1889 / 294 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 09 Dec 1889 18:00:01 GMT) scan diff

an das Herrlichste anknüpfe, was wir in der deutschen Literatur besäßen. Das Nibelungknlied aÜein schon sei die Perle aller deutschen Dichtung und seine Klänge umwöben den Namen der Stadt Worms. Sa e und Geschichte hätten hier gleich mächtig und groß auf die religiö e und moralische Stärkung des Volks eingewirkt. Er sehe in Worms mit inniger Rührung das Denkmal Luther's, von dem das Werk einer reli iösen Reform außgsgangen. Das Haus, welches hier ge- scha en worden, sei ein weitsrer Schritt zur Besserung des Volks und zur Hebung von Moral und Sitte. Er gratulire dem Bürgermeister auch zu die'jem Werk.

Beim Eintritt in das Festhaus ertönte Orgelklang, das Publikum brachte stürmische Hochs aus. Se. Majsstät nahm inmitten des Publikums Plaß, worauf die Vorstellung begann, welche zwei Smiiden währte. “Se. Majestät der Kaiser Holéte mit großsm Jtiisreffe der Handlung. Als Allerhöchstdersebe das Festhaus verließ, erstrahlte der gegenüberliegende Dom in bengaLisch€r Beléuchtung und die ganze Stadt in einem Lichtérmesr, wslches Schauspiél einen imposanten Anblick bot. Die Rückfahrt erfolgte an dem Lutherdrnkmal vorüber nach dem Bahnhof und von da mittélst Sonderzuges nach Darmstadt. Die dichtgédränatr, freudig erregts Menschenmsngé brachie un- auSgeséht snihusiastiscbe Ovationen dar.

Nach der Rückkehr von Worms besuchte Se. Majestät der Kaiser mit dem Großherzog das Hoftheater. Heute um 61/4 Uhr früh alarmirie Se. Majestät die Schloßwache und die Garniion und ritt sodann an dsr Spiße der Truppsn von der In- fanterie-Kaserns nach drm Exerziéiplahs, wo A(lerhdchstderselbe die Truppen bssichtigte und die DiSpositionen zum Max:.dder gab, das fich nach dem GrieShsimsr ArtiÜeriNSchirßplaß hinhewegte. Um 11 Uhr kehrte Se. Majestät mit dem Großherzog an der Spihé des Hessischen Léib.Garde-ZxifanterieWegimentY Nr. 115 unter klingendem Spiel vom Mgndher inS Schloß zurück, wo hierauf das Familienfrühstiick 1iatt1a11d.

_ Ihre Majestät dir. Kaiserin und Königin Friedrich hatte, wie „W. T. B.“ aus Neapel deet,

' ,'»

gestern die Spißen der Behördén der Stadt zum Diner geladén.

_ Gésierti Nachmittag verstarb hier der friihere Justiz- Minister, StaatS:Ministsr Graf Le op 0 l d zur L ipp e :Bi e ster = feld-Weißenfsld, Mitglied des Herrenhausssz und Kron- syndikusx im Alter von 74 Jahren.

_ Der VevoUmächtigte zum VundeErath, VÜrgereister der YUM und Haniestadi Hamburg, Dr. Yerßmann, ist von erlin wieder abgereist. '

_ Dem Regierunch-Affeffor Heiiing zu Arnsberg ist die kommissarische Verwaltung des Landrathésamtcs im Kreise Ahrweilsr, Regierungsbezirk Koblenz, übertragen worden.

Der bisher im NeichY-VersicherungSamr kommissarisch de: schäftigte RegierungS=Affei1or Joswich aus Miuden ist an die Königlich? ngierung zu Schlrswig vsrsiht worden.

_ Das UehungEgeschwader bestehend au?- den Panzersckyiffen „Kaiser“ (Flaggickxifi), „Dey1schland“, „Preußen“ und „(“riedrichderGroße“,Ge1chwader-Chef Contre-Admiral Hol man n, ift am 8. Dezember in Corfu eingetroffen und beabsichtigt, am 21. wieder in See zu gehen.

Hannover, 7. Dezember. In der heutigen Sitzung des Provinzial-Landtages wurden zunächst die Mitglieder der Rechnungskommiffion durch Akklamation gewählt und hieraus die Berathung des Ha11§halt§p1_anes für 1890/91 wieder aufgenommen. Die Außgabsn iür dis Hcil- anstaltsn in Göttingen und OZnadrück, die Taubstummen- anstalten in Hikdesheim und Stade, die Hebeammen-Lchranstalten, die landwirthschastlichen Lehranstalten, soxvie die Ausgaben für V1inden-,Jdioten: und Rettungsanstalten, “für das jüdische Schul- und Synagogenwefen, die Beihülfen an milde Stiftungen 2c. wurden ohne wesentliche Aenderungsn genehmigt. Es folgen die AuSgaben für Chauffeen, Landstraßen und Gemeindewege. Die Verwaltungskostcn dcr Chauffeen 2c. mit 244 305 „46. wurden bewiÜigt. Für die regelmäßige Unterhaltung der Chauffeen wurden 1600000 „16, fiir Besoldungen und Vergütungsn der ChauffeeaufsehEr und Wärter 164 300 «M, für den Verfügungs- fonds 30000 445, für den Landstraßenbau 1216 630 «ck ein- gesteUt. Die AUHgaden des Forst-Etats wurden ebrnfaüs ge- nehmigt. Eine längere Dedaite entspann sich bei der Be: rathung 11er die Aufwendung für den Moorkulturfonds, in- dem bei 8 dek- Vertrages mit den Kolonisten kon- statirt wurde, daß den Kolonisten ein Recht auf Erwerb des Kolonats nicht ge eden werde. Da: gegen war Abg. Dr. Windthorst der Ansicht, daß die Kolonisten ein Recht auf Erwerb des Kolonats hätten. I m schloß sich der Abg. Ludowieg an, welcher behauptrte, der '. 8 gebe den Kolonisten ein klaghares Rscht, und der die Abstimmung über die Auslegung di€1es Paragraphen zu v2r1chieben hat. Der Abg. Fürbringer hielt dafür, Es müsse durch Provinzial- statut die Veräußerung der Kolonate geregelt werden. In der Abstimmung wurde der Antrag deS Abg. Ludowieg, es stehr den Kolonistrn ein klagbares Recht aus dem §. 8 zu, ab- gelehnt, der Antra des Abg. Fürbrmger, Erlaß eines Pro- vinzialstatuts, gene migt.

Dortmund, 7. Dezember. Se. Majestät der Kaiser hat den Hinterbliebenen der bei der Katastrophe auf der eche „Konstantin der Große“ dei Bochum vermiglückZen erg- leute, der „Rhein.=Wests. Ztg.“ zufolge, AUerhöchsisem Beileid durch das hie1ige Bergamt ausdrücken lassen.

Bayern. München, 7. Dezember. _(Allg. Ztg.) Heute Vormittag kurz vor 11 Uhr versammelte sich eine Deputation des St. Georgi-Nitter=Orden§, bestehend aus, dem Großkanzler Freiherrn von und zu Franckenstem, den Kapitular- Großkomthuren, Kapitular-Komthuren, Komthuren. b0u0r88 sowie aus der Ritterschaft abgeordneten Herren, m den Vor- zimmern des Prinz-Regenten. Mit dem Schlage 11 Uhr trat Se. Königliche Hoheit der Prinz-Regenr, umgebexi von den erlau ten Großprioren: den Königlichen Prinzen Ludwig, eopold, Ludwig Ferdinand und Alphons, mitten unter die versammelte OrdenS-Dsputation und nahm eine Ansprache des Großkanzlers entgegen, welche in dem Glückwunsche der Ordensmitglieder zum 50jährigen Jubiläum des Prinz-Regenten gipfelte. Als der Groß- kanzler miitheilte, daß die Mitgliedschaft fich gleichzeitig ein Andenken zu übergeben erlaube, theilten sich die OrdenSmit- glieder, und auf einem Tische wurde das Geschenk für

den Allerdurchlauchtiasten Großmeister - Stellvertreter _ein prachtvoller Tafelaufsaß mit den Wappen sämmtlicher OrdeUSritter, sichtbar. Se. Königliche Hoheit der Prinz- Regent besichtigte mit großem Interesse die Festgabe und sprach tiesgerührt" seinen Dank aus. Hierauf hielt dsr Regent Cercle, welcher eine halbe Stunde dauerte. Nach Entlassung der Großpriore und der OrdenSmitglieder gewährte Se. König- liche Hoheit den sechs Kandidaten, sowie nochmals den drei Aufschwörern Audienz.

Se. Königliche Hoheit der Prinz Alphons begiebt fich am nächsten Dienstag nach Italisn, um seine Schwester, die Prinzessin Elvira, abzuholen, welche dort seit einigen Wochen bei der dem Herzog und Herzogin von Genua weilt.

_ 9. Dezember. (W. T. B.) Dxr Prinz-Negent hat-den hiesigen Domprobst von Rampf zum BiFchof. von Pai sau ernannt.

.-Württember . Stuttgart, 7. Dezember. (253. T. B,) Se, Majestät der önig hat heute das neuernannte Mitglied des Königlichrn Geheimen Raths, Wirklichen StaatSrath von Breitling, sowie den bisherigen (““Second-Lieutenant im Feld-ArtiUerie-Regiment, Prinz-Regent Luitpold von Bayern Nr. 29, Freiherrn von Varnbüler, WL1ch€T bei der Truppe des Reichs-Kommiffärs Majors Wissmann in Diknst getreten ist und sich in den nächsten Tagen iiach Afrika hegiebt, in Audienz empfangen.

Baden. Karlsruhe, 7. Dezember. Die Zweite Kammer nahm in ihrer gestrigen Sißung dis Gcsehentwürfs, betreffend die Vereinigung der Gemeinden Günterchal und Hashach mit der Stadtgemeinde Freiburg, in zweiter Lesung an. Betreff?- der RechnunanachwÜsungen des MinisteriumH der Finanzen. für 1886/87 stimmte das Haus den Anträgen der Budgetkommiffion, die bezüglichsn Nachweisungen sämmt- lich für unbeanstandet zu erk1ären, bei.

Bsi der im 28. Wahlbezirk (Bezirksamt Ohsrkirch und Gemeinden vom VezirkSamt Achern) heUts siattgehabteu Er s ah- wah1 einrs Abgéordneten zur Zweiten Kammer der Wände- versammlun wurde der Bürgermeister Jossf Geldreick) in Oberkirch Mit 66 Stimmrn gewählt.

Mecklenburg- Schwerin. Schwerin, 7. Drzrmher. Wie den „Meckl. Nachr.“ aus CanneH gemeldet wird, war in dem Vrfinden Sr. Königlickoen Hoheit dss Großherzogs seit _dem 5. d. M. keine merkliche Veränderung eingstreten; Höchstderselde hütet das Beit, die asthmatischen Be- schwerden haben sich nicht verschlimmert: es ist kein Fieber vorhanden, aber es herrscht große Mattigkeit. Gestern fand eine Konsultation von drei Aerzten statt: dem behandelnden StabiaUZt ])r. Martius, dem hiesigen ])r. Blanc und dem Dr. Cube aus Mentone.

Braunsthtveig. (J.) Braunschweig, 7. Dezember. Se. Königliche Hoheit der Prinz Albrecht von Preußen, Regent des Herzogthums Braunschweig, Empfing heute früh um 101/2 Uhr in besonderer Audienz im Rssidenzschloffe die DZeputation des 1. Vrandenburgischen Dragoner- Regiments Nr. 2, welche Höchstdemfeldeii die Glückwünsche des Regiments zum 25éähricken CheftJubiläum aussprach und als eine Erinnerung ake-disssen' Tag Höchstdemselben ein Bild überreichte, weléhes zwei Schmadroncn der Dragoner mit der Standarte darstellt, vor denen das Lanze Offizier-Corps mit dem Commandeur hält, im Hintergrunds sisht man einßn Theil des Schlosses it'. Schwedt. Diss vorzüglich kolorirts, von H. Schnäbeli gefsrtigte Bild ist 1 m 12 cm lang und 74 cm hoch. In der Mitte des 011€an Théilés dss schwarzenRahmsns befindet sich ein bronzener Adler und die Mitte deS unteren Theils des Rahmens deckt eine metaÜene Schleife, wc-lchs eingravirt fol- gende Widmung trägt: „Sr. Königlichen Hohéit dem Prinzen Albrecht von Preußen, NLJLUtLU des Herzogthums Braun- schweig, zu seinkm 25jährig€n Jubiläum alH Chef des Regi- ment?- in tiefstsr Ehrfurcht unterthänigst RwidmetvomOffizier- Chips des 1.Vrandenburgischen Dra oner:5 egiments Nr.2.“ Nach Entgegennahme der Glückwünsche ?ührte der Regont die Depu- tation zu Ihrer Königluchen Hoheit dsr Frau Prinzessin. Darauf nahm der Regent im großen Audienzsaale die Gratulation des General-Ititendanten, General:Lieutenants von Rudolphi, des General:Adjutanten, General-Lieutenants von Wachholß, des Ge11eral-Hof-Jntendanten Freiherrn von Löhnerxen, des Hof- marschalls von der Mülbe, dex“; Militär-Gouvernsurs Oderstén von Schrdtter, des GenerabMajors von Wahlkampf, des Oberst-Lieutenants imd RegimentS-Commandeurs Rabe von PapZFnh-zim, dss Oberst Lisutenants Freiherrn von Funck fiir den egiments Commandeur Oderst von MÜÜer, des Second- Lieutenants Grafen von der Schulenburg von dsr Reitschule in Hannover und des Ceremonienmeisters Kammerherrn Grafen von Keüer entgkgen. Namens des Herzoglichen StaatS-Minifte- riums: war der Vorsitzende desselben, Wirkliche Geheime Rath ])r. Jux. Otto, erschienen. Sodann bsgab sich dsr Regent mit seinen Gästen nach dem Herzoglichen Marstall, wo Höchst- derselhe durch den Vize-Ober:Stallmei1ter Freiherrn von (Hirse- wald in der Reitbahn Pferd-Z vorführen ließ, und von dort zu Fuß nach der Burg Tankwarderode und dem Dome,1vobei Se. Königliche_Hol)eit seine Gäste auf Einzelheiten der Bau- werke aufmerk1am machte. Um 1 Uhr sah Se. Königliche Hoheit die Herren der Deputation, den Vize-Ober-Stallmeister Freiherrn von Girsewald, den Second-Lieutenant Grafen von der Schulenburg, den Hofmarschakl von der Mülbe und die Adjutanten vom Dienst zum Frühstück bei sich. Nachmittags fuhr Se. Königliche Hoheit mit den auswärtigen Herren nach der Besißung des ize-Ober-Stallmeisters und zeigte seinen Gästen die vom arzburger Gestüt seit einiger Z9,eit daselbst aufgesieüten Hengt'e „Kisber“ und „Emilius“. kack) einer Spaiersahrt um die Fromenade kehrte Höchst- deréelbe mit eglertung um 1/2 Uhr ins Schloß zurück Auf der Fahrt hatte Se. Königlich)? Hoheit in der offenen vierspännigen Equipage den 8 iments- Commandeur, Oberst-Lieutenant von,Blumenthal, ne en sich, die übrigen Herren folgten in zweispännigen offenen Hof- wagen. Mit dem Zu e Nachmittags 4 Uhr 45 Minuten trafen der General der avallerie von Drigalski, der General- Major von Winterfeld und der Hofmarschakl von der Schulen- burg aus Hannover hier ein. Zur Tafel um 51/2 Uhr waren die eben genannten Herren geladen, und nahmen daran, außer der Deputation, die Morgens zur Gratulation an- wesend gewesenen Herren vom Hofe ThSll.

Sachsen-Meiningeu. Meiningen, 7. Dezember. Die „Sammlung der landesherrlichen Verordnungen im Herzog- thum Sachsen-Meiningen“ veröffentlicht die nach einer zwi1chen der Herzo lichen StaatSregierung mid den StaatSregierungen des Gro her ogthums Sachsen-Weimar, des ?erzogthums Sachsen-Alten urg und des Herzogthums Sach en-Coburg-

RegierUiigÉ:Rath"' "Sténéhérg, N'eg

(

Gotha getroffenen Vereinbarung am 15. o. M. in Kraft tretende Ordnung der Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen in den sachsen - erneftinischen Staaten vom 1. November 1889, welche an die Stelle der durch Ministerial-Vekannimachung vom 21. Oktober 1887 veröffentlichten Vrüfungßordnung tritt.

Sachsen- Coburg: Gotha. Coburg, 7. Dezember. (Cob.Ztg.) Se. Hoheit derHerzog ist heute früh nach Schloß Oberhof abgereist und wird sich von dort morgen zum Besuch des Herzoglichen Hofes nach Meiningen begeben.

Lippe. Detmold, 6. Dezember. (Hann. C,) Der Landtag wurde heute Nachmittag um 4 Uhr durch den Präsidenten von Lengerke erYnet; am Regierungstische hefgnden sich Kabinstß-Minister olßzramm, Gehsimer Ober:

_ erungséRath 'Overbsck, RegierungH-Rath Pustkuchen. Ehe in die TageSordnung getretrn wurde, - machte der Präsident die Verände- rung am Regirrunchtiscke bekannt, nämlich, daß an Stelle des KahinetS-Ministexs Freiherrn von Richthofen Kabinetß- Minister Wolfgramm getreten. Es wurden darauf die ver: schiedenen Vorlagsn genehmigt. Sodann trat der Landtag in die TageSordmmg ein und beschloß: 1) Die Proposition der Eisenbahn von Dstmold nach Sandeheck urid von Lage nach Hameln wird auf Antrag des Präsidenten dem Land: tage als Kommission vorgélegt. 2) Die Proposition Etat der LandsHkaffe pro 1890 wird auf Antrag des Abg. Assmiffen vorläufig vertagt. Darauf wurde in erster Lesung die Abändérung der Gehä1ter drr Staatédeamten beraihen.

Deutsche Kolonien. Nack) einrr Meldung des „Reuter'schen Bureaus“ auH _Bagamoyo iibzr Zanzibar vom 8. d. befände sich Emin Pa1cha noch immer in einem gefährlichrn Zu- stande; indssjen glaubs Dr. Parker fortgeseht an eine Wiederherstehlung, wenn „keine Komplikation eintrete. Der Patient 1111112 viel und leide an der Schwierigkkit, die Lump? frei zu machen; „im Uehrigen seien die Symptome günstig. _ Stanley ist am Freitag an Bord S. M. KWUZEL'S „Sperdrr“ MHZÜUJZÖÜT gelandet.

, Ueber die Ankunn E1ninPa1cha'_eZ und Stanley's in Bagamoyo lisgt noch folgend? Depsxck)? aus Zanzibar, 4. Dezembsr, vor:

„Eine BLJLJUURA i_n*ischen_Mr. Stanley, Emin Pascha Kapitän Casati und Major Wißmann sa::d Dienstag J.)?orgen in Antoni, am gegenüberliegkndén Ufer des Flusses Kinghani, statt. Die G::sundlxeii sämmtlichcr Forscher und de üblichen [ovalsn Toaite wurdrn in Champagner ausgebracht. Die ganze Expedition kam brate (“Mittwoch) Morgen 11 Uhr in Bagamoyo an Major Wiff- niann hatte Pferde für Stanley und (Emin Pascha beschafft und auf denselben hikliéxi' sie einen Trimnrhzug in Baga- moyo. Die Skadi war seitlich geschmückt. Grüne Guirlanden waren über alle ,AVenuen gespannt [Md aus aUen Fenstern wrhten PalmeniWcige. Major Wisiinann's Scksuhtruppr, sowic das deutsche Kriegsschiff .Spcrdsx'“ feuerien je 9 Salutsckoüffc ab. In Majrr Wissmann's Hauptquarticr wurde iämmtlichrn Offizisren der Expedition ein Gabelfrühstück servirt. Der Kavitän des „Sperber“ bewillkommnetr Namens deZ deutichm Kaisers zuerst Mr. Stanley, dann Emin Pascha und beglückwünschtc sie zu ihrer Rückkehr zur Civ-xlifaiion. Sämmtliche Schiffe auf der Rhede Hkangten im Flaggenschmuck. Vicle Personen kamen heute hier an, darunter der englische Konsul Mr. ChurchiU,_der englische Konsularrichter Cracknel], der deunchr Und der italieri1che Konsul. Abends fand ein Banket statt und beim Champagner brachie der deutsche Gencralkonsul, Herr Steiiensand, einen Toast auf die Königin von England auI. ijor Wissmann [rank anf das Wohl Stanleh's und nannte ihn skincn Lehrmeister in der Afrikarrforschung. Mr. Stanley LledeTe im Vcrwufe einer hersdten Ansprache, cr danke Gott, daß er ie'me Pflicht erfüllt habe, Er sprach herührt von feinen Soldaten. dcrrm Gebeine im Walde hleickoten, und bemerkte, dai; das_Wort ,Vo-wärtö“ stets feine Parolexund die seiner Mannschasjen gcwssen. Der göttliche Einfluß habe ihn in seinem Werkr gewirkt. DMM sagte er: „Emin ist héer, Ersati ist hier, iä) hin hdr und Me die jungen Männer, die mit mir gingen, find hisr.“ Schließlich d(mkte Lk dem Major Wifftnann und dem ,Herqld“ für di? ihin_gesandten (ngenstärxde. Emin Pascha brachte die Gesundheit deI Kaisers Wilhelm aus und Major Stairs !"1atiete ken Dank Namens dcr Offiziere Stanley's ab. Kapitän Brackcnburv, drr anwxiende ältrste Flottenoffizier, brachte einen Trinkspruch aus'Maj-Jr Wimnmnn aus, dcr begeisterte AUfnahme fand.“

Qefterreich-ngarn. Wien, 7.Dezember. (Wien. Ztg.) Der Budgetansschhß des Abgeordnetenhauses nahm heute das Gesrh, betreffend die Forterhebung der Steuern und Abgaben, dann die Bestreitung des Staatsaufwands in der Zeit vom 1. Januar bis Ende März 1890, sowie die Vorlage, betreffend die Verwendung der dem Nerat zufallenden Entschädigung anläßlich der Ueber- nahme des Prdpinationsrechls in Galizien unverändert an.

Budapest, 7. Dézembsr. (W. T. B,) Das Unter- haus nahm heute die Vorlage über das Nekruten:Kon- tingent an. Der LandeSvertheidigungs:Minister, Baron Feiervary, stellte für das nächste Jahr einen Bericht über die Institution der Einjährig =§reiwilligen in Aussicht. _

Agram, 7. Dezember. ( ien. Ztg.) Der kroati1che Landtag erledigte heute das Budget in dritter Lesung.

Großbritannien und Irland. L o n d o n , 7. Dezember. (A. C.) Die amtkiche _„London Gazette“ veröffentlicht den Wortlaut eines zwi1chen Großbritannien und der R e- publik Columbien geschlossenen Auslieferungsver- trages, sowie den Text eines britisch-italienischen Verkrages in Bezug auf das Recht der Durchsuchung v o n S k [ av e n s (1) if f e n , welche die italienisthe Flagge tragexx.

Lord W o ls e [eZ erklärte gestern bei einer Preisverthei- lung, daß die im ager von A ld ers h ot stehende Division innerhalb zehn Tagen mit dem neuen Magazing ew ehr bewaffnet werden würde. Im nächsten Ap ril werde hoffent- lich die ganze Armee mit dem rauchlosen P ulver ver- sehen sein, welches dem jeden anderen Landes ebenbürtig set.

Frankreich. P atis, 7. Dezember. (Fr. C) In der bergigen Sitzung der Deputirtenkammer theilte der Prändent loquet mit, der Abg. Ch iché, ein in Bordeaux gewählt?: oulangist, wünsche die Rogierung zu interpelliren über die Erhebung von früheren Abgeordneten zu hohen Staatßéimterp. Der Justiz-Minister T h 6. v e 11 et erklärte, die Regierung 1er bereit, der Kammer Rede zu stehen. Chiché beantragte sofortige Er- örterung der Angelegenheit, da die Ernennung von, ge- wissen ehemaligen Abgeordneten, die das allgemeine Stimm- recht abgele nt hätten, große Erregung hervorrufe. _Man müffe festste en, ob die Kammer ein solches Verfahren billige. Die Berathung der Interpeüation wurde mit 258 gegen 205 Stimmen auf einen Monat urückgeftellt. Die Wahl des Konservativen Multedo (AjaccioJ wurde wegen Beeinflussung

“durch die Geistliéhksit, besonders durch den Bischof von Ajaccio,

mit 279 gegen 236 Stimmen für ungültig erklärt. Mit gegen 252 Stimmen wurde die Wahl Neyrands

(St. Etienne) ebenfalls für ungültig erklärt.

RnYand und Polen. St. Petersburg, 8. Dezember. (W- T. .) Der „Russische Invalide“ _macht Folgendes be- kannt: Der Prinz Louis Napdleon ist zum Oberst-Lieute- nant im Dragoner : Regiment Ni1hni : Nowgorod, König von Württemberg, ernannt. Gleichzeitig ist ihm Urlaub nach dem Auslande bis zum 15. April 1890 bewiüigt.

- 9. Dezember. (W.T.B.) Jm Winterpalais fand gestern das übliche Diner, _anläßlich des St. „Georgs- Ordensfestes unter Beiheiligung der Kaiserlichen Fa: milie und der hohen StaateZwürdenträger statt. Nach dem

_,„Gxashdanin“,trug„ der Kaiser bei___d_er_ Tafsh die Uniformdes-

Dragoner-Negimentkz Nishni:Nowgorod.

Italien. Noni, 7. Dezsmber. (W. TV.) Die Re- gierunß hat den Signatarmächten de_r (Hsnsralakte der Berliner Konferenz mitgetheilt, daß dcr Artikel 5 des Vertragcm zwischen Italien und dem Sultan von Haussa. dém Chef aUer Danikils, wie folgt, lautet: Wenn Haussa oder irgend ein Punkt seines Gebietes und der Dependenzsn béssht werden soÜte, so 1011 der Sultan sich dem

widersttzeg und. die italienische Flagge mit dsr Erklärung auf- hiffen, daß LL? ieineStaaten und Dependenzen unWritalieniicheS Protektorat gestSUt habe.

Nach Liner Meldung der „Agenzia Strfani“ aus Massova [) brachten Dedschak Sejum uud Dedschak Sslohat, Läuptlinge der Provinz Aggms, welchen sich zwei Banden

jngehorener untLr dem Bsiehle des Kapitäns BeÜini an- geschlossen hatten, am 2. d. M. Mangascha und Ras Alula eins vo1lftändige_ Niederlage bei. Nach dirsem Gefecht ist dir'gesammte19ind1iche Streitmacht in der Provinz Tigre vernichtet. Ei1iaussühr1ichsrer Bericht über das Griecht wird erwartet.

Brindisi, J.Mzsmher. (W. T. B.) Der Großfürst Péter von Rußland ist mit _(Hmeith und Gsfolge gestern L_ldend hier eingetroffeii, um nch nach Akexandrien sinzuschiffen.

Portugal. Lissabon, 7. Dezember. (W. T. V.) Der Dampfrr Alagoas“ ist unter der alten Flagge BrasiliMS, mit dsm Kaiser Dom Pedro, der Kaiserin und der kaiserlichen Familie nebst Gefolge an Bord, heute Morgen hier eingelaufén. Bei Belém, _gsgenüder dem Lazarsth, wnrde m_igelegt. Die hohen Neiwnden derließsn alSdald das Schiff,_ .

Auf die lehre Note Lord Salisbury's ermiderie der

kinistér dss Aeußeren, Barros Gomez, daß er die: Rechte Portugals aufrecht Erhalte, wslche sich auf die früheren Erforschungcn des Landes (Siidost-Afrika) sowie auf di? yffektivsn Besetzungen griindetsn. Portugak hahe stets ?Ue Anstrengung gsmcicht, um dén Sklavsnhandel zu hr- ämpfen.

Belgien. Brüsssl, 8. Dezember. (W. T. V.) JR der gestrigen Sihung der Antisklaverei-Konferenz wurde die Absendung Liner G1ückwunsch-Adresfe_ an Emin Pascha und Stanley beschlossen. Nach Schluß drr Sihuna nahm die zum Studium drr Unterdrückung dees Sklaven- hande1s in Junsr-Afrika eingeseßte Kommission die Diskussion mehrerrr ihr vorliegender Vorschläge wiéder auf und genehmigtß mehrer? Artikel.

Im 51911an der gestern von drr Kammer fortgeséhtsn Debatte Übér die Znterpe11ationBara vertheidigts der Deputirte Jacobs: (Rechte) den Minister Dcvokdsr. Ter Ministsr des Innern protestirte energisch gegrn akle gegen ihn gerichteten Verléumdungén. J auson und Bara kamen auf ihre vorgestrigen Ausführungen zuriick. Die Kammer ging darauf untér Billigung der Handlungen des Ministeriums mit 76 gegen 34 Stimmen zur Tages: ordnung übsr.

Serbien. Belgrad, 7. Dezsmber. (W. T. V.)_ In drr Skupschtina erwiderte der Finanz-Minister aux die Jtiterpellation itbrr daS Verfahren des früheren Finanz- Ministers Rakitsch, daß die Kontrahirung der vor: ]ährigen Anleihe der serbischen Tabackkoose nicht ge1shlich gewesen, weil der Minister an Stelle der de: willigten schwebenden Schuld von 5 MiUionen cine Lotterie- Anleihe von 10 Millionen Frcs. aufgenommen, weik er ferner über eins MilLion ungsseßlich verwendet und das Tabakk- monopol eigenmächtig Andern übergeben hahe. Betreffs der verlangten Anklageversehung des früheren Ministsrs Rakitsck) xrklärle der Präsident, daß hierzu ein besonderer Antrag er- fordsrlich sei.

Die Meldung verschiedener Blätter, daß die Regierung demtiirkischenVize-Konsul zu Vranja die Entziehung des Exequaturs angedroht habe, wird alS unrichtig erklärt. Die Regierung hat dem türkischen Gesandten nur eine Zusammensteklung mehrfacher Beschwerden übergeben und 1316 Ansicht ausgesprochen, der Vize:Kon'ul könne nicht_auf 1emrm jehigetrPosten verbleiben. Die ntwort der türki1chen Regierung ist vis heute noch nicht erfolgt.

Parlamentarische Nachrichten.

Zn d;r heutiFen (ZZ.) Sitzung des Reichstages, Welcher der Staatsse retär Freiherr von Maltzahn sowie andere Bevollmächtigtß zum VundeSrath nebst Kommiffarien b-vaohnten, stand auf der Tagesordnung: die Fortfehung der zweiten Berathung des Entwurfs eines Gesehes, be- xrxffend die Feststellung des Reichshaushalts-Etats Wr das Etatsjahr 1890-91, und zwar der Etat Zölle uiid Verbrauchssteuern _ Einnahme: Kapitel 1 Titel 2 [Us 8, 'auf Grund mündlichen Berichts der Kommission für den RhichshaushaltSÉtat.

Die Berathung wurde fortgesest mit Titel 2 (Tabac!- “LU? 1?). Berichterstatter war der Abg. von Wedell-Malchow.

Abg. Kroeber fügte seinem jüngst geäußerten Wunsche nach Beseitigung der Lebenßmittelzöüe den auf Aushebung oder wenigstens Herabsetzung des Zokles auf Taback hinzu. Der Rückgang des deutschen Tabackbaues und des deutschen FJMSH'UM Taback weise dringend auf eine solche Maß-

me in.

Abg. Müller (Marienwerder) bedauerte, daß die Regie- an aus fiskalischem ?ntereffe der Herabsetzung der „Tabackfteuer auf inländi chen Taback widerstrebe; die

m ihrer wirthschaftlichen Existenz bedrohten deutschen

Tabackbauer würden Überrascht und betroffen dieser Fiskalität der Reichswgierung. Die Taback- bauern würden dankbar sein, wenn wenigstens die Erleichterungen ihnen gewährt würden, die im Wege des Reglements ohne Aenderung der Geseßgebung möglich seien, wenn namentlich die Bestimmungen über die Hebung gemildert xvürden; sie würden dann gern ihre weiter gehenden Wünsche in Bezug auf Aenderung des Steuersystems und der Steuer- sähe Zurückstellen.

bg. Scipio trat ebenfalls für eine Aenderung der Hebungsbestimmun en ein; insbesondere sei das nothwendig dei denjexiigen in ezug auf den Hagelschlag und die Fermen: tation. Abg. Grad wünschte einß Steuerermäßigung nicht durch Herabseßunq des Steuersahes, sondern durch Beseitigung der Steuer auf die AbfäÜe (Stengel und Rippen), die bei déi; ?liämxchen Tabackblätxern bis zu 30 Prozent des Gewichts betrügen.

Abg. Sch 11115 legte die traurige Lag? dess TahackhaurH dar. Der Tahackhau gehe beständig znriick, dsr Vsr'hrauch gn Raachtaback habe erheblich abgenommen; man legs sich 16th mehr auf QualitätH=, ach, wie bisher, auf Quantitäts'bau. A er gleichwohl sei eine Besserung nicht bemerkbar. Der de_utfche Tahackhau verdiene besondere Berücksichtigung; es ist Pohl mög1ich, in Deutschland einen vorzüglich-Zn Tadack zu ziehen. Ta?» finalischE Intereffe soUte mehr zurücktreten.

Abg. Clemm (Ludwigshafen) fand es. unbegreiflich, daß, obgleich dir berechtigten Wünschs der Tadackhauern schon sSit drei Jahren im Reichstage vorgetragen würdsri, biIher eine Vorlage in ihrem Sinne noch nicht gemacht sei.

StaatSiekretär Freiherr von Malhahn erkanntr an, daß die Znterrffen der Tabackbauern die warme Ver: tretung verdisnten, die sie im ReichstaZs fänden, Die Griinds fiir dir jSH1g€ wenigsr Ünstigé age des Tahackbauss seisn aher iiicht ausschließli auf dem Gebiet der Stsurrgeseß: gebung zu suchén. Die Mitte[, einen Thsil des Mißstandes zu deseitiqén, lägen in der Hand 1791? Tahackbausr selbst. Die Vsrhandlmigén Über diesen Grgrnstand srie'n ührigenß im Gangs, adrr noch nicht adgeschloffrn. Die fiskalischen Gesichtes- punkte außrr Acht zu 1aff9n, seien die Regierungen nicht in der Lage, da die Einnahme aus drm Taback ein Théil der gésehlich gsgehsnén Grundlage der R81chS=Finanzen sei.

Ahg. Freihérr von Stauffenberg bemerkte, daß die Tadacksteuer se'xhst aUerdings dem Gesicht?:punkte der Fiskalitiit untsrliegen müffe, nicht aber die HandhahMg der Stsuer; es [ii 6 gar nicht im Interesse dLS Fiskus, nach jedén einzelnen P?Wnig za jahrn; dabei käme wrnig für dsn Fiskus herauH und die Tahdckproduzenten wiirden dadurch ungehener be- lästigt. Gründliche Hüls? werde dem Tahackhan nur durch eim», Revision dsr ganzen Tahaästéuergssehgshung gebracht werden können.

Nach weitsren kurzen Aeußsrungsn der Ahgg. Schulh, Menzer, Krdder und des BerichterstaUSrH Abg. von W6d€11:Malch0w wurds Tit. 2 bewiUigt.

„Tit. 3 Zuckersteuer“ enthält cm Matsrialsteuer: 7344000 «FC:, an VerdrauchSadgabe: 42010000 «46

Abg. Dr. Witt? führte aus, daß msder div: verhiindstrn NL; gierungen noch d€r Reichstag es verantwortsn kdnntrn, daß die Nübénsteuer inder bisherigen Weiss fortbestehs; sie müßté, s 0 weit als möglich, bsldigst beseitigt werden. Im Ei 1 für 1888/89 seien 10 840000 „% an Materialsteuer vérans lagt, und nur 1705000 «% tha1sächlich eingsnommen;_ die Tiffert)"; sei alS Exportprämie gszahlt. EH würd2116,40„»jé.1ür d€11TOPPL[:C€11M€r SWUSY erhobsn, 8,50 «41: adsr him Export zuriickvsrgütet, eine Expdrtprämie von 2,10 „Fl: also gßleistet. Es sei leh- haft zu wünschen, daß die Znckerkdnveniion zur Beseitigung der Prämien zu StaUdL komme; es scheine aher, als ob Jahre noch darüber vergehsn s011ten.

Staatssckretär Freihhrr don Malhahn Erklärte, daß über das Zustandskommen der Konvsniion der néichfteSommer entscheiden werde.

Bei Schluß des Blatts?) sprach dor Abgeordnete Fürst von Hahieldt.

(Der Schlußdericht Über die vorgestrige Sitzung dss Rsichs= tages befindet sich in drr Ersten Beilage.)

stin von

-- Von din Ahgg. Graf zu Stolberg-Wsrnigerddr und Wichmann isi folgrdcr Antrag cirizchracht wordkn:

Dcr Rcich§tag :roLle bescdüeßen: „Unter Bkiugnahme aaf di:" Resolution vom 5. März 1888 den Herrn Reichßkanzlcr zu crshckycn, Dem Reickiktagc einc'n Gesehentwurf Über Aufhebung drs Iden- titäts- NachWeiscs fiir tranfitirenkes Getreide vorzulegen.“

_ Der Abgeordnete Oskonomic- Rath Ferdinand Knauer-Gröhers ist, wie „W. T. B.“ aus Hakle meldet, gestern plötzlich verstorben. Derselbe vxrtrat den1Wahl- kreis Reg.:Bez. Morseburg (LiebriiwerdaTorgau) im Abge- ordneténhauss.

_ Im 16. schleSwig-holstsinischen Wahlbezirk _ Krris Stormarn _ ist an Stelle dss Geheimen Justiz-Rath Reimers in Kiel, welchsr sein Mandat :iiedergelegt hat, Landrat!) von Bülow in Wandsbeck (freXonserUativ) mit 165 Stimmen zum Mitglieds des Haus» der Abgeordneten gewählt mordeii. Professor Häusl in Kirk (freifinnig) erhielt 38, Finanz,:Rath Krieger in Altona (nationalliberal) 31 und Hofbesther Henne: berg in Poppenbüttel (nationalliheral) 2 Stimmen.

Eisenbahn - Verordnungs -Blatt. Heraußgegeben im Könißlicben Ministerium der öffentlichen Arhxtten. Nr.29._ Inhalt: AUer öcbster Erlaß, betreffend anderwerteFettiehung der Entschädigung für Entnahme von FeuerungSmaterial aus _fiskaliscben Vorrätben. Vom 15. September 1889. _ Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten: vom 27. November 1889, betreffend Ausübung polixeilickyer Funktionen auf den Bahnhöfen und Bahnanlagen Seitens der Bahn- polizeibeamten einerseits und der Organe der allgemeinen Polizei andererseits. _ Nachrichten.

Centralblatt der Bauverwaltung. Herausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeixen. Nr. 49. _ Inhalt: Amt- liches: Personal-Narbrickyten. _ Nichtamxltches: Burg Gleiherg. _ Eiffel's zerlegbare stählerne Brücken. _ Eisenbahnbrücke zwischen Eng- land und Frankreich. (Fortsetzung.) _ Raxnmen von Buchenholz- Spundwänden in steinigem Boden. _ V2ry11schtes: Jestschrisx .Die Yoslaxer und Landfiye dcs württembergiscben Regenterihames. _

undgebung des Berliner Architekten-Vereins,“ betr. das National- Denkmal für Kaiser Wilhelm. _ KupstgeWerbliche Weibnacbxßmeffen in Berlin. _ Allgemeine clektroteckymsche Ausstellung in Frankfurt a. M. _ Donaubrücke in Rumänien. _ Umbau der Marienwaffer- straße in Rußland, _ Bücherschau.

Theater und Mufik.

Deutsches Theater.

Das alte Lustspiel von Sardou „Der letzte Brief“(1-€3 partes äs 1110116119) erstand am Sonxiahend im Deutschen Theater zu neuem Leben. Das Lustspiel gehör! zu den liebenswü'digsten und barmlosesten und erscheint Einem gegenübc-r der FkinitäT, die sich in den modernen französischen Lustspiele" und Sixtenkramen brcit macht, beinah? altfränkisch. Dcr Genuß, drr! eZ hereiist. isi unver- mischt und kein von aÜem Beigkschrdach; kkk'n auch die Mißverständ- nisse, Welche das Gebiet der Sitte hsrührkn, belcidigeti nicht, Weil ihnen keinerlei Vkrlctzung der SM? in den Vorakj-Zscyungsn Und in der Entwicklung drs Stücks 111 Grands liegt. Wsnn wir nicht irren, ist €? früher auch oft im KönigLiCbexi SÖaUWiklhauio gegeheii wordrn. Seine Wirdcrerweäung im Diutsrhen Thraker r2chtferiigt sich durch sick) selbst, wie auxk) durch die rortrcß'lick)“: Darsteüung, die ck 13121." k-Urch hewährtc Kräfte fand, Tir Jagd nack) drm „12131211 Briei',--den eine junge Frau roc ihxsr Ché an cinen damals 7101!) .:eliehten Mann geschrichen imd dcsfcn fis wcgen dsr Eiseriucbf ihres nahmehrigsn (Haften habhaft 41: Werden sich hismüht, WäkaW ihm der khstxiakö *G*?[isdte aU-Z Rache und Rancünc ihr rorihcmihaM-n incht, wrrds ron Hm, Nissen (Prokvxr ron Block) und dcr Frsundim dss Hausks, Frl. Mari: YoZpUÖil (Sdsannr dc Brix) in ilditem TSMVO Und mit hrdag- lichrm Hi1nidrdurckzgsiührtx Bcirc gaben sick) in ihrkm Wrscn xm- turlich'mzd UUJLFWUMW mid Tr.“.i-rn damit für ihre 971211in gerade das RtÖU-Zc. VOF ds_n Üdrigc-n V'iitrxirkcdkcn ieikn namenilicb Hr. En 9. 2123, der dexi .LHLTWT!“ZUT111LT grmüt1*lich;nk9uiii;d»11 Ki.;Ur machts, und Hr. Stefffcr, WL1Ö€1§ simon 11:11 ???.er SÜW Likör ÖLWUÜT-Éll Sindenten mit Vikl ircffcndrn Phiniem Q11§1'.111.111€11n*11§?16, herddr- grhohsn. Hr. Msrtrn (“(I.-17111932) "..:id ??kl, HTWK] “Nsvsr (Cla- risie) rxitrrstüßien sic aaf's Vxstc. Ti? leZsk'xxixixdg war „.*.iiÖUMkddsl Md richt ühcr1adrn. Der B:;„NU MWF- von Akt :ii Akt, shenso die Lachluii, die in diesem Stück LUUWUTUÉ) im [ZHTM “Uf: di:- 5um 57-31167: des derhangö 130119 karickigumI kindst, '

FriedriÖ-Wilhelnjstädtisches Thcatsr.

Am Soxinabkxid 1321211912 dis mne Orrrsrie „Primxciiin Pirhneite“, dcrexiLibrkrtd von 5.1)? Ordonnean *.;xid E.“.Élndréz, in deUischer Uchsrsehang khn Ri-Öard (Yxrxée dxrrüiri, znr rrstxn ekensd erfreulichen wie ErfolgrLZÉen ÄUfKUk-rhng. Dr Krizirhxiisi Robert Planquette hat sick) dUrÖ 57111")er Arhéitxn, khrch ssine - mrlodirenrcishsn .(Hklocksn don 15rx*;.cvi1le“ m;? d::rch dir zwar an? der Bühne k.:rzlcbi,;c, aher krixxirosiic'riirb nirht unbedeuténde Oysretik .Rid-Rip“ kccci75 rdrthcilüafr be- kannt gkmaiht, Die Vorzüge, irlech is:“.c ?xiihcrsii *lekcitcn aris- zciÖnetcn, ZöfäUigé Melddienführiniz] Urd interesixrjtz Vehaxirlmig des Orchestkrs finden wir auch in der *.*-?crixät wirksr, odii: daf; jx-doé) ein künstlrrischr Fortschritt in BE:,UJ ani" dis Vcktiréang d(r mmi- käl1schckl1 Wirkung hcmerkhar würds TiéMnsik ist knxrhwyx. eirfncki, anhcirw'lnd und in dsr Jmsirmnentaiion nirhr 91112 mewr; der UNO hier wieder vorhankrrc Rkichihixm ati Melodicii hält sick) fast immer von Tr.riali!ät fsrn, ohne drcki, wir dsmrrfr, tiefcrsn cigenartigcxi mwsikaäschkn (5561111! :11 rffsmharkii. Tr:? Frfi- ba1tsn ÜR L*ei'iimxiitrn rdwthmisäxrxi Formrn, irelkhs-J 111-“r neiicrsn Oprrcttenmasik fast ahsnahnileI sigen ist, s-Ökirit dcr Oxigzénalitäf dsr (Erfindung itmne: cugerser-nzsn zu zichsn. “Fm (?ixmcldcn bringi dic Novität ckck»! erfreuliihc NUnmxern, dcn wclOrn da? thti „Mir Zwaniig Jahrcxs.“ im zweitrii und M kOmUÖTÖ TUM im 12151611 Akt hewndere Erwähnang hrrdicncn.

Nm meistrn aufdrechsnd Und einheitlich Jcstalxsék sich der crste Akt, sdrm'bl WZ dir Frische dcr Lxdmddsitßvm, ai; WH dcn Tsrt an- betrifft; “.*ik Wi'kmig drs Fxrsiteri Aki?“ war 111.1in ;,mnsist in FOWL dec zkrjdlittcrten medlmiii. wädrsrd der dritte Aki kr.“- ithcrraschcndrr Kürzs, abcr “arch rrichder trika-«izvchcr Crichixn

'Was das Libresw Nnhctxifft, 11) crichw;ric cs drm TVlWiÖTSk sein? Arbeit durch die zahlxciÖcn Verknüvfungkn, MWS dir Schick- sale von vier Lirhcé-paarcxi 11211 cinandcr vrrbindcn. Wir im „"'Ncikkt ZU Richmorid' crsÖi-inkn zwci vrrklcidkte (Fdxldamcn, um sich als Mägde ZU rcrmicthen, _ diszmxi abcr nicht Bei LQUIlCUTkU, sdiidsrn dri zwsi gleichquS vcrkleidetrn (?dcllcaicn. Dic ?UNWfrradr Wielt den zweiten Akt hindurch fort Und finds? im dritten ihr K*VblxIéfäUiQöI und lustigc's Ende.

Die Darsteüung war eine in (111211 Theilen Crfrkhli-Öe, jeder Mik- wirksndc gab sein Bssteß und half so dsn schönen ElfOlA des Abends fickxkrn. Frl O;;fennh (Prinzessin Diana) smn; mit an,;eiiehmkr "Stimmr, dock) onte ihr da“; neckiiche, humor2stisch€ Spisl nick)! rrcht gelimien: urtrr dcmsclhrn Mangel an naiiirjixhem Humor litt auch die Darstellung deH FU. Schercnberg trrZ drr Gra;:e Und Zirr- lichkait drr Erschcimlx'g. "Frl. Lrjo san,] Und sdi-lte Tie ,Jaßmins' mit gutsm Gelingen. Ten jugendliÉ-en Licé'hzksr (33-2er ron Pchcgarde) krachte Hr. Steincr gesanglich ichr tüchtig zur Gsltung; sein Vortrag zeugte von warmc-r ElUPfilikUUI- dic Wort 11:11) Musik Yeledtmg vrrlirh, Hr. Mvnxi war ssd: glücklich mit fcincm lyrischen Antrittslied im erstsn Akt“, dic Stimme Entwickeln», cixikn warniexi, Miche" Ton und lies? gut? SÖUWNJ crk'cxxnsn. Einen Verliebten alten Gcckcn spiklteHr. Wellhoff mit scirich dcwohnien, rurchsch1a“endexi Humor zu aklgemeiner Vslusxigmig Die Herrin Hanno Und Pagin hatten wenig Gclcgcnhcit, ihr Könnm in den Vordergrund zu stehen.

Die- Kostüme Und Dckoratiorien Würén gcschmackvr-U Und prächtig, die Aufnahme rer Oherctts cine recht srirsiikicbc nn? gsmktige; nacb jcdem Akte rief der Beifall nicht nur di.- Da:s1c[1chr, sonrrrm an:!) Hrn, Kachmkistcr Jedermann und Hrn. Dirckrrr Frihichc hervor.

Sing-Akadrmie.

Fri, Lilli Schneider, einenochjugend1icheSäwgsriwersckiicn am Sdnnmhrnd zum erstcn Mal vor dem hisfigén Pablikum. Sie desi t eine umfangrriche und kräftige Shuranstimme, die aber no sehr der küxistleriscben Aushiide hsdaxf. um in einem öffentlichrn Concert mix Erfolg si?) börexi iu lasicn. Der schwankc'nde Tonansah hrcinträxhtigt dae Rcinhrit dcr Jmtonatidn, und es hat die stimmhcgahi? Künstlerin außerdrm die zu sÖarfe Klang- farbe ihrer höchsten Töne und ein dcn Vortrag beunruhigen- des Trennen der Worte zu Vermeiden. Dic Auöwahl dcr Gc- sängc zeugt? von gutem Geschmack; das Programm nannte: die Arie „Welche Ladung für die Sinne“ von Haydn, Li-Idcr von Bkcthoven, Schubcrt, Mendelssohn und Anderen, deren Ausführung freilich unter den erwähnten Mängeln litt. Der Pianist Hr. Sally Liebling UnterstütZte das Concert durch den Vortrag mshrekcr Klavierstücke. Beckhoven's (Ijs-m011-Sonate spielte der Künstler mit tadelloser Technik, doch ohne die erforderlichs Dirie dsr Anf- faffung. Besser gelangen die Picccn von Mendelssohn und Chrpin. Die Concertgeberin sowohl als der Pianist erfreuten sick) lebhaften Beifalls von Seiten des allerdings nicht sehr zahlreich crschiencnen

Publikums. Muster-Militär-C0nc_ert.

Der Verein zur Veranstaltung von Mu1ter-Militär=C-3ncerten veranstaltete am Sonntag Mittag in den Räumen des V i (10 ria- T h eate rs seine ziveite Aafführung, Neben den künstlerischén Zwecken, Welche der Verein Verfolgt, soÜen dieicConcerir auch noch der Wohltbätigkeitdienen; die Erträge f1ie_ßen dein AUerböch71 genehmigtcn Unterstühungsfonds für deutsÖe Militar-Mu1xker zu. Am Soxmtag be- theiligten sich an der Aufführung die Munkcorps des Kai1er Franz Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2, ch K,1iser_ Alexander (Garde- Grenadier-Regiments Nr. 1 und des_ Gäxrde-KÜrasfier-chiments unter Leitung der Königlichen Stabsboboimn Hrn. John und Jänisci) sowiedcs Königlickyen Stabstrompeters Hrn. Ruth. Das Concert zerfiel in drei große Abtheilungen, von denen die beiden ersten der Ausführung vou Werkm moderner und auch vereinzelt klassischkr Komponisten gewidmet waren. Es Wurde begonnen mit dem Chor „Wie lieblich find die Boxen, die den Frieden Verkündigen“, aas Mendelsjohn's Oratorium . 1aulas“; ferner heben wir aus dem Programm hervor Wagner's uverwre zur Oder ,Rienzi“, Gluck's Ouvextnre zu .Armide', den Kriegermarxcb aus .Athalia' und Mozart's „576 serum“. Der Vortrag der einzelnen Nummern war durchweg saubcr und klar; es Wurde mit großer Prä- zision und mik anerkennenswerthem AuSdruck gespielt; auch das