1870 / 399 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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i WM Die Meldungen von beiden Seiten,“ zu dieserZexr ZYtLZedeY'elbe bei der Feldwache des 2. Jäger-BataillonZ Nr. 13 west- lich Villiers Gelegenheit, die feindliche Vedettenlime etwa 600 Schritt vor diesem Ort, in welchem Chaffepotgefch9ffe hineinschlqgen, wahr- zunehmen. Das Gros der 24. Inf.-Dtv1sion stand mtr Gxneral- Lieutenant von N-hrhoff am ößlichen Endrdes von 2 Batacklonen des 5. Jnfanterie-Regiments Nr. 104 und ZCompagnien des 2. Jäger- Bataillons Nr. 13 besehten Noisy-le-Graud. „Die 4. schivere Batterie "hatte verhehlich versucht, den Sturm auf Brie von einer Aufstqurg “im Park von Noisy aus zu unterßüßen. Durchnzu rasch sichperhreitende Thgeshelle bloßgeßellt, hatte sienach wenigen Schussengegen die fich atzsam- meinden Massen unterhalb des Forts Nogent vor dem konzcrx-lrtscbm Granatfcucr weichen müssen. Von den Reserhen war um_ ?9 Uhr Morgens das Schüßen-Rrgiment Nr. 108 von la Grenomllhre „an den ößlichen Ausgang von Villiers herangezogen worden. Ansictne Stelle trat zu den beiden schweren Batterien, der 4. Fuß-Abthexlrmg der Corps-Artillerie das 3. Bataillon Letb-Grenadier-chimems „Nr. 100. Die Z.Zuß-Ahtheilung-der CorpH-Artillerie mit der leichtrn Batterie der 4. Abtheilung und 2 Munitionskolonnen stand Westlich Champs. . .

Von 9 Uhr an wurde das Gefecht, um und bei Chawptgny , tn Welches außer den Württembergern, „die 3. Jnfanterie-Dtvtfion pon unserer Seite und die bei Ioinviür ubergeqangenext „Kolonnen femd- licherseits eintrafen, heftiger und nahm “an Jtztenfitat tmwrr mehr zu. General-Major von Reihenßein hatte Villiers noch um 6 Com- pagnien, hauptsächlich im Park_stehend, beßeht, außerdem_ befand fich dort die auf Feldwache befindlich gewesene 4. Compagnie 2. Jäger- Bataillons Nr. 13. - Die immer xnehr anw9chsenden feindlichen Massen drohten Brie auch von der Rucksette MMZ zu umfa'ffen. Um diesem vorzubeugen und die dort hart bedr ngten beiden Ba- taillone 8. Infanterie-Regimrnts Nr. 107 'zu degagtren- er- hielt das ]. *Schüßen - Batatlwn 'hmter Villiers um _9 Uhr 45 Minuten “den Befehl, an Villiers yorbei auf BUL, vhr- zugehen. Gleichzeitig erhielt Gcneralp. Nehrhoff die Ordréeé m_die- selbe Lücke zwischen Noisy und Villiers ebenfalls ein ataillozi vorzuschicken, wozu das 3. Bataillon des Regiments Nr. 1071110 dem Führer der 48. Jnfanterie-Brigade, Obersten v. Tettau, fich in Bewegung feste. Leßterer erhielt den Auftrag, mii den" schon im Gefechte begriffenen Theilen seiner Brtgadr auch 'die Juhrung der vom Schüßen-Re imente engagirtcn Ahthetlungen zu ubernehmen. “Das ]. Schühew ataillon stieß früher, als mgp vermuthete, nach- dem es kaum den [ckth „Abschnitt seitwärts Yillicrs passtrt hatte, auf den Feind, der die Compagnie-Kolonnen 111 der linken Flanke befeuerte. J wurde dadurch. trotz drs Befehls, auf Brie zu gehen,

.. U-xoxx- - J-o-*»---L»8-mUus.na-b Süden vm- ttwbnv' 1, „[ er 5384 ald nachgesandte 2. Schüßenbataillon dann kagte. ÖcrékehkÖr- macht troßend, ging das Bataillon unter Hurrah von Abschnitt zu Abschnitt vor und drängte den Feind von der Weinhergshöhe zurück. Auf der folgenden, unmirtelbar über der Marne liegenden Höhe setzte

' er fich jedoch fest und schien sich den beiden Schühenbathi0onen gegen- über nach und nach auf 4 Regimenter odcr 2Brigaden „ru Verstärken. Verluste in mehr als gewöhnlicher Höhe waren. die Folgen der zum Granatfeuer nxetretenen verheerenden Infanteriesalven. Es lagen ganze Schüße gruppen hinter kleinen Deckungey und Abschnitten, und “vom Regiments-Commandeur, Obersten Freiherrn v. Hausen, auf- gefordert, weiter v01wärts zu gehen, wurde demselben nur zu bald die schmerzliche Ueherzeugung, daß es Verwundete oder Todte waren.

Es mochte etwa 11 Uhr Morgens sein. Die Meldungetx vom äußersten rechten Flügel aus Brie kamen spärlich„ besagten aber alle, daß der Ort noch im Befiß des 8. Jnfanterie-Regtmenis sei, wie die- ses auch bis Nachmitta s der Fall gewesen ifi. Aber das terrassen- förmig zur Marne aHJaÜcnde Terrain gestattete fast nirgends eim: Uebersicht. Meldungen erforderten beträchtliche Zeit, und es hat erß nach dem Gefecht das Detail festgestellt werden können.

Zu der Zeit, wo die Offensive an den Brückenbarrikadeh zum Stehen gekommen, waren bereits die meisten der wenigen, den beiden Bataillonen von St. Privat und Sedan noch ubrig gebliebenen Offi- ziere todt oder verwundet. Das ganze 8. Regiment rucrte mit 34 Offizieren in den Feldzug, verlor bei St. Privat 17, bei Sedan 8 und am 2. Dezember 12 von den bei dem 1. und 2. Batgillon hc- findlichen 17 Offizieren. Es wäre auch frischen und voxlftandig mit Führern besehten Bataillonen die Wegnahme der durch sirxgende Ueber- macht vertheidigten Brückenßellen unmöglich gewesen,_ aber an das seiner Offiziere beraubte, dezimirte Häuflein trat 1th die Frage heran, was zu thun. Vor sich die Unmöglikhkeit des Vorgehens, hinter fich den verschmähten Rückzug, blieb Nichts übrig, als das ae- wonnene Terrain, den größten Theil des Dorfes, zu behaupten. Die der Lisiöre nahe Befindlichen zogen sich an die links vorgehenden Ab- theilungen heran. Das Gros blieb im Dorfe und ihre chagirung wurde durch das sich immer mehr um Villiers und Champigpy kon- zentrirte Gefecht weiter hinaus geschoben. Dabei beggnn die Mu- nition zu mangeln, und derVersuch, solche heranzufuhrerx, mußte Wegen des den Weg zwischen Noisy und Brie in 911211 Richtungen - kreuzenden Feuers aufgegeben werden. Wemger dicses mörrerische Feuer, als die schon am 1. Dezember ausgesprochene Ahsicht, keine größeren Abtheilungen an den „Besitz von_ Brie zu wagen, Welche unter allen Umständen in. em nachthetlig'cs Gefecht ver.. wickelt Werden mußten, veranlaßten Se. Königliche HOHLit den Prinzen Georg, dem General von Nehrhoff den Befehl" zu crtheilen, dcn Major v. Bosse direkt_n1cht Wetter zu untcrfiuhcn, diesem vielmehr anzuweisen, nöthigenxalls Brie wieder zu raqmrn. Aber auch der Feind, im Dorfe nicht mehr bedrängt, zog allmahlich 4„eine Kolonnen hinter dem Dorfe weg nach Suden und ck rntstand in Brie auf beiden Seiten von Mittag an eine Art von Stillstand, welchen der Major v. Bosse mit dem größeren Theil? der ührig ge- bliebenen Mannschaft benuhte, um fich mit seiner Division wieder zu

vereinige'n, ohne dabei von dem Feinde, der vielmehr ebenfalls Brie freilich, irgend wie- gedrängt zu werden. Eine andere kleinere Abthei- lung hatte fich in den Gehöften des Weiiläufig gebauten Dorfes fest. geseht und blieb darin bis 5 Uhr Nachmrttags, wohie durch erneutes Vorgehen des Feindes von der Briicke her abgeschmtten wurde.

Als die beiden tapferen Bataillone am Morgen in „Brie ein- brachen, hatten fie in kürzester Zeit etwa 200 Gefangene zuruckgeschickt, Wie sie eine .der schwersten Aufgabetr lösten, darüber ,hat der Feind geurtheilt, wenn ein gefangener Offizier sagt: -115 011319111; “(011)0111'3, j1§ 7611316111“- comms 11116 573131110116 - 61; boub 613311"- 11111.“ “*1 Ccntrum hielten die beiden Schützenhataiüone bis 12 Uhr Mittags ihre Positionen auf der Weinbergshöhe, durch wirksames Feuer dem Feinde hrträchtlichen Verlust zufügend. ,

Hier trat kurz vor Mittag eine ,die frqnzöfisckpe Kriegfuhrung er. neut charakterisirende Episode ein. Erne femdliche Ahthetiung in der ungefähren Stärke von 2 bis Z Bataillonen, Zvinkte m emer Entfer- nung von circa 100 Schritten mit Weißen Tuchernx Kopfbedeckungen und Gewehren. Das Feuer schwieg momcntan, einzelne Gruppen farmen herüber und gaben fich gefangen, zmdere standen zögernd_und mißtrauisch zwischen beiden Tirailleur -L1nien. Der-Oberft Freiherr v. Hausen, Welchem die perfide Weise des Gegners M1 Laufe drs Feld. zuges allerdings bekannt geworden war, ritt nichthdeßowrmgrr bis ungefähr 50 Schritte vor die feindliche Linie und rief ihnen zu, daß das Feuer aufhören werde und se Aufnahmenfipden Wurden. War es nun Mißverständniß, war es absichtliche Tau1chung, oder erkann- ten sie die Schwäche der diesseitigen Abtheilung, genug, die Fran- zosen begannen alsbald um so lebhafter zu feuxrn, und das Infanterie efecht, durch cinschlagende Granatexz sekundtrt, begann mit größerer uth und in fast unmittelbarer Nahe, und verzehrte den Rest der noch gebliebenen und nicht unmittelbar zu ersehenden Mum- tion. Schon vorher war auch das 3, Schüßen-Batailloiz _dcuz Regi- mente nachgeschickt worden und dieses traf gerade rechtzettrg em„ um durch Beseßen der Weinbergshöhe die erschöpften im Kampfe begriffe- nen Bataiuone ablösen u können. Wenn auch eme Anfangs unter- nommene theilWrise O enfive des 3. Bataillons“naturgemäß"keinen Erfolg haben konnte, so Wagte der Feind „doch nicht, seine; schußende Höhe zu verlassen und das Gefecht blieb bis zUm allgemeinen Rück- zug des Feindes, etwa 3 Uhr Nachmitta's, stehxnd. ., "

Das Schüßen-Reqiment, dem sich ie 4. Compagnie 13. Jager- Vaiaillonsron Viuiers aus angeschlossen hatte, hat dteOffenfive des feindlichen linken Flügels mit vielleicht fünffach geringerer Anzahl offensiv gebrochen; es wird allen Regimentern als Muster aufgestellt Werden können. Die Verwendung der zahlreich zur Verfügung stehenden Artillerie in erster Gefechtslinie, d. h. vorwärts Villiers- Nßisv, nmv unmöglich,_weir die vorgelegcnen Höhen nicht allein im wrrksqmften und ftqnfirendcn Granatfeuer liegen, sondern auch na- mentlich deshalb, Werl auf ihnen die Batterien nicht Über 600 Schritt Schrißfeld' haben,“ es Wurdr aber gegen 11 Uhr die 7. schwere Batterie feisxltch Villiers yorgezogen, um einen etwa nothwyndig jverdcnden Ryckzug der'Schuhen aufzunehmen, und die 8. schwere Batterie nahm mri der Dwifions-Artillcrie der 24. Division Aufßelluna südlich Noisy und vorwärts la Grenouilliére. Beide AriiUerie-Aufstellungen murder) sehr bald vom Feinde erkannt und namentlich die 7. schwere Batterie |qu beworfen.

Es bleibt noch übrig,»! erwähnen, daß zwischen 11 und 12 Uhr Mittags, das nach Villiers herangezogene 3. Bataiklon des Leib- Grenadter-Regimcnts Nr. 100 (Major v. Süßmilch-Hornig) die Be- seßung des. vor den) Orte gelegenen Parkes ühernahm, nachdcm Generalmajor _v. Rmhenstein „gemeldet hatte, daß die dort postirien sechs Compagmen des 7. wurttemhergischen Infanterie-chiments dringend der Ablösung bedurften. Dieses Grenadier-Bataiüon hil- dete vort 12“; Uhr an gemeinschaftlich mit dem 2. Bataiüon des 42. Regiments untrr Oberst v. d. Knesebeck die Besahung von Villiers.

Der Jetpd War bei der Ablösung des württembergischen 7. In- fqnterie-Rrgiments mit seinen Tirailleuren bis auf 300 Schritt an die Parkmauer herangekommen und es gelang den gmiz in der Stellung aufgelöster: vier Compagnien des Leib-Grenadier-Regiments Nr. 100, denselben nicht allein zurückzutreihen, sondern auch einen etwa 2 Uhr Nachmittags unternommenen Versuch, mit Kolonnen vorzugehen, zu vereiteln. Eine gegenüber aufgestellte Kanonen- und eine Mitraiüeusen-Batterie konnten Wegen der deckenden Mauer keinen Schaden thun. Zwischen 3 und 4 Uhr schwieg mit kom- mender Dunkelheit das Jnfanteriegefecht, der Feind ging auf der anen Linie zurück; das Granatfeucr dauerte bis“ in die finkende

acht. Der heiße und blutige Kampf scheint einem zweiten Durch" bruchsversuch des Feindes entgegcngckommen zu sein. Es wird kaum nöthig sein, auch hier hie hewundcrungswürdigr Tapferkeit noch be- sonders hervorzuheben, i_n Welcher die im Gefecht gewesenen Truppen des )(11. Königlich säcbfijchen Armee- Corps und der Königlich wiirt- tembergiscben ]. Frld-Brigade mit einander Wetteifcrten. Der Verlust des )(11. ermcc-Cotps am 2. Dezember beträgt nach Ausweis der Spezialverluftlißen 55 Offiziere, 1006 Mann.

- Französischerseits find vom KriegSschauplaß fol- gende Nachrichten eingegangen:

- Ein Tagcshefchl dcs General Thomas , der icht in„dcr :Indép. bclgea veröffentlicht wird, giebt nähere Aukkunft uber dieGrÜnde, welche dicAuflösung drs Batailwns der Tirailleurs de Belleville veranlaßt haben. Dieses Bataillon wurde auf seinen wiederholt atisgesprochenen Wnnsch, gegen den Feind ge- führt zn werden, als eines der ersten,. cquipirt und a11125.N0-

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vember nach Creteil grschickt, um hier die Vorposten zu stellen. Am 28.', als der Bataillons-Commandeur Lamperihre eben die Ronde m den Tranchern beendet hatte, floh ein großer Theil der 1. und 2 Compagnie m vöUiÉer Auflösung aus den Trancheen. Dic “Fluchtigen werfen die chuld ihrer Panique auf den Kapitäne Bellandier, der zuerst davongelaufen sei. Am andern que wurde das Bataillon nach Charenton zurückgezogen; spatxr weigerte sich das Bataillon, den Vorpostendienst wieder zu ubernehmey. Ain 5. beqntragte der Brigade-Commandeur, Oberst LesMams, die' sofortige Zurückberufung des Bataillons nach Paris, weil zwhchen diesem Bataillon und dem 147. Ba- taiUon_Nationalgardrn (aus Bekleville) ein Haß besteht, der schon die Erbauung einer Barrikadezwischen beiden Bataillonen nhthig gemacht habe, und weil das Bataillon am Morgen semen Posten auf dem rechten Flügel verlassen hatte. Von 457 Many des „Bataillons waren am 4. 61 mrt Sack und Pack nach Paris zuruckgek;ehrt.„ Außerdem zeichnet sich das Bataillon durch Mangel an Disztplm und durch die Unfähigkeit seiner Offiziere und Unteroffiziere vor allen übrigen aus. _

Londoq, 17. Dezember. (W. T. V.) Nach Mittheilungen aus Havre vom 17. d. ist die mili- tärische Lage dort unverändert. In der Nähe WN Havre und

' Honfleur befinden sich keine preußischen Truppen mehr. Französische

Kanonenboote kreuzen fortwährend an der Küste zwischen Cher- bourg und Havre.

W B)o-rdeaux, 17. Dezember. (W. T. B.) (Auf indirektem ege.

Nach hier eingetroffenen Nachrichten ist die Armee des General Chanzh gestern nicht angegriffen worden. - Die Nach- richt, daß ern „Adjutant Trochu's hier eingetroffen, ist unrichtig. -- Eine mimfterielle Depesche an die Präfekten vom heutigen Tage meldet , daß der Großherzog von Mecklenburg am Mrttwoch Freteval angrgriffen und die Ortschaft in der Nacht beseht habe,“ dteselbe wurde jedoch am folgen- den Tage von den Franzosen wieder beseht. Der Groß- herzog von Mecklenburg griff alsdann die französischen Trup- pen vor Vendöme an, wobei'ihm kräftiger Widerstand geleistet wurde; der Kampf dauerte bis zur Nacht und sollen die* Ver- luste desFeindes sehr beträchtlich sein. Versailles ist Vendöme “bekanntlich von den Franzosen in- zwischen geräumt worden.) - Aus Havre vom 15. d. wird gemeldet: Der Feind scheint bedeutendere Truppenkräfte in der Umgegend zu konzentrircn und trifft Vorbereitungen, rin ver- schanztes Lager bei Yvetot zu errichten. *

-- Nach Berichten aus Lyon vom 11. Dezember werden fortwährend großeMaffen Truppen zur Loire-Armee abgesandt. Auch die Legion der »Rä'cher von Lyoner steht auf hem Punkte ahzumarschiren. Dieselbe hat Genie und Artillerte. - Die elsäffer Legion, die Mühlhqufer genannt, befindet sich in Lyon, wo sie weiter organifirt wrrd. ' ' '

In Toulon und Marseille werden augenblicklich achtzig Dampfschiffe in Bereitschaft geseht, um arabische Truppen aus Algerien abzuholen.

Königsberg i. Pr., 17. Dezember. (W. T. B.)

Wie aus-Pillau gemeldet wird, war dort eine amtliche Benachrichtigung eingegangen, nach welcher am 10 d. fiinf ranzösische Kriegsschiffe auf der Fahrt von Skagen nach Korsoer gnalisirt waren.

-- In dem Artikel über die Feier des 100iährigen Ge- burtstages L. van Beethovens in_ der gestrigen Nummer des «Staats-Anzeigersa (Seite 5098) ck der Schlußsah durch ein

Versehen des Schers unvollständig gegeben). Derselbe muß lauten: »Nach dem Programm kxmzen die Sinfonien in 4-(1111' und (3-m011 und das große lem-Konzert zum Vortrag.a

Straßburg , 15. Dezember. Die wiedergewonnene alte ReichZftadtxdie jehtdasedelste Pfand der schwer erkämpften deutschen Einheit geworden, war, wie schon Kurz gemeldet, zum erstkn Rast- punkte der Adreßdeputation des thchßtags außerhalb der bisherigen deutschen Grenze bestimmt. Hier begrüßten die Männer, welche rüstig an der Konsolidirung und Sicherung des neu er- worbenen Befihes des deutschen Volkes arbeiten, die Abge- sandten, denen die welthistorische Misfion geworden ist, in der xStadt des roßenKönigse, der einstigechstdrnz des Fürsten, der am mei en zur Herabwürdigung des alten deutschen Reiches beigetragen, dem Oherbrfehlshaher der deutschen Arme'en, dem Heldenkönige von Preußen des Reichstags Botschaft zu über-

(Nach Berichten aus -

bringen. Das Generglgouvernement im Elsaß und Deutsch Lothringen wollte mcht unterlassen, durch eine . feftliche Feier sowohl drn unmittelbar Betheiligten, wie auch allen Deutschen tn) Vaterlande den erhebenden Gedan- ken zum Bewrtßtsem zu bringen, daß gerade dieses Zu- sqmmentreffrn in Straßburg in schönster Weise die Erfolge diefes gewaxngen Krieges veranschaulicht, nach Außen die Er- werbung emer den Frieden sichernden Grenze und den An- schluß exnes ignge entfremdeten deutschen Stammes , nach Inyen die Erfuliung des noch vor Kurzem fast chimärisch er- scheinenden Einheitswunfches der deutschen Nation. Die Depu- tation wurde demnach yon den Delegirten des General- Gouvernryrs undfdes Civilkommiffars am Bahnhof empfangen und begrußt und m das Hotel zur Stadt Paris hrglciirt, wo der _General-Gouvernrur Graf von Bißmarck-Vohlen und der Ctvtlkomniijsar, Regierungs-Präfidetit von Kühlwetter, nebst emer zahlreirh'eri, Verfamrniung von Mitgliedern der hiesigen deu_tschen Militar-srind Civilbchörden fie erwartete. Unter den Klörngen der Mtltthrmustk begann nun das Festmahl. Die Reihe der Thaste eröffnete der General-Gouverneur mit demjeni- grxi, her m.1ede,r Versammlung deutscher Männer der erste ist, namlich, mit emem Hoch quf Se. Majestät den König, »so Gott wrll, hald uysrren thsch Vegristert stimmte die Ver- sarstmlung ein, wahrend die Mufik mit der preußischen Natio- nalhymne emfiel. Alsdann nahm der Civjlkommissar das Wort zu folgender Rede:

Zu den hißorisch denkwürdigen Tagen, an welchen dieses Jahr so reich ist, dürfen wrr auch den heutigen Tag zählen Am 14. Dezrm- der des Jahres 1870 machen die Abgesandten des Reichsragcs Halt in der ehrwurdrgxn, Stadt Straßburg, um dann, weiter Wandernd, un- serem Allergnadigsten König und „Herrn eine Botschaft zu überbringen an_ den Thyren _der fränkischen Hauptstadt. Dirie Botschaft, wir wissen xs, ist die Frucht des freien Entschluffcs freier Fürsten und quwerane, fie enthält die Erfüllung lang und sehnsüchtig gehegter Wunsche des Vylkes , ausgesprochen durch den Mund seiner Vertreter.

, Iq, heixte harfen wir als erstanden das Deutsrhe Reich begrüßrn, nicht em IiörptscheSReich deutscher Nation, sondern ein ureignrs Deutsches Reich,.fret von fremdartigen Elementen, wie es deutsrhe Patrtoxen sich bis jeßt geträumt. Und ist es denn wirklich nicht ein bloßer Traum, der Herz und Sinn verückt? Nein, es ist Wahrheit! Angetraumt hat der alte Schläfer auf dem Kyffhäuser, des Reiches

Macht und Herrlichkeit ersteht von Neuem. Nock) fassen wtr nicht deGEraigniJoä Ved-ufnng in feinor ganzen (Sm'ißo: oZ überrascht„uus ng

nicht, doch das Auge muß geblendet sich erst an die äußere Erscheint; des Bildes gewöhnen, das längst in unserer Seele schlummerte. Und wie auch die Dinge kommen und sich gestalten mögen, frohlocken und jubeln dürfen wir heute, daß der allmächtige (Hottunser geliebtes iheures deutsches Vaterland bis hierhin geführt und fichtlich ge- schüht hat.

Des Reichstags Ahgesandte bringen ihre Botschaft an der Seine Strand, wohin sie von des Reiches Oberhauht entboten worden. Klingt das nicht wieder wie eine Mähr“ in eines Dichters Phantasie eboren? Jm Lande des Erbfeindes deutscher Größe, an den Thoren einer fast bczwungenen „Hauptstadt soll daZ neueBand geknüpft wer- den zwffchen den deutschen Fürsten und dem deutschen Volke, fest und unzerreißbar, weil unter dem Schirm und Schuh des deut1chenFürftcm dessen Macht vom Fels zum Meere begründet ist. Auch das ist keine Mähre. Vor unsern Augen liegt das Gemälde der beispiellosen Siege unserer ruhmbekränzten Heere entrollt, welche das Frankenland bis über seine Hauptstadt hinaus bezwungen und Deutschlands Ehre und Unüberwindlichkeit besiegelt haben.

Die Abgesandten des Reichstages machen Halt in der ehrwürdi- gen Stadt Straßburg, bis vor Kurzem der festen Burg fränkischen Trußes und Uebermuthes, jeßt Hauptstadt des deutschen Elsaffes und von Deutsch -Lothringen. Das war die erste Frucht jener Siege: herausgegeben ist der seit fast zwei Jahrhunderten festgehaltene Raub an deutschem Lande, und schon seit Monaten ssen hier in„ernster Arbeit und geräuschloscr Emsigkeit deutsche Männer, dcnrn die Auf- gabe gestellt ist, die von der Mutter „Herz losgerissene, aber nie ver- loren gegebene Tochter in der Mutter Arme als deutsches Kind zu- rückzuführen. Wie einst Lothringen vor tausend Jahren ein Zer- sehuugsmitiel ward am alien deutschen Reich, so soll das ncuc Elsaß- Lothringen -- so Gott Will - der Kitt werden "* für Deutschlands dauernde Einigung. Denn deutsch ist das Land und deutsch sein Sinn, und seine Söhne werden ihren rheinischen Brüdern gleich sein, deren Väter vor 55 Jahren das Glück hatten, dem Scepter der Hohen- zollern unterworfen zu werden.

Im Namen des General-(Houvcrnemcuts im Elsaß und Deutsch- Lothringen heiße ich Sie, meine hochverehrten .Herren Abgeordnete, als unsere lieben Gäste herzlich willkommen. Ihre Sendung ist eine gxänzende, inhaltreiche, folgenschwere,“ kommende Gcschlechter werden Sie beneiden und, die Geschichte wird Ihre Namen in ihre Bücher eintragen. Der Himmel segne Ihren Weg und [affe aus den Stopfen Ihrer Füße reiche Blüthen und Früchte clftfhkU! Und «[Z die nächste zur Reise gekommene Frucht möge dem deutschen Volke wcrden - ein dauernder und gcficherter Friede!

[ h VZeiZe' Herren, aaf der Reichshotcn Wohl ein volles (Hias. Sie c en 0 .

Hierauf ergriff der Präsident Simson das Wort. Er erinnerte daran, daß nicht nur die Preußen, sondern alle Deutsche mit Stolz und Dankbarkeit ihre Wiinsche fiir die Hrrrscbcr des

Hauses Hohenzollern erheben mußten,“ kein anderes Geschlecht