.- Frankreich.
Der Minister Briand teilte dem Ministerrat gestern,
„W,_ T. B.“ zufolge, mit, daß die Marineunterfuchungskom- mission gegen den Direktor der MarinegenieichuleDupont
eine ' Klage wegen unqeseßlickFr Zurückhaltung am11icher
SchrtZstzIcke eingereicht Habe. upont so!], als rr Direktor tm tmsterium Thomson war, einen Bericht beseitigt haben, der yon dem Versuch „eines Beamten einer metaliurgischen Fabrik an der Loire„ cmrn Marinekontrolleur zu bestechen,
gndelte. Der Marineminister Picard erklärte sich bereit, die notwrtidigen Maßnahmen bezüglich Duponts zu treffen.
_ Dre Dvrputtrrtenkammer hat grstern den Artikel 4 des Entwrzrfs uber die Reform der Kriegsgerichte, be- trr-xfend dieuAufsteüung von Listen, nach denen die Militär: rt ter gewahlt werden soUen, und ferncr eine Bestimmung aygenqmmcn, wonach diesr Richter französische Staatsange- hori Yeti haben s01_1en. Diese Bestimmung ist mit Rücksicht auf re Fremdenlegion getroffen.
_ Der Hauptausschuß ur Vertridigung d;?r Syndikats- rechte der St_aatsbedieniteten Fat gestern, obiger Queue zufolge, befchloff§n,_bEtharlamrnt behufs baldiger Wi ederan st ell un q der qnlaßlick) des leisten Streiks entlassenen Postbeamtefi Schrrtte zu yyternehwrn. Der sozialistiscße Depukierte Coutant Flat drm Mmzstrrprasrdrnten und dem Minister der öffentlicbcn
rbettcn bereits angezeigt, daß rr übermorgen einen Antrag auf Amnestierung und Wiedereinstellung der gemaßrrgeltcn Postbeqmten m der Kammer einbringen werde.
_ Dre StaatSanwaltschaft hat die bei der Srine-Präfektur kimterlegten Statuten des Posi- und Tclegraphcn: brdtetistetensytrdikats für durchaus gesetzwidrig rr- klart. Das Syndikat wird infolgcdcsft'n aufgelöst werden.
Rußland.
Dir.?)kcichdumg verhandelte gestern über einen (Hrsrß- entwurf, betreffend die Rrgrlung einiger Fragen der Glaubensfreiheit," sprzirl] rider die Gewährung des Rechts der Propag-and'qfrrthcit "und drr Versammlungsfrriheit an die Sekte drr Axtglaudtgrn, nber das chht drr aiiqläubigrn Priester, sui) Gerstliche zii ncnnrwsowie üdcr das RrchtzurVildu11g alt- glaubtgrr Gemeinden [601g11ch auf Grund der Meldepflicht, also ohne besondere Gruebmrgung. Die Regierung und die Partsien der Fechten waren laut Bericht des „W. T. B.“ gegen die Gewahruyg dieser Rechte, dir Mchrhrit des Zentrums und die Linke dqfur, Dre Debatten warrn äußrrst lebhaft, 87 Redner [)attrn 110) zum Wort gcmrldrt. Die Abstimmung wird ver: mutltch heute erfolgen.
Neununddreißig oppositionelle Damaabgrordnrte hadrn in der Reichsduma eine Anfrage an die Minister der Zusi: und _des Jrrnern ringcdracht, worin sie von einem fmms _ en Gericht ermrtteltr Tatsachen anführen und betonen, daß diese Tatsachen von emrr Tätigkeit des Verbandes des russischrrx Volkes und von Beziehungen zur Polizei zeugten, die m emem gcordnetrn Staats unzulässig seien.
Die genannten Abgeordnetkn brantraaen, die Dr'rrta möge an- fragen, 95 dem Justizmiriiter und dem Minister drs Innern bekannt sei„ daß der Generalrat des Verbandcs des russischen Volkes mit Wissen dsr Sicherheits- und der politiscbrn Polizei Kampfgenoffrn- schaften organisiert habe, dir fish :;it erolvern unD Bombrn drr- seben hatten, und zw.:r unter Mitwirkung von Polizei- beamim; daß fxrner eins ganxe Reibe Von MiMliedrxn des Verbandes gleichzeitig als ' Agedtrn der politischen Polizei fungierte, uad daZß schlxyßiirh diese Prrsönlichk€iten an der Ermordung des fruheren Deputierten Herzknstein und JoÜos und der „Vorbereitung eines Attentats gegen den Grafen Wilke und Milxukow teixgrnommen hätten untcr Mitwi1kuxchg dxß Generalrats des, Verbandes und dessen Vorsißenden Dubrowin. Falls solcizes den YZIstMi ßbekctréntilspeins FFK, silixf wäre eds w?x;schenswett zu erfahren,
: akk!!! rere fkk enworen een, um - brecherischen Handlungen ein Énde zu machen. derartigen ver , Die obige Interpellation wurde in der gestri rn Abend- stßung _n_ach sturm1fchen Ded-attrn uiiter brständigrmgLärm und gegenseitigexr groben Ausfallen seitens der extremen Rechten mid der Linien angrndmmen und einer Kommission Über: wtesey, der eme drrttagtge Frist zur Begutachtung Und Wieder- embrmgung in 518 Pirnarstßung gegeben is .
Türkei.
Der bulgarische andrlSministrr Lia11 rw [at 1 Pforte eine Note ÜFcrmittrlt, dir, „W.;?ÖÖB.“ andlZceé! brsagt, daß er gezwungen ssi, abzureifen, da 613 der Pforte nicht grlungen sLl, das Vcrhältnis der bulgarischen Rrairrrmg zur Ortcntbahn zu rrgeln. Bitlgarirn drhalte fick) dcrijrniqcn Entschluß vor, de_n rs zur Wahrung srincr Interessen fiir Zint änder! werde. Dre Pfortr merdr darüber von Sofia aus der: ständigt 5Fersen.
_ as der Kammer vorlirgrnde au crordent' ' Budget verzeichnet nack) rider Meldung dßrs „§L§Z§.T.112l3h,ck an außerordentlichen Einnahmen 5655 000 Pfund, davon 2172 Milli'onen' gls Entschädigungssumme von seiten Ocster: , reichs, 1,() MtÜroncn an (Held und Wertpapieren. dir im* Yildiz gefundeerwiZHdcn, und 650000 Kis Nrst ,der auf- genommenen not on; an_ außerordentlichcn Ans abcn 6700 000 Pfund, davon 3963027 für K*rirgMiinisie'riun;L und FeldzeuiSmetstrrUQnamentlich ftir dcn Ankaitf von Munition uxtd onitgem Kriegswaterial, und ungrfähr !)4 0003351115 für die Marine.
DLT Konflikt zwischen „Kammer und Senat wrgen der Reduzierung der Gchq'lter fiir April hat sich zugespitzt, da die Kammer emsitmmrg rtne Resolution drr Budgeikommission an: genommen hat, die die Einwürfe dcs Srnats zuriickwcist. Die auf der Znscl Prinkipo grfmtqen grhaltenen
Häsident Neer
B_erntsen„ sind mmister Brun, der Handelsminister Hansen dur
J. C. Christensen 24 Mandate, „Linkengruppe
Neergard 19 Mandate, Rechte Linkenpartei 15 und Wilde "11 M
der_Nadikalen Linken an. zwetten Stadtkreise in Brand dadurch verzögert wurde, Wahl erst heute vorliegen.
wir das „W. T. B.“ enommen, durch im ziir Feststellun Materral über die
wird dem Senat die amtliche
„ , ard, der Ackerbauminister Nielsen, der
mtster der 5 ntlichen Arbeiten Jensen-Sönderup, der Kultusminister Sörensen und der Minister des Innern wiedergewählt worden, wßhrend der Finanz- Justimeister Hogsbro und der
Das neue Folkething skßt zusammen: LinkenYuppe des früheren Ministerpräsidenten _ Mandate, Sozialdemokraten ebenfalls
sich voraussichtlich 6 Christensen, Da in Odense ein Wahllokal im
wird das Ergebnis drr dortigen
Amerika.
Der amerikanische Senat hqt in der gestrigen Sißung, meldet, emen Befchlußantrag an- den das Stqatsdepartement ersucht wird, dZs UnierHchteds in den5
r eite: 5 ne in gewif en ndu trien Deutschlands zu *.unterbreiten. I s
)gefallen sind. sich folgendermaßen
des_ ]eßigen Ministerpräfidenten gleichfalls 19 Mandate, radikale andate. Von den Wilden schließen 3 Neergard und 2 der Partei
geriet und die Stimmenzählung
roduktionskostcn
Das Staatsdrpartement
dcutsche Lohnstatistik übersendrn.
Ersten und Zweiten Beilage.
_ In der Abgrordneten, welcher der Rheinbabcn beiwohnte,
das Etaxtsjahr 1907 auf A Berichterstatter Abg. Brütt, erteilt, worauf die erste Beratu
in _den Provinzen Sachs einiger Anmisgerichtsbezir beztrke Kontgsberg, folgte.
Abg. von Pappenheim
Weite Vom Hause noch nicht 1)in wepigstens eine Begründung mußten keine Freunde es abhängig eine Kommi,sion beantragen Geheimer Oberre ierungörat v Verbandxunßen im errenhause Ueberblick 11 er deren Inhalt.
dgdon Abstand 11 b nicht dir Interessenten unter einer Eeseßes leiden zu (affen, daß Lie tn Zukunft solche Vorlagen frü zei
angenommen.
entwürfe, betreffek-Wotr “**-n _Hrzirke KrequriLg (:D.-S'.) eines Amthex-ichts in Angerichts in Weißwas Amtherichtsbezirke Mus angenommen,
Es folgt dann die dritte Stewpelstruergeseß.
d .,)trrzu liegen außer einem cr
enntr'ici)tung von Strmpelb wußtgen Baugesellschaftcr Charaktrr verlirrrn, nock) di antrc'igr vor:
Zur Tarifstelle 11 a
für A ut ein Kwnpromißantmg drr
Abzxg.
im übrigen sol] es beim Beschluß
Folge ipätestens im Laufe des Mo gegen Zahlung des Akgabcbcirages
Vg») und Gyßling ir. Volks . unterzeichneten Urkunéen p)
Handelsverkebr über genannte KommissioWnotcn). Rad und jedes Jahr oder einen
fimziqrn Parteien, der UWE! dcn Antrag sou namentliche
de;; Zentrums (Abga. Ludickk) will diesrn Siempel auf
Minister und Würdenträger drs 511911 eriimcs sind vorgestern ngcht ngck) Stamdul gebracht Und 1112; Krirgs-, ministerium ubergefubrt worden.
_ Depeschen des armenischen Putriarckmis
! . . „1101 c ind ' m Chtsan und Alrxandrcttr wieder Unruzdcfngaucsxgc-i brochen. ,
Griechenland.
Die Tagung der Kammer ist na riner Mid des „W. T. B.“ geschlossen worden. ck (* ung '
Dänemark.
Bei den gestrigen Wahlen zum Folkctbing hat die von_ dem ehemaligen Mintsterpräsidentcn I'. C. Christrnenz' Jeleitcte Gruppe der Link_en nach einer Meldung des„W. TTL.“ ' 3 Mandate verloren; dre Radikalen haben 6, die Rechie 9 Siße „7 ewonnen. Die dem |]rßtgen Ministerpräsidcnirn Neergard * olgende Gruppe der Linken hat 3 Mandate eingebüßt. Die ? Stellung der Sozialdemokraten ist unverändert. Der Minister: *
Mäßigung afuf 50 „3 eintreten [affen bcruilichen Zwecken oder der Venus Nach einem Antrag des Abg.
Stempel innerhalb eines Monats nach der Ingebrauchnahme des
Rades und für die Folge spätestens
jahres gclöit Werden; auf Verlangen kann die
mebrrre Jahre er ol ; di Ab b bei der Behörde. f gen : ga :
In der allgemein en Besprr („[ck-JM" [M' i i 8 as enzger gro er fabtstempcl übrig. Wir ßherben steiit, die Struck auf 1,5096 zu und berufliche Zwecke und für Schü eintreten zu lassen. Ich erkläre,
an der Fahrradsteuer festhalten werden.
Steuer isi antisozial. Wir mußt den Ausfall beim Mietssiemvel,
steuerung von 300 auf 400 „74 bina kleiner Mieter wird dadurch außerord MehrauSgabe von 50 „5 für das Fab
Parlamentarische Nachrichten. h FJ BBericZs YF)! ZF iYstrig?) an 9 an er n er t "ü er die etri e S' des Hauses der Abgeordneten gs g tßung heutigen (96) Sißung des Hauses der
wurde zunächst betrefs der Re : nungen der Kasse der Oberrechnungsksammer ck
treffend die Veränderung der Grenzen einiger Kreise
_ (kons.) bemerkt, da dire E tw erft gestern abend dom Herrenhause eingrgangen undßdeshcxlk) dienTrYZf zu übersehen sei.
würden.
Abg. von Zappenbeim erklärt darauf, men, eine Kommissionsberatung zu beantragen, um
Darauf wird der (Heseßemwurf sofort in zweitrr Lesung
Jn dritter BeratuY-g! _erdetx „ ohne Debatte die Ge eß-
We"tter, die Errichtung eines
511ng. Dr. G run enberg und Genossen, betreffend
Dr. Köni “x-Crefeld t . , . von Kriesx(konf.), Lüdicke (frkons) und ' (Zen r) Dr rrste (Ertragdttufe, fiir die drr Stempel ] ersirrckcn (tri der zweiten Lesuxig war die Grenze don
drr Stempel, auf 3 «46, 5 (76, 7,50 „xz, 10 «36 und 20 Rodcrtrag b s 50 «16, 100 „16, 250 „16, 500
steigt. Die Jahreskarte soll spätestens innerhalb eines Monats der aneiriebseßung des Automaten oder des Mufikwetks und fürnßile)
Zur Tarifstelle 32 wil] ein Antrag dcr Abgg. Waldstein (fr. einen Zusatz machen, Stemveipfiicht aUSJe nommen sein die außerhalb d:.r Geschäftssteür dcs aufgegebenen Besteüungen gemacht und entgxgengenommen werden (so- Die Tarifstelle 55 (Radfabißeuerkarten 50 «1 für jedes
Abg. Gvßling (frs. Volksp.) mit Nationalliberalen und drr Polen zu streichen.
Ein Kompromißantraa der beiden koni'rrVatiVen Par1eien und Schmedding, Dr.
don Kries (koni):
ei dem man die (Grenze der Be-
Sißung des Herren: befinden sich in der
Finanzminister Freiherr von
Ür ntrag der Rechnungskommisston, nach kurzer Debatte Entlastung ng des Geseßentwurfs, be:
en'und Ostpreußen und ke rm OberlandrSgerichts-
Die chierung müsse der Vorlage geken, und davon machen, ob sie die Ueberweisung an
911 Falkenbayn derweist auf die uber die Vorlage und gibt einen
daß seine Freunde
Vsrspätuna der Verabschiedung des aber die Regierung bitten müßten, tiger einzubringen.
dL„_-ung der Amtheri ts- _ui1d Kupp, die Errichtung
fer und die Aenderung der kau und Triebel, endgültig Beratung der Novelle zum lediglich rrdakiionellcn Antrag „ Nack): etragcn durch die gemein- 1, sobald sie den gemeinnüßigen e folgrndcn Abänderungs:
omaten und Musikwerk: will
Dr. Lohmann (nl,) die «16 betragen soll, bis zu 30 „16 20516 gezogen); bleiben, sodaß „14 für einen «16 und übkr 500 «16
der zweiten Lesung
nals Januar jeden Kalenderjahres gelöst werden.
bei dem Stempel für die einseitig _ wonach von der iollen Auszeichnungen, die im Vrräußrrers
Bruchteil des
JabreS) beantra t Unterstützung g
der beiden fret- Ubsiimmung stattfinden.
won Kries und 1,50 .,“ festsetzen, jedock) eine Er- , weng das Rad gewnblichen odrr ung fur Schüler dient.
Dr. Von Kries (kons.) soll der
im Monat Januar jedes Kalender- , Vorausversteuerung für pflicht erlischt mit der Abmeldung
chung bemerkt Für die Streitpunkt noch hierzu jcßt den Antrag ge- erböhen und nur für gewerbliche [er eine Ermäkiigung auf 50 „3 daß meine Freunde geschlossen Man hat gesagt, diese kn bekanntlich Ersaß schaffen für
dritte Lesung der Rad-
ufgeseßt hat. Eine gro e M entlich entlastet, sodaß Jie kleaistxx
Man hat ferner eingewendet, die Steuer werde ve xtori '
Ick Verweise dazu auf die Erklärungen der Regieräng irxchderwéktxen miision. Danach follen dic Polizeibehörden, die die Radfahrkan aus;;eben, etwL vierteljährlich den Steuerbehörden Listen x(!“ reichen, worauf Stichproben gemacht werden. Es ist nicht beabßchn? die Radfahrer auf der Straße zu kontrollieren, sie brauchen also Fi“ Steuerkarte nicht eigmal bei sich zu iübren. Ichemvfeble den?]ntrS mriner Freunde, der eine Erhöhung dzs Stempels für Fahrräder aa? 1,505“ vorsieht (Zuruf: x_wch schlimmer!); denn wir wollen Utid muffen eine volle Drckupg fur die durch die Vesoldungen erwachsene Außgaben schaffen. Wir halten daran unter allen Umständen n und werden uns davon auch durch kein agitatoriscbes Mittel. der Antrag auf namrntlichc Abstimmung über diese Steuer isi abbrxzérxßen Fzffeki) “
g. .. (: stein (fxs. Vgg.) beginnt unter ro er
des Hausc-s zu sprechen; er führt aus, daß augch ßdiefeunxxlxxbxe schMrr Belaitung des kleinen Mannes auf das Schurvronte der Konservatiren zu scßeu sei. (Abg. von Pappenheim? Unerhört!) Der Redner erklärt: Namens der Freifinnig-Z teile ici) mit, daß die Bsschlüsse zweiter Lesung es uns unmöffjö' machen,- diesern Geseße zuzustimmen. Die Regierung batteßiüx den Jagdpachtstewprl aligemein 10 0/0 vorgeschlagen, weil sie mein'je daß es kaum irgendwie_ leistungsfähige“. Schu1tern gebe, als dt; Jagdpächter. Dureh die Beschlüsse der Mehrheit ist dieser
Stempels beruntergeseßt. Dieselbe Haltuna drr Konservativ
fich beim Fideikommißstkmpek'. Der Redner spricht mejrtierzeichf
FZYZUT? UÄWFH'L desd HaYrssWeitteir; er schließt mit dem Soße daß c n rage er onerva v d ,“
„81111111 (:Uiqmz“ Verleyt Werde. en er aktpreußiscbe Grundxaß
(Schluß des Blattes.)
K
Die Entwicklung der chemischen Industrie in Drutfchlaud.*) Von G. Müller.
_ Jn Dcntschland war die chrmische Gewerbétätigkrit von alters zii Hause". Die virien Sokqueüen, die es besißt und deren Kenntxbiix dxßliéchYbisbm 217757? erste Jfabthtausend n. Chr. n aur (] , a man rü zeitig verstanden bat, die Natur ' d1xrch die Gewinnung yon Salz nu bar zu machen. In den HFMe statten der “Illcbimistew herrschte im Mittelalter eine lebhafte Tätig- krit auf Heinischenx (Gebiete, die besonders in Deutschland cepflegi wurdr. Bei der Gewimnutzg von Alarm und Vitriol, bei Ver. arbeitnng drr besonders in Thuringen in großer Menge angebauten Farb. pflanzen, wir_ Waid, Wau u. a„ bri Abscheidung ätherischer Oele aus einbrxmtxcben und Zukländischen Pflanzen babrn Wie es mit ciner (bernischen Erwerbstatigkeit zu Um. In den Apotheken wmds die Hetstcüung medizinischer Präparate und Arzneimittel aus dem mannigfaltigsten Pffanzen, die zu diesem Zwecke angebaut wurden, gepflegt. Jndxssen bei all dieser, gewiß recht beträchtlchn chemischen Betatigung Handelt: es sich nicht um eine cbemiicbr Industrie m; heurigkn Sinne, Hierzu fehlte die chemifchr Theorie, deren Entmickluxg zur Lehrerin der chemischen Erwerbstätigkeit erst in das Ends drs _achtzebnten und den Bwinn des neunzehnterx Jahrhunderts fallt. Troßdem die nruere Cdxmie zu ihrer (Enixaitung in Deutschland einen sehr gut vorbereiteten Nahrboden angrircffen, blat fir sicb, besondrrß auf industriellem Gebiet, zunachfiiangsamer entwickelt als bei. unserm westlichen Nachbarn. namentlich! in (England. Drr Grund liegt in den wirtschaftlichen Bre? bciltnisirn der damaligen Zeit, in dem politisch zerspal'enen und 3er- kluftetrn Deutschland. Es kommt hinzu, daß man in einjrlnen Staaten der Aufnahme der gewerblichen Tätigkeit nicht sympathisch gegenübrr- siqnd und Neuerungen auf diesem (Schiefe wenig zugänglich war. TROY iYeY-LFFFUHYWLT teixzt rkassZDZchickZGal dedr ülbrigen Industrien, die a an nn au eme en run e an ' enifaZetÉabelxn Fls andeertT. gfamer und spater u ng an war zu n e des 18. Jahrhunderts an der and der Erfindung des franzöfifchen Chemikers Nicolaus LeblancHeire Fabrikation ins Leben gerufen worden, bei welcher Soda als End- erzeugnis aus Sckxwefelsäure und Kochfalj unter Ausscheidung von lSulfat und quzsaure, leßiere als Nrbenerzeugnis, gewonnen wird. Da bei der Sodaaewinnung nacö dem Leblancfckoen Prozeß die Gewinnung der Nebenergeugnisse nicht eine wkllkürlicbe ist, sondern zu der bergesielJten Sodamenge in einem yon Vorn- berein brdingten' Verhaltnisse steht, so zieht eine große“ Sodafabrikation eine große Salzsäu:eproduktion notwendigerweike nach sich. Diese Säure muß wiederum anderweit verarbeitet werden, da ihr Eniweickoen oder Fortschütten ihrer äßenden Eigen- schaften wr,1„rn ohne Schaden für Tiere und Pf1anzcn nicht anaän-„zig ist. So hat die Sodafadrikaticn die Gewinnung des Chlors, Chlor- kalks und anderer chlorbaltich Produkte zur naturgrmäßen Folgk, und zwar, wepn auch' nicht notwendigerweise in räumlicher Vrrbind11nz mit der Sodag-winnung, so doch in richt (1030- weiter Cratsernuzm dation, weil die Salzsäure einrn weiten Trans“ port r*.icbt vcrtraqt. Auf diese Wsisr bzt swb mit der Sodaindusirir in England zugleich aus die Industrie der Säuren und Alkalirn
zur Großindustrie entwickelt. Währerd drr ersten Hälfte des 19. abr- hdzwerts iii die deutsch; chemische Industrie auf den BezugJibier Sauren und Alkalien (Sodx, Pottasche, Chlorkaik u. a.) Vornehmlich auf England angewiesen gewesen. Erst Von der Mitte des Jabr- bunkeris ak) nimmt die deutsche Industrie die Dkckung des Bedarfes mehr und mehr selbjt in die Hand. Daß die wirtschaftlicheEinigung Deutschlands in dem 1833 begründeten deutschen Zoliverein in ganz bervvrragendrm Maße zu dem Autschwung der drutsckzen Fabrikation beigstragen bat, bedarf keiner näheren Ausführungen. Die Ent- wiacxxknng der deutschen chemischen Industrie Veranschauiichen folger-de
Die Etyfuhr an Schwefel, die im Jahre 1832 29 921 Zit. l'e- tragen hat, tst bis zum Jahr 1843 auf 140 662 Ztr.gestiegen, während die Ausfuhr in demselben Zeitraum don 1230 Ztr. auf 140 Ztr. zurück- gegangen ist., Die_Zu11abme der Einfuhr und das andauernde Sinken der Ausfuhr beweist eine starke'Entwickiung al1er schwefelverbraucbenden Industrien, ingrsondetc der Schwefelsäureindustrie. Diese Wurde be- sdnders in der Mark, am Rhein und in Bayern betrieben. An Schwefel- aure_stand im Jahre: 1832 aufdem deutschen Markt so viel zur freien Verfugung. das; 1558 Ztr. mehr an das Ausland abgeseßt wurden, als don dort bezogen worden sind; schon 10 Jahre später reichte die ein- heimische Produktion zur Deckung des eigenen Bedarfs lange nicht mehr bin. Die Stqtisjik vrrzeicbnet im Jahre 1842 eine Mebreinber Von 8698 Zim, gleichkaüs ein Zeichen günstkger Entwicklung der deutschen Industrie. Der Bezug auslandischer Soda hat sich innerhalb eines Iabrzehntöderneunfacht, er ist yon 12328 Ztr. (1836) auf 106 905 Ztr. (1847) gesttegen. Im Jahre 1857 hatte die Einfuhr ausländischer Soda ihren Höhepunkt erreicht (145 475 Zit.), sie sinkt nunmehr bei gkeicb- zntigem Steigen der Ausfuhr von Salzsäure und Zurückgeben der Ein- fuhr der leßteren. Die_Sodafabrikaiion hat im Jnlande selbstfefteren Fuß gefaßt „und sich machtig entwickelt. So war auch in Deutschland aUmäblick) eme Industrie der Säuren und Alkalien _ eine chemische 5(Hroi'zindustrir _ beranaewacbsen, und dadurch der (Grundstein für den Aufbau weiterer chemischer Industriezweige geschaffen worden. Die Sodaindusirie war im Zollverein eine der wichtigsten Industrien ge- worden. Die Erichließung der Steinsalzlager bei Staßfurt ermög- lichte eincn billigeren Bezug an Steinsalz, die Ermäßigun der Koblenfrachten auf den Flüssen und Bahnen und ein Schußzo von
*) Obige Ausführungen en1nebmen wir mit Erlaubnis der Verlagsbucbbandlurg B. G. Teubner in Leipzig im Auszuge dem Werke:_ Chemische Industrie. Von Geb. OberregierungSrat G. Muller, vortragender Rat im Reichöamt des Innern, unter Mitwirkung von Dr. Fr. Bennigson bei den Königlich technischen
rrad nichtins (Gewicht fallen kann.
Instituten der Artillerie. Geb. 11,20 akk, in Leinwand geb. 12 akk-
m-
fefi ' wkees ,
davon ' '
Betrag “für die große Mehrzahl der Jagdpäckyter auf i/xo bis 1/,0 des
zurückgeht, [egen Zeug. -
3 «14 für den Zentner Soda haben zu einer gedeihlichen Fortentwick- lung des heimischen Gewerbes beigetragen.
Dem Belgier Ernst Solvay war es gelungen, die bereits seit 1838 bekannte (Gewinnung von Soda im Ammoniakverfabren im großen zu betreiben, nachdem sich vor ihm viele vergeblich um das Problem bemübt batten. Dieses Verfahren, welches auf einer Umskßung don Kochsalz in saures kohlensaures Natron mittels Ammoniak und Kohlen- säure beruht, ist gegenüber dem Leblancsodaprozeß bedeutend ein. facher und biUgrr. Man braucht krine Schivefelfäure, und es erübrigt sich die Verarbeitung der Salzsäure auf versandfähige Salze. Die Ent- wicklung der Gasindusirie und das bei der Destination der Steinkohle in großen Mangen nebenbei freiwerdende Ammoniak kam dem neuen Verfahren zustatten. Im Jahre 1863 wurde die (Gesellschaft Solvay u. Cie. gegründet und 1864 in Couiüet die erste Sodafabrik nach dem Ammoniakderfabren in Betrieb aeseßt. In den nächsten Jahren folgte die Errichtung weiterer Fabrikanlagen. In Deutschiand hatte die Solvay-Gesellschaft in Bernburg Fabriken'errichtet. Von hier aus entbrannte der eingeieffenen Leblancsodafabnkation ein ernstlicher Konkurrenzkampf, welcher ein Volles Jahrzehnt hindurch mancher kräfzig entwickelten Sodafabrik ernste Sorgen um ihre Existenz be- reitete. Wenn die Leblancsodaindustrie im Kampfe gegen die kapital- kräftige und hinsichtlich ihrer Rohmaterialien äußerst günstig gelegene Ammoniaksodaindustrie nicbt vöÜig unterlegen ist, so isi dies nur
„darauf zurückzuführen, daß erstere für ihre Salzsäure, welche die
Ammonialsodaindustrie nicht liefern kann, Nachfrage gefunden hat. Die biOherig-n Nebenprodukte des Leblancvrozeffes werdkn nunmehr zu Lauptprodukten dieses Betriebes, das bisherige «Hauptprodukt, die oda, muß zu Preisen abgeseßt werdew welche die Ammoniak- fodaindustrie ihrer älteren Schwesier dorfchreibt. Der Kampf der beiden Sodamkrfabren ist nicht auf Deutschland beschränkt geblieben, er hat, und zwar in noch stärkerem Maße, die en lische Leblancindustrie ergriffen, der es an einem günstigen AKsaß für ihre Zwischen- _ und Nebenprodukte fehlte, den die deutsche Indnstrie in der aufitrebendrn Farbenindustrie gefundrn batte. Welche Entwicklung die Sodaindustrie genommen hat, geht daraus bcrdor, daß die Herstellung dicies Salzes jexzt jährlich 1,5 MilLionen Tonnen beträgt, wokwn allein auf Drutschland 330 000 k entfaüen. Noch im. Jahre 1873 wurden in Deutichland nur 52 000 t. Soda bergesteüt. 1883 erzeugte Deutschland 115000 b Soda,daruntcr die Hälfte Ammoniakioda. 10 Jahre später siebcn ein-m Gesamterzeugnis von 250 000 5 nur noch 40 000 t Leblancsoda gegenüber. Jm lrßwer- Jossenen Jahrzehnt hat sich das Vcrdältnis zugunsten des Ammoniak- prozesses noch weiter Verschoben. Während Deutschland im Jahre 1879 neu!; rnnd 24 000 d Soda zur Deckung seines Bedarfs dom Ausland beziehen mußte, konnte es von 1884 ab im fortgeseßt steiqa-iden Mengen Soda an das Ausland abgeben. Die Mehrausiubr dexiffert sicb im Jahre 1904 bei einer Einfuhr Von nur 308 b auf 51414 H. Diese Zahlen beweisen deutlich die kräftige Entwicklung diescs wichtigen
ndustriejweiges. Jm Kampfr mit der mächtigsten S:);wesier, der Ammoniaksodaindustrir, kann fick) die Leblarcsodafabrikatwn nur lebens- fähig erhalten, wrnn sie einer. günstigen Absatz für die bei ihr frei- werdende Salzsäure und für Sulfat findet.
Es ist wohl nicht zufällig, sondern mit eine Folge des Kßmpfes der beiden Sodaprozeffe, daß in Drutscblanddie Industrie der künstlichen Farben während dikies Kampkxs festen Fuß gefxaßt bat. In dem Streben nach Verwertung ihrer Ncbenerzeugniffr bat die Leblancindusirir für die Anf-éabme und die günfjige Fortent- wickluna der Farbxnindustrie in Deutschland, die in (England bereits friten Boden gewonren hatte, das Ibrigr bcigetrazien. Durch Aufnahme der im Leblanciodaderfabren freigewordenrn Salzsäure batdir Farben- industrie der Leblancindustrie ia ihren schwersten Zkiten kräftig * unter die Arme gegriffen. Anfangs langsam und zögernd sich entwickelnd,_ bat fich im Lanfeder Jahre die deu1sche Industrie der künstlichen organijchen Farbstoffe eine letstxllung erobert. Zdrr Fabrikation Hat einen Um- fang erreicht, wie sic anderwärts in dcr chrmischen Industrie nicht wiedrr gefunden wird. Mächtige Fabrikanlagen, in denrn virle tausend Arbeiter beschäftigt werden, zeugen von der Bedeutung dieses Industriezweiges. Deutsche Teerfarben beberrfchen heute alle Märkte der Welt. Im Jahre 1905 hat Deutschland an Alizarin für 15,5, an Anilinöl und Anilinsalzen für 23,9. an Anilin- und anderen Tcerfarbstoffen für 100,6 Milliorxen Mark nach dem Aus- lande angeführt. Dieser Ausfubktnknge im (Gesamtwert: Von über 140 Miilionen Mark steht ein: Einfuhr Von 6,4Mil1ionkm gegenüber. Im Jahre 1897 ist die Ausfuhr nur" mit 90 Millionen bcwrrtet. Ami; der arbenindustrie sind harte Kamyfe nicht erspart grwrsen; sie hat e siegreich überwunden und ist gestäblt aus ihnen beworgegangen. Eine zu Anfang der achtziaer Jahre des Vorigen Jahrhunderts von England außgerande Umgestaltung in der Gasindusttir, die in befferer Außnuyung des bei der Leuchtgasbennßixrg abfaüenden Teers deitand, hatte das Angebot von den für dieFarbcnindusirie besonders wichtigen Venzolkohlenwaffersioffen, wcklche bisher in Merge zur Vsrfügunx. qe- standen hatten, zeitweilig stark vermindert. Dieser ZNangel würde bei der stets zunehmenden Nachirage zu eiuer Verhängnisvdilen Krise für die deutsche Farbenindustrie geworden sein, wenn es ntcht dem drutschen Forschungsgeisie qelungen wäre, in andsrsn Ysstandteilen dcs Teers, besonders dem Naphthalin, ein das teure Benzol erseßendes und in reichlichen Quellen Vorhandenes Rohmaterial zu-entdkcken. Die durck) die Verteuerung dss Benzols geschaffenen Verbältniffc haben das Jbrr dam beigetragen, der Frage näher zu treten, in welck-er Weise die bs: der Kokerei auftretenden Destillationsproduktc drr Steinkohle in für die Farbenindustrie gewinnbringendxr Wrtie sich _VLrwertrn laffcn. Die Lösung der Frage- ist deutschen (Cbrwtkern ge. lungen. Nunmehr war in Deutschland selbst eme reiche Quelle von Steinkohlentecr etschloffev , ivclckxe die Farben- industrie vom Auslande unabhänßi machte. Die Desiiisations- kokerei konnte sich als sel sHändige Industrie 111 Deutsch- land entwickeln, und 8 liefert in immrr wettersebender Frin- beit den Teerfarbenfabri en den yon ihnen verlangtew Außgangsswff für die Hersteüung „der synthetischen Farbstoffe. An StrUe der alten Meilerverkoblung ( olzverkoblung) im Walde, wie wir sie brute teil- weise noch im EPS art, Odenwald und im Schwarzwaid finde,", bei wel er Haupterzeugnis die Gewinnuna vo; Holzkohle ist, ist die Ver oblung in geschlossknen eisernen Retorten (Retortenverkoblung) getreten, die eine befferr Außnußung der bei der Verkohlung eyt- 1tebenden Nebenerzeugnisse ermöglicbi. Sie liefert Holzteer, Holzgeist, weiterhin Meth [alkohol, Azeton und Essigsäure, alles wichtige und unentbehrliche ilfs- und Zwischenprodukte auf dem ganzcn weiten (Gebiete der chemischen und jonstigen Gewerbe.
Dem leyten Jahrzehnt des 19.3abrbunderis blieb es Vorbehalten, dure“? Verwertun der elektrischen Energie ein neues, in seiner wirt chafjlichen edeutung noch unübersehbarcs Problem nutzbar in die Technik der chemischen Industrie einzuführen.
Die chemische Betätigung ist so writscbicbtig, daß „wir un? an dieser Stelle auf die bauplsächiicbsien Vertreter beschranken mussen. Wir können das Bild aber nicht abschließen, obne noch einigerZweige kurze Erwähnung zu tun, welche auf die Entwicklung der zuvor gc- schilderten Tätigkeit nicht ohne EirYuß geblieben sind, ,in mmcher Hinsicht die Voraussevung für die röße der ersteren bilden.
Seit Entdeckung der mächtigen Steinsalzlager bei Staßfurt Mitte des vorigen Jahrhunderts istDeutscbland das an Salzen reichste Land der Erde geworden. Die Produktion an Mineralsalzen im Deutschen Reich und Luxemburg wird für 1905 auf 6209 872 d im Werte von 66 Miuionen Mark angegeben, darunter Steinsalz 1165 495 b im Werte von 5,5 Millionen Mark. Wenige Jahre auf die Entdeckung der Steinsalziager folgte die Entdeckung der Kali alzlc-Ägér; rasch entwickelte sich die Erkenntnis des wirt- schaftlchen ertes dieser Salze für die Industrie und die Land- wirtschaft. Noch heute befivt Deutschland in diesen Salzen ein natürliches Monopol. Sieht man von kleineren und bis jeßt nicht abgebauten Lagern in Galizien ab, so ist Deutschland zurzeit das einzige Land, in dem Kalisalze gewonnen werden. Jedenfalls ist bis heute kein Lager entdeckt worden, welche! sich mit den deutschen an Außdebnung und bequemer Abbaugelegenbeit meffen könnte. An Kali- salzen (Kainit und andere Kalisalze, Kieserit, Borazit usw.) wurden in
Deutschland im Jahre 1905 5044 377 b im Werte von 60,5 MiUionen
Mark gefördert. -
Auf Liebigs agrikulturchemiscben Forschungen fußend, hat sich seit
der Mitte des 19. Jahrhunderts in_Deutschland die Industrie der
künstlichen Düngemittel zu macbtiger Blute entfaltet und einen
erneuten Aufichtvung genommen, seitdem der deutsche Landwirt zur
intenfiVeren Feldwirtschaft übergeganßkn ist- Der Gesamtwert der in
Deutschland zurzeit verbrauchten Dungemiitel wird auf mehr als
100 MiUionen Mark angegeben.
Das Apothekergewerbe stand in Deutschlavd von jeher in Blöde.
Frühzeitig ist die Weiterverarbeitung einheimischer und fremdländischrr
Drogen in Deutschland heimisch geWorden„und hat sich immer Weiter
entwickelt. Aus dem Kleinbetrieb sind ianasi wichtige Großbetriebe
"* die Industrien der pharmazeutischen, Präparate und
de: künstliäß-Zn Riechstoffe _ geworden. Diese Industrien haben
dem Apotheker rie Brreiiung vieler Medikamente abgenommen und
stellen sie im großen bkr, sie haben es vsrstanden, dem Heliotrop, dem
Flieder, dem Waldmeister, dem Veilchen, der Rose und vielen anderen
Duftpflanzen ibre zarten Woblgerüche auszukundfcbaften und sie auf
syrßtküetischem Wege in derselben Gute, Feinheit und Reinheit her-
zu c en.
Wenn in neuerer Zeit da und dort außgesprocben worden ist, daß
sich in Zukunft die deutsche chemische Industrie nicht in dem Maße weiter entwickeln werde wie in der Vergangenheit und wenn der- einzelt düstcre Betrachtungen für die kommende Zeit angestellt worden sind, so liegt unseres Dafürhaltens ein Grund hierzu nicht Vor. Wenn auf dem Gebiete der Erfindungen, was ihre Zahl an- langt, ein gewisser Rückgang eintritt, so darf demgegenüber nicht verge en werden, daß im letzten Vierteljabrbundert die Zahl wicht ger Erfindungen gerade auf chemischem (Gebiete sehr häufig war und daß ein Rückgang nur die naturgemäß: Folge der Hochkonjunktur auf diesem Gebiete ist. Andererseits kommt in Betracht, daß es der Wissenschaft erst neuerdings gegiückt ist, eine Reihe neuer Probleme ihrer praktischen Verwirklichung naher zu bringkn. Es sei hier nur an die Entwicklung der Herstellung künst- licher Seide, die vielLeicht einen ähnlichen Gang hinsichtlich der Ver- drängung des Naturproduktes zu nehmen berufen ist, wie dies bejüglich des Alizarins für Krapp, des synthetischen für den natürlichen Indigo bereits der Fall ist, ferner an die Darstellung von Kautschuk auf synthe- tischem Wege, an die Gewinnung-von Salpetersäure aus dem Stickstoff der Luft und an die synthetische Darstellung von Kampfer erinnert. Diese und ähnliche Probxrme zu lösen liegt in der Zukunft der chemischen Industrie und der nie rastenden chemischen Wissenschaft. Wir haben keinkn Grund, bezüglich der Erfolge auf diesrn Gebieten weniger hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Die stets zunehmende Einfuhr von Rohstoffen und ihre Umwandlung in höherwertige Fertig- erzeugnisse, wie fie in der chemischen Industrie in besonders hohem Maße stattfindet, wird im Zusammenhang mit dem hochentwickelten Stande der deutschen chemischen Wissenschaft und der Praxis auf technischem umd kaufmännischem Gebiet der chemischen Industrie auch in Zukuyfi den brranagenden Play sichern, welchen sie innerhalb der einbeimi1ch€n Voikswirtschast zurzeit behauptet.
Statistik und Volkswirtsckzaft.
Zur Arbeiterbewegung.
In der am 24. d. M. in Essen abgehaltenen Jahresbauvr- versammlung des Arbeitgeberbundes für das Bau- Zewerbe in dcn rbeinisch-wesifälischen Jndustriegebieten wurde, der .Rb.-Westf. Ztg.“ zufolge, beschlossen, die von den vereinigten Arbeit- gebern im Schreinergrnierbe getroffenen Ma nahmen nunmehr im ganzen Bundeögebiet mit aller Strenge durcbzu übten.
*Der Ausstand der Eisenbeton- und Zementarbeiter in Leipzig (vgl. Nr. 121 1). Bl.) ist, wie die „Voss. Ztg.“ erfährt, durch Bewilligung der geforderten Löbne beendet worden.
In Marseille dauert, wie „W. T. B.“ meldet, der Ausstand der eingeschriebenen Seeleute an, ohne daß Zwischenfälle vor- gekommen wären. Etwa ztvanzig 'Verkebrödampfer und mehrere Fischerboote sind zurzeit obne Bemannung.
Kunst und Wissenschaft.
In Neustadt a. d. H., wo er seit dem Ausscheiden aus dem Amt lebtc, ist, „W. T. B.“ zufolge, in der Nacht zum Dienstag der Wirk- liche EebcimeRat,Prof-.sior Dr. Georg don Neumayer, der Be- gründrr und langjährige Leiter der Deutschen Seewarte, der Schöpfer der nautischen Wissenschaft in Deutschland, gestorben. Am 21. Juni 1826 in Kirchbeimbolanden geboren, studierte Neumayxr in Münchcn und ging dann zur See. Im Jahre 1856 wurde rr Von dem König Maximilian 11. von Bayern zur Ausführung physikalischer, besonders magnetischer Arbeiten nach Australien gesandt, wo er in Melbourne ein Obserdatorium für die Physik der Erde gründete, das von der Kolonialregierung übernommen und von Neumayer bis 1864 geleitet wurde. Dann kehrte Neumayer n5ch Europa zurück; 1872 trat er als Hydrograpb und Admiralitäts- rat in das nengrgründete Hydrographiscbe Bureau in Berlin; 1876 wurde? er zum Direktor der nach seinen Plänen ins Leben ge- rufenen deutschen Seewarte ernamxt; 1881 erfolgte seine Er- nrnnung zum Geheimen Admira1itatßrat, 1894 zum Wirklichen Geheimen Admiralitätßcat. Neben der Leitung und dem Ausbau der Seewarte nahm der Verstorbene lebhaften Anteil an der Erforschung des australischen Kontinents und an der inxernationalen Polarforschung Ziele, für die er auch schriftstellerifch tatig war. Mit anderen gaé Neumayer auc!) „Anleitungen zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Rcisen' heraus, die Vor wenigen Jahren in 3. Auflage erschienen. Alk er im Jahre 1903 aus dem Dienstr schied, ernannte ihn Seine Majestät der Kaiser und König zum Kaiierlichen Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz.
Angrabung eines germanischen Tempels in Island.
In verschiedenen Zeiten und von mancherlei Seiten ist die Frage aufgeworfen worden, ob nicht das Christentum, als es in die nordi- schrn Länder der Germanen gebraeht ward, auch bier die altheiligen Stätten der (GottssverehruZ) aufgesucht babe, um an denselben Stellen oder gar unter enußung drr vorgefundenen Gebäude seine eigenen Kultussjätten zu weihen. In unserer Zeit hat sicb Fr. Sexffelder»; eingehend mit der Frage beschäftigt und bat sie entschieden bxjabi. _Jn einem Teile seines Werkes erörtert er sogar eine Abiciiung chrisilicher Kirchrnformen aus den germanischen oder ihren An7chluß an diese. Albrecht Haupt in dem Werke über dir Baukunit der germanischen Völker, knüxft'daran an und gibt eine Dariieuung der Vorgangsweise. Dana ist agzunebmen, daß die Grundrißbildung der nordikxchen Kirchen durch die ukerlieferte Form der germanischen Tempel eeinflußt sei. Die Frage nach der Anlage und Gestalt dieser alten Stätten der Gottesverebrgn ist dadurch nun in engeren Zusammenhang mit der Gescßichte unserer Baukunst ebracht, und in diesem Lichte betrachtet, gewinnen diese St tien eine neue und weitere Bedeutung. Der SWL, auf den man 561 ener Ableitung bauen konnte, war über rivarten be (Beiden. Bei ovbuk Müller, in der Altertums- kunde der nordischen ölker, sucht man umsonst; er hat von der Gestaltung ihrer Tempel in Skandinavien gar nichts mitzuteilen. Reste, die uns belebten könnten, sind nirgends zu anen. Man mußte nach Island blicken, um dort, wo sick) das eidenium in einer Nachblüte sebr lange erhalten hat, die Spuren aufzusuchen. Vor einiger Zeit hat die Leitung der däni,[chen Karlsber stiftung für eine nach Island gerichtete mehrjährige Unter uchungöreise ittel bergegeben. In der Versammlung der Königlichen Altertumögesellsäpaft in Ko enba en
vom 9.Ianuar d.J-baben die Herren Kapitän Daniel B r u u n und rof or
Finnur Jonsson über die Von ihnen auf dieser Reise gewonnenen Crgebnifie berichtet, und es hat sich daran ein wertVoller Austausch der Ansichten geknüpft. N. Haupt tstlt in der leßten Nummer der „Denkmalvflcge“ darüber folgendes mit: Der Name der Heiligtümer isi We, Hörg und Hof. We heißt so viel als Heiligtum (von Weihen), Hörg (Bezirk) bedeutet besonders einen heiligen Hain. Hof isi, Von Gebäuden gebraucht, der allge- meinere Ausdruck und gilt besonders von größeren Tempeln, örg aber scheint vorzungrise Bezeichnung don Heiligtümern wribiéer - Gottheiten zu sein. Die Edda redet von den .bochgezimmerten Hö en und Hörgen'. Daß sich erkennbare Reste alter Tempel bis jekt nur auf Island gefunden haben, hängt zum Teil mit der Beschaffenheit der dortigen Gebäude zusammen. Denn die aus Holz gezimmerten Bauwerke wurden abgetragen, aber die iSiändiscben, mit ihren nur aus Erde ge- bildeten Wänden, die keinen Wert und keine erwendbarkeit batten, mochten dem eigenen Verfall überlaffen Werden, wenn man erst die Ausstattung daraus entfernt hatte. Die weltliche Gewalt und die GotteSderehrung haben auf Island in der innigsten Verbindung ge- standen. Als im 10. Jahrhundert die Freistaatén eingerichtct wurden, rvard das Land in dreizehn Gerichte geteilt, deren drei Tempelvorsteberbezirke (Godorde) in sich sch1offen. Jeder .Gode“ stand einem Hof und der (Gottesverebrung vor; er hatte zugleich (Heseß und Recht zu übrn, dir Abgaben zu erheben und auf den großen Eideöring, dessen Aufbewahrungssteüe der Altar des Hofes war, die Eide abzunehmen. Die Stetigkeit der isländischen Ueberlieferung kennzeichnet sich dadurch, daß man für 33 der 39 Höfe aus den heutigen Be-ennungen der Plätze noch die Stelien nachweisen kann, wo sie lagen. Einige kennt man auch noch in den Resten, und bei dissen ist beachtenswert, daß sie in ihrer Anlage keine bestimmte HimmelSrichtung einhalten. Hauptquelle unserer Kenntnis über die Heiligtümer ist Snorre Sturlesons eingehende Beschreibung, wo er don Hakons des Guten Verhältnis zum Christen- und Heidentum spricht: Zum Blutfeste ziehen alle Märker zu Hose und halten im Tempel Gelag. Geopfert werden Haustiere, insbesondere Rosse; das Blut, in Kesseln ge- sammelt, wird mit dem Quast über Menschen und (Geräte gesprengt und gestrichen. Ueber dem in der HaÜe langbin brennenden Feuer hängen Kessel und (Gefäße. Das in ihnen gekochte [risch mid die Brühe werden derzebrt. Zum Trunke werden die * echer, Von den Oberen geweiht, über das Langfeuer hinüber- ereicht. Man trinkt Gedächtnisbecher für Odin, Mord und Frey. König Hakon saß auf dem Ebrenplaße, dem .Hocbsiß'. In der Cvabvggia Saga hören wir von einem Edeln, drr, ehe er nach Island in die Ferne zog, seinen Hoi abbrach und das Zimmer- werk mitnabmz er nahm auch von dem Erdboden mit, auf dem das Heiligste geitanden batte, vielleicht gar den Altar selbst, und an der neuen Steile, bezeichnet durch das Auswerfen der Hochsiß- pfeiler, errichtete er den neuen Tempel, im Rechteck; der Eingang war in einer der Längswände, nabe dem Ende. Am oberen Ende war ein Ausbau, der den Altar enthielt. Auf diesem lag der aus einem Stück obne Fuge bestehende Eideßring, rings um den Altar Waren die Götterbilder gestellt. Der Hof war gefriedet; niemand durfte ihn mit Waffen betreten. Die doUsiändigsten Nachrichten sind in einer Saga des anfangenden 14. Jahrhunderts enthalten, die jedoch eine Art 5911 gelebrter Zusammenpfiückung zu sein scheint und nicht recht zuderlässia “ist; unter anderen ist Adam von Bremen benutzt. Da ist die Rede vom ewigen Feuer auf dem Altar: und vom Blutbronnen, in dem Menschrnopfer gebrackt werden. Bei einem Tempel, der im Jahre nur dreimal besucht wird, ist ein ewiges Feuer nicht denkbar.
Der bedeutsamste bei den neuesten Untersuchungen gemachte Fund war der einks Hofes bei der Bauernftellc Hofstadir. Der Wohnplatz lieat bei Mywatn im Tbingösvffel. Es ist da eine etwas geneigte Terrasse; gegen Osien hebt sie sich zum Berge, gegen Westen senkt sie sich gegen das Lachsbachtal. An drei Stellen bemerkte wan die Spuren alter (Gebäude, die in einer Reihe von Süden nach Norden geordnet sind: zunächst die Reste rines Baars, den man für einen alten Stau hält, wo die Angekommenen die Pferde untrrbringm konnten. Dann folgt ein niederer kreisförmiger Wal], gegen 7 111 im Durchmeffer, eine manrstiefe Grube in sich schließend, die voll Knochen und Strine lag. Schließlieb der Hof oder Tempel selbst. Der Hof ist ein langes Rechteck, mit schwach gerundeten Seiten, von Süden nach Norden gestreckt, im Innern gut 8 111 breit, etwa fünf- mal so lang. Der südliche Abschluß fehlt, 'Vermutlicb weil er aué Hol: war. Die anderen Seiten sind aus Rasenstücken aufgebaut ge- wesen. Ein Eingang zum Innern war in der Nähe des nördlichen Endes, don Osten bxr, und alte Reitwexxe, die dahin führen, nd noch erkennbar. Das Innere bot für etwa anderthalb hundert ienschen Raum, wobei aber das Nordende leer blieb. Schr breite Erd- bänke an den beiden Längßwänden entlang konnten zum Sitzen dienen. In der Mitte zog sich ein f1achcr Graben bin, in dem das lange Feuer brannten Auf beiden Seiten dieser Grube zkigte sich je eine Reibe Steine, unzweifelhaft befkimmi, Pfosten zu tragen, die, in einem Abstande von ?:) m voneinander stehend, das Dach der Falle zu fiÜYen batten. Hier also fanden die Gelage und Blutfcfte iatt. Man fand ziemlich viele Knocbrn, namentlich auf den Erdbänken an den Wänden enilanq, besonders von Rindern, auch yon Schafrn,
iegen, Roffen, Schweinen, sowie auch Fischgräten. Einige Gruben im * oden, augenscheinlich Feuersieaen, werden dahin gedeutet, daß man in ihnen zwischen glühenden Sirinen verpackte Fleischstücke briet. Nördlich war die Wand nur niedrig, und das (Hildegelag konnte darü"er in den Raum eines anstoßendrn Baues blicken, der sich im Halbrund anschloß. Hier muß das eigentliche Hriligtum gewesen sein,. und die Götterbiider, um den Altar gestellt, waren Von der Gilde- halle ber sichtbar. Der Zugang zum heiligen Raume war auf der Westseite, Die Untersuchung war bier schwierig, und die Ergebniffe unsicher dadurch, daß gerade dieses Gebäude nach der Zeit augen- scbrinlich als Pferdrstali gedient bank. _ Die Gesamtlänge des Tempels wird auf 45 (11 angegeben.
R. Haupt schließt seine Mitteilungen mit fol enden Säyrn: „Ob und wie weit die eingangs erwähnte Ableitunßst coric hier eine Stöße gefunden hat, maa der Leser selbst prüfen. Eine unmittelbare Benutzung eines Bauwe1ks wie dieses für christlichen Gotteßdienft ift auögeicbloffen, da das christliche Gotteshaus durchaus von Osten nach Westen zu liegen hat. Die Frage nach der Orirntierung hat jedoch für den AukgangSgedanken dieser Erwägungen nur untergeordnete Bedeutung. Für die skandinavischen Länder ist es kaum zwkifelbaft, daß bier die Häuser der Götter ebenso gut. wie es aügemem bei denen der Menschen der
al] gewesen ist, die Ostwestricbtung eingehalten baden. ier baben iimatische Verhältnisse bestimmend gewirkt. Religiöse ücksicbten batten daran kein Teil. Auf Island. wo das Klima ande'rs ist, mochte die Richtung des Gebäudes nach freiem Ermxsicn bestimmt“ werden.“ „-
Handel und Gewerbe.
In der heutigen Sißung des chtraicxusschusscs der Reichsbank führte der Vorfißendr, Präsideqt des Reichs- bankdirektoriums savcnstcin aus, daß sick) qus den
iffern der zum Kortrag gebrachten Wochenübersicht vom
"2. d. M. und aus den Färber cingetrctenen Verände- rungen ein Grund zur Arn erung ch Diskontsaßes nicht ergebe. Dcr Zentralausschnß war mit diesrn Ausfuhrungen einverstanden und genehmigte demnächst dre Zahlxmg rtner Abschlagdividcndc von 13/4 Prozent auf die' rtrage dieses Jahres für die Reichsbankanteilsei ner._ Schließlich wurden noch einige Gattungen von Schuldvrr chretbungcn zur Beleihung im Lombardvcrkehr zugelassen.
(Weitere Nachrichtrn über „Handel und Gewerbe“ s. i. d.
Zweiten Beilage.)