1890 / 141 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 13 Jun 1890 18:00:01 GMT) scan diff

Grundsas der deutschen Zollpolitik urütteln, wie es Hr. Bam- berger thun möchte. Irgend welZ-e zoll olitisckven Erleichtx- rungen von Fall zu Fall eintreten_ u la cn, findwir me abgeneigt wesen. Das Urthxt * Stanley's isi nicht u untersYäßen. Die germgmschen Völker, die, viel- Leicht dem Abg. Bamberger nicht so nahe stehen wie uns, den andere koloniale Be**'trebungexi als etwa die Franzosen. iese find nicht maßgebend für dte Mehrheit des deutschen Volkes, und wenn der „Herr so weit gegqngen ifi, jedem OffiFier, jedem Landwirtl) und Beamten em Urt eil über die nlage von Geld abzzrsprezhen, das solle man den Banquiers überlassen, so sage ich, die Mehrheit des Deuischen Reichstages kann doch nicht aus Ban uiers bestehen wre er. Es ist doch sehr merkwürdig daß vrele ieser Beamten dl,. s. m. von deutschen Gerichten zu Vormündern und zu Vermogexrs- verwaltern ernannt werden. Das wäre unverantwortlich, wenn diese Leute kein Verständniß von der Ver- mögensverwaltung hätten. Der ?lbg. Bamberger hat sehr geringscbäxig von den Letftungen der Laird- truppen in Ot-Afrika gesprochen, nur dre Marme hätte etwas geleistet. Ich werde idn an diese Anerkennung erinnern, wenn es sich um die Bewilligung der Kreuzer handein wird, die zur Durchführung der Kolonialpolitik nöihrg sem werden. Wenn er aber gemeint hat, es sei nur em Unter- offizier gefallen, und es so hingestelli hat, als ob das gar nicht; wäre, so smd wir anderer Meinung. „Jeder Soldat, der hier oder in Ost-Afrika sein Blut yergreßt, darf der Sympathie des deutschen Volkes sicher sem, Das deutsche Volk steht in seiner Mehrheit die kolonialen Bestrebungen nicht so pessimistisch an, wie Hr. Bamberger uiid [eme reunde. hoffe, daß der ganze Reichstag in dieser eziehung der Welt beweist, daß Dcutschland keinen Schritt zurückthut, wo es einmal seinen Fuß dingeseßt'bat. Der Abg. Bamberger hat von den inanzverhältmffen esprochen. Sollte es nicht seinem roßeninternationalen Etn- Fluß gelingen, daß die internationa en Finanzkreise nichtimmer denjenigen Staaken Geld borgen, welche gegen Deutschland rüsten? Gelänge dies, dann würden auch nicht die häufigen Forderungen an uns herantreten, iiber die man sich beklagt, nicht etwa bloß auf Ihrer Seite. Steuerzahler sind auch auf der rechten Seite, und der Großgrundbesiß ist heute mehr Kak, 1'o iw» mokisa Rosik- “dor- knnn nikki imisrkwn möbfon'd das mobile Kapital in egyptischen Anleihen angelegt werden kann. Möge der Reichstag einmüthiq mit unsxrem Kaiserlichen Herrn den Schuß der deutschen Interessen in Ojt-Afrika im Auge behalten! Abg. Dr. D o hrn: Der Vorredner hat meine Ausführungen über die klimatischen Verhältniss in Ost-Afrika kritisirt und emeint, das dortige Klima könne nicht so schlecht sein, weil Jas gelbe Fieber reicht da wäre. Statt dessen t1 itt aber das Sumpffiebrr dort verhserend genug auf. Meine Citate waren solchen Schriftstellern entnommen, welche Ost-Asrika bereist haben, noch ehe von diesen Bestrebungen die Rede war. Daß Jemand in wenigen Wochen sich über die dortigen Verhält- nisse, noch dazu vom Schiffe aus ein vollständiZLfertiges Urtdeil bilden kann, halte ich ii'zr unmöglich. enn daS roße mobile Kapital sich in Ost-Arrika nicht betheiligen will, 0 liegt es daran, daß es ihm an dem Vertrauen dazu fehlt. freue mich übrigens, daß der Vorredner nichts von den estredungen gezeigx hat, die leider wie ein rother Faden durch die Verhandlungen 1ich hindurchziehen, nämlich der Abneigung gegen die Semiten. Der Abg. von rege hat sich, Gott sei Dank, voÜständig von jeder Anwand ung von Antisemitismus freigehalten. Ich freue mich dessen um so,mehr, als ich mit Sicherhei'“ darauf rechnen kann, daß Emm Pascha, welcher dock) ami) drm semitischen Elemrnt _angehört und dessen Be- dentmyg für die ganze wirth1cha1tliche Entwickelung in Ost- Airii': nicht gelen net werden kann, eine Garantie dafür knazéet, daß Wirths aftliche Leistungen an StrUe der Ver- sprrchungen, mit denen wxr deutzrziage immerfort abgespeist wrrden, eintretsn werden. Sollten Herr von Frege und seine Freunde den Nachweis liefern können„ daß wirkiich mehr er- worben wird, ach auf _der anderen Serie zugesrßt wird, dann werde ick) drr Erste rein, drr sein yatdr yEcoax'i spricht und bereit ist, die Sache auch von Staatswegen zu umerstüßen. Abg. Dr. Hummacder: Die Adgg. Bamberger und Haußmann haben bedauptet, daß im deutschen Volke ein leb- haftes Interesse für die kdldnial_en Ntr_gelegenheiten gar nicht beorehe. Hr. Haußmann ging 109ar10weit, zu sagen, daß dieses in gewiffrn Vrreincn hrrvorgetreiene Intrrrffe künstlich und vorwicgcnd drxrcd nationaliiberale Leute groß grzogen sei. Ich Habe a.:«xderr Beobachtungen gemacht. Leider ist die Kolonialpodtik von ihrem Anfange? an _in das Getriebe der politischen Parteien hineingezogen worden. Sie werden mir zugeben, daß, indem Sir eine unfreundiiche und steUen- weise negative Strüung zur Kolonialpolitik einnehmen, Sie nicht frei blribexx von politischen Vorurtheilen gcgen drn Fürsten Jixichskanzleu (Abg. Bamberger: Ganzfali-1'!) Da Hr. Bamberger rs leugnet, so werde ich ML1112,25ri)*271*'1171g auf ihn nicht anwrnden. Jene Behaup- tuxt-xz mt (*.-:*"! (: 42:1) thatsächlich nicht richtig, daß nur vereinzelt oder_ !*„i einzr bestimmten Partei sich Sympathie für die deut1chiz Kdlomialpdiitik gezrigt hätte. Auch die Herren von der deutsch1xeiszn11ichnParts? wiffrn aus ihren Wahlkämpfen srhr gut, daß str aur Widrrspruch dri ihren politischen Frrmrden gest'oßeir'smd, wsii [re nicht warm für die deutschen Schuß- ebtetx "cdszu interrsnren verstanden, ich erinnere nur an die _organge in Franken und in Bremen. Mitglieder aller Par- teien, naznrntiick) auch das Centrum, Laden sich von Anyang an für eme zrelbewußtr Verfolgung er Kolonialpoliiik aus- Fsprochen. DkxAdg'. Bamdsrger hat gesagt, daß auch die LwthWk der SERUM Ück) drr Koloniaxpolitik grgrniider kühl bis ans Herz verhalten. Anfangs JläUth ich auch eine solche Beobachtung zu *mgchen“ muerdings aber haben sich in anz überraschender Wrise dre Kauflrute von Bremen und Hamburg bei der'Errtchtung'pon Plantagenanlagen in den deutschen Schußgrbzrten bélhélllgt. Warmn dieses Interesse sich erst jeßt brthätigt, hat der Frühere Kollege Worrmann, drr leider nicht mehr unter uns merit, nacharwiesem. Die deutschen Kaufleute in 1111127911 Öansestädte11_zweiseln an drr Durchführ- barkeit desjenigen kolonialenSyjtemS, wrlchcs der frühere Reichskanzler unter dem Beifall des Reichstages inaugurirt ?at. Er hat uns hier zu bswrisen gesucht, es ei unm'o'leich, daß man durch Privatgeselischafien staatliche ufgabrn in den Kolonien lösen könne. ] Es sei Aufgabe des ReichS, derartige ragen zu lösen. Nun, die Neu-Guinea-Compagnie it, glaube ich, diejenige deutscheKolonialgeseilschaft, wrlche am korrektesien sich in den Rahmen der früheren Vismarck'schenKolonialpolitik

könnw sio

eingefügt hat. Gerade im Gebiete dieser Compa nie sind nun neuerdings von Bremer und __Hamburger Kau leuten unter

Aufwendung erheblicher Kapitalien Pflaztzungen von Kaiao, Kaffee und Taback geplant und zum Theil aussefüdrt. Lreße sich denn überhaupt ein einfichtsloserer Kaufmann 11 unseren deutschen Seefiädten denken, als ein soicher, der nicht mit

- den den Eintritt der deutschen Politik in die zielbewußte

rfolgung überseeischer Intereffen verfolgt hätte? Ebenso wie der Widerstand der deutschen S_eeßädie gegen die Hereinziehung in denZollverein nur allmählich uderwunden wurde, so tritt eine günstige Veränderung der Stellung der Seestgdte zur Koloniaipolitik nur nach und nach ein und ist jeßt glücklicher Weise schon zu beobachten. Daß das Interesse für Kolonien im deutschrn Volke an die Auswanderungsfrage _ankni'rpfte, kann ich bis zu einem gewissen Grade zu eben. „Dre bertften des Dr. Fabn in den 70er Jahren ha enuwe'rte Kreise yon der Nothwendigkeit der Erwerbung auslandrscher_ Gebiete überzeugt, in welchen deutsche Auswanderer em wrrlhscbaft- liches und moralisches Unterkommen finden können. ?ck hahe in meiner Thätigkeit außerhalb des, Parlaments ur die Förderung der deutschen Interessen im Ausland; fortgeseßt den Werth darauf elegt, dem Strom der Auswanderer solche Betten anzuwei en, in denen fie mit dem Vaterlande m wirthschaftlichern' und moralischem Zusammenhange bletbßn, enger als je t, wo das Deutschthuw der Auswanderer zm fremden Lan e bald aufgesogen Wird. , Es ist fraglich, ob es richtig war, daß unser Auswarttges Amt m den leßten 20 Jahren gegenüber der NuZwanderung ngä) Süd-Brasilien und Süd-Afrika fich so zuruckhaliend gezeigt hat. Es macht fich in dem deutschynnVolke seit 1870 ders Gefühl einer gewissen elementarrn Starke„ u deren Bet a- tigung es der Unternehmungerx m überseers "911 Landern 9- darf, eltend. Leider find die wrrthschastluh krastigen Elemente in un erem deutschen Vaterlande sehr wem? geneigt, sich auf gewagte Geschäfte, wie fie in den kdloma en Gebieten ihnen geboten werden, einzulassen. Das Bild„das Bamberger _Über die Art und Weise, wie die Gelder für unsere, kolomalen Unternehmungen zusammengebrachtwerden„entw1ckeltr, muß aber zur Ehre der Betheiligten _doch kdrrigirt werden. 'Die gewaltige Persönlichkeit drs Fürsten BrEmarck hat allerdmgs auf gewisse Finanz- und Vankkräste zur Herggbe von Geldern Einfluß séübt; ich hade aber mcht eme, so geringe Meinung von den betreffenden Personen, daß ich annehmen Mon dabei lediali von iervilen Anschauunaen

Christen geworden und ich glaube, bei den Negern wird es noch länger dauern. Grdße Kulturaufgabxn find, auch noch bei uns zu lösen. Ich erinnere nur an die agrarischen Ver- niffe in Mecklenbur "und orpormuem. „Troßdem "me ich für dieVor e.“ OHAfrika :| Für dieZwecke und kräftige Entwickelung er deuts n Marine not wendig. Dazu kann fie nur kommen, wenn e ihre Kräfte eeifch bethätigt. Aus diesem Grunde sollezr wir die Pofition, die wir in Ofi-Afrika gewonnen aben, mehr aufgeben.

Abg. Haußmann: er_Abg. von Frage hat mir Mangel an nationalem Bewußtsein uxiterstellt, weil mir die würürmbergischen Kolonialvereme „mcht imponiren. (Vize- Präfident Graf Vglleftrem: Dre Worte gel an nationalem Bewußtsein“ find Ihnen gegenüber nicht gebraucht worden, sonst wäre der Y_bg. von_ Frege zur Ordnung géru en worden.) 'berufe mtckx dafür auf den stenogxraphis 11 Bericht, da diese Worte hier aysZefprochen smd und zwar im Zusammenhang mit der Polemik gegen zneine Person. Das muß ich zurückweisen. Wenn man allerdings einem Abgeord- neten von dem Verdienst des HmBamberger immer wieder mit einem Mangel des Verständnisses für christliche Kreise kommt, und mit derartigen Unterstellungen gegen einen verdienten Parlamentarier operirt, dem wir ebenso wie das deutsche Volk für seine Warnungen zu danken allen Anlaß haben, dann kann ichm1ch nicht beschweren, wenn einem Neu- ling, wie mir, derartige Unterstellungen gemacht werden. Wir find sie auch aus dem Arsenal des Kartells leider gewöhnt. Ick bestreite aber dem Abg. von Frege das Recht, im Namen von Württemberg zu sprochen„ wie, dort die Kolonialpolitik aufgenommen wird, so wenig ich mir zu sagen erlaube, was die Sachsen von der Koldnialpolitik denken. Der Kolonial- verein, der in meinem szirk besteht, vrgetirt jedenfalls ein außerordentlich kümmertrches Dasein, obwohl er mit aller Macht von Demjemgen betrieben wird, der ihn ins Leben ge- rufen hat, und der ein Pulverfabrikant ist, von dem ich des- halb verstehe, warum oer sich für ostafrikanische An- gelegenheiten interesfirt. Hr. _ von_ Frege hat dann darauf hingewiesen, daß mir, m Folge der deut- schen Auswandxruug nach Amerika und in Folge der Ableitung deut1cher Intrlligenz von Amerika überflügelt werden. Ich kann mich 19 mit dem Wunsche einverstanden erklären, daß Deutschland emen Theil von Amerika besitzen

nie einseitig auf Wfit sehen, 11- h. nicht darauf, ob die Unternehmunsexi, d e man vdr hat, schon in den nächsten Yb" xmen Erlra - liefern, d. h, denken wie jener nabe, der euren Dattel ern pflanzte, um als Greis die , te zu gxnteßen. Wenn aber der Knabe statt eines ttelkerns emen arzderen Vgum pflanzt,“ der keine" Früchte trägt, dann wird seine, Arbeit vergeblich aufgewendet sein. Wer seme_ Krafte an Dinge fest, die nach allem menschlichen Emre en m_Zukunsi kemen Vortheil “abwerfen werden, handelt thsörr t, weil "er 'die Kräftr nüßlichen Zwecken entzieht. So wird in kaufmannzschen „Kreisen gedachr Hr. von Frege kennt allerdm s nrw .die _chrtsilrchen kaufmännischen Kreise. Wir wollen etz civiltsatortschen Aufgabe; des Handels'freie Bahn lassen,“ Mil fie durch gewaltsame Ablenkung auf einen falschen Weg gebracht werden.

_ Abg. Goldschmidt: In meinen Anschauungen lasse ich mich nur von sachlzchm Gründen leiten, niemals von Partei- rücksichten. Ick gonne der Ostafrikanischen Gesellschaft alles Gute, von ganzem Herzen. ES wäre aber der Gesellschaft dienlich Zewesen, wenn fie weniger hätte von sich reden lassen. „me Menge anderer deutscher Kolonien blühen Md gedeihen, ohne daß fie an das Reich heran- etreterr smd. D_en Kolonien geht es wie den Frauen:

irjenrgen find dre besten, von denen man am wenigßen spricht.. Urber kurz oder lang wird doch das Befißthum der OstafrikamschenGesellschaft in den Besiß des Reichs über- ?ehen, denn, alle Anzeichen und die Zeitungsnachrichten

drechen „dafür. Ich habe früher für die olonialpolink g_e- rtmmt, ]rßt aber daKegen, weil der Reichskanzler sagte, wrr könnte;: nicht stehen leiben, sondern müßten vorwärts gehen. Ich bm em Freund der Kolonien, sobald fie aus der Initiative der Bevölkerung hervorgehen, kann aber nicht die Verani- wortung für die Zukunft der ostafrikanischen Kolonialpolitik übernehmen, .

Abg. Dr. Wipdthorst bemerkt dem Abg- Haußxnatrn nochmals4 daß er dre jetzige Forderung bewiÜige, weil sie dre nothwendrge Konsequenz friiherer Bewilligungen sei. Für das ZukunftSproaramm, was die Regierung im nächsten Jahre vorlegen wolle, behalte er fich seine Stellung vollkommen vor.

Damit schließt die Diskussion.

Nach einigen persönlichen Bemerkungen wird die Pofittozt aeaen dre Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten, Frei-

eftür Allstedt. Vertreter ünd ferner Hessen :Nassau. Ziheinpreußen, Schlesten„u -Sachsen.

Die StaatSJEÜÜke Gkadts, Trakehnen, die bayerische Landedgeftüßverwaltung, das Kaiserliche Landgestüt für ElsaßLothrmgen und dre Muftßr-Auks? ?Uun von Armeepferden smd außer Konkurrenz, deSgl'eichen die ngerde eines Sechs- gespanns der reitenden Abtheilung des ersten Garderld- ArtilleriNRegimenxs und derv3. und 8. Batterie des 2. Garde-

ld-Artillme-Regtments, dre Remonten der Gardelanen, ragoner, Husaren uud Gardes du Corps.

Hat man-ficb satt geschaut an „all dyn prächtigen Thieren, so schlendert man behaglich durch die weiten Räume des park- ähnlichen Terrains, oftHalt machxnd vor den kleinen Miniatur- ausfteklungen, welche von Geschaftrn peranstaltet find, wie z. B. Proben von Holzwolle, d:e m den hannoverschen Ställen als Pferdestrxu zur Verwendung kommt, ferner getrocknete Biertraber und Getreideschlempe, Moos- tyrfstreu, Drahtgitter u. a. m. Aber längst hat das zierliche Ausstellungsxrebäude ynsere Neugier gereizt und wir lenken nunmehr unsere Schritte dorthin. Eine angenehme Ueberraschung erwartet uns, denn was wir hier sehen, ift eure allerliebste Gewerbe- und Kunst-Aussteliung für sich, sodaß w1r mehrere Stunden brauchen würdet), um Mies genau in Augenschein nehmen zukönnen. Aber dre Zeit drängt, und nur em flüchtiger Rundgang ist uns für dreSmal gestattet. Alles, was praktische Erfahrung, Geschmack und Luxus auf dem Ge- biet des Reit- und Fahrsports erfinnen konnte, finden wir hier dereinigt, kaum ein Bedürfniß, welches uns die Noth- wendtgkert oder unser Hang zum Luxus auferlegt, könnte hier nicht in der reichlichsten Weise befriedigt werden.

_ Da treffen wir zunächst auf die erste Gruppe: Stall- ernrrchtungen und ubebör, für welche Graf Redern, von Oettingen und Gra BiSmarck als Preisrichter fungiren. Renommirte Firmen haben sich hier vereinigt, um zu zeigen, was deutsche Ixidustrie auf diesem Gebiet zu leisten vermag. Yer steht man Musterställe, Geschirrkammern, Stau: Utennlren, Reit: und Fahrrequisiten, Boden- belegplqtten, Feldschmieden, Ventilationsgegenstände u. s. w. vdm emfezchften Muster bis zum elegantesten Exemplar. Erne zwerte Gruppe eigt uns AuSrüstungen für Zug und „Reiter; Gesclzzirre und Sättel, Kummete, Pferde- drcken, _Peiischen, Trensen, Halfter, Pferdestränge u. a. m.

der Pferdekuchx gewidmet ist, auch alle diejenigxn Maschinen und Gerät» in Betracht kommen, welcbe damit in irgend welcherri Zuwwmenhange stekzten, und so findet man denn auch hzex' eme reichhaltige Kone ion derartiger Gegenstände ver- einigt. Ihr ist ein Plaß eingeräumt, zu dem man gelangt, wenn man durch den Haupteingang am Wasser- thurm Mkt. und zwar trifft man zunächst diesseits der Stgdtbahn auf die kleine Sonder-Yusstellung, welche dix Actiengesellschaft H. ZZ. Eckert (Berlin? veranstaltet bat. 1er steht man Hackfelmas inen, Quetschma chinen, Heupreffen, *“ uttertraerportwggen und andere Utensilien, ohne welche der etrieb e_mer rationellen Pferdezucht heute kaum noch denkbar ift. Zwei andere Firmen, Carl Beermann und Pb. Maybach u. Co„ smd gleichfalls mii Maschinen und Geräthschaften ver- treten, Ad. Preper (Mdrs) hat tranSportable Heu: und Strohpressen aUSqestelit, und die Feldbahnen von Doiberg- (R;)stsocchi) erden sicherlich die Aufmerksamkeit jedes Landwirths au 1 zie en. Von & der Vielseitigkeit der Ausstellung legt ferner der Umstand Zeugmß ab, daß auch eine undezüchteret den Yennden des Iagdsporis Gelegenheit gie t, gute und edle

unde zu béÜchtigen, es ist dies die Hundezüchterei„Vicioricr“

erkin), von derenSonder-Ausstellung die FoxtrrrierS, dle

indhunde, Jrish-Setlers_xrnd Schweißhunde besonders er- wähnt seien. '

Das Programm des heutigen Tages bildete die Prä- miirung der uchtgruppen und der Remonten im _großen Ringe. Die 8orführung der einzelnen Zucht-Abtherlungen nach Klassen, womit bereits gestern begonnen wurde, fand heute ihre Fortseßung' daran schloß sich die VorsteUung der in der Gebrauchs-Abt eiiung au-destelltrn Reit: und Wagen- pferde unter dem eiter und im Gewann. Morgrn satter, wie verlautet, Se. Majestät der Kaiser der Ausstellung einen Besuch ab und auf den Sonntag ist eine Vorführung sämmtlicher Pferde der Zucht: und Gebrauchs-Ahtheilung an der Hand bezw. unter dem Reiter und im Gespann nach Klassen und Katalognummern angrseßt,*wäZrend am Montag die Morgenstunden durch besonders ausgeschrie one Reit- und Fahr- konkurrenzen auSgsfüllt werdrn, woran fick) die Befichtigungder Privatequipagen, der Berliner Drdschken und anderer Berliner Miethsfuhrwerke schließt; der Nachmittag dringt_ die Vor- f_i_ihrr_mg in _KoUektiv-Außsteüungerx_ vxnr Staathestüterr und

oder ar Üniedrigen Interessen geleitet worden. Ich weise nur Huf den verstorbenen Geheimen Kommerzien-Rath Delbryck hin. Mit der Deutsch=Ostafrikamschen Geieüschast habe lch nichts u scha en gehabt und auch hruxe mchts zu schaffen. Das aJer wei ich, daß bei den Geldopsern fiir diese Gese_[l- schaft Leute betheilrgt waren, in denen nebrn dem Rechensirst auch das Herz für allgemeine Ixitereffen mrtredrt. Ist diese Be eisterung etwas, wovon wrr wünschen mögen, daß es un erem Volk abhanden kommt? War Hr. Bamherger, als das Projekt des Suezkanalsdufgesiellt wiirde, im Stande, rechnungömäßig die Rentadilttät nachzuwersezr? M9" vdr- langt, daß die sämmtl1chen Kosten für Opt-Afrrka auf die Ostafrikanisckge _ Geseüschafi abgewalzt werden. Das Gebiet der Gcsellschmt nimmt aber nin: den zehnien Theil des ganzen durch den Vertrag mit England im Jahre 1887 festgestellten deutscher Schußgebrets 'em. Dawn sagt man, wir schiifen Kronkolomen. Ick weiß nicht„ wie dre Herren sich das denken._ Fehlt der Gedayke, so ziellt zur rechten Zeit ein Wort stch em, Glauben Sie, „daß dieser odrr ein anderer Deujschrr Kaiser sich jemals unter die- Souveranetxit des Sultans von Sansibar stellen, einen Streifen Ladd in Verwaltung nehmen würde, der unter der Oberhohrrt des Sultans steht? Man nimmt hier an, als hätten die Eng- länder ausschließlich oder vorwiegend Cdartsrkolonien. Nichts ist falscher. Die meisten Kolonien Englands sind eigent- liche Kronkoldnien. Diejenigen Kolonien, die England, seitdem Deutschland in die Kolonialpolitik eingetreten „ist, erworben hat, sind sämmtlich Kronkolonien, während Deutsch- land im Wrsten und Centrum Neu-Guiireas eine eigentliche Charisrkolonie errichtet hat. Der östliche Theil von Neu- Guinra, der im Befiße Englands ist, ist emerigentliche Kron- kolonie geworden. Die reine Durchführung der Kronkolonien ist ebenso unmöglich, wie die reine Durchführung der Charter- kolonien. Moralisch und politisch ist es wünschenSwerth und nothwendig, an die eigene Kraft der Personkzu'apprlliren, um gewisse wirtbscbaftliche Ziele im Innern wre im Arußrrn zu erreicbrn. Ick) bin entschlossen, Staatshiilsr nur dann eintreten zu lassen, wenn die Zukunft große Ausnchtrrr eröffnet und zur Zeit die Mitte[ zur rreichung des Zweckes tehletr, oder wenn dir, Aufgabe durch Private überhaupt mcht gelöst werdrn kann. Wir mögen dier vom grünen Tische w:»,lches Vorbiid und Michi? Schablone auch immer für die Kolonisation schaffen, nur nach den Erfahrungen, die wir macbm werden, werden wir uns einzurichten haben. Ich bc- sor 2 Nicht, daß wir im nächsten Winter das ostafrikanische Es ist zu einer Reicch- oder Kaiserkolonie umgestalten; axxdrrer- seits wird auch die Reichsrrgirrung noch nicht im Stande sein, ein absolut klares Bild zu geben. Ich bin aber überzeugt, daß die Reichézregirrung ihre Bemühungen darauf richten wird, der Ostafrikanischen Gescllschaft dazu zu verhelfen, daß sie in Zukunft in Liner ihren Kräften und Aufgaben entsprrchenden Weise zur Aufrechtrrhaltung der Ordnung und auch zur Be- kämpfung der Skiavsrei dextragr. Ob da:“- fchon so bald ge- rrgelt werden kann, ist mir zweifelhaft. Ich [)offr, daß das Crntrum die Konsequenzen séitres Antragrs zikhcn wird, wrlcher damals der AUSJanngunkt für die neuen Unternehmungen war. Zur Regierung haben wir das Vertrauen, daß sir abenteuerliche Were vrrmeiden und die _kulturellen Ziele im Auge behalten wird. Wer den me1strn Dank für seine Leistungen dabei verdient, darüber wollen wir nicht streiten, Hr. Bamberger lobt die Leistungrn drr Marine auf Kosten der Leistungen des Majors Wissmann. Ick glaube, Beide haben ihre Schuldigkeit gethan und dem Interesse des Vater: landes gedient und wir können ebenso wie in Bezug auf den Streit, ob S_ckziüer oder Goethe der Größere sei, sagen, wir können uns sceuen, daß wir zwei solche Kerle haben.

Abg. Freiherr von Hurne: Es ist getadelt wordsn, daß die Kommission keinen schriftlichrn Bericht erstattet hat; sie hat darauf verzichtet, weil sonst die Behandlung der Nachtrags- C'idtd unmittelbar nach dem Pfingstfefte nicht möglich gewesen ware.

. Abg.,Wisser geht auf die Ausführungen Frrge's iiber die Getre1dszölie ein, welche 1887 so sehr erhöht smd, daß sie dre Jndustrtezölie weit überwiegen. DeShalb hat die frei- srrimge Partei Recht, wenn sie eine Ermäßigung der Getreide- zolle brantraY. (Vize-Vräsident Graf Vallestrem ruft den Rxdner zur ache.) Das Christenthum besteht in Europa seit beinahe 2000 Jahren, und wir find Alle noch keine guten

möchte, und zwar einen möglichst 1chönen. Es ist das aber so [sieht nicht mehr möglich. Wenn Amerika Euro a über- flügelt, so sehe ich den Grund dafür zum Theil in em ganz ungesunden Uebertreiben des Militarißmus, der in Deutsch- land herrscht, während Amerika ohne diesen eisernen Panzer vorwärts schreiten karrn. Wenn Amerika im Begriff ist, eme extrc-me Schußzoklpolink einzugehrn wie die anderen Länder auch, so bedauere ich, daß wir ihnen ein schlechtes Beispie! gegeben haben. Das Complrment, welcbekz Hr. von Frege dem Abg. Bamberger gemacht hat, daß seine Rede vom vorigen Montag eine geistreiche Unterhgltung gewesen sei, ein Urtheil, welches ich volikommen unterttüße, kann ich ihm leider nicht erwidern. Daß dir Ausfiihrungen vom vorigen Montag einen sehr bedeutenden Eindruck auf ihn gemacht haben, freut mich aufrichtig. Der Abg. Windthorst fmdxt einen Mangel an Konsequenz in meinem Standpunkt, weil ich Deutschland nicht' aus eschloffen wissen wil]_ von den Bestrebungen, Afrika mit den itteln der abendländischen Kultur zu heben, und anderer- seits gegen dio Vorlage bm. Ich habe aber ausdrücklich hinzugefügt, daß ich den gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ür geeignet halte, mit derartigen Operationen vorzu ehen. ir haben ja jetzt, wo unsere Jntereffeysphäre gegenü er England abgegrenzt wird, die Möglichkeix, ste so weiß fesizustellen, daß es nicht unbedingt nothwendig ist, _daß wir im gegenwärtigen Jahre oder Jahrzehnt die Aurgabe übernehmen. In den 41/2 Miklionen stecken auch die 200000 „16 für die Expedition in daS Innere. Das ist der kleine Finger, den wir geben soUen, und die Regierung wird dann die ganze Hand von uns nehmen, indem tmr dazu übergehen, das ganze große Gebiet im Innern in Airgriff zu nehmen. Mit der Berufung auf das Gefühl wetter Kreise sind schon die ver- derblichsten Maßregeln eingeleitet worden; beim Kulturkampfe

berief man sich ebenfalls auf das Gefühl weiter evangelischer“

Massen. Das soklte gerade den Herren vom Centrum eine Warnung sein. Auch beim Sozialisiengefeß sagte man, große Kreise verlangen diesen Schuß. In fünf Jahren wird Hr. Windthorst vieÜeicbt jagen, daß der Standpunkt meiner Partei konfrquenter gewe1en in als der feinige; wir werden dann aber erwidern: tus. cu1pa, tua 011193, tua maxima au]!)a! Abg._ Meyer-Brrlin: Was berechtigt Hrn. Hammacber LS ausZ111prechen, daß nur der Gegensaß zum friiheren Reichs- kanzler uns zum Widerstands grgen die Kolonialpolitik ge;- trieden habe? Sind die Redrn meiner Freunde denn sachlich fo inhaltlos gewesen, daß er dieses persönliche Motiv an- nehmen mußte? WS Fürst Bitharck sein kolonialpolitifches Programm aussprach, daß der Thätigkeit der Kaufleute der staatliche Schurz folgen sollte, haben wir zugestimmt und er Widxrsprucl) erhoben, als Fürst BiSmarck gegen sich selbt kämpfte, als er fich majorisirkn ließ, und auch uns zumuthete, daß wir uns majorisiren lassen sollten. Wir find auf unserem Standpunkt stehen geblieben. Noch vor 30 Jahren war es

commuvi§ 0911110 aller Derjrnigen, welche mit Volkswirth:

schaft sick) beschäftigt habe", daß die Zeit der Kolonial- politik für ewig vorüber sei. Damit ist aber nicht gesagt, daß wir uns nicht um die: Kultivation überseeischer Länder kümmern sollen. Das hat stattgefunden, lange ehe die Kolonial- politik anfing. Von Bremen, Hamburg und anderen See- siädtrn aus_ gingen die juxrgen Leute „nach drüben“, nach Amerika, Afrika, Asien u. s. w. An allen Gestaden aller Ozeaue brstanden deutsche Handelsstationen. Diese Thätigkeit- unserer Handelswelt hat unsere Handelßmarine gehoben, den EYZUU weit über die Ausdehnung unserer Küsten hinaus ver- me rt. man es dslaffen soUen. Das Gro kapital erfülit freiwillig die Mission, große Unternehmungen anzubahnen; Unternehmung glücki, wird drr Kapitalist als allge- meiner Wohltbäter gefeirrt, wenn sie mißglückt, spricht man vom Griindung-Zschwindel, dann erst untersucht mar: die Konfession. Aber das Großkapital erfüÜt diefe Mi1fion 11111! freiwillig und läßt fich nicht dazu Zwingen. Man spricht von den elementaren Kräften der Bo ksseele, welche die Kolonisation wünsche. Frühsr nahmen die Sachverständi- gen die Sache in die Hand, jeßt dis elementaren Kräfty, d. h. die nicht Sachverständigen. Die Kuliivation mit Flinte und Bibel allem hilft nicht; der Handel ist der Hauptmotor dabei, und ich woilte, es wäre dabei geblieben. Der Rückfall zur alten Sitte hat geschadet, hat die Anfänge der Kultivation, die vorhanden waren, zerstört. Nun wird gesagt: man soll

Bei dieser echt deutschen Form der Kolonisation hätte-

wenn die*

sinnigen und einiger Centrumsmitglieder angenommen, ferner ohne Debatte die Forderung von 350000 „16 für dre Fahrten

der ostafrikanischxn Postdampferlinéen bis 1. Aprii 1891. Schluß nach 5 Uhr.

Die Erste Allgemeine Deutsthe Pferde-Ansftellnug.

Auf jenem Terrain, welchem seit einer dort im vorigen Jahre veranstalteten Vorführung von Indianern der Volks- mund den Namen „Wild:Amerika“ gegeben hat, erheben sich gegenwärtig die weiten Gebäude und StaUungen der Ersten Allgemeinen Deutschen Pferde-Ausstellung, die am gestrigen Tage eröffnet worden ist. Es ist eine stattliche Ausdehnung, welche sie hat; denn das in Benutzung genommene Gebiet umfaßt 100000 Quadratmeter, und der Vortheil, den ein so gewaltiger Raum bietet, wird erhöht durch die bequeme Gelegenheit, welche zur Unterbringung der Pferde die Bögen der den Thiergarten dort begrenzenden Stadtbahn bieten. Nicht weniger als 26 von ihnen find zu Ställen um-

ewandelt. Zahlreich sind ferner die mannigfachen provisori-

Zchen Gebäude, welche für die Ausstolxunxx errichtet find, die sog. Boxenställe, dis Wagenhaüen, dr Erfrischungs- und gewerblichen Lokalitäten; eine hd'zerne Ueberbrückung führt über die Kurfürsten - AÜW und verbindet die sog. todte Ausstellunxz mm derjenigen, welche die Pferde birgt. Der stattlickzste Bm: ist die große Aussteüungs- Haus, ein gefäUiges (diebäude im sog. Ausstellun sstil, niit Thiirmen und vorgefchodenen Hallen. Er reprä entirt sich recht schmuck, wenn man vom Wafferthurm der durch den mit monumrntaler Pforte versehenen Hauptgang eintritt und durch den Stadtbahnbdgen hindurcdblickt auf den weiten Vorfiihrungs- laß, der von dem erwähnten Hauptgsdäude beherrscht wird. Znginnt man bei einem Besuch mit der Besichtigung der Pferde selbst, so wendet man sich am besten gleich dsn Stadt- bahnbogrn zu und wandert von Provinz zu Provinz, dem Plan dcr Arxsstrllmiz folgend, welche in dieser Übersichrlichen Werse angeordnrt ist und jeder Provinz, jedem Lande 1einen abgegrenzten Bezirk zugewiesen hat, ma? an; so_angenehmer ist, da man sich auf diese Art am leichtesten em Bild'von dem Siande der P;"erdezucht in dem in Betracht kommenden Gebiet machen kann. _

Die dem Bahnhof zunächst gelegenen _stebe'n Bdgxn smd belegt mit ostpreußischen Pferden. „Hs xfx eme bcwnderz rricdhaÉrige Kollektion, denn 17 ostprenßjsrbe Großgrund- und Bauerdofsbefißer haben im Ganze»- 171 PWW? her- ges-xndt, während aus Westpreußrn ;() Werde stammen, die von 13, dem Westpreußischen Csnxxalverwrrr angehörigen Züchtern angesteÜt wrrden, zu denen 1rch ais Emzelausrteller Hr. von Tepper-Fergusson geselits. An die weftpreußrscden Aussteuer schließen sich diejenigen aus . drr Provinz Posen an mit 11 verschiedenen Ausstellernx Die [Hannoversche Aussteilung erstreckt sich auf :“) ' Bdgrxr ez._ Smile, das angestellte Personal ist gleichmäßig umformtrt, was einen hübschen einheitlichen Eindruck macht. Um 4 Bögen zahlreicher ist die Kollektion der Pro- vinz Schleswig-Holstein, die nicht weniger als 139 Pferde nach Berlin sandte. Auch ihre Wärter find gleichmäßig gekleidet und tragen dazu bei, deri ge: diegenen Eindruck dieses Theils der Ausstrllung zu vrrstaiken. Die rovinz Pommern ist nur schr_vach vertreten, was eigent ich vsrwundern muß, da diese gesrgnete Provinz doch bedeutende Virhzucht treibt; nur zwei EmzclarrsfteUer haben sich mit 10 Pferden betheiligt, Ans dem Terram, welches qu den großen Reitweg grenzt, sind roße' Ställe, errichtet, m welchen die Brandenburgische btheilung em Unterkom- men gefunden hat. Es sind im Ganzsn 75 Pferde„ von denen 27 und zwar bäuerliche Stuten vom Brandenburgrscheri Provinzialverein aUSgewählt find. Oldenbnrg ist mit 52 und Mecklenburg-Schwerin mit 43 Pferden vertreten. Von Hamburg aus haben zwei Züchter die Aussteüung .be- schickt und aus dem bremer Gebiet erblickt man'4 bäyerlrche Stuten. Braunschweig ist durch eine Kollektwausstellung des Landwirthschaftlichen Centralverexns vertreten; duch ders Harzbur er Hauptgestiit hat die Ausstellung beschickt. Dre bayeris e Kollektion ist 48 Stück stark; von den 10 sachsen-weimarischenPferden stammen 9 aus dem Hof-

vuoen den Inhalt dreier Sammlung, mr welche von Alvens- lrben, yon KeL-zycki und Prinz Reuß )()(7111. die Preis- nckxter'stnd. Wir kommen nun zu dem werthvoüsten Bestand: thetl dieser Aussieüung, zu derjenigen 'fürKunft undKunst- gewerbe. Mit hoher Befriedigun wird man al] diese irrtereffanterr undnkostbaren Dinge se en, welche einen treff- lichen Beweis dafur ablegen, daß das Kunstgewerbe mit dem Auffxlmung der Industrie im neuen Deutschen Reich gleichen Schritt hält.

Es genügt, wenn hier Namen angeführt werden, wie Sy und Wagner, Joh. Wagner, Friedländer, Xriedeberg, BeÜair, Rakemus, Gladenbeck, um errathen zu laisen, welche Pra t und wejche Summe von künstlerischem Fleiß in dieser 21 : theilung enthalten ist. Besonders erwähnt sei ein Ehrenpreis Sr. Majestät des Kaisers, ein silbernes gepanzertes Streitroß, auSgesteÜt vom Verein zur Beförderung der Zucht und Dressur zum Dienst der Kavallerie im Regierungsbezirk Arnsberg. Aber auch der Liebhaber von Sportsbildern und Thier- malerei findet hier seine Rechnung und wird seine ganz be- sondere Freude haben an ali den interessanten und zum größten Theil künstlerisch werthvoklen Gemälden, Der bekannte Thiermaler H. Sperling bietet eine ganze Kollrktion seiner anerkannt tüchtigen Bilder, Darstellungen berühmter Pferde. Profsffor Steffeck ist gleichfaüs mit einer Elite seiner Thier- bilder vertreten. Genannt sei ferner der Kunstverlag Schnaebeli mit seiner reichhaltigen Kollektion und der rühmlichst bekannte Anschütz, deffen Momentaufnahmen die Aufmerksam- keit Sr. Majestät des Kaisers auf sich gezogen habe'n. PreiSrichier für die Kunst:?!btheilung sind Graf Hahn-Basedow, Professor Wichelhaus, Hofrath Graff. Von interessanten Pferdsn sei der „Defensor“ genannt, der die Siegeßeinzüge in Berlin 1864, 1866 und 1871 mitgemacht hat. Die Kunst: Abtheilung ist so mannigfaltig, daß sie einen eigenen Kataidg erforderte. Längere Zeit zur Betrachtung rrfdrdert die wiss en: schaftliche Abtheilung (Gruppe 7), zu welcbrr auch staatliche Institute beigesteuert haben, so die Königliche Thierärztliche Schule Berlin mit einer an?:gewählten Koliektion. Die Krankheiten des Pferdes werden hier an Präparatsn ver- anschaulicht, die zum Theil ganz absonderlicher Art sind. Das Grrippe des Leib=Reitpferdes Condé, welches Friedrich den Großen trug und über 40 Jahre alt wurde, findet hier sicherlich virle Beschauer. Auch das Militär-Vetrrinämvesen hat sich betheiligt, Instrumente für den Roßarzt, Hufe von kranken und gesunden Pferden, Kranken: und Nothstäile in Modrüen, Literatur u. s. w. finden sich hier in dem kleinen Raum vereinigt. Die Königliche Thirrärztliche Hochschule anndver steÜt eine Hufeisensa1nmlu_ng aus, ferner Huf: dejchlagmodelle, Kieferabschnitte vom Pferde zur Demonstration der Alterslehre u. a. m. Vrrtreten sind ferner der Scizleswig: Holsteinische landwirthschastliche Generalverein Kiel, der Pferde- zuchwerein der Pfalz, die Königliche landwirthschaftiiche GSM- scbaft Hannover, der Berliner Thierschußverein und eine ganze Reihe sonstiger Privater und Firmen. Die Prrisrichter bestehen aus: Graf Lehndorff, Profeffdr_SchÜZ, Grheim-Rath von Nathusius, Freihrrr von Canstrin, Professor Dickerhoff, Domnick, von Oettinger, MedixinadR-atb Simongrocki.

Elegante Fuhrwerke (Gruppr 6) jeder Art bilden eine AussteÜung für fick). _(PreiSrichter: von Plüskow, Graf Wedel, Freiherr von Giryewald.) Gruppe “1 zeigt Beklei: dungsstücke; Preißrichter sind Prinz Reuß )()(1111, von Prillwiß und der Erbprinz von Fürsteribrrg. Gruppe? 5 enthält Futtermittel, Strerxmaterial uxzd dazu ge- hörende Maschinen; die, Pr91Srichterkomniisnon seßt fich zusammen aus dem Geheimen Rail), Professor Settegast, Freiherrn von Canstein und von Nathusrus. , _

So bietet denn ein Rundgmrß durch drew geräumige Haile eincn außerordentlichen Genu und dient Jedem, der für ferdezucht und Sport Interesse hat, 111 hohemGrade zur Vele rung und Anregung. _ , '

Hat man fich müde ge1chqut, sd trrtt' man wreder hinaus auf den großen Play und, wrrd hier sem Vergnügen daran haben, zuzuschauen, wie 111 immrr wechselnder Folge und Mannigfaltigkeit die Vorführungen stgttfindexr. Bald ist es ein schnaubender Renner, der nur wrderwrlbg dem Führer

ehorcht, bald ein elegantes Break, em Rennwagen, ein Leichter Landauer, die slch auf diesem neugeschaffenen Hippo- drom auf und ab bewegen. '

Es lag auf der Hand, daß auf einer Ausstellung, welche

Vereinen und das Vorreiren und Vorfahren don ausgesreäierc Treibern. Auch das Programm für die übrigen Tage der Woche zeigt große Mannigfaltigkeit; es findet am Sonntag, 22. Juni, seinen Abschluß mit einer Parade iämmtltxher Berliner Fahrzeuge, die durch Preise aUSczezeichnet wordensmd. " So nimmt die ErsteAÜgemeine deutsche Pferde=AusstrUung eine hervorragende SteUe unter alien Aussteüungen em, an denen die Rssidenz in den [Osten Jahren so reich war, und der lebhafte Besuch, welchen drr Park an den beiden ersten Tagen trotz der ungünstigen Witterung erfuhr, beweist am besten, dqß der Gedanke, ein solches Unternehmen zu veranstalten, em entschieden glücklicher und hoffentlich von dem besten Erfolge bsgleitet ist.

.* Die gestern von dem EhremPräfidenten der Ausstellung Staats-Minister 1)r. Freiherrn Lucius von Ballhausen gehaltene EröffnungSrede hatte, nach der „Neuen Preuß. Ztg.“, folgenden Wortlaut:

„Ew. Königliche Hoheit bitte ich, den ehrfurcbißvoüen Dank des AussteUungs-Comités cntgegen zu nehmen dafür, daß Höchstdieselben die Gnade ashabt haben, das Cbren-Protcktorat zu übernehmen und die heutige Eröffnungs-Feier durcb Höchst'ihre (Gegenwart auszuzeichnen.

Die Fürsorge für die Landwirtbscbast und das Jntrreffe für den edelsten Zweig der Thierzucbt - für die La11de§=Pferdezucht-entspricht den Traditionrn des preußiscbsn Königshausrs. WOHL von keinem andrren Zwrige landwirtbscdafjlicber Tdätigfeit kann man sagen, daß er in höherem Maße ein Produkt der Pflegc des von dem erlauchten Hobenzollerudaus: persönlich regierten “Staats ist _ ald das von der Pferdezucdt gilt. Rückficbtcn auf dir Hebung der wirtbscbaftlicben Entwickelung, wie aach die Wedrbaftigkeit des Landes wirkten hier zusammen. "Sebon im Jahre 1727 („db König Friedrich Wilhelm 1. den Befehl, die noch jetzt das Haddtgrstüt Trakehnen bildenden Ländereien -- damgls Sampf und Strauch - zu wäffcrn und zu rddcn, um daselbst die dcrsii-Z- in Ostpreußen bestehenden König- lichen Grstütr Balga, Pctrckcn, Braddenburg. Insterburg. Ragnit, Budupönen nnd SÖrcitlankrn im cinem zu vereinigen. Und schon im Jahre 1732 umfaßte das Stutamt Trakehnen einen Bestand von 1101 Köpfen , rarUnter 513 Mutjer - Stuten. Bis 1786 grschab die obere intung der Verwaltung durch die in Königdberß rcsidirenden dbsrsten Provinzial - Beamten; erst mit dem damals ?rfdlgenden Eintrijt ces Odrr-Staiimristers Graf Lindenau begann eine neue Aera und Trakehnen wurde von jenrr Zeit ab durch selbständide Land-Stallmeistcr dsrwaltct, untcr mclchcn insbrsdndere die langjädrigen Dirigenten von Below, don Burgstdrf und von Sckwichcw rincncntsckyeidenden förderndenEinfiuß acüdt und dauerndc Spyrcn ihrer TbZtigkcit hinterlassen haben. Die Gründung der Land-(Fektütk, 'die Crriédtuna von Henaétdedot-I und die Aufstellung von Hrngst-Staxioncn gesDal) Anfang der 1770er Jadre durch den Oder-Präfidcntcn von Dombacdt. Anfargs gegen den Wider- spruch des großen Königs Friedrich 11. in kleinerem, späker mit seinkr (Genehmigung in stetig wachsendem Umfange.

So fand die ostpreußiscbe und später ch grsammte preußisÖe Pferdezucht ihre GrundlaJe in km staaxlicbcn qupt- und Land- gestüirn bis zum dsuxizrn Tame. Aehnlßéci) ist dir Enkwickclana in den größeren andrren drut1chkn Staaken gswcsrw und ülwral] smd die deutschen Fürstenbämrr rifrige Fördcrcr drr Pssrdczurbt aewrsrn, Und wenn auch die großen Kriege zu Anfang diescs Jadrdunrcrts emrßnd- liche Verluste an den Pfrrdedcständen brachten, wrnn auch die An- schauungen Über tir richtigen Züchtung§-Prinzipien vielfach geschworkt und grivcchselt Haben,_so find doch sicher im Ganzen überaU in Deuifcko- land bedeutende For11chritte zu größrrcr Vollkomrnendeix qualitativ und quantitativ zu konstanten.

_ Wenn man hört, in wrlckDrn nmndcrlichrn Kreuzungen nicbt nnr zirvi1chen den verschiedenen Pferderzfien, sondarn sczar zwischen Pferd und Kuh man sicb früher gefiel - srlcbe Vcrsuche wurden noch 1787 in Trakehnen auf höhere Anordnung gamaÖt, -- wxnn man fick) rrrgkgrn- wärtigt, daß noch bis Anfang der 1860er Jada durch Paarung der nächsten erwandtschaftsdrade JUmck)! xrerriedcn wurde, bis zizr röÜigen Degrncration uno Unfrncbjbarkelt der Abkömmlingq- 79 wird man in dicsem Fall: nicdt don drn gutcn alien, 1911déln vielmehr von den besseren neucrén Zeiten sdreckortx dürfen. Man zücbtxt jetzt nach Grundsäßrn, welchc fia) auf natnrwtneuxciyaft- liche Erkenntniß und auf Erfahrangsfäxze gleichmäßig grkxnden. Man paart als Regel gleichartige Schläge und versucht, „dicyeldcn “(UAH nacb Abstammung und durch Leistungen erprobte J:!dtvtducn zu ver- edeln und zu vervollkommnen. Man rrr_!ch1isßt 11ch_ mchx m_cdr der Einsicht, daß es nicht möglick) ist, gxtrtyrsrtchßcn em Unwcriairfcrd zu züchten, welches aÜc möglichen vdv111cken und moralischen Eigenschaften in fick) Vereinigßn „und , alien chckcn gleich- mäßig dienen soll. Man _zucitth riewrxebr IZLUWWYZY „fur die verschiedenen Zwecke rer1chicdeuc_ _Sédlage, “_fur wtlttarUcbe das edle Blutpferd, welches K::ocdenitaxke mix “Schnelligkeit und Ausdauer vereinigt, für die langsame BewegunZ ychwtrer Lqsten dcn kaltblütigen frübreifen Schlag. Man bestrebt 11chtn deriverichiedenen Provinzen und Landschaften, diejenigen Schläge zu „kultivirenu, welche dem Klima, der Bodenbescdaffenbett, den wrrtb1chaftlichen Bedurfniffen

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