Aus Freiburg, vom 7. November, wird der „KarlSr. tet: Am G e b urtsta g e Ihrer Königlichen Hoheit
der Erbgroßherzogin, an welchem die Stadt im reichsten Flaggenschmuck prangte, begab fich Ober-Vürgermeister Winterer Palais, um Namen?, der BüFerschaft und des Stadtraths rbgroßherLzLog anläßlich
iedergenesung
Ztg.“ beri
ins 5 ' ' Sr. Königlichen Hoheit dem
Höchstdrffen Rückkehr hierher und vollständigen _ , eude und gleichzeitig Ihrer Königlichen Hoheit in zu Höchstihrem Geburtssest die auf- e der Stadt auSzusprschen. Ihre König- lichen Hoheiten geruhten diese Kundgebung unter dem Ausdruck entgegenzunehmen und zur Ueber: mittelung desselben an die Bürgerschaft dem Ober-Bürger-
die inntgste der Erbgro herzo richtigfien Glückwüns des wärmsten Dankes
meister Auftrag zu ertheilen.
Braunschweig. Braunschweig, 8. November. (Köln. Ltg.) Die Neuwahlen für den braunschweigischen Landtag find beendet; in der Mrhrheit sind die bisherigen In der Stadt Braun-
Abgeordneten wiedergewählt worden. schweig wurden von den höchstbesteuerten
drei Mitglieder der Handelskammer mit großer Mehrheit an SteUe der bisherigen Abgeordneten gewählt.
Partei der ländlichen Abgeordneten ein paar
Der neue Landtag tritt zu Anfang nächsten Jahres zu-
sammen.
Sachsen - Coburg - Gotha. (W. T. B.) Der Großfürst Alexis Kaiserliche Hoheit , St. Petersburg angetreten.
Oefterreich-Ungaru. Wien, 10, November. (Wien.
Htg.) Der StaatsuMinister Graf von Bis ittag aus Budapest hier ein. Im Bahn
seinem Empfange der deutsche Botschafter H ein rich 1711. P Reuß, die BotschaftsMäthe von Bülow und Graf M onts sowie; der Militär-Attaché Major von Dein es eingefunden, Grat Bismarck begab fich zunächst in Begleitung des deutschen
Botschafters in das Palais der deutsche
stattete dann um 4 Uhr dem Herrn Ministér des Kaiserlichen
Hauses und des Aeußern Grafen Krilnoky
Um 6 Uhr gab der deutsche Botschafter zu_ Ehren seines Gastxs ein Diner, welchem beiwohnien: Gras Gras Krilnoky, der ReichZ-Finanz-Miuister von Kallay
und der SektionS-Chef von _Szdgyéxiy-M Mitglieder der deutsch€n Botichast sOWLS der
Budapest Freiherr von Mess e n und der hier wrilendx Lsgations- Sekretär der deutschen Gesandtschaft in Athen v o n T1 ch i r s ck Mit „dxm Zug,? der Nord esthahn , tra; Graf die Rü reiie na_ch Berlin Botschasts :
Vögetxdorf.„ __ Bksfiiürdk Abend?- um 9 Uhr an. Der deutsche Botschafter, der
Graf Monts und der General-Konsul Fre begleiteten drn Grafen Bi6marck aus Se. K. und K. oheit der Erzherzog
von Oesterrei =Este, Höchstwelcher rz
Bahnhof angelangt war, um mit dem Courierzug nach Czaslau abzureifen, lud dkn Grafen ViHmarck und seine Begleiter in den Hof:Wartesalon ein und unterhielt fich längere Zeit
mit ihnsn.
Wie „W. T. B.“ vernimmt, wird stch Auswärtigen, Graf Kéilnoky, heute Abend an das Kaiserliche ?oslager nach Budapest
dem deut und empfing späier dessen Gegenbesuch..
Die evangelische Generalsynode augsburgischer Konfession wurde, wie wir der „Wien. Ztg.“ entnehmen, gestern geschloffen, nachdem vorher ein Antrag dxs Synodalen Meierzedt, wonach der Synodalausschuß beauftragt werden soÜe, Se. Majestät den Kaiser um die Erlaubnis; zu bitten, daß die evangelischen Superintendenten berechtigt
seien, den Titel: Bischof der evangelis führen, angenommen worden war. Prag, 9. November. (W. T.
Sißung deS böhmischen Landta?es wurde,
mehrere Redner beider Parteien geproch noch einmal den Standpunkt dsr Majo
und unter großem Beifakl auf die Gegenseitigkeit des Ver- trauens zwischen dem Monarchen imd dem Volke hingewiesxn hatte, der Antrag der Majorttät, über die Adresie
der Jung=Czechen zur TageSordnun mit 113 gegen 37 St. angenommen. Z Lärmens auf den Galerien ließ der Präsident worauf die Sißung geschlossen wurde. Innsbruck, 8. November. (
Antrags Dordi und Genossen, betréffend
stellung Wälschtirols, hat beschlossen, folgende Resolution
dem Plenum zur Annahme vorzuschlagen:
.Der hohe Landtag erken_nt das Bedürfyiß, daß dem italienisckprn Landestheile zur hemeren Bewrgung dcr beyonderen, nur ihn betrei-
fenden Angelegenheiten auch des 0 nd e r € Ein r Organe der_ Selbstverwalt::ng
an und beauftragt den LÜUÖLÖÜUÖsÖUx-J, hehungrn und Verhandlunsen einzuleiten ,
konkreteAnträgeSeitensderita[i_e_nis§hen_AlZgeordneten entgegenzunehmen und zu prüfen und fur die nachste Seision des
Landtages die bezüglichen drm Interesse beider
sprechenden Anträge, soweit nothwendig, in Form eines Gesetzentwurfs
Jm galizischen einen ' '
auszuarbeiten und vorzulegen.“
Lemberg, 8. November. (Presa) ' Landtage brachte der Abg. Kozlowski Antrag ein, wonach die Regierung aufzuford Reform der Statuten und
durch Einführung eineSAngeldes als de;s Klagerechts für Ansprüche bei dem gerichie hinzuwirken. Der Antrag wurde dem überw1esen.
Großbritgunien und Irland. London, 10. November. enrtge Rede Lord Salisbury's bei dem Lord-
Ueber die mayorö- ankett berichtet „W. T. B.“: _.Lord Salisbury beglückwünsÖte den Lor Umstande, daß deffen Ymtßantritt zu der lange vermißte Redner wies auf die Kapital und der Arbeit Warnung Vor der großrti Vcrar-twortlichkeit, Zehen, wenn sis durch“ ihre Streirigkeiten in ehhaxtesten Konkurrenz an* den Fortgang drs großen
Coburg, 10. November. hat heute Abend die Rückreise nach
Franz Ferdinand 1
Der Zürstbischo von Breslau, 1)r. Kopp, 1attete_gesiern chen Botschafter Prinzen Reuß einen Beiuch ab
V.) In der heutigen
Préffe.) Der vom Tiroler Landtage eingésexte Ausschuß für die Vorberathung des
zugestanden
Grpflogenheiten der Wiener Mehl- und Getreidebörse durch i_hunlichste Einschränkung von fiktiven TerminTZeschästen und
einer Zeit Wohlsiazid wiederzukebren beginne. Der ge xnwartigen Streißgkeiten zwischen dem
in und richtete an beide Parteien die
Gewerbetreibenden
Ferner hat die Mandate verloren.
von Rußland,
marck traf ,estern hofe hatten ich zu rinz
n Botschaft und einen Besuch ab. ViSmarck,
arich, dann die GkneralRonsul in
ky-
Rath iherr von Pleffen den Bahnhof.
nachher auf dem
der Minister des auf einige Tage be eben,
chen Kirche zu
nachdem en und Rieger rität vertheidigt
üherzugehen, n Folge großen dieselben räumen,
die Sonder-
i ck t u n g e n u n d werden, zweckmäßige _ Er- sorrie dicéiäüige
Landestheile ent-
?nrttativ:
ern ei, auf eine
() r (: uss es u n g BöÜen-Schieds- Kulturausschuffe
dmayor zu dem erfolge, wo
welche fie ein'-
Englands störend einwirken würden. _In _Betreff lands bemerkte Lqrd Salisbury, daß die Regierung mcbt tm Et) erntesten genugt set, ihre Politik hinsichtlich Irlands wach ker Richtung der Hyme- ruler bin zu ändern Zu den auswarttgen AnZelegenherten uber- gebend, erklärte der Redner: mebr gls irgend eme andere Frage beschäftige gegenwärtig Afrika die europaischen Staaten. Ylle Nattonrn kekundeten einen edelmütbigen Wetteifer tn ihren Bempbungen, dre Civilisation in jenem Welttbeile zu fördern,. Großbritannien stehe darin nicht zurück. Die jüngst gebildetrn drei gryßen Gesellschaften hätten begonnen, die Civilifirung Afrikas mit aller 'Auésicbt auf Erfolg zu betreiben. Lord Salisbury ged9chte unt Aus- drücken der Genugtbuung der nach Bruffel' einberufenen Kon- ferer-z zur Berathung der Sklavereifrage, wélcbe eme Epoche der Welt-
escbicbte bezeichne, und sprach hierbei de_m Suitan von anztbar einen Dank aus für das Dekret, betreffend die Eewahruzrg der Segtiun- gen der Freiheit. Für Egypten bestehe noch immer die Gefahr einer Invasion._ Die Macht des Kalifen sei nch) stqu, wre die Befreiung Emin Pa1cha's beweise, Der Zeitpunkt fur die Raummig Egypteks sei daher noch nicht eingeireten. Die anderen Mächte konntet! Eng- land bei der (Einführung von Maßregelgi zux Hehung des Wohlstandes in Egvvten untersiüßen oder den Tag fur die Raumung Egyptens von engli1ckcn Truppen hinausscbieben, indem sie den Bemuhungen der englischen Regierung entgegenarbeiteten. In Betreff Europas er- klärte Lord Salisbury wenig zu sagrn zu haben. Dr_exzuf Kreja entstandenen Schwierigkeiten gingen etner_schnellen Bejetttgzm ent- gegen. Eine andere Ursache zur Beunmhtgun Eyropa's__heite e FUr Zeit nicht. In Betreff des Gerüwtcs, wona die branche Pollux durch besondere Abmachungen gebunden sei, betonte der Redner, da!; die Politik Englands hinsichtlich Europas Und des Mittelmeeres der ganzrn Welt bekannt sei. Sie sei die Politik des Friedenß und der Aufrechterhaltung der bestehenden Dinge. Kerne Aenderung ware verderb- licher als eine Gebietsvermebrung irgend emer_Großma_cht, wodurrh eiiie Katastrophe sicherlich schnell herbeigeführt Wurde. ' Cine Yollheit, xa unmöglich wäre es, England an irxzer-d welche spezifikcben Sfchritte fur die Zukanft zu binden. In die1§m Jahre hatten in mehr als einem Lande Ereigniise std_ttgefundrn, weiche in der Richtung des Friedens _l„agen. Dre aufrich- tigen Bestrebungen der europaischen Herrfcher zu Gunsten des Friedens hättxn erhöhte Kraft gewonrzen. Der politische Barometer neige deutlich rn der Rich- tung des Friedens. Von den LUkOYaUÖSU Staatßzrannern, die _am besten zu urtheilen befähigt seien, würden dre FrledenSaus- iichten zur Zeit für größer als zuvor gehalten.“
_ 11. November. (W. T. B.) Dre Ausljaffungerx Lord
SaliHhury's beim Lord-Mayors-Bankxtt über die auSw'arttgen Angelegenheiten werden yon detz heutigen Morgenblqttern vorwiegend sehr beifällig ausgenommen. Dre, „Trm_es“ meint: die Umstoßung des . Ztstus quo im Mr_ttel- meer durch den Sturz taliens _axH' Seema t wurde die vitalsien Interessen * ngxands 1chad1gen. , So lange England die Macht dazu dense, werde es dirs sicherlich niemals, gestatten. Darüber hmaußzugehei) 1er unnothrg. Glücklicherweise könne eine soichr Eventualrtai nur rntstehexi aus LiUér internatioxialen.Kollmon. doeren UnwahrschemlxchkZix 'zü'zuäehmen scheMe. ' ' ' _ Aus Bombay vom 9. November wrrd dem „Reuter?- schen Bureau“ tele raphirt: Der Poxtdampfer „Ocsana“, mit dem Prinzen [bert Victdr von W'dieH an Bord, traf heute früh um 8 Uhr em. Se. Komgliche „Hoheit landete kurz nach 1 Uhr Nachmittags. GrosartrgeVorbereitungen für seinen EmpfanZ waren beim ApoYo-Bunder, der bedeutendsten Landurtgßwerfte ombay's, getronen worden. Dort wurde der Prinz von dem Herzog von Cdnnaught'und dem Gouverneur empfangen, in deren Ve leitung sich dre Spitzen der Civis- und Militärbehdxden_ be anden. „Dem ' Prinzen wuxde von der Municipaiitcrt eme „Arweffe uberre1cht, auf wesrhe Se. Königliche Hoheit m wenigen Worten aytwortete. Auf ssinrm Wege durch die Stadt wurde dem Komgltchen (Haste ein enthusiastischer Ewpfgng" Seitens der Menge 'zu Theil. Se. Kiimgliche Hoheit 1eßte um 2 Uhr die Rems nach Poonah sort.
Frankreich. Paris, 11. November. (W. TV.) In dem am Sonnabend abgehaltenen Ministerrqthe wurde das von dem Marine-Minister, Admiral Krauß eingereichte Ent- [as 1" ung-des uch angenommen. Das heutige „Journal Officiel“ veröffentlicht die ErnennungBarbey's zum Ma- rine-Minister; das Ministerium wrrd demzufolge morgen voUstämdig vor der Kammer erscheinen. _.
Mit Rücksicht auf die von den Voulangrsten für morgen beabsichtigte Kundgebung_ auf der Place de la Concorde wird daselbst keinerlei Aniammlung „geduldet und jeder Versuch, Ruhestörungcn herbeizuführen, auf das Strengste unterdrückt werden.
Der Präfident Carnot hat, na dem „Ivarnal des Débats“, am Sonnabend die Strei_ ung des_ Komman- danten Riant, welcher gegen die Entfernung Laiianl's Ein: spcmrch erhoben hatte, aus der Territorial-Armee unter- zei net.
Troß der günstigen Ergebnisse der Pariser Weltausstellung lassen die wirthschaftlichenVerhältnis)e Frankreichs und vor AÜSM der Hauptstadt, wie der „Schlei. ' tg.“ geschrieben wird, Manches zu wünschen übrig. Die Frem en haben aUer- dings viel (Held nach Paris und c"rankrcsich gebracht, was die natürlichen wirthfchaftlichen kirkungen hervorbringt. Die Eisenbahnen verzeichnen bis jkßt 60 Miklionen Mehreinnahmen, die Pariser Verhrauchssteuer fast 10 Mil- lionen, aber die indirekten Staatssteuxrn weisen nur etliche 30 Millionen Mehreinnahmen auf, al1o iiicht einmal die ge- rechnete natürliche Steigerung von drei Prozent jährlich. Der HandelSausweis bestärigt eine Befferung des Außen- handels, welche wohl auf gesunder Grundlage be- ruht, da die französtschen Gewerbetreibenden in den leßten Jahren besondere Ansjrengungen machten, um den Weltmarkt zu behaupten. Aber eine'besondere Hebung des Geschäfts in Paris ist troß der einmaligen hohxn Einnahmen zahlreicher Geschäftsleute nicht zu bemerkeiz. Es ist eine statistisch nachgewiesene Thatsache, daß die Pari1er Gewerbsthätigkeit am stärksten am Rückgangs der Ausxußr hetheiligt iyt. Aae Pariser Gewerbszweige, KunstYewer e wie Modewaaren,
fü ren viel weniger aus als frü er, der Rückgang übersteigt
Millionen 'ährlich. (Die yo_ner Seidenwaaren zeigen dagegen seit Jahren einen Aufschwung der Ausruhr.) Sicher hat fich die Zahl der Beschäftigung Benöthigen- den in Paris vermehrt, nicht vermmdert._ Die Noth- wendigkeit, vermehrte Arbeithelegqnhett zu schaffen, wird daher auch ernstlich erwogen. Die Stadtverwaltung denkt an mehrere Straßendurchlegungen und Bauten welche hier stets lange im Voraus geplant werden, so daß man im gelegenen Augenblick nur die _AuSsührung zu be- schließen hat. Die Regierung will die Stadtbahix vor- nehmen. Der Arbeits-Minister Ives Guvot 1cheint dieselbe durch die großen Bahngesellschaften ausführen [affen zu wollen, welche ohnedies aUe neuen Bahn-
einer „Zeit drr Induiirteketriebes
die Befürchtung laut die Sradtbahn werde auch nur zum Vortheile dieser Geseäschaften ausgefuhrt, hauptsächlich nur deren Pariser Bahnhöfe untereinander verbinden, ohne dem inneren Verkéhr der Stadt die nöthigen Erleichterungen zu bringen. Eines aber bleiht unzweifelhaft: wenn das Jubel- jahr der Revolution und dre überschwen lichen Feste der Welt- Ausste-Uung ohne schlimme Nachwehen b eiben sollen, wird für Beschäftigung der Paris er Arbeiter gesorgt werden müssen.
Italien. Rom, 11. November, (W. T. B.) Die „Gazzetta ufficiale“ veröffentlicht ein vom 8. d. M. datirtes Königliches Dekret, in welchem eine Kommission be- auftragt wird, eine adminifirative und finanzielle Enquete über die Lage der Stadtgemeinde Rom ein- zuleiten. Dem Dekret geht ein Bericht des Minister:Prä- sidenten CriSpi voraus.
An den hiefigen administrativen Wahlen haben fich im Ganzen 16 889 Wähler bejheiligt. In den Provinzial- rath ist die gemeinsame Liste des liberalen Central-Comités und der liberalen monarchischen Vereinigung gewählt worden; in Betreff der nicht gemeinsamen Kandidaten haben die der Liste des liberalen Central:Comités einen starken Vorsprung. Nach den von auswärts bisher eingelaufenen Nachrichten sind die administrativen Wahlen in Palermo, Bologna, Ravenna, Mailand, L_ivorno, Turin, Forli, Verona, Venedig, Messina, Genua vollständig ruhig verlaufen.
Gestern Vormittag fand die feierliche Seligsprechung des französischen Lazaristenpriefters Perbo re im Beisein zahlrsicher Kardinäle, der Geschwister des eliggesprochenen und von gegen 2000 Waüfahrern statt.
Im Laufe des gestrigen Nachmittags legtsn 40 Anarchisten auf dem Friedhofs an drr Asthenurne ihres Genossen Viti Kränze niedsr. Wegen einer dabei gehaltenen umstürz- lerischen Nede'entfernte die Polizei von einem derKränze das rothr, eine Vrti verherrlichende Inschrift tragende Band. Da die Demonstrgnten hißrgegen Widerstand leisteten, so wurden nach erwlgter geyeßlicher Aufforderung zur Ent- fernung 17 Verhaftungen vorgenommen.
Venedig, 10. November. (W.T.B.) Der Gemeinde- rath macht bekannt, daß die Kaiserlich Deutschen Majestäten am Dienstag Mittag im Hafen von Mala- moxco eintreffen und um 2 Uhr nach Venedig weiter reisen wer en.
-, Aus Aden, vom 9. November, wird der „Agenzia Stefani“ gemeldet: *
Nachrichten aus Schoah zufolge überfielrn dis Derwiscbe, indem sie dir Abwesenheit des Kommandanten der Vorhut benutzten, Gondor und machten die klrine Befahrung nieder. Der Negus, von diricm UeberfaÜ in Kenntnis; geseYt, rückte gegen die Derwische
*gÉSdtr-t ss'm.“ .» .
„ S_chweiz. Bern, 11, Novrmher. (W. T. B.) Bei der geytern in Gens !tattgehabten StaatUathßwahl find die Radikalen unierlegen und ist deren Führer Gavard nicht wiedergewählt wordr-n. Es wurden 5 Konservative und 2 Radikale gewählt. -
B.) In
Griechenland. Athen, 10. Novrmber. (W. T. der Königlichen Familie wurde gestern der Gehurtstag des Prinzen von Wales festlich begangen; die Schiffe im Piräus hatten Flaggemchmuck angels t. _ Der Großfürst- Thronfolger von Rußland hat csxeinen hiesigen Aufenthalt bis zum 17. November verlängert,
Serbien. Belgrad, 11. November. (W. T. B.) Der König Milan ist gestrrn Abend hier eingetroffen und auf dem Bahn ofe vom König Alexander und den Ministern emp ungen worden. Der Köxxig Alexander eilte auf seinen Vater zu _und Bride küßten iich hrrzlichsi. Jm Königlichen Empfangsmlon hielten sodann Köni Alexander und König Milan Cercle ab, wobei Leßterer be onders den türkischen Gemndten Zia Bey aUSzeichnete. _
dDer frühere Minister:?ßräfident Christie ist penfionirt wor en.
Amerika. Washingtqn, 6. November. U.S.) Prä- sident Harriwn unterzeichnete heute dre roklamation, welche Montana zu einem Staate der Union macht.
Afrika. Zanzibar. Aus anzibar, vom 9. November, meldet ein Telegramm des „W. T. .“: „Der Reichskommissar Hauptmann Wißmann hat Saadani, woselbst sich wieder arabische Sklavenhändler niedergelassen hatten, nach k urzem Widerstand beirßt.“
Unter dem heutigen Datum wird demselben Bureau von dort telegraphirt: „Die deutsche ostafrikanische Gesell- schaft hat eingéwilligt, die Zollniederlagen (sogenannte Godowns) dem Sultan von Zanzibar wieder zu Übergeben.“
Parlamentarische Nachrichten.
In der heutigen (12) Sißung des Reichstages stand als erster Gegenstand auf drr Tagesordnung die erste und event. zweite Berathung des von dem Abg. Rickert ein- gebrachten Grsrßentwurfs, betreffend die Abänderung der Militär-Strafnerichtsordnung.
Der Antragsteller Abg. Rickert nahm auf Erklärungen des früheren Kriegé-Minijters Bronsart von Scheüendorff in den Jahren 1884 und 1886 Bezug, wonach die Kriegßverwal- jung absolut kein Interesse habe, die verabjchiedeten Offiziere der Militärgerichtsbarkeit zu unterwerfen, fie vielmehr als eine Belastung der Militärgerichtsbar- keit ansehen müsse. „ Es sei dringend zu wünschen, daß diese Materie endhch geregelt werde, und es em fehle fich, um den Gesetzentwurf mit Sicherheit in dieser esfion zur Verabschiedung zu bringen, sofort in die zweite Berathung einzutreten. Bei einmüthiger Annahme des Gesehentwurfs Seitens des Reichstages würden die verbündeten Regierungen ihre Zustimmung nicht versagen. , Abg. Groeber wies darauf hin, daß bereits je t in Württemberg nicht nur die verabschiedeten sondem au die ur Bigpofition stehenden Offiziere von der Militärgerichts- arkeit außgeschlossen seien. ,
Abg. Veiel empfahl im Namen seiner nationalltberalen Freunde die Annahme'des Gesetzentwurfs. , Abg. Singer schloß fich unter Hinweis auf emen konkreten Rechtsxakl dem Wunsche auf Annahme des Gesetz- entwurfs an.
Damit schloß die erste Berathung. In der zweiten
strecken in Frankreich übernommen haben. Deshalb wird
B er at h u n 9 wurde der Gesetzentwurf mit einer unerheblichen
von dem Abg. Groeber zu §. 1 beantragten Abänderung vom Hause angeno_mmen. . .
Es folgte dre Berathmxg des von dem Abg. Rickert em- gehrachten Antrags betr. dre Vorlegung des Entwurfs einer Militär-Étrafprozeßordnung.
Der Antrag lautet:
Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, mit tbunliebfier Be- schleunigung dem Reichstage den Entwurf einer Militär-Straf- prozeßordnung vorzulegen, in Welcher das Militär-Strafverfabren mit den wesentlichen Formen des ordentlichen Strafprozeffes um-
. neben und die Zuständigkeit der Militärgerichte im Frieden auf Dienfivergeben der Militärpersonen beschränkt wird.
Abg. Rickert gab eine geschichtliche Uebxrficht üher die Bestrebungen zur Reform der Militär-Strqsprozeßordnung. Es sei unbegreiflich, daß eine Forderung, die sert 80 Jahren auf der Tagssordnung stehe, die von dem ganzen Volke, den Juristen- tagen, den General-Auditeuren gefteUt worden, Seitens der ver- bündeten Regierungen unberücksichtigt bleihe. Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht soUte endlich mit den Vorurtheilen in den Militärkreifen gebrochen werden; Pflicht der Volks- vertretung sei es, immer wieder auf dre Nothwendigkeit einer zeitgetsnäßen Reform der Militär-Strafprozeßordnung hin- zuwei en.
Bei Schluß des Blattes sprach Abg. Groeber.
Die Ang. Richter und Schrader (deutsÖ-fteisinnig) haben untrr Zurü ziehung ihres früheren Antrags betreffs der Kohlen- tarife folgenden neuen Antrag und zwar zur zweiten Beratbung des Reichsbauébalts-Etats, Etat des Reickos-Eisenbahn-Amts, eingebracht:
„Den Herrn Reichskanzler zu er1ucken, in Anbetracht der Kohlm- vertheuerung alskald eine Untersuchung darüber zu veranlaffen, ob und inwieweit die Koblentarife auf den deutschen Eisenbahnen den "Vorschriften des Artikels 45 der Reichkverfaffung entsprechen _und ob nicht im Interesse der Industrie und der Laxidxvirthscbgit eine allgemeine Tarifermäßigung zur Erzielung der rxrxanungsmaßig vor- geschriebenen möglichften Herabsetzung der Tariie geboten iit, ins- beronderc auch durch eine Ausdehnung der AuInahmetarife, Welche die höheren Tarife für die Kohleneiniubr aus dem Anglande beseitigt und den Jntereffen der inländisxhen Kohlenkonsumrnten gebührende Rechnung trägt.“
vor und schlug Leß't'rre Loléitandigxdrei HäuLiiiygeDsoLeL"
. fi. .fr-“e
_ gedeutet, daß wir uns auf einem Pulverfaß befinden,
Zeitungsftimmeu.
Die „Danziger Allgemeine Zeitung“ äußert fich über das Crgebmß der ersten Berathung des Sozialisten- geseßes m Folgendem:
ZIM Verglxié mit. den birüherrnßSbozialiitendc'hatieEn _berOezten _ t _ gegcnwar egen m _r_u 1 crem Ja rwan , eg r1 einung, eLhad'ptsäcdkÖ'mif' das Xnvkrünnkare Ästrehtexir derÉSozial- demokraien zurückzuführen ist, ihre Ziele und ihre Agitation als un- gefährlich und geießltcb und somit den Erlaß eines Spezial- gxsrßes _ gegeii die Gemeingesährlichkeit ihres Treibens als Überflüsxig hrnzustellen. Drshalb wurde die Empfehlung des politiichen Meireids jro cffrnkundiger Zeugnisse abge- stritten. _deShalb erging mcm fi wieder in der Aufwärmung von SpitzelgeWirhten rznd .Schauermärcn' üder Polizeiagenten, an die im Ernst kern Memel) glaubte, deshalb wurde die Tendenz des Eeseßes dahin verdreht, daß es eine geistige Vervegung mit mechanischen Macht- mitteln zu unterdrücken bezwecke xc. _Ader die fozialdemokratiscben Führer sind noch keine solchen Virtuoien dcr Selbstverleugnung. daß fie ihr Inneres, wenn es der Zweck er'ordert, ganz und gar verbergen könnten, und so sprach denn namemlich drr Abg.Liebknecht in demselben Athem von der Knebelung eixer friedlichen Partei Und ron dem Tage der Abrechnung gegen die he_rr]chenden Klaffen und er glaubte emen großen Trumpf_ Tür die Mäßigung der Sozialdemokratie mit dem Himvris auszuxpielen, daß sie leicht dusk) die Taktik der nihilistiscben Gewalt hätte befolgen könnsn. Während es hcißt, die Sozialdrmokrarie thue nichts Außerordentlichcs, wird zugleich an-
_ _ das sicher noch einmal in die _Luft fliegen werde!
Sehr verfehlt war die Jror-ie, mit welcher fich der freismnige Redner über die ernsthafte Gefahr, deren Bekämpfung verhandelt wurde, hinwegzuheifen suchte. Dieselbe_ Partei. welche Vor 1878 klagte, daß fie gegen die wilde sozialijti1che Vcrheßung nicht auf- kommen könne, glaubt heute, die Sozialdemokratie in freiem Wett- kampfe „_ überwinden zu können. Würde die Bahn für die sozialistUÖe'Agitation wieder ganz frei gemaxht, 10 wäre ohne Zweifel die frrifinmge Partei die erste und wahrjcheirzlick) einzige, welche der Ansturm von links binwegiegen würde. DIZ die polnischen und welfischen Sprecher keine Stärkung der Staathcwalt gegen die um- stürzenden Elemente wünschen, war von rornherein zu crwarten. Wunder aber mußte es nehmen, daß drr Centrvmmdner lediglich die Rückkehr zu dem gesetzlichen Zustand vor 1878 forderte, obgleich aus “seiner Partei heraus wieder vlt Anträgrgestrllt wordrn waren, die einen gemilderten Ersatz des Sozialistengexeyes hrzweckten.
Den Kernpunkt der ganzen Frage erblicken wir in der von den Kartellparkeien einmüthig getheiltcn Grundanschauung, welche der Minister Herrfnrt b wie folgt wiedergab: „Troß aller Auswüchse und aller krankhaften Erscheinungen isi die Sozialdemokratie eine geistige Macht, welche nicht mit mechantkchen Mitteln, trie sie dieses Grieß liefert und sriner Natur nach nur liefern kann, aus der_WeLt geschafft werden kann, die Sozialdemokratie muß aetitig überwunden werden durch das Zusammenwirken von Staat, Gemeinde und Geseüfchaft, von Kirche und Schule durch die Förderung der moralischen und inteUektueUen Ent- wickelung, durch die Fördrrung der wirthschaftlichen Wohlfahrt der arbeitenden Klasen. Soviel nun aber auf diesem Gebiet auch bereiks geschehen ist durch die freie Liebesthätigkeit_ der Ctnxexney und Ge- nonenschaften, durch die gemeinnüßigen Anixalten in Kreis, Provinz urid Gemeinde, durch die fegenßreiÖe Wirkxamkcit der Organe der Kirche und Schule, vor Aüem auf dem Gebiete der Sozialreform in Stgat und Reich, soviel bleibt Uns zu thun ührig. U_nd, meineHerren, es ist lediglich die Aufgabe dieses Eeseßes, die Pinkerntffe wegzuraumen, wel_che böser Wille auf diesem Wege denverbündeten Regierungen und der Tdatigkeit aller Einzeinen entgegenstelit. So lange,_wte durch bö1en Wilier: solche Hindernisse noch aufgethürmi wndrn, LZ larzge könnrn wir dieses Gesey leider nicht entbehren. Es hdmxeli 11ch hter'um dee Erbaxtzmg der Existenzdedirgungen für eine friedliche Entwackelung, alzcb sur den Fortschritt der Sozialrefqrm, es handelt sich um die hochsten (Güter, es handelt fich nm die Sicherheit und das Wohl des Staates. und so bleibt keine Wahl: 8a1115 reipubljaae suprema je: (das Staatswobl ist höchstes Geseß)!“ _
Das schließlicbe materieüe (Ergebnis; der Verhandlungen war, daß von den Mehrheitsparteien die Nothwendigkeit dauernder Maßregxln Jegen_die Ausschreitungen der Sozialdemokratie anerkgnnt und eme Verstandigung auf der Grundlage des Entwurfs in "chere AULfiÖt gestellt wurde.“
„ Der „Anhaltische Staats:Anzeiger“ be1chasttgt fich YFUÖfaUS mit den Ergebnissen der Soztalrsiendebatte und Uhrt dabei Folgendes aus:
.Die Rede des Abg. Liebknecht erhält dadurch ein; grwiffe Be- keuiung, daß sie dem Reichstage bewiesen hat, wie unerlaßltch m_ich die Sukunflige Unterdrückun der Ausschreitungen der Sozialdemokratie ist.:Dle :VWegung besteht in i rem vollen Umfangefort, einx Aenderung isiqnur 1"sofern eingetreten, als die Sozialdem okratm zu der Einsicbtgekangt *md, daß dxr gewaltsame Weg nicht zum Ziele führen würde. Die Bewegung
“7 kme ruhigere Form angenommen, aber die Sozialdemokraten
. méitel- grhaht .
oder vielmehr die Führer der sozialifiiscb angehauchten M-xffen haben noch keineSwexs die Hoffnung aufgegeben, die Staats- und E:sell- scbaftSordnung nach ihren theoretischen Pbantasiegebildm um- zugestalten. Liebknecht sagt: .Sie haben die sozialdemokratiscbe Partei nicht zerstört, Sie haben ihr eine andere OkZaniiatiov auf- genöthigt, aber sie ist dabei kräftiger geworden. Ha en Sie irgend etwas von sozialdemokraiiscben Unrubm und Exceffen gehört? Das erklärt sich daraus, daß wir die Leute nicht demagoatsch behandelt. sondern belehrt und aufgeklärt haben. Oder xneinen Sie, wenn wir nach dem Muster nihixistischer Agitaioren reriabren wären, wie uns fälschlich oft vorgeworfen wird, daß kann noch ein einziger der Väter des Sozialisiengeseßes am Leben wäre?"
Diese Worte nd charakteristisch für den Geist, in welchem die sozialdemokratiscben Agitatoren ihre Aufgabe erfassen. Die gegenwärtige scheinbare Ruhe im sozialdemokratischen Lager ist nur künstlich hervorgerufen. die Agitatoren macher; blos von dem ihnen zu Gebote stehenden Mittel, die Waffen in Fluß zu bringen, keinen Gebrauch, weil sie ihren Zweck auf weniger ge: räuscbrolle Weise zu erreichen hoffen. Die versteckten Drohungen Liebknecht's find wohlvxrständlicb, und es macht einen eisenthüm- lichen Eindruck, wenn 1ein Parteigenoffe Bebel unter solchen Um- ständen dem Aba. ron Cum), als er die Ueberzeugung aussprach, daß es mit der Vereins-, Preß- .und Versammlungsfreideit bald in Ende sein würde, wenn dre Sozialdemokraten ans Ruder kämen, durch den Zuruf unirrdriÖt: „Probiren Sie es doch!“ Nein, diese_Proben wolien wir lieber nicht machen, sondem uns gegen die 1oxiale Revolution, mit der die Sozialdemokraten Staat und Gesellschaft bedrohen, mit alien uns zu Gebote stshenden Mit- teln wehren. Der seit 1878 hetretene Weg, die Agitation kräftig zu unterdrücken,_ aber auf der anderen Seite berechtigte Wüniche der arbeitenden chzffen zu eriüUen, iii der allein richtige und zweckmäßige.
Sicher iit das der besie_ Weg, aber man muß mit diesen Revolutionären wahrhaftig nicht so viel Federleirns machen; man_soll für die ordentlichen, ruhigen _Arbeiter auf dem Wege der Ge1ngedung alles Mögliche, zur Bemerung ihrer Ver- hältnis: thun, man foÜ aher auch die Umstürzler und solrhe, die mit ihnen unter einer Decke ipielen, nicht niit Handschuhen aviasien, sondem derb und enrrgisch anpgcken. Ermt und Energi? wird die Sozialdemokratie zu Boden werfen, mag ihr auch der auf Irrwege gerathene Fortschritt noch so sehr unter die Artnr greifén.“
Statistik und VolkSwirthsthaft.
Zur Charakteristik der_ .Vertheuerungsvolitik', über welche die freifinnigen Blätter fortwährend klagsn, schreibt man der „Kölniscben Zeitung“ aus dem Königreich Sachsen:
.Die jüngst einßetretene Steigerung der Lebensmittelpreiie wird (von iocbcn neu dcg:ündeten freifinnigexz Lckaldlättern) xur Vor- bereitung der Wahlen Tag für Tag redlich auF-gebeutet. Das; wir auch bei den je!;igrn Zöilen killtaere Preise der Lebens- bsz. und..fie _,vorxxußfichrliÖ-Friede» bekoxiwen werden, soll natürlich dem xrexnnmgen Leier im sächsischen Provimialstädtchen großes Geheimmß _hleiben; dagegen wird in allen Tonarten wirderholt, daß drüben uber drr nahen höhmisÖen Grenze Mehl, Brot und Fleisch so und so vrel_ biUiger zu kaufen sei als bei uns, und dies sei wohl der, haxidßreiilichste Beweis für die Verkehrtbeit unserer deunchen Wirtbtcdartdvolitik. Oh wohl einer der deutschfreisinnigen Leser so dtel Verstand hat, sich zu fragen, wir eF- wohl kommen mag, das; aus den böhmischen Grenz- bezirken mit ihren hiUigen LebenSmittrln fortwährend viele, viele Tausende von Arbeitern zu uns nach Sachsen herein- strömen, um hier bei den theuren Lebenßmittelvreisen zu arbeiten? Offenbar find 'die Leute der Ansicht, daß fie bei uns, trix"; alles freifinnigen Jamwers über die deutxcben Zustärde, viel dener leben als drüben jenieit der Grenze, und daß fich bei uns für den Arbeit?: weit leichter etwas erübrigen läßt, als daheim. Dagegen hört man nie davon, daß _die Arheitcrbevölkerung der sächsischen Grenzhezirke wegen der Wohlseilbeit der Lebensmittcl in Böhmen Neigung zeigte, ihrrn Wohnfiß hinüber zu verlegen. Sie muß also doch wohl im Stillen auch der_Ueberzeugunq sein, daß der Arbeiter im deutschen Reichsgekiete demer daran ist als jenseit der Grewe. Uebrigens find die Preise der Lebensmittel in Böhmen nicht_er1t neuerdings niedriger. sondern_ von jeher und jederzeit niedriger gewexen als bei uns, und der Abnand_ist dureh die Einführung umerer Zölle nachiveiélich nicht größer geworden, als er früher war. Auch von "Tiefer Thatxtache darf natürlich der deutichfreisinnige Le1er nichts hören. Vielleicht _säUt ihm aber vrn |ij ein, daß die Zeit kurz vor der viel angeseindeten Aenderung unserer Wirtbschaitspolitik, als die jest wieder angrvriesene .Ver- diliigung' aller Erzeugnine den Höhepunkt erreicht hatte, zugleich die Zeix war, wo die Arbeiterbevölkerung das billige Brot nicht mehr zu kaufen verwocbte und wegen des auößedehnien Nothxtands der arbsi- tenden Klamm, namentlich im Vogtlande,_ sogar die öffentliche Mild- tbäiigkeit ar-gxrufen werden mußte. Wir haben damals die Ver- biUigunZs- oder .Verwohlfeiierungspolitik', wie sie die deutschstä- finnigsn Volksbläjtchen jeßt w geschmackvoll nennen, an ihren bitteren Früchten erkannt!“
Zur ArbeiterbeWegung.
Neben drr Agitation für die Reichstagswahlen beschäftigen fick) die Sozialdemokraten, wie dem .Hamb. Corresp.“ aus Berlin geschrieben wird, augenblicklich ttark mit drr Frage der internationalen Awtiiyndendewrgung. Der internationale Pariser Arbeiterkongreß bat bekannilieh berchloffen, am 1. Mai 1890 eine all emeine Demonstration zu Gunsten des achtstündigen Normal- rbeitstages Vorzunehmen.„ Die deutschen Sozialdemokraten smd sich darüber noch niÉ-t tm Klaren, welche Art von Demonstration _ fie am 1. Mai 1890 insceniren wollen. Der radikalen Köpfen entsprungene Gedankr, an diesem Tage die Arbeit niederzulegen, wie es die Belgier beabsichtigen,_hat nicbt aUgemeine Biüigung gefunden. Eine Yoße Volkéderiammlung, Welche in Nixdorf tagte, hat nach einem ortrage des Buchdruckers Werner die Resolution angenommen, de_n 1. Mai 1890 als Feirrtag zu erklären. Es ist anzunehmen, daß ahnliche Veschlüffe in anderen VolkSversammlungen zur Annahme gelangen;_ jedenfalls wird es an sozialdemokratischen Demonstraxionen an dickem Tage nicht fehlen. Zahlreiche Berliner Gewerkschaften haben fill; in der lesten Zeit ebenfalls mit der Frage der __internattonalen Achistundenbemgung be- schäftigt und haben Beschlüne dahingehend angenommen, nur 101che Kandidaten bei drn Reichétagßwahlen zu wahien, Welche für den Acht- ftundentag eintreten. „ _
Aus London meldet das .W;T. B.“, daß die Versrachter am „Sonnabend Nachmittag bescblonen haben, die Forderungen ihrer Arbeiter zu bewilligen. - Am Sonnigg Nachwittag fand im Hyde- pa_rk ein großes Meeting der Backxrgetellen und anderer diejelden unterstützenden Gewerbe itari, Welchem eine zahl- reiche Menschenmenge beiwohnte." _Burns hielt eine Rede, in welcher er sich auf das Hrfttgite _gegen die Bäckermeister wendete. Auf seinen Vorschlag wurde einstimmig eine Refoluiion angenommen, nach welcher, falls nicht am 16. d. M. eine kurzere Arbeitszeit bewilligt und die Ueberzeit um die Hälfte heffer de_zahlt werde, die Arbeit niedergelegi werdewsyll. Diejenigen Backer- mei1dter, Welche die Forderungen mcht bewilligen, sollen gehoykottet wer en
Der Ausstand in den Departements du qud und Pas de Calais greift, wie der „Köln. Ztg.“ aus Paris unter dem 4. d. M.geme1detwird, von neuem um fich. Dre Erregung soll groß sein und zahlreiche Verhaftungen wurden vorgendmmen. In C5carrel1e wurden fünf Frauen festgenommen wegen Behinderung der
K
aannen_ Preußiichen Landes - Oekonomie - KoUegiums. stand der des Kolleziums über den Entwurf eines buzbes für das Deutsche Reich. Der erste Redner war Ober-Landes- gerichtH-Ratb Struckmann (Berlin). Diem befürwortete Namens der Koaimtsfion _die Annahme so_lgenren Anirags: .Das Landes-Oeko- nomre-Koüegtum wolle beschließen: Der §. :? könnte dem Zwrifel Raum geben, ob gewohnheitsrechxliöbe Rechtßnormen auch in dem Falle außer GeltUng treten, wrnn der Entwurf auf dieLandes-Geseßge una
verweist. „Dieser Zweifel ist durch entsprerbende in dem Sinne zu eriticheiden, daß in drn Fällen, Geyeßgebupg verwieien wird, auch das innerhalb deSseiben geltende GewohnheUSrecht
in Berlin hat einen Honorar) ausgeschrieben itände: 1 [U. geübt von den Herren ])r. H. Thiel. Rail) im Ministerium Oekonomie-Ratb G. Neuhaus-Selchow und Dr. KrauH-Bcrlin. Die Bedingungen über Einsendung der Arheitrn u. 1". w. Parch'sthe Verlagsbuchhandiung auf Erfragen mit.
dampier kanischen Packexiar*rT-Airirnxrsellscbait ist, von Hamburg xommend, _gsitern Morgen, der Postdamvfrr .Wieland“ der- ]elhen Geiellichaft gritern Na-Ömitiag in New-York eingetroffen. Die Poitdamvfer .Rugia“ und schaft haben, ersterer ron mend, heute Lizard dassirt.
Land- und Forftwirthsthaft.
öniglicb Preußisches Landes-Oekonomie-Kollegium. Im großen Sitzyngssaale des Fotsdamer Bahnhofes be-
heute Vormrttag die Ver andlungen des Königlich „Den erfixn Gegen- Bencht der Kommission bürgerlichen Geseß-
Tagesordnung bildete der
Aenderzmg des §. 2 wo aus die Landes-
Play grrift.“
. , _ PreiHaUZsÖreiben. Dre laudwrrtb7chwtliche Verlagéhucbdandlung von Paul Parey Preis von je "200 .“ (außer dem üblichen ___ mr je die beste Arbcit ührr folgende Grgen- , FexdmaJi-er Spargeldau, U. Hsuherectungsarten, Schwemeauizucht bis zur Reife. Daß PreisriÖteramt wird Geheimen Oder-Regierungs- Ritterßutsdrfißer
für Landwirthschait 2c ,
Thrill die
Submissionen im AuSlande. Italien.
18. November, “2 Uhr. Turin. Militär-Kommi'iariat des
]. 5ermee-Corps: Lieferung von 15 000 gswith-sn baumwollenen Unter- hoien, 50000 Felkflaichen ohneRiemrn und 20000 Paar Handswuhm
aus weißem, sämisch grgerdtem Leder,
Kxxution: 2100. 21000, 1800 Lirr. Naheres zar Ern11chr beim .ReichZ-Anzriger'.
Verkehrs - Anstalten.
Hgmhurg, 10_. Normiher. (W. T. B.) Der Schnell- ,Auguita Victoria“ der Hamdrrg-Ameri-
. Aécania ' derjslhrn Gesel]- New-Yrrk, letzterer von Writindren kom-
Trieit,„_10._')ioremher. (W. T. V.) Der Llorddamhier .Eitore' iii geytern Abend, der Lloyddgmpiér „Vorwärts' heute Nachmrttag aus Konitarxinrrrl hrsr einzexrrffen.
.-„ s...„-. "1x“. „...-.,.. Theater und Musik.
Berliner Theater. Dix hsiden Neuauiiührurgen finden, wie nunmrhr iéititehx, am Donneritag, den 14..d. M.. start. In Storitzer? rreiakxigcm ZÉQU“ sviel .Tbrra“ find die Damen B::Zc, Hzgercrn, Trilcn u:: die Herren Drach, Eckert, Kranfxnrck in dsn HaartrrUrn reiÉÜiLigr, während Corpée's Einakter „Der Wandrrér' dcn Margarete Trmdrur (Sylvia) und Osler? Odilon (ZuneUO) dargestellt wird. Wallner-Thsater.
Am Sonnabend gelangte aui drr WaUner-Bühne nedrn Einem Schwank iraxtzöfischer Herkunft rin interrffartes einaktige-Z Lastiriel - ein „dramatiycher Scherz“, wie der Theatxrzrttel sagt, - unter dem Tit_e_l .Der Herr von Lohengrin“ von A. Günther zur erstrn Auxsübrung und fand bei trefflicher Darsteklung eine recht freundliche Ausnahme. EZ handrlt fick,) in der kleinen Novitär nur um ein nsckischrs Spiel in Bezug auf die Ncugisrde drr Fraueii. Ein jUnger Ehrmann steUt der Gattin und der Schwester gegenüber, welch: fich enrrüstet über das verbotene Forschen drr „Elsa von Brawa!“ mch dcm Namen drs Schwanknritters auHirrcchen, die Behauviang adi, daß die Nemgier zu den unstrrblichen EigrUsÖ-zftkr. des weib- lichen Geschlechts gehöre, und findet sofort Geiegcrheii, ieinrn Damen den Beweis drr Wahrhrit zu führen. Ein zufäUig erscheinender Wrinrriiender wird ihnen unter dem Scherznamen einr-F Hrn. „don Lehen,;rin“ vorgesieüt, und iofort bemühen fick) die Damen, krn cigerilichen Stand und Namrn des Unbekannten zu ergründen. Nach cinigcn komischen Mißverständniffen wird die Sache aufgrklärx; es ergiebt fich aber als Moral, daß nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer neugierig smd. In der RrUe des redegewaltigen, selbstbewußt"; Weimreiicnden fand Hr. Wor lisich Ecjegenheii, seine Gestaliurxxkrafr auf dem Gsbiet kes Komiicbcr- aufs Neue zu erwriirn. _- Je harmloser die kleine Eröffnunßsgade irak, um so schlimmer War der ?olgende Schwank .Verfolgt' von Mcilhac, Grange? und Bernard. Die Voravése ungen dieser Komödie smd so haltlos und urwckbr wie mrglick). .ie Verfaffer schrinen keine andkre Adfi-ht xedaht zu baden, al§ eine Reihe luniger und die Lackxluir reizendrr Scenrn zusammen zu s-chmiedén, wslck)? ihrsn hhrerpikxnteii Reiz ron der ihnen innrrvohnéndcn bösartigen Fridolität herleiten. Wir verzichtrn dus die Wiedergabe des J:;dalTI um so nichr, als das eigknilick) wirksame (Element des S1ückcs nur Wider- wih'en erregrn kann. Was die Darsteliung anhstrifft, die gleich- faUs eine lohcnéwerihe und farblich bemüht war, die Uebertreibungen drr Verfasser zu mildrtn, so derkörpérte Frl. Lehmann eine auf nächtlicken Irrfahrten degriffrne Penfionärin mit naiver Armuth; sie gab mehr ein trokiges Kind als eine jungs Dame und rettete damit den rretischcn Zauber der Gestalt, Fr. Schramm spielte die derbe Hüterin, welche dem jungen Flüchtling angstdoll nachjagt, mit vielem Humor. Eine in Bezug auf die Charakteristik masterbaft: Leistung hrt Hr. Girxinig, der einen altén Lebrmar-n darzusteUen batte. Hr. Alerander Mielke einen einfachen Burswcn aus der Provir-tz mit rühreixder Einfalt Und in der kleinen Rolle einxs moraiifirenren KLÜUZTÖ that sich Hr. Meißner rortbeilhdft hcrror. Tank der trefflichén Daritcäung fanden beide Stücke reichen BcifaÜ.*
Neue Kirche. _ . '“
Auf ein Concert, Welches die Gesangékänytksrm Fr._Hedwtg Alberti am künftigen Mittwoch zum Besten derUnterituyungs- kasse des Vereins der Musiklehrer urid -Lehrerinn:n untcr Mitwirkung drr Hrrn. (Hrünfeld, «churalfrld _und Deckert drranstalten wird, verfehlen wir nicht, hiermtt aufmrrkiam zu machen.
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Sing-Akademie. _
Die Großherzogl. mccklendurgisckxe Hofpi_ani!_tm Frl. Eliiabetb Jeppe veranstaltete am Sonngbend gemeimchaitlich mit drr bereits vortheilhafi bekannkcn Sovranixrin Frau Prof. Clqra Schulz- Lilie aus Genf unter Mitwirkung des Philharmonixchen Orchesters ein Concert im Saal der Sinngkarcmie. Die_Pianistin, die sich hier schon vor einigen Jahren önentlich hörexi lieg, ist unter Leitung des Prof. X. Scharwenka ausgebildet und nunmehr zu einer sehr tüchtigen Klavierspielsrin hrrangercist. S_ie Vereinigt große technische Sicherheitmit sebr modulationsreichem An1chlag, drr auch im leisesten piano eine wohlthuende Klarheit behält und im farts niemals bart erscheint. Zugleich steht _der Künstlerin eine verstänkniß- volle , den Vortrag klassqcher wie moderner Wsrke mit ;ileicher Sicherheit hebetrxchende Auödrucköweise zur Seite. Die Vorzüge ihres Shiels kamen in dem s-äur-Concert von Mozart, in der k-moU-Ballade don Chorin, in zwei kleinen Stücken von Liszt und Moszorr-Oki und ganz dekdnders in dem hier schon einmal ge-
Arbeitkfreiheit, vier andere wurden zu “20 Tagen und ein Aukstärdischer
wurde wegen Aufruhrs zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilr.
hörien Concrrtsvon X Sébarwenka zur Geltung, weiches, 'cöcbst originell und brillant gehalten, cock; durch einige Kürzungen der sünf