Kaiserliche Hoheit die Herzogin von Edinburg 'sind heute nach England abgereist,
Anhalt. Dessau, 27. November. Das Herzogliche Hofmarschall- Amt veröffentlicht im „Anh. St.-21.“ das Programm, betreffend die eierlichkeiten bei der Anwesenheit Ihrer Majestäten des aisers und der Kaiserin am Herzoglich Anhaltischen Hofe. Ihre Majestäten treffen danach am 4. De ember, Nachmittags 2 Uhr, mittels Sonder- zugs auf dem hieZigen Bahnhofs ein und werden dort von Ihren Hoheiten dim Herzog und der Herzogin „sowie den Mitgliedern der Herzoglichen Familie begrüßt. Aus dem Bahnhofs haben sich außerdem versammelt: der Haus: und Staats - Minister von Krosigk, das efolge der Höchsten und Hohen Herrschaften, die zum Ehrendienst bsi Ihren Majsftäten kommandirten Hof: kavalierr, dcr LbevStaUmeister von Berenborft, der Hof- Stallmsister Frsihsrr von Weichs, sowie die Spitzen der Behörden. Gleichzritig steht aus dem Perron des Bahnhofs eine Ebrrnwache mit Fahne und RégimentSMUsik, auf dsren rechtem Flügel die direttenVorgés-Z ten und daS Offi ier-Corps. Nackzdsm dir AÜerl)öchsten und Hö steiiHerrschasten ie Wagen bestiegen haben (rechts vom Wagsn Sr. Majrstät reitet der Ober: StaUmeister von Berenhorst, links der Oberst von Heydwolff, rechth vom Wagen Ihrer Majsstät drr Hof-Stalimeister Frei: herr von Weichs, links der Oberst-Lieuirnant Fiedler), fest sich drr Zug nach dem Residenzschloss in Bewegung. Auf drm Arge vom Bahnhof? bis zum Schlosse nehmen Es- werke und Korporationen Aufstellung. Am Kriegerdenkmal anf dem Kaissrplaße bewiÜkommnet Namens der Studi Ober: Bürgermeistrr 1)r. Funk Se. Majestät den Kaiser und König, Ebrenjrmgfrauen Ihre Majestät die Kaiserin und Königin. Nach dem Eintreffen Ihrer Majrstäten auf dem _Bahnbofe wird mit sämmtlichen Glocken der Stadt 70 lange geläutrt, bis Höchstdiesxlben im Hsrzoglichen Schloffe angrlangt siiid. Jm Hsrzoglirbsn Schlosse werden Ihre Majsstäten vom Hotmar1cha11 _von Berenhorsi und den dazu bsioblencn Hoikavalieren empfangen und unter Vortritt derselbrn iiach Hörbstihren Gemächern grleitét. Nach: mittags 41/9 Uhr findet Gala-Tafel im großen Samir des Hérzoglickxn Schlosses statt. Abends 71/9 Uhr ist Gala- VorftelLung im Herzoglichen Hoftheater. Am 5. Dezember Morgeirs werden Se. Majestät der Kaisér und König und Se. Hoheit der Hrrzog eine Pürschiabrt in da?: Vockerodsr Rovier unternehmen, dann im Nesidrnzschloffe mit der grladrnen Jagd: gesrllschast Lin Frühstück einnehmen und nach demselbsn sich zur Jagd auf Hochwild un:- Sauen nach der Mosigkauer Haide bygeben. Nach Rückkehr von der Jagd findet Familisntafel und Marichalistasrl fiir das Gefolge und dir Zagdgeseüschaft,
Absnds EML Soirée im Palais Sr. Hoheit des Erb: prinzen statt. -l Oesterreickr-Ungarn. Wien, 27. November. (Wien.
Abdpbst.) SL. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Erzherzog Albrech ist am 23. d. M. anf der Rückrrise aus Spanirn mit Gefoige in Innsbruck angekommen und hat sick) Sonntag nach Arco begrben.
Die Landtage vim Görz und Gaiizicn sind gestern
geschlossen worden.
Budapest, 27. Nvembrr. ZW T. B.) In drr heutigen Sißung des nterhau es fanden bei Fort- srßung dsr Budgetdebatte die lärmendrn Sceuen drr Vortage ibre Fortsetzung. Als Minister-Präsident von-Tisza es übernahm, auf die Einwendungen der oppositioneUenRedner zu erwidern, wurde er wiederholt unterbrochen und schließlich vollständig am Sprechen verhindert. Nach Einem befiigen Tumult griffen dir Abgg. Zrany und Ugron den Minister- Vräsidentrn in drn heftigsten Ausdrücksn (in und WUrden mehrfach zur Ordnung gerufen. _ *
Fiume, 26. November. (Wien. Abdpst.) Drr vom Gouvrrneur Grafen Zichy zu Ehren des» deutschen Ge- schwaders vrranftaltete Festabend nahm einen glänzrnden Verlauf. Dan gesammte Offizier-Corps drs _druticben Ge- schwadi-rs, der CorpsKommandant “mit dem hieiigen Offizirr: Corps der Land: und der Seemacht, die Konsuln,_vielefremde Notabilitäten und zahlreiche den höheren (Hefeilichafiskreisén angehörige Damen waren erschienen. Die Quais waren elektrisch belcuchtst. Heute Vormittag besichtigten die deut: schrn Offiziere die Torpedofabrik.
Großbritannien und Irland. London, 27. Novsmber. (A. C.) Mr Marquis von Salisbury hielt gesterrrAbend in Nottingham eine Anrede an eine roße Volks: versammlung. Der Premier verbreitete sic? iiber die dcr Lösung barrenden sozialen Fragen, wobei er drn Vor- schlag der Einführung einss achtstiindigsn Normal: arbeitstages streng mißbilligte. Die Aiiiiabme einrs (Heseßes, wrlches Jemand daran verhindere, 10 Stunden täglich zr: arbeiten, wenn ihm diss bebage, würde ein unvrrzeiblicber Eiirgriff in die persönliche Frri- heit sein. Die vielfach verlangte Besteuerung des Grundeigenthums bezeichnete er als iiberaus gefährlich und schwierig. Die Regierung könne keinen Vorschlag an- nebmrn, drr Konfiskation in sich schließr, denn die konservative Politik stiiße sich auf das Wort „Vertrauen“. Die Wichtigksit dss Vertrauens wiirde veranschaulicht durch die Anstrengungen der Regierung, den Frieden in Europa aufrkcbtzubalten und durch die Lage Irlands. In diesem Lande beabsichtige die Regierimg durch Lreiwiliigen Landankauf ibr fAkußerftes zu thun, um ie Zahl der Bodenpächter zu verviel- ä tigen.
An SteUe des zum Gouverneur von Bombay ernannten Lord Harris ist Earl Brownlow Unter:Staatssekretär im KriegS-Ministerium geworden.
Frankreich. Paris 26. November. 11 dem heutigen Ministerrath machte, em „Journal des Ébats“ zufolge, der Finanz Minister Nouvier die Mittheilung, daß der Abschluß des Jahres 1888 einen Einnahme:Ueberschuß von mehr als vierzig MiÜionen ergeben werde.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 28. November.
(W. T. B.) Der „Regierungs-Anzeiger“ veröffentlicht fol- Yndes Commuuiqué: Zn Foige des Berichtes des ouverneurs von Livland über Handlungen des
Nigaischen Stadtraths, StaatSraths von Oettingen, die in gouvernementaler Hinsicht unzulässig waren, und über unpaffende Erörterungen, die nicht selten in der Rigaer Stadt: verordneten-Versammlung zugelassen wurden, gab der Kaiser Befehl, dem Rigaer Stadthaupte, Wirklichen StaatSrath von
Oettingen, einen strengen Verweis zu ertheilen, weil er in der Zedachten Stadtverordneten:Versammlung solche unpaffende Erörterungen nicht verhindert hatte, und denselben nicht nur aus dem Stande des Stadtamtes, sondern überhaupt aus sämmtlichen nstitutionen der städtischen Kommunalvsrwal- tungen zu ent ernen, mit dem Verbote, ferner in den Kom- munaldienst zu treten.
Nach dem „Russischen Invaliden“ ist die Fformirung einer Anzahl Mortisr-Artillerie: Parks angeordnet worden. Es sollen zwei flirgynde, aus welcher in Kriegßzeiten eine Brigade von vier Parks gebildet wird, ferner zwei_mobile und zwei lokale Mortier : Artilierie :Parks zur Aufstellung gelangen.
Portugal. Lissabon, 20. Novrmber. Die Regierung darf, wie der „Pol. Corr.“ geschrieben wird, von dem Er- gebnisse der aklgemeinen Neuwahlen fiir die Depu- tirtenkammer voUsrändig befriedigt sein, da ihr auch fiir die Legislaturperiode 1890-92 eine große Mehrheit
in der geseßgebenden Körperschaft gesichert erscheint. Einen gleich günstigen AJSgang fiir die Regieruxig nahmsn auch die Adminiitrativwahlen fÜr die Ge:
meinde: und Departementßräthe, die im ersten Drittel diese?, MonatS stattgefunden haben. _ DUS portugiesischr Kabinet hat in der jüngstrn Zeit eine theilweiseErgänzung undUmgestaltung erfahren, der jedoch kiinrrlei grundsäßiiche Bedeutung zukommt. Der Minister des Aeußern, Barros Gomes, hat nämlich daS Finanzyortrfeuiüe,wslchrssichseitLängerrminterimistischinseinen Händen befand, an das “Böhlke Mitglied der Pairskammer, da Cunha, abgégeben. „Fsrner ist im KriegS-Departemrn. rin Wschsrl eimgrtrsten. “General ds Castro hat in Folge andauernder Krätiklichkeit seine Entlassung gegeben, und an srine Stelle ist das e=bliche Mitglied der Pairbkammer, Franzini, zur Leitung des: Kriegs-Ministeriums bsrufen worden:]
Schweiz. Bern, 27. Novsmber. (W. T. B.) Der Nationalratl) beschloß nack) zweitägiger Debatte? mit 77 gegen 50 Stimmrn gegeniiber der Forderung der Rechten und drS Centrums, NationalrathS-Wahlkreisr mit höchstens 3 Vrrtretsrn zu schaffen, deurck) diese einige Sißr zu ge- winn€n bofften, grundsätzlich an der bisherigen Eirithei- 11: 119 ohne Festsetzung einer Maximalzahl von Vertretern einetZ Krsises festzuhalten.
Belgien. Brüssel, 27. November. (W. T'. V.) Die von der Antisklaverei-Konferenz zur Priifung drr Frag-k-n brtreffs Unterdrückung des Sklavenhandel?- eingeseßte Kommission trat beute zusammen; es fandrn Meinxxngsaustaujche statt Über das Gebiet UNd den SLIM- wärtigen Stand des Sklavenhandels, iiber die Straßen deL- selben und iiber die hierauj beziiglichen Schriftstücke. Die Bératbung wird am Freitag sortgeießt werden.
Die belgische Regierung hat den Chef der Sicher- heitsbehörde Gauthier _Derasse mittelst DiSziplinar- verfahrens zur Di§position gestellt.
Rumänien. Bukarest, 27, November. (W. T. B.) Die Kammern wurden heute? mit einer Thronrcde eröffnet, in welchsr es heißt: Müde der Kämpfe, verlange dch Land von seinen Vertretern eine erleuchtete Arbeit zum Zwscks drr Konsolidirung der iinstigen Finanzlage und die Sanktionirung von MaZnabmen, die geeignet wären, . die Turcbfiihrung drr wohitkäiitigen Aufgaben drr öffentlichen Gswalten zu sicbrrn. “'““ Der Köuig häbe disse Ge- sinnungen auf seiner leßten Reise in den vsrschiedenen Theilen des Larrdes konstatirt und sei gerührt von dem warmen Empfange, der ihm bri diesem Anlaß überall brreitet worden sei und wrlcher die alten Bande 11071) fester knüpfe, die Dynastie und Land vrrbänden. Die Thronrede konstatirt
ferner mit Befrisdigung die guten Beziebungen R__u: mäniens zu allen Mächten„ deren Vértrauen mch auf die kluge Haltung des Königreichs gründe, sowie
den Erfolg der Brmiihungen der Mächte zur Aufrecht- Lrbaltung des Friedens. Die finanzielle Lagr des Lande?: sei zufriedensiellénd. Die Gebahrung des [Wien Verwaltrimgs: jahres habs mit einem Uebrrschuffe abgrschlossx'n. Die Vor- anschläge fiir das laufende Jahr seien gleichfails giinstig. Die bsbufs Konsolidirung des Grldumlaufes und behufs Be- seitigung d??- Agios ergriffenen Maßregeln hätten ebenfalls zur giinstigen Lage des Staatsschaßes brigetragen. TieTbron- rede kÜUdisit hierauf verschiedene GLsLHSSeragen an betreffs einer Reform des Struersystems, einrr Reorgani- sirung der landwirth_schaftlichen Kreditinstitute, der Gründung von Lagerbiimrrn in den bedeutenderetr Städtcn, der Errichtung der Grndarmerie, Organisirung drs Gerichtswesens mit Unabseßbarkeit der bbbrren richter- lichen Funktionäre. Die N:“gierung werde auch (Heseßentwürfe zar Vervollständigung der Armee-Organisirung unter- breiten, die Ausbildung des Heeres weitsr entwickeln und die Befestigungsarbsiten fortsetzen.
Der Senat wählte General Floresco mit 06 gegen 13 Stimmen der Liberalen wirder zum Präsidrnten.
Amerika. Aus Port=au-Vrince wird unterm 20. d. per Dampfer nacb New:Y0rk gemeldet, daß die Zustände in Hayti ungünstig seien, und daß General Hyppoklite einc-n Aixfstand befürchte, dsr seine Abseßung _bezwecke. Auf der Insel war auch das Gerücht im Umlauf, daß 5000 Mann bewaffnet wiirden, um ihn zu bekämpfen.
Asien. Persien. Teheran. (P. C.) Der in seine Hauptstadt zurückgekehrte_ S_chak) N aSr= eddin widmet sich sehr eifrig den StaatsZeychiisten. Auf seine Veranlassung wird demnächst die HersteÜung eines NeHeS von Landstraßen, die den Verkehr zwischen dem persischen Meerbusen und dem
Becken des K a ru n - 1 u s s e s vermitteln sollen, in Angriff genommen. ernrr hat der Schal) ange- ordnet, daß die RegulirungSarberten an dem erwähnten
Flusse mit thunlichster Beschleunigung durchgeführt werden ioÜen, für welchen Zweck bereits mrbrere ausländifche Ju- genieure engagirt wurden. Ganz be ondere Aufmerksamkeit widmet der persische Herrscher der As1anirung der Haupt- stadt, die einen tbeilweisen Umbau unter Niederreißung mehrerer Straßen erfahren diirfte.
Parlamentarische Nachrichten.
Zn d;r heutigen (25) Sitzung des Reichstagesz, welcher der Staatssekretär Graf von ViSmarck sowie andere: Bevollmächtigte zum BundeSrath nebst Kommiffamen briwohnten, stand auf der Tagesordnung: Die Fortseßung der
zweiten Berathung des Entwurfs eines Geießes, betreffend die Feststellung des ReichshaushalZs-Etats für das Etatsjahr11896.91, und zwar des Snezial Etats „Aus-
wärtiges Amt.“ Die Berathung wurde fortgeseßt mjt Kapitel 5 des Ordinariums „Gesandtschaften, Ko nsulate uSnck?Schubßgeéiete“.Titel113(Südweft:2lfrikanifcheg
ußge iet .
Abg. von Kard orff bemerkte, daß der kühle rechnerische Standpunkt des Abg. Dr. Bamberger zu aÜen Zeiten kolo- nialen Unternehmungen aegenüber beobachtet worden sei, Große Erfolge unserer Kolonialpolitik dürfe man jeßt noch nicht verlangen woÜen. Die Kolonialpolitik belaste nicht die Steuerzahler zu Gunsten einiger weniger Firmen, sondern werde zu einer Bereicherung des ganzen Landes fiihren. Die Summe von 20 Millionen, die nach dem Abg. Bamberger für unsere Kolonien arrSgegeben sein sollten, zu spezifiziren, würde ihm schwer werden; er scheine das ganze Indienststellen der
Schiffe mit eingerechnet zu haben; dies geschrhe aber vornehmlich auch _ im_ Interesse des Handels. An der großen civiliiatoriichen Aufgabe drr Kolonifirung
theilzunehmen, sei Pflicht und Beruf al1€r Kulturvölker, wenn es ihre Weltmacht gestalte. Die prinzipiekletr ngner dieser Auffassung würden im Volke keinen Boden findrn.
Abg. Dr. Barth meinte, rs gehöre eins subalterne Auf- fassung dsr Stellung des Parlaments dazu, um eine aus dem Wesen der Sache herau-szewachsene Kritik ver: schleiern zu helfen. Die Zahlen, auf welche gestern der Abg. Woermann den Nachweis des Aufblühens der englischen Kolonien art der Westküste Asrikas grstiißt habe, seien grund: falsch; es ergebe sich im Gegentheil während der leßten Jahre ein stetes Abnehmen dsr Einnahmrn und Zunehmen der Aus- gabrn. Ein Vsrgleich der Kolonisn anderer Länder mit denen Deutschland?: sei völlig verfihit. Aber auch in Bezug auf jene Kolonien ssien die Verhältnisse in falschem Lichts dargest-xilt. Der Export HolLands nach ganz H011ändifch-Ostindien betrage nur 4 Proz. seines ge,- samnrtenExportH. Die ZuschüssqurtugalS zu seinenKownien betrügen 1 Miklion Milreis, sein Export dahin nur 625000 Milreis. Frankrsick) habe eine Ausfuhr von 219.2 Millionen nach (111811 seinsn Kolonien und ein Kolonial: budget von 56 Miklionen. Der Besiß von Kolonien sei also nicht gussablaggebend fiir die Gxschäfte des Mutterlandos in diesen Kolonien. Die Kolonien bereiteten dem Mutterland? nur VZrlrgenhritsn. Wenn Deutschland
heute Koloniaipolitik treibe, so zeige eL, daß es aus der Gr1chichte nicht?- gelernt habe. Deutschland ' sollte sich vielmrhr aus die Pflege _der überseeischen Béziehungen zurückziehen, wo immer iich diese fänden.
Durch die Aberrung der 268000 HFC: fiir Südwrst:Afrika woile die freisinnige artei bekundrn, daß sie die Kolonialpolitik zu fördern nicbt Zerreigt sei und daß die südwestafrikanischen Kolonien als die am wrnigsten geeigneten zuerst ab- zuschiitteln seien.
Vri Schluß des Blattes sprach der Abg. Woermann,
(Der Schlußbericht iiber die gestrige Sitzung des Reichstages befindet sich in der Ersten Beilage.)
** Tam Rricbstage ist die Usbersicbt drr Ergsbnisse dcs Heerés-Ergänzungßgeicbäfts für das Jahr 1888 zu- JLJNRJLU. Danach be;ifferr fick) dieSumme der in den alvbabctiscbsn und Restarrtsrilisren grfiibrten Mamisckyaftcn im Bezirk des 1. bis Ls. Armec-Corps, der Großberzoslick) Hessischen (25) Division, des )(11. (Königlia) Sächsischen Armee-COWÖ), des F111.(Königlich Würt- tkmbkrgiicben Armsc-Corps), drs F117. und F7. Armre-Corps, res ]. und 11. Köriglicb Bayerisuben Armee-Corps auf 1405183. Davon Warm 161247 ausgebobcn und zwir für das Heer zum Dienst mit der Waffe 154 273, zum Dienst obne Waffe 4180; für die Marine aws drr L&ndbevblferrmg 1217, aus der scrmännischen und halb- seemännisciiei'. Bevölkerung 1577; ck sind ferner bor Brginn des militär- pflichtégrn Nitrré freiwiUig ein,:etretcn in dms Hrkr 12 326, in die Marine 779. Wegen unerlaubter Auswanderung wurden deruribsilt 20638 aus ?.“?k Landbevölkerung, 487 aus der seemäanisÖLn und baibskémännisrbcn Bevölkerurig; in Unirrsuchung befindcn sich noch 15 580 Personsn.
- Der von drm Vsrbande des altxn und des befestigten Grundbesitzes in dem Landschaftsbézirk Samland und Natangen präsentirts Majyiatsbksißrr_Freibrrr von Schröttrr auf Groß-Wohnsdorr, im Kreiie Frisdland, und der von dem Verbande des alten und des befestigten Grundbesißes in dem Landfchafi§b9_zirk Mrseriß präsentirte Hauptmann a. D, Frei- herr von Grr-Zdorrf aiif Bauchwiß, im Kreise Meseriß, sindd als MitZlikdrr des Herrenhames auf stenßzeit berufen wor en.
Zeitnn gsstimmen.
. _Die Neichstagsdebatten vorn Mittwoch über kolonial- poiitiscbe Fragen grben der „National-Zeitung“ Anlaß zu folgenden Betrachtungen:
„Auch bcute (Mitton) ist bci der Foriseßung der Bcrarbung des Etats drs AuStbarrigcn Amt?» im Reichstage wicdrr die ganze Sißang durcb“ den Versuch der Deutschfrrifinnigen, die Kolonialpolitik ,beruntrrzureixené, aaSgeiüUt worden. Immer von Neurm bier des Näbcren daraaf rgizugrbrn, wäre ebenso eintönig, wie unerfreuiick). Der Regierungxkowmmar „Gebeingath Krauel widerlegte Hrn. Richter mit ebenso viel «“Hoch-kenntmß. wie dieier Unbekanntscbaft mit den Dingen, wovon er sprach, enlw ckelt battc, und Hr.Woermann ergänzte die Darlegung des Regierungskommiffars durch weitere eingehende Mittheilungen; aber selbstberittindlick) bebiclt Hr. Richter das letzte Wort. Die Mebrbcit !cblotz unmittelbar nach seiner Erwider-xng die Debatte, d b. fie bekundete ibre Ueberzeugung, daß es nicht nothwendig sei, ibm nochmals zu antworten, und im Lande wird man wobl derselben Ansicht sem.
Die_ Erörterung wandte sich dann Südwest-Afrika zu; aus den Mittheilungen, welcbe der Staatssekretär Graf B i5marck darüber mackte, ist hervorzuheben, daß der mehrfach besprochene Ver- kauvaertraJ wobl nicht die Zustimmung der Regierung finden wird. Wir haben cs für eincPflicbt gehalten, auch der Auffassung derjenigen Interessenten, welche für den Verkauf sind, Raum zu geben, da die * ersonen, welckx-e bisher ihr Geld und ihre Arbcitskrast für koloniale
wecke in Südwest-Airika eingeseßtbaben, wobl eincn Anspruch darauf befißen, daß man sie zu Worte kommen läßt. Wir selbst sind es, wie schon trüber bemerkt worden, aber sebr zufrieden, wenn die mög- lirberwcise auch dort vorhandenen Zukunftkausfichten für Deutsch- la ndwffen gebaltsn werdcn.
_ Schlirßlick) fiibrte der Abg.1)r. Bamberger die Diskussion wieder auf das allgemeine kolonialpolitiyckde Gebiet: er batte wohl die Empfindung, daß sein Partriqenoffe Hr. Richter mit den Einzelheiten, wie grstern, arges Unglück gehabt hatte. Hr Dr. Bamberger begann iu ver1bbnlicbem Tone, mit dem Ersuchen um das Zugeständniß, daß marrkem böser Mensch sein müsse, wenn man „nicht an Angra Pequena glaubt“; Gewif; nicht; und wir unserntbeils wären es sehr zufrieden, wenn die Diskussion in dem so Von Hrn. 1)r. Bamberger für einen
' 'Füiammengebsns mit der Sozialdemokratie sein muß, ist klar.
Augenblick angeschla?e_nen , Tone geführt werden könnte. Aber [rider war es nur ur einen Augenblick. Die so begonnene Rede endete mit der Verficberuxrg, daß das deutsche Volk über die Kolonial- politik nur lache. 'In'dteser Art,_ Niles als läcberlicb, ja verächtlich darzustellen, was nicht in den Kreis ihrer Anschauungen paßt, haben die Hrrn. Ur,"Bamberger UZld (Henyffen von Anfang an die kolonial- poljtjsch-Zn Crotterungen gefubrx ; diese Art ist ihnen. und zwar nach- gexade fur alle Erörterungen uber öffentliche Angelegenheiten, so zur zweiten Natur gewordrn, daß die Absicht, es einmal anders zu mach_en, mehr Vom Beginn bis zum Ende einer und derselben Rede
rorbälk! , .
Die fortschrittlrÖcn Freak_ttorrsorganr kündigen an, daß die Be- raibun-Z des Crats des Ayswartigen Amts noch längere Zeit so fort- geben ]oü. Wir haben nichts dagegen. Es ist zwar schade um die
schöne Zéit, aber diese Art der Behandlung der Rcichßangelegenheiten,
wird in unserem Sinne in erwünschter Weise die Wahlen Vorbereiten.“
Das1elbe Blatt schreibt in einem Artikel über „Deutsch: freisinn und Sozialdemokratie“:
,Die Deutxchfreisitznigen des 11. Brrliner Reichstagswab1kreises haben bei den beiden Stichwablen zur Stadtverordneten-Versammlung, in denen Karzdtdaten der Bürgerbartei und der Sozialdemokrajie einander gegenubersteben, für die_S o_zialdemokraten zu stimmen besÖLOssM- Dic Fixlge dieses Brichlunes kam“. leicht0sein, daß aUe vier Stichwablen. fur die Sozialdemokraien ausfallen und diese es somit (1er 12 Stixnmen in dcr Brrliner Stadtverordneten-Versamm- [ung brmgxn. ,Locb dieß mtereifirt uns an dem fortschrittlicbsn Bescbluß nicht in erster Reibr. Es ist die prinzipielle Bedsurung drs Beichluffes, welche berdorgsboben werden muß.
Ein? Anzahl Parieitage der Sozialdemokraten Haben in der jüngsten Zext'bescblossen/ daß diese bei den Rcich§tag§wablen fick) der Abitimmrrng m denjenigenStichwablen zu enthalten haben, an_ denZi die Partei nicht unmittelbar betbeiligt ist. Der Zweck dieger Stelluncxnahme ist vorher in der sozialdemokratiscben Preffc crlarrteri worden: man will nicht mehr ohne Gegenleistung, nur aus Ferndxeltgfeit grgen die anderen bürgerlichen Parteisn in dcn Stichwablen sur dix Drutsch-Frei1innigen siimmewwie es bei frübersn Wahlen vielfach gercbeben irt Und dieser Partei eine Aniabl Mapdate gerettet hat. Der im biefigen 11. Rrichstazswablkr-cis bw-jgejirrn gefaßie Beschluß bedeutet danach, offenbar die Bereitwili igkeit zu der verlgngtenGegenletstungmr scheint nurdie Einleitung zr! ciner umiqtier-dcrrn _Aktion zu sein, die darin bestehen wird, überail, wo die deut1ch-iretimmgen Wahlrr dicvem Plane der Fübrrr nicht die Uriixr- stüßung verscrgen, tir dcn Stichwablen mit dsr Sozialdemokratis zu- sammenzngebm. Die Frage ist, wie Weit dies? Wähler zn ciner solcben erxweiflungépolitik bereit skin, wie weit fie die Sieberung oder selbit eine Vermehrung der bisherigen Zahl der deutsch-frsi- sinnigrn Mandate als ein Acqqivaient fiir eine neue, wirksame Er- murbigung der sozial-drmokratiicben Führer in ihrrm Kampf gcgrn die bestehende Ordnung der GcsrUschaft rrblickrn werden.
Daß eine sklche Ermutbigung die Folge „drs deuticbirrifirmFen rrr andelt es sich darum, ob die allerdings vielfach berccbtigten Be- strebungen dcr bandarbeitenden Klasen vori einer Gesqucbunq und einer Verwaang befrirdigt werder] soklen, wslcbc dazu obne Neben-
zweck bereii iind, oder ob die1e Beiirebuxigrn mißbraucht werden soUen zur Organifirung des Umsturzes. Diriem Mißbrauch, welcher obnebin so_bedeutende Dimrnsionen bereits angenommen bat, arbeitet in die Hande, _wrr das Anscben drr sozialdemokratiichen Agitaroren in der deatrcben Arbeiterwelt erböbt; und dUrch nicbts kann dies wirk- samer geicheben, als wenn eine der nicbisozialistiscbrn Partrirn auf drnounbedmiiten (Hrgensay chen die sozialdemokraiisck): Agitation verzichtet. Daß dies nunmehr Scite'ns drrselberi FortschrittI-, resp. deut1ckfreisinnigen Partei geschick)?! Welche sicb ehedem rühmte, der Scbuywali von Staat und GeseU1chaft gcgen die Sozialdemokratie zu sein, ist eine Srlbstironifirung von seltener Wirkung. Es wird fick) zxigen, ob weitere Kreise der deuischfreifinnigen Wäbler die Gescbaste der Herren Liebknecbi Und Bebel zu besorgen bereit find."
Uebrr die in den Reichstags=Debgtten zu Tage getretene Stellung des Centrums ziir Kolonialpolitik bemerkt die „Danziger Allgemeine Zeitung“:
„Hr. Windtborst und seirw Partei sind offenbar durcb die bün- digen Erklärungen des Staatssekretärs Grafkn BiLMarck, daß auf dem Gebiete der Misfionstbätigkeit in drn Kolonien eine voll- iiändige Parität gräbt wcrdr, zufriedengestrllt worden. Mit Recht Yonnte Graf BiSMarck auf die Klagen über den Mangel an Criolgen, die mit degsn der Holiänder und Engländer berglrickpbar seien, erwidern, daß ein so vorsichtiger Politiker und so weit ausblickrxrder Staatsmann wie Hr. Windtbdrst ibm darin bei- 1timmen tnüme, daß die fünf Jabra Kolonialpolitik nicht aus- reichen, ,um von uns sbicbe Erfolge zu verlangen, wie fir Engländsr und Holländrr in ibrer Jabrbundcrte langen Kolonialgeschichte errungen haben. Jene Einwendungen machien doch wobl nur den Eindruck eines Grfecbies ;„ur Verdeckrmg des Rückz-xgs, drn das Centrum von seiner friiba-r voÜständigm ab- lehnenden Stellung voUzogen bat, und wenn weiter Von Hrn. Windt- bbrsi gewinermaßen als Bedinguna fiir die Bewiüigung der Ein- richtung einer kolonialpoliiiscben Abtbeilung gefordert wurde, daß diese unier keinen Umständen der Ver'antwortliwkeir und Leitung des Retchskanzlrrs entsogen werde, so hat er swb damit eine Position gewabit, welcbe selbstverständlicb ist und von allen Anbängern der Kolonialpolitik eingenommen wird, In disser Wendung ch Centrums. wird man ein Erfreuliches Symptom, zugléicb aber auch dxn Beweis dafür erblickkn, daß die öffentliche Meinang in einer auch fur das “Crntrum wabrnekmbaren Weise lcbbaft für bis Fortschung und_Werterentwickelung der Kolonialpolitik eintritt ..... Die weg- werienden Urtbeile (ron freisinniger Seite) über den geringrn Werth zxnsereyKolonien und über das bisvcr Erreichte sieben jedenfalls 1111. Widerspruch mit der Tbatsachs, daß alle_ diese Dinge die wsttcsten Kreiw in außerordxntlichem Maße bcsrbästigen und daß beute unsxre Kolonien und namentlici) Ost-Afcika in den öffeniiiÖen (He- sprachrn einen gznz hervorragenden Platz einnehmen. Würden die Kolonien, deren West und Erhaltung schon manches Opfsr gekostet bat, beute VON Deats land Neiégegeben werdcn, so würden sich gewiß UU? ganze Reibe von Mächten melden um Hand darauf zu Wen. Diese Erwägung aUein müßte die Gégner der Kolonialpolitik vxrstumrnen [offen. Jbre Anhänger aber dürfen darin das Zeichen eines erfreulichen Fortgangs der Politik erblickkn zu welchir sick) das DMW)? Reich vor fünf Jahren ent1ch1offen bat.“
Die italienische Thronrede wird von den meisten englischen Blättern in zustimmender Weise besprochen. Der „_St andard“ sagt: „Die Rede “ist:!entschieden friedlich und beruhigend“. Die „Times“ betrachtet die Rede als werth- vol1,_ weil sie einen neuen Beweis von der dona 11688 des Dreibundrs liefere. Der König von Italien bestätige nur die hoffnungsvollen Prognostikationen Lord Salisbury's.
Stanley und Emin Pascha.
_Aucb an das Emin-Pasäoa-Cntsaß-Cymiié in Londdn bat Emin Pa1cha einen Brief geschrieben aus M1alala (dem früheren Siye drr britischen Mission, welche später nach Uxambiro verlegt wurde), sudlich von Victoria Nyanza, vom 23. August 1889. Das Schreiben lautet nach einem Telegramm des „Berl. Tageblatt“:
.Nackdem wir heute unter der schüßenrxn Begleitung Mr. Stan- lev's diesen Ort erreicht haben, dranqt es uncl), Ihnen 10 schneu als möglich, wenn auch nur in wenigen Worter), zu sagen, wie sebr wir Ihre großmüthige Hülfe schgyen,_we1che Sie uns gesandt haben. A'; ich unter dem Druck der Wrderwartigkciten zuerst die Welt um Hübe fur meine Leute anrief, da war ich mir wohl bewußt, daß meine
Bitte nicht uncrbört verbqllen _werde, alFein ich glarzbte nie, daß eine solche Freundlichkeit möglich sei, wie See rind dre “Subskribenten des HülfScomités sie uns erwiesen haben. Es_1st unmöglich, anen jeßt zu erzählen, Was nach Stanley's erstem Vesuxbe vorgefaüen ist. Seine gewandte Jeder wird Ihnen alles, weit besser fckildern, als ich es thun könnte. Ick) hoffe aber, einmal mit der Erlaubniß der egyvtiscben Regierung Ihnen mrme Alszdrtung machen zu dürfen und meinen Gefühlen der Dankrarkeit personltcb Ausdruck zu geben, was schriftlich nur unvoükommen geschehen könnte. Bis zum Eintritt dieses glücklichen Zeitpunktes bitte _tcb, aUenkSubxkxibenten meinen Dank und den Dank der Handvoll jener unglucklickxen Menschen aus- zusprechen. welcbe durch Ihr Eintreten dem Vrrderbsn entrjffen wurden und nun ihre Verwandten wiederum zu rnnarmkn boffen. Hier von den Verdiensten Stanley's und seiner Offizxere zu spreäxen, hieße ihnen nicht gerecht werden Wenn mem been erbalten blribt, werde ich die Anerkennung derselben nicbt schuldig bleibekz. Mit vielem, bielrm Dank bin ich Ihr sehr verbundener 1)r. Emm.“
Statistik und Volkswirthskbast.
Zur wirthschaftli (ban Lage.
Trotz der fortdauernd ungünstigexr Ernte ist dock) im RrgierungF- bezirk Köslin, wie von_do_rt'ber1cht_€t wird, ein Amrum; in der Besserung der landwirtb1ckaiilrcbsw Konjunktaren irabrzmnrbmrn Man giebt fich in landwirtb1chofiirchen Krriisn „*,rrr. 17.1“ Hoffnr)x*g bin, das; die cingetreteyer: böbcren Korn“. und Viekprrike rom Darrrr sein [P?t'kkn, und es fiirdct fick) wieder „Niigung, länd1ich€ (LéruxrkitüM zu kaufen und zu Pachten. _Die Landwiiibe smd bciondsrs bxmübi, ibren Rindviebstand zu verbcnrrn und aUZ der Milch böbkrc Erträzre zu erzielen. Zu diisem Zweck find an mrbrrrew Orten Molfsrci- Grnmsirnschasten tbeils entstanden, theils in der BiWung begriffm.
Nach einer Beffrrung der Lage der Landwiribsrbaft ist «117.11 dis Hebur-g der gewerblicbrn Tbätiqkrit zii rrwartrn Zn dcm Var:- gewerbe ist unverksnnbar bcrcitf1 rin Arifkcbrrang roxbxndrn, rann cx sind in diessm Jabre in den Städten vsrbälUiißmäßig msbr Bauten ausgeführt, wie in den Vorjahren. Die Arbeiter finden Überall lohnende Beschäftigung.
Die Artswanderangslyit,
namentlich nach Brasilien, bat fiÖ, troxz wirdsrbditsr ?ingrkM'xkkk Warnungrn, in den ietsten Monate-n in ejNZkllikU Krrissn drs Rr- gierungsbezirks Köslin__wieder sebr „brmerkbar gema-IJT. Si wxrd durcb Agenten von Liiiabon aus ge1cbürt, wslcbe cs vrrstcben, sich geeignet? Psrsönlicbkeitrn fiir die Bexreibung der Agitationauszusucben. Einige der Leßteren, welche der Agitation verdäcbtig sind, wurdrnbkreirs drr Königiickwn Staatsanwaltscbast zur crentueUen Hsrbeifübrung dcr Bestrafung anzezeigt. .
Zur ArbeiterbeWegung.
Di? „Voss. Zig.“ schreibt: Die Arbriterberreaung Hält 7"in in Verlik! in vollem Flusir. Die Drechsler mid B:“rufc-gknbffrr' wirken jetzt z. B. mit Hocbdruck für sine näcbstjäbrise LOHNÖTWWUW]; für Montag, Dienstag und Mittwoch Abend waren bezw. find ökfer-t- liebe Versammlungen einberufen worden zur Darlrgixng der Norb- wrndigkeii einer Lob::bewegung im nächstrn Frübiabre. Nikbi minder rübrig zrigen i"1_ch die SÖneider, welcbe scbom seit längerer Zeit gewerkscbaitlicbe Versammimiszen in Werl Stadt- gegenden abbaltsn zum Zwecke einer Lobnbewrgurg, daneben aier noxb Zeit finden, sich mit sozialpolitijchen Dingen zi: beigffen. Näxbst der Lohnfxage bescbäftigen sicb die vielen jeßigen Arbeiterbersammlungxn haupUäcblicb mit der Beipreckyung dcr Vertberrsrrmg der LebrnémiLtel und dem Acbtfxundenarbeirsiage und nehmen Sieüung zu dem Pariicr Kongreßbescblumr, den 1. Mai 1890 als Arbeiterfciertag zU e1k1ären.
Aus London 1721st die .A. C.": Dank der Vrrmittrlang des cinflußreicben Ober-RabbinerH 131“. HermanwAdler ist der Strikc der jüdischen Bäckergeierlen des Ortcndes gütlich beigelegt worden, indem die Meiiter die BedingUngen des Gewerkvereirs an- nahmen. -- Der Lobnstrridder Kohlengräber von York- sbire Wurde am 25. d. giéicirraüs gütlich gejchlichtct. Die Brrg- werksbcsißer wiUigten ein, rirLöbne im Januar um 10 0,0 zu erhöhen. Durch dieje Entsixeidung wxrren 60 001 Arbeiter berührt.
Jn Turin strikcn, wie der „R. Z Ztg.“ berichret wird, in den Werkstätten der Miit_e1me2r_-Babrc 2500 Arbeiter. Die Geseil- schaft wollte die Werkxtättrri ?rbließen, da die Verhandlungen mir den Ausßändigen, die 25 U/0 Lohnerhöhung Verlangen, erfolglos ge- blieben iind.
Kunst und Wiffenschaft.
Der berühmte Chirurg, Grbcime Medizincxl-Ratb, Prxfrffor (1:1 der Unibersität Halle, Richard von Volkmann, ist, eincm Tcirgramm ch „W. T. B.“ zufokge, brate Morgrn um 10 Uhr in Jena verstorben.
Handel und Gewerbe.
Nach einer Königlich schwedischen Verordnung vom 5. Oktober 1889 miiffsn ausländische Kaufleme, wslche, um Geschäfte zu machrn, in Schweden umberzureisen beabsich- tigen (Handlungswisendr), vom 1. Januar 1890 ab bsi ihrer Ankunft in Schwsden drm Steuereinnehmer der nächsten Stadt die Dauer ihres Aufenthalts schriftlich anzeigen und je fiir 2111911 Kalendermonat im_ Voraus eine Steuer von 100 Kronen entrichten. Die erfolgte Erlequng dieser Abgabe kabsn sie, bevor sie an irgend einem Orte ihre Thätigkeit
eginnen,jewei1ig der zuständigen Polizcibebörde nachzuwrisen. Uebertretungen disser Verordmmg sind mit einer Gsldstrafe von 100 bis 500 Kronen bedroht.
Bern, 28. November. (W. T. V.) Das Departement de:? VUndksratbs für Landwirtbschait bat angeordnet, daß alle aus Dentscbland und Oesterreicb-Ungarn mit der Bestimmung nach Frankreich an der schweizer Grenze eintreffenden Vieb- transvorte zurückzuweisen sind.
Amsterdam, 28, “November. (W. T. B) Bei der brate von der Niederländischen Handengefellsckyaft abgehaltenen Zinnauktion wurdcn 20333 Blöcke Bankazinn zu 58? 5.591, durchschnittlich 5%, vcrkauft.
Verkehrs - Anstalten.
Die brasilianischen Land-Telegraphenliniexr find fiir den internationalen Trlegraphenverkehr bis aur WSÜLTYZ' geschlossen. Die Kiistenkabel befinden sich in be- triebeähigem Zustande.
Hamburg, 27. November. (W. T. B.) Der Posidampfer „Albingia' der Hamburg-Amerikaniscben Packetfabrt- Aktiengesellschaft ist, von Hamburg kommend, beute in St. Thomas eingetroffen. .
_ 28,November. (W.T.B.) Der Postdamvfer „Wieland' der_ Hamburg-Amerikaniichen Packetfabrt-Aktien- Ge1ellschaft ist, von New-York kommend, gestern 12 Uhr Nachts auf der Elbe eingetroffen. „
London, 27. November. (W. TB.) Der Unron-Dxampfer „Albenian' ist heute auf der Hrimreise von Madeira ab- gegangen.
- 28. November. (W. T. B.) Der Castle-Datpvfe_ir .Drummond-Casile“ ist gestern in London auf der Hermreiée
angekommen. Der Castie-Damvfer „Hawarden-Castle“ bat Madeira gestern auf der _Yußreise vassirt. Dsr Castle- Damvfer .RoSlin-Caftle“ Ut in Capetown gestern auf der Auxreise angekommen. Der Castle-Dampfer ,Tavmoutb- Castle“ ist gestern von Lond_on und der Union-Dampfer „German“ von Madeira auf der NuHreixe abgegangen.
Theater und Musik.
Lessing-Tbeater.
Die gestrige erste Aufführung des vieraktigen Srbam'viels .Die Ebre“ von Hrrmann Sudrrmann erfreute sich einer durchaus freund- lichen Aufnahme Skikens der Znscbauer. Der Dichter hat sich auf dem Gsbiete der Romansckoriftsteilerei ichon skit einigen Jabren bemerkbar gemacht und brwies gestern auch Talent für das Drama. Suder- mann bewegt sick) in DM SPUkékl der modernen naturaiisiisckyen SÖUlS, dbne doch„dxm Pksfimismus Kanz zu vrrfallen, mit welchem sicb icin? VOTkIlldek von der Wirklichk.it und dem gnten Gesckxmxck ent- fernt Haben.
Auch Srrdermann bandelt von der Grgrnwart und ibren sittlichen Probiewen, wie sie sicb in dem Hrrzcn drr großen Menge, drs Volks, widerrpiexrln, und macht den rrizvolien Vcrsnck), uns“ dies Spikgsl- biid lx“- rrn von ibm auf die Bühne gestriltsn Persbnkn anschaulich wierxrzygsbén. _Wabrend Ibsen seine nordische Heimaib zum Schau- Piats und Mr Grundwerk: seiner Draiyrn wählt, irrkift dsr Vkrfaffer rer ,Ebre" niit knixnérÜHand in das zeitgénbsfiscköe Vrrlirisr sten Hinein Y_"d fi1»dst _crne_11 "CWT, drr unser rolleS Interés: grwimqrn kann. Er rnbrd und in _erne Arbeitsriamilis, wklrbe in dem räglicbrn Kampf ums Talern xrde reinsre sittlich? Regung eirrgrbiißt bat; die Leute balien sicb n'aär rbxrm Ebrbrgriff rür aufe, rsdlikbs Msnsan und Haben doch für die irixirnmstexi sittlicbcn Makei kaxxm noch, odcr «Zar nirbt mebr die naiürlickw Empfindung. Tiksrm Ebrbezriff de? Hiniérbauses [teilt dsr Ticbter dsnjrnigsn “cer Beivdbnrr drs Vordérbausrs „Tegen- Ubrr, der rigcmliä) nicht wemiscr bon dcm wabrrn Ebrbrgriff ab-
:rcicbi ais _drr crsterr. Dr_r Kbmmerzisn-Raxb, drr biér mit i_emsr' Famtlie irbkxnt, bali „ 1151; für Einen Ebrsnmznn eigentlich nur, W:“il rr reicb und angesrbsxi ist und
den GUM?" m_ckxt ;uwidsrband-Ilt. Als Repräsrntanisn wahrer (?bre, wrlcÖ? ibr Wcirmlic-bs-Z Merkmal in der stringrn Pflicbrsriüiiung smdßt, fiibrr der Vrrßqffcr endlich deri Sbbn Robsri jsnrr Arbeiter- sZ-xmlie drs_ HinfékbaMCS und seinen erurxd, ririrn ("'H-NFM Trast- Saarbsrxi, imvis eins T_Oéter dxs memcrzikn-Rarbz „“in, Mick)? den Kamdrmit dem Schickial aufnehmen und würdig bestsbrn.
Tir Handlang dräxxgt si-Ib in eins kicinr Spann? Zr-ir zUiammen. ?.kiobsrr Hrinrrrs, dsr San rss Arbeitrré» ist auf Kosten drs Kom- msriien-Ziiatbs Wogen worden; rr tritt in das indiirb? Gescbäit drs Großkarixmzntis und kébri mcb fiebzrbrjäbriger Abwrsenbeit mit ??bnerxdkmxlirbedollem Herzen in skins Hsimatb umd die béscbsidknc-n Vcrbalimne ?eincr Familie zurück. Erwrsifknd schiidrrr drr Dichter die Qaaisn und daß . Eiitiiyen Rdbcri'I, rrix 1,"in Zixg RUM“ ÖW „drr (Cbarakter oder birltUSbr die Cbarakfcrlcfigkeit sciaer ;Fatntiw v-ér ibm emwickelt. Heirn1icklsiien m;! den Bsdicwten drs „Vorderbauics baitem Varir mid Mixitrr flir erlant; "rtr j1111gékr' Trwrer Alma, welcbe mak) ..Höberrm' strikt und (11169 ihr chen grxiicßkn wiki, fixrrt rr als dir (Hxliebie d-I jrmgrn Pxirri Zu:“; denz Vordrrbaasr tricker; dic Were Scbwsi'trr, cine Tr!cblcrsrau, leiitxst mit ibrem Manne dsm gewinnbringenden Vrrksbr Voryäwb. (T5 wrrd rin Wild entseslicberi sittlicbsn Elends Mtbülit, iir w§1chém iich dix Beibriiigtsn ganz wobl füblrn; si? islbst wkssen undUsublcn ibrexcbmacb nicbt; um so grausamrr drängt sich dies (Hxsribl deni 550531 auf. Sein Frcmrd, Graf Trait, pbiloicpbirt kult- blrmg mri ibm iibcr ieinx „Familicxiverbältnisie und mach ibm klar, daß (_r ewe andere HLUUJL Spracbe wie seine Angrbörigen rsre; fie irUrden sick) nie r*rritebrn, darum soUr rr sicb von ibnen losreißsn. Robert sicbt die Richtigkeit der frrur-dicbafilichn Vorscbläge mit bintezidrm Hrrzcn kit], renn skins r*?rzwrifeltitexi Liniirenßungeri, skins Faimbe dem Sunzpf zu entreißen. sind unnüß, ja rrwecken nur Hobn. Jm Vorderbmrse itrbt die Tbchter der bsrecbnsn-„en Familir ?bsrxfgils frruid _zegsnübcr; arrcb fie Jebt fort rind fo1gtRbi'eri in die Frsmdc. Der Vexfamer bat m_it grdßrm dramatrscbsm Gisci-ick 16111? Figrrren ;U bxleben veritgndeié; b;]onderé grcifbar Und dcrrtbcb zsicbnrt er die Brwobner res Hinisrbamrs mit ibren fa[1“chkn, naivsn Anscbauungsn bmi Récbt und._S1t;c,we1che brim Zuswamr Lill mit tiefem WirsrwiUen grrn11chts§ Ziiiiilcid erwrcken. Z-UTLkUTÜlLU gefäb't fick,", wir alie An- bänger der naturalistisch Schuss, rarixx. die svziairn SÖwären an dem Körper dcs großsn Gcmcinwssens arifzudecksn, dieseibsn in ibrer Widrrrräriidkeit einisln ir: Föigkll. Frrilib tbrit rr da.»? mir Peinlicber Häxärse und erscbrsckcnkcr Nairxrtreue, aber riiwt Obiis Humor; er hatt? da; 61161? ElStnéni 1er GsssUscb-ait rwcbmcbr bcrvorbcbensoUrn; die 1iktiichc _Wizrds kommt zwar k€1chliÖZUWthk, aber in die Hand- [11719 ;;rersdms sait :mr ra'fiv cin. Ami) find die Pbiloiovbirenden und lcbr'rart-“n Erörtrrimaen nicbt immcr brn grßiizeudsr Klarheit iind UriantasrbZrkrit, um bbb? Widrrsprch? zu wirkén errnfaUH bat rieb dsr 'Vcrsaiisr (résfékU Abend als rinkr jener tiicbtißeren dramati- [Éen Dtcbicr ripgxfrrbrt, Mickie dUrcb dir Scbärfc drr; Cbxraktrri- Urungsbkrtxiögkms und (“M krmslbbUrn, Warinrndcn Aa'iari cincr an 1151; geringfügigen Hanrlrmg bkrbbrragen.
. Dic L_OuriteUung war recht gut, bribnders dic dcr LEUTE des Hinterbames. Fr. 'Siägemanrr gab die Bcrlincr Arbeiterfrau irbenMabr iind trru in Y_iiiene urid Sriei, ihr? Yiuttrrlic'be für (111€ i_bre Kindcr, ibrs r*erwirrtcn AÜÜÖTLU bort chbt und Unrccbt brachte 112.51111'2111'11'11111kßbkkUkkk Sch1ichtbeir zum AUÖdrUck. Den alten chxcke spirits Pr. Höcker bvrzüsrlirb; ebensogbt erwiesen fich ;zrl. Sydow und Hr Blencke iii ibren kleinen Rollen, erstere 919 begisrige Tiscblrrxfrau. welcbe gern Nut ißt UÜÖ dafür ibrer Schwr1ter urid rcrkn Géliebtsn wobl Kikism (Zicfailen erweist, und Lkßterer als elvis durstiger, spazierrngebsnder Hardwcrker. Frl. Petri gab die jrlgendlichr Sünderin krck und mürrisch, :rrnn man ibrrn Vergnüßnngkn in den Weg tritt; im Uebrigrn bracht: fie rie qedankenldye Genuszsncbi Ulaubbaft znr 'Unsrbaurmg. Den Robert Hsinccke stellrr Hr. Ranzrnberg mit warmer Empfrndmg Und an drn geeiancten Stellen ancky mit Leidsnsckpaft dar; ?? baftrt ibm aber immrr noch (iwas Steifheitan, HX,K[811111*M kin geistbbUerVrrtrcter des (Grafen Trxst. Ten leiwtfinnixzen Sohn des Vordrrbabies ckxarakterifirte Hr. Schönfeld trcfflicb; Fri Borland zeigte gestern Abcnd als Leonore a11ch Empfindung und Wärme in ihrer wobl- lauterzden Stimmc. Der Brifzil blieb strts auf gleiwrr Höbe, er war stürmisch von Anfang an; die Daritciisr mußrrn oft vor dsr Gardine erscheinen und der Verfaffcr wurde wikderbolt geruien.
Central-Tbeater.
,Historiicbrr Poffrnabcrd' nennt sicb drr drittr Editus drs .Lachendcn Bcrlin“, welcher morden zur erstmaligen Arrifübrmig ge- langt In diesem von Ed. Jacobson nei; zusammcngcsteliten Alierlei wird u. A. Hr. Boilmann einen treuen Kaisermarsck) .'äugrn rechtß', Text und Mafik ron Witt, zum Vorrrag bringrn.
Hötel de Rome.
Zwei junge Künstlerinnen, Frl. Helene Fr ank (Sopranistin) UNd Frl. Martba Hornig (Pianistin), die Beide schon früher in bffkntliÖcn Aufführungen mit Erfolg tbätig g:.wescn sind, gaben gcstern im Saale ch Pötel de Rome vor einem zablretcb srscbicncnen Publikum ibr erstes Concert, Die Sängarin, untcr Leitung der Fr. Dr. Levysobn anbgebildct, bcfiyt cine 1voblklin,rende, wrnn aucb nicbt sebr kräftige Stimme, die _fick) für dsn Vortrag einfacher und naivrr Lieder mcbr eignct als für den klassischer Gesänze. Jbre
Gesangskuxrst läßt ein sorgfältig'rß _Stadium erkennrn; die Höhe sV11cht lcickt_ an, die Reinheit der Intonation und Deutlichkeit der Ausipracbe waren lobcnswrrtb. Eine erklärliébe
Befangenheit übrrwand fie nacb Ausführung zweier Lieder von Beethoven und Bach bald; das hübsche Lied „Herbst“ bon Rebbaum, „Marienwürmcbrn“ von Sébmnann, besonders aber ,Wacb' auf, GMU'“ von Eckert trug sie unter so lebhaftcm Beifail vor, daß sie