Rocholl's: „Kaiser Wilhelm's_ Ritt um Sedan am Tage nach der Schlacht“. Schon oft ist die Klage laut geworden, daß die großen Ereignisse der ruhrtrretchen _leßten KrieJSjahre so wenige Künstler zu Werken begeisterter, n) denerx derartigx Themata behandelt werden. Um so erfreulicher ist es, daß Rockzoli, wie schon früher, auch_ jest wieder uns einen Augen- blick aus dem glorreichsten Abichm'tt des _deutsckz-franzöfifchen Krieges im Bild:- vergegenwärtigt. _Man_ sieht König Wilhelm hoch zu Roß, jubelnd umdrängen die Krieger den allverehrten Halden, der sie zum Siege griührt. _Das Bild wirkt etqu unruhig durch die allzubewegte Komposition, auch gegen die Farbe ließ? sich mancherlei einwenden, was genauer darzulegen Sache einer eingehenden Besprechung wäre. V. Plockhorst ist in dirsem Saal vertreten durch ein _Bild „Vsrlorenxs Glück“ Und ein Porträt _ dxr Hochieligen Kaiserin Augusta; die edle Fürstin iii in _Trauerkleidung _dar- gestriit, die fsinen Züge verrathrn die Einwirkung eines tiefen Schmsrze§. Ihr gegeniiber sieht man das in Leben?:-
ößs ausgeführte Bildnis; ihrxs edlen Sohnes, des Hdch- eligsn Kaiser?» und König?- Friedrich 111._, im AÜerhdchiten Auftrach für dir (Hallcris dss Königlichen Schioffes zu Berlin gémalt von T5. Ziegler. H. Gude's „Brandung an der norwegischen Küste“, C. Salßmanp'SMarinMÜÉT „Sr. M. Yacht „Hohenzdklern“ atn_SU_pheUbrcj dei Mundal__1m Sognefjord (Norwegem)“, M. WiSllcanS' „Die Munk“ machen den weiteren Schmuck des _Ehrensaals aus und [qffsn den Vrsucder weiters tüchtige Lersmngen in den iibrigen Sälen vsrmuthsn.
Eine an.),enelmie Veriinderung erwartét Denjenigen, welcher das GLÖÜUÖS seit dEr AiiZsteÜung vor _zwsi Jahren nicht be- treten hat. Aus dén drei in fortlaufsndrr Flucht nach dem Marinsfaal zu [irgenden Sälen ist ein einziger großer Naum geschaffen, der einsn JÜUstigSU dskdratiden Abtch1uß erhält durch einen freuudlichen Galerisdau, der 1eine Entstehuxig der jüngst hier abgehaltenen ©artenbau-Auést99ung verdankt._ Er trägt dazu bei, drn Etwas eintönigem Charakter dexs neugeichaf: fenen gWßS-"i Saales anmuthiger zu gestalten und macht seinen Urhebsrn (1118 Ehrr. von Uechtriß liefert? zwsi reizendeLampen- trägexrinnen, weich? 0le von zweiSäUlrn gstragenénDurchgang flankirsn und sich den zierlichen Arrangements vortrefflich cm- paffén. Eine désondérs 181111chL Stimmung schsint da§_ hier aux- und adwcmdelndc: VUdlikum zu beherrschsn, und dir Unite Musik, Wéich€ untsr dem von Zierpßanzen Uinstandxnén Zelt deS AUfbÜUS €rscha[lt, vsrmehrt die sonnige Hsiterkeit, wslche gerad? iiber diesemSaal und seinen Besuchern ruht. VoreitileNSn Vildérn, um SkUiPtUL'M, welche, mit feiném Geschmack arrangirt, in dem mitilsrsn Thsil des Saalss eine Ausstellung fiir sich machen, 11110611 sich kleine Grupprn, die im [sdhasten MeinUnchausiausck) iyr Urtheil adgedsn und das Anderér hören. Rani MSUizrheim aiiein versammelt um stine KoUektidii cim), klsineGemSinde von Vsrehrsrii und Freunden, und der Hiimor, dsr aus seinem DSkdUtiomsstiick „Visi Glück“ ÜSTVOki€ilchTLÉ, findet einen Widerhaü in dLn Worten dsr Beschausr. Sein „Friidstiick“ zsigt uns wieder zwei Vsrtreter der 1U€111chLiiäh1211ch811 Viérfiißlsr, von denen einer sorben ein Glas zerdrocdrn hat, WS den aridern zu _einem AuHruf [€d- hafter Entriistnng veranlaßt; die „eif9rsiichtige Löwin“, die „Hunde“ u. a. m. zeigrn uns wirder ÖM ansrkamiten Thiermaler; aber auch der Pdrtréitist Meyérlxiin ist mit einem Bild? der gsfeierten MarceÜa Semdrick) VthkétSU. Max Kdner lieferte zwsi Porträtc; Sr. Majestät des Kaissrs, die talenwdile Ungarin Vilmq Parlaghy zeigt uns drn Adg. Windthdrft im Bilde, wwie das Porträt ihrer Mattsr, eiiisr Dame von distinguirtem AUSsLth. N. Warthm 111191“, der sick) durch sein„Liebesmathiel Freunde Erward, di€t€t disSmal 6111 vrrwaiidtes Stiick „BaÜpause“; auch disr ist LZ ein flottsr Kavaliériedffizier, dir (118 gewandter Erzéiiiirr dis AUfLUSkksÜkait der Geieilschaft zu 19110111 weiß. Jm Tixma ist also diesch near Wérk nur eine Wiéder- holuiig dss friidéren, im Kolorit und in drr Zsich- 1111119 stxht es idm miri), sine? strenge Kritik diirfte mancherlri NUEFUsSHSU heiden. F. Britti, deffén „Frei- geiwockwm“, „Vrdzsßdaiiér“ u. a. m. 110c1) iti guter Erinne- rung friidsrér Außswiiungsdesucher stsht, hat diéchal Sine humoristisch gehaltrxw Studis „In der GemäldeGalerie“ ge- licfsrx, dis wolzl niihor-Zr Betrachtung wsrih ist. 91“. Eschké der Jüngrre zeigt mit séinem „Sturm im Golfstrom“ und zwei a11d€r€1i Bildern, daß er ssinem Vater Hermann, welcher drei Stiicke ÜUEstLÜt, mit Erfolg nachsiredt. Mai) Lieber- mann hält sick) in seiner„HoUiindiichen Dorfstraße“ glücklichsr Weiie LtwaS fern 0811191110!) sonst so adsckzreckenden Fardsngßdung, das fragliche Bild will JLUÜU auf seine Feinheitßn hin untsrsucht WLTÖSU. Ö. Herrmann zeigt wieder daS gSWOHUTS Geschick in drr WiEdsrgabs drr dunstigen Temperatur von Uferpartien. Zan VETLMZ': ,.]?610111* (10 15 ])60118 511); SkSUStkEZ“ ist als tiichtigés Wßrk bekannt; als solches können aiich die Crévetten: 7116561: 13071 H. Bais ck gsiiéti. Ein gewagte?- Farbenexpérinient stxlit A._Hirschl in seiner heiligen „Cc'icilie“ an; man muß dr?ie au7g€ldsteri ätixrischén Töne Erst sorgfältiger auf ihre Berechtigumg und Mdglichksit priifen, €1)€* man Lin adschli€ß€n= BLS Urthril iiber die?, Work fäÜen kann. Eugen Bracht's „Matterhorn“ ist bereits von Sr. Majéstät drm Kaiser ().UMkaUU worden; gleichwerthig sind wohl der „Adrnd 11ach__ dem Sturm“ und „Vor dem Regeii“. Das _1nwr9]1wnistiich gemalte Bild Gari Mélchsrs' „detisn“ wird dis Freunde diéser Richtung gewiß intsrsssirrn. 2301118. Viizrmaiin sah man schon vor zwei Jahren ein Ktiieiiack iniérFriSdrich'cZ; währénd e?» détisélden am Schwib- t1sch in §101111810U11J darstcilt, zeigt das 116119 uns ihn in ggnzsr_“ch_igur __uxid m Unifdrm. R. Friese ist wieder mit erxwm 1811161?Ulck)11g€ii_Thiek11ÜckS VSTU'LWU; dieSmal siiid es Hirsthé, v0n_d€n€n _Smer dsreiis im Stsrdsn liegt, wiihrend der andsrr die deutlichen Spuren des erbitterten Kampfes an seinem dlutdesudrlton Fei] aufweist. (Hraf Ferdinand Harrach zergiimrdsr _die eigenthiimliche Tschni , welche bei früheren Portrais erwähnt und von Manchen getadelt, von Vielrn gelobt wurde. Nock) sei C. Ludwig's H0chixebirgs= „Einöde“ erwähmt, danri ader__drängt die knapp demrffeneZeit Vim Verlaffexi dieses _mtEreUgnten Saales und führt die
esucher in die Nebénräume, in denen nicht mindrr tüchtige Leistungen nur zu 0 t ihren Schritt hemmen und sie zu kurzer Betrachtung veranla en; nur kurz konnte dieselbs sein, denn nur drei Stunden war es am Sonnabend dem geladenen Publikum vergönnt, einen Einblick in den Reichthum der Ausstellung zu thun.
Genannt sei Carl Röchling, dsr uns Episoden aus dem deutsch-franzdsischen Krie ? und dem Raubzuge der Fran- zosetz unter Louis )(17. vor iihrt, währemd uns der humo- risti1che„Stiefelappell im Man_över“ zeigt, daß der Maler selbst oft genug solchen prosai1chen Vorgängen im Friedens-
leben des Soldaten beigewohnt hat, um mit scharfer Be- obacl_x_tung§gabe das Ergösliche der Scene im Bilde wieder- zuge en.
Schnars-Alquist hat für sein Seestiick „Hiilfe in Sicht“ emen hochwillkommenen Käufer gefunden, den be: geistertenIJreund der Marine, unsern. Kaiser. Eine „Iudiih“ läßt von eitem schon Nathanael Sichel als ihren Maler erkennen und auch seine „Lydia“ und die „Vajadere“ ver- rathen dem Kenner bald das Atelier, in dem sie entstanden sind. Betrachtet man J. Wenglein'? „BaZerisches Hochmoor“ genauer, dann wird man _ ihm vo e An- erkennung zollen fiir die gediegene Arbeit. Zweifelhafter erscheint 3. Wenzel's „Seemanns:Begräbniß“, das einen schauerlichen Eindruck machen soll und auch erzielt, dadurch aber auch manchem Beschauer die Freude an dem Bilde verdirbt. Wer aber einen wirklicher: Schauder empfinden will, der trete vor Schikaneder's „Mord im_Hauie.“ Wer erinnert sich nicht noch mit Schrecken an Kamps's ,Leßte Aus- sage“, die gleichfalls den Abschluß einer jener Hinterhaus- Romane verherrlichte? Es gab nur ein_e Stimme über eine solche Geschmacksverirrung und eine ebemo abfä111ge wird der „Mord im Hause“ hervorrufén. Auf dem Pflaster eines schmußigen Hofes liegt in verrenkter SteÜung das Opfer eines Mordes, eine leicht bskleidete weibliche Person, deren Kopf die tödtliche blutige Wunde zeigt. Mit den Gederden des Schréckens stehen die Nachbarn vdr dem grauen- voilen Anblick. Verleßt in seinen„ästk)sti1chen Empfindungen wendet sich drr Beschauer ab und der LluIruf „Schsußliäyi“, der am Sdnnabsnd vielfach vernehmbar wurde, wird zahllose Wiederholung erfahren. Abér einmal so beleidigt, wende sich der Zuschausr nur gl€ich zu dem nicht minder widerwärtigen Bilde: „Treue Kameraden“, Bergleute, welche einen Verunglücktrn auffinden und transportiren. Das von Todesiiualen vsrzerrte Antliß mit den gebrochen-xxi Augen Erregt Widerwiüen bei jedém wirklich künstleri1ch e_mpfindeyden Beschauer und er fragt sich: warum läßt man 101che V1_lder zur Ausstellung zu? Nun, auch sie? haben ihr Gutes, sie zeigen die Abwege der Kunst und erhöhsn nur die Freude an dem wirklich Schönen, an dem ja glücklicher Weis; diese Aussteaung so reichist. ProfessorCarl Becker's Wandbild: „Aus der Zeit der Medicäer“ mit ssiném satten Farbenkoidrit zeigt, daß der.alte Meister, wenn er auch keine neuen nge mehr ein- schlägt, doch auf dem biHlxrigen immer ndch recht Erfreulich€s leistet. W. Bröker stellt wieder seins kleinen Wald: und Gartexilandsckzaften aus, aber bsi ihm ist der gute Rath an- gédracht, min doch endlich 6171171111 etwaH Anderes zu malen, als immer und ewig die bekannten Motive, welche zu Schablonen herabgesunkeii sind; die beiden kleinen handgroßen Bildchcn, im Vexein Beriiner Künstler ausZestLÜt, sind doch thgtsächiich nur noch als Spielerei zu betrachten. Wie gexährlich es ist, immer dasselbe Thema zu variiren, hat L. Douzette längst erkannt, den die großr Ménge nur al?- Mondschsin-Laudschaftsmalsr kennt und bewundern wil], währsnd er durch seine prächtigen Waldlandschaften längst bewiesen hat, daß ssine „Speziaiität“ nicht nur der durch Wolksn schimmernde Mondenglanz ist, sondern daß er auch auf andern Gebieten heimisch ist. W. Geißler thäte gut daran, auf die Außfiihrung seinsr Bilder größere Miihs zu verwe:1de_n, was auch fiir Fischer-Cdrlin in Bezug an seine „Japcxniichsn Gauklerinnen“ gesagt sein mag. Ein hübsches Effektstiick biet€t Theod. Hagen in seinsr „Lahnlandschaft“, worin er das durch Wolken nur strichweise heradfallends Sonnenlicht prächtig darstelit. Sophie Koner zeigt sich als eine ihrem Manne ebenbürti ? Pdrträtmalsrin, doch diirfte hier mit dem Rahmen zu dem kZßdrtriit ihres Kindes ein garzu NWßLr Luxus getrieben séin, ganz adgesshen dayon, daß séine Schwerfäliigkeit das Bild vöÜig_erdriickt. ?ldols von Meckél zéigt sich die?:mal mit einem Westlichen „Fi1chfang am Mareotis- See.“ 21. Schladiß diirfte als G€nremaler doch größere Triumphe feiern, als mit Porträts, wie das im Verein Bérliner Künstler gegenwärtig angUteÜte Kaiserbildniß zeigt, an dem sowohl im Kolorit wie auch in der Haltung der Figur r€cht begriindéte Ausstrilungen zu machen wären. L. Munthe's „Winterstimmung“, Olde's „Vor Sonnenaufgang“, H. Schnee's Landschaften, dedrg's 1_echs Bilder sowie die vier Dahl'S sind Arbeiten, die der Bejprechung wertl) sind. Abér auf sie, wie auf die Mehrzahl der andsren einzugehen, ist nicht Aufgabe dieses Berichts, der tmr andeutet.
Ein Gang durch die Kojen, in denen die AquarEÜen und Zeichnungen Platz gefimdsn, ist lohnend, die Namen unserer tüchtigstenAquareliistcn und Gouachsmaler stehsn auch dieSmal wieder im Katalog und manch werthvdlles Blatt läßt_iider vieles Durchschnittmiifzige und Unzureichende gern hinwegyehen. In der Koilektion der KUpserstickx, Radirungen und Holz- schnitte sei besonders deping's „Wabd der Offiziere der Schiißengilde vom hl. Georg (1627)“, Radirung nach Franz Hach besonders hervorgehoben; Köpping diirfte unter unsern Radirern mit die erste Stelle eitiehmen. B. Mannfsld dirket sein nach dem Bilde von Prof. C. Gräb im Auftrage der National-Galerie aus- geführtes Blatt: „Interieur vom Dom u Halberstadt“, Die Sonderaussteüung Mannfeld'scher Wer 6. welche bekanntlich vor einiger int in der NationabGaléris stattfand, hat dazu beigetragen, drm verdisntsn Künstler neue Freunde? zu er- wrrben. M. Klinger zeigt sich in der Radirung „Todten- insel“ nach Böcklin als den talenwdilen Radirer, welcher den Mißgriff mit dem Gemälde „das Urtheil dss Paris“ vergessen läßt; Eilers, Kohnert, Lamotte seien wenigstens er- wähnt; H. Meyer ist dieSMal nicht vdrtreten. _
An der Aussteliung von Architekturen betheiligte 1ich 11.21. I. OHM, dessen Kirchenbauten eingehendes Studium erfor- dern, darunter ist der Entwurf zur Gedächtnißkirche fiir die Kaiserin Augusta, die Lutherkirche fiir den Dennewißplaß in Berlin u. a. m.
Der Skulpturensaal oder, wie er seit der UnFaUverYiitungs- Ausstellung auch genannt wird, der Marin€1aal it wieder seiner alten Bestimmung, Bildwerke aufzunehmen, zurück- gegeben. Sehr zu [oben ist die Art, wie man ein gedämpftes wohlthuendeß Licht zu erzielen gesu that, indem man ein mächtiges durchsichtiges VelariUm ii er den ganzen Raum spannte, das einen warmen Ton über Marmor und Gips breitet und die fiir die Betrachtung so störende grelle Be- leuchtung verhindert. Die große Nische, welche im vorigen Jahr das Bild Kaiser Wilhelm's 11. als Admiral barg, dient )eßt einer Kolossalbüste Kaiser Wilhelm's ]. zum Hintergrunde. Jmpdmnt sind die großen Statuen brandenburgischer Regenten, so die Bildfäule des Großen Kurfürsten, modellirt von E. 2ürßen,_ fiir eine Nische des Könißlichen PolizekDienst- gebaudes_besi1mmt, ferner ein Gußmode vom Reformations- denkmal in Spandau, Joachim 11. darstellend. Das Modell
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des Hutten-Sickingen-Denkmals _auf der Ebernburg der Ge- brüder Robert, Hugo und Ludwig Cauer hat ?ier gleichfalls eine würdige Stelle gefunden, _ ebenxo J. Boe e's Krieger- denle für den GarnisonktrchYi hinter der Haienhaide, Eberlein mit „fünf Werken, . Donndorf mit einer Marmorbüste des Prof. Joseph Joachim, Calandrßlli mit Reliefporträtß der beiden ersten deutschen Kaiser, Y. Schaper mit zwei Büsten geben der Skulpturen- ussteUung einen besonderen Glanz; ihnen Wilken s1ch_ Namen an wie Paul Otto, Kopf, Hundrieser, Mo er, Hilgers, Kaffsack, Unger, und nicht vergessen seien Zadow, Jelderhofs, Uphues und der schon einmal erwähnte von echtriß. Fleißige Arbeiten wie L. Manzel's ,Friede durch Waffen geschüßt“, L.'“V'runow's Sockelfigucen iir das Denkmal dSÖ Großherzogs riedrich Franz 11. von Mecklen- burg-Schwerin, Herter's orträtstatuette Heinrich Heine's, Jffland's tüchtixie kleine Schöpfungen seien wenigstens in dieser vorläufigen Uebersicht erwähnt. _
Die Besucher der AussieUung haben auch Gelegenheit, die Entwürfe des Kaiser Wilhelm-Denkmals für den Kyffhäuser zu betrachten. Naturgemäß sucht das Auge den ersten preis- gekrönten Entwurf von Bruno Schmiß und thatsächlich wird jeder zu der Axificht kommen, daß dieser Künstler die Aufgabe am glücklichsten gelöst hat. Imposant und wucht' im Aufbau und Fundament, paßt der ganze Entwur trefflich auf den zur Aufstellung in Aussicht genommenen Maß. A_ber_ auch die mit zweitem Preise bedachten Entwürfe wune viele der leer aUSgegangenen Modelle bekunden, daß eine große Zahl von Bildhauern nur einer geeigneten Aufgabe harrt, um Proben ihres Talents ablegen zu können.
Doch schon__ leeren sich 1116 Säle, die zur Vorbesichtigung gewährte Zeit Ut adgelaufen, und mit dem Bewußtsein, daß diese AuHsteUung sich derjenigen vergangener Jahr? nicht zu schämen hat, verläßt der Berichterstatter das freundliche Musenheim.
Centralblait für das Deutsche Reich. Herausgegeben im Reich§amt des Innern. Nr. 26. _ Inhalt: Finanz- wésen: Nachtmg zur Nachweisung Über Einnahmen des Reichs Vom1.April bis Ende Mai1890. _ ZoÜ- und Steuerwesen: Abänderung der Bestimmungen, betreffend die Veröffentlichimg Perio- disÖer Mittheilungen über den jrrveiligen Skand der Branntwein- pxodukiion und Vsrstouerung; _ Bestimmung des zuläisigen Fuselöl- géhalts im Vranniweixi, für rpsicben Steuervergütung bezw. Abgaben- freiheit beansprucht wird. _ Konsulatwesen: Ernennung; _ Ermäch- tigung zur Vornawme von CivilstandSakten; _ Exequaiur-Ertbei-
lungen. _ Post- und Telegraphrnwesen: Abänderungen der Postord- ,
nung vom 8. März 1879. _ Militärwesen: Verzeichniß der_Civil- vvrsiisrnden der im Deutsehsn Reich besikhenden Ersaßkommijfionen. _ Polizeiwesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet. Archiv für Post und Telegrapbie. Beiheft zum „Amts- blatt des Reichs-Postamts'. Herausgegeben im AuftraF des Reichs- Postamts. Nr. 12. _ Inhalt: 1. Aktenstücke und ufsäße: Die Verwendung des Brdniedrabjes JU _Tslegravben-_ und Fernsprech- leitungen. _ Der Postengang in dcr freien Reich§itadi Köln am die MiLiZ des 17. Jahrhunderts. _ Tas rusfisÖL Post- und Telegrapben- wesen im Jahre 1887. _ Die Insel Formosa_ imd ihre Vsirobner (SÖii-lß). _ 11. Kieinr Mittheilungrn: Festlichkeit in London aus Anlaß drs füufzigjäbrigen GedcnktageZ der DurÖfübrung der Penny- porioresorm, _ Neue QUellenbeiträae znr Geschichte der Eesckyoßpost. _ Lösung einer Aafgabe aus dcr Lehre von der Batterirschaltung. _ Ferniprrcbvcrdindung Wien_BadaPest. _ Fernsprecbderbindung Buenos-Aires_Montevidro. _ _Die Probedelastung der Fortbbrücke. _ 111, Literatur des Verkehrswesens: Der Betrieb und die Schal- tungrn der elektrischen Telegrapben. Unter Mitwirkung von mehreren Fachmännern beardeitet Von Prof, T):“. Karl Eduard ZeHscbc, Kaisers. Telegraphen-Jngemeur a. D. _ 117. ZeiischristeR-Ueber1chau. Eisenbadn-Ver_ordnungs-Blatt. HerauSgegeisn im Königlichen Miniiterium der öffentlichen Arbeiten. Nr, 15. _ Inhalt: Erlasse des_ Ministers der öffentlichcn Arbeiten: vom ]_0. Juni 1890, de_tr. Dismivorsckxrist für die Einrichtung der Druckmchenderwalfung wwie Bes BuÖ- und ReÖnungÖmesens der- selben; _ vom 16. Juni 1890, betr. Uebertritt don Militärpérsonen in den Lokomotivführerdixnst; _ vom 18. Juni 1890, betr. Stempel- pflichtigkeit_der Bedingungen für einmonatlicbe Frachtstundung und der FrachiiiiindUngs-Anerkenniniffc. _ Nachrichten. -- Gesammt= verzeichniß derjenigén böbrren Lehranstalten, weiche gemäß §. 90 der We_hrordnung zur Aussteilung vyn Zcugniffen über die wifferifchaftliche Bcsäbigimg für den einjahrig-freiwilligen Militärdienst berechtigt find.
Entscheidungen des Reichsgerichts.
In Bezug auf §. 21 der KonkurSordnung: .Wenn in Folgr der Eröffnung des KonkurSverfaHrens die Nickyteriüklung einst Verbind- lichkeit oder die Aufhedung eines Rechtßverbältniffes drs Gemein- schaldners eintritt, so 111 der andere Theil nicht berechtigt, die Riick- gabe seiner in das Eigenthizxn des Gemeinschuldners übergegangenen Leistung aus der Konkurömame zu Verlangen. Er kann eine Forderung wegen der Nichterfüllung oder der Aufhebung nur als Konkurs- gläubizer geltend machen, sorreit ihm nicht ein Anspruci) auf ge- sonderte Befriedigung zusteht“, hat das Reichsgericht, ]. Civilsenat, durcb Urtbeil ro_m 5. Februar 1890 den Saß angesprocben: Die Nichterfülluvg einer Verbindlichkeit des Gemeinschuldiwrs in Folge der Eröffnung des Konkurßverfahrens steht der konkurömäßigen Geltendmaäoung des als Konventionalstrafe verein- barten Erfüllungsinteresses nicht entgegen.
Die Bestimmung des §. 20 Abs. 2 des Preußischen Geießes vom 8. Mai 1837 über das Mobiliar-Feuerversicherungßwesen: „Eine wissentlicbe Ueberver1icherung wird vermuthet, wenn. ohne daß eine amtliche Abscbäßung vorausßegangen, bei Waarenlagern u. s. w. der Werth um 30 0/0 oder bei anderem beweglichen Vermögen um 50 0/0 überschritten ist“ _ ist, nach einem Urrheil des Reichs- gerichts, 111. Strafienats, vom 10. März 1890, seit dem Inkrafttreten der Reichs-Strafprozsßordnung nicht mehr antvendbar. Der Strafrichter entscheidet demnach bei einer Untersuchung Wegen wiffent- licher Uederverfickierung über die Ergebniffe der Betreisaufnabme bin- sichtlicb der Wiffentlichkeif nach seiner freien, aus dem Inbegriff der Verhandlung geschöpften Ueberzeugung.
Hat eine Stadtgemeinde bei der Vornahme ibrer Waser- dauten die erforderlichen Sicherungßmaßregeln schuldhafter Weise nicbt getroffen, so haftet fie, nach einem Urtbeil des Reichs- gerichts, 7], Civil1enats, vom 20. März 1890, gleich einer Privat- person unmittelbar für den durch ihre Unterlassung erwach1enen Schaden. ohne den Beschädigten an ihre Vertreter oder Beamten ver- weisen zu dürfen.
Ein Beauftragter (Kommissionär, Bankier), welcher im Auftrage und für Rechnung eines Anderen (Kommittenten), aber in eigenem Namen mit einem Dritten kontrabirt und sodann auch _die aus diesem Vertrage entstandene Forderung auf Veranlassung seines Auftraggebers (Kommittenten) in eigenem Namen gegen den Dritten eingeklagt hat, begeht, nach einem Urtbeil des Re1chSgerich_tS, 111. Strafsenats, vom 31. März 1890, dadurch keine Untreue im Sinne des §. 266 Nr. 2 des Strafgeseßbucbs, daß er zum Nachtheile se_ix1__eZ ?luftraggebers auf diese Forderung vergleichsweise ver- 3 e .
Zweite Beilage
zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.
.I./.“? 156.
Berlin, Montag, den 30, Juni
Stanleh's uéueftes Werk.
Jm Verlage vori F. A. Brockhaus in Leipzig ist soeben 'das lange aygekündigte und mit Spannung erwartete Werk Steinley's, die Beschreibung seiner jüngsten, zur Befreiung Emm Paschas quer durch Afrika unternommenén Reise unter dem Tnel erschienen: „Jm dunkelsten Afrika“, Auf- Luchung, Rettung und Rückzug Emin Paschas, autorifirte
eutsche AUSgade von H. von Wobeser. Mit 150 Abbildungen und 3 Karten. 22 Mark.
Dem Werk ist ein facfimilirter Brief Stanley's an den Verleger vorausxxescksckt. In diesem Brief spricht üch Stanley Über Emin Pascha in einer Weise aus, aus welcher für uns nur drr diametrale Gegenfaß dsr Charaktere Beider hervor- geht. Auch muß er von den Deutschen im AÜgemeinen sagt, wird wenig Anerkennung finden. Der große Afrikareisende hat vielleicht in dem dunklen Erdtheil die Schärfe des Blicks
In zwei Bänden, geh. 20 Mark, geb.
etwas eingebüßt. Aber man wird dies Mies, ohne em--
pfindlich zu werden, ruhig in den Kauf nehmen, ein: gedenk der Tdmiache, daß große Männer, welche fafi Ueber- menschliches geleistet, Chargktereigenschafxen zu besitzen pflegen, welchedem Einzelnsn wenig Sympathie einzuftößen vermögen und d1e_ nach dem Maßstab kleinbürgerlichen Lebens nicht zu brurtbeilen siiid. _ Wenn Stanlky am Schluß seines Briefs die Rothwendigkeit eines gemeinschaftlichen ' usammenwirkens von Engländern und Dzutsckxen in Ost=Afri a betont, so ent- hält died gewiß, namentlich wohl auch in seiner Begrün- du_ng, viel_Wahrss: „Die gesunde Rivalität zwischen den beiden Nationen _ sagt er _ ist es, die Ost-Afrika Werth verleiht. Wenn die Engländer sich im Uederdruß aus Afrika zurückziehen, wird das deutscbs Interesse an dem Kon: tinent un_tergehsn, und wenn die Deutjchen in olge irgend eines ZasaÜs aus einem ähnlichen Grunde Afri a verlassen müßten, wiirde das britische Interesse daran absterben. Ich würde mich freuen, 11610? Nationen zu einer gerechten und ehren: haften Vrrstiindigung gelangen zu sshen, dann würden beide pro: ip.*riren und ihre beiderseitigen Gebiete nußdringend mach€n. (Hanz Afrika ist fiir Großbritannien nicht das wsrtl), was ein Streit mit Deutschland ihm kosten würde, noch wiegt der Kontinent für Dsutschland die Kostexi eines Bruchs mit England auf. Um daher ein gesundes, eisriges Interesse an Afrika anzuregen, soilten beide Nationen sich über ihre Grenzen verständigen; der Reibung-Zprozeß des Einen am Anderen würde hervor- bringen, was ich als Verehrer Afrikas von ganzem Herzen zu sehen wünsche.“ _
Diess deutscherieits gewiß gern akzeptirten Betrachtungen, deren Verwirklichung soeben durch das dsutfch-engliici)? Ad- kommen in die Wege geleitet ist, sind indeß nur ein Beiwerk, welches bei der Beurtheilung des Ganzen kaum in Betracht fälit. Das Interesse wendet sick) aÜein dem Bericht Liderdie lesten Erlebnisse Stanley's in Afrika zu und mird aris_1chließ- lich von der Schilderung der Märsche der Expedition in Anspruch genommen. _ _ _
Als Vorrsde enthält das Werk emrn Brief a_n Sir WiUiam Mackinnon, welcher Stanley mit der Ayffindung Emin Paschas beauftragt_ hatte. Die Erledmffe aus der Reise, welche inSgemmmt drei Jahre _ gedaizrrt,
aden _ wie Sianléy bekennt _ aux thri emen olchen Eindruck gemacht, daß er, als_ er in der dunkislsten Stunde gezwungen war, demiithig emzrigxstibei), er sri ohne (8011243 Hiilfe verloren, in der Waldeinmmkeit das Gelübde that, Seine Hülfe vor den M€1Uchen dekeimen zu onen. „Rund um mich herum hßrrschte Tddesstislcz; es war Mitternacht; ick) war durch Krazikheii geschwacht, lag ddr Erschöpfung darnicdér und quälte m1c11„111_11_S0r_9611 _um meme weißen und schwarzen Gefährten, dérsxi _Schlckjai fur _n_iich damals ein Geheimnisz war. In didser phymchen wxe__geixiigen Zivil) flehte ich zu Gott, daß er_ mir meine Leut? zuryckgeden moge. Neun Stunden später rodlorkten mir in hoch1t2r „Freude. Vor uns aÜen zeigte iich die rothe Flagge Mit dem chib- mond und unier ihren wehenden Falten die lange vermißte Nachhut.“ _ _ _ „ „ _
Stanley sagt, er habe _aux die1er Expedit_1_dn Erxahrungexi emacht, derengleichen es in den Atingieii 1ammtlicher ari- anifchen Reisen nicht giebt. Und 0161611111! e_s,_ welche er Leser mit ebenso wachsendem thtereffe, wre m1t_1tei ender Ve- wunderung fiir den Mann liest. dessen Energ1€__o_(8r_dßes eleistet. Daß er aUe die unendlicheii Gefthen glugklich uber- tanden, dafür giebt er allrixi der gnadenreickxxi _Voryehung die Ehre, welche ihn zu ihren eigenen Zwscken bejchußt hade. _
Als an Stanley die Frage gerichtet wurde, _dd er zu emer Expedition zum Entsaß Emin Paschas bereit 1er, beiand er |ck auf einer Reise in Nord-Amerika. Er antwdrtete sofort mit Ja und traf am Take vor Wßihnachten 1886 in England ein. Am 21. Januar 1887 WM? er von L_ondon nach Egypten ab, am 22. Februar erfdlgte die _Ankunft in Sansibar. Sein Agent Mackenzie hatte die _Ex- pedition beinahe zur Einfch1ffiiii§_ _ fertig vorbereitet.
Stanle schloß hier einen Vertrag m1t__1ippu:Tib ad, wonach dieser Träger von den Stanley-Fallen nach den; Albert- See hin und zurück stellen soilte. Stanley _wollte nicht yon der Ostküste nacb Wadelai vordringen, weil )eneGegend nicht genug Wasser bietet, während er annahm, daß die Congordute nicht nur genug Wasser, sondern auch retchiich_Leb2_nSm1tt_el habe. Mit 620 Männern und Knaben, forme mtt Tippu:T1b verließ er am 25. Februar Sansibar, um um das Kap_ der guten Hoffman nach der Congomündung z_1_i fahren, wo die Ankunft am 18. März erfolgte. Am 25. Marz erfolgte der Aufbruch nach dem Stanley-Pool und nach Jambma, einem am Axmmmi, einem Nebenfluß des Congo geiegenen Ort, der am 15. Jimi erreicht wurde. Von hier aus gmgder Marsch am 28. Zum ms absolut Ungewisse hinein. Dre Vorhut bestcxnd a_us 389 Männern mit 357 Gewehren; m Jambuxa blieb eine Garnison von 129 Mann mit 87 Gewehren zurück, die Nachhut unter Major Barttelot _m leobo bestand aus 131 Mann und 52 Gewehren. Hier begmnrn die eigentlichen Kämpfe, Mühsale und Strapazen, deren lebendige Schilderun§ mit packender Gewalt auf den Lejek einwirkt. Das 11. apitel schildert den Marsch durch eme
Wildniß, in welcher Kämpfe mit wergen und vor Aaem mit Hunger zu bestehen waren. _ m 14, Dszember 1887 wurde endlich der Albert-See erreicht, wo aber Nachrichten von Emin Pascha nicht vorlagen. Auch kein Kanoe war zu erhalten, da die Expedition ihr Bodi unterwsgs zurückgelassen Katte; ein weiteres Vordringen schien unmöglich und so wurde eschloffen, nach deiri zurückiukehren, dort ein befestigtes Lager zu bauen, dann eine starke Abtheilimg nach Jpoto zu senden, um das Boot, die Waaren, Offiziere und die dort zuriick- elassenen Kranken nach dem befestigten Lager zu holen, Hüter den Marsch zur Aufsuchung des_ Nachtrabs unter Major
cirtteiot fortzuseßen, ehe er und sie sch€iterten oder in die Wildmß hineinmarschirten, aus der der Vortrab mit gsnauer Noth entkommen war, und schließlich Wieder nach dem Albert- See zurückxukehren. Am 6. Januar 1888 konnte dann dsr Bau des Forts Bodo in Angriff genommsn werden.
(Fortsexzung folgt.)
Statistik und Volkswirthschaft.
Zur Arbeiterbewegung.
Der Vorstand dss Centraiverbandes der Stickerei- industrie in Sachsen hat, wie dem „Cbemn.Tagkl.“ aus Plauen gezneldet wird, den Antrag auf Abkürzung der Arbeitßzeit Mit großer Mehrheit abgelehnt.
In Dortmund fand am 27.Juni, [aui Mittheilung der „Rio - Westf.Ztg.“, Sire Volksversammlung statt, welche von etwas über 300 Per1onen besucht war. Dieselbs kennzeichnete fi-“b sofort bei der Wak)[ de_s Vorfißendrn als von fozialdemokratiscber Seite angehi-nd. Als erster und zweiter Vorsitzender “wurden nämlich zweiSozialdemokraien gewahlt. Die Tagesordnuxig bildete folgendes Tdema: „Ds: Kampf der organifirten Arbeitgxber gegsn die organisirtkn Arbeiinebmrr.“ Der an_rvejende Polizeifommiffar sah sie?; vsranlaßt, dis Versammlung aufzulö1en.
Jn Folgr dcs [eßtbin in Hannoder staitgehabtrn SÖU e ider- ausstandes bai sich eine Anzahl Herrrngard5rode=©€sckäitsénhaber zu einer_freien Bereinigung zusammengeihan, Miche fich zur Hauptausggbe gegenstitigen Schuß und Unicrsiiißung in Zeiten grsxkéäft- ltch§r Kri1en und Arbeiterbetvecungen gesielit hat. Auch in anderen St_adten d€r_ Provinz Hannoder und der benachbarten Gebiets- theile siiid, wre _der „VM. Zig,“ mitgetheilt wird, solche Vereini- gungen m_der Bildung _begriffexr. Sobald mehrere solcher Vereini- aimgendesteöen, soli eme Veriammlung von Vertretern derselbkn LinbékUsM "werden zur Gründumg eines Vsrbandcs für Hannover, Oldendnrg, Bremen u. s. w., um eine gkgknseitiZe UnterstiiJang zu ermöglichen. _ «_
Der Feilenfabrikgnien-Verein in Remscheid bisii, 1chzut_Mtttbei1ung der .Clbf.Ztg.“, am 26. Juni eine Versammlung ab, dre uberaus zaßireich bemkbt War. Ein ebenfalls antvesender Fabrikant, Welcher auf _di? Bedingungen der Feilenbauer eingegangen ist Und ihnen die verlangten Lökme zahlt, wurde ausgeschloffen imd x_nußte den Saal .verlaffen. Der Verein hielt einbcÜig an seiner _aklehrxenden Haltung den Forderungen der Feili'n- hauck gegeniiber_sest. En wurde beschldffen, an die auswärtige K_undsÖait ein Zirkular zu iinden, in Welchem die Obwaltcnden VL!“- haltmffe klar gelegt: Werden und bemerkt wird, der dringsndsts Bedarf werde durch gegenseitige Aushülfe drr verrinigicn Fabrikantsn Dsckung fi_nden_. Hierher gehört auch dix Besvrkcbung, welche über die 96an diejenigen Fabrikgnien zu ergreifenden Maßnahmen stattfand, dic fich niit dem Fabrikanirnverem nicht als solidarisch betrakhten und die von den_ F€11211_ÖÜULTU gefordérten Löhne bszadlen. Wie die „Remscheidxr Zettiinz' meldrt, bat Hr. Gebeimw Rath W_01ff, dcr tm _ Anstrags der köriiiilicidrn chirruxig zii Dusseldorf "? Remickmd war, mit dem Vorfißendeii ch Fabri- kantenvrrcins urid auc!) mit Feilendauern üdrr den Strike Unterredungen 985051, _Zur ?inßahnung cines AUSgiéicbs Wäblie drr Fabrtkantenderem e_me funfgiiedxigr Kommiisidn, die am 30. Jimi zii eme_r Beratbung_ mi Raidbauye zusammentreten wird. Es wurde brfitmxnßiaß die Jommixfion üdrr di:? ssitherigen Beschlüffe dcs Feilenxabrikaritenvereins nicht binauSgekcn darf. Voraasfichtiiä) wird aiich eme entxprechends Abordnyng drr Frilcndauer zu dsm erwäixnken Zwrck zusammentreisn.
L_Oie_ am 26. Juni zu Unterdarmen abgehaltene Versammlung ausstandtgxr Zimmergeselien war, drr „Warm. Ztg.“ zufolge, Von ungefahr 150 Perwnswbexucht. In derselben wurde die Mitthei- l_ung gemacht, daß die mr_t den Meistern geführten Verhandiungen 11ch erfolglqs zerschlagen Haitcn,_ und hierauf eine Resolution ange- nommen, tn Welcher ausge1prochen wird, den Ausstand so la_ng_e au_frecht zu erhalten, _ bis sämmtliche Forderungen ke- tvlÜigt waren,_ Als em Elberfeldsr Rédnkr die noch arbrifrnden iHesxÜxn b€schtmpstch erklärte der die Versammlung Überwacdcnke Polizeikomm1ff9r, daß er solches nicht dulden, sondern im Wieder- holungsfaile die_Ver1amm1ung auflösen Werde, wie er auch davor warnte, die arßxitenden Kollegen zu stören. da die Behörds dicseldkn aus das EnergUchsie zr: schüßen die Absicht Habs,
Ardeiterwvhnungen.
_ Dxr Verein _Concdrdia („zur Förderunq des Wohles der Arbeiter) xn _Mamz bat fur dlc _von ihm heraußgegebene, 74 Blätter um- _aßende Sammlung beirahrter Nrbeiierwohnungsskizzen nach der ibm MHZ von hdcbßen Stellen zu Theil_gew0rdonen Anerkennung (u. 21. Von Or. Mizxestat drm Deutschen Kaiser, Ihrer Majestät der Königin Olga von Wurttxmbkrg, Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin von Baden, dem Kontglich preußischen Minister für Handelund Gewerbe u.s.w. yruerdmgs auf der in Köln stattgebabten Ausstellung die höchste Aus- zeichnung erhalten. Es wurde ibm bei dieser AussteUung („Weit- sirert zur Verbesserung der Lage der Arbeiter“ in Köln 1890) das Ehrendiplom der goldenen Medaille Verlieben. Die Samm- lung, welche zum Selbstkostenpreis von 22,72 .“ abgegeben wird, versendet der Vorstand des genannten Vereins in Mainz franco.
Diöziplin unter den Eisenbahnbeamten.
_ _ In den Vereinigten Staaten don Amerika besteht seit ettztgen Jabrqn unter dem Namen General Time Convention ein Eisenbahnperem, deffen Bestrebungen wesentlich die Einführung einer EmbeitSzeit in dem Verkehrslehen der Vereinigten Staaten zu danken ist, und Welcher seitdem bemüht ist, auch auf anderen Gebieten des Eisenbahnwesens eine größere Einheitlichkeit herbeizuführen. So beschäf- tigt sich der Verein_neuerdings mit Beraibungen über eine bessere Or- ganisation des Eixenbabndienstes und der Regelung der Verhaltnisse der Eisenbahnbeamten und der Eisen- babnarbeiter. Aus einer Rede, welcbe der Vorsitzende in der
1Z90.
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kat, ist zu ersehen, welche Ziele ibm vorscbweben, und es ist be- merkxnswxrtb, etn_e_n wie boden Werth man auch in dem nord- awßrikamjcben Freistaats auf eine straffe DiSziplin unter den Erxenbabnbeamten [sgt. In der R25: wird in dieser Beziehung Folgendxs bemerkt: _
,Em gut rrsamsirteH Eisenbahnney bat ssinen Generalstak, seine Stations- uni: _Strkckérikkamteii, skinr Magazinr, stine Abtheilungen u_nd Unterabtheilvngkn i_ür kön Betrisb, es gleicht mit einem Wort,: einer Y_rmre, _derem Ausngr in der Beförderung dsr Parsonen und der Guter__em2§ Landes bistebt. Alle Anstrengungen der Eisen- bahnen mussen _die Lösung dieser Aufgabe in?; Auge fassen, und dazu _tft die DiZZiPiin ebcnso nötbig, wie in einem Heere. Mit_ dem Anwachsen unserer Geschäfte, der Auk- debnung Un!€ter_ Orsrationen, der Vermehrung der Zaki und der_ _ScdneUig-keit dsr ZÜZL mnß eins erdöbts Strrn-z: dsr DiSztplmÖaxid in-Hand «ckck, und diese Di§ziylin muß diirch Strafen erzwumgen Und auireckii erhalten rrrrkkn, WS1chL 81221110 firm; find als die Strafxn der Soldaten, Nun befürchte ick), daß durch die (bekanntlich !dzialistiscbrn) Arbeitrrvrreine, drren äUßerlickxsr ZMF das materielle,_ sittlickye und soziale Wohl ibrer Mitglieder iii, em gewifferWideritand gkgen Zwang und Sabridination, cine Ark vonTrrZ gegeniiber din Jmterrffrn und Anforderungen der Eisenbahnen aach in An- gelegénbeiten großgezogenwird, Weichs drn Bramisn röiiig gleichgültig 1é1'1 können. SoÜte dieser Geist sich Wéiték drrdrriten, so würde dir Aufreckst- erhaltung der Dissiplin geiäbrdrt trerdén, trrlcixs für di:- eigene Siwerbeit der Beamten ekknso wesentlich ist wir für das Leben der Reisenden und die Intereffen der Aktionär?. . . . . Um Uniérs Yu:- gade erfolgreich zu lösen, müssen wir also in dem Eisendadn-Personxl einen gewiffenCorpsxeist entwickeln, WeiÖkk zusammengefaßt ist auß Liebe zu der Körperschaft, der man angehört, aus Achtimg Vor den Vorgeikßten und aus Freude an der Übertragenén Arbeit."
Die Unfälle aiif nordamerikanisckyen Eiienbabnen.
Seitdem das in den Vrreinigten Staaten Von Amcrika durch Gases rom 4. Februar 1887 einqese te Bundes-Verkehréamt fich auch mit der Eisendabn-Siatistii eschäftigi, werden endlich einiger- maßen zuvkrläsfiqe Zablen über die Unfälle bekannt, Mickie auf den dortigen EiJcndadnep. vorkommen. Das; die Zahl dieser Unfälie eine bedeutend? War, vsrmmbete man wohl sckdn fr.":bec. Die norr- amerikaniiÉen Eisrndadney sind in ihrer Mehrzahl ja viel leichier_ weil biÜiger _ (3711011! Und mit der Beaufsichtigung des Beirirbr, der Bahnbewachung und andersn Maßnahmen nimmt man es der: nicht so genau wie Hier zu Lande.
Gleicknrobl Haben die jrßt bekannt Werdenden amtlichen Zahicn etwas (Erschreckendes. Auf einem am 28. Mai 1). J. abgehaltenen Kongreß hat der Vorsteher des Staiistischen Bureaus drs Bunke?- Verkrbrsamis, Profeffor Adams, die folgende ZusammensteUung d-cr Eisbexiktabnansälle des Jahres 1888/89 (1. Juli bis 30. Juni) mii- get cl :
Reisende AUD M Zusammen
Beamte Bezeichnung _
des Unfalls
!
gciödtet ] verlcyt
] 1 | „7
Jetödfef
BeimKvaeln derWagrn 300 6757 Durch Hradfaüen wm ' Zuge oder von der Lokomotive. . . . Durch Anstoßen an über der Bahn befindliche , Hindrrniffe. . . . 65. 296 T*Ukck) Zasamménsiöße don Zügen ._ . . . 167 820 Durch Entgleimng von ; _ Zügrn . . . . . 125; 655 ' ' 389 Durch andere deni Zuge * ; _ __; zugesirßene Unräiie . 189 1016 * 247 522 515 73151778 Bei Wrgeübergängsn . 24 45 .3, 16 410, 634 437! 695 InStationcn . . . 70 699 26 295 3281472 4211416 Bci andercn Ursachen . 539 7729 120 754 2215 2397 28741088) Zusammen 1972 “20028 310 2146 35414135 582326309
Hiernach sind im Jahre 1888/89 auf den Eisénbahnen dcr Vcrrinigtsn Staaten 5823 Parfrncn Ketödiet und 26 309 Perionen körperlich ver- leßi. Ohne weitere Sckolüffe daraus ziehen zx: onen, lediglich um unseren Lesern cinen ungefähren Vergleichsmaßitad zu 985671, bemerkrn wir, das; im Jahre 1888 dieZabl der auf den Eiienbabpen getödtetcn Personen in England 977, die Zahl der.verl_eZten 8807, in Deutsch- land im Jahre 1888/89 die Zahl der _im Ei1endabnbeirtcb getödteten Personen 562 (ausstbließlick; dcr Selbstmörder), der Verleßten 1447 betru .
chrglcirbt man dir 3.151 der gctödteten mid verleßten niit du 3le der beförderten Reisenden, sd kawz in drm Vereinigikn Staaten, woseibst in 1888/89 472171 343Per1one_n gefahren wurdcn, 1 Gctödteter auf 1523133 und 1 Verlcster aus 220 024 Reisende. Im Deutschen Reick) stellen fich diese Zahlen in 1888/89 aus 1: 10963370 und 1 : 2763126. _ _ __
Zur defferen Würdiguns der Gefahren, wel_chen die E11 enbabn- bcamten ausgeseyt sind, wird von h_em Proxeffor Adams noch an- gegeben, daß die Gesammtzabl der Ei1enbabnangeste111€n 704 736 ks- tragcn hat, welche für den vorliegenden_ Zweck in Fabrdramts, Weichensteller, Flaggenfignalwärter, Bahnwarter und andere Beamte cingeibeilt sind. Es ergiebt sick) folgende TÜÖSÜLT
Zahl ] Getödtet Vcrcht
Ybrdeamie . . . . . . . . 137 334 1 1179 . 11301 eichensteiler, Signalflaggcr und 5
Babnwärter . . . . . . . 33 344 x 229 _ 2155
Andere Beamte _. _. . . . . 517 820 : 536 ,' 6360
VorstehendnicbtauigesübrteBeamte [ 16 238 28 214
Zusammen. . | 704736, 1972; 20030
| | |
493! 2011
' 311Z1313 1§2J1113
N_ach_ Miftbeilun des Statistischen Amts der Stadt Berlin und bei den Jiefigen Standesämtern in derWocbe vom 15. Juni bis inkl. 21. Juni er. zur Anmeldung gekommen: 210 Ebescbließungen. 890 chendgebormc, 21 Todtgebdren:„ 656 Sterbefälle.
Literatur.
„König Maximilian 11.1)on Bayern und__Schc[ling' “- BriefweÖsel, herausgegeben von Dr. Ludwrg Trott, Legations-
Ratb, K. 13. Geheimen Haus: und Staatß-Arckoirar, und 131“. Friedrieb
lesten Iabreßversammlung des Vereins am 9. April 5. Is. aehaltan e 171, K. L*. Geheimen Sekretär im Geheimen HauSarchiv. "" SUM"
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