1889 / 238 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 07 Oct 1889 18:00:01 GMT) scan diff

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Dem zum Konsular-Agenten der Vereinigten Staaten von Amerika in Danzig ernannten Herrn Philipp Albrecht ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.

Bekanntmachung.

In neuerer Zeit sind wiederum o ene, mit Marken der "Neuen Berliner Ömnibus- und Packet ahrt-Aktiengeseüschaft beklebte Karten und Drucksachen in den Pofibriefkasten in größerer Zahl vorgefunden worden.

Beispielsweise beläuft sich während des Zeitraums vom 15. bis 30. September die Zahl derartiger Karten und Druck- sachen auf 1934 Stiick.

Dieselben sind gemäß der Bestimmung im §. 1217 der Yostordnung vom 8. März 1879 von der Beförderung mit der

oft aus;;eschlossen und werden bis zum 20. d. M. bei der Lagerstelle des hiesigen Hof-Postamts aufbewahrt, demnächst aber vernichtet werden.

Den Absendern bleibj anheixngesellt, sich wegen Rück- ewpfangs der Karten bez. Druckiachen bei der bezeichneten Dtenst_s_t_e11e, Königstr. 60 zu ebener Erde, rechts vom Eingangs zu me en.

Berlin ()., den 5. Oktober 1889.

Der Kaiserliche Ober:Poftdirektor, Geheime Ober-Voftratb Schiffmann.

Bekanntmachung.

Am 7. Oktober d. . wird im Bezirk der Königlichen Eifenbahn-Direktion (lin Erheinischen) zu Köln die 37,7 ](m lange Bahnstrecke Langenlonsheim_Simmern mit den Stationen HeddeMerm, Windesheim, Schweppenhausen, Stromberg, Stromberger Neuhütte, Rheinböller Hütte, Rhein- bölien, Ellern, Argenthal und Simmern und dem nur fiir den Personenverkehr (ohne Gepäckadfertigung) einge- richteten Haltepunkte Klomngers Mühle dem öffentlichen Ver- kehr Übergeben werden.

Berlin, den 5. Oktober 1889.

In Vertretung des PräsiZentenf fdess Reichs-Eisenbahnamts: rae t.

Königreich Preußen.

Se. Majestät der nia haben Allergnädigst geruht:

_dem praktischen Arzt Sanitäts-Rath 1)r. Ribbeck zu Berlin den Charakter als Geheimer Sarritäts:Rath und

den praktischen Aerzten 1)r. Bessel, 1)r. Moses und Ober-Stabßarzt a. _D. 1)r.'“ Doering, ebenfalis daselbst, den Charakter als SamtätS-Rath zu verleihen.

Auf Ihren Bericht vom 13. September d. . will Ich dem Kreis e Krossen, Regierungsbezirks Frank urt, welcher den Bau einer Chaussee vdn KroJen a. O., abzweigend von der Kroffen:Gubener Krers:Chau ee bei Benschbude über Bobersberg, Seedorf, Göhren nach Sommerfeld beschlossen hat, das Enter nungSrecht für dre zu dieser Chauffee erforderlichen Gxundftir e, fowre gegen Uebernahme der künftigen chauffee- maßigen Unterhaltung der Straße das Recht zur Erhebung des _Chauffeegeldes nach den Bestimmungen des Chausseegeld- Tarrßvom 29. Februar 1840 (Geseß-Samml. S, 94 ff.) ein- schlte lich der m demselben enthaltenen Bestimmungen über d1e__Be_fremnqen sowie der sonstigen, die Erhebung betreffenden ?_nsaßlrchen Vorschrrxten _ vorbehaltlich der Abänderung der ammtlrchen vyrau geführten Bestimmungen _ verleihen. Auch sollen_ dre dem Chauffeegeld-Tarife vom 29. ebruar 1840 angehangten Bestimmungen wegen der Chaussee- olizei- vergehen arif dre gedachte Straße zur Anwendung kommen. Die eingereichte Karte erfolgt anbei uriick.

Neues Palais, den 25. Septem er 1889.

W i l h e l m K. von Maybach. An den Minister der öffentlichen Arbeiten.

Ministerium der öffentlichen Arbeiten.

_ Die Königliche Eiseanhn-Direktion zu Elberfeld ist mit der Anfertigung aligemeiner Vorarbeiten für eine Eisen- bahn untergeordneter Bedeutung von Brilon (Bahnhof) iiber

Büren einerseits nach Paderborn, andererseits nach Gesecke beauftragt worden.

Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Der ordentliche Lehrer Bauer vom Schulle rer-Seminar Lu Cornelirnünster ist in gleicher Eigenschaft a?: das Schul- ehrer-Semmar zu Fulda verseßt worden.

Yiehtamtliches. Deutsches Reich.

_Preußen. Berlin, 7. Oktober. Se. Ma'e ät der Kaiser und Kön_ig_m_achten mit hrer Majjesxtät der Kaiserin und Königin und den rinzlichen Söhnen am Sonnabend auf_ der Yacht „Alexandria“ nach der Pfauen- Insel eine Spezierfahrt, an der auch Se. Königliche oheit der Prin? Friedrich Leopold und Gemahlin theilna men. Abends ahen dre Ma1estaten den Gesandten im aag, Freiherrn von Saurma-Ieltsch bei der Tafel.

_ Am Sonntag wohnten L_re Majestäten dem Gottesdienst rn der_Frredenskirche ber. arauf empfingen Se. Majestät der Kar er um 111/4 U r den StaatS-Minister a. D. Hobrecht, nahmen dann den ortrag des Ober-Hof- und Haus- marschalls von Lrebenan und um 121/2 Uhr militärische Mel- dungen entge en. Mittags 11/ Uhr war amilientafel, zu welcher au der Herzog von Ödinburg mit Timm Sohne erschienen war. Nachunttagß unterna men Ihre Ma'eftäten, beg ertet von hren _Kömglichen oheiten dem Örinzen und der Prinze sm Friedrich Leopold sowie Sr. Hoheit dem Erbprrnzen und _Ihrer Königlichen Hoheit der Erbprinzesfin von Sachsen-Memrn en, erne Spazierfahrt auf der Yacht

Königlich bayerische Oberft-Lieutenant reiherr UchS W" Bimbach und Dornheim befohlen. F F

Heure Vormrttag machten Se. Majestät unächst einen Spazrerrttt, emyfincien sodann den Ober-Ho = und Haus- marschall von Liebenau sowie den Minister des Königlichen Henses yon Wedel] und arbeiteten hierauf mit dem Chef des Crvrlkabmets und dem Staats-Minister Grafen von BiSmarck.

_ Im _6. Gumdinner Landtags-Wahlbezirk (Oleßko, Lyck, Iohanntsburg) ist an Stelle des bisherigen Abgeordneten von Kannewurff, welcher sein Mandat niedergelegt hat, der Gutsbesitzer Koch-Pisrken, konservativ, mit 330 gegen 53__St11_nmen, _welche der Gutsbesißer Seydel-Chelchen, deutsch- frerirnmg, erhielt, zum Mitglied des Hauses der Abgeordneten gewahlt worden.

_ _ Irn 7, Kasseler Landtags-Wahlbezirk (Melsungen- Jrrßlar) _1st _an Stelle des verstorbenen Gutsbesitzers Nöll, Franz Elerm zu Melsungen, nationalliberal, mit 90 gegen 4 Stimmen, welche der Konfistorial-Präsident von Weyrauch FKaßel, konservarw, erhielt, zum Mitglied des Hauseß der bgeordneten gewählt worden.

__Hente trar das ReichS-Versicherungsamt in dem ofsenrlrchen Srßungsfaale des Amthebäudes, Wilhelms- plaß 2,_zum ersten _Male ur Rechtsprechung in land- und fdrstwrrthsckmftlrchen ekursfachen zusammen, nachdem ]nnyst dre _ auf Grund des §. 95 Absaß 3 und 4 des land: wrrthfchaftlrchen Unfaliversrcherungßgefeßeß vom 5. Mai 1886 erfolgte Wahl der zu x_nchtftändigen Mitgliedern des Reichs- Versrcherungsamts gewahltew Vertreter der Betriebßunter- nehmer _und der Arbeiter amtlich bekannt gemacht worden war. Der Prasident _des Rerch§=VersicherungSamtck ])r. Vödiker, eroffnetedte Sißung mit folgender Ansprache:

„Meine Herren! Vor Weniaen Tagen ist im .Reicbs-Anzeiger' das Ergedmß der von den landwrrthschaftlicben Berungenoffenscbaftcn und staatlichen Ausfuhrunasbehßrden vollzogenen Wahlen zum Reichs- VersrrberungSamt veroffentlicht worden, und heute stehen wir im Begriff, unter Betherlrguna der also Gewählten zum ersten Male in land- und forsiwirthschaftltcben Rekurssachen Recht zu sprechen. Am nachsten Montag beginnt die gleiche Rechtsprechung in See- Unfallversicherungssachen.

_Auf_ dem _Wege der iozialvolitisrben Geseßgebung des Reichs ist damtt _em weiterer Schritt vorwärts gethan. Wie die gewerbliche und die See-Unfallversicknrung für mehr als 4 Millionen Arbeiter, so itth nunxnebr auch die land- und forstwirthschaftliche Unsau- verficherung im _ganzen _Gebtete des Reichs für die doppelte Anzahl von _Personen _tn Kraix; ihre Segnungen werden sich als um so großere erweisen, e baqfiger, wie die Erkabrung bereits lehrt, die land- und forstwnthchaftltckyen Britiebßunfälle sind.

_ Wenn das Reichs-Verficherurngt bei den auf Grund der alteren UnfaUversiÖerungsgeserze bikher entschiedenen 3560 Rekursen gegenuber_ etwa 70000_bis jeßt entschädigten Unfällen bemüht gewesen iii, zur Erreichung des Endziels dieser Geseße nacb K_rasten beizutragen, so wird es in dem gleichen Geiste auch die neueren Er_seße handhaben, _ Es ist dabei der freudigen Mitwirkung ferner neugewablten nichtständtgcn Mitglieder, die ich in ihren bier anwesenden Vertretern Namens des Amts begrüße und wiükommen heiße, um so mehr sicher, gls auch die früher gewählten, mit dem 1. Oktober d. I. zum Theil aus dem Amt geschiedenen Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich durchaus auf die Höhe ihrer Aufgabe zu steilen gewußt und_den Erwartungen, welche Seitens des Geseßgebers in deren Bctberligung; an dieser [eytinstanzlicben

Yßézsprechng gesetzt worden sind, nach alien Richtungen entsprochen

_ So tritt denn ' das Reickxs-Versicberungsamt, auf den ferneren Beistand Goxtes vertrauend, guten'Muibes und voll Zuversicht an die weitere Ausfuhrung_auch der neuesten Unfallverfickerungsgese e heran: zur Forderung des inneren Friedens und der allgemeinen oblfahrt, zur Vermehrung der Ehre von Kaiser und Reich.“

_ ck Sodann begann die Berathung der vorliegenden Rekurs: a en.

_ _Der Königliche Gesandte in Hamburg, von Kuf- sexow, ist auf_ seinen Posten urückgekehrt und hat die Ge- schafte der dortigen Gesandtschaxt wieder übernommen.

_ Der Gouvernenr von Meß, General der Infanterie von Oppeln-Bronikowski, und der Kommandant von Hannover, General-Lieutenant Graf von Waldersee, haben sick) nach Meß bezw. Hannover zuriickbegeben.

_ Der kommandirende Admiral, Vize-Admiral Freiherr von der Goltz, ist von Dienstreisen hierher zurückgekehrt.

Bayern. München, 5. Oktober. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung_ der Abgeordnetenkamm er wurde außer den schon erwahnten Vorlagen auch das Ausfiih: rungsxreseß zu dem NerchSgesetz, betreffend die Erwerbs- und Wrrthschaftssenossenfchaften, in erster Lesung angenommen._ Der Abg. Gunzenhäuser kündigte einen An- trczg, betreffend Nachlassung der Hypothekengebühr ber Cessrdnen m_ Folge, Umwandlung der Genossenschaften an. Der Fmanz-Minrster Dr. von Riedel äußerte Bedenken gegen diesen Antrag, vers rack) aber des_[__en Priifung. Der Minister des Innern Dr. reiherr von ur; sprach sich ent- schieden dagegen aus.

Dre der Kemmer der Abgeordneten gemachte Eisenbahn- vorlage schlag_t_d1e Anlage von Doppelgeleisen für folgende Bahnlinien vor: München-Landshut, München- Ingolstth_Treuchtlmgen, Jürth-Rottendorf, Yürth-Bam- berg_L1 tenfels- ochstadt-Untersteinach. Au erdem find ansgewor en 2 2 8000 „(€ für Signalvorrichtungen, Dienstwohnungen _und dre Passauer Donaulände; 10188000 „FH für Vermehrung des Fahrmaterials und Einführung der Wesimghoufe-Bremse bei den Wa gons der Personen.,irge; 2100000 «FH für Erweiterung 'der ahn- Central-Werk'iatten rn Miinchen, Nürnberg, Regensburg und AugsburZ; 12440000 «15 fiir Erweiterung des Münchener Central: ahnhofes; 2070000 „15 für Umbau des Aschaffen- burger Bahnhofes.

Sach en. Dresden, 7. Oktober. (W. T. B. Die Gesandtxchaft _des Sultans vonÉanzibar ist)in Ve- Zlertung des Majors Lrebert und des eneralkonsuls Micha- elles am Sonnabend _Nachmittag von Weimar hier einge- troffen, von dem preußi chen Gesandten Grafen von Dönhoff und dem sachsrschen _egationssekretär 131“. von Stiegliß empfangen worden und _1m Victoria-Hotel abgestiegen. Heute Vormittag _besichtrgie die Gesandtschaft unter Führung des KriegsZMrmsters dre_ hiesigen Kasernen. _ Am Donnerstag wrrd dre Gesandtschaft vom Könige empfangen werden.

__effen. Darmstadt, 6. Oktober. (Darm. t. Se. omgliche Hoheit der Großherzog, Ihre Ksßniäßlißzz

„Alexandria“ nach annsee. Zur Abendtafel war der

Großherzogliche Hoheit die Prinzessin Victoria, rin e Ludwig _von Battenberg, sowie Ihre GroßherzoglichenPHolZeistßeL dre Prinzen Heinrich und ilhelm wohnten gestern der Eröffnung der Kunsthalle am Rheinthor bei.

Se. Königliche Hoheit der _Erb roßherzog und Ihre Großherzogliche Hoheit _dre _Prrnze s in Nltx trafen aus England heute wieder hier em.

Mecklenburg-Schwerin. Ludwigslust, 5. Oktob (Meckl. Nachr? _Ihre_Kaiserlichen Hoheiten der Großfürexi und die Gro furstrn Wladimir trafen heute hier ein und wurden yon _Sr. Königlichen Loheit dem Großherzog und Ihrer Kaiserlichen Hoheit der roßherzogin auf dem Bahnhofe empfangen. '

Sachsen-_JL_eim-_1x-Eisenach. Weimar, 6. Oktober, Auf dem Thuringrichen Städtetage, welcher am 4. und 5. d. M. 111 Apolda _versammelt war, ist, der „Th. C.“ zu- folge, anch iiber rndrrekte Besteuerung verhandelt wor- den. Die große Mehrzahl der aus zahlreichen thüringischen Stadten anwesenden Bürgermeister und städtischen Beamten

sprach sich sehr lebhaft zu Gunsten der indirekten Besteue- rung aus.

Mecklenburg - Streliiz. Neustreliß, 5. Okiob . Ihre Kömleiche Hoheit die Großherzogin wird am Montßrg vom _Kepp chloß hierher zurückkehren, während Se. Königliche Hoheit der_Großher_zog, weleher z. Z. in Paris verweilt, edenfrrllH M den nachsten Tagen hier wieder einzutreffen beabsichtigt.

Schwarzburg - Sondershausen. Sonders aufen 6. Oktober. (Reg.- u. Nachr.-_Bl.) Se. Durchlaucht dYr Fürsr kehrte heute von Gehren hrerher zurück. Ihre Hoheit die Herzqgrn von Anhalt hat sich am 3. d. M. wieder nach Ballenstedt begeben.

Oesterreich-Ungarn. Budapest, 5. Oktober. Wien. Ztg.) Dre SeitenzZ des Handels:Minifters von Barosß aus ertretern sannntltcherHandels- und Gewerbekammern sowre der Landes; und Indystrievereine einberufene Enquete- Kommis s10_11 hielt heute ihre erste Sißung. Der Minister von Baross verwres m der Eröffnungsrede auf die Nothwendigkeit der Entwrckelung o_on Handel und Gewerbe, welche im _nteresse der _materrellen Erstarkung der Nation unerläßlich rr. _Der Minister _wünschte von den Anwesenden die auf- r1__chtrge Aeußernng tn Betreff der vorliegenden Fragen. u- nachst wurde dre Frage der Reform der Handels- und e- werbekammern erörtert, in welcher Richtung die Enquéte

nach sehr eingehender Diskussion sich dahin aus ra , daß es bedingungslos nothwendig sei, die Autos:?oche der Kammern denn die Kammern

k" _ _ dcrusfrecht uesrl)a_iten_,_bs _onn en nur m _re er ei e ie e tändige freie Meinun außern. _Der Mrmfter erklärte auch seinerseits dieses fü?“ nothwendig. _Dre EnquéteKomnzission bezeichnete sodann die speziellen Beßrmmungen, welche tm Interesse der Verbesserung des Gesetzes_uder dre Kammern nothrbendig seien.

Nach einer Meldung der „Presse“ beschäftigt sich die' ungarische Regierung ernstlrch _mit der Frage der Valuta- regelung, eme dara_uf bezüglrche Enquete-Kommission soll rn nicht ferner Zett einberufen werden.

Großbritannien und Irland. London, 5. Oktober. (A. C.) Der in der britischen Marine dienende Prinz Ludw1g_ von Battenberg wurde zum Befehlshaber des dem englrschen M1ttelmeer-Ge1chwader beigegebenen Kreuzers “SWL“ Jai)“ (W T B) D

_ _ . to er. . . . er Deputirtefür Brighton Sir William Robertson, der on län ere 't l' , war, hat sich heute früh entleibt. fck g ZU erdend

Frankreich. Paris, 7. Oktober. (W. T. V.), .Die Bethetligung an den gestrikzen Stichwahlen war iiberall eine sehr zahlreiche, vollzog ich aher meistens in voÜsiändiger Ordnung und Ruhe, _In Parte bewegte sich auf den Boulevards eme zahlreiche, lebhaft erregte Menschenmenge, welche verschiedene Rufe [arzt werden ließ. Die berittene republrkanrsche Garde hielt ]Sdoch die Cirkulation ohne be- srmdere Muhe often. Ani dem Boulevard des Italiens wurde eine Boulangrften-Lreder nngende Bande von der- olizei aus- einander _getrteben. Vor den Redaktions-B reaux des „Gaulors“ wurden Verhaftungen einiger Personen vor- genommen, welche zum Wrderstande aufforderten und fich weigerten, weiter zu_g_ehen.

Nach dem dffizrellen Bericht des Ministeriums des Innern _1st das Gesammtergebniß der Stich- wahlen bis ]eßt: 124 Republikaner und 45 Oppo- sitionelle. _Die neue_Kc_rn1mer wird demnach enthalten: 362 Re; p ub_l1ka_ner, namlrch 236 gemäßigte und 126 radikale, nnd 200 Mitglieder der Opposition, nämlich 100Roya- listen, 58_Vonapart1sten und 47 Boulangisten.

_Gewahlt wurden in Paris; der Minister der öffentlichen Arbeiten, Yves Guyot (Republikaner) mit 6113 Stimmen gegen Turquet (BoulanJrsi), welcher nur 5417 Stimmen erhreit. Berger (Repu lrxaner) mit 6136 Stimmen gegen Andrreux (Remfidmst) mit 4867 Stimmen. Floquet (Republikaner) MU 5284 Stimmen Legen Nicot (Boulan-

gift) mit _3208 Stimmen. aisant Voulan it mit 3600 Stimmen gegen Lafont (radikal). LNesurZZ (Republikaner); Barodet (Republikaner); C afsaing

(Republikaner); Naquet Boulanaist); Des rds e ublika- ner); Marrus Martin (Joulan ist); Emi? Fer(ry p(Repu- blikaner) , ferner dre RepubFikaner Dre 1us, Chau- temps, Jaques, Mathe, Richon, Lanessan, Lo roy, Maujan, ovelaque, Marmottan, die Boulangisten Laur, Lesenne, err), Ernest Roche._ Im Faubourg St. Germain wurde YreMtTitstxerYZchsltngft) 8;3__e9n_1_ähSlt_._ In Toulous e erhielt ns immen ' ' welchen 6883 Stirnmen fielen. gegen Rostm“ auf Der c„'Heputrrte Le Hérissé, der Reserve-Offizier ist und m emer Wahlversammlung ähnlich aufregende Reden gefiihrt hat,_ wre sem Gefinnungögenosse Laisant, wird der „Koln. Ztg. zufolge ebenfalls vor den UntersuchungSrath gestellt werden.

Rußland und Polen. St. Petersbur 7 Oktober (W. T. B,) Der Munster des Kaiserlichen „Zäuseo, Graf Wor_onzow-Daschkow, der Kommandircnde des Haupt- quartiers, Generai-Lieutenant Richter, der Chef der Kaiser- lichen Kanzler, Flugel:Ad1utant Oberst Graf Olfsufjew und

Hoheit die Prinzessin Heinrich von Preußen, Ihre

dessen Gehülfe, Kammerjunker Baron B udberg, find heute

nach Berlin abgereisr

Die kaukasischen Reserve-Bataillone und ein- ehorenen Drushinen, nuch Lokal-Batarllone genannt, erden in zwei Festungs-BatarlLone, sech_s Reserve-Negrmenter

UT; zwei Vataillonen, vier Reserve-Batqulone zu sechs Com- za nien, zwei Resewe-Bataillone zu fünf und sechs Reserve- Bataillone zu vier Compagmen umgewandelt. _ Deni ommando der ersten fünf Schüßen-Brrgaden wrrd em

Lmbeoffizier des Generalstabes zugetheilt.

Schweiz. Bern, 5. Oktober. (N. Zürch. tg.) _Die aus allen Kantonen mit AUSnahme von Unterwal en einge- [angten Gesuche um Veranstaltung _einer Volksabstimmung über das BundeSgeseß vom 28. Iunr 1889, betreffend dre Bundesanwaltschaft, weisen, abgesehen von den durch die Gemeindebehörden gestrichenen, im Ganzen 25 330 Unterschriften auf. Hiervon mußten nls ungültrg weitere 1402 gestrichen werden, sodaß dre Ziffer der gül- tigen Unterschriften sich auf 23928 reduzrrt. _Zum BundeSanwalt wurde Ständerqth Albert Scherb von Bjschof§ze11 ernannt; sein Amtsantritt erfolgt am 15. Oktober.

Griechenland. Athen, 5. Oktober. (28. T._ B.) Die Königliche Familie ist heute_Nachm11tag_hrer emgetrqften und von den Ministern, den S_prßen der Militär: und Civil- behörden, sowie von den _drplomatrschen Vertretern der Mächte empfangen und von emer zahlreichen Menge auf das Wärmste begrüßt worden. Ungefähr 100 Studenten ver- suchten, dem König eine Petition, betreffend dre kreten- sjschen Angelegenheiten, zu iiberretchen. Es entstand ein unbedeutender Auflauf, und ngchdem einige V er h aftu n gen vorgenommen waren, wurde dre Delegation der Studenten ohne weiteren Zwischenfa11 zum AuBemandergehen gezwungen.

Serbien. Belgrad, 6. Oktober. (W. _T. B.) Die Angelegenheit der Begegnung der _Kön1g1n_NataLre und des Königs Alexander in nach einer Mel- dung der „Agence der Belgrade“ noch n1cht endgrltig e-z regelt und es gilt nicht für unmöxilrch, daß dre Frage er Eröffnung der Skupschtinq noch schwebe. In dreienr Falle dürfte, wie allseitig fiir sicher angenommen wrrd, m der Skupschtina ein Antrag behufs Regelung des Ver- hältnisses zwischen demKönigAlexander und ferner Mutter gestellt werden, und alLem Anfcheine nach wrrd sich dre Regierung einem solchen Antrage gegeniiber nicht ahlelZnend verhalten. Die Entscheidung des KörrrgéI_Milqn m refer Angelegenheit beschränkt sich auf seine prinzipielle Ern- wil ligung und überläßt die Ordnung der Details bei der Zusammenkunft der Regentschaft.

Bulgarien. Sofia, 5. Oktober. (W. T. B.) Der Prinz Ferdinand von Sachsen:Coburg in_heute von einxr Rundreise in der Provinz, auf welcher er_1_n Varun, Rustschuk, Nikopolis, Vlewna, Kasanlik und Philippopel die Truppen besichtigt hatte, hierher zurückgekehrt.

Amerika. New-York, 4. Oktober. (R. V.) Die Delegirten des amerikanischen Kongresses besuchten gestern West Point. An Bord eines Kriegsschrffes fuhren sie darauf nach New-York und von dort nach Boston. In Boston werden die Herren die Waltham-Uhren- und die Vara- Gummiwaarenfabrik besuchen. Auch der Harvard- Universität sol] ein Besuch abgestattet werden.

Zeitungsftimmen.

Die „National-Zeitung“ schreibt: __ _ „In der Presse derjenigen Parteien, Welche von der Kanerltchen Kundgebung gegen die ,Kreuzzeitung“ unangenehm beriibrt sind, ob- gleick) die Spiye derselben fick) nicht gegen fie richtet, in den deutsch- sreisinnigen und klerikalen Blättern wird mit besonderem Nachdruck das Recht gewahrt, auch der Krone gegenüber die eigene Meinung i_reiier vertreten zu dürfen. Wichaben, obgleich unsere SteUung zu der Kaiierlichen Kundgebung eine durchaus andereiit, als die der bezeichneten Parteien, bereits ausdrücklichenes Recht anerkannt; an der Wahrung des- ielben find aÜe politischen ichtungen gleichmäßiginterenrrt, denn wer h_eute _in der Lage ist, die Regierungspolitik zu unterstüßen, kann in nicht ferner Zukunft sich genöthiat sehen, ihr Widerstand zu [ersten, auch wenn sie die ausdrückliche Billigung des Herrichers erhalt. Ueber diese Frage bedarf es aber garnicht vieler Worte; wir dritten fein konstitutionelles Staatswesen, wenn es sich anders verbreite, wenn die Auffassung und der Wille des Monarchen die Probleme des Stgatslebens enrscbiede. Daß dies auch nicht im (Entferntesten die Auffassung Kaiser Wilhelm's 11. ist, weiß man aus der Rede, mit Weicher er zum ersten Mal den preußischen Landtag eröffnete und m der er erklärte, er werde die Verfassung nicht nur darum beobachten, weil sie das Grundgesetz des Landes ist, weil fie tbat1ächlich beitebt, sondern er erkenne in ihr auch eine richtige Ordnung des _StaatSlebens. Die (Grundlage dieses verfasangßmäßigen Zuitandes m Preußen _ und mit den aus dem Wesen des_ Bundesstaates sich errebenken Modifikationin auch im Reiche _ in, das; Krone und Volksvertretung bei allen bedeutsamen Entscheidungen in der einen ore“ andern Form zrsammenwnken müssen, und_daß die Meinung des Landes sich in der Wahl der VrikSvertretuno, in der Preise und im Vereins- und Versammlungswesen frei bekunden kann. Wenn, wie es hier in Berlin soeben geschebrn ist, Agitatoren von der Richtung der .Krewzeitung' in Folge der Kaiserlichen_ Kundgebung auf_dre fernere politische Thätigkeit zu verzichten erklarten_„ so in das ihre dcriönliche Angelegenheit; nach unserer Meinung ist der dadurch be- kundete demonstrative ,Royalißmus' aber von ganz ähnlicher Art, wie derjenige, welcher der .Krcuzzeitung" gegenüber von dem Myxiarchen zurückgewiesen werden mußte; er ist geeignet, einer falschen Ausiaffun von dem ZWeck und der Bedeutung der Kaiserlichen Kund- _.Seb_ung Forschub zu leisten. Dieselbe hindert Niemanden an der neten Betbätigung seiner Gesinnung; ein Hindernis; soll fie nur fur den Mißbrauch des Kaijerlicden Namens im politischen Kampse_se1n. Aber wenn die im „Reichs-Anzeiger“ reröffentlicbte Erklarung weder die Wirkung haben kann, noch _ dessen sind wir vonommen s1cher _ die Abficht verfolgte, der verfassuugßmäßig verbürgten freien Meinungsäußerung den gerinZsten Zwang anzuthun, so bleibt fie darum als Kundgebung des aisers über die allgemeine Richtung seiner inneren Politik im böchsren Maße bedeutun svoll. Wenn die davon unliebsam betroffenen Parteien sich in ihren r_ganen geberden, Als ob durch diese Veröffentlichung etwas geschehen ware, was außer- halb des Rahmens des Konstitutionaliömus fiele. die Stellung der Krone zum Lande änderte, etwaigen »ppositionellen Wahlen für die Zukunft eine Kanz besonders bedenkliche, gegen die Krone gerichtete Bedeutung im Voraus aufpräge, so sind das Redenöarten aus einem zett- und _ort- [Ofen, nur in der Phantasie bestehenden Staate; _ vor der preußisch- *deqtjcben konstitutionellen Geschichte können sie nicht Stand halten. lr haben schon, bei diesem Anlaß wie in früheren Zeiten, bemerk_t, daß_ es ohne Zweifel schwere Bedenken hat, wenn der_Herrscher m völztischen Einzelfrayßen zu einer persönlichen Steüungnaome sich ent- schlteßt; staatliche othwendigkeitexr können bald_zur_Aenderung der- selben zwingen. Alicia völlig verichieden davon ist _eme _Kundgebung uber_diealigemeine Richtung der einzuhaltendenPolit_1k._wte fie in der Erklarung des „Reicbs-AnzeiaerS“ enthalten ist. Sie ist herkömmlich ln unserem konstitutionellen Staate, und fie ist wiederholt von der „e_rölkerung _ zum Theil auch von Parteien, deren Organe jeßt die Stirn in düstere Falten ziehen _ mit Jubel aufgenommen worden.

Wir haben bereits an das durchaus persönliche Programm erinnert, welches Kaiser Wilhelm 1. als Prinz-Regent_a_m 8. Novembrr 1858 vor seinen neu ernannten, altltberglen Ministern entwickelte und auf das man liberalerieits sicb spater _so okt berufen hat. Em biefiges fortschrittliches Blatt besitzt die Kubnheit, zu bebauyten, dieses Programm sei, im Gegensaß zu der _Erkiaruug des „Reichs- Anzeigerß', damals „unter der Verantwortltchkett des Ministeriums veröffentlicht“ worden. Daran ist kein wahres Wort; das Progratzim des Prinz- Regenten wurde zuerst Mitte November 1858 bruchstuck- weise durcb Provinzial-Zeitungen bekannt, und Ende November wurde hier in Berlin eine authentische Fassung, aber ebenfalls nur als

Zeitungs - Mittheilung Veröffentlicht. Um aber an einen viel näher liegenden Fall zu erinnern: wie war es denn mit dem, in dem Erlaß an den Reichskanzler enthaltenxn, sogar sehr ins Einzelne gebenden Regierungspro kamm Kaner

riedricb's 111. vom 12. März 1888? Dane be war von einem Minister segengezeichnet, und es ist dennoch auch von den Parteien, Weiche jetzt fich geberden, axs ob etwas Ungebeuerlicbes geschehen wäre, auf das Freudigste begrüßt worden. Man wird dock) wohl nicht die absurde Behauptung aufstelien wolien, der Herrscher dürfe eine solche Kundgebung seiner aUgrmeinen politischen Auffaffung nur beim Beainn seiner Regieruna erlaffcn?! Nach der Verfaffung bedürfen die RegierungSakte des Monarchen der Gegenzeichnuna eines Ministers; aber für eine Bekundung der Ansichten, von denen _er fich bei seinen Regierungéakten leiten [affen wil], ist er an die1e Be- dingung nicbt geknüpft. _ _ _ Die Bedeutung einer solchen Kundgebung Hangt selbstverstandltrh nicht von ihrem Umfang oder von dem äußeren Anlaß dazu ab. Troy der Verichiedenbeiten, welche in dieser Hinfixbt obwcrlten, besteht die von uns schon hervorgehobenewichtiaeAebnlnhkeit m1t_ dem ProZramm dcs Prinz-Regenten vom 8. November 1858; hier wie dort wird der Anspruch der äußersten Rechten, unter der Maske eines beiondrrs ge- arteten Royalismus ihren Willen der Krone und dem Lande auf: zuerlegen, zurückgewiesen. Damals geschahes, nachdem diese Partei fast ein Jahrzehnt hindurch ihre verderbliche Hrrr_1chafi grubt batte ; jetzt wrist der Kaiser einen erneuten Anspruch gui solche Herrschaxt zurück_ _ und da solite nicht jeder Liberale diese Kundgebunrz m_tt lebhafteiter Befriedigung ausnehmen. nicht Ali_es_ thun, um__sur die Zukunft den Gang unseres Sinatslebens in dte1er vdrn Kaner_ror- gezeichneten Richtung zii fichern? Wenn die deuticH-fretfinniaen_Firhrer verblendet und verbittert genug find, eine thatsqckxiickze Y_extatigung ihrer Klagen über angebliche unerträgliche polttzirhe Zunande leb- hafter m wünschen, als Sicherheit gegen solrhe Zustande, _so werden die Wähler sich hoffentlich noch v_o[1standiger_ von tbnen_ ab- Wenden, als es bereits geschehen irt _Wie m_ der Abwetinng der politischen und kirchlichen Reaktion, so abnelt die jüngste Karier- licbe Kundgebung dem Programm des Prinz-Rerienten von 1858 auch darin, daß Beide das Zusammenwirken der gemagtgten E(emente des LiberaliSmus und Konservatißmus erstreb5n. Das ._Kartell' kann, wenn es eine dauernde Einrichtung sein soll, nur diese _Bedeut_un_g haben, und das nämliche Zusammenwirken damals frakttonßmaßtg anders organifirter politischer Kreise war zu der „Reform obne Bruch mit der Vergangenheit“ erforderlich, die das Weien des Programms von 1858 ausmachte . . .“

Ueber die „Kohlenthenernng“ lesen wrr in der „Deutschen volkswirthfchastlrchenCorrespondenz“:

„Nicht nur über Vertheueruna der nordrvendigrten LebenSmitiel durch die deutsche Wirthsrbaftspolitik jammert dre Manchestervreii_e, fast mcbr noch sxbeént sie fich über die eingetretene Prairiteigerung_iur Kohlen zu entirßen, vielieicht gerade deshalb, weil man einen nicht vorhandenen Kohlenzoll doch nicht gut dafur verantwortlich machen kann. _ __ __

Die TdatsaÖe ist richtig. der Koblenpreis is_t gestiegen und zwar, soweit der Detailverkehr in Frage kommt, ziemlich erheblich, weniger der im Engrosbandel und am wenigsten der von den sogenannten Streckenhändlern der Zechen gezahlte. Es ist_ aber wahrlich nicht allzu schwer, den wirtbichaftiicbcn Gründen fur das Steigen der Koblenprcise auf die Spur zu kommen. _

Der Preis richtet sich nach Angebot_ und Nachfrage _ soweit wcrdrn ja wohl die Herren Freihändler mit uns einverstanden mn. Nun, wir haben für _Kohlen ein vermindertes Angebot nnd eine ge- steigerte Nachfrage, iit es da ein Wunder, __daß der Pkl13_ steigt, und hat man da nötbin, WiribscbaftS- und Cnenbahntarifpolittk (xls Ur: sachen dirser Preissteigerung auszukundschasten? _ _ _ _

Daß das Angebot vermindert ist, hat srine iehr nainrlrcbcn Gründe. Yer Strike in den Kohlenbergwerken hat _ es _k_om_mt nicht allein die Strikezcit selbst in Betracht, sondern auch diejenige, welcbe dazu gehörte, um die gestörten Vetriebéernrtchtungen der Zechen so weit zu adjustiren, daß die volle Tagesförderung wieder erzielt werden konnte _, also der Kohlenstrike hat unsere gesammtrnZecben auf durchschnittlich einen Monat still gelegt. Es febit also im An- gebot etwa ein Zwölftel eincr Jahresförrerung. Das ist eben nur der direkte Airsfall, den der Strike in der Förderung_ und mithin _tm Angebot verursacht hat; hinzu iritt aber eine ntcht_unwesemltche Mindetproduktion als Folge der Verkürzung der Schrchtdauer und des Fortfalis drr Ucherichichten, welche beiden Forderungen de_kanntlzch den Arbeitern bewiiiigt find. Die Schichtdauer ist, wentgitens nn Rubrrevier, um durchschnittlich eine halbe Stunde ekurzi, und war die Zahl der Ueberfchichten wirklich so groß, daß die erglcute Grund hatten, deshalb Beschwerde zu_ führen, so wird man kaunx_zu hoch greifen, auch diesen 5Il_usfn[l aus etwa ein Zwölftel der Zechensorderung zu sei'äßen, sodaß (1110 der gesammte Ausfall im Anaehot annahernd ein Sechstel der Zecher-produktion betrgaen würde. Tgß der Ausfall we en verkürzter Arbeitszeit und Fortfall der Ueberlcbtcbten sehr er- bc lick) ist, ergiebt sich u. A. auch daraus, daß _rie Bergleute der_ens über Lohnausfälie zu klagen beginnen, die_ibnen tm Vergleich zu fruher trotz der günstigeren Bedingungen erwachieg. _ _

Auf der anderen Seite stcbt_die_ Ste_rgcrung der Nachfrage. Diese resultirt nicht nur daraus, dar; die wahrend des Strikes gus- gebraucbten Vorrätbe der Händler_ und industrielien Werke erganzt worden find. Aber schon kiefer iteigende Begebr nacb Kohlen, der fich sogar mit einer gcwifien Dringlichkeit geltend machte, mußte Preissteigernd wirken. Vielfach bat_man sié) aiich, und gersde eme Anzahl der größeren Jndustriewerke ist dem Beispiel der Eiienrahn-

verwaltung darin gefolgt, dazu entschlossen, Behufs Sichersteiiung gegen-

eine etwaige Wiederkehr eines allgemeinen Koblenstrikes eiierne Bestände anzusammeln resp. die bisher schon gehaltenen zu vergrößern. Wie wir schon früher hervorgehoben baden, liegt hierin die beste Verhütung eines künfttgen_Koblenitr1kes, aber Niemand hat verhüten können, das; dieie Vorsorge m der Nachfrage nach Kohlen sicb geltend machte. Drittens aber ist die_ gesteigerte Produktiv- tbätigkeit fast aller Branchen in Betracht zu ziehen, und nian braucht sich nur davon zu überzeugey, wie z. B. die Großersenxndustrie für Bauzwecke be cbäftigt in , um einen Maßstab fur den Mehrbedarf an oble aus diesem Grunde , d. 5. fur_ die hieraus folgende Vermehrung der Nachxtage zu _finren. Sieber- licb ist es höchst schwierig abzuschaven, ern_ wre Brucbtbeil der früheren Jahresproduktion für diese drei Verwendungs- zwecke absorbirt worden ist" aber unter _emem weiteren dritten Zwölftel derselben dürfte es kaum gewesen sem, sodaß a]so vgs Ver- äitniß zwischen Angebot und Nachfrage fich um eirva em Viertel zu Gunsten der leßteren verschoben haben möchte._ Daß aus solcher Ver- [_cbiebunq eine Preissteigerung folgen mußte, ist so klar,_ daß recht öser Wille dazu gehört, die Ursachen der eingetretenen Preissteigerung anderweitig suchen zu wollen. _ _ _ Uebrigens sind es weniger die Zechen als dte Koblenhandlrr, dre bisher von der Preissteigerung profitircn, und deshald ist es xerenfalis verfrüht, wenn man die Steigerung der _Kohlenpreise s(hon jeßx m den Coursen der BergwerkSaktxen und Kuxe eskdmpnren will. Da die Zechen meist auf lange Fristen ibre_Eefammtsörderung verkauft haben, ihre Kosten ab_er in Folge des Strikes gewachsen find, so ist der Schluß jedenfalls nicht aUgemern zutreffend, daß die wirth- scbaftlicbe Lage der Zechen eine gute, wesentlich venere als im Vor- jahre sein müsse.“

großer _

Statistik und Volköwirthsthaft.

Zur landwirtbscbaftliÖen L_age. _ Die Lage der Landwirtbscbaft bat fich aucb m„dem Regierungs- bezirk Marienrverder, wie uns Von dort berichtet wird, noch immer nicht günstiger gestaltet. Zwar_ist eine Wendung zum Veffern insofern eingetreten, als die Preise fur Getreide, _Vieb (namentlich Schweine), Wolle, Molkereiprodukte und LebenSmtttel Verfcknedener Art gegen früher gestiegen sind. Indessen werde_n_ die 11c_b hieraus ergebenden Vortheile durch unguninge Umstande, mit welchen gerade die westpreußische Landwrrthsch_aft__ i_chwer zu kämpfen hat, mindestens aufgehoben. _Dte dteexabrige Ernte wird dem Landwirtb (man taxirt fie an _Kornern auf T bts_45, rm Stroh auf wenig mehr als die Hälfte einer Mittelernte) mehr Viel Getreide zum Verkauf übrig lassen. Dazu kommt der Arbeiter- mangel, der sich gerade in dem letzten Quartal Wiederum in sehr empfindlicher Weise fühlbar gemaeht bat, und Welcher den Betrieb außerordentlich erschwert und vertheuert. Dre starke Nnchfrage nach Arbeitskräften, wclche von den rübrnbauenden_ Distrikten und von den Industriebezirken aquebt, entzieht _alixahrlich _dem _Re- gierungshrzirf viele Tausende Menschen, die 7ur_ die Halfte des Jahres und oft auch fiir immer-fortwandern. _um in Pommern, Brandenburg, Sachsen, Westfalen zu arbeiten, Dr_ese Wznderungen, welcbe durch zahlreiche Agenten organifirt werden. Und mr_die her- mischen Arbeitgrber um so nachtreiliger, als gerade dre beiten und

kräftigsten Arbeiter es find , die nach denz Westen zm- geworben werden._ Um den dringenden _ Bedarf rm Arberts- kräften einigermaßen zu decken, haben vrrle Landwirthe, theils

mit, theils ohne Erlaubnis; und Vorwiffen der Behörden, polni] che Arbeiter aus den benachbarten russischen Gremdiitrikten angenommen. Es wird Mühe kosten, diese ausländischen Elemente wieder zu_ent- fernen und ihre Rückkehr in die Heimatk) wirksam zu kontroütren, zumal es sich in der Regel um Leute handelt, die der außreicbenden Legitimation ermangeln. _ __

Diese und ähnliche ungünstige Verhältnine erklären zur Genüge die Thatsache, daß aliein während der Monate Mai, Juni und Juli in dem Regierungsbezirk nicht weniger al5“ 58 [andwirtbschaftlich benuZte Grundstücke mit "2303 119. Jiäche dnrch Zwangßver- steigerung den Eigenthümer gewech'elt haben. Darunter waren 3 Vefiyungen von 500 bis 200 ha, 3 rOn "200-100 119. _und 52 unter 100 118, Drei Grundstücke von 38 da ginnen aus polniirher Hand in deutsche, drei andere von 77118. aus deutscher in polniiche über. In dem gleichen Zeitraum dat fich die Bevölkerung um 1019 Köpfe durck) Auswanderung vermindert; davon waren 688 Per- sonen deutscher, 331 Personen polniicher Nationalität.

Submissionen im Anälande.

Rumänien. 1) 13. Oktober. Verwaltungs-Kommisfion res 15. Dorobanßen- Regiments zu Piatra. Lieferung von _ "2000 Leinwand- ußsriZen, 233 Leinwand- andtachern. ?) “27. Oktober. Verwaltunqs-Kommiifion des 16. Dorobansen- Regiments zu Foiriceny. Lieferung von 1617 Leinwand-Fußseßrn, 566 Handtüchern, 201 Krawatten, _ _ _ "285 Päckchen kleiner Ansrüitunch-Grgenstandr. Näheres an Ort Uiid Striie.

Verkehrs - Anstalten.

Wie aus K öln (Rhein) gemeldet wird, ist die 1. en glisch 2 Post vom 5. Oktober aUSgeblieben. Grrmd: Verfehlen des Anschlusses in Köln (Rhein) wegen Verspäteter Landung des Schiffs in Ostende.

Erfurt, 6. Oktoker. (W. T. B.) Das _biefige Eisenbahn- Betriebßamr giebt bekannt. daß der V erkebr zwi1chen_Naumburg und Artern heute Vormittag 11 Uhr wieder ausgenommen

worden ist. Triest, 6. Oktober. (W. T. B.) Der Lloyddampfxr „A rdillc" ist, von Konstantxnopel kommend, beute Nachmrttag bier

eingerroffcn.

Theater und Musik.

Berliner Theater.

Frau Hedwig Niemann setzte am Sonnabend ihr Gririviel am Berliner Theater als Hsrtba in Oskar Bluznsntbai'é Schau- spiel „Ein Tropfen Gift“ mit schönem Gr!rngen_sort. Da die Künstlerin naturgemäß solche Rollen wahlt, in welchen

fie ihre * fast unvergleichliche Darstellungskunit _voll zu ent- falten Gelrgenbcit findet, kann es nicht überrairben, daf; sie auch die weibliche Hauptrolle de§_ Biumenibal'ichen Schau- spiels gewählt hat, deren beitrickenre Darstellung bei

der Erstaufrührung im Deutschen Theater der_n Stiicke zu seinem Erfolge verhalf; wie dem überhaupt dies_ Schau'viel mit der Darstellung der ,Hertba' stebt_ und säüt. Fr. Niemami's naiver, herzbewegender Ausdruck tiefer, fittenreinrr Empfindung. ibr aanzes Wesen vol] Vornebmheit und_ Sinnigkert können hier voll zur Geltung kommen und pflegen in der großen Scene des dritten Aktes mit dem Freidrrrn von Mettenborn aueh die bis dahin Widerstrebendcn zu ergreifen und zu überwinden; hier pipfelje der Erfolg auch am vorqeitrigen Abend. _ Der schneile und doch so naturwakr dargestelitr Uebergang von tiefstem Leid znr höchsten Freude, ihre TQTÜUM und ihr Lacken, durch welch_es die vor- bergraangene schmerzliche Y_ewezung noch h:nd_urch7_tönte,_ubten aucb vorgestern wieder eine hinreißende Wirkung ain rie Zu1chguer aus. Das frische, quelirnde Lebcn und die muthvollc Serie, welche dicier Gestalt innewohnen.tbciltenfich dann auch wohl den übrigen Dariteiiern mit, und hierin liegt der eigentliche Erfolgdcs SÖausvi-xls, welches im Ucbrigen wohl unterhalten kann, aber tieferer Wirkungen ermanxzcit. Auch vor- gestern schien das Publikum fick) bei den witzigen Erniäücn. welcbe tbrilS dem jugendlicb-heiteren LiebYSPaar, tbeild dcm Ailerwclx-F-“rcund, dem Baron Brendel, Vom Versuch in den Mund Jelegr wrrrm, out zu unterhalten. Die ernit angelegten C araktcre des Schauspiels vermögen dagegen nicht in gleichem Maße zu fesseln; ibr Gefühlöleben tritt uns nicht greifbar und lebendig genug entgegen, um warmes Mitgefühl anzumxben; wir hören ihren Außeinandrrseßungen vielleicht mit Jnterene zu, aber mit dem Wort entfliegt die Wirkung. Der fch_arse Verstand,_ ker eiserne Fleiß, das ernste Streben dcs Verfaners, weicher iciner Zeit in dem Schauspiel ein Spiegelbild_ vorhalten _wili. smd der Anerkennung werlb, und unier Verstand zolit i_bm Beifall, wenn auch unser Gemüth k_i_chl bleibt, Neben Fr. Hedwig Niemann errang sich den meisten Beifall Hr. Stahl in rer Rolle des Baron Brendel, des heruntergekommenen Aristokraten, deffen Ehre fait nur noch im tadellosen Anzug und _ in den_ unantastbaren Umgangsformen besteht; Hr. Stahl amufirte böchltcb, korb machte seine große schauspieleriscbe Kraft das plößlnbe Hervorbrecben der Moral bei diesem Mann, welcher seit Jahren aus* der Tasche guter Bekannter lebt, nicht völlig glaubhaft._ Hr. Dracb spielte den ersol - losen Verführer mit vornehmen Manteren,_ader blaß in der Au- faffung. Eine sehr erbeiternde Wirkung ubten Frl. Odilon und Hr. Schindler als sorglojes munteres L_iehespaar aus. _ Der Beifall war sehr lebhaft und galt in erster Lrnte der Fr. Niemann, welche nach dem dritten Aft einen förmiicben Triumph feierte,

Da die Vordere tungen zu Wilbrandt's „Markgraf Waldemar“ noch einige Tage mehr, als vorauögesest, in Ansrrucb nehmen, ist die Premiere dieses Werkes, die für Sonnabend angeseyt war, verschoben worden. Da? Repertoire gesjaltet sich nun für diese Woche folgender- maßen: Dienstag: .Die wilde Jagd", Mittwoch: „Demetrius', Don- nertag: ,Die wilde Jagd", Freitag: (6. Abonnements-Vorsteüung)

„Ein Tropfen Gift“, Sonnabend: „Demetrius'.