1890 / 153 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 26 Jun 1890 18:00:01 GMT) scan diff

39 Extrazüge sind bereits für Sonnabend, den 5., und Sonntag,!)en 6. Juli, bier angemeldet. Sie werden den Haupttbeil der Schüßen bringen, welche das 10. deutsche Bundesscbießen besuchen. Auf dem Anhalter Bahnhof treffen allein in der Zeit von 11 bis 1 Uhr Mittags am Sonnabexid vier roße Sonderzü e ein, unter anderen der aus München, fur deffexi mpfang aucb eitens des Vereins der Bayern besondere Vorbcrettungen getroffen werden. Der Verein wird in corpore auf dem Vabnbof erscheinen und in festlichem Zug, der von der Kapelle des Bayerischen Leib-Regimcnis eröffnet wird, nach dem Rathbaus geleitet werdkn. Die Münchener Schüßen werden ally in gleicher _Tracht, den Hut mit einer Stein! _ adlerfeder geziert, ericbiinen. Seitens des Empfangs-Comités für das 10. deutsche Bundes1chiesien werdcn, auf den 5 Hauptbahnböfrn, Friedrichstraße, Anbaltcr Babnhvf, Pbtsdamer Bahnhof, Lehrter und Stettiner Bahnhof ständige Kommissionen mit Musikcmps zum Empfang der Schützen anwesend sem

Das Comité für die Ferien-Colonien isi, wie der „B. B. C.“ mittbeilt, jetzt in voller Arbeit. Es gilt, 1100 Mädchen und 1200 Knaben in die verschiedenen Kolonien zu vertbeilcn, nacb Kammin, Harzburg, Eldena, Gary, Prerow, Zingst, Elsterwerda, Mods, Harzburg u. s. w. Das“ Gros geht am 7. Juli vbm Schlasiscben und Sietiinrr Bahnhof ab. Jede Kolonie erhält eine voÜsiändige Ausrüstung: Betttücher, Strobsäcke, Kiffen, Hand- und Wischtücher, Badebemden, 'Seifiappen, SÖwämme, Kopfbüi'sien, Kämme, Waschschüffilm Medikament:, Fahnen, Spiele 11. derßl. Damen vom Comité sind täglich „in dem Depot in dem rrübrren städtischen Siechenhause in drr Git1chin2rstraße tbätig, UR diese Aus- rüstungen zusammenzusicilen.

Die „Lübbener Jäger“, das BrandkxburgiscHe Jäger- BataiUon Nr. 3, begeben, wie die „N. A."Ztg.* 1chreibt, am Yom- mendm Sonntag ihr 75jäbrigcs Jubilaum. Mit dem Bataillon feiern auch die „alten Jägcr“ das Fest, und um ihre Theilyque aucb äußeriick) zu ickwndrn, widmen fie dem_Baiaillon zu iLMLM Ebrentagc cine Kolossalbüste Kaisxr Wilbelm's 1 Auf drr Vorderseite dss Postamems steht die Jiiicbrifix „Kaiser Wilhelm 1.“; auf der Rückseite die Worte: „Zum 75xäbrigen Jubiläum gewidmet vbn alten Kameraden, 1815-1890“ und weiter unten: .Die Trcue ist der Cbre Mark“. Seixien Ort wird das Denkmal in Lübben aaf dem“ Plaße vor der Kaserne findsn, ww auch am Sonniag in GSK?"- Wart des Batailldns und zahlreich erscheinender alter Jäger di.- frier- liche Uebergabe stattfinden wird.

Fürstenivalde a. d. Spree, 25. Juni. (W. T. B.) Die in Fürstenwalde tagendc Jahresverxammlung des Brandrn- burgiscben Hauptbereins der (Hustav-Adols-Stiftumg hat bischloffrn, Folgeudes Telegramm an Se. Majesiäi den Kaiser zu s?:.den:

„Ew. Majestät, scinrm erbabenkn Protektor und bcrvor- ragendsten Mitgliede, wagt drr Hauptverein der Gustav-Adolf- Stiftung in der Provinz_ Brandeyburg bei seinir Jahres- versammlung aus dem alten Biicbofssttz Fürstentvalde srine alleruntertbänigiien (Grüß? ebrfurchtsvoll zu Füßen zu legen, mit dern Ausdriick des Dankes für die dim Gusiav-Adolf-Werke in unsrsr Provinz wie in drm gcsammten deutschén Vaikrlande bewährte Kaiserliäoe Huld, mii dcm Gebete zu (Gott um Scacn und Schut5 auf der Reise in die Lande Gustav Adolf's, die Ew. Majestät anzutreten im Begriffe siebkn und mit der Bitte um f.*ri;ere allkr- gnädigsie Förderung des seinen Namen tragenden Werkes. _ Noöl, Konfistorial-Raib, 1). Rogge, Hofprediger, Meiser, Ober-Pfarrer.“

Y: Posen, 25. Juni. Die Baulusi in den Vororten Posens Jerfiß, St. Lazarus und Wilda ist fortgefeßt in Zunahme begriffen und bat sich in diescm Frühjabr auch zum ersten Male dcs 3111) Bebauung freigigebcnen Terrains im ersten Festungsrayon be- mächtiat, woselbsi Fachwerksbauten nach den Neuriten tcchnischen Grundsätzen errichtet werden,

Aachen, 26. Juni. (W T. B.) Das biefigs Zweig-Comijé überwies dem ,Central-Comité zur Erricbtung eines National- denkmals für den Fürsten von BiSMarck in drr Reichshaupt- stadt“ als erste Rate 6500 Mark.

Nürnberg, 25. Juni Der VerwaltungSausscbuß des Ger: manischen National-Museums hat in seiner dixsjäbrigcn Vérfammlung einc Adrcsse an den Fürsten Bismarck gerichtet, der sorrobl in seinen amtlichcn Stcklungen wie Persönlich dcm Ger- maniscken Museum vielfache Berreise ssints Woblwvliens gcgeben und

Wetterbericht vom 26. Juni, orgens 8 Uhr.

ck

? ! Wind. ]

Stationen. Wetter.

Bar. auf0Gr.Z red in Millim. Temperatur ! in (' Celsius

11.5. Meeresip.

Vaterländisobes

Sonnabend:

„©.

M::Ücixxbmore * 759 Aberdeen . . 760 Cbristiansund 748 Kopenhagen . 761 Siockbolm . 755 Haparanda . 753 St. Petersb. 758 Moskau. . . 756

CoerueerW

Lokon . . . 761 Cherbourg . “762

elder. . . . 761

hlt ..... 761 Hamburg . . 762 Swiriemünde 762 Nnxfabrwaffec 762 Memel . . . 761

atis . . . . x 763 künster. . [ 762 Karlsruhe. . - 764 11Dunst Wiesbaden . * 764 siiUibeiter 18 [

wolkig wolkig Regen wolkig wolkig * bedeckt bedeckt s ' wolkenlos

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Regen onnabend :

Regen

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wolkik; bedeckt bedecki

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Sonnabend : wuricr.)

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Münckyxn . . 766 2wolkenlos 18 Chemnitz . . 764 * stiU beiter 18 Berlin. . . 163 SSW ZYivolkig 18 766 MW 1xwolkenlos 15

Wien . . . 765 stilllwolfenlos 15

Breslau. .

Ile d'Aix. . 1 Nina . . . . 765 still,!volkenws . Trieß . . . . 766 stillwolkenlos 1, 25

Uebersicht der Witterung.

Das Minimum, Welches gistern beijden Sbet- der lands lag, ist nordostwärts nach der mittleren nor- wegischen Küste, das barometrische Maxttzmm cityas Biedermann. ostwärts fortgrscbritten, Das Wettkr ist in Central- Europa stil], wärmer und vielfach beiter; nnr an der deutsckxen Nordsee fäÜt Regin. In Deutschland

764 ONO 20 Wien.

Deutsche Seewarte.

Theater - Anzeigen.

Komalicixe Zcixausptelr. baus. 156. Vorstellung. Loben rin. Romantische Oper in 3 Akten von Richard Kapellmeister Sacher. Anfang 7 Ubr. Schauspielhaus. 161. Vorstellung. Die Quißoxv's. Drama in 4 Aufzügen von Erni! 'von Wildenbrucb Anfang 7 Uhr.

Vorher: Wallensteins La er. 1 Akt von Schiller. Anfang Uhr.

33131 . Deutsches Theater.

* Zum 50. Male: Fanst's Tod. MW Sonntag: Der Unterstaatssekretär. Montag: Leßte Vorsteüung in dieser Saison. leucbtung des Sommergartens:

Der Richter von Zalamea. Anfang 51, der Vorstellung 7 Uhr.

Berliner Theater. Freitag: 40. und leßte

Abonnements-Vorsteüung. Gräfin Lea. Die Räuber.

Sonntag: Kean. _ Anfang 7.1 Ubr.

» " Therese Biedermann vom Theater an der Wien in 2,wolkenios 21 Zum 21_ Male: Vaudeville in 3 Akten und 4 Bildern von H. Meilbac und A. Manud. . .- ., Vor der Vorstellung, bii günstiger Witierung: Geöffnet von L“"11 ““l"" (&on Garten-Concert. orsteUung 71 Uhr. zettel- Sonnabend u folg. Tage: Gastspiel von Tberese Mamsell Nitouche.

Victoria-TYeatcr. liegt die Temperatur noch etwas unter der normalen. Stanley in Afrika, Zeitgemäldc in 10 Bilder;“: von Alex. Moszkowski und Richard Natbanson. Musik von C. A. Raida. Ballet von C. Severini. Anfang 7ck Uhr.

Sonnabend: Dieselbe Vorstellung-

schon als preußischer Gesandter beim Deutschen Bundestage zum Ehren- mitleied des Germanischen Museums gewählt Wurde. Erwiderung der dresse ist dem 1. Direktor des (Germaniscben Museyms, Dr. A. von Cffenwein nachfolgendes Schreiben zu egangrn: .FrtedrichSrub, den 3. Juni 1890. Für die wohlwollende uscbrift vom 29. v. M. bitte ich Ew. Hochwoblgeboren, meinen verbindlicbftm Dank entgegennehmen und den Herren Unterzeichnern übermitteln zu woÜen. Ick) werde auch in Zukunft Jbrer vortrefflich geleiteten Anstalt urid den durch dieselbe erstrebten Zielen rcgeTbeilnabme widmen und wunscbe ihr von Herzen ferneres Gedeihen. von BiSmarck.'

Nonn. 24. Juni. (Dtsch. Tgbl) HrFriedricbVorderaue'r aus Salzburg beabsichtigt, eine aärostatiscbe Babu auf dj_e SPW? des ungefähr 1800 m hoben Dolomitberges . Hobenstaufe 11 Von der am Fuße desselben gslegenen Ortschaft NNW HU erbauen, Md nachdem Seitens der bayeriichen Regierung die _Bewrüigung zurnVor- nahme techniscber Vorarbeiten zur Ausführung dieses onjekts fiir die Dauer von vier Monaten bereits ertbeilt wurde, durfte mit der Tracirung und den Grundproben schon in den nachste!) Tagen be- gonnen weiden, Das Bewegungssystem _er aérostattschen Bahn Fill?“ eine praktische Außnüßung der aufsteigenden Krafk des Luft- ;! ons.

Stuttgart, 25. Juni. (St.-A. f. W.) Der uyter dem Protektorat Sr. Majestät des Königs steberide Wurttcm- bergische Landesverein der Kaiser Wilhelmsttflung für deutsche Invaliden bielt vorgestern unter dem Vorsiy seines Präsidenten, des rinzen Herrmann z'u Sachsen- Weimar, Hobeit, seine abrcsversammlung. Der in derselben er- stattete Bericht gedenkt an erster Stelle der Gaben des Königlichen Hauses, bor Aüem des bulhxoÜM Geschenks, das Ihre Majestät die niqin wie allxabrlicb "zum „Ge- dächtnis; des 30. Notxmber und 2. Dezember 1840 hat uberrerchen lassen. An der Spitze der Beiträge gewabrenden Amtskorpo- rationen stebt Ulm mit 1715 „15, dann folgen Baliiigen, .Btberacb, Lauvbeim, Ludwigsburg mit je 300 «FC., Eßlingen, Heidetibetm ". s.w. mit je 200 „64 bis herab zu 25 3-6 Die aUgimeme Kirchenkoüxkie ergab 11149 „ik (dyrchscbnittlicb 9000 bis 11000, «W). Diese Quelie ist gefährdet, weil nacb den neben giscßlicben Bestim- mungen das Kirchenopfer lediglich für Zwecke der Kirchengeineipde bcsiimuxt ist. In Stuttgart bcstebt eine bcicmdere ge::rieindetatblicbe Kommission für Zwecke der Kaiser Wilbekmstifiung; die Hauptsiadt hat für diese Zivecke 338 405 «Fk; aufgebracht und fiir ibre Invaljidsn 105183 «16 erhalten. Ulm bat 43 256 „14 gkgcben und 22 876 „;ck cmvfungm Heilbronn gab 34 084 „;(: und empfing 12 845 .,“ Rcutlingen gab 26029 «ck und erbirlt 51547 „jb Nagold gab 6797 „M und empfing 32477 „zr. u, 1“. w. Die seit 18 Jahren von der Stiftung celeisieien Unterstüxzungen betragen 931776 „il: an baarem Geld und 162 658 „16 cm Anleben an Invaliden. Die leßteren sind zurückbezahlt bis auf einen Rest von 29 569 «_ Der gesqmmte Betrag des Vermögens beläuft sich troß einer allmabltäyen Einbuße von128 554 „M: noch auf 509 135 „jf: 1889 ergab fich an thersiußun'gs- bedürftigen ein neuer Zuwachs von 15 Personen, der erforderliche Bcitrag ist aber um 173 «(ck zurückgegangsn. Die Zahl der Invaliden sowie der Hinterbliebenen hat sich um 17, bc'zw. 14, zu- sammen um 31 Pfleglinge mit einem Aufwand vo_n 1934 «M der- mebrt. Dagegen haben die außerordentlicben Beibülien um 16 Per- sonen und 1205 «ck abgenommen. Es werden solche Beibülfrn auch an Jnvalidenkinder nach dem Austritt aus der Schule für die Berufs- bildung gewährt. _

London, 22. Juni. (Frankf. Ztg.) _Auf der Höhe von Folkestone fand gestern während eines Nebels ein Zusammen - stoß zwisÖen den englischen Schraubendampfern „Lotus' und ,Thornbill“ statt. Letzterer sank sofort und die 22 Köpfe starke Mannschaft wurde mit Schwierigkeit gerittet.

London, 23. Juni. (A. C.) Die 'Sonntag6-Gescll- scbaft, dkren Streben die Abschaffung der puritanischen Sabbath- Heiligung ift, bielt am 21. Juni ihre Zabrcsversammlung unter dem Vorsitz des Professors Romanes ab. Der Letztere gab an, daß zur Zeit in London 23 öffentliche Institute dem Publikum an Sonntagen eöffnet wären. Die Vorstände des Britiseben Museums und der

atibnal-Galrrie brächten den Zielen der Sonntags-GeseUschaft Sympathie entgegen und hätten an den Schatzamts-Kanzler cine Denkkckprift gerichtet, um die geringe Summe bewilligt zu e_rbalten, damit auch diese beiden Institute an Sonntagcn dem Besncbe offen sieben könnten. ..

Opern- Toncert-Park. Direktion:

Freitag : . Freitag : Zum 161,

und Julios Bancr.

Im Park:

_- Kroli's Theater.

Freitag: Dcr Com-

r. Luger.)

BeUe-KUiance-Theater. 118. Male: Der Nautilus. (Friedr. Mitter-

Mufikcorps.

Triedrich-Wilhelmßädtisches Theater und Julius Frißscbe. I ck T) it i M;)Nale: H th

_ . “' : “ona an. pere : 113 en von ,ugo i mann ““““ DMW J S _ Maß? von, Carl Migscker. H: KFFJMTYJ IIUIUÄXÜJYMF"; Dirigent. Heyer mit Hrn. Robert Robne (Gunsleben_ Jm viachtvol1en Park um 6 Uhr: Opernbaus. 157.Vorste[1ung. Der Concert. Auftreten sämmtlicher Jnstrumental- und

Freischütz. Oper in 3 Akten von C. M.von Weber. Gesangs-Künstler.

Texts ziim. Theil n'a?) ' einFLDWdVOTllkSMärYenäb .Der

FrÉcYYÉsZiFZLUYMÉY Vbtist'elluanMJDie Pcho- yerioosqng einer lebensgroßen Puppe. Nebelbildxr.

Schauspiel in 5 Akten von SchjÜer_ Cbtncfiicbe Fgrbenfptele. 3M„ufik-Corps. Militar- Schauspiel in Kapeue. Glanzende Illumination.

Sonnabend: Im Theater: Der arme Jonathan. Großes Kinder - Parkfest.

Freitag: r. Angelina Lager. Die Favoritin. (Leonore: Sonnabend: Der Waffenschmied. Täglich: Bei günstigem Wetter vor und nach Geboren: Ern Sobn:

der VorsteÜung, Abends bei brillanter elektr. Be- Großes Concert.

Freitig: Zum

atis. 25. Juni. (W. T. B.) In, St. Jean nahe bei Bresbpbracl) gestern die von einem Schiffe nach dem Lan- dungsplaße führende Brücke unter dem Gewicht da" von dem Schiffe kommendxn Reisenden zizsammen. Gegen 50 ersonen fielen in das Meer. *Die-Zahl der Ertrunkenen st noch nicht festgestellt._ Bis heute Vormzltag sind 7 Leichen aufgefunden worden. Die Taucher seßen ibre Be-

mühungen fort.

Rom, 26. Juni. (W. T. B.) Wie aus Favara (Provinz Girgenti) gemeldet wird. kam es dort am Johannistage zwischen etwa 3000 Arbeitern der dortigen SchWefel,grube, welckxe wesen der Lohnfrage und der Arbeitszeit die Arbeit eingestellt hatten, und der Polizei zu einem Handgemenge, bei welchem drei Gendarmen iind ein UnterLieutenant verwundet wurden. Die strikenden Arbeiter steckten das Gebäude des Bürserclubs in Brand; etwa 50 Mauner und Frauen wurden verbaftet.

Sofia, 25. Juni. (W. T. B.) Als Prinz Ferdinaxid qesiern auf dem Regierungsdampfer .Kroum'_von Rustschuk aus eme Fahrt auf der Donau unternabrp, schlug wahrend eines Gewitters der Bliß in den Mast des Schiffes. Der Prinz, weirbex sich gerade einige Schritte von dem Mastbaum befand, blieb unbe1chadtgt.

Washington. Im Kongreß soll eine Bill zur Erhaltung der le ten Büffel einaereicbt werden. Wie der „"Mrlw. Heroxd“ mittbei !, befindet sich noch eine kleine Heerde von Buffeln, ungefabr hundert Stück, in „No Mans Land“, Wo sie yon Hrn. C; I. Jones in Garden City, Kans, gesammelt und bisher vor Vernichtung be- wubrt wurde. Außerdem giebt es noch eini e Vuffe1 m der Nabe von Salt Lake City. wclckxen Hr. Jones glei falls seine Sorge zu- gewendet bat, um sie in einer Heerde betiammen zu b.“:ltcn. Das rst der ganze Rest dieser Thiere, die noch vor Weniger als einc'ni Menschen- alter nacb Miüionen zäblend die Jagdgründe der Rotbbauie brvöi- kerth Die Bill bezweckt, den wenigen Büffeln (oder Bikons.' wxe die wildsn nordamerikaniscben, dem Auerochs verwandjen Rinder eigentlich heißen), die noch da sind, eine sichere Oeimatk) zu geben, auf d(xß sie der Ausrottung entgehen und fich fortpflanzen können.

New-York, 24. Juni. (21. C.) Die Bevölkerung der großen nord-amerikanischn Städte wird auf Grundiage des jüngsien Census wie folgt geschäßt: New-York 1700 000, Phila- delvbia 1040000, Chicago 1000 000, Brooklyn 931070, Boston 417 720. Rscbnet man zur Bevölkerung Niw-Yorks die Einwohner- zabl der Nachbarstädte Brooklyn, Jersey City, Hoboken 2c. Mit, so zäblt New-York 2800 000 Einwohner. Chicago bebaxxvtet, daß es jetzt nach New-York die größte Stadt der Vereinigten Staatcn ist.

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Wiesbaden, 26. Juni. (W. T. B.) Se. Hohsit der Erbprinz von Sachsen-Meiningen ist heute Vormittag zum Gebrauch der Maffagekur bei dem Dr. Metzger hier ein-

getrofon. .

ashington, 26. Juni. (W. T. V.) Der Text der vom Finanz-Ausschuß empfohlenen Zolltarifvorlage, die im Senat eingebracht wurde, enthält außer den schon gemeldeten no fol ende Aenderungen: Der Zol] auf Pbantasieartikel Wird auf 5 Proz. der angekündigten Erhöhung reduzirt. Der Zoll auf Spiegelglas und Linsen sei nöthig zur Förderung der heimischen Industrie. Der Zol] auf Bausteine wird um 20 Proz. erhöht, um der Einfuhr des auSwärtigen Granits zu fteUSrn. Aluminium wird mit einem oll von 20 Proz. belegt. Der Kupferzoll wird wegen des gro en Kupferexports rczduzirt. Zucker bis Nummer 13 holländis wird auf die Freiliste, geseßt und eine Exportprämie bebu s Förderung der einheim1schen Produktion vorgesehen. In Folge des Ver- lan ens der Wollindustrieüen nach einem bedrutend erhöhten Zn empfiehlt der Ausschuß ,eine neue Klaffifizirung des Woleolles.

(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

Familien-Nachrichten.

Ver lobi), Frl. Luise Haberer mit Hrn. Ingenieur Maxtmxlian Stünkel (Magdeburg_Ncustadt). _ Frl. Hedwig Wittekop mit Hrn. ?remeieutenant Mackensen von Astfild (Hannover . _ Frl. Elise

Der arme

Kalbe a. S.). _ FrlZGertrud Menzel mit Hrn. Zimmermetsier Karl Schröter (Berlin). _ Fr. Agnes Schlincke mit Hrn. Franz Kraus (Berlin- Rummelsburg). _ Fri. Ella Schroeter mit Hrn. Jobannnes Hepp (Landsberg a. W._Prenzlau).

Verehelicbt: Hr. Georg Hoffmann mit rl. Julie Weffeiboefft (Hannover). _ Hr. RoFert StFeLaner m_tt Frl. Martha Kasper ZFrankfurt a. ._Munsterberg). _ Hr. Wil elm von Reichen mit Frl. Rudolpbine Aßling (Diepholz), (_LQZHLY' )Otto Frckdey ?iictb YF GßrtruTel Jaénerlt

er in. _ Dr. em nei " ' . Julie Ruhm (Berlin). emu m' Fr Hrn. Pastor C. Pfaff

(Vilz bei Tessin). _ Hrn. Direktor Hoernecke Bretiien-Freibezirk). _ Hrn. Ludwig Marckwald Berlin). _ Hrn. WiÜv Pitsch (Berlin). _- Eine Toch„ter: Hrn. Hauptmann Karl von Werner (Sckyoneberq b. Berlin). _ Hrn. Gymna- siallehrer Roeder (Haunsber).

Großes Doppel-

Gratis-

Gastspiel von

JmprachtvoUen glänzendenSommeraarien:Großcs Gestorben: Hr. Theodor Fkhk- V- Langermann Elite- und Monstre-Conc_ert, ausgeführt von drei Auftreten !ämmtlicher Spezialitäten. Brillante IUumination des ganzen Garten-Etabiiffe- ments. Anfang des Concerts 6 Uhr, der Vorstellung

_ ' : * . ' 71 Uhr. Wallner Theater. Freitag 21 Gastspiel von Sonnabend: Dieseibe Vorstellung.

und Erlengamp ZDambeck). _ Hr. Senator Friedrich Riscbbiet (Neustadt a. Rbge.). _ Frau

obagna Kock), geb. Schroeder (Tapiau). _ Hr. Domanenvachter Ludwig v. Schachen (Lauenau). _ Hr. Rentier Albert Schucke (Tempelhof). _ Hr. Friedrich Schneider (Berliné. _ Hr. Fabrik- befißer Friedrich Wilhelm Ke [er (Berlin). _

Mamsell Nitonche.

Mufik von M. Hervé. Anfang des Concerts 6x, wiffenschaftlicben Theater.

[13804]

Freitag: Zum 311. M.:

Nen eröffnet.

Urania, Anstalt für volksibümliche Naturkunde Am Landes-Ausstellungs-Park (Lehrter Bahnhof). Täglich Vorstellung im Näheres die Anschlag-

National-Panorama. Herwarthftr. 4, Königsplatz.

Das alte Rom

mit d. Triumphzuge Kaiser Constantinsi.I. 312 n. Chr- v- d- ng- Pka- I. Bühlmann u. Alex Wagner in M,unchen. Täglich geöffnet v. Mor- gens 9 Uhr bis zur Dunkelheit. Eintritt 1 .,“

Zr. smc]. „iur. Heinrich Conrad (Stendal). _ r Paul Richard Nöielt (Leipzig-Reudniß).

Nedacteur: ])r. H. Klee. Berlin:

Verlag der Expedition (I. V.: Heidrich).

Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags- Anstalt. Berlin ZW., Wilhelmstraße Nr. 32.

Sechs Beilagen (einschließlich Börsen-Beilage).

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

NL“: 153.

Parlamentarische Nachrichten.

Schlußbericbt der- gestrigen (26.) Sißung des Reichs- tages. Fortseßung der zweiten Berathung des (Heine?- entwurfs, betreffend die Friedens-Präsenzskak ? des deutschen Heeres.

_Nach dem Abg.'Freiherrn von Huene, dessen Rede wn: bereits gestern kurz medergegeben haben, nimmt das Wort der

Reichskanzler von Caprivi:

"Ich kann dem Hrn. Abg. Freiherrn von Huene nur dankbar dafur sein, daß er mir die Gelegenheit giebt, eine Aeußerung, die '„ch gestern gethan, „richtig zu stellen. Ick habe gesagt, ich kann mich iiber;die unerfcbwmglicben Kosten eines Projekts nicht äußern, das ich nicht kenne. Ich hätte besser gethan, zu sagen: das ich als Reichs- kanzler nicht kenne, oder das die verbündeten Regierungen nicht kennen. Als Mensch kenne ich eine Menge Projekte. Ick produzire ab und zu Felbst dergleichen:_ aber ick) babe hier nur die Pflicht, mich über die- ]emgen Projekte zu außekn, die die verbündeten Regierungen sich zu eigen gemacht haben.

Der Aiszaffung _des Hrn. Abg. Freiherrn von Huene in Betreff meiner gestrigen Erk1arung uber die Disvofitionsiirlauber, insbesondere darüber, daß es die Absicbt der verbündeten Regierungen nicht ist, diese Maßregel nur für einmal eintreten zu lassen, kann ich nur volikommen beipflichten.

Staatssekretär Freiherr von Malßahn:

Die finanzixNUen Erwägungen, die aUein zu vertreten ich hier be- rufen bin, münen einer Vbrlage wie der gegenwärtigen gegenüber zurücktreten; denn die vexbundeten Regierungen fordern die in der Vorlage vorgefebxne Berstarkung „unserer Webrkraft von Ihnen, weil sie sie für unumaangltcb nothwendig balken, nicht um die Macht und das Ansehen Deutschlands quszudebnen, sondern um uns auf dem Stand- punkt der Webrhasttgkeit zu erhalten, die uns in den Stand seßt, das, was wn errungen haben und besiY-teT , auch zu erhalten. Wer mit den verbündeten Regierungen dieser einung ist, wird die Vor- lage bewiÜigen müssen u'nd die Bewilligung wird, wie ich wobl jeßt nach dem Gang ,der Diskussion erwarten darf, mit erheblicher Ma- jorität auch bier tm Reichstage erfolgen. Nur dann würden finanzieüe Erwägungen das Recht geben, einer derartigen Vorlage die Zustim- mung zu versagen. wenn der Nachweis erbracht wäre, daß Deutsch- land nicht im Sande wäre, die bier im Interesse seiner Erba!- tung ibm zugemutbxie finanzielle Mchrlaft zu tragen, das; Deutschland zu arm ware, um sich auch für die Zukunft voll Webr- baft u erhalten. Diesen Nachweis zu erbringen, hat der Hr. Abg ickert gestern versucht. Der Versuci) ist mißlungen.

Der Herr Abgeordnete hat drei Erwägungen angeführt, welche vom finanziellen Standpunkt aus seinen Widerstand gegen die Vor- lage rechtfertigen soUten: er hat uns gesagt, Deutschland trage zur Zeit bereits auf den Kopf der Bevölkerung eine böbere Belastung als Frankreiä; und England; er hat uns ferner gesagt, England sei erheblich reicher als wir; und drittens, es habe seit den leisten 10 Jahren in Deutschland eine Zrbebliche Steigerung der ZöÜe und indirekten St_euern, stärker als m den Nachbarländern, stattgefunden. Alle dieie drei Behauptungen, se1b|t wenn sie wabr und unanfechtbar wären, würden das tbsma yroyouauäum nicbt berveisen, daß Deutschland nicht m_t Stande ist, auch diese 18 Miüionen oder etwas mehr jahrlich im Interesse seiner Wehrhaftigkeit zu tragen. Aber, meine Herren, die Behauptungen selbst sind keineswegs unanfechtbar, Der Herr Ab eordnete hat zunäcbst ausgeführt, daß wir pro Kopf böber belatei wären als Frankreich Und England. Er ist bei dieser Diskussion zurückgegangen auf Zablcn, welcbe der Hr. Abg. von Kardorff früher vorgebracht bat. Hr. von Kardorff hatte !einerscits ausgeführt, daß die Belastung pro Kopf in Frankreiib 55, in Cpgland 35, in Deutschland 19 «is betrage. Um dieses Exempel umzugestalten. hat der Hr. Abg. Rickert eine ziemlich künstliche Rechnung ansteüen müssen, indem er angebliche in- direkte Beiaftungcn der Steuerzahler in Deutschland durch Preis- steigerungen in Folge von Schußzöüen hinzugerechnet bat, um das Rxsßultats zu finden, daß tbatsäcblicb die Belastung in Deutschland eine gro ere er.

Der Herr Abgeordnete hat ferner außgefübrt, England sei reicher und wohlhabender als wir. Zugegeben! VoUständia; aber der Grund, den er angeführt bat, ist allein nicbt ausschlaggebend. Er hat nur auschübct, daß die Summe der Einkommen über 3000316 in (England sebr erbeblick) höher 1ei als in „Deutschland. Ja, ich glaube, dabei ist doch auch zu erwägen, daß die Summe der großen Einkommen in England relativ einen sebr viel größeren Prozenisaß des gesammten Einkommens auSmacbi, als in Deutschland, daß 7". Deutschland das mittlere und geringere Einkommen eirzxn sebr erheblich größeren Theil des Nationalwoblstandes glücklicherweiie noch ausmacht.

Dann, meine Herren, hat der Herr Abgeordyete uns vorgeführt, seit den leisten 10 Jahren _ es sind ja immer die 10Jabrc, die er als Germer ber chi en Finanz- und Zoüpolitik zu krittfiren pflegt _ sei die indirekte Beteuerung _durcb ZöUe, iytc er angegeben hat, von 2, 3 auf 7,3 „16 pro Kopf gestiegen. Der Herr Abgeordnete hat aber dabei übersehen, daß ein ziemlich erbeblickper Posten in Gegenrcchnung zu stellen ist, das find die Erleiäpterungen, Welche auf Grund eben dieser Finanz- und ZoÜyolitik dcn Einzelstaaien zu (Hure kommen, die zu Gunstcn der Steuerzabler und gerade der mmdeibegüterten Klaffen eingeführt wvrden sind. _ ' ,

Meine Herren! Jn Preußen _ ick)_ excmpltfizire auf das Jahr 1889/90 _ kommt in dieser Beziehung in Bßtracbt: der Erlaß der untersten beiden Stufen der Klaffensteuer zmt 16 030700 „16; die Ermäßigung der übrigen Stufen der Klaffemirucr mtt'8 011 000 .“; die Ermäßigung der drei untersten Stufen der EinkommensteUer mit 1 284 000 „xz, zusammen 25 325 700 «16 Es kommen aber noch hinzu diejenigen Ausgaben des preußiichen Staatshaqshalts, Welche früher den Kommunalverbänden oblagen „und auf die Staatskasse übernommen wurden, welcbe sogar den klrmsten Kommunalvxrbariden, den Landgemeinden, für Sebuien bis dahin, oblaoen. In dieser Be- ziehung kommt also zunächst in Betracht die 16: Hume, die habe, ich nur mit 23 Millionen angeseßt nach dem“ Exeuipel, Welches setrxer Zeit Hr. von Scholz aufgemacht bat, tbatsachltcb ist, soviel Ü) Wer , die Summe jeyt erheblich höher. Es kou'zmt in Beira t das Gese vom 6. Juli 1885 über die Lebrervensionen mit 36 000 „ja das Geseß vom 14. August 1888 wegen Erleichterung der Volksschullasten _ die Ufcbernabme der Lehrerbesoldungen auf die Staatskasse _ m_tt 20 Miüioneq Mark, und die Novelle zu diesem Gesetz vom 31.Marz 1889 mit6Milltonxn: sind zusammen 52 600 000, alles in allem rund 78 000 000 aii Meme Herren, Wenn Sie uns vorrecbnen, in welchem Grade tn den leßten 10 Jahren die Steuerzahler der unteren Klassen in Deutschland bober belastet wurden, so müffen Sie diese Gegenrecbnung machen, oder Ihre Rechnung ist nicht richtig ,

Der Herr Abgeordnete bat mich nun gefragt, und zwar 111 sehr eindringlicher Weise gefragt, Weshalb ich den s“Zerren nicht angeben wollte, auf welchem Wege die bevorstehenden _ ebrqusgaberi gedeckt werden sollten, und ich habe diesem Appellnbereits ein „Nein“ ent-

egengese t. Dieses Nein babe ich zu begrunden. Ich werde Ihnen Leute ni tsagen, ob und Welche neuen Stdeuern oder Erhöbungen bestehender Steuern demnächst von dem Reichstage etwa gefordert werden könnten, und zwar aus folgenden Gründen., Es ste_bt zunachst die Höhe des Bedürfnisses noch gar nicht fest. Die Abstriche, Welche

Berlin, Donnerstag, den 26. Juni

Ihre Kommission an dem Eiat über die Besoldungen vorgenommen bat, betragen nach der Fußnote auf der dritten Seite des Kommissions- bcnchts etwas über 7 MiUionen Mark“ wir werden also zunächst abzuwarten haben, wie der Reichs1ag sicb zu diescm Beschluss? stellt. Dann aber, meine Herren, babe ich Ihnen wiederholt das Exempel aufgemacht, daß in einigen Jabren bereits die ordentlicbxn Ausaaben

unseres Jahres-Etats rund 60 MiÜio-en höher sein werden, als fi: *

im vbrigen Jahre gewesen sind; aber, meine Herren, der Hauptposten d9zw11chen ist ein recht unsicherer, das ist die Aquabe für die Alters- und Jnvalidendcrficberung, und ich möchte gan; scharf hervorheben, daß die Bxlastung, welche in Zukunft der deutschen Reichskqffe mehr erwachien wird, und die ich Ihnen ganz klar vqrzurZOnen als Vertreter der Finanzen des Reichs in der Kommission wich fur vrrpflickptet gehalten babe, daß diese AuSgabe bauplsächlich iind am Meisten steigend auf diesem Gebiet der Arbeiterversorgung liegt und keineswegs auf dem Gebiet der Militärdikrwaitung. Also, meine Herren, wenn diese Ausgabe uns in ihren näheren Umciffen zur Zeit noxb recht wenig bekannt ist, so empfiehlt es sich, überhaupt die Exitscheidung der Frage, ob wir zur Deckung der Ausgaben neue Etnnabmequeüen eröffnen müffen, auf die Zukunft zu vertagen, es sei denn, daß wir die Ausgaben, die3 jetzt vorliegen, nicht mebr decken könnten. Das aber, meine Herren, meine ich. babe ich wiederholt und durchschlagend nachgewiesen, daß wir zur Zeit vöUig im Stande sixid, ohne Mehrbelastung der Einzelstaaten die Ausxzaben für die nachsten Jabre noch zu decken. Ick babe Ihnen gesagt, daß wir aus dem Jahre 1889/90 73 Millionen mehr an die Einzelstaaten überwiesen, ici) bqbe beien im Anschluß daran eine Wabrschein1ichkeitsrechnung fur die nächiten Jahre aufgemacht. es sind gleiche Ausführungen auch in Bezug auf die etatsmäßige Gestaltung in der Kommission vom Hrn. Direktor A1chenborn gemacht. Ich halte es nicht für meine Aufgabe. diese Exempel heute noch einmal zu wiederholen. Also, meine Herren, die Frage, ob wir mehr brauchen, ist zur Zeit noch zWeifelbaft, obwohl ich kein Hehl daraus mache, das; ich persönlich nicht glaube, daß man diese steigenden AuSgaben, die namentlick) aus der Alters- Und Invalidenversorgung der Arbeiter folgen, auf die Dguer werde bestreiten können, obne daß man entweder die jeßigen Einnahmen des Reichs reichlicher fließen macht, oder daß man neue Einnahmequellen eröffnet. Es ist aber keineswegs fichcr, wann dieser Zeiipunkt eintritt. Und nun kommt hinzu, daß Sie in der That doch kein Interesse daran haben, in diesem Augenblick dargelegt zu sehen, wt? der Staatsfekretär für das Reickys-Scbaßamt fich eventucll diese weitere Gesigliung der Reickysfinanzen denkt. Ick bin hier berufen, die Veschlü11e der Verbündeten Regierungen zu vertreten, und die der- bündeten Regierungen Werden zunächst Erwägungen zu pflegen und Beschlüsse zu fassen haben. Dann erst wird Ihre Kritik verfaffungs- mäßig im richtigen Moment eintreten.

Das ist daSselbe, meine .Herren, was ick.» in der Kommission gesa t habe. Wir werden seiner Zeit, _ ick) babe gesagt „in den näckKtcn Sessionen", int Gegensaß zu der gegenryärtigen, _ nicht in der ge enwärtigen Session, sondern in den nächsten Sesfionen, wenn es nötJig ist, mit einer Vorlage der verbündeten Regierungen zu Ihnen kommen auf Grund vorbergegangener Erwägungen zwischen den verbündeten Regierungsn. Ob diese Erwägungen zw-xckmäßiger Weixe in der von dem Hrn. Abg. Dr. Windiborst gestern skizzirten Wei ? yon Konferenzen zwischen den Finanz-Ministern stattfinden werden, das vermag ich heute nicht zu sagen. Ich babe meine Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit eines solchen Verfahrens. Verständigungen aber zwischen den berbündeten Regierungen müssen vorbergehen, ehe wir neue Einnabmen von Ihnen fordern, und Sie werden dann ausreichende Gelegenheit haben, sich mit diesen Dingen zu befassen, wenn wir solche Vorlagen Ihnen machen Werden. Aus diesen Gründen bin ich in der That zur Zeit nicht im Stande, ein- gehender, als ich es gethan babe, Ihnen zu zeigen, wo eventuell das vermehrte Einnahmebedürfniß zu decken sein wird. Völlig babe ich ja nicht geschwiegen; ich babe vor ÄUem hervorgehoben _ und das wiederhole ick) auch heute _ Wenn wir wiffen, daß unsere, von den verbündeten Regierungen und dem Reickostage als nothwendig erkannten Außgabcn in den nächsten Jahren in steigender Richtung sich bewegen Werden, so dürfen wir finanziell erheblich? Einnahmen, die wir zur Zeii haben, nicht aufgeben.; Von diesem Gesichtspunkt aus Habe ich gegen die Anträge ge]prochen, welcbe auf die Aufhebung der Kornzöile gerichtet sind. Ich habe srrner mich gewendet gegen einen Vorscbkag, weicher von Seiten von Herren Abgwrdneten der deutscbfreisinnigen Partei gemacht worden isi, daß eventueil die nötbi- gen Yiehreinnabmen durch eine Reichs-Cinkommensteuer geschafft werden foUten. Ick habe dem gegenüber ausgeführt und ick) wieder- bole das auck) beute, daß nach Artikel 70 u_nserer Verfaffung eine Reichs-Einkommensteuer zwar nicht ausgeschlos1en ist, daß aber doch zunächst dem Reiche ganz bestimmte Einnabmegebiete überwiesen, andere Gebiete den Einzelstaaten reservirt find, und daß man zunächst ab- zuwarten hat, ob nicht aus diesen Einnahmen ohne ein Hinübergeben über den im Artikel 70 zunächst skizzirten Zustand ein edcntueUes Mebrbedürfniß an Einnahmetx gedeckt werden katzn. Nun, meine Herren, es ist immer von der Zuckerjteuer die Rede gewejcn. Ick) will Ihnen ganz ebrlich sagen, daß, wenn ich von Einnahmen gesprochen habe, welcbe dem Reiche in den nächsten Sessionen geschafft werden könnten, ich dabei zunächst an die Zuckcrstcuer gedacht habe. Aber, meine Herren, Sie wi1sen ja Alle, wie die Sache bier liegt. Die Reichsregierung hat dadurch, daß fie an den Vcrbandlungen, die der Londoner Konvention voran- gegangen und nachgefolgt sind, theisgenommen hat, dadurch, daß sie der Konvention selber vorläufig beigetreten ist, klar auSgesyrochen, daß sie die Abschaffung der Zuckkrvrämie für ein an und für sicb wünschenswerkhes Ziel hält. Die Frist für die Ratifikation diescr Kondrntion ist zur Zeit noch nicht abgelaufen, ich glaube, es würde sowohl den übrigen Theilnebmern an der Kondention, als der Von diesen Maßregeln eventueli betroffenen Industrie gegenüber unfair gehandelt sein, wenn wir vor Ablauf dieses Termins irgend etwas auf diesem Gebiet änderten.

Je nach der Entscheidung, die der 1. August uns bringt, wird, selbst wenn man aus dem Zucker mehr Einnahmen schaffen wollte,

wahrscheinlich die Gestaltung des Gesetzes eine wesentlich verschie- .

dene sein.

Nun, meine Herter, der Hr. Abg. Rickert bat, wie bereits früher, so auch gestern wieder, die von dem Reiche, in Verbindung mit dem preußischen Staat, in den leßten Jahren verfolgte Finanzpolitik als eine nicht nur fehlerhafte, sondern auch in ihren Resultaten ersol lose zu schildern versucht. Dem gegenüber gestalte ich mir dogb, J nen ganz kurz einige Zahlen ins Gedächtniß zurückzurureri. Ich nehme das Jahr 1878/79, das levte vor dem Eintritt der Wirkung unserer neuen Finanzpolitik. In jenem Jabre zahlten die Einzelstaaten an Matrikularbeiträgen dem Reiche netto 70 MiUionen. Dem gegenüber haben im Jabre 1889/90 die Einzelstaaten vom Reiche 355 Miüionen Mark bekommen. Sie haben _ das geht davon ab _ an wirklichen Matrikularbeitragen 217 MiÜionen gezahlt. Es bleiben also immer noch 137 bts138 Millionen übrig, welche nach voller Deckung der inzwischen erbebltch erhöhten AuSgaben des ordentlichen Etats den Einzelstaaten vqm Reiche zufloffen, während sie im Jahre 1878/79 siebzig Mil- lionen an das Reich bezablen mußten. Und gleichzeitig bat die Sache in Preußen. sich so gestaltet. daß die Vcrsiaat- lichung der preußischen Eisenbahnen es bewirkt hat, daß aus dem

Erträgniß dieser verstaatlicbten Bahnen nicht nur die gesammte-

preußische Staatsschuld verzinst und planmäßig amortisirt wird,

Wahlerfolge und die Unterstiißun

1890.

sondert) daßxaußerdsm eins Tebr ?r:'*ebliche Zahl von MiUionen dcm preußnckicki Staatsbausbali aus diesem Erträgniß drr Eisenbahnen zur VerfUJUUJ steht. Meine Herren, derartige Resulmte eincr 10jäbrigen Ftkanzvoitxik als „Fiaskb“ zu bezeichnen _ wir haben den Ausdruck Wiederholt gebörx _, kann ieinc Rechtfcrtiqung nur ctma in dem Willen deffcn finden, der einen solchen Auédruck braucht. Die Logik der Thatsachen reÖifertigt ibn nicbt.

Abg. Bebel: Es, war mir intersffant, daß der Schas- sekretär, pacbdem er in der Militärkommiision die Getreide- zölle gemiffermaßen als einen eisernen Einnahmeposten be- zeichnet bczt, nicht daran dsnkt, die Zuch9rprämien, die einer kleinsn Mmoriiäi reicher Leute alijäbrlich Millionen in die Tasche schieben, zu beseitigen, ebenso wenig wie die Steurrdifferenzprämien aus der Vranntweinsieiter an die Großbreimer, daß er aber wohl an neue Steueriidenkt, die in der Hauptsache immer wieder auf die “niederen Klassen faÜen. Diese Zugßständniffe möchte ich feitnageln. Den militäris en Ausfiihrungen des Abg. von Huene will ich als Laie ni t folgen. Ssiiie Rede hat aber doch auf mich den Eindruck grmacht, als ob weit mehr seine Stellung als Freiherr und Major, wie als Ab- geordneter zum Nußdruck gekommen ist. Er hat msbr gegen als für die_Res01utionen seiner Partei gefprochsn. Er sagte, daß die Einführung der zweijährigen Dienstzeit 61116 ganz besondere Uiigleichbeit in den verschiedenen militärischen Kate- gorien herbeifiibren wiirde. Herr von Huene muß als Militär xviffen, daß diese Ungleichheit trotz der dreijährigen Disnsi eit 1chon 1th in hohem Maße vorhanden ist. ck erinnrre nur an das Institut der Ersaßreserve und dsr Einjährig : Freiwilligen. 11 Folge des Systems derPiSposiiionSurlax-ber besteht chon jetzt die :wei- jährige Dienstzeit bei einem sehr erheblichen Theile der Fuß: truppen. Es brauchts im Wesentlichen nur geseßlich festgelegt zu werden, was jeßt schon besteht. Interessanter waren mir die Ausfiihrungen dss Abg. Windthorst, der in seiner Partei- steliung kaum wieder zu erkennen war. Er hat Ursprochsn wie eiii Mann, dsr zur Kartellpartsi gehört, der mit allen Mitteln der Angstmacherei dem Volks vor Augrn stellen will, daß, wenn wir diese Forderung nicht bewilligsn, das deutsche Vaterland der Gefahr aUSgeseßt sei, dem ersisn feindlichen Ansturm zu erliegen. Es lag in seinsn Worten, daß, wer dieser Vorlage? nicht zustimms, sich einer Art des VaterlandSverraths schuldig machs. Das war der- selbe Ton wie 1887. Das kommt davon, wenn man, wie er und seine Partei, auf dem besten Wege ist, RegierungSpartei 88.118 [)]]rQZS zu werden. Im Wahlkampf ist das Centrum enau wie die Linke für eine Verminderung der militärischen Tasten eingetretsn. Diesem Auftreten hat es messiitlich seine zu danken, dir es bei den Stichwahien von der Linken erba ten hat. Heute, wo es die ausschlaggebende Partei in diesem Hause ist, hat es sein Vsr- sprechen vollständig vergessen, milder kann ich mich nicht aus: drücken. Sie werden mir doch zugeben, daß, selbst wsnn Disse Vorlage in allen ihrenTbeilen abgelehnt wird, doch gar nicht damn zu denken ist, daß Déutschland wehrlos, der Bestand des deutschen Vaterlandes in Frage gesteUt sei. Angesichts der ungsheuren BewiUiaungen dsr lsßtsn Jahre wäre das eine starke Behaup- tung. Aba. Windthorst hat sich denn auch in dem Gsfühl, daß seine Begründung einen erh-blichenTheil der Wähler des Csutrums nicht befriedigen werde, um einigs Vsruhigung iiber die Zustimmung zu schaffen, für eine aUgemeine mili- tärische Abrüstung aus esprochen. So sehr ich mm mich selbst mit diesem Gegen?tande befaßt habe, so bin ick) doch bis heute noch nicht dahin gekommen, alleS'kkSilslEU, daß dieser Gedanke ausführbar ist. Ein solcher Antrag hat einmaL nach Maßgabe der Stimmung der maßgebenden Krsise keins Aus- sicht auf Annahme, und vor Ailem hat ein etwaiger Beschluß keine Garantie der Ausführung. Jm Ernstfalls wird man eben an die Strlls der offenen die gehsimen Rüiiungén seßen. Die gegenwärtige Situation ist eine Wirkung drr Ersigniffe von 1870-71. Mit der Annexion von E1saß=L0tbringen mußte es jedem polik'iscb Gebildeten zweifellos féin, daß Frankreichs und Rnßlandanteressen solidarisch seien und dazu fiihren müßten, sich gegen Deutichland zu ftelien. Als 1870 Liebknecht und ich und 1871 ich allein etwas Aehnliches ausspracbsn, wurden wir ausgelacht. Heute kann ich mit Genugthuung konsiati'ren, daß diese Voraussage sick) verwirklicht hat. Keiti Lixiziger Mensch in Deutschland mit gesundenSinnen wirddte Richtig- keit dieser Auffaffung bestreiten. Ich gebe deni Meierenien zu, daß Deutschland keine Eroberungsn machen W111, daß in den höchsten Kreisxn oder sonst die Absicht nicht besteht, Deutsch- land in einen Krieg irgend welcher Art zu stiirzen. Das hängt aber nicht von unserem WiUen ab. Jil wertsn Kreisen Frankreichs besteht nach wie vor dcr Gedanke, man mag das ja verurtbeilen oder auch bedauern, die Thatsache steht aber fest, Elsaß-Lothringen wieder zu erobern. Dieser Umstand aber war es in erster Linie, der Rußiand bewogen hat, sich Frankreich zu niihsrn. Rußland hat von je her darnach gestrebt, sich in die Verhältnisse Deutschlands zu mischen und eine Zersplitterung aufrecht zu erhalten. Diese Art, im Triiben zu fischen und Deutichland zu schwächsn, wurde durch das Jahr 1870 zerstört. Es hat nach wie vor die Absicht bestanden, die Herrsthakt nicht nur über das Schwarze und Mittslländische Meer, ondern auch über die ganze Ostsee zu bekommsn. Der Verfasser der Broschüre „Uiäsauc 00n8u165“ der unzweifel aft den höchsten militärischen Kreisen angehört und die politis en Beziehungen Deutjchlands genau kennt, hat direkt erklärt: Rußland ist ein Feind, ge en den wir unsere gan 8 Macht zu richten haben. 5 it Re t qt demgegenüber der eichskanzler darauf ?ingewiesxn, da, wir nicht daran denken können, die rufst chen _Ojtsxeprovmchn zurückzuerobern. Mit Rußland und Frankreich konnen wir allein unmöglich fertig werden, wenn wir aux!) den leßten Mann und letzten Groschen aufhören. Der Dreibund Deut ch- land, Oesterreich und Italien ist zu Stande gekommen „in er Erkenntniß der Solidarität der Interessen. _ Kommen mir aber mit unseren BundeSgenoffen gegen Fraykretch und ._Nußlatzd m Krie , so würden die Türkei und Rumiichn mchtniußig bleiben. Rußßand müßte fich auf einen Defenswkrieg beschranken, Frank- reich müßte seine Grenzen nacb Savoyen und Belgien ecken,

und Englands Neutralität würde sicherlich nicht Frankreich

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