Yiehfamtliches.
Deutsches Reich. __ __ TPreußen. Berlin, 17.Februar.?1
Seine MaÖestät der Kaiser und König nahmetx gestern vormittag im .iesigen Königlichen Schlosse die Vortrage des Chefs des Militärkabinctts, Géneralleutnants Freihcxrn von Lyncker und des Chefs des Admiralstabs der Marine,
Admirals (Grafen von Vaudissin entgegen.
Ihre Majestät _ dic K_aiserin und Kömgin empfingen heute im bissigen Kömglixhen Schlosse in Audienz den Rektor dEr Königlichen riedrtch WilhelmS-Universität, Geheimen Justizrat, Professbr . Dr. Kahl, den Rektor der Technischen Hochschule, Geheimen Baurat, Professor Borrmann und den Pastor Müllenftefen.
Op.. ,„77-7 -__„-,
Der Bevollmächtigte zum BundeSrat, Senator Dr. Fe [) l in g i!! nach Lübeck abgereist.
Laut Meldung des „W. T, B.“ ist S.M.S. „Victoria Luise“ vorgestern in Cadiz eingktroffen und geht am 25.Fe- bruar von dort nach Lissabon in See.
S. M. S. „. ertba“ ist gestern in Cadiz cikixgetroffen und geht am 20. «WM von dort nach Ferrol in SLL.
S. M. S. „ ürst Bi§marck“ ist mit dem Chcf dss KrMFrgeschwadkrs vorgestern in Lnbuan (N0rd:Vorneo) Lin- getro en.
SM, S. „this“ ist gestern von Hankau nack) Kiukiang
(Yangtse) abgegangen.
Cassel, 16. Februar. Der 34. _Kommunailandtag des Regierungsbezirbs Cassel tst gestern durch den Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau Hengstenberg mit folgender Rede eroffnet worden: -;_;_ -z“*;,:_:-;'_;_“,4ch;.2*:.“-.z
Geehrte Hexren11
Namens der Kön? lieben Staatßxegierung heiße ich Sie auch bei Ihrem diebmaligen Zusammentreten willkommen. Wir aUc stehen noch unter dem friscbea Eindruck der Naturereigniffe, Die vor kaum mehr als einer Woche auch unser Land betroffsn babe". chnglciéf) hier nicht Verhesrungen wie 11“- anderen TeiséWn unseres Baterlsndes eingetreten find, so will ich doch «:ck an dicier SicUe dcr menschlichen Teilnahme Außdruck gkbcn,_bie x-ns alie bei dem (Gedanken an das ba- scbädiqte Hab und (Gut unserer Miibürzer erfüllt.
Ihre Beratungen bxginnea dWmal früher als in den beidenleß'en Jahren. Der Grund hierfür likgt in der Dringlichkkii, die Ihre Verwaltung denjenigen Voriazxen beimißt, die die: Beamten des BezirkSVerbandes betrtffem. _ Die Vorlaaen über die Re- gelang rec Dienst- und Besolduxmßberbälwiffe dicser Beamten WVÜLU ben V:)rgäpgen im pxeußischen S_Taate “[bl-xen, zugleich aber den besonderen Vzrbältnijjen des Bezirkßberbandes in einer nach Ansicht Jbrer Verwaltung angemessenen W-xise Rxcbmin; tragen, Wenn es troß der biexburck) enistebenden Erheblichen Mehr clastung gelungen ist, von _eincr Erhöhung der Brzirkbabgaben abzusehen, so darf dies - angjebxn Von dem voraussichtlich demnächst zur Ver.
abschiednng J'langenden Geseß über die Abänbérung des Landes-
kreditkbssenge eß-s - in ersjxr Linie d:».r sparsamen und vorsor lichen Aufstellung des HauskaLtSanschlages für 1909 verdankt Werden. eben diesen Gkaenftänden wird Sie der Ihnen vorgelegte Entwurf einer Wanderarbeitsstättenordnung bestbäftigen. Er ist aus längeren und schwierigeren Beratungen bevorgxgangen, aber, wie_ ich hoffe, geeignet, als Grundlage für die Ausführungen Zbres sozial so bedeutsamen vorjäbrigen Beschxuffes zu dienen. Die Königiiche Staatsregierung hat Ihnen Vorlagen nicht zu machen. In ihrem Naznen begrüße ich Sie mit dem Außdruck der Hoffnung und des W.;nycheß, daß ZHW Beraiung-„n dem szirksWrbande zum Segen gereichcn mögexx, und erkläre im Allschöchstex1 Auftrage den 34. Kommunailandtag des Re- gierungsbezirks Cassel für eröffnst.
Der Altersspräsident, Vüraermoister_Hold gab in seiner Erwiderung den ehrfurcbtßvqllen Gbsmmmgen des Kom: munallandtagcs gegenubep Seiner Maxestät dem Kaiser und König Ausdruck, und dre Betsammlang schloß sich dicser Kundgebung in einsm auf SGML Majestät ausgebrachten Hoch lebhaft an. -
Nachdem [)ier_auf der Kammerhkrr Nabe von Pappen: beim zum Vorxißkndcn und der O_bcrbürgermyister Dr. Gobeschus zum jtcilvertrkte'nde'n Vorsxßwndcn _durch Zitrus gewählt und die crfordsrlicbcn Ausschüsse gebildet worden waren, wnrdz die Sißung g«3schl0s1en,
Sachsen-Coburg:(§otha.
Seine Königliche Hoheit der Fürst Ferdinamd von Bulgarien traf gestern, „W. T. B.“ zufolgc, in Coburg ein und begab sich später 1111than Durchlaucht?" den Prinzen Philipp und Lsopoid von Sachsen:C0bur_q und Gotha nach der katbolischc'n Kixchc, wo aus Anlaß des Todestages Jbrer Königlichcn .Hobeit der Prinzcssin Klkmentinc von Suchstri- Coburq und (Gotha cine Trauerfeier stattfand. Am Abend trat Seine Königliche „Hoheit dcr Fürst Ferdinand dic Rück: reife nach Bulgarien an.
Oesterreich-Ungaru.
Nack) einsr Mcldung des „W. T. B.“ hat die Prager StaatanaltsChaft gc'stcrn iibcr hundert Haussuckzimgen in den Wohnungen tschechisch:nationaler Abgeordneter und Re: dakteure vor cnommen und zahlreiche- Aktenstückc bes lagnahmt. Es handelt sick) um Fesisteiiun? der Or anisatoren er Prager Straßenkramaile und des Boy 0116 deujsßcher Waren. Von den aussuchungcn wurden u. a. die Abgeordneten Choc und lofac, gcqon die eine strafgerichtiichc Untersuchuw ein:
Xleitf? ist, sowie die Abgeordneten Vurival und S ama tro en.
Großbritannien med Irland.
Das Parlament ist gestern unter dem üblichen Memoniell vom König Eduard mit einer Thronrede er-
et worden, in der es, „W. T. B.“ zufolge, Heißt:
Die Wärme des Empfanqes, die sich bei unserem Besuch in Berlin bri allen Klassen rer Bevölkerung zkigte, hat einen starken EindeCk “**-“f mit!) gemacht und mich mit hoher (Genugtuung erfüllt. Es hat der Königin ebenso wie m1r arwße Freudx bxreitet, mit dem Kaiser Wilhelm und drr Kaiserin wixder zuiammenzukommen. Ich bk" dkk Uebekstußunq. daß der AuSdruck des herzlichen Wiükommens, du uns in Betiin gsboten wurde, dazu beitragen wird, diese freund- schastlichen Geinbie jwijäzen don beiden Natior-en, die für ihre gegen-
seüi e Wohlfabrt und die Erhaltung des Friedens so wesentlich find, zÄärken. O_je Bui: ungen zu den fremden Mächten sind 11 wie vor reundfeb; ich. , Dix Thronrede_ beri tet sodgnn über den befriedigenden Fortschritt in hen B;:xhand ungen uber_ die ausstehenden Fragen mit den Vereinigten Staaten von Amerika. _Em Vertrag, wonach dre Benußung der Wgsserwege an der canadtschen Grenze geregelt wird, ist abgeschlo _“ worden, ebenso ein Ueberemkommen mit Hilfe Cayadas un *,;Nexv Foundlgnds, _das bis nordamerika- nische Fischereifrage emem Schtqdögemcht uberweisen will. Die_ Thxonrede erwähnt sodann dte Ermuerung der Schieds- gemchtz§ubereinkommen mit Frankreich, Italien und Spanien und ährt fort: ie Lage in Persien bilde nach wie vor einen Grund zur
Beunruhigung. Die Rekierung wünsche nicht, von_ dem Prinzip der Nichteinmischung in die nneren Angelegenheiten des Landes abzugeben, sei aber zugleich der Ansicht, daß die dortige Lage Hebieteriscb die Ein- führung von repräsentativen Einrichtungen erbesch8, um die Ver- wirklichung von unumgänglichen wirtschaft1ichen, finanziellen und administrativen Reformen zu sichern und das Land zu be- ruhigen, da die dvrtFen Unruhen zahlreiche kommerzielie und ökonomische Interessen roßbriianniens und Rußlands in Persixn gefährdeten, worüber zurzeit ein Meinungßaustauscko zwischen diesen beiden Regierungen statifinde. Der König freue fich annehmen zu können, daß die Aussichten auf eine Lösung der Schwierigkeiten auf dem Balkan sicb jeßt ebeffcrt babxn,_ und hoffe aufs ernsteste, daß eine alle interesfierjxn taatcn befriedigende Lösung erreicht werde. Er sei überzeugt, daß die SeekrieYSrechtskonfcrenz, die zurzeit in London tage, bald zu einer Verst ndigung gelangen we'rde. Gxoße Genugtuung habe ihm die Aufnahme der Maßnabmsn zur Verbesserung der indischen Verwaltung bereitet.
_ Die Thronrede geht sodann auf dte Vorbereitungen zu emem eaneren Zusammenschlu der_füdafrtkamschen Kolonien und auf d 2 Konferenz m Kaptadt em, 012 den ersten Schritt hierzu bedeute, und erklärt:
Infolge verjäpiedener Ursachen, Ukitkk benen die Alterßbersickyerung und die notwend g gewordene Erhöhung der Aufw-xndnngen für die Flotte zu nennen sind, werden die Ausgaben dieses Jahres diejenigen des levten Jahres erheblich überschreiten. Die Bejchaffung der für den Staatbdienst erforderlichen Mijtel wird deshalb sehr ernste Cr- wägungen nötig machen, und es ist infolgeéessen zu fürchten, daß für die anderweitige Geseßgebung wxniger Zeit versügbar sein wird.
_S_odann kündigt_ die Thronrcdx die Wiedereinbringung der 1r1schen Landbtll an, beschäftigt sich weiterhin mit der Frage ber Arbettslosen, die bis sorgfältige Beachtung ber Regierung finde, und stellt LME Vorlage, bctre end eme bsssere Organisierung des ArboitSmar tes _durck) eiri System _des Austauschcs gleichwertiger Arbeit tn Ausstcht, womrt andere Pläne? zur Bekämpfung der Arbeitslbsigkeit würden verbunden werden können. Ferner_ kü_ndrgt die Thronrede eine Vorlage, betreffend die Einrichtung v_on Handelsämtcrn für gewisse Industriezweige, an, 111 denen vorzngs'xveisa zn Hungkrlöbnen gearbeitet Wird, und eine Vorlage, _dte_ das Anlandbringen ur-d Verkaufen von Fisckwn verbietet, dle m dc-n an Schottland grknzendep, für den Fischfang verbotenen Skegsbieten gsfangcn worden smd.
In der an _dte feierliche Eröffnung des Parlaments sick) anschluxßenden S_rßunq des Ober- und Unterhauses wurde die Adresse auf die Thronrede beraten.
Jm Oberé-Xause erklärte der Mmqbis of Lansdowne im Laufe der Debate bezüglich dks Besuchs des Königs und der Königin in Berlin, er sbzxnieht zu viel, wenn er be-Uerke, daß kein neueres Ereigrxibvom brtét“x'“it*“Vq_ke mit giößerer Sympathie aufgenommen oder von ihm mi, rößex-..-Freude zur Kenntnis genommen worden sei. Ohne Widorsprncß befürchten zu müffen, könnte er sagen, daß der Besuch des Königs und der Königin hervorragend zeitgemäß und sichtlich erfolgreich gewesen sei, imd es besteht aller Grund zu der Hoffnung, das; der Beine!) Weitreichende Resultate Uüle'ubsten Cbamkters babkn werde. Cr könne keine Worte finden, die kräftig genug seien, um seine Bewunderung aussudrücken für die unermüdliche“. Energie,. mit der der König solche nützlichen Aufgaben übetnebmc. Zeder Beiuch babe bestehende Freundjäjafjen befestigt oder neue Freundschaften geschxbffen. In dem gkg-nwärtkgen Fal]: handele ck sich um zwei große Vöikcr, die eng vxrkmüpft seien durch die Bande gemeinsamen Ursprungs und gemeinsamer (Charakxereigen- schafikn. Es gebe nicht zivei Völker, die_ gxeignete: wären, Seits an Seite in de: Boxbut des mxnsÉUcbxn Fortschritts boxan- zyscbxciien. Es sei daher erfre-“lich, daß di: beiden Ferrscher in diesem besondaren “..uzenblicke d:e Frcundsckyaft
etont bätian, die nie bätte unterbrochen werden sollen med die, wie der König sagte, dem Weltfrieden biene. - Dx; Sxaaissekretär der Kolonien Egk! of Cere führte sobami aus, er sei in der_Lage, aus ersönliii'er Bkbbachtlmg bon dex aiisxkrorbenkliäxkn .Ocrzlicbkeéit spre'ckyxn zu könncn, mit der die Majesiäten in Bärixn Empfangxn worden seien. Diese Hkrzlichkeit kei born Höchsten bis zum Niedrigiicn obt-e Untetsxbied der (HeseUsckoaitsklaffe oder des Berufs zur Schau getragrn worden. Dem Tribut, den dcr Marquis of LUWDOWUS der Art md Wzise gezollt habe, in welcbzr dxr König fich immer wiÜens gxzeixxt hab?, Psrsöniiche Unbxquemlichkeityn auf sich zu nehmen, um einen so wichtigen Teil der Pchscbkkpfbchten zu erfüürn, möchte er sich anschlbszén. Besuche wie dieser, könnten nicht alles bswirken; sie könntsq nicht durcb stch ielb71beunruhigendeinternationale F;“agen beilegen. Sie könnten durch |ck selbst auch nicht jiexbkgtündetcinter- nationale feindlicbc GegensäJ beseitigen; aber in einem Fans, in dem es sich um Länder wie eutjchlat1d und England band'ie, in “dem keinerlei Grund für irgebb etwas wie interrxationaie Animosität bocbanden sei, könne ein Besuch dieser Art nichts anderes hervorbringen, ais berborragend Gutes. Er wixke dahin, die ganze Atmosphäre zwischen den beiden Ländern zu Verbeffern. Soweit er aus persönliäper Kennknis spxecben 16mm, könne er nach dem Geoankenaustausch, der in Berlin stattgefunden babe, sagen, daß der Wunsch, den die englische Regierung an den Tag gelegt habe und der, wie er glaubt, vom ganzen Lande geteilt werde, auch von denen geteilt werde, welche die (Geschicke des gtoßen Deutschen Reichs lenkten. Diesen Wunsch Verstehe er so, daß die be ven Völker. obne Bündnisse oder Verständigungen, zu denen eins von ihnen Vetprichtet sei, irgend wie aufs Spiel ju seven, imstande icin soliten, jedes gegenüber dem anderen eine durchaus freundliche Haliung zu beobachten, und daß sie imstande sein soUten, jede Gelegenheit zu einträchtixem Zusammen- wirken zu ergreifen, man nur für die Aufrechterhaltung des Welt- ftiedens, sondern auch zur Förderung der dicken Inteleffen der beiden Ländkr, die fich nicht einander widerstriiten.
Jm Unterbause sagte das liberale Mitglied Rogers in der Adreßdcbatje, der Ton der Tbronrede, soweit sie von den inter- nationalen Angelegxnbeiien bandit, sei erfüllt bon Frieden und gutem Willen. Der Redner kam dann auf den Besuch dxs Königs und der Königin in Berlin zu spcechen und erklärte, der begeisterte Empfang der Majestäten werde dahin wirken, jedes Mißverständnis und jede falsckpc Auffaffung der gegenseitigen Beweggründe, die aus dieser und jener Seite der Nordsee besten den haben mochte, zu beseitigen. Er sei überzeugt, daß die übetwiegende Mehrheit der beiden Nationen ein aufrichtiges Verständnis und g'genseitiges gutes Einvernehmen wünsche. - Hier. auf erklärte Balfour, er habe den Ausführungen Rrg'rs über die artswärliaen Angelegenhei-en nixbts hinzuzufüzen. Bezüglich der auswärtigen Politik habe er binfich=lich der vo_n (ec Regierung oder Sir Edward (Grey unteinommenkn Schrttte keinerlei Einwendungen zu machen. Was jekoF) Peisten bxtreffe, so sei cs ibm zweifelhaft, ob die demokratische Konstitution, dle untxr dem gemeinjamen Druck
Rußlands und England?; eingeführt werden solle alle ivier , keiten in wirtschaftlicher und kommerzieller Hin cht Sbckseitigixu werde. Auf die Flotjenfrage werde er bei späterer Ge egenbeit Zurück. kommen. Der Redner besprach sodann dis Finanzpolitik der Regieruu und die Verwaltung der irischen Angelegenheiten. -- Hierauf führte der Premierminister ASquitb aus, hinsichtlich der ntwicklung der Dinge im naben Osten babe England sein äußersies getan um eine friedliche Lösung der Schwierigkeiten zu sichern, die ficß erhoben hätten, un?) er werde inZukunft das gleiche tun. Er bediene sich nicht einer schmeichlexischen und überschwenc21ichen AuIdrucks- weise, wenn er sagx, daß kein Mann in uropa an dieser schwierigen und wobljatigen Aufgabe so bebarclich gearbeitet habe als Sir Edward Grey, und er würde seiner Pflicht nicht gerecht werden, wenn er nicht gleichzeitig im Namen der englischen Regierung die staatömännisäpen Eigenschzften und die Mäßigung anerkannte, mit der Kiamil Pascha die Verhandlungen der Türkei mit den fremden Nationen während dieser Monate vol] Schwierigkeiten und Gefahr geleitet habe. Er hoffe, daß Kiamil Pas as Nachfolger dessen Politik fortseßen werde; sie schiene eine olche zu sein und sei, wie er boffe,_ _ eine solche, die eine Lösung der zwischen der Türkei eincrjetts und Oesterreich-Ungarn beziehungsweise Bulgarien andererseits schwebenden Fragen gewährleiste durch eit) Kompromiß, das für alle Beteiligten ehrenvoll und für die Turkei selbst nicht nachteilig wäre. Die anderen n9ch zu lösenden Probleme beträfen Serbien, Montenegro und Kreta; sie seien weniger bedenklich, aber sie erfordertkn nicbtßdestoiveniger kluge und sympathische Behandlung. Die Uebereinstimmung binsich1lich des Prinzips einer Einigung zwischen der Türkei und Oesterreich- Ungarn einerseits und zwischen der Türkei und Bulgarien andcrxrseits sei ein gutes Vor. zeichen und habe dis Friedensausfichtcn in jenen Lagern wesentlich Verbeffert. Die Regiexung sei von den Umständen, die während der [Wien paar Tage zu einem Wechsel in der Zusammenseyung der Regierung zu Konstantinopel geführt hätten, nicht Volikommen unterrichtet, aba'r selbst wenn fie es wäre, so würde es doch nicht ihres Amts sein, die Ereignisse dort zu kommentiesen. WAI die inneren Angelegenheiten des oltomanischen Kaiserreichs anlangt, so habe die Regierung nur einen beständigen, bleibenden Wunsch, der Von ailenParteien geteilt würde, nämlich die Türkei durch die Reform der Vkrwaltung so gesiätkt und Von 11eucm so gekkäftigt zu sehen, daß sie ihre Zukunft auf der Grundlage des Freiheit und Billigkeit zu xntfalten vermöge. Welckse Ziele die türkische Regisrung aucb ver- folgen möge, die Politik dieses guten Willens werde auch weiter- hin die herzliche Sympathie Großbritanniens für sicb haben, das als Zeit bexeit sein werds, ihr bei der Vollendung der schwierigen Auf- gabe der Verwaltungsreform jede Hilfe angedeibexi zu lassen, die sie wünschen möge und die zu leisten möglich wäre. Waßdie politisch e Lage in Persien anbetreffe, soseidisse außerordentlich unbefriedigend. Von Nionat zu Mopar gebe es"“dort schlechter und schlechter, und es sei keine Auc-ficht aus BescrUng Vorbandexi, eb€ nicht der Schal) die Vkrsprecben xrfülle, die Er seinem Volks in wobl erwogene: Weisse gemacht habe. Drr Wunsch der brittsÖL-“T Regierung wäre es, fortge eßt in der Lage zu sein, der Politik der NickUintsrvention trsu bleiben zu können, aber es wäre unmöglich. die Gefahr zu verkennen, die in der Fortseßung der vorhandenen chaotischen Unordnung liege, die eine Einmisckzung vyn außxi leicht bkrvorzurufen vermöxxe. Die britische Regierung hatte in Verbinduxig mit Rußland dem Schab mehr als einmal an- kzeratkn, seine Verjpkealpunqm zu crfüÜcn. Weiter könnte die britische K_kgicxung nicht «ebm, [ckan sich 181511 in eine solcbr direkte Ein- mrschung einzulassen, die fis zu vermeiden wünsche. Großbritannien erde in keiner Weise an einer Anxeibe oder an irgend einer anderen Form dcr Uztexsiüßung bes Schabs Teilnehmen, solange er (tn seinrr gegknwartigen unheilvollen Politik festbaifr. Die britische Regierung sei bänfi; in Verbindung getreten mit dur russischen, dxrkn Interessen in engcr und direkter Beziehung ständen mit den britischen, und die chierung sei froh, Rußlands Ansichten über die Lage in Uebersinstimmung mit den ibrigen zu finden. In Bean?- woriung einiger andxrcr BemLTkumxen gab der Minister zu, daß fiä; einige Teile Irlands in beklaakrGWertem Zustande befänden, aber die Anwendung von (Gewalt und Zwang würde keine Hilfe schaffen; das bestehende Gcseß müsse jedoeh nachdrücklich zur Geltung gebracht wxrden. Zum Schluß erklärte der Premierminister, die Finanz- frage müsse den Hauptgrund der Beratung dieser Session bilden. » Henderson gab dxr Frkude der Arbeiterpartei über den Berliner Besuch Außdruck. Wenn zwischxn dem König und dsm Kaiser so fltUUdliÖk Beziehungen aufrecht erhalten Werken könnten, wie zwischen den Volksparteien beider Länber, dann sei keine Wabrscheinliäpkeit vorhanden für die unheilbolle Entwicklung der Dinge, die Von ge- wissen Lkuten prophezeit worden sei.
Darauf vertagte sich das Haus.
Frankreich.
Im gestrigcn Ministerrat hat der HandclSmivister Cruppi, „W. T. B.“ zufolge, dyn Geseßentwurf, betreffend Abänderung der Pate111qc__§eßgebung, untsrzeichnen lassen. Der Minister de_r öffcntli cn Arbeiten Vartbou und der Finanzminister Caillaux kamc'n Über den (Hcscßcnimurf, bstrefend die Altchversorgun? der Eisenbahn- beamten, Übsrein. Darauf WTM dcr Ministerrat die Prüfung der Vorschläge des Marinemin sters Picard fort.
Rußland.
Der Senat hat gestern noch Erörterung dcs Berichts des Ministers des Juncrn sein Gutachten in den beiden folgenden Fragen abgegeben: 1) ob der Ucbcrgan aus dem mosaischep m den mohammedaniscbcn (Glauben zulc'Kfig sei, und 2) ob die Juden, die zum Mobammcdanismus Übertreten, von den gcxev- mäßigen Rccbtsbcschränkungen zu befreien sind. Wie as „W. T. V.““ meldet, wurde die erste Fragk vom Senat brjaht, die zkaite verneint.
- In der heutigen Morgenfißun hat die Duma, obiger Quelle zufolge, das Agrargc 213 in erster Lesung angenommen.
Spanien.
Der König Alkons hat, lautMeldung des „783.517. V.“, auf Wunsch der deutchen und der englischen Regierung das SchiedSrichteramt in der Frage der Begrenzung der Walfisch-Bar) übernommen.
Türkei.
Der jürkische Botschafter in London Rifaat:Pascha hat, „W. T, B.“ zufolge, die Berufung um Minister des Aeußern abgelehnt. Jnfolqedessen hat der inister der öffent- lichen Arbeiten das Ministerium der auswärtizÉn Angelegen- heiten interimistisck) übernommen. Rifaat: er) ist um Finanzminister und Essadzum Katasterdirektor ernannt wor en.
Serbien.
Wie„Stampa“ meldet, hat der Finanzausschuß estern beschlossen, die Bewiüigung von 11 Millionen D nars für die HeereSausrüstung zu beantragen, da der Finanz- minister erklärt hat, daß für diesen Betrag Deckung vor- handen sei.
Amerika.
Das amerikanische Repräsentantenhaus [?atgestern nach einer Meldung des „W. T. B.“, einen Gee entwurf“ anqcnommen, der bestimmt, daß alle amerikanische äfen be- rüHrenden Ozeandampfer, die Passagiere an Vor führen- mit Apparaten für drahtloje Telegraphie binnen
res it versehen sein müssen. Nichtbefolgung der Vor chrift IW mfirtsGefängnis bis zu einem Jahre und Geldstraxe bis 3000 Dol]. bestraft. _ _ _
- Der Senat hat in seiner gestrigen Stßung, obi er Quelle zufolge, einen AbänderungSamrag an enommen, er die Größe der zwei genehmigten Schla tscbiffe auf 21000 Tonnen und die Kosten ausschließlich der Van er_ung und Ausrüstung auf 900000 Pfd. Sterl. für jedes yon etden
e t. * fefts ßDie Senatskommission hat einen Zusaßantrag zur lottenvorlage angenommen, der es in das Ermessen des räsidenten stellt, die Hälfte der Flotte in den paziftfchen_(§e- wässern zu Falten. Soweit dies nmlich ist, Hat der Präftdent schon jetzt ie Befugnis, die Flotte u teilen. Der Zusatz- antrag_ bedeutet daher, daß der KongreZ eine derartige 'ktion ausdrucklich befürwortet.
Parlamentarische Nachrichten.
Der Veri t über die gestrige Sißung des Reichstags und der Schlu bericht über die _gestrige S1 ung des Hauses der Abgeordneten befinden s1ch in der rsten und Zweiten
Beilage.
- In der heutigen (33. Sißun des Hauses der Ab- eordneten, welcher der inister Kür Handel und Gewerbe elbrück beiwohnte, wurde die erste Beratung der Novelle um Allgemeinen Berggcseß sowie der denselben Gegen- and betreffenden Anträge der Abgg. Dr. Szuman (Pole),
Aronsohn (fr. VolkSp.), Zmbusci) (chtr) und Krause:
Waldenburg (freikons) fortgesetzt. _ _
An der Debatte beteiligten stck) bis zum Schluß des
Blattes die Abgg. Kapißa (Pole) und Wolff-Lissa
(“freis- Vg»)-
Koloniales.
Die Expedition Sapper-Friederici.
Von Dr. Friederici ist ein weiterer Bericht aus Herberts- höbe ((1. (1. 9. Nobember 1908) eingelaufen. Das „Deutsche Koionialblatt' entnimmt daraus die nachsiebenden Einzelheiten :
„In einigen Tagen werde ich mit der ,Langeoog“ nach Neu- Guinea abfahren. Ich möchte daher noch von hier aus einen kurzen Verich ersiaiten.
Jeb batte die kleine Dampfpinaffe der Neu-Muinca-Kompa nie echartert, um in ihr am 28. Okiober nach der Offenen Bai (J eu- Dommern) zu fahren. Infolge eines Keffcldefekts blieb jedoch nichis Weiter übrig, als den schlrchten Kutter .Baltic' zu nehmen. Um nicht zn viel Zeit zu berliéren, schiffte ich mich noch an L*etnselben Abend an Bord dss ,Baltic' ein. Die Fahrt war bb st unglücklich. Zwar gelang es mir in Massikonajinka, drei orts undige übrer zu er- langen, aber ich war vier Nächte und dreieinbal Tacx: auf diesem Boot untLrWegs, ebe i mein Ziel, Batu an der Offénen Bai erreichte. Durch die bebt)! ikbende Abfahrt der ,Langeoog“ war meine Zeit beschränkt; meiner] Plan, Neu-Pommern zu durchqueren, um auf der anderen Seite Herberlsböbe wieder zu erreichen, konnte ich nun nur noch durchiübren, wenn ich im Innern einigermaßen
latte Bahn fand. (Es stellte sich heraus, daß dies leider nicht der
Sai] war. Gleich am Morgen nach der Landung brach ich aus, ging mchs Gebiet der Nakanai in das der Baininq und erreichte schließiicb das Palisadendorf dks Bainingbäuptlinßb Kambule. Hier waren alle Verkehrswege nach Osten zu Ende. Weder in Aussicht ge- stellte Bc-zßblungcn weh (Geschenke der Verlockevbsixn Art Vermocbten mir einen Pfad in Die gewünschtc Ri-Ibtung zu öffnen. Immer hieß die Antwort „5031“, .ist nicht vorhanden“, und immer wieder „1303, boas“, „gibt es nicht!“ Durch erfönliche Rekognosxierung überzeugte ich mich, daß die Pfade in der icht1mg nach dem Innern aÜerdinas bald hinter dkm Dorf Puluga aufbörten. Das Flu bett des Pale, an dcm das alisadendorf liegt, bäite mick) auch mi t nach Osten, sondern offen ar nach SüdWesjen geführt. Das Innere dieser Gegend von Neu-Pommcrn scheint unbewohnt zu fem, die Bainings dieser Ge,;knd haben keinerlei Verkehr nach Orten über dis Berge; ibr ge- ringer Verkehr geht nur zur westlichen Küste.
_ Ich hatte nur die Wahl, mit einen Weg zu bahnen oder zur Küste zurückzukehren. Infolge meiner begrenzten Zeit und anderer Umstände war ersteres nicht mehr möglich. Durch die unvorhergesehen lange Bootfabrt war mehr Proviant verbraucht worden, als ich ge- rechnet batte; unterwegs in Maffawa gekauitrr Taro erwies fich zur Hälfte als unbrauchbar. Die Goubernementsträger, Polizeisolwaten obne waebr, waren anspruchsvoll und minderwertig. Ich mußte damit rechnen, wir 4 bis 5 Tage lang einen Pfad zu eröffnen, um dann am Hxnry Reid-Fluß auf eine menschenleere Küste zu treffen. All: diese Erwägungen bestimmten mich, auf einem anderen W151? zur Küste zurückzukehren. Ich besuchte die Nakanai-Pläße Nessai und Tongan, um mich dann auf _dem zur Vorsicht noch zwei Taae an wer Küstx festgehaltenen .Balttc' wieder einzusckpiffen. Wieder hatte ich vier Näbte und dreieinhalb Tage im Regen und im Sonnenschein auf dkm Deck dicses Segelbootes zuzubringen, ebe
H-rbertsbbbe erreichte.
Wenn ich somit meinen quplplan nicht habe durchführen können, io war doch diese E pedition geograpbikch nicht ohne Wert und tkbnologisch hochintere ant. Die von mir durchstreifte Gegend ist aufgenommen wordkn; auch sonii konnten einige kleine Beiträge zum richtigen Kartenbild der Gazellebalbinsel aeliefert Werden.
Die drei von mir besuchten Nakanai-Dörfer Batu, Nessai und Ton an sind die einoiqen, dre in dieser ganzen Gegend noch bestehen. Die * ainin s im Yinjerland sind so wenig von der europäischen
ultur berü rt, da sie zum maßlosen Erstaunen meiner Leute nicht einmal das .Kleingeld“ der Kolonie, Tabak, kannten. Als ich dem Häuptling einer im Walde überraschten Bande zur Begrüßu_n und Beruhigung eine Stange Tabak hinreicbie, wich er entjeßt zuru , als "ich“ ich ihm einen vergifteten Dolch. Einige blaue Glas erlen Md dite ___eindzigen europäischen Kulturgüter, die bisher zu diesen euten
can n .
“Zis das Palisadendorf Puluga in Sicht kam, trat die gleiche Erscheinung ein, die ich auch beim Zusammentreffen mit der eben ge- nannten Bainingbande und auch früher bei anderen Gele enbeiten beybctchtexn konnte: die auf dem engen Pfade vor mit be ndlichen Fuhrer (Dolmetscher und Soldaten zu ihrer Bewachung) wichen unter einem Vorwande zurück und llxßen mirb an der Spiße. Diesmal hatte W "W meinen braven Ragettamann Don - den einjigen Menschen,
der neben meinem Diener Gallas von Anfang an alles mitgemacht bat * mit dem Taubengewebr vor mir. Aber das Tor des Palisaden- dorfes war so niedrig und schmal, daß er erst seinen Rucksack able en mußte, um passieren zu können. Inzwischen schlüpfteicb binein. rst “S W drin war, bemxrkte ;ck, das; eine Art Bastion über mir dicht mit bewaffneten Männern bescßt war. Sie führten 3 m lange Lanzen Und Schleudern und hatten oben 200 bis 300 Stblcudetsteine sowie etwas Proviant und Feuerholz angesammelt. Ick) ließ sie sreundlichst erU(htn, herunter zu kommen, was sie auch obne weiteres taten.
Tie Vainings waren an diesem Tage in drei Banden geteilt: die eine unter dem alten Häuxtling traf ich, wie erwähnt, im Walde “kd brachte sie nun um eil mit. Eine xweite beWachte das
alisadendorf mit den eibern und Kindern. Die dritte unter dem
Uptling Kambule selbst kam am Nachmittag von einem Streifzug
zurück. Meine Leute bemerkten ihren Anmarsch erst, als fie xchon dicht vor dem Tor waren, und auch die anrückenden Bainings ent- deckten erst jetzt, daß ihre ?estun von Fremden bese 1 war. Einen Augenblick herrschte allgeme ne ufregung. Der uf .Kambule! Kambule!" erscholl die innerhaw um ein euer hockenden Bainings sprangen auf ihre üxe, daß es nur so klats te, die Bainings außer- halb riffen aus, ver olgt von einigen meiner Leute. Nur Kambule selbxt und einer seiner Leute Waren nicht Jefloben. Mit einkm halb äng ilicben, halb stolzen Zug im Gesicht un mit zwei riesigen Lanzen, jede zweimal so lang als er selbst, auf der Schulter, so der kleine Mann in die Festung ein. Ich habe 91 Bainin s antIrovologisch gemessen, Kambule ist der kleinste von allen; er is nur 1441,5 mm hoch. Er sieht aus wie ein Kind-
Diese Leute sind somatiscb und ihrem Kulturbesiß nach zweifellos Bainings und werden auch von Nakanai und Kanakern der Gazeüe- balbinsel so genannt. Ihre Sprache aber untexscheidet fich, Lorveit ich Wahrnehmen konnte, Wesentlich yon den anderen beiden mit ckannten Bainingdialckten.
Auf Neu-Pommern zu forschen, müßte ein Vergnügen sein; der Unterschied zwischen ihm und Neu-Mecklenburg yrsch2int dem Ethnologen wie Tag und Nacht. Dank der Tätigkeit eines fähigen und energischen Mannes, Voluminski, marschiert man durch ganz Neu-Meckienburg, besonders im nördlichen, mit größerer Sicherheit, schläft dort obne Wache und bei offenen Türen mit größerem Ver- trauen, als im Berliner Tiergarten. In Neu-Pommern aber ist anderthalb Tagemärsche von Herbertsböbe entfernt alles_ unbekannt, alies Wildnis. Dabei halte ich es gar nicht für Fefäbrlich, in Neu- Pommern zu forschen. Man muß nur ein ganz [ein wenig militä- Fsck) organisieren, Eingeborene und Untergebene ein wenig behandeln
nnen. _ Die Fabri durch acht Nächte und sieben Tage auf einem kleinen Seegelbooi, msammen mit 25 Schwarzen, unter freiem Himmel, bei Regen und bei Sonnenschein, War wenig erfreulich. Aber ich bin daran gewöhnt und habe mir die dank» das enge Zusammenwobnen mit den Eimeborcnen gebotene gute Gelegenheit zum Beobachten nicht entgebtn lassen."
Einem gleichzeitigen Privatbrief zufolge wird Dr. Friedsrici im März wieder in Deutschland eintreffen.
Bautveseu.
Jm Architektcnv-xtein in Berlin sprach in der ersten Fkbruar- sißung der Professor Dr. Eberstadt, Dozent an der Königlichen Friedrich Wilbelm-Unibersität, über „neuzeitliche Anfor- derungen an Bebauungsplan und Bauordnung“. Der Redner verwies zunächst auf die Vodenparzeilierung und die Bau- formen in England. Die englischen Wohnverhältniffe sind, wie Eber- stadt einleitend hervorhebt, [;ckth zum Teil bis zur Uebersättigunq, aexebiibert worden. Aber diese childkrungen beziebkn sich auf die äußere Erscheinung des WobnungL-wesens; es gilt demgegen- über die inneren Ursachen zu betrachten, die für die Eniwicklung der Wohnvetbältniffe bestimmend 11115. Der Auögangs- punkt ist für beide Völker, Deutschland und England, in der Gegenwart der gleiche getvesen; wenn trotzdem die tatsächliche Ge- staltung völlig Verschieden geworden ist, so liegt dies daran, daß auf den grundlegendxn G-"bietm des Bebauungsplans, der. Bauordnnug und des Realkredits England Einrichtungen gefcbzffcn hat, Die denen Deutfcbiands vollständig entgkgengeseßt find. Für die nkuzeitliche Stabtankage si;-.d als weseniliche Grundzüge im (Gsaensaß zu dem älteren Städtebau zu bkzeichnem 1) entscheidkndé Bedeutung der Außenbezirke; 2) Notwendigkeit der Schaffung rkiner Wobnstadtteilc; 3 überwiegende Bedeutung der Kleinwobnung. Nach der
inkommensiat'tsiik für Preußen Von 1907 verlangen nicht Weniger als 921/5 0/0 sämtlicher städtischen Einwohner die?, Kleinwobmmq oder die kleine Mittelmobnung in Preislagen von 150-300 „75 und 400-500 «. Eberstadt behandelte demgemäß besonders ausführlich die Anlage bon Wobnstraßen, für die Verschiedene, zum Tikil sehr reizboÜc Lösungen vorgeführt wurden. Im Anschluß hieran “wurden die verschiedenen Hausformenbon der Mietskaiernc bis zum Einfamilienhaus besprochen. Die Uriachc für die heutigen Zustände erblickt Eberstadt in den entscheid€nden Ver- waltungßeinricbtangen auf dem Gebiete des Städtebaues. Er betwirft die Jagd nach fremden Vorbildern. Unsere Aufgabe gebs vielmehr dahin, die Einrichtungen des Bauwesens und des RealkrrdiiT die in den 70€r Jahren geschaffen wurden, den Anforderungkn d?! (Gegenwart gemäß zn reformieren.
Land- und Forstwirtschaft.
)()(xx/U. Plenarversammlung des Deutschen Land- wirtschaftörats.
Jm Gkbänd? des Brandenburgifckyen Provinziallandtags trat gestern der D*utscbe Landwirtschafwratzu seiner 37.Haupti)ersmnmlung zusammen. Der Präsident, Graf don Schwerin-Löwiß, begrüßte die zur Teilnahme an den Verhandlungen erichienkncn jabircichen Ver- trejecder Reickpsregirrung und der Regierungen der deutschen Einzelstaaten, worauf der Staatsfekretär des Innern, Viz-präsideut 1es preußischen Staatßminisieriums Dr. von Bethmann Hollweg im Namen des Reichskanzlers den LandwirtsckaftSrat begrüßte und versichcxte, daß die Reichsxeqicrnng den sachberständigen Arbeiten des Deutschen Land- wirtschaftSrats mit lebhafter Aufmetkfamkeit folge und seinen Be- ratungen einen_gedeiblichen Verlauf zum Besten der deutschen Land- wirtsc-baft wün1che.
Nach Erledigung esckzäftlicber Angelegenheiten erstattete der Landrat von Groote-j bcinback) ein Referat über den Entwurf eines Weingkse es. Auf seinen Antrag faßte der Landwirtschaftsrat nach kurzer Diskus on folgenden Beschluß:
.Der Deutsche LandwirtsäoaftSrat empfiehlt den baldigen Erlaß
eines Weinaeseßes in der von der Kommission des Reichstags be- schlossenen Fassung. Er befürwortet ferner die Annahme der von der Kommission vorßescblagenen Resolutionen: Der Reichstag wolie be- schließen, die ver ündeten Regierungen zu ersuchen, 1) bei Aufxtellung der Grundsäße für den Vollzu des neuen Weingeseßes zur esseren Kontrolle bestimmte Einfubrs ationen für Weine, Trauben und Traubenmaische zu benennen und die Vorlage amtlicher Bescheini- gungen über Herkunft und Reinheit der Weine zu verlangen; 2) a. bei neu abzuschließenden Handelsverträgen sowie ei Ablauf der jetzt bestehenden Fandelbverträ : die Vergünstigung für ausländische Rotweine zum wecke bes “ erschnitts nicht mehr zu gewähren, 5. tunlichst bald den Entwurf eines Reichs efeves vorzule en, welches den Versckmitt von WeißWein mit Rotwen zum Zwe : der Her- stellun yon Rotwein und den Vertrieb dieses Weines verbietet." A sdann berichtete der Domänenrat Rettich-Rosiock über die Tätigkeit des Ausschusses für Landekögebräuche, insbesondere über die Feststellung der Gebräu e im Futtermittelbandel. Es wurde der nachstehende von ihm gestellte Antrag einstimmig ange- nommen:
.Die 37. Plenarversammlung des Deutschen Landwirtscbastorats erklätt ihr Einverständnis mit der eststellung der Bedingun en für den Verkehr mit Handels uttermitteln durch den us- chué; für Handels ebkäucbe in seiner Sißung am 17. und 18. De- zem er 1908 und (beschließt, die Vedingun en allen landwirtschaftlicben Körperschaften mit der Bitte ju überrrei en, durch den Abdruck der- selben m den landwirtschaftlichen Blättern alle Landwirte und land- wirtschaftlichen Vereini unqen au dieselben binoUWeisen."_
Ein Bericht von rofeffor r. von Sokrblet-Mumben betraf die Mißstände im Düngemittelbande (Kalisalze, Sal- peter, Superpbospbate). Auf dessen Antrag wurde folgender Beschluß gefaßt:
.Der Deutsche Landwirtschaft§rat erachtet die Besxitigung der im Bericht besprochenen Mißstände im Handel mit Dungemitteln für
geboten und ersucht die landwirtschaftlicben Vertretungen im Sinne- der dort gegebenen Anregungen zu wirken und sich insbesondere auch die Mitwirkung der Genoffenéchafien und Einkauföoereinigungen zu sichern, mit denen sie in Bezie un sieben.“
Darauf trat der LandwirtschaZthat in eine Erörterung des Ge- seßentwurfs über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen ein, über den der Oberlandesgericbwrat Schneider-Stettin referierte. Nachstehender von ibm gestellter Antrag wurde einstimmig angenommen: .Der Deutsche Landwirtsäpaftßrat beschließt zu dem Geseßentkourfe, betreffend den Verkehr mit Kraftfahrzeu en: 1) Es ist mindestens zu !ordern, daß bei den nicht auf eine estimmte Geschwindigkeit be- cbränkten Kraftfahrzeugen (Z 2 Nr. 2) die Gefahr der zufälligen Schadensstiftung von dem alter des Kraftfahrzeuges getragen und daß dabei auch der Ersa? des Schadxns nicht, wie nach § 6, begrenzt wird. 2) Es si, wie früher schon vom Deutschen Land- wirtschaftßrat, die Bildung einer Zwangkgenosfensckpaft (unter Einbeziehung ausländischer Fabxer dutch Sicherbei1sbinterleguna bei Erteilung der .Fahrerlaubniß“ - € 14 ff.) als dringend wünschens- wert zu erachten, und zwar minds ten! für die unter 1 bezeichneten Kraftfahrzeuge.“
Nach einem Berickyt yon Professor Dr. Kellner-Möckern über die_ Ergebnisse dev; vom ReichSamt des Innern unter- stgßten Futternnngersuche mit Trockenkartoffeln be- grundete der OberiandekgerichiSrat Schneider-Stettin zum Ent- ivurf eines Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb kinetntAntrag, der einstimmig axgencmmen rvurde und, wie folgt, an e :
„Der Deutsche Landwirtschafwrat beschließt: Die Neuerungen, die in der NoveÜe zum ReichßgesesYe gegen den unlauteren Wettbkwerb vorgeschlagen werden, nd auch im Intereffe der Landwirtschaft willkommen zu beißen. Cine Klar- stellung oder Erweiterung würde zu § 1 Abs. 1, § 5 Abs. 2, § 10 Abs. 1 und § 13 Abs. 1 wünschenswert sein: 8. zu § 1 die Einfügung der Worte „aucb la:;dwirtsckpaftlicber' in der Wortfolge „von Verbänden zur Förderung gewerblicher Interessen“, - also wie im § 4 Abs. 3; 1). zu § 5 die Einfügung der Worte ,oder den Bestand einer KonkurStnaffe ausmachen“ hinter den Worten „noch zum Bestande einer Konkursmasse gehören“; 0. zu § 1 die Einfügung der Worte .(inSbesondere ihrer Bestandteile)" als Zusaß zu dem Worte .BesÖaffenbeit“; (1. zu § 13 eine Faffung. zu finden, durch die auch die nicht unmittelbar im gewerblichen Leben stehenden Unternehmungsn, wie die „öffentlichen Sparkassen“, „wirtschaftliche Frauenschulen auf dem Lande“ usw., mit- geschkFt werden.“
en [eßtkn Geßenstand der Tages:)rbnung für die gestrige Sißung bildete die Stellungnahme zu dem (Geseßentwurf, betreffend Aenderungen des Gerichtsvexfassungssxeseßes, der Zivil- prozeßordnung, des (Geritbtskostengeseßes und der (Ge- bührenordnung für Rechtbanwälte, über den gleichfalls Ober- landeSgericthrat Schneider referierte. Auf seinen Antrag wurde“ folgender Beschluß gefaßt:
.Der Deutsche Landwirtschaftsrat erklärt, in allen Punkten an seinem Beschluss von 1908 festzUbalten, glaubt aber die Aufmerksam- keit der leitenden. Sisllen noch bxsonders auf die Uebelstände lenken zu sollen, die das Armemkckotswesen für die Betsiligten, die Gerichte und 'die A::ivaltsckpaft mit sich brinab' Der aufrechterbaltene Beschluß bkr Plemarbersammlung von 1903 lautet, wie folgt:
„Der Deutschg LandwirtschaftSrat beschließt: Der Vom Reichs- jusiizamt auSaLarbeitetk (Entwurf einer Nobelie zur Zivilprozeßordnung wird in seinen Grundzügen gebilligt. Jedoch erscheint es dringenb wünschenswert. daß eine besondere Amts- qerichtöordnung aUSJsarbeitet werde, und daf; außerdem bei der Uix1g€stchltung bes Zivilprozeß eseßes die in früheren Ver- handlungen des Deutschen Landwirtscha tSrats und seines Ausschusses geäußerten Vorschläge, betrcffend Beseitigung der Eides- zuschiebung und deren Casas burch eidlicbe Parteibernebmung, eine fakulta tive Mündli (breit wie im preußischen Verwaltangßgeritbts- verfahren, die Teilnahme von Laienrichtern an der Zivil- gerichtsbarkeit - aUgemein in gewissen Streitsacben oder auch in diesen nur auf bksonderen Parteiantrag -, endlich eine freiere Stellung _dcr Gerichte bei der BeweiSerbaltung, etwa nach dem Vorbilde dks § 12 im Reichsgese8e über die freiwiÜige (Gerichtsbarkeit, eine genügende Berücksichtigung finden,“
Getreidebandel in (Genua während der Monats November und Dezember 1908.
Weichweizen: Anfang Nobember beunruhigten NaÖrickoten über starke Frbste in Argentinien den Weltmarkt. Die Lieferanten von neuem Plataweizen zogen sich infolgedeZen gänzlich vom Markte zurück, bis sicb die Berickote über die rostfcbäben_ als übertrieben herausstellten. Gleichwohl beryucbten die Verkäuxer yon Weich- weixen aller Art höhere Preise zu erlanam, stießen aber bei den Abnehmern allgemein auf Widerstand, da diese sich weigerten, für Plataweizen _ 21,50 und für Donau- wcizkn 21,75-22 Fr.zu1ablen. Die' Preiye gingen dann auchlangsam zurück und hielten sich bis Ende Dezember auf der im Oktober erteicbten Höhe. ie einheimischen Weichweizkn gingen im Preise zurück. Die Umsäße waren jedock) gsring- da man abwarten vate, welcbe Stellung die italienische Regierung den Anträgen auf Herab- seßung des Weizenxolls gegenüber einnehmen würde. Als fie dann Anfang Dezember in der Abgeordnetenkammer ibre ablehnende Haltung zu erkennen gab, ingen die Preise merklich in die Höhe und Werden voraus cbtlicb noch weitkr steigen. Dies hatte eine Belebung des (Geschäfts in ausländischen Weich- weizen zur Folge. Jm Vordergrunde stand die argentinisckye Ware, jedoch fanden auch Weizen aus den Donauländern und Südrußland namentlich nach Oberitalien lebhaften Absay. Süditalien, das je 1 seinen Berarf aus den früher gekauften Weicbweijen der nor - amerikanischen Pacificküste deckt, bezog sowohl im Nobember als auch im Dezember aucb Weizen deutschen Ursprungs zum Preise oon 20,50-21,25 Fr, cif Neapel.
Hartweizen: Mit Schluß der Azowschiffabrt, die verhältnisa mäßig früher eintraf, rechnete man auf eine Erböbunß der Preise. Diese trat jedoch nicht ein, da man namentlich in S ditalien noch hinreichend mit Hattweizcn versehen war, und überal] starke Ankünfte von nordamerikanischer Ware zu Verzeicbncn war.
Mais sowohl im November als auch Dezember, namentlich bei naben Verladungen behauptet.
_ lHafer war tros der billigen Preise 'der Auslandwate fast um- atz os. _
Ende Dezember 1908 bis Anfan Januar 1909 stellten sicb die Preise für 100 kg cif Genua, wie Folgt:
Gbirca Ulka Ricolaiew 2175-2150 Fr., Plataweicbweizen 20 50-20'/. Fr., Donauweicbweizen 21“,*'z-21,50 Fr., Ulka Ta anroa 21*/,-21,50 Fr., italienischer Weichweizen lombardischer ' ittel- qualität 29-29,25 Lire franko Mailand, Noworosstsk Hartweizen 2225 r., Makkaroni Durum [ 21“/„ Fr., Mais (Donau) 14,25 bis 15,75 r., Mais (Plata) 13,50-1425 Fr., Mais (Julandwate) 17,50-20,75 Lire franko Mailand, Hafer 12,75 Fr., Hafer (Inland- ware) 18-19,50 Lire franko Mailand.
An Getreide waren in Genua vorhanden:
am 31. )(. 08 30. )(1'. 08 31. All. 08
Weicbweijen . 5000 19 000 20000 (1- rtweizen . . 16000 13000 6000 , ais . . . . 19500 24000 14000 , Hafer . 24000 25000 18000 „.
Nach Savona wurden eingeführt im November 441,3 t. und im Dezember 155,6 i Hafer, wovon Ende Dezember 100 t auf Lager blieben. Der Prei] stellte sicb auf 18-19,50 Lite. (Bericht det» Kaiserlichen Generalkonsulats in Genua.)
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