1931 / 243 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 17 Oct 1931 18:00:01 GMT) scan diff

Reichs: und Staawanzriger Nr. 243 vom ]7. Oktober 193].

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-)äit sich der Stimme. Mit 321 gegen 23:5 Stimmen bei 10 Enthaltungen wird der Antrag (1 d g c l c h n t.

(*)-:gcn das kommunistische M i ß ! r a u c n 5 v o 1 um .]egcn Minister Schiele stimmt auch das Landvolk, 0 daß dieser Aniraß mit 337 gegen 233 Stimmen abgelehnt :vird. Ebenso wird er MißtraucnSantrag gegen den Arbeits- :ninistcr Dr. Stcgcrnmld mit 326 gcgen 235 Stimmen bei 16 Enthaltungen dcs Landvolks a b g e l e t) n t.

Präsident Löbe macht darauf aufmerksam, das; wahr- 7chcinlich Stimmkartcn doppelt abgcgcbcn worden seien. Das Resultat Werde also spiiter wohl richtig gestellt Werden müssen.

Es folgt die namentliche Abstimmung über die yon den Dcuischnationalcn, Nationalsozialistcn und Kommunisten be- intragtc Auflösung des Reichsrags. Für diesen r'lntrcig stimmen außer den Antragstellern auch das Landvoik ind die Sozialistische Arbeiterpartei: Die Auflösung des iicichstags wird mit 320 gcgen 252 Stimmen a 0 gc [ e l) n t.

Doutschimtionalc und Nationalsozialistcii beantragen die 'iufyrbiiug aller seit dem 10. :I. 1081 er-

asscncn Notverordnungcu.

Vlbg. Torglcr (Komm.) erklärt dazu, die Kommiiiiistcii "iimmtrn fiir diesen Antrag, Weil sie griindsiivliche Gegner der .der thvcrordnungspolitik iiberhaupt seien. Die Notdcrordiiiingen .'nihiclti'n 7,1001" anch Maßnahmen gegen die Rapitnlslucht iind Leviscnschicdiiitgcn, aber diese seien unwirksam iind wiirden iiißcrdciii vicl bi'sscj' aiif dcm Weg? der ordentlichen (Liescvgcbiing icsclxnffcii iiicrdcn.

Dic :'lufbobnng aller seit dem 10. Februar erlassenen :'kothrordnungcn wird darauf mit 830 gegen die 233 Stim- :m*n dcr Natidimlsozialistcii, Dcutschuatioiialcn und Kom- iniinistixn (: b g c l (* i) n 1.

('“-3051011 dicsclbc T).)iiitdci'l)cit Werden die Anträge auf ;)[iifb-cbiing r*iiizcliicr thvcrdrdiiiingcn ab- gelohnt.

“.'Wji Ti“. Lc i iiit (BmU'r. Vp.) erklärt vor der :'lbstiiiiiiiiiiig iibcr die letzte Nowcrdrdiiung dom 0. Oktdbi'r: Unsere Rritik iind iiiijcrc griindsiiizliihmi Vcanstmndiingcn an 0011. Notberord- ,ciiiigcii dcr :iicichSri'gicriing, insdcsciiidi'rc an der Wm (5. Oktober 30:51, ])xilti'jl wir aufrecht. Wir machen von dcm Ergebnis der „r*citorcii Vcrhmtdlniigon iiiisorc endgültige Sicllnngnahmc (ib- .ingig iind Werden uns dishalb hciitc dcr :'lbstimmung (*UthÜiti'U.

“Dic Aufhcbiiiig dicser lobten Notdcrordnung wird darauf ;.:it :),02 gegen 247 Stimmen bei 20 Enthaltungen abgelehnt.

Abg. Dr. Fr i ck (Nat. Soz.) gibt folgcndc Erklärnng ab: Wir :)iationalsozialistiii haben am ]0. Februar dieses Jahrcs erklärt: „Wir iicrlasscn das ?)oimg-Parlamcnt nnd Werden dieses Haus .*rst wieder bctrctcn, weiin siti) ctiva die Möglichkeit bietet, eine .ii'sondcrs tückische “.)-'iasznahmc dcr viilZsfcindlici)en Mehrheit des *Michsmgs zii Vcrcitcln.“ Wir vi'rlicszcii damals das Haus, Weil wir keine Möglichkeit sahen, in diesem Hause gegen eine volks- icindlicbi' Mithit iioch clivas ziim Wohle des dcntsrhcn Volkes auszurichirii. ir sind am 13. Oktobcr entsprechend dieser Er- x'lärnng hierher zurückgekehrt, nm die Möglichkeit mieZziinnizcn, diesem ganzen volksfcindlichcn System nnd der chicrun Brüning ein Ende zu bereiten. (Große Unruhe im Hause.? Dieser Vorsnch ist mit den soeben volzogcncn Athimniiingen vorerst „(:x-scheitert, Wenn wir auch nicht anerkennen önnen, daß diese diirch cin ummtiirliches Bündnis zwischen Marxisten un :*„iirgcrlicbcn Jnter-csscnicnbcrtrctcrn gcbildctr Melsyrheit irgend- »inc tragfiihi c Iichrungsbasis abgibt. Wir Verla ssen daher ent- “wrrchond iinilcrrr i'*rt'liiriing vom 10. Februar die es Haus, Um )Ukkh Unser Weiteres Wirkrn daußen im Volke die lciztcn Stii en dieses Systems zu beseitigen und damit die Boraiissc ung 1f'iir «ine (iicsimdimg der Nation zu schaffen. (Jroniscixcr Lcifall in )(“1' Mitte lcbha'tc ?luSclnandcrs-ryungen zwischen Kommu- iiiston iind Nationaljjdzialistcn. Dic Natioimlfdzialistcn vorlasscii den Saal.)

T'ldg. ("*idttl'wi ner (D. Nat.): Jil) habe „le i'rkliircn, daß „7,1110 wir an dcn Weiteren Brrhandlungcn dicses Hciiiscs kciii Interesse mobi" haben (Beifall rechts.)

Vlbg. Leicht (Bayr. Volk»): Ich habe festgestellt, daß die Wcr'diiil)tiziiiii,q, Von der ich vorhin Mitteiliiiiq machte, aiif dcii .'lbgcordiictcii Münchmeyer znriickznfiihrcn ist. (Pfiliknfc im Zciitriim.)

Abg. Tdrglcr (Koiitiit.): Wir haben heritc dicsslbo Ziiiiriiidii wie im Februar. „Iii dem Augenblick, Wo ein Antrag „Wr IiQUMlUUistOU gcgen dcn ?)diing-Plan und gegen die Vcr- ='kliwiing varhandclt Werden soll, bcrläßt die Rechte das Haus. Sie denkt mitbt ddrmi, zu den Anträgen dcr Kommnuistcn fiir ')ic Erwi'rbsloscn Stollimg zu nehmen.

Nbg Sollman 1: (Soz.): Vor einem Jahr forderten die ":?iatidnalsozialistcn dic Einstcüun der Tributzahlungcn nnd die Ziellung cines Ultimatums cin rankreich. Von diesen orde- “"-1110011 hat schon in der Erklärimg Dr. Fricks am MittWo kein Wort mehr gestanden. Jetzt gchcn die Nationalsozialisten aus x-cm Parlament, iveil sia sich in den Fragen der Außen olitik “rige Vor dem ganzen Volke drücken. Eine gedruckte Erklärung, )ic Hitler aus dcm Braunsn Hause an die ausländischen Presse- ?)crtretcr versandt hat, erbringt auth dcn BcWeis dakür daß die “)iationalsozialisten, einmal ur Macht gikommen, so ori kriechen xrierdcn vor dem ausländiscbken Kapital Weil ihr gauzrr Kampf .)er Vernichtung der Rechte der deutschen Arbeiter ist. Sie :vagcn nicht, goFen den Befehl ihrer Geld eber fiir unizeren An- irag zugunsten es Tarifrechts und für un eren Antrag auf Neu- regelung der Fürstenabfindung zu stimmen. Wie kann auch cine Partei 1: dieser Frage Stellan nehmen, deren Führer nur xine elende 5 arionette ist in der und der abgeseyten Fürsten und Standesherren.

Nunmehr werden die kommunistischen Anträge auf Einstellung der Tribut- und privaten Zchuldcnzahlungen an das Ausland und auf Flustritt aus dem Völkerbund gegen die Antrag- ztcller abgelehnt.

Um 73/- Uhr tritt dann auf Vorschlag des Präsidenten Löbe eine Pause bis 8% Uhr ein. Inzwischen Wollen die “Fraktionen mitei'iiander verhandeln, um 8 Uhr soll der ?leltestenrat zusammentreten, um über eine längere Vertagung Jes Reichsta s zu entscheiden.

Nach iederaufnahme der Sißung Werden die Ab- 7timmungen fortgeseßt. Die Anträge der Deutsch- iationalen und Nationalsokialisten auf Einstellung der Zahlung der Po izeikostenzuschü'sse an ".Zreußen Werden Legen die Stimmen der Kommunisten “:ind des Landvolks a gelehnt. Ein kommunistischer Antrag „mf Maßnahmen gegen die Brotpreis- :rhöhungen wird gegen die Antragsteller bei Stimm- -.*itthgltung der Sozialdemokraten abgelehnt. Der Ablehnung verfallt auch eine große ahl weiterer kommunistischer An- irqge. Weitere kommunitifche Anträge werden unter leb- i)aftem Protest der Kommunisten, die sofortige Entscheidung verlangen, der Ausschußberaiung überwiesen.

Durch ?luszählung Wird ein kommunistischer Antrag, deri Bau'dcs Panzerkreuzers 13 einzustellen und die xceiwerdenden Mittel für die_ Durchfiihrung der, Kinder- ipeisung zu verwenden, mit 211 Stimmcn dcr Sozialdemo-

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traten und Kommunisten gigen 181 Stimmen der iibrigen Parteien angcnommcii. Ebenso wird ein kommunistischer Antrag mit Unti-rstiixmng der Sozialdemokratdn an- genommen, der die Reichsregierung auffordert, durch Reichs- gcscß das uneingeschränkte Koalitions- und Streikrecht für alle Arbeiter, Angestellten u n d B 6 am i e n sicherzustellen.

Abgelehnt wird der kommunistische Antrag, die Preußisch Staatsregierung zur A n s h e b u n g i h r e r N o t v r' r o r d n u n 9 zu vvranlasscn, chgleichcn der Antrag auf Einsetzung eines UntersuchungSaus- schussi's fiir die Fiille Nordivollc und Groß- !) a n k e n.

DM Gesetzentwurf der Sozialdemokraten über die Revision der FürstenabfindurrgSanträ e be- antragt :'lbg. Weber (D. Staatsp.) dcm RechtSauss zu iibcrivciscn. Die Ausschußübcrivcisung wird gcgen Kom- munisten und Sozialdemokraten abgrlchnt. Der Weiteren Erledigung des Gesetzentwurfcs in zivciter und dritter Be- ratung wird Vom Abg. Graf von Westarp (Kons. V0lksp.) widersprochen.

Angenommen wird ein fontmunistischcr Antrag, wonach die Regierung unverzüglich eine Uebersicht vorlegen soll, 8) über alle seit dem Juni 1931 Vorgcnommencn Maß- nahmen zur Stützung von Banken und an- deren privatkapitalistischen Unterneh- mungen nnd iibcr alle zu dcrartigen Stüßungszwecken übernommenen Bürgschaften, Garantien und ähnlichen Ver- pflichtungcn.

Abgelehnt wird gegen die Kommunisten der Antrag, Adolf Hitler, Dr. Hagenberg, Dr. Schacht, Scldte, Dr. Diiste rbcrg Wegen eines Komplotts zur Horbrifiihrimg einer neuen Inflation sofort zu Verhaftcn.

Angenommen wird ein sozialdcmokratischer Antrag, die Reichsregierung zu ersuchen, um Schuß? der notleidenden Bevölkerung gegen Hunger un?) Kälte eine Winterhilfe nach folgenden Gesichtspunkten durchzuführen:

1. Die Wintrrwlfe ist eine ziisäyliche Narurrilhi-lfe fiir alle Empiäwcr von Arb-citslvf-en'nnierstiißiing, Krisen-untcrstiißiing iind Wo-)lfahrtsniit-crstiißung, urid zwar für die Zeit vom 1. No- vrmjiu'r 1031 bis zuim 31. Mär 1932. Sie besbeht in der V2- lic'fcr-iin-q mit Karioskcln aiii'd .ohle.

2. Die Naturalhi fe darf nicht zu einer Minderung der Gedd- 111110ks111ß'11'11_ fiihren.

3. Dir Zia-tiira-l'hike soll umfasse-n: a) Kartoffeln 15 Zentner pro KOM, der zum Haushalt des Untersküßiingsberecbtig-ten g-e- hörcii-d-cii Persioiicn, b) Kohle zwanzig Zentner fiir joiden unter- stiißimg'sbcrc ii- ten Haushaali.

4. Die lw )l-ciiFyndiliatc sind zu verprlichien, die Kohlen zu Preisen zu liofrrn, die nicht Über den Durchschnitt der jeweiligen Ex-port-crlös-e iicgen.

5. Die Bcicb-affii don Kartof'fokn .soll in Der Weise cr- fvi-g-en, daß der Kari-Ms-o-lurarkt ent'lastet wirid amd [die Verluste bei dcr R-cick)snwnopoivcrw-altung fiir Vranntivein möglichst Ver- ringert Werden.

Ein weiterer, mit großer Mehrheit angenomnxener An- trag ersucht die Reichsregierung Maßnahmen zu treffen zur Senkung der überhöhten Kartellpreise, namentlich iir Eisen, „Kohle, FeMent, Diin emittel und Treibstoffe, erncr gegen Preisii erhöhungen, ie auf dem Gebiete der Lebensmittclversorgung und der Versorgung mit Gegenständen und Leistungen des täglichen Bedarfs durch Preisbindungen von Innungen oder ZiveckVLrbänden hervor- ZZrufcn Werden und schließlich eine straffe und wirksame . onopol- nnd Kartellkontrolle vorzubereiten,

Ein sozialdcmokratischer Antrag, der die Reichsregierung ersucht, Pläne und Forderungen auf B e s e i t i g u n g o d e r AUSHthnng dcs Tarifre ts abéulehnen, ins- besondere die Angriffe auf die Una dingbar eit des Tarif- vertrages abziijvchrcn, wird in namentlicher Abstimmung mit 319 gegen 80 Stimmen bei 7 Enthaktungen angenommen.

Zahirci-cbe Anträge auf A e n d e r u n g d e r N o t - v e r o r d n u n g e 11 Werden der AUSschu beratung über- wicscn. Angenommen wird ein sozialdemo ratischer Antrag, ivonack) ein Gesetz über die B e st c u e r u n 9 d e r N '.i s - w a n d e r e r vorgelegt Werden soll.

Ebenso Wird ein Antrag der Bayerischen Volkspartei angenommen, der die Reichsregierung ersucht, zur Be- kämpfung der Steuer- und Kapitalflucht beschleunigt eincn Gcsrßentwurf in Vorlage zu bringen, Wo- nach Unternehmungen, die in Deutschland eine Niederlassung besiYon, die Zugehörigkeit zu sogenannten Dachgeseilschaften HVLrwaltungsgcsellschaftcn), die im Auslande ihren Siß

abcn, ohne dort eine Fabrikationsstätte erheblichen Aus- maßes zu unterhalten, bei hoher Strafe untersagt wird.

Angenommen wird weiter ein Antrag des Landvolks, die Reichsre icrung zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß alle UnterneJmungen, bei denen die ößsentliche Hand maß- gebend beteiligt it, die Be üge i rer leitenden An estellten en entspre enden Veamtengehältern des Rei s unter Berücksichtigung der Alters: und Hinter- bliebenenversorgung ungleichen, Desgleichen wird ein Landvolk-Antrag angenommen: Beamte und Angestellte des Reichs, der Länder und der Gemeinden (bzw. Gemeinde- verbände), Welche in ihrer Diensteigenschabft Mitglieder von Aussichts? oder Verwaltungsräten sind, ha en die ihnen aus die er Tätigkeit _ustehenden Bezüge in voller Höhe an die Kassen des Reich, der Länder und Gemeinden (bzw. Ge- meindeverbände) abzuliefern, ihnen stehen dafür im Falle von Reifen die üblichen Reise- und Tagegelder zu.

Angenommen Werden auch Anträge, die Reichsregierung zu ersuchen, die Aufhebun der uckersteuer für den n„qchWeislich zur WeinverbeZserung enötigten Zucker zu ver- fugen und auf die Reichsbahn im Hinblick einer merklichen Senkung der Fracht- und Rollgeldtarife für 'Wein, ins- besondere bei Stiick ut, einzuwirken, Zustimmung findet auch der Antra 1). trathmann ?Chr. Soz.), der die Reichs- regierun? ersu t, die MineralWasersteuer durch Notverord- Ziung au zuhebcn. Zahlreiche Weitere Anträge des Landvolks uber Buttxrzoll imd straffere Handhabung der De- visenbeWtrtschaftung Werden mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt.

Der Ausschußberatung werden die in der Angelegenheit Frs W e n z e s l a u s g r u b e vorliegenden Anträge über-

ie en.

AnJeiiommcn wird ein Antrag, der die Reichsregierung ersucht, as Werk. gegen Kälte und Hunger fortzuseßen, ebenso ein Aritrag, der Prufung der Frage von Erleichterungen für die Krngbcschädigten verlangt.

:'lngcnommcii wird forner ein Zentrumsantrag, der die Reichsregierung ersucht, in Anbetracht der Weiteren Ver- Ychlechtcrung der Lage im deutschen Weinbau seit er lcßtcn Re clung der Winzerkreditfrage von einer Er- hebung dcr ständigen und inzwischen aufgelaufenen Zinsen Abstand zu nehmen und die erste Tilgun srate, die gemäß den Richtlinien der Reichsregierung am 1Y. November 1931 Läslig wäre, zu stunden und an den Schluß der laufenden ilgungsraten zu soßen.

Die Vorliegenden Juterpellationen Werden für erledigt erklärt.

Der sozialdcmokratische Geseßcntivurf iiber R e v i s i o n der Fürstenabfindung wird nachträglich dem Rechts- ausschuß überwie en. ahlreiche Einsprüche des Reichsrats gegen die Beschlü e des eichstags iiber G e f r i e r f l e i s ch - Einfuhr, iiber Steuererhöhungen usw. ivi'rden den Ausschüssen überwiesen.

Es folgt die Beratung einer Entschließung des Woh- nungsausschuffes, die die Reichsregierung ersucht, von einer Aenderung des Mieterschußgeseßes, des Mietengeseßes und des Wohnungsmangel-

es eßes Abstand zu nehmen, bis das soziale Mietrecht ge- ?ichert ist.

Abg. Lipiiiski Soz.) empfiehlt die Entschließung zur Annahme und bittet Um eine klare Erklärung der Regierung zu dieser Entschließung.

Abg. Lucke (Wirtsch. P.) Wendet sich gegen die Ausschuß- cntschlicszung.

Abg. Sch umann (Komm.) erklärt, die deutsche Mieterschaft lobe hinte in einer viel ungeheurcren Not als je. Die Mieterschaft sei cheit zu großangelegten Streiks. Der Ausschußvorsißende Lucke habe die Verhandlungen des Ausschusses Verhindert.

Dic Ausschußcntschließung wird dann mit den Stimm-xn der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen.

Auf Wunsch der Abgg. Drewiß (Wirtsch. P.) und Baade (Soz.) wird der Aufhebung der Immunität zwecks Einleitung einer Strafverfolgung bzw. eines vom Abg. B a a d 2 selbst beantragten Disziplmarbcrfahrens zugestimmt.“

Damit ist die Tagssordmmg erschöpft.

Präsident Löbe teilt mit, daß die Reichsregierung im Aeltestenrat den Wunsch geäußert habe, daß der Reichstag erst im Fi'bkimk wieder zusammentrete. (Hört, sri! bei den Komm.) Die Reichsregicrung habe u. a. auf die Ver andlungen des Still- haltckonsortinms [hingewiesen.

Abg. Torg er (Komm.) erklärt, daß man im “März die Vertagung des Reichstags damit begrüwdct habe daß die Re- gierung Ruhe fiir den Wiederaufbau der deutscben Wirtschaft und fiir die Sanierun der Finanzen haben müsse. Diese Ruhe * habe darin bestanden, Faß Notverordnungen am laufenden Band erlassen Wurden, die die erwerbstätige Bevölkerung und die Arbeitslosen in ungeheuerlicher Weise bilasteten, Auch in den kommenden Monatan solle mri dieser Praxis fort efahren Werden. Man wolle aus dem Reichstag selbst eine Art Sti haltekonsortium machen. Die Kommunisten protestierten entschieden gegen die Absicht der Vertagung. Er beantrage, am Dienstag nächster Woche wieder zusammenzutreten.

Der Abg. E r s i n g»(Zentr.) schlägt vor, daß der Reichs- tag nicht vor dem 23. Februar nächsten Jahres wieder zu- sammentrete.

Unter Ablehnung des kommunistischen Antrages schließt sich die große Mehrheit diesem Antrage an.

Schluß nach "1035 Uhr.

Preußischer Landtag. 252. Sißimg vom 16. Oktober 1931, 10,20 Uhr. (Bericht d.NachriÖiciibiiros chreins deutscherZeitungsvi'rleger'k.)

Nach Eröffnung der heutigen Plenarsißung des Preußd schen Landtags spricht Vizepräsident V aumho ff untcr leb- haftem Bsifall das Hauses dem Abg. Dr. Leidig (D. VP,)“ herzliche Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag cms.

Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangt Abg. Hoff- mann (Komm.) sofortige Behandlung eines kommunistischen Antrages gegen die Verschlechterungen in den Anstellungs- bedingungen des Personals der Landwirtschaft,

Der kommunistische Antrag wird an den Schluß der Tagesordnung geseßt.

In der fortgesetzten politischen AuSsprache be- Yhäftigt sich der Minister de_s Innern S e v er i n g mit den

usfiihrungen der. Oppositionsparteien. Seine Rede wird nach Eingang des Stenogramms veröffentlicht werden.

Minister Fiir Wissenschaft, Kunst Unld Volksbildung Dr. Grim me: Meiiie Damen und Herren, Wenn *ich Sie bitte, Jihrern Bilikk nun Von den Fragen der irll-gemsi-men Politik den Spezi-aipvobl-emen eines einzelmzn Ressorts zuzuwenden, damn tue ich es deshaib, Weil ich diese Tagun-gZivoche wicht vorübergehen Tassen möchte, ohne (nuch meinerseits zu den heftigen AUgrif'f-en Sbellung zu nehmen, .die hier im Hause und n-och viel stärker dvaußen im Lamde g-sg-en DAU Taxi! der Notverorbmmg gerichtet worden sind, der sich (ruf die Sparm-aßna-hmen im Schu-lrvesen bezieht. Ich nehme “diese Golegenheit aiick) deshalb wahr, um Jhwen von “vornherein zu sagen, daß sich in diesem haben Hause schwerlich jem-anid fin-deii dürfte, der die Auswirkim-gen der No:- verbrdn-u-ng auf dem Gebiete des Schulwesens leidenschaftlicher be- klagt als ich selbst, (Zurufe bei den Kommunisten.) Wenn Sie mich fragen würden, Warum 'ich disse Maßnahmen trotzdem mitge- macht imd hinsichtlich i-“hrer Außfühnuwgsbestinnmungen erlassen habe, da-nn bwnn ich darauf antivorten: ich glaube, es vor Ith vertreten zu können, daß ich als verantWortl-icher Ressortm-im-isber bestrebt “war, diese z-wan'gsläufi-gen amd unvermeidlichen Maß-“ nahmen so zu beschränken, daß ihre Härten, wenn man die Ge:- samtl-a-ge, in der Wir 4th befinden, in ihrem vollen erschüttern-

“) Mit Außnghme der dur Sperrdruck hervorg obenen Reden der Herren Minister, die im ortlaute Wiedergege n sind.

(Fortsétzung in der Erüen Beilage.)

VerantWortlich für Schriftleitung i. V.: Weber in Berlin.

VerantWortlich fiir den Verlag und An eigenteil i. V.: Ober- rentmeister M eher in erlitt.

Druck der Preußischen Druckerei und Verlags-Aktiengesellschast, Berlin, Wilhelmstraße 32. ,-

Fiinf Beilagen (einichlicßlich zWei Zentralhandelsrcgisterbeiiagen).

Erste Beilage

zum Deutschen Reichsanzeiger uud Preußischen Staatsanzeiger

Nr. 243.

ck

Berlin, Sonnabend, den 17. Oktober

_“

(Fortsetzung aus dem Haupiblatt.)

don Umfang in Rechnung stellt, auf das mindestmögliche Meik herabgcdrückt worden sind, Daß ich die Verantworturignfur kulturelle Abbaum-aßnahmen nur schwersten Herzens miniver- nommen hcrb-c, ist so selbsWerstän-diich, daß ich es umgekehrt fiir unverantWortiich halten würde, wollte ich mich cht hier vor Sie hinstellen und den doch Wohl von vornherein zur Untauglichkeit verurteilten Versuch machen, Uebelstände, die Uebelstiinde sind. und Nöte, Die auch ich als Nö:e empfinde, Realitäten, gegen die einfach kein Kraut dcr Disparicrkiinst chachscn ist, durch Reden und Erklärungen zur verschleiern oder irgendwie zu bagotellisicren. (Ziikllifk bei den Kommunisten.) Andererseits wird abrr auch die heftigste Kritik nicht "Um das Eingcständii-is herumkommen, daß auch ein Kultusminister nur im Rahmen der finanziellen und Wirtschafrlichen Gesamtbedingihcitcn dcs S::iaics, dem er vor allem zu ldienen hat, arbeiten kan'i. Obwohl damit nur clivas Sclbstvcrständ-l-ich-cs ausgesprochen Worden ist, freue ich mich doch, daß verschiiidene Redner der Oppositi-onspartcien in diesen Tagen au-Zdrücklich anerkannt haben, daß es auch auf dem kulturellen Ge- bicie ohne erhebliche Opfer nun einmal nicht abgeht. Ange- aiomm-cn, der von ,dir Kommunistischen Parisi gcgen mich ein- gebrachte MißtrauenSantr-ag, den die Deutsche Volkspartei, Wenn ich recht infcorm-ii'rt bin, zu *unterstiich g'edeiiki, käme diirch, _ aiich tdann wiirdr mein Nachfolger, Wer es auch immer scan mög-c nnd Welchrr politischen Richtung er auch immer a-ngshörcn möge, stia-atspoliitij'ch nur handeln, Wenn auch er in srinem Bereiche hilft, daß ;die Vorausseßimg :der K-ult-ur, der Staat, iiberhaupt bleibt. (Sehr richtig! bei M11 Regierungsparteicn.) Ick jeden- ifalls habe gdgila'irbt, nicht anders als nach der Richtschnur han- doln zu dürfen, daß jemanid, der, soviel an ihm liegt, “den St-aats- banbcvott vermeiden hilft, heute das erste tut, w-as nötig ist, um Kultur und SchUlc überhaupt am Leben zu erhalten. (Erneute Zustimmung bei den Rexgicrungsiiart-eien.)

Aus dieier Grundhaltung heraus habe ich an der Nower- ordnung mitgearbeitet und zu meinem Teile mitgeholfen, deri sta-at- Eichen und, was ich besonders betonen möchte, Weil es außer- ordentlich g-rabieren-d ist, den N-otivendigkeiien der Kommunen meinerseits Rechnung zu tragen. Ich bin dabei _ auch das möchte ich "hier Unterstreichen _ bis an “die Grenze des mir möglich E=:- “scheinenden gegangen, iven-n es auch nicht so „qrw-csen ist, 11101112 Damen und Herren, Wie ich es in gegen mich persönlich g-crichieten Angriffen kiirzlich goiesen "()-abe _ Und ich glaubs, da plaiidere ich nicht aus der Schale _, daß nun eiiva dic Finanzdchaltung ihrer- seits von mir ausgegangene Ucbdrangeboie mühsam habe abivehren müssen. Gerade Weil ich in der öffciiilichcn Erörternng die Frage [ehr lebhaft hin- iind hcrgßivendet finde, Welcher Minister denn nun 'in ivclchrm Pimkie wie Weit eigentlich mit scinkn Fordcrnngcn :und Voricksägen Jogangen sei, möchte ich hier folgßndes nicht im- gesagi lassen.

Wenn ich auch in Einzelheiten, Wie das bei jcdcm Ressort- :m-iiiistcr immer wieder der Fall sciii wird, um eine Niisdcre Gestal- i-ung dieser oder jener _ imd “dariintcr allsrdings aiich sohr griind- Lezendcr Maßnahmen gekämpft habe _, mrine Dam-Ln und Herren, „für das, Was schließlich jetzt ida-“stcht, und dafiir, daß diese Not- verordnung iiberhaupt erschienen ist, trägt der prenßiscb-e Unicr- irjchtSMinister genau so die Verantwortung wie ative) dcr prciisz-ische Finanzminister. (Zuruf: Das ist doch sclbstdcrständlickz!) _ Es kann doch auch gar nicht anders “sein; denn, meine Dani-cii und “Herren, ich bitte Sie, zu bedenken: anf drr ?luSgabrnscite des Ge- Hamtstaatshaiishalts steht eine Summe bort rund 2,1 MiÜi-arden, Und dem stehen "gegeniiber _ iind birllsicht bedenkt man das doch 'nicht iiberall in der Oeffentlich-keit, Wo man meint, inan hätte iiberall sparen mögen, nur nicht auf dem Kiiltnrgeb-iet _ an Aus- gaben anf seiten des Ku-lrusressorts nicht Weniger als 0,74 Mil- liarden, d. 1). also ein glattcs Drittel der Gesamiaiisgd-ben im preußischen Staatshaushalt iiberhaupt. Ich meine, Wer sich disses Außgabcnber'hä-ltnis einmal dcr-gegcnwärt-igt, der kann doch über- haupt nicht vßrkyniien, daß auch (ruf diesem Gebiet g-esbart Werden muß. Ich möchte auch meinen, daß un'sere ULbercinstimmung sich gar nicht durchaus nur auf Diese Tatsache, daß überhaupt auch auf diesem Gcbiet gespart werden muß, zu erstrecken “braucht; ich meine, auch hinsichilich *Ns Wie rniißte eigentlich wenigstens “dahin eine Uebereinitimmun-g erzielt Werden können, daß, Wenn also schon iiberhaupt gespart Werden muß, dann Mientli-che Ersparnisse innerhalb des Kultusressorts vorwiegend auf seiten der Personal- "lasten hevaus-gewirtschaftet werden können _ imd zu dieser Meinung muß man doch kommen, Wenn man sich vor Augen 'hä'lt, daß von den e“"ben-genannt-en 740 MiUi-onen aliein 630 M*iliionen 'für Außgaben auf dem Persiowa-l-gsbiet beansprucht Werden _, so daß man es geraidezu als eine zWangé-läufige Folge Nr Struktur dieses Etats bezcichne-n kann, "daß in ihm Sparmaßnahmen zw-ar aui institui-ionelkem Gebiete möglich lsini), daß solche Sparmaß- nahmen sich aber in ihrem Effekt doch immer auswirken Werden an den Personen.

Wenn wir uns so hinsichtlich dessen, daß gespart Werden muß“, und hinsichtlich des Wie der Ein-sparungsmöglichkeiten wenigstens bis zu diesem Punkt einigen könnten, so gehen nun alkerdings die Auffassungen iiber die Art des Einsparens auSeinander (sehr richtig!), Wenn man nämlich nun überlegt, in welcher Weist an den Personalausgaben Eiwsparun-gen am zWeckmäßigsten vor- genommen werden. Meine Damen und Herren, es gibt hier aber, wenn mein vor die NotWendigkeit gestellt wird, sofort Maßnahmen zu treffen, nur die Wahl zwijchen drei Wegen, und ich habe auch hier in der Debatte bislang keinen vierten oder fünften Weg zu hören bekommen. Man kann sparen erstens dadurch, daß man die Lehrpersonen weiter belastet etiva durch eine Erhöhung der Pflichtstundenzahl; man kann weiter sparen durch eine Einschrän- kung des Unterrichts, und man kann drittens sparen durch eine Vergrößerung der Klassen. In einer vollen Uebereinstimmung mit meinen Sachbearbeitirn habe ich von dem zWeiten Weg, also von dem Weg der Einschränkung des Unterrichts, den Wesentlichen .ebrauch gemacht, von der Vergrößerung der Klassen so Wenig

wie möglich und von der Mehrbelastung der Lehrenden so schonend wie möglich. _ Dies leßte _ das möchte ich hier auch einmal ausgesprochen haben _ deshalb, iveil ich mir, wenn ich an meine eigene Umerrichttätigkeit als Philologe zurückdenke, benmßt bin, daß bei einer irgendwie zu Buch schlagenden nochmaligewPflick-xt- stimdcnzahlerhöhung der Begriff der Pflicht &nur noch außerltch tvahrgcnommen und nicht mehr mit dem lebendigen Inhalt einer sich der Jugend hingebcnden Persönlichkeit erfüllt Werden kann. Ich habe deshalb Weitere, nach dieser Richtung gehende Forde- rungen abgelehnt, und ich habe den Eindruck, daß mir in der gruwdsäylichen Wertung dieser drei Wege auch Von der schärfsten Kritik recht gegeben wvrden ist. Ich bitte Sie, meine Tanten und Herren, Wenn Sie andere Wege sehen, sie mir zu nennen; es ist selbstvrrständlich, daß ich sie auf ihre Veschreitbarkeit hin ernst prüfen Werde. Bislang habe ich in der pädagogischen Literatur, auch in der polemischen, andere Vorschläge nicht gehört.

In diesem Zusammenhange möchte ich mich dann da-gcgen Wehren, daß diese Gelegenheit der Notverordnung nun von meinem Ressort aus dazu benußt worden wäre, irgendwelche thLiMLU Reformpläne odcr Weltanschaulichen Machttendenzen in 'das Schiilivcscn hineinznichmuggeln. Wenn troßdem jemand solche Tendenzen und Pläne entdeckt zu habcn glaubt, _ ja, meine Damen und Herren, dann muß ich schon sagen, daß sie so geheim und so Versteckt dort hineingearbeitet koorden sein müssen, daß sie bis zu dieser Stunde vor mir selbst Verborgen geblieben siiid. Da- gegen ist Tatsache, daß ich al]e Veriuche, den Abbau zu mcchani- sieren, abgetan zu haben glaube. Um nur ein Beijpicl auf dem Gebiete des VolksschulWeisens zu erwähnen, so ist auf eine mecha- nische Errechnung der Stellenfrequenz nach Maßgabe einer Landcsdurchschxiiitszabl verzichtet wiirden. Ich habe allerdings als notWendig anerkennen müssen, eine bestimmte Zahl einzu- sparcnxdcr Stellen herausznwirtschaften. Ich habe mir aber vor- behalten, den Maßstab elastisch zu gestalten, damit er den örtlichen Bedürfnissen von Fall zu Fall angepaßt ivcrdcn kann, Daß tros- dem zunächst Härten, Unzuträg-[ichkeiten und Unmöglich-keitcn ent- stehen, das wird niemand Wundern, der bedenkt, daß für ein so fein veriisteltes Schulwesen, Wie es das preußische ist, kein noch so fein gesponnenes Neßjverk von Paragraphen erdacht Werden karin, in das sich nun schlechtiVeg alle in der Praxis ergebenden Fäkie mit einfangen lassen. Um aber solche restlichen Härten zu be- seitigen, habe ich noch gerade in dieisen Tagen die Leiter der Schul- abteiliingen der einzelnen Regierungen zu mir gebeten, um mit ihnen zu besprechen, wie Wir diese virbleibcnden Schwierigkeiten beheben können. Ick denke da vor alien Dingen an die hier und da doch Wohl im Ucbermaß anscheinend erforderlich werdende Versetzung von jiiiigcn Lehrern über ihre Heim-atbczirke hinaus, diE ich auf ein Mindestmaß zurückgeführt sehen möchte, Es ist auch nicht so, Wie man aus den Ausfiihrungen des Herrn Ab- geordneten Dr. Boeliß entnehmen könnte, als ichn cht zum 1. Oktober mit eino-m Schlage dirse 6000 Stellen frei gcivordcn Wären. (Widcrspriick) des Abgeordnctcn Dr. Bocliii.) _ Ich glaubte, Sie so Verstanden zu haben. _ Disse Sirlicn Werden allerdiwgs frei, abcr diE Durchfiihrung des Abbaucs wird sich iibcr Monate ersireckcn, so daß ich gbaube, daß man 'da auch dem Prinzip der individuellen Bebanidlung, sorveit das iibcrhmipt möglich ist, wird Rechnung lragen können.

Wenn ich das zusammenfassen darf, dann habe ich gesagt, daß in meinem Ncssort dir erforderlichen Sparmaßnahmen zwangs- läufig Vorwiegend nnr “diirch Perionaleinschränkungen zu erzielen geivescn sind _ ich bedaure das auf das allerlizbhaftcste _, daß sich ebenso zivangsläufig, da ich gczWungen bin, die gesetzlichen Bestimmungen zu achten und zu beachten, diese Einschränkungen nun zunächst auf die nichtfestangcstellt-cn Lehrkräfte, auf den Lehrernachivuchs ausgéwirkt haben. Ich mache gar kein Hehl daraus, dciß das nun in der Tat der Punkt ist, in dem diese Not- verordnung im eigenilichsten urid tiefsten Sinne eine verordnete Not zu Werden droht und virlfach, viel zu vielfach, bereits ge- jvord-cn ist. Wenn ich Jhnrn vorhin gesagt habe, daß ich die Not- verordnung nur schmersten Herzens babe mitmachen können, dann liegt hier die wesentlichste chriiirdung dafiir; denn ich verstehe die Enttäuschung, die gerade von dieser Maßnahme gegenüber den jungen Lehrern ausgegangen ist, restlos mit diesen jungen Lehrern selbst. Und, seien Sie überzeugt, meine Damen und Herren, daß mit mir das gesamte Stäatsministerium die Ver- ärgerung, dié Verbitterung, ja *die Verzweiflung dieser jungen Menschen“ hat kommen sehen und in keinem Augenblick die Ver- handlungen gerade in diesem Punkt leicht genommen hat. Aber Wie groß muß die Not des Staates sein, wenn dieses selbe Staats- ministerium trotzdem diesen Weg hat beschreiten müssen, obWohl ihm auch die staatspolitischen Gefahren nicht unbekannt gewesen sind, *die diese Maßnahme gerade bei Menschen im ju-gervdlichen Alter “aus*zulöjen geeignet ist. Was ist das in der Tat für ein tragischer Zustand, daß junge Menschen, in denen alles zur Aktivi- tät drängt, die sich bewähren Wollen, die sich jugendverbuwden fühlen, daß gerade diese jungen Menschen Gefahr laufen, von einem Beruf abgeriegelt zu werden, den man nicht heute wählt, um ihn dann morgen durch einen anderen zu erseßen, sondern in dem man die Erfüllung seines eigentlichen Lebenswillens sieht. Was ist das für eine tragische Situation für unser gesamtes Volk, daß heute so viel Zukunftswille junger Menschen ungenußt ver- puffen muß. Ich erwähne das, um zu sagen, daß ich auch weiß, daß Fernerstehende mit einer gewissen Verivunderung fragen, warum man sich angesichts des Vielmillionenheeres von Arbeits- losen um eine neue arbeitslos Werdende Gruppe denn so be- sonders aufrege. Und doch fonte niemand den besonderen Ton überhören, der in dieser Aufregung mitklingt und der deshalb anklingt, weil das Material der Arbeit dieser jungen Menschen kein toter Stoff, keine Akten, keine Maschinen, sondern junge Seelen sind, die sich entfalten wollen. Es sind nicht nur die jungen Lehrer, um die es geht; es geht um die deutschen Kinder. Und Wenn man gesagt hat, daß niemand Lehrer ist, der nicht jung geblieben ist, so bringt doch Wohl eben diese Vorausseßung

1931

stufe her mit in die Schulstube hinein. Ich möchte meinen: die Iugendlichkeit des Lehrers ist ein Kapital im Erziehungsprozcß, das manche gute und bessere spätere Erfahrung, die sich der Lehrer erwirbt, nie wieder aufwiegt, Wenn er sie verliert. Diese Iugendlichkeit ist aber am gefährlichsten bedroht, Wenn Ver- ärgerung und Vergrclltheit in der Seele des Erziehers Bleis greifen. In folchem Zustand ist niemand ein guter Lehrer. Em Kind braucht Freude.

So sehe ich durchaus in Uebereinstimmung mit dem hohen Hause und mit der deutschen Oeffentlichkeit die größte Gefahr der notwendigen Notverordnung darin, daß eine Generation von Lehrern auszufallen i-roht, die dem Lebensalter nach der Jugeiid am nächsten steht. «Zs ist doch gar nichts anderes als eine selbzi- verständliche Folge der Einsicht in diese Verhältnisse geivcseii, die mich immer Wieder bestimmt hat, mich gegen diese ZWangslauftg- keit des Abricgcins der jungcn Lehrer von der Jugend zu Wehren und nach Wegen zu suchen, wie man sie trotz allem an der Arbeit in der Schule bei den Kindern halten kann. Ich glaube aber, daß ein Weg auch nicht gerade nach dern Geschmack des hohen Hauses gervrsen sein Würde: das Wäre eine Wieder- holung des Qualitätsabbaucs, wie cr 1924/25 vorgenommen ivorden ist. Das hat bei mir don Vornhcrein außerhakib oilcc Diskussion gestanden. Wohl (:ier ist sehr lebhaft diskutiert ivorden, ob wir nicht zu einer Horabscymig der Liltrrsgrcnze speziell für die Lehrer wiirden kommen können. Alle juristqöhcn Berater des Staatsministeriums haben sich auf den Standpunkt gestellt, daß iiniibcrwindliche rechtliche Bedenken dagegen b?- ständen, wenn man nur fiir eine bestimmte. Berufsgriippe die Altersgrenze herabsetzt. Dagegen crscheint mir der neulich vori Herrn Abg. Dr. Bohncr borgcschlagene Weg iiberaus syriipiithisch,_ und die beteiligten Ministerien sind augenblicklich derber, ihn zu prüfsn, ob man nicht durch einen bestimmten Anreiz etwa die freiwiUige Pensionierung dier iiber 60 oder 62 J'ahre alten Damen und Herren erreichen könnte. Es haben “taisachlicb schon auf Anregung der UiiterrichtsVLrivaltiiiig und, wie ich bexonderé betonen möchte, auch der Verbände viele Lehrkrafte Von dieser. Möglichkeit einer freiwilligen Pensionierung Geibraiiqch g;!nachts (Zuruf rechts.) _ Herr Abg. Steudel, es ist_ fur diese wanTiVM und Herren nicht niir cin finanziellrs Obser gcivcsen.“ «;ck glaube, es ist ein hohes elhiscbcs Opfer (]c-hr ZEN. be,! dri; Deiitschen Stadtspartei), WEnn jemand ÜUZ'LMLT 40,ngle die ihm einen Lebenssinn Verleiht, und die er nichr ais crx Gesibail; betrachtet, aiiSscheidet, ehe es unbedingt notwendig ist. «;ck nwchtq deshalb diesen Damen und Herren Von dieser Stelle aus den Dank des Staates dafiir sagen, daß sie sich iibcrwimdcn herben, daß sie cntsagt und auch unter finanziellen Opfcrii» MIB ge- schaffen haben und so zu ihrem Tei!“ der Parole: SCHAUT dec deutschen Jugend Raum! _ gcfolgt Und. ; _

Aber diese Maßn-ahiricn reichen natiirliöh michi iriis. TL'VYÖLM liegt es nicht so, wie es gelegentlich dargestellt Wird, .A.“. wenn nun das Staaisiiiinist-criuni mid [;)-«ziell das Kultusniiithrmm dM gesamten Nachwiichs döiiig unbekümmert auf die Straß? gc- scizt [)äixe. Es ist bielmrhr innerhalb meinrr VOUval111119 voir Anfang an Grundsaß geniesen, zii Versuchen, daß Wir so birke wie nur irgend möglich an der Arb-sit balißn, Wenn mich Mit ver- minderten Bezügen, und so, um nur einige Zahlen zu 11011leth ist es 'bc'i 0le Jungkehrcrn möglich geWeseii, von den rund 22000, die gefiihrt Werden, 16 000 bei der Arbeit zu hCi'léL-U. Das sind nicht nur die hier bis zum 1. Oktober vr-U Vrschaxtigteii, sondern es sind alle diejenigen, die bis ziim 1. Okto-b-ir in irgendemeereise bezahlt geivesen sind, also z. B, auch die Hospitaiitcn, die Uni Fortbilidungszuscbiissen bis dahin vcrsehen gewissen Find, Ich habe nur die Wahl gehabt zwischen einer relativ leiblichen Bezahlung, dann allerdings relativ weniger, oder zwischen ein-er,außerordent- lich dürftigen Bezahlung, dann aber aller, und ich born denqrnßtén Weg geg:ang-en. Jch Wollte wenigstens eine V-eranst-[Wi'ls fuv diese jungen Menschen gesichert schcn, nnd ichbabe dir. Res. gierungen angewiesen, sich nach zusätzlichen VLsÖÜsUgUUgsmogltchjx keiten umzusehen. Ich möchte auch hier nicht unterlasseii, zu betonen, daß die Hilfe der Lkhrcerorganisationen hier in einem ganz ausgezeichneten Maße viele Schritte Weiter grhoifen hat, der Lehrerorganisationen, die, obwohl sie in ihren Mitgliedern diirch die Gehalts- oder Zul-agenkiirzung persönlich schWer gjetroffen sind, den Protest in diesem Falle gegeniiber dem Geiiihl 'der „not- Wendigen solidarischen Verpflichtung zur Mithilfe fur die jungen Standesgenossen zurückgestellt haben.

Bei den Asscssoren liegt es so, daß wir zivei Gruppen unterz scheiden müssen. Sie Wissen, daß die Anwärter schon geseßlich % ihrer Bezüge weiter erhalten müssen. Von den 1600 mr Sommer im öffentlichen Schulwesen beschäftigten Affrisorén Waren- rund 1100 solcher Anwärter. Diese bleiben sekbstrirrstandlickr, Wenn auch im beschränkten Maße, Weil sie auch beschrankte Bezug:: be"- kommen, in der Arbeit. Bei diesen hohen Millionengngaben für diese Anwiirter, so schmerzlich es ist, ist es nicht möglich" ge.- wes-en, nun auch noch Mittel für die iibrigbleibenden 500 flussig zu machen. Ich habe aber sofort nach Erscheinen der Notverdrd- nung die Vizepräsidean der Provinzialschulkollegien zu emev mündlichen Besprechung nach Berlin gebeten und sie aufgefordert, jede gangbare Hilfe zu leisten. Das Ergebnis ist nicht rein platonisch geblieben. Mir liegen zwar die Endergebnisse noch nicht vor; vorläufige Nachrichten aus einzelnen Provinzen lafserr das Bild aber doch bedeutend besser erscheinen, als man zunächst befürchten mußte. Ich habe z. B. aus Schlesivig-Holstein die Nachricht bekommen, daß fast alle, wie es wörtlich heißt, in Arbeit und Brot geseht sind, und zwar durch Nebenunterricht, besonders in Heeres- und Polizeifachschulen. Geholfen hat auch da die Opferwilligkeit der einzelnen Lehrerkollegien, die viekfach zu- gunsten des Nachrvuchses auf einen Teil ihrer Arbeit und ihres Gehalts verzichtet haben. (Bravo!) Diese Mithilfe auch von seiten der Lehrerschaft _ ist sie nicht ein SolidaritätSakt, ein Hoffnungsschimmer in der Depression, in der wir uns befinden?

der Jugendlichkeit der junge Lehrer von seiner natürlichen Alters-

(Erneutes Bravo!) Aus Berlin, wo die Unterbringungsarbeit

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