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Jn der Zweiten Beilage zur heutigen Nummer des „Neichs- und Staatsanzeigers“ ist eine Genehmiéunngrkun'de, betreffend eine Anleiße der Stadt Es en, veroffentlicht.
Yiehlamtliches. D'eutsazes Reikh.
Preußen. Berlin, 21. April.
Seine Majestät der Kaiser und König yahmen _qestcrn vormittag im Achilleion auf Korfu die Vortrage des Chefs des Zivilkabinctts, Wirklichen (Hchctmen Rats von Vaisntini, des Chefs ch Militärkabinetts, (Henexalleutxante? Freiherrn von Lynckcr und des 01)?sz VLS Martnkkabmetts, Vizkadmirais von Müller cntgcgkn.
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Der Reichskanzler Fürst von Bülow empfing gestcrn achd Abordnunqen aus V111)ern,_Sachsen, Wurttem; berg, Baden, Thüringen und 21116 _solchc des Bundes der Industriellen, die sich zur Ueberryxchung von Adressen und Resolutionen in Sachen der Reichsft'danzreform versini i hatten. Nachdem der Unißrsiaatssekretar 3. D., Pro: fessor r. von Mayr für die bayexrfche Abordnung gesprochen, der Vrofeffor Wuttke-Drcsdsn die Adresse der Ybordnmxg aus dem Königrcich Sachsen verlesen, dcr (Hrqf Lindcp fur die .Herren aus Württemberg gesprochen, oer Gebeimrdt Engler die Adresse aus Badcn_und Profcßor Dr, Anschuß diejenige aus Tbürincn überreicht hattexi und dex (Hehemze Kommerzienrat Wirt?) und der Kommerzienrat Hexlner fur die Judustrielien gesprochsn batten, erwidert? dZer Reichskanzler Kürst von Bülow, „W. T. B.“ zufolge, m1t nachstehender 9 ch:
„Meine HMM! Sie haben sich dsrcinigt, um xnir'als dem obersten Beamten des Reichs durch Adreffen und mundiiche Aus- sprache Jbre Sorge um die Reicksfinanzreform _kund zu machen. Da- mit treten Sie als Wortführer und Vertrauensmannxr weiter Schichten des deutschen Volkes auf. Sie smd bic'r nicht erschienen ais Sprecher bestimmter Parteien, weil Sie mit mix und allen, densn das Wyhl des Vaterlandes am Herzen liast, die Reich.“; nanzxeform nicht als eme Parieistage betrachten. Sie iroÜen vielmehr bre Kundgebung angesehen wiffm als eine Mahnung an dic Parieien, sich mit dem (Gedanken der nationalen Nojwendigkeit dicker Reform noch mehr ,als bisher zu erfüllen und sich Von der Einsichi in diese [)arte Noiwmdtgkeit bian- tragen in (affen über Zögerungen, Bedsnien und Differenzen. Ich sehe aber auch in Ihrer Kundgebung wre in den zabiibsen Kund- gebungen der leßten Wochen eine Reaktion des Volkswckiens gegen die Versuche, den Bedürfniffen des Reichs und der Volksgesamtbeit das Intereffe bestimmter Gewerbexweige - ich denke vox allem an den Tabakberein entgegensuießen, Versuche, dir nun Teil mit einem an Terroriömus grenzenden Druck geltend ge- macht worden Lind, und gegen, welche, wie ich sehe, die Vonden Hexren aus Bayern ü erreichte Adreste mit gebotener Entschiedenhxtt Stellung nimmt. Wir haben ja von allen Seiten gehört wie die Vertxeter dieser Interessen die Oeffentlicbksit mit ihrem Widerspruch erfullcn und immer wieder verlangen, daß man sie, gerade sie, unter allen Umständen schonen soi], wo doch AtMruche an die Opferwiliigkeit des ganzen Volkes gestellt werden munen. Es bereitet mir eine wahre Genugtuung, zu sehen, wie sich das öffentliche _Gewiffen dem Einreißen solcher Unfiiten entgegenstemmt, und ick) fable mich dadurch bestärkt in meinem Vertrauen in den guten Geist des deutschen Volks, der auch diesmal, in die er die „ukunft unseres Volkes so tief angehenden _Frage ni t .verge lieb angerufen werden wird. Auch ich bin mit den Herren aus Sachsen der festen Ueberzeugung, daß unser Volk aus der Misere der Vexgangen- beit gelernt hat, daß es die Kraft des Reiches nicht wie in jenen alten Zeiten gelähmt wissen will durch, die finanzielle Ohnmacht, die die Ohnmacht aller staatlichen Betatrgung bedeutet. Ein Volk, das wie das unsere an Schaffenskraft und Schaffenslusi sicb Von keinem anderen übertreffen läßt, kann auch dor schwereren Opfern nicht znrückschrecken, wenn es gilt, sui) die Schaffensmögiichkeit zu sichern durch eine finanziell geficherte Reichsgewalt. _Mit Recht drängen Sie, meine .Herren, auf eine rasche und_ grundlicbe Erledigmxg der Reichsfinanzreform. Es ist der einmuitge Wille der verbundeten Regierungen, die Lösung der Frage*nocb in dieser, Scsfion des Parlements herbeizuführen. Drr Reichstag wird mabt cms- einandergeben, bedor er evdgültig zur Finanzreform Stellaria ge- nommen hat. Wie soll die Reform s1ch im einzelnen gestalten.) Die Herren aus Thüringen halten, wie ihre Adresse betoni, nach wie vor die Vorsthläge der Verbündeter: Regierunaen__fur eine im ganzen und großen geeignete Grundlage zur Vetitandigunq. Auch ich, meine Herren, habe mich von dieser Zuvrrscht nicbt abbringen lassen und bin gerade durch den Gang der Eröricrungen im Reichstag und in der breiten Oeffent- lichkeit mehr und mehr darin" bestärkt worden. Gewiß werden die verbündeten Regierungen nch nicht auf jedes Stuck_ibrer Vorlagen versteifen. Nachdem sich leider ergeben hat, das; fur die Besteuerung von Gas, Elektrizität und Inseraten keine Mehrheit zu erlangen ist, so werden die verbündeten ReÉirrungen diesc Vorlagen fallen [affen müssen. Für die Lücke muß eius“ geschaffcn werden. Ich bin zwar heute noch nicht in der Lage, breruber bestimmte Mit- teilungen ju machen, ich babe aber dabiy gewirkt, daß fich_die Verbündeten Regierungen in den alleruachsten Tagen endgulttg über die Stellung 1chlüfsig machen, _die sie zur Frage der Erfaßsieuern für die Zweite Lesung tm Reichstag einnehmen wollen. An den leitenden Gedanken und an den Hauptstucken des großen W::ks aber halten die verbündeten Regierungen fest. Man bat in den leTten Wochen vielfach ebört.' eine Hauptfrage bei der Fnanzreform ilde das Problem, ie Linke in Sachen der
Branntweinbesieuerung und die Reckpte in, Sa en der Erb- schaftsabgabe umzustimmen. Gewiß war es em Fe [er, den Vor- schlag dec verbündeten Regierungen, betreffeqd _ den Zwicken- bandel des Reichs mit Branntwein, & [immo abzule nen. Mehr und mehr zeigt die Debatte, daß bier der vyn der Re- gierung vor eschlagene Weg am besten zum Ausgleich ftxbrt zwischxn den finanzie en Jntereffen des Reichs und den Intereßen der Pro- duzenten. Die doktrinäre Verfechtung eines Prinzips kann uns biex nicht weiter bringen: das Schlagwort „wider alle Monopole verliert seine Bedeutung im Zeitalter der Kartelle und Trusts.
cute darf die Parole nicbt lauten: „Fur unbedingte Gewerbe- Zeibeii und gegen das Monopol“, sondern sie hätte lauten Für das Staatsmonopol statt 73,99. Privatmonopols, für da: StaatSmonovol, das 100 Millionen, die wir als Steuerertra vom Branntwein allseitig erwarten am schonendsien aufbr ngen kann, die sogenannie Liebesgabe beieitigen und allen Intere en gleichmäßig (Leucht werdxn wurde. Uyd wie ßebt es mit dem * usbau der Erbs aftsabgaben.“ Hier ist es nicht so sebr die nüchterne Betrachtung der regten TxisaHen gewesen, die roße und anges-bene Kreise im Lande zu ihrer bisher ablehnenden Faltung veranlaßt bat. Vielmehr baden Besorgnis: bineingespielt, die sorgfältiger Prüfung nicht standhalten soiitea. Ick gebe die offnung ntcht an und Ihre Kundgcbnngen _besiarken mxcb Zeriri -, daß auch die Landwbtscbait exkeumn wird, daß sie sich mit der Ausdehnung der Erbschafisbkxteuerugg wird abfinden können. Auf der Nachlaßsteuer wkrren dic Verbundeten Regierun en nicht bestehen. Da aber der
sollen :
stimmung in Höhe des aus der Nachlaß euer v::anscblagien Betrags an den neuen Steuern beteiligt sein um und eine andere Zereäste, zweckmäßige und gleich ertragreiche Besißsteuer mit befferer Aussicht auf Annahme im Reichs'ta e zurzeit nicht vorgeschlagen wxrden"kann, so müssen wir an der usdebnung der Abgabe auf die nachften Verwandten in der Form einer Erbanfalisteuer_ festhalten. Auch der Landwirtschaft nahestehende Autoritaten geben 1.“- zu, daß die vorgeschlagenen Sä e ertragen werden können und daß die layd- wirtschaftlickoen JntereÉn schon in den Regierungsvorsädlägen beruck- sichtigt worden sind. erden doch 7,2; bis, 3/4 der deutschen Landwirte von der Steuer überhaupt nicht betroffen. Die Landwirtschaft sollte aber auch nicht der;; sien. da sie unter einer Geserebuna lebt, die mit der größten Gewissenba tigkeit ihre gesamten “ ntereffen fördert und am Herzen trägt. persönlich nehme es durchaus nicht leicht, in dieser Frage mi im Widerspruck) zu mgmbem alten Freunde zu befinden. Aber auch nach reiflicbster Erwägung kann ich Von der Auffaßsung nicht abgeben, daß die erweiterte Erbsobafjssiexter ein Opfer an onservativen Grundsäsen nicbt involviert- Ick begraße es, daß aroßc Teile der konservativen ;Partei zu" derselben Auffassung elangt find, und deriveise dafür auf die Bsscbluffe der konservativen ?Vartei in Sachsen. ck meine auch, daß die Stimmen aus dem Mittelstande bei der Rechten des Reichstages nicht angehört vcrballen sollten. In keiner Weise aber vermag ich die Bedenken zu teilen, daß ein aus augemeinen Wahlen hervorßegangenes Parlament wie der Reichtag gerade mit" der Erbschaftssteuer Unheil stiiten könnte. Solangs die Sozialdemokratie nicbt Bundeßrat und Reichstag be- herrscht, so lange besteht nicht die Gefahx konfiskatorisäver Ausbeutung dieser Sleuer. Sollten aber einmal die Sozialdemokraten die Ge- schäfte in die Hand nehmen -- in den nächsten Jahrhunderten wird man das nicht erleben -«, so würden die Erbschaften “daran glauben müssen, ob die Sozialdemokratie die Deszensdentenbesteuerung vor- fände oder nicht. Mit dem Vorwurf des, Sozialismus soil m_an uns also nicht kommen. Vor dem brauchen w:: uns so wenig zu furchten, wie es Fürst Bismarck tat. Ich bleibe also der Ueberzeugung: Was in den Verschiedensten Ländern der Welt, was in ÖM Hansestadten und in Elsaß-Lotbriugen, in deutschen Kantonen der Schweiz, in Oesterreich - Ungarn, in England, in Frankreich in [ghr- :ebntelanger Uebung zu keinem Mißitard und keiner Erschutte- rung des Familiensinns geführt bat, das wird auch in Deutschland, wenn sich die Wogen elegt haben, als eine ertragliche Steuer angesehen werden, und pätere Generationen werden die Erxegung unserer Ta : in dieser Hinsicht kanm noch begreifen können. Aber mit der Öranntwein- und der Erbsxbaftssteuerfrage ist es nicht getan. Daß das Bier uns 100 Mtilionen mehr bringen muß, darüber ist man sich allgemein einig. Und was den Tabak beirifft, so wird es troß aller Agitation dabei bleiben, daß alles, was der Tabakderein in diesem Falle qcieblt bat, wieder gut gexriacht werden muß durch einen (Hefeßentwurfk, der dem wnalen Cbarakier dcr Steuervorlagen Rechnung tragt, den wvhlbabenden
einen Ertrag Von 75 bis 80 Millionen mit Sicherheit zufübrt. Ich brauche es kaum auszusprechen, daß ich auch mit kaem Verlangen bezüglich der reinlichen Scheidung zwischen Reichs- und Bundes- staatsfinanzen durchaus übereinstimmc. Die Gejchicbtc der Vkairikularbeiträge ist eines der lehrreichsten prttel unserer inanzen. Was als Notbebelf und Uebergangsmaßnabme ge- cbaffen War, hat sich im Laufe der Jahre zu einer siändigen und immxr komplizierteren Einrichtung entwickelt. Dabki haben weder das Reich noch die Bundesstaaten ibre Rechnung ge- funden. Die ganze jcßige Situation legt auf das" bxrediestc qugnis dafür ab, daß die beiden hervorragendsten Personltchketten, die sich mit den Reichsfinanzen beschäftigt haben, Bi5marck und Miquel, vollkommen recht halten, wenn sie das Reich nicht dauernd zum Kost änger der Bundesstaaten werden lassen onten. An den ormen dec Matrikularabgaben, an dem unbeständigen Element, das in der Cinnabmebewilligung durch die Reichssiände lag an dem Mangel eigener ausreichender Einnahmen ist das glte ;btiikz: römische Reit!) ck und morscb ge- worden und zu Gemüse gangen. Die große ufgabe, die_Miquel sich gestellt hatte, war: in Preußen eine "reinlicbe Sckpeidung zwisehen den Finanzen der _verscbiedenen offentlichen Korper- schaiten durchzuführen und dafur Ui sorgen, daß sie alle in zweckmäßiger Weise ausreichende eigene Einnahmen erhielten. Die Entwickelung gebt nunmehr in der Richtung einer Scheidun der Einnahmequellen des Reichs von denen der Einzel- staaten, n cht in Wechselseitigem Uebereinander- und Incinandergreifen. Das sogenannte Besitzsteuerkompromiß ist von Anfang gn nichts als ein Hilmeittel oder eine Hilfsfonstruktion, eine Notbrucke gervesen. Die Oeffentlichkeit ist sich rasch und einmxtiig der Gefahren bevoußt geivorden, die aus seiner praktischen Durckqubrung fur das ganze Ge- iügc unseres Finanzgebäudes exwachsen wurden. Das spricht mit be- sonderem Nachdruck auch die Adresse der Herren aus Tbütingen aus. chn Sie die Unterstützung der verbündeten Regierungen und des Reichstages Tu; eine Beseitigung dieses .Komproryifscs" verlangen, so ist dieser Tel Ihrer Mission erfüllt. Die verbundctey Regierungen werden die Einzelstaaten nur bis zur (Grenze Von 50 Millionen Mark, d. h. mit 25 Millionen mehr als bisher, in der Gestalt der Matri- kuiarbeiträge an dem Gefamtbedarf beteiligen.
Ich erwarte also, um kurz zusammenzufassen, Von der Finanz. reform das Folgende: (Six soll aufbringen 500 Millionen, sie soll diese Summe, abgesehen von 25 Millionen Mark neuer Matrikularbeiträge, aufbringen in der Form reichsei ener Ein- nabmen, und zwar, Wenn die Fahrkarten teuer in verbs crier Form bestehen bleibt, mit 350 bis 360 Millionen Mark vom Konsum und mit 90 bis "100 Millionen Matt vom Bcsiß. Bei deri Konsum- steuern sollen Branntivein, Bier und Tabak rund 280 M1litonen Mark bringen, weitere 70 bis 80 Millionen Mark sollen durch die "sogenannten E:saysteuern, über die sich der Bundesrat dieser Tage schlussig machen wird, aufgebracht werden. Die Nachla steuer wird in eine Erbanfau- sieuer umgervandelt. Du7chzufübren si das Wcrk noch in dieser Ta ung. .
g Meine Herrcn, als Vor einem Jabke VM diesem oder jcnem die Reichsfinanzreform als eine große iiationale_Aufgabe bezeichnet wurde, da haben Routinepolitiker geiäcbelt und erklart, es werdx nie gelingen, ein Steuerprogramm populär zu machen, um so wemgex, je mehr Steuerzahler von den Wirkungen betroffen werden muffen. Daß heute die Reichsfinanjrefoxm als natiorxale Aufgabe nicht nur allgemein anerkannt, sondern dL sie pOPUÜLk geworden ist, Weil man erkennt, daß in ihr eine tärkuna des Staais nach innen und nach außen und damit auch eine örderung unsere; wirtschaft- lichen Kraft liegt, ein Aufstreben zu bö eren Zielen, dafur find Sie lebendige Zeugen. Jeder Tag der Verzögeruna bedeutet eine Ver- mehrung unserer Schulden, einen Verlust an Einnahmen. eine Er- böbung der Schwierigkeiten, eine Einbuße an Reputation. Die Arbeit wird den Mitgliedern des Reichstags erleichtert welden, Wenn ihnen aus den verschiedensien Kreisen der Beyölkerung die Versicherung ent- gegenklingt, daf; si: bei ihrer Pftitkterfullung auf die Bereitwiliigkeit der Oeffeu1l1chkeit rechnen können. _ Indem Sie, meine Herren, dies hier und in diesel? SYM cbnift B.;;uxde uFd §Yestkiunndtbeit xda? Anä- druck brachten, ba en ie si ür a gro ? er U" um a JJV e Vaterland ein Vsrdienst erworben, und sind seines Dankes sicher.
des Reihsversiclwrungsamts, Wirkliche
Der Präsident Df- Kaufmann ist vom Urlaub
Gchkime Obcrrcgierungsrat zuruckgekc'hrt.
Laut Meldung des „W. T.,B.“ isi S._M. S. „Locelct)“ am 18, April von SmyrnYdYÉ11Mers1na m See gegangen,
Besitz nach fafi allgkmeincr Uzbe'cen- ;
Kl.E . .T
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Raucher böbsr belastet als den unbxmittelten und der Siaatskafie '
Rußland.
Die türkische Regierung hat die rusfische. Regierung von dem zwischen der Türkei und Bulgarien getroffenen Abkommen über sämtliche Fragen benachrichtigt, von deren Zugeständnis die Türkei ihre Einwilligung zur Anxrken-nung der Un: abhängigkeit Bulgariens abhängig gemacht batte. Da in diesem Abkommen, nach einer Meldung der „St. 'Peters- burger Telegraphenagentur“, gejagt ist, daß dre jup: kische Regierung ihrerseits d18_ neue ' politische _ Lage Bulgariens anerkenne, Hat die russische Ne terung ihre Vertreter bei den Signaturmächten beauftragt, die en mit: zuteilcn, daß ihrer Mcinutxg pack) nunmehr der Augenblick gekommen sei, die Unabhängigkeit Bulgaricns unverzuglrck) an: zuerkennen.
Zu der voUzogcnen Anerkennung der Unabhängigkeit Bulgariens durch dis Türkei sandte der thser Nikolaus folgendes Telegramm an den Fürsten Ferdinand:
Mit dem Gefühle liefsier Freude begrüße ich Ente Majestät und das bulgarische Volk aus Anlaß des nunmehr Vollzcég'enen Abschlusses der mir und ganz Rußland am Herzen liexienden Frage der Unab- hängigkeit Bulgarich. Gott segne Sie, Ihr Haus und Ihr Volk zu Einer glücklichen und friedensreicben Zukunft.
Die Reichsduma, die gkstern wieder eröffnetnzorden ist, hat in criter Lösnng dcn Gkseßentmurf, betreffend OM Schutz des Urheberrechtjs, angenommen. _
Bei dieser Gelegenheit exklärte, „W. T. B.“ zufolge, der Justiz. minisier, der Entwurf bezwecke den Schuß der russischen Autoren. Rußland sei durcb die Handelsverträge Verpflichtet, mit Deutschland, Oesterrsich - Ungarn und Frankreich eine LiteraturkonVention abzu. schlikßsn. Es cntsprecbe aber nicht der Würde Rußlands, lxirkmdeu Aukoren Rechte zuxgewäbren, die nicbt einmal die russischen uioren besäßen. Schließlich sprach der Minister die Hoffnung aus, das GSseß Werde dis matexielle Lage der russischen Schriftsteiier beffern.
Spanien.
Zu der gestrigkn Sißung der Deputiertenkanzmer kam der Bcricht der Kommission zur Verlesung, dis mxt dw; UPLRsUÖUUg der gegen den Marinemmister und andere Nc: gierungsmitglieder bei der Kammer erhobenen Beschuldigungen betraut war. In dem Bericht mird, „W. T B.“ zufolge, be: antra t, die erhobem'n Beschnldigangen znr Kenntnis des Miniterpräsidenten zu bringen. Im weiteren Verlaufe der Sißung antwortete dsr Marineminister auf “das Exsuckxen eincs Abgeordneten, der Kammer die' Akt-m ubxr die Zu: erteilung dcr LieferungSaufträge fiir den Bau_etnes nechn Schiffsgcschwaders dorzulcgcn, qr sci dazu barctt, aber Erst, nachdem er die Schriftstückc, die gehetmyn Charakter_ haben und fiel) auf di? geheim zu haltende nationale Vertetdtgung des Landes beziehen, zurückgc ogcn Habe.
Darauf erhob fich großer L rm. Die Mitglieder der Odposmox: scbrien und schlugen mit den Pulideckeln. Der Präsident konnte die Ruhe ::::r mit Mühe wiederkerstellen. Der Ministerpräsikem Maura UiitkkstüJte die Erkläkung des Marineminisiets. Daran? kam es zu einer heftigen Polemik zwischen Maura,_Cana1eias Und Moxci. Maura exkiärte, die Regierung sei stolz aus ihr Werk :gid habe die Exörterung in der Kammer keinesweas zu scheuen. Sie wünsche sic vielmehr, denn daraus Werde das Land die Ueberzeugunz gewinnen, das; das Kabinett seine Pflicht voii erfüllt habe zum Besixn der Interessen und der Würde der Nation. __
Darauf wurde die Sißung geschlonen.
Schweiz.
Auf der in Bern tagenden Internationalex! Gott- hardbahnkonferenz ist, „W. T. B.“ zufolge, eme „Ver: ständi ung über alle Programmpunkte erzielt wordxn. Die Deieg crten Haben den Entwurf einer neden Vereinbarung unterzeichnet, dessen Annahme fie ihrenRegtcrunaen empfehlen werdcn. (Gestern abend ist die Konferenz gcschloffen worden.
Niederlande.
Das von Holland und Venezuela unterzeichmie Protokoll über die Beilegung der Streitfragen zwischen beiden Ländern ist, nach einer Mildung des „W. T. B.“, geriern abend vsröffenilicht mordkn.
Türkei.
Die Lage erschien, „W. T. B.“ zufolge, gestem abend vöUig ve'rändert, sodaß man eine Abdaniung des Sultans nicht mehr für wahrscheinlich hält. waschen dem Haupt: quartier dcr mazedonischen Truppen und der Pforie fand_ein lebhafter Dcpesch8mvcchfci statt. Dic. Stimmung ist verfohn- licher, was hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß man ein Blutveraießcn in Konstantinopel fürchtet, da dies eme europäische Intervention bxrbciführcn könnte. Auch die Idee sofortiger Repressalien scheint falien gelassen zu sem. Dafar bestsht man unbedingt auf dem Wechsrl der ganzen Kon: stantinopeler Garnison. _ . _
“Der Chef dcrxvor Konstantinopel befindlichen MYLdomjihen Truppen, General .Husni Pascha, hat an die armson der Hauvtstadt einen Aufruf erlassen, worin_ er, „W. T. B.“ zufolge, erklärt?, daß das zmkitc und dritte Armee- korps vor Konstantinopel angekommen seien, um die Verfaffung für alle Zukunft zu sichern, die Ruhe und Ordnun wiederherzu- stellen und die Anstifter der letzten Unruhen zu estrafen. Die BelagerungStruppcn sfordern daher, daß alle Manschaften der Garnison der_Haupttadt in Gegenwart des Scheit ul Isla" sowie i[)rer Kommandanten auf den Koran einen feierlichen Schwur ablegen, wonach sie den Befehlen ihrer Vorgescßte." blind gehorchen und fich für die Zukunft nicht mehr in die Politik mischen werden. Der Schwur soll an einem Tage von der gcsamten Garnison abgclogt werden. Die Mannscbüften Müsst?" sich ferner vxrpfltchtcn, der Wiedereinseßung aller Ofßzicre und Unierofftzierc in die Stellen, die sie vor dem Aufstand innehalten, reinen Widerstand entgegen useßen. Als zweiten Puykt verlangt der Aufruf, daß die oidaten der Hauptstadt sich nicht um die Maßregeln zu kümmern haben, die die Bciagerunqßiruppen zur Bestrafung derjenigen trefft?n werdcn, diendas Vaterland m Gefahr: gebracht haben. Die SVWMU mussen sich endlich verpflichten, die Namep aller der Personen anzugeben, die fie zum Ausruhr angestiftet habe"- Der Aufruf schlirßt: wenn diese Forderun en erfüüt würden und die gesamte Garnison während des kergtxhens der VL- lagerungstruppen passiven Gehorsam zeige, dann werde Mannschaften nichts gk (heben. .
Zugleich hat der( encral Husni Pascha cinen zwrlien Aufruf an die Bevölkerung der Hauptstadtxrlasssn- worin erkläri Wild, der Zweck der Ankunft der mazeoqnisck)?n Truppen set, alien Vcrrätern dss Vaterlandes, die 1,71" !der Verfassuna uanfciedcn seien, eine endgültige Lekilon
zu gebxn. Es seien alle Maßregeln gctroffetx WWW“ um wahrend des Vorgehens dcr Truppen die Offent-
ilcb-x Ordnung 11110 Sicherheit zu wahren. D"
Aufrui versichert schließiich, daß Niemand außsr den * an de?"- leßten_ Vorganzzen Vsictltgten _ etwas von den Truppen _zu furchten hattx, und fordert die Bevoikerung anf- sick) nicht in Schrecken oeryeßcn zu l_assen. Beide Aufrufe smd €. den Straßen alsdExtrablatt vcrmlt worden und werden von der Bcvoikerung lcbhaft bcsprochen. . Dic Konzentraiion der mazedonischen Truppon
un! JN Kauytstgdt ist nahezu vollendst. Gdstsrn früh zogezi exam JUN ertfszztg Mann axis der Taschkxschlg-Kasckrnc mti kiiMNMm Sptsl in_ bester Iiusrusiyng dcn mazedonischen Truppkn 21:9??ng um sich ihnen anzuschließen. Die Armee _cxhaltnfori: a-IsÉBÜ ZUJuß _von Mannscßaften de_r (Harmsoxt, 11911 Militarf ck)ul§_rn Zmd Frcimiiltgen. Da ]edock) VikiL reaktionars Elcmente 1lch „jnzxxsxzzmuggem vcriuckzen, m:rdcn „aUc Yukommcnden streng WARUM Vicis-„Trxxppsn dkr .Ydup'tstadt, 11111€x 11311111 .. drki Saldnikter' SchUYMÖÜÜMUOUL, zeigten brieflich odc'r dUkck) “Deputatidnsn 1i)k'8_ Unterwerfung cm. Die gk- 111111111011 Salomkiex Batmilonc erklärtxn, von Hodschas d:;rxéx Gcid vexfuirt mdrdcn zii sem. Die Haltung Dkk Marins ist 110 unklar. ?«oxb ?": F;?x;;77„x§,iyzij'iert. Ein Widcrstdnd dcr (SJJrnison gkgen die an: * rüäcmdc Armee ist nach dsr gcgemväkngen Zuge kaum zu gc- Wäriinxm Die Stimmung Univr dcr vaoikerung ist viel; Mi)?" Schwankm1qen ausgeseßf. ' “ Mx Großmésir Tewfii“ Pastiza [):]? gßsicrn vormittag Nm *quiian schriftlich feine Demission Üi»errcichi, sie auf Biitmi dcs Sultans jedoch tviedkr zmiickgczogén nnd sick) bereit sxilairi, das Amt noch kurze Z:it weiter „51: führen. Wik dic ( „chm; Haoas“_ mcldet, bcsprack) dk; SUlfÜU gestern die chic mii Tcwftk und_Hilmi Paschck,_dot leßtcrcm das “WL“MLUZÜL des Großmkiirs cm und vcriprack), ai]e für die »stß-Issdng gcfordsrxsn GKranticn zu gedsxi. Di,“?! Ministerrat irat gosierU unte'r Borsiß dcs Gros;- zyssirs Tewiik Pascha zu einer. Beratung zusammen und nahm dj? €.“: dk: Oben mitgeteilten Proklamaiion aufgesteiitcn Forde: rqusx der mazedonischen TsiiPPLN an. Der Kriegsminister x.;“ilé'y 1)“po teiegraphisck) dem .Hauptquariikr in San Stefano mit. Mr Ministeryat beschäftigtc sick) mxitcr mit der Lage in dyn VWanM. Zn Adcma, mo dem „Neuterschcn Barsan“ zuxdixxé b:". den Meßclcicn 5000 Vcisoncn gc'tötct worden sind, i;: «116€? ruhig, dagegen dauern dic Unruhcn in Tarsus, JILLUDMM und anderen Oktan foci. DCU Sulian Abdul Hamid [xai d2m von der Kammc-x und dem Sextat angsnommch österreichisch: :indaréäci):türkischcn Ententeprotokoil seine Sanktion ixsxici-czx. DLL“ Austausch dsr Rdiififatidnsn dcs Ent-enis- ÜkliTOZNÜJ ist, „W. T. B.“ zufolge*, für Momtag angcfsßt :dwx'dkxé,
Rumänien.
T5“: König Cakoi kmpsmg gestern in Anmsjsnbctt der «ciamimx Königlichen Familie den dsuischcn Kronyrinzen Wixixim mit (kaolgk, Um die' Mitteilung von seiner Er: WMW zUm Königlich preußischen Gcneralfeldmarschail ent: gkgerzuxwhmen. Dcr Kronpxinx, verlas, „W. T. V.“ 31:- foégx, einen eigenhändtgcn Brief 1LMCI erlaUck)ten Vaters, m dmn bissel dcn König 57311111 70. (Geburtstage be- asxä-vfmsckst und iim _semcr frcundscbafilichen Ge: xmmxng versichert, und ubrrrcichic daxauf tm Auftrage des KaiZexs einen Marschaiiiiab: Der Konig u1na_rmte den Nronvrinzcn bemsgt und bat 1b1'.,_ dym Kmssr [emsxd tief: emprUdkncn Dank für die Auszeichnung zu ubermtticln. Z'ldends fand zu Ehren dcs Kronprinzen cine Galatafc'l xtatt, dcm die Minister, der Präsident der Kammer, die Spiycn der Behörden Und mchrcrc GMsrale beimohntcn. Der König Carol brachte während der Tafel folgsndcn Trink- Much aus: _ _
Mit freudig bxwegtem Herzcn bxgcüßc ici) Eure Kaijerlich und Könizziichc Hoheit in unserer Mitie, und ich bin dem Kaiser und Könix xmendlick) dankbar dafür, daß er seinen durchlaucbtigsten Thron- erden UWßkbeU yon einxm giänzenden Siabc und dsn Kommandeuren dxr mi: besonders nabeitcbenden ngimentcr, enlbot'en bat, um mit dr: Glückwünsckx: zu meinem 70. (Gebnrtstage zu übcrbringen. D?! Kaifer gibt mir * dureh dieie zarte“ Aufmerksamkeit ein crnéuixs Unterpfand ieiner Verivandtsckpasilickun Gesinnungen ;_md ixi'räftigt die seit langxn Jahren zwifchsn uns bc- 'xrdxwdcr ireundsäyaftlifben Beziehungen, dcrkn Pflege mit warm am Jexzen liegt und die mein Land bock) zu schäßen weiß. Uebkr fünfzig (abr: verknüpfen mich enge Bande mit Preußens tapfekem Heere. L_)urckz meine". Ernennung zum Generalstldmarschall sind dieselben un- Toödar aeworden. Meine lange miiitärische Laufbahn findet dadurch einen Ekbebenden und gleichzeitig bisioiiscben Abschluß. Diese scltene_ Aus- zki'chnung sowie die sablieichen Liebesbeweije, dic Seine Majesiai mir bei dieicm Anlaß bekunden, rübren mic."; tier, und ich kann meiner innigen Dankbarkeit keinen befferen Ausdruck vxrlciben, ais dieselbe in den beißrn Wünschen zusammenfassen, die ich unausqcsetst für das Glück Mk? _das Wohlergehen Eurer Kaisexlicben und Königlichen Hoheit viel- ZSLUJoZen Eltern hege. Möge der Segen des Himmels auf Seiner Majexiät dem Kaiser, seinem Königlichen Hause und seiner rubmreicben Armee xuben! Möge die göttliche Vmsebung Eure Kaiserliche und Königliche obeit und Ihre junge Familie in ihren mächtigm Schuß "tbmen? it diesen Wünschen erhebe ich 13Min (Glas aus das Wohl Zick: Majesiäten des Kaisers und der Kaixcrin sowie Eurer Kaiser- 4chen Hoheit!
Dkk Kronprinz Wilhelm erwiderte:
Eurer Königlichen Majestät danke ich im Namen mxines Hohen Herm Vaters für die gnädigén Worte, däe Etzre Majssiat soeben zu ?vxexbcn gerubt haben, und itte Eure T))éajesmt, auch meinen ganz versonlicheu und herzlichsten Dank für die Éütigc und liebevolle Auf- "abmx entgegenzunehmen, die ich hier bei 'urer Majefiä't, bei Ihrer Majestät der Königin und bei der ganzen Königlicixen Familie gefunden babe, C8 ist mir eine besondere Cbké, Freude und Genugtuung,
_ mein Kaiserlicher Vater mich auserseben but, seine wärmsten und innigsten Wünsche jum_beutigen Tage dem stamm- ?kkwandten Herrscher hier in der Hauptstadt feines schönen Landes zu “Ihkkbrinqcn. Mein Vater hat mir bei diesem feierlichen Anlass, um ictnen Wünschen noch besonderen Aquruck zu geben, Verttexer der preußischen Armee beigegeben, die stolz auf die EUkkr Maj:ftät Von ibkkm obersten Kriegsherrn bsute zuteil gewordene bobo Aus- 12k nung sind, stolz darauf, den in Krieg und F1ieden be- wä tien König von Rumänien jkvt zu ihren Generalseld- Wkstbäiien zählen zu dürfen. Der Reibe diefer Vertreter hat mein Skt Vater speziel] die Kommandeure derjenigen Regimenter bei- Jkselit. die die hohe Auszeichnung genießen, in direkten" Beziebnrgen zu de': erhabenen Person Eurer Kön glichen Majcstat xu sieben. Eurer Majestät ist es vergönnt ewssen, cm der Spiye Ihrer Zapferen Armee sicb kriegerischen Lor cer ums Haupt zu winden und 7" mehr als vierzigjähriger Regicrung das Land, das Eurer Majciiät ““ zwciten vielqeliebten Heimat“ Winds, zu reicher Blute und zl*Ukbmcndcr Woblfabri zu iübrcn, Auch außexbalb des alten Vaterlandes baden Eure Majestät dem .Hobenzoliernnamen ML"“ Rubin und Ehre crwoxben. Möge Gott noch lange Jahre Yelnsn Segen auf Eurer Majestät Regierung ruhen lqffen und die :tets tavfere Aimee und das aanza schöne Land, desscn Geschicke er in
Aus den [cßien Anzeichen ist) sch1i€ßen, daß sie mit der mazedonischsn Arnwo
Nile Wünsch aber, die wir für Elite Majesiäi, die Königin und das ganze Königliche Haus im Herzen haben, bitte ich in den Ruf xu- 1ammenfaffeu zu dürfe'n: Seine Majestät der König Karl, Ihre Majestät File) Kökxtixibirpt Elisachb und das gesamte Königiickxe HMS Rumänien € en '.) .
Nach dem Diner fand eine Galavorstellung im National- ihxater statt. Eine ungebsure Menschenmenge brachte dem Konig und seinen Gästen auf der Fabri durch die glänzend erleuchteten Straßsn lebhafte Kundgebungen dar.
Amerika.
_ Wie das „Rcuterschc Bureau“ erfährt, geht Übermorgen cm aus drei Anfklärungsschiffen bestehendes Geschwader der'Vcrcinigtc'n Staaten von Amerika nac!) Mon: ?,OVLÜ i_n Sec., Dieses Geschwader hat die Kommission an Bord, die vor ximgsr **,-“Zeit von denVc'rLinigten Staaten ernannt war, um dypoiiixschcn, ft nanziellsn und auch wirtschaftlicheii Verhältnissevon Libexiai zu studidrkn sowie Verbesserungen in der Zivil- und Milttéirverwaitung diescs Staates vorzuschlagen. Die britische und die spamscch chierung stehen, obiger Ottelle zufolge, der Zlus-gabe der Kommission sympathisch gegknüber, und werden ihr Ude NUL“ möglich? Untérsisißung zu teil werden lassen.
_ Asien. _YLxLic die „St. Vetorsburgcr Telcgraphenagcmur“ meidct, beabstchtigi naci) Mitteilungen des Vermescrs des Gkneralkon- sulais in Täbris die durci) Hunger zur Vcrzweiflun getriebcne Stadtbevölkerung, mitFidai-Z an der Spißc,die armeni chZnSiadt: teile und die dort befindlichen Konsulate Rußlands und Eng: lands aiisznpiündcrn, um Brot zu erlangen. Die Ffihrcr dEr Bewegung rechnen offsnbar darauf, auf diessm Wege und in dem äußsrstdn 'FaUe auci) dnrch Ermordung eines Konsnls, eins Einmischung Rußlands [)crvorzurufen, die die Uebergabc von Täbris an dic Truppen des Schabs verzögern und den RsvolUtiomären ermöglichen wird, sich zu verbergcn. Achnliche Mitteilungen Hat auch die englische Regierung Erhalten, die il)rcrseits der Kaiserlichen Ncsgierung gegeniiber äußerte, Es sei wünschenswert, dÜß eine Truppsnabteilung nac!) Täbris ent- skndet WÜkdk, Um dsn Ausländern, die die Stadt zu vcrlaffen wünschen, die Abreise zu ermöglichen. Demzufolge ist der Stasi- halter von Kaukasicn mit «Kaiserlicher Genehmigung beauftragt worden, unverzüglich eine Truppenabteilung in gcnügcndcr Stärke nach Täbris zu sendcn, um die russischen und die? Übrigen ausländischen Untertanen und Einrichtungen in dicser Stadt zu schÜßcn, dis «?Zufuhr von Proviant [)crznste'iien und zuglcicl) cinkn sicheren *Fsrkehr zwischen Täbris und Dschuifa aufrechtzuerhaltcn, _ Jnfolqc der crnjicn Vorstellungen des engliscth und des rnss'schen Gesandten *MQTC'HLTÜN Hat dL!“ Schal) gestern in einen sechstägigen Waffenstillstand vor Täbris eingr- miliigt, durch den die Möglichkeit gegeben WANN soll die Stadt mit chcnsmitteln zu versehen und dadurch, zu verhindern, daß [)ungrige und verzweifelt? Eikmente die Konsulate angrciic'n, Die Nachricht von dem A1): fck;iusse dcs Waffenstillstanch hat beruhigend auf die Be; völkerung gewirkt. Infoigkdcffen ist dem Statthalter des Kaukasus vorgeschrieben worden, bis auf weiteres mit dem Ueberschreiten dcr Grenzs seitens der nach Täbris bestimmten Truppen zu warten, ohne jedoch die Vorkehrungen einzustelien, die im Falie weiterer Verwicklungen notwendig sind.
Parlamentarische Nachrichten.
Der Bericht über die gestrige Sißung des Reichstags befindet sich in der Ersten Beilage.
Wohlfahrtspflege.
Das Leipziger Volksbureau hat als öffentliche gemein- nüßige Rech15auskunstssiellc seinen vierten Geschäftsbericht für .das Jahr 1908 erstattet. (Es sind im Berichtsjahr: an 6317 Personen 7164 NechtSauskünfte erteilt worden. Von den Auskunftfuchenden w::ren 1219 selbständige Gewerbetreibende, Kaufleute, Handwerker (darunter 514 weibliche) und 5098 unselbständige Gehilfen, Arbeiter usw. (darunter 1017 weibliche). Auf den Tag entfallen im Duni;- fch:1i1t 21 Besucher mit 24 Auskünften. Einaange wurden 298, Aus- gänge 1123 verbucht. Der Materie nacb emfieien von den erteilten Auskünften 953 in das Gebiet des MietSrechts und des Wohnungs- Wesens, dann folgte die Arbeitervasicherung mit 892 äUen, gewerbe- und kaufmannsgerichtliche ragen mit 767 äÜen, Strafrecht mit 616, Familienrecht und tandesamtssachen mit 540, Vormundschafts- und Alimentationssachen mit 357, Erbrecht mit 321, Gesindcrecbt mit 277, Siaatsangebörigkeit, Armenrecht, eimat- wesen mit 192, Steuerangelegenbeiten mit 138, Privatver cherung mit 102, Militär- und Invalidensachen mit 85, Vereins- und Ver- sammlunJSrecht mit 47 Kirchen- und Sebulivesen mit 35, sonstige zivilretbtl che Angelegenbeiten mit 1376, öffentlicb-recbtlicheAngelegen- heiten mit 350 und Verschiedenes mit 116 Fälien. Die Einnahmen des Volksbureaus betrugen 7708 „is, die AUSgaben 7736 „is. Nach dcm Statut ist jedermann berechtigt, das Bureau in Anspruch zu nehmen. In der Regel wird für jede Rechtsquskunft eine Gebühr von 20 «I erhoben. In dem der Verwaltung des Volksbureaus zur Seite stehenden Kuratorium sind zurzeit 7 Vereine und Körperschaften vertreten, und zwar der Verein für öffentliche Rechts::uskunft in Leipzig, die Evangelischen Arbeitervereine in Leipzig, Stötteriß und Kleinzschacher, der Katholische Gesellenverein, das Kartell christlicher (Gewerkschaften und der Deutsche Kelinerbund.
Kunst und Wiffensthaft.
Aussiellung bei Eduard Schulte.
De: Salon von Eduard Schulte beberberat wieder eine große ahl von Bildern, von denen die Werke Erich Erlers und des ranzosen B. Boutet de Mondes am meisten Beathtung verdienen.
rich Erler, Breslauer von Geburt, Bruder des bekannteren Fri? des Schöpfers der „Vier Jahreszeiten“ im Wiesbadener Kurhaus, it
viel im Engadin tätig. Einige seiner Alvenbilder erinnern gar nicht unangenehm an Segantini. Mit ähnlichen technischen Mitteln, mit jenen unberbunden ncbkneinander geseßten Strichen, die vortrefflich die flimmernde Helligkeit der prachtvoll klaren Alvenluft wiedergeben, malt aucb Erler seine Cngadinlandsxbaften. Das schönste von diesen möchte die „Mittagsstunde' sein. Doch steht die Sonne, das ganze Hochgebirge strahlt im Licht, die schneebedeckten Fitne, der Gletscher und etrvas tiefer die Felsenplatten mit der spärlichen Grasnarbe. Vorn liegt ein Schäferbursche übermannt Ion Mittagshitze im S laf, träge blinxelt der Hund neben ihm, auch die Schafe ruhen. 11: Farben leuchien in stärkster Intensität. Die dünne, klare Luft läßt alle Gegenstände in außergewöhnlicber Genauigkeit erscheinen, aber ohne unangcrebme Schärfen und Härten. Das fiimmernde Licht ist ebc'n so stark, das; es alles einzelne und verschiedene wieder zu einer Einheit zusammenfaßt. -- Man würde Erler unrecht tun, wenn
bar auch die Anregung durch_den großen Italiener gewesen sein mag, Erler hat sich doch seine Selbständigkeit bewahrt. Die Größe und das Persönliche von Segdntinis Bildern liegt in ihrer Li::ie. Hier ist Segantini_ganz Italiener, gan: Erbe der großen Kunst seiner Rasse. _Und m der Linie untersxbeidet sich auch Erler von ibm und ist personlicb, kommt, was ja nicht Wundxrbar isi, seinkm Bruder nabe. Das tritt deutlicher zutage, wenn er Motive malt, die aucb jener behandelt, bxispielsweise die „Heiligen drei Könige", die dutch Tiefen Schnee, nvischen dickbescißneiien Tannen bindnrcl) nacb Betbiebem marschieren. Nur die_ drei Könige, kein großxs Gsfoiae, kein Aufwand; knapp ist die Erzablung, kein wxiter, übcxflüssiger Raum, die Leinwand kaum „höher als die Figuren; gedrunqen und sachlich ist diese Komposition und von schöner dekorativer Wirkung in ihrer Veremfackßxmg, in ihrem Streben, flächenmäßig anzuordnen. Aebnlicbe dekorative Absichtkn vsrfolgt der Künstler im „Garxenbaus im Walde“. Strengere Symmetrie und eine ruhige Nebeneinanderstellung weniger iind fein abgestimmter Farbentöne helfen diese Absichixn zu verwirk- lichen. Aebnliche Vorzüge zeigen der „Garten einxr alten Dame" und „Erster Schnee". Weniger möchten Eriers Stilleben interesfikren, am ebeftxn noch die „Halben Maiden“, denen mit feinem Geschmack als Erganzun'gsfarbe eine weißblaue Delfter Vase beigegeben ist. Ganz vorzugltch ist wieder „Sommersonns', halb Blumensjück, bald Laddschaft. Jm Vordergrunde mogt es von i_ippigen„Stauden dicht blrzhendsr Weiner und rotcr Maiden; nur éin schmalcr Pfad bleibt wa-érxcn der_t Blumen offen, dcr zum offenen (Gartenhaus führt. Dort sist im kublen SÖatien, während draußen über dén Blumen die Sonne strahlt, ,ein jdnges Mädchen in bellblauem Kleide und be- trachtet das Antitß im Handivixgel. Im Hintergrund schimmert eine sommerlich:Feldl_ar_1_dfchaft. Mi; Bebagen sieht man immer wieder don neusm diefe micben, heilen Bilder Erlets.
Der Pariser Bernard Wouter de Monde! bat uns
eine siattiiche Anzahl seiner Werke gesandt. Am besten sind iieij-gen, bei denen der Künstler resolut a;:f dekorative Wirkun?) ausgeht.. Ich nenne das ,Iagdfcübsiück', den „Tee“, „Mond (beim“, „'Die Akte“ und das allerliéxbsie „Bukeit'. Alle Linien sind dexiibar deremfacht. nähern sich der Geraden odcr großen getra enen Kurden; aii: kleinen Bicgunssn, Hébungen, Brüche sind denn eden, wie mit der Schere sind die Umrisse anßgescbnittcn, Falten, selbft Schalten schnurgerade, wie mit Hilie des Lineais gezogen; die Umriffe dann mit _kaum mtancterten Farbtönen auSgefüllt. Mit einem Wort: dlakatmäßrg, dabei aber keineswegs brutal aufdringlich. Die Wahl" der Farben iii aliein fo sein, daß jeder überlaute, marktscbreierische Effekt Vermicdcn ist; die Bilder sind durchaus zum Schmucke Von Innenräumen geeignet. Vielleicht nicht so sehr für Zimmer eines Privatbankes, denn sie haben in ihrer summarischen Art nichts Intimes, nichts still Veickjauliciyss, als beispielsweise für Räumlich- keiten größerer Restaurants oder Cafés. Dort würden sie einen heiteren, ruhigen, jeden inst unangebrackotxn Tiefsmn vermeidenden Wardschrnxtck bilden. Auch_ andere Bilder Boutet de MonVOls don weniger stxengxm Stil haben mit jenen stark Dekorative gemeinsam. Diese Wirkung erzielt der Künstler auch „dann, wenn er die Zeichnung weniger scharf berborbebt und die Linien wxniger stark vereinfacht, selbst wenn er in Pointiüist'en- manier die Flächen in kleine, verschiedenartigc Fleckchen auflöst. Der Künstler wirkt auch dann dekorativ durch ein höchst einfaches. aber darum nicht schiecbtes Mittel: Er ordnet alics im Bilde in Ebenen an. die paraiiel zur Bildfläche liegen. So beispielsweise .Die JockeiS', .Promenade“, „Im Park“. Dre Bilder erhalten dadurch ein vor- züglich reiiefmäßiges Ansehen. * Außerdem sind noch bei Schnite zu sehen eine Reihe interessanter Landschaften von Professor, Friedrich Kallmorgen und von Schönleber, ein ixübes Bild Wilhelm Trübners, .DasKlosier auf Chiemsee“, und eine große Porträisammlung von dem in Düfs-l- dorf lcbendcn Walter Petersen, sebr fleißige, aber in der Masse Etwas eintönig: Arbeiten, Dr. 7. 11.
das
Vom fünstsn Röntgen-Kongreß.
_ Wie seit einer Reibe von Jahren, fand auch in diesem mu eiiien Sonntag nach Ostern unter sehr großer Beteiligung der Kon T der Deutschen Röntgen-Geseüfäpaft im prächtigen Saal des Langenß „ Hauses statt. Wer trotz nunmehr bereits dreizebnjäbriger Existenz der Zrcßartigen Entdeckung und Erfindung der Röntgenstrahlen über ihre einungen heute noch ebenso lebhaft und dankbar empfindet wie im Winter 1896, der batte Gelegenheit, iich am Sonntag noch zu einem höheren Grade der Bewunderung aufzuschwingen. Denn nichts Geringeres wurde gegen den Schluß der eine nach Hunderten zählende Versammlung dext ganzen Tag gefesselt balienden Kongreßverbandlungen zur Ein- leitung einer großen Reibe von Lichtbildprojekiionen gezeigt, als kinemaioarapbiscbe Röntgenbilder. Sie lösten einen „ nicbt _ endenwolicnden Beifall aus, und fie verdienten diesen vanu7. Als eine Merkwürdigkeit ergab sich dabei, daß von zwei Seiten das schiver zu lösende Problem_ auf gam verschiedenen Wegen glücklich bemeistxrt worden war, allerdings von dem übereinstimmenden Ausgangspunkte aus, der gegeben war durch den im Vorjahre in die Erscheinung! getretenen und seitdem weiterentwickeltcn Fortschritt zur Röntgen-Moment- und zur Nöntgen-Fernaufnabme. Beide Fein- heiten der Röntgcnograpbie sind natürlich Vorbedingung für die Herstellung des zur Kinematograpbie unerläßlickpen Films. Während aber Dr. Grödel 111., Nauheim, den Film direkt berstelit wie andere Rönjgenvbothraphen, bedienen fiel) die Herren Dr. Biesalski und Kolder- erlin der Vermittlung des Bariumplatincyanür-Schirms, entnehmen also ihre Wandelbilder den durch" Fluorcscenzlicbt erzeugten Schattenbildern auf dem Schirm. Man hat sich bekanntlich der Fluoroskopie bereits seit längerer Zeit in allen Fäilen bedient, wo Organe in ihrer Bewegung erforscht werden sollten, die lichtschwachen Bilder aber auf die pbotoFrapbisÖe latte bzw. den Film zu übertragen, mag als xiem ich aus- 1chtslos gegolten haben. Um so anerkennenswerter ist es, daß die beiden an dsr AuTgabe gemeinschaftlich arbeitenden Aerzte fich durö solche Bedenken ncht haben zurückhalten [affen und daß es ibnm aelun en isi, kincmatograpbische Bilder von genügender Deutlichkeit herzutellen, z. B. von Bewegungen der Hand, des Armes im Eilbo engelenk u. s. f. __Gelingt es, wie zu hoffen, in der Folge das Verfa ren noch zu verbknern, so scheint es nicht auSgeschloffen, auch zu solchen Leistungen vorzudrin cn, wie sie Dr. Grödel 111. in seinen direkten Aufnahmen darbot. r zeigte nämlich in deutlichen Bildern die Bewegungen des Hetjens, die Atembewegungen und den Macken in der Tätigkeit des Verdauens, und wohl kein Zwe fel besteht darüber, daß ebenso alle anderen Organe des Körpers in ihrer besonderen Arbeit beobachtet, in ihren Funktionen verfolgt und kontrolliert werden können. Gelöst scheint hiermit, was vor eim 40 Jahren ein hervorragender Arzt der Unzulänglichkeit unserer Be- urteilung der inneren Or ane gegenüber auSrief: „Ja, wer doch dem Menschen ein Fenxter ein eßcn könnte!" Nun das Fenster ifi zwar nicht eingescßt, da ür aber der ganze Leib durcbfickptig gemacht worden, und das ist fast mehr, als in jenem damals natürlich als ganz un- erfüÜbar angesehxnen, frommen Wunsche begehrt wurde. Von den Moment- und Fernaufnabmen, die nach dem oben Gesagten zur Ausführung kinematograpbischer Röntgenbilder die Vorstufe bilden, war in den Verhandlungen auch viel nach anderer Richtung hin die Rede. Immer sicherer wird erkannt, welcher enorme Gewinn damit für alle Zwecke erreicht ist, denen Nöntgenograpbie dient. Erreicht wird die Möglichkeit der Augenblicks- und Fern- aufnabmen durch Anwendung von Primärströmen großer Mächtigkeit. Welche Vorteile für die Schärfe der Bilder bei in Bewe ung befind- lichen Organcn, wic „Herz, Lunge, Eingeivcide, durx die auf eine Sekunde und noch erheblich weniger beschränkte, kurzzeitige Aufnahme erreicht werden, bedatf des Beweises nicht, ebenso sind AuseinanderseyUUgen überflüssig, daß Fernaufnabmen silb iu solchen aus großer Nabe ungefähr so erbxlten, wie das deutlich: Sehen gas angemessener Weite zu dem viel undeuti'cberen aus zu großer Nabe, ivenn ks sich um das Ueberblicken einer Flä c handelt. Von beiden Fortschritten dürfen in der Folge noch schr edeutende Wirkungen et-
Eurer Majestät Hand gelegt hat, in seine gnädige Obhut nehmen!
man 11:11 einfaxh als Segantini-Naehabm-„x_abtun wollte. So frucht-
boFt werden, nach Maßgabe der schon eingetretenen, fiir die es nur eim: