, woraus _derep Feindseligkeiten gegen die Herrschaft des Kbaltfen ersichtlich smd. Zur Züchtigung dieser Stämme ent- sandte Oßmap Dt ma 800 Mann, abcr ck ist nicht unwahrscheinlich, daß erstere seme_ Lacht brechen Werden. Die benachbarten Stämme find des_M_abdismus_ herzlich müde, und die Anhänger O5man's werden taglich unzufriedener. Der Handel ist nur schleppend. Von Agtg und Tokar sirid die Anzeichen hoffnungsvoller. Das Tele- graphenkabel ist reparirt worden.
Zeitungélftimmen.
_Jn einemIlrtrkxl der „Norddeutschen Allgemeinen Zertupg “ iiber die St_eliung der Regierung zu den parla- mentarischen Parteien heißt es am Schluß:
Unsere Fraktionsbiidungen im Parlament wie in der Wähler- schaft _ find bisher nicht Von der Stctigkeit und Festigkeit, daß sick) eine die Regierung selbständig beeinfiuffende Frakjion herstellen ließe. SO lange _dies nicht oder doch nur vorübergehend der Fali ist, werden die Fraktionen, wrlche die Reichspolitik über die Fraktionen stellen, genöthigt sein, auf dem Wrgr der Kompromisse unicrctnandrr und mit der Regierung ihrs Mitarbeit an der Politik und _Gcseßgebung dcs Rriches zu bethätigen, und die Regierung wird die Aufgabe haben, den Friéden der staats- ste_undlicben Fraktionen_untereinander und ihre eigene Verständigung mrt denselben ngcb Kraftc_n zu pfiegen, ohne selbst zur Paririregieruna zu werden „ S1e_ wird sich dabei grgcnwäriig zu halten haben, daß in den Parteiblattrrn in drr Regel nicht die Ueberzcugungen und Bestrebungen der Parteien im _(Ganzen zum Ausdruck zu gelangen pflegen und daß die _extremen Mtnoritäten jeder Partei in der Regel das stärkste Bedürfmß habcn, im Namen der leyieren das Wort in der Presse zu führen.
_ In der „LandeS-Zeitung fiir Elsaß-Lothrin- JLU“ lesen wrr:
Das Ergebnis; der am 4. und 5._Au_gust in Elsaß-Lothringen stattgebabten Erganzungswahlen fiir die Bezirkstage “und Kreistage darf im Allgemeinen als ein erfreuliches bezeickinet werden. Ist den Wahlen zu der_i gedachten Körperschaften mit Rücksicht auf die den lc teren zugewiesenen Aufgaben an sich eine erhebliche poli- ti chr Bxdeutung nicbt beizumessen , fo trat dieses Mal doch die bolitiiche Seite jener Wabien in mehreren FäÜcn um so stärker in den Vordergrund, als gewis1e Elemente ix; einzelnen Wahlbezirken bestrebt waren, nicht in offenen Kundgebungen, sOndern auf drm Wege versteckter Brarbeitung der Wähler cin Ergcbnif; zu Standc zu bringen, welches der Welt _beweisen soÜte, daßdie Bevölkerung den Maß- xiahmen, welche dre Regierung in neuerer Zeit zur nachdriicklichen Wabrurig der deuiscben Jntereßen zu ergreifen sicb Veranlaßt gefunden hatte, emen enlschtedcnen Widerspruch enigegenseize.
Diese Bemühungeq haben sich nicht allein fast durchgängig als Vergeblich erwiescn, es smd sogar einige Männer mit großer Stimmrn- mehrheit gewählt worden, welche mit dem Hinweise darauf, daß unter der deutschen Regierung Freiheit _und Ordnung herrsche, sich mir einer bisher noch nicbt _ da ewesenen ?)iückbaitßlofigkcic auf die Seite des Dcutscbthums gestrlit (ich.
In glei-zhem Maße erfrculich ist die in einigen lothringischen Bezirken erfolgte Wahl von Aitdeutschen sdwie die in mehreren Fällen erfolgte Erseßung der bisherigen Mandaismhaber durcb Vertretrr de: rcgisrungsfreundltckxen Richtung.
_ _ Die „Frankfurter Zeitung“ schreibt zu der Er- dffnung des neuen Bahnhofs in Frankfurt a. M.:
Der neue Babnboi ist der Hauptsache ncxch rin Werk der Staats- bahn. Haben auch militärische Griinde bei dsr Anregung des Plans eine große Rolle gespielt, so ist doch bei dcr Ausfiihrung füt: alZie Verkrhrsinierrssen in auskeichendem Maße Sorge getragen morden. Dcrs Wérk ist_ dabrr in seinem Wesen eine Schöpfung der staatlichen Ver- kehrkzvolttck. Bedenkt man noch, dizi"; diese Schöpfung _Zo fern vom Mittei- pmikt des Staats liegt, so wird man nicht Umhin können, in dcr wettschauendexi u_nd aller Engherzigkeit abbolden Politik, welche zu solchen Ergebnißrn führt, einen neuen Triumvb des Staatsbahn- fystemxi zu erblicken, und mcm wird diesem scinewarme Anerkennung nicht versagrn durien. Wenn jeZt der Staat ein Werk geschaffen hat, das auf Viele Jahre binaxis den Erfordernissen der Verkehréentwickelung genügt, so darf fich die Stadt wohl ein Brisriel daran nehmen.
_ Die ,Deutsche volkswrrthichaftliche Corre- spondenz“ bemerkt: _ _Ganz_ absondcriicb ist dir Art und Weise, wie die „Frei- smmge ertung' zu Ruß und Frommen ihrer Leser den Bericht _der lapdwtribsckpaftlixben Verwaltung mit Kommentaren versteht, resp. im Sinne en_1e_r fretfiünigen manchesterlichen Denkungsart zubereitet. In dem Bericht hrifzt es dortseibst, werde ja UUUMWUUÖLU ausgr- sprochen, daß crit in Folge drr modernen Entwickelung des Eisenbahn- wesxns _und des Damv11chiffverkehrs große Quantitäten Von Getreide aU'ahr11ch_aus denjenigen Ländern, die Ueberfluß daran haben, nach so ch_e': Landern verschickt werden, die nur auf mangelhafte odrr wenrgstens unfichere Ernten rechnen können.
„Nach der _agrartscben Weltansäyauunß“, so fährt das Blatt fort,“ ,ist es nun. die Aufgabe der Geseßge ung, dieser Wirkung der modernen VerkehrSentwicki-„lung entgegenzuarbeiten. Das ZoUwesen und_a]]es, w_as drum und dran hän 1, soll so gestaltet sein, daß so Wenig Getreide nacb Deutsckyland ineinkommt, Wii: dies vor etwa 50 Jahren der_Yal] gewesen ist. Nun haben wir die Frage auf- zuwerfen: Jst_die «: m_oderne Entwickelung des VerkehrSwesens ein Glück oder ein Ungluck? W_are es gerechtfertigt, den Wunsch zu hegen, daß diese Cntw1ckelu_ng des Eisenbahnwesens und der Dampfschiffahrtnicht statt- r efunde_n hatte? Wir glauben, es wird Niemand den Mut!) gewinnen, die Frage in dieser Weise zu beantworten. Die Entwickelung der Dampf- raft, aus der mit Nothwendigkeit Eisenbahnfracht und Dampfschiff- fahrt hervorgingen. ist im Kulturfortschritt von unermeßlicher Be- deinung. Es wird Niemand sich den Zustand zurückwünschen, der,“ in fruheren Jghrbunderten bestanden hat. Und wenn nun diese Ent- wickelung em Giück ist, welchen Sinn hat es dann, Maßregeln zu treffcn, welche die Folgen desselben wiedrr aufheben? Wenn es aber
und u_nser Reich selbst Mittel aufbieten, um sich die Früchte dieser Entwickelung zuzueignen?“
Es verlohnt sich, diesen Uebertreibungen näher zu treten. Und da muß den_n sdfort konstatirt werden, daß es sicb bier keines- wegs um ausschließlich agrarische, sondern um solche Anschauungen ba_ndelt, welche _die Schutzzöl1ner de_rn Freihändlern gegeniiber vertreten. Dieselben Erwggun en, Welche die „Freisinnige Zeitung“ hier zum Zwecke drr Bekamp ung agrarischer Anschauungen vorführt, gelten in ganz_gle1chem Maße auch für unseren Handel und unsere In- dustrie. Den vorstehenden Deduktionen zufolge hat der Staat_ nicht das mindeste Recht, diejenigen Wirkungen zu kontroliren, welche die moderne Verkehrsentwicklung hervor- gebracht oder _d_o_ch verschärft hat. Weil der Staat selbst Eisenbahnen und Dampf1chtsxe baut zu dem Ende, um der Industrie und dem Handel _ des eigenen Landes dienlich zu sein, deshalb darf er nun beileibe auch nicht die allergeringste Maßregel ergreifen, wenn, es fich zeigt, daß vorerst der deutsche Handel- und die deutsche Industrie den von Außen gegen sie unternommenen Angriffen noch nicht gewachsen find. So tböricht es ist, irgend Jemandem zuzumutben, als 1ebne er sich nach denjenigen Zuständen zurück, wie sol__ch_e vor 50 Jahren, ja_ vor nur zwei Dezennbn bestanden, ebenso tbortcht ist es, lediglich einer Theorie zu Liebe, an den Staat die Zu- txiuthung zu stellen, er müsse, Weil Eisenbahnen und Dampfschiffe nun emma! m fortschreitender (Entwickelung begriffen seien, lediglich dieser Entwickelung wcgen, resp. um eines Prinzipcs halber, Augcn und Ohren _auch dann verschließrii. wenn es sich zeigen folite, daß in Folge“ drr rapiden Entwickelung drr Verkehrswege ganze Klassen der Be- volkerung und ganze Serien von Industrién zu Grunde gerichtet werden. _ Es ist xm abgebrauchtes Mittel der „fortschrittlich - manchester- lichen Pgrtei“, _stets dann, wenn nach der Ueberzeugung anderer" Staatsburger die fortschrittliche Bewegung nicht in. dem rapiden Tempo fich_zu voliztehen hat, wie diese Himmelsstürmer ('s molicn, _von der Ruckkcbx zu mittelalierlicbrn Formen zu sprechen. Auch hier ist_ von den_ Znstanden früherer Jahrhunderte die Rede, zu weichen wir angrbltck) zuriickkehren,_ wenn wir fortfahren, unsere nationale Prdduktion u_nd unsere nationale Arbeit fürderhin zu schüßen. Ein Blick auf dte_ statistischen Daten des lexzten Dezenniums genügt aber, _um insbesondere an der Getreideeinfuhr darzuthun, daß dieselbe ketncsiU-gs die Rückkehr von Hungersnoth und“ schrecklich dunklen Zuständen befürchten läßt, daß dieselbe viel- mehr_ sowohl aus __Oesterreich-Ungarn als aus Rußiand, aus Amerika und aus O_stmdten in ganz bedeutender Weise zugenommen hat und daß allfallstge Beschränkungen der Einfuhr durchaus nichts Aydercs bszcxkßn konnten,-als eincr ailzu heftigen, die deutsche Land“ wrrthscbafi rurmrenden Steigerung derselben vorzubeugen. Wer zu mel brweist, _bewetst nichts, und di? furchtbaren Schilderungen vori. den Wirkungen _der Zölle leiden m ihren krassen Ueber- tretbux-igcn schr bedenklich an drm ,Zuvielbrweisrn“; weniger wäre auch hier mehr gewesen. '
_ U_n_ter der Ueberschrift „WeltmarktsPrrise und Wirth- schast§4_p01111k“ schreibt die „Post“: _
_ T_te Jahre 1873/74 _ bilden in ganz anderem Maße einen Merk- stern m der wrrtbschaftlich)en Entwickelung nicht blos in Deutschland, sondern aller Lander der Erde, als man zu jener Zeit und noch Jahre lang nachher annahm. _Während man damals die Miliiarden-Zeit urzd den foiaenden quci) als eine vorübergehende Störung der Volks- rvtrthsck;aftltc_hen Cnthlung anzusehen und anzunehmen pflegte, daß nach Ueberwindung der Krisis dicse ihren durch dieselbe unterbrochenen Gang fortsc en werde, kann heute ein Zweifel dariiber nicht mehr beste_en, daß jenr Jahre die (Grenzscheide zweier völlig _verschtedener, 1a gewiffe-maßen gegensätzlicher Phasen der Weltwirthschaft und damit zugleich der deutschen National- wirthschaft bilden. Das Jahr 1873 ist der Höhepunkt und dabei zugleich der Abschluß emer mehr als zwanzigjährigen Periode steigen- der Preiie aus dem We'ltmarkte. Wohl weist auch die Zeit von 1850_7_k_:* m_Brzuq Zuf einzelne ProduktionSzWeige, wie die Gesammtlage der Preije einige Ruckschlage 1'nd Stockungen auf, dieselben haben aber
der Preise _zu sein_. Seit187'4 dagegen ist in den meisten und wichtigsten .Nandeisartikeln em stetig zunehmender Rückgang der Preise eingetreten. L_Zorriberac-hrnd Wurde_ in den Jahren 1881-83 gehofft, daß die rück- i«i1_ifige BLWegung ihren Abschluß erreicht babe und cine Periode strixirnder Preise beginne, allein diese Hoffnung erwies sich als trugerisch. Es war nur eine kurze SchWankung nach oben gemesen und bald srizie sich die rückläufige BeWegung in verschärftem Tempo fort, sodaß irn Jahre 1886 die Preiie vieler wichtiger Waaren, theils ars, theils selbst unter das Niveau gesunken waren, welches fie vor drr rnit den Goldentdeckungen in Kalifornien und Australien beginnen- d-g Prriode steigender Preise hatten. Das Jahr 1887 weist, soweit _e;11chtitch,_ bei_einer großen Reihe wichtiger Waaren einen Stilistand “_n der rücklausigen Bewegung der Preise auf; das; es den Endpunkt dieser Bewegung bedeutet, tragen wir indessen noch nicht zu hoffen. Dabei weicht die nunmehr ein halbes I)ienschenalter andaurrndr Periode rückgeherxder Preise insofern von den früheren ab, als, während sonst einem Preisdruck der Erzeugnisse des Gewerbefieißes als ausgleichendes Moment eine Steigerun der PreisZ der Rohprodukt: nebenher zu gehen, Pflegte und umgeke rt, gegenwartig sowohl die Waaren, bei denrrx die menschliche Arbeit, als diejenigen, bei drnen die Naturkraft den Hauptfaktdr bilden, in gleicher Weise sinkende Preise aufweisen. Langandaurrndcr, stetiger und allgemeiner, alic Zwrige der Produktion umfciffender Rückgang der Preise ist" die Signatur der Periode seit 1873/74; diese weist somit einen geradrzn entgegengeseßi-sn Charakter wie die unmittclbar vorbrrgehcnde auf.
Wie tief einschneidende Wirkungen die andauernde Veränderung in der Tendrnz dcr Preisbcwegung auf die gesammten Produktions- und Einkommensvarhältniffe habrn muß Uxid gehabt hat, liegt auf der Hard. Ju lchterer Beziehung ist es für Deutschland, im Gegeniaß namentlich zu England, charakteristisch, daß der Arbeitslohn von dem ailgezncinen Rückgang der Waarenpreise und den steigenden Schwie- rigkeiten der Produktion glücklicherweise nur in geringem Maße beein- flußt worden ist und sich im Allgemeinen auf dem Niveau erhalten hat, welches xr, von einzelnen Ausschreitungen der Gründerjahre- abgesehen, _Amangs des vorigen Jahrzehnts erreicht hatte. Es ist“ klar, daß m Folge dessen die deutschen Arbeiter fich nicbt iiur Ange- sichts der niedrigen Preise der wichtigsten Lebensbedürfnisse tm Durch- .schnitt erheblich besser stehen, als am Schluß der vorerqehendew Yeriode, sondern daß auf sie auch eine erheblich größere 9.11.1016 des
olkSeinkommens entfälit, als damals, sie mithin aucb irn Vrrgleich- mit der größeren Mehrzahl der (Gewerbetreibenden, L_andwtrthe, Kapi- talisten relativ ungleich besser stehen, als zu jener Zert., _ -
Indem wir uns vorbehalten, auf die Ursachen des geschilderten wirthschaftlichen Vorganges zurückzukommen, _beschxanxen wir uns darauf hinzuweisen, daß in denselben zugleich ds_e naturliche Erklärung. und Rechtfertigung des Umschwunges in der ertbschafts-, vor Allem der ZoÜ- und Handelspolitik liegt, _rvelcher, wre m den meisten Län- dern des europäischen Kontinents, seitdem m_Dexttschland eingeireten ist. In den Zeiten dauernder steigender Preise ist die Konfumtion, in Zeiten dauernder finkender Preise ist e§ umgekehrt die Produkiion, Welche in erster Lime der _Fursorge und des Schußrs der StaatSordnung bxdarf. Wie m _jenen daher eine mit der wirthfcbaftlichen Entwickelung der Nation fortschreitende“ Beseitigung der Zollschranken medi _ n_ur möglich, 1ondern auch zWeckmäßig war, so ist m der gegeywarttgen Prriode umgekehrt die- Politik thunlichsten Schutzes der n_atwna_len Arbeit vor den Wirkungen; des allgemeinen Prerßruckgangeß dre alle_m richtige, den Interessen der Nation entsprechende. Dem Fursten B18marck ebübrt das Verdienst„ den Charakter und die Bedeutung _des 18 3/74 vollzogenen Um- scbiVUnges in der_Weltwiribsch_aft, wie Nasse iich auSdrückt, milk“ divinatorischem Blicke schoii m emcr Zeit erkannt zu haben, wo man. sicb im Allgemeinen noch einer kurz vorübergehenden Krisis gegeniiber glaubte, und unbeirrt durch_den lauten Widerspruch zahlreicher Theo- retiker und Praktiker rechtzeitig die deutsche Zoll- und HandelSpolitik
ein Unglück wäre, wie könnte man es rec'oifertigen, daß unser Staat
in die richtigen Bahnen gelenkt zu haben.
keine andere Bedeutung, als OEcillationen in der stetig aufsteigenden Linie _
Ministerial-Blatt für die esammteinnereVerwal- tun in den Königlich_preußis en Staaten. HerauSgegeben im ureau des Ministeriums des Innern. Nr. 7. __ Inhalt: 1. Allgemeine Verwaltungssachen. Beschaffenheit der un amtlichen Verkehr zu bcnutzenden Tinten. _ 11. Behörde:) _un_d Beqmte. Re-
ulirung des Diensteinkommens der zum Militardtenst e_mberufenen ZkeicbsH Staats- und Kommunalbeamten. _ Veröffentlichung von Bekanntmachungen über Name und SW der Beryfßgxnossenschaftxn. _ 111. Polizeiverrraltung. 4. Gefindebélzzet. Polizeiliche Befugnisse in Gesindestreitsachen. _ 13. Baupolget. Verpflichtung z_ur Auf- bringung von Kostenbeiträgen für die Straßenregultrung Seitens der angrenzenden Grundbefißer. _ 17. Verwaltung der Staaißsteiiern und Abgaben. Stempeifreibeit der in stempelfreten Scbrntstucken enthaltenen Kompromisse oder Nebenprrträqe. __ Y, Vcrwaitung der öffentlichen Arbeiten. Vergütung für Schiedsrichter beim Ver- din ungswesen. _ 171. Militär- und Marine-Angelegenheiten. Ver- zei niß der höheren Lehranstalten, wxlcbe zur Yuksteliung _r_c*n_Zeug- nissen iiber die wifferifcbaftiiche Befahigung fur den Linjahrrg-frep willigen Militärdienst berechtigt find.
. Statistische Nachrichten.
Gemäß den Veröffentlichungen „des Kaiserlichen Gesund- heitSamts smd in der Reit vom 5. bis 11. August er. von je 1000 BeWohnern, auf den Jahresdurchscbnitt berechnet, als gest_orben gemeldet: in Berlin 22,6, in Breslau 27,0, in Königsberg 29,9, in Köln 28,8, in Frankfurt a. M. 14,9, in Wichaden 13 4. in HannoVer 17,9, in Magdeburg 28,9, in Stettin 34,1, in Altona 23,3, in__ Kaffrl 16,3, in Straßburg 26,0, in Metz 22,9, in München 34,9, m Nurnberg 17,4, in Augsburg 28,2, in Dresden 20,5, in Leipzig 21,2, m Stuttgari 19,4, in Karlsruhe 20,9, in Braunschweig 28,2, in_ Haniburiz_23,4_, in Wien 20,1, in Pest 38,4, in Pra 29,5, in Triest _28,8, m _Krakarz 25,6, in Amsterdam 19,8, in Brii el 20,9, in Paris 20,0, 111 Bgiel _, in London 18,0, in GlaSgow 16,5, in Liverpool 19,0, tn Dublin 19,4, in Edinburg 14,9, in Kopenhagen 19,2, in_ Stockholm 16,2, in (Christiania 13,8, in St. Petersburg 31,1, m _Warschau_ 22,5, in Odeffa 33,8, in Rom 28,0, in Turm 23,2, in Venedig _, in Alexandria 50,7. _ Ferner in der_Zeit vom 15. bis 21. Juli e_r. in New-York 33,7, in Philadeiphia 23,1, in Baltimore 31,5, in Kalkutta 18,5, in Bombay 26,6, in Madras 32,8. _ _
Die allgemeine Sterblichkeit w_ar au_ch i_n dieser Bcr1cht§woche m den meisten „Großstädten Europas_ e_me gunstige, und zwgr hai_fi; be- sonders in den größeren niederrheinischrn _und nordwestlichen Stadien abgenommen, während fie in den östlicher: Orten dreifach großer wurde. Sehr kleine SterblichkeitHziffrrn (bis 15,0 pro Miiie imd Jahr berechnet) melden E(berixld, Frankfurt __ a._ M;, Mies- baden, Krefeld, Christiania und Edmburg. Sebrgunsttg (bis 20,0 pro Mille und Jahr) war die Sterblichkeit in Hannover, Stuttgart, Kaisel, Nürnberg, Barmen, Aachen, Darmstadt, Kopenhagrn, Airisterdzrr-ri, Paris, London, Glas,“,ow, Liverpool,_Dublin, Stockholm. Maßtg hoch war die Sierblichkrit (eiwas iiber 20,0 pr. M.)_1n Dreßden, Leipzig, Berlin, KarlSruhr. Bremxn,__ Dusseldorf, Wien, Brussel, Warschau u. a. Hohe SierblicbkeitSzisssrn (über 35,0 pr, M.) melden von den deutschen Städten nur Liegnitz und Charlottenburg. _ Auch in dieser Woche war die Zahl der tödtlich Endenden_ Darmkaiarrbe und Brechdurchfäile in einer Zahl von Stadien, wre 111 Berlin , Köln, Königsberg, Leipzig , Stuttgart, Straßburg, Paris, London, Pest, St. Petersburg, qusÖaU“, eme größere als in der Vorwoche, wghrend m Hamburg, Breslau, München, Dresden, Danzig, Stetim, Wren,_Bru_ 61 u. c:. die Zahl der Todesfäl]? etwas kleiner wiirde oder_dte_gletch große wie in der Vorwoche blieb. Der Antbeil _des S_auglmgsalters an der Gesammtsterblichkcit war aber meist ein geringerer als “in der Vorwoche, so das; von je 10 000 Lebenden, aufs Jahr berechnet, in Berlin 111, in München 155 Säuglinge starben._ _ Akute Ent- zündungen der AthmungSorgane _iiihrtm e_rhcbltcb seltener zum Tode. _ Von den Infekttdnskrankheiien haben _Masern und pröse Fieber etwas mehr, Scharlach, Diphtherie, Keuchhusten und Pocken weniger Sterbefalls _veraniaßi. _ So werden Sterbefälie an Mas ern aus Hamburg, Wrcn_, Paris, London, Prag, ST. Pcterk-burg in größerer, nur aus Berlin m kleinerer Zabl gemeldet; Erkrankunge'n kamen aus den Rrg.-Beztrke_n Schleswig und Wiesbaden, sowie aus Pest häufiger, aus Berlin, Wien, S_t. Peters- burg in geringerer Zahl zur Anzeige. _ Dgs Scharlachf1e_ber hqt in Danzig mehr, in London die gleich: Zahl von Sterbefallcn wie in der Vorwocbe bedingt, Erkrankungen kamen “aus Wien und Kopenhagen in geringerer. aus Berlin und St._ Petersburg und aus dem Rehierunqsbezirk Düsseldorf _in etwas_ gesteigerter Zahl zur Anzeige. _ Die Sterblichkeit an _Diphtherie_und Croup war in Berlin, Hamburg, Breslau,_Wtrn, Prag, Paris, St. Peters- burg eine geringere, dagegen in Miinchen, London, Pest, Kopenhagxn eine größere als in der Vorwoche. Neue_ Erkrankrrngrn waren m Bcrlin, Breslau und St. Petersburg etwas zahlreicher, im Regierung?- bezirk Schleswig, in Hamburg 11110 in Kopenhagen nur _wemg_gegen die Vorwochererändert. _ Der Unterleintyphus bedingte in Berlin und Paris ein wenig mehr, in London, Gt. Petersburgrtwas weniger Todesfälle. Erkrankungen waren dagegen in Berlin iclten, m Pest, Kopen- hagen und St. Petersburg zahlreicher. _ Ati Flecktyphus kam aus St, Petersburg, an epide_mischer Gentckstarre aus Kopen- hagen je 1 Erkrankung zur Berichterstattung. _ Der Keuchhusten hat in London wrnigcr Kinder hmweggerafft; !icur Erkrankungen kamen aus Hamburg und Kopenhagen seltener zur Mittheilung. Er- krankungen an rosenartiger Entzüydung des ZellgeWebes der Haut kamen seltener zum Vorschein. _ Aus St. Petersburg kam 1 Todesfail an Roß zur Anzeige. __ 'Einzelue Todesfalie_an Pocken (Ze ]) werden aus Lemberg und Paris, mehrfache aus Triest und den Vororten Wiens (je 2), dus Warschmr 5, aus Prag 9 ge- meldet, neue Erkrankun en aus Wien und Pest _1e 2. _ _
Die sanitären Ver ältnissc in Ber_l1n_ blieben a_u§h m dieser
Berichtswoche giinstige und die Sterblichkeit eine maßrg hohe, die sogar Siwas geringer als in der Vorwoche war. Die besonders in der zweiten Wochenhälste hohe Temperatur der Luft (das Thermo- meter für am 10. August bis 30,0 Grad C.) bedingte zwar eine be- deutende ahl von Darmkatarrhen und Brechdurcbfälien der Kinder, welche in 199 gegen 168 FäÜen der Vorwvche tödtlich endeten, dennoch war der Antheil des Säuglingßalters an der Sterblichkeit ein geringerer als in der Vorwoche. Dagegen traten akute Ent- zündungen der AihmungSorgane in erheblich selteneren Fällen zu Tage und führten auch_ viel seltener zum Tode. Auch die Infektionskrankheiten riefen meist Weniger Erkrankungen hervor. So waren Erkrankungen an typhösen Fiebern selten, auch Masern, die nur noch im Straiauer Viertel größere Verbrritung zeigten, kamen seltenkr zur Anzeige, Erkrankungen an Scharlach und Diphtherie wurden_ wohl etwas mehr Femeldek, kamen aber in keinem Stadttheil in größerer Zahl zur Me dung. Erkran! kungen an Keuchhusten blieben seltex; und nahmen meist einen gut- artigen Verlauf. Rc'senartige Entzundungxn des Zellgewebes der Haut wurden seltencr beobachtet, (Erkrankungen izr] Wochenbett 1edoch etwas häufiger zur Anzeige gebracht. Tsxbeuxnattjckie Beschwerden aller Art kamen nur in wenigen Fällen zur arztlichen Behandlung.
Knust, Wissensckxaft und Literatur.
Kulturgeschichtlicbes Bilderbuch _aus drei Jahr- hunderten. Herauögegeben von Georg Hirth. Verlag von G. Hirth in München und Leipzig. Fünfter Band, 9. i_md 10. Lieferung (des ganzen Werkes 57. und 58. Lieferung). _ Die vor- lixaenden Lieferungen bringen, wie die le ten, an Historienbiidcrn zu- nachst noch einige Blätter von dem Ho maler und Verherrncher der T_hatcn Ludwig's KLU., F. van der Meulen. Cr schildert auf figuren- re1chen, _ge_s_cbickt komponirtcn Stichen den Uebergang der französischen Kavalierie uber den Rhein, am 11.Juni1672, den diese schwimmend,
im Angesicht der niederländischen Armee ausführte;_ dann sehen wir die Festung Cambray bei der Belagerung Ludwtg's FLY. (April 1677) und ferner den vompbaften Empfang der Königin m Arras. Ein anderer holländischer Künstler, _Roryain de Hoogbe, stellt alédann die Festlichkeiten zu Ehren des Königs_tm Haag und i_nebrere bedeut- same geschichtliche Momente der Ze_rt dar. Er schildert uns den Empfang des Königs durch den Magistrat vom aag und der_i Hof- staat, die JUnmination des Rathhaus_cs un Haag, _erner d_en Friedeys- schluß zu Breda 1667 und die Eideßleistung des Prinzen Wilhxlm Hem- rich ron Oranien. Interessant find_ auch zwet_andere Blatter des- selben Künstlers, von denen das eme dte berubxntc Synagoge der Portugiesen in Amsterdam während des _Gottesdtxnstes (1675) zrzm Vorwurf hat, während das andere den xungen Konig von Spanien darstellt, wie er vor dem Sakrament aus _dem Wagen steigt und knicend dem Priester“ die Thür zu ferner Prachtkutsche ge- öffnet hält. Einen kranen, offenbar_von detxi Kunstlxr aber auch be- absichtigten Gegensatz zu obigen festlichen „Bildern bietet eme_ Reihe von Zeichnungen, die unter dem Titel:_.Sptegel der France_T1ranm_cke gepleccbt opde Hollantsche Dorpen“ _mtt entsetzlixbem Reaiismus die Greuelthaten schildern. welcbe sich die Franzosen in den Niederlanden (1672 und 1673) haben zu Schuldenxkommqn lczffen. Besdnders reich find die vorliegenden Lieferungen 911 Btidmffen geschicht_l1_ch be- deutender Persönlichkeiten aus der Zett 133112 Umgebung Ludwig SRM. Wir sehen, nach zum Theil vorzüglichen Stichen, die Minister Colbert und Fouquet, den Kanzler Marquis de Louvorß, der_i Mcrrscbakl Turetzne, dieMarquisen von Maintenon und MontcSpan, dre Dichter Cornetlle, Racine. Moliére, La Fontaine, den Kanzelredner Bischof Boffact, ferner den holländischen Philosophen Spinoza, Körtg Karl 11. von England, _den englischen Philosophen John Locke, Wilhelm 11. _und 111, von Oranien. Die besten Porirätistrn der Zeit, wie» P. Grffart, P. Mignard, Philippe de Champaigne, Claude Mellon, Ferdinand Vork, Charles Cobbel. Hyacinths Rigaud, Aritoine Massyn, (Hottiricd KneUer, Jd- hann Hainzelmann, A. Scheits. Peter Naion, _J Houbraken, 1i_nd 111 dieser Sammlung vertreten. Vor Aliem fessem Riis cm Portrat des großen Kurfürsten aus dem Jahre 1683 (Von dem Frgnzoxen Antoine Masson gezeichnet und gestochen), dann vortreffliche Bildnisse des Feldmarichalis Derfflinger und des Philosobhen Leibnitz. Das Genre repräsentirt in Vollendeter W-„tse der Hoi]_auder Cornelis Dusart mit seiner großen „Dorfkirchweih“, dem .k'eruhmten Schuh- fiicker', dem .Violinspiel-*r“, den .fing_enden Bauern“ 2c. Andere Blätter (in Lichtdruck vorzüglich reproduztrte Radtriingen und Stiche) smd von J. van Nyport, J. P, Lembke, Heinrich Wertmuiler (Reitergefecbte). Auch zwei Serien ländlicher Scencn und Trqchten- bilder von dem oben genannten _Romdin de Hooghe gehören hierher. Die Landschaftskunst tritt in die|en Lieferungen _an Zgbl undVedru- tung zuriick: es erscheinen nur Jean Frandois_ M_illet rnit __emer „Landschaft mit Ruinen" und Pieter Bout, der in ferner „Schlitten- fahrt" und den „Jägern bei der ontame“ Genre und Landi_cbaft ver- einigt. Als kultur- und kostümgef icbtlich bemerkensMrtheBlatter firzd noch zu nernen die Stiche, welche die Krönung Wilhelm's 111. in Westminster (1689) und den langcn impdfanten KrönimgsZUg dar- stelien (von einem unbekanntenMeister), dantrdie Abbildung eines im Jahre 1671 zu Nürnberg gehaltenen .Stiickscbicßens“ (voii Georg Christoph Eimmari) und das Innere einer alten Buchdruckerei (_vrn Abraham de Weerdt). Auch iiiusirirtetypograpbischeKunstblätter btctcndic neursicn Nummern des „Kuliurhistorischen Bilderbuchß“, _und zwar Ju Flugbiaii aus dem 17. Jahrhundert, auf Welchem Matthias von “Yomrxter den jungen Kaufleuten gut?. Lehren ertheilt, und ein wizrdig auszxeiiaiirtcs Blatt mit der Bekanntmacbung des Buragräfltcb Nürubergischsn Landgerichtstcrmins zu Ansbach, aus dem Jahre 1661.
_ Wie wir aus der „Kunst für Aike“ srsehen,hattr drr aka- demische Rath zu DreSden_vor Kurzem eine Barr erbung _um die Aus- führung eines Reliefs für die Kanzel der Martin Luther- Kircbe ausgeschrirben. Cs maren 17 Vewerbungéßcntwurie em- gegangen. Den ersten Preis von 500 «W erhielt_der Bildhauer Georg Gröne aus DreSden, z.Z. in Nürnberg, den zw__eitenPrei§ von 400 4/14 Professor Melchior zur Strassen in Leipzig, wahrend die Arbe_1t drs Malers und Bildhauers E. Hübner mit einer lobenden Erwahnung bedacht Wurde. _ _ _
In dem von derBreslauer Kausmdnn] cba_,7t erlassenen Preißausscbreiben urn den Bau eines Ge1xll1chaft_shausc_s ist der Entwurf der Architekten Kirschke und Bislenberg m Berlin mit dem ersten Preise (4000 „M), der der Hrn. Abessct und Kröger, ebenfalls in Berlin, mit dem zwei1en (3000 «M) gekrönt worden.
Land- und Forstwirthschaft.
Weinbau in Frankreich. Der französische Ackerbau- Minister Vieite ist von seiner Ründreiie durch die Weinbauerxdrn Departements Frankreichs zurückgekehrt und hat hieriiber dem Minister- rath Bericht erstattet. Den franzöfischen Vicittern wird dariiber folgende Mittheilung gemacht: „Hr. Victte besuchte dtc_ Wem- pflgnzungen des Hérault, des Gard und der Gironde; Lk hieli fich nicht in den Städten auf. soiidern begab fich direkt nach dcn “Pro- duktioiismitielpunkten. er machte hierbei in Kürze folgende Be- merkungen: Das Unierwafferseßen der Weinberge giebt aus- gezeichnete Resultate. I)ie Wiederhersieiiung durcb Pfropfen a_uf amrrikanisibe Pflanzen bai: ihre Proben bestanden. Der Erfolg die1er Methode ist eine feststehende Thatsache und der Versuch ausschlag- gebend. Die auf die amerikanische gepi'rrpfte französische Pflanze gewinnt an Frühreife und liefert, ohne an Feinheit zu verlieren, selbst im Méxdoc bedeutendere Mengen. Nach langem Hermit- tappen hat man es fertig gebracht, eine Weinpfianzung in drei Jahren wieder herzustelien, wenn die nothwendigcn Vor- bereitungen gemacht worden find. Man hat in gewissen Gegenden der Gironde, in Cadillac beispielIWeise, beobachtet, daß man für das Pfropfen werthvoliere Artrn, Abarten des Médoc, vrrwenden kann, die ohne direkte PUanzung in jener Gegend nicht fortgekommen wären. Jm Hérault ist die Wiederhersteüunß fast ganz beendet und im Gard schreitet sie rasch vor. Die in Sand gepflanzten Weinstöcke, die der Phylloxera widerstehen, bedecken große Flächen und machen an den Ufern des Gardon und in der Umgebung von Aigues-Mortes Foße Foriscbritte. Ueberai] verspricht der Rebstock eine vortrefflrxhc
mir; er ist mit Trauben schWer beiaden. Der Hérault, der tm Vorjahre 3,4, Millionen Hektoliter. 80000 111 mehr als in_ den leßten Jahren, lieferte, wird im Jahre 1888 über fünf Miiltoneri ergeben. Die Gironde wird sich der Ziffer von zweiMillionen Heki?" liter nähern. In der Ge end von Cadiliac in Libournais, Blayais und Médoc ist der Anbli sehr schön. Jm Médoc bedient man sich des Schwefels und des Sulfur-Carbdnais“ gegen die Phhiloxera mit Erfolg. Der Mildew (Mehltbau) wird siegreich mit dem Bordeaux-Brei bekämpft. Der General-Jnspcktor des “Acker- baues, FriÜicux, konsiatirte überdies vor einigen Tagen, daß der Bordeaux-Brei in einem Verhältniß von iiber 80 0/0 den Blackrot vertreibt, der den Weinbauern ern tliche Befürch- tungen einflößte. Es erscheint dringlich, der Pfianzstättrn ritndung einen größeren Theil der im Kapitel der Phyllo era eingescßriebenen Kredite zuzuweisen. Das Problem ist für den einbau gelöst, und es erübrigt nur noch die wirtbscbaftliche Frage. Eine genaue Beob- “achtung der für die Prüfung fremder Weine an der Grenze vorge- schriebexren Maßregeln, sowie eine besondere Vorschrift fiir die nicht aus friichen Trauben bereiteten Weine wäre angezeigt.“
_ St. Petersburg, 21. August. (W. T. B.) Nach den dem Ministerium des Innern bis zum 16. d. zugegangenen Berichtcrz ist das Ergebniß der größtentheils bereits eingebrachten W i n te 1: g e t r e t d e - Ernte im europäischen Rußland mit wenigen Au-Znabmen ein befriedigendes oder zum Mindesten ein mitielmäßigc'éx; _auch der Zustand des Sommergetreides ist im Allgemeinen em guter.
n den Gouvernements Moskau, S_molensk, Kaluga, Pensa,Orel_und Nisbny-Now orod hatte fich ein Kaier gezeigt, Welcher Hanf, Lein und Erbsen ?chädigte, aber mit eingetreienem kühleren Wetter wieder verschwand. Der durch Hagelschlas im Juli Verursachte Schaden, von welchem die Gouvernements Poltawa, Kursk und Kielce am meisten betroffen wurden, wird auf etwa 3 Millionen Rubel im Ganzen geschäyt.
Sanitäts-, Veterinär- "und Quarantänewesen.
Nachrichten über Verbreitung von Tbierkrankheiten im Auslande.
Rußland. In den Deutschland zunächst gelegenen und in den sonst haupt- sächlich in Betracht kommenden Gouvernements und Gebieten: Im April 1888. Rinderpest. Gouvernements: Zahl der Gefallenen:
Afirachan . . . . . . 728
Wolhynien . . . . . 8
Iekaterinoslaw . . . . 146
Irkutsk . . . . . . 301
Kiew . . . . . . . 5
Orenburg . . . . . . 465
Ssamara . . . . . . 615
Ufa . . . . . . . . 219
Cherson . . . . . . 17
Oesterreich. Laut der am 30. Juli 1888 vorliegexidetx Meldungen. Land. Zahl der mfiztrten Orte. Lungenseuche.
Galizien . . . . . . . Mähren . . . . . . . 3 Böhmen . . . . . . . 22 Nieder-Oesterreich . . . . ?
Schlesien . . . . . . Milzbrand. Galizien . . . . . . . Küstenland. . . . . . . 1 Maulseucbe. Galizien 27
M*aui- imd“ Kiau'ensruche. Mähren . . 3
Böhmen . . . . . . . 16 Nieder-Oest-xrreicb . . . . 5 Tirol . . . . . . . . 10 Ober-Orsterreich . „_ _. . . 3 Schasraude. Nieder-Desterreich . . . . 2 Krain . . . . . . . . 1 der am 31. Juli 1888 vorliegenden Meldungen. Lungenseuche. Galizien . . .
Mähren . . . Böhmen . . . Nieder-Oesterreicb
Schlesien . . . . . Milzbrand. Galizirn . . . . Böhmrn Dalmatien. Krain
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Maulseucbe. Galizirn . . . . . . .2 Maul- und Klauenseu Mähren . . . . Böhmen . . . Nieder-Oesterrrich Tirol . . _. . Ober-Oesterreicb, _. . . Schafraude. Nieder-Oesterreich
Krain . . . . . . . . Laut der am 7. August 1888 vorliegenden Meldungen. Lungenseuche.
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Galizien Mähren . . . . 1 Böhmen . ._. . . . . 2 Nieder-Oesterreich
Schlesien . . . . . Milzbrand. Galizien . . . Böhmen Dalmatien Krain Bukowina.
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'Mawlsedché. . ___ Mäul; uiid 'Ki'aurnse'uche. Böhmen . . . . . . 8 Nieder-Oesterreicb . _?
Tirol . . . _. . Schafraude. Nieder-Oesterrcicb . . Krain . . . . . . . . 1
Ungarn. Vom 3. bis 10. Juli 1888. _
in 27 Komitaten, 71 Gemeinden.
Galizien
Milzbrand . Lurigenseuche . . . , Maul- u. Klauenseuche „ 2 „_ 2
Vom 10. bis 17. Juli 1888. _ Milzbrand. . in 28 Komitaten, 59 Gemeinden. Lungenseuche . . ._ „ 7 . 11 „ Maul- u.Klaucnseuche „ 2 „_ 2
Vom 17 . bis 24. Juli 1888. _ Milzbrand in 26 Komitaten, 45 Gemeinden. Lungenseuche . 12
. . „ 6 „ Vom 24. bis 31. Juli 1888. _ Milzbrand in 35 Komitaten, 69 Gemeinden. Lungenfeuéde . „ck _ 11 S ch w e i 3.
Vom 16. bis 30. Juni 1888. Maul- und Klauenseuche. Kantone:
Glarus . . . in 1 Gemeinde ] Stgll mit 2 Rindern. Graubünden . „ 3 Gemeinden 5 Stalle und 3 Weiden mit 137 Rindern, 4 iegen und 1 chwein.
' "
Vom 1. bis 15. Juli 1888. Maul- und Klauenseuche. Kantone:
Glarus. . . in 1 Gemeinde 1 Stall mit 2 Rindern. Appenzel! a.Rb. „ 1 „ 1 Weide . 20 „ St. Gauen . ., 1 „ 1 Stall „ 7 , _ und _ 2 Ziegen. , 6 Gemeinden 7 Stalle und 6 Weiden mit 433 Rindern, 4 Schweinen, 19 iegen und 1169 chafen. Waadt . . . , 1 Gemeinde 1 Stall mit 1 Rind,
Graubünden .
Gewerbe und Handel.
Dem Geschäftsbericht, Welchen. der General-Sekrctär TbPeters (Berlin) am 20. d. M. in der Hauptversammlung des Verein_s deuts cher Jngeni eure zu erlin erstattete, entnehmen wir folgende Angaben. Von kaum 1000 Mitgliedern, die der Perrin bet seiner ersten Zusammenkunft in Breslau vor 23 Jahren zahlte, hat er sich 1th auf über 6070 Mitglieder ver rößert, von denen mehr als
500 im leßten Jahre beigetreten find. ie Zahl der Bezirksvereine
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