Wiesbaden, 31. Oktober. (Wiesb. Pr) Ihre Konig- li e Hoheit die Kronprinzessin von. Sch'weden traf ge ern Nachmittag von Baden-Baden huzr em, um den Dr. Meßger wegen eines Fußleidens des „Prinzen Gu|9v_Adolf zu konsultiren. Am Taunusbahnbofs purde Ihre Ko.!)iglzche Hoheit von Ihrer Majestät der Koman von Rumatiten empfangen und in das Rheinhotel geleitet. Heute Yormtttag kehrte Ihre Königliche Hoheit nacb Vaden-Baden ziiruck.
Bayern. München, 30. Oktobex. (AUg. Ztg.) Die Ankunft Sr. Königlichen Hoheit des Prtnx-Regenten, und seiner Erlauchten Schwester erfqlgte beuteu229chxx1ttqg mittels Sonderzuges. _ Zur Vorfeier des funszigmbrtgen Zn-
aber-Iubiläums dss Pr1nz:Regenten batten sick) heuie
bend in den oberen Sälen des. Kunstgewerbehauies _die Offiziere des 1. Feld-ArtillerieRegiments zu einer geieUigen Vereinigung eingefunden. Dss Wstteren waxsn erschienen die vom Regiment geiadenenUGaste, die (Heuer,.alitat der Garnison München und eme großere Anzahl fruherer Offiziere des Regiments.
Hessen. Darmstadt, 31. Oktober. (Darmst. Ztg.) Se. Königliche Hoheit der, Großherzog und Se. Groß- berzogliche Hoheit der Prinz Heinrich haben sich heute Vormittag zu Jagden nacb Rode begeben.
Elsaß-Lothringen. Straßburg, 30. Oktober., (N. M. Z.) Wegen militärischer Hiii|lfeleistung bet em- tretender WasserSnoth iyi zwnchen dem General- Kommando des 1217, Armee-Corps und dem Ministerium für Elsaß=L0thringen eine Verein- b arung getroffen worden, wonach die für Preußzxn getroffenen allgemeinen Bestimmungen ayc_b_für Elsaß_:Lothrmg_en Gili?- keit Lrhalten und auch bei sonstigen Nothytänden nnngema ? Anwendung finden soÜen.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 31. Oktober. (W. T. V. Se. Majestät der Kaiser empfing heute Mittag den Besu Sr. Köni [ichen Hoheit des Erbgroßberzdgs pon Sachsen: eimar und machte demselben Nbcbnn'ttags emen Gegenbesuch. Am Vormiktag hatte der Km1er eme Depu- tation der Geueral-Synode beider evangelischen Bekenntnisse empfangen. Aux die Ansprache _des Präsidenten Haase, in wslcher derzelbe dem Kaiser als väterlichen: Gönner die, Huldigung der " evan- gelischen Kirche ausdrückte, ermiderte Se. M_a1_esta"t, er brauche nicht zu wiederholen, daß er an der Ll_st[1chLU Eni- wickelung der evangelischen Kirche den lebha texten Aiithetl nehme,*den"21rbeiten"der Synods-den fbesten Exwi-gf Wusche- und sich Über den erneuerten Bewe1s des Patrionchus, welcher in der evangelischen Kirche gepflegt werde, freue.,
Graf Kälnoky hat heute Abend 94be m Begleitun dss Legations : Raids von Wydenbruck die Reise „nac? FriedrichSruh an etreten, yachdem Lr, am Nachm1ttage den Besuch des russiizchen Botichasters Fiirsten Lobanoff empfangen batte. ,
Der Prinz Ferdinand von Coburg lft heute Abend nach Sofia abgereist.
Prag, 31. Oktober. (W. T. V.) Die von der=Majorität der Adreßkommission beschlossene Resolution beantragt, über den Gregr'scben Adreßantrag zur Tages- ordnung überzu ehen. In der Begriindung _dieses An: trages fiihrt die Re olution aus, der Adreßentwurs des Abg. 1)r.Gregr sei weder der Form, noch dem Inhalte nacbzur Vor: lage an den Kaiser geeignet, weil in demselben Gegenstände berührt werden, welche in die Kompetenz der Legislativs oder der Regierung fielen. In Erwägung, daß der Landtag 1eine staatswchtlichen Anschauungen und Ueberzeugungen und _die Wünsche des böhmischen Volks wiederholt zur Kenntniß des M0narchen gebracht habe, mit dem Hinweis auf die wohlwoüende Würdigung, welche die Rechtsverwahrung der böhmischen Abgeordneten zum Reichrathe in der Tbronrode vom 8. Oktober 1879 gefundsn habe, und in endlicher Er- kenntniß, daß es im gegenwärtigen Zeitpunkt unmöglich sei, sofort die nbthigen Vereinbarungen zu erzielen, um den vom Landtage angestrkbten und stets anzustrebenden Einklang zwischen den freiheitlichen Institutionen, den Be- dürfniffen der Gegenwart, den Erfordernissen der Einhxit und Machtstellung des Reichs eineiseits und den im Volk fort- lebenden bistorischen Instixutionen qndererieits zu erreichen, sei es vertrauenswoü dsr Krone anbetmzu eben den Zeitpunkt selbst zu wählen, in welchem das gro € iérk durch die Köni skrönung abzuschließen sei. _
ie Kommission für Durchsübrung des gleichen Rechts beider Landessprachen bei den autonomen Be- hörden hat, wie der „Presse“ gemeldet wird, ,den ganzen Geseßentwurf des Landesausschuses in der heutigen Sißung durchberatben und verschärft, indem auf Antrag Krofta's eine Aenderung des Entwurfs dahin vor enommen wurde, daß die Gsmeinden schon verpflichtet sein so en, Eingaben, welche in einer andsrn als der Amtssprache des Bezirks eingereicht werden, in der Sprache der Eingabe zu erledigen, wenn sich u dieser Sprache wenigstens ein Fünftel der Einwohnerschaft ekennt; dies gilt aucb bei Eingaben an die Bezirksvertretung, wenn im selben Bezirk wenigstens Eine (Gemeinde ist, welche nicht die Sprache des anzen Bezixks „spricht. Der Landes- -ausschuß-Entwurf batte ünf Gemeinden verlangt.
Bregenz, 30.0k1ober. (Wien. Ztg.) Der Landtag xxxdeff heute mit begeisterten Hochrufen auf den Kaiser ge: 1 0 en.
Czernowitz, 30. Oktober. (Wien.thx.) _Der Landtag nahm heute das Tilgungsgeseß, beireftend die Pro- pinationsscbuld, an.
Großbritannien und Irland. London, 31. Oktober. (21. C.) Vom Königlichen Hoflager in Balmoral iyird gemeldet, daß am Montag Abend auf Craiggowan em- Frsudenfsuer zu Ehren der Vermählung der Yanzessm Sophie 'von Preußen mit dem Kronprinzen von rtechen1and “angezündet wurde. Auf dem Hügel wurde ein Fackelzug gebildet, welcher nach dem Schlosse zog, wo auf die Gesundheit der Braut und des Bräutigams ein Glas ge- leert wurde Mr. Alfred Mibxier, der erste Privatsekretär des Schubkanzlers Gofchen, M zum General:Direktor des egyp- tischen Recknungshofes ernannt worden a-n Stelle Mr. Palmers, der als Nachfolger _Sir Edgar Vincents zum finanziellen Rathgeber der egypti1chen Regierung ernannt wurde.
Belgien. Brüssel, 30. Oktober. Zu der bevorstehende!) Antisklaverei-Konferenz mird dem„Hamburg Corresp. geschrieben: Immer |attlicher wird die Zahl der zu der Brüsseler AntifklaverebKonxerenz abgeordneten Verireter der Mächte. Belgien hat an er dem General-Sxkretar Baron Lambermont den Eeneral-Direktor der Archwe_ des Aus- wäxtigen Amts zu seinem Vertreter xxnannt; Beide find von "eher am Congo-Unternehmen beiheiligt und haben auch an er Berliner Congo-Konferenz thezlgenommen. England ent- sendet auch einen höheren Marme=Offiz1ern zur Koyferenz; Deutschland giebt seinem Gesandter) Fachmanner bei., Das Amt des Sekretärs der Konferen Wird dem General-Diqutor im Auswärtigen Amt Arendt ü ertrageri. Ixn Auswartigen Amt trifft man alle Vorbereitungen für dtese Konferenz, deren Berathungen wohl bis Weihnachten dauern werden.
Türkei. Konstantinope1 '31. Oktober. (W. T. B.) Das Journal , Tarik“ begrüßt die bevorsteber'idsAn'iunf't Kaiser Wilbelm's als ein glückliches Ereignis; im: die Türkei 11110 erblickt in dem Besuch des Kaisers den Beweis, daß Deutschland die weise Volitik,_welche der Sultqn berfolge, billi 6. Das Journal bemerkt wetter, daß seit FULdtich dem Gro en sich die Türkei der Sympathie, Deutschlands erfreue. Der Kaiser werde mit großer Herzlichkeit von dem mobamedanischenVolke empfangen wexden, und du? Zusammen- kunft der beiden Monarchen werde die guien Beziehungen be- festigen, welche zwischen den beidcn Kaiserreichen bczftehen. Deutschland strebe nach der Aufrechterhaltung des Frredeys; die Türkei verfolge dieselbe Aufgabe, indem fie eme strikte Neutralität beobachte.
Bulgarien. Sofia, 1. Novembex. (W. T. V.) Der bisherige serbische Agent Body erhxxlt von 1emer Regie- rung den Auftrag, sich auf seinen Posten x1ach Mongstrr zu begeben. Bis zur Ernennung seines Nachwlgers wrrd der Sekretär Petrovic die Geschäfte des diplomatischen Agenten versan.
nter den der Sobranje vorzulegenden Gesetzent- würfen befindet fich auch die Vorlage„ betreffend den Bau einer Eisenbahn, welcbe Jamboli mit Siivno, Stat;- dagora, Cirpan und Philippopel verbindet) soll. DW Bahn, welche scbmalspurig gebaut werden fol], mird'220 km lang sein und hauptsächlich zur Ausfuhr von Getreide iiber Jamboli und Burgas dienen.
Dänemark. Kopenhagen, 1. November. (W. T. B.) Eine vom Finanz-Minister Estrup im 'R'erch'stage eingebrachte neue Zollvorlage führt Zollfretbeix em fiir Kohlen (jesige Erträge des Kohlenzolls 1 Mtljiorx), für Kaffee (jeßiger Zollertrag 3 Millionen). für Reis (]eßigerCr- trag 1/2 Million), für leee (jest 1/5 Million), fiir Salz (]eßiger
1- Ertras 400800 Kronen , fiir Thron und xohes-EiE-Erwäßxgt
soll der Zoll 'auf Petroleum werden; der Minderertrag hieraus wird auf 800000 Kronen geschäßt. Erhöht sollen werden dre
ölle auf Wein, Spirituosen, Bier, Taback, Obst, Spargel, 5 lumen, Spezereien, Kakes, Kakao. Die Mindereinnahme in olge der Zoüveränderungen Wird im Ganzen auf 31/2 iÜionen Kronen geschäßt.
A erika. Aus ew-York, vom 30. Oktober, wird der „420173. rr.“ per Kabel gemeldet: . ** Drei Jabre bintec einander ist die Ernte in Nord- und Süd- Dakota mißratben, und die heurige Ernte ist nicht besser als die vorhergegangenen. Die („rosie Bevölkerung. deren Existenz fast gänzlicb von der LandwiribsÖaft abhängt, befindet sich folglick) in großem Notbstande. Einer ungeiäbren Schäßung nacb find nicht weniger als 100 00.) Personen tbatsäcblich verarmt.
Parlamentarische Nachrichten.
Für dis 7. Plenarstßung des Reichstages, Montag, den 4. November 1889, Nachmittags 1 Uhr, ist solgende TageSordnung festgeWßt:
Beratbung dcr Darlegung der Anordnunnen, welche von der Königlick) Preußischen Regierung, der Könislicb sächsischen, der Groß- herzoglich besfiscben Régierung und der Regierung der freien und Hansestadt Hamburg unter dem 26. Sebtember, 26, JUni, 28. vnd 27. September d. I auf (Hximd des §. 28 Absay 2 des Geseßes gegen die gcmeinaesäbrlicben Bsftrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 niit (Hencbmigung des Byndesratbs getroffen worden find. _ E(M- Beratbung des Entwurfs eines Gescßes, be- treffend die Abän'dkrung dcs Gcseßes gegen die gemeinacfäbrlicbsn Be- strebungen der Soziaidemokraiie, vom 21. Oktober 1878.
(Weitere „Parlanientariscbe Nachrichten“, insbesondere den Bericht über die gestrige Sisung des Reichstages, s. Beilage.)
Zeitungsftimmen.
Die Betrachtungen der „National-Zeitung“ über die Budgetdebatte kulminiren in einer Kritik der Rede des Herrn Richter. Es heißt darin:
.Es war sebr bemerkenswertb, mit welchem erbitterten Eifer der Führer der Deutschsteifinnigen fich immer und immer wieder geben die Rede des Herr_n von Bennigsen vom Mittwoch wandte: man hat in den Reiben die1er Partei offenbar eine richtige Empfindung dafür,
daß im Lapde die Bennigsen'fche Rede cine ti.fe Wirkung bervorbrinxien wird veruzöge ihrer Verbindung ernster Genug- tbuung iiber die Weltitellung und die Zustände des Vater- landes m1t dex unabhängigen Gesinnung. welcbe freimütbig Kritik übt und der Weiteren Entwickelung nach Maßgabe der eigenen Ueber- zeugung die Aufgaben vorzeicvnet. Aber vergebens bat Hr. Richter das verbrquchte Manbver wieder bervorgesucht, zu unterscheiden zwischen einem Bennigsen, resp. einer nationalliberalen Partei, Welche ehedem. auch eine gewisse Hochachtung der Hrn. Richter und Genossen verdteyten, und einem Bennigsen, resp. einer national- itberalcn Partei, „über" Welche Hr. RiOter jest den Stab zu, brechen genötbtgt Ui. Ende der sechßziger Jabre, zur Zett des Norddeutschen Bundes, an- welche Hr. Richter in dem Sinne “erinnerte“ daß damals die Nationalliberalen die- selben, angeblich uneriuüt gebliebenen Foffnungen gehabt hätten, wie die Fortschrttispartei, da haben die orbilder des Hrn. Richter _ er selbst stand damals tzoch in der zweiten Reihe _ genau die- selbe Sprache gefuhrt, wre er beu_te; die Begründung der nord- deutsgben BundeSverfaffung, und spater die der deutschen Reichs- verfanuyg, war na_ch. den damaligen Reden dieser Herren genau so kurzsichtig und fretbeztsmörderisch, wie irgend etwas, was Hr. Richter heute aus den Vorgangen der leytenIabre so charakterifirte.
Zr. R1chter begami seine Rede ieltsamer Weise mit einer ganz gegen tandslosen Poletmk gegen militärische Mehrforderungen, welche
in Folge des neuesten fran öfiscben Webrgefeßes gestelit werden_ köxmten. Solche sind aber gar ni tgeftellt worden; nur einige „tznlitariscbe Korrespondenten“ von Zeitungen batten sie gcu*1dloser Weise vor der 'Reickostags-Eröffnung angekündigt; dem Anfbem na)!) stammt die Disposition der Rede des Hrn. Richter schon aus dieser eit, mid er hat sich nicht entschließen können,_ sie zu andern. mmerbm ist es beachtenswertb, daß in diesem Zusammenbaq'g erklart wurde, wenn das Septennat nicbt bestände, so „wurden die Herren Richter und Genossen demnächst im _Hinbltck_ auf das neue franzöfische Gefeß eiiie Hexabseßuna dcr deuticben Friedegssigrke des Heeres beantragen; die Wabler _xvtffen also, welcber bestandigen Beunruhigung “durch immer neue's Rutteln an unserem Heerwesen sie unter den obwaltenden europäischen Verbältnisfrn Thür und Thor öffnen würden, wenn sie einen Reichstag nach dem Herzen des Hrn. Richter wählten ..... Die leßte Krafx nahm der Redner zuigmmen, um zum Schluß grau in grau ein Btld„der deutschen Zustande zu malen. Wenn er in dem schon oben berubrtezi Zusammenhange be- hauptete, die von den Nationalliberalen ebenso wie von der. Fortschritts- partei Ende der secbsziger Jahre gehegten Hoffnungen auf dte_mnere poli- tische Entwickelung seien unerfüllt geblieben, so chg echb daruber, soweif es sich um die eit bis zum Ende der siebziger ahre handelt, wir den ehemaligen kationalliberalen unter seinen jeßigen Partxtgenossen auseinanderseßen, welche die politischen Reformen jener Zeittm Reiche und in Preußen in heftigen Kämpfen mit Hrn. Ricbter andexs be- urtbeilt haben. Was die seitherige'Entwickeiung aber betrifft. 70 be- rubt Hrn. Richter's Urtbeil auf seiner ,und Miner. Genossen Unfähig- keit, irgend eine neue Aufgabe detr staatlicheii Entwickelung» begreifen. Während das Reich dabei ist, vielen MtÜtonen Stchexbeit gegen die schlimmsten Wechselfälle des Lebens zu Waffen, tragt Hr. Richter schmerzliche Sorge darüber zur Schau, daß die heutige_ Politik die Menschen gerade in Bezug auf ihre sozialen Verhaltnisse un-
zufrieden mache!“
Die „Magdeburgische Zeitung“, beschäfti t _sich namentlich mit der Rede des Abg. Bebel, indem fie chretbt;
.Die Rede des Sozialdemokraien Bebel war der beste BeWeis dafür, wie selbst auf sonst ganz geicheidte Köpfe der Sozialismus auf die Dauer einen verwirrenden und verderblichen Einfluß ausübt. Dem Fluge der Ausführungen Bebel's ayf das Gebiet der hohen Politik zu folgen, können wir uns wohl verjagen. _Es War ein neuer Aufgvß alter Liebknecht'fcber Spekulationen. Bezeichnend für den Geist, der die deutsche Sozialdemokratie durcbwebt, bleibt es aber doch, daß eine Partei, die sich als Vertreterin der arbeitenden Klaffen aufzuspielen pflegt, _es vorzugsweise liebt, sich in Spielereien zu verlieren, von denen die Arbeitcrwelt keinerlei Nutzen ziehen kann.
Es gehört zu den Säßen Liebknechl-Bebel'jcher Weisheii, daß alles Unbeil der Gegenwart vou der Einverleibung der Reicbslande berrübrt, und es ist eigentlich vergeblich, dagegen immer und immer wieder anzustreiten. Nach den Freiheitskriegen war der Landbesi cFrankreichs unverändert geblieben, und doch fand das (Hesckorei na Rache für Waterloo stets willige Obren jenFetts der Vogesen. Der Racheruf für Sadowa ist nicbt einmal aus eine verlorene Schlacht zurückzuführen. Das sind bistorische Thatsachen, aber in der Welt, in der Hr. Bebel und seine Freunde leben, bat man für Thatsacben keinen Sinn. Vor lauter Träumereien uud Grübeleien sieht man die Dinge nicbt, die wirklich find. Hr. Bebel wunscbt Bemühungen ;.u Gnnften
' Bewéise' fiik'd'ié'Be'mübifn dY'Kaisérs u " der deutschen giékbnß in dieser Richtung zu Tage treten. Er wünscht, daß man aufböre, die Völker, gegen einander zu verbeßen in demselben Augenblicke, wo er ein Bündniß mit Frankreich empfiehlt, um desto stärker dem russischen ,chfeind' gegenüberzufteben. Aus dieser Welt der“ Träume und Spekulationen oder aus den "Stimmungen heraus , wie fie bei der systematischen Verbetzung der ein- zelnen Schichten der Bevölkerung durch die_sozialistischen Agitatoren wobl begreiflich 1ind, muß wbbl auch die GegenübersteUung der deutschen und der englischen :ndJranzösiscben _.Bourgeoifie“ beurtbeilt werdkn. Wir meinen, „die feige, niedertracbtigc, servile dcutsche Bourgeoisie“ wird getrost den _Vergleich mit dem Bürgertbum aller Länder aufnehmen. Das déut1che Bürgertbum ist es gemesen, das aus freiem Antriebe seit Jahr und Tag zu WohlfahrTSeinriMungen der mannigfaltigsten Art, für die Hr. Bebél und seine Freunde freilick) nur böbnisäpe veräcbtlicbe Worte hab-sn, um die Hebung der Lage der arbeitenden Kla1en bemüht gewesen ist. Welche Vcrzcrrung der Thatsachen endlich in der Gegxnübersieliung des Verlaufs der Aus- stände der Bergarbeiler in DeUtxcbland und der Docha_rbeiter in Ena- land! Es mag Herrn Bebei unbeguem sein, einzugeitcben, aber die Wahrheit ist es doch, daß in Deut1chland ein weit mächtigcrer Mann als der Kardinal V.!ianning in England, der Deutsche Kaiser selbst, für die berechtigken Forderungxn der Arbeiter eingetreten ist. Wenn die Sozialdemokratie diese Tbat1ache zu vertuschen sucht, so läßt sich das nur crklärcn aus _der Besorgniß, daß die arbeiterfrcund- lieben Bestrebungen der deutjchen Regierung und der bürgcrlicben Sparteien ihren eigenen Bestrebungen“ den Boden abzugraben an- augen.“
Zu dem Streit über d9cs- „Kartell““„ welcher nunmehr in der Presse abgeschlossen1chemt, bringt die „WieSbadener Prei s e “ folgendes Schlußwort:
„Zur Mehrheitsbiikung find immer mehrere Parteien er- forderlich. Dieier Umstand macht eine Verständigung dcr staats- erbaltenden Parteien unbedingt nothwendig, denn ohne eine solche würde das Parlament, absolut nichts Positives zu leisten vermö en. Die Verständigung ist aber schon bei den Wahlen erforderiicl). Die Erfahrung hat gelehrt, daß obne eine solche Verständigung sebr leicbt eine nicht _leistungsfäbige Majozität zu Stande kommen kann, durch welcbe die höchsten Intercnen aufs Spiel geseßt werden. Die Vorbedingungen eines Zusammenwirkens finden fich_vor„Allem in den Grundsätzen und Anschauungen der beiden konxexbattven und nationalliberalen Parteien Die Thatsache, daß es gejengebcrische Aufgaben_gegeben hat, über welche eine Verstän- digung1der drei Parteien mchtjzu erzielen War, beweist gar nichts, denn nicht um die Vergangenheit handelt es fich, sondern um Gegen- wart und Zukunft. _ '
In Bezug auf die von der Regierung als die wichtigsten anerkannten, Aufgaben der (Gegenwart und nächsten Zukunft h_errsxbt ber den drei „gebannten arteien im Wesentlichen Ueber- einstimmung Die wichtigste Au gabe bleibt immer noch die Sicherung des Vaterlandes gegen äußere Gefahr, denn ohne diese Sicherung find „alle Reformen im Innern von fragwürdigem Weitbe, Auf diesem Boden finden sich die drei Parteien un- zweifelhaft zusammen. Sie begegnen sich aber ebenso in einer Reihe anderer wicbtigen 5Yunkte. Was hat nun gegenüber dieser Sachlage das Gezank dgruber, ob früher einmal in dem einen oder dem anderep FalLe die speziellen Abmachungen des Jahres 1887 falsch interprettrt worden find oder nicbt, für einen Zweck? Und welchen Zweck hat" vbr Allem das Beharren auf bestimmten Personen?_ Eine Verstandiguwg kann nicht erzielt werden, wenn von der emen_Se1tx an Perjonen starr festgehalten wird, die der. anderen Seite i_ncbt genehm smd. Wenn dem Wunsche des Kaisers auf Vexstandtgung de_r staatSerb.:ltcnden Parteien, der von der Mehrheit der Bevölkerung getbeilt wird, entsprochen werden soll, so'n'otrd das mit einigem guten Willen sebr leicht sein. In den gegenseitigen Vorwgrfezi über angebliche Verletzungen von Abmachunpen, in den gegenietttgen Verdächtigungen und Angriffen offenbart sich etn solcher guter Wille freilich nicht'.
Entscheidungen des Reichsgerichts. Die unter fremdem Namen erfolgte fälschlicbe Anfertigung
e_iner icbriftlicbyn Anzeige über ein Verbrechen oder Ver eben oder iiber eine sonstige Tbatsaäxc und die Einreickpung derselbgen an die
des Friedens in einem Au enblicke, wo i mer„__neue, bayFkYeifliche,
' d' B 1)" de ist nach einem Urtbeil des ReiÖSgericbts, YianSjtgreafsencitsér vom 8. April 1889, nicht als Urkund en- fälschung zu bestrafen.
-- In Bezug auf den durch die deutscb-spanischen Handexs- und Schiffahrtöverträge vom 30. März 1868 und vom 12. Juli 1883 eregelten gegenseitigen Markenschutz für Deutschland emer- iiits und für Spanien und seine? Kolonien (namentlich auxb Cu b a) andererseits hat das Reichsgericht, 111. Strafsenat, diirch Urtbetl vom 31. Januar und 17. Februar 1889 folgezide Sa e ZUSge- sprochen: Zur Wirksamkeit eines von eine'r spanischen (_cu amscben) Firm:: für Deutschland im Leiszer Zetebenregtfter emgetragxnen Waarenzeicbens bedurfte es keiner e anntmachun'g des Reichs- kanzlers im ReiÖS-Geseßblati. daß deutsche Waqrenzetchen, Namen und Firmen in Spanien (Cuba) einen Sxiiutz genießen. Der geses- liche Schutz der Marke in ihrem Heimatbsstaat Sp'anten (Cuba) bildet ebenso nacb dem Handelsvertxagq von 1868 wie nach dem vom Jahre 1883 die Voraussetzung fur tbren Schutz im deut-
schen Reicthebiet,
Statistik und Volkswirthsthaft.
Rohstoffe und Fabrikate. '
Die internationale Handelsbilanz des Jahres'1888 ist m _der Budgctdebatte des Reichsta es als_ ein Beweis fur den Ruck- gang des wirtbscbaftlicben ebens angeführt worden. Allerdings belief fick) die Einfuhr auf 3435 877000 „M., die Ausfyhr nur auf 3352 602000 „sé, die Einfuhr überstieg al_so die Aus- fuhr um 83 MiÜionen Mark, * Wie der Staatssekretar des Indern, Dr. von Boejticber ausfübrre, ist diese ' negative Handelsbilapz aber nur eine scheinbare: denn wenn die Einfuhr besonders stark m Rohstoffen ist, Welche von der heimischen Industrie veredelt Werden, so ist das ein Beweis von industrieÜem Aufschwung und zunehmender Konsumtionsfäbtgkeit, . _ „
In der That ist gerade die Einfuhr an Rohstoffen gani uber- wiegend gewesen. Es wurde im Jahre 1888 an Rohstoffen tm- portirt 2 249 503 000 „js, während anSFabrikaten nur für 102122894 eingeführt wurde. Auf der anderen Seite überwiegen in der Ausfuhr itark die Fabrikate. Wäbrknd nur für 834 174000 „44 an Rob- stoffen erporiirt wurde, belief sich die Ausfuhr an Fabrikaten auf 2 369 372 000 „74
StelLt man die Einfuhr der Rohstoffe _ 2249 503000 „Fs _ der Ausfuhr der "abrikate _ 2369 372000 „46 _ gegeyüber, so ergiebt sich zu Gunten Deutschlands eine aktibe Handelsbilanz von gegen 120 Millionen Mark. '
Insbesondere verdient hervorgehoben zu werden, daß seit dem Jahre 1886 die Zunahme der Robstoff-Einfubr eine stetig steigende ist; 1886 belief fie fick) auf 1 886 517 000 „sé, 1887: 2 127 885 00095 und 1888 auf 2 249 50'5 000 .ij
SÖWeinefleisÖ-Preisc. “
In der Budgetdebatte des Reichstages bildete die Erhöhung des SchWeinef1eisch-Preises als angebliche Folge des Schweineeinfubr-Verbots eine Hauptrolle. Dem gegenüber ist es von Interesse zu konstatiren, daß in Guttentag in Oberschlesien, wie die .Oberschl. Presse“ meldet, das Schwcktkkfleksch Pkben im Preis? vork60'au"fbk)„z ftir" das PfUnV' zurückgegangen ist. Weiter wird gemeldet, daß das SÖWeinefieiscb in Dittersbacb, Althxffer, Waldenburg, Gottesburg u. a. schon seit einigen Wochen 60 «5 kostet, während in Hermsdorf 70 und 75 Y bezahlt werden. Wie das genannte Blatt be- richtet, haben viele Hermsdorfer Hausfrauen an die Fleischer- meister ihres Ortes eine öffentlicbe, ganz entscbiedene Anfrage gerichtet, die dahin lautet, „wann der Preisabschlag für Schweinefleisch auf 60 „3 pro Pfund zu erwarten stehe, oder ob die Hausfrauen ge- zwungen werden sollten, das benötbigte Scbweinefieiscb_ damit selbst- redend auch die anderen Fleischbedürfnisie _ in den Nachbarorten einzukaufen.“
Die überseeische Auswanderung aus dem Deutschen Reich über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotter- dam u_nd Amsterdam betrug nach der Mittheilung des Kaiserlichen Statistischen Amts im Scptemberbeit seiner Monatshefte im Monat September 1889 7645 und in der Zeit von Anfang Januar bis Ende Sevtcmber 72 364 Köpfe; von diesen letzteren kam??! aus der Provinz Posen 8776. Westpreußen 7787, Bayern rechts des Rheins 7053, Pommern 5733, Hannover 5596, Württemberg 4775, Schleswig- Holstein 3917, Brandenburg mit Berlin 3210, Rheinland 3110, Baden 2916, Heffen-Nasiau 2484, Königreitb Sach1en 1865, Pfalz FY, AsZestfalen 1628, Großherzogtbum Hessen 1581, Schlesien u. . w. Im gleichen Zeitraum der Vorjahre wandcrian aus: Monat Monate Septembcr Jamxar/September 8637 79 952 8155 80 763 9138 61 734 8316 91032.
1888 1887 1886 1885
Zur ArbeiterbeWegung.
Die Koblengrubenbejitzer zu Durham erklärten der Londoner „Alig. Corr.“ zufolge am 29. b. M. ciner Deputation, die eine Lohnerhöhung von 15% für die Bergleute nachsucbte. daß fie zwar keine Erhöhung gewäbren könnten, die der berlangien nabe komme, wohl aber gkncigt 1eien, einen Ausschuß zu ernennen, der mit dem Exekutiv-Ausschuffe der Durbam-Fökeration konfcriren und zur Unterbandlung einer Lösung ermächtigt sein soUe.
Jn Wombwell, dem Mi1te!punkt dcr Koblengruben von Yorkshire, fand am 29. Oktober eme der größten und wichtigsten Versammlungen von Bergleutey statt, in Wclcber beschlossen wurde, eine Lohnerhöhung und die achtstündige Arbeitszeit in ganz Yorkshire duxchzuseßem '
Das soeben erschienene Septemberbeft dec „Monats - [)(-fte des Kaiserliäben Statistischen Amts“ enthält außer den üblichen monatlichen Mittheilungen über _den auswärtigen Handel, Großhandelspreise 2c. rocb folgende Nachwciix: 1) zur Kriminal- statistik des Reichs für das Jahr 1888 die Zahl, der nach den Para4rapben des Strafgeseybucbs und anderer Reichsgeseße Ver- urtbeiljen, 2) zur Statistik der R ei cbssteue'rn über die Produktion, Konsumtion und Besteuerung des Salzes tm Etatsjabre 1888/89 und über die mit Taback im Ernjejabre 1889/90 bepftanzte Flache.
Kunst und Wissenschaft.
Dem Antiquarium des Berliner Mu'seums sind einige Gegenstände einverleibt rvorden, über Welche die „Poss. Ztß." Fol- gendes berichtet: Als Se. Majestät d er Kaiser rm Oktq e'r v. J. in Jjalien weilte, wurde an der Stätte dis_alten Pompeji tbm zu Ehren und in seiner Gegenwaxt eine arcbaologiscbe Aquaburig vorgenommen, die in einem Hause der achten Jnsuia der 9. Regio stattfand. Es wurden dabei zu Tage gefördert: eiii „Vromfebecken mit zwei verzierten Henkeln, eine Bronzekanne gufdreifußtgem_etsenien Gestell, eine große Glasflasche und ein fletrieres GlaSJefaß, eme Föchille aretiniscber Art mit schönem Rankenfnes und zwei einfache
P e. „
_ In einer Sandgrube unfern von der Kanalbrucke und vyn der Be räbnißstätte der 1870 gefallenen französischeix Soldaxen 'm der Näße von Jllkircb hat man, dem „Els. J.“ zuwwkx kurzlich eine Menge menschlicher Gebeine und sogar voilst'andtge Todteiz- getippt gefunden, welche aus einer zur Zeit der rotznscben errfcbafim Gallien in dieser (Gegend gelieferten Schlacht berzurubrxn scbetnxn. Erne ganze Reihe von Skelejten liegt gegen Osten gerichtet, wahrend dte gegen- uber ruhenden Ueberreste durcheinander liegen. Zur Rechten von
einigen Skeletten befindet fich eine Todtenu_rne. _ Diese Entdeckung wird ficherlich großes Aufsehen in der archaologtscben Welt errkgen. Uebrigens sind schon im Jahre 1828 beim Graben des Kanals ähnliche Ueberreste zu Tage gefördert worden. ' ,
_ In Faiming en, hart an der Straß“: nacb Laumgen, sind 111 lehnt Zeit wieder Nacbgrabungen nacb Y_auüberrestexi aus der Römerzeit angestellt worden. Der „SchwabMerknr' berichtet darüber: Gegenwärtig ist ein regelrechtes Viereck von etwa 2 m Breite und etwa 14 m Tiefe bloßgelegt. Die Mauern sind sebr gui erhalten. Unter dem Schutt fanden sich viele Scherben vori ge- branntem Geschirr, sowie allerlei Knochen von Armen und Beinen. Essscheint dieses Ueberbleibsel der Grund eines Kastells gewesen zu em.
Land- und Forstwirthschaft.
Tabackernte in Schlesien.
Die diesjährige biefige Tabackernte kann, wie der „Schlei. Zig“ aus Oblau geschrieben wird, im Vergleich zu den letzten abren in quaniitaver Hinsicht einc__gute genannt werden. In Folge der ungünstiqsn Witterungsverbältnine scheint aber die Güte des Tabacks gelitten zu haben. Wie im vorigen Jab e bat fich die mit Taback bebaute Fläche sowie die Zahl der grö eren Tabackpflanzer wieder verringert. Die Gewichtssteuer zahlenden Tabackpflanzer haben sich gegen das Vorjahr um 9vermiridert, desgleichen sind 410 3. Weniger mit Taback bebaut worden als im Vorjahre. Im Ganzen find in diesem Jahre von 64 Tabackbflanzern, „welcbe (Gewichtsiieuer zahlen, 6390 s. bepflanzt worden. Eingescbäßt find insszesammt 139 965 kx; Taback, also im Durchschnitt rund 21,90 kg auf 1 a, Im Jabra 1888 waren 129 050 kJ oder durch- schnittlich 18,98 kg auf 1 a eingeschätzt. Während die Zahl der GewichtssteULr zablenden Tabackpflanzcr zurückqeaangen ist, bat fick) die der Flächensteuer eiitricbtenden anflanzer um 26 vermebrt. Im Ganzen haben 120 Tabackpfianzer _ gegen 94 im Vorjabre _ Flächensteuer zu zahlen. Von den erstgenannten 64 Tabackpflanzern haben angebaut bis zu 10 a 10 bis zu 20 o. 9, bis zu 30 a 11, bis zu 40 a. 6, bis zu 50 a 7, bis zu 60 s. 5, bis zu 70 a, 1, bis zu 90 a. 1, bis zu 100 a 1, bis zu 200 a 6, bis zu
300 a 1, bis zu 500 o. 1, bis zu 1000 s. 1 und über 1000 a 1.
Sanitäts-, Veterinär- und Quarantänewesen.
Niederlande.
Durch eine in dem .Nederlandscbe Staats-Courant“ veröffent- lichte Veriügung der Königlich niederländiicben Minister des Innern und der Finanzen vom 22. Oktober 1889 ist die Ein- und Durchfuhr von Lumpen, gebraucbten Kleidungsstücken und ungewascbener Leib- und Bettwäsche aus Rio de Janeiro vom 26, Oktober d. I. ab verboten worden. _
Gepäckstücke, Welche von Reitenden mitgeführt werden, fallen nicht unter dieses Verbot.
Handel und Gejverbe.
T éérba Abufschtsratb d derb AZtZendbrauereil- Geselllscbaft
_ ino i * e __ „on „ er, abox e LU,?" enexabersmeixg die
Yelribeilungxßiner Dißiidende von 5% gcgen /0 im Vorjahre vorzu- agen.
_ Der AuffichtSratb der _Victoria-Brauerei, Berlin, bat nach Vorlegung der Bilanz für 1888 89 beschlossen, nacb Rück- stellung bon 43000 „44 ?)1887/88 42 467 „M) für regelmäßige Abschreibanaen die Vert eilung eincr Dividende von 89/0, wie im Vorjahre, der Generalberiammiung in Vorscblag zu bringen. Der bei Verkauf der Grundttücke Kottbuser Straße Nr. 43 Und 41) erzielte Ueberschß von 52 000 „js soil mit 10000 .,“ zur Dotibung der Sprzialreserve und mit 42000 „M zu außerordentlichen Abickireibunßén verwendst werden. Verkauft wurden im Gescbäftßjabr 1888-89 41483 111 gegen 38 347 111 im Vorjahre.
_ Dcr Aufsichtsrath der Swandauerberg=Brauerei hat nach Vorleaung des Rechnungsawckxluffes für das verfloffene Gzscbäfxs- jabr beschlossen, bei reichlichen Abicbreibungsn die Vertheilung einer Dividende von 9%, wie im Vorjahre, der bevorstehenden General- bersammlung der Aktionäre in Vorschlag zu bringen.
_ Vym oberschlesischen Steinkoblcnmarkt berichtet die ,Scble]. Ztg.“: Das äußerst [ebbafte Geschäft bat auck) inner- halb der verflossenen BeriQißzeit angehalten, sogar ebm: zugenommen. Die mxt Rücksicht auf die vorhandentcn Arbeitskräfte wie auf die zur Verfügung gesteÜten Verfracbtungsmtttel nur in beschränktem Maße ermöglichten Leistungen der Förderstätten [affen den Begebr in aUen Koblensorten desto dringender erscheinen, als die Vorliegenden Bestel- lungen kaum im Zweidrittel ibres Umfanges erledigt werden können. In der Beschaffung von Arbeitskräften macht sicb das Verbot der Zulassung polnischer Zuzüglcr sebr bemerkbar; bei genügender Arbeiteranzahl würden die Gruben 15 bis 20 0/0 mehr Kohle fördern können: so z, B hat die an der Grenze belegene Mbslowiß-Grube in den listen 3 Monaten über 50000 d mehr gefördert als in der- selben Zeit des vorigen Jahres. Auch der Mangel an Fahrzeugen, wiewohl solche in der tädlicben Mebrzabl von 450 Waggons über die Normalzabl von 3927 Wagen den Gruben zugingen, tritt störend auf, namentlich jcdcsmal in der zweiten Hälfte der Woche. Die sämmtlicbm Separations- und Wäsche - Anstalten waren in voller Thätigkeit, da die Abnehmer streng auf Qualität halten. Die Hobenzoliern - Grube bei Beuthen O.-S. gebt mit dem Umbau ihrer älteren Separations- und Verladeaniage vor. Die Förderung dsr Kliophas-Grube bat bereits die tägliche Höhe von 80 Waggons (800 15) erreicht. _ Die Löhne sind bis zu 15 0/0 über ken ftübcrkn “_Ouribscbnitt erbbbt worden Die Koks-Anlagen, deren Produktion samm1licb fest vericbloffen isi, sieben im flotten Bctrieb. Die auf einigen Werken im Bau begriffenen Kammern werden mit Anlagn für Tbecr- und Ammoniak-Gewinnung versehen ?:nd dem- nächst in Betrieb konimen. Die Preisbaltunß ist äußerst fest.
_ Die Banksirma Sal. Oppen eim „jun. u. Co. in Kö ln bcgcbt heute die Feicr ibres hundertjährigen Bestehens.
_ In dem Konkurs über das Vermögen der Ritterschaft- lichen Privatbank in Pommern liegt jest der Plan für eine neue Veriheiluan aus der Masse vor, welcher beim Gericht in Stettin einzusehen ist. acb dem Entwurf kommen, wie die „B. B-Z.“ be- richtet, Vom 25. Novembor ab etwa 600000 „“- zur Vertheilung, gleich etWa 2? 9/0 der ursprünglichen Forderungen. Bisher kamen 331, 10 und 4x 9/0 zur Vertheilung. Zur Masse gehören noob zwölf unbelastete Grundstücke, etwa 120000 .,“ gute Hypojbeken und eine Forderung an Hrn. Kommerzien-Ratb Quistorp in Höhe von 419000 „sé, die im Jahre 1895 fäüig wird.
_ Nacb einem dem Aussichtskatb der Klosterbrauerei Roederbof erstatteten Bericht der Direktion über die Resultate des am 1. Oktober abgelaufenen Geschäftsjahres bat fich der Vier- absaß gegen das Vorjahr um circa 6000 111 gehoben und 42 8783 111 erreicht. Pas Gewinn- und VerlustConto weist nach Absepung der vertragSmaßigen Tantiéme für die Direktion einen Gewinnüberjckouß von 177000 „ji aus. Nach Abschreibung von 50000 „75 : 40/0 des gefgmmten Kapitals verbleibt zur Verfügung der Generalbersamm- lung em Betrag von 127450 “44, aus welchem nacb Vorschlag des Aufsichtsratbs eine Dividende von 99/0 gezahlt und der Rest auf neue Rechnung vorgetragen werden soll.
Frankfurt a. M., 31. Oktober. (Getreidemarktberickt voii os eph Strauß.) Der hiesige Markt zeigt Vermehrte Festig- keit. In ryirkltcb Prima hiesiger Landweizen haben sich ziemlich große Umfaye voUzogen. Die Preise sind stetig mit Neigun zur Steigerung; ab Umgegend 19é_x 96, frei hier 192 „jk, kurbeißischer 194- „js, ruisische Sorten 202-211 „xi, für geringe Sorten vorjäbriger 172-184 „ik _ Roggen matt jroß der gegen Schluß der Woche eingetretenen maßigen Befestigung, die aber nicbt intensiv genug war. um bis heute dre höchsten Course in Geltung zu lassen, Hiesiger 16§ „kü. rnsstsche
Sorten 163/10_17, angekommene Schleppladungen D0nau-Roggen in
Re ensburg drücken. Gerste ist in guten und mittleren Qualitäten leb oft gefragt, bei fehlendem Rendiment von Tbiirtngen und Bayern. Wir [affen Wettexauer (grobkörnig und weiß) 18x_19 .“, - Ried- und Franken-Gerste (Ochsenfurter Gau) 19T -20§ .“, Tbüringer und Saale 192-20z .,“ _ „Hafer, Stimmung befestigt, dock) nahm der Verkehr ' keine wesentlich ber- größeyten Dimenfionen an; die thtz 14Z-16 „kü bleibt, exquifiter darüber. _ Mats (mr_xed) _baben sich die bekannt gewordenen Abschluss ungefahr _auf_ Basis vorwöcbentlicber Preise vollzogen; gesundes 12.1 .“, kxanklicbes viel unter Notiz. _Was Cbilisalpeter anbetrifft, so ltcbten ste_b [ner und an anderen Stapelbläßen angebäufte Vorrathe Mjr sebx !xbwer, per Februar-Mäkz 1890 18,30 „44 Parität Frankfurt a. M. ubrtg. _ Für Prima-Speise-Kartoffeln zeigt nch zunehmendes Angebot (Chili, neue Amerikaner), per 100 kJ 28,10-3 «jk, dagegen Mittel- sorten für Brennereien 2i „kö. _ Roggenkleix84-9ck,We_1xen- kleie 7,60-8 „sé, Begebr blieb hinter dem fruheren Jabre xuruck. _ Spelzipreu smd nicht über Bedarf angebote» 2,20_,40 «M' JnMebl haben wir andauernd ziemlich frequentes Gescbast. Zwar ist dre Nacbirqge nicbt mehr von gleicher Lebhaftigkeit, wie Vergangene Wocbe, docb Ut die- selbe noch immer groß genug, um Angebote besserer Marken auf:*t nehmen; namentlich für Weizenmehl haben. benachbarte Mühlen das Scebter in Händen; Roggenmehl ab Berlin stramm gehalten. Wir [affen biefigxs Weizenmehl Nr. 0 33ZZ-34 „ze, Nr. 1 30-31 .“, Nr.'2 25§_26 .“, Nr. 3 24§_25z «;ck, Nr. 4 "21-22 „M, ';k-r. 5 17-18 „56, Milchbrot- und Brotmebl im Verbande 543-57 „44 Norddkutscbe und westfäli1chc Weizenmeble Nr. 00 26-27 „“ Bsrliner Roggenmehl ab 23an Magdeburg Nr. 0 25 „;ck, Nr. 0/1 233; „14, Nr. 1 22 .,“, frei Ufer Frankfurt a, M., Main; U. Mann- heim ca. 1,25 .46 tbeurer, (kxquisite Marken ca. 2 „46 höher). Obige Preise verstehen fich per100 kg ab bier, häufig auch loco auswärtiger Stationen.
Antrverpen, 31. Oktober. (W. T_. B.) Bei dem gestrigsn Öffentliében Verkauf von Conqo-Elsenbein wurden 31T0nnen zu den bei der leßten Londoner Elfenbein-Auktion byzabltkn Prsiikn verkauft Schöne fehlerfreie Stoßzähne Wurden mit 30-354 Fr. ber Kilogramm bezahlt. _
London, 31. Oktober. (W. T. B.) An der 51:7:1te 1 Wexzsn- ladung angeboten. *
Bradford, 31. Oktober. (W. T. 23.) Wolle fest, Kolonial- wolle stetig, englische anziehend, Exportgarne gefragt, anziehend, in Stoffen gutes Geschäft.
Submisfioneu im Auslande.
Ungarn. ' 28. Nobembir, Mittags. Pest. Direktion der Königlich Unga- riscben Staatsbahnen: Lieferung von Bau- und Werkbolz aiier Art. Näheres in der Redaktion des ,Reicbs-AnzeigUS“.
Verkehrs - Anstalten.
(M. A. Ztg.) Der bisher an jedem Freitag von Vcrciorova und von Pest 11566 Paris verkehrendc Orient-Expreßzug wird am Freitag, 1. Nobember 1. I., zum 163th Male eingeleitet. Vom 1, November [. J. an i:*ird,nach dem „P. Lloyd“, dsr Ollellt-
verkehren.
Hamburg, 1. November. Nacht entaleisten bei Boizenbiirg von den zügen 307 und 334„__ beim Rangiren, falsche Weichenstellung, mebrere Wax; en, wodurcb die beiden Hauptgeleike gesperrt Wurden. Von bier ist ein Hülfszug abgesandt. Die Paffaßiere des Conrierzuges mußten Um- steigen und trafen mit einer vierstündigen Verspätung ein. Varlctzt wurde bei dem Unfal] Niemand.
_ 1. November. (W. T. B) Dkk Postdambfer .Co- [onia“_ derHatybxtrg-AmerikanisÖenPackciiabrt-Aktten- gesell1chast ist, von Hamburg kommend, gestern in St. Tbomas eingxtroffen.
London„ 1.Nc)vember. (W. T. B.) Der Union-Dambfer .Durban“ ist gestern anf dkr Ausrcise bon dsn Canariscben Inseln abgegangen. Der (Castle-Dambfer ._Norbam-Casile“ ist gestern aaf der Ausrsise in Capetown angekommen.
(W. T. B.) In der vcraaggenen , Gutbr- verumiblicb durch
Theater und Musik.
Königlicbes Schauspielhaus.
Auf der Königlichen Bühne gelangte gestern Abend ein neues Schauspiel von Hugo Lubiinsr .Der Name“ zur ersten Auf- führung. Der Verfasser wiki in einer Reihe handelnd auftretender Personen den guten oder schlimmen Einfluß darsieUen, dsn der „Name', Rang und Titel aux das Geschick der Menschen gewinnen kann, ein Einfiuß, dem die Träger solchen Namens bülflos und ratblos unterwoxfen sein soUen. Er versucht solche Menschen charakteristisch zu zeichnen, welche unter dsr Last ibres Namens scufzen und solche, welcbe auf der Jagd nacb einem solchen Namen sind. In beiterem, lustipielaxtigem Cbarakter Wild das letztere Problem gelöst; der Journalist Franz Roland weleher von einem ebrgeiztgkn Künstlerin- Vater gedrängt wird, seiner Tochter, eincr ansehsnden dramatischen Künstlerin, einen Namen zu machen, bietet dem Mädchen schließlich seinen eigenkn bekannten „Namen“ an. Die VerwickleungenYrvelÖe die übrigen zahlreichen Per1onen mit einander in Beziebung bringen, find crni'terer Natur; Wenigstens wünscht der Verfasst uns VLM der Gewichtigkeit und dcr sittlicben Kraft der Ereignisse 311 über- zeugen, ohne aber in aÜen FäÜen seinen Zweck zu erreicbcn. Die jun e Frau eines hervorragenden Beamten läßt sicb von einem jungen Zenn den Hof_ machen; der Gemabl scheint Anfangsbon tbeilweise gerecbjer Eifersucht getrieben, die Sache sebr ernst nehmen zu Wollen, aber der eheliche Zwist verläuft durch die Dazwischenkunft einer edlen Frau mit einem großen Namen böÜiq harmlos. Die Marquise von Nesbola _ das ist jene edle Frau _ faßt den Conftikt sebr tragisch auf und opfert sicb für ihre Freundin, indem fie selbst sicb dem Ehemann gegenüber als die Dame binstellt, welche der galante Graf Waltersdorf bei der jungen Frau sucht. Dem etwas leichtfinnigen Grafen imponirt dieser beldenbafte Opfermuth und die Seelengröße der viel verleumdeten Marquise in dcm Maße, daß er derselben sein Herz und seine Hand anbietet und nach mancher1ei Hindernissen auch dies Ziel erreicht. Die Marquise Nesbola spielt die Hauptrolle in dem Schauibiel; ibr namentlia) sol] der bornebme Name zum Fluch gereicben. Jbr gegenüber, ebenfalls im Vorder- grund der Handlung, steht die Mutter des Jalanten Grafen Walters: dorf, als die Trägerin eines geachtcten 'iamens, r_velcher_ Schuß und Sicherheit Verleiht. Die hier sicb ergebenden ernsteren Konflikte vermochten beim Publikum nur geringe Tbeilnabme hervor- zurufen, fie erschienen geschraubt und unnatürlich, wie die Charaktere, welche die Träger derselben waren. Die groge Zahl von Personen, welcbe auftreten und zum Theil gar_nicht, zum Theil sebr loie durch ihre Schicksale mit einander verknüpft sind," rauben der Handlung die Einheitlichkeit und drücken ibr dgs Geprage der Zerfabrenbeit und Unordnung auf. Ansprechend 11110 eindrucksvvli erwiesen sich nur wenige, vereinzelt auftauchende l_usttge Scenen, während die ernsteren durch weitschweifige „Erzablungen urid zahlreiche Wiederholungen litten. _ Die Jnscentruna War eifrig bedacht, die bestcn Effekte herauszuarbeiten und zur Da'rsteÜunZ waren die besten Kräfte heran- gezogen, Frl. Meyer ipielxe die „Marquise Nespola' sehr ge- schickt; „fie war_ axmxutbtg tm Schmerz und in der Freude, aber einen emeltilÖen Charakter vcrmochte fie diefer seltsamen unverstandlichen Figur nicht zu geben. Den guten Namen verkörperte Fr. Seeback) als „Gräfin Waltersdorf“ vornehm uyd empfindurigsooll; leider klang ihr Organ manchmal zu matt, um uberaÜ deutlich gehört werden zu können. Den Erfolg des Abends ernteten Frl. Conrad und Hr. Vollmer als munteres
LiebeSpaar, in der, man möchte sagen, einzigen anregenden Scene des
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