des Blattes, an welcher Genion, in durchstchti e farbige Schleier gehüllt, den Gesang zu der ernsten eier an- zuftimmen scheinen. Es folgt der Ball im Grottensaal des Neuen Palais, deffen Gestein, Erzskufen, Krystalle und Muschelwerk im Glanz von tausend Kerzen schimmert, die fried- liche Quadrille. Kleine Genien, auf den phantastischen Felszacken der Umrahmung stehend, scheinen mit großen Fächern Kühlung in den Raum zu wehen. Das Bild der Vertheilung der Ritter- preise durch »Prinzesfin Vlancheflour- (neben der sich gls Fürst- licher Beistand Prinz Friedrich der Niederlande befindet) an die vor ihr aufs Knie gesunkenen Kavaliere, umgeben von den andern Herrschaften, umrahmt von dunkeln Orangen- bäumen, in deren Zweigen die vom Dienst dieser Tage cr- matteten Genien schlummernd fich wiegen und ausruhen, schließt diese Bilderfolge.
Iulius Heinrick) Gerhard.
Der jüngst verstorbene Geheime Obcr-Regicrungs-Rath Gerhard wird innerhalb der preußischen VcrwaltungSkreise sowohl durch die Ehrenhaftigkeit seines Charakters und Wirkens, wie auc!) durch seine Betheiligung an der wichtigen Reform der. Strafanstalten in gcachtetcm Andenken bleiben.
Derselbe war am 25. Juni 1808 in Breslau geboren als der zweite Sohn des damaligen Diakonus, späteren &;wa ])rimarjUZ an der Hauptpfarrkirche zu St. Elisabeth, Carl Theodor Gkrhard. Er erhielt im väterlichen Hause und im Gym- 11asium zu St. Elisabeth eine sorgfältigeErziebung. JmMärz 1827 machte er das Abiturientencxamen nnd studirte dann in Breslau, Heidelberg und Berlin Jura und Kameralia. Nach bestandener erster juristischer Prüfung wurde er 1830 Auskultatdr beim Ober-Landcsgericht zu Breslau, im folgenden Jahre Referen- darius bei der dortigen Regierung. Im Jahre 1837 wurde er aztf Grund der bestandenen Prüfung zum Regierungs- Affeswr ernannt und zunächst der Regierung zu Arnsberg, im Jahre 1840 auf seinen Wunsch der Regierung zu Liegnixz Üderwicsen, wo ihm unter dem Präsidium des Grafen zu Stolberg volle Anerkennung in Bezug auf sciUc geschäftliche Tüchtigkeit zu Theil wurde. Bei seiner Ernennung zum Re: gierungs-Rathc im Jahre 1844 wurde er in Uebereinstimmung mit seinen Wünschen an die Regierung zu Merseburg ver- seßt. Der damalige Präsident von Krosigk, jüngst sechszigjähriger Jubilar, hieß den neuen Rath herzlich willkommen und schrieb :ihm: Das Kollegium werde ihn bei dem persönlichen und geschäftlichen Rufe, der ihm vorhergehe, mit offenen Armen aufnehmen. Die- Erwartungen , welche Gerhard an den Aufenthalt in Merseburg geknüpft hatte, erfüllten sich in jeder Beziehung: er fand nach verschiedenen Richtungen eine erwünschte und erfolgreiche Wirksamkeit und gleichzeitig reiche BefriediYung in einem lebhaften persönlichen Verkehr, in welchem er den rund zu vielfachen vertraulichen Beziehungen legte, die er seitdem stets aufrecht erhielt, u. A. auch mit seinem spä- teren Mimster Grafen zu Eulenburg. In Merseburg knüpfte er auch den Bund mit seiner ersten Gattin, einer Tochter des Regierungs-Rach a, D. Rittergutsbesißers Schönwald auf Adendorf. Der Eifer und die Tüchtigkeit, welche Gerhard in seiner amtlichen Wirksamkeit, na- mentlich auch in .der Verwaltung des Dezernats der Strafanstalten bewährt hatte, veranlaßten im Jahre 1854 seme Berufung in das Ministerium des Innern, in welchem damals tief greifende Veränderungen im Strafanstaltswesen xmgeführt werden sollten. Es war die Zeit, wo nach lang- ]ährigen vorbereitenden Anregungen und Erwägun en die Pläne König Friedrich Wilhelms 117. in Bezug au? die Einfüh- rung der Einzelhaft in die preußischen Gefängnisse der Verwirklichung zugeführt werden sollten. Gerhards Beru- fung traf in die Periode der legten Entschließungen innerhalb der höheren Verwaltungssphären über die Modalitäten, unter welchen die Einzelhaft mit den bisherigen preußischen Einrich- tungen zu verbinden sei, Die Einführung selbst war im Prinzip bereits entschieden, aber es kam darauf an, die Durch- führung des Systems soviel als möglich mit den sonstigen Traditionen der preußischen Gefängnißvxrwaltung ins Gleich- ?enucht zu seyen. In dieser Beziehung stel Gerhard cine Wirk- amkeit zu, für deren gewissenhafte und erfolgreiche Durchführung ihm nicht genug Anerkennung gewidmet werden kann. Er hatte bis dahin mit seiner persön- l1chen Auffassung dem System der Einzelhaft „nicht nahe gestanden,“ während aber das nähere praktische Eingehen ayf die Zustände und Ergebnisse von Anstalten, in welchen die Einzelhaft c'mgcführt war, wie z. B. in Bruchsal (in Baden),
sowie der persönliche Verkehr mit den betreffenden Direktoren und Beamten ihn mehr und mehr zu einer eigenen Uehep. zeugung in Betreff der Vorzüge des Systems gelangen ließ,
machte er es fich anderseits zur ausdrüchlichen Aufgabe, seinen Ein- *
fluß bei der Durchführung desselben im Sinne einer Vermitte- lung zwischen dem Neuen und bewährtem Alten geltend zu machen. Seine bedeutende praktische Erfahrung im Straf- anstaltswcsen und sein umsichtiges persönliches Auftreten er- leichterten ihm die Erfüllung seiner Aufgabe. Als im Jahre 1857 der geistige Vertreter des neuen Systems , ])r'. Wjßhem selbst zur Mitwirkung bei der Durchführung desselben nach, Preußen berufen und ihm zu diesem Zwecke eine Stellung im Ministerium deZJnncrn verliehen wurde, welcheihm eine geordnete Theilnahme an der Gcsammtlcitung dcs Gefängnißwescns und an allen prinzipiellen Entscheidungen und Maßnahmen gewährte, 4 da konnte das schwierige Verhältniß desselben zu dem technischen Dezernenten nur gegenüber einer Persönlichkeit von so loyalem ehrenhaftcm Charakter und streng sachlichem Streben und von, so anerkannter Fachautorität, wie es Gerhard war, in ersprjeß= licher Weise durchgeführt werdcn. In der vertrauensvollen Gestaltung dieses Verhältnisses und der darauf begrün- deten Gemeinschaft des Wirkens für das gesammte Strafanstaltswcsen beruht ein ganz wesentliches Verdienst des Verstorbenen. Je länger je mehr stand derselbe aus eigener Ueberzcugung und Himgcbung in Gemeinschaft mit 1)» Wichern im Mittelpunkte der zahlreichen Bestrebungen für Verbefferung der Strafanstalten und der damit zusammen- hängench öffentlichen Einrichtungen; Überall war cr mit sei- nem praktischen Rath und Einfluß förderlich. Innerhalb seines ausgedehnten Gcs-chäfbecreichZ wurde ihm in reichem Maße persönliches Vertrauen gswidmet, das er durch stete Vereit- willigkcit zum Helfen erwiederte und steigerte.
Er war im Jahre 1856 zum Geheimen Regierungß-Rath und vortragenden Raths ernannt worden,“ am 1. Januar 1862 wurde er zum Geheimen Oder-Negicrungs-Rath befördert.
Im Jahre 1858 hatte er seine erste Gattin, welcher er während langjähriger Kränklichkeit die treuestc Hingebung in sorgsamer Pflege bewährt hatte, verloren. Einige Jahre darauf lernte er Elisabeth Bredt, die Tochter des verstorbencn chic- rungs-Naths a. D. Bredt, kennen, und vermählte sich mit ihr am 15. Oktober 1861.
Nach der Erweiterung der Monarchie fiel ihm dicAufgabe zu, die Strafanstaltcn der neuen Provinzen in ihren Einrich- tungen zu prüfen und insoweit nöthig , Reformen in denselben anzubahnen. In solcher Absicht besuchte er im Sommer 1867 noch die Anstalten in Schleswig-Holftein und Naffau. Es sollte das lthe Stadium seiner amtlichen Wirksamkeit sein. Von einer Badekur in Wildbad kehrte er im Herbst schr lcidcnd zurück; es zeigten sich bald Symptome einer ernsten Leber- affektion. Der Krankheitszuftand steigerte fich in Kurzem so, daß er im November einen längeren Urlaub nehmen mußte. Im Sommer 1868 hoffte er durch eine Kur in Pyrnwnt seine Gesundheit wiederherzusteklcn, doch fand er dort nur vorüber- gehende Linderung. Im Herdste traten immer entschiedener An- zeichen innerer Auflösung ein.
Da er die Hoffnung auf Wiederhersteklung nunmehr auf- geben mußte, erbat er seinen Abschied, welchcr ihm mztcr Ver- leihung des Rothen Adler-Ordcns zweiter Klasse 1yttEtchcn1aub und unter wiederholter Anerkennun seiner Verdtenstc Settcns des Ministers des Innern zum 1. Zanuark I. gcwahrtwurde.
Aber schon vorher sollte er abberufen werden: d1_e qunk- heit nahm jetzt einen raschen Verlauf. Auch m, dteser schweren Zeit bewährte sich sein Charakter besonders 111 dem stets freundlichen gleichmäßigen Wesen und in_dcr Sclbft'beherx- schung, mit welcher er bis zum Ende sexncr Gattm dte Größe der Gefahr zu verbergen und dte Sdrgen „UM ihn zu verschcuchen suchte. Seine geistige Regsamkett verlang- 11etc fich auch in den lcYen Tagen Nicht: noch am Abend vor seinem Tode nahm er * nthcil an A(lem, was m fernem Ve- rufskreise und in der Oeffentlichkeit vorgmg, „
Am 10, November 1868 Morgens schlief er sanft elm, WU 11icht wieder zu erwachen , nachdem er seine Seele schon etmge Zeit zuvor durch das Sakrament des Herrn zum Sterben be- reitet hatte. Seine sterbliche Hülle wurde am 13.„Nopcmber nach einer erhebenden Leichcnfeier auf dem Matthm-Klkchhßfé zur Ruhe bestattet. Die Theilnahme, dle sich auch hlskbcl e rundete, war ein Zeugniß der Achtung und, AnerkennuKY Zvetltche er durch seinen Charakter und “sem Wirken MZRL a e. *
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Königlich Preußischer
Alle poft-Anßalten des Jn- u**'1 Auslandes ne men Bestellu"Z_ Z"," für Berlin die xpedition dex, :w'xxx-zx, preußischen Htaats- Anzeigers: Behren-Straße Nr. ia,
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Montag den 28. Dezemdex Abends
1868.
Es wird crgedenst gebeten, die Abonnements:Bestellungen anf dcn Königlich Preußischen Staats- Anzeiger
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00611 daß die regelmäßige Zusendung keine Unterdrcchuug erleide und die Stärke der Auflage gleich danach bestimmt werden könne. w , Besondere BLUMEN ZUM Königlich PreußisWn Staats-Anzeiger, wie sie mit dewselben setther an's- e eben worden sind, werden auch ferner erscheinen. Dieselben sind vornehmlich zur Aufnahme dom Aufsäßen aus dem Gebtet
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jedoch nur die Post-Aemtcr entgegen.
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.,« . “* tät der König haben Allepgnéidigft gxr'ubt: CQZZJWFemaligen Attaché bei der Kmserltch fra'nzdftschen Botschaft in Berlin, Fernand Beyed ettt , dcn Kömgltchen Kronen-Ordcn vierter Klgffe zu verlethen; ' Den Geheimen Regterungsx und vdrtragcnden Rathun Ministerium für die landwrrthschaftnchen Angelegenhettep, Greiff, zum Geheimen Odcr-Regteru11gs-Rath, und'dcn [ns- herigen Regierungs =Rath Dannemann zum Geheimen Re- gierungs- und vortragcnden Rath 111 dem gedachten Munste- ' rneunen* „ rtuszxne Geheimén epedirenden Sekretar .Und Kalkulator Erdtmann im Mini erimsn de_s Innern den Charakter als un s-Rat bei ulegen* o wte ' NWZ"? prallt)ische?1 Arzt ZcN 1x. Herzdruck) m Garz a. O. C arakter als Sanität - a ' , den Dhcm Tüncver- und AnstreichKcranxy Johann Rosen- baum zu Coblenz das Prädikat cmes Kömgltchcn Hof-Stuben-
' d maleZIZe/UUZTLftaurateurs Carl Traut und Car[ Jung zu
Wießbaden das Prädikat Königlicher Hof-Lieferanten zu ver- leihen.
Berlin, 27 . Dezember.
-- - " o eiten der Prinz und WPÜU' Ihre KomgllcheU H h sind heute Abend nach leza ab-
gereist.
Norddeutscher Bund.
Se. Ma'e ät der König halsxn im Namen des Norddeutschen „]BFndes den prcußtschen V1zek0nsul Rdedlpth- Elvcrs zu San Juan (Portorico) zum Konsul dcs Nor eu
schen Bundes zu ernennen geruht.
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Se. Ma 2 ät der Kontg hadey tm Namen des Nor deUksMn Buch?; die bisherigen preußischen szckonsuln MJ; Ant. Garcia zu Ferrol und Juan C, O Connor zu 11 nicarlo zu Iizekonsulu des Norddeutschen Bundes zu crnenne
geruht.
ekanntmachung. ,
Vom 1. JaFuar 1869 ab wird bei den Postanwetstétitktgei? nach der Schweiz bis auf Weiteres das Reduktionsverh Z'e Von 1 “ ranken : 81/6 Groschen in Anwendung kommen.f dxr P0stan alten reduziren demgemäß ,den vom Adsendxr a?;zletrag Postanweisung in schwei erischer Währung anzugebenden danach m die Tbaler- resp. Guéden-Währung Und nehmen en Üch ergebenden Vetrag vom Emzahler entgegen.
Berlin, den 22. Dezember 1868.
General - Post - Amt.
schen Geschichte, Landeskunde und Staats-Verwaltung bestimmt. - * Bestellungen für BVVÜU nehmen die Expedition des Staats-Anzeigers, Bchrem-Straße Nr. 1a, auZzerhalb
Niinisterium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten.
Der bisherige Sektions-Jngenienr Thomas Kopven, zu Aachen ist zumKöniglichen Kreis-Vaumetster ernannt und 1hm die Stelle. eines solchen zu Eupen verdehen worden. , , Der Königliche Eiscndahy-Baumcxster Jor dan zu Kömgs- berg i. Pr. ist 'm gleicher Eigenschaft zur Bexgrsch- Marktschen Eisenbahn nach Gladbach verseßt, dagegen dre Anstellung des Köniqlichen Eisenbahn = Baumetsters Baumert zu Schnetde- mühl" bei jener Bahn zurückgenommen worden.
Justiz - Wkinifterium.
Der Gerichts-Affeffor Schfülex aus Breslau ist zum RechtSanwalt bei dem Kreisgerrcht M'Gxottkfau und zugletch zum Notar im Departement des Appellationsgertchts zu Ratibor, mit Anweisung seines Wohnsich m Ottmachau, ernannt worden.
ini erium der geistlichen, Untxrrtchts- und
M | Nkedizinal-A-ngelegenhetten.
Dem Lector an der Univerfität Or.1)11i1. G u | a v M [ck ae [is in Berlin ist der Charakter ats Professor y,erltehey worden.
Der praktische Arzt :e. 131“. Lersch m Aachen :| zum Bade- Inspektor für Aachen und Burtschetd erngnnt wdrdqn. ,
Am Louisetsstädtischen Gymnasium m Berlm ist dre Ve- förderung des ordentlichen Lehrers [)1'. Krech zum Oberlehrer
genehmigt worden. Finanz- Ministerium.
Re icrun s-Civilsupernymerar„Haack “ift zuxn Buch- halteéechi de?“ HauYt-Buchhalterer des Fmanz-Mlmstermms er-
nannt worden.
', ic un der 1, Klasse 139. Königl. Klassenlottxrte wxrd nach YllänJähßige? Vestimmungxanz' (). Januar„k. I., _fruh 8 Uhr, ihrcn Anfang nehmen; das Emzahlew der sammltchen 95,000 Loosen-Nummern nebst den 4000 Gewinnen gedachter 1. Klasse wird schon am 5. anuar k. J., Nachmittags 2 Uhr, durch dle Kö11igl.Zichungs- 0111111issari911, nn Beisem der dazu beson- ders aufgeforderten Lottcrie-Emnkhnwr Heprenßemptenmacher, Dettmann und Lehmann ,von htcr Öffentlich nn Ztebungssaal des Lotteriegebäudes stattfinden.
29. De emer 1868. „ , , Berlin, YZnigUche zGcmral-Lotterle-DU'LkUOU.
Preußische Bank, ck Wochcn-Ueberst't „, der Preußischen Bank vom 23.Dczember1868,
t ' x a. Ak [ , 86,482,000
von Philipsborn.
' " ' ............ Thlr. 1 chragtcs Ge1d und erey & 2? Kassen - Anwetsunccxen , Prwatdanknotcn 1,898,000
und Darlehns affcnschcine ........... »
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