1889 / 208 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 02 Sep 1889 18:00:01 GMT) scan diff

Tagung für eröffnet. Zu Ehren des verstorbenen Staats- Ministers von Wolffersdorff erhob fich die Versammlung von ihren Pläßen. '

der gestern Vormittag abgehaltenen Sißung stand dre Präfi entenwa [ auf der TageSordnung. Einftimmiggewählt wurde der A g. artmann (Arnstadt), welcher die Wahl annehmen zu wo en erklärte und sofort vom StaatSrath Petersen vereidigt wurde. Nach Vertheilung der Vorlagen an die verschiedenen Devutationen brachte der Abg. Schuß den Antrag ein, in Anbetracht der hochherzigen Gabe des ürsten zum Bau des Volksschulgebäudes, die Summe von 25 „46 aus bereiten Staatsmitteln zu demselben Zwecke der_Fürsilichen StaatSregierung zur Verfü ung zu steUen. Das Gemch des Abg. Dr. Kieser, mit Rückfi t auf sein hohes Alter seines Amts als Vize-Präfident enthoben zu werden, wurde mit allen gegen eine Stimme genehmigt.

In einer am Nachmittage des nämlichen Tages ab- gehaltSnen Sißun'g wurde der Abg. Gremie zun) Viszrä- fidenten gewählt und der Antrag Schuß einßimmig an- genommen.

Oefterreiéh-ngarn. Wien, 1. September. (W. T. V.) Der Fürst von Montenegro ist mit dem Erbprrnzen in Begleitung des Minister-Vräfidenten Bozo Petrowitsch so- wie des Flügel-Ad'utanten Petrowitsck) aus St. Petersburg gestern hier eingetro en und seßte heute die Reise n_ach Cetinje fort. _ _ Das neue Exerzier=Reglement für die In- fanterie, sowie die abgeänderte Schießinfiruktion werden, dem „Prog. Abdbl.“ zufolge, am 15. September _er- scheinen und am 1. Oktober in Kraft treten. Die diesjährige Uebun Sreife des Generalstabes vom 8. bis 21. Sep- tember Zar das östliche VoSnien zum Ziele.

Karlsbad, 31. August. König Milan ist unter dem Inkognito eines Grafen von Takova zu längerem Kur- aufenthalt hier eingetroffen.

Großbritannien und Irland. London, 31. August. (21. C.)_ Unter dem Titel „Weiterer Schriftwechsxl d'etresfs Deutschlands und Zanzibars“ _1st dem bri- tischen Pariament ein ziemlich umfangreiches Bla_u- duch über ,die Vorgänge an der Ostküste von 21qu rn der Zeit vom Dezember 1888 bis Ende Juni 1). ?. vorgelegt worden. Das Blaubuch enxhält 162 am! iche Depeichen, dienstliche Meldungen 11. 1. m. und schließt_ mit einer vom 24. Juni datirtxn éDeyesche des interimzstischen General:Kon1uls Portal m Zanzibar (111 den Marqms v011 Salisbury, worin derjelbe die an der Küste des Fxstlandes innerhalb der deutschen Konzession statt- Mrundenen Erei nisse in faßlicher Form zusammenstelit.

. Portal schrei t:

„In einer früheren Depesche hatte ich difz Ehre, zu melden, daß der deutsshe Admiral und Hauptmann Wißmann eine gemeinsame Kundmachung erließen, welche die feierliche Warnungogiebt, daß falls die Einwohner der Küstenstädte fich nicbt Willens zeigen. Frieden zu schließen, aktive Feindseligkeiten längs der Küste im Norden von Bagamoyo beginnen würden. Ich rüble mich verrilicbtet, meine früheren Bemerkungen zu ergänzen durch die_ Erklärung, daß Hauptmann Wißmann durchweg die größte Höflichkeit und Wohl- wollen bewies, indem er mick) über seine Absichten, 1eine Operations- pläne urid deren Joigen völlig auf dim Laufenden hielt: er hat sich stets bestrebt erwiesen , sein Aeußerstes_ zu thun, um die Interessen der Miffionäre in der deutschen CinflußWbäre zu respektiren und das Leben u1_1d Vermögen britisch-indi1cher Untertbanen in den Städten, die anzugreifen er Fezwungen würde, vor Verlust und Unfall zu bewahren. Meineneits ba e ich mich befteißigi, dem Hauptmann Wißmann jede Nachrichi mitzutbeilen, die mir aus anderen Quellen zuging und nach meinem Ermessen von Jntereffe oder Wichtigkeit für ihn war. und ich habe auch mein Aeußerstes gethan, um ihm in seinen Bestrebungen, die Eingeborenen zur Unterwcriung zu bewegen, be- bülflicb zu sein. Anfangs Juni hörte ich aus unanfechtbarer Quelle daß die Macht Busbiri's durch den erfolgreicken deutschen Angriff vom_8.Maitbat1ächtlich gebrochen worden sei. Seine arabi1chen Anhanger'verließen ihn und kamen zu Vieren oder Fünfen, wenn immer eine _besreundete Dbxiu ihnen eine Gelegenheit gab, nach Zanzibar. Die Ein eborenemtämme dcs Küstenbezirks waren niemals sehr begeistert für Ushiri's Sache gewesen und nach der Ab- reise der meisten überlebenden Araber 1chmolzen aucb fie zusammen. Stets seit dem Beginn dieses Monats war Busbiri von Dorf zu Dorf 'in der Nachbarschaft von Bagamoyo gewanderi, war viele Tage in ein und demselben Orte geblieben und erfolgreich allen Ver- ]ucben der deutschen Streitkräfte ibn gefangen zu nehmen, entschlüvft, aber bislang erfolglos geblieben in seinen beständiaen Bestrebungen, die Stämme der Nachbarschaft zu bewegen, die Waffen zu ergreifen und sicb in Starke gegen die diSciplinirien Truppen unter Hauptmann Wißmann's Befehl xu schaaren. Nachdem in der Nachbarschaft von Bagamqu somit Zeder Widerstand aus dem_ Wege geräumt worden, _ricbtete fick) die Aufmerksamkeit der deutjck'en Behörden zu- näwst aur S_aadqni, welcher Ort der Schauplatz der Ermordung des englischen Latenmtsfionärs Brooks mit etwa 15 Personen seines Ge- fylges am 21. Januar gewesen war. Es war kein Raum für ir end eine Hoffnung auf friedliche Unterwerfung Seifens der Einwo ner dieser Stadt vorhanden; die Boote eines deutschen Schiffes, welche fich dem Ufer am 5. d. naberten, wurden mit einem beitigen Feuer der Eingeborenen, welche nach dem Gestade eilten, empfangen, und es wurde demyacb beschlossen, den Play durcb Waffengewalt zur Ueber- gabe zu,zwmaen.“ ' _ .

Hierauf folgt „eme Schilderung der Einnahme von Saadan1„welche mzt dem deutschen Bericht über dieses Er- e1gn1ß völlig übereinstimmt. Dann fährt die Depesche fort:

„Seixdem widmete Hauptmann Wißmann seine Aufmerksamkeit der Möglichkeit, Frieden mit der Bevölkerung von Pangani, welche einige Zeixbxn eines Wunsches nacb erner Verständigung bekundet hatte, zu schließen. Hauptmann Wißmann's Truppen in Bagamoyo sind damit besxhaftigt, die Nachbarjcbaft dieser Stadt von alien Ueberresten des Widerstaxides zu säubern, und ist dies ihnen soweit gelungen, daß Haupt- mann Wißmann jeZt eine Einladung an alle britisch-indiscben Kaufleute e_rlaffen hat, nach 5 a amoyo Bebufs Wiederaufnahme ihres gewöhn- lichen friedlichen Beru?“ unter seinem Schuve zurückzukehren. Weni : Tage nach der Zerstörung von Saadani kam eine große und wertß- volie Elfxnbein-Karavane unter einem Sobne Tippo Tip's in den Namen dieser Stadt an, und die indischen Kaufleute säumten nicbt, derselbet) 'maffenbaft zu begegnen; andere Karavanen treffen in Panganx cm und 375 darf mit Sicherheit melden, daß sobald die Pangamfrage erledigt ist, alles, ein bevorstehendes Wiederaufleben des Handels an der ,Kusteniime der deutschen Konzession anzu- deuten scheint. , Aus Ktlwq, Lindi und anderen Orten im Süden des deqtscben Gebiets wird nichts v_on Belang gemeldet. Hauptmann Wißmann sa t mir, daß er wabrend der nachsten 2 oder vielleicht 3 Monate mt der Beruhigung und Entwickelung des Handels im nördlichen Theile des dxutscben Distrikts vollauf beschäftigt sein, daß er aber alsdann setne Aufmerksamkeit dem Süden zuwenden werde uxid daßer_beabfich1ige, über Kilwa eine höchst strenge und exemplarische Zuchttgung wegen der Ermordung von zwei Deutschen daselbst im Herbst v. I._zu verhängen."

Ueber den _weiteren Verlauf des Dockarbeiter- Strike_s meldet die „Allg. Sort.“:

„. „Wahrend die' Unterbandlungen zwischen dem Ausschuß der sinkenden Dockarbeiter und den Vertretern der Dockgesellschasten

“det.

lieb aufgenommen werden, ohne daß ein Erfolg erzielt wird, gielzt 113 unter den Arbeitern unmöblicb die Neigung. kund, die Arbeit unter allen Umständen wieder aufzuziebmen„ da die Noth unter den Beschäfti gswstn täalich größer wird. Die Gaben für den S_trike- fonds ftiYLenn nicbt reichlich genug, um alle Notbleidenden, unternüßxn zu können. Jedenfalls -berrfcbt unter den Strikenden n1cht_mebr jo große Begeisterung wie zum Beginn des Au,;sstandes, und taglich be- tbeiligen sich weniger an den üblichen Utxiéuaen und Kundgebungen. Die Dockverwaltungen behaupten, daß wa rend der lepten wenigen Tage egen 2000 Arbeiter in den verschicdenen Docks wieder zu den alten bnsäven arbeiteten, aber die Führer des Ausstandes stellen dies in Abrede. Die Noth im Ostende nimmt mit jeder Stundx zu, und die Polizeibehörden fürchten, daß wenn der Ausstand noch einige Tage anhält, Ausschreitungen und Gewalttbaten Seitens der aus- siändiscben Arbeiter unvermeidlich einjreten dßrften. Ob das etwas unherfrorene Verlangen des GenxralauNcbuffx-s der strikenden Hafenarbeiter, daß nächsten Montag die Arbeiter sammtlicber Londoner Gewerke striken sollen, falls die Dockgefellsßhaften unnacb iebig bleiben, der Sache der Hafenarbeiter nüßen dürfte, (wird se r bezweifelt. Ueberdies Haben mehrere Gewerke. darunier der Seßerverband, bereits erklärt, daß sie sich an einer allgxmemen ArbeitSeinstellung nicbt betbeiligen würden. Unter den Umständen haben die Vertreter der Hafenarbeiter die Unterbandlungen mit den Landgugéwerifenbefiyern wieder aufgenommen, m_n durch ein Arbeitßabkommen mit deniellen die Dockgeiellicbaften aufs . Trockene zu seHen. Das Abkommen bat Aussicht auf Verwirklichung. Das Abkommen soll alsdann auch den Dockgeseüscbaften unterbreitet werden, um den- selben (Gelegenheit zu geben, 0113 ihrer unnackgiebigen Haltung beraukzutreten. Die wichtigste Bemmmung des Abkommens ist, daß an SteUe der Kontraktarbeit ein System von _Stückarbeit treten soll, kraft dessen die Arbeixer die ganze für das Stuck „vereinbarte Summe direkt von der Dockge1el1schaft erhalten und inzwischen ein Minimum von 6 Pence die Stunde gewöhnliche Zeit und 8 Pence die Stunde YFZerzeit für ihre Arbeit wahrend der Dauer der Stückarbeit beziehen 10 en.“

_ Ferner liegen _aus dem „W. T. B.“ noch folgende Depeschen über den Strike vor:

London_, 31. August. Die Direktoren der Dock-Compagnien haben das gestern von den Werftenbesißern entworfene und von dem Strike-Ausscbuß angenommerxe Abfornmen, welxbes gewisse Konzes- sionen enthielt, heute Nachmittag mit der Erklarizng abgelehnt, die Vorschläge nicht acceptiren zu können, jedoch etwaige ihnen von den Arbeitern zugehende Bescbwerden in Erwägung ziehen zu wollen.

_ 1. September. Der General-Ausschß der strikenden Dock- arbeitcr hat das Manifest, welches im Falle _der NLchtannabme der Forderungen der Dockarbeiier einen aligemeinen Strike empfiehlt, zurückgezogen und richtet nun an die Geweikvereine Englands und des Außlandes das Ersuchen, finanzielie Unterstützungen für die

Strikenden beizusteuern. ,

_ 2. Septembcr. Gestern Nachmttta§ fand im Hyde Park ein

großes Meeting der strikenden Tockarbeiter tatt, welchem ca. 150000

Yersonen beiwobnten. Burns _und andere Leiter des Strikes hielten eden, worin sie den festen Bejcbluß der Dockarbeiter betonten, den

Strike weiterzuführen, bis ihre Forderungerx von den Direktoren be-

wiüigt seien. Es wurde unter den Anwesenden eine beträchtliche

Geldsumme_ zu Gunsten der Strikenden gesammelt; die Ruhe wurde

nirgends gestört.

Frankreich. Paris, 30. August. (W. T. B.) Der „Köln. Ztg.“ wird, mit Rücksicht auf die bevorstehenden all- gemeinen Wa len, die folgende Ueberficht über die Wahlen

von 1876, 18 7, 1881 und 1885 mitgetheilt:

Wahl amTWabl amYWabl amiWabl am 20. Fehnx 14.8Zk1. ; 21. Aug. ? 4. Okt * i. Z

1876. 1881. x 1885.“

?

! : x 7 388 2345 8087 323? 7 181 443 6 710 820 Republikanische Stimmen 4 028153 4 367 2025 5 128 4421 3 565 412 Monarchische Stimmen . 3 202 233 3577 882; 1 789 767' 3 147 129 RepublikanischeDepurirte 355 x 328 : 467 Y 381

MonarchiicheDevutirte. 171 ; 208 1 90 . 203

Aus dieser Zahlenzmammensteliung ist ersichtlich, daß die Za [ der ihr Wahlrecht ausübepden Bürger seit 1877 stetig a : genommen hat und zwar 111 noch höYerem Grade, als aus 'der

Abgegebene Stimmen . .

Tabelle erfichtlich wird , denn glei zeitig mit der Abnahme der abgegebenen Stimmen stieg die ahl der Wahlberechtigten von 9700000 auf 10300000.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 31. August. W. T. B.) Die auswärts verbreitete Nachricht: der zar werde in _ Folge der gefährlichen Erkran- kung der Großtürftin ,Wladimir zurückerwartet, ist ficherem Vernehmen nach völlig unbegrün- In bestunterrichteten Kreisen ist von einer Rück- kehr au_s dem bezeichneten Grunde nicht? bekannt, auch giebt der Zustand der Großfürstin Wladimir augenblicklich keinen Grund zu so ernsten Bedenken. Nach einem heute aUSgegebenen Bulletin schreitet die Besserung in dem Befinden der Groß- fürstin weiter fort. .

Italien. Rom, 31. August, W. T. B.) Nach einer Meldung der „A en ia Stefani“ er ielten der Chef der Schoanischen isLion, Makonnen, sowie der Afrika- iorscher Graf Antonelli Nachrichten aus Schoa und Harra, denen zufolge daselbst Alles ruhig ist. Der König Menelik werde fich Ende September als Ne us von Abessinien krönen! und durch den Bikchof Mattheos salben lassen. Alle von Menelik in den beseßten Provinzen ernannten Häuptlinge und Ge- nerale befänden _ sich auf ihren Posten. _ Auch die „Riforma“ tritt den alarmirenden Nachrichten über die Lage in Abessmien entgegen. Die Rückkehr des Königs Menelik

- nach Schoa sei schon vor dem Abgan e der schoanischen Mission

beschlossen ewesen, da Menelik wün chte, fich vor der Krönun? seinem Vol e zu zeigen. Nas Alula sei ganz machtlos, wei derselbe weit von seiner Operationsbafis zurückgeworfen worden sn

_, 2. September. (W. T. B.) Nach einer Meldung der „Agenzia Stefani“ aus Massovah wurde in ASmara die dem äußeren Fort Betmaha, welches ohne Artillerie unein- nehmbar ist, benachbarte Anhöhe bese t und befestigt. Die Soldaten arbeiten eifrig an den Befe igun en sowie der Vervollständigung der Ma azine und UnterkunYSstätten, um den italienischen Vefiß in masen immer mehr zu sichern.

Spanien. Madrid, 1. September. (W. T. B.) An Stelle des General-Kapitäns von Neu-Caftilien, nyeneche', welcher wegen Differenzen mit dem Kriegs- anrfier seine Entlassung genommen hat, ist Rodriguez Arias, „zum General-Kapitän von Andalusien General-Lieutenant Labas Marin und zum General- Jnßpektor der Infanterie General Polavieja ernannt wor en.

_ SchweiZ3 Bern,31. August. (Bund.) n der eßrigen Srßung des undeSraths wurde folgender eschluY gefaßt:

Der schweizerische Bundeöraib, nacb Einsicht eines Berichtes und Antrages feines Justiz- und Polizeidtpartementes über die am 17.,

18. und 25. August 1889 an verschieoenen Orten in der Schweiz erfolgte ebcime Verbreitung eines Imprimates, be- titelt: „Manifeßj der schweizerischen Anarchisten“ mit dem Swluffe: ,Hoch die Anarchie“, iq Erwägung: _ daß die Urheber und Verbreitet dieses Manifestes der in Art. 45 und 48 des Bundesgeseßes über das Bundesstrafrecbt vom 4. Februar 1853 vorgeschlagenen Delikte sub schuldig gemacht zu haben scheinen, in Anwendung von Art. 4, 6, 11 11. ff. des Bundes- gesetzes über die Bundesstrafrechtsrflege vom 27. August 1851 und von Art, 36 und 37 des BundeSgcseves über die Organisation der Bundeörechtspflege vom 27. Juni 1874, _ beschließt:

1) Gegen die Urheber . und Verbreitet des Manifestes der Schweizer Anarchisten wird dre strafrechtliche Untersuchung eingeleitet.

2) Hr. Josef Stockmar, Mitglied des schweizerischen National: ratbes und Chef der Poiizei-Direktion des Kaufons Bern, ist zum Generalanwalt der schwuzerischen Eidgenoffenscbaft ernannt und es find ibm fur diese Untgrsxxcbung die durch die BundeSgeseygebung dem Generalanwalt zugejcbtedenen Befugnisse eingeräumt. Die sämmt- licben Untersuchungsakten sind dem Herrn Generalanwalt zu übergeben und die Verhafteten werden zu seiner Verfügung gestellt;

. 3) Der gegenwärtige Beschluß wird dem schweizeri1cheg Bundes- gericht mitgetheilt, mit der Einladung, Anordnungen zu treffen, damit die Untersuckoung von den ger1chtlichen Beamten beförderlicdst an Hand genommen werden kann. _

4) Diejer Beschluß ist auch den sammilicben Kantonßregierungen unt“? „durch deren Vermittlung dM kantoyalen Polizeibehörden mit- zu et en.

5) Das eidgenössische Justiz- und Polizei-Departement ist mit der Vollziehung des gegenwärtigen Beschlusses beauftragt.

_ (W. T. V.) Der Graveur Albert Nicolet in Chaux de Fonds„ welcher fich als Verfasser des Mani- festss der Schweizer Anarchisten bekannt hat, ist verhaftet wor en.

Bulgarien. Sofia, 31.Augusi. (W. T. B.) Anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung des Sultans Übervrachte der General-Sekretär des Ministeriums des Aeußerexi, Panajx) low, dem _ Sekretär des iefigen ottomamschen Kommi ariats, Rejchid Bey, die lück- wünsch? der bulgaris en Regierung. Die hier anwesenden drp„lomattschen Agenten machten demselben gleichfalls Gratu- lationsbesuche.

_ 2. September. (W. T. B.) Der _diplomatis e Agent Serbiens, _Body, gab im Auftrage seiner & Zrerung der b'ulgamschjen Regierung die Versicherung,

die_ Intentionen Se_rb_1ens durchaus friedliche seien, und

daß'die'1üngsten militärischen Maßnahmen ans- fchließlrch zur Durchfiihrung der seit längerer Zeit 5- schloffenen Reorganisgtton der Reserve dienen, deren sI)iärnnschaften zu 14tcig1gen Uebungen herangezogen werden 0 en.

Zeitnagöftimmeu.

Die Blätter widmen heute ihre Betrachtungen dem National-Festtage.

Die „Schlestsche Zeitung“ schreibt: *

. .Neunzebn Jahr_e find Vergangenheit geworden. seit die gewaltige Stegeskunde durchdie deutschen Lande rauschte, welche es unserem _V_olke zur Gewißheit urachte, daß wir _endlich zu dem Ziele gelangt mm, für deffxn Erreichung die Edelrten und Besten der Nation Generationen bmdurcb gelitten und gestritten. Vor dem geisti en Auge erjcbien unsere nationaipolitische Einheit vollendete Tbatsa e; von den ungemeinen Schwierigkeiten, die es noch zu überwinden galt und die mit Gottes Hülfe durch den Genius unserer Feldherren, durch den Todesmuib xmserer Streiter und durch Meister- leistungen _der Staatskumt glücklich überwunden worden sind _ von diesen machte 1115 Niemand eine Vorstellung, Nicht die Größe des Sieges, des größten, von dem bis dahin die Geschichte Wußte, war es, was die tiefste Wirkung (_mf die Volks- seele übte, sondern das nac!) der Lage der Dinge politijcb nicht mehr belangreiche „Napoleon gefangen!" Obwohl die kühnen Hoffnungen, welche an Sedan geknüpft wurden.. sich nicht erfüllten und dem schweren Kriege, gegen das Kai1erre1ch alsbald ein nicht minder schwerer gegen dre Revublik folgte, konnte dieser gewaltige Eindruck in Denen, die ibn getbeilt haben, nicht mehr erlöschen; er hat sich fortgeerbt auf das nachrückende Geschlecht und wird sick) weiter ver- erben. Der Tag von Sedan wird ein nationaler Festtag der Deut- schen bleiben, bis vielleicht einmal die Gesammilage Europas eine vöüige Wandlung erfährt und Franzosen und Deutsche, zwei Völker, die ihrer ganzen Naxuranlage nacix durchaus berufen sind, einander zu ergänzen, s1_ch zur Erfuüuna großer Kulturaufgaben dieHand reichen. . . .

Freudtgeren Herzens, geboheueren Sinnes find wir dem Sedan- fest selten entgxgen aegangexi als im laufenden Jahr. Bietet doch Alles. was iert dem Regterungöantritt unseres jugendlichen KaiYers in die Erscheinung getreten ist, die denkbar beste Bürgschaft datür, daß uns das, tvas vor neunzehn Jahren in scbWerem Kampf errungen wurde, erhalten bleibt,_ ohne daß unser Volk auf absehbare Zeit hinaus neue blutige Opfer zu bringen hat. Vom ersten Tage seiner Re ierung an bgt Kaiser Wilhelm 11. seine ganze gewaltige Jugend- kra?! daran gejtyt, den mitteleuropäischen Friedensbund zu starkm, zu festigen und gute. friedliche Beziehungen auch mit denjenigen Staaten aufrecht zu erhalten, welcbe diesem Bunde nicht angehören. Er hat dabei Erfolge erzielt, die über jede Erwartung binauSreichen.

Angefichts alles dessen find wir durchaus berechtigt, unseren ?qtionalen Festtag stolzen, freudigen und sorgenfreien Herzens zu eiern.“

Am Schlyß eines Artikels der „Berliner Börsen- Zeitung“ heißt es:

„Mit besonderer Genugtbuung muß es uns erfüllen, daß es Deutschland yergönnt gewesen ist, sich zum 19. Male des nationalen Gedenktages im vollen Frieden zu erfreuen.

Gewiß verkennen wir nicht, welche großen Opfer uns die Er- haltung dieses Friedens auferlegt und noch für urxabsehbare Zeiten auferlegen wird. Deutschland trägt eine schwere Rüstung, aber, wie wir mit stolzer Zuversicht sagen körinen, wahrlich nicht zwecklos: darum geben wir uns auch der Gewißheit hin, daß der mannbafte Entschluß, sie auch ferner zu ertragen, sy lange das Geschick es erfordert, nicbt erlabmen wird. Und dazu durfte gerade wiederum die nationale Feier, die wir begeben, stets tiene Impulse geben.

Wir aben es. Gott sei'Dank, mcht nötbig, zu fürchten, daß das nationale Selbstbewußtsein, welches durch derartige Gedenktage gepflegt und erweckt werden,soll, tn chaizvinist1scbe Selbstüberschäßung aukarten könnte, das bethst zur Genyg: em Rückblick auf die ver- flossenen Jahre, das beweist dix anrittae begeisterte Zustimmung zu dem politijcben Ideal, welches dre Leiter der deutschen Politik zu dem

ibren gemacht haben.

Wenn man am_ 2. September durch ganz Deutscbsand dankbar der großen Errungenjchaften gedenkt., welche der Tag von Sedan uns gebracht, so erhitzen keine abegteucrltcben Gelüste die Gemütber, wir werden nur _besiärkt in dem feilen'Cntscbluffe, das Erworbene zu ver- tbeidiaen mit der ganzen Kraft, die. uns zu Gebote steht; wir werden nur von Neuem an die erhabene Fnedenßmission erinnert, die Deutsch- land zugewiesen wurde, als_es am Abend des 1. September den Höhepunkt, militarischer_ Erfolge erreichte , eine Misswn, die mit Xeichet Einsicht von Furft rznd Volk erkannt und in seiner ganzen

ragweite gewürdigt worden ist.“

n den„Mecklenburgischen Nachrichten“ lesen wir: , eunzebn Jahre, dgo isi eine kurze Spanne Zeit 1111 Leben eines Volkes. aber eine lange m einem Menschenleben; Die Junglinge, die damals binauözogen; in den Kampf. sind, soweit sie nicht fcbon den Sieg mit dem Leben bezahlt, je t zu Männern geworden. Einkaeil der Führer. die damals unsere rmeen zu Ruhm und Ehre fuhrten, sind entweder borbbetagt sckon beimgegangen oder legten doch müde das Schwert aus der Hand. Wilhelm 1.„ durcb Gottes Gnade be- rufen, die deujsckxe Nation sich selbst wieder zu geben. lebt wohl in unserm Herzen fort, aber nieht mehr unter uns. Das mag uns webmütbig stimmen, aber es braucht uns nicht bange zy x_nachen. In langer, stiller Arbeit und Menswenaugen unsichtbar 1_!t für Deursch- land eine Zeit und ein Geist zur Reife gekommen, der 1cbließlich emen Tag von Sedan möglich gemacht ba_t. Es wäre traurig, wenn wir fürchten müßten, daß die Wukung_ des Tages, und sem chen nicht weiter als wenige flüchtige Jahre reichen Werde. Zwar leichter ist es zu erwerben, als das Erworbene festzuhalten, as gilt nicht bloß von des Reichtbums und äußerer Güter ver- gängliwem Schimmer, sondern auch von geistigen Errungenschaften und dem Erwerb eines Volkes an Ehre und Macht. Jndefz, das ist ja eben das Große des Tages von Sedan, daß er uns einen Blick in das Innerfie unserer selbst hat thun [affen und „immer von Neuem thun heißt,!und daß er in uns die Erkenniniß qezeitigt hat, daß nicbts mehr einer Nation Bestand und Gedeihen verbürgt, als Einigkeit und eine auf Gottcsfurcbt und froxnme Sitte begründeteTüchtigkeit, welcbe Tapferkeit, Treue und Gebomam wirki.“

Zum Schluß gebxn wir die Auslassungen der „Karls- ruher Zeitung“ wieder: _ '

„Während der Tag der VerkaiUer Kaiserproklamation in der Ocffeitlicbkeit nabezu_unbemerkt Vorübergeht, feiert man die Begrün- dung des neuen Deuticben Reichs gleichzeitig mit dem Gedächtnis; an die größte Waffentbat des Feldzuges, welcher der Errichtung des Kaisertbums voranging. Daß maa bistoriicb nicht ganz unanfechtbar se'm, denn von der Kapitulation Sedans bis Kur Kaiserproklamation in Versaiües war nrch ein weiter, _un er schroeren Oyfern zurückFelegter Weg; 76 lag eixie größere Zeitspanne zwi1chen den eiden Ereignissen als zwijchen dem Beginn des Feld- zugcs und dem Kampf bei Sedan. Die Ertrartung, daß der Ge- fangennahme des Kaisers Napoleon ein baldiaer Friedensschluss folgen werde, erwies sich als irrig; xmierem tapferen Heer stand noch eine harte Zeit beyor und insbe1ondere war der Opfermutbigkeit und TodeéVcrachtung unserer braven badischeg Truvpen noch eine schwere Prüfung vorbehalten. Aber die gleichz_eitige Feier der Wiedergeburt des Deujscben Reichs mit dem Gekachtrziffe an_ _dcn großen Ent- scheidungskcimvf bei Sedan hat sich nuit emmak sert eingebürgert in den deutschen Landen,ünd sie erscheint insofern bedeutungSvoll. als sie uns in jedem Jahre von Neuem daran mahnt, mit welchen schweren Opfern unsere nationale Einbcit erkauft werden mußte. Eine solche Mahnung ist sicherlich wertbvoll„chenüber den arteikämpfen, die um einzelne rolirische Fragen gefuhrt werdeii. an kann dieSmal die Feier des Sedantageß _nicht von. der Erinnerung an den Besuch trennen, den Se. Majettat der Kaiser vor Kurzem in den neuen deutschen Landestbeilen ahgestatset_ bat, und die Erinnerung hieran ist wobl geeignet, die patriotnche Fettfreude am Tage der Wiederkehr des 2. Septembers zu erhöhen. Deutlicher als iraend_ein früherer Vor- gang bat kie_ begcisterxe Aufnahme des_ Deut1chen Kaiferpaaces in Eliaß-Lotbrmgen gezeigt, dqß die Anhanglicbkeit an Kaiser und Reich immer _iestete Wurzeln in der rinaeborencn Bevölkerung des Reichslandcs 1chlägt und daß das geistige Band, welches dieneuen Ge- bietßtbeile Deutschlands mit dem Mutterland8 verknüpft, mehr und mehr an Kraft gewinnt. Auch in Frankreich vermag man fich drr Erkenntnis; dieser Thatsachen nicht zu rerscbiießen, und wenn man dort den Verlust zrveier Provinzeri noch immer nicht zu ver- winden im Stqnde nt, jo verringert fich_ doch die Hoffnung auf eine, Aenderung der vor neunzehn Jahren

eswaffencn Verhältnisse izr dem Maße, in welchem man 1ch zu der Ueberzeugung_gedrangt steht, daß auch die erschütternden Schicksalsfäoläge des v-Zrigen Jahres in Deutschland spurlos an dem festen unkamente voruberqegangen smd, auf welchem die Einheit und Macbttellrrng des Deutschen Reiäxs beruht, und daß mit den Jürsten die Volksstqmme _Deutfchl_and_s in freudiger, nationaler * egeisterung zu dxm 1ugendltchenKai1er 1tebcn,_der mit kräftiger Hand das in schweretx Kampfen Errungene festhält und !cbüßt. Diese nationale Begeisterung laßt aber dcr wieder berannabende Jahrestag der Sckolacbt von Sedan zu enc_rgischem Ausdruck gelangen; das deutsche Volk erneuert an“ diejem _Tage alljährlich das Gelöbniß, mit dem leßten Blutstropfen einzustehen fürdie Wahrung seiner Einheit und Unabhängigkeit, und in der; neuen (Generation, die allmäbllicb betan- gewacbsen und deren Reptaseytant Kaiser Wilhelm 11. ist, lebt un- derändert der treue patriotijwe und mutbige Geist, fort, der an ldiescebnti iHsage vor neunzehn Jahren mit Gottes Hülfe so Großes Vou- ra at."

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Lage der Landwirtbscbaft.

Jm Kreise Namélau hat im Vergangenen Quartal eins der größten Güter wegen zu hoher Verschuldung des Besitzers von der Generallandscbaft in Sequcstration genommen „werden_ müssen. Dasselbe Schicksal widerfubr zwei Rittecgütern tm Kreije Grof;- Wartenberg. In diesem Kreise gingen schon im vorigen Jahre zwei sehr verschuldete Güter auf diese Weise in fremde Hände über.

Handel und Schiffahrt.

In SGleswig-Holstein Weisen Handel und Sebiffabrt einen entschiedenen Aufschwung auf. Die Swifféfracbten erreichten im zweiten Quartal eme seltene öbe. Die Werften haben zahlreiche quträgeerbalien,welche sienocb ange vollauf beicbäftigen werden. Auch auf der Unterelbe war, in Folge des günstigen Waffetstandes der Verkehr ein recht lebhafter. Dre Germania-Weftzu Gaarden bat in Folge neuer Aufträge eine Vermehrung der Arbeiter vorgenommen. Zur Zeit beschäftigt die Werft deren 940. Die Arbeiter der verschiedenen Handwerker- kategorien der Werft_ benußten die günstiae Gelegenheit, nach einander Lohnerhöhungen zu wrdern. die ihnen auch, ohne daß es auch nur zur Androhung einer ArbeitSemstellung gekommen wäre, mit 2, 3„uud 4 Hd für die Stunde und 10 % Zulage für Ueberstunden bewilligt wur en.

Branntweinbrennereien und Branntweinbesieuerung.

In dem soeben erschienenen Juliheft zur .Stgtlstik des Deutschen Reichs" wird unter dem Titel .Die Branntwembrennerei und die Branntjveinkesieuerung im deutsckven Branntwemsteuergebiet ,und in Luxemburg während des Betriebsjabres 1887/88“ eine Reihe v'on Nachweisungen über die Betriebsergebniffe der Brxnnereien, die Em- nabmen vom Branntwein und die 'ein- und aqs-geiubrten Branntwän- mengen für die Zeit vom 1. Oktober 1887 bis 30. September 1888, d. i. das erste Jahr nach dem Inkrafttreten, des neuen Branntwein- steuerLQeseves vom 24. Juni 1887, veröffentlicht. .

anacb waren in dem Gebie: der BrannWemsieuer-Gemetnscbaft,

w_elcher bekanntlich am 1. Oktober 1887 die jüddeutscben Staqten , bmzugetreten sind, im Ganzen 48415 Brennereien im Betrieb,.“

von denen 11 652 mebli e Stoffe (Kartoffeln, Getreide :e),'19 Melafse (aucb Rüben und enfaft) und 36 744 andere Materialien, (w e Weintreber, Brauereiabfälle, Hefenbrübc, Obst ;_c) verarbertetxn; von den ersteren waren 10 687 landwirtbscbaftltäpx Brezmxreten, wel_che theils (6953 Brmnereieaz der Matschbotticbiteuer, theils (3734 Brennereien) dem uscblage _zur Verbrauchs- a_bgabe unjerworfen waren, und 965 gewerbliche „Brennereien, fUr welche nur die lestere Besteuerqngeart gala, anderer- seits befanden sich darunter 1270 Brennereien, welcbe wahrend des Jahres bezw. eines Theiles desselben Preßbefe bereitet Haben.

Die Gesammtproduktion an reinem Alkohol siellie sich auf 3058 025 111, wovon 2534 708 111 in den Kartoffel-Brennereien, 427 387 111 in den Getreide-Brennereien, 75 002 111 in den Melasse- Brennereien und 20928 111 in „den übrigen Brennereien erzeugt sind. Der Betrieb der Brennereien wurde zum Theil nur auf die Herstellung des zum niedrigeren Verbrauckoöabgabensaß zuxversteuerndcn Branntwüns beschränkt, da die GeschäftSlage im Spiritusbandel unsicher war und der Export stockte. Wiihrend daher im Allgemeinen ein Rückgang in der_Produktion zu verzeichnen War, gestalteten fich die Verhaltnisse bet den Preßbefe- urid Melaffebrennereien gegen früher wesentlich günstiger, bei ersteren, weil nicht mehr der benuyte Maisch- raum, sondern nur die produsirte Alko_bolmenge besteuert wird, bei leßteren, weil bxfferrvertbige Melaffe kauflicb und die Kontingents- menge im Verbaltniß zu der Produktion in den vorhergegangenen beiden Jahren erheblich höher bemeffen war.

Die Steuer-Einnabme aus der Maischraum- bezw. Ma- terialbesteuerung ergab 34 305 928 bezw. 329 952, also zusammen 34 635 880 „14; davon Wurden für aussefübrtcn und zu gewerblichen 2c. Zwecken_bestimmten Branntwein 9762 850 „46 zurückvergütet, sodaß an Maiichbotticb- und Materialsteuer 24 873 030 .“; verblieken, Die in den Verbrauch übergegangenen Alkoholmengen erbrachten an Ver- brauchöabgabe überhaupt 88 710 010 „_44 und nach Abzug des Betrages der in Zahlung gegebenen Berecbngunchbeine (2 285 988 „S) und der Ver- gütung für außgeführte Fabrikate (134 «,k-) 86 423 888 3,44, außerdem wur- den für diejenigen Mengen des zum Verbrauch bestimmten Brannt- Weins, Welche von der Maiicbbotticb- odcr Materialsteuer nicht be- troffen waren, an Zuschlag zur Verbrauchabgabe 5 195 041 «46 er- hoben. Sonacb betrag die Einnahme von dem nach dem 1. Oktober 1887 erzeugten inländischen Alkohol 116491959 „44 Aus der Nach- versteueruna des vor jenem Termin gewonnenen, in den Komum ge- brachten Bran-tw-xins erwuchs eine Einnahme von 26160 287 „sé, daneben wurden in dem Betriebsjabre1887/88 aus der Zeit vor- her 1017 504 „M Maischbot1ich- und Materialsteuer und 11597 „44 Uebergangs- und Auleeicbungsadgabe vereinnahmt , dagegen 12 436 750 „44 Steuervergütung berauSgezablt. Stellt man noch di; AUSZleichungs- 2c. Abgabe_für Branntwein aus Luxemburg (6845 „M) und den nach den eingeführten Mengen ausländiicbm Branntweins berechneten Eingangszoll (2113965 .48) in Rechnung, so ergiebt fich §i8118e7(§83§sammteinnakckme von 133 365000 „ck für das Betriebsjahr

/ _ Inwieweit der Verbrauch an _Trinkbranntwän in Folge der höheren Besteuerung zurückgegangen i1t,_ bat sicb nicbt zahlenmäßig feststelien laffen, da die VergleiESzablen isblen; die Ansichten darüber

eben auSeinander und siimmen nur darin izberein, daß die Trink- ranntweine seijdem in geringerer Alkoholstarkc bergerteat zu werden pflegsn. Der Verbrauch an denaturirtem Spiritus (zu gewerblichen Zwecken) soll nicQt unerheblich zugenommen haben.

Kunst und Wissenschaft.

Große akademische Kunstausftellung.

Die 61. Aussteüung der Köziiglichen Akademie der_Künsie iii geiiern im alten Akademiegebauke (Unter den Linden 38) eröffnet worden. In diese langjährige frühere Stätte der Berliner Kunst-Ausiiellur-gen ist die heurige, wie bekannt, deshalb zurückverlegt worden, weil sich ihre Unterbringung im Laydes-Austeüungsaebäude während der jetzigen Unfallverbütungs;Ausrtellung ._unausfübrbar erwies oder doch mit den größten _Unzutraglicbkeiten [ur heide Ver- anstaltungen verbunden gewegen icin wfzrde. Durch Hjmzuyahme mehrerer mit Oberlicht ver1ebenen Lehc1äle der Akademie ist der früher für Ausstellungézwecke veifüabare Raum erheblich vergrößert und im Ganzen 33 Säle und Kabinetts hergestellt worden. Dieie gewährten Platz für die fütwabr immer_noch recht stattliche Zahl von 1102 Nummern, während die voriäbrrge Ausstellung im großen Landes-AuOstellungögebäude dercn 1455 aufwies. Dcr Zahlanacv ist also der Unterschied nicht ein so gar erheblicher, “namentlich auch, wennxxnan die einzelnen Kategorien in Betracht nebt, welche_ in dieseiu' Fabre, verglicHen mit dem vorigen, zahlen: 751 Oelgemalde (gegen 899 im Vorjahre), 190 AquareUe _und Zeichnungen gegen 339), 37 Kupferstiche, Radirungen und Holz1chm_tte (gegen 71), 112 Bildwerke (aegxn 134) und 12 architektoni1che Cntkvurse (gcgen 12). Die Ausneller der Hauptabtbcilungen, Oelgemaide x_ind Bildwerke, haben mithin der Zahl nach keinen nennenswertben Außsal] zu bekla en. Freilich haben Koloffalwerke aus Mangel an Gelaß für so] e keine Annahme finden können. Dafür ist aber dem Vor- bandenen eine mit schr wenigen Außnahmen vortbeilbaitere_Au7- stellung und Beleuchtung zu Theil gxwmden. Sammt- liche Räume find würdig renovtrt und nach Art der Gemälde-Ealezien mit Fauteuils und Seffeln bekaglich ausgestattet, sodaß die Ausstellung von dem reich mit Blatwfianzen und Blumen auSgescbmückten Vestibül an einen einladenden und emsacko vornehmen Eindruck macht. _

Auf einem flücbiigen Gang durch dieselbe fesselt den Besucher im ersten, dem sogenannten_ Ubr]aal eine große von Werner Schuch gemalte Apotheoje Kaim Friedricb's (hoch zu Roß, m der Uniform der Gardes du Corps, den _Lorbeer empxangend, untxrx drei Adler mit Friedenßpalmen), der zur Linken die Büste Sr. Majeitatdes Kaisers Wilhelm 11, von Reinhold Vegas, zur Rechten diejenige des Hocbieligen Kaiiers _Wilbelm X., .von Ochs, aufgestellt ist. Von der Nebenwarzd _grußen' die anmutbigen bobeit- voUen Züge Ihrer Majestät der Kaiierin, in _ganzer Figur gema_lt von Konrad Kiesel. Weiter setzen wir in dieiem Saal ein Gemälde von J. Falat, die Rückkrbr Kaiser Wilbrlmrs 11. ne'bst Gefolge von der Bärenjagd bsi dem Fürften Radziwrll tn Nreéwicz, im Jahre 1888, darsteücnd, und, als Erinnerung von der Orienxrene Kaiser Friedricb's als Kronprinzen, seinen Rin zu den Kbalisengrahern bei Kairo. von Wilhelm Gentz_gemalt. Eine'in einem Ham sivende Madonna, von drei _lieblicben mufizrrenden Engeln Verehrt, von Wilhelm Dürr in Munchen, zieht durch _die Anmutb der Kompofition in gleicher Weise an,_ wie, die maleri1che Behandlung durch die kecke Breite und Flottbeit starvlrt; Ferner seien aus diesem Saal noch das Bildnis; des Ober-Bürgermeittexs Becker von Kö_ln, von Julius Schrader (für das dortige Rathbauß), das Pdrtrat des Erzbischofs von Köln, von Heinrich Moßler-Pallenberg (Köln) und eine Landschaft vom Oybin, von Carl Schirm in Breslau gxnannt. Durchscbreiten wir den langen folgenden (_Saal, io fallt uns 111 dem nächsten Oberlickptsaal ein Koloffalgemalde von_ Otto BrZuFe- wetter in die Augen, welches in bewegter figurenreicher Kowpojrtton die Ansprache des Generals York an die Onpreußi1che.. Stande (am 5. Februar 1813) darstellt. Das imUBefiZz- der Prcvinz Ostpreußen befindliche historische Monumentalrild 171 das grßßte und be- deutendste der Aussteüung und_ gereicht der alteren Kunst- richtung und ihrer gediegenen Tuchtigkett zu [wber Ehre, Jn demselben Raum sehen wir auch ein_ vortrefflich lebenswabres Porträt des Reichskanzlers Fürsten von BtSmarck, v'on Paul Beckert, sowie ein anjikes Atelier-Genrebild des Mailanders Eleuterzo Pagliano: Zeuxis, aus den schönsten Töchtern der Stadt Crown em Modell für sein Gemälde der Helencx aussuch_end. _

Einer der [emen größeren Sale enthalt 5 große, m_ mattexi Farben aus efübrte Wandgemälde von Albert Baur in Dusseldorf, welche eine Zwei) nicht vollendete) cvkliscbe Darsteüuna der Geschichte der Seiden- ndustrie in Europa bieten und imoAuftra e des Sta_ats- Ministeriums für die Königliche Webescbule _m Kre eld auSgefubrt wurden. Hier und in den anderen Redensarten, finden sich aucb mehrere sensationelle Werke der Münchener Kunst, wre der „Vtvtsektor“ von Gabriel Max, der „Hexensiblczf' von Alb'ert Keller, eine allegorische Phantasie „Der Traumer' von von Sucho- dolski und die ,Nachtwandlerin', voti deffen Gattin; endlich der auf dem Grunde eine! grünlichen Sees liegende Leirbnam einer im Bade Ertrunkenen, von Curt Agtbz (Berlin). _ Hier hat auch Eugen Bracht's grandiosetnorwe ische Kustenlandschaft betitelt das .Gestadedet Vergenenbut' ihren laß gefunden, welche Se. Majestät der Kaiser angekauft hat.

Die religiöje Malerei__ist auf der Yußsieüung verireteri durch eine Kompofition des Düneldorfers Loms Feldmann, die d:: Be-

kehrung des ungläubigen Thomas zum Vorwurf bat. ferner durch Ploxkhorft's „Robe auf der Flucht nach Egypten' und eine „Heilige Nacht' von dem Realisten und Freilichtmaler ns von Uhde (München), die jedoch diesem schnell zu _bren gekommene'n Meiner kaunz neue Bewunderer zuführen durfte. Auch _thbelm St_ryowskt (Danzig) bat dieZmal dem modernen RxaltSmus gebuldigt und bietet einen vredigenden Jesus- kSnaben vor einem Auditorium polnischer Juden in eine: galizischen

yna oge.

_IZie Historie ist noch repräsentirt durch eiii kühn und groß kom-

pomrtes Koloffalbtld von Richard Böhm (Lauicba in Thür.), welches den Abzug der Gothen mit der Leiche des Teja nach der Schlacht am Vesup 1ch1ldert, fxrner durch ein bereits in Vervielfältigung bekanntes, ergrxtfendes Cemalde von Josef Flüggen (München): „Dcr Tod der heiligen Eliwbethf, Hermann Prell wählte eine _gnmutbige Episode (11.15 der Herzenßgx1chichte Leopold's von Anbalt-Denau und der Anna- Liesx zum „Gegenstand; Theodor Rocboll schildert die letzte Heerschau Kaner Wilhelm's ]. in _ Stettin und eine Scene aus der Schlacht bei Vionville. _ In der Bildnißmalerei excellirt sodann ein jüngerer biefiger Ma_l_er, Max Koner, mit drei vorzüglichen Herren-Porträts. Gusiav Gras, Graf Harrach, (Hotjlieb Biermann (Düsseldorf), der Belgier Emile Wauxers 11.21. bewähren ihren alten Ruf. Georg Kock) malte den ZeldmarWail Grafen Moltke. wie er auf dem Manöverfelde von derHu1te der iremdländisäyen Offiziere begrüßt wird, und Konrad Dieliß bot das höchst _anmuthige Porträt einer jungen Dame mit emen; vrachtvollen, edelsteinbeseyten Kästchen in der Hand, ganz in der 1ubtrlen farbenfrohen Manier der altflandriscben Kunst gemalt und .Das Kleinod des Hauses" betitelt.

Da_s Genre tritt wie immer besonders zahlreich auf. Dem Modearicbmack entsvrecbend dominirt im Kostüm und den Stoffen der Bilder das Rococo. Auch Carl Becker bat fick) in seinen .Zu-(benden Erben" diesem Zeitalter zugewandt. Ludwig Knaus er- 1che_1nt mit „einer Gruppe Feldarbeiler vom Hohen Schwarzwald, Deirsggerxmwzwei Porträtit'udien. Wilhelm Amberg, Bokel- mxznn, Skarbmg, Hans Dahl u. A._ haben bemerkenSrrertbe _Btl_der eingelieiert. Als neues vcrwrecbrndes Talent er- 1cheint Hans Looschen._

Unter __den Land1chaitsmalern maÖt Valentin Raths (Ham- burg) Aumeben durch dxn von ibm_ gemalten, also doch wohl auch_ in Natur genhrnen Feuerjee im Riesenkrater des Kilauea aui Hawai m_i_t stinen akle 4 bis 6 Skunden fontänenartig ausbrechenden Lavamanen. Ein anderxr Hamburger, Askan Lutterotb, malte den von'Dr. Hgns Meyer beitisgenen Kilimandscharo. Die große Hochgebtrg§land1chast vqn Carl Ludwig mit Rekonstruktion einer besestigtrn römischen Heeritraßx und entsprechender militärischer Staffage bat Se. Majestät der Kader erworben,

Aus der Abtheilung der Aquarellen und Gouachen endlich sei neben dem in diesem Fach nock) immer unübertroffenkn Jialiener Passini, der eine .Beicbte“ und einen Studienkopf einiandte, seinem LandSmann CoreÜi (.Der Hugenott“) und dem naturalistischen Skar- bina noch genannt Conrad „Sicmenrotb mit seinem nach dem Leben ausgeführten AquareUgemälde, darsteüend den Papst Leo FW„ wie xr in ieinem Audi-rnz-Zimmer den Vortrag des Kardinal-Staats- Wkrextärs) Ramrokla entgegennimmf (mit eigenhändiger Unterschrift des

am es .

_Die Bildnerei hat _besonders viele Porirätbüsten aufzuweisen. Außer der Begaß'xcben ViziteKaiier Wilbelm's 11. hat auch Heinz Hoff- meister eine solxbe außgeitellt. Ferner find im Auftrage des Ministe- riums der_ geistlichen 2c. Angelegenheiten 9 Marmorbüsten früherer Chefs dieies Ministeriums zur Außyteiluvg_ gebracht. Adolf Hilde- brand lieferte eine vorzügliche Marmorbüire, Welche die markirten Züge des als Augenarzt hochgeschätzten Herzogs Carl Theddcr in Bayern zoigt._ _

Die Au§*te[lu17g, auf die wir nach dieser flüchtigen und lücken: reicken vorläufigen Uxberficht noch öfter zrxrückzukqmmen gedenken, war sbcbswxb am ersten Tage von einem zahlreichen diitinguirten Publikum

e u t.

Der zur Orientirung in der Ausstellung keftimmte ofsziaile Katalog ist in dem hiesigen Kunstverlage von Rudolf Swuiter in zwei Angaben, einer illuitrirten zum Preiie von 2 „46 (gebunden 3 „M) und einer nicht illuitrirteg zum Preise von 1 «Mb (gebunden 1,50 „FC) erschienen und an der Kane erhältlich.

Sanitäts-, Veterinär- und Quarantäueweseu.

Budapest, 31. August. (Wien. Ztg.) Nack) dem vom Vize- geipan des Oedenburgex: Komitates an den Minister des Innern gelanaxen telegravb'qchen Berichten enibeHren die von einigen Blättern veröffentlichten Nachrichten über den angeblichcn Ausbru ck der Cbolerajedrveder Begründung. .-

Submisfiouen im AuZlairde.

Oesterreicb-Ungarn. _ _

16. Sepiember, 10 Uhr _Vormirtags. Magiiirat Wien _: Lieicrung amerikanijcben Petroleums für die sämmtlichen itädti1chen Ver- sorgungsonstalxcn. Kaution 5%. _

27. September, Mittags. Material- und Inventar-Anxcbaffungx- St_kiion der Königlich ungarischen Staatseisenbahnen. Budapest: Lieferung von c. 40 000 r Förderfohle, Kaution 5%.

Näheres an Ort und Stelle.

Verkehrs - Anstalten.

Die Post von drm am 27. Juli aus_Sbanghai abgegangenen Reichs-POLTdaMVser „Dresden“ _i1t in Bt_mdifi einthroffen und gelangt, wie „W. T. B." melder, ür Berlin voraus11chtlich am 3, d. M. zur Auögabe. _ _

Hamburg, 31. August. (W. T. B.). Dcr'„Poitdampser ,Allemannia“ der_Hamburg -Amertkan11chen Packet- fabrt-Aktiengese111chaft ist, von Hamburg kommend, heute in Havana eingetroffen, .

_ 1. September. (W. T. B.) Der Postdaznvfer .Vobemia' der Hamburg-Amerikaniscben Packetiabrt- Aktiengesellscbaft hat, von New=York kommend, heute Morgen Scilly vassirt.

Triest, 1. _September. (W. T. B.) Der Lloyddamvfer „Hungaria' iit, von Konstantinopel kommend, heute Abend

bier eingetroffen.

London, 31. August. (W. _T. B.)_ Der Cgstlx-D-qrnvfer „Drummond Castle“ bat gejtern aus dxr HUMUÜL L_i_11a_bon pasfirt. Der Castle-Damvfer „Warwick Castle“ nt geiteru _ auf der Yuéreise in Capetown angekommen.

Kopenhage_n, 1. September. (W. T.?Z.) Der General- Direktor der dänijchen Staatsbahnen, Holst, Ut heute Vormittag

gestorben.

Theater und Musik.

Berliner Theater.

Am Sonnabend begann das Berliner Theater seine dieSjäbrige Spielzeit mit der Neu-Auffübrunz von Shakespeare? ,Coriolan'. Schon diefe Wahl zeigt das Streben, böberen Ansprüchen gerecht zu werden und auch seltener gegebene Dramen klassi1cher Dickster zu pflegen. Das Vorhaben wird entschieden von Erfolé be- gleitet sein und sicher einer lebendigen Tbeilnabme eitens deSjenigen Publikums nicbt entbehren, dessen Geschmack an seichten Produktiqnen feinen Gefaxlen findet._ Speziell die Vorfüh- rung des ,Corwlan' darf_ aus Interesse rechnen, denn heut- zutage giebt es genug Memchen, die ihre helle Freude an dem Sarkasmus haben, mit welchem Shakespeare „Hinz und Kunz“ s(bildert, und die das menschlich Wahre in dem Konflikt des Cyrio-

lanus mit seinem Volke, seinem Vgterlande und seiner Familie mit- empfinden und verstehen. Die Aufführung war der gro en Aufgabe