1890 / 132 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 03 Jun 1890 18:00:01 GMT) scan diff

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schreiben anzeigen, das er morgen Mittag in feierlicher Audienz

überreichen wird. Sachsen.

Dresden, 2. Irmi. Tas „,Dresdner Journal“ meldet: Se. Majestät der König wird sich morgen Abend von Schloß Sibyllenort iiber Kohlfurt nach otsdarn begehen, um den daselbst am 4. d. M. stattfindenden &auifererlichkeiten der neu- edorenen Prinzessin : Tochter Sr. Komglichen Hoheit des

rinzen Leopold vonPreußen anzuwohnen, und an demselben Tage direkt nach Dresden zurückkehren. '

In der Allerhöchsten Begleitung werden sich be- finden: General-Major Freiherr 'von Hodenberg, General 1113 511116 Sr. Majestät des Königs, und Flügel:?ldxutant Oberst Schmalz._ , " ' . ' . '

Ihre Majestät die Konigin wrrd noch einige Trine M Sibyllendrr verweilen und . am“ Sonnabend, den 7. d. Mrs., nach der Königlichen Villa 111 Strehlen zurückkehren.

Sc-.Kdi1igliche Hoheit der Prinz Georg, Herzog zu Sachsen, und Ihre Kdnißlichegt Hoheiten die Prinzen Friedrich August Johann Georg, Max und Aldert, sowie. Ihre Königliche Hoheit die Prinze1sin Mathilde iind gestern von Sil-hlleiwrt wieder hierher zurückgekehrt.

Württemberg.

(+) Stuttgart, 1.I11ni. Gestern Nachmittag fand (1111 der Wilhelma ein Hoflrall statt, zu welchem iiber 300 Ein: ladungen ernangen waren. Bei demselben waren irrrßer Ihren Königlichen Majestäten ridinMitgliedern der Königlichen Familie erschienen: Ihre, Königlichen Hdheiien der Prinz und die Prinzessin Wilhelm, Ihre Kaiserliche „Hoheit die Frau Herzogin Wera, Ihre Königliche Hoheit die Frgir Herzogin Eugen Erdman mithhrer Hoheit der Vrmzeißm Luise zu Sckzleswiii:Holstei11, Se. Königliche Hoheidder Herzog Albrecht und Setheit der Prinz- Ernst zu Sachrerr=Wei1nar sowie der Fürst Karl von Urach. Ihre Königlichen Majesn'iten trafen 11111 41,14 Uhr in der Wilhelma ein, nahmen zarriichit eine Reihe 111111 Vorstellungen entgegen und unterhielten sich sodann auf?: Hiildndllsre mit einer großen Anzahl der (He: ladenen. Gegen 6 Uhr zogen sich die Majestäten zurück. Dem Vall, welcher im F-“srsnalbnu stattfand, schloß sich 11111 8 Uhr ein Sonder im Wohngebäude der Wilhelma und den anstoßenden (Hrwiichcshiinsern 1111.

Baden.

Karlsruhe, 1.I1111i. (Schw.M.) Das Finanzgeseß ist gestern, noch am lehren Tage der dritten provisorischen Steuererhehring, veröffentlicht worden. Es sind darin 11er- anschlagt: die ordentlichen Llusnalien fiir beide Vudgeijcrhre mit 98,7, die cmßerdrdentlichen Ylusgahen mit 9,1, somit die Gesamrntnusgahen mit 107,8 Millionen; die ordent- lichen Einnahmen betragen 100,4, die * außerordent- lichen 1,8, die Gesammreinnahnien 102,2 _Millwnen. Unter den Einnahmen belaufen sich die Uederweiihngen aus der Reicheka'ffe auf 20,3, die direkten Steuern nur 24,5, die indirekten auf 17,5, diejenigen aus der Ddrnänenverwaltung auf 15,6, aus der Salinennerwaltung auf 1,2, 11112; Iustiz- und Polizeigriällen auf 7,3 Millionen. Es erhellt _ails dem Finanzgeseß, daß bei vorsichtigem Voranschlag der Einnahmen diese dennoch den Voranschlag der ordentlichen A11§gaben um 1,7 Millionen Übersteigen. _

In der Zweiten Kammer kam am Freitag ein Geieh: entwurf wegen Verschmelzung der Gemeinde Neuenheim mit der Stadt Heidelberg zur Vorlage.

Hessen.

Darmstadt, 1. Iuni. (Darmst. Ztg.) „Heute Vormittag 10 Uhr trafen Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich nebst den Prinzessinnen:Töchtern, Königlichen Hoheiten, und Gefolge, im Wagen von Homburg kommend, in Friedberg ein und wurden von Ihren Königlichen Hoheiten dem Grof;- herzdg und dem Erhardßherzdg wwie Ihren (Hroßherzog: ichen Hoheiten den Priiizesiinnen nebst den Damen und Herren ihreE Gefolges empfangen. Die Herrschaften nebst Gefolge bestiegen hierauf den Sonderzug, welcher deckrstdieielhen iiber Gießen nach Romrod brachte. Nnch Besichtigung des Schlosses und der Kirche daselbst wurde das Mittenessen eingrndwmen und nach aufgehobener Tafel eine Fahrt iiach Alsfeld ar1§gefiihrt, von wo mit dem Sonderzug die Rückkehr nach Friedberg und Homburg angetreten wurde. - Se. Königliche Hoheit der Erbnrdßherzog reiste um 111/2 Uhr wieder nach Leipzig

zuriick. Anhalt.

Dessau, 31. Mai. (Anh. St.:Y.) Henke Vormittag reisten Ihre Durchlaurhten die Prinzeiiinnen Bathildis, Adelheid und Alexandra von Schcrumh11rg:Lippe nebst Gefolge von hier nach Schloß Ratiborsiß ab.

SchWarzburg-Rudolstadt.

Rudolstadt, 2, Irmi. , (Schw.:R. Ld§.-Ztg.) Ihre Durchlauchten die Frau Prinzessin Adolf und Prin- zei i in Thekla sind am Sonnabend Nachmittag iiber Saal- feld von Kissingen wieder hier eingetroffen.

Oesterreich-ngaru.

„WWU, 2.1Iuni. (W. T. B.) Se. Kaiserliche und K_dmgltche Hoheit der Erzherzog Karl Ludwig hat mit seinem Sohne, dern Erzherzog Ferdinand, heute Abend über Hamburg, Kiel Und Kopenhagen die Reise nach dem Nordkap angetreten.

Di? GSMUÜYM USS Schuhs von Persien ist nach Teheran zurückgereist.

Der Minister des Auswärtigen (Graf K:Tlnokh und der Sektionschef von Szoegyenhr reisen morgen zur Er- öffnung der Delegationennack) Pest.

_ Z Irmi. (W. T. B) Se. Majestät der Kaiser und König Franz Ioser traf heute Morgen in Bruck a. d. Leitha zur Insprzirung der Truppen der zweiten Lager: periode ein. In Begleitung des Kaisers befanden sich Se. Kaiserliche 1111d Königliche Hoheit der Erzherzog Wilhelm und die MilitärberlmiiMigten Deutschlands, Englandß, Frankreichs, Italiens, Nnßlands und der Vereinigten Staaten von Amerika. 2111 der Inspizirung der Artillerrenahni a11ch von Graffen, Hanptmann im Garde:FeldArtiÜerte-Rewment aus Berlin, welcher sich bereits einige Zeit an den Uebungen der BatWrie-Division betheiligt, Theil.

hereiisiehenden -.

Schulaufsichtheseß, in zweiter Lesung mit_167 gegen 52 St. 11 11 ge nomm en , dagegen sämmtliche „MinoritateZantrcrge abgelehnt, nachdem der Statthalter sich inlangerer Rede gegen die MinoritätSanträge erklärt hatte und für die Vorlage eingetreten war,-In der heutigen Abendsißungwurde dieResolution Skarda's, betreffend die verfassungSmäßige Behandlung der Verordnung hinsichtlich des Gebrauchs beider Landes- sprachen bei den Behörden, berathen. Plener be'kawpfte die Minoritäts: Resolution, welche den hierauf bezugl1chen Erlaß des Iustiz=Ministers vom Februar aufzuheben verlangt, und führte aus: der Landtag sei nicht kompetent, uber den Erlaß des Iustiz-Ministers zu entscheiden. . Er scheiße den_loyalen, politiichen Charakter des Justizministers hoch;, das Höchste an Loyalität aber hätten die Deutschen geleistet, indem sie 111 den Landtag EMME", Ohne daß die Aushleichsvdrlagen von dem- selben beschlossen waren. Er bitte seine Gegner, die Deutschen nich1 in die Lage zu versetzen, ihren Eintritt zu bedauern.

Großbritannien und Irland. London, 2. Iuni. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung des UnterhauseS erklärte der Unter: Staatssekretnr Fergusson, daß weder die englische noch'die franzdsmche Regierung Nachricht darüber hätten, dnß eine Landung französischer Marinesoldaten m Neufundland stattgefunden habe; er halte das Gerücht fiir unbegrundet; »- Im weiteren Verlauf der Sitzung beairtrqgte C 11 mpb ell bei dem AusZabeposten für den Kolonialdienst dieStreichung des Gehalte fiir den Gouverneur von Helgoland, da die Insel für England UUHWS sei und heffer an Deutsch: land abgetreten werden sollte. Demgegenüber erk'larte _der Unter-Staatssekretär Worm-Z: Wenn England 1111er seine Besitzungen vom Gesichtsvunkte ihrer nahen Lage bei anderen

* Ländern aus verfügen solle, sd wiirde es die ihm gehörigen

Inseln des Kanals an Frankreich und Gibraltar an Spanten adzutreten haben. Redner sprach sich demnach gegen die Abtretung Helgolands (111 Deutichlnnd KUZ“. Der Anirag Campbel] wurde darauf mit 150 gegen 21 Stimmen abgelehnt. _“ " '

Dem „Reuter'schen Bureau“ Infolge hangt die Ab: sendung von vier Kriegsschifrei'. 11110) St. Idhns, welche von mehreren Blättern telegrnphisck) gemeldet mird, mitder11e11f1111dländische11 Fircherer-Angelegenheit in keiner Weise zusammen. Die _Absendung von. Krieg?:- ichiffen von Bermuda nach Halifnx _erxdlge gewohnherthaßig in jedem Iahre; die Ordre zu der Olksjähkigßn ser hereits vor einem Monat ergangen. Die Nachricht von der Entsendung von Truppen nach Neufundland sei unbegründet.

Frankreich.

Paris, 2. qu11. (W. T. B.) Dem „TLMPÖ“ zufolge hat der Minister des Aenßern Ribot die Vertreter der französischen Regierung im Auslande qufgerdrderr, Berichte iiber die Arbeiterorganisarion in den'be: treffenden Ländern zu erstatten. Die fraglichen Berichte sollen fiir die französischen (Heiehentwiirfe verwerthet w.:rden.

Die Vudgetkommission hat die Umwandlung der mit iechHjiihriger Tilgungsfrist laufenden Obligationen in dreiprdzentige perpetuirliche mit großer Majoritdt ge: nehmirzt. , , '

Zum Präsidenten deéz hiesigen Munizipalraths wurde Emile Richard gewählt.

Die Verhandlungen Betreffs der Verlängerung" der Vor: rechte der Bank von Frankreich sind, der „Koln. Ztg.“ ufolge, beendet. Der Vertrag wird nach der Rückkehr des

ank-(Houverneurs nach Paris unterzeichnet und der Kammer noch vor den Sommerferien vorgelegt werden. Das Vorrecht der Bank, das 1897 erlischt, wird um 15 Iahre, also biéx 1912, verlängert werden. Der Staat wird von da ab den (Hewmn mit der Bank theilen, nach Abzug einer Dividende 11011 4 Prozer-t für jede Aktie, die auf 4000 ??r. 110816131 wird. Bis 1897 wird die Bank dem Staat jähr ich zwei Millionen bezahlen. Sie verpflichtet sich au,ßerde111,in ParitZ Nebenstellen zu errichten und sie in der Provinz zu vermehren.

Der Untersuch11ng§rich1er hat, derselben Ouellexzrrfolge, verfügt, daß die her den verhafteten Russen vorgeiundenen Papiere in russischer Sprache ins Frarizdsiiche iiber- ieht werden. Diejenigen unter den Angeklagten, bei welchen kein Sprengmaterial vorgefunden wurde, sollen nach Beendigung dieser Ueberseßungen aus dem Prozeß ausZeschirden und an die Grenze gefiihrt werdeii, Gestern wnrde ein rumänischer Student, Namens Peter Lavezan, Sohn eines r111niini1chenAbgeordneten, alS Mitschnldiger der verhafteten Russen festgenommen.

Rußland und Polen.

St. Petersburg, 2. Irmi. (W. T. B.) Der Krone prinz von Italierirregahsiche11te mit den Großfürsten Alexis und Georg, dem italienischen Bd1ichafrer Baron von Mardchetti, dem Marine-Minister und Gefolge auf der Kaiserhacht „Alexatidria“ nach Kronstadt_u11d besichtigte da- selbst die Forts, ebenso wie das Kriegsschiff, auf welchem der Großfiirst-Thronfvlger eine Reise um die Welt zii 111ache11_be- absichtigr. Sodann begaben sich die Hohen Herrschaften außer dem Großfürsten Alexis und dem _Marine-Minister auf derselben Yacht weiter nach Peterhof und, statteten den dortigen Parkanlagen, in denen sämmtliche Wasserkünste in Thätigkeit gesetzt waren, der Kaiserlichen Villa Alexandria und der Um egend einen Besuch ab. Daß Diner wurde im Lusischloffe Heterhof eingenommen, worauf um 9 Uhr Abends die Rückfahrt nach Petersburg mit der Bahn erfolgte. - Morgen Nachmittag 4 Uhr wird der Kronprinz von Italien im Winterpalaiß das diplomatische Cerps empfangen.

Italien.

Rom, 2. Juni. (21. Z.) Etwa 30 Deputirte der _Rechten und des Centrums beschlossen gestern, eine beiondere Fraktion zu bilden und ihre Freundschaft fiir die Regierung unter der Bedingung der Abwehr des Radikalismus fortzusetzen.

Spanien.

Wie die „Indép. helge“ meldet, hat die von der Regie: rung ernannte Kommission zum Studium der Arbeiter- fragen beschlossen, folgende Gegenstände zu berathen: Verbesserung der Ardeiterwohnungen; Aufsicht und Gesund- heiTSzustand der Werkstätten ; Unterdrückung der Fälschung von Beschaffenheit und (Hewrcht der Nah- rungsmittel; Erleichterung der Arbeitervereinigungen zum Zwecke des Sparen?) und der gegenseitigen Unter- stiitzung; Einseßung von Gerichten, aur“; Arbeitgebern und Arbeitern bestehend, zur Sch1ickthzung von Streitigkeiten. So- dann wrrd auch die Arbeiter: etition berathen, welehe die

Prag, 2. Juni. (W. T. V.) DerLandtag hat heute nach längerer Debatte die erste AuSgleichsvorlage, das

Herabseßung der Arbeitezeii verlangt. Es ist über diesen

Gegenstand eine Enquete eröffnet worden, in welcher zuerst die Großindustriellen vernommen werden sollen. Schiveiz.

Bern, 2. Iuni. Der Nationalratl) wählte bei seinem heutigen Wiederzusammentritt zum räfidenten Suter- St. Gallen (liberal-konservativ), zum Vize: räsidenten Müller? Bern1radikal). - Der Ständerath wählte Muherm:Urc (ultramontan) zum Präsidenten, und Habrstich-Aargau (ge- mäßigt-freisinnig) zum Vize=Präs1denten

Belgien.

Brüssel, 3. Iuni. (W. T. B.) In der gestrigen Sißung der Antisklaverei-Konferenz wurde über den Antrag des belgischen GeneralSekretärS Baron Lamber- mont, betreffend die Ermächtigung zur Erhebung von Einfuhrzöllen im Congo =Bechen, berathen. Die Mit- glieder der Konferenz waren in der Lage, ihre formelle Zu- stimmung zu dem Antrage zu geben. Die Bevollmäch- tigten Deutschlands, Oesterreichs, EnglandS, Frankreichs, Spaniens, Italiens, Portugals, Schwedens, Rußlands und Dänemarks brachten zur Kenntniß, daß der Antrag die volle Zustimmung ihrer Regierungen gefunden habe. Der Delegirte der Niederlande erklärte: er könne den Absichten seiner Ne- gierung nicht vdrgreifen. Die Sympathien seiner Regierung fiir“ das Cdnnd-Becken seien die gleichen, wie die der anderen auf der Konferenz vertretenen Regierungen.

Am Mittwoch voriger Woche fand, wie, der „Köln. Ztg.“ geschrieben wird, eine Versammlung der Deutschen Brüssels in der Börse statt, deren Zweck die Berathung der Griin- dung einer deutschen Schule war. Der dentsche Kdnsnl Miiser fiihrte den Vorsitz, und der? protestan1i1cheGe11111che Kögel sowie Pfarrer Becker, Kornmerzien=Rath Duden und Hr. 111111 Mdmnr bildeten mit ihm den Vorstand der Ver1an11n- lung. Das Ergebnis; der Verhandlung war, daß man die zur Einrichtung nuf etwa 13 060 Fr. veranschlagte Summe bereits (110 gedeckt betrachten konnte und ein Mitglied der deutschen Kolonie dad Schullokal kostenfrei zur Verfiigung stellte. „Zur Bestreitung der [nnfenden AuSgaben wurde die Gründung eines Sch1rlverei11s heschldmen und ferner einhellig bestimmt, daß erstens eine Volksschule und zweites „eme ?dxittelschule mit Vorbereitung auf das Athenäum eingerichtet werden sollen.

Türkei.

Konstantinopel, 2. Irmi. (Ag. 11. C.) Heute fand die feierliche Eröffnung des 40 km langen Theils der Eisenbalm-ISrnid-Angora bis Adabasar in Gegenwart des Ministers der öffentliche112lrbeiten Raif=Pascha und an: derer. Würdenträger, des Direktors SiemenS und der angesehensten Persönlichkeiten rwn Konstantinopelstatt. Bei dem in S a b (1 n_d ]“ a veranstalteten Festbankett brachte Raif : Pascha einen enthusiastisch aufnenonnnenen Toast auf den Sultan aus, der, beseelt von dem Streben fiir die Wohlfahrt des Landes, das große Werk gefördert habe. Auf allen Stationen wurde der Eisenhnhnzug von den Bewohnern jubelnd begrüßt.

Parlamentarische Naeizrichten.

In der heutigen (60) Sitzung des Hauses, ,der Abgeordneten, welcher am Ministerrische die Stnatk-Mrnisier Dr. von Goßler, Herrfurth, 111“. von Scholz nebst Kommisiaren beiwohnten, theilte der Präsident mit, daß der Abg. Berg- mann, Vertreter de?» 4. Gumbinner Wahlkreises, in Folge

niedernelegt hat.

Der Gesetzentwurf, betreffend die FeststelTung eines Nach- trags zum StaatShauShaltS-Etat fiir das Jahr vom 1. April1890/91, wurde in dritter Verathung ohne Debatte angenommen.

Es folgte die zweite Berathung des Geießentwnrfs zur Ausfiihrung des §. 9 des Gesetzes, betreffend die Ein- stellung der Leistungen 1111-5 StaatSmitteln für die römisch-katholisck1enBisthiimer und Geistlicher: vom 22. April 1875. Berichterstatter der Kommission war Abg. Dr. Hartmann (Lübben). ' .

In der Kommission war ein_pdsitive§ Ergebniß mcht er- zielt, die einzelnen Artikel des Geieheniwurfs waren abgelehnt worden. Zur Debatte wurde deshalb die NegierungSvorlage in ihrer urspriinglichen Gestalt gestellt.

Art. [ derselben lautet:

„Diejenigen Beträge welche auf Grund der gemäß §, 1 des (Gescher) vom 22. April 1875 erfolgten Einstellung der Leistungen aus Staatsinitteln arifxreidmmelr smd, werden bei dem Inkraft- treten riegenwärtirren Gesetzes 311 Gunsten der allgemeinen Staatsfonds vereinnahmt. Dagegen wird vom 1. April 1890 ab aus allgemeinen Staatsfonds für kirchliche Zwecke der katholischen Kirche eine jährliche Rente von fiirrfhwndert ieÖÖzigtausend vier- hundert achtzig Mark acht und fünfzig Pfennigen 560 480 „11 58 „5, verrmmdet."

Hierzu beantragte Abg. 111r. Windthorst:

Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, nnter Ablehnung des Artikels 1 die Königlickze SiaaiSregierung aufzufordern, zunachst mit den kirchlichen Obern weitere Verhandlung zur Erstrebung eines Einverständniffes über die Art der Verwendung derjenigen Beträge, wélche aaf Grund der gemäß §. 1 des (Gesrßes Vom 22. April 1875 erfolgten Einstellung der Leistungen aus Staats- mitteln aufgesammelt sind, eirzuleiten und demnächjt je nach dem Ergebnisse dieser Verhandlung dem Landtage einen neuen Geseh- entwurf über die Verrvendung der betreffenden Beträge vorzulegen.

Ferner beantragte Abg. ])? Brüel: ]

(Für den Fall der Ablehnung des vorstehenden Antrags 1.)

Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, unter Ablehnung dcs Artikels 1 die Königliche Staatsregierung aufzufordern, „dem Landtage einen Gesetzentwurf vorzulegen, durck) welchen denjenigen, welche durch Einsteüung von Leistungen an:? Staatsmitteln auf Grnnd des Gesrßes vom 22. April 1875 in ihren eigenen (wvhl- erworbenen) Rechten geschädigt sind, bezw. ihren Rechtsnachfolgcrn ein Enisckyädigungsanfpruch gewährt und nur 111 Betreff des nach Befriedigung der Entschädigungsansprüihe etwa verbleibenden Restes der aufgesammelten Beträge eine anderrveite Verwendung zu kirch- lichen Zw'eckert geordnet wird.

und fiir den Fall der Ablehnquxl; dieser beiden Anträge: 1

Das Haus der Abgeordneten 'wolle beschließen, an Stelle der

vorgelegten Entwurfs folgende drei Artikel Artikel 1.

Diejenigen Beträge, welche auf Grund der gemaß §. 1 des

Gesetzes vom 22. April 1875 erfolgten Einstellung der Leistungen

Artikel 1-3 des zu sersen:

aus Staatsmitteln aufgesammelt sind, Werden den Kirchenobern

seiner Ernennung zum Ober-Präsidial-Ratl) sein Mandat

ausbezahlt, je zu dem Antheile, zu welchem e aus den ver iedenen

kirchlichen Bezirken aufgekommen sind. fi fck ' Artikel 2.

Pre Kirchenobern haben die ihnen nach Artikel 1 zukommenden Betrage dazu zu Verwenden, den Geistlichen, den kirchlichen Stellen, Anstalten und Fonds und den Gemeinden, sofern s01che in Folge der Einstellung von „Staatsinitteln unmittelbar oder mittelbar erheblich und nachhaltig geschadiat sind, Beihülfen zu gewähren.

Dre Zuthetlung diefer Beihülfen im Einzelnen bleibt ihrem Ermeffen uberlgssen.

Werden die auf einen Bezirk entfallenden Beträge durch den vorstehenden Verwendungszwuk nicht erschöpft, so wird aus dem Rest fur jede Dtozese bezw; jeden preußischen Diözesanantheil ein Emerrt'en'fonds gebildet„ desterr Erträge nach Vereinbarrmg zwischen dem Minister der geistlichen 2e.An._1rlegenlxeiten und den betreffenden k1rch11chen_Obern verwendet werden, soweit nicht der Minister und die kirchlichen Obern eine Verwendung dieses Restes zu anderen kirchlichen Zwecken Vereinbaren -

, Artikel 3.

_ Dre A'uszahlung der tm Artikel 1 bezeichneten Beträge erfolgt binnen drei Monaten nach dem Inkrafttreten des gegenwärtigen Gesehes rnit Zinsen zu „“W"/0 vorn 1. April 1890 ab.

und für den Fall der Ablehnung auch dieses Antrags beantra te Abg. Dr. Windthorst: g 117

Das Haus der Abgeordneten wolle beschlies1en, unter vor- lgufiger Ausseßnng der Beschlußfassung; über Artikel 1 die König: 1162; Staatßregrerung 'aufzufordern, drm Landta.1e behirfr? einxr §Yrufmrg desf'rlberr iiber die Höhe der festzustellenden Rente zudörderst eine nach Diözesen und in den Diözesen nack) Kategorien geordnete Nachwerjung darüber vorzulegen, Welchen Berechtigten und mit welchem Betrazre für jeden Staatsleistrriigen aufGrund des Gesetzes vom 22. April 1875 vorenthalten siiid,

Abg. Dr. Windthdrft führte aus, daß nur das Miß: trauen gegen die katholische Kirche und ihre Verwaltung die Herauszahlung der gesperrten Summe ohne jede weitere Be: dingung verhindern könne. Dieses Mißtrauen sei unbe- grnndet. Wenn 1111111 irisdlcherrGedanke11 verharre, könne kein defrtntiver Friede-eintreten. Die Evangelischen müßten ihren Neid fahren lassen; Mittel, deren die evangelische Kirche bedürfe, wurde das Centrum gern bewilligen, wenn sie in der richtigen Weise verlangt wiirden; das sei bei dem An- trnge des Fre1herrn von der (Holtz nicht der Fall gewesen. Em 1015121111 [10850 gegeniiber der Vorlage sei von dem " Heiligen Vater niemals angesprochen; auf ein vesrstunnneires Aktenstiick, wie er?: der Minister in der Kom- mission vorgelegt, wiirde „kein Richter ein Gewicht legen. Der heilige Stnhl habe *sich völlig neutral verhalten und die Entscheidrrng allem den Bischöfen und dem Gange der e111he111111chen Gesetzgebung Überlassen. Welches ((z-ber die Ansicht 'der Bischöfe sei, enthalte die von Fulda 1111 den Minister gerichtete Eingabe. Eine richtige, dem allgemeinen Interesse entsprechende Abwickelung der schwebenden Angelegenheit könne nur im Einvernehmen mit den Vischdfen erfolgen. Diese Vereinbarung zu ermöglichen, he: zwecke der 111111 dein „Redner gesteÜte prinzipielle Antrag. Er- forderlich ser nuch eine spexinlisirte Rechnungsablegung. Die- selbe konne 11111 Grund nicht verweigert werden; jeder, der fremdes (Hut unter Verwaltung nehme, sei dazn verpflichtet; die Fassung des F. 9 des Sperrgeseßes gebiete sie ebenfaUs. Der friedliche Sinn, der in der Kommission sich geltend ge- macht, werde hdsfenrlick) (mch die weitere Berathung be- herrsche11. ES sei Zeit, daß Friede in Deutschland werde.

*, Ver Schluß des Blattee: sprach der Abg. Graf zu Limburg-Stirum.

Statistik und Volkswirthschaft.

Deutscher Innungstag.

Den ersten Gegenstand der Tagesordnung für die gestrige Si 1111 bildete das Thema: 11..Wie Weit irägt die Erfüllungßdekk Forderungen des Handwerks zur Herstellung des so- zialen Friedens bei;“ 1). „Welche gesetzlichen Mittel bleiben dem Handwerk noch, um seinen Forderungen Geseßeßfrafdzu verschaffen?“ Der Referent, SÖneidermeister Faßbauer (Koln) außerie sich ungefähr folgendermaßen: 51Min schaffe Gesche fur die Großindnstrie nnd die Arbeitnehmer, die" Handwerker inhanile man aber immer noch als Aschen- brddel. Daher komme es, daß dQ-J soziale Chaos immer großer werde , 'das seikständige Handirerk immer mehr der- schwmde und die Sozialdemokratie immer Weiter anwachse Das Handwerk habe sich sters seit Jahrhunderten als der treueste Hort"vo_tr Thron und Altar erwiesen. Immer mehr würden die selbstankdrgrn .HandWerker ins Proletariat hinabgeschleudert, ihrer Selhstandtgkeu beraubt und genchigt, dem Großkapital als Lohn- arbetter zu dienen. Bedauerlich 1ei es, daß alle Petitionen, die die Handwerker seit Jahren vor die gesetzgebenden Körperschaften gebracht, sr) gertnrre Beackxtung gefunden haben. Allein es scheine. als webe jest ein anderer Wind. Der Kaiser habe durch seinen Erlaß bekundet, daß er 111111) dem Handwerk helfen Wolle. Der Herr Handels-Minister von Berlcpsck) habe ebenfalls bereits bewiesen, daß er Von der Bedentung des Handwerks überzeugt rei. Deshalb sei es Pflicht der deutschen Hand- Werker, von Neuem ihre Forderungen zu stellen und den Regiernngßbehör- den zuzurufen: Wenn Ihr n1cht rrol11„daf; die Sozialdemokratie immer mehr wachse,1vemthr wollt, daß der ioziale Friede wieder hergestelltrverde, dann traget zur Erhaltung des deutschen Handrverks bei. Halbe Maß- regeln können aber dem Handwerk nichts mehr helfen. Wir brauchen oblrggtorische Innungen, BefähigungenaciWeis, kriminelle Bestrafung des Kontraktbrrrcbs, obligatorische Einführung von Arbeitsbückpern für alle_Arbeitrr obne Altersunterschied, Regelung des Lehrlingßrvesens 11. 1.11). SoÜten die Handwerker fernerhin nicht berücksichtigt werden, dann dürfte es nicht ausbleiben, daß Seitens des Handwerks ein großer Abmarsch nach links stattfinden werde, da die Handrverker ein- gesehen haben würden, das; alle ihre Bemühungen, von rechts Hülfe zu bekommen, erfolglos geblieben reien. Es sei hohe Zeit, den maß- gebenden Kreisen zuzurufen: Helfer dem selbständigen Handwerk, ehe es zu spat ist. - Auf Antrag des Bäckermeisters Böhme (Leipzig) Wurde sogleich mit allen gegen 1 Stimme beschlossen: von einer Dis- kussion über die gehörte Rede Abstand zu nehmen und sich mit den Ausfuhrungen Faßhauer's einderstanden zu erklären. - Auf Antrag des Schneidermeisters Möller Dortmund) wurde noch gegen eine er- hebliche Minderheit folgender eschluß gefaßt:

.Der deutsche Innungstag spricht den Abgeordneten, die für die Forderungen der Handwerker im Reiebstage eingetreten find, besten Dank aus, verpflichtet sich, für die Wiederwahl derselben zu wirken, Fndk erklärt alle anderen Abgeordneten für die Feinde der Hand-

er er.“

„Seitens der Minderheit wurde betont, das; der Schlußsaß fie vel'bin'dere, für die Resolution zu stimmen. _ Auf Antrag des Schm1ede-,Obermeisier§ Warncke (Berlin) wurde alsdann bc1chlossen, eine Petition an den Reichstag zu richten, in Welcher sich der In- nungstag gegen die Fassung des §. 72 im Gescßentwurf, betreffend die.Gewekb?8ekkchke, wendet. In der Petition wird Verlangt, daß der ZWlschensa13 in dem Absah 2 des §. 72: „sofern ein nach „Maßgabe diksks GLseZes errichtetes Gewerbegericht nicht vorhanden ist“ weg- falle und in dem §. 97 Nr. 4 der R.-G.-O. die Worte:, „an

12112 der Geweindebehörden“ gestrichen werden. Im Weiteren wird in der Petition verlangt, daß der §. 49 Absaß 1 des Gewerbe-

gerichts-Geseßentwurfs auch für die Jnnun s-S ieds eri te la greife, nach welehern als Berufungs- und BesFweréegeriSOt Yat; TYndt? gericht zuständig“ wrrd, in dessen Bezirk das Gewerbegericht seinen Sitz bat. Im Weiteren wurde auf Antrag des Schmiede Obermeisters Wgrncke (Berlin) beschloffen, eine Petition an den Reichstag und den Rerchdkanzler, betreffend die Abänderung des Krankenverstcherungg- Jeseßes *in der Richtung der Erleichterung won szungs-GeseUen- Krankenkassen und der ErmHglichung don Verbands-Krankenkassen für Meister, GereUen und Lehrlinge, zuxrichten Ferner wird beantragt, das; die bedorzugie Stellung der freien Hülfskassen beseitigt Mrd? und diesen dieselben Verpflichtungen auferlegt Werden, welche die Ort§=, Betriebs- und Innungs-Krankenkassen z11 erfüllen haben.

Eine lebhafte Debatte veranlaßte alsrann das Thema:

Aus1chreitnngen der.GesellejnbervegunsenK Malermeister Voß (Hamburg), Fabrikant 281111111] (Miinchen), Schneidermeister Faßha 11er (Köln), Schneidermeister Schalze (Magdeburg) 11. A, klagten iiber die immer mehr überhandnchmenden Arrdichreitungen der (Gesellen. Sckxuld hieran sei die liberale Gesehgchung, die der Zügel- ldfigkeit Thiir und Thor öffne. Die Hauptschuld tragen die jnngen Arbeiter, die die älteren, besonneneren terrorifiren. EI sei ,.othwendig, daL„K0alitionsrech*t der Arbeiter bis zum 20. Lebensjahre 511 de- schranken, den Kontraktbrnch mit Gefängnis; nnd 11-117; besonders die Yerrnf-Ierklarnng; Drohung 11. s. w., streng zn destrarnr. Es wurde 1chlreßlrch be11h1011en: eine 111 diesem Sinne gehilrene längere Petition an dreReichSrrgierung und den Reichstag zu richten. Ferner gelangte an Antrag des Fabrikanten Billing (Münehen) noch idlgendc Resolution zur Annahme: .Der deutsche Innungstag bearrftraxrt den Crr1ikaiÜUZichUß Vor- wrge 311 treffen, daß bei künftig vorkommenden Arieiteransständen 8277171515er Vorkrmmniffe festgestellt Werren, 11111111: [“i-_- selbständißen Handwerker 1111111111746 11111) unentbehrliches Material 511 z';enrinnen.“

Aris Ahtraß des Tischlermeisters Heinze(H1:1110ver)1r111rde endlich noeh resehlc-isenz eine Petition an die Reich§re,1ierr111,;111id den ReiÖStag 11111 dblrgatorirche Einfiihrung von ArbeitsbüMrn fiir“ nile Arbeiter Ohne Altereunierscksed zu richten. Danach trat ein: Parise ein.

_Den folgenden Gegenstand bild;1-: ein Antrag des "'Liiissclruffes der vereinigten Innungen zu Flendburh: ' *

„Dre (Eryriihrunrg don Provinziäl-SChi-xdr,]eriÖten und Untersthhungéstcissen fiir die Meister der verschie- denen Gewerbe dei eintretenden Strikes,“ Schneider- mersier Wehlih (Flensburzi) befiirwwrrete den Anirzg, während Sehnerdermeiiier Ü'iöller_ (Tortururid), Schmiedem-xistcr Warncke (Berlin) und Sgrtlermniter Yogi (Potsdam) deiiielbcn bekämpften. Es 1v11rde schließlich heschlosien, den Antrag drm Ceritral-Unsschuß der derernrgten JnnungIderbände und dem Vorstarrde des Allgemeinen deatirhen Handwerkcrbundes zur Erwägung 511 Überweisen. Im Weiteren wurde an Antrag des Schuhmacher-Odermeister§ B er: 1 si (Berlin)11nd des Abg. Mehner (Benthen Q-S.) beschlossen: „1111 die I)ieiehdregierung und den RUTHSTW i'll]? Petition wegen Besch r ä nknng des Hau sir- handeld zu rrckyutin und die Reich§re.;ierr.1ng zn ersireixrn, bei 'Ilbschlrrß vanHardelr-dertragen rnit fremden Mäihten dahin zu wirken, das; der Ernxwrankung des Hawirhandels 111 Deutschland keine Hinderniffe bereitet, merdi»11_“_

C1ne_lehhaste Debatte eriiswann sich alsdann iiber die Einrirhrnng von Koriyurridereirien im Aligemcinen sowie über die Offizier - und Beamten-Konsumvcreine im Besonderen. Sämmtliche Redner wandten sick) gegen die Konsumvrreine eZNschließlick) der ;Feamten- Und Offizier-Kmxrumwerrine. SÖnr-idermrister Faßhaner (Köln) beantragte; eine Petition 11111211eschränk11n11 der Konsumdereine, ganz hjesonders um Besteuerung derselben nach dem Umfange ihrer Gesrhafte an die Reickzsregierungrrnd dcn 2116151721131] ZU richten. Dirscr Antrag gelangte einstimmig zur Anrr-ainrre.

Danach wurde die Verhandlung gegen 6? Uhr Abends auf heute Vormittag 11 Uhr vertagt.

Da die Mitglieder des Bureaus 511 der Deputatidx. gehören, die heute Mittag zu Sr. Majestät dem Kaiser beschieden war, 10 wurde die heutige zivrite ,und letzte “Sitzung von dem Schuhmacher- Obermeijter Beutel (Berlin) deleitrt. Den einzigen Gegenstand der Tagesordnung bildete: ,Die Organisation und die Auf- gaben der JnnungS-Ausschiisse vereinigier Innungen“.

Land: und Forstwirthfchafi.

Vierte Wanderausstellung der Deutschen Landwirth- schafts-(Gesellsehaft in Straßburg.

Die Eröffnung der AussteUung erfolgt am 5. d, M., Mittags 12 Uhr, durch den Statthalter Fiirrten von Hohenlohe. Se. KöniglicheßHoheit der Großherzon von Baden hat, dem „W. T. B.“: zufolge, angezeigt, daß er am Abend des EröFnUngstages zur Besichttgrmg der Audjiellung eintreffen werde. » Die diesjährige Wanderaussrellung wird reich beichickisein. Es find gegen 400 Pferde, 960Rinder, 200 Schafe und 320 Schweine angemeldet. Unter den Pferden befiriden sich 180 edle, Warmhlütige Und 98 kalrbliijige Zuchtpferde, 11n1er denen Normämrer, Annio-Nermänner, Belgier, Oldenburger, Hannoveraner, Percherons, Ardenner, Bretonen, Clydesdales und Norfolks zu nennen sind. Adßerdem werden eine Anzahl Gebranch- Pferde in Vrercrziigen, Zwei- und Einspänner Und Reitpferde vor- gesteUt werden und ferner etwa 50 Dienstpferde der Artillerie und Kavallerie. Diese zum ersten Mal durchgeführteAusstellnng 11911 Militärpserden hat den Zweck, den Ziichrer11 zu zeigen,welck)e Pferde die Heereßverwaltung bra11cht. Endlick) Werden noch eine Anzahl Hengste des Kaiserlichen Landgestüts in Straßburg zur Vorführung kommen. Die auegestellten Rinder gehören zu 9/10 den Höhenschläiren an, unter diesen überwiegend dem Simrnenthaler Schlage Der Rest sind Niederungsthiere und Shortlwrns. Zur Zunprlrfhng sind 48 Nennungen eingegangen. Die_Schaf_e gehören zum kieineren Theile den Schlägen der englischen Fleiscbichase an, zum größeren Theile den deutrchen Schlägen. Merinos sind nicht ausgestellt. In der Schweine-Abtheilang überwiegen wie immer die Yorkshires. Hierzu kommen noch 42 Ziehen. Die Geflügel-Ausstellung ist mit 145 Stämmen Hühnern, 139 Siämmen Tauben und 34 Loosen Kaninchen beschickt.

Handel und Geiverbe.

Nach den Vorschlägen der parlamentarische1r Kommission ur Berathung des italienischen Ge1eße111w11rfs, betreffend den eis: und Stärkezol], soll der Zoll auf gewöhnliche Stärke von Reis von 8 auf 12 Lire ,(nicht 10, wie in dem Ent: wurf vorgeschlagen) per Quintnle erhöht, auf gewöhn- liche Stärke von anderem Material, nicht, wie der Entwurf vorsieht, erhöht, sondern auf dem bestehenden Saße von 8 Lire per Quintale belassen und der Zoll auf feine oder in Schachteln verpackte Stärke, in Uebereinstimmung mit dem Gesetzentwurf, von 12 auf 15 Lire pro Ouintale erhöht werden. Das Gesetz soll, auch nach dem Vorschlage der Kommrsnon, am Tage nach seiner Veröffentlichung in Kraft treten.

- Beiden Abrechnungsstellen der Reichshank find im Mai 1890 1527 930000 abgerechnet worden gegen 1 453 965 500 «14 im April 1). J. und 1631 920 800 im Mai 1889.

- Die außerordentliche Generaldcrsammlung der 13 sterrei chis ch - ungarischen Bank hat, wie „W. T. B.“ aus Wien meldet, einstimmig den Antrag des (Generalraths anZenommen, die General- versammlung wwlle der vorzunehmenden Erganzung der Vankstatuten, betreffs der Escoinptirung von Warrants durch die österreichisch- ungarifcbe Bank im Sinne der von dem österreichisch-ungarischen Parlament angenommenen, jedoch noch nicht sanktionirrcn Gesetz- novellen, ihre Zustimmung ertherlen. Der Gouverneur der Bank erklärte, die Abänderung der Statuten könne der Sanktion des

Kaisers nunmehr unterbreitet werden der Kurhessischen 40

„Die

Kassel, 2. Juni. Serienziehung Thaler-Loose: 12 32 62 97 179 194 264 359 429 456 541

591 631 651 680 715 822 856 860 890 965 1041 1060 1070 1103 1178 1207 1236 12371253 1282 1448 1461 1482 1558 1674 1701 11,52 1783 1802 1920 2000 2011 2168 2186 2242 2365 2575 2626 2628 2644 2780 2827 28516 2869 2899 2922 3303 3308 3359 3460 3488 3560 3572 3679 3718 3941 4082 4153 4156 4164 4165 4187 4197 4214 4324 4363 4442 4463 4481 4504 4519 4611 4629 4674 4692 4776 4197 4857 4868 4875 4891 4954 4976 5163 5193 5256 5425 5484 5487 5562 5605 5663 5669 5720 5730 514,51 5839 5868 5891 5940 6065 6101 6129 67156 6469 6506 6557 0.581 6596. Leipzig, 2.J1111i. 018, T. B.,! Kammzug-Termin- (handel. La Plata. Grundrrwster 8. Pr Jimi 4,5251 „11, Pr. 41111 4,50 „Zé, pr, 2111111111 4,4745“, wr, September 447117“, Pr. Zktéer 4,477; 4.275, eFlix. Ilkor'emhebr 4,473 „74, pr. Dezember 4,47Z .“, rzanuar , 2 7, rr. Fsruar4 *“ 7 "- Schwach.[ H _ ,472 41: Umsaxz 35 000 1173 Jar Irn e, 2. Jani. (W. T B. - ewirm iehrnr' der VadlsÖLn 100 Tbüick“-Lr1diex 3T?0001„Y 61175211“, 79146, 48000 „11- Nr. 117940. ]»«10-1 „15 Nr 43 837, 48-70-17- Nr. 1128374, 12 2400 «16. Nr. 14 559, 112732, 117908, ie 1200 „lk Nr. 73:39 27 257, 31627, 451.12, 1114173, 104 385, 11211315, ' London,2.Z1111i. (W. T. B.) An der Küste 1Weizen- ladirrig angeboten. - laIgow, 2.I1111i. (W. T. B.) Die Versciiiifdngen 11011 Rolwtsen 1715151171 in der vorigen Woche 8-10; (199-311 8500 r in derielben_Woch1e des --1*Dki,1M“J-)ers. ' Bradford, 2. Irini. (W. T. B.) Wdile geiwäirslds, we1chend, Garne r11ixig, williger, Stoffe rUhig.

Verkehrs - Anstalten.

Mit gewohnter Pünktlirhkrii iir dic JUni-Andirahe des ReiÖI-KuredUCh-I (bearbeirer irn Knrx-bxrrearr deI Reiriis- Poirnmts 1890, AnMabe Nr. 17. _ Jimi. - SOUTUWrÜÜWÄÜUL. - Berlin. erliuI Srrirrger, PreiS 2 „_17.) in di..““en TUM er- schienen » Sie enthält, da die meistert. Frohen (217-611!)7011V6k11111111111ckLx1 ihre Fahrdlärie gänzlich umgestaltet 5111811, 19 riei red Nrnxri (411, Reisererhindungeri im „Kleinen 11er Grdßen, „1115 111117 11.1111 1111611 Himmels,;egenden, den“; eine 2111135511111» «nch nrrr dern*ichti;.11*1err Fehr- Planänderungen rnehr Raimi beaniprrrwcrr wiirde, (11-5 11115311 151-1191: “steht. Wir haben dcskalh nur die «111,11-115äiliz11e “)ieuernng hcrrrr, bestehend in der Beigabe einer U(“U-Tli 1111611611 511 rte, welche irn Kursdnrean des RercbI-Pdstamts bearbeitnr, anf larikrgraphischenr Wege in Vlau- und Schwarzdrark hergestellt, 1111 1111113711], wie (111 Znhali die frühere Karte Wesentlich Ühertrifft. Sie stellt 1111 der einen Seite das deniiche, auf der r-nderer; Seiie diz CUi'OUäliÉé Eisenbahnnetz bis 511 den änßcrsien, jenseits der 0112115115". LHKT'ZE belegenen Pirnkterr Samarkund und ijnen dar. In reiden Eiken- bahnnehen, ][)Wié in dern hirrsrrgefiinten kleiner. 9261011161711 sind d11rch eiiie eigeriartise (GrudpirUng der Längengrche Zei!drrzrl-ickyungxlinien hergerteU'r, welche es ermögliäyen, fiir särrrrntlirhe anf den Karten an- genehenerr Orte die Untersehiede der Ortszeiien 111111 Stunden 11115 Minuten Ohne Skhwierigteit 111751110711 rrnd 51155 die LanderZ-zeiten heq11etn mit einander, sowie init der 5011 Vielen erwhnten kiinfxigsn Weltzeit (néknilich der Zeit rwn Greenwich) :,11 rerxrleiehen. Ueber den Praktischen Werth “res :“)“ieiehI-Krrrri=:rchx, seine ererääisiskeit 1171: Brarrcharkeit 1117721 sick) 2117wa 1111111 mehr 1133211: wir können dasselbe nur immer wieder dem reisenden Pnbliknnr aufs Wärmste erridfehlcn.

Hamburg, 2.J11ni, (W. T. B.) Der Postdarrrdirc „Flaneria“ der Hanrhnrg-Amerrka11ischen Packetfahrr- Aftrerixreiellscbarr hat, ron Nerr-Ydrk kommend, gestern Abend erar-d pasirt 11110 der Postdamprer .Bohemia“ dericldrn (HeseUicbaft llt, 13011Hamb11r11 kommend, 511112 P.'idriren in New- York eingetroffen. *

ondori, 2. Jerii. (W. T. B.) Der Union-Damrfer „German“ iir hehre arif der Heimreise in Sdathamptdn nnd der Union-Darridfer „“T-urban“ ist gestern auf der AUÉrerf in Capetown angekommen.

Theater und „Musik.

_ DeutsÖeS Theater,

Demnaihst findet wieder eine Zusammenstellung beider Theile des „Fahrt“ statt, und erar wird „Faust, ]. Theil“ am Sonnabend und „Fautt's Tod“ am Mdntaq gehe en.

_, ' Kroll's Theater.

(xm interesranter Gait, der Terrorist Hr. Warmuth, wird fich am Donnerstgg dem Berliner Publikum vorstellen, nachdem er herein“- arn Her Majryth-Theatrr in London als Mitglied der Jralieniichen Oder durch seine Stimmvorziige und künstlerischen Gaben bedeutende Erfolge errungen hat, Hr. Warmuth sollte hereitI bei dem Gardini'schen Operrrggternehmen bier mitwirken, dock) stellten sich damals Repertoire- hnidermne ein. Der neue Gast tritt als Eleazar in der .Jüdin“ auf.

. _„Adoldh-Crnst-Theater.

Die letzte Aeruhrurnr dcr Jacobson-Cld'scben Gesangsvosse „Der Goldfaohs“ am Setinrag 3611116 wieder, welcher Sympathie fich das de- 1rebte Thegter ersreUt: das bis auf den lehren Play ausderkaufte Haus behieltete die tadellose Vorstellung mit judelridem Beifall. Als der Vorhang gefal1en war, rief das animirte Publikum den Direktor Und 1e111e LNMJUEÖLT wiederholt vor die Rampen. Hr. Direktor Ernst dankte fur _qu ihm in so reichem Yiaße errtgegengedrackrte Wdhlwdilen 111111 1197, dern Publikum ein fröhliched Wiederrehen 311. Heute rrihrcn ]Lck) bereits Pmrdrrte fleißiger Häride verschiedener BJU- bdnrwerker 21“, 11111 deni Theater während der zireirnonatlichen Ferien ern vornehmes, den Weitgeheridsten Anforderungen entsprechendes neues (Gewand zrr Verleihen.

Mannigfaltiges.

'Se._Ma1e1iät der Kaiser hat dieser Tage dem Kammer- g err cht ('in Prachtdolles lehenßgroßes Bild des Ka isers F r i cdrich 111. zum Geswerik gemacht. Wie die „N. 21.3." mittheilt, zeigt daeieldc untcn'den 211111151 des vereidigten Meisters Gustav Richrer und stammt anscheinend aus der Mitte der siebziger Jahre. Am Sonnabend Narbrntttag um drei Uhr hatte nun der Chripräsrdent des Kammer- gcrrcbts Hr. Drenkmann, die gesammten ?„ikäthe und die Mitglieder drr Oberrtaatsaiiwa'ltschaft nach dern Saale des zweiten (Zivilsenats, wi)" das 'Bild _1e1nen Plaxz gefunden hat, eingeladen imd 11.“- grußte d1e _Verrammelten mit folgender Ansprache: „Verehrte Herren! Bei Gelegenheit des lehren ThronMchsel§ hat auch das Kammergericht eine Adresse an Se. Majestät den Kaiser gerichtet und _dabei anch den Wunsch geäußert, die bereits in seinem Besitz be- findltchencthlder unserer Herrscher auch durch das Bild des derewigten Keusch Friedrich 11]. 311 Vervollständigen. Der Kaiser ertheilte die hrxlddolle Zarage eines wichen (Herrheriks, und in tiefster Dankbarkeit nehmen ww dasselbe nun entgegen. Ueber die Entstehung des Bildes 111 Nahercs nicht 'bekannt, doch ,so viel ist gewiß, das; es nicht ans den letzten Lebensrahren des rereivirrteri Herrschers stammt und nicht die Zyge iraJt, m welchrwsirh daI Wort „Lerne leiden, ohne zu kla-gen aUSYragte; vielmehr 1chei111 es aus einer mehr zurückliegenden Zeit berzuruhren, wd noch berveglicher Frohsinn und innige Gemüth» tiefe gepaart mit tiefem Ernstxdie schönen Züge verklärten, wobei aher doch 1chon em Anflug von Schwermuth, gleichsam eine Ahnung fruhzertrgen Todes, hervortrat. Dieses herrliche Geschenk hat aber auch noch eme andere tiere Bedeutung. Es versinnbildlicht uns den Saß des Vercwigten: „Wahrheit und Gerechtigkeit“, welcher auch das Motto des preußischen Richterstandes bildet, der in dieser Tendenz die Yursten des Hohenzollernstarnmes vertritt. So hat auch immer ein rnnrger, Zusammenhang zw11chen dem Hrrrscbcrhause und dem Kammergericht bestanden. Der dem lehieren seinerzeit geschenkte Thron ist ein Sywhol daron. "Möge auch dieses Bild eine Mabnnng 1ein für uns zur [teten Pflrckptmaßrgcn Nacheifermnr an den Vorbildern unserer Fürsten, Welche in selbstldjer Sorge fiir ihre Untertbanen ihre schönste Aufgabe sahen. Mit diejen Empfindungen wollen wir das Bild unseres unvergeßlichen Herrschers dankbarst entgegennehmen.“ Redner gedachte dann in lebensnrarmen Worten der Verdienste des