1868 / 294 p. 6 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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Landesthcile, einschließlich des Geldwerthes der Freiholzahgabcn, in Vergleich stellt mit dem Bruttocrtrag der alten Lgndcsihcilx, jyclciie ähnliche Forftkultur-Verhältnisse liabcn._ Ick, meme dic PkOVlUch Rhein, Westfalen und Sachsen. Daraus rrgieth fich nun, daß drr vorliegende Etat für die neuen Landesibcilc eiiien Bruttocrtmg rn Aussicht stellt von 55 Sgr., während in den bezeichneten altananchs- theilen dcr Bruttoertrag im Iahrc1866 59 Sgr. bctragcn hat. Auch dicse Uebereinstimmung der Zahlen deutet wohl daraufhin, d&ß die Ansätze des Etats für die ncuananchhcilealL anrcmcffcnc betrachtet werden können. Für die neuen Lanchthcilc ist aller ings dcr Rcingrtrqg ein sehr br- schränktcr, er ist um 1,9 Sgr. geringer, als durch1chmttlich fiir die übrige Gesammtmonarchic, und er ist sogar nm 12 Sgr. geringer, als in den zur Vergleichung geeigneten Westlichen Provinzen, Rhein, West- falen und Sachsen. Meine Herren, dicser geringe Rcincrtrag der Staatsforßrn in den neuen LandcÖthcilcn ist eine Folge einerseits der dort allerdings noch sehr hohen Qldministrationskostcxi, andererseits haupt- sächlich abcr ist er eine Folge des Umstandes, da!; die Forsten in den neuen Landestheilen noch ganz außerordcntlich mit Servituten Und Freiholzabgabcn belastet find, Von welchem Belange dies ist,. werden Sie, meine Herren, crmcffcn, wenn ich erwähne, daß allciii 1111 han- noverschen Harz durch Freivolzabgaben dcr Staatskasse ein Verlust erwächst von 340,000 Thlr., daß ferner im Regierungsbezirk Cassel auf Grund eines dort bestehendcn besonderen (Hcscßcs iibcr dic Verwerthung dcr. Waldprodukte der größte Theil des Holzein- schlagcs nach geseylich festgestellten Taxen aus freier Hand wcggcgcbcn Werden muß,“ ferner daß im Regierungsbezirk Caffel circa 15 PCt. dcr gesammten Staatsforsten aus sogenannten Halbengcbrauchswaldun- gen besteht, aus Welchen nach Abzug der den Berechtigten zustehenden Bezüge wenig oder gar kcin Rcincrirag übrig bleibt. Diese auch volkswirthschaftlich schr ungünstigen Verhältnisse zu beseitigen, ist die StaatSrcgierung eifrig bemüht. Es liegt aber in der Natur der Sache, daß damit nur langsam vorgegangen werdcn kann, und wir Werden uns bis dahin, wo die Purifikation der dortigen Waldungen erreicht sein wird, mit geringeren Rcincrträgcn begnügen müssen. Meine Herren, Wenn in der Presse und namentlich in österreichi- schen Blättern, neuerdings die tendenziöseBehauptung verbreitet wor- den ist, daß die preußische Forstverwaltung nicht mehr nachhaltig wirth- schafte, sondern, um nur vich'cld zu beschaffen, iibcrmäßig viel Holz schlage, so halte ich mich verpflichtet, Ihnen die beruhigende Versiche- rung zu geben und hier öffentlich zu erklären, daß diese Behauptung durchaus unwahr ist. Meine Herren, es gehört eine große Portion Unwissenheit oder Böswilligkcit, vielleicht auch Neid dazu, wcnn man daraus, daß die Einnahme für Holz in den preußiichc11Staatsforsten seit dem Jahre 1849 bis 1865 von 4Y auf 915 Millionen Thaler gc- sticgen sind, deduzircu will, dies könne nicht mit rechten Dingen zu-

gehen und könne nur durch cineRaubwirihichaft erreicht Werden. Nein, meine .Herren, es ist Das die naturgemäße Folge eines intelligenten Wirthschaftsbetriebes und einer günstigen Entwickelung der forstwirth- schaftlichenErtragSverhältniffc überhaupt. Ein ganz ähnliches Steigen, wie es bei uns statt efunden, hat in allen übrigen deutschen Staaten mit fleißiger und mtclligcnter Jorftwirtbschaft auch ßattgefundcn Bei uns beträgt das Steigen von 1849 bis 1865 107 Prozent,

in Bayern beträgt es für denselben Zeitraum 102 Prozent und_ jene 107 pCt. lassen fich auch rcchnungsmäßig ganz genau nach- Wcijen. Sie sind herbeigeführt crstens durch die sorgfältigcrc Yus- nußung und Vchcrthung dcr Hölzer, durch die Verbesserung der Tranqurtmittcl mittelst Eisenbahnen, Chqussccn, chebautcn und die Eröffnung neuer Wasserstraßen, namentlich in Preußen und durch die steigenden Hoizprcise und erhöhte Nußbolzfonsumtion im Allge- meinen. Der Effekt dieser verschiedenen Momente, meine Herren, stellt sich dar in einem Steigen dcr Nußholzquotcn in dem angegebenen Zcitraumc von 21 bis 31 pCt. und in dem Steigen dcr durchschnittlichcn Verwerihungsprcisc für den Kubikfuß Dcrbholz von 1,3 auf 2,2 Sgr. „Hierdurch, meine Herren, haben wir schoneinen Zuwachs von 70 pCt. *Das Steigen ist ferner herbeigeführt durch den Vcrbcfferten Zustand der Waldungen überhaupt, durch den intensiveren Kulturbetrieb und durch die Verbesserung und Erhöhung des Ertragswermögcns dcr Forsten. Durch die Taxationßrcvifion ist ermittelt, daß hierauf 18 pCt. Stei- rerung zu rechnen sind. Es ist diese drittens herbeigeführt durch die ?ortschrcitcnde Ablösung der Jorstservitute und namentlich der Frei- holzbcrccbnungcn. Wir haben, meine Herren, von 1849 bis 1865 auf die Ablösung von Forstservituten, namentlich Freiholzbcrechtigungen, ein Werthkapital von 10,000,000 Thlr. verwendet.

Die Zinsen dicses Kapitals ergeben ein Steigen von 19 pCt. Diese 19, 18 und 70 pCt. stellen genau jene 107 pCt. dar. McincHerrcn, dcr Holzeinschlag in den preußischen Staatsforsten bewegt sich seit einer leihe von Jahren zwischen 14 und 15“; Kubiksuß jährlicher durch- schnittlichcr Abnußung pr0 Morgen Holzboden. Wie mäßig das ist, meine Herren, werden Sie daraus“ ermessen, daß nach den sehr mäßigen Ertragstafeln von Pfeil bei den gewöhnlichen Umtricbszcitcn auf einem Boden, Welcher in der Mitte steht zwischen den beiden schlech- testen Boden, der ]äl)rlichc DurchschnittszuwacHs 10 Morgen für Kiefern 15, für Buchen 19 und fiir Fichten 32 Kubikfuß beträgt, der Durchschnitt dicser drei wichtigsten, Holzarten ist also 22 Kubikfuß. Wenn wir nun blos 14 bis 15"; Kubiffuß abnußen, so ernten Wir damit sehr mäßig, und find mit dieser Abnußung auch noch erheblich hinter der Abnutzung zurückgeblieben, die in andern Staaten |attge- funden hat. So hat dieselbe beispielsweiseim ahrc 1865 betragen im vormaligen Königreich Hannover 22'5 Kubik uß, in Bayern 23, in Sachsen 33.

_Mcine Herren! Ich gebe Ihnen die Versicherung und verbürge mich dafür, daß in dcrAbnußung der preußischen Staatsforsten die Grenze der unbedingten Nachhaltigkeit, so lange ich die Ehre habe, der tcchxnschcn Leitun der Verwaltung vorzustchcn, Weder biShcr je über- schritten worden ist, noch künftig ]e überschritten werden Wird.

-* Zu dem Etat für dre Verwaltun , der geistlichen 2c. Angelegenheiten ab" der eheime Ober-ReW rungs-Rath 131“. Kncrk folgende rlauterungen:

Meine Herren! Dcr Ihnen vorliegende Etat des KUltus-Minjße. riums Weist bei den Einnahmen cm auf _Seite 12 speziell erläutertes Mehr von 810 Thlr. nach. Derselbe ergiebt ferner, daß es Möglich gewesen ist, zu neuen 10rtdaucrnden Ausgaben die Summe von 234,663 Thlr. zu übernehmen. Es „Vcrmmdcrt sich solche um 1000 Thaler, welche zur Erhöhung der Besoldutigen des Unter-Staats-Sefrc- tärs und dcs Präfidcntm des Evangelischen Obcr-Kirchen-Rathsjn Ansatz gebracht waren, nach dem Beschlussc dcs Stqats-Ministeriums aber wieder abzuscßcn_find,'_ ferner steht derselben ein Ersparniß von 9731 Thlr. acgcni'tbcr, 10 daß die „Staatskasse nur mit einer Mehraus. gabe von 223,932 Jblr. belastet Wird. 2131 der chert genannten Sanum smd mit wenigen Ausnahmen samxiitltchc Zweige der Verwaltung des Kultus - Ministeriuiils bcthctltgt. Ich darf mich Wohl Ihrer Zustimmung, meme Herren , erfreuen, wenn ich es untcrlassr, Ihnen in Zahle]; vorzufuhrcn, wclche Beträge den einzelnen Titeln zugewresen imd, „da" der Etat und die demselben beigefügter: speziellen Nackzweisungcn hierubcr genaue Auskunft eben, Hervorzuheben erlaube ich mir nur, daß zur VcrbxsscrunZlder * esol. Ommen dcr Universitätslehrer 10,000 Thlr., zur weiteren 5 ussührUng des Normal-Besoldungscfats für die Direktoren und Lehrer an den Gymnasien landesherrlichen Patronats 10,000 Thlr., zur Verbesserung des Diensteinkommxns dcr Elctirciitaricl)rcr 100,000 Thlr., zur An- stellung von zivci Lehrern der Landwwthschast an den Univcrfitätcn Königsberg und Breölau 2400 Thlr. und zur Rror anisation des H,)Tcdizinalwcsens in dcr ProvmzNaffau 7220 Thlr. 1115 nsaß gebracht ivordcn sind. Ich thuc dies besonders dcsvalb, um „den Be1vcis zu liefern, daß das Kultus-Miniftcrium bemüht Zewestn rst, den von dem Hohen Hause bei der EtatSbcrathung pro 18 8 gcfaßircn Beschiiiffen so weit als irgend thunlich Rechnung zu tragen. Sqmmtliche Mehr. ausgaben sind in der Anlage 11. spezich erlautert, ich beziehe mich, um Wiederholungen zu vermeiden, aus diese Erlautcrungen und be- halxc mir vor, dieselben bei der Spezialbcrathung auf Verlangen zu eroanzcn.

ck Zum Bedauern der Regierung habe-n in Folge 79er allgemeinen Finanzlage vieleBedürfgiffe auf drm (Hebtrtc der Unterrichtsverwaltung unbefrtcdigt bleiben münen, und dre Beschlusse des Hohen Hauses wegen Erhöhung der Dotationcn für. die Akademie der Wissenschaften und für die hiesige Königliche Bibliothek nicht zur Ausfuhrung gebracht Werden können,

Dem Extraordinarium smd nur 476,520 Thlr., mithin egen den Etat Von 1868 222,684 Thlr. Weniger zugewiesen worden. n Folge dessen hat man sich darauf beschränken müffen, zur Fortseßung der von dem Hause bereits genehmigten und. in Angriff genommenen Bauten mäßige Beträge zum Ansaß zu bringen, dagegen zum großen Bedauern der Regierung, mit wenigen Ausnahmen, 79.9!) per_Erbit- tung erster Bauarten für Neubauten bei den Universitatsmßttuten, Gymnafien und Seminarien ganz zu abstralxiren.

In der Hoffnung, daß der Etat pro 1870 der Unterrichtsvcrwal- tung die zur Befriedigung der vorliegenden dringenden Bedürfnisse erforderlichen Mittel wird gewähren können, soll die unauSgcseßte Sorge darauf gerichtet sein, aUe Vorbereitungen so zu treffen, daß mit der Ausführung der Bauten nach der Feststellung des Etats pro 1870 unvechilt vorgegangen werden kann.

- Der Minificr der geistlichen 2c. Angelegenheiten Dr. von Müh ler erwiderte dem Abg. Richter (Sangerhausen) Folgendes:

Der Herr Abgeordnete hat Veranlassung genommen, der der Einleitungßdebatte iiber das Budget des mir anvertrauten Ministeriums cinen Ueberblick iiber das System zu gehen- nach welchem die Verwaltung dieses Ministeriums nach seiner Ansicht geleitet wird. Er hat diesen Ueberblick über die ver- ichiedrnen Gebiete und chige derselben hin geführt,. Ich MAL ihm auf diesem Gange in derselben Rcihenfol c, die xr quge“ fteUt hat, und fasse zuerst die Verhältnisse ins» uge, dre iich m Beziehung auf die evangelische Kirche ihm dargeboten habet). Den Schlüssel zu der Verwaltung, welcher vorzusehen ich die Ehre habe, hat er in einer Auffaffung zu finden geglaubt, oder in meinem System, welches den Grundsäizen ,der Selbstver- waltnng auf diesem Gebiete durchaus zuwider set, welches Alles nur von oben her, von einem Punkte aus, regglircn und be- herrschen wolle und der Freiheit der Entwrck'elrxng- ivo sie sich rege, Schranken entgegenseye. Ick kamr chin dies seine Behauptung eben so wenig zugeben , wle W die Beweise , die er dafür anführt, als richtig und stringent aper- kennen kann. Wenn er zurückblickt auf Momente memxr eigenen Vergangenheit, so hätte er wohl auch , insofern ex sl eben mit der Person beschäftigt, auf öffentliche ManifestUUone." auf dem Gebiete der Literatur zurückgehen können, die von mir artsgcgangen sind, und in denen ich gerade für den Versteh W evangelischen Kirche und der evangelisckyen Kirchenverfaffung in einer umfassenderen wissenschaftlichen ArbeirdeixGrrmdsktß Une? synodalen Entwickelung als eine Nothwendigkeit fur die evan- gelische Kirche unseres Vaterlandes anerkannt hahe. ,- SW." dazumal -* es ist vor 22 Jahren gewesen, - bm 1ch „_an dl? Wege hinzuweisen bemüht gewesen, wre diesem Ziele pavcr ge treten werden könne. Es ist richtig , daß 1ch,vor_ zwet Jahren, als hier über das Budget des diesseitigen thfteriunis vergib?" wurde, sagte, daß ich das als eme Wohlthat, die meMm

des Ministeriums

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',j erium zu Theil_ geworden sei, anerkenne , daß 1“ Mjerftihm die Kirche 111 Frrcderr habe weiterbauen könnscié Wenn nun abrr m „leßtercr Zeit eine „größere Unruhe auf diesem Gebiete stch„gczetgt hat, so„kan_n ich das doch nicht als ein Unglück und emen Scheiden fur die Sache ansehen. Denn die Bewegung hat ihr Gritcs und c'hen aus der Bewegung und dem Kampfe - davon hm ich fest uberzcugt - wird sich gerade ür unsere evangxnsryc Kirchcheles und Gutes entwickeln, und ich bin nicht derjenige, der die Bewegung und den Kampf cheuk, wenn er gehoren wird; Aber wexm man mir den Vor- wurf macht, daß m den zwei Jahre:], die rückwärts liegen, die Entwickelung dcr synodalcirVrrfasmng auf dem kirchlichen Gebiete keine wettcreii J'Pfichrlf'tc gemacht habe, so ist das ein Vorwurf, dcn. 1ch fur, meme Person nicht annehmen kann. Es liegt dieseEntrvickelung nicht in meiner Hand, ich habe nach der bestehenden Verfassung dabei nur ein beglei- tendes Votum, dergestalt, daß ich diirch meinen Einspruch zwar bis zu eineni gewrffe11_Grade Schritte hindern kann, aber ich habe nicht die thmnpe. „Allerdings wäre es mein lebhafter Wunsch gewesen, daß ,in diesen zwei Jahren die Entwickelung des synodalcnWesens'm'unicrcn alien Provinzen jedenfalls bis zur Stufe der, Provmzraliynodc zur Außfiihrung gekommen wäre. De_nn ich halte dafiir rmd spreche es ganz offen aus, daß die Bildung einer evangelischen Provinzialsyuodc in unse- ren östlichen Promnzxn - die westlichen besitzen eine solche - das nächste und dringendste Bedürfnis; und die uncrläßliche Aufgabe unserer Ktrchcnentwickelung ist , und daß , was in mcincn_ Kräften steht, um dieses Ziel zu crrcicbrn, - UNd zwar in cher Weise), die kein bloßer Schein ist, sondern der Synode emrn Wirklichen chräjentativcharaktcr verleiht - ich es daran mcht werde fehlen laßen.

Gehe ich von da iibcr _an das, was in den neuen Pro- vinzen geschehen, so" smd in der so cbrn gehaltenen Rede mir zwei Propmzcir erwahnt, Hessen und Hannover, beide nicht in dem richtigen Lichte. In Hannover fand die preußische Regie- rung, als'das Land unter ihreLeitung kam, ein Grieß vor, wel- ches die Bildung von Kirchenvorständen, von Bezirksiynoden und demnächst ciner Landessynode vorschrieb. Zur Aitsführmig gebracht war in dem Augenblicke, wo die preußische Regierung eintrat, nur die Bildung der Kirchenvorstände. Gleich in den ersten Wochen, nachdcm das Land preußisch geworden, ist es geschehen, daß das preußische Gouvernement , diis Ministerium, dem ich vorstehe, nach Hannover bin ganz bestimmte Anweisungen er- ließ, daß mit der Bildung von Bezirkssynoden und demnächst der Landessynode unverzüglich vorgcgmigen werde, und es ist von da an in kurzen Terminen der. Fortschritt der Sache genau kontrolirt und gefördert worden, in aller und jeder Weise, Die Schwierigkeit der Durchfiihrung lag auf dem Gebiete der Administration. Die Abgrenzring der alten Superintendcnturbezirkc im vormaligen Königreich Han- nover beruhte nämlich zu einem großen Theile auf ganz alten historischen Entstehungsgriindcn,“ es fanden sich „Stellen vor, wo ein Synodalbezirk in zwei oder drei von einander raumlich getrennte, wie Inseln zerstreut beleacncn Stiicke zerriiicn war, während die dazwischen liegenden Stücke wieder andern ange-

" hörten. Daß eine solche territoriale Zersplitterung nicht eine rich-

tichafis darbietcn konnte,nm einer in sich koniolidirteu Syno- dalverfaffung zum Unterbau zu dienen, war offenbar, es mußte 490, wenn man die Bildung von Bezirkswnoden so 1116 Leben fuhren woklte, daß darin eine dauernde Grundlage geschaffen wurde, eine Artsgleichung dieser Unzuträglichkeiten eintreten, _dic zum Theil nicht ohne langwierige Verhandlungen, auch nicht ohne Aufwendungen aus dcn zur Verfügung der, Regierung stehenden Mitteln hat geschehen können. Erst auf diesem Wege 1|cs möglich geworden, daß in dem chcnwärtigen Momente) VM hundert und einigen Synoden der 51.rovinz„Hannover JWLl Drittel bereits zusammengetreten und in Uebung sind, das leyte Drittel in der ersten Hälfte des kommenden Jahres zusammen- treten wird, und der Zuiammentritt der Landessynode, rvie rmr voii „den Behörden jeyt berichtet und versichert worden ist, mit Sicherheit im Herbste des bevorstehenden Jahres erwartet werder) kann. „ck bin den Kirchcnbchördcn in Hannover das Zeugniß „schul- NJ, daß fie in dem Fortgange dieser Angelegenheit Mit der Lkößten Gewiffenhaftigkcit zu Werke gegangcn_iind und den 1hnen ertheilten Anweisungen genau Folge geleistet herben,“ ui) hab? nie wahrzunehmen Gelegenheit gehabt, daß sie nut hinter- bgltigen Gedanken die Artsführu11g_der Synodalordzmng zu bmtertrciben bemüht gewesen seien, vielmehr muß ich ihnen das Gegentheil bezeugen.

Wenn der Herr Abgeordnete auf Berufungen, die in der Provinz Hannover stattgefunden haben, Bezug nimmt, so ge- Üehe 1ch, ich weiß nicht, welche er damit meint,“ es, havenrcme Vekaungen stattgefunden in dem Sinne, den er hier bezeichnxt

, Förderungen einer preußenfeindlichen Gesinnung, Mtr wird so eben der Ober-Konsiftorial-Nath Ahlhorn genannt. Der

Ober-Konsistqrial-Rath Uhlhorn hat unter der preußischen Regierung keine neue Stellung erhalten, er ist nur in dcmcmgrn Sicilungcn verblieben, die ihm bereits unter dem _fruhcren Gouvernement überwiesen waren. Er ist Mitglied des Lanchkonstftoriums und des Konsistoriums m quwvcr gewesen, noch che die preußische Regie- rung 1!) Funktion trat, und in dieser Stellung ist er noch gegenwartig.

Was die Fonds anlangt, auf welche der Herr Abgeordnete Bezug genqmmen hat, welche sich in unserem Etat aufgeführt finden, so ftn„d _dteirlben wohl, zum größten Theil - ich glaube, wemr man _ste 1pczrel1 durcbgmge, würde es fast von allen nach- zywctsen 'scm -- m ckan Verwendungen io bestimmt, daß zu einer frcicrcn und selbstständigen Disposition über dieselben durch andere Organe kaum noch ein Raum Übri bleiben möchte. Ich kann (“i_ber „versichern, daß prinzipiell ganz rind gar kcm Grund fur die Staatsregierung vorhanden ist, cmcr Sr)nodalvxrwaltiiiig, wenn sie sich erst entwickelt haben Wird, auch aus den dcr Staatsregierung zu Gebote stehenden Mitteln fur die den Synoden zuständigen Gebiete das Ent-

sprechrndc vyrzuenthalten,“ ein prinzipieiler Grund besteht dem gegenuber mcht.

_ Ich gehe v_on Hannover _i'iber zu Hessen Und antiipire vielleicht, wem] lch schon ]th einige Worte Über die Propoiition der Staatsregierung sage, wclche darauf hinausgeht, für die Bildung eines Gesammtkonfistorimns in Marburg die ent- iPrccbendrnMittxivonScitcn der Landesvertretung zu erhalten. In drr Provmz_Hesxcn waren es drei Konsistorisn, welche die Re- gicrxtxrg vorsmid, emos m Cassel, eines in Marburg und eines in „Hanau. Die Bestellung dieser drei Konsistorien hatte ihren Grurcd m d'en Verwaltrmgseinrichtungen, welche die kurhesft'scbe chtcrung tm thrc 1821 hatte ins Leben treten lassen. waren damals mer Regierungen in Heffen geschaffen worden unh da die eme diescr Regierungen, die in Fulda, nur eine geringe Zahl von cvaxigclischcn'Bewohnern in ihremVezirke hatte, so hatte man sich auf die drei Konsistorien in Hanau, Marburg und Cassel beschränkt und diese an die dort O_orhandencn Regierungen angelehnt. Mit dem Wegfall dieser drei Regierungetz mid der Einrichtung eines Geiammt- Regierungskollcgmms für „Hessen hat auch die Möglichkeit auf- gehört, d_1cie drei Konsistoricn bestehen zu lassen, es blieb nur ubrtg, etn Konsistorium an deren Stelle zu seizen. Die Wahl des Ortes Marburg hat wesentlich darauf beruht, das; in der Zeit, 111 weicher Hcvsirn noch eine einheitliche kirchliche Gestaltung hgttc, che dl? Schxrdung ir) Rcforinirte und Lutherische eintrat, die, sich erst 111 spaterer Zett vollzog, Heffen in Marburg seinen Mixttclpimkt hatte, daß Marburg die älteste protestantische Umvcrfität m Drutschland ist, daß die Zusammen- schmg der „Fakultät die Garantie bot zu einer gesun- deii und kcmcswcgs einseitigen tei1denziösen Entwickelung, wre das Gcgenthcil irrigcrweise von dem Herrn Vorredner vor- ausgcscßt worden ist. Es trat noch das Moment hinzu, daß von den vorhandenen Konsistorien das in Hanau namentlich den Wunsch hatte, Marburg möge als Mittelpunkt gewählt werden, weil es räumlich am meisten in der Mitte des Landes liegt, und endlich ist auch das Motiv noch von der Staats- regierung nicht ganz außer Ach gcias1cii, daß dieselbe, ihrer ursprünglichen Ansicht niich, fiir die ganze Provinz Naffau- Hessen cin Gciammtkonsiitormm gewünscht hatte, und daß sie erst später von diesem Plan („mt abgeben müssen, weil die Verschiedenheit von Naffau cixicrieits und Hessen andererseits eine zu große war, als daß eine Zu]atmnenschmelzung dieser beiden Be.- |a11dthcilc in dem kurzen Llcbcrgaiigstermin von Einem Jahre, in dem die Regierung frei walten konnte, sich hätte bewirken lassen. Sobald das (Hesammtkonsistforium in Marburg ins Leben getreten sein wird, wird es die erste Aufgabe deffelbcn sein -'- und die Vorbcrcitungcn sind bereits in dieser Beziehung ge.- troffcn - auch fiir Heffen die Einrichtung einer Synodak- ordnung herbeizuführen.

Zn Naffau und in dem ganzen Bezirke dcs Konsistoriums von Wieslnrden sind die nöthigen Schritte dazu bereits geschehen, das Konsistorium zu Wiesbaden hat eine PreSbytcrialordnung, in Anlehnung an die Bestimmungen der rheinisch-weftfälischeu Kirchenordnung, entworfen, es hat zu deren weiteren Durch- fiihrung die Genehmigung der Regierung erhalten, und dieser Entwurf wird cht an die Kirckycnvyrstände in Nassau gehen, um, von diesen [»cgutachtei, drmnächst ms Leben geführt zu werden. - In gleicher Weise smd Aufträge an das Konsisto- rium in Kiel ergangen, welches ebenfalls für Schleßwig-Holftein die weitern Schritte zu thun beauftragt ist, Um eme presbyteriale und demnächst eine iynodale “Ordnung für dies? Provinz ms Leben zu führen. Ich führe diese Tha'tiachen als" Belege an, daß die Königliche Staatsregierung wert entfernt davon ist, einer selbstständigen Entwickelung, der evangelischen Kirche in den ihr neu zugefallenen Landesthetlen entgegentreten zu onen , daß

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