1889 / 260 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 31 Oct 1889 18:00:01 GMT) scan diff

dienstlichen Raumes zu verwenden. Die Bilder, deren würdige Etnrahmung ebenfalls auf Kosten der Kaiserin erfolgt ist, haben nunmehr. der „N Pr; Zig ' „zufolge, auf Anordnung des Feldpropstes ihren Play in dem bisher eines derartigrn Schmuckes gänzlich ent- behrenden Betsaal des ArtiÜerie- Schießplaßes bei Kummersdorf ge-

knüpfte seine Feftbxtracbtung an das Wort aus 2. Cbron. 7. 16 .So habe ich nun dies Haus erwählet und geheiligt, daß mein Name dqselbjt sein soll ewtglicb, UNd meine Augen und mein Herz soll da sem ailerwege“, Von der Kanzel herab wurde sodann noch verkündet, daß die GemetndektrÖenbchörde beschlossen habe, eine neue Kirche

erbaut, ist, wie die „Voss. Ztg.“ berichtet, von böswilliger Hand ar bes cbadtgt worden. Am 29. d. M. früh fand man sämmtlich? Fensterscheiben" der Grotte durchlöchert vor. Augenscheinlich ist zu dem Zerstorungswerk eine, sogenannte Katapulte verwendet worden und Rebvosten, die man in der Grotte vorfand, waren die

Erste Beilage

funden und spd. am letzten Sonntag der dortigen Mtlitärgemeinde durch den Dtvtfionepfarrer Die. 131“. Gröbler bei Gelegenheit des

Gottesdienstes feierlich übergeben worden.

Seit dem Jahre 1882 werden in den Reichs-Telegraphen-

anjtqlten umfassende Beobachtungen über den Verlauf der Gewitter „angestkili, welche sowohl im allgemeinen wissenschaftlicben Interesse, wie auch 1x: dem spezteUen der Telcgraphie die Kenntniß drr elektrischen Erscheinungen beim Gewitter, ihrer Einwirkung auf die Telegrapbenlekitzmgen und der durch die atmosphärische_Elsktcizität brwxrtten Beschadtgungen ,der Tekgraphenanlagen zu fördern be- stirzimt smd. Wie wrr der . Statistik der Deutschen NetckZs-Post- und Telegraphenverwaltung für 1888“ enmehmen, ts: dre Zahi der Beobachturmsstationen von 740 im Jahre 1882 auf 900 tm vorigen Jahre 1888 gestiegen, s odas; gegenwärxkig auf je 493 qkm eine Beobackytrzngsstelß kommt und der Radius der jeder SteÜe zur Beohachrung uherwieiem'n Kreisfläche rund 12,5 km beträgt. Nach den in dcr obrgrn Sjatistik mitgeiheilten Ermittslunacn aus den Jahren 1882_1887 hatten im Jahre 1887 die häufigsten (Gewitter (xm Perhalintß zur Bcobackxtungsßäche) zu verzeiahnen: die Ober-Post- direktionsheztrke Frank-“urt a. O., Dreßden, Köln, Bremen und Oppeln, dre wrnigxien: Hannover, Kassel, ArnSberg, Kiel, Düsseldorf PotSdam und 'Beklm stehen unter den 39 Bezirken an 22. StrÜe. Die meisten Gewitter kamen 1887 aus südwestlicher und Wesrlicher Richtung, der Tageszxtt nach fiel, die Mehrzahl in die Stunden von 4 bis 5 Uhr Nachmütagß rmx) dre Zsit unmittelkar vor- und nachher, An Ge- wittern m'it oryonperkz "i).“ftigcn Blißichlägen War das Jahr 1887 nicht so reich wie die fruheren; es wurden solche Gewitter gezählt 495, gegen 1175 tm Jahre 1884, 1035 im Jahre 1882, 742 im Jahre '1885, "7,10 im Jahre 1883 11115 649 im Jahre 1886. Auch du? Beschadtgyngen ar] den Telegraphsn-Aniagen und Apparaten waren rm Jahre 1887 nicht so groß “wie in den vorhérgrhenden; Telegravhenstxmgen Wurden _z. B. 832 [Stück beschädigt, gc'gen 1243 im Jahre 1886 urid 1507 tm Jahre 1885, Fernsyrechr 16, ge.;cn 17 bezw." 22, Morie-Ypparate 19, gegen 22 bezw. 30. Die Beobach- iung'cn nher d'en Einfluß der Gewitter auf den Betrieb der unter- irdtschen LLUUNJLU hahen" ergeben, daß diese ztvar nicht ganz den Emwnkynchn der gimowharischen Elektrizität entzozen bleiben, das; xxxicsZÖEontrkung ]edoch Wesentlich geringer ist als bei den ober- n" t en.

. 'Was- die Stadt-Ferniprech-Einrichtungen betrifft, so ist izle Toat1czchc bemequmzswerth, daß, fror; mehrerer außergewöhnlich hefirger Gewitter drr Bltß_ in den mit solchen Umlagen verfshencn Stadien im Vergleich zr: früheren Jahren auffallezxd wenig einge- schlagey hat. Die Arymrnn erscheint sonach nicht unberechtigt, daß das iiber den Dachacrn auSgehreitete LeitungSnetZ bei Außgleichung drr atmospharischen Elefiitrizität einen se [) r w i rksa m en Sci) ny ausßcgbt hxt. Jr) „ailen Fallen, in denen eine ?lUSgleithung der atmospharrjchcn Elektszttat durch die Leitungen statigefundcn hat, haben die (111 den (Heilungen und in den Fcrnsvrechsta-Ücn an- gebrachten" thßa"blciter-_Vorrichtungen die Elektrizität ohne Gefahr fur die Hauser zmd ihre Bewohner zur Erdr abgeführt. Die vrrgekommenen Beschädigungen beschränken sich im A09emeinen auf die Schmslzuyg drs uxnsponnenen Drahtés an Den Spindel-Vlixz- ahletiern. DrrsZ )'md aber wohl als Sxörungen, jedoch nicht als crgenrlkche Beschadtgungen zu bezeichnen, da in den vorliegenden Fällen pte Blitzableiter ebcn_le_diglich ihren Zweck erfüÜi' hahcn. Von den mSgesammt_3364 Beichadigungcn durch Blißschlag an den Fernsprech- anlageti, welche tn den Jahren 1882_87 verzeichnet Wurden, betrafen 3154 die Spindel-Blißableiter.

Die 200jährige Iubelfeier der St. Georgen-Kirche Wurde heute durch einen großen Festgottesdienst hrgxmgen. An- we_sen'd waren der Staats-Minisier 131". von (Hohler, der Ministerial- Dtreitor Barkhausen, der Präsident des evangelischen Ober-Kirchen-- raihs, Or. Hermes, der Polizei-Präsident Frhr. von Richthofen. Die Skadi Berlin war d_urch eine Deputation vertreten. Be'oniers zahlreich War die Geistlichkeit srschiencn. Superinjendent Wegener

zg bauen, sowie 50000 «M der Tochtergemeinde St. Bartholomäus Yrbdle'ziiBau einer 2. Kirche zu bewilliden. _ Mit Gesang endete die u e e er.

. Ju der,.Hedwigski'rche wurde heute um 10 Uhr Vormittags etn feierliches Reqmew für den verstorbenen König von

ortygal'abgehalte'n Die hiesige aUcrdings nur kleine portugie- 13che Kolonie war Mit „dem Gesandten Marquts Pénafiel, den Räthen Graf Penafiel u_nd Vicomic TorheUa, sowie dem General-Konsul (Eisenmann voilzahlig erschienen, ferner drr Vize-Ober-Schloßhaupt- mann Graf „Perponcber, der General-Oberst von Pave, der (General dcr „Kayallerte vcn Rauch, dcr Krieg_F-Minifter von Verdi; du Vernois, sowie emr Deputation des 20 Infanterie Regiments. das in dem Kyntg seinen Chef verloren hat. Das diplomatische Corps war zahl- retch vertreten.

Wie wir hörex, ,ist es in neuerer Zeit mehrfach vorgekommen, dxaß nachAraenttnien gesandte Postpackete am BestimmungSort in Folge mangelhafxer Adreifirung unbesteilbar geblieben sind. Es ist den,VersenYe"rn ,in Deutschland dahér apzurathcn, wenn sie Kosten, sowie Umxiandltchketten und erhebliche Verzögerungen vermeiden wollen, dafur Sorge zu tragen, daß die Adressen der Empfänger sowohl auf den Sewdungen selbst, als auf den Begleit-Adressen stets genau und vollstandig angegeben werden.

Der amtliche 1tenographische Unterricht im Ab- geordnrtenhause hrginnt Montag, den 4. November, Neben dZn Anrangerkmrsen, dte brsonbers für Schüler der oberen Klassen hyherer „Lehranstalten bestimmt find. findcn auch praktische Uebungen fur Diejenigen statt, die sich zu Fachstenographrn ausbilden vaen. ?!nmcldungcn werhen von Freitag. den 1. Novemher ab, Vormittags vor111_1Uhr, tm stenographischcn Bureau des Hauses der Ab- geordneten angenommen.

Pre „Pixi. Ztg.“ hezxicbneidie aus Posen durch den Draht nach awswarrs geiandtcn Mittheilungen iiber das Steigen der Warthe'als, übertrieben. Der gcgcnwärtige Wasserstand der Wgrthe sei nichts Ungewöhnliches und die durch denselben veranlaßien kletnxn Verkehrsstörungen könnten nicht ais Ka!ami1.ätgelten. Nur an einer SteÜe käme ein Kahn zur Vermittelung des Verkehrs in Anwendung.

Die Menu-Karten für die Galatafel am Vermäh- lung-stage in Athen waren in Berlin ange-“krtigt wvrden. Die „Staatsb. Zig.“ beschreibt sie foigiJndermaßen: Der obere Theil ist durch eine Gruppe von Palmxn und OLiVLn in zwei Hälften getheilt. Auf dem linken Feld ragt in herrlicher Beleucsztung die Akropolis auf hohem Fels empor, während man zur rechten den mächtigen Bau des „Kronprinzlirhen Palastes in Athen erblickt, Dem neuen Herm drr Krorszipzkfsir. Sophie entsprechend, prä- sentirt fich aui dem ' unteren Theil der Menu-Karte ihr elterliches Haus in Berlin, das Palais der Kaiserin Friedrich, Unter den Linden, resp. drm Zsughaus gegenüber. An Lzer linken Seite des für das Spkisenmrzeichniß bestimmren Mittelfeldes prangt das farbige AÜiancerrarpen Preußens und Griechenlands, von .der Königskrone überragt und um1chloffen von Urünem Eichenlaub und rosafarbigsn Rosen. Darunter breitet fich aus“ einer Dekoration von Palmenwedeln der in Gold Versch1nngene Namenszug deH König- lichen Paares aus.

Potsdam. Die Muschelgrotte im Neuen Garten, eine Nachbildung der „blauen Gro'tte auf Capri, von Friedrich Wilhrlm 1. in der Nahe drr Meierei hart am Ufer der Havel

Geschrffe. Die Freveltbat, deren Urheber bisher unentdeckt geblieben, muß m der Nacht'geschehen sem. Da der Neue Garten Abends ab- geschlossen wtrd, ntmmt man an, daß die Thäter auf dem Wasser- wege zur Grotte gelangt sind.

_ Weißenfels. Am 15. d. M. wurde ein Meteor beoha tet. Wie die „Magdeb' Zia.“ xnittheilt, solle.“! Bruchstücke desselbeicib in der Nahe von Werßenfcls tn Schwer:- von 1, 5 und 12 Pfund auf- gefunden worden sein.

Hünfeld, 29 Oktober. Ueber die Foriscbrit'“e der Wieder- erhauung der Stadt schreibt die „Goth.Ztg.“: Aus den Schutt= und Trummerhaufcn, wxlcbe yon “dem im vorigen Jahre auSgebrochenen großen Branpe zuruckarblteben waren, hai sich inzwischen eine große Anzahl stattlicher uzasstvér Gebäude erhoben, doch erst ganz wenige habet] nothdurfttg m bewohnbaren Stand geseyt werden können. Schlimm sieht ,es noch „in den neuen Straßen aus, wo altes und neues Baumatrrral, Vermtscbt mit dem AuZwurf aus den Fundament- gruben, durchemzmderliegt. Hoffentlich wird der Winter nicht zu strxng, so daß Lie ?_irbrtten am innern Ausbau der Häuser und die Raumung der Straßen keine Unterbrechung erfahren.

Hamburg, 29. Oktober, (Hannov. Cour.) Der von dem Ausstellungscomtté und den Ausstellern angeregtesolenne Fackelzug zu Ehren des ersten Vorsitzenden, Freiherrn Albertus von Ohlegrdorff, fand “heuie Abend 8 Uhr in bester Weise und unterBeihetlt-gijng ron Taufenden aus den Innungen und Gewerken _ dre Lehrlinge in historischen Trachten _ statt. Der lange Zug wurde von 1200 Schülern der Gewerbeschule als Fackelträgern beglsrißt und wacht: einen pomphaften Eindruck. Das Publikum war. uhrrai] m großen Schaaren herbeigeströmt, und soweit bis jetzt bekannt qrmorden, vollzog fick) die OVation ohne jeden Unfall. Freiherr hon Ohlendorff'dankte in,herzlichi1er Weise für die großartige Feierlichkeit. Das Connie? überreichte ihm eine kostbare und kunstvoll gearbeitete Adres se.

Duhlin, 30, Oktober. (W.T.B.) Gestern wurde in Mary- borough m dcm Prozess? wegen Ermordung des Polizei- thspektors Martin m Gweedore das Urtheil gefällt: Em „"Angcklagter' Wurde zx: zehnjähriger, zwei Angeklagte zu siebenxahrigcr, einer _ zu fumjähriger Zuchthausstrafe wegen Todtschlazs verurthetlt; zehn Angeklagten sind Gefängniß- str_a_fen von 2 bis 6 Monaten zuerkannt worden. Der katholische Prteiier Macfadden, hei dxiken Verhaftung wegen Vergehens geßen das trische Zwangßgeseß dlL Ermordung des Jnspekiors Martin fich zuirug, wurdc: fretgela1sex1 grgcn Bürgschaft, daß er fich, falls dies verlangt werde. zur Verknudxgung drs über ihn zu stillenden Urthcils drm Gerichte siclle.

„Ferrara, 30. Oktober. (W. T. B.) Der Po ist neuerdings Festlegen; seit gestern regnet es unaufhörlich, ebenso herrscht ununter- ,'*rochen Sirocco. Die Bevölkerung ist beunruhigt, da die Dämme in Folge der chien Ueberschwetrn1ungen unterrvaschen sind.

Brixen, 29. Oktobrr, Ahenis. (M. AÜg, Ztg.) Der heuie Vortntktag 10 Uhr 40 Minutxn yon Miinchen abgelassene Schnell- zug mch Verona kogmie m Folge eingetretenen Bergrutsches nur bis Station Brixen gefuhrt werden, von wo ab die Weiterfahrt unterbrrchen ist.

W

Wetterbericht vom 31. Oktober, Morgens 8 Uhr.

45 R

Stationen. Wind. Wetter.

Temperatur m Ceiiius

d-c-OIO

Bar. auf0 Gr. u d Meerkssp red. in Millim

50 LC.

Mullaghmore halb bed. Aberdren . . beiter Chrtsttansund halb bed. Kopenhagen . S Nebel Stockholm . , bedeckt St. Petersbrg. ' Regen Moskau. . . 1ibedeckt

Coerueens- „1 town . . . W 2xbeiter Cherbourg . 5„wolkig elder. . . . 757 1,heiter ylt ..... 758 2,Nehel Lamburg . . 760 2„-Nebel1) winemünde 762 Nebel") Neufahrwaffer 762 Nebel Memel . . . 764 “Regen

3

1

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Paris , . . . 762 SW 1bedeckt

Münster. . , 760 S 2xbedeckt

Karlßruhe. . 762 SW 1 Nebel

Wiesbaden . 762 sti? Rebel 1 1 1 4 1

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fang 7 Uhr.

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Sonnabend :

München . . 762 W Nebel Chemniß . . 763 still Wolkig“) Berlin. . . . 763 SSO wolkenlé) Wien . . . . 762 NW Regen Breslau. . . 764 'SO Dunst Jie d'Aix . . 765 NW bedeckt Nizza . . . . 761 SSW wolkig Triest . . . . 764 SO bedeckt

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und A. d'Arfois.

1-)Gestern Abend und Nachts dichter Nebel. 2) Nachts Reßen, Nebel. 3) Reif, Nebel. 4) Früh starker e

N el. WaUner-Theater. Frsitag: Zum 20. Male: Der Dompfaff. von N. Kneisel und H. Hirschel. Krome. Anfang ?YUhr. Sonnabend u. fois. Tage: Dieselbe Vorsteikung'.

, Pictorta-Theater. ist etwas Regen gefallen, In Tktést fielen (52 mm Afrika. Zeit emc'xlde in 11 Bildern von Alex. 7 Uhr: Große Komiker-Vorstellung mit einem Moxzkowski un Rech. Nathanson. Musik von C. spxzieih ausgewählten Programm. _ Mr. Me geh Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags- Axrfang mu seinem h_iZchst komischen dressirten Esel. _ uf- treten der |ammt1ichen Clowns in ihren höchst komischen Iniermezzo's und Entrécs. _ Jm dunklen Erdthecl (Einnahme von Bagamoyo). Geseylich

Uebersicht der Witterung.

Dcxs Minimum im Nordwesten entsendet einen Auslaufer nach dem südlichen Nordseege'biet, Welcher onsiw'ärts fortzuithreiien scheint. Bei leichter,. Meist sudltchex Luftströmung ist das Wetter über Deutsch- land mild, vorwiegend trübe und neblig; stellenweise

Regen, Klagenfurt hatie gestern Gewitter. Deutsche Seewarte. A, Raida. 7? Ubr.

Theurer - Anzeigen- - . “»I-Königliche .Ichauspiele.

Deutsches Theater.

_ Zum 1. Mal:- Lqutel in 3 Aufzügen von Julius Rosen. “O_onntgg: Nächstenliebe. Die nachste Aufführung von “Faust, [. Theil, findet am Montag, den 4. November, statt.

Berliner Theater. Freitag: 9. Abonnements- VorsteÜung. Demetrius.

chauspiel in .“. Akten von A. Dumas Sonnabend: Zum 1. Male: Der Zauugast.

Lustspiel in 4 Akten von OEcar Blumenthal. Sonntag: Der Zaungast.

Ballei von C. Severini. Sonnabend: Dieselbe Vorsteliung.

reita : Freitag: F S

232 Vorstellung. ZUM 1. Male Julius JKWM- Sonnabend: Der Polengraf.

burg. Freitag: Zum 7. Male: mama. (138116 - mamau.) 233. Voestellung.

stattung an Dekorationen, Möbeln Anfang 75 Uhr.

Freitag: Faust's Tod. -_- NUMMER“ KroU's Theater. Freitag:

Central-Theater. Direktion:

Freitag: Der Fall

Freitag :

Roth. Anfang 7x Uhr.

Urania, Anstalt fiir volksth.

Friedrich - Wilhelmßadtisckzes Mit neuer, glänzender Ausstattung: * Opern“ _Zum 9. Male: Der Polengraf. haus. 218 Vorstellung. Flick und Flock. Komisches m 3 Akte", nnch einem G. Zauher-Ballet in 3 Akten und 6 Bild-xrn von Paul Taaltoni. Musik von P. Hertel. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaws. wiederholt.- Der Name. Schauspiel in 4 Akten MMU- Anfang 7 Ui)!- von Hugo Lublincr. In Scene geseßt vom Direktor Dr.KOrio DeVrient. Anfang 7 Uhr.

qunabend: Opernhaus. 219. VorsieÜ. Fidelio. Oper in 2 Akten von L. van Beethoven. Text nach dem Französischen von F. Tr-eitsäoke. (Leonore: Fr. Moran-Olden, vom Stadt-Theater in. Leipzig, als Gast.) Atzfang 7 Uhr.

Schauspielhaus.

v V't ' (5 d d Ystwielti"3ck3[A§tm H M st C

on tc orten : ar ou un aimun; "* es an es. mit rn. aurermei er mil olland Ber1in. Wilhelm Ywiych von Ernst Schubert. In Seems: giseßt von H ( ) Tell. Schauspiel in 5 Akten von Schiller. An- Gtgmund Laufenburg. Mit vollständig neuer Aus-

Sonnabend 11. folgde. Tage: Schiviegermama.

Zum 1. Male: Ho'henstgrifen, med Hohenzollern.. Nationales Geboren: thkerfesrjptel m 2 Abtheilungen und 10 Bildern tmt Geyangen von Dr. W. Falckenheincr.

Freitakz: Mit neuert Bildern: ZUM 25. Male:

! q; Sonnabend: Moutjoye, der Mann von Eisen. ZUMilijeuFfaYer-YnUth Ed" „acobson und

Sonntag : Demetrius.

Tessing - Theater.

Clémeuccan. S

„Adolph Ernß-Theater. Dresdenersiraße 72.

_ Zum 72. Male: Flotte Weiber. Gejangspoffe m 4 Akten von Leon Treptow. Couvlets von Gustav Görß. Musik von Franz

Sonnabend: Dieselbe Vorstellung.

Tk;-ater„ geschixizt! Große eqycsirisckye Original-Pantomime. k __ FAYLaixosd ?Zdt Kodlibri, ?thi Vollbluthngfte,

W ret,et re1r un vorgeü r von Hrn. ranz de ErZFfH-tech Renz. _ Auftreten der Schulreiterin Frl. Guerra,

EntWUrfe von Richard (Henze und I- FriLsM- sowie drr vorzügl.Reitkünstlerinnm und Reitkünstler.

Musik von Louis Roth. Zn Scene geséyt „Von Dirigent: Kapellme-(ster Feder-

Sonnahend: Extra-Vorsteüung. Sonntag: 2 Vorsteüungen.

W Familien-Naclxrichten.

Rejidenz-Theater, Direktion:Si§;m7-md Lauten- Verlobt: Frl. Helene von Kalcksiein mit Hrn.

Schwieger- Rittergutsbefiyer Richard Rogaüa von Virber-

stein (Breslau). _ Frl. Margareth Rohmer

_ Frl. Margarethe Schaefer mit Han. Kaufmann

, Paul Stroemcr (Memel_Königsberg).

und Requisiten. Verehelicht: Hr. Otto Möbius mit Frl. Alma

KZÜberg (Leipzig). _ Hr. Amtsrichter H. Horn

mtt Frl. Helene Erol] (Kreuzburg HuS ). _Hr.

Amtßrtchter Zippel mit Frl. Else Haeusler

(Landsberg, Osipr.) _ Hr. Apotheker Georg

Calov mit rl. Klara cher (Koschentin).

in Sohn: Hrn. Mar v. Wimmer (Godullahütte). _ Hrn. Kgl. Ober-Kontroll- Assistenten Robert Zirkler (Rosenberg OS.). _ Eine Tochter: Hrn. Premier-Lieut. Schwund! (Königsberg i. Pr.), _ Hrn. Karl Werther (Halle a.S.). _ Hrn. Inspektor Lamla (Winzen- berg).' _ Hrn. Major Frhrn. von Seckendorff (Berlin). _ Hrn Hermann Tysae (Dom. Buch- hxxlz, Kr. Arnswalde).

Geiiorber: Hr. Regierungspräsident a. D. Frhr. Konstantin von Zedliß und Neukirch (Birgwiy), _ Frau Bertha Holy, geb. Poll (Jezewo). _ Frau Pauline Wachßmann, geb. Kadifcb (Berlin). _ Hr. Hermann Schlapsky (Berlin). _ Hr. Karl Katsch (Berlin). _ Frau Therese Warlitz, geb. Grave (Berlin). _ Hr. Kaufmann Albert Haube (Berlin). _ Hrn. Maurermeister Grund Tychter Eis_chen (Berlin). _ Hr. Johannes Jurgensen (Kiel). _ Hr. Eisenb.-Assistent a. D. Adolph Schiri!" (Schönbusch), _ Frau verw. Assessor Laura Huth (Oelzscbau), _ Frau Lehrer

Emil Thomas.

Naturkunde.

Posse Mit GLsaMui" 4 Akten Invalidenstr. 57/62 und Ausstellun s-Park, geöffnet Helene Jaescbky, geb. FMI“ (NUR") ""' Frau

stk von F" von 12_11 Uhr. _ Freitag, Von der Erde bis zum Monde.

Freitag: Stanley iu Circus Renz, Karlstraßs.

bends 7x 1'hr :

Freitag, Abends Berlin:

Elise Trueisen (Kiel).

Redacteur: ])r. H, Klee. Verlag der Expedition (Sch olz).

Anstalt, Berlin ZW., Wilhelmstraße Nr. 32. Sechs Beilagen (einschließlich Börsen - Beilage).

zum Deutschen Reichs-Anzciger und Königlich Preußischen Stants-Anzkigcr.

V::rlin, Donnerstag, den 31. Oktober

=“: 260.

[ZIL].

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Parlamentarische Nachrichten.

Im weiteren Verlauf der gestrigen (5) Sißung des Reichstages nahm bei der ersten Bsraihung des Etats der Abg. Bebel das Wort:;

Ach im September in der oppositionellen Presse ver- kündei wurde, daß dsm bevorstehenden Michstage abermals einc Anleihe von weit iiber 200 Millionen vorgelegt werden würde, wurds in drr offiziösixn Presse diese Nachricht ais eine Verleumdmxg brzeichnet, darauf berechnst, die Negicrung in der öffsntlichrn Meinurig herabzuseßrn. Spätscr mußte sich diese Presse dazu bequemen, die Thatmckw an sich zuzugrhcn, bis sie schließlich die ganze Wahrheir cingestrlwn mußte. Dieser; Verstockenspiel der osfiziössn Presse ist ein deutlicher Fingerzeig, daß es der Regierung nicht gerade leicht gcworden ist, mit derartigen Forderungen wiederrum vor den NeickzStag zu treten, daß sie sich sagte, daß nach der BewiÜigung so koloffale-r Summen fiir Rüstungs- zwecke diese Forderungen auf weite Schichten des Volkes den allerungiinstigsten Eindruck machsn miißtin. Man muß sich in der That fragen, wo soi! daS hinaus und wie soll das enden? Muß daS nicht drn ungünstigstén Einftuß üben auf die soziale Lage des VolkeS, auf die VLTL[)€U€L*1MJ der Lebénsmittel? Streiten Sie, sovisk Sie WOULR, in den Massen der Bevöiksrung denkt man anders als Sis, das werden Ihnen die nächsten Wahlen in sehr drastischer Weise zeigen. Seit drei Jahre;: ist Die Stimmunx; bedeutend um: geschlagen, unter der man aus Furcht vor einem auswärtigen Kriége diesen Reichstag gewählt hat. Dir militärischen Rüstun- gen [11117611 heute nicht Lm psiitischcH, sondern (Jin soziach Mo- ment fiir die hsrrichexiden Klassen, di?- einem Fehr guten Theil ihrer Söhne in Osfiziersieklsn ein Unterkommen vsrickmffrn und die durch die bLstäUdigSN KriegShLY-erisnes dahin briirgen, daß diE Völker vov drn inneren Angelegenheiten abgezogxn werden mid nicht übrrseliewköwxen, wir sie im Innern untsr: drückt werdsn. Diese Politik wird seit. Jahren fortgcsrßt. Das muß einmal hirr aquesprocixcxr werd-xn. Dir, Völker haben krinen Grfaüen an diesen Riisiaxigen und Lasten “und im Großen Und Ganzen ist es dsr Vrvölkerrmxi sshr egal., wer sie regiert, vorausgescßt, daß sie gut rsgiert wird. Die MehrauSgab-Zn für das Reichth-ser, die Marina», die Reich-Zsehuld hélaufen sich seit 1888/89 aux 42 Miilionsn, dazu kommen die einmaligrn Achgaben de?) ordentlichrn Etats mit rund 100 Millionen, die Aquahen des außerordentlichcn Etats mit 679 Millionen. Rschnen wir noch dazi; die 182 MiÜionen “OCH Jahres 1887,so firden wir, daß von 1887 bis zum Ablauf ZW nächsten Emtsjahrc-H nicht wxniger aléz 96.1 Million-zvi nebeu' drn laufenden Angaden fiir irtilitärische Rüstungen ausgszrebsn sind. Jxr der gleichen Proportion ift selbstver- ständlick) anch die Reichsschuld gestiezzen. Nun sagt man, die beständige Umwandlung auf dsm Gebiet der Waffentechnik, der Befestigunthechmik erfordere immer neue Achgahsn. Voii: kommen richtig. Tagtäglich hören wir von drr Erfindrmg m-uer Mordworkchgs, und in den letzten Tcxgsn haiwn wir g.!lesen,_wie ein Schuß genüge, ein Panzrrschiff zu vernichten, und daß man mitielst „einer Bombs Lino mittrlgroße Stadt vollstiindig vernichten könne. Auf der Konfsrrnz in Brüssel in den 70er Jahren, an der auch drr gsgenwiirtige Kric'gé': Minister Theil nahm, wurde dariiber berathen, weich? Art von Geschoffsn man künftig für die Kriegsführung al-I zu Mörderisch und gefährlich ausschlirßen solls. Wo simd diese Beschlüsse heute gebliebrn? Von drutsckwr SEUS wurde ihnen freilich schon damals auf das Lebhafteste wider: syrochon; je wirksamer die Waffe, um so schneÜer 165116 der Kriég besndiat werden. Wer denkt heute Daran, den Krirg zu humanisiren? Werden im nächsten Kriege die Heere gegen einander geführt, so werden alle Samaritsr und Johanniter nicht ausreichrn, UM dir Verwundéten untw- zubringen. Als die Schlachten bei Metz (.?Sschlagen wurden, schrieb drr König von Preußen nach Hause, er wage nicht nach den Verlusten zu fragen. Der nächste Krieg wird noch Juz anders wirkén. Dsr (Hrgf Waldersee sagte auf dem

ankstt am Schluß der UnfallversicherungI-Aussteliung, der Krieg sei das größte Unglück, das die modrrnenVölker treffen könne. Dennoch rüsten wir beständig. Das; diese Riisiungén schließLich zu einer Katastrophe drängen,. hat Graf Moltke 1886 bei den Septennatswahlen zugegebeix. Vor 10 Jahren würde es jeder hier im Reichstag für unmöglich gehalten haben, daß 1“th solckzé Forderungen an den Reichstag kommen würden. In dem, „Militär = Wochenblatt“ und in den Zeitungen, welchc 1hm„nachbeten, heißt es, diese Forde- rungen sind nothwendig, wxil nunmehr die französische Armee auf Grund des neuen Militärgeseßes bedeutsnd versiiirkt wurde. Die Neuorgansation der französischen Armee stand „bereits 1886 auf der Tagesordnung, und hat bei den Wahlen zum Kartell-Reickxstag eine sehr be: deutends Rolle gespiklt. ' Militärische Autoritäten wi sen ganz genau, daß das französische Heer trotz der Verstär ung um eine Million Soldaten hinter dem deutschen zurücksteht und

erst in zwanzig Jahron eine Trupprnzahl ins Feld stellen kann

wie _wir. Da die französische Bevölkerung imGanzen konstant bleibt, dir unierige aber zunimmt, so wird voraussichtlich die Diffsrenz dieselbe bleiben. Giebt es drnn wirklich gar kein Mittel, einerx dauernpcn Friedenszustand zu erlangen? Die jeßige Generation ist an Krieg und KrikgSgsschrri schon allzu gewöhnt seit den) letzten Französischen Kriege. Beim Ausbruch, des, französischen Kriéges sagte der König von Prsußewm seiner Thronrede, das_deutfche und das französische Volk, beide die Segnungen der christlichenGesittung gemeßend, sind zu einem heilsamern Wettkampf berufen wie zu dem blutigen der Waffen. Und in féiner Proklamation sagie er, wir führen Krieg mit den französischen Soldatsn und nicht mit den Bürgern Frankreichs. Ju gleichem Sinne lautete die Proklamation des (Frinzen Friedrich Carl an das zweite ArmeeZCorps. Auf rund dieser Proklamation durfte man die Annexion nicht machen. Indem man erklärte, mit dem Kai er Napoleon und feiner Armee Krieg zu ren, war der KU?

zu Ende, wo chpoleon abgeseßt war. a?- nach Sedan ii

ereignete, ist ine Grundlage für die gegenwärtige Situation Europas. Gemiß waren Elsaß und Lothringen früher deutsch.

“knn wir aberdie Throrie vsrfolgen wollten, Alles zurück zu er- obern,was friihrr einmal zu Deutschland gehörte, dann müßten wir auch die russischenOstseeprovinzen, dir ganze Schweiz, die Nirder- lande, einen Theil von Belgien annektiren und kämen aus dem Permanenten Kriegszustawd gar nicht izeraus. Die ungeheuere Mehrhrit von Elfaß=Lot!.)ringen sicht nun Einmal, gleichgültig warum und mit wslchem Recht, drm Deutschen Reich feindselig graeniiber. Zugleich sind wir zwischen zweiFeinden, Rußland und Frankréick), ringi'eili. Wenn wir überhaupt einen Erbfrind haben, so ist e»?- Nußland, das, wie ein B(ick auf die Kartezeigt, 11811711 drm Brsiß des Schwarzen Meeres, der Herrschaft auf drm Mitteiländisckxn Meer:», darnach strebrn muß, die Miin- dung der Memri und Weichsel in feine kaalt zu [).-konnnrn. Wenn mm auch von Liner bedingungslosen Hingabe Elsaß: Lothrinch an Frankrisick) Nicht,.dje Rede ssin kann, _so müßt? mcm Dock.) vsrsnchi-n, oi“- man nicht zwis-che11 Drutschland uni) Frankreich ein Verhältniß hsrfteüen _ könnte, um zu «inim dauerndcn Frirden zu geiamsxen. Ich habe mich selbst persönlich in 3 aris Überzeugt, daß man dort sich vor einem Kriege mit Ux-s fiircblst, während wir umgekehrt vor einem Ueherfaii Frankreichs; Furcht [)(ihen. Wir wünschen Allr, dmß ein Krirg so lange wie möglich hinachgeschob-xn wird, 0591: 1216 stattfindet, aber die Natur der Dinge drängt zur Katastrophe. Dann haben wir doch Verbiinöete, auf Miche dis Thronredr hinweist. Schränken wir uns also mehr mit den Riisiungcn ein und überlassen wir auch Linen Theil uniercheriindetrn, ixi-x ihre Vrrpflichtungexr ja redlich tragen. Wenn die Rüsimmru in allM Staaten Europas im?) die! Lastrn dafiir sick) so fortgeseßt steigern und 82; zum Kriege kommt, wird er nicht gefiihrt werden können, wril keine Mittel mehr da sind. Oesterreich Und Jtalisn, die finanzieli schwach bestrlit sÜ-id, körmen Hei Ausbruch ÖGZ Krirges l_richt in Verzwsifxuyg gerathen, womit sie ihre Heere mobilinren sOUM. Naw den Erfahrungewvon 1870 könxien wir auf ein? große Opfersrsudigkeit unserrr Bourgeoisié auch nicht rrchnen. Wemr sich so nebrn drn furchtbaren Opfsrn cm Mrnsckxru, (Hut und Blut, die dieser Krieg fordern wird, drei bis vier Europäische Staaten finanziell rninirrn, was soll dann aws der soziaicn Lage werden? Und wir werdsn die Mittel für diese Lasi€n aufgebracht? DiE ZöÜe sind unter dem Vorwand, der noihleidendeu Landwirthschaft zu helfen, riesen.- hafi gesißigert, dcr Schaßsekretär streicht dir: 70 bis 80 MiÜionen mit Wohlbehagrn ein. Die BMUÜUULillstLUSB ist so gersteigert, daß 1751571 zum Lridwcsrn d-zr konsrrvativexi Großbrsnner der Konsum zurückgegangen ist, DirS wurde als ethiichss Mo: memt angrführt, WLil der Branntwein demoralisirend wirke. Abw was durch den geringerenKonsmn verbessert ist, ist durch dis Mischung deS Branntweiws verschlechte'rt. Die gssammte Branntweinstéusr ergiebt ja:,Zt 129 Miiliomxn, und durch die Steuerdiffsronz von 50 Und 70 .46 ist den Groß: brennern auf Kosten. der Menge ein Geschenk gemacht worde» Ein bedeutenwer ThsiL der kleinen Brenner ist dilkck) diess Steuer rUinirt, namentlich in Süddrutschland, Badsn, Württemberg, Elsaß. Ist es nicht unerhört, daß den armen, Branniwein trinkenden Klassen dir Lastsn der miki- tiirischen Rüstimgen axufrrlegt werden und gleichzeitig dsn rrichen Großhrennarn Ein Geschenk von 40 Millionen gemacht wird? Das sollt- man in einem Kulturstaat nicht für mög:- lich halten. Mit der Zuckersieuer isi es nicht anders, Sie wollen jede Industrie durch Ihre Steuer- und Zollmaßnahmen entschädigen. Hätten Sie das seit 10 Jahren immer gethan, so wären die Einnahmen ]“th viel geringer. Manthe Ju- dustrieu sind zu Gruniw gegangen, durch die Branntweinsteuer haben verschiedene große Spritraffinerien ihren Betrieb ein- strllen müssen, andere_ halten ihn nur mit Opfern aufrecht. Wenn diese diesrlhe Entschädigmrg verlangten, wie den Großbrpnnern des Ostens gewährt ist, was wiirden Sir.- da für Gesichter machen? Machen Sie Ihre Geseße so, daß Niemand geschädigt wird, oder machrn Sie sie überhaupt nicht! Die Korn: zölle [)elasiéten 1880 die stölkerung mit 32,4 „3 pro Kopf, 1885 mit 52 „3, 1886 mit 54 „Z, 1888 mit 1,20 «sio. Aus der Vrodfteuer drs armen Mannes kommen also die_ höheren Einnahmen ach den Zöllep. Und jklzt wird die Belastung sogar auf 1,60-1,70 „46 pro Kopf steigen. Dadurch wird auch ch inländische Getreide theurer. Siewolien den deutschen Getreidebau für den Kriegsfall fördézrn, Sie haben aber seit _den Getreidezöllen nicht einen Hektar mehr mit Getreide be- baut, Sie kultiviren nur Kartoffel: und Rübenbau fiir die Branntwein: und Zuckerproduktion, also Produkte, die nicht nothwendig zur Nahrung des Volkes gehören. Diese ganze Theorie ist total falsch. Durch die Zollbelastung in Verbin- dung mit einer geringen Ernte steigen die Brodpreise unge- heuer, und zwar in anderem Verhäktniß als bei anderen «Lauren. Ist ein Angebot von 1/10 a_n Getreide mrhr da, als der Lebensmittelmarkt erfordert, io fallen die Preise bedeutend mehr als um 1/10; ist umgekehrt ein Ge- treidemangel von 1/[0 da, so steigt der Getrsidepreis um 3/19 und so auch der Brodpreis. Da erklärt sich die Un- zufriedenheit dsr ärmeren Klassen. Nach der Thronrede: will man die zur Unzufriedenheit und Geseßwidrigkeit aufreizende Sozialdemokratie durch Verewigung des Sozialistengeießes unterdrücken. Herr von Wedel! irrt, wenn er meint, der Abg. Rickert habe uns die Gründe dagegen vorweg-

enommen. Daß wir zur GeseZwidrigkeit ausgereizt haben,

oll uns die Regierung bei erathung des Sozialisten- geseßes erst beweisen. Die Geseßwidri keiten sind gerade durch das Gesetz hervorgirufen worden. enn ein AUSUahmegefeß gegen Sie auf der Rechten oder ge en das Centrum oder gegen die Nationaliiberalen ]“th ges affen werden sollte, so werden Sie viel mehr mit ungeseßlichen Mitteln ,dage en arbeiten. Ich erinnere die Nationalliberalen nur an ihre er- gangenheit vor 30-40 Jahren, zu den Zeiten des alten Bundestages. Da wurde viel Schlimmeres geschrieben als was jetzt der „Sozialdemokrat“ gegen die jeßigen Zustänixe schreibt. Wenn die Sozialdemokratie zur Geseßwrdrigkert geführt worden ist, so tragen die Nichtgentlemen . daran die Schuld. Ein gemi er Neumann verbreitete mit Willi ung der Poli ei die Most's e Freiheit“ unter den ParteigenoaYen, urn den narchismus gro zu ziehen. So ist es von 1 79 bis

jeßt gegangen. Ich c-rinnere Sie an einen Wohlgemuth, der zu einem Parteige-noffen saate: Wühlen Sie_ nur lustig darauf los. Ich erinnere an Wolf, Weiß, Frtedemarzn, Ihring- Mahlow, der eine eklatante Genugthuung erhielt, weil_ er Partei- genossen zu Majestätsbeleidigungen verleiten wollts. Wie 1[t rs i_mt Schröder undEhrenherg gegangen? Ehrenberg hatte vsllständtge Pläne auSgearbeitet, nach WLlchEU die Sozialdemokraten m der Schweiz Waffen ankaufen und über die; Grenze in Baden einfallen soÜten. Aber Hr. von Bronsart mgte: „Wa? geht mich Ehrenherg an ?“ Aber dieser ftcmd im Dienste der deutschen Polizei und lisierxe Berichte an dW Frankfurter Polizei. War die ganze antiiémitische Agitatioxi von Stöcker etwas Anderes, alH Erreßung von Unzufrieden: heit? Solche Aufreizungen sind 7chox1 au_f Grund YS gemeinen Rechts zu treffen, ohne Sozialistengexeß. Wenn wie wiche StSUSrgesetze, solch? Reichsschulden, so kolossale Mehr- belastungen und Gesetze, die das Volk mundto'dt machen, _wxe die Verlängrrung der Legislaturperiode, wie ,die B9schränku1ig der Koalitionsfreiheit u. a. beschließen, io smd Sie es, die Unzufriedenheit erregyn, wir aher wehren uns nur unserer Haut grgenüber der Vrdriickung. Die Zustände in Franireich und England sind unvergleichlich besser, als die rmserigen. Wslchss Eniseßen hat bei uns die Kartsllpresse berm Bkrg- arbeiiersirike erfaßt, obgleich xyoch von höchster SteÜe anerkannt wurde., daß diese Arbeixrr gerechWn Grund zu Brichwerden hatten. Man woÜte sofort die Koalitionssreiheii be1chränken, den Kontraktbruck) bestrafen. Der Vrrein fiir die wirthschaft- lichen Jnterrssen von Nhsiniand und Wrstfalezi hat dra Ober- Präsi'dsnten direkt aufgefordert, in dsr schärfsten WMS gegsn die Arbixiter vorzugehen. Ick wunixere mich nur, daß er nicht sogleich dsn klsinen BciagsrungSzuftand grfordert hat. Al?- m England drr große Dockarbeiterstrike brgann, Dec uns doch eigentlich gar nichts anging, hat disseibe KarteÜpreffe es Exig- land nahe gelegt, AuMahmegeieHe einzuführen, wenn es nicht rsttungslos drm Untergangs prengx-chen werden woiie. Ob- gieick) der DockarbritErx'irike die ganze Bevölkerung London?: in Mitlrädenschaft gezogen hat, haben doch Anhänger alYer Klassen, Yhe katholischr Geistliche, Beamte, Vourgeors s1ch fiir ein? Lilegung rrdlich bsmiiht. Dieselben Männer, die Sie stt dauernd knsbeln woÜen, sind von dem„Magistrat von Paris vor kurzer Zeit im Hötel de Ville empfangen worden, wie es sonst nur den Großen drr Erdr geschieht, in derselben Skadi, wo vor 18 Jahren der Kommuneaufstand ausbrgch und an dersslben Stelle, wo damals das alte_ Hötel de Ville ni5d€rgebram1t wurde. Kommt Aehnliches m Druischland vor? In Frankreich genießen Nile ein Maß von Frsihcit, das bei uns jelbft das gemeine Recht nicht (einmal zux-Hälfte gewährt. Dennoch schreit die ganze deutsche Vourgeorste, daß sie dom Untergangs prengegeben wird, und vsrlangt' iiach drakonis-xhsn Strafbestimmungen. Die englische unix französische Bourgeoisie hat Selbstbewußtsoiu, Charakter, Freiheithefiihl, die deutsche ist servil, politisck) charakterlos und seig, und nur dadurch haben wir AuMahmezusiände bekommeix. Man be- zeichnet uns jetzt als siaatsfeindlick), wiihrend wxr früher nur den Umsturz der bestehendrn Ordnung bezwecken sollten. ch weiß: nicht, wer die Thronrede verfaßr hat. Hätte derVerfa er uns nicht als staatsfeindlick)? Elemente bezßichnei, sondern als solche, die dem bestehenden Staatssystem seindiich gegenüber- stehen, so hätt? er einigermaßrn Recht. Die Sozialdemokratie wil] ja gerade den Staat in ihre Hände haben, denn heute werden nur die Interessen der Bourgeoisie, der agrarischen und industrieklen, von den Herren am BundeSrathstifch vertrexen und vertheidigt. Der gegenwärtige Staat ist nur ein Klassen- staat, wir wollen ihn zu einem Rechtsstaat umwandeln. Dqs Kaiserthum, das Königihum bildet nicht den Staat. Wir köUUUL Uns cin Reick) ohne Kaiser sehr wohl vorstellen, m_id das Volksthum könnte sick) dabei sehr wohl befinden. Dre- selbcxn, die uns Staatsfeinde itennen und sich selbst als gute Christcm achgeben, foliten dock) daran denken, daß die erstesn Chrisiexn auch als Staatsfeinde bezeichnet wurden. Und wie lange hat es Tvann gedaurrt und diese Christen waren 'die Herren im Reich! Sie können diese Analogie noch weiter Ziehen,. die Sies in den nächsten Tagen wieder daran gehen woÜen. den AuMahmezusiand in Deutschland zu begründen, der ezine. Sch11mch für Deritschland ist und uns dem Auslande gegenüber tief ?herabseßt, indem man den Glauben erweckt, daß 'das Reich ,nicht stark genug ist, auf dem Boden des ge- wöhnlich-sn Rechts mit einzr Partei fertig zu werden. „Beson- ders die Nationalliberaler; soliten doch jene Analogie noch weiter verfolgen.

Siaats-Mrnister von Verdy du Vernois:

Meine Herren! Ich will in diesem Augenblick noch nicht über die neue Vorlage und über Details des Etats sprechen; ich hoffe. hierzu noch eine beffere Gelegenheit zu finden, Wenn mir noch andere Anfichten aus dem hohen Hause entgeJen getragen sind. Indeß dt: Anführungen dcs Herrn Vorredners ha en mich bewogen, jetzt um das Wort zu bitten. _ ' *

Ich bemerke hierbei zunächst: Was den Fall Ehrenberg betrifft, so habe ich mich soeben noch aus den Verhandlungen des vorigen Jahres überzeugt, was _mein Herr Amtßvorgänger darauf erwidcrt hat, was Ihnen bekannt Fein wird. Ich brauche also denz Aussprache gegenüber, daß das Militärgericht den Ehrenberg hat entwtschen lassen, nicht weiter darauf zurückzukommen. _

Im übrigen hat der Herr Vorredner dre große Last, diedruckende Last, Welche unser Militär-Etat uns auferlegt, in den Vordergrund gestellt. Ich knüpfe an seine Worte an: ,Das Volk WtÜ keinen Krieg! Nun, meine Herren, fie Wurden in emen Zusammenhang _ge- bracht, der es fraglich erscheinen ließ, ob der Herr Vorredner nicht damit gemeint hat, daß andere Kreise den Krieg wollten. Er: hat sie

egenüber gestellt denjenigen Versicherungen und Erörterungxn. die von

Uerhöchiter Stelle dem Reiche gemacht worden smd. Meme Herren, wenn ir endwie meiner Ansicht nach ein erfreuliches Moment Darin liegt, da wir diese hohe und schwere Last tragen und"tragen mussen, so ist es meiner Ansicht nacb das, daß die deutschen Fursten und das dekxtsche Volk sich eins wissen in den Bestrebungen, dem Kriege vor- zu engen.

Der Herr Vorredner hat darauf gesagt: Schaffen Sie „die Ursacbcn des Krieges fort! In weitem Kreise ist er nachher zuruck-

ekommen darauf, in welcher Weise dieses geschehen soll. Dazwischen haben verschiedene Bemerkungen Play gefunden: er hat auf das Gebiet der Erfindungex: hingewiesen, wie die unseren Etat vertheuert hätten und wie wir denselben folgxn. ,

Meine Herren, das wird bleiben, so lange wir überhaupt nicht