Dem RechtSanwalt und Notar Solisien in Luckenwalde Me nachgesuchte Entlassung aus dem Amt als Notar ' t.
Der Kammergerichtß-Rath Weber, der Landgerichts-Ratß von Khaynach in Münüer, der L_lmtsZenchts-Rath Kra in Diez, der AmtSaerichtS-Rath Fabian in Danzig und der RechtSanwalt und Notar, Justiz-Rath ])r. Se'eßern-Pauly in Kiel find gestorben. .
Ministerium für Handel und Gewerbe.
Dem Kupferschmiedemeister A Grünke zu Neidexibura und dem Maschinenfabrikanten A. rgnke zu Lillenfixm :| die Medaille für ewerbliche eistungen in Silber, sowie dem Dampftiixchlereibefißer F. Freitag, den Bau- tischlerei- und Schneidemühlbefi ern Or low ski & Co., dem Kunstschloffer Max Lion zu A enstein und dem Photpgraphxn Schumacher zu Neidenburg diese lbe Medaille in Bronze verliehen worden. «UW
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Ministerium der geistlichen, Untrrrichts- und -Medizinal-Angelegenherten.
Königliche Friedrich-Wilhelms-Universität.
Das amtliche Verzeichniß des Ygersonals und der Sty- direnden hiefiger Universität für das inter-Semester 1888/89 ist im Druck erschienen und in unserem Bureau für 70 ,z käuflich zu haben. Berlin, den 7. Dezember 1888. _ Der Rektor und der Richter Gerhardt. Daude.
Bekanntmachung.
Das laut Bekanntmachung vom 1. Juli d. J. axis- geschriebene Stipendium der Pr. Adolf Menzel-Stif- tung im Betrage von 800 „44 ist durch Beschluß des Kura- toriums der genannten Stiftung für das Jahr. 1889 dem Studirenden der akademischen Hochschule für die bildenden
Künste, _ Maler Oskar Frenzel aus Berlin verliehen worden. Berlin, den 8. Dezember 1888. Der Vorfi ende __ des Kuratoriums der ])r. 21 olf Menzel=Stntung. A. von Werner, _ Direktor der Königlichen akademischen Hochschule für die bildenden Künftr
ck Finanz-Minifterium.
Die durch den Tod ihres bisherigen Inhabers erledigte Stelle des Königlichen Rentmeisters der Kreiskasse in Halber- stadt ist dem Rentmeister Worbs zu Kalbe a. S. verliehen, und die Verwaltung der Kreiskasse zu Kalbe a. S. ist dem Regierungs-Sekretanats-Asfistenten von Kurnatowski in Gumbinnen übertragen worden.
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
Bekanntmachung.
Die am 1. Mai k. 3. zu tilgenden Kurmärkischen Schuldverschreibungen werden am Mittwoch, den 2.Januar 1889, Vormittags 11 Uhr, in unserem SißimgSzimmer, Oranienstraße Nr. 92/94, 1 Treppe, im Beijein eines Notars öffentlich durch das Loos gezogen.
Die verlooften Schuldverschreibungen _werden demnächst nach den Nummern und Beträgen durch Zeitungen und Amts- blätter bekannt gemacht.
Berlin, den 1. Dezember 1888.
Hauptverwaltung der Staatsschulden. Sydow.
Bekanntmachung.
Die am 1. Januar 1889 fäUigen Zinsfcheine der preußischen Staatsschulden werden bei der Staats- LchuldewTilgungskaffe _ “77. Taubenstraße 29 hierselbst _, ei der ReichSbankÖauxtkaffe sowie bei den früher zur Ein- lösung benußten König ichen Kassen und Reichsbank-Anstalten vom 24. d. M. ab eingelöt.
Die Zinsscheine find, nach den einzelnen Schuldgattungen und Werthabschnitten geordnet, den Einlösungsstellen mit einem Verzeichnis; vorzule en, welches die Stückzahl und den Betrag für jeden erthabschnitt an iebt, aufgerechnet ist und des Einliefernden Namen und ohnung ersichtlich
macht.
Wegen ahlung der am 1. Jaxmar fälligen Zinsen für die in das taatss uldbuch eingetragenen Forderun en bemerken wir, daß die usendung diefer ZZinsen mittels er Post sowie ihre Gutschrift_ auf- den Nei sbank-Girokonten ' der Empfangsberechngten zwiichen dem 18. Dezember und 8. Januar erfolgt; die Baarzahlung aber bei der Staatsschulden-Tilgungskasxe am 18. Dezember, bei den Regi“erungs-Hauptkaf exi am 24. Dezember und bei den „mit der Annahme direkter Staatssteuern außerhalb Berlins betrauten Kassen am 2. anuar beginnt.
Die Staatsschulden-Tilgungskaffe ist ür die Zins- zahlungen wrrktägli von 9 bis 1 Uhr mit Aus chluß des vor eßten Ta es in je em Monat, am leßten onatstage aber von 11 is 1 Uhr geöffnet.
Die Inhaber reußis er 4prozentiger und ZF/Zprozentiger Konkols ma en wrr wiederholt auf die durch uns veröffentlichten „Amtli en RaL- rtchten „ über das Preußische Staatss uldbu , D*rttte AUSgabe“, aufmerksam, welche durch jede Buchhandlung für 40_ „3 oder von dem Verle er ?.GuttentagZD.Coll1_n) in Berlin durch die oft
ür 45 ._z fran o zu beziehen sind.
Berlin, den 3. Dezember 1888.! Hauptverwaltung der Staatsschulden.
Sydow.
Bekanntmachung.
Die dem Schachtmeifter Wilhelm Becker zu Westberbede unterm 8. v. M. diesseits ertbeilte Erlgubniß zum Befis_ und zur Verivendung von S p r e n g | o ff e 11 babe ich unter dem heutigen Tage zurückgenommen.
Hattingen, den 20. November 1888.
Der Köniyleicbe Landrath. [)!-. e 11 ha 14 s.
Personalveränderungen.
Königlickx Prensxische Armee.
Ernennungen, Beförderungen und Versexungen. J,!!! aktiven eere. Berlin, 1. Dezember. _v. ettow- Vorbeck, Gen. t. und Commandeur der 4. Inf. Bug., zum Kom- mandanten von Thorn ernannt. _ _
Berlin, 4. Dezember. Golz, Gen. Maxor, beauftragt mit Wahrnehmung der Geschäfte der General-Jnsveknon des Jngen. u_nd Pion. Corps und der Festungen, Graf v. Scbxteffen, Gen. Major vom Generalstabe der rmee zu Gen. Lts. befordert. Lenke, Oberst und Commandeur des Hus. Regis. Nr. 9. unter Stellizng &. 1a. Itut-s dieses Regis, mit der Fühmn der 14. Kav. Brig. beauftragt. v. Bülow, Major und etatsmäß. StabSoffix. des .Das; Regts. Nr. 9, zum Commandeur dieses Regis ernannt. Frhr. v. Roder, Major vom Königl. württ. Generalstabs. behufs Uebernahme der Funktionen des etatSmä . Stabéoffiz, zum us. Regt. Nr. 9 kommandtrt. von Schnacken erg, Oberst und ommandeur des Ulan. Regis. Nr. 5, unter SteUung & 1a suits dieses Regis., zum Commandeur der 17. Kav. Brig. ernannt. v. Bayer-Ehrenberq, Major und etatémäß. Stabéoffiz. des Ulan. Regts. Nr. 19, behufs Uxbcrnabme der Führung des Regis., zum Ulan. Regt. Nr. 5 kommandtrt. Frhr. v. Schleini , Oberst, beauftragt mit der Führung der 28. Kav. Brig, unter elaffung a 188111178 des Klik. Regis._Nr. 1, zum Corn- mandeur dieser Brig. ernannx v. Krosigk, Major und etatsmaß. Stabsoffiz. des Husaren - Re "ments Nr. 12, unter S_tellung 9. 1a suits des Dragoner- egiments Nr. 4, nach Wurttem- berg, behufs Uebernahme des Kommandos des Tra oner-Regzments Nr. 26 kommandirt. v. Wenden, Major, keau tragt mit der Führung des Ulan. Regis. Nr. 6, EnÖelmann, Major, beauftragt mit der Führung des Drag. Regis. r. 14, 31! Commandruren der betreffenden Regimenter rrxiannt. rbr. v. R icbtb_ o_fen. Major und EScadr. Chef vom Hu]. Regt. r. 7, als etatSyraßig.SiabSoffiz. in das Hus. Regt. Nr. 12. rbr. v. Tettau, Rtttm. vom Drag. Regt. Nr. 7, als EScadr. C ef in das Hui. Regt. Nr. 7 Versetzt. Baumann, Major * 1a anita des Drag. Regis. Nr. 25, von dem Kommando als Esradr. Chef bei dem Dragoner-Regiment Nr. 4 entbunden. rhr. v. Puttkamer, Major und Escadr. Chef _vom Hui. Regt. r. 1, dem Regt, aRregirt. Frhr. v. Röder, Rittm. u. Escadr.Cl)ef vom Drag.Regt. r. 26, als _EScadr. Chef zum Hus; Regt. Nr. 1 kommandirt. v. Scheffer, Rittm. _und EScadr, Chef vom Drag. Regt. Nr. 17, v, Wallenberg, Ritim. und E€cadr. Chef vom Hus. Regt. Nr. 11, der (Charakter als Major verliebetx. Erbprinz Reuß i. L. Durchlaucht, Pr. Lt. vom Garde-Hui. Regi, unter Belaffxmg d. ]: anita des Inf. Regis. Nr. 96, in Welchem Verhaltniß er den Diensttitel .Hauptmann' führt, zum Rittmeister und EScadr. Chef, vorlaufia ohne Patent, v. Arnim,- Sec. Lt. von dems. Regt. zum Pr. Lt.,_ vdr- läufig obne Patent, befördert. Flist_, Major vom Kriegs-Mtniste- rium, bis auf Weiteres zur Dienstleistung bei dem G9rde-Pion.Bat., Madra, Hauptm. und Compx Chef vom Garde-Pwn. Bat-._ yor- läufig auf drei Monate zur Dienstleistung bei dem Kriegs-Mimste- rium, kommandirt. v. Groß en. v. Schwarzboff, Major vom Großen Generalstabs, zum encralstabe der 14. Div. versetzt. Wollenberg, Pr._Lt. vom Inf. Regt. Nr. 43, von dem Kem- mando zur Dienstleistung bei einer Mtlttär-Intendantur entbunden,
Abschiedsdewilligungen, Jm aktiven Heere, Berlin, 4. Dezember. v. Körber, Gen. Lt. und Inspecteur der 3. Feld-Art. Insp., in Genehmiaung srines Abtchiedsgesucbes mit Pension, v. Ostau , Gen. Major und Commandeur der 14. Kav. Brigade, Kuhlwein v. Rathenow. Gen. Major und Commandeur der 17. Kav. Brig, in Genehmigung ibrer Abschiedsgesuche, als Gen. Lts. mit Pension, zur Diép. gestellt. Graefe, Sec. Lt. vom Train-Bat. Nr. 1, der Abschied bewiüigt.
Jichtamtlich ez. Deutsches Reich.
Freußen. Berlin, 8. Dezember. Se. Majestät der aiser und König erledigten gestern in den Morgen- stunden zunächst Regierungs-Angelegenheiten und begaben Sich gegen 111/2 Uhr Vormittags, begleitet von dem lügel- Adjutanten vom Dienst,nach dem Opernhause, um daselb t einer Probe des Musikdramas „Rhein old“ ankuwohnen.
Kurz vor 1 Uhr erfolgte ie Rück ehr in das Schloß. Bald darauf empfingen Se. Majestät den Grafen Clemens zu Schönburg-Glauchau sowie den Hauptmannron Holstein und später den Amtßrichter von Normann,welche beide die Ehre hatten, die Orden ihres verstorbenen Vaters bezw. Onkels m die Hände Sr. Majestät zurückle en zu dürfen.
Bald nach dem Früh tück, zu welchem der Kultus- Minister Dr. von Goßler mit einer Einladung beehrt worden war, unternahmen Se. Majestät in offenem Wagen eine Spazierfahrt durch den Thiergarten nach dem Grunewald.
Gegen 31/7 Uhr erfolgte die Rückkehr m das Schloß. Dort empfingen Se. Majestät noch den Geheimen Rath Mießner und verblieben dann bis zum Thee, u wxlchem keine besonderen Einladungen ergangen waren, im rbettSzimmer.
_ Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Augusta empfing am Donnerßag den Besuch Ihrer König- lichen Hoheiten der Prinzen Georg, Alexander und Friedrich Leopold, owie gestern den Feldmarschall Grafen Moltke und heute die Fürstlich Radziwi 'sche Familie.
_ Der Ausschuß des Bundesraths für oll- und
Steuerwesen und dre vereinigten AUSschüffe fiir oll- und Steuerwesen und für andel und Verkehr, für oll- und Steuerwesen und für echnungswesen, some für oll- uno Steuerwesen, für Haydel und Verkehr, für Iusnzwesen und für Rechnungswesen “hielten heute Sißungen.
_ Der Schlußberi t über die geßrige Sißung des Reichstages befindet ich in der Ersten Beilage.
_ Auf der Tagesordnung der am Monta , den 10. d. M., Mittags 12 Uhr, stattfindenden 11. lenar- sihung des Reichstages stehen folgende Gegenstände: Fort- setzung der ersten Verathung des Entwurfs eines Gesetzes, be- treffend die Alters- und Jnvaliditätsverfichexung. _ Erste und event. zweite Berathung des Entwurfs_ eines Geseßes „W treffend die Vorarbeiten für das Nattonaldenkmal Kaiser Wilhelm's 1.
_ Die Bestimmung des §. 2 des preußischen Geseßes vom 26. März 1856, wonach D 'enige, welcher ohne Befugnis; anstehende Mineralien, we e der Staczt |ck vorbehalten hat oder zu deren Gewinnung es einer Verleihung . . . _. bedarf,
n der Abficht wegnimmt, dieselben slch Fuzueignen, mit Geld- buße bis zu 50 Thaler oder mit Gefängniß bis zu 6 Wochen bestraft wird, findet nach einem Urt eil des Reichsgerichts, 17. Strafsenats, vom 2. Oktober . I., auf die unbefugte Aneignung von Mineralien aus den Halden keine Anwendung, vielmehr ist diese Anei nung als gemeiner Diebstahl aus §. 242 ff. des Strafge eßbuchs zu bestrafen.
_ Zwischen den Wahlen im Verbande der größeren Grundbesißer und den vorher zu bewirkenden Wahlen im Verbande der Landgemeindexi ( ._108 der Kreis- ordnung vom 13. Dezember 1872) muß em wnchenraum von mindestens acht Tagen liegen. _ Das Ober-Verwaltungs-
ericht hat in einem Falle, in welchem die Zwischenzeit nur
4 Stunden betrug, die Wahl im Verband:: der größeren Grundbesitzer wegen Nichtbeachtung jenes, aus _Art. 14 der Instruktion vom 10. März 1873 (M.-Bl. d. 1. V. S. 81) hergeleiteten Grundsatzes für ungültig erklärt. _ Endurtheil des 11. Senats vom 6. November 1888. _
_ Alle Ergänzungs- oder Ersaßwahlen werden _ so bestimmt . 21 der Städteordxmng vom 30. Mai 1853 in Beiehung au die Stadtveroronetenwahlen _ von densel en Abt eilungen und Wghlbezirken (§. 14) vorg- nommeu, von enen der AUSgeschiedene gewählt war. _ Der Magistrat der Stadt B. hielt gleichwohl eine _ seines Er- achtens unwesentliche _ Aenderung in der Abgrenxung eines Wahlbezirks für nicht ausgeschlossen und [WZ eine nöthig gewordene Erg"nzungswahl von dem durch ule ung und Abtrennung einiger Häuser insoweit umgestalteten ahlbezirke vornehmen. Die Wahl wurde indeß durch Endurtheil des Ober-VerwaltungSJerichts (U; Senats) vom 2. No- vember 1888 für ungültig erklärt, weil jede Abänderung des Wahlbezirks unzulässig und zwrschrn 1yesentl1rhen und unwesent- lichen Aenderungen nicht zu unterjcheiden ser
_ S. M. Aviso „P f eil“, Kommandant Korvetten-Kapitän Herding, ist am 6. Dezember cr. _in Gibraltar eingetroffen und beabsichtigt, am 8. dess. Mts. wreder in See zu gehen.
Sachsen-Weimar-Eiseuach. Weimar, 8. Dezember. (W. T. B.) Der Landtag wurde heute durch den Staats- Minister ])r. Stichling geschlosien.
Oefterreieh-ngarn. Wien, 7. Dezember. (W. T. B.) Yu Abgeordnetenhause fand heute die Berathung des ehrgeseßes statt. Der Abg. Plener erklärte, die Linke werde troß des Widerspruchs der inneren und der äußeren Politik für das Wehrgefeß stimmen, um die Zweidrittelmajoritäl für dasselbe zu ermöglichen. Sie beerige das Geseß aber nicht diesem Ministerium, sondern nur der Armee und der Ma t: stellm'ig des Reichs. Der Abg. Rieger erklärte, die Völ er Oesterreichs würden den Monarcheq bei der loyalen Einlösung des deutschen Bündnißvertrages möglichst unterstützen. DasBünd- niß mit Deutschland, aus den Jntereffen beider Reiche hervor- egangen, sowie die Gleichberechti ung beider Theile müsse ?estgehalten, jeder Gedanke an ein taatsrechtliches Verhältniß aber abgelehnt werden. PanslaviSmus sei bei den Westflaven nicht vorhanden. Das böhmische Volk woÜe weder russisch noch deutsch werden; es trete darum mit allen Kräften für Oesterreich und desen Dynastie ein. Der Minister für Landesvertheidigung,Graf WelserSheimb, bemerkte dem Ab eprdneten Plener gegenüber, daß nach dem Willen des obersten riegsherrn die deutsche Sprache das Mittel der Verständigun in der Armee, nicht ein Mittel der Parteiung sein solle. iir die Armee existire keine Sprachensrage. Die Regierung gehe nicht von einseitig natio- nalem, sondrrn von allgemein österreichischem Standpunkte aus. Die Vorlage entspreche nicht einem einzelnen nationalen Interesse, sondsrn dem gebieterischen Interesse des gesammten Vaterlandes. Der Abgeordnete Gregr (Jungczeche) sagt_e, das böhmische Volk hege kein Vertraiten in die Zukunft. Was nüße ein c?rieden, der schließlich den onkurs der Staaten, den uin der Völker herbeiführen müsse. Die Böhmen würden aber für jedes Bündniß sein, das den Frieden sowie die Unabhängigkeit und die Größe Oejterreichs fichere. Sie bewilligten daher das Wehrgeseß, aber nur_ dem Kaiser von Oesterreich, König von Böhmen, und dem österreichischen Staat, sonst Niemandem. Hiernach wurde der Schluß der Generaldebatt e mit 103 gegeii 97 Stimmen angenommen. Die nächste Sitzung wurde auf Dienstag, den 11. d. M., an- beraumt. ' Pest, 7. Dezember. (W. T. B.) Der General-Jnfpektor der Honved-Kavallerie, FML. Henneberg, ist heute Nach- mittag gestorben.
Großbritannien und Irland. London, 8. Dezember. (W. T. B.) Das Unterhaus hat den von Vroadhurst eingebrachten und gegen die Erwägunkz des Berichts des stän- digen Ausschusses über die Novel e zum Haftpflicht- geseß gerichteten Antrag mit202gegen 141 St. abgelehnt.
_ _(A.C.) DasKriegs-MinisteriumhegtvorderHand nicht die Absicht, die britischen Streitkräfte in Egypten zu verstärken. Die wenigen Truppen, welche jeßt auf Kairo und Alexandria vertheilt find _ 2 BataiUone des wallifischen Re iments imd der irischen Scharfschüßen, 1 Schwadron Hu are_n, die berittene Infanterie und eine einzige Batterie _ werden von den Militärs allerdings für eine vier zu schwache Reserve gehalten, um darauf zurück- greifen zu l_können, wenn die egyptische Armee in dem höchst wahrscheinlichen Gegenangriff der Araber auf Wady Haifa unterstüßt werden müßte. Doeh glaubt man, daß die egypti- schen_Trupyen jeßt besser find, seitdem sie von den englischen Offizieren emexerziert werden. Unter dem General Grenfell dienxn 50 englische Offiziere, welche dem Khedive einstweilen „geliehen“ worden find.
rankreich. Paris, 7. Dezember. (W. T. V.) Bei der erathémg des Budgets der Ehrenlegion lehnte heute die eputirtenkammer den Antrag ab, die Aus- ländern gewährten Dekorationen im „Journal officiel“ zu veröffentli en.
_ ( "ln. . Der Ertrag der indirekten Steuern_ in den elf Monaten des Jahres 1888 ist um 361/3 Millionen Franken höher als der Voranschlag und um YM; _?)tisllionen höher als der Ertrag in der gleichen „zeit des
or1a re .
UYU imb Polar. St.Petersburg, 8. Dezember. (QT. .) Das „Journal de St. Pétersboirrg“ "ck auf die zalreichen Erfindungen auswärtiger Blätter aufm am , welche den Zweck hätten, Un- ruhe bezüglich Rußlands Absichten _zu erregen, indem fie Flauben machten, die Anleihe schließe kkiégeüsche Zie e in sich. Derartig seien die Auslassun en des „Dail Telegraph“ über angebliche Maßnahmen zur &-
ng arschaus, die der „Times“ bezüglich, der Ponton- brü über die Donau, sowie die Artikel ev deutschen Zeitungen, welche das Publikum zur Vorsichtnahme gegen- über russischen Werthen warnen; man schütze nur die leßteren
. vor, um die Kaffandra-Rufe zu motiviren. Man genire fich,
noch weiter von einem wirthschaftlichen Ruin Rußlands zu sprechen Angesichts der Thatsachen. welche im Ge eniherl be- wiesen, daß der wirthschaftliche Aufschwung zune: e. Aber Rußland sehe gar“ keinen Grund, stolz zu werden und fich vo_n den Werken des Friedens abzuwenden, denen sich der Kaiser seit seiner Thronbesteigung widme.
Italien. Rom, 7. Dezember. (W.. T'. B.) Die Kommission der Deputirtenkammer zur Berathung der von der Regierung vorgeschlagenen Finanzmaß- nahmen wählte Giolitti zum Berichterstatter und beauftragtr denselben, den ablehnenden Bericht am Sonntag der Kommission vorzulegem _ _ _
Der Papst empfing heute die Prinzessin Friedrich Karl von Preußen mit ihrem Gefolge, welchem fich auch der preußische Gesandte von Schlözer angeschlossen hatte.
Spanien. Madrid, 8. Dezember. (W. T. B.) Die Lestern von den Abtheilungen der Kammer gewählte Budget- ommission besteht aus 21 Anhängern der Regierung und 14 Mitgliedern der Opposition. Mehrere Blättxr wollen wissen: der inanz-Minister hätte in Folge dieses Aus-
- falls der Wah demisnonirt, und es hätte darauf auch der
Minister des Innern seine Entlassung eingereicht.
Zeitungöftimmeu.
In der „MagdeburZischen Zeitung“ lesen wir: _
Die Rede. mit welcher r. von Boetticher die Vorlage über die Alters- und Invaliditätsverfiäyerung einlritete, hat im Reich§tage einen wohlthuendcn Eindruck gemacht und wird im Lande den gleichen Empfindungen begegnen. Bis in die leßten Tage hinein war dqs Gerücht verbreitet, daß aucb die verbündeten Re ierungen dj_e Hoffnung auf eine baldige Erledigung des rießes auf- gegeben hätten. Nach den jetzt von Hrn. von Boeiticber abgegebenen Versicherungen werden Ausstreuungen dieser Art kaum noch irgendwo Boden finden können. Für eine Verständigung über die Vorschläge der Regierungen ist die beste Aussicht eröffnet worden; dieselben sehen weder die Vorlage als Games als ein uoli me rangers an, noch wollen fie gegen etrvaige Abänderyngen der Einzelbestimmungen grundsäßlichen Widerspruch erheben. Dir Haupt- sache bleibt, daß das Ziel erreicht wird, auf Welches mit diejer Vor- lage hingestrebt wird.
AuSdrücklieb ist hervorgehoben rrorden, daß gegen den Vyrsckxlag, die Rente nicht nach Ortön sondern nach Lobuklaffen abzustusen, ein Bedenken an sich nicht vorliese. Es wird nur darauf hingewiesen, daß die Durchführung dieses Vorschlaäs bei dem Mangel einer zuver- lässigen Lobnstatistik nicht ohne Schwierigkeiten sei, und daß dieselben sich noch häufen würden da, wo Akkordarbeit üblich, oder wo die Löhne in nam» zur Auözahlunq gelangten. Das smd Einwendungen, derm Berechtigung sich in ruhiger, sacblicber Prüfung_fenstellen lassen wird. Vor der Hand genügt die Zusicherung der Regierung, daß fie den Vorschlag für erwähnenswert!) halte und sich freuen würde, wenn derselbe durchführbar sei. Denn in der That, es liegt auf der Hand, daß eine Abßuiung der Rente nacb Lobnklaffen den Grundsätzen der Gerechtigkeit beffer entsprechen würde, als die Bemenung der Rente nach dem ortsüblichen Tagelohn.
Auch bezüglich der so viel_angegriffenen Marken und Quittungs- bücher hat der Herr Staatsjekretar das weiteste Entgegenkommen zugesichert. Es ist offen erklärt worden, daß die Absicht, durch das Quittungsbucb auf diesem Umwege zu dem den Arbeitern mit Recht v_erhaßten Arbeitsbuche zu kommen, der Regierung vollkommen fern liegt. Anstatt weiter gegen Windmühlen zu fechten, sollte man fich na_ch praktischen Vorschlägen umjhun, wie jedem Mißbrauch niit dem Quittungsbucb vorzubeugen ist. Akle Besorgnis; vor einem solchen Mißbrauch würde unseres Erachtens schwinden, wenn der §. 91 des Geseßes dahin abgeändert würde, daß_ die Cinklebung und Entirertbung der Marken von dem Arbeiter sxlbjt in Gegeywart destrbettgehÉrs naeh einer vom BundeSrath festzujeßenden Vor1chrift zu e orgen ! .
Von_sozialdemokratischer Seite hat der Abg. Grillenberger die _Porlage emer eingehenden Kritik unterzogen. Ueber das Ergebniß derselben tt_i wth kaum ein Wort zu verlieren. Das Grieß istschlecht,unbrauchbar, fur die Arbeiter noch weniger nüße, als die beiden anderen VersicherunFs- ßeseße, das Krankenkaffen- und Unfaüverficherungßgesey. Freilich at fich trotz alledem Hr. Grillenberger doch dazu v_erstat_1den, dj_eim ver- fehlten Y_njauf zu einem arbeitersreundliCben Geiss einer Besprechung zu unterziehn, die fast 2? Stunden in Anspruch nahm: ein etwas langer Projest gegen einen so vollständig verfehlten Versuch; ein Protezt, _der immer und immer wieder den Gedanken aufdrangt, daß es ,bei diesen fortgeseyten verfehlten Unternehmungen den sozialistischen Agitatoren doch um ihre Selbstberrlichkeit e1w5xs bange wird. D;:ber auch_in der langen Rede dieser bastige und auffallende Wechsel zwiicben sachlichen Einwänden und bohlen Phrasen aus der bekannten Küche des sozialistischen Demagogentbums. _
Nur deshalb hält es die fozialdemokratiscbe Partei für der Muhr wrrtb, auf den Eeseßentwurf einziFehen, weil er die Möglichkeit bietet,_ die Arbeiterfreundlicbkeit der rgierung und der bürgerlichen Parteien an praktischen Vorschlägen zu messen. Eine blutige Selbit- 1ronie! Welches Schicksal würde Yk. GriÜenberger und seine Freunde wohl zu erfahren haben, wenn 1ch die Arbeiterwät endlich einmal dazu entschließen wollte, die Arbeiterfreundlicbkeit ihrer so_genannien Fubrer an den „praktischen' Vorschlägen zu messen, die fie zu machen baden. _ _
Darf eine solche Erkenntnis; schon für die nachste Zeit erhofft werden? Wer wollte darauf eine sichere Antwort eribeilen? Die sozialdemokratiscben Führer scheinen vor der Hand qoch darauf zu reckxnen, daß die aUmäcbtige Phrase auch fernerhin die Arbeiterwett im Banne hält. Wie dürften sie es sonst wagen, den Arbeitern vor- zureden, daß der klaabare ReÖtSansprucb, der ihnen_durch die Ver- ÜcherungSgeseße eingeräumt wird, nichts Anderes _und jedenfalls nichts Bxfseres ist als die Almosen, auf die fie bisher _tm_FaUe von Krank- beit, Unglück und Alter zu rechnen hatten. Es_ ist nideffen zu hoffen, daß der verständigen Theil der deutschen Arbeiter die Hohlbeit und Richtigkeit dieser Deklamationen bald durchschauen _wird.
Um so mehr liegt Anlch vor, den berechtigtenßoxderungen drrArbeiter so Weit als mögli entgegenzukorpmen; dahin zahlen wir die Sorge für Maßregeln, welcbe jeden Mißbrauch drs Quittungs- bycbs unmöglich machen, und auch die Prüfung der Frage, ob nicht die Minimalrente etwas höher zu bemessen und ob nicht die Steige- rung zu dem Maximum sich etwas rascher vollziehen _kann. Daß bier die sor samste Prüiung am Plave ist, räumen wir em. Mit vollem Recht at Herr von Boetticher hervorgehoben, daß gerade bei der Neu- beit des Versuchs Vorsicht doppelt geboten sei. Eine niedrige Rente U_ erhöhen, wenn wir erst rößere Erfahrun en gemacht, wird besser cm, als gleich von vornßerein zu einer oben Rente überwachen,
deren Aufbringung dann uns und den Arbeitern die bitterften Ent- täuschungen bereiten kann.
_ Die „Schlesische Zeitung“ sc_hre1b_t:
Die rübrigere Entwickelung der Emrrbtbatigkeit, welcbe sub bei dem herrschenden Kapitalürerfiuß aller Voraussicht narb noch erheblich steigern wird, mahnt uns, der Gefahren eingedenk zu sein, welche uns im etgrnen Lande Angesichts dieses Ymsckkungs droben. Wir dürfen uns_ mcbt verhehlen, daß die Verhaltnisse auf sozialem Gebiet beute schlimmer liegen als in jenen Jahren nach dem Kriege, während deren das Gründer- und Jobbertbum seine Orgien feierte. Da- mals war die Sozialdemokratie noch ein Embryo, der bei dem Tanz um das goldene Kalb zwar gehörig auswuchs, aber doch erst nach dem Krach unter der Wirkung des wirtbscbaftlichen Notb- standes_ als voll entwickelter OrganiSmus auf den Plan trat. Von AnarchtSznus, dieser Außgeburt der Sozialdemokratie, wußte man dama1_51xt Drutschland noch nichts. Mit ibm, der ja immer nur plößlicb tn dte_Erscheinung tritt und ebenso plötzlich wieder ins Dunkel xerscrwmdet, woüen wir auch heute nicht rechnen. Bezüglich der Sozialdemokratie arer haben wir uns_.klar zu machen, daß die- selbe m_ts heute als eine große. woblorgamfirte Partei gegenübersteht, welche ihre Macht um so mehr fühlen lassen zvird, je mehr sich die chchftage nach Arbeitskräften steigert, je leichter fich also Lohn- stergerungen durch Strikes erpressen lassen.
_ Scho_n unmittelbar nach den Gründeriahren machte fich das Be-
durfnißfublbar, unsere das KoalitionSrecht statuirende Geseßgebung durcb emr Bestimmung außzugestalten, welche den fraudulofen Bruch des ArbeitsvertrageS, also die Nichteinhalan der bedungenen Kün- diguzigsfnst, unter Strafe stellt. Aliseitig wurde anerkannt, daß damit einem der 1chwersten Uebelstände der Strikes begegnet werden würde, qber das Prinzip des Laiasst fairs galt damals in der nationalltberalen Partei, die in allen Fragen den Ausschlag gab, noch als ein so heiliges und unantajtbares, daß alle Versuche scheiterten. _Lasfer erklärte, durch ein solches Grieß würde die Gleichberechttgung zwixchen Arbeitgeber und Arheitnehmer verleßt, und als diesem Einwanre durch einen Geseßesvor1chlag begegnet wurde, der auch den Unternehmer bei Nichteinhaltung des Arbeitsvertrages m_it angemessener Straie bedrohte, erklärte er diese weitere Be- stimmung für eine „rein ornamentale". Ibm genügte es, daß der Unternehmer das Recht habe, gegen jeden einzelnen seiner vertrags- brüchtgen Arbeiter _ und seien deren tauiend und mehr _ die Civilflage qui Schadenersatz anzusteUen. So blieb eine Lücke in unserer Sozralgewxgebung, die sich in nicht ferner Zeit schwer fühlbar machen kann.
Die Sozialdemokratie, welcher der Kamm sichtlich zu schwellen beginnt, hat keine klar vorgezeichneten, konkret zu tormulirenden Ziele. Das macht fi_e im Vergleich zu _ anderen politischen Parteixn. a_i_1(b den radikalsten, nur un; so gefährlicher. Sie durch Zugestandnin: zii versöhnen oder zu tbetlen, ist absolut unmöglich. Mit jeder Konzeifion, die ihr gemacht werden soÜte, würden ihre Amprücbe _nur wachsen. Daraus _ folgt mit unerbittlicber Logik, daß tbr überhaupt kein Zugestandniß gemacht werden darf und daß, wenn es _ was _Gott verhüte _ ihr gegenüber zum Kampf kommt, diejer Kampf auf Leben und Tod auxgefochten werden muß. Es ist darum Wesentliche Aufgabe der Staatskunst, dax_ür zu sorgen, daß ein solcher Kampf nicht ausörrcbr. Was in die1em Sinne durch die Krankenkgffen,_durch die Unsallversicherung und durch .die Fßrsorge für Arhettßunfahige geschieht, wird erst in Zukunft seine _Fruchte tragen; im Augenblick ist die Stimmung im sozialdemokratncbet] Lager eine sol_che, daß an eine morali1che Wirkung der arbeiterfreundlicben Politik_ nicht zu der_iken ist. Und mit dieser Slimmmxg, die_ fick) n_och strtgern wird, 1obald das Angebot von Arbeicxskrasten die Nachfrage nicht mehr überwiegt, haben wir ernstlich zu rc nen.
Als eine der bedenxlicbsten Erscheinungen erachten wir es, daß in der Sozialdemoiratie die Neigung zu Demonstrationen wieder lebhaft hervortritt. Wir zahler! dahin Vorgänge, wie sie unlän st in unseren Mauern bei, der Beerdigung des Sozialdemokraten Krä er und eben erst in Berlin anlaßltcb des Auftretens_des Hrn. Singer in der Tonhalle in Scene gingen. Aehnlicbe Demonjtrationen waren kurz vor den Attentaten von 1878 m Berlin wiederholt vorgekommen und bei der Berathuna über denzuerst vorgelegten Entwurf eines Sozialistengesetzes machte deffen Hauptgegqer, Hr. von Bennigsen, der Regierung mit Recht den Vorwvrf, daß fie_ diesen Demonstrationen nicbt energisch entgegen- getreten sei. Wer mrt der Geschichte der Nevolutionen,_rver nament- lich mit_den Vorgängen _von 1848 näher vertraut ist, wird uns darin beipflichten, daß die blutigen Konflikte stets unmittelbar aus Demonstrationen Erwachsen smd. Wo es zum Zwecke von Demonstrationen_z_u Manenaniammlyngen auf Straßen und öffentlichen Yläßen kommi, nt em energi1ches Eimcbreiten von vornherein geboten.
jemand rxeiß, ob beisolcbrn Maffenansammlungen nicht, wie 1848 vor dem Schlone von Berlin, .zufäUig“ oder „aus Mißverständniß' ein Schuß Mit und Welche Weiteren Konsequenzen sich dann ergeben. Thatsache ist auch, d9ß derartige Demonstrationen, i_elbst wenn fie nicbt zu blutigen Zu1ammenstößeti führen, das__ sicherste Mittel find, die Ge- mütber zu erbißen. Enie Volkkmane, dle fich in Demonstrationen ergeht, Welche darauf hmaußlaufen, ohne direkte Verlesung des Geseßes das Gesch zu verböbnxn und eine feindselige Haltung gegenüber der staatlichen Autoritat ostentativ zu bekunden, steht schon auf__dem Bodexi der Revolution,_und darum darf die sozial- demokramche _Partei, sdweit fie 114) an solchen Demonstra- tionen betbciligt. unbedingt eine revolutionäre genannt werden.
Im Interesse des_ inneren Friedens muß dringend gewünscht werden, daß die staatliche Exekutivgewalt allen derartigen Demon: strationenrcn vornherein tücksichtkios entgegentrete, fie im Keim er- sticke. Reichen troß Muth und Entjchloffenheit die gest lichen Mittel dazu nicht aus, so muß das Geseß erweitert und ve chärft werdrn. Bei der ungemeinen Gefahr, um deren Beschwörung es fich hier handelt, kann der Einwand nicht erhoben werden, daß eine solche Stärkung der ausübenden Grrvalt einen Eingriff in die persönliÖe Freiheit bedeute, Die Rechte von Staat und Gesellschaft stehen hoch über allen liberalen Doctrinen.
_ Die „Wiesbadener Presse“ ichreibtx
Seit dem Abschluß des deutichframöfischrn Krieges ist von Deutschland planmäßig und zielbewußt die Erhaltung des Friedens als leitender Gesichtspunkt der auswärtigen Politik verfolgt. Wo imnzer die Gelegenheit sich bot, ist der prakti1che Beweis der fried- ferttgsten Gesipnung und völliger Unei ennüyigkeit geliefert worden. Unsere Bündnisse haben, wie immer 18 verschieden ficb gestalteten, stets nur den Charakter eines Friedensbmxdes gehabt. Fragen, ivelcbe die Gefahr der Entzündung eines europaischen Brandes enthielten, wie die bulgarische, sind tro? des scharfen Tadels eines roßen Theils der einheimischen, einer gefä rlichen (Yefüblöpolitik das ort redenden
re e mit der küblfien und umsichttgsten Zurückhaltung behandelt, elbt Frankreich gegenüber ist in dem_ Fall Schnäbele, wie b'ri an- deresi Grenzvorfällen das weitgehendste Entgegenkommen bewiesen wor en.
In dem gleichen Maße ist die innere Politik bedacht, die Ursachen zu Unfrieden und Hader zu beseitigen. Die in energischer Durchführung begriffene Sozialpolitik auf der Grundla e des praktischen Christen- tbnms bezweckt mcbjs weniger, als_den s werwiegenden Nachtbeil der wirtbscbaftlicben Stellung des Arbeiters, weicher darin liegt, daß seine wittbicb-ftlicbe Existenz von dsr Beeintracbtigung der leßteren ge- fährdet wird, in weiterem Umfang durch_ Vzrficheruna Segen _die
olsen des zeitweiligen oder dauernden,_ ganzlicben oder i etlweisen * erlusies der Arbeitsfähigkeit auSzizgleixken und so den Stachel, Welcher in der wirtbscbaftlichen Jnfrnoritat gegetiüber der bestehendrn Staats- und GesellschaftSordnung liegt, zy beseitigen. Und wenn auf anderen Gebieten der Sozialgesetzgebun , mobesondere der sogenannten Arbeiterscbuygesevgebung, die größte orficbt obwaltet,_fo liegt de_ch der Grund aliein in der Besorgniß, durcb woblgememte, _aber in ihren Folgen nicht sicher voraUSzu_berecbnende-_Maßnahmen die wirth- schaftliche Lage der Arbeiter und ihrer Familien zu_ verschlechtern und, während man eine Quelle des Unfnedens _zu verstopfen memt, in Wahr- heit nur eine neue Quelle des Mißvergnugers zu eröffnen. Endlich
- breitung.
isl docb unsere gesammte Wirtbscbaftswlitik, welche _darauf_ abzielt, die in ungünstigem Lage arbeitenden wetge der Nationalwtrtbscbaft solveit zu scbüßen, daß fie nicht ernstli erkranken, von dem Grdanken getragen, allen Deutschen unter dem Schutz des ftczrken natwnalxa Gemeinwesens die gedeihlichste Entwichlung der eigenen Kraft m nützlicher Arbeit zu sichern. _ ,
Wenn demgegenüber der Sozialdemokrat thb_knecht im _Rettbs- tage bei der Etatödebatte versucht bat, die quttrk des Reichs als eine nach innen und außen unfriedlicbe zu bezeichnrn, so steht diese Behauptung mit den Thatsachen in so d'rxktem Widerspruch, daß es zur Widerlegung nur des Hinweises auf tese bedarf. Ahxr charakte- ristiscber noch für die Haltlofigkeit dieses Standpunkts ni dte_Ar_t, wie Hr. Liebknecht ihn zu begründen versuchte. Denn erkannte hierfur nichts Anderes anführen. als die Energie, Mit welcher _die auf Seiten der Regierung stehende Preffe sicb i_owobl_Zegen dix iraméfiscbm Revanchebeslrebungen, wie gegen diejenigen Ni tungen in Deunckxland wendet, deren Politik wesentlich auf drr Verbexuzig der _Gemutbek [:erubt. Wer aber den inneren wie den außeren neden wia, dessen Aufgabe ist es in erster Linie, den friedenftörenden Elementen_ das Handwerk zu legen. Der sozialdemokratiscben und der nur zu hai_rfig mitwetteifernden demokratischen Agitation mag es sehr unerwünjcbt sein, wenn ihr Hindernisse in den Weg gelegt werden,_ allein der innere Frieden kann dadurch nur gewinnen, genau so wie der aus- wärtige durch die stete Erinnrrung an die Gefahr, welche in der in Frankreich vielfach noch vorhandenen Revanchetendenz liegt.
Statistische Nachrichteu.
Nack) Mittheilung des Statistischen 21th der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 25.No= vember bis inkl. 1. Dezember cr. zur Anmeldung gekommen: 267 Ebe- scbließungen, 914 Lebendgeborene, 32 Todtgeborene, 576 Sterbefälle.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Natur_ urid Dichtung. Deutsche Lieder und Zeichnungen. Vierzig lanricbartlrche Kompositionen von Gustav Cloß. In Holz gcichnitten ron Ad. Cloß. Neue biUige Außgabe. Klein 40. Album- Format. In Pracbtband Pr. 10 .,“ (Stuttgart, Verlag von Paul Neff.) _ Unter den Landichaii§ma1ern drr leßien Jahrzehnte leuchtet als _ einer der liebenßwürdigstrn und poetisch stimmungs- vollsien der Sckxwabe Gust. Cloß hervor. Seine S_Éöpfungm find original in jeder Bezie ung und bintecla11en_ dem Bescbauer einen unvergänglickien Eindruck. Leider i1t der talentvolle Freund und Kunstgcnoffe don Max und Makart zu_ früh dahingeschieden, und irine Werke sind überalibin zeriirrut. Die rübmlicb bekannte Verlagsbizcbbandlung von P. Neff in Stuttgart hat nun in pietätvoller Weije in der neuen Außgabe von „Natur und Dichtuna' eine Auxwahl der schönsten Zeichnungen des dabingcgangxnen Meistrrs Veranstaltet, die das böcbite Lob ver: dieni. In AlbumZFormgt und in Prachtband mit Gold- scbmtt gebunden, iit diexes zu dem billigen Preiie yon 10 .“ angebotene Buch ein Prachtwerk im vollsten Sinne des Worts. Dasselbe enihält _ über 40 wunderschöne _ große Zeirhnunzxen von _ Cloß (der]en Bildniß am Schluß bei- gefugt nx) iu Liedern deuticber Dichter, in glücklicher Aus- rvahl, Mit Goethe beginnend, die bervorraaendsten Lyriker Heine, Eichendorff, Uhland, Rückert, (Heibxl2c. berücksichtigen und auch Proben der neueren Dichter Scheffel, Viicber, Hery, Stieler. Engelmann, Yqulus :e. bringen. Jedes einzelne Blatt itt eine Meisterleistung in
eichnung und Holzschnitt, denn der ZwiUingsbruder des Verstor- he_ncn, der bekannte Xviogradh Adolf Cloß, hat in liebevoüem, ver: itandigem Eingehen _ "? _die Eigenart des genialen Bruders irn Holzfchnitt das Vdrzizgltchite geschaffen, was in diesem 10 bedeutend fortge1chr_ittenen Kunstgewerbe geleistet Werden kann. Das Buch ist die 1_ch_ön1te Gab; sowohl für Kunstfreunde wie auch für Haus und Familie,_ da Bilder und Lieder _in taktvollcr Weise so ausgewählt find, day fie i_n Jedermanns Hande gegeben werden können. Eine edle_re_ und poetiicbere WeibxiachtZaabe für Söhne und Töchter aebildeter Stande, als diese neue billige Außgabe von „Natur und Dichtung“ wird kaum geboten werden.
_ .Vericboll'ne Mär“ von_Frau Villamaria. erlag von Zl. Haack, Berlin. _ Die Verfanerin greift in den Sagenicbap längst entschwundener Tage und zwgr mit der löblichen Absicht, jenen Theil _des Volks mit den Heldcngeitalten der Vorzeit und xyit deren Sch1ck1alen bekannt zu machen. Sie nimmt als Grundlage für ihren NoveÜencvklus die Artus- und Graljage und Weiß die einzelnen Erzählungsblütben zu einem dnsxigen Kranz zu winden. So hat sie ein dankenswertbes Volksbucb ge1chaffen. Ein Zauber von Liebespoesie schwebt beionders über de_m Schicksal der schönen_Ginevra urid des Ritters Laxtzelot, und dir duftige Erzählungsweiie der Verfasserin macht selbkt den webmütbigen Ausklang des Novellenkranzes zu einem versöhnenden. Frau Villamaria, die auch ganz tüchtige Studien auf diesein entlegene!) Gebiete gemacht hat, zeigt fich ihrer Aufgabe voa- kommen gewdchien. Wir wünschen ihrem Werke recht weite Ver- Die erlagsbuckobandlung hat durch edle Ausstattung den künstlerisäorn Anivrüchen Rechnung getragen sowie durch das bei- gegebene Bild der Veriafferm vielfachen Wünschen ibrer Verehrerinneu Genüge gethan.
_ Gedichte fiir das erste Kindeßalter von Seele. Verlag von A. Haack in Berlin. _ Wer für den Weibnackpxstiscb für die ganz kleineWelt mehr als ein gewöhnliches Bilderbuch 1ucht, dem sei diese bekanzite und beliebte Sammlung von Kindergedichten aufs Wärmste empxoblen. Das ebenso anregende als le_brreicbe Buch ist nicht allein verwendbar zum (Gebrauch im Hause, iondern auch für den _Kindergarten und Kleinkinderfcbulen, und bietet in arscbickrer uud gewahlter Zusammenstellung Wiegen=, Tanz-, Reiter-, Scherk, Kose- und _Spielliedchen, _Geburtstags- und Neujahrswünsche, Rätbsel. Denksprüche und Sittenlebren, Fabeln und Märchen, Gebete und Gleiabnisse aus dem Naturleben. In der yorliegenden 3. Auflage hat das Buch auch_ 30 Zeichnungen von Louiie Thalheim erhalten, die de_n Werth desxelben noch erhöhen, so daß es wegen des gebotenen reichen Stoffs zur heiteren Plauderei und bildenden Unterbxltung mit den Kleinen ein wghrerÉausfckoaL für alle Mütter, Hindergärtnerinnm und Pfiegerinnen ijt. irca 304. Seiten stark, kojtet das Werk ge- bunden 3 .]4 _
_ „Kleine FranzöiisÖe Sprachlehre besonders für Elementarklaffen von Real- und Töchterichulen, wwie für erweiterte Volks-, Fortbildungs- und Handelsschulen', von Dr. _Emil Otto, Lehrer der neueren Sprachen an der Universität Heidelberg. Neu bearbeitet von H. Runge,_ Lehrer der neurren Sprachen in Keilbau b, Rudolstadt. Fünfte Ausla e. Heidelberg, Iulius Groos' Verlag, 1888. (Pr. 1,46. 60 43). _ ie Verbefferungxn resp. Erweiterungen, welche die vorlie ende neue Auflage zeigt, beziehen sich axif folgende
unkte, Zunächit hat das Kapitel über die Aussprache, bewnders der
onsonamen, der Schleif- und Nasenlaute und die Bindung im Fran- zösischen eine Erweiterung erfahren. In der Formenlehre ist bei der Bildung des deinin der Eigenschaftöwörter owie_ bei der Stellung derselben mancherlei geändert worden, ferner be_t dem Zeitwort hinsichtlich der Ableitunröregeln Als Nachtrag wird das Wichtigste über das Geschlecht im Franzöfiscbcn gegeben.
Land- und Forstwirthschaft.
Stockholm, 4. Dezember. Nach „dry eingzgarzgenen Berichten der Läns-Verwaltungen kann das Königliche Statutiscbe Central- bureau die diesjährige Ernte Schwedens im Ganzen ge- nommen als eine Dutchschnit1sernte_bezeichnen. In 15 Län mit circa 76 "/o der ganzen Anbaufläche war die Eryte mittelmäßig und darüber, m den übrigen 9 Län unter mitjelmä 1. Es _wurden im geerntet: Winterweizen 4 699 600 Kubikfu 1 Kubiksuß = 0,0261? cbm), Sommerweizen 400 500 be., WinterrZden 26 551 600 be., Sommer- roggen 318600 be., Gerste 18 2048 be., Hafer 84560600be.. Menggetreide 11028 700 M., Erbsen 1 706100 be, Bohm