1870 / 393 p. 2 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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wohnen, und dje Mitglieder des Königlichen Hauses, die durch ihre Pflichten im Kriege ferngehalten werden„zu'pertreten.

Vorgestern verabschiedete fich bei Sr.Ma1estat der General von Werder, preußischer Militärbevollmächtigter in St. Peters- burg, der sich auf seinen Posten zurückbegiebt. Später wurde Oberst von Gottbcrg vom Generalstabs der 111. Aymee, Ober- Quartiermeifter beim Ober-Kommando Sr. Königltchen Hoheit des Kronprinzen, vom König empfangen, um für die 15:11 an demselben Ta e zu Theil gewordene Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. K affe semen Dank abzustatten. . „_

Bei den Vorposten von Paris ist es fett dem Ruckzug der Franzosen am 4. Dezember mit jedem Tage stiller geworden. Gestern, und bis heute*, Mittags 1 Uhr, herrschte vollständige Ruhe. Von den preußischen Wachen auf der Südseite wird gemeldet, d&gß die Lebhaftigkeit in den Forts erheblich abgenom- men habe. Man will die Bemerkung gemacht haben, daß die Truppenzahl vermindert ist, hier und da sogar Geschüße aus den Emplacements entfernt worden sind. Diese Erscheinung würde darauf schließen lassen, daß das Vertheidigungs-Komite einen Theil der Truppemnaffen näher an die Stadt heran- gezogen hat. Zu dem Übrigen Mangel gesellt sich übrigens in Paris eine Noth an Feuerungsmaterial, die unter den gegen- wärtigen Witterungsverhältnissen doppeltxfühlbar sein dürfte.

Mit dem 1. Dezember hat der Winter hier begonnen. Die Temperatur stand in der Zeit Vom 1. bis 3. Dezember auf 6-7 Grad Kälte im Mittel, sank dann aber auf 2-3 Grad. Seit gestern Nachmittag ist Schneefall eingetreten, der in der Nacht ziemlich heftig war; und jejzt «noch fortdauert. Die ganze Laydschaft um Paris zeigt sich in eine Schneedecke von wenig- stens 3 Zoll Höhe eingehüllt,“ doch ist die TemperatUr dadurch abermals gelinder geworden, sie steht im Augenblick wenig unter Null. - -

Wie für unsere Verwundeten vor Paris, so hat auch für die von der Loire-Armee Alles geschehen können, was die ärzt- _ liche Behandlung , die Verpflegung, und der rasche Transport

der vielen Leichlblesstrten nur irgend nöthig machten. Im ersten Moment nach den drei Gefechten, wclche die Armee-Abthcilung des Großherzogs von Mecklenburg am 2. Dezember zwischen OrgSres und Arlenay zu bestehen hatte, waren die Lazarcthe in Chartres, wohin der größte Theil der Verwundeten gebracht wurde, einigermaßen Überfüklk. “Seitdem haben jedoch vermittelst der Pferdeeisenbahn, die schon fett längerer Zeit zr'vischen Chartres und VersaiUes ,im Gange ist, viele Leichtverwundete in das Lazarett) des htesigen Schlosses und nach Ablou edakuirt wer- “den können, von welchem leßteren Ort eine regelmäßi e Ver- bindung mit Lagny besteht. Die Zahl der auf dem ßeßteren Wege bis an die Eisenbahn zur UeberführUng .nach Deutschland beförderten VerWundeteü beträgt im Ganzen 2800. Außerdem besißt die Armee des Großhexzogs ein umfangreiches Feldlaza- reth in IanviYe„einem großen Dorfe, das zwischen A(laines und der Straße Über Artepay nach Orleans gelegen ist.

. Von den neuestxn milrtärischen Nachrichten ist die wichtigste die von dem siegreichen Rencontre, welches die 17. Division LGenergl-Lieutcnant von Tresckow), bei Beaugency gegen eine ranzöjische Kolonne, , welche die Rtchtung auf Orleans nahm, bestanden hat. Ob,dte französischen Truppen, mit denen man "sich schflug, aus Blms waren, oder ob fie-Theile der bei LeMans vereuztgtgewesenen Westarmee bildeten, ist zur Stundenoch un- entschieden. Dagegen steht fest, daß bei der ebengenannten Armee, vo„n der man nach einem aufgefangenen Briefe ihres ehemaligen _FUhrers Kératrr) weiß, daß sie einige in den Gefechten vom 2. Dezember zersprengte Truppen der Loire-Armce aufgenom- men hat, die Dxsertionen so eingerissen sind, daß sie kaum noch als_Ganzes extstirt. Man ist hier sehr gespannt auf das Sch1cksal der_Regieruygshälste von Tours; vorläufig weiß man nur, daß dre preußtschen Eclaireurs bereits in der Nähe von Toztrsxrschtenen sind, während ein Theil der Armee des Prinzen Frtedxtcb Carl, sowett die Nachrichten reichen, morgen Vor Blois, (57 ftKilometer (ca. 74 Meile) von Orleans angekommen sein ur e.

„Auf dem Schießplaß Von,Vcrsai[les fand vorgestern im Bexjem'Sr. Kömgltchen Hoheit des General-Feldzeugmeisters Prinzen Carl em Versuch mit einer Kruppschen Luftballon- kanone statt, der zur größten Zufriedenheit der Offiziere ausfiel.

_ Weiter liegen vom Kriegsschauplaß folgende Nach- rtchten vor:

Königsberg, 11. Dezember. (W. T. B.)

Der kommandirende General des 1. Armee-Corps, 5. Man- keUffkl- hat auf Anfrage wegen Scndung von Weihnachts- gsschenken an dte Truppen folgendes Telegramm hierher-

gesendet: Köniasbxrg bleibt Königsberg, die Weihnachtsidce ist Wunder- hubsck). Schtcken Sie die Sachen nach Rouen, dort ist ein Königs-

berger Präfekt, der dieselben weiter instradiren kann.

Schwerin, 11. Dezember. (W. T, V.) '

Ein Telegramm dcs Großherzogs an die "Großherzogin aus Meung vom 10., Abends 11? Uhr, meldet: Heute Mor. gen kurzer heftiger Vorstoß des Feindes gegen die 22. Division, dann langsame Kanonade, Nachmittags Demonstration des Feindes mit großen Massen gegen meinen rechten Flügel, durch meine Artillerie und KaVaUerie zurückgewiesen.

München, 11. Dezember. (W. T B

Der König ließ an den Kommandi'renden des ersten have.-

rischen Armee-Corps nach e'mgctroffener Meldung Über den Sieg bei Beaugency ncxchstehendes Telegramm ergehen: General v. d. Tann, Bcaugency. Aus den Telegrammen Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Mecklenburg habe Ick mit hoher Genugthuung von der glänzenden Bethsiligung Meines ersten ArMee-Corps an den jüngsten Siegen über die Loirc-Armee Kenntniß erhalten. Den heldcmnütyigen Trägern des bayerschen Waffenruhms Meine Bewunderung und Meinen KöningchenDank. Hohenschwangau, 9. Dezember 1870.“ Ludwig. Telcgraphische an das hiesige Kriegs-Ministerium gelangte Berichte bezüglich des Antheils des bayerischen 1. Armee-Corps, v. d. Tann, in den weiteren Gefechten südwestlich von Orleans besagen: Am 7. Dezember Nackytnittags Gefecht bei le Burdon, im Vereine mit der 17. preußischen Divifion. Am 8. Dezem- ber Schlacht bei Cravant und Beäugency. In hartem Kampfe gegen bedeutend überlegene Kräfte schlug das Corps im Vereine mit der 17. und 22. Division die Angriffe des Feindes unter wesentlichem Terraingcwinn zurück. Am 9. Dezember erneuer- ter feindlichcr Angriff, und-glc'inzende Zurücchrfung desselben im Vereine mit beiden gcnannten'Divistdnm. Am 10. De- zember rückte das Corps zur Besaßung in Orleans ein. Vers ailles , 7. Dezember. Von heute an werden bei der hiefigen Postanstalt Briefe mit angegebenem Werthe nach Nord- deutschland, BayerwWürttemberg *und Baden zur Beförderung angenommen. Der angegebene Werth darf in einzelnenFc'illen 2000 Franken nicht übersteigen.

. - Frqnzösischerseits find vom Kriegsschauplaß fol- gende Nachrichten eingegangen:

- Aus Havre wird den „Daily Newsa unterm 7. De- zember geschrieben, daß daselbst die größte Aufregung herrscht und von allen Seiten Truppenmaffen in die Stadt strömen. Seit gestern - so fährt der Korrespondent fort - sind nicht weniger als 20,000 Mobilgarden von Rouen hier eingetroffen. Sie wurden auf Dampfern, Schleppschiffen und Rachen von Honfleur nach Havre geschafft, nachdem die Mehrzahl nur mit

enauer Noth der preußischen Gefangenfchaft entgangen war. Zn starken G§schwit1dn1ärschen hatten die Leute 60englische Meilen zu drei Tagen zurückgelegt und bei ihrer Ankunft sahen ste fehr erschöpft aus. Auch zwei Kriegsschiffe m1t „1200 Seesoldaten trafen von Cherbourg ein und im Uebrtgen [,iegen Kavallerie und mehrere Compagnien Linien- txuvpen hier. Die Behörden müssen nicht wenig Schwie- rtgkz'it gehabx haben„alle die Leute einzuquartieren. In jeder Beztchung werden dte umfaffendßen Vorbereitungen getroffen, um emen Angrtff der Deutschen abzuweisen. Auf den Wällen werden Geschuße aufgepflanzt, die Nationalgarden werden mit dem Smdergewehr bewaffnet, alle Männer. von 40 bis 60 Jah- ren haben Ordre erhalten„ sich im Hotel de Ville zu 'steUcn, ein Ambulanzencorps 1st _in der Bildung begriffen und bereits 500 Vetten'stehen zur Aufnahme von Verwundeten bereit. Alle Landwlrxhe der Umgegend haben Ordre, ihr Vieh bis spätestens morgen m dre Stadt zu treiben,“ ferner erwarten wir morgen 10,000 Seesdldaéen von Vrest,„und im Ganzen werden wahr- schemltch 50,000 Mann zur Verthcidigung von Havre zusam- mengebracht werden.

, Der »Daily Telegraph« theilt mit , daß General Briand nut den Truppen, welche Rouen geräumt hatten, in Havre ein- getroffen war.

- Die brieflichen Mittheilungen aus Tours reichen bis 311111 5. Dezember. Die Niederlage der Loire-Armce und die Einnahme von Orleans hatten dort die größte Bestürzung her- Wrgerufen. Alle Welt rüstete sich zur Abreise. Zn Tours hatte man am 2. und 3. Dezember gar keine Briefe ausge- geben,“ auch gmgcn weder die Post noch Eisenbahnzüge ab, da dte Eisenbahn ganz allein vom Truppentranspdrt in Anspruch genommen wax". Am 2. und 3. waren allein 40,000 Mann Truppen verschtedener Gattung durch die Stadt gekommen.

-- Von einigen Zeitungen ist die Notiz gebracht worden, daß'am 6. Dezember die Preußische Feldpost nach Sedan anf belgischem Gebiete vpn _übergetretcnen Francs-tireurs genom- men sex, ohne daß dle belgischen Behörden eingeschritten wären. Diese „Notiz ist, wre wir aus zuverlässiger Quclle erfuhr?"-

insofcrm nicht exakt, als es dem sofortigen thätigen Einschreiten

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der belgischeü Militär- und Civilbehörden gleich nach Bekannt- werden des Falles gelungen ist, die Post den Francs-tireurs,

' deren Führer verhaftet ist, wieder abzunehmen,“ dieselbe befand

sich unversehrt am 7. WM wieder in preußischen Händen.

- ch Postanstalten sind angewiesen worden, auch nach Einstellung der Annahme, von Feldpost - Privatpäckercien die Beschankung, daß gewöhyliche Feldpostbriefe nur 4 Loth wxegen dnrfen,-streng festzuhalten, weil andernfalls nach den früher gemachten Exfghrungexx zu besorgen steht, daß die Ver- sendung von Gegenxmnd en 111 Briefform wieder gemißbraucht und c'tneAusdehnung annehmen werde, welche die Beförderung der wxrkllchen Korrespondexzz und der Geldbriefe nach der Armee, sowie den Dienstbetrieb be,! den Feldpoftanstalten gefährde.

Dte 25. (GroßherzogUch Hessische) Infanterie-Division ift aus,dem Verbande des 9. Armee-Corps ausgeschieden, und vor- läuftg dem 13. Armee-Corps zugetheilt worden. *

In,!)xlxans, Chattlloxpsur-Seine (Dep. CW d'or) , Rouen und Ptthtvlers (Dep. Lmret) sind Feldpostrelais eingerichtet. Dxe Dtenstgeschäftc des Feldpostrelms in Meß find dem daselbsj bestehenden Lokalpostamt Übertragen worden.

Straßburg , 8. Dezember. Durch Verordnu-“zg des Get'aeral-Gouvernements 1st nunmehr auch das Verfahren in, Forstßrafsachen geregelt. Unter Aufhebung des (3060 fordsbjdr ist ein Mandatsverfahren eingerichtet, in der Weise, daß der

Forst-Inspektor Strafen Werthersaß und Kosten festse t“ ier- gegen kann innerhalb'10, Tagen Rekurs erhoben werden,ß rdoßauf der Oberfdrstbeamte m leYter Instanz cntscheidet. ,

Baden. Karlsruhe, 11. Dezember. Die auf den 12. Dezember d. J. einberufene Ständcversammlung wird Dienstag den 13. Dezember im Höchsten Auftrag des Groß- herzogs m_1d' in Hdchstdessen Namen durch den Präsidenten des StaYts-thstertums, Staats-Minister des Innern, eröffnet wer en.

Oesterreich-Ungarn. Wien,10.Dezember. Der nieder- österreichische Landesausschuß hat den VeschZuß gefaßt, dem nächsten Landtage einc Geseßesvorlage über dte Unentgeltlichkeit

„des Unterrichts in den Volksschulen Niederösterreichs zur vcr-

fassungsniäßigen Behandlung zu unterbreiten.

Triest, 10. Dezember. Die österreichische Korvette ,Dan- dolo- ist nach mehr als einjähriger Abwesenheit in den süd- amerikanischcn Gewässern, vom Pyräus kommend, mrHaFcn zu Pola eingelaufen.

' Schweiz. Bern,7.Dezember. Der Ständerathhat die Verathung des Budgets der Eidgenossenschast für das Jahr 1871 begonnen. Was die Kommrssion betrtfft, so beantragt sie Annalßme der vom Bundesrathe auf Fr. 22,269,Z00fix1rten Einna men, während sie die auf Fr. 22,460,000 vexatxschlagtcn Außgaben um Y.106,367 rcduzirx wxffxn wxll. Bls ]eyt wur- den sämmtliche osten ohne erhebliche stxusstoy angenonxmen.

. - Aus dem Nationalratb, der s1ch nut Gegenstandcn ohne Interesse beschäftigte, ist eine Motwn bemesrkenswerth, welche folgendermaßen lautet: »Indem die Utzxerzetchyeten dte vom VundeSrathe angekündigte Botschaft uber dte unter dem 16. Juli ihm zum Zwecke der Handhabung der Neutralität ertheiltcn Vollmachten gewapttgen , stellen sie hiermit den Antrag: der Bqndesrath wrxd emgeladen, mit möglichster Beförderung dte auf, erwahnte Schluß- nahme vom 16. Juli bezüglichen und bis zum 5. Dezember datirtcn Aktenftücke mit Inbegriff der Korrespondenzen auf den Kanzleitisch des Nationalraths zum Zwecke dér_ Em'stcht'nahtfne für die Mitglieder niederzulkgen.« Dlese Mondn tft eme m- dircktc Interpellation des Bundesraths.

*- Gestern hat Marquis Chateaurcnard „_dex neue, fran- zösische außerordenxliche Gssandte und bevdklmachttgte thster, dcm Bundés-Präsidentcn seine Creditive ubcrrctcht. -- Bayern ist dem schweizerisch - österreichischen Staatsvertrage “vom 27. August 1). J. über Herstellung enzer Exsenbahn vm; Lindau nach St. Margarethen und von Feldkirch nach Buchs betgetreten.

Niederlande. Haag, 11. Dezemdex. Gutem Verrzeh- Men nach ist das Demissionsgcsuch des Ministers dex quswärn- Jen Angelegenheiten Nocst van Limburg vom Kömgqange- nommen und der Kriegs-Ministcr ,van Mn„lkcy nut der Mcrinüftischen Führung der Geschäfte dOs auswarttgcn Amtes eraut. -

“- W.T.V. «uereise ungder Leiche er Prinzes- sin Frdedrich d)er ?kiederlaßnde wirddcr Furst Wilhehn ?LthfLIted als Vertreter des preußischen Kdnxgshauses hter cm- re en.

Großbritannien und Irland. L ondon, 9. Dezember. Die Abreise des Hofes nach Osborne ist nunmehr auf den 20. Dezemb-er verschoben woxden; doch wird die Königin vor- her auf emrge Tage von Wmdsor nach Claremont gehen.

Frankreich. Paris. Die Pariser Re ierun hat na - steheZde Yekanntmachung erlcltffeY h g g ck ** ce egierung der nationa en ert eidi un brin t na e ende Vorgänge zur Kenntnis; der Bevölkerung: g g g chfth Gestern Abend hat die Regierung folgenden Brief erhalten: " ' ' »Versailles, 5.Dezembcr.

Es mqg zjveckmaßtg sem, zur KenntnißEw.ExceUe:1z zu bringen, daß drr Lorre-Armee geftern bei Orleans befiegt, und daß diese Stadt von den deu'tschen Truppen wieder defekt ist.

Wynn ]edoch Ew., Excellenz es für angemessen erachten, Sich durch emekn Ihrer Offiziere über die Thatsache informiren zu lassen, so, werde zch dtesem Offizier einen Geleitschein für die Hin- und Rück- reise gewähren. - .

Empfangen Sie, General, die Versicherung u. s. w.

Der CYf ?eZeGeljxekraiftabes ra o e. An den „Herrn Gxncral Mocha.-

Der Gonderneur von Paris hat geantwortet:

,Paris, 6. Dezember.

Exv. Cxcellenz, haben geglaubt, daß es zweckmäßig sein möchte, zu „memer Kenntmß zu bringen, daß die Loire-Armee bei Orleans dcswgt, und daß, diese Stadt von den deutschen Truppen wieder beseßt [|. „Ich hahe dte Ehre, “Ihnen den Empfang dieser Mittheilung an- zuzxtgegz, dte auf dle, nur von Euer Excellenz empfohlene Weise zu Vertflztren zu lassen, teh nicht für nöthi halte.

Empfangen Sie, General, die Verjchcrung u. s. w.

Der Gouverneur von Paris , General Trochu. An der) Herrn General Grafen Moltke.-

Dxese Nachricht, welche wir vom Feinde empfangen, vorausgeseßt, daß ste genau ist, raubt uns nicht das Recht, zu der großen Bewegung FrankreixhéS, welches uns zur „Hülfe eilt, Vertrauen zu haben. Sie äztdext nichts in unseren Entschlüssem noch in unseren Pflichten, die em einziges Wort zusammenfaßt: Kampf! Es lebe Frankreich! Es (che die Republikxa (Folgen die Unterschriften.)

_ Am 10. Dezember hat die Delegaxion derffrauz'o'sischen Außenregterung, welche bisher in Tours cker Slß hatte, den- selben nach Bordeaux verlegt, um, wie em Ctrkular Gambetta's erklärt, ,die freie Bewegung der Truppen zu fichern.«

Bordeaux, die Vurdigala der Römer, der Hauptort des Departements der Gironde und an dieser, der Mündung der Garonne, gelegen, hatte nach der [exten Zählüng 194,240 Einwohner und ist somit nach Größe Wie Bevölkerung die vierte Stadt Frankreichs. An einem Strome, der den spanischen Pyrenäen entfließt, in einem Departement, das nur durch zwei kleinere noch vom Königreich Spanien geärennt ist, und am Golfe von Gascogne gelegexz, ist Bordeaux der naturgemäße Centralpunkt für den m- wxe ausländischen Verkehr des südwestlichen Frankreichs geworden. Durch ihre Lage wesentlich begünstigt, hat man die Stadt, die“ von Paris 585 Kilometer oder 78 Meilen entfernt ist, außerdem zum Sammelpunkte einer großen Zahl von Bahnlinien gemacht, welche sie über Tours oder Li- moges mit Paris, Über Périgueux und Aurillac mit Lyon, mit Cette und Toulouse, mit Tatbes, Bayonne und Marseille verbinden. Siß eines Erzbischofs, eines protestanüscheu Konsistoriums, eincs Obergerichts und von 6 Friedensgerichten, sowie eines Präfekten, ist Bordeaux Stabsquartier der 14. Mi- litär-Divift'on des 71. Corps (Toulouse), der „10. Legion der Gensd'armerie und des Marine-Unter-Präfekten des 17. Marine- Arrondissements zu Rochefort; außerdem bestehen dort ein (30115611 (16 JUSU'S, eine Salpeterfabrik, ein Remontedepot und mehrere Marine-Unterbehörden , so daß es in ]eder Beziehung den wichtigsten Pläßen des Landes zuzuzählen ist. Die höchsten V'erwaltungs-, Berg-, Steuer: und Zoll- behörden sind hier neben Sparkassen, Bankfiliale und emer Staatsmünze zu finden. Akademien, wlffenschaftliche Gesell- schaften aller Art und viele Kunstvereine bestehen neben Er- zikhungs-Jnsiituten und zahlreichen WohlthätigkettF-Ar1ßalten: namentlich sind hervorzuheben die Ux'aiversitäts=Afadetme, die der Wiffenschaften und Künste, einc Bauschyle, botamsche, medizinische, chirurgische, Schiffahrts- und Taudxtummenschtzlen, ein Athenäum, eine Bibliothek von 110,000 Banden, Gemalde- Gallerie, Naturalienkabinct, Sternwapte u. s. w.

In Bezug auf HandelÉ-wichtichtt steh; Bordeaux nur Marseille und Havre nach, an KapitalSkraft uberragt es erstxre Stadt bei Weitem. Die Gewerbe sind zum Thetl grdßa'rn , namentlich für Gewebe aller Art, für Zucker (20 Rasfnzerten , Teppiche, Fayence und Porzkllan (1000 “Arbeiter), Liqueur, Wachstuck), Papier 2c.,* im Handel mit Wem und Branntwein nimmt Bordeaux unbestreitbar den ersten Play ein: 327,000 bis 851,000 Hektoliter beträgt die jährliche Auquhr im Mi- nimum resp. tm Max'mmm seit 20 J«1hren-- DerScbifbeau

wird lebhaft betrieben: 10 Werften sind bei der Stadt vor-

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