1889 / 248 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 17 Oct 1889 18:00:01 GMT) scan diff

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113/4 Uhr verließen Ihre Majestäten in den) Hyfßuge Neu- fahrwasser und festen die Rückreise über Danzig-Dir chau fort. Die „Dershawa“, welche die Kaiserftagge medergeholt hatte, verblieb vorläufig im Hafen.

Kiel, 17. Oktober. (W. T._ B.) Das enZlische Kanalgeschwader ist heute Vormittag 10Uhr nach_ arls- krona in See gegangen und kehrt von dort direkt nach Portsmouth zurück, wo die Ankunft am 29. d. M. er- folgen sol].

Bayern. München, 16. Oktober. (A(lg. Ztg.) Se. Königliche Hoheit der Prinz Ludwig ist gesterzi Abend vo_n Schloß Leutftetten hier angekommen. Ihre König11che Hoheit die Prinzessin T heres e kam vorgestern Abend von Lindau zurück und begab sich gestern nach BerchteSgaden. _Ihre Königliche Hoheit die Prinzes s in Adalbert ubersiedelte mit ihrer Tochter, Prinzesfin Clqra,_ur_1d ihrem Hofstaate heute von Schloß Nymphenburg in die hiesige Residenz, _

Die Gesandtschaft des Sultans pon Zanzrbqr machte deute Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Ludwig als Vertreter des Prinz-Regenlen im Witteleach-Palais ihre Aufwarlung. Die Gesandten, eingeführt vom General-Konsul Michaheües, wurden durch den preußischen_Ges911dten, Grafen von Ranßau, vorgestellt. Morgen früh reist dre Gesandtschaft nach Baden-Baden.

Der Ausschuß der Kammer der Abgeordneten znr Berathung der Malzaufsch_1ag8novelle hä_lt heute Sitzung, um eine Generaldiskussion zu pflegen, Die nächste Plenarsißung der Kammer der Abgeordneten ftndet am Freitag, den 18. d., statt. _

- 17. Oktober. (W. T. V.) Ihre Majestätenxder König und die Königin von_ Dänemark nebst Sr. Kaiserlichen Hoheit dem Großsürften = Thronfolger von Rußland sind heute Vormittag 10 Uhr 20 Mi- nuien mittels Courierzuges hier eingetroffen. Der Groß- fürst-Thronfolger frühstückte im Königssalon des Bahnhofs und trat um 10 Uhr 48 Minuten die Weilerreise nach Brindisi an. Die dänischen Herrschaften sind irt dem Hotel „Zu den vier IahreSzeiten“ abgestiegen und beahsichtigen, am Freitag zunächst nach Bologna weiter zu reisen, wo Ihre Majestäten einen Tag zu verweilen gedenken.

Sachsen. DreSden, 16. Oktober. Wie das „DreSdner Iournal“ meldet, hat Se.. Majestät der König genehmigt, daß der apostolische Vikar, Bischof Franz Bernert die ihm vom Papst verliehenen Ehrenämter_ eines, päpstlichen Haus- prälaten, eines päpstlichen Thronaisiytenten und die Würde eines ()011185 1201118111115 annehme.

Der Landtag ist auf den 11. November d. I. ein- berufen worden. _

Bei den LandtagSwahlen haben, wre „W. T. V.“ meldet, nach dem yunmehr Übersehbareu Gefammtresultat die Kartellparteien einen Siß von den Deutschfreisinnigen

ewonnen und einen an die Sozialdemokraten (im 36. länd- ichen Wahlkreis StoUberg) verloren. Die Sozialdemokraten gewannen einen zweiten Siß in Limbach (Land) von der F0r11'chritt8parxei. Von 29 zu wählenden Abgeordneten wurden 22 den Kartellparteien Angehörige, 2 Mitglieder der Fortikerittspartei, 2Deutschfreisi1mige und 3Sozialdemokraten gewä) t.

Sachsen- Coburg- Gotha. Coburg, 16. Oktober, (Cob. Ztg.) Se. Königliche Hoheit der Herzog und Ihre Kaiserliche Hoheit die Herzogin von Edinburg_ smd mit dem Prinzen Alfred heute Morgen 11/-„, Uhr hier wieder eingetroffen.

Die (Heseß-Sammlung für das Herzogthum Coburg ver- öffenllicht den zwischen dem Königreich Bayern und dem Herzogthum Sachsen=Coburg durch besonders dazu ernannte Bevollmächtigte am 8. Juni d. I. abgeschlossenen Staats- vertrag, den Bau und Betrieb einer Lokalbahn von Haßfurt über Königsberg nach Hofheim betreffend.

Reuß j. L. G era , 16. Oktober. Das heutige „Amts: und Verordnungsblatt“ bringt die Bekanntmachung von der Ein- berufung des Landtages auf Sonntag, den 27. Ok- tober d. I. Eine gleichzeitig veröffentlichte Ministerial- Bekanntmachung vom 10. d. M. betrifft die Ausführung der

Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 9. Mai d. I. wegen'

Führung der GenossenschaftSregister.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 16. Okt-Oer. (W. T. B.) Der Kaiser empfing heute Mittag den rumänischen Minister des _Aeußern Lahovarr) in Audienz. Später machte der Minister dem Grafen Kéxlnoky einen Besuch.

Der Minister wird den 19. d. M. Morgens nach Bukarest zurückkehren. _

Der „Polit. Korresp.“ zufolge bestäticxt sich die Meldung, daß de_rErzherzog Albrecht seinen wiederholt beabsichtigten, aber bisher vertagten Bes Uch bei seiner Nichte, der K ön igin- Regenirn vo_n SHUULLU, demnächst abstatten dürfte. Gleichzeiti versichert dieselbe Korrespondenz, daß die mit dieser Reise in erbmdung gebrachten Gerüchte betreffs der Wieder- xerehelichung der Königm-Negentin vollständig erfunden eien.

Das Neicthericht hat bei der heutigen Verhandlung über die Beschwerde des „Schulvereins fürDeutsche“, nach Anhörung des Vertreters der Regierung und des .Be- xchwerdeführers vorläufig dahin entschieden, heute nur über die ormcllen Fragen zu verhandeln. Im Laufe der SiYmg wurde alsdann beschlossen, über die Beschwerde wegen uf- lösung des „Schu_lvereins für Deutsche“ den formalen Ein- wendungen des Ministeriums nicht stattzugeben und die neue Verhandlung hierüber für die nächste S*ißungsperiode an- zuberaumen.

Budapest, 16. Oktober. ZW. T. B.) Der evan- gelische Kircheii-K-onvent ver andelte heute über das Ver- halten im Kirchezidtstrikt diesseits der Donau gegenüber der vor- ährigen M1ßb1111gunß gezßen die bekanntenKiewerWall- Fahrer. Die Ma1orität es onvents nahm ohne Abstimmung eine Resolution an, nach welcher der vorjährige Be- schluß aufrecht erhalten, das Recht des Distrikts den Beschluß zurückzuweisen, nicht anerkannt und das Ver- halten des Distrikts mißbiÜigt wird, Thomas Pechy aab der Ueherzeu?tzng- Ausdruck, daß'der nationale Geist gepflegt und keine ru sische Propaganda gemacht werden so!]e.

Großbritannien und Irland. London, 16. Oktober. (W. T. B.) In der gestern in Schloß Balmoral abgehal-

tenen Sißung des Geheimen Mathes wurde die Ver- leihung des Königli en Schußbriefes an _die britische süd-afrikani che Gesellschaft genehmtgt. Diese letztere sieht unter der Verwaltung des Herzogs von Abercorn, des Herzogs von Fife __ und anderer namhafter Persönlichkeiten und ist gegru_ndet, um die Gegend nördlich des Betschchuana=Landes, nhrdlich undwestlich von TranSvaal und westlich von den portugiesischen _BeslHUUHM zu HandelSzwecken auszudenken, Das Betriebskapital "betragt vorläufig 1 Million Pfund Sterling. Die Krone behalt sich das Recht vor, das Gebiet nach 25 Jahren zu übernehmen.

Der Minister des Innern, Matthews, empfing heute Nachmittag eine ihm von einer Deputation seiner Wähler in Birmingham überreichte Adresse _ und erwiderte auf dieselbe: Die Leitung der auswartigen Angelegenheiten Englands durch _Lord Salisbury verdiene die größte Anerkennung; die demselhen ge- stellte Aufgabe sei keine leichte gewesen, _Die aus- wärtige Politik Englands habe sick) inmitten von Schwierigkeiten befunden, da der _nächste Nachbarstaat Englands, Frankreich, seit längerer Zeit von Verwrrrungen erfül1t gewesen sei und auch manche p_on Rußland erhobeneri Ansprüche die größte Wachsamkeit erheticht hälten;_ dennoch sei es der festen Hand Lord Salisbury? gelungen, die Ehre und die Intereffen des Vaterlandes zu wahrexi und zu schüßen. Die Aeußerungen des Ministers wurden Mit lebhaftem Beifall aufgenommen.

Frankreich. Paris, 15. Oktober._(Fr. C.) Graf Mun übernimmt die Führung der royalijii1chen Fraktion, welche die Republik anerkennen will. Die neue Partei wird den Namen „Unabhängigkeits-Partei“ führen.

Die aus Tongking hier eingegangenen Nachrichten lauten giinstig. Das tongkinesische Delta ist pacificirt, und chinesische Räuberbanden zeigen sich nur noch in den höher gelegenen Gebirgsgegenden, da die in China aus dem aktiven Dienst ent: laffenen Soldaten sich meistens dem Räuberhandwerk zuwenden. Es ist auch zu erwarten, daß diese Zustände in den Grenz- disirikten von Tongking und China so [angewrtdauern werden, bis der Ausbau der Eisenbahnen hierin eine natürliche Aende- rung hervorbringt.

Amerika. Washington, 16. Oktober. (W. T. V.) Die Delegirten zu dem internationalen Kongreß der Seeuferstaaten wurden heute durch die betreffenden Ge- sandten dem Staatssekretär Blaine vorgesteÜt. Mr. Blaine drückte seine Anerkennung für die aÜgemeine Annahme seiner Einladung aus und betonte die Wichtigkeit der Aufgaben, die dem Kongreß vorlägen. Das große Interesse, welches die Seevölker an den schwebenden Fragen nähmen, zeige sich in dem hervorragenden Charakter und der ausaedehnten Erfahrung der Delegirten. Der Admiral Franklin von der Marine der Vereinigten Staaten wurde zum Präs identen des Kongresses erwählt. Die Sißung wurde sodann auf morgen vertagt, und die Delegirten begaben sich nach dem Weißen Hause, wo sie dem Präsidenten Harrison vor: esteUt wurden. Der Präsident hieß die Delegirten in einer urzen Ansprache wiUkommen und sprach die Hoffnung aus, daß die Arbeiten des Kongresses den kommerziellen Interessen der (anzen Welt zum Vortheil gereichen würden.

Afrika. Marokko. Tan er,15.0ktober. (NV,) Der _Sultan wird heute in araiche erwartet. Das spanische Panzerschiff-Gesch1vader segelte heute von hier nach Cadiz, während der britische Kreuzer „Phaeton“ nach Gibraltar abfuhr.

Zeitungsstimmen.

Das Ergebnis; der Wahlmännerwahlen fiir den Badi- schen Laudtag veranlaßt die „Nationalliberale Correspondenz“ zu folgender Betrachtung:

„Auch bei den bari1chen LandtagSwablen haben wir wieder ein ultramontan-sozia1demokratiscb-demokratisches Kartell rüstig (m der Arbeit gesehen, und der (Hcsckploffknbeit, mit der al1e diese Elemente auftraten. ist hauptsächlich der Mißerfolg der Nationalliberalen in verschicdenen Wahlkreigen zuzuschreiben Es unterliegt keinem Zweifel, das; wir derselben Er1cheinung in noch errveitertem Umfange bei den nächsten Reichßmgrwablen gegenüberstehen Werden; ein Vorspiel dazu haben wir ja schon bei verschiedenen Ersaxwahlen z. B denjenigen der Provinz Hannover oder in Offenburg ge ehen. Für den extremen Liberalißmus so gut wie für die Sozialdemokraten und Ultramon- tanen ist die Verdrängung der dcrmaligen najionalen und regierungs- freundlichen Reichstagsmebrbcit so sehr der oberste und leitende Grundsaß, d_aß darüber die klaffendsten politischen Gegensäße vergessen werden. J!t_ doch die Parteiverblendung so weit gestiegsn, daß Berliner Jortichrittsblätter bei den badischen Wahlen in heklen Jubel ausbrachen über die Erokerung einiger nationalliberalcn Mandate durch die Uliramontanen und von (inem Siege der „ver- einigten freifinnigen Elemente“ sprachen. Man mag staunend vor dieser durch den Paiteifanatismrts erzeugten Verwirrung der Be- griffe sieben, ((der man muß mit idr (118 11111 einer TbatsackIe keck)- nen und die unwermeidlichen Schlüffe daraUs ziehen. Wir 0th eincm, wenn auch nicht in ((Art Form abgeroffencn, so doch that- sachlich überall eingehaltenen und durchgefühxtcn Bündnis; des extre- men Liberaleus, der Sozialdemokratie und der Ultramontanen zur Wlederbersteüung cincr Reickvstagemebrhcit Winkthorst-RiMer-Bebel entgegen. Je nach den Verhältnissen werdcn dds? Parteien schon im ersten Wahlgang, unbedenklich abcr bei Stichwahlcn zusammengebep, und es wäre unklug, Vor den in einer solchen Koalition lie,;(nden _Gcfahren d;e Augen zu Verschließen. Die nationalen und regierungs- !reundljchen Parteien Werden fich diese Gefahren sebr ernstlich vor- halten und auch ihrerseits die trennenden Unterschiede zurücktreten lassen müssen (x_ng(fichts der Leichtigkeit, mit Welcher man in dem anderen Lager Über ungleich tiefergehende Gegensäize binwegkommt,“

Zu__ dem Ausfall der Ersaßwahlen fiir den Landtag Zes__Konigreichs Sachsen bemerkt die „Leipziger

ei ung“ :

„Alles in_Allcm wird _man sagen dürfen, das; fich dcr (iefeßlickpe und _]oyale Sinn unserer Bevölkeruna am!) bei dieser Wahl wieder bewahrt hat und auf ein gle-ch günstiges Ergebnis»! der bevorstehenden Reichstagswahl rechnen läßt.“

Das „Dresdener Iournal“ schreibt dagegen aus demselben Anlaß:

.Das _Wablergebniß ist ein solches, daß die Anhänger der Ord- nungrparteten ke 1 n c n besonderen Anlaß haben, des gestrigen Tages mit Stolz zu_ geden_ke-1. Zwar haben die Karteljparteien von den Wahlkreisen, die sie btsher innegehabt, _nur zWei verloren und dafür einen neuen Zewonnxn, wdaß der tbatsacbliche Verjnst sich nur auf einen Kammer- rtz belauft, abcr daß sich als Ergebnis; ein, wenn auch. noch so ge- rtng_er,-Ver11cht_anftatt eines Gewinnes ergiebt und daß in gar manchen Kreiseq_der Steg der Ordnungspatteien durchaus kein glänzender ge- wesen nt, das kann nur als höchst bedauerlich bezeichnet werden.

Und dieses Bedauern steigert fich nur, Wenn man sieht, daß an dem mehr oder weniger unerfreulichen Ergebnisse doch wieder ledig1jch die politische Tragbeit_ der Wabjerschaft die Schuld trägt Ztvar ist in den meisten Wahlkteisen eine etwas legere Betheiligung als h_ei den [eßten Wahlen zu Verzeichnen, noch ijr“ aber ist das Verhaltniß der abgegebenen Stimmen zu der Zahl der L7F5erechtigten in fast allen Kreisen ein außerordentlich

e es . . .

Möchte die Lehre, die uns der gestrige Tag gegeben, Von allen Anhängern der gutcn Sache richtig verstanden und bei der nahen ernsten Gelegenheit wobl beherzigt werden. Eins ist jedenfalls schon heute gewiß: leicht wird Der bevorstehende Reichstagswahl, kampf nicht werden, und wenn fich unser Land den Ruhm, den es sich vor drei Jahren erworben hat, auch dieSmal erhalten will, dann müssen die Freunde der Ordnung in ganz anderer Weise auf dem Posten sein, als es gestern der FaÜ gewesen ist.“

Ueber das Verhäliniß m_m_ Deutscbfreisinn und Sozialdemokratie finden w1r in der „Danziger All- gem ein en Zeitung“ foLgende Bemerkung:

„Wenn dem Deutschsteifinn vorgehalten wird, daß er die Vor- frucht der Sozialdemokratie bilde, so erheben gewöbn1ich sämmtliche Organe dieser Partei ein lautes Lamento und beschweren fich über Unwahrbaftigkeit ihrer Gegner. Wie dieselben indessen einem neuer- lichen Verhalten ihrer Parteigenossen gegenüber diese ihre bisk/erige SteÜun noch weiter einnehmen woÜen, ist nich§ recht erfindli . In dem sächsischen Wahlkreise Oschaß- Wurzen wv jüngst die Nachwahl für den Reichstag stattfand, haben die Deutschfreifinnigen bekanntlich eine Verhältnißmäßjé große Anzahl Stimmen gewonnen, die Sozialdemokraten eine solche Verloren. Man konnte sich das Ereignis; kaum erklären, bis jetzt sozialdenwkratijche Bläxtcr, die es doch wissen müssen, melden, der Freifinn hätte die sozialdemokratischen Stimmen an sich gezogen, und War nicht deshalb, Weil seine Lehren eine größere Ueberzeugungékraft als früher gervonnen Hätten, !ondern einzig und aÜei; aus dem Grunde, Weil die Deutschfreisinnigen fick) einfach für die sozialdemokra- tischen Forderungen erklärt Hätten. Ja den überwiegend ländlichen Wahl- kreisen sei aber die politische Schulung der Arbeiter noeh n*cht soweit gediehen, „daß sie zwiickyen Ver1prxchungen und Handlungen cinen sckéarfewUrHteUchied zu 111-ULM wüßten, und so habe denn der Deutschsreisinn auf_Kosten der Sozialdemokratie gesiegt, .inkem er 1ich in ihre Haak iteckte und s1_ch wie sie (:eberdexe “' Demnach Hat der Deutschfreifinn im Wablkrcixe O7chat3-Wurzen ("1111 nicht nur als Vorfrucbt der Sozialdemokratie gezeigt, sondern fick) sogar an die Stelle der [exteren selbst gesetzt.“

Ueber die Erscheinungen, welche bei derselben Wahl (OschaH-Wurzen) hervorgetreten smd, schreibt der „Han- noversche Courier“:

„Tas Wahlergebnis; in OschaH-Wur5en Hax unsere Fortschrittler zu Triumpb- imd Siegesiixdern begeistert, und wenn uns auch der von ihnen mit so zuversichtlicher Gewißheit verkündete Sieg in diesem Wahlkreise bei den nächsten Reichstagswahlen noch recht zweifelhait erscheint, so können wir deck) nicht umhin, den Er- folg anzuerkennen, den fie bei der leyten Wahl davongetragen haben. Die erhebliche Vermehrwng der Zahl der auf den frei- finnigen Kandidaten gefaUenen Stimmen soüte aber auch die hier glücklicherweixe noc!) Sieger gebliebenen KarteÜParteien daran gemadnen, wie leicht den Freisinnigen der unter der Wahlr0w1e: .Vertheuerung der Lebensmittel durch das jeyige Regiment“ getriebene Stimmmsang wird, wenn demselben nicht bei Zeiten mit aUem (Ernst Und Nachdruck entgegengetreten und ihre EntsteUungen der wirkliwen Verhältnisse überall vor den Wählern in entsprechender Weiye beleuchtet und_klarge1egt werden. Möge in dieser Beziehung der A_usfa[1 der Ojcbaxz-Wurzener W(xk-l den Kartellparteien eine wrrkyame Lehre auch für die nächite Reichstagswahl sein. Ob freilich die Erfolge der Deutschfrcisinnigen wirklich so groß und _bedeutsam gewesen, wie fie es darzustellen belieben, er1chetnt uns doch fraglich. _ Wir sind allerdings auch der Meinung, daß es voreilig ist, wenn die Freisinnigen be- haupten, sie Haben in jenem Wahlkreise der Sozialdemokcaiie das Terrain endgültig abnenommen. Bis jeßt ist wohl kein Wahlkreis aufzuweisen, den wirtlick die Fortschrittler den Sozialdemokraten ab- genommm hätten; während umgekehrt die Verdrängung der Deutsch- freifinnigen durch die Sozialdemokratie nur zu häufig beobachtet Worden ist. Die systematische Erregung der Unzufriedenheit und des Fasses (tegen das gegenwärtige Regierungswstem, wie fie Von den

ortscbrittlcrn betrieben wird, hat bisher immer noch am meisten den Bestrebungen der Sozialdemokratie in die Hände gearbeitet.“

Statistik und Volkswirthfthast.

_ Fürsorge für Arbeiter. Der Landgerrcbtö-Direkwr a. D. Oskar Aders Hat, der „Köln. Ztg.“ zufolge, der Stadt Düsseldorf 2 Millionen Mark hinterlaffen.

Hiervon soll eme Million zum Bau von Arbeiterwobnungen.

verwendet werden, mit der _Vestimmung, daß aus den MietbSeriräg- mffen wieder neue solche Hauser gebaut werden.

Die eingeschriebenep Hülfskassen im Deutschen Reich.

Unter den siekZen Kancnqrten, auf welche sicb die von Reichs wegen angrordneje Statittik der Krankenverfickerung der Arbeiter erstreckt ((Gemeinde-Ktankenversicherung, Orts-, Betriebs- (Fabrik), Bau- und anungszKrankenkaffcn, cipgefchriebene und landeörechtliche Hülfs- kasten, dte dem §. 75 des Krankenversicherungs-Gesetzes Vom 15. Juni 1883 entspreäoen),_ kommt nur eine Kaffenart in allen 26 Staaten des Deut1ch5x1 Reichs vor, nämlich die der eingeschriebenen Hülfskaffen. Solcher Kamen 981) es nach dem kürzlich erscviénenen Bande 38 (Neue Folge)_der Statistik des Deutschen Reicks am Schluß des Jahres 1887 insgesgmmt 1838 mit727 1272.12itg1iedern, so daß auf eine Kaff? durchschmtt11ch 395,6 Mitglieder entfielen. In den einzelnen Bundes- staaten stellten sich die betreffenden Zahlen, wie folgt:

auf eine Kaff? Staaten Kassen

Mitglieder kamen _ Mitglieder Preußen . . . . . . , . 784 240715 307,0 Yayern . . . . . . . . 33 6655 201,7 SZchsen . . . . . . . . 297 98410 331,3 Wurtjemberg . . . . . . 91 36 850 404,9 Baden . . . . . . . . 61 13522 221,7 effen. . „__. . . . . . 143 38093 266,4 . ecklenburg-Schwerin . . . 35 6277 179,3 SaQsen-Weimar . . . . . 37 6499 175,6 Ulkecklenburg-Strelixz . . . . 1 194 194,0 Oldendurg _. . . . . . . 13 1449 111,5 Braumchweig . . . . . . 32 20 163 630,1 Sach7emMciningen . . .- . 20 3 009 150,5 Sack,)[en-Altenbura . . . . 44 15 985 363,3 Sachien-Coburg-Gotba . . . 19 4384 230,7 Anbalt- . . . . . . . . 23 3770 163,9 Schwarzburg-Sonde_!sbausen , 5 598 119,6 SÖnmrPurg-Rudolstadt . . 15 2 146 143,1 Waldcxk. . . . . . . 6 456 76,0 Ren? (1. L. . . . . . . . 4 763 190,8 Ren ]. L. . _. . . . . . 23 4379 190,4 S_Öaumburg-Ltpve . . . . 1 91 91,0 Lippe. . . . . . , . . 16 13932 870,7 Lubeck. . . . . . . . . 15 3180 212,0 Bremen . . . . . . . . 47 11382 242,2 Hamburg. _. . . . . . . 52 191442 3681,6 Elsaß-Lothrtxtgen . . _. . . 21 2783 132,5 Die metsten derartigen Kassen wiesen demnach Preußen, Sachsen

Heffen, die meisten Mitglieder Preußen, Hamburg und Sach-

und

sen “"f“ anders gestaltet sich das Verhältniß, wenn man die durch- «FWW auf eine Kaffe entfaUenden Mitglieder in Betracht zieht;

“[ . Be iebung steht Hamburg mit rund 3682 Köpfen an erster mtxäeescrjhmzfolgen Lippe mit 871 und Braunschweig mit 630 Mit- Sj'ederk während Preußen, Sechsen und Hessen weit unter dem 'ichsddrchschnitte bleiben. Diese bedeutenden Verschiedenbeiten in dTDuxcbschnittMröße der Kassen bab_en ihren Grund darin, daß die _e eschriebenen Hülfskaffen zum_Tbetl emen_uber_ den betreffenden YZ“, hjnausgehenden _Kaffenbeztrk baben_, die Mitglieder aber alle m Sjße der Kasse, n1chtda, ww_ nur ortlxcbe Verwaltunassteüen Fk Hauptkaffk fich befinden, gezabkt sind. _Unier den 1887 vor: [,L-(denen Kassen dieser Art_waren 1. V. 89 "m_(k 329 492 Mitgliedern, d s mehr als 45 0/0 derartigen Kassenangeboctgen, fur die das ganze Nei'cb als Wirkungskreis bezeichnet War; dayon hattet) 40 mrt 75 044 Mitgliedern ihren Hauptfiß "1 Preußen, 1e 11_m1t 25 093 bezw, 23518 Köpfen in Sachsen und Wurttemirercx, 2 _1m_t 11493 in Hessen, 1 mit 15048 in Braunschweig, 5_m_(t 12 535 m Ltppe und 14 mik nicht weniger als 158 284 Mitgliedern in _Hambizrg. Außer diesen großen Ceytralkaffen _griffen noch 146 eingeschriebene (12111) 1anke§xechnichchHulfßkaffew m andere deuticbe Stqaten uber, Und warlxandelt cs fich dabei baupt1achlich um_Bretmsche und Ham- Zuxajsch3 Kassen, die im benachbarten_vre_uß1schen Gebret, und um Kassen in der Proviizz Schx§wlg-Ho_lstet_n (m AltONa U.), die im bc- nachbaktkn Hamburgischen 1Staat Mttqlteder batten. _ _

Abgesehen von _den L_)aiz- undJynungSkrankenkaffcn, die ihrer Natur nach nur Wemge werblrcbeMttglieder h_aben können. wiesen die eingeschriebenen HülFSkaffet) untcr ken _verschtc_der_ien Kaffenartcn im Deutschen Reich die Sektngsten Anibxtle weißlicher Personen auf, nämlich wenig über acht Prozent,_ Wahrend die Gemeinde-Kranken- vexfichcrupa, die Oriß- und Betriebskaffen je rund dreimal soviel weiblich? Mitglieder besaßen.

Von den am Schluß des Jadres 1887 vorhandenen 1838 ein- gesckyricbenen Hülfskaffen _rvaren 1799 wahrend dcß ganzen Jabrcsin Thätigkeit gewesen. Dieselben baten am Schluß des genannten Jahres ein Gemmmkvermogen (Reservefonds und Statanermöaen zusammen nach Abzug der Sckuldeß) von 5,6, bis dabén eine Gesammteinnadme von 12,9, eme GesannntauSgabe von rund 10 Milliqnen Mark. Untcr den [5135-an waren 8,9 Millionen Mark oder 1811 neun Zeb111c1 Krankk)(12§korten._ Von den [Wirren enjfielen (wf den Arzt 436442 «((. oder 4,9 0/_0, aus Arznei und sonstige Heilmittel 341369 „46 oder 3,8%, auf Krankepgeld 7205087 „56 oder 80,3 0/0, auf Unjerstüßurg an Wöchnerinncn 7619 oder 0,1 é'/0, auf Sterbegeld 446 767 «sé. oder 5% und ayf Verpflegunaskostcn (m Anstalten 527 304 ..-(- oder 5,2; %. Hiesrbci ifi hzupiväcblick) _er [*Obe Anjheil bemerkenSwertk), den die eingxsckyrtebenen Hülfskascn drm Krankengeld? an den Kranköeitskosten geben, indem sie 1108011): nacb §, 75 (“es Geseyes im Betrage vox: drei Vierteln de? ortsüblichen Tagslokmf' an die SteUe von freier ((rxtliÖer Behandlung und Arznei freien lasen. Went] man die Einnahmen rmd Au§gaben bexüglicb ihrer beiden Hauptposten gegenüberUeUt, so entfaÜen auf ein Mitglied durchschnittlich 15,0 „18 an Beiträgen und Eintrittsgeldern imd 12,5 „18 an Krankheitskosten; die Differenz zwiscben diesen beiden Summen steÜt die eigentliche Bclastxma der Mitglieder den Vor- ibeilen gegenüber, Wälck)? sie in qunkbeitsfällen von den Kamen wirk- lich halten. Diese Differenz fällt_ hier aan; den Mitgliedern zur Last, weil die Arbeitgeber für die einge1chriebenen Hülfskafjen nicht zu Beiträgen verpflichtet smd. Die aus denKrankÖeiiStag ent- fallenden Krankheitskosten, welcbe 1,9 „;( betragen, sind denn auch - mit Außnadme derjenigen der Gemeinde-Kcankenverficherung und der_landrsrthlichen Hülsskaffen - seringer (114 bei allen anderen Kassenarten, während die Anfw en dungen der Mitglieder mit Außnahme der Betriebs- und Baukrankenkaffm höher find als bei den üdrigen. _ _ _

Vergleicht man die vvrstebend gegebenen Zahlen mri den statisti- schen Ergebnissen der beiden Vorjahre, so ist mit Ausschluß der Ein- nahme 51 den eingeschriebenen“Hiilfskaffen ((eg-xn 1886 durchgehends

' ein Rückgang eingetreten, und zrvar hat fich die Zahl der Kaffen

um5 oder 0,3 0/0, die der Mitglieder um 4816 oder 0,7 0/0, die durchsckmitilick; auf eine Kasse enjfaüende Miigxiederzahl von 404,8 bezw. 397,1 in den Jahren 1885 und 1886 auf 395,6 in 1887 ver- windert, so daß am Schluß des leßxgenannicn Jahres von aUerx fieben Kaffenarten auf die einzelnen Hülsskassen nur noch 9,4, _aus deren Mitglieder nur noch 15% kamen gegen 9,6 und 17,0 0/0 1111 Jahre 1885 bezw. 9,6 und 16,0 9/0 im Jahre 1886. In ähnlicher Lage 15e- fanden sieb auch die lanchrechtlicdcn Hülfskaffen, zu denen die Arbeit-

. geber ebenfaüs keine Beiträge zaHlen, während alle übrigen Kassen-

arten günstigere Ergebnisse liefertea.

Zur Arbeiterbetvegung.

Dcr .Scbles. Ztg." wird aus Berlin geschrieben: ._Die Gewerkschaften entfatten jest eine lebbefte Agitation, Um ihre Beruiögenoffen straffer zu organifiren und für die Lobnbewegungen des nachsten Jahres vorzubereiten. “Seit Beginn dieses Monatß (vpm 1. Oktcber ab) haben nicht weniger als 38 öffentliche Gewerkicbakts- W 47 Fachvereinsversammlungen stattgefunden, Welche fast (111€ der „Lobm und Organisationssrage, Erörterung der Arbeits- verbeltniffe u. s. w. gewidmet waren. Die Mißerfolge der ver- UlLUückten Lohnbewcqung haben die Organisation in einer rnehr oder MMW fühlbarcn Weise gelockert. Diese wieder fester zu gestalten und durch Aufnahme yon Statistiken das Unzulänglicde der Lohn- und AkaUWVUbältr-iffe zu erweisen, ist der Zweck dieser auf alle Berufs- ZMLJL 11:1) erstreckenden Versammlungen. Wenn der_Besuch der- ]elben auch nicht immer den Erwartungen LUUPricht, i_mtunter so_gar 1chk 1chckWach ist, so sind dieselben doch immer ein sehr wrrf-

sames AgitationSmittel, denn die Besprechungen in denselben

werden von den Theilnehmern in die Wertstätten und zu den Arbeits; play(n getragen und dort im engeren Kreise ioeiter de_wrochen. Exit am Montag fanden wieder sechs öffentliche GewerÜchafvaersamm- [Unßrn der Robrleger, Swuhmacber, Zimmerleute, Tabackarbeiter und rbetxerinr'en, der Former und Der Korbmacher statt. Dazu gejeÜten “7 13 F9chvercinSversammlungen. Diemiag Abend h_ieltexz auch die GÜÖWMtede, die Tischler, die Fcilenbauec u:;d Feilemcdleifer öffrnl- l“be Versammlungen in diesem Sinne ab. . ck aus Paris, 15. Oktober, gemeldet wird,; feiern in Lens kat 5700 Bergarbeiter. Man begt ernste Befürchtungen. Sechs

Compagnien Infanterie find' nach Lens abgegangen und die Gendarmerie

1stbkkkäcbtlicb verstärkt worden. Man fürchtet, daß der Ansstand sich auf UU Jallzen Bergbezirk von Pas de Calais ausdehnen werde.

Exportverkehr.

K Der Werth kes Exporjs aus dem Bezirk des Münckxerzer ""W““ für die Vereinigten Staaten von Anzexrka pack; dkéskn Staaten hat, wie die Münchener „Allg. Zkg.“ mtitbetlt, 'm Abgelaufene" 111. Quartal 211818 Doll. 10_ (5,18, fonach We" kkUskkben Zeitraum im vorigen Jahre um 34 582 DDR. 30 (818. Mgenomn'kn; ähnlich verhält es sich mit dem Verkehr aus dem zzugsbukgkr Konsulatsbczixk, aus rrelcbem für 58138 “_OoU.

ts- eWortirt wurde, 5. i. gegen das 111. Quartal im Vorjahre

heuer mehr 21735 43911. 74 Cts.

Submissionen im Außlande.

[. Oesterreicb-Ungarn.

9. November, Mittags, Postdirektion der Königlich ungarischen Staaisbabnen: Lieferung don Kohlen, Petroleum, Wolle- und Jute-

aden, Schmieröl ec. Kaution 59/0.

11. Rußland.

27. Dezember (a. St.) Riga. Stadtamt. Kommission für den Bau eines Silo-Sveichers daselbst: Preisageschreibuna für das Pro- jekt zu einem Silospeicher auf dem Andreasxolm bei Riga.

1. Preis 2000, 11. 1000 Rubel.

Näberes an Ort und Stelle.

111. Niederlande.

1. 2. Oktober Nm. Gemeeutebestuur zu Jdaarderadeel (Provinz Friesland):

Lieferung von 100 Stück galvanifirter eiserner Kloset-Tonnen. Bedingungen käuflich 1111: 35 Cents beim Semeente-Zomokunäige zu Gromo (Friesland).

11. 22. Oktober. 178681181168811811111_]'115x100rv78Z'-Uaataebayyy zu Utrecht:

Lieferung von Schmiedeeisenwerk als: Haken-, Lasch-, Mutier- u_nd Klemmbolxen und Schrauben in 7 Abtheilungen. Bedingungen käquCb für 0,75 Fl. beim Ingenieur van den We,] zu Utrecht.

111. 26. Oktober. Nm. Eemeeucebestuur ;n '8 (FraseubaZe:

Lieferung von gußeisernen Röhren und Hülfsstücken, für die Gemeente-(Hasfabrick daselbst. Auskunft an Ort und SteUe.

117. 29. Oktober. Uaatsebapyy 101: 1431510103118 78.11 8018.13- Zpooriyexeu zu Utrecht im Centrglbureau: 8005 Nr. 143. Lieferung stäblener Qnerschwellen mit Befestigungstbeilen in 3 Abjheilungen. Bedingungen käuflich für 50 Cents im genannten Centralbureaa (Abtbeilung Wegen Werken).

?. 6. November. U8äer1au658118 111137115110orii'eg-Uaatsebappy

zu Utreckt: _ _ Lieferung von 20 000 eichenen Quer1chwch1m in 5 Abtheilur-gen, 1ewie von 10000 eingeschnittenen und mit Kreosot geiränkten b;:Öenen Querschwellen in 3 Atheilungen. Bedingungen käuflich fü.- 50 Cents beim Ingenieur van der Weg zu Utrecht.

17. Swanien. 1. 20. November. 919111881611 [)r071118181 (18 1731811818. Junta (18 011138 (181 puerto: 2800 Cickenholzsäiwellsn. Kaution 840 Pcsetas. 11. Ohne Datum. „Junta (18 ÜÜW1U1ZU'ÜC10U )' *1'1'8583'05 (181 411881181 (18 18. 0311888: Materialien und (Gerätie fÜr die 3. Abthei- lung. Voranschlag 4407,60 Peseias. Kautéon 220 Pesctaés. Näheres an Ort und SteUe.

Theater und Musik.

Köni(;1iches Schauspielhaus.

Gestern Abend ging W der Königlicher! Bühne SÖiUer's „Wil- helm Tell“ neU einswdirt, iki äußerlich vollständig neuem Gewande und mit theilweise neuer Roüenbefeßwng in Scene. Es war, kxxrz gesagt. eine in jeder Hinsicht erquickliche und reizche Ayffübrung, wie sie in ähnlicher Vollkommenheit wohl noch nie VM irgend einer anderen Bübne erreichi sein düzfte. „Wilhelm TEU“, diests letzte voÜenrete Biihnenyermächtnis; urqeres volkstbéimlickwn Klasfikcr-I, in rresckkem dic VolkÖ-se-cle, wie in keinem anderen Drama lebendig wird, bielet auch heute noch, Wenn eine glückliche Wiedergabe des groß angelegten Schauspiels erzielt werden sell, äbnlickye SOwierig- keiten, wie sie fich dem Dichter bei der Durchführung des vorßefaßien Planes entgeaenstellten. Unsere Bewunderung der Meisterschaft. mit Welcher Schiller ein ganzes Volk heldenhaft in sein Scram- spiel einfügt, mit welcher er die vielköpsige Menge in den Ausbrüchen der Empßndunzen und Leidcmchafjen als ein ge- schlosseneg Ganzes erscheinen und doch die einzelnen Per- sönlichkeiten ein eigenes seelisch - indivjdtzckl entwickeltes Leben gewinnen läßt, ist eine stets neue und 11111176 Das Wirken und Weben dieser Volksseele in der Seele des Zu1chaucrs als ein Reflex- bild erscheinen zu lassen, welches fich aus den harmonisch belebten Vorgängen auf der Bühne natiirlich ergiebt, ist die große Schwierig- keit, Welche gestern Vollkommen gelöst und übertrunden Wurde. Der Erfolg der Darsieklung knüpft fich hier nicht mehr an die mehr oder minder gelungene Leistung ein_e€ cinzc1nen tüchtigen Säxau- spiclers oder einiger weniger Dariteller; eine _vielköpfige, be- wegte Menge vielmehr muß die feir-en geistigen Absichten des Dichters, das Anschwellen der Leidenschaften und ihre stürmischen Ausbrüche wie die hohe Freude nach vollbraxdter That zUm Außdruck bringen. Die gestrige Vorstellung erfüUte, wie gesagt, alle Erwartungen, Welche man überhaupt gehegt haben konnte. Jede Scene War mit peinlicher Sorgfalt und erkennbarem liebevollen Be- mühen zu einem eigenartigen und einheitlichen Bilde gestaltet worden. Das friedlxche Idyll beim ersten Aufiieben des Vorhangs, der in der Ferne erklingende Kabreigen, der Gesang des träumerisch im Kahn schaukelnden Fischerknaben, das geschäftige Treiben mit Hammer und Säge beim Bau von Zwinguri, die wilden Felsensch1uchtc:1, der Volkéauflauf auf der Wiese vor Altorf, die Eidscenc auf dem Rütli mit der malerisch auf Blöcken Und Felsen geordneten Menge, dzs rührende Familienbild vor Tell's Hause mit der geschäftigen Haus- frau am Plätschernden Brunnen - das ((MS water) Scenen von feiner künstlerischer Erfindung, von Geschmack und Veriiändniß, welche in der Seele des Zuschauers und Hörers einen harmonischen Wideridaü Weckten, und der Darsteüung die ungestörte Theilnahme s1cherten. Zudem setzte jeder Mitwirkende sein 501185 Können ein und schien freudig in seiner Aufgabe aufzugeher). - Hr. Nesper bat den ,TeÜ“ schon oft gespielt und bot geiiern wieder dnxch die einfache Biederkeit seines Wesens, dnrci) die warme Herzlichkeit dcs Tons, wclchen er im Kreise seiner Familie ansÖlägt, sowie durckg die klare Wiedergabe der väterlichen Emdfindung in der 2157elschuß7cene eine gnte Leistung. Den ,anold“ ipielte Hr. Mafkowsky mit heißer Leidenschaf1; das Web um das verlorene Augenlixkot des Vaters, Tic uutchbräncn Halb erj'tickteStimme, dann diewild auiloderndeRacky- sucht wurden mir Hinreißendcr Natürlichkeit zum Außdruck Nebracixt. Hr. Reicher war (118 „Walter Fürst“ einfach und herzlich im Ton und in dM Gcsicn, cbcni'o Hr. S auer als Pfarrer Röffelmann. Das Ehepaar Kahle errang sich d(sonderen Beifakl durch die treuberztge Und kluge Wiedergabe des Stauffacher und seiner Gattin. Die Ryile des alten Attingbauien 1512118 Hr. Kraus e mit gutem Erfolge; !crn Organ zeigt fick) etwas widerspänstig in der pathetischm Rede, sobald er aber die Warmen Bijten des Bleidens an Minen Neffen richtete, war er überraschend ergreifend im Ton und in der Geberde. Hervorzuheben ist noch der .Geßler" des Hrn. Etude; der Künstler bemüht sich stets, der Wahrheit und Natur möglichst nahe zu kommen, so hielt er seinen (Heßler von der Uebertreibung fern und war dadurch nnr noch wirksamer. Bei Frl. Kester, _welc1*e die Bertha (Tab, macdte fich zuweilen heftiges Athembolen (törcnd bemerkbar, sonst sprach sie ihren Text mit zarter Empfindung. Aber auch jede kleinere Rolle war trefflich beseßt, mcm müßte eigentlich aUe Mitwirkenden anerkennend erwähnen. - Der Ausstattung bietet sich bsim „Teil“ ein Weites Feld dee“ Wirkens. Ein mit Naturschönheiten überreick) gesegnetes Land bildct_ken Hinter- grund der Handlung; die Dekorationen waren von hoher kunstlerischcr Vollendung, gleichviel ob fie die gesegneten _Matten am licblxchen See, oder ein Schloßgemach mit dreispißigem Fenster, dyrci) dessen Mitte Weinlaub luftig bereinrankr, oder _ cinen engen Felxcnvaß darsteljtcn. Nich! minder_ kunstjwü waren d(e Be- 1euchtung§effekte; die Rütliscene wirkte magisch mir den im Monden- schein silbern glänzenden Sckxneegidfeln, Welche beim Morgen- grauen rosig aufleuchten, dcm bellen Feuer und den'- maß- voll vettbeilten Fackelfcbein im Vordergrund. _Dte Tbeilnabmc des Publikums an der in aUcn Theilen barmomsch_durchgefijhrten DariteUu-g überschritt das gewöhnliche Maß. Der Beifall brach (Ist nach jeder Scene lebhaft hervor und erreick'te zum Schluß in stur- mischen Hervorrufen seinen Höhepunkt.

Berliner Theater. _

In den Gacderobe-Atelicrs wird jeßt eifrig an den Wanderungen gearbeitet, zu denen Se. Majestät der Katjer bet setxcem Besuch der Erstaufführung von .Waldemar' selbst die Anregung JegkbLU. Dcr Monat(b, der allen Einzelbeitey sowohl der Darstellung; ivzc der Inscenirung das rcgste Intere11e_w1rmete, bemerkte, daß die gestickten anhaltinischen und brandenburgischen Wappen nicht durchaus

mit bistorisch-beraldiscber Treue wiedergegeben seien, und machte in der längeren Unterreduna, mit Welcher er den Direktor Barnay aus- zeichnete, diesen auf die Versehen aufmerksam, dabei zugleich angebend, in welcher Weise die Aenderungen auSzufübren seien. Sie find sofort in Angriff genommen worden. Lessing-Tbeater. _ Das Lesfing-Tbeatcr ist mit Erfolg bestrebt, fein Repertoire außzudebnen und hat mit einer Reihe von Novitäten Glück ge- babt. In Ermanßelung solcher greift es zu dem Praktischen AUÉWexze, ältere zugkräftige Werke neu einzustudiren, wie es auch Nestern mix Al. Dumas 11187 bekanntem Schausviel „,Die F remde' geschah. Ueber das Stück ist nichts Neues zu berichten; es_stebt noch in frischer Erinverung bei ((Uen Berliner Theaterbesuchern. Die Fehler drÖselben wie auch szewiffe Vorzüge haben sich bei früheren Aukfübrungen zur Geüüge bemerkbar qemaÖk, und auch die gestrige Aussüdrxmg ließ beide nieder in gleicher Stärke hervortreten; das Stück ift reich an Widersprüchen und Spißsmdigkeiten, die Handlung eewaltsatp, 105511"; der Genuß für den Zuschauer ein zroeifel- hatte“. 10 Selbstverständlich hatte die Direktion ganz be- sonderen Fleiß auf die Jn5cenirung verwandt, und auch in Betreff der Besetzung war man sorgfältig zu Werke gegangen. Die Titel- roUe lag in dsn Händen dcs Frl. Markant), welche die Rolle vor- nekkm geh und recht tempxranxentvoll spielte; was ihrem Vortrag an: betrifft, 70 leidet die Dame immer noch an ihrem alten Fehler, die Worte namentlich zu End: der Rede zu sebr zu dehnen und mit VoUem Orgein (111211519211 zu lassen. Fr. Klein Hatte die Herzogin zu spielen, (me schwierige Pariie, zu deren Bewältigung, wie es schien, ihre Krafte nicht ganz ausreickzten; ("ie schlng nicht immer den ricktiJen TW an, bot im Großen (md Ganzen aber doch eine achtdare Lentigig. Hr. Stägemann hatte mit seinem Herzog das Richtige getroffen und (151) eine feén abgerundete charakteristiscbe Leistung; das- 1elbe kann in Bezug auf den Ckaxkson des Hrn. Klein gesagt Werden. waend HerVOrgehoben Zu werken vexdienen (1113) die Hrrn. Waldow, Mollet und Ranzenberg sowie Fr, Stägemann. Das Publi- 111111 unterhielt fick) offenbar sehr g::t Und ließ es an Beifaüsspenden nicht feblkn. Sing-Akademie. _ Frl. Helene von DUnkan, eine junge rassiscöe Klavier- rirtnofin, erschien 9410111 im San der Sing-Akademie zum ersten Meile vor dem bic*si,;en€1*ns:1ikum. In i[*;r:r Heimaxö find ihre künst- lerijiixen Leiitungen bereits rortHeilkiaftbekamnt Und durch Verlcibxng der (1018enet1217edail16505 Ssitexi “81-5 St.»1cketcr§511rser Konservatorimus noch bewnders belohnt Words". Aueh Hier c-rxixete rie sebr bega'cte Künstlerin reicherz und wwbhwrkienxex'. BeifaU. Zdr Spiel 1551 "((i Hinsickyt an Teeirmk die sorgxältigiren Stadien (:ri'enncn und Hat ngleicb einen 07-913?" Reiz durH, die 1811178111102, mehr subjekxiv erscheinende Art der Aufraffnng Cin «(wines Palfirem im Vortrag, ein Auf- und Nieder- gsben (11 Den Stärke.;radrn wie in der Tempobcwegmxg fesselt den Zukörer fcriwäbrrnd Und reißr ihn mit fort. Hierzu kommt der za_r1e mrdULQtiOUZ-reickyc 2111137189, der dem Vortrag der Beethovenffcden 12-111011-Sorxate sowie dem der kleineren Klavier- !tücke von Sewumann und Chopin 19131 zu statten kam. Untersiiißi wurde dü?“ (Concert durch 1211 BarvtonisjeU Hrn. Martin Pintus, der 11111 1r8131f1ingknrer gut (];-UMR“: Siixxxme mehrere Lieder von Bxakyms, Kleffsl, SchUbert, Harxmamn und H. Hofmaxm unter leb- baxtem 23615111 vortrug. Philharmonie. _

_ Ludwig Meinardas, der bekannte Komponist, Weilt seit emiJen Tagen in Berlin, um der Auffübrung seines Oratoriums .Simor. P etrux“ iel'rst beiznwoimen. DaF Werk ist in den 50er Jahrcn__enjstandex1 und kercits1557 im Saale der Sin,;-5Ilkademie zur Ausführung gelaxigk, später jedoch völLig umgearbeitei und liegt ig dieser Form Vor. Ju l) lejßeilungen wird nack) Worten der heil. Schrifr und mit eingezogenenKirchenliercrn PetriFischzx-g, Berufang, Verleygnung und Wiederbcrufmig behandelt, endlich die Gründung der Kirche dUrcb PetrUH (118 Schluß- und Gipfelvunk't des Werkes (nach Apostelgsicb._ 2) Dargestellt. Die Mafik be- wegt fick) im strengen Amebluß an die Formen der klassischen Sehövfuygen, die aber [".-187.111 durch die Mittel der fortgeschrittenen, mu_fika1i1chen Technik (:uögéstattet find. Die Handlung wird in der epixchen Vortragsweix'c der Erzählerin_fortgesvennen, neben ihr find die Haupt-Solf Simon Petrus und Jews. Die Auffübrang durch den Schnöps'scixc-n G.]"angverein ffndet am Montag, den 21. Ok- tober, im Saale der Philßarmonic unter MitwirkUnX 828 Phil- barmonischen Orchesters und der Damen Fr. Müller-7 onneburger (SOPkCM), Frl. Marie Schwanz (2111), der Hrn. R. von Milde (B.".riten), Zarnikow (Tenor) und A. Schulze (Baß) statt.

Rennen zu Hoppegarten. Donnerstag, den 16.0ktober.

1, Preis Von Friedrichshagen. Kludpreis 3000 „46 Für Zwei- und Dreijährige. Der Sieger 111 event. für 3000 „jk; käuflich. ist. 1400 111 K. Haupt-Gestüt Gradixé dbr. St. ,Weligunre' ?jähr. 53.1 RZ 1„ Hrn. V. Mav's Dr. H. ,Löwenberz' Ljädr. 55 RZ 2., Hrn. v. Terver-Laskx's F-Sj. ,Ccrks“ 3jäbr. (3000 ..“.) 634 113 3., Hrn. O. Ochl1ch1ägcr's F-H .Corsar' 3jäbr. (3000 „(H) 65 kg 4. Nach kurzer Gegenwehr sicher mit einer knapper: halben Länge gcwwnncn; ein Kedf 3116an dem Zircitcn und der Dritten und eine LäUgL weiter zuriick „Corsar' Vierter dor ,Conr-polit“. Weijl): 3000 „14 der Siegerin, 400 .16. dem Zweiten, 100 „((H der Dritten.

11. Durchgä11(1er-Rennen. Klubpreis 6000 „14 1400 m. Hrn J. Hensckxel's br. H. .Hammerfest“ 4jäQr. 60 kg "(., Hrn. V. May'ö br. St. .Eintracht' ZjäÖr. 581 RZ 2, Kg. Hvt.-Gest, (Hrakiy' F-Si. ,Crbtunte' 3jä1)r. 56,1 kg 3., Kopf. Joe“? F-H. „Fiasco“ 3110.54 RZ 4. Siegle 1eicht mit dreiwierje1 Längen; driiichalb Längen trennten „(.Zrbtante“ von „Eintracht“ und „Jiakco' einen 3105" (reiter zurück Wierter Vor „TönigÖbraUt“ Und .Belhomme'. ,Goir-mann" angehalten, Werth: 6000 «16 dem Sieger, 870 .“: der Zweiten, 530 844 der Drichn.

111 Fredersdorfer Handicap. Klubprxis 3000.18 Für Zweijährige. Disk. 1000 111. Hm. O. OebisÖlä-qer's ddr. St. .Cwßsire' 61.§1chg 1_, KWT. Icö's F-St. ,Schneekoppe' 60,1 RZ" 2., Frhrxi, E, v. Fallenheusem's F.-St. „Renckycn' 5] RF Z., Gr. Fr. Mettermi-P's brSt, ,Minmebada' 53,114; 4._ Nack) schärsstcm Kamvf um einen Kopf heraus.;eritten; „Renzben“ eben'owcitbinter .Swnccxoppe' und einen Hals vor „V.)iinnebaba" Dritte. ,Laesoe' der Näcbite vor „Mieze', „Märzblüjhe', .Linle Ramos“ und .Page'. Werth: 300) .46. der Sisgxrin. 1250 916 der Zweiten, 100 „44 der Dritten.

117. Schluß-Verkaqu-chnen. Gradiycr Gestütsvreis 2001915: Für Zweijährige. Der Sicger ist für 4000 «38 käuflich. 1200 m Frbrn, Ev. v. OVPMÖÜM'S scdwbr. St. „Gorse (2000,/((.) 50.1 RZ (tk. 51 kg) ]., Rittm. v. Bodrien's br. St. ,Marabou' (2000 „ckck) 50.1 ];,c; 2., M:. E. KeUy's br. H. „Good Luck“ (20.4) „kb) 52 kg 3, Ganz 1(*ich:t mit zwei Längen gewonnen; „Good Luck“ drittevalb Lämicn hinter „Y)kirrabou“ Dritter vor .Moorcock'. Wcrjb: 2270 «18 _

17. Abschicd§-Handicav. _Klubpreis "2000 „46 1800 m. Hrn. Oluf's Fuß). .thxobvy“ 3j.11ckr. 50 RZ ]„ Hrn. H. Amfinck's dbr. H „GreMUe“ 3jäbr, 59.31xg 2., Dr Lemcke's br. W. „Pfungst“ 3jäbr. 50 kg 3, Mr. Cd. PZanner's br. H. .Merryman' 3jäbr. 49 kg 4. Siegte nach schär11ter_Ge,1_enwchr um einen Hals; einen Kopf zwischen „Greville“ und „Pfungjt' und einen Hals weiter ge: schlagen „Merrvtran' Vierter vor .Actreß“. .Gravling' und .Ma- dame „Galvani“ apgebaltcn. Werth: 2500 «18 dem Sieger, 500 „ki- dcm Zweiten, 8) „,is- vem Dritten.

171. Riidersoorfer Hürden-Rennen. Klubvreis 3000 „46. Für Dreijährige. 2400 111. Kapt. Joö's br. H. ,Ladro' 65 kg 1., Hm. J. Jäger'0_F.-.W .Becggelst" 624 [(Z 2„ Mr. J. Cootcr's F.-St. .Comteße Caroline" 60 kg Z., Kaps. Joö's br. H. „Extrato' 60 kg 4. Nach Gefallen mit anderthalb Längen gelandet; „Comtesse Caroline“ doppelt sorvcit bintec .Bergzeist“ Dritte vor .Extrato", .Pajience. und „New“. Werth: 2900 „46 dem Sieger, 500 «48 dem Zweiten, 200 «;ck der Dritten.