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- Die Fälle, in denen Kommunen die Kqsien des regelmäßigen Schulbaubedürfnisses aus Anleihemtt- teln zu bestreiten beschließen, haben fich in leßter Zeit erheb- lick) gemehrt. Ter Finanz:Minister und der Minister des Innern haben hieraus Veranlassung genommen, darauf auf- merksgm zu machen, daß diese Kosten, namentlich in solchen (Hememden, deren Bevölkerunß in rascher Zunahme begriffen ist, und in welchen daher as Bedürfnis; zur Ausführung neuer Schulbauten in kurzen Zwischenräumen wieder: zukehren pflegt, zu den regelmäßigen Ausezabexr des Gemeindehaushalts gerechnet werden müssen. Wo hiernach nicht etwa die Nothwendigkeit zu umfassenderen Schulhaus- Neubauten durch besondere Umstände, wie beispielswerse durch eine außerordentlicheVermehrun der Bevölkerung, durch un- erwartetes Eintreten von Baus äden an älteren Schulbauten u. s. w. herbeigeführt wird, sol] darauf gehalten werden, daß die Kosten der Schulhausbauten aus den re elmäßrgen Em- nahmen der betreffenden Stadtgemeinden be tritten werden. Zu diesem Zweck ist den städtischen Behörden im Besonderen empfohlen worden, Schulhaus : Neubaufonds anzusammrln, welchen regelmäßig jährlich angemessene, nach dem muthmaß- lichen Bedürfnis; des betreffenden Zeitabschnitts zu berechnende Beträge aus den Jntraden des städti1cken Aerars zuzuführen find.
- Bei Ausführung von Auslieferungen an Belgien oder an die Niederlande ist Seitens der diesseitigen Pro: vinzialbehörden insofern nicht zweckmäßig verfahren worden, als nach erfolgter Bewiliigung der Auslieferung der für die Uehergabe in Aussicht genommene Tag entweder zu nahe ge: rückt oder zu weit ausgeseßt ist. Zur erbeiführung eines gleichmäßigen VerfaZrens hat der mister des Innern im Einverständni mit dem Mimfter_ der auswärtigen Angelegenheiten bestimmt, daß demielben nach Eingang der Genehmigung ur Auslieferung von Personen an Belgien bezw. an die iederlande SMLUS der RegierungS-Präsidenten der fiir die._Auslieferung an dre betreffenden deigischen bezw. niederländqchen Behörden be- stimmte Tag sofort telegraphisch arxgezeigt wird, und daß zwischen dem Tage, an welchen die telegraphische,Meldung bei dem Minister der auswärtigen AngelZZ-Inheiten emgeht, und dem Tage, an welchem die Ueherg 8 erfolgen „wü, mindestens zwei und längstens fiinf volle Tage fret zu [affen sind.
- Der Kaiserliche Gesandte am Königlich serbischen Hofe, Graf von Bray-Steitiburg, hat einen _ihm Mier- höchst bewiliigren Urlaub angetreten. Während 1einer Ab- wesenheit von Belgrad fungirt der Legations - Sekretär von Schloezer als Geschäftstrc'iger.
Bayern. München, 5. November. Am 8. Dezember d. 3. werden es 50 Jahre, daß Se. Königliche Hoheit der Prinz:
Yes lagen und zum Großprior dieses Ordens erhoben wurde. us diesem Anlaß ist, wie die „Allg. Ztg.“_ mittheilt, Folgen: des bekannt gemacht worden: '“
Se. Königliche Hoheit de:,Prinz-Regent und AÜerdurchlauchiigste Ordenk-Großmeister-Stel1veé-rejer haben mit Alierhöchsten„,kZ7-xx;,-- schließungen Vom 4. März und 3. Novemker [. I. die Abhaltung des diesjährigen Hauptfestes des Ritter Ordens vom heiligen Georg' auf Sonntag, den 8.- Dezember d. I., den Festtag Mariä Empfängnis; AÜergnärigst anzuordnen gerirht. Se. Königliche Hoheit der Allerdurchlauäyiisste Großmeister- SteÜvertreter, Allerhöohstdeffen fünfzigjähriges Ordens- juhiläum die Ritterichaft des heiligen Georg am gedachten 8. De- zember zu feiern in der glücklichen Lage sein wird, werden bei dem hcrorstehrnken Hauptfeste geruhen, dem durchlauchtigsten Prinzen R u pp re cht do 11 B ayern, Königlicher Hoheit, sowiemehreren Ordens- Kandidaten dcn Ritterschlag zu erjheilen und die Jnstaüation Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Rupprecht als Großvrior vorzunehmen. Die Ordensritterschaft versammelt sich am Soantag,“ den 8. Te- zemher [. J., Vormittags Zé Uhr, in der Antichembre des Königs- haurs und begleitet um 10 Uhr den AUerdrrchiauÖjigsten (Groß- XreFter-Stellvertrcjer in das OrderxH-Kaditel Und alSkann in die tr (*.“
Se. Königliche Hoheit der Prinz Rupprecht, welcher am Königlichen Maximilians-Gymnasium hierselbst die (Hym- nafialsiudien absolvirt hat, ließ sich heute an der Königlichen Ludwigs-Maximilians-Universität München als Studiren- der im matrikuliren. Der Prin wird neben den Vor- lesungen, welche er an der Univerität besucht, auch einige Vorlesungen an der Technischen Ychschule hören.
_ 6. November. (W. T. - .) Der auf die heutige Tagesordnung der Abgeordnetenkammer gesetzten Be- rathung der vom Centrum gestellten Anträge wohnten die Minister Dr. Freiherr von Luß und von Riedel bei; als Zuhörer war auch der preußische Gesandte Graf von Rantzau anwesend. Der Abgeordnete Geiger leitete als Antragssteller die Debatte ein. Er erklärte: die CentrumSpartei wolle keine VerfassungSänderung, sondern nur eine Wiederherbeiführung des bis 1870 Seitens der Krone Bayerns dem Papste und der Kirche beihätigten Wohlwdüens bei der Ausführung der Verfassun S- beilage rind des 131aoetum regium. Dec Kultus-Mini ter 1)r. Frerherr vo_n Luiz protestirte zunächst energisch gegen den Vorwurf der Mitschuld an einer angeblichen Entchristlichung des Zeitgeistes und führte aus: es hätten auch andere als die geßenwärnge Regierung die Kirche in Gegen aß zum Staat ge racht; Differenzen des Staats mit der Kirche würden nie- mals "enden. Der, CentrumSantrag beabsichtige, der Krone naheZule erx, _doch einen anderen Kultus-Minister zu ernennen. Er, er unsrer, halie unentwegt fest an dem verbrieften Recht der Krone. Mit Recht habe der Redner des großen Staanannes Fürsten BiSmarck erwähnt; derselbe bleibe auch bei ihm ein Vorbild, aber die Milderung des Reichskultur- kampfes tangire do keineswegs die rein bayerische Placet-
rade. Er, der Mini er, wolle das 131a08tum regiuw auch für lauhens- und Siitenlehren festhalten, jedoch nicht für die rein geistlichen Angelegenheiten. Er halte Spezialgeseße für wirkungSvoUer als das L)]aoerlun rstW, wre er schon am 23. November _1871 im Reichstage erklärt habe. Er halte Hdoch an dermelben fest, da andere Bestimmungen für das ufsichtSrecht und die Schußpftieht des Staats fehlten. „Wir wollen nichtsials das Recht, zu prüfen, warm und worin der Staat der Kirche. seinen Schuß zur Verfiigung stelle.“ Nach Verlesung zahlre1cher dokumentarischer Belegsteklen fiir dre esthaltung des Placetum durch die früheren bayerischen
, errscher, sowie dnrch die meisten früheren und HFM _ katholischen Dynastien, chlo der Minister: is liege ihm ferner, als “mn schung in reine
Glaubenssachen durch das_Placetum. Was den zweiten An- trag gngehe, sd habe dre Regierung keineswegs den Alt- kathoiiken spezielle Sympathien entgegen ebracht, sondern
1'ct “ZUM“RKLWW Orvens'vom heikkgen GMF“
anstatt der unaufhörlichen, rein akademischen Erörterun-
en taktische, thatsä [' e Beschwerden vorbringen. Der Heinixier fragte: ob dYutrch das Centrum durch diese Anträge nur eine rein akademische Auelegung des Placetrechts durch den Prinz-Regenten herbeiführen wolle, oder. oh es durch eine VerfassungSänderung dieselben zu verwirxlrchen hoffe. Dazu fehle die erk, derliche Zweidrrttel-Mehr eit m der Abgeordnetenkammer un * in der Kammer der eichSräthe. Aber selbst wenn die Verfaffung geändert. wäre. würde das Centrum nichts Praktisches erreicht haben. Dre RSLWUMS WLW? jeden vorkommenden Fall einer Beschwerde von gerstlicher Seite sorgfältig prüfen, aber auf theoretische Erörterungen verzichten. _ Der Finan =Miniüer von Riedel gab hierauf im Namen des GesammtÖkinisieriums dre Erklärung ah:_ das- selbe stimme mit den Anschauungen des Kultus-Mrmfters bezüglich des Placetum vollkommen überein. Der Abg." vori Schauß erklärte im Namen der Linken, daß m Gemaßhert der Verfassung und der Ges äftsordnung diese Anträge nicht- zur Abstimmung geei net eien. Das Placetum_ ser eine Gewähr der Gewissens reiheit und der Gleichberechtigung der Konfessionen. , _
_ 7. November. (W. T. B.) Der Frkngnzaus1chuß der Kammer der Ab eordneten bewrlligte heute den Bau eines fiskalischen Logtrhotels für das Stahlbad Stehen. Bei der Berathung des Militär-Etats pro 1889/90 erklärte der KriegS-Minister, General der Jnfanterre don Hern: leth: es verlauteten, soweit er unterrichtet ser, kerne Klagen über die Unzulänglichkeit und schlechte Qualität der Nahrungs- mittel für die Truppen. Fernerweitmüßten die an dre Mann- schaften esiellten Anforderungen noch wesentlich erhöht werden. UnfäÜe eien selten, jedoch schwer zu vermeiden. Hierauf er- läuterte der Kriegs-Minister an Beispielen aus Preußen und dem Reiche die geforderte GehaltSaufbe-fferung der Milirärgnwärter. Beim Gebührenentwurf warnte der Fmanz-Mmrner von Riedel, die Gebühren zu tief herabzumindern, da die Er- höhung der Matrikularheiträge und die AUSJahen für die Alters- versicherung, der Malzabschlag und die Y_usZaben für die Doppelgeleise die Vorsicht des Finanzreßorts erforderten. Hierauf wurde der Entwurf genehmigt.
Sachsen. Dresden, 6. November. 'Ihre Majestäten der König und die Köni in werden sich, denr „Dresdn. Journ.“ zufolge, morgen, onnerftag, nach Lerpzig be-
ehen, um die vom Leipziger Kunstverein veranstaltete Aus- :Iteüung älterer Meister aus sächsischen: Privatbesitz zu besich- tigen. Die Rückkehr nach der Königlichen Villa Strehlen wird am Nachmittage erfolgen. - Ihre Königliche Hoheit die 'k-ßrinzessin Mathilde hat sich gestern Nachmittag zu einem urzen Besuche Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Leopold von Preußen nach Potsdam begehen.
ürtwulurg, „ „Stuttgaxt, 6. .NevWQ... Se..
“M?xjesiät der König hat heute den neu ernannten Präsidenten
der “reisregierrm „YUM , -"-„_,amparter sowie 0911 zurn Sta xtdwektor htetL'elibff erer»? “. 15Y,;rgierungs-Rath Klaiber rn Aud“ nz empfangen. „-
Ihre Kaiserliche oheir. die Herzogin von Edinburg ist mit den Prinzesfißnnen-Töchtern heute Vormittag wieder von Jer abgereist.
arhdem im Laufe des leßten Sommers weite Theile des Lande?; durch verderbliche Unwetter heimgesucht worden find und fich ergeben hat, daß die Hagel- und Wafferbeschädi- gungen auf etwa 20 Oberämter und mehr als 60 Ge- meinden sich erstrecken und der verursachte Ge ammtschaden fich auf etwa 5 MilLionen Mark berechnet, hat Se. Majestät der König verwö e Höchster Entschließung vom 24. Oktober d. I. die Veranstatung einer Landes-Hauskdllekte zum Besten der inländischen bedürftigen Hagelbeschädigten ge- nehmigt. Der hezügliche Erlaß des Ministeriums des Innern, d_atirt vom 26; Oktober und an die Kreisregierungen und rherämter gerichtet, werd im Amtsblatt des Ministeriums veröffentlicht.
Heffetr. Darmstadt, 6. November. (Darmst. tg.)
Se. Königliche Hoheit der Großherzog ist heute A end
8 Uhr von Romrod hier wieder eingetroffen. Um 10 Uhr
Abends reiste Ihre Großherzogliche Hoheit die Prinzes s in
I???iclttoribcr, Prinzesjin Ludwig von attenberg, von hier nach a a a .
Mecklenburg-Schtverin. Schwerin, 6. November.
(Meckl. Nachr.) Das Befinden Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs ist, wie aus Cannes gemeldet wird, ein etwa? bess eres; die Kräfte nehmen langsam zu, doch srnhd bdre Folgen der Erkrankung in Ludwigsmst noch nicht ge 0 en. Ludwigsiust, 6. November. Ihre Hoheit die Prin- zessin Hernmch'ÜK-Ä'U. Neuß, Tochter Ihrer Königlichen Hoheit der Herzogin Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin, ist heute früh von einem Prinzen glücklich entbunden worden.
_Sachsen-Meiningen. Meiningen, 5. November. (Werm. Ztg.) Der Landtag des HerZogthums ist auf den 28. d. M. einberufen worden, um ne en deri Etats- und Rechnungsvorlagen noch einige Befoldungéa elegenheiten und den Vertrag über den dritten thüringis en Schwur- gerichlshezirk zu erledigen.
Sachsen- Cobur -Gotha. Coburg, 6. November. (W. T. B.) Se. Kai erliche Hoheit der Großfürst Alexis von Rußland und Se. Königliche Hoheit der Herzog vdn Ediiibu'rg trafen heute Nachmitta aus Paris hier ein. Gierchzerttg kehrte auch Ihre Kai erliche Hoheit die Herzogin von Edinburg mit den Prinzessinnen- T öchtern aus Stuttgart hierher zuriick.
Oesterreich'ZUngarn. Wien, 6. November. (Wien. ZtJ.) „_ Se.. Ma1e11ät_ der Kaiser, sowie ihre Kaiserlichen un Komgltchen oyeiten die Erzher ogin Valerie und der Erzherzog ranz Salvator izind gestern Vormittag mGddölLd emgetroffen.
Der König Milan von Serbien ist heute Abend hier angekommen.
Die 21ng. Kaiser und Urs in smd, wie das „W. T. B.“ meldet, ebenfalls aus dem Verbande der Deutsch- Natronaien des 'Abgeordnetenhaufes aUSgetreten. Der deutsch-nattonale Verband ist damit aufgelöst.
Budapest, 6. November. (W. T. V.) Das Unter- haus, _lehnte heuxe'den Antrag Jranyi's, den Landes- vertheidrgungs- Minister Feje'rvary we en der Monoer
an möge endlich
nur die bestehenden Zustände geduldet.
mit 243 ge en 70 Stimmen ab. Im weiteren Verlqufe der Sivun ua 111 das aus mit großer Majc-rität den Frngnz- aus;; eich mit roatien an, nachdem der Mrmfter- Präsident von TiSza die Anschuldigung widerlegt hatte, daß die Regierung für Fiume nichts gethan hätte. Der Minister- Präfident konstatirte auch, das; die Lage „Kroatiens sich täglich und sichtlich "bessere. , , Agram, 5. November. (Wien. Ztg.) Der kroatische Landtag be ann heute mit der Berathung des Antrags Barcic, betre end die Reinkorporirung Dalmatiens. Der Referent Miskatovic beantragte im Namen des Aud- schusses den Uebergang zur motivirten Tagesordnung. Barcrc vertheidigte den „von ihm gestellten Antrag, gegen welchen fick)
die Abgg. Kovacevic und Starcevic aussprachen. Die weitere Berathung findet morgen statt. Frankreich. Paris, 6. November. (W. T. V.) Das
in der vergangenen Nacht anläßlich des Schlusses der Aus- stellung veranstaltete Fest War durch schönes Wetter be- günstigt. Die Anzahl der Besucher wird _auf' etwa 500.000 geschäßt. Der Präsident Carnot wurde der fernem Erschemen mit lebhaften Zurufen begrüßt. ,
.Die hier verbreitete Nachricht von einer heftigen Er- krankung Jules Ferry's wird von der „Estafette“dementrrt. Das Blatt füat hinzu, Ferry werde vorausfichtlich am 20. No: vember hier wieder eintreffen.
Die „Patrie“ veröffentlicht einen Artikel über den Besuch des Prinzen von Wales in Egypten, welcher den gestern mitgetheilten Außführungen des „Journal des Débats“ über denselben Gegenstand analog ist.
Italien. Rom, 7. November. (W. T. B.)__ Der Prozeß wegen des Attentats auf den Minister-Präsidenten CrisPi ist vor die Anklagekammer verwiesen. Die Anklage lautet auf versuchten Mord mit Vorhedacht, jedoch ohne meuchierische Qualifikation. '
Nach den offizieüen esisteÜungen überstiegen dre Einnahmen der Staats asse imOktoher 1889 jene im Oktober 1888 um 101/2 MiÜionen; die Einnahmen vom 1. Juli bis zum 31. Oktober 1889 Übersiiegen jene der gleichen Periode des Vorjahres um 291/2 Millionen.
Amerika. New-York, 6. November. (W. T. B.) Bei den Staatswahlen siegten in Staat und Stadt NewYork die DemokratenmitMajoritätenvon10000bis 20000 Stimmen. Zu Virginia und New-Jersey, wo die Demokraten ehenfaüs siegten, beträgt ihre Majorität 35 000 bezw. 8000 Stimmen. Die Demokraten gewannen fer'ner bedeutend in Maryland und Iowa. Die Republikaner siegten in Massachusetts mit verminderter, in Pennsylvanien ;nitf einer vergrößerten Majorität von 60000 Stimmen. Die i'm ti e art-Zigru pirun im, e a_ *Tr'sk iQiderkTaYeir'WZJÖen UZ 1en.
Vom 6. November, Abends, wird weiter gemeldet: Bei den hiesigen Staatswahlen fiel der Kandidat von Tammarry Hal] fiir einen Richterposten durch. Mit dieser Aus: nahme smd die Demokraten in der Stadt New-York Sieger geblieben und haben auch im Skaate New:York mehr als,
der Legislatur wird daher von 30 auf etwa 6 verrrxindert. Zn Massachusetts wurde der Republikan er Brackett mit einer Mehrheit von 6000 Stimmen zum Gouverneur ge: wählt, während die Demokraten einige Siege für die Legislatur gewannen. In Ohio wurde der Demokrat Campbell mit emer Mehrheit von etwa 8000 Stimmen zum Gouverneur ge- wählt; . die Demokraten erhielten auch die Majorität für die Legislatur; die Wahi eines demokratischen Senators für Washrngton ist somit gesichert. In Iowa wurde der Demokrat Boies mit einer Majorität von mehr als 10000 Stimmen zum Gouverneur aewähit. Zn Nebraska haben die Republikaner den Sieg davongetragen. In Missis- srpyhiltwurden die demokratischen Kandidaten einstimmig gema .
Parlamentarische Nachrichten.
_ In der heutigen (10.) Sißung des Reichstages, welcher die Staats-Minister ])1'. von Boetticher und Herrfurth, sowie „andere BevoÜmächtigte zum BundeSrath nSbst Kom- miffarien beiwohnten, stand auf der Tagechrdnung die Fort: feßrzng der ersten Verathung des Gesetzentwurfs, be- treffend die Abänderung des Gefeßes gegen die ge- meingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemo- kratie vom 21. Oktober 1878.
Abg. von der Decken sprach sich im Namen der deutsch- hannoverschen Abgeordneten gegen das Geseß aus. Es geschehe dies nicht aus Synrpathre fiir die Sozialdemokraten und ihre Tendenzen; im Gegentheil könne keine Partei denz Gedanken der Staatsomnipotenz antipaihischer gegenüber stehen als die Deutsch-Hannoveraner. Das Sozia- lisiengeseß bedeute ein ArmutHSzeugniß für das Deutsche Reich,_das damit bekenne, nur mit AuMahmemitteln dem i_dziaiiitischen Gedanken beikommen zu können. Ideen ließen nch nicht mit Gewalt aus dem Wege schaffen. Furcht vor diesen Ideen brauche man nicht zu hegen, fie würden im offenen Kampfe widerlegt werden. Durch das Sozialisten-
geseß „stärke man nur die Sozialdemokraten, indem man rhnen die Krone des Märtyrerthums aufseße. Ein Angiiahmegesey könne nur
, , auf Zeit 25Zegeben werden. Em AuSnahmegeseß fiir die Dauer sei ein iderspruch in sich. Redner schloß mit den Worten: Fürchten wir Gott, aber nicht das Gespenst der Sozialdemokratie!
Abg. Kulemann polemisirte zunächst gegen die gestrigen Ausführrrngen des'Abg. Munckel. Die Behauptung, daß das GeseH herlsam gemerkt, und,die,daß es troßdem noch weiter ver- längert werden müßte, wrdersprächen emander nicht. Der Werth richterlicher Präjudize werde von den Gegnern der _Vorkage unterschävt. Yndererieits überschästen dieselben ihre Kraft„ wenn „ne der Meinung seien, durch ihre, Reden m öffentltchen Versammlungen die Lehren der Sozialdemokraten wrderieHen und beseitigen zu können. Die Bestrebungen, von dem uSnahmeges'eß zum gemeinen Recht üherzugehen, hätten bisher troß der vielfachen Versuche zu keinem Ergehniß geführt. Verkehrt sei es, im Anschluß an da; Straf ejeßbuch Erfaßhestimmungen treffen zu wollen, denn die estrxnmungen des Strafgeseßbuckzes seien repressiv, die des Sozialistenge1eßes aber sollten präventiv wirken. Die Behandlung der Sozialdemokratie vom Standpunkte der
Fahnen-Angelegenheit in Anklagezustan zu versehen,
Repression sei sehr bequem, aber, von der Seite der Praxis aus betrachtet, verwerflich. Dem Einzelnen gegenüber reiche
wohl die represfive Strafe aus, nicht aber gegenüber einer so aussedehnten Gemeinschaft, wie es die Sozialdemokraten seien; auch verlange das Strafgese jedesmal den häufig schwer zu erbringenden Nachweis des 01118. Möglich sei indessen der Ersatz des Sozialistengefeßes durch Aenderung der verwaltungs- rechtlichen Gesche auf dem Wege der Vereins: und Versamm- lungs- und der Preßgeseßgebung. Bei Schluß des Blattes dauerte die Rede fort.
(Weitere „Parlamentarische Nachrichten“, insbesondere den Schlußbericht über die" thri e (?ißung des Reichstages, . er age.
zu '".Y ““5 'dkratie-a'uch-dor Kirckoe “kim hoheM
" sénßtgenhayß, ,wird . Ick)- .
20000 St. Majorität. Die republikanische Majorität in,
Zeitungsftimmeu.
. Zu der Debatte über das Sozialistengeseß im Reichstage bemerkt die „Magdeburgrsche Zeitung“:
.Was die Sachlage so schwierig gestaltet, ihr selbst einen Aus- nahmecharakter aufdrückt, das ist, daß die sozialistische Partei nicht angesehen werden darf wie andere opposrtionelle politische Parteien. Ihr Ziel ist nicht, die heffernde Hand an SÖäden zu legen, die wirk- lich vorhanden sind oder von ihr als solche anerkannt werken. Was fie an Vorschlägen zur Hebung der Lage der arbeitenden Klaffen bringt, bezieht sick) nach ihren eigenen Er- klärungen nur auf nebensächliche Punkte. Ihr Hauptziel ist der Umsturz des bestehenden wirthschaftlichen und volitt- Fchen Systems, der gegenwärtigen Gesellschafts- ordnuna, um W die angebliche Ursache alles Unheiis, alLer Unge- rechtigkeir an der Queüe selbst zu verstopfen. Es liegt klar_ auf der Hand, das; auch, Wenn nach Aufhevung des Sozialistengeießes dre Bestimmungen des Strafgefeßbuches in rüc_ks1chtslofer Weise in Anjvenduvg _ gebracht würden gegen Bestrebungen, wie fie die Herrgn Lierknccht und Bebel vertreten, die Anklagen und Be- schwerden derielben darum um nichts fich ändern würdexr. Man würde das Strafgeseßbuch selbst als ein Außnahmegeieß hmsteklen, welches die herrschenden Klassen, die Bourgeoisie, fich zrzrechtgemacht, um die Massen der arbeitenden Bevölkerung in Knecht1chaft zu er- halten. Daß es sich hier nicht um eine bloße Vermuthung handelt, hat Hr, Bebel jüngxt dargethan, als er in seiner Exatsrede gedenüher dem „wahren Sjaate“, den er und seine Freunde anstreben, die heutige Staatsordnuna a1s eine bloße „Verwaltung der herrschenden Klasen“ bezeichnen zu können glaubte. _
Es handelt sich hier um den Kampf zweier Welt- anschauungen. Wer von 'der (Gerechtigkeit der gegenwärtigen Staats- und (Gesellschaftsordnung überzeugt ist, der muß aueh die Mittel onen, die zum Schuße und zur Verkheikixung derielhen dienlich sir-r. _ , War nicht recht verstandlich, rb rn seinem eigenen Namen oder im Namen seiner Partei - die Rückkehr zum gemeinen Recht an-mpfahl, das Christenthum und die Vaterlandsliehc als den Boden bezeichnet, auf dem es aUein gelingen werde,
ciner Lösung der sozialen Fase zu kommen. Ge-
ist in den Kampf gegen die Umsturzhesirebunaen der Sozial- fgaké 'Zugkwieäem» indes Wm ihr aUein alles Heil zu erhoffen, das beweist doch einen hohen (Grad von Kurzsichtigkeit gegenüber den thatjäcblichen Erscheinungen der Gegenwart. Der starke Arm des Staats kam) in diesem Streit nicht entbehrt werden, nicht zur Abmehr allem, sondern auch zur Mahnung, um säumigen und unlustigen Arbeitqebern die Pflichten, die sie segen ihre Arbeiter haben, ins _Grdärhtnkß zurückzurufen , In der Sorge um die Besserung der wir1h1chaft11chen und gefell1chaft11chen Lage der Arbeiter darf kein Stillstand eintreten."
Unter der Ueberschrift „Die Soziaidemokratre eine „staatserhaltende“ Partei“ eanrrft' dad „Frank- furter Journal“ in folgendem Artikel em Bild von dem sozialdemokratischen Zukunftsstaat: . ,
„In seiner Etatérede hat fich bekanntlich Hr. Bebel emphatisw dagegen verwahrt, daß die Sozialdemokratie staatsfeindlich sei. Ste trolle im Gcgentheil gerade den Staat in die Hand bekommen,. um einen wirklichen „Volksstaat' und ,Reckxtsstaat“ auch unter einem König oder Kaiser zu begründen. Die1e Worte des. sozmldemo- kratischen Führers werden von den poliiiich wirklich gebtldeten Leuten ihrem vollen Werthe nach schon gewürdigt Werden, aber eine große Masse der minder Gebildeten wird fie als haare Münze nehmen und fich erstaunt sa en: Ja, dann ist die Sozialdemokratie doch wohl besser als ihr uf! Zu Ruß und Frommen dieser Lnchtglauhtgen möchten wir doch einmal ein Bild von einem solchen sozraldemokra- Zischen Staat entwerfen, wie Hr. Bebel und Eenoffen sich thn en en. . . .
Vor der Gründung eines solchen Staard bedarf es erst noch eines erhitterien Kampfes der Nationen Und _".rznerbalb derselben der verschiedenen Klaffen. Aber angenommen, dtenr furchjbare Kaznpf, der sicherlich Millionen Von Menschenleben kosten würde, set'zu Gunsten der Sozialdemokraten gleichzeitig in Deuts_chland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und Oesterreich entscbreden worden und auf den rauchenden, blutigen Trümmern der alten Sinaten und Gemeinschaften erstände unter Leitung der „Herren Behel, Liebknecht und Genoffen der neue „internattonale Soxtal- staat“. Ein Direktoriat wird gewählt. _ Die_ Herren Bebel, Liebknecht und GueSde werden Soxialstaatßdtreftoren.' Em konsiituirender Kongreß wird gewählt, die „Internationale“. Wahlberechtig! ist jede Person ohne Unterschtked' des_ Ge- schlecht:"), die das 17. Jahr vollendet hat und naturlich dre neue sozialistisxheStaatsordnung anerkennt. Der Kongreß mit zusammen; eine Versaffung nacb Marx wird geschaffen, danach ;ergltedert fich dre „Internationale“ in verschiedene Verwaltungshezirke. die ohne Unter- schied der Nationalitäten durcb rein geographische Grenzen imd nach der Kopfzabl ihrer Bewobncr gebildet werden. Verwaltungsdtrekktoren, ein Singer in Berlin, ein Adler in Wien, ein Vollwar in Munchen, ein Defurffeaux in Paris, (in Vaillant in Lvon stehen diesen Bezirken vor. Das Privateigenthum ist natürlich abgeschafft: den ersten Strert tust jedoch die Frage hervor, ob die Besitzer der früheren, jest Kesxirxztnz Staats- ordnung ahgcfurxden werken seum Nach lanaen Streitigkeiten _ent- scheidet man sich für eine Abfindung, indem derjenige, welcher fruher so viel besaß, um ohne Arbeit leben zu könnrri und alter als 35 Jahre 1st,au7 Lebenszeit eine StaatSrente erhält, weiche ihm den Lebensunterhalt Kchert. Seine Kinder haben sick) natürlich durch Arbcii zu erhalterx. Damit ist also alles Privateigenthum heseitigtx das *.*.“ietaligeld Ut entwerthet und fließt in die Staatskafie, um tm Verkehr mrt dem Auslande benutzt zu werken. Grund und Bodcrr, Hamer, Vieh u dgl. m. gehört der AUgemeinheit. Was der Einzelne an Haus- geräth, Lebens- und Gebrauchsmitteln besrßt, bleibt 1hn1_vorlaufig, doch werden Distriktskommiffare ernannt, welche von tht xu Zett dieses Privateigentbum zu revidiren und allen Ueberfluß fur den Staat zu beschlagnahmen haben. , _ ,
Jetz: beginnt der „rationell audgesraltete Großbetrieb“, mdem die Verwaltungsbezirke in Prodvktionxfretse eingetherlt'rrerken, denen ein Vorstand und Wirthscbafjsvertrerer vorstehen. Dreie beschließen den Werihsaß der Arbeitsleistung und der erzeugten Sachguter. .Arheijswertbfcbeine“ werden statt des Geldes aukgegehen, f_ur_ „dre man sich aus den öffentlichen Vorrathskammern !en-e Bedurfmffe kaufen kann. In diese öffenjlichen Vorrathskamwern wandern aÜe beWorgcbrachtcn Güter. In jedem Verwaltungsbeztrk wird em „Ah- saßamr' errichtet; eine Centralstelle vermittelt unter den 'ver- s_chiedenen Ybsaxämtern und mit dem Auslande, sofern dieses uberhaupt mit der Internationale in Handelsverkehr mti. Dic Schwankungen in diesem Verkehr mit dem Auslande sollen durch die Centralsteüen außgeglichen werden„ entweder druch
nordnung einer allgemeinen größeren Hervorbringung oder emer Yetriebseinschränkung. Diejenigen Beamten, Lehrer 2c., Welche „Sach- guter" nicht erzeugen, aber doch nöthig sind, erhalten Anweisungen
Dcr Redner der Centrumepartei hat, in'rem e: - es“
auF einen _Antheil an dem Sachgütererzeuguiß der Gesammtheit. Die Juvalrden und Erwerbéunfäbigen, die Kinder und Greise werden vom Stagte verpflegt und zwar am besten in öffentlichen Ver- sorgurrgshausern. _ Der Staat übernimmt auch die öffentlichen Lust- barketten, man wurde ja sonst vor Langweile sterben. Alles das wird aus der Gesammtproduktion bestritten.
' Cs giebt keine andere Wertbform als „Arbeitswerthscheine'; kexnen andererz Werihmeffer als die Stundenzahl der „normal“ ge- leisteten Athen.. Smd z. B. 100 Arbeitsstunden für Erzeugung eines Sckoeffels Getreide erforderlich und 10 für die Förderung einer Tonne Kohle, sy sind 10 r Kohlen für einen Zettel über 100 beim Getreide- bau gelersteteArheitsstunden zu erhalten. Wer nicht arbeiten wil], kommt in eme Zwaygßarbeitéstätte. Der Betriebsame kann sich wancher- Arbe_ttswerih1chein erübrigen, aber er kann fich niemals eine etgene Selbstandtgkert begründen, denn alle seine Arbeitswertbscheine qestatterr ihm niemals, auch nur eine Hohelbank zu erwerben, da alle ProdukttouSmittel dem Staate geheren und dieser vorschreibt, wie und wo ein Jeder an der gemeinscha'silickyen Benuyung der Produktions- mittel theilzunebmen hat. _
Und was wird die Zukunft die1er „Internationale“ sein, so fragen wir uns zum Schlusse? AÜgemeine Verwirrung und eine Geacnrevolution, welche die „Internationale“ vergebens durcb drako- nische Geseke aufzuhalien bestrebt sein wird. Diejenigen, welche fich durch Fleiß und Sparsamkert ein Vermögen an Arbeitswerthsckzeinen erworben haben, wollen wicht mehr arbeiten; die Faulen empören fich in den Zwangsarbeitsbaufern; die selbständig denkenden und arbeitenden Leute Wollen sich nicht stets von den Sozialstaatsdirektorcn und ihren Beamten bevormunden laffen. Mißgunst. Haß, Mißtraum find an der Tageöordnung. Von irgend welchem privaten Jntereffe des einzelnen Haushalters an der Gesammt- produktion kann keine Rede sein, da es ihm persönlich nichts mi t. Von einem Handelßverkehr mit dem Ausland kann in Folge de en gleichfalls keine Rede sein; das Metaligeld geht aber ins Ausland zum Ankauf der nothwendigen Rohstoffe; hald giebt es kein Metal]- geld mehr. Rohstoffe können nicht mehr eingekauft, manche Artikel gar nicht mehr verarbeitet werden; das Volk versinkt in Armuth und Elend oder _ es empört fia), um mit der Gewalt der Waffen die Herren Soziglstaatßdirektoren zum Teufel z_u jagen! Das die Früchte der „riaatserhaltenden' sozialdemokratüchen Partei!“
Zu den Ergebnissen der deutschen Strafrechts- pflege im Jahre 1888, deren wrr in Nr. 263 des „Reichs- und Stagis=AnieigerS“ vom 4. November, Erste Beilage, in dem Aufwß „Die Kriminalität im Deutschen Reiche im Jahre 1888“ unter „Statistik u'nd Voliswirthschaft“ Erwähnung thaten, bemerkt dre „Kölnische Zeitung“:
„Sehr angenehm berühren die soeben zur VerkxffentliÖung g?- lcmgenden vorläufigen Ergebnisse der deutschen Strafrechtsrflege für das Jahr 1888, aus welchen zu entnehmen ist, daß der Umfang der Kriminalität sich im Vergleickre zu dem Vorjahre merklirh Verringert hai. Sowohl im Ganzen wie im Einzelnen wei1en die Zahlen eine Verminderung der Exterfität des Verbrechens im Deutschen Reiche auf und bei gerriffen Verbrechensgrurpen ist dieselbe besonders bedeutsam. Für die soziale VerWerthung des kriminalstatistisckyen Materials ist es von herdorragendem Jntereffe, daß die strafbaren Handlungen gegen das Vermögen also vor aüem die Diebstähle, auch im Verhältniß
zi!" NnkaKahf'e *wiedékum' 'Rh "vkrminkert-kaben“; “di?" Statistik ck “
Weist nun icit einer Reihe von Jahren eine faUende Belorgung bei diesen Vergehen rauh. wiewohl weder das Strafrecht noch das Strafprozeßrecht während dieser Zeit eine Abänderung erlitten hat. Der zweife1los der Eifer der gerichtlichen Polizei bezüglich der Auxspürung strafbarer Handlungen nicht geringer geworden irt, io kann diese„Erscheinung_„nur darauf zurückgeführr Werden, daß dre *wirthscbaftlichen Verhältnisse sich im Laufeder lcßtenIghre immer mehr geheffert haben. Allen Behauptuggen ker pdltri1chen Opposition zum Troße geht aus diesem Ergebnine der Stattsttk rnit größter Sicherheit herdor, daß die Möglichkeit der Beschaffung des Unterhaltes gerade für die unhemitjeltern Klassen eine (eichxere ge- worden ist, und die Vermuthung liegt nahe, dieses Ergebmß neben dem wirthscbaftlichen Auischwung wenigstens zum Theil _auf'die Wirkung der sozialen Geseßgehung zurückzuführen. Grade m dreien Tagen, in welchen man schon die Behauptyng aufgestekit hat, daß die voraussichilich nur vorübergehende Preisuei erung zu einer Ver- mehrung der Eigenthumkverleyungen geführt Habe und in welchen der Radicalismus sich darin _qefällt, von den staatlichen und gefell- schaftlichen Zuständen DeUUchlands das unerguickltchste und ab- schreckendste Bild zu entwerfen, grade jeßt ist es geboten, auf diese Thatsache die Aufmerksamkeit der weitesten Kreiie zu1enken, denen sonst Alles, was mit der Stajixtik zujamnxenhanai, _ztemltih fern liegt. Es kann doch wahrlich um die deut!chen Zustande in wirthsckoaftlicher HinfiÖt nicht so schlecht bestellt sein, wie die Reden der Herren Richter und Bebel die Welt glauben machen wollen, wenn sich aus den alljährlich Veröffentlichten Rechenschqftsherichten der StrafreÉ-tspfiege eine stetige Verminderung der eigentlrchen Notb- vergehen ergiebt.“
Tas Kaiserpaar in Konstantinopel.
[] Konstantinopel, den 3. Nodember,
Bezüglich des gestern nach der Ankunft Sr. Majesxät des Kaisers stattgehabten Truppen-Vorbeimarscbes ist noch ergamend'zu bemerken daß Ylleéhöchst'erselhe Sieb [ehr lobend über dieses mtii- iäriscbe Schauspiel, wclchrs nicht in Mar1chkolonnzn, wie ursprüyglich beahfichtigt war, sondern in Zügen mit 20 Schutt Abstand eriolgte, Sr. Majestät rem Sultan gegenüber auegesproäyen hat. Der Sultan rvar hierüber io erfreut, daß Aüerhöchitderselbe zuerst den Kriegs-Minister zu Sich rief und ihm soforr von der „Zufrie- denheit Sr. Majestät des Kaisers und _Köntgß Kenntmß gab, dann aber den General Kamvhövener-PUÖa, e_men gehoreqen Sckyleswig-Holstciner, zu Sich beschied und ihm, langere Zeidseme Hand festhaltend, mit innigsten DankeSworten erklärte„ daß dresew Eeneralallein das Verdienstzukomme, des Kaisers und Königs Majestat zufriedengestcüt zu hohen, da er seit Mongten die in Parade gestandenen Truppen für diesen Vorbeimarfzh cingeybt habe. Der Sultan iuqte hinzu, daß er den deutschen Osfieieren uberhaupt sehr viel zu danken habe. Als der Sultan auch Sr. Majestät dem Deut1chen Kaner gegenüber eine ähnliche Bemerkung machte, _erwiderte Allerhöchst- derselbe: „Ein deutscher Offizier thut überall seine Schuldigkeit!“
Von besonderem Glanze war das gestern Abend stattgehahte Gala-Diner zu Ehren des DeutsÖen'Kaiserpaqres _ tm Selamlik. Früher war nur der eine Saal zu derartigen Jesxlichkeeten, der davon getrennte gleich große Vorsaal aber nur zu Cmpfqngen de_mzßt wvrden. Zest hatte der Sultan beide Sale m der Werse veretmgen l_assen, daß nur bogenförmige Gänge cine Scheidewand bildeten. In. jedem der beiden Prunksäle war eme kostbare Tafel,)n ersterem mit mas- siven Goldgeräthen, im zweiten, neu hergerichteten,_ m gedregenem Silber gedeckt. An der erstgenannten Tafel speisten die Aller- böchs1en und Höchsten Herrschafxen mit den herVOrrc-gendsten„Personen Ihres Gefolges, an der zweiten die übrigen Herren des Gerolges der Majestäten. An der Spixe der hufetjenförmJen Tafel im ersten Salon batte Se. Majestat der Sul'tan, z'u Sezner Rechten Ihre Majestät die Kaiserin und Königm in emer grau-braunen Seidenrohe, mit kostbarem Brilianxdiadem und 5Herlenschmuck, zu Seiner Linken Se. Majestät der Kaijer und Kömg im rothen, Gala- rrck der Gardes du Corps Platz genommen. Der K'cherm' uiid Köni in zur Rechten saß Se. Königliche Hohett_ der Prinz Heurrtck) von reußen. an Höchstdeffen Seite dre Gemahlin des osterruchrsch- uxngariscben Botschafters ihren Play harte. Nehe11,des_ Kaisers und Königs Majestät saß Se. Hoheit der Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin, einige Platze weiter _von dresem - es war ein Raum gelassen worden -- dre Hofdame
Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin der Staatssekretär Graf BiSmarck seinen Pla , gegenüber Sr. Majestät dem Kaiser der Chef des Militärkahinets eneral-Lieutenant von Hahnke, ferner der Chef des Civilkabinets V!“ von Lucanus und mehrere Herren der persön- lichen Begleitung Ihrer Majestäten. Im zweiten Saal, in welchem die Tafel 1o gedeckt war, dar; die Oeffnimg des Hufeisens mit jener des ersten Salons korrespondirte, saß an der Spiße der Großvezier Kiamil-Pascha und um ihn her die übrigen Gäste des Sultans, die Flügel-Adjutanten Sr. Majestät des Kaisers :e.
Nach dem Diner zogen Sich die Ailerhöchsten Herrschaften mit dem Kaiserlichen Gastgeber in einen Salon zurück, woselbst Jbre Majestät die Kaiserin und Königin die Vorstellung der (Gemahlinnen der Botschafter entgegenzunehmen geruhte. Abends wurde ein BriÜant- Feuerwerk abgebrannt, welches einen großartigen Eindruck machte. Heute Vormittag wohnten die AÜerhöcbsten und Höchsten Herr- schaften dem Gojtesdienste in der hiefigen evangeliskhen Kirche bei In zwei vierspännigen und mehreren zwcispännigen Wagen erfolgte die Fahrt nach dem Gotteshause. Ueberal] bildeten Truppen rnit Mufikcorps Svalier, welche Letzteren heim Erscheinen der Maje- stäten das „Heil Dir im Siegerkranz“ intonirten, während eine dichtaedrängte Volksmenge das deutsche Kaiservaar (wie gestern bei der Ausfahrt nach der Sophien-Kirche) mit stürmischem Jubel begrüßte. Se Majestat trug die Interimsm-iform der Garres du Corps mit Helm, Ihre Majestät dieKaiierin und Königin eine meergrüne gestielte Rohe mit crémesarhigem Mantelet. Se. Könißliche Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen und Se. Hoheit der Herzog von Mecklenburg- Sckowerin befanden fich in der Begleitung Ihrer Majestäten. Der Staatxnkrejär (Graf Wißmarck, die Hofchargemc. waren im Civilrock, die General- und Jiügei-Adjutanten in einfacher Uniform. Die Glocke der Kirche läutete den Einzug der Majestäten in das Gottes- haus eit], und_ es folgte, nachdem die Allerhöckzsten und Höchsten Herrscbaxten mit dern mit Lorbeer, Palmen und deutschen Fahnen ge- schmückten, am Piasond vorn mit einem Lorbeer- und Jmmorteüen- kran; (mit einem W darunter) verzierten LogenfiZ Platz genommen hatten, der Gesang des Chors und darauf des Kirchenlieres: „Lehe den Herrn, den mächtigen König der Ehren“. Hieranf hielt Pqiwr Suhle 'die Liturgie; nach dem Gefange res Chorals: „(Kirk feste Burg iii unser Gott“ predigte General-Superinxenrent1). Koegel über das Tertwort des Hehräerhriefes Kap. 13 V. 8: „Jeias Christus geitern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit", das ,aestern' als „Dank“, das .heuie' als „Gewinenscrnft“ und die „Ewigkeit“ als die „christ- liche Hdffnung' kennzeichnend. Die SÖlnszliturgie wurde wieder vom Pastor Sohle seiyalten, worauf der Gesang deß Choralsr „Nun daxiket Alle Gott“ den zur Feier des Reformakiomsfe'steß stattgehahten Gotjesdieust beschloß.
Ihre Majestäten, die Prinzen und das Gefolge verließen alsdann das Gotteshaus in ähnlicher Weise wie auf der Hiniahrt Endloser Jubel begleitete die Allerhöcbsjen Herrschaften wieder M? der ganzen Fahrt, Kavallerie bildete die Eskorte.
Bei Abgang dieies Briefes fixidet auf der deutschen Botsci'air ein Frühstück statt. Ihre Majestät ijt nach dem (Sotteßdienst in das deutsche Hospital gefahren und hat um 1Z“ Uhr Nachmittags die Vor- stellrxng „der Gemahlinnen deutscher Offiziere und Beamten im dentjchen BoUcharts-Palais entgegenzunehmen geruht.
Kaisers und der Kaiserin von Sr. Majestät dem Sultan sowie die Ahreme A(lerhöchftderselben von Konstan- tinopel entnehmen mir den Telegrammen des?: „W. T. B.“ Folgendes:
Se Majestät der Kaiser machte gestern, Mittwoch, nach einer éxaÉierfahrt am Morgen Sr. Majestät dem Sultan den Ahsckoieds-
eu .
Um 11 Uhr 30 Minuten holte Se. Majestät der Sultan die Kaiserlichen Majesiäien zur Fahrt nach Dolma-Bagdsche ah; dort harrten die hohen Würdenträger sowie das Personal der Gesar-dt- schaften der Ankunft der AUerhöchsten Herrschaften.
Bei dem Dejeuner von 50 Gedecken saßen Se. Majestät der Kaiser und Se. Hoheit der Herzo.) Friedrich Wilhelm don ').)iecklenhurg- SchWerin zitr Linken, Jhre Majestät die Kaiserin und Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich zur Rechten Sr Majestät des Sultans. Der Sultan war in großer Uniform erschienen und trug die Keite dcs Hohenzollernsckren Haus-Ordens und den Stern des Schwarzen Adler-Ordens. Die Majestäten unterhielten STT!) auf das Lehhafteste und zogen Sich dann mit den Prinzen in den Kaffeesalon :urück, wo AUcrhöchstdicselhen ungefähr eine halbe Stunde verweiiten. Inzwischen hatten fich die hohen Würdenträger, das Gefolge sowie das Personal der Botschaften im Vestihul vor der auf den Bordorus führenden Treppe versammelt. “
Wenige Minuten vor 2 Uhr erschienen die Majestäten unter dem Voriritt des Ceremonienmeisters Munix Pascha. Se_ Majestät der Sultan führte Ihre Majestät die Kaiserin Se. Majestät der Kaiser trug die Uniform Seines Leih-(Harde-Husaren-Regiwents. Ihre Majestäten verabschiedeten Sich huldvoil von dem Großvezir Kiamil Pascha und dem Minister des Auswärtigen Said Pascha, welehen Sie Allerhöchstihre Befriedigung über den Aufenthalt in Kon- stantinopel auSdrückten. Anek von dem mit der E:senhahy zu- rückreisenken Gefol e nahmen die Majestäten huldvoilen Ah1chied. Nachdem Allerhöchßtdieselben die Gemahlin und die Töchter des Botschafters von Radowiß noch besonders heqrüßr hatten, 1chritten Ihre Majestäten zwischen dem von der Leibgarde der; Sultans gebildeten Spalier der Landungstreppe zu. Bei dem Ericheinerr der AÜerhöchsten Herrschaften vor dein alais gaber:__das Panzerichiff „Kaiser" und ein türkisches KrieZNchi 33 Salutschune ab,
Der Abschied Ihrer Majefiatcn vom Sultan war aaßerordentlich herzlich. Se. Majestät der Kaiser dankte wiederholt und sagte: Er werde den Aufenthalt nie vergeffen. Der SUltan erwiderte im gleichen Sinne. Die beiden Souveräne schüttelten. ,fich unmittelbar vor der Abfahrt wiederholt die Hände. Nach aerttiger Begrüßung des Gefoiges und der türkischen Würdenträger begab Sich Ihre Majestät die Kaiserin an Bord der Kaiserlichen Yacht „Hohen- onern', während Se, Majestät der Kaiser Sich mit Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich auf dem „Kaiser“ einschiffte. Der Su;t_an kehrte, nachdem Se. Majestät Sich von dem Staatssekretär Grafen Wißmarck, welchem Allerhöchstderselhe Grüße für den Reichökanöler aufgxkb, auf das Herziichste verahicvieret hatte, naeh dem indtz-Palats zuru .
Um 2 Uhr Verlies; das Geschwader den Bokvorus. _Die Yackot des Sultans, .Jzzedin', mit dem ottomanisihen Ehrendiemt an Bord, begleitete die Kaiserlich Deutschen Majestäterx hrs Mvtilene, wo Aller- höchstdicselben heute Mittag von dem deutxckoen Geschwader erwartet Werden.
Graf Bi5marck und ein Theil des Erfolges trgten um 7 Uhr 20 Minuten Abends mittels Sonderzuges dre Ruckret!e an.
Kunst und Wissenschaft.
Ein Telegramm der „Times“ aus Zanzibar vom 5. d. M. melder, daß die Nachricht von der (Ermordung des Afrika- Reisenden Dr. Peters und seinerGesährten authentisch fei. Dieselbe sei nach Lamu gebracht worden. Auch der „Rat.- Ztg.“ wird diese Nachricht bestatigt. Sie erfährt. .das; die von Dr. Peters geführte Expedition von Maffais angegriffen und über- wältigt worden sei. Peters selbst soll dieser Nachricht zufolge ge- 1ödtet, von seinen Begleitern der Lieutenant von Tiedemann zwar verwundet, aber in Sicherheit gelangt sein. Der zweite Theil der Expedition unter Führung decHerreruBorchert und KavitämLieutenant Rusx_btc1tie fich zur Zeit des Ucherfaües noch nicht mit Peters veremrg .“
Der leßte hicr eingelangte Bericht von Dr. Peters datirte vom
Gräfin von KeÜer. An der inneren Seite der Tafel hatte gegenüber
8. September; er meldete, daß die Expedition am folgenden Tage
*“UeVe-r*die Verähi'cksedukg' J'Mk Maß“sikit“eii'de's