1890 / 152 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 25 Jun 1890 18:00:01 GMT) scan diff

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für das dritte Jahr nicht jeder Militärpflicht entbunden, sondern nur zur DiSpofitiqn beurlaubt. Jeder dieser 6000 Mann kann auch im drthen-Iahre zum Dienst heran- ezogen werden, wenn „aus trgend einem _Grunde, z. B. ei Manövern oder 111 Folge regelmäßigen Abganges durch Tod u. s. m. eine Verstärkung dex Cayres erforderlich wird. Wir haben ja auch aus hen mlt ethetlten Zahlen er- sehen, daß 5000 solcher Urlauber 1m Lau e des Jahres wieder eingezogen werden. Nun ist das allerdings nur ein Prozent- saß von der Gesammtheit der leaubex, aber die Möglichkeit, zu denjenigen zu gehören, pie tm dntten Jahre wieder ein- Lezogen werden, ttz": t eme Unsicherheit in die an en ürger1ichen Verhältm 9, auch der Entlaffenen. Desha b md auch diese 6000 Mann Erleichterung nicht so vollwichtig, wie es ziffermäßig an esehen werden könne. Das ge ammte Fahreskontingenl etröt _180000 Mann, die Erlei terung ommt also nur einem re1ß1gftel zu gute. Bei der ?“n anterie betragen die Urlauber, da das jährliche Infanterie ontin ent fich auf über 100000 Mann beziffert, etwa 35 Proz» Re net man zu den 35000Urlaubern die 6000, d.h. 6Proz. hinzu, so er iebt das im Ganzen 41 Proz., und es bleiben noch 59 Proz., al?o drei Fünftel des ganzen Jahreskontingents, die zu dtex- jährige; Dienstzeit verurtheiltfind. Wie weit ist das entfernt von der gewßlichen Einführung der zweijährigen Dienstzeit. Je mehr wir uns mit der Sache beschäftigt haben, desto mehr haben wir ge- funden, daß, weit über unsere Erwartung hinaus, die For- derung der zweijährigen Dienstzeit einen Widerhall in den weitesten Schickzten des Volkes hat. Aus zahlreichen Zuschriften erfahre ich, daß gerade die Dreijähriggedienten die Ueberzeu- gung in den Kreisen des Volkes verbreiten, wie überftüsüg und entbehrlich das dritte Jahr ist. Die zweijährige Dienstzeit jst überaus populär. Die Einrichtung der DisPofitionSurlauber ist, gar nicht populär, weil sie Niemand bis zum leßten Tage des prtxten Jghres eine Sicherheit giebt, ob er wirklich unter den- ]emgen sem zverde, 519 von dem dritten Dienstjahre entbunden find, und doch 531th nur diese Sicherheit die Möglichkeit, sich in den biJrgerlichen und „wirthschaftlichen Verhältnissen einzurichten, semen ganzen BtldyngSgang mit den militärischen Forde: rung-n'm Ußbereinsttmmung zu bringen. Die Einrichtung der DxSppsttmnSurlauher schafft weit mehr Un ufriedenheit bei denjemgen, Welch; tm hrrtten Jahre zurückblei en, als sie Zufriedenheit mxt sul) brmgt bet denen, denen das dritte

ahr („erlassen w1rd. „Also im Verhältniß zu dem, was nnr verlangen, „xst das, was der Reichskanzler angeboten at, ein meengericht, und wenn wir darauf ein ehen so ten, würde man in weiten Kreisen des Volkes ver ncht sein zu glauben, daß es uns überhaupt an dem noth- wendigen Ernst bei dieser Forderung gemangelt hat. Man würde mit einem, freikonservatwen Ab eordneten in der Kom- mission sagen, ste sei aufgestellt geween, ut. a1jqujä k60i888 yjäsatnr. Was der Reichskanzler angeboten hat, kann nur für diejenigen ausreichen, die schon zu neunundneunzig Hundertstel von der Vortrefflichkeit der Vorlage Überzeugt waren, für diejenigen, die bereit waren, einzuschla en in die ganze Hand, auch wenn nur die Spiße des kleinsten Fingers geboten wird. Nun hat der Abg. Dr. Windthorstin der ficheren Vorahnung dessen. was der Reichskanzler sagen wird, geäußert, die größere Zahl der DWpofitionéo'urlauber wäre ein erheblicher Schritt auf der Vahnzum zweijährigen Dienst. Ich würde mich darüber sehr freuen, aber ich vermag das nicht anzuerksnnen. Das System der DiSPOsitionsmlauber gehört nicht zu dem System der Demed, sondern der dreijährigen Dienstzeit. Es ist das

ittel für das leßtere System, sick) zu akkommodiren gegenüber den veränderten Finanz: und sonstigen Ver- hälmiffsn. Ohxe die Diensturlauber wären wir die drei- jährige Dienstzeit längst 1053 geworden. Dies ist that- sächlich eine stestiaung ds-x dreijährigén Dienstzeit. Es wäre ja ander, wenn es sich hxer um große Ziffern handelte, um 24 000 Mann Urlauber, wie der Abg.HiHe in der Kommission angedsutet hat. Unter der Herrschaft der dreijährigen Dienst- zeit habsn wir schon visl höhsreJKiffern von Urlaubern gehabt, al?- jeßt einschliéß1ich_der 6000 ann. Vor 1875 betrug die Zahl der bei dsr Zmanterie Bourlaybten mehr als die Hälfte, und sélbst nach Einfühxung des ersten Septennats war die ZahL noch größer, als ne jeßt werd.n sol]. Eine Vermehrung der Dixipofitionsurlauber könnte man als einen wenn auch kleinexx Schritt auf der Bahn zur zweijährigen Diensxzeit an: sehen, wenn de_r Reichskanzler üher dis Einführung der zwei- jährigen TiemtzeZt gewisse Zusrcherungen für die Zukunft gäbe. Statt denen hören wir nur das Nein, und welche Kluft selbst _én Bezug auf die volkswirthschaftlichen An- schauungsn, 518 hikrbei in Frage kommen, uns trennt, haben ja die YquührungLn dss Hrn. Vogel von Falckenstein in der Kommiffion Überzeugend dar ethan. Die Zukunftspläne für das HELL“ hält der bg. Windt?orst für auf: aegxbsn, wodUrck) dsny? Tuxch seine Re olutionen? Der R€1ch§kgnzlsr bat die Windthor1t'schen Resolutionen keineswegs frsundixch [&handelt. Er hat sie eingehend kritisirt und namsmtlxck) déi den ZukunftSplänen mit dem Abg. Windthorst

exechxet, _waS unerschwingliche Lasten seien. Die Herren _ 111MB 1111 parlamentarischen Leben wiffen sehr genau, was fte 1prechen, am. wenigsten von ihrer Seite wird ein Wort 9,8199? WH mcht genau vorbedacht ist. Alles, was xe uösr_dxe Zukunf16p_1ä116 gesprochen, ist auch wohler: wggen, 10 schr man mch auch quf der rechten Seite 59- nm t, das 0.125 bedeuxungslos hinzusteUsn. Die Herren haben wo [ gßwyßt, daß sxc mit dtesen Plänen die Aunahme der gegenwarjxxch Vorlage s1ch nicht erleichtern, und wenn sie sie Hennqckzgxaußsrx haben, so beweist das den vollen Ernst, der fW"b€1 9161811 Plcmen bexee't. Man hat gesagt, bei den Zukunfts- plgnßn wurde man Koxzesßynen gewähren. Wenn die gegen- rgartme Konzesstom _pra1udxz1rt werden sokl, so würde sich bei 55000 Mann t1ur_e_me Konzession von 18000 Mann ergeben. Wenn man AUF dLéZme WSJ? die zweijährige Dienstzioit durch= führen wollxe, 10 muste aus_LZ€mW-:ge der Kompensatmn erst eine Herrxßverstarkung von 3 )( 55 000, also 165 000Mann eintreten. Schon wogen dsr Uxbergangvarhältuiffe belastet diese Vorlage uns sehr stark. W111 man dte 18000 Mann me r schaffen indem man fie auf emmal einstellt, rend norma nur 6000 eingesteUt werden? Ww denkt man ich das namentlich bei der Artillerie? Soüen mehr Mann hier auch nach dem dritten Jahre zurückbehaltey werden? _ 12 Millionen werden in dem

achtrags-Etat, nne durch dle Zeitungen geht, für außer- ordentliche Uebungen der Reservisten von 13-14 Tagen ver- langt. Das bedeutet eine außerordentliche Einziehung von 600000 bi§ 700 000 Mann und allein für dieses Jahr außerhalb dteser Vorlage eine Verstärkung der riedenSpräsenz um 60__70 TausenH Mann. Der Herr Reichs anzler meinte, *Hr. Rxckert habe dte Npthwendigkeit per Vorlage anerkannt. den:: Abg. Rtckert hat muh bevollmächtigt zu erklären, daß er

dixse Nothwendigkeit mit keinem Worte anerkannt hat, viel- letcht ist das Mtßversiändniß dadurch entstanden, daß er' sagte, selb| wenn 1ch die Nothwendigkeit anerkennen wonte, so kämetx noch „diese xmd diese Gründe in Betracht. Ich habe allerdmgs dte mllxkärische Nothwendigkeit durchaus nicht in dem Maße anerkannt, wie es bei dem Abg. Windt- horst und anderen Mitgliedern der Kommisfion der, Fall ge- wesen ist. Der Ab . Windtho'rst beruft steh darauf, daß wir die Corpsftäbe bew ' t haben. Wir haben dieselben bewilligt, nachem der Kriegs- inister erklärt hat, daß dieselben in dem Na men der Maren FriedenSpräfenzstärke gebildet werden körznten. Der g. Windthorst ist also ministerieYer als der Mmister selbst. Der Abg. Windthorst hat ordentl1ch selig gemacht. Er hat von der Nothwendigkeit gesprochen, T: die Ehre und Sicherheit des Vaterlandes emzutreten. Der Feind würde sonst ius Land hereinbrechen. Das war ge prochen, wie die Wahlredner der Kartellparteien 1887 gesprqchen haben. Das Volk ist inzwischen ruhi er und ver- nünfttger eworden. Das Angftprodukt ist ges wunden und ein Abgeor neter- hätte keinen Grund, die Angst zu YWdÉZirM, wie der Abg. Windthorft es gethan hat. Der 81 g. indt- horst at von einem Konflikt gesprochen. Die ReJerung hat das ort nicht in den Mund genommen und einer von dxr rechten Seite. Der Abg. Windthorst hätte kein tak- ttsches. Interesse. daran gehabt. Er spricht, von den Leuten, dxe nicht wüßten, was ste thäten. Was wetß er denn' mehr?

Dann heraus mit der Sprache! Und aÜes das sagte er gegen '

das Dreigestirn einer sozialdemokratischen Zeitung, ich weiß nicht, welche er gemeint hat, der „Frankfurter eitung“ und der „Freifinnigen Zeitung“. Seit wann hät er es für nöthtg, sich gegen drei Zeitungen zu wenden? Nein, diese Rede hrauchte er gegen seinePartei, um dort den Widerspruch und dte wichti en Bedenken niederzukämpfen. Deswegen die Malerei des onftikts, die Angstmalerei, daß es Manchem dabei schwer wird, die Vorlage sogleich zu prüfen. Daß die Franzosen im Frieden mehr Militär haben als mir, ist doch kerne Thatsache, die heute um erüen Mal bekannt wird. Es kommt doch nicht daran? an, wie viele Soldaten auf dem Paradeplaß stehen, sondern wie viel auf den Kriegs- plan gesteUt werden. Kennt der Abg. Windthorst die Zahl unserer Fekdbatterien? Ich kenne fie, aber ich sage sie nicht.

.Ich sage sie nicht, weil ich verpflichtet bin, fie geheim

zu halten. Ich halte mich an das, was hier öffent- lich von dem Kriegs-Minifter verkündet worden ist. Der Kriegs-Minister von Bronsart sagte 1889, als wir die 3000 Artiüeristen und 4000 Pferde bewiUigten, daß diese Bewilli ung bis 1894 aUSreichen und weitere?- für die Artiüerie ni t werde verlangt werden. Also könnte von mili- täxischer Seite nur mehr verlangt werden in dem VeriSältniß, als in den Nachbarstaaten seitdem mehr ArtiÜerie e chaffen wordsn ist. Nicht 70, sondern 19 französische Batterien Feld-Artillerie sind seitdem mehr geschaffen worden. Wenn ich auch außer Betracht lasse, daß diese 19 Batterien durch Vermehrung dsr italienischen Batterien hervorgerufen find, so könnte ich doch nur zu einer Mehrbewiüigung von eben nur 19 Batterien kommen. Diese 19 Batterien könnte man aber aus der Ersparniß der 6000 DisPofitionerauber hersteüen. Geseßt, 1ch erkenne Hie Vermehrung der Artillerie al?- nothwenmg an, danxt kann 1ch doch die Bedingung daran knüpfen, daß anderes mmder Nothwendiges als die ArtiUerie eingeschränkt wird, um daS_unkxedingtNothwendige durchführen zu können. Wir haben zu m der Kommisfion angedeutet, wo diese Ersparnisse „gsmacht werden können. Wenn es unbedingt nothwendzg ist, diese Batterien zu be- sÉaffen, so würden s1ch 111 dem gxoßen Rahmsn des ilitär-C'tats „v'on übev 300 Millionen mit Leichtig- keit die 6-7 Mtüwnen dafür finden. _ Ich kann nicht genau ausrechnßn, wgs 6000 Mann Gemeine weniger zu unter- alten, xür eme Ersparnis; bringt. Ick glaube, nicht über Millionen. Jedenfalls tft die Ersparniß nicht so groß, wie die eines einzigen Moyats Rekrutenvakan. Diese Vorlage verlangt einen Mehxauxwand von 18 Milzüonen Mark, und wenn maxx auch, Wilk? 1ch hoffe, an den Unteroffizierprämien etwas qbzxeht oder ste gar nicht bewiÜigt, so kommt anderer- se1ts dte Steigerung de_r Zinslast aus dem Extraordinarium hinzu,_ der Mehrgmwand wird also immer auf 18 M1Üionen zu 1chäßen sein. Eine Ersparnis; von 2 Mtüioney bedsuwt also nur 1/9. Das ist doch ein Tropfen auf den hexßen „Stein unserer Finanzen. Wer fie ungünstig ansteht und nzcht die Verantwortlichkeit für neue Steuern Übernehmen W111, kann deshalb nicht darum der Vorlage zustßmmen, wer]. die Mehrbelastung um 2 MiÜionen erlerchtxrt WLW. Der _Schaßsekretär sagt uns in der KommLsfion, er beschäftme sich sckéon aUSreichend mit neuen Steuervorlagen_ für daß Reich und ür Preußen, und forderte MS auch auf, 15111 Art1kel, auf die noch Steuern gelegt werden könnten, namhaft _zu machen und seiner Phantasie zu Hülfe zu kommen. Leiblzasttger kany uns doch nicht vorgemalt werden, was uns bevoryjteht. Es,i1t uns scharf zu (Hemi'tthe eführt mo_rden, daß mtr durch dw Annahme der Vorlage einen 2386chsel aux neue Steuern_aussteÜen und daß wir auf eine Ermäßigun der Kornzökle'verztchten. Der Abg. Windthorst hat heute na dem neuerx Fmanzplarx gefragt und eine Zusammenkunft der Fumnz-meftex per emzelnen Staaten gewünscht. Ich bin gar mcht neugtertg auf Hen ganzen Finanzplan. Das ist do_ch nur e'xn Euphßnnßmus' für neue Steuerobjekte. Dte Phantaste des emen Fmanz-Ministers wird die des anderen unterstüßen, uxn _zu neuen Steuerprojskten zu kommen. Nun sollen nur m Preußen einen neuen Finanz- Mxmster bekommen, das kann mich garnicht beruhigen. Mir 11_'t em alter Fmanz=Minister viel lieber als ein neuer, denn emen alten, dessen Kräftq erschöpft, dessen Phantasie nicht mehr ft) lebhaft 1st,kanz1 1ch mir viel eher gefallen la en. Agch h_xer gxlt das _Spmhwort: neue Besen kehren ut. as e_r1t em neuer manz:Minister leisten wird, ann man sxch denken. enn der neue Finanz-Minister auch mcht qus den anservativen genommen wird, wenn selbst em Konservathr nicht aUSreicht, um die neuen Steuern zu schaffen, dte nöthig smd, wieviel mag dann aus dem Programm werden, nachdem wir" gesehen haben, was ein konservativer FmanzZMmister an neuen Steuern geleistet hat! Der Abgeordnete andthorst legt großen Wert? auf seine Resolunonen, aber dux Art, wie der Reichskanz er meselben bxhandelx hat, hat 516 _Werthschäßung derselben nicht er- Zkoht. Etne_folchx Nesolytron ist ein MonoloF€ so lange die egtexung sah mchtzusttmmend erklärt. Die esolutionen smd aUerdmgs eme Kupdgebung des Reichstags für die Zukunft; nach dem, WS der Retchskanzler heute sagte kann ixh fie aber nicht überschasen. Der_ Abg. Wmdthorst a t, das wir seit der Gründung des Retchs m1t zu großer reigeoigkeit gewirth-

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schaftet hätten und nun sparen müßten, und sYeßlich bewil- ligt er diese 18 Miilionen. Diese Mahnun rkt mich in meiner ablehnenden Haltung, zumal die nzesfionen des Reichskanzlers unerheblich sxnd. _Nach den kolosjalen Bewilli- gungen für Hexer und. Manne m den leßxen mer; Jahren ift die Ehre und Sichexhßlt des Vaterlandes 'e mit nicht minder am Herzen liegt „nne ]edem Indern, in keiner Weise gefährdet, wenn 'wir hier emmal deutluh sagen: Bis hierher und nicht weiter. . Bundeskommissar Major Gaede: Jck) muß einige ahlen des Abg. Richter über die Mehrbeurlqubungen richttg teilen, Die Etatsstärke der deutschen Jufantene an Gefreiten und Ge- meinen beträgt 261000 Mann. * Dahex müßten bei voller dreijähriger Dienstzeit xährlich 1/3 und em gemi e:"„ProzentsaH für Abgänge eingesteut „werden, macht 92000 ann. That- sächlich stellen wir jährlich 109 672 Rekruten ein und in drei ahren usammen 313000 Mann. ichen Sie davon die atsstä e von 261 000 Mann ab, 0 ergiebt stel), daß wir alle Jahre bei der Infanterie und den Jäaern 52000 Mann zur DiSposition beurlauben. Zu diesen Mannschaften sollen eßt noch die 6000 Mann hinzukommen, von denen der Reichs- Yanzler sprach, ohne Ve ug auf die 18000Mann, die je tmebr gefordert werden, also tatt der bisherigen 52 000 Mann . also etwa ein Achtel mehr von den 516 jetzt Beurlaubten. Bet

Z(weijähriger Dienstzeit müßten wir die Hälfte der Etats-

ärke der Infanterie und JäzZer jährlich “an Rekruten ein- stellen, also 135000 Mann, . 1). gegenüber den vorher er- wähnten 109000 Mann 26000 me r. Wie die Erhöhung der Friedenöpräsenzstärke im nächstenHer st gewonnen werden soll, ist m der Kommisfion und in der Begründung der Vorlage aus- einandergefeßt woxden , nämlich im Wege der regel- mäßigen Rekrutenemßellung. Die Ziffer der Mannschaften, welche Behufs Ausbildung mit dem neuen Gewehr zu Uebungen eingezogen werden sollen, werden die Herren _auch in der Vor- lage, die noch dem BundeSrath vorliegt, nicht finden weil es nicht in unserem Interesse liegt, diese Ziffer dem Rußlands darzulegen. In der Kommisfion werden die Yexren sie genau erfahren, und ich kann verfichern, daß die Zi er, die der Abg. Richter angegeben hat, sehr erheblich zu hoch gegriffen war.

Ein VertagungSantrag wxrd angenommen.

Abg. Rickert verwahrt fich in ckan persönlichen Bx merkung dagegen, daß er die Nothwendigkett der Vorlage an- erkannt hätte. Er habe nur gesagt, er möchte gern die Gxünde der Militärverwaltung über die Vermehrung der Arttllerie anerkennen, aber die militärischen Gründe könnten nicht allein entscheiden, fie seien auch nicht überzeugend, besonders nicht für die sofortige Bewiüigung.

Schluß 43/4 Uhr.

Die Rede, welche der Staatssekretär Freiherr vor; Marschall in der gestrigen Sißung des Retchstages bxt der 3. Berathung des Geseßentwurfs, hetreffend dte Feststellung einesNachtraZs zum Retchshaushalts- Wtatl für das Etatsjahr 1 90/91, hielt, hatte folgenden

ortaut:

Meine Herren! Seit der leisten Lesun des vorliegenden Nach- trags-Etats ist, wie Sie wissen, eine Thatache eingetreten, welche für die zukünftige Entwickelung unserer ostafrikanischen Kolonialverbält- nisse von schwuwiegender Bedeutung sein wird: es ist das im „Reichs- Anzeiger“ veröffentlichte deutsch-englische Einverständni Die Sache liegt im Augenblick so, daß das über die allgemeinen Ge chtsmmkte erzielte Einverständniß demnächst durcb gegenseitigen Notenaustaufeb zwischen den beiderseitigen Regierungen amtlich festgestellt werden wird, daß nebenher zur Zeit Verhandlungen über mehr oder minder wichti : Einzelheiten im Gange find, nach deren Abschluß ein förmlicbes, a e Punkte umschließendes Uebereinkommen in Ausstcht genommen ist. Von diesem Uebereinkommenist ein wichtiger Punkt dem englischen arlament zur Entscheidung, zu unlerbreiten, und je nach dem Aus all dieser Entscheidung Wird über denselben Punkt eine Vorlage an den Reiéystag gelangen. Welcher Zeitraum erforderlich sein wird, um diese verschiedenen Stadien zu durchlaufen, kann ich im gegenwärtigen Aagenblick mit Besttmmtbeit nicht sagen; die Möglichkeit ist nicht ausgeschloffen, daß diese Vorlage noch an den gegenwärtig tagenden Reichstag gelangt.

So begreiflich es_ auch schiene, wenn in dem hohen Reitbstag der Wumch bestände, sowrt bei dieser Vorlage in eine Diskusfion der wichtigen Angelegenheit einzutreten, so bin ich doch des voÜen Ver- ständnisses gewiß, Wenn ich .erkläre, daß in diesem Augenblick, Angefickyts der gegenwärtigen Sachlage, da Verhandlungen noch im Gange find und wichtige Vorausseßungen noch der Erfüllung harren, eine Diskussion über die Einzel- heiten unseres Abkommens mit England unerwünscht und unter Umständen für deutsche Interessen nachtheilig sein würde. Die Vertreter der verbündeten Regierungen würden in diesem Moment nicht in der Lage sein, jenes Abkommen nacb aUen Richtungen bin zu begründen, das gesaxnmte Material vorzulegen und al1e die Auf- klarurxgen zu geben, die zur Bildung eines zutreffenden, unbefangenen Urtbetls nothweqdig find.

Wenxt ick) hternach an Sie, meine Herren, die Bitte richte, heute nicht 111 enze Dtskusfion des deutscb-engliscben Abkommens einzutreten, so glaube :ck der Erfüüung derselben um so ficherer zu sein, als ja dieses kaotzunen auf die finanzieÜen Bedürfnisse des laufenden Etats einen Einfluß nicbt ausüben wird, und als die verbündeten Regierungen durch dieses Abkommen das ernste Bestreben bekunden, einem Wunsche entgegenzukommen, der von aÜen Seiten des Hauses Bei der fxuheren Berathungxgeltend gemacht wurde, vielfach sogar in der Form ezner Bedzngung der Bewilligung, daß wir nämlich 1obald als mög- ltch mtt et_nem bestimnzten f;Ylan bezüglich der Weiteren Entwickelung der kolontalezx Verbaltnt e in Ost - Afrika hervorträten. Die Grundlage fux solch _einen 'Plan, die (Grundlage für Ver- handlungen mtt der Ostafrikamschen Gesellschaft bilden eben die Abgrenzqngen der Jntereffenspbären. Nachdem dieses Abkommen ge- troffen 1st, kann ixb nur mit voller Bestimmtheit die Zuficberung wieperbolßn, daß die verbündeten Regierungen anen in der nächsten S_erswn emen sylcben Plan vorlxgen Werden. Ich kann die Zusicherung betfuqerz, daß djefxlben entschlo11en find, die Injereffen der Feinanzen des Reichs und die Interessen der Steuerzahler in vollem aße zu. berücksichtigen.

8 000,

M 152.

Personalverxänderungeu.

Königlich Preußische Armee.

Ernennungen, Beförderungen und Ver e un en Jm aktiven Heere. Neues Palais, 14. Juni. sKvx-tf el, Zeug-Pr Lt. vom Art. Devot in Kaffel, Möller, Zeug-Pr. Lt. vom Art. Depot in Tor cuz, zu eug-Hauptleuten, Schulze, eag- Y.É?Ya?rt.RIcckjepot in etZe, Ltendt, crxg-Z. von; Art. epot

mann, eug- . vom r. ot '

Zeug- r. LHS beYHrFert. 17 J F ep n Netffe, zu

eue a a s, . uni. abland, Sec. Lt. vom n. Regt. Graf „erder (4. Rhein.) Nr. 30, in das Inf. Regt. von YFU? stein (Schleswtg) Nr. 84, Klemme, Sec. Lt. vom Kurmärk. Drag. Regt. Nr. 14, m das Ulan. Regt. von Kaßler (Schles) Nr. 2, ver- seht. v. Eberhardt, Hauptm. und Comp. Chef vom 3. Garde- Reat- zu Fuß, unter Ueberwetsng zum GroZen Generalftabe, in den Generalstab der Armee, v. Btßmarck auptm. 9.18 suits des Inf. Regts. von Grolman (1. Posen.) Nr. 18, unter Entbindung von dem Kommando als Adjut. hei der 35. Inf. Brigade, als Comp. Chef in das 3. Garde-Regtment zu 9Fuß, verseßt. Weg- ner T., Premier-Lteutenant vom Jufanterie- egiment von der Marwiß (& Pomm.) Nr. 61, als Adjut. zur 35. Inf. Brig. kommandirt. v. Oppeln-Bronrkowski, Pr. Lt. vom Füs. Regt. von Gers- dorff (Heff.)_Nr. 80, kn das Inf.Regt. von der Marwiß (8. Pomm.) Nr. 61 verjer Prtebsrh, Sec. Lt. _vom Inf. Regt. von der Marwiß (Z., omm.) Nr. 61, zum überzabl. Pr. Lt. befördert. Graf Finck ». Ftnckenstetn, Pr. Lt. vom Regt. der Gardes du Corps, dem Rest., unter Verleihung des Charakters als Rittm, aggreglrt. Graf v. Seberr-Tboß, Sec. Lt. von dems. Regt„ zum überzäbl. Pr. Lt. befördert.

Neues Palais, 21.'Iuni. v. Gersdorff, Hauptm. und Comp. Chef vom 2. Tbürmg. Inf. Regt. Nr. 32, unter weiterer Belcxffung in dem Kommando zur Dienstleistung bei dem Kriegs- Mimfterium, a la anita des Re ts. gesteUt. Kettler, Pr. Lt. * la suits des 6. Tbüring. Inf. egts. Nr. 95, unter Entbindung von dem Kommando als Adjut. bei der 22. Inf. Brig. und unter Aggrxgirung bei dem Regt., zur Dienstleistung bei dem Kriegs- thfterium. v. Redern, Pr. Lt. vom Inf. Regt. von Grolman (1. Pos.) Nr. 18, als Adjut. zur 22. Inf. Brig, kommandirt, Graf v. d. (Hroeb en , Rittmeister a. D. , zule t ELcadron- Chef im jetzigen Kür. Regt. Graf Wrangel (Ostvreu .) Nr. 3, in der Armee, und zwar mit einenx Patent vom 16. Dezember 1886 als Rittm. und Escadr. Chef bei dem Ulan. Regt. von Schmidt (1.Pomm.) Nr. 4, wiederangestellt.

In der Gendarmerie. Neues Palais, 21. Juni. Keller, Hauptm. a. D., bisher Pr. Lt. im Königl. Bayer. (Gand. Corps und kommandirt zur Dienstleistung als Adjut. bei der Gend. Brig. in Elsaß-Lothringen, als cbarakteris. Hauptm, bei_ der Send. Brigs.t llin Elsaß-Lotbringen, und zwar als Adjut. diem Brigade, ange e t.

Im Beurlaubtenstande. Neues Palais, 17. Juni. Graf zu Münster, Sec. Lt. von der Res. des Regts. der Gardes du Corps, xum Pr. Lt. befördert. .

Abschiedsbewilligungen. Jm aktiven Heere. Neuxs Palais, 14. Juni. Urbach , Zeungaxxptm. vom Art. Depyt m Zskagäzeburg, mit Pension und seiner brsberxgen Uniform der Ab1chied - ewj i t.

Ngeues Palais, 17. Juni. Beeliß, Oberst von, der Armee, “mit Pension und der Uniform des Gren. Regts. ;Kömg ZFUW Wilhelm 17. (1. Pomm.) Nr. 2 der Abschied bewtÜigt. ater, Oberst-Lt. a.D., 31:1th Commandeur des Kadettenbauses zu Benshexg, unter Fortfall der ihm bewilligten Ausficht mzf AnsteÜung nn Ctvtl- dienst, mit seiner Pension und der Erlaqbntß zum ferneren. Tragen der Uniform des Kadetten-CorpZ zux Dtsp. ge_s_tellt. F tedler, Oberst-Lt. z. D., zuleßt Major tm damaligen 'Otabe des ngen. “Corps und Jngen. Offizier vom Platz in S_aarloms, zxnter Ertbetlung der Crlaubniß zum ferneren Tragen der fruheren Unxsorm des Jngen. “Corps, in die Kategorie der mit Pension verabschiedeten Offiitere

“übergetreten.

Neues Palais, 21. Juni. Wille, Oberst 9.19 8111“th des „Fuß-Art. Regis. Encke (Magdeburg.) Nr. 4 und Dtxektor de,!" Artillerie-Werkstatt in Spandau, _ als Genexal-Major mit Penfion, von Naßmer, Oberst=Lteutenant, m1't dem Range eines Regiments-Commandeurs, von _der Arme_e„ mtt Penfion und der Uniform des Kür. Regts. von Drusen (Westfal) Nr. 4, Herz- bruch U., Sec. Lt. vom 1. annov. In. Regt.„§)1'r. 74, Frhr. v. Winßingerode-Knorr, _ec. Lt.. vom _5. Tburmg. Inf. Regt. Nr. 94 (Großherzog von Sach1en), beiden mit Penfion, der Abschred bewilligt. ' .

Jm Beurlaubtcnstande. _Neues alats, 17. Zum. Graf v. Kleist, Major a. D., fruher im egt. der Garpes du Corps, zuleßt von der Landw. Kav. 1. Aufgebots, dxe Erlau'bmß zum Tragen der Uniform des Regts. der (Hordes du Corps ertbetlt.

Königlich Bayerische Armee.

Ernennungen, Beförderungen ,und Verseyungen. Jm aktiven Heere. 9. Juni. Schneider, Mohr, Map, «Ztßeretawmäß. Sec. Lts. im 2. Feld-Art. Regt. Horn, zu Arttllerte-

ieren ernannt. _

ffiz16. Juni. Thoma, Major des EbenbabxzzBataillons, qnter Stellan & la suits des Ingen._ Corps, zum Ctjenbabn-Kommtffar bei der Yinienkommisfion in Ludwigshafen errzannt. ' Abschiedsbewilligungen. Jm akttven_Heere.11.Junt. Sternecker, Major und Vats. Corymandeur nn 14. Jnf. Regt. Herzog Karl Theodor, unter Cbarakterts. al? O5erst-Lt. xmd unter Verleihung der Aussicht auf Anstellung tm Ctyildtenfte, mtt Penfion “und mit der Erlaubniß zum Tragen der Umform der Abschxed be- «willi :. (13. Juni. Keller, Pr. Lt., bisher _Adjtzt. betm Gend. C'orps- Kommando, Vebufs Uebertritts in den Retthßdtenst, unter Verletbun des Charakters als Hauptm, Knözkn_ger, Sec. Lt. des16.,Jn. Regts. vakant König Alfons von Spanien, mix Pensiosnqund unt der *Erlaubniß um Tragen der Uniform, der Abfchced bewillxgt. _

Jm Öcarlaubtenstande. 14. Juni. 'Ammonn (Wurz- “burg, Pr. Lt. von der Landw. Inf. 1. Aufgeoots, v. Hörmann (As ffenburg), Pr.Lt. von der Landw. Inf. 2. Aufgebots, Arnold, ' rbk. Ebner v. Eschenbach (1. Munchen , Sxybotb (Hof), indner, Reichert (Bayreuth), Lehnung( wetbrucken), Sec.Lts. von der Landw. Inf. 2. Aufgebotß, emsch_(Bavreutb), r. Lt. von der Landw. Kav. 2. Aufgebots, Im (1. Muncbe'n), Sec. t. von der “Landw. Fuß-Art. 2. Aufgebots, der Abschied bewtütgt.

Ar iv ür oft und Telegrapble. Beiheft zum „Amts- blatt deschReixbs-PYstamtS'. Herauögegeben itzt AufttaF des Reichs- oftamts. Nr, 11. _ Inhalt: 1. Aktenftucke und uffäße: Die *Lröffnung der internationalen Telegrapbenkonferenz in Paris. _Geseß- entwurf, betreffend Abänderung von Besximmunaen des Strafgesetz- bués. _ Streitigkeiten zwischen der Taétss'écben Postverwaltung und der Lemdes-Ysotxtépäexirva[Fuxl ßvzovitcbxeffen- HY 18a: 71er [(III-"LLKW" _ Das el ge 1: : tm a - ern „_ *Die Insels Formosa und ihre Bewohner. _ 11. Kleine Mittheilun-

' Zweite Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

Berlin, Mittwoch, den 25. Juni

*

am: Die Unternehmung ])k. PeterS'. _ Die Postvemmltun von Canqda im Jahre 1888/89. _ Posi- und Telegrapbenwesgen in Mexiko und Errttcbtung exnes Pbonogravbendienstes daselbst._Erlaß, betreffeyd Verbmdungölemmgm der Sprecbneße in den Städten rankretcbs. __ 111. Literaxux des VerkeHrSwesms: Grundzü e der

ost-Eeoßravbte und österretxbtsÖ-ungariscben Statistik. Zum eson- deren Ge rauch für Postbedtenstete bearbeitet von Eduard Effen- berger, K. K. Postrqtb.

Veröffentlichungen das Kaiserlichen Gesundheits- amts. Nr. 24. _ Inhalt: (He'sundheßsstand. Volkskrankheiten in der Berichtswoche. _ Pocken tn Ptraus. _ Cholera in Meso- potaxnten unt? Perßen. _ Cbolexa in Ostindien. _ Gesundheits- verbaltniffe 'm! Ntederländisch-Jndten. _ Dienstunfäbigkeits- und Sterbensftattsttk der Beamten des Vereins deutscher Eisenbahn- verwaltungen 1888. _ Sterbefälle in deutschen Städten mit 40000 und mehr Einwohnern. _ Deggl. in größeren Städten des Auslandes. _ Erkrankun en in Berliner Krankenbausern. _ Des [. zn deuntscben Stadt- und ndbezirken. _ „Geburten und Sterbefä e m Munchen 1887_1889. _ Sterblichkett in deutschen Orten :c. 1889 (nchb Monaten); _ Witterung. _ Grundwasserstand und Boderzwarme in Berlin und München. _'Tbierseuchen in Bulgarien, 1.“ Vierteljahr. _ DeSgl. in der Türket. _ Milzbrand in den Ntederlanden. _ Veterinär-polizeilicbe Maßregeln. _ Medizinal- Gesetzgebung u. s. w. (Preußen.) Tuberkulose. _ (Reg.-Bez. Brom- berg.) 5leotbeker-Lebrlinge. _ (ReF-Bez. Schle§wig.) Ansteckende Krgnkbxtten. _ Geheimmittel. _ (Sachsen.) Verbandwatte. _ Eptdemtsche Krankheiten. _ (Baden.) Arzpeimittel._ (Braunschweig.) Apotheken, _ (Oesterreich,) Gemüsekomerven. _ Desinfektion auf Eisenbahnen. _ (Galizien,) Maul- und Klauenseuche. _ (Italien.) Gesundheitspflege xc. Yuösührungsbestimmungeg. (Schluß.) _ Rxcbtsprechung. Milchfäl1chungen. _ Kongrene, Verhandlungen ejeßgebender Körperschaften, Vereine u. s. w. (Deutsches Reich.) rzneibuch. _ Versammlung des Deutschen Vereins für öffentlickoe Gesundheitspftege. _ Internationaler Kongreß für Hygiene und Demographie zu Paris. _ Vermischtes. Die bayerischen öffentlichen UntersucbungSanstalten für Nahrungs- und Genußmittel, 1889.

Entscheidungek des Reichsgerichts.

Die zur Aufbewahrung von Mineralnmffer verwendeten_ S ip 5 o n s find, nach einem Urtheil des Reichßgerichts, 111. Strafjenats, vom 20. März 1890, keine Trinkgeschirre im Sinne des Rei 8- NabmngSmiitelqeseYes (§. 12 Nr. 2), und die vorsätzliche oder fa :- läsfige Herstellung ezw. das Jnverkebxbringen von Siphons, welche das darin enthaltene Mineralkvaffer gejundbeitssckpßdlick) machen können (beispielsweise von stark bleibaltigen Siphons), ist aus die1em Gesetz nicht zu bestrafen.

Die Bestimmung des §. 7 Abs. 3 des Reichsstemvelgesetzes vom

29. Mai1885, wonach für das Abwickelungsszeschäft zwischen dem KommisFionär und dem Kommittenten die Abgabg

für Anschaffungßgescbäfte zu entrichten ist, findet nach einem“

Urtbeil des Reichögerichts, 17. Strafsenats, vom 11. April 1890, keine Anwendung auf ein derartiges Abwickelungsgesckpäfx zwischen dem Auftraggeber und dem Beauftragten, wenn der Veauxtragte weder Kommissionär im Sinne des Art. 360 des Handengese buchs noch ein dem Kommisfionär nach Art. 378 .S.-GB. (;_lejcbgetellter Kaufmann (sondern beispielsweise ein Börsen'maxler) ist; in diesem Falle ist das Abwickäungßgesäpäft nicht steuerpfltcbttg.

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur ArbeiterbeWegung.

Einer am 21. Juni tagenden Versammlung der Leipziger Schmiedegebülfen wurde, laut Mittheilung der .Leipz. Ztg.“, dic Abrechnung des Vertrapensmanns über den Untersxüßungsfonds auf die Zeit seit dem 1. September 1889 vorgelegt. Dre Regelung der Lobnbewegung und Verwaltung des Unterstüßungsfonds wurpe zw:i Personen übertragen diesen eine feste Entschädigung von vornheret'n bewilligt und außerdem eschloffen, ZF im Falle der Maßregelung mit 18 „is wöchentlich zu unterstüyen. eiter wurde die Förderung des roßén Hamburger Ausstanres dur (Held und Fernbalten_des Zuzugs Fescbloffen. _ Die Böttcherge ülfen Leipzigs grundeten'axn 22. Juni einen „Verein .Einigkeit' der Böttcberge1ellen von Letpzrg und Umgegend“ und beschlossen die Vornahme statistischer Erbebyngen über die dortigen Lohn- und Arbeitsverbältniffe durcb Vertbktlung von ragebogen sowie die Unterstüßung der strikenden Hamburger Bött ergeseUen. _ _

In B raunscbweig find der ,Magdeb. Ztg.“ zysolge dre Korbmachergebülsen nun auch in die Lohnbexoegung emgetreten; fie feiern, weil ihnen von den Meistern nicht dre geforderte Lohn- erhöhung bewilligt ist. _

In Stettin trafen, emer Meldung der ,Ojtsee-Ztg.“ zyfolge, am 23. Juni mit dem Personenzuge aus BreHlau wreder 125 7ch'le- sische Bauhandwerker, Maurer und Ztmmerlxute, xm. Ein Theil derselben wurde in einem Gastbofe auf der Stlbexwwse unter- gebracht, die Uebrigen wurden durch Mitglieder des Arbextgeberbundes m bereit gehaltenen Extrawagen der Stra enbabn nach Westend geschafft, wo man Maffenquartiere für fie bejcba t hatte. Auf _dem Bahnhof und desen nächster Umgebung hatten wieder zahlret e Strrkende Aufstellung genommen, welxbe fi den Fremden zu nä_er_n suchten; die von dem Vorstand des Ar eitgeberbundes zu Hulk? gexufene Sebußmannscbaft verhinderte jedoch jede Annäherung. _ Ein weiterer größerer Zug fremder Bauarbeiter wird in den nachsten Tagen erwartet. , _ ,

Die Feilenbauer in Remschetd beschlossen, einem Berxcbt

"** Ztg.“ zufolge, in einer am 23. Juni abgehaltenen Ver-

“'*'*1'-t;ung des Strikes. Beide Parteien beharren

.! Standpunkt; die Fabrikantext lehnen

xtarifs schlechterdings ab. Die Fexlenbauer

ntersolchen Verbältniffen den'Aus tayd fort-

cstüßun der Strikenden nötbtgen xttxl(es

„ein) bo t man durch Weitere freiwillige

.rscbaft und Arbeiterschaft, sowie durch Bei-

tr .;em Deutschen Feilenbauerverband, den deutschen

Met 3.379 zu erhalten. Im Wuppertbalc sind auch bereixs

Sam m.„„;-- für die strikenden Feilxnbauer eröffnerorden. Exn

nicbt unbeträcbtlicber Theil der Ausständtgen bat provtsortscbe BeLchäm-

gung gefunden bei den großen städtischen Bauten, namentlich er der

Tbalsperrenanla e; andere suchen stab durcb Außroden von Walpungen

und der leichen rbeiten Verdtenst zu verschaffen, um die Stnkekaffe

möglich zu entlasten. Einzelne Arbeiter haben auch zu den überm

Lobnbedingungen wieder Feilen zum Hauer) angenommen, do ist die

Zahl dieser Nachgiebigen eine im Verbältmß zum Ganzen sebr geringe.

er endliche Verlauf des Ausstandes läßt fich heute noch gar nicht ab e en.

sl,Ueher den Ausstand in Altona (dreist das „Kiel. Tagebl.“

unterm 23. Juni: Der Ausstand der anker und Zimmerer

scheint bereits, namentlieh von letzteren als erfolglos angesehen zu

1Z90.

werhm, da s o_n viele Zimmerer unter den neuen Bedingungen der Meister ( ebn kundige Arbeitszeit in Arbeit getreten Vd.

In olge 'der durch die ulverexplofion in Spandau ein- getretenen Vetrtehßstörung in der Pulverfabrik haben am 23. 3th dreihundert Arbeiter die Kündigung erhalten. Der „B. B. C. bemerkt dazu: Der Direktor bat humaner Weise von dem tbm xu- ftehenden Recht der sofortigen Entlaffung nicbt Gebrauch gemacht.

Ueber,2000 Be_rliner Arbeiterinnen, die in der Wäsche“ fabrikatton _bescbaftigt sind, versammelten fich am Montag „Ahead m der Brauerer Friedrichshain. Nach einem Referat des sozialtstt- schen, _Stadtverordneten, Gastwirths Otto Heindorf über: ,Das KoaltanSreébt der Arbeiter und die Fabrikantenvereinigung' wurde, wie dre .Vßff; Ztg." mittbeilt, eine Erklärung für den Anschluß an Arbeitexverenztgungen angenommen. Zugleich wurde ein „Verein der„Nthb'ékinnenxVerrieglerinnen und Stemplerinnen' gegrun , _ ..

In London hielten, wie dasselbe Blatt schreibt, am 21. Juni etwa 70000 Bergarbeiter in Southport eine Kundgebung zu Gunsten des achtstündigen Arbeitstages. '

Die Schiffsbauwerften des Clyde werdep laut Mti- tbeilung der .A. C.“ aus London in 3 Wochen_dte Löhne tbrer Arbeiter herabsetzen, da keine Weiteren Besteüungen eingegangen find. Schon am leisten Sonnabend fanden Entlaffungen statt.

Das Wirtbscbaftsjabr 1889.

Der Jahresbericht der Handelskammer Von Magdeburg spricht fick) über das vergangene Jahr, wie folgt, aus: __

Das abgelaufene Jahr ist binfichtlicb des Geschastsszanges_ent- schieden ein günstiges zu nennen; in vielen Ge1chäft5zwei§zen ubex- traf es sogar das gleichfaüs günsti e Jahr 1888. Der_ größte Tbetl der einzelnen Handels- und Jndußtriezweige bringt dtes 5ur„ch An- erkexmung des im Allgemeinen guten Geschäftßganges, der befrredtgenden Yretse, der gleichen oder gesteigerten Nachfrage zum _Ausdxuck.

inzelne Branchen waren sogar mit Aufträgen dermaßen uberhauft, daß fie kaum die Geschäfte bewältigen, kaum genyg Waaren und Arbeitskräfte auftreiben konnten; es" gilt dies insbesondere von der auch in den Vorjahren blubenden Maschinenindystrie dem Handel mit _Eisxn,„ dxm KoblengesCbäst. Aéer aucb mancbe Industriezweige, dre 1xch nx Vorjahre über Rückgang beklagt hatten, wie „zum Theil, dre Chemisckye Industrie, die Lack- und Firntßfabrtkatton, konstatiren ein Beffeerden der Verhältniss. Nur emzelxte Branchen, wie die Spiritusindustrie, Ziveige der Texttlbrancb'e, klagen über minderen Erfolg; allein denselben ver1chuldet/e_n bier besondere Verbältniffe, im ersten JaUe die drückende neue Steuer, im anderen die nicht in gleichem Maße bereinzubrinxxende Vertbeuerung der Rohstoffe. Auel) die in früheren Jahren so haufig auftguckpxnde Klage über den zu geringen Geschäft§verdienst baz fick) angckerJacbt, theilweise wird sogar Von gutem Verdienst und gunnigen Preisen berichtet. _ _

Am klarsten tritt die günstige Lage von Handel und Jn_duxtrte, der fortgesetzte Aufschwung in fast aUen Zweigen in dem xzberaus günstigen Geschäftßgange der meisten Banken zu Tage und 111 dem immer noch andauernden und stets zunehmenden Auffcbwunge im Ver- kebrSwesen.

So ist das verfloffene Jahr vom Standpunkte des Handels und der Industrie im Allgemeinen als ein erfolgreickoes,_ in seinen Ergebnissen erfreuliches zu bezeichnen. Allerdmgs kann dies nicht gleichmäßig für alle Branchen behauptet werden. Spezies] der HaupthandelSzWeig Magdeburgs, der Zuckerbandel, hat im Berichtsjabre einigermaßen unter der durch die maß- und zügellose Hauffe-Spekulation einiger Weniger Firmen herbeigefüßrten Krise leiden müssen.

In der Preisbildung zeigte fick) fast du_rchweg _eine, auf- wärthebende Bewegung, wie schon sext 1887, die freilrxb zum Theil auf Zollmaßnabmen, KarteUe und ahnliche Veranlauungen zurückzuführen ist. ..... , _ . | _

Ueberblickt man das Berichtsjahr m minen geschaftltchen Errol en, wie in den Ergebnissen auf dem Gebiete der (Heseßgebung und er- waltung, so bietet fick) im Allgemeinen ein erfreuliches Bild. Das Jahr 1890 hat bisher nicht ganz ken gleich günstigen Gang ge- nommen. Insbesondere die Gäbrung in den Arbeitkrsxbickyten, die zahlreichen Strikes und Beunruhigungen 'der Indu11rix ließen, nebst den in vielen ZMigerx gesttegenen P'rei1en der Rohmaterialien und Löhne, btsbex emen gletck.) gedeih- lichen Fortgang nicht zu. Darum i1t_ es nunmehr die erste und wichtigste Aufgabc, die ruhigen Zustapde und; geficberte [oziale Verbältniffe wieder berxustellen. Gelingt “Oles, geltngt es, neb1t Er- haltung des äußeren Friedens auch im Inneren Ruf)“: und befriedigende soziale Verhältnisse zu schaffen, dann wird_ boffentltcb auck) da? gegen- wärtige Jahr fich der nicht mehr erngen Zahl der gunstigen GesÖäftSjabre anreiben und die stolze 3 lutbe deutjchen Handels und deutscher Industrie erhalten bleiben!

Krankenversicberxxng im Großherzogtbum Sach1cn-Weimar.

Die Krankenverfickoerung der Arbeiter im Großberxogtbum hat seit ihrer AusrebnunéU auf die in der Land- und Forftwirtb- schaft beschäftigten rbeiter sebr zugenommen, sowohl Was die Za_bl der Arbeiter wie den Umfayg der_Eiypabme und Außgabe betrifft. Die Zahl der Krankxnka1sen ist mt 1885 von 120 aUerdings nur auf 122 in 1889ge11iegen, die Zahl der versicherten Arbeiter aber von 21106 auf 47902. Von_den Krankenkassen smd 39 O_rts- krankenkaffen, 32 Betriebsßankenkanen, 39 eingeschriebene Hülfskamcn. Die Mehrzahl der Arbeiter ist bei den Ortskrgnkenkaffen verfichcxt(31_ 157), von aUen Versicherten 65 0/0. Die Gemmmteinnabme ift gestiegen von 216000 „46 (1885) auf 586000 „46 (1889), die Gesammtaußgabx von 177 406 „46 auf 550000 .“ Die Hauptausgaben _entfaÜen auf ärztliche Behandlung und Krankengelder; diese beiden Posten haben fick) fast verdreifacht, während die Verwaltungskosten fi nur verdoppelt haben, dieselben betrugen 1885 14 9/0, jest noch ni t ganz 90,70 der GejammtauMabe.

Literawr.

„Grundriß der Schztlbygiene“. Für Lehrer und Schulaufsicbtsbeamte zusammengestellt von Otto Janke. Hamburg und Leipzig. Verlag von Leopold Voß. 1890. Prets 1,50 .“ _ Erst in neuerer Zeit ifi die UebenetFung zum,Durchkach 821?!an- daß jede Schule auch in hygienischer eziebung etneMusteranstaZt sem ZZR, inl wckxl Zei die fklörperlicize, WFL Lied geistiggeeböéesYk-biext v???

end 9 ei m (; gep egt wer e, a . asu lieggender Sebrift aus dem Schape der Baukunde und de: SÖul- erfabrun in kurzer Form klar und f [ich zusammen estellt. Die zur Z t allgemein geltenden fck hygienischen orderun en, die wichtigsten Bestimmungen Llsarüberck wie der S ul- baugrund, die Einrichtung der Schulgeb ude und der Neben- anla en, der Schulzimmer, der Ausstattung und die Gestaltung des nterricbts, der gesammten Schulerziebungspfiege zum Wohle der

end sein müffe find darin mit Vexmeidung weit- ZkaeeZeYXutJangm und ßaäßischen Beiwaks in nner Vollstän-

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