1890 / 43 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 15 Feb 1890 18:00:01 GMT) scan diff

_ Der am iefigen Allerhöchflen Hofe akkreditirteKönig- lich spanischehBotschafter und dessen Gemahlin werden den für den 10. und 11. o. M. aygesagt gewxsenen, aber in Folge Zinscheidens I rer Hochseltgen Maxeftat der Kaiserin und önigin Augu a verschobenen Empfan der

ofgeseUschaft nunmehr am Donnxrßag, den 20., un am rertag, den 21. Februar 1890, xedeSmal Abends von 91/2 bis 11 Uhr, ßatlfinden lqffen. Der Anzyg isi in dex vor- eschriebenen Hoftrauer: xür die Damen _m anageschmxxenen Kleidern, für die Herren „vom Militär m kleiner Umsorm, für die Herren vom Civil m Frack und Ordensband über der

Weste.

_ Fol ende Allerhöchste Kabtnets-Ordres werden von dem rmee-VerordnungS-Blatt“ veröffentltcht:

]) betreffend die Organisation des Kadetten- Corps 2c.: . „. _

„ch erachte es.für notbwmdtg, daß,das Kadetten-Corps auf der

Grundlage, welcbe Se. Majestät der “Kaiser und König Wilbrlm ]„ Mein in Gott ruhender Herr Großvater, _m nie rastender Jursokße für die Wohlfahrt der Armee durcb Einfuhrung des Lehrplanes der Realgymnafien ibm gegeben hat, nach folgenden Gesichtspunkten noch eine wseixlere Aukgestaltung und Vertiefung seiner Lebraufgabe er- a ren o : f b 1) Zweck unkx Ziel allxr. namentlich aber der militäriscbeq Er- zicbung ist Die auf gleicbmaßlgem_ZUsaYmenwirken der körperltchen, rrjffenschafjlicben und religiös'fittlr xn Schulung und Zucht bexubknde Bildung des Charakters. Keme Serke h_er Erziehung darf ausKosten dar anderm bevorzugt werden. Der waffenschaftliche Lehrplan des Kadetten-Corps stellt aber nach Memen Wahrnehmungen gegxn- wärtig zu weitgehenkxe Anforderungen an ein_e große Zahl von Zog- lingen. Die Lebraufgabe muß durch Ausscheidung jeder enibebrltch'en Einzelheit, insbesondere durch gründltche Sichtung des Memorrr- stoffrs, durchweg vereinfacht werden , soda auch mmder „be- anlagte Schüler bei entsprechendem Flei e dem Unterricht obne Ueberanstrengung folgexr und den gesammten Lebrggng in der vorgeschriebenen Zeit zurucklkgxn können. Was der Unterricht hierdurch an Ausdehnung Verliert, with er an Gründlichkeitkgewmnen. Nach diesem Geficktépunkte werden die Lehrer in allen Faäzern und auf allen Stufen ibre Methode fortan einzurichten haben.

2) Bei aller Verernfacbung muß her Unterricht indeffen pochmehr dahin nutzbar gemackot werderx, daß die Kadetten nicht aÜemsdte fur den milinxrifcbcn Berusunmtttelbur crforkerljcben Vorkenntmffe und Fertigkeiten gewinren, Undern, auch ein cinigks Rüstzeug erhalten, wclcbes fie befähigt, selber deremst m der rmee, der großen Schule der Nation. fittlick) erziehend und heFebrend zu wirken, oder falls fie später in einen andcren als dcn Militärischen Beruf übertreten, auch kort ihren Platz aquufüUm. ' , _

Jm ReligionSunterrtcbt'tst die ethische Seite deéselbrn hervorzuheben und das Hauptgewicht darauf zu legen, daß die Zöglinge in Gottesfurcbt und Glaubensfreudigkeit zur Strrnge gegen ficb, zur Duldsamkcit geZen Andere erzogen und m der Ueberzeugung befestigt werden, da die Betbätigung der Treue und Hingabe an Herrscher und Vaterland gleicbwie die ErfüUung auer Pflickten auf göttlichen Gehoten' beruht. _

Der Gefchicht§unterrtcht muß mehr als brsber Tas Vexftänkniß für rie Gegenwart und inSbesondere für die Steürxng unseres Vaterlandes in derselbzn vorbereiten. Demzufolge Mrd die deutsche Geschi_chte, insbesondere die der neuxren und neuesten Zeit, stärker zu betonen, die alte Gcschtcbte und die des Mittelalters a_ber vornehmlich in dem Sinne zu lehren sein, daß der Schuler dqrcb Beispiele ar_:_ch ays jenen Epochen für Heldentbum und bistonsche Größe empxangltch gemacht wird sowie eine Anschquung von den Wurzeln und der Entwickelung unserer Kultur gxwmnt. , _

TieErdkunde, diep91i11sche wtedrepbyfikalisckxe, bat, aux'der untersten Stufe von der Hetmath ausgebend, zunächst ren_gesch1cht- lieben Unterricht auf den verscbtxdenen Lebrßufen zu erganzen'und zu unterstüßen. Das weitere Ziel des geographischen Untcrrtcbts ist, daß der Schüler mit ';einem Vaterlande und deffen_ Eigrnart aufs Jnnigfte vertraut wird, aber auch das Ausland verstehen und würdigen lernt. _ _

Tas Deuts (be wird Mrttelpunkt des gesammien Unterrichts. Dcr Schüler ist in jedem Lebrßegenstande zum freien Gebrauche der Muxtcrsprackoe anzuleiten. In den deutschen Lebrstunderz se_1bst gleichwie im LiterqtquntcrricÖt ist bei Auswahl der Lejestqcke, Vorträze und Außäße nrben dem klassischen Aljextbum, „ferner Sagen- und Kulturwelt, aach dcn germanischen Sagen sonore xen vaterlänriscben Stoffen und Schriftwerken ganz besondere eruck- fichtigung zuzuwenden, der Schüler aber auch mit dem geistigen Leben der anderen wicktig-en Kulturvßlker le_r Gegenwart durcb Eirxbfübrung in cinzelne Meisterwerke tbrer Literatur bekannt zu ma en.

Im Unterricht der neueren Fremdsprachen ist von den ersten Stufen an die Anregung und Anleitung der Kadetten zum prakiscben Gebrauche der Spracben im Auge zu behalten. -- _

Inwieweit Jeb für jetzt eine theilweise Amdertrng der Lebrplanc des K_adamn-Corrs geboten erachte, wird anen durch das Kriegs- Minimrium demnächst bekannt gegeben werden. „_

Ich habe kurcb Vorsxebendes den zur Erziehung und Unterwmung det Karetxrn berufenen Organen weinte Aufgaben zugewiesen, welche an ikke Einficbt rmd Tkätigkeit erhöhte Anforderungen, stellen; Ich balre Mich aker überzeuzt, daß es ihrer bewährten thgebung und Pfixchnreve gelingrn wird, diese Aufgaben in Meinem Sinne und zu Meiner vollen Zufriedenheit zu lösen . , , _

_ Mit Ihren Vcrschlägeu über die Art und Weise, wre dre milita- _t1sche Jugend auch auf den Krießssckpulen für die erzieblichm Aufgaben ihres Berufes vorzubereiten ist, in Ick einverstanden. .

Ick will, daß diese Meine Ordre zur aUgemeinen Kenytxnß 'der Aruzee gelangt, und habe Jeb rieserbalb an das Kriegs-thstertum verfugt. Berlin, den 13. Februar 1890. Wilhelm. An den General-Jmpecteur dcs Militar-Erziebungs- und Bildungswesens."

2) betreuend die Bestrafungen wegenMißhandlung Untergebener: ,

„Ick habe aus den Mir von den kommandirenden Genxralen em- gerexcbten Nackyweisungm über die Bestrafungen wegen Mtßbandlm-g Untergebencr ersehen, daß die Beskimmvngm der Ordre vom 1. Februar 1843 noch nicht durchweg in dem Geiste aufHe'f'a t zmd gebandbykt werden. in dem fie egeben worden find. nner Armee [oll ndem Soldaten cine geZetzliche. gerechte und würdige Be- handlung zu Theil werden, weil eine solche die wesentlichste Grund- lage btlket, u_m in demselben Dienstfreudigkeit und Hingebung an den Beruf, Liebe und Vertrauen zu ren Vorgesetzten zu werken und zu fördern. Treten Fälle von forfgest teu systematischen Mjßbandlxngen Untergebene: hervor, so haben ir die komman- drrenden Generale bei Einreichung der Nachweisungen zu berichten, w§lchen Vorgeseytm ki_e Verantwortung mangelhafter Beauffi tigung ttlfft urxd was rbrersnts gegen denselben veranlaßt worden i Sie bgben bternach das Erforderliche nt veranlafsen und den komman- duenderxGeneralen auch die Bemerkungen, zu welchen Mir die leßten Nalbweuungen Ynl-Exge eben haben, zugeben zu laffen. Berlin, den 6. Februar 1890. 11 elm. An den Küegs-Minifter."

3) betreffend den Armeesattel: , „Jcb de_fnmme: 1) Bei den berittenen Waffen, mit Wnabme , Mewes Regtmmts d'er Grades du Corps und des Garde-Kürasfikk“ Regmzenxs, kommt _em Armeesaitel nach der Mit vorgelegten robe M _Émfubrung. Die Beschaffnnx det Sättel hat nach Ma : der verfugbaren Mutel zu erfolgen. ) Bei Mainka! Regiment der Garde! du. Corys und dem Garde-Kürassm-Reaimmt haben Probeveesuckxe ITS ?Yxx-Mchft bxrfolgexxteu MMF und 17. stattzufiudm. . rm ertmu W Weitere zu veranlassen. Neues Palaeé, den 19. Dezember 1889. Wilhelm- von Baby.“

? betreffend tragbares Schanzzeux:

, cb Ömebmige ]) die Einführung des [, (bieten Zeile! des tragbaren (bannenLes, wie solches die Infanteue führt, bei der Ka- vallerie nacb Maßaa e der verfügbaren Mittel, 2) die Anbringung des Beiles sowie des Spatens des tragbaren Schanzzmges und der a- tronmtastbe am Kavalierie-Gepäck nach den Mr vorgelegten Pro en. Das KrieaS-Mnifterium bat hiernach das Weitere zu veranlassen. Berlin, den 23. Januar 1890. Wilhelm. von Verdy.“

_ Wider deutsche Eisenbahnverwaltungen find beim Reichs-Eisenbahnamt im Iahe 1889 im Ganzen 115 Beschwerden aus dem Publikum eingelaufsen. Davon beziehen sich 33 auf den Personenverkehr, 65 an den Gßter- verkehr und 17 auf andere Gegenstände. Das Reichs-Etsen- bahnamt hat von diesen Beschwerden für begründet erachtet 15, als nicht begründet abgelehnt 26, auf den Re ts_weg verwiesen 2. In 9 Fällen war die Zuständtgkeit der e1chs- gewalt nicht begri'm et, in 1 Fa find dre angeordneten Erhebungen noch nicht abgefchlo en. Die übrigen 62 B- schwerden wurden zur Erledigung an die zunächst zusiändigen Eisenbahnverwaltungen abgegeben. Betroffen von Beschwerden find überhaupt 29 Eisenbahnverwaltungen.

_ Nach der im Reichs-Eisenbahnamt aufgestellten, in der Ersten Beilage des „Reichs- und Staats-Anzeigers“ verö entlichten Nachweisung über die im Monat De- zem er 11. I. auf deutschen Bahnen (ausschließlich der bayerischen) beförderten Züge und deren Ver- spätungen wurden auf 42 größeren Bahnen bezw. Bahn- nexen mit einer Gesammtbetriebslänge von 35 256,40 km beördert: An fahrplanmäßigen Zügen: 16414 Schnell- züge, 157 303 Personenzüge, 85606 gemischte Züge und 148061 Güterzüge; an außerfahrplanmäßigen Zügen: 2734 Schnell-, Personen: und gemischte Züge und 35404 Güter-, Materialien: und ArbeitSzüge. Im Ganzen wurden 923159630 Achskilometer bewegt, von denen 262 851 878 Achskilometer auf die fahrplanmäßigen Züge miT Personenbeförderung entfallen. Von den 259 323 sahrplan- mäßigen Schnell- Personen: und gemischten Zügen verspäteten im anzen 4864 oder 1,88 Proz. ( egen 1,14 Proz. in démselben _Monat des Vorjahres und 1,08 roz. im Vormonats. Von die1e_n Verspätun en wurden jedoch 1968 durch das A warten verwäteter Ans lufzzüge hervorgerufen, sodaß den ausgeführten Bahnen nur 2896 Verspätungen Z= 1,12 Proz.) zur Lastfaklen gegen 0,74 Pr_oz. im Vormpngt).

n demselben Monat des orxahres vempäteten aus den ei enen Strecken der in Vergleich 'zu ziehenden Bahnen von 237 347 beförderten fahrplanmäßtgen Zügen mit Personen- beförderunJ 1563 oder 0,66 Proz., mithin 0,46 Proz. weniger. In Folge er Verspätungen wurden 3076 Anschlüsse versäumt Yegen 1619 in demselben Monat des Vorjghres und 1656 im

ormonat). Bei 6 Bahnen smd Zu verrpätungen und bei 10 Bahnen Anschlußversäumniffe ni t vorgßkommen. In der Nachweisung find diejenigen Bahnen, au1 welchen Zug- verspätungen vorkamen, nach der Verhältnißzahl (geometrisches Mittel) zwischen der Anzahl der aux je eine Verspätung ent- fallenden üge und Achskilometer geordnet; danach nehmen die Main-Ne ar-Bahn, die Werrabahtr und die Hessische Ludwigs»- bahn die ungünstigsten Stellen em. Wird die Reihenfolge der Bahnen statt nach der fZahl der Verspätungen nach der Zahl der Anschlußversäumni e bestimmt, so treten die Main- Neckar-Ba n, die Bahnen im Bezirke der Königlichen Eisen: balZmDire tion (linkSrheinische) zu Köln und die Hessische Lu wigsbahn an die ungünstigstenStellen.

Gehsandte in Oldenburg, Graf

_ Der Königliche m Allerhöchst bewiÜigten kurzen

zu Eulenburg, hat einen i Urlaub angetreten.

_ Der Königlich württembergische Bevollmächti Ze zum BundeSrath, Ober-Finanz-Nath von F ischer, rst Zter an: gekommen.

_ S. M. Panzersckziffe „Deutschland“, Kommandant Kapitän zur See von Reiche, und „Fried'richder Große“, Kommandant Kapitän zur See Graf von Haugwiß, find am 13. d. M. in Port Agosta (Sizilien) eingetroffen und

'beabfichtigen, am 16. nach Syrakus in See zu gehen.

Bayern. München, 14. Februar. (Allg. tg.) Ihre KöniZlichen Hoheiten die Prinzen Ludwrg, upprecht und eopold sowie die Herzog? Karl Theodor, Max Emanuel und Ludwig fanden srch auf„dem gestern Abend in dem Hotel zu den „Vier JahreSzettey“ abgehaltenxn Piknik dcs Offizier:Corps des 2. Jnfanterxe-Regiménts em und verweilten daselbst längere Zeit. _ Prmz und Prin- zessin Ludwig Ferdinand gaben gestern eme Tafel, zu welcher die Staats:Minifter 131“. von Riedel, Fre1herr von Feilißsch, Rixter von Heinleth und Freiherr von Leoprod (Staats- Mmister Freiherr von Crails eim war zu,gle1cher Zeit urxr Prinz=Regenten eladen und folgte (exterer Ernladung), der os: marschall Sr. ajestät des Königs, Frerlxerx vonmRedwiß, der Staatsrat!) ])r. von fistermeister, der PolrzerWrändent Dr. von Müüer, derGeneral: ajor von NaYl, die Flügel:Adjutanten Graf von Lerchenfeld, FreiZerr von ranca und Ritter von Wrednmann sowie Premier- ieutenant Freiherr von Reißenstein geladen und erschienen waren.

_ (W. T. B.) Im FinanzaUSschuß erklärte der Kultysreferent Da ller im Namen der CentrumSpartei: er würde auf eme materielle Würdigun der abzustreichenden Pofitionen des Kultus=6tats nur dann einge en, wofern dre Regieryng die Alt- kezthol'tken wegen Leugnung der Unfehlbarkett als aus der

apstltchen Kirche außgetreten amehe und behandle. Lernex hielt der Referent den Standpunkt des Centrums in

etre". der Frage des k1aestnm regium und des Eides auf dte Verfassung aufrecht. Der Ausschuß genehmigte den orde_ntlich_en und außerordentbchenK_ultus-Etat und setzte mfolge der Erklärung des Centrums die1ür den Ankauf yon Kunstwerken, Aquefferung von Gehältern und Schulbauten m den Etat eingeste ten neuen Fordertzngen ,der Regierung ab. Der Minister Freiherr von Cratlsherm erklärte m Vertretuyg des Kultus-Minifters bet dem Etat der Universt- tät_en,„ dre Regierung berufe nur sqlche Lehrer, welche dre glqubtge Gennnung rhrer Zu örer. ZUM untergrübm Hierin werter zu gehen, hreße alle zrtaten von den bayerischen Hochschulen fernhalten.

Saanen. Dresden, 14. Febryar. (Dr. .) Die Erste Kgmmer enehmigte bez. bewillrgte m i rer heutiéen Stßung, au Antrag ihrer 2. Deputation, die ap. 88- 01 des qrdentli,chen Staatshaus alts-Etats (Kultus- Etat) m Uebereinstimmung mit den eschlüssen der Zweiten Kazumer a , lben nach der Vorlgge. Zu Kap. 89, evan- gelrsch - luthensches Landeswnfifiormm, ergriff der Ober-

"laut des Artikels.

INM“ 1). Meier das Wort, mu Namens der ' lichen des Landes dem StaatsZ Minister Dr. von Gerber für seine warme ,' ung in der Sißung der Zweiten Kammer gelegentlich, der dortigen Berat ung des Kultus-Etats :: danken woher er leichzeikZ das echt für . die Geistli en „in Änspruch na , a Ygolitische Angrlegen eiten durch dre Predigt in unparteiischer eise in das Li t des göttlichen „Worts ck stellen. Zu Kap. 91, Universität Leipzig, sprach edizinal-Rath ])r. Birch-Hirsch feld Namens der Unwerfität dem Staats- Minister 131- von Gerber den Dank dafür aus , daß er die Körperschaft _der Universttät in der vor- gedachten Sitzung der Zweiten Kammer vor dem Eindringen schädlicher Elemente so mannhaft geschüßt habe, und äußerte schließlich den Wunsch, daß im nächßen Etat zur Anschaffung von Büchern für die Univerfitäts- Bibliothek größere MUtel eingeßellt würden, was der Staats- Minifter Dr. von Gerber in Aussicht stellte. Vor Eintritt in die Tagesordnung erfolgte durch den Präfidenten Wirkl. Geh. Rath von Zehmen die Be fiichtung des an Stelle des verßorbenen Grafen von Schall- 'aucour in dre Kammer ein- tretenden Mitgliedes Majors a. D. von Wiedebach.

Baden. Karls r u h e, 14. Februar. Se. Königliche Hoheit der G:“ o ßh e r z o 9 hat, wie die „Karlsr. Ztg.“ meldet, unter dem 6. d. M. die nachgenannten Kammerjunker zu K a m m e r h e rr e n ernannt: den Ober-Jngmieur reiherrn T euffel vo n Bir ke rxsee in Bruchsal, den Karserlichen RegierungsNath im Rerchs-Verficherungsamt Freiherrn He in- rich o_o n Bo dm a n , den Ober-Amisüchter a. D. Freiherrn A5dol1 von Schö nau, den Oberförßer Freiherrn Richard v o n B o d m a n in Villingen, und den Ober-AmtSrichter Freiherrn Albert von Bodman in Weinheim.

Heffetr. Darmstadt, 14. Februar. (Darmß. Ztg.) Se. Kömgltche Hohen ker Großherzog und Ihre Groß- herzogliche Hoheit die Prinzes s in Alix find gestern im besten Wohl1ein in Lavaletta angekommen, wo Allerhöchst- dieseiben von hren„Königlichen Hoheiten dem Prinzen und der Prinzes in „Heinrich von Preußen, sowie Sr. Durchlaucht dem Prinzen und Ihrer Großherzoglichen Hoheit der dPrinzessin Ludwig von Battenberg empfangen wur en.

Bremen, 12. Fehruar. (Hann. Cour.) Der bremische Staatshaushalt für das Jahr 1890,/91, noch vom Bürger- meister 1)» Gildemeister gegrngexeichnet, ist soeben erschienen. Die ordentlichen Einnahmen smd veranschlagt auf 11 819 240 «M TSZ 940 «FC: mehr gegen das Vorjahr), dic außerordentlichen

innahmen auf 568000 „44 Die ordentli en Außgaben find berechnet auf 11 434 575 916 (nacZezu 700 „44 mehr gegen das Vorjahr)“ an außerordentli en AUSgaben werden bean- tragt 1 491 835.45 Die Gesammleinnahme ist veranschlagt auf 12387 240.46, die Gesammtaußgabe auf 12926410 „zs, sodaß fich ein Defizit von 539170744 er iebt, wobei für Nachbewilli- gung Nichts veran1chlagt tft. ur Deckung des Defizits, soweit fie fich nicht durch Mehreinnahmen oder Ersparungen ergiebt, wird es npthwendig fem, auf die Ueberschüsse früherer Jahre zurückzugrerfezr. Als solche stehen au enblicklich noch zur Verfügung 1135370914 89 H', Diese Zißer wird fich in Wirklichkeit in *Folge», her schon erztelten Mehreinnahmen und der vorausfichtli en Mmderausgaben des laufenden Rechnungs- jahres nicht unerhebltch erhöhen.

Oefnrreith-Unzarn. Wien, 14 Feerar. (W. TV. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute in der Sp ia- sdebatte die zweite Lesung des Geseßentwurfs, betre end die Regelung der äußeren _Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionögexkellschqft, durch nahezu unveränderte Annahme. _ Dre Regterung legte einen Ges eyenlwurf, betreffend den Abschluß eines Ueberein- kommens mit der Landesvertretung von Galizien, vor, Vehufs Regelung des Verhältnisses des Staats zu den Grundentlaftungs-Fonds.

Budapest, 13. Februar. (Wien.Ztg.) Bei der weiteren Berathung des Budgets des Finanz-Ministeriums ent- wickelte fich insbesondere ber dert Titeln „Steuerämter“, „Kataster“ und „Schanxgefälle“ eme längere Debatte, in welcher der Finanz:Mirzrfter ])r. Weckerle wiederholt das Wort ergriff, um auf dre Ausführungen einzelner Redner zu reflekttren. Der Minister erklärte unter Anderem, er werde in jeder Werse bemüht sein, die Lage der Spiritusfabriken zu verbessern, betorzte jedoch, daß der Import aus Galizien _ keineswe s em solcher sei, daß der Stagnation der Spintus-Jndußrie in Ober-Ungarn diesem zugeschrieben werdetx könnt_e. Der Minister bemerkte, er bx schäftige fich_ mit emer zettgemäßen, den Verhältnissen an- gepaßten Rewrm der Vnerzehrungssteuer und werde zu dieFem Behufe bewährte Fachmanner zum Studium der einschlägtgen Einrichtungen desoAuslandes entsenyen. Was die Regalien- Entschädigung betnfft, hoffe dxr Mimfter, die Feststellung der- selben bts Enhe Aprtl beendrgen zu können. Er habe mit einem Konsortmm, axr dessen Sptse die Ungarische Kredit- bank stehe und m . weLYem un efähr zum dritten Theile auch andere ungarrsche inanz-In 'tute vertreten seien, in Betreff der Uebernahme der Regalienobligationen, und zwar sowohl der „im Befiß des Staats befindlrchen wre der von Seite der Prwaten Behufs Verwerthun dem Finanz- Minister angemeldeten Öbligationen in der eise eine Ver- einbarung getroffen, daß ein Cours von 92 sichergestellt wurde und daß bei einem evezttuellen Gewinn für de„n Staat, be- ziehungsweise die Pattex, auch eine Parttziptrung garan-

lirt sei.

_ 14 Februar. (Prag. Abdbl.) Se. Majestät der Kaiser und König emp ng gestern den Grafen Külnoky in längerer Audienz; terer konfeeirte sodann mit dem

Minißer-Präfidenten v o n i s z a.

GroKerit'mien umd Irland. London, 13. Februar. (A. C.) Dre leßte D esche des geßern veröffentlichten Blau- buches über den S ristwechsel mit Pprtugal ist eine vom 28. Januar 1890 da.:irte, vom Marqmß von Salix- bury an den butischen Gesqndten in Ltffabon, Petre, gerichtete Note. Es heißt darm:

,Die portugiesische Re ierung beruft fick) inöbesondere auf den Artikel Ul. des Yxrlmer Batragcs, wonach fie das Recht habe, die Ordnung der Strungkeit entmder durch die Vermittelung einer anderm Macht, oder auf schied€gerichtlichem Wege zu verlangen. ( olgt der Wort-

Diese Berufung der xortugtesiscben egierung auf die Berliner Akte ü eerascht mich böchli , da ich bis dahin stets den Bindruck batie, daß gerade die Regierung Ihrer Majeßät Rech!

;

batte. |ck über die Hinton (; der Bestimrmm en dieser Urkunde zu beklagen. Die voting! sive _Regierrmq bekaoptet, daß das Gebiex oder ein Theil desselben, „uber Welches emsllitbe Meinungs- verscbude beiten zwischen den Regreruuaen Portugals und Cnalands aus?,?" en find. fit!) in der vom Artikel 1 der Berliner Akte an- gege wZoue befindet. Angenommen selbft argumentationsweise, dem sei so". so wäre die Folge. daß beide Mächte verpfii ck cfm wären, uiXt eber zu. den Waffen zu greifen, ehe sie zur itte- luug' oder zum Schredögericbt wegen des Streites ibre Zuflucht ge- nowmen hätten. Die porxuoiefiscbe Regierung hat aber den von dem Artikel bezeubneten Weg mcht eingefcblaaen. Statt die Vermittelung ekner oder mehrerer befreundeter Mächte anzurufen, bat die portu- guslsche Regierung d.n Major Servo Pinto mit einer Streitmacht von mehreren'Tausend stark bewaffneter Mänper und mehreren Ga:- lin-xf-Kanonen m, das streitige Gebiet gesandt und zu den Waffen ge- a_ri tn. ebe ße [bre ZufiuÖt zu einer ermitteluna nabm Die portu- refiscbe Regteruvg bat fick; dabrr in kae Lage gebracht, die Berliner

kte zu _verlehxn.“ . . , . „Außerdem ist es nothwendig, Sie darauf aufmerkjkam' zu machen, Faß tas Mascboualartd und das Land Loben- gulas sudltch und rzördlrcb vom Zambefi sicherlich nicht in der vom Art. R11 :der Berliner the_ beschriebenen Zone einbegriffen ist. Der Artikel bezieht fich auSdrycklub nur auf das Gebiet, worin Freihandel herrschen soll, Dre Bxsttmurungen des Artikels [affen süß aber nicht ohne Wetkeres auf dre f_rete Zone anwenden, sondern nur auf die Theile. der Zone, fur weick'e Freihandel vorgeschrieben ist. Es xfx eme bekannte Tbatsacke, daß Portugal in seinen_ ost- afrikantscben Besi ungen dieses System nicht eingeführt hat; die1elb_en beßnden slch des Elb nitbt in den Bestimmungen des Ax_tikels em- aexcblyffen; Wollte Portugal den Ansprucko erbeben, daß dre Nyaffa= Distrikte. e1n_en Theil sxiner Bkfiyungen bildeten und daß die Mako- lolos,_w:e SMÖN SNP; Pinto in seiner Kriegserklärung bebauptet, rebelltscbe portugicfiscbe Untxrtbanen find, so würde ortugal dieselben an_der-selben Fuß bringen wie ten Rest seiner Be thungen, und der Artikel wäre dabrr uuf fie unanwendbar'. _

Jm canadischen Unterhause brachte, wre aus Ottawa telegraphirt wird, der Abg. Charlton am 11. d. die bedeutende Auswanderung aus Canada nach den Vereinigten Staaten zur Sprache. Er. behayptete, es gäbe jetzt über 2500000 Canadrer 'm der Umon; nn leßten Jahre seien 28000 Personenjdorthm aUngwandert.

Aus Jeypore in Indren meldet em Telegramm des „Bureau Reuter“ unter dem 13. Februar:

Prinz Albert Victor wurde bei seiner gestrigen Ankunft bierselbft vom Makaradscbab fejerlich empfangen. In dem Zuge waren 25 Clepbanjen; auf dem ernen rilten dcr Maharaöscbab und der Prinz. Eine Schaar Nazans führte einen Kriegstanz mi"! gezückXen Schwmem auf„ als der Zug vorbeixam. Mehrere indischeNc-gimenter sollen zum Gedackotniß an die ReUe des Prinzen Albert Victor den Namen desselben führen.

_ Frankreich. Paris, 14. Februar. (W. T. B.) Der Senat verhandxlte heute über den Antrag Barths, durch welchen gewisse Preßvergehen den Korrektionstribu- n ale n überwieZn werden sollen. Der Berichterstatter Cord elet bezeichnet)“, als weck des Antrages, dem Wunsche des Landes, den Preßvergehen ein Ziel z_u seßen, entgegenzukommen. Der Justiz-Minifter Thevenet 1agte, die Presse sei niemals freier gewesen als 'eßt, aber man dürfe doch nicht unter dem Schuss der Txreßfreiheit die Behörden wehrlos machen; er fordere den Senat auf, den vorgeschlagenen Entwurf unver- ändert anzunehmen. Die Debatte wurde dann auf Donnerstag verta t. . er Ober-Ackerbaurath unter dem Vorfiß des Ministers des Ackerbaues, Faye, beschloß, einyn Eingangs- zoll von 3 Fr. auf an emahlenen Mais und von 5Fr. auf Maißmehl und aiskleie zu le en; ferner einen oll von 3 Fr. auf Reis im Stra , 8 Fr. auf ge- rochenen oder entschältenReis, sowie auf Reißme [. Dem Herzog von Luynes ist wegen seiner Haltung er dem gestrigen Punsch der royalistischen Studenten die Er- laubniß, fernerhin den Herzog von Orleans in der Conciergerie zu besuchen, entzogen worden.

Italien. Rom, 14. Februar. (W. T. B.) Die Regierung hat der Deputirtxnkammer einen Geseß- entwurf, betreffend die obligatorrsche Unfall-Ver1iche- rung der Arbeiter, vorgelegt. Von den Versicherungs- prämien sollen 9/10 von den Arbeitgebern und 1/10 von den Arbeitern gezahlt werden. _Die Kammer hat das berichtigte Budget für 1889/90 in geheimer Abstimmung mit 159 gegen 35 Stimmen angenommen.

Portugal. Lissabon, 15. Februar. (W. T. B.) Die Polizei hat den hiefigen Studentenverein als republikanischer Bestrebungen _verdächtig auf gelöst und sämmtliche Papiere desselben bejchlagnahmt.

Niedernmde. Luxemburg, 14. Februar. (W. T. B.) In der heutigen SißunZ der Ständeversammlung be,- antragte Servais eine ageßordnung xn welcher ?esagt wird: es sei im Interesse des Landes, daÉ dre Verfqs _ung künftig ausgeführt werde wie bisher. Der Sta_ats-thster Eyschen erklärte diese Tagesordnung für em Mrßtrauxns- votum. Brasseurbeantragtr darauf die Axmahmß der er 11 = fachen TageSordnung. Nachdem fich dte Regterung mrt diesem Antrags einverstanden erklärt hatte, wurde derselbe einßimmig angenommen. ' Servais hatte fich der Ab- ßimmung enthalten.

Bus arieu. Sofia, 14. ebruar. (W. T. B.) Der rusfische „nterthan Naidin, we cher kürzlich verhaftet worden war, ist wieder in Freiheit gesest morden, wetl kem Be- weis einer Mitschuld an der anißa-A aire erbracht worden

ist. alopkoff befindet sich no in Nu chuk.

Afrika. Egypten. Kairo, 14 Februar. (W. T. B. Das dem Egyptologen Mariette emdmete Denkmal 1 heute im großen Hofe des Neuext Mu e_ums eierlich enthüllt worden. Der Ceremonienmerster _des edive, mehrere YYÜFU und ein zahlreiches Publtkum wohnten dem Fest- a e er. ,

Sansibar. Sansibar, „14._Februar. (91. V.) .Der eingegan ene Nachrichten vom Vtctona-See bestätrgen, daß der Könrg manga mit ülfe der Europäer dxn Thron von U anda nach bei em Kamßfe mtt Kömg Kalenza und desFen arabischen BundLSgeno en, welche, fast gänzlrch aufgerie en sein sollen, wieder erlangt hat. Uganda befindet fich jest in der Gewalt Mwangas und der Europäer.

Zeitnnosßimmen.

An die "Ansprache Sr. Majestät des Kaisers und

ZYöni s 311 LeMlZcerttrscrhath knüpft der „Hannoversche ur r o a tung:

0 „Urkver äfnglLÖe Worte s1nd es, die Kaiser Wilhelm „gesprochen!

Mächtigen idetball werden fie allüberall finden, und mit dem Ge-

fühl freudiger Dankbarkeit muß Ierermann den Ausführungen des

Kaiserlichen Herrn !: ichten. Wabrxicb. eruft nnd verantwortungs- voll ist die gestellte vfaabe, otoßattta ist das gesteckte rel. aber der Segen des Allmächtigen kann dieser Arbeit nimmer fcb en und fie wird gute Früchte zeitigen. Schuß dem Arbettn gegen Willkür und Aus- beutung, Schnyder amilie, der ran und demKinde. stitlicbeund wirtb- sämftlicbe bana. rieden zwis "Arbeiter und Arbeitgeber. Erfüllung der berecht sten Wünsche des arbeitenden Volkes neben dem erforder- lichen Stbuß der Indußrie, _ das Mes soll angebahnt, soll herbei- geführt werden durch ges iche Anordnzmgen, und eraänzend und för- dernd werden Kirche und ebase in, freter Liebestbättgkeit an dem ge- waltigen Werke mitbanen und Stem guf Stein berzutraxzen, daß es einer schönen Vollendung entgegen efubrt werden kann. Einer ge- wiffmbafttn, vorvrtbeilsfreiexr und esonnenen Prüfung aller einschlägi- gen Fragen bedarf es, um dte Grundlage zu schaffen Die Namen der Männer. die Kaiser Wixbelm axis den verschiedensten Berufsklafsen in den StaaLSratb auSerwab_lt. bargen dafür, daß die Prüfung in der rechten Weise geschehen wtrd, ynd so sehen wir ihren Arbeiten mit frober Zuversicht cntgezen. Wie sie des Kaiserlichen Dankes versichert worden ßnd, so können_fie auch Hesjenigen der deutschen Nation gewiß sein, und auch die Kruse, denen tn erster Linie die Mühen Der in den Staatsrat!) Berufenen zu _Gute kommen sollen, werden fick) dem Ge- fübl ker Anerkennung m_cbt versckoließen können. Dem Kaiser aber gebührtt1chon jeßt der beiße Dank seines Volks, das damit zugleich den Inntgxn' Wunsch verbindet, daß_kem Monarcbrn die Herzensfreude vergonnt sem möge, die große Aufgabe giücklich und zum Segen dcs Rercbs gelöst zu sehen. Das walte Gott!“

Das Wiener „Fr em d e n b [ alt bemerkt, wie „W. T. V.“ meldei, zu der Allerhöchsten Ansprache:

„Ohne Uebegtreihung kann man jagen, daß die ganze Welt mit ungktbeilter- Ausmerkramkeit der Kaiserlichen Worte barrte. Das energische, oon umfaffendcm Blicke geleitete Auftreten des Deutschen Kaéxers in der Arbeiterfrage wird ohne Zweifel nicht bloß von der arößten Bedkutung sein für die materielle und mcralifcbe Lage der Arbeiter, es wird auch eine belangreicbe Rückwirkung auf das ge- sammte politische Leben Deutschlands äußern.“

Die Wiener „Presse“ schreibt, die Ansprache Sr. Majestät des Kaisers eyt1preche in vollstem Maße den durch die Kaiserlichen Erlasse m ganz Europa rege gemachten hohen Erwartungen. Hoher, fittltcher Ernst, überzeugende, redliche Entschlossenheit, rein menthliches Wohlwollen und Alles er- wägende Klugheit und Vorncht treten vereint und imponirend aus diesem in korrektester Form gefaßten StaatSakte hervor.

Das „Neue Wiener Tageblatt“ hebt hervor, der Kaiser führe eine Sprache, die von gewissenhafter Rücksicht auf_ die béstehenden StaatSeinrichtungen und yon dem voUen Gefühl der Verantwortung zeuge, die der Kaim: für das (He- lingen von Bestrebungen übernommen habe, welche eine neue g.sellschafiliche Ordnung anbahnen soUen.

Die Wiener „Deutsche Zeitung“ schreibt, in Worten voll boh=n Schwunges, voll Gedanken und edler, herzensechter Emyfindung habe der Kaiser die Aufgaben des StaatSraths in jeincr Ansprache entwickslt.

Zu dm Kaijserlichen ErlamM in der Arbeiter: frage bemerkt dre „Werkmeister-Zeitung“ (Organ des deunchen Werkmeffter-Verbandes):

.Wenn vom Throne berab solche soziale Tbaten geschehen, wie fie vom ersten„Deu1schen Kaiscr begonnen und wie fie von unserem regierenden Kaiser mit_urwüchsiger, starker Kraft fortgesetzt werden, karzn darf man fich tmt wahrhaft vaterländischem Stolze des starken sozialen Königtlzums freuen, welches die Aufgaben der Zeit viel beffer erkannt, vtel edler mitgefüblt und viel kraftvoUer in Angriff ge- nommen hat als alle Republiken ringßumber, und es müssen dies e szxten emen unüberwindlickxen Wall bilden gegeq rie unheilvollen Kram, welche das Bestehende von Grund aus zerstören woüen, fie müssen dahin führen, was alle ehrlichen Menschen mit Sehnsucht er- strxben: 3." eirzer niedlichen Lösung der sozialen Frage! Wir be- grußen "dre beiden Erlaffe des Kaisers auf das Freudigste und find in) vyllrommensten Einverständniß mit allen Forderungen. deren Ver- wtrthcbung durch die Karserlichen Kundgebungen in Aussicht gestellt Wer en '

Unter der Ueberschrift: Der Reichstag und die Soztalreform schre1btdte„MagdeburgifcheZeitung“: . .Die eifrigsten Bemühungen, die Leistungen des Reichstages auf jedem Gebiexe der Gefeßgebung herunterzusepen und zu verkleinern, werden_es mcbt verhindern können, daß man in den breitesten Schichten der'Wabler für xieVZroßen Verdienste, die fich dieser Kartell- Retchötag um dre eiterfübrung der sozialpolitischen Gesetz- gebung erworben hat, doch das richtige Verständniß gewinnt.

Es muß hervorgehoben werden, kak? derselbe während seines Besteberxs dr_ei bedeutsame Gesche erledigt at, die Unfallversicberungs= geseye fur dre Bauarbriter und die Seeleute und das Invaliditäts- und „AltersverfickxerunZSJestß; diese drei GesleÖße find aber geses- gebertsckxe Tbaten Höchster Bedeutung, und rei t auch die Tragweite der bxtden erstgenannten durchaus nicht an die des zuletzt erwähnten, so_ bilden fie doch immerhin die notijendige Ergänzung der in fruheren Jahren bercits erlaffrnen Gesetze, Wenn auch dre Unfallverficberungégefeße zu Stande kamen, obne daß die Mehrbeits-Parteien ihre Ausschlag gebende Stellung geltend zu machen brauchten, so wäre doch, wie bekannt, das Alters- verficberungkgesey gescheitert, wenn nicht der Reickssta in der Weise zusammxngesetzt gewesen wäre, wie es glücklicherwei e der Fall war. Dre 'Wabler, die auf dem Boden der Botschaft Kaiser Wilhelms 1. stxben und den Wunsch hegen, daß die Sozialreform auch in Zukunft mtt fester Hand weiter gefuhrt und vollendet werde, die Wähler, dre der Anstcht_find, daß das sozialpolitische Programm in den nächsten Jahren erfullt werder) muß, Werden deSbalb nicht im Zweifel fein können, welcher Parte: fie ihre Stimme zu geben haben.

Der Deuxscbfrersinn hat gegen die ganze sozialpolitiftbe Gesetz- gebung eine femdlube Haltung eingenommen, die Angehörigen dieser Ratte: haben gegen, die so ialpoljtiscben Geseße ebenso gestimmt, wie emer Zeit g_e en dZe Ve assung des Reichs und die Reichs-Juftizgesese, fie werden nt tmyde, das „soziale Königtbum' als einen in sicb unhaltbaren, uylogtscben Gedanken binzustellen, deffen Verwirklichung stub?! oder spater Schiffbruch leiden müsse. Was die Sozialreform zu mvartxn bat, wenn es dieser Partei gelingen solln, rm Verein mit dem Centrum wieder die Mehrheit im Reichstage zu bilden, vermag Yaber Jeder selbst sicb zu sagen, die Weiterführung der großeg Gesc geoung, um welche uns die anderen Nationen be- neiden, wurde e 'emtxtt, die Ausführung der bereits erlassenen Geseße erschwert und etntracbtigt werden und an Stelle des regen „"Eisers- der fich seither auf diesem Gebiete entfaltet bat, würde völltge Un-

tbätiYeü be en.

ie Wähler haben darum allen Grund. fich über die Stqung nnes Kandidaten zu der sozialpolitischen Gesc gebung sorgfältig zu MQWkffem, um zu verhüten, daß das große rk scheitere.“

„O_er „Schwßbjsche Merkur“ widmet der Sozial- poltttk der Fretsmnigen folgende Betrachtung: ' .Der Kaiser hat nun 11 seinem Programm in der Arhetter- f.“ c das aematbt, was vk Demokraiie stets erstrebte“ _ dtefe und abnl ebe Flunketeien kann man thtvtäglicb in allerhand Variationen in demokraüfcben Blättern lesen. der That ist es aber sehr neu, daß die demokratische Partei, wenigstens die norddeutsche detxwkratiscbe Partei, genannt der , ifinn“, zur praktischen Sozialpylrtik über- “?sanaen ift; selbstverft ndlitb mtr inFragen. die gerade mcbt auf der Taaexordmmg an en während den großen Verficbxruztgsaesevm eaxnuber. welcbe akte lang die Gesekgebung beschafxtgten, „der rer sicb able nend verhielt. D e deutsxbfreisinmge „Kieler einma", welche dem rofeffor Fuel nahe steht, tft so ehrlich, diese

acblaze im Wesentli Sie schreibt: „Ein Zwie-

* mage eben.

spalt bat fich vor gar nicht langer eit in der freifinni en effe abgespielt, als es fich um den verscberten Arbeitersclmßg barZrelte. Seit der Fusion (Verschmelzung der Fortschrittler und ausgetreimen Nationalltberalcn unter dem Namen „Deutschfre5finniae') war das freibändleriscbe Clement oder, um deutlicher zu sprechen, das Man(besterthum m 'der Fraktion wesentlizb verstärkt, und man konnte von freifinnxger Serke Reden über Kindenchß und Frauenarbeit lesen. bei denen jeder Sozialvolitiker traueknd den Kopf schütteln mußte, Da zeiate fich eines Tages eine entscbiedene Opposition gegen das Manchestertbum irr der freifinnigen Partei. Es waren Pädagogen wre Halben, Medrziner wie Virchow und Möller, Arbritgeber wie Ludwig Löwe, die jest die Anforderungen an einen erhöhten Schu der schußbedüxftigen Personen für wirtbsck'astlicky berechtigt, politis heilsam und jozial nothwendi erklärten. Dazu kam ein großer Theil der Presse, welcher nachgerüßmt werden muß, daß fie der Fraktion mit gutem Beispiel und oft troß kleinlicber Angriffe Seijens der Yarteilertung_vorangegangen ist. Uns find die manchesterlicben

edeweinzelner sreifinniger Volksvertreter noch in frischem Ge- rächtniß. Aber wir erinnern uns auch, daß Das? ein Umschwung eintrat, und ein _vielaenannter freifinniger Abgeordnetrr sckzrieb, seine Fraktion habe 111 dieser Frage vor der öffenllicken Meinung kaprtulirt.“ Also die Fraktion, welche vor réniger Zeit in der Arbeiterschußfrage kapitulirt hat, ist dieselbe, ki? von jcher c-cn Arbeiterschutz verlangt. hat und- der es jskt der Quäker nur nacbtöut? Das erinnert an „jeden Mann und jexen EkOsÖSU“, Den man an- axblich_schon bewiüiat hatte, als der RSLÖÖTQJ aukgxlökr wurde, weil die erforderlichen Bcröilligungenmicb-t rrfojxt waren. Es wäre erbeiternd, diesem merkwürdigen Spiel mit Wcrtsn znxxkckcn, w:“rm nrcbt zx: fürxbtrn wäre, daß de_nn dock) i_r: grwiffen Kraiirx: des Volks der Sinn fur ejchlxchte Wabrbert durcb wlckye Tqunkvislsrkunststücke untergraben Wird.“

Centralblatt für das Deutsche Reick. Heraus eben im Reichsamt des Innern. Nr. 7. _ analt: .KxnsalatweseJeKEr- nennzmg; _ Exequatur-Ertbeilungen. _ Barkn*:"sr1: Status der deut1chen Notenbanken Ende Janaar 139]. _ ZxU- :md Steuer- wesen: Anderweite Bestimmungen (1er Transmrrkonkrol: in drm Grenzbezitk der Hauptzollämter GeMsmünre, EMM, Leer und Nordhorn; _ Verärxderungen in dem Starxkc okcr kon Befugnissen der ZoÜ- und Steuerstéllen. _ Polizeiwckcn: Auxweisxmg von Aus- ländern aus dem Reichsgebiet.

Centralblatt der Bauwerwaltumg. Öcrcxusgegeben im Mknisterium der öffenklicben Arbei"cn. Nr. 6. - Inhalt: Amtliches: Grricbtsbauten in Krttrrrix O-Zcbl. _ Rö- mischer Seekanal. _ Siéoerurrg einxs Sisk:7k;§xx?;rnrnc§ durcb Ent- wäfferungsstouen. _ Kraftversorrxurg durxD TrxxcklUÜ in Paris (Schluß). _ Ueber Prcfilmaßxtäbe _ Vsrn1isck7c§: Meffung der Durchbrxquna eiserner Brücken. _ Vrrüan: ?:; '."1:'chitckxenvereins in Berlin tür das Jahr 1890. _ PreisriÉM-Guxaéxsn über die WM- bewerbung xur Erlangung von Plänsx **:?! ein: cv;::ge1ischeGarnifon- kirche in Straßburg i. E. _ Preisözxrréxmß ?Ür den Neubau einer Turnhalle des Oldenburger TUMTIYKY 5. _ T*sutsche Gesellschaft zur Beförderung rationcller Malverkrerx ir. München. _ Schutz- vorrichtung gegen das Herabstürzsn ksérn Fensjerxuxcn._ Besuch der technischen HOCbscbulen des DeusÖen MWH.

Sanitäts-, Veterinär: und QuarantäneWesek.

Tansmark.

Laut Bekanntmachung FSS Köxxiglick) dänisckxn Ministeriums des Innern vom 29. JCTIUIL D. Z. ist dis Einfuhr von lebenden Schweinen umd von rohen "Theilen dieser Thiere _ mit Aanahms von grsalzenem Speck _ aus Rußland nach DäU-emark vsrboten worden.

Bezüglich der Eimfnbr oon lebendem Rindvieh, S afen und Ziegen und von „MM Theilen dieser Thiere aus :ck- land nach Dänemark bshälr és bei dem in der Bekanntmachung des Köni lich däniscbsn Ministeriums des Innern vom 10. Sep- tember ] 69 enthalténen Verbot „sein Bewenden.

Verkehrs-Auftalten.

Die Post von dem am _15. Januar aus Shanghai abge- gangenen Reichs-Postdsmvrer '.Bayerg' ist in Brindisi eingetroffen und «langt für Berltn vorausnchtlick) am 17. d. M. Vormittags zur Aasgxbc. .

Königsbérg t. Pr.,15.Februar. (W. T., B.) Die Schiffs- fabrt ift dss ankaltendcn Frostes wegen wieder eingestellt worden.

Hamburg, 15. Februar. (W.T. B) Der Pöstdampfee .Tburingia' Dcr Hawburg-Amerikautscben Packetfabrt- AktiengesellsxbaN iyt, von Hamburg kommend, gestern in S!. Thomas eingetroffen.

Theater und Mnfik. Königliche Schauspiele.

"23. Februar lautet: Am Sonntag, den 16.: .Gioconda“; Montag,

Holländer':391ittwoch, den 19.: .Otbeürz“; Donnerstag den 20: „Lohengrin': Freitag, den 21.: „Götterdammerung'; den 22: ,Die Hugenytten“; Sonntag, den 23: „Othello'. *

Für kzs Schau1vie1: Am Synrxtag, den 16.Februar: „König Lear“; Montag, dcn _]7.: .Der Brblwtbekat'; DienstaÖ, den 18.: _Dje Qujgow's“ Mattwock), den 19: „König Lear“; onnerstag, ärchentante" Frettag, den 21.: „Wilhelm Teil“;

den 20: ,Die _ auber'; Sonntag, den 23.: ,Ellen“,

Sonnakend, _deanZ: ,Die „Der Winkel1chretber'_. ' * K'ötJlgUÖZs Schauspielhaus.

Auf der Kömgltchen'Bubzre gmg estern Y_bend Sbakespeare's „König L car ' neu etystudtrt, mtr (bönem außeren Erfolge in Scene. D'e große Tragodie der Undankvarkeit bat tro der un- wahrscheinlichen Voraussesuygen, _auf welchen die Entwi elung der Handlung brruht, merrrals eme machtig ergreifende Wirkung verfehlt; dies war auch der Eindruck der gestrigen Vorstellung, namentlich in den beiden „lcßten Akten, w_elche dem) auch wärmeren, zuweilen stür- mischen Beifall fanden, wahrend dieser dem Trauerspiel in seiner ersten Hälfte nur in geringereux Grade zu T eil wurde.

Der'Erfolg des .Lear“ bangt fast- an (bließlicb von der mehr oder wemger gelunßxnetx Verkörperung der Titelroüe ab, die allein alle Vorgange verstandlt machen kann. Gestern wurde diese Rolle von DM Gr_rzbe_im anzen mit schönem Gelingen dargestellt. Hr. Grube versagt rzber eine bedeutsame schauspieleriscbe Gewandtheit, welche sich auf emen vornehm denkenden Geist stüßt und auch des_ Yußdrucks „tiefen fililjcben Empfindens in hohem Grade fäbrg ist. Alle dtese guten Eigenschaften traten gestern Abend in der Leax-Geskalt kunstgerecbt 111 Tde. und doch konnte dieselbe nicbt voll befrtedigen, weil es dem Kunstler an der unentbehrlichen Glutb ker Leidenschaft, _ an der inneren Hoheit und Königlichen Würdxgebracb. Dre Launenbgftigkeit des Alters bei der Vertbeilun des Reichs charakterifirte cr mtt verständigen Mitteln; der Ausbru obnmachtiser Wut!) und tiefen Schmerzes, als Lear in die Gewitter- nacht bmausstürmt, vermochte dagegen ni t zu ergreifen; eber schon erzielte diesen Exndruck der Wahnsinn des önigs auf der öden Haide. Ein Zug der Nahrung verklarte das Erwachen des kranken Königs und im Todtmkla e um die liebliche Cordelia, Die Partie des CYgarspielteHr. „atkowsky; docklstandsein von Kampfeslustdurcb- , glUblek Héld bock) uber dem armen * aaenden Thoms. Hrn, Ludwig

war die Rolle des Bösewichts und Mtriguanten Edmund zuertbeilt* man ist so wenig gewöhnt, den Vertreter edler, liebenstxzürdiger':

Der Spielplan der Oper für die Zeit vom 16. Februar bis , den 17.: .Aennchen von Tbarau'; Dienstag, den 18: .Der fliegende

Sonnabend * .. ck“*"