1889 / 128 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 31 May 1889 18:00:01 GMT) scan diff

Gesellsobaft auf der Silberbur , des Liederkranzes in dem Garten der Liederhalle, der BürgergesellscFaft und Schüßengilde im Stadtgarten

anfgefübrt- , Die Drucklegung “des defimjtven Festprogramms wird erst in

etwa 8 Tagen erfolgen.

Reuß ä.L. Greiz, 28. Mai. (+) Ihre Durchlauchten die Prinzessin Adolph von Schwarzburg-Ruddl- stadt und ochderen Kinder - rinz Günther und Frtn-

ess in The [a smd heute ormittag 11 Uhr zu_ urzem De_xuche des Fürstlichen Hofes hier eingetroffxn. Mzt den]- sel en Zuge it auch Ihre Durchlaucht dre Prmzefjm E11- sabeth von Schön urg, Nichte Sr. Durchlaucht des regte- renden Fürsten, zu gleichem weck hierselbst angekommen. __ Gestern statteten Ihre Dur lauchten dex Fürst und du; Jürßin der Nachbarstadt Zeulenroda emen mehrstündtgen

esuch ab, wobei in den Fürstenzimmern des stattlichen Rath- hauses Aufenthalt genommen wurde. Der_ Fürst beelzrte das

einrichsstift mit einem Besuch und emp _ng die Spnzen der

ehörden in Audienz, während die Fürtm die quen des dortigen Frauenvereins zu empfangen geruhte. DW Stadt hatte reichen Flaggenschmuck angelegt.

Oefterreich-Un arn. Wien, 30. Mai. (W. T. B.) Dem Vernehmen na sonen die Delegationen am 22. Zum zusammentreten. __ ___ ______ “___“

Pest, 29. Mai. (W. T. B.) Im Üuterhause ent- wickelte heute der Justiz:Minister S ilagyi unter lebhaftem Beifall die Reformpläne: eststellung _ des Systems des materieller: Rechts, Ausbau der richterltchen Okganisation Und Einführung des mündlichen Verfahrens in 011911 Gerichten. Auf eine Bemerkung des Abg. Hodoffy erklärte der Ministsr: die Régierung werde noch in dieser Reichßtagöperiode einen Geseßentwurf, betreffend 9111611 Wahlgerichtshof, vorlegen.

Großbritannien und Irland. London, 29. Mai. (W. T. B.) Lord Salisbury empfing heute eine Depu- tation, welche die Abschaffung des Postens eines Vize:Königs von Irland verlangte. Der Premier- Minister sagte: die Regierung sei mit der Erwägung dieser Angelegenheit beschäftigt, es sei jedoch schwierig, eine bezüg- liche Bil] noch in der gegenwärtigen Session einzubringen. Inzwischen habe LordZetland den ihm angetragenen Posten als Vize=König von Irland a11genommen.

_ 30. Mai. (28. T. B.) In der heutigen Sißung des; Unterhaus es erklärte der UnterStaatssckretär Fergu sson, daß außer Frankreich sämmtliche Nordseeländer die Gesetze zur Ausführung der Konvention, den Verkauf von Spirituosen betreffend, durchgeführt hätten; so lange, bis Frankreich nicht dasselbe gethan, sei jedoch die Ausführung der Konvention unmöglich. Die Nachricht, daß zum Schuße der britischen Seehundsfänger einige Kriegsschtffe nach dem BehringSmeer beordert wären, sei unbe- gründet. Bezüglich der egyptiscben Anleihe vom Jahre 1888 erklärte Fergusson später: dieselbe sei zwischen der egypt1schen Regierung und der StaatSschulden-Kommission vxreinbart. Der Firman des Sultans vom Jahre 1888 habe dze Vermehrung der e yptischen Staatsschuld um fünf Mil- ltonen egéptiscY Pfun gebilligt, wovon ein großey Theil auf öffent iche anten und die Kapitalisirung von Vénsionen verwendet werden solle. Unter jenem Firman seien 2330000 Pfund emittirt, und hätte die egyptische Regierung auch unter dem Liquidationsgeseß und der Londoner Deklaration ' vom 17. März 1885 die Vefugniß, für die laufende Rechnung einen Vorschuß bis zu einer Million Pfund auf- zuyehmen. __Nach viertägiger Debatte ist heute die zweite Le1ung der VU, betreffend die schottische Lokalvsrwal: tung, angenommen worden. In der Spezialdebatte wurde zunächst mit _239 gegen 177 Stimmen der von Munro Fergussow emgebrachte Antrag der Opposition abgelehnt, welcher dxe gan e sch0tnsche Lokalverwaltungsbill einem Ausschuß aus 0 en sch0ttischen Deputirten, verstärkt durch 30 andere Deputirte des Parlaments, überwiésen wissen onte.

Frankreitl). Paris, 29. Mai. (W. T. B.) Der Senat nahm heute das Rekrutirungéx-geseß im Ganzen mit 191 gegen 96 Stimmen an. Da der Senat die von dsr Deputirtenkammer vorgenommenen AenderungM nicht acceptirt hat, so geht das Geseß an die Kammer zurück.

_ _ 31. Mai. (W. T. B.) Nach hier vorliegenden Meldungen 111 bei der gestrigenFeier der silbernenÖochzeik des Grafen und der Gräfin von Paris die Verlobung des Herzogs von Dr_leans, ältesten Sohnes des Grafen von Paris, mit der Frtnzessiy _ Margarethe, Tochter dss Herzogs von

hartres, off1z1ell bekannt gegeben worden.

_ Italien. Rom, 30. Mai. (W. T. B.) Die Depu- _ttrtenkammer beschloß heute auf den von dem Präsidenten ergänzten und von der Regierung zustimmend begrüßten Antrag des_ Deputirten San Donato: dem König Humbert be1seinerNückkehr nach Rom eineHuldigung tn größt em M aßstabe dar ubringen, indem das Präsidium der Kammer und sämmtliche b eordnete den König bei seiner Ankunft begrüßen, um dadurch emDeutschen Kais er und dem deutschen Volk für den dem König Humbert berei- teten glänzenden Empfang zu danken.

_ 30. Mai, Abends. (W. T. V.? Die in diesen Tagen ver'bretteten Gerüchte Über den_ er chütterten Gesundhetts- *uftand des Papstes s1_nd unr1chtig. In Gegenwart des

apstes_ wurden heute d1e Dekrete promulgirt, wonach die Vorarbeiten zur Seligsprechung des Bischofs Ancina von Saluzzo und der französischen Missionare

Zrboyre und Chanel, die im fernen Orient den

artyrertod gefunden, gestattet werden. Am Morgen celebrirte der Papst eme Messe, wobei er vorwiegend Fremden die Kommumon spendete.

Mailand 29._Mai. (W. T. B.) Heute Abend fanden fich zahlreiche Vereme mit Musik:Cor s und Fahnen vor dem glazzo Reale _ck) und verantalteten zu Ehren der Uckkehr des Kdntgs _aus Berlin eine im100sante K_undgebung. _ Währxnd dre Musik die Nationa1hymne *sp1elte, brachten dw. _Vereme und die zahlreichft herbeigeströmte Menge auf den Kom und den Prinzen von Neapek unaus-

eseßt e_nthufiastßsche ochs aus. Sowohl der König wie der ronprmz ersch1enen mehrere Male auf dem Balkon und dankten Wr Y_e OvaYÉnT V _ __ . ai. ( . . .) Nach der gestrigen Mani- festatton vor dem Palazzo Reale fand auch eine solche vor

dem Deutschen Konsulat statt. Der Konsyl war jedoch abwesend- _ Der König und der Kronprtnz smd auch im Theater mit Jubel begrüßt worden.

Schweiz. Bern, 30. Mai._ (W. __ T. B_.) 'Der Bundeßrath Fchlägt den eidgenösstschen Rathen eme neue Wablkreis-E ntheilun für de_n Naxtonlerqth vor. Nach derselben würde Gen alLein em KM? mtt fünf Ver- tretern bleiben; die übrigen Fünfer-Kretse m den Kantonen

ürich, Bern, Thurgau, Waadt und Neuenburg wurden He- 1 eilt werden. Weitere Aenderungen smd fur Aargau, t- allen und Luzern vorgesehen._ Dur_ _ würden die Konservativen tm Natronalrath emen Zu- wachs von 4 bis 10 Mitgliedern erhalten.

Niederlande. Haag, 29. Mai. (28. T. V.) Dre Stichwahlen für die Provinzqustaaten smd nu_nmehr beendet. Das definitive Er ebniß tm ganzen L_ande 1stFol- gendes: Die liberalen iHe haben stck) von 342 auf 326 vermindert, die antiliberalen von _241 _auf 257 ver_- mehrt. In sieben Provinzen haben dte Ltberalen _dte JaBrität, i? dreiex N26! An_tiblibe_rale11; 12)? d0r Y_rtovmz

e ern er an ten ie nti i era en eme a1or1a von 6 Stimmen.]:É *:; TZR _ MWMxW _ „_ .- „M*RxMWW H:?“ Belgien. Brüssel, 29. Mai. (W. T. V.) JL) _der heutigen Sißung der Repräs entantenk am mer verthzstdtgte sich der MinistU-Präsident Veernaert gegen 016 B9: schuldYung, mit Hülfe von Polizeispionen den Rum belgr- jeher ürger beabsichtigt und herbeigeführt zu h_aben._ Wenn er dies gethan hätte, wäre er infam, so aber 191,99 SMS JU- famie, wenn derartige Anschuldigungen ohne Bewe1se_ gegen thn erhoben würden. (Beifall der Rechten.) Beertzaert schtlderte den Besuch, welchen ihm Pourbaix im Ministermm gemacht, 11110 wie dieser ihn um Schweigen gebeten, _da es steh um 1e1_1_1 Leben handele. Der Minister berief steh auf das Zeugmß liberaler Zeitungen, welche ihn im Jahre _1887 wegen seiner Energie beglückwünscht hätten. Ex 100171 _der Linken vor, daß diese ganze Affaire ledtgltck) 9111 Wahl- manöver sei. (Lan anhaltender Beifall der Re ten.) Der Deputirte Bara wie erholtebierauf die gestrige An chuldigung, daß der Minister die ganze Verschwörung mit Pourbaix, dem Polizeispion, angezettelt habe, und verlangte sine parlamen- tarische Enquete. Er schloß mit dem AUSruf: das öffent- liche Gewissen verdamme das Ministerium. Der De: putirte Jacobs (Rechte) verthsidi te das Kabinet und beantragte ein VertrauenSvotum, gsicbzeitig aber auch die Amtsentseßung des Chefs. der öffentlichen Sicherheit. Frérre Orban (Linke) sagte: die Willfährigkeit des Ministeriums sei gleichbedeutend mit dessen Mitschuld. _ Bara brachte hierauf ein MißtrauencZ-votum gegsn das Ministerium ein. Die Kammer nahm jedoch das von Jacobs beantragte Vertrauensvotum mit 78 gegen 32 Stimmen an. Die Minister Lejeune, Devolder und Veernaert ent: hielten sich_ der Abstimmung. Die Rechte begleitete die Verkündtgung des AbstimmungKNesultatS mit Beifall. _ Am AUSgang des Kammergebäudes [)ÜULU sich mehrere Tausend Personen aufgestellt, welche einige Mmister und katholische Deputirte mit Hohngeschrei und Pfeifen begrüßten. Eine Abtheilung Polizei und Gendquep griffen ein, und nach mehreren Verhaftungen Zelang cs 1hnens 77871? , Menge zu zerstreuen. Die Mani- estanten zogen hierauf in Banden "unter dem Ruf: „De: mission!“ davon.

_ Türkei. Konstant111opel,30.Mai. (W.T.B.) Der dteHseitige Botschafter in Paris, Essad Vascha, hat Befehl erha_lten, auf seinen Posten zurückzukehren und wird am 1. Zum dorthin_abreisen. _ DLL! hiesige französischo Botschafter, Gras von Montebello, begiebt sich am 3. Zum mit Urlaub nach Parisß

Rumänien._ Bukarest, 29. Mai. (W. T. V.) Der Sengt beschäftigte sich heute mit dem Befestigungs- kr_ed1t. BSL der Bsrathung desselben entwickelte Sturdza seme b_ekannte_n Ansichten 11er die nsutrale Haltung Rumämeps 1111 Falle eines Krieges und befürwortete d1e Err1chtung eines befestigten Maßes, in d-zr Gegsnd von OdobeSct und “Foczanu. General Floreßco be- kämpfte d1e _ Ausführungen _ des Vorredners. Nachdcm der Krtegs-Mwmster sodann noch technische Aufklärungen ge: geben hatte, wurde das von Sturdza beantragte Amende- me_n t: den_geforde_rt2n Kredit von 15 Millionen ganz zur Err1chtung emes bexestigten Laners bei Foczanu zu verwsnden, abgebehnt und der Geseßentwurf mit 66 gegen 16 Stxmmen angenommen.

Dze Deputtrtenkammer nahm heute mit 95 gegen 66 Sttmmen den Schluß der Debatte Über dis Inter- pellatton Carps an.

Betreffs desZwischenfalls mit serbischenFischern auf _der D0n_au hat die rumänische Regierung Sexbnn _an 1116 Übernommenen Ver flichtungen erinnert, serbtfche Mfcher abzuhalten, in rumäni chen Gewässern Neße auSzuweréfen, uyddre Bestrafung der'enigen verlangt, welche trotzdem m rumäntxchen Gewässern gefZscht und auf rumänische Matrosen, welche d1eses zu hindern versuchten, Schüsse abge- geben h_atten.

Dte Fri'x?_j_ahr§3session der internationalen D_0naukomm1 ton lst geschlossen worden, In der leßten Stßung _beqntxagte der italienische Delegirte, daß ein ehe- malige; xtaltemscher Marine:Offtzier zum General-Sekreiär der Komm1ss1on ernanyt werde, welches Amt bisher ein Franzose mnehatte. Nacb emer lebhaften Debatte beschloß die Majorität, unter welcher s1ch auch der rumänische Vertreter befand, die Erne_nnung zu vertagen, weil dieselbe in dem Programm der Sesfwn mcht vorgesehen sei.

_ Serbien. _Belgrad, 30. Mai. (W. T. V.) Anläß- l1_ch der neuerlrchen Exzesse sind auf Grund des Ergeb- mffes der U_ntersu ung gegen 100 Personen, darunter Garaschantn sel st, in Untersuchungshaft genommen worden. Betreéks Gams anin's sagten zahlreiche Zeugen aus

und [Zegew mz noch an ere Beweise vor, daß derselbe nicht mzr m todtlt er Absicht schoß, sondern auch durch auf- retzende Red_en die übrigen Fortschrittler um Gebrauch der Waffen anetferte und herausforderte. er Haftbefehluß wurde sofort dem Kriminalgericht zugexchickt, welches binnen 24_§S1u_11__en entscheiden muß, ob der elbe aufrecht erhalten wer en 0 .

Bulgarien. Sofia, 30. Mai. (W. T. B.) Der

Namenstag des Prinzen Ferdinand ist heute festlich begangen worden.

ck diese Eintheilung .

Schweden und Norwegen. Stockholm, 28. Mai

Der neuernannle Geßandte der ereinigten Staaten von" omas, Überretchte gestern dem König

Amerika, Mr. W. T f eine Kreditive.

??": Zeitungsftimmeu.

Unter der Ueberschrift: „Nach_der Entscheidung“ sagt die „Deutsche volköwxrtbschaftltche Cor_re_sp_ondenz“;

Man hat nunmehr mit der feststekyenden Tsatsackse" IM daß von aUen Kulturstaaten das Deutsche Reich zuerst dem invalideé und alten Arbeiter eine, wenn axtcb mäßige, so doch eine Verforgxm gesetzlich ßcher. gestellt hat; _ eme Versorgung, mit Welcher ibm 211? Rechtsanspruch zusteht, den_ fick) der Arbeiter theils selbst erwerben muß, indem er einmal_arbettet und zwätens Beiträge zahlt; __ eine Versorgung, deren_Erful1ung aber das Reich dem Arbeiter gewähp leistét, indem es d1_e_Orgamsa_tion _der ZWangsverficberung schafft und überwacht, gleichzetttg aber 111 semer Eigenschaft als höchster Ver- treter auch dxr sozialen Gemeinschaft Zuschüsse leistet und den dem Arbeiter m der sozialen Gemeinschaft gegenüberstehenden anderen Theil, die Unternehmer zwingt, aucb ihrerseits zu dieser Sozial- fürsorge bc1z11tragen _und in deren Organisation mit dem Arbeiter gemeinsam und _zu gle1ch_en Rechten und Pflichten ehrenamtlich jhätjg zu sein. Es ware verfruht, abmeffen zu onen _ dieses wird Auf- gabe dsr (Geschichte sein _ was das Vorhandensein dieser Thatsache im Cntwickelungégange der Menschheit bedeutet [Md was fie wirken wird, Wobei wir nicht aklein an die materiellen und ethischen Wir- kungen dex Vetsorgung selbst, sondern vielmehr auch daran denken, daß, _nachdem Deutschland diese Aufgabe gelöst, mag dabei auch mcht der denkbar größte Grad der Vollkommenheit erreicht sein, die gefiltete Welt nicht wird umhin können, diesem Bei. spiel _zu folgen. Aber_ soviel ist fieber, das sozialreformakorisckze Prinzxp, welches zuerst tm neuen Deutschen Reich wirksam geworden ist, wird die Gescßgébung 01161 Länder durchdringen müssen. Diese Wirkung bedeutex in ibrcn_K*onsequenzen einen entscheidenden Sieg Über die engberztg merkannlistischcn Auffassungen der Politik des O_ebenlaffeUS; aber sie bedeutet noch mehr als dieses, denn jene um- sturzlerische Propaganda, Welche sozialrevolutionäre Ausbrüche vor- bereiten wil], muß an das Ende ihrer Erfolge unter ren Muffen gelangen sobald nicht mehr nur ein_Land. syndern die Kulturstaatcn überbaupé 1111) auf den Boden der sozialen Reform gesteÜt haben werden. Jenes xoziale Königtbum, Welches, 1:1 der Botschaft von 1881 uns die Sozial- reform bcxkündend, dem etb_i_1chcn Inhalte des Christenthums Einfluß auf d1e _1oziale_ Und polimcbe Ordnung einräumte, welches dem „Recht§“1taate emen ncuen höheren, Veredelten Inhalt gab, es wjrd Nachfolge ßnden_ und der neue die Politik aller Länder durchdringende vauls wird scme Kraft darin bekunden, daß die erHalt-xnden und reformatorischkn Elemente im Streit mit den nivcllirenden und demokratifirenden gestärkt werden. Dieses alles kann man beute nur vorabnend voraussehen. Der kritische Geschichtsschreiber, Welchernach Jahrhunderten die Entwickelung unserc-r Zeit in ihren Wurzcln auf- zudcckcn unternimmt, wird eine neue Ebockye von dem Tage ab rechnen, an welchem der Denisehc Reicbstag dieses Gesetz, über 0119 ibm ent. Jegcngesteüten Bedenken und Schwierigkeitkn hinjdea, zu einer Tbat. 1ache _mdachtc», welcbe ihre Konsequenzen in der Weltgeschichte 3201- gen wrr .

_ _ _Aus Veran_laffung des Rückgangs der Strikebewegung m Rhe_1nland-West1alen schreibt die „Nationalliberale C0rre1pondenz“:

Wcmx man anerkennen muß, daß die Bchung im Ablgemeinen an gesc'13_ltck)em Wege s1ch gehalten bat, so ist das zum großen Theil dcm Umstand zuzuschreiben, daf; die sozialistische Agitation dabei ver- bältnißmäßig wenig bervvrgetreten ist. Die eigentliche Leitung der Bcwxgung in die Hand zu b'ekommen, ist ihr nicht gelangen; die?; ist“ offenbar der Thatsache beizumeffen, daß durch den verständigen und gesunden _Sinn,_ der namentlich unter den Bergarbeitern vor- waltct, eme auxbcyende, zu Umsturz und Gcwalttbätigkeiten ve:- suerende Agitation btntertriebkn wird. Wenn die sozialistische Agitarion fret batte walten können, Wenn die Staatsgkwalt der Mittel zur Wchr be_raubt gewesen wäre, 79 wären aus der mächtigen Strike- beZvegung tn dcn leßten Wochen 1icher Unruhen, Ausschreitungen und Kampfe der gefährlichsten und bedenklicbsten Art entstanden, und man könnte n_ur mit schweren Besorgniffen einer Zeit entgegknsebcn, wo zu der _bcrr1chender_1 Gabrung in der Arbeiterrvélt auch 1106) offen betriebene vxrg1fxende soztalistisck)-revolutionäre Aufreizungen binzukämcn. Ob dre e_rsorder11ck7en Abwehrmaßregeln gerade diejenigen des bestehenden Sdztalistengesctzes sein müssen, wollen wir heute nicht untersuchen, 0er entbehren kann der Staat und die GeseÜschaft energische Waffen zur Abwchr und Vertheidigung nock) nicht.

__ _ _Ueber den Geschäftsgang der V0rliner Industrie außert dxe „HandelS- und Gewerbe=Zettung“:

Der szchtbare Aufschwung, den die Berliner Industrie im crstxn Qua_rtal dieses Jahres genommen, hat fich bis heuxe fortgesetzt. _Dlé“ dorltegendxy Berichte aus fast allen großen Geschäftsz111eigen umexer S_tadt we_t1cn auf eine anhaltende und regelmäßige Beschäftigung Hm. D_te Arbettex unserer großen Fabriken haben vollauf zu thun und es wtrd oft unt Ueberstunden gearbeitet, Die kleinen Betriebe ste_[len ncue Arbeitskräfte ein, um die vorhandenen Aufträge bcwälltgen zu kömzc'n. Der Konsum hat in hohem Maße zugenommen, n_0ment11ch machte fich im Monat April in vielen thrieben eme_Vermebru_ng _dcr Exporttbätigkett geltend, die auf die Gexatqmt- uwsaye sebr gunsttg einwirken mußte. Wir sahen viele ausländtsche Ka_ufer, besonders überseeische, an unserem Platze und zwar in Ml Foßerex Anzahl, qls dieses seit dem Jahre 1883 der Fall gewesen-

9 schemt, daß dtc Parika Ausstenung die Veranlassung zu dtMZn Besuch gcgeben hat, da dteselbc gerade überseeische Interessenten in außerord_entltch starkem Umfange anzieht, die es fick) aber nicht ver- sagen k_onnen, außer Paris auch gleichzeitig die anderen großen deustrtecxntxen Europas zu besuchen. Diese äußere Veranlassung erd _uns ubr1g_ens auch noch ein zahlreiches Kontingent südamerikantsÖer Etnkaufer_ z_ufub_ren, aus deren Anjvesenheit in Europa wir alle! Wahrschc1nltchkezt nach recht_ große Vortheile zieöen werden. Hamburger- bzestge qnd _Partser Kommtsfionsfirmen, welcbe Verbindung mit YM sudawerrxamschen S_taqten unterhalten, find Von der Absicht sud- an_12r1kamsch_e. Geschaffétnbaber, die deutschen Märkte zu besuchen, be- rctts unternchtet und haben diesbezügliche Mittheilungen hierher JC“ langen lassen_. Es_hande1t sich hier nicht um diejenigen Kunden, die wir regelmaßig bel uns zu_ sehen gewohnt waren. sondern UM solche, dtewo ( unsere Industrtevrodukte direkt oder indirekt kennen 8?“ lernt hqben, aber unsere Fa_briken noch nicht aufgesucht ?atten. _Wlk h_aben em sebr gute? Geschaft mit Canada gemacht. V elleicbt ist,“ e1_ne_ Folge de_s engltscbe_n Markenschußgejeßes, daß uns canadiscbe Cm- kauxer, dte fruher nur uber London kauften, jest direkt hier aufsuchen- Wir könnten 12 Vertreter sehr bedeutender kanadischer Firmen aus- Montreql, Toronto, Queebeck, London (Ontario) namhaft machen, dte 1_ms m den leyten Woche:) hier aufgesucht haben. Es steht außer ;Zleel, daß a_ucb_ die Vereinigten Staaten in Folge der vergrößerte" Unzahl von Etnkaufern, die uns innerhalb der drei nächsten Monate besuchen wexden, dazu beitragen, die geschäftlichen Verbindungen TPU NordzAmenYa außzydebnen. Die Anwesenheit so vieler Käufer Mrd unbedmgt emen kraftigen Anreiz zur Ausdehnung unseres HMD?» IWM- Und daß Verlin_ in erster Reibe hiervon profitirt- * klar, denn das erste Retseziel der ausländischen Käufer aus* ihk“ Jahr_t durch Deutschland bildet gewöhnlich die Reichshauptstadt, die m der Ausdehnung u_nd Vielseitigkeit der geschäftlichen Anla en die best? Gelegenhett darbtetet, fich über die Bedeutung unserer deuts en JndusZrte zu orientiren._ _Esliegen auch die Ausfichien des europäischen Eeschafts,„ ebxnso wie _dtexenigcn des inländischen für die nächste ZUkU"ft uberaus gunstgg; Unser internationaler Handel gedeiht trefflieb, Wik habe" nach langer Zett wteder einmal eine kräftigere Unterstüyung durch die

Zunahme englischen Konsums zu konstatiren, die sub in allen Artikeln, die

ir nach England exportiren, bemerkbar macht. Die Gründe hierfür find

. w _ , die auch eine Zunahme des inländtscben Bedarfs verur_sachten, FYÜYe Besserung der gesammten wirtbschaftluben Verhaltniffe,

nder Verdienst der Arbeiterbevölerung. Wir können ferner WeF-Yrößerten spaniscben Export hinwetsen und könnxn ebenfalls konstatiren. daß ein Rückgang unserer Ausfuhr nach [ner m'chtTZe' nannten Ländern, wenigstens schxt die Berlknxr Aysfuhr xn ?- tracht kommt, in keiner Weise zu _konstattren rst. Fur dte esunden wirtbscbaftlicben Zustände, fur _die zunehmende Kauf- ?rafk unserer deutschen Bevölkerung spricht wvhl_ am besten, daß selbst in denjenigen Betrieben, in denen sonst mtx Ostern das Saisongeschäft abschloß, dießmal noch nach dieser Zett em; Bx- schäftigung herrscht, wie fie selbst in der [ebhaftesten Gescbaftßzett besser nicht gewesen ist. Unsere bier befindlichen großer] und klenzen Betriebe, die mit der Montan-Jndustrie, mit der cbemrscben, Textjl-, Papiers Leder- und Holzwaaren-Jndustrie in Verbindung stehen, find augenblicklich fast sämmtlicb, wrnn nicht gerade entgegengeseßxe Kon- junkturen in Bctracht kommen, in zufriedensteÜendex Werse _be- schäftigt. Wir wüßten keine von den großen Berlmer _Spezml- indusirien zu_ nennen, in welcher momentan Mangel an Arbeit wahr-

zunehmen ware.

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Archiv für Post und Telegrapbie. Beiheft zum Amts- blatt des Reichs-Postamts. Nr. 9. _ Inhalt: ]. Aktenftücke und Aufsätze: Die Stadtbriefbeförderung in Berlin im Anfang des 19_ Jahrhunderts. _ Das Tischgebäuse für den Fernsprechverkebr. _ Post.Streitigkeiten in Erfurt zu Anfang des 18. Jahrhunderts. _ Telegravbie und SYrache (Schluß). _ Dic Unterneßmung Stanley's. .. 11. Kleine Mitt eilungen: Umfang des Post-Packereiverkebrs in Berlin während der Osterw0che 1889. _ Herstellung eines Schiff- fahrtsweges zwischen dem Schwarzen und dem Kasvtschen Meer. _ Cine Nachbildung des Meilensteins von Mesa im Post-Museum. _ Ueber das Mosten des Eisens. _ Betrieb von Telegrapbenlinien mittels Dynamomascbinen. _ Bestrafung der Unterschlagun einer am Postschalter zu viel erbaljenen Geldsumme. _ 111. Iachruf. - 1 . Literatur des VerkehrÉWesens: 1. F. Meili, 1)_r. Die inter- nationalen Unionen über das Reckyt dcr WeltverkehrHanstaltcn und des geistigen Eigentbums. Ein Vortrag, Leipzig 1889. _ 80 S. _ 11. Derselbe. Die Fälsckwng ciner telegrapdisckyzxn Depe1che. Rechts- gutachten. Zürich 1889, 88 S. _ 7. Zsitschrrften-Uebrrschau.

Statistische Nachrichten.

Zeitschrift des Königlich preußischen Stati- stiscben Bureaus. (Stat. Corr) _ Das Schlußheft_ des )()(7111. Jahrgangs (1888) der Zeixschrtft dcs Königlich prcußtschey Statistischen Burkaus i1t unlängst er1chienen und enthält zunächst dre: größcrc, das Versicherungsrvesen, den Stand der_r Bevölkerung und die Viehhaltung des Preußischen Staats betreffende Aufsätze; _Der Sekretär dss Verbandes Kutscher öffentlicher Feuersoztetatcn, H- Brämer in Münster, b?bandelt im Anschluß an eine Reihe 6111“ sprccbcnder Arbeiten, welchc neuerlich_ stets zwetjäbrige Perioden um- ?affen und von ihm seit 1866 in verschiedenen Jahrgängen unserer Zeit- schrift veröffent1ich1nn1rden, ,Die Lebens- und die Feuerverficherung in Preußen während der Jahre 1885 und 1886 sowie die Ergebnisse der_ keusche" VUsicherungSanstalfen im Jahre 1886, mit Rückblicken auf frühere Job,.re“. Diesebr eingebcnden Untersuchungen find dieSmal noch um 6 neue Tabellen erweitert wordkn. .Die Vertheilung der Be- völkerung nach dem Geschlecht, insbesondere im preqßiscben Staat“ von A, Frkiberrn von Jircks 111acbt_erfichtlich, wie 1th diese Frage nicht nur in 0110 Lebensverhältniß? eingreift, 1ondkrn wie wichtig sie auch für die Verwaltung und die Gesetzgebung des preußischen Staats und Deutschen Reichs ist. 3 Tafeln graphischer Dar- steklungcn veranschaulichen: 1) die Vertheilung der Bevölkerungjm preußischen Staat nach dem Geschlecht am 1. Dezember 1885; 2) die Vertbeilung der Bevölkkrupg xer Regierungsbezirke „des preußischen Staats nach dem Ge1ch16ckt für die Jahre 1816 bis 1885; 3) die Vcrthcilung der Bevölkerung des preu ischen Staats, der einzelnen Provinzen, Regierungsbezirke und tadt- kreise, ferner der im preußisckxn Staat wäbrcnd der Jahre 1816 bis 1887 Geborenen und (GesWrbkncn, sowie des jährlichen Ueber- fchuffes der Geborenen über die Gcstorbenc'n,_ nach dem Gescblccbt. Die dri1te größere Abhandlumg bietet die For:]eßung und den Schluß dkr eingehenden Arbeit von Dr. W. Beukemann über „Die Viehhaltung im preußischen Staat nack) dsn Viebzählungcn von 1867, 1873 und 1883“. Während im ]. Semcsterhcst der Zeitschrift für 1888 außer einigen Kapiteln Über einleitende und aUgemeine Gegenstände von den cinzelncn Viehgajtangcn nur die Pferde, Maultbiere, Maulesel und Esel betrachtet wurdcn, geschieht hier ein Gleiches mit dem Rinddieb, den Schafen, Schweinen, Ziegen und Bienenstöcken. In einem kurzen Scblußwort findet der Lefkr dcxs Endergebnis; der gxsammten Unter- suchung. _ Eine rein tabellari1che Ucberficht theilt ferner das Wick)- tigste über „Die Geburten, Eheschließungen und Sterbefäüe bei der Civil- und Militärbevölkcrung des preußi1chenStaats im Jahre 1887, sowie den Familienstand und das Alter der währcnd des Jahres 1886 neuvermäblten Personen“ mit, _ __

Der Herausgeber der Zeitstbrtst, E. Blenck, liefert sodann unter .Nekrologe' LebenSabriffe von 5 in der zweiten Hälfte des Jabres 1888 dabingescbiedcnen, um die Statistik Hochverdienten Männern, nämlich dem baltischen Statistiker Frßedricb ron Jung-Stiüing, dem österreichischen Lehrer der StaatSwiffemckmften, Freiherrn Leopold don Neumann, dem niederländischen Natio-"jalökonomen und Statistiker Simon Vissering, dem italienischen Staatsmann und Gelehrten Cesare Correnti, dem deutschen Geschichtöforscher Gcorg Weber. Sehr reichhaltig ist die Abtheilung .Bücberanzeigen", in welcher 22 mancherlei Anregung bietende Werke statistischen und verwandten Inhalts besprochen Werden. Endlich bietet die „Statistische Cor- respdndenz' in 28 Artikeln die Hauptergebniffe allgemeiner Erhebungen sowte anderweitiger statistischcr Veröffentlichungen des In- und Auslandes.

Das 1. Heft dcs KWK. Jahrgangs der Zeitschrift wird binnen Kurzem nachfolgen. _

_ Nach der amtlichen statistischen Uebersicht der Tbatigkeit de_r_Schied5männcr in Preußen im Jabre1888(Juftiz- MmtsterialblattNr. 21, 1889) betrna die Zahl der Schiedömänner am Schluß des Jabxes im Bezirk des Ober-LandeSgerickyts Berlin 1557, Breslau 3407, Kassel 1132, Crüe 2503, Köln 2231. Frankfurt a. M. 895, Hamm 1539, Kiel 1119, Königsberg 803, Marienwerder 548, Ngumburg 1119, Posen 671, Stettin 655, zusammen _18179 Schieds- xna_nner,_ gegen 18145 im Jahre 1887, (1110 34 mehr. Bürgerliche Rechtsstreitigkeiten wurden von denselben erledigt im Gayzen 32 980 gegen 36140 im Jahre 1887, also 3160 weniger. Zur Subneverbandlung erschienen beide Theile in 23 660 Sachen, gegen 26147 im Vorjahre, also in 2487 Sachen1veniger. Von diesen wurden durch Vergleich erledigt 17 947 Sachen, gegen 19747 im Jahre 1887, also 1800 Sachen weniger. Um Beleidigungen und Körperverleßungen handelte es fick) in 183 670 Sachen, gegen 189 429 'm„Jahre1887, also 5759 weniger. Beide Theile erschienen zur Subneverhandlung in 108 664 derartigen Sachen, gegen 114 334 im Vorjahre. also 5670 Weniger. Von diesen wurden durch_ Sühne- Yeksucb mit Erfolg erledigt 64 261 Sachen, gegen 67 695 un Vor- jahre, also 3434 weniger. _

_ Dem soeben im Druck erschienenen 10. Jahresbertcbt uber die Thätigkeit dcheutscben Seewarte für daß Jahr 1887 entnehmen wir bezüglich der fast ununterbrochenen Steigerung der Tbeilnabme deutscher Seeleute an der maritimen meteorolqgischen Arbeit, namentlich aber bezüglich der ganz ungewöhnlichen Thatigkeit nach _dieser Richtung im Laufe des Berichtsjabres das Nachstehende. Cs gtngen an Beobachtungssä en ein: 1875-1878: 709 205, 1879: 181950, 1880: 261700, 181: 251200, 1882: 293440, 1883:

"309 700, 1884: 299 900, 1885: 292 200, 1886: 280460, 1887:

466 050 und überhaupt in den Jahren 1875_1887: 3 345 805. Am

„1. Januar 1888 befanden sich in dem Archiv der Abtheilung 1 der

Seewarte in vollständigen meteorologis_chen Journalen oder in_ _den Außzugs-Journalen an Beobachtungssaßep 4026 870 (_m marttt_m- meteorologiscbem Material, wenn zu den obtgen Zahlen die Ergebnzffe der Thätigkeit der früheren Norddeutschen Seewqrte auf diesem Gebtete und jene aus einer Anzahl älterer meteoroldgtscben Jouxnalc btnzzx- aefügt werden. Die Anzahl der Beobachtun ssaxze belxef fick) in den Jahren 1868_1874 _(Norddeuts e Seewarte) auf 681065. _ Wenn die Durchscbmttszabl der Beobgchtungs= säße pro Jahr für einzelne Perioden berechnet wtrd, so ergeben fich folgende Werthe für die Periode 1868_1874: 97 _295, 1875_1878: 177 301, 1879_1882: 247072 und _1883__1887: 329 662 Beobachtungssäße, woraus 611) zur Genüge dre Stetaerung der Tbeilnabme an den Arbeiten der Seewarte ergiebt, während andererseits daraus hervor eht. da in der_n Berichtsjabre mit 466 050 Beobachtungsfä'sen ?elbst der Durchschnitt dsr lcßten 5 Jahre um 136 388 Beobachtungssäve überschritten wird.

Kunst, Wiffenschaft und Literatur.

Das Geseß Vom 9. März 1872, betreffend die den Me- dizinalbeamten für die Besorgung g_erichtsärztltcher, medizinal- oder sanitätspolizeilieber Geschäfte zu gewabrenden Vergütungen, in der Fassung der Königliche71Verordnung vom 17. Septem- ber 1876 und des Ergänzungßgeseßeß vom 2 _Februar 1881. Im Auftrage des Vorstandes des Preußtschen Medtztpal-Beamten- Vereins erläutert von Dr. . Raymund, Reqxerungs- und Medizinal - Rath in Aurich. Berlin, 1889. Ftscher's Me- diziniscbe Buchhandlung (H. Kornfeld). Pr. _75 «5, _ Die vorliegende, kommentirte Außgabe des tm Titel genannten Gesetzes verdankt ihre Entstehung dcm Besxbluß der vorjährigen Hauptdersammlung des Preußischen Medi_ztnal-B€amten-Vereins, durcko welchen der Vorstand des leßtcren ec1ucht wurde:_ „bis zur nächsten Jahresversammlung die nötbig erscheinenden Abanderungs- Vorschläge zu dem TaxgesetZ vom 9. März _1872 eventuell unter Hinzuziehung geeignet erscheinender Vereinßmttglreder vorzuberatben und der Versammlung zur Beschlußfassung vorzulegen“. Der Verfasser hat im Auftrage des Vereins_ und _mit Uyter- stüxung mehrerer Mitglieder deSselben demgemaß (1112 die zahlrerckxen na träglicben Verfügungen der betreffenden Verwaltungs- und Iustxzr behörden, Entscheidungen der Gerichtshöfx 2a. gesammelt und m diesem Komme-ttar verarbeitet. Bei Absaßung dcs leßteren hat er gloicbzeirig den Zweck Verfolgt, nicht nur den beamteten Aerzten ux1d Tbierärzten, sondern auch den betheiligten Verwaltungs- und Justu- bchörden einen möglichst zuverlässigen Rathgebex 111 00811 zweifelhaften Fragen bezüglich des gedachten Geseyes darzubteten.

_ Das soeben erschienene 25. Heft1888 der „Mittheilungen vom Freiberger Alterthumsverein, mit Bildern aus Frei- bergs Vergangenheit“ (herausgegeben vom Vorstande, Stadtratb Heinrich Gerlach daselbst; Frcibcrg i. S., Gerlach'scbe Buchdruckerei) ist der bevorstehendkn Jubelfeier der vor 800 Jahren erfolgten Erwerbung der Mark Meißen durch das Haus Wettin _gewidmet. Die Feier ist der Gegenstand eines einleikenden 0eschichtltchen Fest- artikels von dem H2r8usgeber. Dann folgt als Nr. 8 der „Bilder aus Freibxrgs Vergangenheit“ das in Lichtdruck reprbduzirte Portrat der Herzogin Katharina zu Sachsen, Gemahlin Heinrtch's des Frommen, (nach einem Gemälde von Lucas Kranack) dem Aelteren) mit Er- ]äukerungcn von 131". 3111. Theodor Distel, Archiv-Ratb in_ Dresden. Die aus mecklenburchbem Hause stammende Fürstin war dre Mytter der Kurfürstcn Moritz und August und 506191011511: Zeit in Frxtberg ihre Hofhaltung. Sie war es auck) bauplsacbltck), durcb deren _Etnfluß von ihrem Gemahl vor 350 Jahren die Reformatwn in Sach1en_ein- geführt Wurde. Den berühmtesten Sdbn der alten Bergstadt, den Kur- fürsten Moriß don Sachsen, seinePcryönliÖkeit und seine Beziehungen zur Stadt Freiberg hat der Oberlehrer Paul Knautk) zum Eggen- stande der DarsteÜung gemacht. 111" Reinhold Kade bietet intereßanje Mittheilun en aus dem Rechnungsbucb dcs Freibcrger Domglöckners Johannes röner (1585_1625) und über die Kurfürstlick) sächfische Begräbnißkapelle am Freiberger Dom. Dann folgen _kleinere Mit- tbeilungen zur Gkschichte der Stadt von den Archiv-Ratben ])r. '111'. Distel und V1". Ermisck) in Dresdensowie vom Vereinsvorstande. en Beschluß bildet eine sehr gründliche Abhandlung 1":er das Freibexger Bier und Freibergs Braus und _Schanknahrung seit den ält-esten Zeiten, von dem Literaten Karl Richter in Freiberg.

_ Jm Verlage don Karl Ziegcr Nachfolger (Berlin 80. 16) Lind soeben die Lisferungen 17 und 18 der neuen Auégabe der Romane desKapitäns Marrvat erschienen. Dieselben enthalten die Fortsetzung von ,Midshipman Easy.“ Dte Verlagsbuchbandlung hat neben der Liefernngßausgabc auch eine Vandansgabe dcranstaltet, Beide zeichnen fich durch gcdicgenc Ausstanung und billigen Preis aus. Jedes 80 Druckseiten starke Heft kostet nur 40 „„I, .Mid1hip- man Easy" komplet 2,50 „16, mit“ Goldprxffung gebunden 3 „M

_ Das soeben ausgegcbene 19. Bändchen ?. Jahrgangs don ,Engelborn's AllgemeinerRomanbibliothck' (Stuttgart, Verlag von J. Engelhorn) bringt den Roman „Frau Regine", von Emil Peschkau (Pr 50 „*, elegant gebunden 75 „_5). _

_ Die morgen erscheinende Nr. 2396 der „Jllustrirjen Zeitung“ (Leipzig, J. J. Weber) enthält 11. (1. folgende Abbil- dungen: König Humbert nnd Kronprinz Victor Emanuel von Jtalten. Nach den neuesten photographischen Aufnahmen. _ Die Koloffal- statue der den 5151-1111 Umberto begrüßcndxn Berolina auf dem Poxs- damer Platz. _ Der Besuch des Kömgs von Italien in Berlm. 2 Abbildungen: Die Begxüßung am Opernplatz. Die Parade auf dem Tempelhofer Feld. _ Lujo Brentano. _ Kinderrergen. Nach einem Gemälde von Emil Keyser. _ Die wiederhergesteklte Katha- rinenkirche zu Oppenheim a. Nb. __ Rudolf Weyx's Hqchreltefs an dem am 23. Mai entbüllten Grtüparzer-Denkmal m ern. 2 Ab- bildungen. _ Bilder 11156 Samoa. Nack) photographtschen _Auf- nahmen. 3 Abbildungen. _ Tafe1aufsatz. Ehrengeschenk der Restwe- offiziere zu dem 2001ährigen Jubtläum des Brandenburgischen Dra- goner-Regiments in Schdt.

(Weitere Mittheilungen dieser Rubrik in der Ersten Beilage.)

Gewerbe und Handel.

In der Generalversammlung der Mecklenburgischcn Friedrich Franz-Cisenbabn vom 29. d. M. War ein Aktien- kapital von 4 015 000 „M mit 803 Stimmen vertreten. Der Antrag des Aufsichtsratbs und der Direktion, bet_r. Genehmigung des Ver- trags wegen Verkaufs der Bahn an dte Großherzoglich mecklen- burgische Regierung, wurde mit 802 gegen eine Stjmme angenommen. Die Versammlung genehmigte die Bilanz, e_rthetl_te_ dem Aufficvts- ratb und der Direktion Decharge,_ und seßte dre Dtvtdende Luf 610/41 fest. Die ausscheidenden Mitglteder des Au_fficht5raths, Gtadkratb Kämpff und Consul Koffel, wurden wiedergewablt, an StelLe _des vex- ZzorbKnen Konsuls Frege in Hamburg trat der Senator Teichen m

er n.

_ Die „New-Yorkeerls.-Ztg.' äußert fich in ihrem vom 17. d. M. datirten Wochenbericßt folgxndermaßen: Dre Zahlen über den Außenhandel New-Yorks tm Aprtl c. machen, dem Werthe nach, inklus'we eines Kontantenbetrages von 849 038 Doll., einen Waaren- und Produkten-Jmport von 40599237 93011. Segen 39 295 601 Dol]. und 41111923 Dol]. tm Parallelmonate der

eiden Vorjahre e chtlich. Für die zehn Monate des laufenden Yskaljabres hat I ew-Yorks neiammter Waarenimport 387 589 014 ollar gegen 385066401 Doll. und 373493 404 Doll. m der arallelperiode der beiden vorhergehenden Fiskaljabre betragen. ie Kontantenbewegung ist dabet nicht in Betracht gezo en; an Edelmetallen bat New-York in den am 30. pril bccndeten zehn Monaten des laufenden Fiskaliabreß nur 5918 438 Dol]. gegen 39097035 resp. 39891914 Doll. m den Fiskaljahren 1888 und 1887 importtrt. New-Yorks Waaren-

und Produkten-Export ist im April er. sehr befriedigend ge-

* «*.*-.;- --_-..„„.»-1.

wefcn; er hat nämlich, mit 29108075 Tol], den des Parallelmonats im Jahre 1888 um über vier Millionen und den vom Jahre 1887 um beinahe sechs Millionen Dollars überstiegen. exportirte New-York im April cr. 5 126 518 Dol]. gegen 1 735 748 Doll. und 2 785 742 DoÜ. im April1888 und 1887. In den zehn Monaten des laufenden Fiskaljahres exportirte New-York für 269043 795 Doll. gegen 263 696 7

umfangreich bat fich gleichzeitig New-Yorks Kontantcnausfubr ge- staltet; dieselbe betrug nämlich 44001 564 Doll. in den ersten zehn Monaten des gegenwärtigen Fiskaljabres gegen 18681500 Voll. und 15 758 563 DoÜ. in den Fiskaljabren 1888 und 1887. _ Mitte Mai

An Kontanten

6 Doll. und 267 035 033 Doll. in 1888 und 1887. Recht

pflegt die Zeit zu sein, wo die Ernteaussicbten anfangen, cinen

entscheidenden Einfluß auf das legitime Ges chäft außzuüben. In der mit dem heutigen Tage beendeten Berichtßwoche sind dieselben

sebr günft't geblieben, und wenn auch das Geschäft an Umfang nith sonderlich groß genannt werden kann, so steht dasxelbe, von vereinzelten JäÜen abgesehen, mindestens auf der e der Vorjahre. Die an uns gelangten Berichte aus den großen Handels-Centren des Julandes lauten msist hoffnungsvokl, Strikes von Bedeutung find augenblicklich keine vorhanden, und ein Gefühl der Fuverficht, besonders auf ein gesundes Herbstgeschäft ist vvrwaltsnd. Zu edauern ist nur, daß in der Metallbranche sowie in der

obkenindustric die Zustände anhaltend unerquicklicber Natur find. Eisen ist auf einem enorm niedrigen Preißniveau angelangt; in diesem Metall sowie in Stahl ist eine eradezu kolossale Ueber- produktion Vorhanden, und am Kupfermarkt md die Verbältniffe eben auch nicht erbaulich.

Dortmund, 29. Mai. (W. T. B.) Di? Mitglieder 778 General-Strike-Comités haben heute laut Mittbsilung dec .RHein.-Westf. Ztg.“ erklärt, daß sie am 31. d.M. die Arbsit wieder aufnehmen, da die Bochumer Dclegirtenversammkung die Mehrheit nicht Hinter fick) gehabt habe. _ Heute find im Ober-Bergamtsbézirk Dortmund 78 994 Bergleute angefahren. 7207 Doppelwaggon Kthe und Koks s'md beladen und abgefahren worden.

Wien, 29. Mai. (W. T. B.) Die Generalrersammlung der Südbahn genehmigte heute den Rechenschaftsbericht, nahm dieVor- 1chläge bezüglich der Verwendung des Reingewinnes an und ermäch- tigte den Verwaltungöratk), mit der Regierung ein endgültigcs Abkommen wegen Verkaufs des geseUsÖafflichen Antheils an der Wiener Verbindungsbabn herbeizuführen Die aus dem Aufficbtsrathe ausscheidenden Verwaltungßrätbe Graf BombeÜes, Hopfen, Meret), Baron Alfons von Rotbschild wurden wiedergewählt. Jm Anschlusse an den Bericht verlas der Präfident eine Erklärung, in rvelcher die von dem Abgeordneten Steinwender anläßlich der Budgetdebafte vom 10. d. M. beantragten zwsiResolutionen eingehend bekämpft bezw. widerlegt wurden.

_ 31. Mai. (W. T. V.) Aqueis der Südbahn vom “21. bis 27. Mai: 831621 Fl., Mebreinnahme 47 108 Fl. _

Prag, 30. Mai. (W. T. B.) Die Generalvecsammlung dsr Böhmischen Nordbahn unter Vorsitz des Präfidenten Schmeykal, in Welcher 36 Aktionäre mit 169 Stimmen Vkrtreten waren, besch1oß _die Vertheilung einer Dividendc von 70/0, sowie einer Tantiéme von 25 054 F1. an dcn Verwaltungsratb. 111341 Fl. werden auf neue Rechnung Vorgetragkn. Die ausscheidendcn Verwaltungsräthe Wurden wiedergewählt. _ _

London, 30. Ykai. (W. T. B.) An der Küste 2 Weizen- ladungewangedoten, _

Bradford, 30. Mai. (W. T, B.) In Wokle_gute§ (Ge- schäft, anziebknd, Garne tb-kurer, in Stoffen gutes Ge1chäft.

St. Petersburg, 31. Mai. (W. T. B.) Die Von dem Finanz-Ministcr erlaffsne Kundmachung, bctrcffend die Kündi- 0ung zur Rückzahlung der noch im Umlauf beßndlickxn Obligationen der 50/0igen konfolidirten Anleihen von 1870, 1872, 1873 und 1884, hat folgenden Wortlaut:

„Jn Ausführung des AÜerböÖsten Ukases an den Finanz- Minister Vom 26. April 1889 bringt der Finanz=Minister Folgendes zur allgemeinen Kenntniß:

Die im Umlauf befindlichkn, bis je t noch nicht zur Rückzahlung verloosten, oder auf Grund der A(lerhö sten Ukase vom 20. Februar und 26. April 1889 noch nicht konvertirten 59/0 konsolidirten Obli- gationen der rusfisckyen Eisenbahnen werden hiermit zur Rückzahlung gekündigt und zwar: die erste Emisfion per 20. Auaust/1.September 1889, die dritte Emisfion per 19. Skptember/1.0ktober 1889, die vicrtc Emission Per 3. Okwbsr/15. Oktober 1889. Die Verzinsung dieser Obligationen hört demgemäß mit den obenanZTfüHrten Daten auf. Von denselben Tagen an beginnt die haare ückzahlung des Nominalbetrages der genannten Obligationen:

Zn Rußland bei der Staatsbank, bei der St. Pejersburger Diskonw-Bank, bei der St. Petersburger Internationalen Handelsdank in St. Petersburg.

Jm Auslande:

In Frankreich bei den Herren de Rothschild kkÖkSJ in Paris Und bei den von denselben bezeichneten Bankbäuseén. _ _

In Deutschland bci Herrn S.Wleichröder und der Direktion der Diskonfo-Geseüschaft in Berlin, bei den Herren M. A. von Rothschild u. Söhne in Frankfurt a. M, sowie bei den von diesen Firmen bc- zeichncten Zahlstellen. _

In England bei Hkrrcn N. M. Rotb1chjld 11. SMS in London.

In Amsterdam, Brösel und New- drk bei den von Herren de Rotbscbild frérss in Paris bezeichneten 5 ankbäusern. _

D'e Rückzahlung der bezeichneten Obligationen findst statt 111 London zum Ncnnwcrtb 111 Pfund Sterling und an 011211 andcren 5Ylätzen zum Gegenwertb des Nominalbetrages in _den betreffenden Landeßmünzen zu dem offiziell notirten Vistacours aus London.

Die zur Rückzahlung vorgestcÜten Obligationen müssen mtt allen folgendem Coupons vers_ebcn sem: _

Für die erste Emiffion mit allen nach dem 20. Jul: 1. August 1889 fälligen Coupons, für die dritte Emisswn mrt al1en nach dem 19. Septembsr/l. Oktober 1889 fäÜigen Coupons, für die vierte Cmisfion mit allen nach dem 20Mai/1 Juni1889 fäUigen (Coupons.

Jm entgegkngescyten Fall wird der Betrag der fehlenden Coupons von der Kapitalsumme in 21131111 gcbracht. Gleichzeitig mit der 2128- zablung des Kapitals crfolxzt bei oben genannten Sthen dxe Zakylumg der bis zu oben angeführten Daten aufgelaufenen Zimen.

Die Zahlung dieser Zinsen erfolgt in den betreffenden Landes- münzen zu denselben Rechnungsverhältniffen wie die AuEzahlung des Kapitals der Obligationen. _ _

Die Inhaber der 5prozcnt. konsolidirten Eisenbabn-Obltgatwncn werden aufgefordert, am Kapital und Zinsen ihrer Stücke obne Auf- schub von oben angeführten Daten an zu erheben. ibre Titres,_Bebufs Prüfung der vorgestellten Obligationen, Verificirung dcr Stuck.- mit den Ziebunaslisten, Kontrolc der Coupons u. s. w. bet den_ oben be- zeichneten St'eüen spätestens fünfzehn Tage vor den für Ruckzablung dcr resp. Cmisfioncn durch die „egenwärtige Kundmachung festgesetzten Terminen einzureichen.“

Submissionen im Außlaude.

Italien.

1) 11. Juni. Spezia. 01163. 0086112. 1187. 11. Uaz'jna: Tuchstoffmanschetten für Pumpen. Voranscblg 40 080 Lare;

2) 12. Juni. Genua. R. 1701189019 (Kgl. Gre erer): Kupfer in Stangen 13 600 kg. Voranschlag 30600 Lire.

3) 12. Juni. Pisa. krefettnra: Lederbedarf für die Werk- statt der Strafanstalt in Voltekia. Voranschlag 513525 Ltre.

4) 18. Juni, Spezia. 01192. armam. 113111111111: Zeltlein- wand und Hanf-Segeltuch. Voranschlag 98110 und 488959, zusammen 587 069 Lite.

5) 18. Juni. Spezia. Virss. (30811117. 1187. K.Uar1m;: Blei in Platten, Röhren und Broden. Voranschlag 51939 Lire.

6) 18. Juni. Svczia. ])11'82. 003151112. 1187. 3. 111111113: Weißes gekrämpelies Wcrg 130500 kg. Voranschlag 78 300 Lire.

7) 19. Juni, ebendort: Pitcv-pine-Hölzer in Balken verschiedener Größe, Voranschlag 177 500 Lire.

8) 21.Juni, cbcndort: Droguen, Farben u.A. a.. Drogucn

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