1871 / 51 p. 6 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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Nichtamtliches.

, Belgien. Brüssel, 17. ebruar. Der Senat geneh- mxgte gesteryyden Kredtt von 3, 75,000 Frcs, zur Deckung der durch die m1l1täxischen Maßregeln entstandenen Kosten.

Die Repräsentantenfammer beschäftigte sich noch mit 'der Berathung des Mimsteriums des Innern.

Großbritannien und Irland. London, 15. Februar. Vom Auswärtigen Amte smd zwei Blaubücher ausgegeben, deren eines die »Korrespondenz bezügjich des Vertrages vom März 1856- enthält, und vom 9November vorigen Jahres, Wo Baron Bxunnow die (Hoxtschafow'sche Cirkularnote an Earl Granville überreichte, bis zum 4. Februar reicht, Wo es fich als sicher herausstellte, daß weder Jules Favre noch irgend ein anderer Vertreter Frankreichs den Siß bei der Konferenz einnehmen werde. Die Dokumente zerfallen in drei Häuptabtheilungen , nämlich erßens dic ursprünglicße Forderung des Fürsten (Hortschakow, dercn Erwägung Seitens der Großmächte und der Pforte, sowie di? beiderseitigen Yntwoorten und Erwiderungen; ZWeitens der Vorschlag Preußens zu einer Koxxferenz, der Depeschen- Wechsel bezüglich der Tragjveitt“, des Ortes und der Zeit derselben, und drittens die Erörtxerungen bezügl1ch dcs Geleitscheines für, Jules Favre und bezüglich der Vertretung Frankreichs.

Die Regierungsdelegation in Tours konnte von Jules Favre nicht mehr als den Vorschlag herausbringen, daß der Vcrtretung von Paris bei der Konferenz ein Waffensttußand, die abermalige Ver- proviantirung von Frankreich und die Einberufung einer National- versammlung vorangehen soüe. Dann. verlangte Favre fexner, die Frage des Krieges und der Stellung Frankreichs solle der Konferenz vorgelegt werden. Granville erwiederte: .vwas die ersten Punkte an- gebe, so könne er Frankreichs Vorschlag nicht untersiüßen, da, er keine diktatorische Haltung gegen Preußen annehmen könne, und Was die Ausdehnung der Berathungsgegenstände angebe, so müffe er das absolut ablehnen. Zugleich schlug Granville die BevollW-ächtigung Mr.TiJot's, des französischen Geschäftöträgers in London, zur Theilnabme an den Konferenzverbandlungen vor. Dann "wurde Lord Granvillx am 18. Dezember offiziell davon in Kenntniß geseßt, daß ein Vertreter Frankrcéchs theilnehmen sol1e, aber nachdem die Einladungen bereits ausgegeben waren - u. a. an Mr. Tiffot - und das Zusammen- treten der Konferenz auf den 3. Januar 1871 festgeseßt war, machte die französische Regierung bekannt, daß fie nicht Tissot, sondern Favre zu ihrem Vertreter erwählt habe, und zu gleicher Zeit hat sie, einen Geleitschein für ihn vom Grafen Bismarck zu erwirken, Die de- treffenden Unterhqndlungen sind bekannt;,“ Und inzwischen wurde die Konferenz bis zum 17. Januar bmausgeschoben, in der Hoffnung, hierdurch die Theilnahme Favrezs zu ermöglichen. Granville War sogar für einen längeren Aufscbuv, aber, die Vertreter _Oesterreichs und der Türkei hielten ein weiteres Zögern für unersprieß- lich. In der erstenSiyung warde nur die allgemeine völkerrechtliche Frage erörtert, und die Diswsfion des Vertrages wurde - abermals um Jules Favre willen - bis zum 26. Januar vertagt. Inzwischen gestalteten die Verhältnisse in_Paris sch derart, daß Favre seine Reise nach London aufgab, und daß sonach die Konferenz ohne Frankreichs Mitwirkung ihren Fortgang nahm. _

Das zweite Blaubach enthält die Aftenstücfc zum Kriege zwischen Frankreich und Deutschland. Auf 260 Seiten reichen fie vom Anfange des Monats Angus? bis zum Abschlusse des Waffenftiüsiandes. '

Die ersien Depeschen vom englischen Botschafter in Pans be- schreiben die stürmischen Scenen in den französischen Kammern, welche den Schlachten bei Wörth und Spicheren vorangingen, Schon am 12. August schreibt Lord Lyons: Die allgemeinEStimmung „sei derart, daß eine abcrmalige Niederlage der Dynastie dcn Todchoß geben müsse, während es noch keineswegs für gewiß angesehen werdk, daß selbst ein Sieg der franzöfischen Armee im Stande sein weide, eine Revolution zu verhüten. -- Der erste Pu_nkt von Wichxigkeit, auf „den wir darauf in den Aktenstücken stoßen, :| der Austausch der Neu- tralitäts-Verficherungcn zwischen den Verschiedcksen Mächten. Fürst de la Tour d'Auvergne, welcher damals - unter dem kurzen Ministerium Palikao -- Minister des AUswärtigen war, erklärte, er habe gegen ein Abkommen der Ncutralen nichts einzuwenden, da fie ja alle ut gegen Frankreich disponirt seien. Zu gleicher Zeit aber sei es 0 mbar, vdaß Frankreich unter den gegenwärtigen Verhältniffen feinen Vermittlungsvorfchlägen von irgend welcher Seite Gehör schenkcn könnea. Später sagte er in einer Unterredung mit Lord Lyons, Wenn Frankreich einen eklatanten Waffenerfolg er- ringen sollte, dann sei er _ de la Tour -- zu roßer Mäßigung ge- neigt, und WoÜe er nur darauf dringen, daß mit ustimmung Europas irgend ein Abkommen getroffen werde, »welcyes der Feindseli keit zwischen Frankretciz und Preußen, weil fie diesen Krieg verur acht habe, abhelfen w„urde.«- Um diese Zeit zeigte Rußland sich zur Vermittelung genug), Oest'erreicl) schlug Vor, daß die Neutralmächte hierüber 11 einem Etnverftänsdniß kommen sollten, und Italien machte ähnliche orschläge. Auf diese Wiederholten Anträge hin erwiderte England ablehnend. '

Als am 6. Septembxr Mr. de qualette die franzöfische Botschaft in London verließ und“ Re Geschäfte m die Hände Mr. Tissots gab, trat für die Beziehungen zwischen Englmxd und den Kriegführenden ein vollständiger Wendepunkt em. Von hter ab wird Lord Granville fa| unaufhörlich unter der einen oder anderen Form ersucht, sich ein- zumischen, indem er Preußen Vorschläge mache. Schon in den ersten Tagen nach Proklamirung der Republik hatte" Favre ge-

»gen Lord Lyons geäußert, Frankreich Werde in einen Waffen- stillstand wisligen, wenn der Vorschlax; von einer neutxalen Macht angehe, und es werde ihn reuen, wenn Preußen

ein Vermittelungsvorsckylag vorgelegt würde auf Bass der Integrijät des franzöfischen Gebietes.. Aber Wie biöher erwiderte Granvckle am 7. September, dasz em Vermittelungsversuckz mehr schaden al_s nüßen würde, wenn mcht Grund zu der Annahme vor- bandey set, daß die Bafis beiden Kriegführenden annehmbar erscheine. Inzwxschext erklärte sich Granville bereit, die Vermittelun irgend einer Kommumkatioxt zu übernthen, Welche zum Frieden ühren könnte. ngre nahm dt'cs b'ereitrvtlltg an und am 9. September überbrachte urst Mettermch emen Brief Favres an Lord Lyons, Welcher er- suchte, dem Grafen Btsmarck sofork' die folgende Frage vor- zulegen: J|_ Graf Bisnxarck gewillt, mündliche Unterhand- lungen fur emen Waffensttüstand und für eine Konferenz zur Feßßcllung der _Jriedensbedingungen einzugehen; und mit wem schlagt cr por, dtcse Konversation zu halten?: Diese Frage wurde sofort an, jhre Adresse befördert; abér die durch den Krieg nöthig ge- wordenxn Umwege verzögsrtcn die Antwort sehr, und Lord Lyons hatte» chyt wemg Mühe, Favre zu einem xuhigen Abwarten der Nut- wort zu 5ewegen._ Diesex mackte inzwisckcn mehrere Vsrsuche, Eng- land zu einer .aEttpcn Beförderung des Waffenstillsjands-Projckts zu bewegen, u-nd Wre er, so erzielte aucl) Thiexs an seiner Londoner Masson wz'cderholk dus" nämliche Antwort, daß England keiner- 191 Yorschlage m51chen„ 'könne, deren Bass 111cht die Wahrscheiw ltchkett emer betdctsexttgen Annahms in sich schließe. Endlich kam dcs Gt'achn von BiZmarck Antwort auf die Frage" Favre's, "5,le Granvrlle am 13. nach Paris beförderte. Das Akten- stuck' hebt hervor, Haß Eröffnungen Seitens der augenblicklichen Reglerung yon Parts mehr als Eröffnungen seitens der Regierung von Frankrexxh anerkannt werden könnten,- wcil Frankreich die Regie- rxmg noch" nzcht anerkannt habe, und weil der Kaiser Napoleon für dxe auswarttgen Mächte noch immer der Träger der Souverainität set„ Aber schon als diese Depesche an Favre noch unterwegs war, Ward (H'ranvtlle durch Lyons davon in Kenntniß gesetzt, daß Favre beabficbttge, zum_ Grafxn Bismarck selber zu gchxn, um offen heraus zx! sagen, daß dre Reglerung dem Resultat des Feldzuges ihre Augen mcht verschlossen habe und „bereit sei, m fas: Alles einzuwilligen, vor- ausgeseht, daß dte'Jntegrttät des Gebietes gewahrt werde.“,- Dann folgt das Ryndschrethen des Grafen Bismarck von Rheims, ' in wel- chem er erklart, _es set die Abficht der deutschen Regierung, vdie fran- zösische (Grenze thüdWesten und hierdurch den AusgangsPunkt der französisckxen Angrtffe zurückzudrängen und für Deutschland die Fe- stungen zu erwerben, _mit denen Frankreich uns bedroht, um fie zu Bollwerfen dcr Vexthetdigung zu machen.- (Fortseßung folgt.)

, Frankreich. D1e_Wahlen vom 8. d. M. gestalten fich bet genauerer Sonderung nach den einzelnen alten Landschaften txnd neueren'Departements, „soweit dies nach den bis jeßt vor- ltegenden _Mttthetlungen zu ubersehen, etwa wie folgt:

sz de France: Aisne: Malézieux, Favre, Weddington, Leroux, _Martin, Tillancourt, Turquet, Villain, Soye, Godin, Fou- quet. Seine _et Myrne: Graf orace Choiseul, OEcar de Lafa- yette, Jules de Lasteyrte, Grafd'Hau oneville, Voifin, Iozon. Seine et Oise: In der Stadt der Maire der Stadt Versatlles Ra- meau, Carnc/t, Barthelemy St. Hilaire, Thiers und Favre. Paris: Louis Blanc 216,000, Victor Hugo 214,000, Garibaldi 200,000! Quinet 199,000, Gambetta 191-000, Rochefort 163,000, Admirak Saisset, 154,000, Schölcher 149,000, Pyat 141,000, Wkartin; 139,000, Pothuan138,000, Lockroy 134,000, Gambon129,000, Dorian 128,000, Rane 126,000, Malou 117,000, Brisson 115,000, Thiers 102,000, Sauvage 102,000, Bernard 102,000, Dufraisne 101,000,» Greppo 101,000, Lanalois 95,000, Frebault 95,000, Clemenceau, 95,000, V5cherot 94,000,_Vrunet 93,000, Floquet 93,000, Cournct 91,000, Tßlkvjn 89,000, Llitkö 87,000, Jules Favre 81,000, Armand 79,000, Ledxu-Routn 76,000, Sat) 75,000, Tirard 75,000, Rorrayona- YÉQW, Adam 73,000, MiUiSre 73,000, Peyrat 72,000, Farrey 69,000

:mmen

Normandjex In Hävre: Thiers, Pouyer, Quertier, Buce, Cordier, republxkamsch; Jm Wahlbezirke Rouen wurden die Kan,- didate'n der konservativen Partei, Trochu, Thiers, Paégcr, Quertier, Dufaure, Yrccl u, A„ mit großer Majorität geWählt. .

Artots: Departemenx Pas de Calais: Martcl, Thiers, Deparß, Adam, Martelle, Douay, Defoulers, Debryas, Dcclerq,

.Hamisle, Dusausoy, Dérinsent. Die RepUblikancr sind völlig.

unterlegen.

Franz. „Flandern; Nord: 150,000 Stimmen monarchifck), 50,000 republlkamscv.

Champagne: Ardennes: Toupet des Vignes, G-rneral Chanzv, Gustav (Hany, Maire von Charleoille, PhilippotearZ, Maire won Sedan, Morttmer Ternaux, Graf Bexhuse, Maire von kezikzres. Aube. (Huyot, Casimix Perrier, de Parignot. Marne. Margenx, Mairede Samic-Menebould,Leblond, Procureur général, v.Warnier, Négociant, Flye-de Sainte-Marie, Chef d'Cscadron, Jules Simon, Minißre, Thomas, Médecin, E. Perrier, Malice de Chälons, Dauphinot, Maire de Reims.

Lothringen: Im Arrondissement Meh-Briey und Kanton Forbach sind gewählt: Rehn1,Dcchange, Bardon, Gambetta, André, Bamberger, Dornés, „Humbert, Noblot.

Elsaß: Niederrhein: Küss (98,090 Stimmen), Teutsch(95,582),-

Albrecht ;(94,091), ,MelSheim (67,934), Böll (65,697), Schneegans..

(65,632), Saglio (57,287, Gambetta (56,721), Qßermann (55,006), Börscb (54,703), Favre ( 4,514), Kablé (53,869).

* Bonr ogne: Cöte, d'or: Das Departement C6te d'or wählte: Dubois, cagnin, Carnot, Ioigneaux, Moreau, Garibaldi, Carion, Tridon. Saone et Loire: Im Snone- ct Loire-Departcment ge- chlmgtehdie gemischte republikanische und konservativ-liberale Liße zur

nna me.; '

Anjou: Maine et Loire: Im Departement Maine et Loire hat ebenfalls die konservative Patte: und zwar mit einer Majorität von 60,000 Stimmen den Sieg davongetragen.

Maine und Perche: Mayenne: In Mayenne hat die konser- vative Partei akle ihre Kandidaten durchgebracht.

Bretagne: Finistére: Im Departement Finistkzre find fol- gende Kandidaten gewählt: Thiers, Leflö, BrenvcniSre, Dimornay, deChamaillant, dc Kervanson, deMaibellier, deTreveneue, deKeyegan, de Kermigny, Trochu,„de Fortanz,'de Legge,

Aunis und Samtonge: Chaxente inféricure: Im De- partement Charente inférieure hat die rxpublikanische Partei einen

. Kandidaten, nämlich Betbmont, durchgebracht; alle cmdern dort ge-

wäh1.te11 Kandidaten gehören der »Union [iberale- an, darunter Thiers, Dufaure und andere.

La Marche: Creuse: Jm Departement Creuse ist die Liste der republikanisxben Partei unterlegen und Die ganze Liste der konser- vativen Partei durchgegangen.

Languedoc: Im Dep. Aude hat die Liste coer »Union liberalea, darunter Tbicxs, Guiraud, vollständig gestegt. In Ardöche ist die ganze Lifie der, konservativen Parkei durchgefommen.

Dauphiné: In dem Departement des Hauntes Alpes hat die Lxste, an deren Spiße Thiexs steht, gefiegt; gewählt wurden Michel .und Ducjateau mit 3000 Stimmen Majorität. In Sawoyen find die vier ersten Namen der republikanischen Liste durchgefommen; außerdem wurde Beauregard gewählt. In Cahors wurde Paulin Limayrac mit 36,000 Stimmen und Garnier PagSs, Duport, Lam- beterie Valsn, Roland, Prinz Joachim Murat mit 26,000 Stimmen Mwählt. tRepublikanisch: Gent, Delort, Lujade, Naquet mit 5000

a oritä .

1Die Wahlresultate in den übrigen Landschaften werden, sobald dieselben konstatért find, folgen: ,

Bordeaux, 17. Februar. (W. T. V.) Dte Bureaux

der Nationalvexs-„Umnlxmg beriethen heute Morgeus den Antrag ;“,Dufaurés und Genoffen , betreffend die , Er- nennung T*hiers' zum Chef der Exekutivgewalt der französtscben Republik “,und sprachen fich mit Majoritéix zu Gunstsy dtejes Antrages ans. - Jules Favre und Picard smd hier cm- . etro en. g' _f_f_ DiE Zuzüge zum Sißungssaale des gesetzgebenden Körpers waren heute durch Natwnalgarde , Linien-Jnfantcrie und Kavallerie abgesperrt, so daß es rxnmöglich war, sich dem Ge- bäude zu rtähern, bevor der Prästdent die Stßung aufgehoben hatte. Ein Mitglied der Linken erklärte, er wäre gezwungen gewesen, durch mehrere Reihen von Bewaffneten dxzrcbzugehen, um in den Sißungßsaal zu gelangen, er werde künftig ehen- fakls bewaffnet erscheinen. Grévy Übernahm das Präsidtum mit einer kurzen Rede, ir, welcher er die Ueberzcugtmg „aus- sprach, die Versammlung werde auf der Höye ihrer Mtsfion stehen. Der Antrag des Bureau, welchem zufolge, dte noch Übrigen Wahlen im Seme-Departement zu genehnngen seten, wurde von der Kammer angenommen.

-- Der *Indézv. belgea wird aus Bordeaux, 10. Februar,

*folgende Stelle aus der Zeitung »Droit de ['Hommea mit-

nd wir es nicht, aber wir wünschen nichts mehr, als es zu werden. Wir wollen roth werden von dem Blute 5er Wetßen. Brüs s el , 17. Februar. (W. „T. V.) Nachrtchtez) ays Paris vom 16. zufolge betrug dxe Zah1 der Sterbefalle m der leßten Woche 4451. Die Stadt ck ruhtg. Spanien. Madrid, 17. Februar. (W._T. B.) Das amtliche Blatt enthält ein Dekret, durch welches der Vegmn .der

1Zetheilt: Ihr nennt uns Rothe. Greifen wir nicht vor. Noch 1

Corteswablen auf den 8. März, der Zusammentritt der Cortes

auf den 3. April anberaumt wird.

Griechenland. Athen , 17. Februar. (W. T. B.) Dxr Appeklhof hat gestern das Urtheil _erster Instanz gegen dte Mtt- schuldigen in der *Marathon-Affawea bestängt. ,

- In Folge Beschlusses des Appellhofcs wxrd der wegen Theilnahme an der Marathon-Affaire amgeklagte Engländer Noel vor den Assisen erscheinen.

Türkei. Konstantinopel, 11. Februar. Abermals find Truppen nach Yemen abgegangen. Aus „Bagdad xvird gemeldet, daß die Araber in der Nähe von Dwameh neuerdmgs

revoltiren. Salih Pascha ist mit Truppen gegen sie abgeschickt

' worden. ,

Der griechische Patriach ersuchte den Großvxzier um die Erlaubniß zur Abhaltung eines ökumenischen Konzils wegen der bulgarischen Kirchenfrage.

Schweden und Norwegen. Chriftxania, 7.Februar. Gestern Mittag fand die Eröffnung des Storthtngs statt. Das erste Mitglied der Regierung, Sta'atsrath Spang, verlas die Thronrede, welche ihrem wesentltchex Inhalt nach lautet:

vLiebe Herren und norwegische Manner!

Indem das Storthing sich Wiederum versammelt, um über die Angele nbeiten des therlandes zu berathen, gebührt unser Dank zunäch und vor Allem der Vorsehung, Ue uns die Segnungen des Friedens bewahrt und in dem abgelaufenen Jahre dem Lande eine ungewöhnlich reiche Ernte bescheert bat.

Während des Krieges, dcr zwffchen den beiden mächtigsten Na- bonetx Europas gefühxt wrrd, habe in) für die vereinigten Reiche eine vollftandtgx Neutralätat bewahrt. Einzelns unserer Erwerbszweige haben freilich vom Kriege nicht unberührt bleiben können,“ dessen un- geachtet aber und troß der vom vorigen Storthing beschlossenen be- deutenden. „Erleichterung der Zölle haben die Staatseinnahmen fich doch «(s ßtnlänglich zur Beftreitung der Ausgaben erwiesen.

„Dkk Antrag, betreffend eine neue Unionsakte, Welche ich auf dem voxtgen Storthipg und gleichzeitig auf dem schwedischen Reichstage angeregt hahe, [regt jest zur Berathang vor. Die Erkenntnis; von der Unvollkomm-enheic der 1291 geltenden Unionsbeftimmungen hat dghin geführt, daß zwei Mal Komites von schwedischen und norwe- gischen Männern niedergesext sind, um die Angelegenheit in Erwä- gung zu ziehen und ihr Gutachken abzugeben. Diese beiden Komites ffnd einstimmig zu dem Resultat gekOMMc-n, daß das Ziel aÜein durch eine Revision der bestehenden Reichsqfte in ihrer ToTalität erreicht Werden kann, und haben von diejer Voraußseßunq aus- gshendeYnträqe gestellt. Es geschah in Uebereinstimmung mit dem Beschluß des Storthings vom 14. Juni 1863, daß ich es übernahm, das Komite niederzuseßen, welches den cht in Betracht kommenden Vorschlag ausgearbeitet hat. Dieeinficbtsvollen norwegischen Männer, die an der Axtsarbeitung desselben Theil genommen haben, haben ebcnso wie mein Norwegischer StaatSratl) einstimmig dessen Annahme, als im Jnxereffe Norwegens liegend, angesehen. Es liegt jeßt dem Storthing ob, diese wichtige Angelegenheit in Erwägung zu ziehen. Der Antrag kann nach ssiner Beschaffenheit in seinem Zusammen- hange und seiner Vollen Bxdeutung nicht ohne eine vorurtheilsfreie, (orgsältigs und gründliche Prüfung aller seiner Bestimmungen über- 1chaut werden. Eine derartige Erwägung wird, wie ich hoffe, das Storthing demselben zu Theil werden lassen.

Obgleich die vereinigten Reiche nicht unmittclbar von dem Krie e. berührt worden find, deffsn Zeuge Europa, nach einem verhältni - mäßig langen, allgemeinen Frieden; der während der lsßten Deccnnicn tyit kurzen Unterbrechungen herrsch1e, gervesen ist, so liegt doch in den Ereignissen cine verstäkkte Aufforderung, in Uebereinstimmung mit dem, was andere Skaatcn für nothwendig erachtet haben, so viel wir vermögen zur Stärkung unseres Vertheidigungswesens, zum SchUßx unserer politischen Freiheit und Unbabhängigkcit lhätig zu ssm. Ick beantragte zu diesem Zwecke bei dsm vorigen Stoxthing eine nur durch die Aufnahme einer Staats- anlethe zu beschaffende, außerordentliche Bewiüigung, Wklche wesentlich zur Anschaffung zeitgemäßer Waffen und zur Vervollständigung einzelner Jeüungswerke von hervorragender Be- deutung dienen soÜte. Das Storthing bewilligte nur den Bewag, der fich durch diegewöhnlicben Staatseinnahmen bestreiten ließ. Ick er- fülle eine unabweisbare Pflicht, indem ich den im vorigen Storthing eingebrachten Antrag wiederhole. Das Storthing wird ohne ZWeifel eben so gut wie ich erkennen, daß es fich hier um Vorkehrungen von einer Beschaffenheit und Bedeutung für das Vertheidigungswesen handelt, daß die Durchführung nicht länger, als unumgänglich noth- Wendig, Verschoben werden könne.: . ' , _

Dre Thronrede geht dann auf dxe Proxekttrxen neuen Etsen- bahnlinien näher ein,_deren Vorarbelten noch mcht so weit vor- geschritten sind, um jofort eme Vorlage wegen Aufnahme der erforderlichen Anleihe machen zu kömzen.

- 17. Februar. (WT. V.), DteErnennung des „Herzogs von Ostgothland zum Regenten 1st erfolgt wegen dex Drang- lichkeit der angehäuften laufenden Staatsgeschéjfte. Dte"Krank- hett des Königs besteht in einer geschwyrarttgen Entztxndun des Zellengewebes des Beines. Am Dienstag und Mtt'two erschien die Krankheit in Folge emgetretenen starken Ftebers

efahrdrohend. Ießt ist der Zustand anscheinend wieder ge- ahrlos geworden. .

Landtags - Angelegenheiten.

Berlin, 18. Februar., In de_r „gestrigen Sißung dxs Herrenhauses gab der Fmanz-thster Camphausxn m der DiSkusfion über den Geseßenxwuxf, betreffend dte Letstung eines Vorschuffes für dte Krtegfuhrung, nachstehende Er- klärung ab: . ,

Meine .Herren! Als dteStaatsregterung fich dazu entschloß, duke Vorlage um eine Kreditbewilligung zu machen, ßand noch nicht mt unbedingter Gewißheit fest, ob die Kontribution, welche der Stadt Paris auferlegt worden ist, sofort berichtigt werden würde; heute hat sich die Sache insofern geändert, als diese Kon- tribution in einer Weise berichtigt worden ist, die es, der Regierun nicht schWer machen wird,. über die ihr zur - Dtspo- sition geJellten Werthe rechtzeitig zu verfü en. Dessenohngeachtet glaubt die Staatsregierung bei der Vorlage ehen blerbcn zu sollen, indem hier ja überhaupt nur ein möglicher Fall in's Auge gefaßt iß. Ich meine aber, daß dieser mögliche Fall auch jeßx noch keinen Augen- blick lang außer Augen gelassen werden darf. er haben im Laufe der heutigen Sißung erfahren, da? der bis zum 19. dieses Monats ahsJeschloffene Waffenstillstand nur um ünf Tage verlängert worden 1 . Ob es bis dahin gelingen wird, die Basis zu einem ehrenvollen Frieden zu legen oder nicht, das steht zur Zeit noch dqhin; ]edenfalls aber glaube ich, wird das Hohe aus durch ein emmythiges Votum gern bekun- den wollcn, daß es 11 Bezu auf die Kriegszwecke noch heute gerade» so denkt“, wie vor sechs bis sleen Monaten, und daß es bereitwilli der StaatSregierung die Mixtel zur Verfügung fiene, um energis den Krieg zu einem glorretchen Ende führen zu können.

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