auf die zweijährige Dienstzeit einrichtew müssen, das deutsche Volk wird von dem erlangeti nach ihrer Einführung nicht ablassen. Je schneller Sie dan_nt vorgehen, desto besser wird es für die HeereSverwaltung sem. Man fra t warum wir gerade 'eßt mit dieser Forderung kommen. ir haben 1880 und 1 4 schon um Kompensation gebeten, freilich ver- eblich. Soll die Militärverwaltuxig das Recht haben, ihre Yorlagen, so wie fie dieselben einbringt, bewilLigt zu erhalten? Wir haben die wirthschaftlicben Interessen des Volkes auch zu vertreten, und in dieser Beziehung glaubewwir auch einigxs Sachverständniß zu befi en. Der Jbg.W1ndthorst hat nch auf Resolutionen zurü gezogen, die Regierung werde selbst thun, was möglich sei. Wir, werden selbstverständlich für diese Resolutionen eintreten, weil wir es für werthvoll halten, das; das Parlament wenigstens seine Meinung “zum Ausdruck bringt. Aber wir haben dabei die Voraussesung, daß nun auch in ukunft Ernst gemach: wird. Die Einseitigkeit der ilitärverwaltung bei der Beur- theilung der Interessen kann für uns nicht maß: gebend sein. Der eine Militärverireter meinte in der Kon)- miffion, die Dienstzeit sei eine wirtbscbaftliche Wohltbat für das Volk, habe die Wirkung einer Ferienkolonie, die Leute seien, so lange fie unter der Fabnr stehen, wohlgenähit, be- kämen viel leifcb zu essen, nach emem Jahre ssieii es abge- magerte Ge falten. Diese Aeußerung beweist, daß dre Herren auf einem wirtbscbaftlich von dem unsrigen himmelwsii ver- schiedenen Standpunki sieben. Darum müssen sie den qunern aus der VolkeZvertretung ein gewisses Gegengewicht berlegexi. Was nennt die Militärverwaltung dringlich? Auch die Offizier-dehälter bat fie als dringlich bezeichnet. _Das muß uns in dem Glauben erschüttern, daß die Herren nicht „unbe- dingt mehr fordern, als in dem Augenblick nothwendig ist. Der Schaßsekretär von Malßabn meinte in der Kom- mission, daß Deutschland die Kosten der Vorlage wobl aushalten könnte, und hat die anderen Länder zum V?x- gleicb herangrzogen. In Frankreich sind die Ausgaben fur die Armee in den [ckth zwölf Jahren bis zum Jahre “1880 in dis Höhe gegangen. Von da ab geben sie um Vierzig Millionen Mark hinunter. Wir aber haben seit 1879/80 unser Ordinarium um 43 Millionen Mark erhöht. Der Abg. von Kardorff führte uns in der ersten Lssung vor, daß an direkten und indirekten Stsuorn Frankreich 55, England 35, Deutschland dagegen nur 19 «17: pro Kopf aufzubringan habe, und meinte, dem geJenüber folie man nicht davon reden, daß die Nation überlastet sei, Deutschland sei eine reiche Nation. Die Vergleiche zwischen den Finanzsn einzelner Ländsr nnd sebr schw9r durchzuführen, weil die Budgets nicht 10 ohne Writeres v-yrgleicbbar sind. Der Abg. Bubi hat uns für Engkamd 40 „46 pro Kopf angegeben, nach dem neuesten Vudgst sind es 381/9 „il: "eßt wird es weniger ssin; denn England ist so glücklich, ?inanz-Minister zu haben, die nicht bloß mit Steuerßrböbnngen, WUÖLTU auch Einmal mit Steuerrrleichterungen kommsn, und solche bat Goschen jüngst vorgeschlagen. Nun haben wir in Preußen 6,1 «46. ÖÄTSkte Steuern, ] „M an Stempel: und Erb1chafts: steuer, das Reich hat 13 M an indirekten Steuern und Zöllen. Es kommen also im Ganzen auf den Kbpf 20,1 4/16 Steuern in Deutschland gegen 38 «jf: in England. Daneben muß man aber die Lasten, welche durch die Gessßgebung den einzelnen Ländern auferlegt werden, in Betracht ziehen. Die L&sten, welche die Schußzdlle auferlegen, sind auch Steuern. Allein die Getreidezölie betragen im leßten Jahre gegsn 12 «FH pro Kopf. Dazu kommt die Belastung, welche durch die Be- steuerung der Textilfabrikate u. s. w. erwächst. Man kann darnach getrost die Behauptung wagen, daß die deutscheNation absolut mehr belastet ist. Kann aber Deutschland überhaupt mit England in Be ug auf seinen Reichthum konkurriren? Die ein- eschäßten Ein ommsn in England betragen, obgleich alie Ein- ommen unter 3000 „M frei sind, im Jahre 1876 111/2 Miliiarden, 1887 121/2 Milliarden, in Preußen alle Einkommen über 3000 «% 1876 21/5 und 1887 22/3 Milliarden. Diese Zahlen geben zu denken. Wenn man auch berücksichtigt, daß die Eisenbahnen in England fehlen, während sie bei uns ein- gerrchnet sind, so kann man doch jedenfakch behaupten, die Engländer sind 2 bis 3 Mal so wohlhabend wie wir, und trdßdem zahlen wir an Steuern und Schußzöllen mehr als England. Hat der Herr Schaßsekretär sich auch diese Zahlen vergegenwärtigi und ist er im Stande, sie zu bemängeln? Er müßte daraus die Konsequenzén ziehen, daß er verpflichtet wäre, mit aUer Macht der Erhöhung der AUSgaben entgegen- zutreten. In Frankreich haben sich, wenigstens nach dem Gothaiscben Hofkalendsr, die direkten und indirekten Steuern seit 1879 nur um 1 «16 pro Kopf erhöht. Also selbst das reiche Frankreich at sick) gshütet, in dsn lebten Jahren die Steuerkraft der ewobner mehr anzuspannen. Vergleichen Sie damit den Galopp, den wir laufen. Vor 10 Jahren battsn wir 2,3 „M an Zölien und 1889/90 7,3 “FH pro Kopf der Bevölkerung. Ist das nicht eine erschreckende Tßais0chYZ Und sind das micht gerade Lasten, die von den allerbrnmtsn Schichten getragen werden? Hat der Herr Schuß- sekretar etwa gesagt: Diese Politik ist unhaltbar, die Liebes- gabsn an die Brenner sollen auf die Hälfte reduzirt werdeii? Hgt er ein Wort von der Beseitigung der Zucker- pxaxmsn _gsmgt? Wir haben nur gehörr: Die Getreidezölie drzrien iiicht wweriibrf werden, schon im Interesse meiner ?FlklüUzM WM. Dis Reichs:Einkonnnensieuer, die wir in Vor-
ching JLÖWÉU, Mil wir darin ein Mittel sshen, an die wohl- habenden L_xutr im Reiche einmal heranzukommen, hat der Sch9H1€kk6tnr m déi Kommission zwar für diskutabel erklärt, _ M HLM KEZJUmssLynsberiM steht allerdings nichts davon _, aber hmzugejugt, dW Verfassung verbiete es. In der Ver- fassung M, im 'GLJLNTHLU aaf die Reichs:Einkommenste'uer - geradezu hltlgeimeien. Schon diese Thatsachen reichen bin, um es uns qls geradezu, unvsrirnxwortlich erscheinen zu lassen, WMWWW Oh,"? „WMSWS d1€1e Vorlage bewiliigen wollten, das ko-nxen ww zucht, das _duldet unser konstitutionelles Ge- missen mcht-, WW WÜM wissen, welches werden die neuen Steusrn sem? Soll das 'eme'FortseßUng der unglücklichen Schrixxzoll: und Finaiizpolitik sem? Das, was der Finanz- Mmtster zu uns geaußert hat, rechtfertigt die schlimmsten Befürchtungen. Gambetta sagte ernst: die Deutschen haben uns mit den Waffen M der und bekriegt, jetzt werden wir einen Finanzkrteg fiihren, un in diesem Kriege werden wir siegen. Ich habe damals darüber gespottet; jetzt aber scheint das Wort ernst werden zu woÜen. Wir sind schon gegen- wärtig Über das Maß des Zulässigen hinausgegangen. Unsere Altvordern haben es verstanden, mit kleinen winzigen Summen Europa geWnüber sich zu halten; das soll uns zum Vorbild dienen. ir haben deshalb mit Recht die For- derung gestellt, daß alles nicht ,. unbedingt Erforder-
liche bis zur nächsten Session vertagt wird. Bei. Be- willJung der Zölle wurde uns seiner Zeit die Ueberweisung der rund- und Gebäudesteuer, die Erleichterung der Gewerbe- und Klassensteuer u. s. w. in Aussicht estellt- Von alle Dem ist nicht mehr die Rede. Der Schah ekretär hat die Koster der Invaliditätsverficherung für das nächste Jahr unt 10 bis 12 Miliionen in Anrechnung gebracht, in abse barer Ze," werden es 50-100 Millionen sein. Danxben ommen die Kosten der Marine und der Kolonialpolitik !" Betracht. Wie können wir „gleichmüthig und ruhig in die ukunft se en? Ich bin Optimist vom Kopf bis zur Zehe. er Ange 1chts des Studiuxns unserer Finanzoerhältniése und der Lage nawerzt- lich der kleineren Leute im Lande mu ich sagen, es lst nothtg, daß wir endlich einen festen, klaren Finanzplan bekomnzen und eine wirkliche Steuerreform, denn die iShertgen waren nichts gls eine Vermehrung der Steuern. Daß die Dinge nicht fd weiter geben können,ift die Meinung weiter Volkskreiie, das Gefühl geht auch über die Grenzen Deutschlands weit hinaus. Von dem Throne, Parlamente, aus der Presse, der ganzen Kulturwelt ertönt m den leßten Tagen der Ruf: So geht es nicht weiter. Der Vertrag mit England giebt uns eme xieue Friedensbürg- schaft durch die befestigte ; reundschaft zweier großer Kultur- völker, die einander so na e stehen. Wir haben den Dreibund. und troß alledem erhalten wir einen Tag nach dem anderen nur Berichte über fortgeseßte Rüstungen. Wir haben' aller- dings auch aus den anderen Parlamenten, ick) verweise be- sonders auf Italien und Spanien, das Verlangen nach Ab- rüstung, nach einem internationalen Schiedsgericht gehört. Auch der Papst führt bittere Klagen über das Axxwacbsewder Heere in Europa. In Oesterreich hat der Krwgs-Mimrter von Bauer von offizieller Stelle auf den krankhafter) Zustand des allseitigen Erhöhens der Militärmächte bingermesen und gezeigt, daß wir nur entweder durch eme Katastrophe odcr durcb Gesundung zu emem Ende kommen können; ich wünsche nicht die Katastrophe. Ich bin dem Fürsten Bismarck dafür besonders dankbar, daß er die Meinung vertreten hat, er miiffe den Friedxn, so lange er ihn erhalten könne, aufrecht erhalten. Ick bm auch nicht der Meinung, daß wir in Deutschland mit der Abrüstung jeßt an- fangen sollen, aber die Regierung sowohl WW die Regierten haben die Verpfkicbtung, die Worte des österreichischen Kriegs- Minisiers zu beherzigen und die nöthigen Schritte zu ihrer Erfüüung zu thun. Diese Friedensakliance wird sick) schliéßlick) über Europa ausbreiten, und ick) sehe nur eine Gefahr darin, daß dann eine internationale Verbriiderung der Massen ent- stehen und sich ausbreiten wird. Die Völker werden Dem- jenigen unsterblichen Dank wissen, der die Initiative zu jenem großen Friedenswerke ergreift. ck habe gern für die Militärvorlage stimmen wollen. ach meiner ganzen Ver- gangenheit werden Sie es natürlich finden; nach meinen Aus- einandrrseßungen werden Sie es ebenso natürlich finden, daß ich es als eine GewissenSpflicht erachten muß , meine Zustimmung nicht zu geben. Es müssen endlich einmal Erleichterungen im wirthsckzaftlicben Gebiete gegenübergestellt werden. Wenn der Militärverwaltung daran liegt, die große Majorität des Reichstages fiir sich zu gewinnen, dann ziehen Sie die Konsequenzen unserer Wünsche. Fortseßung der mili- tärischen Forderungsn ohne Kompensation ist ein Ding der Unmöglichkc-it. Ich werde gegen die Vorlage stimmen.
Abg. Dr. Windtborst: Es kann nicht zweifelhaft sein, daß die Vorlage bereits während der vorigen Session des Reichstages im Gangs war, sie ist uns nur nicht vorgelegt worden, wxil man fürchtete, sie würde auf die kommenden Wahlen erheblich einwirken. xöchst bedauerlich, und ich gäbe viel darum, wenn man ie ablehnen könnte, denn diese Mehrfordrrung an Menschen und Geld ruht schwer auf der stölkerurig, und die tiefgehende Bewegung, die sich in ganz Deutschland über dies? Vorlage kundgiebt, beweist, wiefchwer schon jeßt, ebe dais Geseß praktisch geworden ist, er Druck empfunden wird. Man hat mich wegen meiner Stellung zur Vorlage in jeder Weise angegriffen. Das hat nichts zu brdeuten, denn nachso [anger parlamentarischer Thätigkeit bin ich es schon gewohnt, bald von der Regierung bald von den Mittelparteien und bald von links an egri en zu werden. Die HMS" links scheinen es jeßt den ittelparteien nachmachen zu wolien, das hilft aber Alles nichts. Ich werde ruhig meinenWeg weiter geben, meine Pflicht thun und es Gott überlassen, dis Dinge zu leiten. Es'ist mir besonders zu Gemüth geführt worden, wie ich und meine Freunde ins Regierungslager übergehen konnten. Es heißt doch nicht, ins Regierunaslager übergeben, wenn man einen einzelnen Vorschlag der Regierung für richtig hält. Wenn man zu allen Vorlagen unter alien Umständrn Nein sagen woklte,_brauchte man nicht hier zu sein und könnte sein Votum schriftlich einschicken. Wir haben es uns stets zur festen Aufgabe gemacht, die Regierung zu unterstüßen, wo fie Recht hat, und sie mit Energie zu bekämpfen, wo fie Umrecht hat. Man hat mir ferner zu Gemüth geführt, wie ich hier der Re ierung entgegenkommen _könnte, obwohl sie unseren vitalsten ebens- intereffen in Beziehung auf Kirche und Schule so wenig ent- gegenkommt, und nachdem wir soeben im Abgeordnetenhause die heftigste Diskussion über die Sperr eldervorlage gehabt haben. Allerdm s kostet es ein großes Ma von Ueberwindung, nach solcher Beßandlung das zu thun, was Recht ist, aber WEnn wir auch hier in Deutschland als Stiefkinder behandelt werden, smd wir doch verpflichtet, als treue Unterthanen nach dem Maße unserer Kenntnis; zu thun was Recht ist, auch für Diejenigen, die uns schlagen. Man hat sich hier zu fragen, was die Uriabhängigkxit und Sicherheit des Vaterlandes er- fordere. Wenn die m Frage kommen, mii en alle anderen Erwägungen zurücktreten. Wenn wir gemein am unser Vater- haus geschüßt haben, wollen wir nachher innerhalb des- Zelben uns gegenseitig gründlich auseinanderseßen. Sie ollen rnich_ immer dazu bereit finden. Was hier ver- langt wird, ist nothwendig zum Schutze des Vaterhauses. Die französische Artillerie hat 126 Batterien mehr als die unserige, und selbst nach Annahme und Ausführung dieser Vorlage noch 40 Batterien mehr. Ich kann nicht verantworten, daß meme Brüder die Pflicht haben, Leib und Leben und Ge- surzdhett im Kampfe einzuseßen, und nur deshalb nicht st en, weil fie ungenügend aUSgeriistet find. Ich kann auch die frixdigung dieser schieben, wo uns ie Finanzpläne vor elegt werden sollen, denn damit würde viel kostbare Zeit ?ür die nöthigen Be- schaffungen verloren ehen. Wer ichert uns bei der unge- euren Spannung [1 erall, wenn auch der Friede gesichert zu ein scheint, daß nicht unerwartete Ereignisje uns plößlich zum Kaxnyf fordern,'wie 1870, als der Reichs anzler hier von der Tribüne die Kriegserklärung Frankreichs verlaS? Allerdings muß man fragen, wie die Kosten gedeckt werden
A(lerdings ist diese Forderung-
orderung nicht bis zum Herbst hinaus:.
können und in der Hinftcht find uns bisher noch unvollkommene Daten gegeben. Untserx Finanzverwal- tung muß auch die kommenden Ereignisse überschauen, danach die Finanzgebahrun einrith und nicht warten, bis uns das Feuer auf den ägeln rennt. Wir miiffen einen vollständigen Finanzplan r das Reich und die Einzelstaaten hinftellen. Der Finanz- nister des_ Reiches muß mrt den cFinanzÄsiinisterN der Einzelstaaten emen solchen Plan unter Berücksichtigung de:“ Verbältnislse der Einzelstaaten feststellen. Wir können aber auf diesen V an nicht warten, um mcht mit unseren Rüstungen'zu syät zu kommen. Ich glgube auch, daß diese Forderung hier mit den vorhandenen Emnahm-k-queUen noch gedeckt werden kann. Deshalb bewilliqe ich die Vorlage, wo sie eilig'ist, schon jeßt, erwarte aber bestimmt von 'der Regierung, daß fie im Herbst einen Finanzplan vorlegen mird. Gewiß dürfen wir nicht mehr bewilligen, als absolut noth- wendig ist, und ich nehme keinen Anstand auszusprechen, daß wir seit Errichtung des Deutschen Reichs mit zu großxr Freigebigkeit gewirthschaftet und an die Zukunft zu'wemg gedacht haben, sonst würden manche Ausgaben fieber; nicht be- wiliigt sein. Wir waren nicht sparsam, [affen 'Sie LS'UYS also jest sein. Natürlich muß alles Nothwendige bewtiligt werden, wir müssen eben wo anders sparen, um diese Mittel zur Vertheidigung zu ?aben. Wir müssen den leßien Nock hergeben, damit wir un er Haus schüßen undder Feind mcht ins Land kommt. Was hier verlangt wird, ist nach den gn- gegebenen Zahlen absolut nothwendig, so drückend es auch ist. Wir wollen dafür auf anderen Gebieten eine rößere Sparsam- keit eintreten lassen; vor Aliem darf keiner ei Luxusausgabe mehr in das Budget eingestellt werden. Die Noth- wendigkeit der Vorlage haben auch Asie anerkgnnt. (Widerspruch des Abg. Richter.) Den Kollegen Richter nehme ich nicht aus, und wenn er fich ausmmmt, so stelie ich ibm seinen Kollegen gegenüber, der eben die Noth- wendigkeit nicht bestritten hat, sondern die Bewilligung mir an einige Bedingungen knüpfte. Es ist ja traurig, daß mir zu solchen militärischen Rüstungen gezwungen sind, daß der Mensch nur dazu da ist, um immer von neuem Soldaten zu bilden und Waffen zu finden, die am Leichtesien' und Maffenhaftesten die Menschen umbringen. In allen europäischen Staaten werden diese Riistun en vorbereitet, die gar nichts Gutes bedeuten. Bei dieser orderung können wir allerdings wohl überlegen, inwiefern Anträge auf Abrüstung am Plaße sind. Wenn die Regierung die Sachlage ruhig betrachtet, so wird sich auch ihr die Notbwendigkeit solcher _Ab- rüstung aufdrängen, und ich erwarte von ihrem Pflicht- gefühl, daß sie dazu mitwirkt, Das mächtige Deutschland kann in dieser Hinsicht in Europa ein kräftiges Wort mitiprecben. Der Antrag Bonghi in Italien. we en eines internationalen Schiedsgerichts kann von uns mit gro er Sympathis begrüßt werden. Wenn uns nicbt die Geschäfte des Hauses drängten, würde ich auch meinerseits solche An- träge stelien, und ich zwsifle nicht, eine Majorität dafür zu erlangen, obwohl die Ausführung solcher Anträge mcbt ,so leicht ist. Daraus, daß etwas nicht so leicht ist, kann ich'me- mals einen Grund dagegen entnehmen; wir haben größere Schwierigkeiten überwunden. Haben Sie geglaubt,. daß es möglich gewesen wäre, so rasch die Idee der Arbeiterschuß- geseßgebung in einem internationalen Kongreß zu erörtern? Und haben Sie geglaubt, daß ein solcher Kongreß solche Er- folge haben würde? Hat man nicht gesagt, es wäre ein Schlag ins Wasser? Wenn der Kaiser einen Kongreß hierher berufen würde, um über ein solches internationales Schiedségericht zu verbandeln,i glaube, auch damit würde er Erfo 9 haben. Aber wenn mir es bloß bei den Ideen lassen, ist nichts erreickzt. Ich bin noch jung genug, um zu sagen, es “tft hohe Zeit, daß diese Frage international erörtert wird. Bongbi bat den ersten Schritt emacbt, er wird es nicht ver- eblicb gethan babsn; Wir wo en ihm nachfolgen. , Ick) hqbe onst keine Veranlassung, mich für die Herren da m Italien zu begeistern. Uebrigens ist Bonghi 1ehr viel besser als CriSpi. Wir sind aber zur Zeit noch nicht an die Ausführun der Abrüstungsideen gekommen und dürfen daher als pra = tische Männer nicht etwas versäumen, was zur Sicherheit des Vaterlandes nöthig ist. Wir woilen keinen Krieg, aber wenn er uns gebracht wird, müssen wir ihn mit ficberrm Erfolg führen und deshalb diese Mittel bewilli en. Zn Rußland sehen wir eine unsrmeßliche Masse von enschen und nicht zu unterschätzendes Kapital und energische fortschreitende Rüstungsn. Bereinigt sich gar Rußland mit Freznkreich, so werden wir dem Feinde nur mit Oesterreich zustimmen gewachsen sein und mit Italien, sofern es die Kräfte hat. Aber ich glaube, daß wir mit Oesterrsick) aliein einem solchrn Kampfe zuversichtlich entZegengeben könnten, zumal die österreichische Regierung ebenfa 6 sich ]“th bemüht, ihre Wehrkraft zu jtärken. Ich muß das Nothwendige bx wiUigen und ich kann die Bewilligung nicht an Bedingungen knüpfexi, welche die Bewilligung aufheben. Die einjährige Bewiüigung des Militär-Etats und die zweijährige Dienstzeit halte auch ich für bsréchtigt. ch) zweifle auch nicht, daß wir die erste Forderung erreichen werden, wenn wir fie kon- sequent weiter verfolgen. Die zweijährige Dienstzeit wird vort der überwiegénden Mehrheit des Volks verlangt, und die verbündeten Regierungen müssen sich ernstlich fragen, ob fie einem _solchen mit elementarer Gewalt auftretenden Verlangen Widerstand zu leisten entschloffen sind: Die Herren von der Militärverwaltung mögen nicht vergessen, was hier verlangt wird, verlangt das ganze deutsche Volk mit sehr weni en AUSnahmen. Fragen Sie Ihre Wähler, Sie wer en dieselbe Antwort erhalten. In der Kommission ist auch eine Resolution beschlossen worden, daß sofort thatsächltch, sei es in den Rekrutenvakanzen, sei es durch größere Gewährung von Königsurlauben, eine Erleichterung eingeführt werde. In Bezug auf diese rein administrative Forderung könnte die Regierung sehr wohl eine beruhigende _rklärung ab ,eben und ich stelie an die Regierung das An- sinnen, daß ie„ wenn irgend möglich, eine solche Erklärung kxar undkknapp in soldatischer Form abgiebt. Es wäre dies ein Schritt auf dem WeY zur zweijährigen Dienstzeit. Ich bm überzeu t, daß diese orlage lange nicht auf den Wider- staxtd Zesto en wäre, wenn die Regierung nicht noch weitere Pläne ni Ausfi t gestellt hätte. Die Darlegun en in dieser Hinsicht m der ommission haben mich, ich ann es nicht leugnen, fast niedergedrückt. Würden dielse Pläne durclx geführt, so wiirde das Land unerträglich be astet werden, es würden die Mittel fehlen zur Ernährung des Volks und der Armxe' selbst- Diese Pläne miiffen ein für alle Mal definitiv aufgegeben „werden. n den weiteren Ver- handlrm en der Kommission find jene Erklärungen sehr ein- geschran t worden, es smd einstweilen nur Erwägungen, die
hjxr im Kriegs-Miniftexium gemacht find. Die übr' en gierun en find noch nicht darüber gehört, ein iraen KFT“ Entscb uß liegt überhth n1cht_vor. Bet aller Hochachtun „pd Verehrung der emzelfiaatlichen Regierungen habe ich do mehr die Yeherzeugurxg, daß fie Kraft genug haben würden sblchen Platzen zu widerstehen. Deshalb habe ich mit meiner; réunden diesen Plänen gegxnüber wenigstens einen formellen, .cn-en rotest „erhebexi zu muffen geglaubt und diesen Protest in einer „esoliznon niedergelegt. Wir kommen durch solche Rßsolution mel besser ZumZiele als durch Ihre Anträge. Sie mtffext recht gut, da die Annahme Ihrer Anträge das Scheitern der „Vorlage zur Folge haben würde, und wir xönnen dafür eine Verantwdrtung nicht übernehmen. Ich weiß ]a, es, giebthlatter, die meume Partei mit Gewalt in einen Konflikt mit ix_nseren Wyhlern bringen möchten. Sie sagen, der Windthorst ist alt geworden und ihm ist bange. Ait bm . ich wohl, aber bange noch nicht und weng em Konflikt entstand'e, so würde es ja ein lustiger Kampf fem, und der Kampf ftäblt die Glieder. Indessen, ich
habe mein Vaterland u lieb, um ' - Zu bereiten. Wer soch “hm emen solchen Kampf
e Konftikte durchgemacht hat, und i abe ße durchgemacht, Wiß, welchen Schaden fie verursachen? eshalb FWH? “,h, wenn auch ungern, den Weg der Resolution
vor. Es soll emProtest ,erhobew werden gegen Pläne, die
schori der verstorbene Kaiser Wilhelm für undurchführbar erxlart bat. NUL) sWk man, um_mich und meine Freunde zu kranken: Ihr seid mkdnsequeni, früher habt Ihr den Milita- xtsmu? bekanxpft, heyte unterftußt Ihr ihn. Wir haben uns ]ederzeit bemuht, die Forderungen für die Armee möglichst herabzuseßen; wo aber rinsklar gemacht wurde, daß fie noth- wendig waren, haben mtr ftebewxlltgt, auch 1887 jeden Mann und WM Groschen,wsnn auch nicht auf 7 Jahre. Was aber das Ver- sprecheri an die,Wahler„ betrifft, so kann ich nicht wissen, was dieser oder jener meiner Freunde gesagt hat. Was aber die Fraktion gesagt hat, fteZt'm dem Programm vom Januar, uiid "?. diesem Progrqmnz eißt es, daß wir auf allen Gebieten die gxoßte Syarsamkeit innehalten woÜten, selbstverständlick) aber immer emtrrten würdxn für die Ehre, Würde und Mehr- hgstigkeit dcs Laydes-, Smd denn diese Worte in irgend einem Widerstreit mit dem, was ich und meine Freunde wolixn? Ich fordere Jedermann heraus, mir nachzuweisen, wo immer die CentxUMSfqution als solche etwas gesagt oder gethan hgt, was „MIt “dem m Widerspruch steht, was wir heute zu ihun im Begriff smd. Wir haben in früheren Programmen erklgri, daß wu: eintreten wollten für die einjährige Militär- bewilligung und fiir d1_e „zweijährige Dienstzeit. Wir thun es jeßt.
Wir fordern es mit'Vemmmtheit, können es aber nicht bezwingen,
m der Art wre Sie es 1301161], wsil wir dadurch das Vater-
land wrbrlos machen. Wir stimmen für die Vorlage mit den
R9solut1onex1„ und gegen die Anträge. Was den Antrag
Rickert bétrlfft, so weiß ich noch gar nicht, ob derselbe in der
gestellten_Form zulässig ist. Er wiirde höchst wahrscheinlich
eine Verfaffungsänderung erfordern. Wir sind uns sehr wohl bewixßt, daß uns aus unserem Votum ein sehr schwerer Vor- wurs gémacht wird. Man rüstet'schon jßßt in den verschie- denen Lagern, um daraus fiir die kiinjngen _Wahlen gegen uns Kapital zu schlagen. (Sehr richtig! bei den Sozial- demokraien.) Hr. Bebek sagt „sehr'ricbngk und ich weiß ja, daß seine Freunde in rüstiger Thätigkeit smd urid daß auch die Partei der „Frankiurter Zeitung“" fte unterstüßt. Ich bin aber überzeugt, daß, wenxt urisere Wahler kiar sehen, wie die
Dinge liegen und was hier 111 Frage steht, sie unser Verhalten
biliigen werden. ' ,
Reichskanzler von Caprivi:
Gegen den materiellen Inhalt der Vorlage, gegen die Noth- wendigkeit der beantragten Verstärkung des Hseres, der Aenderung seiner Organisation sind Einweridungex), soweit ich gehört babe, nicht vorgebcacht worden, Ich stimme darin dcm Hrn. Abg. Dr. Windt- borst bei daß auch der Hr. Abg. Rickert solch? Einwkndungewnickyt zu machen batte. Mag der Hr. Abg. RiÉter diirch einen Zwi1cben- ruf dokumrntirt haben, daß er anderer Ansicht war, von dem_Hrn. Abg. Rickert babe ich dergleichen nicbt gebört. Jeb komtatire das mit um „so mebr Freude und Befriedigung, als ich im Namen der vrrbündeten Regierungen zu erklären habe, daß sie von der Vor- lage abzugeben nicbt gesonnen und die dzzu gestellten Anträge anzu- nebmrn ebenso wenig gesonnen sind,
Nach der Widerlegung, die der Hr. Abg. Windtborst dem Hrn. Abg. Rickert hat zu Tbeil Werden laffkn, nacb drr präziserx Dar- legung drs chcks dsr Vorlage durch den Hrn. Abg. Windtborii kann ich" mich derjenigen Kürzr befleißigen, die er mir zur Pflicht gemacbi bat ,
Der Hr, Abg, Rickert hatte im Wesentlichen zwei Bedeyken. Einmal mochte er die Vorlag2 nicht annehmen, Weil nicht„emige konstitutioneile Fordsrungen, die zu stellen seine Partei seit lanxxerer Zeit gewohnt ist, erfüllt Werden; dann aber meint er: warum, ßexade jixzt? Während der Hr. Abg. Windtborft dieie F-age an dir_Ver- gangenheit knüpfte, blickte drr Hr. Abg. ,Rickert aus die Zukunft; er meinte: wartet doch noch! Ja, mn: bleibt da nur übrig, an ein Gleich7xif3 zu crinnsrn, das ich scbon mal bier gebraucht babe. Wenn Jemand fich einen Blißableiter für sein Haus be- schaffen will, stebt er aucb vor der Frage: soil ich das jeßt tbun, bder kann ich nicht 1106? ein Jahr warten? Wäre Jemand da, der ihm die Garantie gcbm könnte, daß der trolkcnlose Himmel, unter dem er brate stebt, ein Jahr länger anhalten Werde, sd würde er ganz gewiß die Aubsabe für den Bli ableitxr erst über ein Jahr machxn. Troß dsr aünstig-m politischen age, m der wir jetzt [eben, bin 1ch nicht im Stande, Vorberzusagcn, wie lange dieselbe dauern werde. Ich bin also der Meinung: Drr Blißableiter muß sofort beschafft werden.
Die Ausführungen des Hrn. Abg. Windiborst in Bezug auf die Notbwendigkeit, die Finanzlage des Reichs, und der Einze'lstaaterz m Uebereinstimmung zu bringen, kann ich mir nur voÜstaydtg zu eisen machen; es ist einer meiner sehnlicbsten Wünsche, daß dieser Zustand so bald wie möglich herbeigeführt werde. ' .
Zu meinem Bedauern aber hat der Hr. Abg. Wmdtqust eine Aeußerung gethan, die ick) nicbt acceptiren kann, die mich betrubt bst, die icb vom Standpunkt unserer auswärtigen Politik für bedauerlich baite; er hat über den leitenden Minister eines nns eng befreundeten Staats eine abfällige Aeußerung gemacht. Meine_Herre'n, in dem Augenblick, Wo Sie vor der Notbwendigkeit sirben, uber eme Heeres- Vcrstärkung zu befinden, halte ich es nicht fur angebracbx, an den Bündniffen, die wir seit Jahren gescbloffcn haben, die wir treu zu halten gewillt sind, zu rütteln. ,
Das Bündniß mit Italien wird nach meiner Ueberzeygung auch weiter leben, wenn, was (Gott verhüten wolle, der jcßtYZe leitende Minister von seiner Stelle zurücktritt; aber in der Per on dieses Ministers finden wir eine Friedensbürgschast, wie sie uns schwerlich
ein anderer Italiener geben kann, und ich bcklage es deshalb, wenn_
dieseZIerson hier von der Tribüne angegriffen worden ist. er Hr. Abg. Windtborst meint: wir können allem in der Ver- bindung mit Oesterreich fertig werden. Das kann sein, rr uzag darin Recht haben; aber es ist ein alter militärischer Saß: wir konnen zur Entscheidung nie zu stark kommen, und ich möchte kiiÖÜ, dczß von den Alliancen, die wir haben, auch nur der kleinste Theil abbrockelte, daß sie auch nur innerlich ges wächt würden. Ich kann mich den esolutionen, die der Hr. Abg. Windtborft vorgeschlagen hat, zuwenden. Die erste gebt dahin, das; von den
„Plänen' Abstand mommen werde, indem dadur rem Deuts en Netcb geradezu uneréchwinalicbe Kosten erwachsen wéirden. Ick) k?nn "lebt beurtbeilen, Lb die Kosten unerschwinglich find; denn wie ich schon einmgl erklart babe: ich kenne die Pläne nicht. Ich halte es “"ck _ka wahrscheinltlb, daß, Wenn in dem nächsten Jahre die verbundeten Regierungen mit militärischen Forderungen vor dies bob: Haus irrten sollten, diese mehr dahin gehen würden, daß das. was geschaffen. isi, mnerlick) konsolidirt werde. Wir haben inner- halb der Armee eine ganze Anzabl_ron Fragen in der Ricbiung der Verbefferun "unserer inneren Zustande zu erledigen im Sinne der Wort; des ursien Bigwarck, daß wir mehr auf gute Truppen, als auf viele Trubpen werden Gewicht legen müffen.
Werm- die Kosten hier als „unerschwinglicb' bezeichnet worden find, so will ich mtr doch die Bemerkung gestatten, daß ich den Aus- druck für sehr hoch gegriffen balte. Ickx-könnte darauf exemvlifiziren, Was Preußen, das kleine Preußen in früheren Jabren gethan hat. Ich will _mich aber bier darauf beschränken, daß ich die Frage a'n .Sie richte: wie glauben Stk, daß d:s Wort „unerschwing- lich auf das Ausland wirkt? Glauben Sie nicht, daß Leute da smd, die das mit Tiefem Bebagen böten und die cine gewisse Befriedigung empfinden, Wenn sie wirklich denken könnten: jexzt ift Deutsckyiand am Ende seiner fingnzieüen Leistungen angekommen? - Ick) weiß „sehr wobl, daß das nicht Ihre Meinung ist, daß das ein Ausdruck ist, wie er im Parteikampf mit unterläuft. Aber ich babe zu_konstattrxn, daß nach der Ueberzeugung der verbündeten Regierungen Sie noch nicbt, noch lange nicht am Enderrer finanzieÜen Leistungen angekommen sind, wenn von diesen Leistungen die Sicherheit und die Existenz Deuiscblands abhängt.
Die ziveite Resolution befaßt sicb mit der Friedenspräsenzstärke 7 dem Septexmat. Es ist mir bis zur Stunde unerfindlicb, warum ?cker Thema hier so accentuirt Worden ist. Wir verlangen ja gar nicht sieben Jahre; es find ja nur noch dreieinhalb Jahre. Wir wollen nur das Septennat, welches früber angefanaen bat, jetzt nicht unterbrechen; wir wollen die einmal bewilligten Mittel fortbraucben und die neu zu bewilligenden aucb ebenso lange.
Jch batte m_ir eingebildex, daß gerade die Fortschrittspartei diesem Purisch der Regierung mit einer gewissen Sympathie entgegenireten, 11_ch freuen wurde, daß wir nicbt mit einem neuen Sepiennat von jeßt bis zum Jahre 1897 kommen, sondern daß wir uns dem Anfrage Stquffenbrrg yon 1887, der von drei Jahren ausJing, anfügten. Wetter wrxd m der Vorlage nichts verlangt, als eine Bewilligung aiif etwas uber drei Jahre. Wenn ich mich also auf den Boden Lines Abgeordneten drr Fortschrittspartei steÜe, so muß ich doch sagen: die Sache war accledtabel. Wird sie von der Fortschrittsdartei nicbt accxptirt, so muß ich eben zu meinem Bedauern bei der Ansicht sieben blrtben, daß es sich bier um konstitutionelle _ 1ch stelle anheim, ob Sie deri Aubdruck ontorfragen oder Kraftproben vorziehen - handelt.
Die vierte Rewlutton gebt auf die ziveijäbrige Dienstzeit aus. Aus den Erörterungen, die darüber stattgefunden haben, wird, glaube tcb, auch der begeistertste Sebrvärmer für die zWeijäbrige Dienstzeit doch die Ueberzeugung gxwvnnen baben, daß die Sache ihre zwei Seiten hat. Schon die eine Seite, daß sie nicht wobl für alle Waffen dmchfübrbar rst _ denn dgs erkerznen Sie auch selbst an, daß wir cini 6 Waffen kurz, aydere langer dienen lassen müßten -, ist eine im böcbéten Grade bedenkliche. Selbst Wenn man der zweijäbrigen Dienstzeit zuneigt, muß man'zugeben, daß da Konsequenzen auf diesem Boden entstehen können, dte'fick), noch gar nicht absehen laffen. Es giebt zweifellos Soldaten, die die doÜe zweijährige Dienstzeit, also 24 Monate aktiv bei der Fabne, auch für die Fußtruppen dem jeßigen Zustande vor- ziehen möchten. Wir haben jetzt eine ungleiche und zum Theil kürzere, Dienstzeit, bcbaftet mit all den Mängeln, die dem“ Dtsvofitionsurlaubertbum anbasten, behaftet mit der Erjaßrcferve. Ich glaube, Wenn eine zweijährige Dienstzeit voÜ geboten würde, wenn diese Dinge davon getrennt werden könnten, tvsnn dann_ die Kompensationen gegeben würden, von denen schon gesprochen iii, daß dann mancher Soldat dem zustimmen würde. Aber das, nxeine Herren, machcn Sie sicb doch auch klar, daß das nicht weniger läUig für die Bevölkerung und un- gleich tbeurer werdexi würde als dcr jetzige Zustand, Die verbündeten Regierungen „sind, (1170 zur Zeit nicht in der Lage, auf eine Verkürzung der Präsenzzert einzugeben.
* Ich komme zu der ResolutionNr. 3, die an die Regierungen das Cr7uchen stellt. entweder die tbat1ächliche Prässnzzeii berabzumindern oder Dispositivnsbrixrlaubungen einzuführen. Der Weg der Herbst- vakanzen ist für die verbündeten Regierungen nicbt gangbar; da- gegen bin ich ermächtigi, urid zwar für den Umfang ganz Deutschlands, zu erklären, daß schon in diesem Herbst bei den Fußtruppen Beurlaubungen zur Disposition in er- böbtem Umfaxige stattfinden werden, in dem Umfange, dén die Vir- bündeten Regierungen noch mit der Fortseßung eines guten Dienst- betriebs bei din Fußtruppen für vereinbar ballen, Zahlen, die, wenn sie durcb die ganze deutsche Armee-addirt werden, etwa 6000 Mann betragen Werden. Ich glaube, daß damit die Verbündeten Regierungen ibr Entgegenkommen in der Weise gezeigt haben, die die einzig mbgkiYe ißt. Weiter zu gebsn ist den verbündeten Regierungen nicbt mogt .
Wenn nun die brrbündeten Regierungerx so weit gegangen sind. im Uebrigen aber ihre Forderungen nicht ausgeben können, so bitte ich das boke Haus, die Vorlage der Regierungen unverändert, so ein- stimmig wie möglich, anzunehmen. Nachdem ich mich in der Kommission gsäußcrtbatfeÖut man in den Züitungen,die der Partei drüben angehören, das Wort gefunden, daß ich eine Schonzeit für mich beanspruche, während ich das nicht gevai babe. Schießen Sie nur auf mich! Mir soll es teck)! sein! Ick) habe die Schomkii für Deutschland beantprUÖt, und bin ich auch noch der Meinung, daß, Wenn wir uns, wie ja ziveifellos, am Ende des ieHigen Septennats, sei es zur Verständigung odcr zum Kamps wiederfinden werden„ dieser Kampf, rvenn er not!;- wendig Werden soUte, mit urgleick) weniger bedenklichen Folgen für Deutschland geführt Werden kann als heute. Man möge fich doch klar machen, wobin eine Differenz auf diesem Boden zwischen den Regierungen und dem Reichstgqe führen kann! Daß es den Regierungen kein Vergnügen in, Steuern zu fordern und Menschen einzustellen, das liegt auf der Hand. Schreitet die Reßierung zu so crnsten, folgescbweren Ford?- rungen, so wird sie doch e enso gut für sich in Anspruch nehmen, wre jeder Andere das für fich in Anspruch „nehmen kann, daß sie (1135 Pfticbtgefübl handelt. Erkennt die, Regierung, daß das Dasein Deutschlands diese Forderuna nötbtg chht, so würde sie falsch fbalrlidel?,_ rtvenn fie nicbi alie Mittel erschöpfte, ebe sie diese Forderung a en a .
Woßin aber können solche Differenzen führen? Ich mag das Bild gar nicht ausmalen, will aber bier wieder vom StandpunUkt der auSwärtigen Politik aus sprechen und Ihnen einmal vor Augen fahren: ist es denn logisch, in dem Augenblick, wo man entweder offen zuge- stebt. oder innerlich wenigstens anerkennt, daß eine Verstarkung unseres HeereSwesens, an die die Regierungen mit schwerem Hetzer) berein- gegangen sind, nothwendig ist, - in einem solchen Augenblicke ich will nicbt sagen, Konfiikie, aber auch nur Dtfferenzen innerhalb der Nation zu erregen? ' ,
Daxüber werden wir doch Alle einig sein,_wenn es einmal zum Kriege kommen soUte, so kann derselbe nur grfubrt werden unter dem einmütbigen Zusammenbalien der ganzen Natron,
Wie bereitet man nun aber einen Krieg vor, wenn man es in der Zeit, Wo man Forderungen, die auf den Krieg telen, er mag noch so fern liegen, zu bewilligen hat, zu inn_eren Dt erenzen, an denen das Ausland sicb weiden kann, kommen laßt?
Ick) kann also nur noch einmal meine Bittx wiederholen, die Vorlage um Deutschlands und des Friedens willen so einmütbig wie möglich anzunehmen. '
Abg. Fürst Ha feldi: Hr. Rickert hat im Grunde gegen die orlage ni ts weiter eitend gemacht, als daß er gar nicht so ab eneigt wäre, 18 Forderun zu bewilligen, wenn es eben ni t j t ware. Sq stand u nfang die Sa e auch in der Kommis 11. Mit einem als aber schlug die
Stimmung um, als der Krie s-Minister erklärt hatte, _daß diese ?orderung noch nicht die e te ser, daß man riacb semxr persön ichen Meinung die Einste ung aller Wehrpflichtigen)" das Heer ins Auge fassen müsse. Ick vxrsiehe pte Opposition Yen solche Pläne, ich verstehe aber nxcht,„ wre man zu der „[UßfOlgerung gelangen kann, daß, weil eme solche enisernte Möglichkeit vorliegt, so entfernt, daß sogar nach der Erklarun des Reichskanzlers die verbündeten Regierungen an fie no gar nicht herangetreten sind, aucsh die heutige Vorlage ab- Zelehnt werden müßte, und wenn 12 noch so nothw€nd18 Md egri'mdet " erscheint, Gerade diese Vorlagx ist besser als jede fruhere begründet, fie ist nichts als die Kopsequenz der 1889 nach dem Septennat in Frankreich be- gonziensn _Armeevermebrung und der thatsächlichen Ut)- zulänglichkeit unsrrer Artilierie. Zur Ablehnung würden wir iiur berechtigt sxni, wenn volkswirthschaftlich und finanziell eme solche Schad_1gung des Staatswesens dadurch eintréite, daß das Reich zuxammsnbreäzen müßte. Beides bestreite ich. Der „Saß „mehr Soldaten bedeutet weniger produktive Arbeit“ ist'nlcht'gqu. richtig. .Es kommt auch auf die Qualität an. Die militarische Erziehung ist die beste Schule, die wir bxsißen; Der ausgediente Soldat kommt nicht nur körperlich ges ickter und kräftiger, sondern auch gewa'ndter. und an telliger in das Civilleben zurück. Er liefrrt m kürzerer-Zeii- me r und béffLkS Arbeit, als der ungeschicktere._Der volkswirtbs aftlichs Vortheil der Ablehnung der Vorlage ist also gleich Nui]. Nack) der fmanziekien Seite hat uns Hr. Rickert ein schreckliches Bild entworfen und den ficheren Ruin in Ausficht gesteUt. Ich finde, daß auch nach Annahme dieser Vorlage eine Erhöhung der Matrikularbeiträge voraussichtlich nicht nothwendig sein wird. Ich halte mich da- bei an das Bild der Finanzlage, welches uns in der Kommisfion Direktor Aschenborn gegeben hat. In früheren Zeiten hat fiel) das Verhältniß „des Armerbudgets in Preußsn zu den Gesammtausgaben 'nicht anders gesteUt, wie je t. Die Volks- belastung durch die Geiréidezölie, wie Hr. ickert sis aus- gerechnet hat, ist entschieden zu hoch gegriffen. Bekanntlich isi streitig, ob das Ausland nicht den Zoll trägt. Aber selbst die Freunde_ des Hrn. Rickert behaupten doch, daß durch die Festssßung oder Erhöhung eines Zolles Seitens des “Auslandes die_ inländische betheiligte Industrie Fe1chädigt wxrd. Zn, dreier Beziehung steht es doch ei uns nicht'anders wie etwa in Amerika. Der Abg. Ricksrt wil! die jährlicheBewrliigung der Friedenspräfenz nicht als Kompensatrorxsobxkf gelteZn lassen, troßdem hat er großen Werth daraus gelegt. Wie wili man die Bewiliigung einer AusZabe, die unbedingt noxhwendig zur AufreYt-zrhaltung der Sicherheit des Reichs irt, abhängig ma en von der Erweiterung der parlamentariscben Rechte? Billiger wird die Suche durch jährliche Vewiliigungen auch nicht werden, und der Reichstag wird auch aÜjä r- lick) geben müssen, was nothwendig ist. Für die &- solution, betreffend die Vermehrung der DisPdfitionMrlauber, werden auch wir bewndsrs nach den Erklärungen des Reichs- kanzlersstimmen. Die überwiegende Mehrheit meiner Freunde wird dagegen gegen die Resolution Über die mili1iirischen Zu- kunftspläne, ebenso gegsn die Anträge Vambsrgsr stimmen, da eine so wichtige Verfaffgngsfrage nicht so nebenbei erledigt werden kann., Soweit em T_beil unserer Presse in Betracht kommt, ist die Stimmung im Lande aÜerdings 999911 die Vorlage, aber was bai denn diese Stimmung gemacht? Sie babsn vor der Wahl duz- Parole ausgégeben: Fort mit den Septemtätlern! Wenn ÖLSFS' berheit we ist, werdrn von selbst die finanzislien rind „utilitärischen Laien geringer werden. Zest können Sie die Geister, die Sie damals riefen, kaum noch bannen. WW sisht aber disse Wahlparole im Einklang mit der Erklärnng von 1887: Wir bewilligen jeden Mann und jeden Groschen! Ge en- Über dieser Stimmung im Lande wird es Manchrm gewi er- maßen schwer, Ja zu sagen zu der Vorlage. Aber wenn es sich um so wichtigs DMZ? handßlt, kann man fich durch die Stimmung des Volkes nicbt bestimmen lassen. Wir geben durch die Verhandlungen kein'schönes Bild dem Auslande und leisten dem Vaterlande keinen Dienst damit, aber einen nocb schlechteren Dienst würden wir ihm leisten, wenn wir den
§. 1 ablehnten. ,
Abg. Richter: Wir haben alierdings im Jahre 1887 jeden Mann und jrden Groschen bewiUiaen woÜen. Das bezog sich aber nur auf 468000 Mann. Es sollte das nicht be- deuten, daß, wenn wsitere Forderungen gestelit werden, wir auch zu dsren BewiÜiaung bereit sind. Gerade weil damals für 7 Jahre die Präsenz festgeseßt worden ist, find wir ]"th nach 3 Jahren umsomehr berechtigt zu fragen, ob es schon angezeigt war, Über die damaiige Grenze hinauszugeben. Der Reichskanzler stellte in Aussicht, daß für diejen Herbst die Zahl der DieZpositionsurTauber im ganzen deutschen Heere um 6000 Mann vermehrt werden würde, Diese Vorlage bedeutet eine Erhöhung 02?) Jahres :Rekrutenkontingents um 6000 Mann. Bei der Infanterie wurden schon bisher 35 Proz. des jährlichsn Kontingents nach 2 Jahren zur Dis- position beurlaubt, also wiirde schon bei Vermehrung des Kontingents, um, 6000 Mann jährlich das bis: herige Verhältniß eme Vermehrung der Dispositions- urlauber um 35 Proz. von 6000, also um rund 2000 Mann bedingen, sodaß, wenn überhaupt die absolute Zahl der Dis- positionsurlauber sich gegen _bisher nur um 6000 Mann er: höht, darin nur emsKonzexsion von 4000 Urlaubern über das bisherige Verhälimß liegt. Doch ich nehme an, daß der Reichskanzler das iiicht gemeint hat, sondern über das pro- Yortionale Verhältniß von bisher hinaus eine Vermehrung er Urlauber nicht um 4000, sondern um 6000 Mann beab- sichtigt., Ich erkenne an, daß hierin eine Konzession gemacht ist, die in der Kommission von den Mittelparteien wiederbolt in Anregung gebracht, dort aber von dem Reichs anzler mcht bewilligt worden ist. Es zeigt dies, daß, meim ein Wilie erst vorhanden ist, sich auch ein Weg ur die Militärverwaltung findet, Erleichterungen zu schaffexi. , bedauere aber nur, daß dieser We , der jest betreten ist, xm überaus schmaler und die Konze ion so wenig erheblich ist, daß fie nach meiner persönlichen Auffassung unmöglich eine Brücke bilden kann, um für die Gesammtbalturig gegen- über der Vorlage eine Aenderung YberbeizufUhren. Die Verme rung der Urlauber um 6000 ann bedeutet nur eine inderung der in der Vorlaxsxe gefordertxn dauernden organischen persönlichen Mehrbelatung um em Drittel und der nanzielien Mehrbelastung um_ein Neuntel oder vielleicht ein ehntel. Aber auI xine Vermmdßrung der persönlichen Mehrbelastung um ein nttel ist es nicht. Die
18000 Mann werden mit ihrer gan en ersönlichkeit an dem“ militärischen Dienst gefi'sfelt; die 6000 ann aber werxtän-