1889 / 279 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 21 Nov 1889 18:00:01 GMT) scan diff

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einer Tagung zusammengetreten. Die Sessionen müssen spätestens am 30. November geschlossen werden.

Oesterreich-ngarn. Wien, 20. November. Ueber den Besuch, welchen Ihre Majestäten der Kaiéer Wilhelm und die Kaiserin Augusta Victoria an der Rückfahrt von Konstantinopel Ihrer Majestät der Kaiserin Flichtrelt) eth in Korfu abgestattet haben, mird der „Wiener Ztg.“

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Daö deutsche Geschwader kam am 9. November Abends vor Korfu an, wo es bis zum anderen Tage, um Kohlen ein-

zunehmen, verweilte. Vor der Einfahrt in den Hafen von Korfu wurde bei der Vorüberfahrt vor der von Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth be-

wohnten Villa „Braila“ die öfterreichisch-ungarische Flagge gehißt. Noch an demselben Abend statteten Ihre Majestät die Kaiserin Augusta Victoria und Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen in der Villa Bratla einen Besuch ab, der am folgenden Morgen in Geselifchaft Sr. Majestät des deutschen Kaisers wiederholt wurde. hre Majestät dis Kaiserin Elisabeth machte mit den Erlauchten en einen Ausflug nach dem Dorfe Hegitdeke, und nach der Rückkehr verabschiedeten Sich Aller- höchstdieselben um 11 Uhr Vormittags in der Villa Braila, um an Bord des bereits unter Dampf liegenden deutschen Geschwaders zurückzukehren, das eine halbe Stunde später nach Venedig in See ging.

Graz, 19. November. (Wien. Ztg.) Der steirithe LatZdtag ist nach Erledigung seiner Arbeiten heute geschloßen wor en.

Pola, 20. November. (W. T. B.) Dad deutsche Geschwader unter Kommando des Contre-Admirals Holl- mann ist heute Nachmittag 4 Uhr im Vorhafen vor Anker gegatFen. .

udapest, 20. November. (WT. B.) n der heutigen Sißung des Unterhausec- führte bei der ortssIYma der Generaldebatte Über das Budget der Finanz-Minister eckerle aus, Ungarn ertrage die wenn auch'gsstei erten Steuerlastén viel leichter als zuvor. Die vollständigeHei-ste ung des Gleichgewichts im Staatshaushalt könne durch ungünstige Erscheinun en, wie eine schlechte Ernte und dergleichen, nur für kurze eit binauSgefchoben werden. Der Finanz - Minister erklärte fich als unbedingter Anhänger nicht nur der politischen, sondern , so lange die wirt?fchafllichen Interessen Ungarns dabei ihre Befriedigung änden, auch der wirth- schaftlichen Zusammengehörigkeit mit Oesterreich. Ungarn könne im wirthschaftlichen Kampfe der europäischen Staaten nur aus der gegenwärtigenBasis auf Erfolge rechnen. Gegenüber- den persönlichen Angriffen, welche Einige Redner im bisherigen Verlauf der Budgetdebatten gegen den Minister- räfidenten TiSza gerichtet hatten, wies der Minister auf die Solidarität des Kabinets him-

Fraukreich. Paris, 20. November. (W. T. B.) Die Bureaux der Deputirtenkammer haben fich für die GültigkeitSerklärung mehrerer beanstandeter kon- servativer Wahlen aUSgesprochx-n. Reinach (Re?) wird in der morgenden Sißung einen Antrag, betre end ie Ab- änderung des Preßgeseßes, einbringen. er Deputirte Maujcrn (Rad.) bat infolge der gestrigen Abstimmung gegen die Revision sein Mandat niedergelegt.

RYl-md und Polen. St. Petersburg, 21. November. ZW. T. .) Bei der gestri en Jubelfeier der Artillerie ielr der Kaiser eine 21an rache an die Artillerie-Offiziere, nxorm er 1hnen für die unentwegt tapferen Waffen: dienste _dankte und die Ueberzeuguna aussprach, daß fick) die Artillerie ebenso wie die gesammte Armee auf den Schlachxfeldern ebenso wie früher außzeichnen werde. „Gott ebe nicht - sagte der Kaiser -, daß dies bald ge- ?chehe, 1a der Herr_bewahre uns vor dieser schweren Prüfung; aber wenn. es gejcbieht, so bin ich überzeugt, daß unsere tapfere Artillerie wie auch alLe anderen Waffengattungen für die Ehre und den Ruhm unseres theueren Vaterlandes ein- stehen werden.Z“-ZuEhrenmitgliedern der Artillerie- Akademre smd gestern ernannt worden: der Großfürst- Thronfplger, der Großfürst Wladimir, der Krieas-Minister, der Adxunkt de_s General-Feldze sisters General Sofiano und der Fmanz-Mimster Geheime ath Wyschnegradski.

talieu. Venedig, 20. Novsmber. (W. T. B.) Der Gro fürst-Thr'onfolger von Rußland ist heute in strengstem Incognito hier eingetroffen. Se. Kaiserliche Hoheit verblieb an Bord seiner Yachi.

, Ryuißieuu Bukarest, 20. November. (W. T. B.) Die Königin ist heute Vormittag wieder hier einge- troffen und wurde ax)!“ dym Bahnhofe vom König, dem Thronfolger, den tnrstern und den Spißen der Behörden empfangen.

, Auzerika. Wafhin ton, 21. November. Dre Kriegsschiffe „Ta apoosa“ und ,Ri dem Kommando des Admirals Gillis ha en nach Brasilien abzugehen.

SüdzAmerika. Brasilien. Eine Depesche aus Rio de Janeiro übermittelt den Worthut des von der republi- kanischen Regierung „von Brasilien anläßlich ihres Amts- antritts erlaffenen Manifestes. Dasselbe lautet nach der Ueberseßung der „A. C.“ wie folgt:

„Mitbürger! Das Volk. das Heer, die Marine“ sowie die Pro- vinzen h_aben nunmehr den Sturz „der Kaiserlichen Dynastie und die Unterdruckung des monarchiscben Systems dekrelirt. Diesem patrioti- schen Entschluffe folgte die Bildung einer provisorischen Regierung, dere'n xrste Arif abe es ist, die Aufrechtbaltung der Ordnung sowie der YUM“ und echte der Bür er zu verbürgen. Die Bildung dieser

egterung,“ bis eine end ültige emaltung ernannt worden ist, wurde mit voilkommenerBerückfi ti ung des kompetentqstenMaierials bewerkstelligt. Die Regierung ist ledig ich aus zeitrmili en Agenten zusammengeseßt, welcbe herrschen werden,. um Frieden, reibeit, Brüderlichkeit und Ordnung aufrechtzu'balten. Die Attribute und außerordentlichen Ge- walten, _mit denen sie bekleidet ist bezwecken die Vertbeidiguaner Integritat'des Landes und die Auitecbtbaltung der öffentliZexn rd- nung. Die yroyisorische Regierung verspricht, sicb aller incl zu bedienen, die in ihrer Macht stehen, qu; dix Sicherheit von_ Leben und Eigmtbum aller Cimvobeier) Brasiliens, der einheimischen wie ausländischen, urid Acbjung vor der individuellen politi- schen Meinung zusverbürmn. Mit AuSnabme der für das Wohl des Landes nytbwendigen Veränderungen werden Heer und Flotte, die ordentlichen Funktionen der Justiz, sowie die Civil- und Militär- veWaltung mzter der bestehenden Organixation verbleiben und die Achtung fur dikjenigen, welcbe Steüungen ekleiden, wird aufrecht ge- halten werden. Die Abschaffun des Staats und des Staatskatbs

(W. T. B.) mond“ unter efehl erhalten,

kammer. Die provisorische Regieru levten Regierung erna _en nationalen ompromiffe an. Alle barungen mit auß! ndis Mächten und die Staatsslbuld, sowobldie internationale wie die innere, sowie a11e bestehenden Kontrakte und gesetzlich eingegangenen Verbindlichkeiten werden Frachter werden. (Gezeichnet) Marschall Deodoro da Fonseca, bef der provi- sorischen Regierung,“

Parlamentarische Nachrichten.

In der heut' en (20.) Sißung des Reichstages stand zunächst auf der ageSordnun die erste Berathung des von den Abgg. Ackermann, von K eift=Reßow, ])r. artmann und ])r. Kropatscheck einßebrachten Geseßentmur 9, betreffend die Abänderung er Gewerbeordnu_ng vom 1. Juli 1883 - (Befähigungdnachweis) _ m Verbindung mit der ersten Berathung des von dem Abg. Aichbichier und Gx noffen und den Abag. von Kardor , Lohren eingebrachten Geseßentwurfs, betreffend denselben egenstand.

Abg. Ackermann begründete seinen Antrag mit der Nothwendigkeit eines Schuses des Handwerks. Die Vollmacht für den BundeSratb, AUSnahmen zu gestatten, sei nothwendi in Fol e der Verschiedenartigkeit des Handwerks; geseßli ließen ich solche Ausnahmen nicht feststellen. Das Mißtrauen dagegen, den Innungen die rüfung zu überlassen, sei un-

begründet; die Zuverläsfig eit und Utzparteilichkeit der Prüsung sei namentlich auch durch 'die Vorschrift der Anwesenheit eines Königlichen Komm1ffars gewährleisteé.

Der Einwand, daß die Prü ung nur über die geistigen, nicht über die moralischen Fähigkeiten Aufschluß gebe, “sei ohne Be- deutung; dasselbe sei ja auch bei deni wrffenschaftlrchen Exqmen der Fall. Weil man nicht AUes erreichen könne, deshalb 1oUte man nicht auch an das Erreichbare verzichten. Die Grenze wischen Fabrik und andwerk werde fich in jedem einzelnen Faile Zchon finden lassen. Mit den Junungsbestrebuygen an sich habe der Befähigungßnacbiveis nichts zu thun. Die 100000 Unter- schriften von Handwerkern untcr frühereren _Petitionen be,- wiesen, daß die Handwerker selbst dem kaährgungSUachweis wünschten. Agitatorischen Zwecken diene 'der Antrag nicht. Das Handwerk bilde ein Bollwerk gegen die Sozialdemokratie und müßte schon deshalbgefchüßt werden. '

Abg. Meßner: Woüte Angesichts der wrederholteu Be; handlung des Gegenstandes und der gegenwärtigen Geschäfts- lage im Hause von weiteren Erörterungen absehen. (Schluß des Blattes.)

(Der Schlußbericht über die gestrige Si ung des Reichstages befindet fich in der Ersten Beilage.)

“'Die Büdgetkommission für den Marine-Ctat bat den Antrag gestellt, der Reichstag w_olle beschließen: die einzelnen Titel und Kapitel des Etajs für die Verivaltung der Kaiserlichen Marine mit AULnabme der unten aufgeführten Etats-Pofitionen, sämmtlicb mit den bei den cinzelnen Titeln in Ansay gebrachten SZTWM und unter den gebrauchten Bezeichnungen unverandert zu be- w: *aen.

Ferner beantragt die Kommisfion: von den fortdauernden Aussa b e n (Kap. 51 Militärpersonal) bei Tit. 2 „Ske-Offizier-Corps' statt 1602 580 .“ nur 1585 660.“ zu bewilligen; bei Tit. 17 .Bureauinventarien und SWeibmateria-liengelder“ nur 22662.“ und bei Tit. 23 ,Untxrstüßungßfondö' nur 20 375 .“ zu bewilligen. Bei Kap. 55 (Servis- und Garnisonverwaltungswesen) sind bei Tit. 4 „Servis und MictHSentschadigung“ nur 202109 .“, und bei Kap. 56 (Wohnungsgeldzuschuß) nur 759 380 .“, im Uebrigen die abgeänderten Titel unvx-rändert zu bewilligen. Bei den einmaligen Aus- gaben wird beantragt: bei Kap. 63. (Ordentlicher Etat) Tit. 12 zum Bau des Panzerfahrzeugs 8, erste Rate 1 500000.“ bei Tit. 15 zum Bau der Kreuzer'korvette [., erste Rate 2300000 .“, zu streichen; bei Tit. 16 zum Bau des Kremers 1“). erste Rate, tatt 1400000 .“ nur 900000 .“ zu bewiüigen; bei Tit. 20 zum an des Avisos 11 1 218000 .“ zu streichen.

Des Weiteren wird beantra t: Bei Tit. 25 werden als Konsequenz der früheren Bes lüffe für attilleristisckoe Aus rüstung der Panzerscknffe 600 000 .“ abgesexzt. Tit. 26 wird ganz, von Tit. 27 werden 240000 .“, von Tit. 29 110000.“ und von Tit. 34 175000 .“ abgeseßt, tbeiis als Folge früherer Beschlüffe,_ theils weil ein langsameres Vorgehen ge- wünscht wird. Bei Tit. 48, Vorarbeiten für Errichtun von Dienstgebäuden in Kiel, Werden 20000 ckck abgese t und nur ür die Fertigung der Pläne 10000 .“ bewiüigt. Bei it. 52, Bau einer Kaserne i_ür Kuxhaven, werden 220000 .“ abgeseßt. Bei Tit. 53, zur Verstärkung der Kriegsvorrätbe, werden 150000 ,“ abgeseßt. Bei Tit. 56, Erwerb eines Dienstgebäudes für das Oberkommando der Marine in Berlin, wird die ganze Summe von 1025 000 .“ gestrichen. Jm-auxzerordenilickoen Etat (Kap. 13) werden bei Tit. 2, .Besckxaffunq von escbüßen' nur 700000 stgtt 1400000 .“, bei Zit"118 t,Zuchwß zu den einmaligen Ausgaben im ordenjlichen Etat“ ewt ig.

Zeitungsstimmen.

Die Alxlehnung des freifinnigen Antrages ayk Aufhebung des,Schweine-Cinfuhrverbots an der dämchen Grenze Seitens des Reichstages wird von dem „Hannoverschen Courier“ mit folgenden Bemerkungen begleitet:

„Ob nach diesem pariamentarischm Mißerfolge Hr. Richter noch weiter Lust empfinden wird, die Höhe der Fleischpreise und das Verbot der Schweineeinfubr als dankbares Agitationßmittel, zu verwertben. könnte man fast bezweifeln; denn die Abstimmung bat festgesteüt, daß, vom Freisimx und feinen Anbängfeln abgesehen, der gesammte Reichsrag dre. Maßnahmen der Regie- rungen für die Erhaltung unseres Viébbestandes guibeißt und ihre "Notbwendigkeit anerkennt. Ihre Angriffe müßten fich jetzt nicht mehr allcin egen die Regierung, sondern gegen den ge- sammten Reichstag, ni ! bloß die Kartellmebrbeit desselben, richten, und es gehört doch eine etwas kühne Stirn dazu. behaupten zu wollen, daß die große Mehrheit der deutschen Volkövcrtreter kein Herz für die Leiden des Volks, keinen Sinn und kein Verständniß für die Sorgen des kleinen Mannes und des Arbeiters hat, daß “fie nur die Sonderkutcrenen einiger bevorzugter Stände vertritt und es dem Freifinn allein überläßt, ficb des kleinen Mannes, der Notbleidenden und Bedrückten anzunehmen. Wir meinen, das deutsche Volk, das nicht vom Parteibaß u_nd Fanatiömus ver- blendet ist, wird von seiner Vertreiuy'g im Deuticben Reichstage eine bessere Meinung haben, und nicht aus die achten, die nur um ihrer Parteizwecke willen Unzufriedenheit und Mißmutl) säen, unbekümmert darum, was aus solch böser Saat aufgeht.“

Die ablehnende Haltung des BundeSraths in Sachen der Arbeiterschußanträge_ wird von der Münchener „All gemeinen Zeitung“ wie folgt vertheidigt:

„In den lr ten Jahren haben die Regierungen und besonders der Staatssekretär r. von BoettiÖer Beweise genug dafür geliefert, daß fie von dem ehrlichen Bestreben geleitet find, das Loos der Arbeiter auf geseymäßigem Wege zu heben. So sind denn auch die

' erkennt alle die*kuntek"der* Vereins“

um diese 911 am zbniffe leugnen wollen. Wenn sie mm in der Fräse des 'terschußes Widerspruch gegen weitere Reformen erhebt. so scheint es, daß fie fich ibrer Verantwortlicbkeit für die wirtbscbaftlicben Folgxn die er Neuerungen in höherem Maße bewußt ist, als die Mehrheit des Reichstages. Durch die Alters» Unfall- und Krankenversicberungs-Gesehe, deren sich der deutsche Arbeiter jetzt erfreuen kann, hat die deutsche Industrie gegenüber der ausländischen Konkurrenz eine ganz beträchtliche Mehrbelastung erfahren Ob sie auch eine weitere Belastung, die ja die erste Folge der Arb'eitericbußgeseye wäre, zu ertragen vermöcbte, ohne von der ausländischen Konkurrenz, die von solchen Lasten frei ist, empfindlich getroffen zu werden, ist eine Frage, die sowohl im Intereffe der Zukunft der deutschm Industrie wie im Interesse der'Arbeiter selbst wobl erwogen zu werden verdient. Die „großen Industriellen haben allerdings wiederholt ibre Bereitwüligkeit außgesprocben und betbätigt, den Wünschen der Arbeiter auch auf diesem Wege entgegenzukommen. Aber die kleine Industrie, und auf diese kommt es an, würde jetzt durch neue Arbeiterscbutzgeseße geschädigt werden. Schon bei den “Vorarbeijen für die. Arbeiter-Verficherungßgeseß- gebung hat sich berauögestellt. daß zuüacbst die kleinen Industriellen durch diese Geseße zu Opfern herangezogen werden. Wenn man fich vergegem'Värtigt, daß jeder Betrieb, bei welchem eine Dampfmaschine angewendet wird, oder bei welchem die Arbeitcrzaöl mehr als zehn belrägt, von dem Geseß als Fabrik- betrieb angesehen “wird, so m_uß man einräumen, daß der Standpunkt der Regierung, die dem kleinen Industriellen bis auf Weiteres nicht noch neue Opfer zumutben will. eWas für sich“" hat. Es ist*gewiß eine schöne und dankbare Aufgabe, im Reichstage große Reden zu halten und Forderungen zu Gunsten der Arbeiter aufzustellen. Aber es giebt auch andere nicht minder wichtige, der Schonung bedürftige Intereffen, und je Weniger diese im Reichstage vertreten Werden, um so bcgreiilickxer ist es, daß die Régierung sich ihrer annimmt.“

Usher das Ergebmß der _B erliner Stadtverordneten- wahlen, welches dxn Sozialdemokraten einen Vorsprunger- bracht hat, bemerkt die „National -Zeitung“: .

.Die Deutschfreifinnigen jubeln üker das Ergebniß! Jubeln Angesichts folgender Zahlen: es sind für die Deutsckpfreisinniqen etwa 9400 Stimmen abgegeben worden, für die Sozialdemdkeat'en 7800, für die Kandidaten der ,Bürgerpartei' 4400. Mit anderen Worten: die Deutscbfreifinnigen befanden sich in einer Minderheit von 9400 (regen 12 200 der beiden, gegnerischen Parteien. Ihre Presse versichert, Lie Bedeutung der Abstimmung lie e darin, daß man schon jeyt er- kenne, wie schlechte Aussichten die , “artell-Parteien' in Berlinfur'die nächste Reichstagsxrabl haben. Als ob es in B e r l i n darauf ankäme !_ Die Sozialdemokraten, Welche nicht, wie dieDeutscbfreifinni en, mit Phrasen und mit der Vertuschung der Wahrheit zu arbeiten rauchen, haben bet der Feststellung „ihres Erfolges die Bedeutung des Ergebnisses für die nächsten Reichstagswahlen sehr einfach mit den Worten be- zeichnet: „wir werden von den sech Berliner Reichstags- Mandaten zu den beiden, die wir schon besitzen, noch zWei andere binzugewinnen.“

. DietAngriffe auf die Berliner Stadtderwaltung find von uns immer emerseitl wegen ihrer sachlichen Grundlofigkeit, dann aber aucb wegen der offenbaren Gefahr zurückgewiesen worden., daß disse Agitation am leßten Ende die der Sozialdemokratie zu Nuße kommenden Stimmungen verbreiten und vertiefen mußte. Wie sehr nnr also auch bedauern, daß die Dinge sich in der That [0 entwickelt h:;ben, so kann uns dies doch nicbt abhalten, die dr'uticbfreifinmge Vertuschung der Sachlage zurückzu- weisen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß in weniger als einem Jahr- zebnt die Stadtverordneten der dritten Abtheilung durchweg sozial- demokratisch find. Und Angesichts der obigen Zahlen ist es

entivickelmtg MMMZZd Niemand wird die Verdienste der Regierung

unbestreitbar, daß die Deutscbfrnfinnigene- die in der dri1ten Abtheilung bereits eine Minderheit find, die Möglich- keit dcr Aufrechterbaltung ihrer Stellung in* der“ Stadt-

verordneten-Versammlung lediglich dem .erbärmlichsten aller Wahl- geseße', dem Klaffen-Wablsvstem, verdanken. Bei gleichem Wahl- recht - das wir für Kommunalwahlen veWerfen, das sie aber wiederholt für dieselben befürwortet kaben - wären fie trotz des Census und troy der öffentlichen Abstimmung nur eine Minorität in der Stadtverordneten-Versammlung.“

Unter der Ueberschrift „Deutsxhland bei den Deuts en „im Auslande? bringt die „Wiesbadener Prei s e die Auslaffung eines im Auslande wohnenden Deutschen, der wrr Folgendes entnehmen:

„Als in der Sisung des,Deutschen Rcichstages vom 30. Oktober Hr. von Bennigse'n außerte. die Deutschen im Auslande seien stolz auf tbr Vaterland. rief Hr. Richter dazwischen: „Von außen fiebt fich das hübsch an!" Und als er am folgenden Tage zum Worte kam, warf er die Frage aus: „Warum sollen die im Auslande lebenden Deutschen dafür besonders kompetent sein? Sie tragen zu den Lasten nicht bei, fie leiden nicht unter den beschränkenden Maßnahmen der inneren Politik. Sie haben nur den Eindruck, daß das Ansehen Deutscßlands im Auslande geskiegsn ist ' Darauf erlaubt fich ein im Auslande wobnender Deutscher einige Worte zu erwidern.' .....

chn Hr. Rich2er fragt, warum gerade wir in diesen Fragen hesonders kompetent fein solltxn, so diene ihm zur Antwort: Weil in der Fremde das Vaterlandßgefübl (Wenn es überhaupt noch vorhanden ist!) _1eb-hafter und kraftiger wird, nicht etwa, wie er von seinem idealisiiscberz Standpunkte aus urtbeilt, durch den günstigen Umstand, daß ,wir yicht nöxbig „haben, unserer Steuerpflicht in Deutschland yacßzukommerx (die meisten yon uns entrichten böbere Steuern in ihren_Wobn118m), sondern in Folge der täglichen Gelegenheit, zu vergleichen, vor efaßten Meinungen, nationalen Abneigungen und falschen Vorste ungen bericbtigend entgegenzutretcn. Wir erkennen, daß Uebelstände, die uns zu Hause unerträglich vorkamen, und die wir für Eigentbümlichkeiten des Vaterlandes hielten, überall, oft viel drücken- der. vorbänden sind, und daß andere_ Völker so manchen Vorzug. den wir als selhstversiändlicb genossen, 1chmerzlich entbehren. Wir beeh- achten das politische Leben und Treiben in anderen Ländern obne die Brille einer Partei, ohne von eigenem oder fremdem politifchen Eb]:- geiz geleitet ;_u werden. 'Und das Ergebniß der Beobachtungen iit- daß der Deuticbe heute nicht mehr genötbigt ist, fich zu wünschen.was die Anderen haben. Denn wir statten auch gern der alten Heimat!; Besuche ab, frischen die Eindrücke auf und sehen, wie sich dort Alles gestaltet hat. Nicht Alles, wie man es wünschen möchte, aber so gut und beffer als anderWo.

Die Herren, die nicht bitter und hart genug über ihr Land urtbeélen, önnen, tbaten Wohl, auch öfter zu reisen. nicht bloß in ihre Wahlkreise, um mit Geßnnungßgmoffen Ansichten auSzutausch, wobei kein Theil gewinnen oder verlieren kann, weil jeder zurück- empfängt, Was er'giebt; auch nicht bloß zu Versammlungen von Ge- sinnungégenoffen tm Auslande, wie Hr. Bebel. Vielleicht würden Ziel? in den verschiedenen Spiegeln sich „selbst so sehen, wie sie uns er-

emen.“ '

Entstheibnuaeu des Reichsgerichts.

- Der bloße tbatsäcblicheVestand eines Jagdpacbtverbält- nis ses, dem es an einer rechtßgültig'en Grundlage fehlt, macht nach einem Urtbeil des Retchögerichts, 17. Strafsenats, vom 18. Juni 1889 den sog, Pachter nicht zum Jagdberecbtigten im Sinne des 5. 117 des Strafgeseßbuckoes (betreffend den Widerstand gegen einrn Jagdberechtigten in der recbkmäßigen Ausübung seines Rechtß). Die Pacbtung demnach einer Jagd in einem Genieindebezirk auf Grund eines lediglich mit dem Gemeindevorsteber abgeschlossenen Jagdpachtvertrages macht in den sechs östlichen preußischen Provinz?" den Pächter nicht JWUM'IagdberWtigten; weder er, noch sem Jagdaufseber haben einen Anspruch auf den Schuß des §. 117 des

ist beschlossen worden, deSglei en die Auflösung der Abgeordneten-

Arbeiterverhältniffe in einer langsamen , aber stetigen Fort-

Strafgesetzbuch“.

.. Das Anbieten von Gescheqken an einen Beamten, u! Um zur pfiichnßidrigen Uriterlaffnn eme: Dienstbandlung zu be- stimmen- ift nach emem Uribeil des eichßgerichts. 1. Strafsenats, vom 14, März 1889 als Bestechung zu bestrafen, selbst wenn der 23th bereits vor dem Anbieten der Geschenke die betr. Diensthund- luna pflicbjmäßig „vor “enommen hatte und somit die vom Tbäter erstrebte Unterlassung r Dimftbandlung nicht mehr möglich ist.

.. Z| ein einer_ Reich-Stempelabaabe unterliegendes Anstbaf ungSgeschaft don ziyet Maklern vermittelt, so muß, nacb einem Uriberle des Yetchögmcbts, 11. Strafsenats, vom 14. Juni 1889, jede Hälste der daruber außgeftellten Schlußxi ote die Namen beider Makler enthalten, Ist auf der einen Hälfte der Name des einen Maklers und'cruf der anderen _der Name_des anderm Maklers

enannt, so ist dieie Herstellung, eme formtpidrige und mit einer Brdnungsstkaf? aus §. 3 des Reichs-Strafgeieybucbs zu ahnden.

„_ Der Inbab_er einrs öffentlichen Versammlungs- ortes, welcher quckssytele daselbst gestattet, kann fich nach einem Urtbeil de,s Reichögerzchts, 1)“. Straiienats, vom 28. Mai 1889, dadurch nicht 'von seiner Bettrafung aus §. 285 Str..G_.B„ befreien, daß er der trrtbümlickxen Meinung gewesen, daß der Wert!; der EinsäßeJsowie des Gewinns und des Verlustes zu gering war, um überhaupt einen Vermögenswert!) zu repräsentirm.

"" Die bayeriickzen Fleischbeschau“ genießen nach einem UkkbÜl dks ReiÖngrtcbts, ] erafienats, vom 25. April 1889, gleich den sonstigen bavktlicben Gemeindebeamten, den öffentlickun Glauben von Beamten erst nach tbr_er Verpflichtung von der „„We, seßten Distriktsveriyaltungsbcbdrde, mich wenn fie bereits längere Zeit vorher ibre amtlicher) Funktionen ubernommen haben, Die von ihnen vor ibr"BLWMMMg vorILUMZMMM falschen Beurkundungen rechtlich erheblicher Tbajsachen find nicbt als Vergehen bezw. Ver- brechen im Amte (§§. 348, 349 Str.*G.-B.) zu bestrafen.

Bescheide uud Beschlüffe des Reichs-Verfieherungsamts.

(770) Auf Anirgg der (Eiseri- urid Stabl-Veruikgenoffenschafi, bei Welcher ein Dampfdreickmasckoinenbejrieb katastrirt war, erkannte der Vorstand der lanktvtrtbschaftlicben Berufsgenoffenscbaft gegenüber der industrieüen Verqugendffenscbaft diesen Betrieb als einen land- wirtbscbaftlichen Mr_beribetrteb an, ngcbdem dic beireffende Polizei- verwaltung auf bezuthche Anfrage die Auskunft ertheilt battr, daß die Maschine hauptsachlich in dem eigenen landwirtbsckdaitlicben Be- triebe des Befißers gebrau'cht und nur axlegentlécb an Nachbarn ver- lieben, aus dieser Verleihung aber em Gewerbe nicht gemacht werde Nachdenr später in dem Betriebe ein_UniaU vor ekommen War, steüte Uk [andWirkbsÖUleicbe BeruDger-offenf aft ge- nauere Ermittelupgen Wer die Art des Betriebes an, welche, in Axw'etcbung von der erwähnten früheren Aus- kunft der Poluewerivaltung, ergaben, daß die Maschine in den beiden der Anerkennung „Vorhergegangenen Jahren mindestens eben- soviel in fremden lqndrr-irtbscbastliäyen Betrieben wie in dem eigenen Betriebe des Maschmenbesißers gegen Entgelt verwendet worden war. Die landwirthscbaftiicbe Berungenoffenscbaft verlangte nunmebr von der Eiien- und Staklbxrufsszenossenscbaft die Rückübernabme des Maschinenbetriebs und die Uebernahme der aus dem Unfalle errvacb- senen EnjschädigungSansprüäYe; [;etkes lehnte die Eisen- und Stahl- berufSJcnoffensckxaft jedccb, unt Ruckficht auf die cxusdrückliche Anerken- nung der landwirtbschaft11chm Berufskienofftnscbaft ab." Das Reich- Verficherungsamt bqt auf Anrufen u_nter dem 31. Oktober 1889 gegen die landwirtbscbaftlicbe BerufdenonensÖast entscdieden. Jener Arx- erkenr-ung muß eine ähnliche bindende Kraft beigemessen werden wie der Eintragung eines Betriebxs in das Kataster einer industriellen Berungenoffenschaft. (Bes eid 138 und Entscheidung 451 „Amt- liche Nachrichten des N-V. .“ 1886 Seite 55 und 1888 Seite 69.) Da die Anerkennung me"!)t durcb Arglist herbeigeführt ist - was eme Außnabme begründen wurde _, so hat die landwirtbschaftlicbe Berufs- genoffenschaft jedenfalls zu den an's dem Unfcxlle _erwachsenen Ent- schädigungsa-niprüchen durcb Ertbetlung einxs iörmlicben Bescheides Steüung zu nehmen, wenn aueh zuzugeben ist, daß die Anerkennung den - später ermütesten - thatsäcblicbegi Verhältnissen nick): ent- sprich1,auch nicht etwa durch ein Vernhen des Genossenschafts: vorstandes verschuldet ist. Für die Vergangenheit kann ferner die Rückübernahme des. Betriebes jedenfalls nicht gefordert werden, da gerade in einem Falle der vorliegenden Art„ 111 welchem die bklUfSJMOssenscbc-ftlicbe Zugehörigkcix eines Betriehes von der Beuribeilung einer Qizantitäisstage abhängig ist, eixter gut- lichen Vereinbarung der betbeiitgten Bermvgenoffenichastm Uher jene Zubehörigkeit beso'nders Raum geboten ist, wie dies auch in dem

undscbreiben des Reichs-ersicherun32amts (vom 10. Januar 1889 ,AmtliÖeNacbricbten des Reichs-VersicberungSamts“ v,on 1889 Seite 89), außdrücklich hervorgehoben wurdc. Sofern aber eme sqlche Vernu- barur-g zu Stande gekommen ist, muß es (urch dabei bewenden. Wegen der zukünftigen Gestaltung des Verhältnisses bleibt z'unacvst eine dauernde Gestaltung des Betriebes abzgwdrten (Bescheid 441, „Amtliche Nachrichten des R.-V.-A.' 1887 Sem: 377.)

Statistik und Volkswirthsthast.

Zu den Wirkungen des Krankenkasse'ngeseßes.

Die Bedeutung der Entwickelung und der, Leistungen der auf Grund des Gesetzes vom 15. Juni 1883, errichteten, Krarxenkaffen für die Gestaltung eines Theils der materieilen Dasnnsbedingungen des gesammten Arbeiterstandes bat den _Svpdrkus der Handelßkammer in Minden, Nagäczy, veranlaßt, sense ni dem Jahresberichte der dortigen Handelskammer pro 1888 veröffentlichte fehr beachtenétpertbe Abhandlung über die Wirkungen des Krankenkaffengefe xs mit be- sonderer Berücksichtigung der Krcznkenkaffen der Stadt linden durch einen Sonderabdruck weiteren Kreisen zugängltck; zu macben. _

Nach den Ausführungen des Verfaffxrs, welcbe durch die Ver- gleichung mit den früheren Zuständen die Vorzüge de_s Gesc ex in seiner praktischen Aquübrung, Wenn auch nur in' einem (xinen Rahmen, deujlicb erkennen lassen, ergiebt fick) aus einer Geoenuber- stellung der'enigen alten Mindener Krankenkassen. welche die Grund- lage der kebrzabl der beuligex Onsxrankenkaffcn bilden, mit den [esterem daß in dem elfjährigen Zeitraum von 1876-1887 vim Ganzen die Mitgliederzahl von 663 auf 1348, oder um rund 100 /o, die Beiträge von 5644 auf 13 176 ,“ oder um 150 0/9, die (Sesamst- [kiskungen von 7056 auf 13 088 .“ oder um 85 '/0, die Verwoaltungs- kosten von 404 auf 1242 .“ oder urn 200 /0 ge- stiegen sind. Nach dieser Aufstellung wurde nun eine VekgltiÖung der alten Kassen mit _den neuzn zu Ungunsten drr [chicken bezw. der je igen Kaffenmitglreder ausiallen, wetzn die Bei- trage um 150 9/9, die Kaffenleistungen aber nur um 85 /o gestiegen wären. Um diese beiden aktoren aber vergl-icbbar zu machen, smd die Beiträge der Arbeitne mer obne deri Zuschuß der Arbeitgeher iu ermitteln. Im Jahre 1876 betrugen die „Beiträge der Arbeitgeber 1324 .“, während das im Jahre 1887 mit 4392 .“, der Fail war. Bringt man diese Summe in Abzug. so haben sich die Brttrage dex Kaffenmitgliedcr in dem Zeitraum vpn 1876-1887 von 4320 .“ aus 8784 .“ oder, gerade wie die Mitgliederzahl um 100 0/0 gehoben.

Wenn die Kaffenleistungen nur um 85 9/o gestiegen find, so muß berücksichtigt werden, daß einestbeils die „Verwaltung der Kassen namentlich in Folge der größern Beweglichkxit der A'rbnterbevölkerung theater geworden ist, anderntbeils aber die Entwwkeiung der'medi- zinischen Wissenschaft, sowie die Errichtung einer „Klinik und dre_Z_u- nabme der Aerzte in Minden eine besere bezw. „eme schriellere Hulk?- leistung in Krankheitsfällen ermöglichen, sowie endlich, daß die

Außer den großen, allgemeinen Zwecken bak das Grieß vom 15. Juni 1883 im Einzelnen Ordmxna und Svßem in die Kranken- unterstützung gebracht und insbesondere vor escb_rteben, daß die Höhe des Krankengeldes in einem bestimmtxn „erbqltniß zu dem durch- scbnittlicben Tagelolm stehen soll; weiterhin ist. die kostenlose Ge- währun von ärztlicher Behandlung und namenthcb von Heilmitteln, welcbe rüber in vielen Fällen den größten Tlxeil des Krankengeldes in Anspruch nahmen, - einzelne Kassen gewahrten alierdings schon damals freie är liebe Behandlung und andere kleine Vergünstigungen - zum rimip er oben. ,

m Uebrigen ist die Zabl der Kranxenkaffen in Folge der durch das Geseß vom 15. Juni 1883 berbergefubrten Reform erbebjicb ver- mindert, ibre Leistungsfähigkeit erhöht, und, es sind namentlich ibre Organisation und ihre Leistungen einem gemeinsamen, großen Gesichts- punkte untergeordnet. ' ,

Der §. 1 des Gesetzes bat den Kreis der Verfiwerungsvfiicbtigen wesentlich erweitert, um die Wobltbateri einer eregeltm Kranken- unterstützung einem möglichst großen Theil der ankurbeitenken Be- völkerung zu gute kommen zu,]affen. Wahrend 5, Bin Minden vorher nur Kassen für die wichtigeren Haridrvkrksarten bestanden, find in Folge des neuen (Geseyes alle gewerblxckoen Arbeiter in den Kreis der Versickxerungspfticbt hineingezogen „und 1:81 genießen alle in iraend einem Gewerbebetrieb und in irgend einer Weise beschäftigten ständigen Arbeiter die Wobljbaten des Geseßes. ' , ' Die früheren Kassen hatten ferner weder die werblichen, noch die jugendlichen Arbeiter in die Versicherzxng,einge1chloffen, der Kreis der versicherten Personen ist also auch in dlesxr Hinficdt in einer bedeu- tungSvoUen Weise erweitert worden, und die Arbeiterfaxniliemwerden nun im Falle der Erkrankung eines ihrer Mitglieder in wirkiamerer Weise unterstüßt, als es die frühererr KaiFet] zu thun vermochten Von den sich größtentbeils auf die geaußxrten Wünscke einer Reihe von Arbeitgebern und Arbeitnebmern deYMmdener Bezirks stützenden Anträgen, welche Nägöczy am Schlusse seiner Abbandlurig stelit, wollen wir nur des letzten Erwähnungtbum rvelciyerlazitet: „Ein“.- Ausdehnung der Krankenkaffen=Unterstüßung aufkleme, 1elbstqndige, aber rbne GeseUen und Lehrlinge arbeitende gewerbliche Perwnen, rn-Zbefozidere Handwerker, deren Betrieb über den eines gegen Tagelobn beschaftigtsn Arbeiters nicbt binaußgebt, ist wünschenswertb'; denn hei dieser Art von mmii verbeiratbeten Arbeitern, welche, _statr von euren] gewerblichen, von vielen privaten Arbeitgebern abhängig, eine nur minimale (Hewerkesteuer entrichken und nur ganz von dem Zufall des kommenden Tagckck ak:- bängen, erscheine die Notb in Zeiten der Erk:an_k_uria in oft Wreck- licherer Gestalt, als bei dem regelmaßig beschaftigten gkwcrblicven, direkt abhängigen Arbeiter.

Zur wirthscbaftlieben Lage.

Von einer Hebung des Wohlstandes bat fick) in landwirtb- schaftlichen Kreisen und im Stande „des kieinen Handwxrks innerhalb des Regierungsbezirks Stettin, i_vie von "dort_ bcrtchtxt wird. noch nicht viel bemerken laffen, dxch laßt fich fur die Zuxunit eine geringe Besserung erhoffen, da'dte Preise fur die landwrrth- schaftlichen Erzeugnisse ein wenig aesttegen_find; Mebr Leben und damit aucb Verdienst zeigt. sicb auf gerverb- lichem Gebiete bei der Rbederei urid Schixsabrt treideyden Bevölkerung in Folge des Steigens der Frachten fur großsre Schiffs- gefäße und Käbnr. Die Arbeiter finden fast durchweg k21chlicke urid gut bezahlte Arbeit. Der SchiifabrtSVerkxhr, nament'licb in den Häfsn von Swinemünde und Stettizi, War ein' sehr reger und lebhafter, wenngleich die Anzahl der tm'Vorjabrx in der- selben Zeit eingelaufcnen Schiffe um „ein Wemgcs großer war. Weizen, Roggen und auch Gerste wurden in diesem Jahre “gan; be- deutend mebr, Hafer, Erbsen, Oelfrücbte, Kleesame'n und Kartoffeln in bedeutend geringerem Maße eingeführt, die Mebremfubr an Roggen allein belief fick) auf nahezu 90000 111. Die Ausfuhr vori Mehl ist in Folge der schwedischen uxd französischen Schußzöile zuruckgegangxn. Das Geschäft nxit Spiritus War ziemlich stil], aucb find die Preise wieder etwas gesaÜen. . ' Außer den Schiffswerftcn find auch sammtltcbe ar_1derm_ Ersqen- gießereien und Maschinenfabriken mit Auftragen yberhauft, sodaß die Ausführung der Bestellungen besonders lange Zeit in An- iprucb nehmen wird. , . ' , ' . Eine ganz hervorragende Tbattgkett entwrckexte die Maschmrn- und SÖiffsbaufabrik . Vulcan“, welcher die Herstellung emer_Retbe großer Kriegs- und Handelsschiffe im Gefamthertb von annahernd 40 Millionen Mark in Auftrag gxgeben ist. Die genannte Fabrik beschäftigt zur Zeit etwa 5000 Arbeiter. ' , _ _ Auch der sonstige Stand des Gewerbebetriebes rst als em gunstiger zu bezeichnen, zumal da keine ArbeitSeinsteUungcn von Bedeutung vorgekommen sind.

Zur Lage der Arbeiter,

Klagen über die Lage der Arbeiter im HannoVers chen smd in leßter Zeit, wie von dort berichtet wird, nicht brkannt gewordxn. Insbesondere rvar die materielle Lage der Bergarbeiter, namentlich bei der den fiskalischen Werken am Deister angebörtgxn Yelegfchait, deren Verhältnisse sich bei einem regen Betriebe :yesentlich giinstig,“ ge- staltet haben, eine befriedigende. Für die Arbeiter der .Kortmg scheln Eisengießerei in Linden Werden augenbltcklrck; nabe bet, der Fabrik in den Gemarkungen Bornum und Bavenstedt Se'itens der Fabrikbesißer Wohnungen errichtet. Die mechanische Weberei in Linden bebt sich immer mehr. Bestellungen liegen re1chltch vor, so daß die Arbeiterzabl itxi leyten Quartal um 163 vermehrt und dadurch auf 1510 gestiegen ist.

Zur Arbeiterbewegung.

In der Heve'scben Glasiabrik zu. Nienburg, welcbe ungxfäbr 450 Personen beschäftigt, war vor einigen Wochen unter den Arbeitern eine auf Bildung eines Faäwereins gerich_tete, auf „sozialdemokratiscbe Umtriebe zurückzuführende Bewegunxz entstanden, die gber Dgnk dem energischen Einschreiten der Fabriklertung und des Magistrats m Nien- burg im Keime erstickt wurde und nur während einiger Tage eine Betriebseinfcbränkung nach sich zog. Nachdem 30 der Haupt- rädelsfübrer entlassen find, die Mehrzahl der tm 52l11gememen außerst besonnenen Arbeiter aber fich den von dem Fabrikbefiyer gestellten Bedingungen vorbehaltlos unterworfen'bat, darf gehofft werden, daß das bisherige Vertrauensverbältntß zwischen dem Arbeitgeber und den in jeder Weise aut estellten Arbeitern ficb wieder befestigt. '

Ueber die Str ke-Bervegung in London meldet die „Allg. Cork,“: Am Sonnabend stellten in den Londoner Docks auf Anordnung des Hauvt-Strike-Ausfcbuffes mehrere hundert Licbterleute die Arbeit ein, und zwar auf „Grund einer" angeblichen Verleßuna der sich auf Lord Braffev's Schiedsspruch stayenden Akz- macbun Seitens der Arbeitgeber. Leßtere weigern sich namlich, die Reisekthen der Arbeiter von und nach den verscbtxdenxn „Jobs: außer- halb des festgesetzten Umkreises, sowie den Lohn fur dre Zettversaumniß, welcbe zuweilen 2 bis 3Stunden beträgt, zu dewilltgen.

Der Rbederverein London _Direct „Short Sea Trades Association hielt am _18. d. eme zahlreich besuchte Ver- sammlung ab und faßte einstimmig xinen Beschluß, dabm laute_nd: daß fich den Eigentbümern von Schiffen, welcbe nacb'nabey fen fahren. in Fol e der bedeutend vermehrten Kosten ernstlich die tage aufdränge, ob 1? nicht ihre Fabrtxn einstellen sollsen. Zugleich beschloß man, ein Manifest an die Arbeiter zu veröffxntlicben, in welchem den Leyteren klar zu mch“) gesucht wird, da m_ Folge ibrer maßlosen Forderungen der Schifvaerkebr sr taglich mehr von London abwendet. ,

Die Verwaltung der General Omnibus Company hat es abgelehnt, mit der London Road Car Company beztiglich einer Einschränkung der Arbeitsstunden der Omnibus- kutscber und Kondukteure brider Gesellschaften in Unterbandlungen zu

Comöänö zu veranlassen, ebenfalls zu" Gunsten eines zwölfsti'mdigen Arbeitsjages Zu agitiren. , ' '

Den Backergesellen-Strtke kann man tbatsacblicb schon als beendiat ansehen. Mit einer einzigen Yuönabme haben alle be- deutendercn Meister nachgegeben, und die kleinen Bäcker folgen schnell

ibrem Beispiel. Am Montag erklärte wieder eine ganze Anqul sich mit den orderungen des Gewerkvereins einverstanden, sodaß die Zahl der Striker im Laufe des Tages erbeblicb gbnabm. Nur m Wbitechapel und Süd-London bestebtnocb Widerstand. Denyocb darf man hoffen, daß das Ende der Woche zugleick) dgs Ende dieses Ausüandes sein wird, welcher Anfangs unheimliche Dimensionen an- zunehmen drobte. ' .

Die Hoffnung, daß der Strike der Koblen'arbetter "rn dxn Devartements du _Nord und Pas_-de-Calars demnachst em Ende nehmen werde. ist nicbt in CriuUung gegangen.. Wie dem „Journal des Débats“ aus Liüe gemeldet wird, ist tn einer am 18. d. M. in Dorianies abaebaltenen Arbeiterversammlung beschloffen worden, den Strike weiter fortzusetzen.

Sozialistische Staatslieferungen. Wie dem .Hamb. Correiy.“ aus Brüssel geschrirben wird, haben sich die Sozialisten eines Erfolges zu rühmen. Bei der Verg'ehuzig der Brotlieierung für das staatliche Lebrer-Seminar und“ das,M't_lrt_ar- Lazaretb in der Stadt Gent für das nächste Jahr war dtesonalritticbe kooperative Bäckerei der sozialistischen Arbeitervereiniqung der Mindest- Yridternde und erhielt den staatlichen Zuschlag für beide Staats- n itute.

Theater und Musik.

Berliner Theater.

Hebbel's „Nibelungen", dir im Frühling dieses Jahres mit un- gewöhnlich starkem Erfolge am Berliner Thraker zum ersten Male in Sccne gingen, kommexi am Sonnabend, den 23. d. M., daselbst neu cinstudirt zur Aufführung. Die Brunhild wird dieSmal durcb Mgrtba Baumgart, die Kriemhild durch Marianne Bedekowixs dargeitellf, während aUe übrigen Hauptrollen in den Händen der früheren Dar- steller bleiben; io spirit Friedrich Basil den Sießfried ,_ Arthur Kraußnkck den Hagen, Franz Jacobi den König Gunther u. 1. w.

Lessing-Tveater. „_ Die näÖste Novität füiért den Titel .Die Ehre" und 111 von

, Hermann Sudermann verfaßt, der dsn Stoff und die Gestalten

seines Schauspiels aus dem Berliner Leben geschöpft und zum Theil in unserer kcimatßlicben Mundart zurn Arisdruck gebracht hat.

Sing-Akademie. _ _

Der Pianist Hr. Ludwig Hirschberg, dkffen künitlerisäpe Leistungen berei1§ vortbeilbait bekannt sind, gab gestern im (aal der Sing-Akademie ein Concert, in welchem er Von dem Violimstrn Hrn. Andreas Moser und dem Cellisten Hrn. Carl Piening unter- stützt wurde. Die drei auf der Königlichen H5ch1chule aus- gebildeten Künstler vereinigten sich zuerst zum Vortrag des Schubxrt'scben Trios (Z-äar) 0x), 99, das sie _ngit Lobens- wcrtber technischer Sicherbcir und mit richtigem Veritandnißvaus- führten. Der Concertchér krachte noch in den 32 Variationen von Bertboven, sowie in dcr Songte (01). 22). von Schumann Und einigen Stücke:: von Kiel, Mendelswbn, Chopin und Tbalberg dre mehrfach anerkannten Vorzüge seir-es Spiels zur Geltung und _erntete reiche Beifalisbezeugmigen Von Seiten des zahlreich_ersch_t.*nenen Publikums. AUÖ dcr Violinivieler trat noch mit, einigen Komyo- sitionen VON Bruch, Schumann-Rudorff und BrabmS-ancbim bervvr und ließ zarte Torzbcbandlung und innige Y_usvruckZiveiie er- kennen. Lebbafrer Beifall folgte jedem seiner Vortrage.

Conxertbaus. ' ,

Kapellmeister Meyder Nraniialtet morgen xmen LiSZ't- Wag n er- Akbend. Das Programm diesks Abends enthalt von Lt.?zt: die [vai- Yoniscben Dichiungen Keitklänge“ und „Mazeyva', Rhapwdie

r. 1. und den Rakocjy- arsch; yon Wagner: Eine Faaxr-Ouvxr- türe, „Einzug der Götter in Walhall“ a. d. Mufikdramq „Rhein- gold', „Walters Preislied“, „Träume“, Vorspiel zu „Tristan und Isolde" und .Jsoldens Liebeswd' u. s. w.:

Für Selifchte, cine arme deutscb-evangkliscbc Gemeinde in den Wäldern Slawoniens, wird ain Mittwoch, den 27. d. M., 75115: Abends,im Saale des S t a d txmiii io n I h a u1e§(§N.Jobanxii§tt1ch6) von einem Damencomité (Gräfin Andreas Bernstorff- Freiin Julie von Buddenbrock, Freifrau vori Cramm-Burgdcrf, Generalm von Döring, Frau Superintendent Krückeberg, Gräfin Schiwvenbach, geb. Gräfin Sermage, Frl. A. und E. von Stmhberg und Frau Ober- viarrer Von CöÜn-BrücZ ein Concert veranitaltet, in welxbem die Hrrn. Oberpfarrer von öUn-Brück und Superintenderit Kruckeberg- Berlin Ansprachen halten wollen_ und die Conßertsängerm Frl. Emilie von Cölln, der Oratoriensänaer Pr. Tb.Haupt1teitZ und der Königliche Concertmeister Hr. Fabian Rebirld den musikalischen Theil Zuiigft übernommen haben. - Seliichte ist eine vor vier Zayretx gxgrundeie Filiale von Effegg, in welcher die 120 armen Koloniiieniamrlicn mit bewundernSwürdiger Enxrgie und Opferfrcudigkeit unter darikens- werther Unterijüßung des Grundherrn, eines edlen katholischen Grafen, es im Laufe dicses Sommers möglich gemacht haben, den Bau eines Bet» Schul- und Pcedigerbauses zu volienden. Nun find aber die Mittel völlig ersckoövit und durch den Extra,; dieses Abends soll die dringend erbetene Hülfe gsfchafft werden. Die Ein- trittokarten zu 1,50 .“ für reservirte Pläße, sonst für den _unteren Saal zu 1 .“, für die Emporen zu 50 „3 find zu haben in dern Centralbureau der Stadtmission (Jobannißtiscb 6), in den Buchhand- lungen: Blücherstraße 11, Mohrenstraße 27, Oranienstraße1064 Agier- straße 142, Behrenstraße 29, Tburmstraße 14, in den Maxikalzem handlungen des Hrn. Glas, Potsdaxieritraße 265 und Französiicbe- straße 38, sowie Ahends an der Kane.

Mannigfaltiges.

Zur Feier des Geburtstages Ihrer Majestät d_er Kaiserin und Köni in Friedrich. hatten hxute dre König- lichen und Prinzlichen Zalais, forms die öffentlichen und zahl- reiche Privatgebäude ge aggt.

' In Gegenwart Ihrer Majestät dsr Kgisgrin iit gesiern Abend das neuerbaute Vereinshaus des . Christlichen Vereins junger Männer“ feier1icb geweiht tyorden Eine zahlreiche glänzende Versamtnlung wohnte der Feier be_1, welcbe Gesang und.ein Eingangsgebet des Pastor Kaak einleiteten. Hierzrif nahm der Vereins- Präses, der Königliche Oberförster. von Rojbkirch, das„Wort, ,um zunächst der“ Kaiserin für ihr Erscheinen zu danken und_die von einer heiligen Liebe zum Volke getragenen Zwecke und BeitrebynZen drs Vereins in kurzen Zügen darzulegen. Die Zahl der Mitglieder, dze fich bisher in den Jahren des Bestehens . dem Verein angeschlossen, beträgt 3893. Der Verein rekrutirte fich aus 28 verschiedenen Berufsständen , 1600 sind Handwerker, 800 Kaufleute, 450 Studenten. 4 bis 500 Mitglieder nahmen i_bätigen Antbeil an der Vereinömission, 34 widmejen sicb berumeäJig der Mission. 800 Freunde und (Gönner stehen dem Verein helfend zur Seite. Mit Worten des Dankes für Alle. die an dem Bau des Hauses mitgewirkt, schloß der Redner. HieraufsprachGenergl-Suvnintendent1). Brückner das Weibegebet und den Segen, worauf die Kaiserin mit den Ehren- ästen einen Rundgang durch das Gebäude unternahm. In der Turn- aUe, die zunäÖst betreten wurde, führte eine Musterrieqe einen Reigen auf, worauf die Nationalhymne gesungen Wurde Im Schleswig- Holstein-Zimmer crfolgte die Vorstellung des Vorstandes und der

Wobnun Sberbältni e eit der Enlfestigung der Stadt Fick) für einen «stoßen Ébeil des Kbeiterstandes gebeffert haben.

treten. Unter diesen Umständen wndrn die Angestellten der Loridon Road Car Company versuchen, die Bediensteten der General Omnibus

beiden Baumeister. In diesern Zimmer gcrubte Jbre Majestät aucb

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