1911 / 116 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 17 May 1911 18:00:01 GMT) scan diff

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Ministerium des Innern.

Dem Oberre ierungSrat Dr. Kfmaselau ist die Stelle des Dirigenten der AFteilung )( - ür VerkehrSpolizei - des Polizeipräsidiums in Berlin übertragen worden.

Finanzministerium. _

Die Rentmeisterstelle bei der Königlichen Kreiskasse in Fraustadt, Regierungsbezirk Posen, ist zu beseyen.

Angekommen:

Seine ExzeUenz der Staatsminister und Minister für Handel und Gewerbe Dr. Sydow, von Dienstreisen.

Yiehfamtliches.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 17. Mai.

In der am 16. Mai unter dem Vorfiß des Staats- ministers, Staatssekretärs des Innern Dr. Delbrück ab- qehaltenen Plenarsißung des BundeSrats wuxde der Vorlage, betreffend den Handels: und Schtffahrts- vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Schweden, sowie der Vorlage, betreffend die Beschlüsse des Landesausschusses zu dem Entwurfe des Landeshaushalt?- etats von Elsaß-Lothringen für das Rechnungsjahr 1911, die Zustimmung erteilt. Der Antrag der Ausschüsse„ betreffend -rgänznngen des Warenverzeichniffes zum ZoÜtarrf und der Anleitung für die Zollabfertigung, gelangte zur Annahme.

Der Kaiserlich russische Botschafter Graf von der Osten- Sacken ist nach Berlin zurückgekehrt und hat dte Leitung der Botschaft wieder übernommen.

Der Präsident des Ober-LandeskulWrgerichxs, Wirkliche Geheime OberregierungSrat Dr. Meß ist in Dienstgeschäften nach Thüringen abgereist.

Dex weltliche Steüvertreter des Präsidenten des Evange-

lischen Oberkirchenrats, Wirkliche Oberkonsistorialrat 1). M o e [ le r ist mit Urlaub abgereist.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist_ S.M.S. „Panther“ vorgestern non (Tap Lopez und gestern 1ind S. M.S. „Möwe“ von Ferrol und S. M. S. „Luchs“ non Tschingkinng ( Yangtse) abgegangen.

Großbritannien und Irland.

(Gestern ist in London das Denkmal für die Königin Viktoria vom König Georg in Gegenwart des deutschen Kaiserpaares, der Königin 9)1nr1), der Mitglieder der Königlichen anilic, einer Anzahl von Premierministcrn der Kolonien, die sick) jeßt zur Teilnahme (111 der RcichcZkonferenz in England befinden, dss diplomatischen Koch und einer glänzenden Znschnnerversnmmlnnn feierlich enthüllt worden. Nach dem Bericht des „W. T. B.“ iierreichte der ViIcount Csher, der Vorsißendb des Denkmalsansschnffes, als die Majestäten und ihr Gefolge unter dem vor dem Denkmal errichteten Baldachin P(nxz genonnnen hatten, den Bericht und dis Adkéssé, worauf der König Georg eine Ansprache hielt, in der er zunächst auf des König?- Eduard Anteil an der heutigen Gedenkfeier und den der Dominien und Kolonien [1111113195 und sodann hervorhob, das; das Denkmal dcn Tribnt von Rassen und Ländern von größerer Verschieden- beit in (Thnrnkter nnd stsncZweise darstelle, als sie jemals zuvor zu einem gemeinsamen Zweck vereint gewesen seisn. Der König fuhr fort:

Es ist für micky nnd 111-21116 Familic' eine Qnelle ticfer Be- "riedigung, daß 1116111 lieber Vetter, der Deutsche Kaiser, beglsitet bon er Kaiserin, bsi dieser historischen Fsicr anwesend ist. Seins Kaiser- liche '.Ukajestät ist der ältests Enkel der Königin Viktoria, dic ec immsr mit natürlicher 3111191911119 geliebt 111112 bxrcbrt bat, 11115 seine Anwesenheit und die Swinpatbisn, die? er uns in den letzten Tagsn ibrss sténs und später entgegengebracht bat, Werden Von mir 11115 meinem Volke niemals Vergkffen werden. Starke und lsbcndigs Bands der VerWandtscbaft und Fre'undscbaft bereinigen unsere Tbronc 11115 Pcrsonen, Und mein Volk freut sich mit mir dariibsr, das; kr beate bier ist, 11111 an der Ent- hüllung diksés Denkmals tcilzunkbmen. Ich bitte Gott, das; dieses Dcnkmal in London immerdnr dcn Ruhm der Regierung der Königin Viktoria künden und den zukünftigcn Gcschlechtern die Liebe und Ver- ehrung dnrtun mögk, die das Volk für 118 und ihr Andknken hegt.

Der König schloß, indem er mit warmen Worten der Hin- gebung gedachte, die Königin Viktoria ihren öffentlichen Pflichten gewidmet habe.

An die Ansprache des Königs schloß sich ein vom Erz- bischof von Canterbury und dem Bischof von London geleiteter Gottesdienst, worauf unter dem Salut der Geschiiße und unter den Klängen der Nationalhnmnc die Ent iillung des Denkmals erfolgte. Nach der Enthüllung legte Lr Kaiser an dem Denkmal einen Lorbeerkranz nieder, ebenso die Abordnung des preußischen Gnrdcdrnnonerregiments Königin Viktoria von Großbritannien und Irland. Tie eier schloß mit einem Vorbeiinarfck) der 5111“ Enthüllung bcfo [enen Truppen.

* - Jm O 111811111111 2 brachte gestern der ViScountMorlei) die Veto-Bill ein, die, LMU“ Meldung des „W. T. . .“ zufolge, in erster Lesung formell angenommen wurde.

-- Jm Unterhanxe brachte der Schatzkanzler Lloyd George gestern das BU get ein. Es zeigt, obiger Quelle zu: folge, einen tatsächlichen Ueberschuß von 5607000 Pfund, von denen 2 357 000 Pfund fiir Schuldentilgung und 1 500 000 Pfund des Restes fiir die Sanatorien bestimmt find, die in dem Ver- sicherungsentmurf vorgesehen sind. Ein Posten von 250000 Pfund ist fiir die Entschädigungen der Yarlamentßmitglieder vorge- sehen, die je 400 Pfund jährli ohne Reisekosten erhalten sollen. Die Minister sind von dieser Enis ädigung aus- geschlossen. Der Voranschlag der AUSJaben “ir das Jahr 1911/12 beläuxt sic? auf 181234000 Pfund und die an; Grund der betehen en Besteuerung geschä ten Einkünfte an 181 716000 Pfund, was, einen gennffen Spielraum vorbe- halten, einen geschäßten Ueberschuß von 337 000 Pfund ergibt.

Bei der Erörterung der künftigen AuSgaben, besonders in

.Verbindun mit dem VersicherungSgeseHentwurf, nahm Lloyd

George ezug auf die nach dem deutschen Flotten eseß er- follxzxendet Vermmderung der Aufwendungen für Schi sbauten un ag e:

ies mache auch eine Verminderung der englis en Flotten- rüstun en notwendig, Wenn nicht eine neue Drohung, d 8 man nicht voraus eben könne, dazwischen kommen sollte. Der Erste Lord der Admiralität McKenna habe bereits angedeutet, daß England die höchste Steigerung in seinen FlottenauSgaben erreicht habe, und man könne für das nächste Jahr einer wesentlichen Verminde und in dem darauf folgenden Jahre einer noch größeren entgegen se en. Er hoffe, daß das für das VerficherungSgesetZ notwendige Geld in den folgenden Jahren ohne Steuererhöhung werde beschafft werden können.

Frankreich.

Der Senat hat gestern seine Arbeiten wieder auf-

genommen. _ Spanten.

In der Kammer_ unterzog_ gestern dex Re ublikaner AScarate die Operationen be1 Ceuta emer ritik und führte, „W. T. B.“ ufolge, aus:_

Die militärischen aßnabmen seien eeignet, einen Zusammen- sio heraufzubescbwören. Das Land wo 6 keinen Krieg. Welches au immer die Haltung Frankreichs sei, Spanien dürxe Frankreich nicht folgen, denn das wäre sein Verderben. In se ner Antwort versicherte der Mmisterpräfident Canalejas, Spanien one weder Krieg noch Streit sondern vonommene Neutralität bewahren, „Aber“, fuhr der Ministerpräfident fort,“ „wir haben die Pflicht, Un- ordnung in der Umgebung unserer festen Pläxze bintanzuhalten. Spanien bat polizeiliche Aufgaben 111 semex Einflußzone zu erfü1len und hierbei darf es fi Von keiner Nation er- seßen lassen. Wir haben unsere Ste ungen in der Umgebung Von Ceuta besetzt, um freien Durchzug zmd freie Ausübung des Handels zu sichern. Wir werden nicht vorrucken, wenn das Ansehen unserer Waffen das gegebene Ziel erreicht. Im ?ntgßgengeseßten lFalle, wenn sich nämlich Dinge ereignen sollten, pie wrr nicht Vorausse ,en können, mij te die Linie der yon uns eingenommenen Stellungen vor- ges oben werden. Das Vorgehen Frankreichs kann in verschiedenen Gebieten einen Rückschlag ausüben. Wenn 1chs einen ustand der Anarchie schaffen und Angriffe auf die spanischen Wa en in der spanischen Einflußzone mit fich bxingen sollte, würden wir zu allen Mitteln greifen, um dies zu Verbindern.

Türkei.

Die von den ersten Dragomanen der Botschaften der Schußmächte der Pforte gema te miindliYe Mitteilung iiber 'die Entsendung von adis na Kreta lautet, wie das „Wiener K. K. Telegraphen-Korrespondenzbureau“ meldet, authentischen Informationen zufolge, daß die Kreta- mächte der Pforte den freundschaftlichon Rat erteilen, Kadis nach Kreta nicht zu entsenden, damit die Pforte nicht großen Schwierigkeiten aUSgeseZt werde.

- Die Deputiertenkammer hat gestern, „W. T. B.“ zufolge, den Antrag der Bautenkommission angenommen, wo- nach für den durch den Staat auszuführenden Bau der Bahn Samsum-Siwas ein auf vier Jahre verteilter außerordenß licher Kredit Von 3 105 000 Pfund bewilTigt wird. Das Ver- langen der Regierung nach einem Vorschuß in Höhe von 100000 Pfund fiir den Bau dsr ersten Teilstrecke, die mittels einer in Frankreich aufzunehmenden Anleihe gebaut werden sollte, wurde abgelehnt.

Serbien.

Die Skupschtina hat gestern, „W. T. B.“ zufolge, endgültig mit 62 gegen 58 Stimmen cinen Gescßnrtikel ange- nommen, dc-r allen Staatsbcnmten die aktive Beteiligung an der Politik verbistct. Heute gelangt das Apanagegcseß znr Verhandlung.

Amerika.

Dns nntoriknnisch Repräsentantenhnus hat gestern, „W. T. V.“ 5111111119, einc Resolution Stanley angenommen, die eine UUth nchunn gegen den Stabltrust durch den NennernuSschuß des Repräsentantenhauscs vorsicht.

; Nack) Meldungen des„Rei1tersck)en Bureaus“ Haben die Aufständischen in Mexiko den 60 Meilen nordöstlich der Hauptstadt gelegenen Ort Pachuca, der in einsin der reichsten Bernwsrksdistrikte liegt, ohne Widerstand genommen. Der (Houvcrneur ist goflijchtet.

Asien.

Der neue Vizekönig der Mnndsck urei ist nach einer Meldung der „St. Petersbnrger Telsgrapzenagentur“ bei der Regierung in Peking vorstellig geworden, daß die Gonvcr- neure von Kirin und ,Zizikar ihre Berichte an die Re- gierung nur durch den (83911ernlgouverneur senden sollen. Die bciden (Honverncure haben crklärt: falls: ihnen der unmittelbare Velrkehr mit Peking verboten wiirde, wiirden sie ihren Abschied 1121me11.

Koloniales.

Zu den Gerüchten über Unruhen in Süd-Kametun.

Ueber das bercits' in der Tagkspresse kurz mitgeteilte Cin- schreiton d_er Station Dume gegen den Oberbäuptling Betuggc ist nunmehr ei11_Bcricht dcs Bezirkswiters bon Duma eingegangkn, dem das .Deut1cbe Kolonialblatt' folgcnde (Einzelheiten entnimmt:

_Am Abend des 9. Fébruar traf auf der Station ein Brief des Ka111111anns Greve, Vcrtrsters der Firma Randad und Stein (Pagen- stecber 11. CVI) in Bstungc (an der Straße Dame -Bertua-Deng- deng), ein. rein! meldete, er fühle fick) nicht mehr sicher, und bat den Stationscbcf, rasch zu kommen; 1111-25 weitere werde dieser an Ort und Stelle e1fal1ren. „Sofort Verlies: der Kompagniefübrer, Oberleutnant We elin rnit den augenblicklich verfügbaren Sol- daten _- 2 Dientaraden und 23 Mann - dic Statwn, erreichte in clsstündigem Nacht111arsche Bertua, (1111 gleichen Tage Jangelli und am 11. Febrnar Morgens Betugge, das etwa 100 1ch111 von Dame entfernt ist. Er gewann den Eindruck, daß die Bevölkernng bei und nörd1ich bon Betugge bis Belongo wo ebenfalls ein europäischer Kaufmann sitzt und wohin am 12. Je ruar ein Orientierungsmarscb gemacht wurde, rubig ivar. Dagegen mußte der Oberbauptling Betugge am 13. Februar mit z1vei Beratern festgenommen Werden. Dies geschah in seinen1_Dorf und in An- wesenheit seiner Unterbäuptlinge und eines Teils !c'mcr Leute.

Aus der gegen Betugge geführten dreitägi en Verhandlung ge- wann dsr Kompagniefübrer zWar den sicheren Endruck, das; Betuage die Ermordung des Kaufmanns Grebe in der allernächsten Zeit be- absichtigt batte, „daß jedoch die Ausführung seines Plans an der Nicht- cinwilltgung seiner Großleute und der Bevölkerung gef eitert war. Ein einwandfreier Beweis konnte aber nicht er racht w_erde11. Dagegen ist einWandfrei festgestellt, daß der Ober- hauvthng Beru ge fich dem leßien Aufstand der Nord-Makas anschließen woll €. Wenn der Anschluß tatsächlich nicht er- folgte, so war dies begründet in den Mißerfolgen der aufständischen

Maka und dar1n daß die 'Unterbäuptlin e Be ' * völkerung sicb _ in Erinnerung an die frü eren,tuj?ngckKaYfolk Bs- Major Dominik und Polizeimeister Müller erlittenen Roß “ZU" luste -- seinen Aufreizungen gegenüber zunächst pas v wen? er- ablebnend verhielten. Betugge wurde wegen versmßtén Hoch_ Wbt Landesberrats zu 15 Jahren Kettenhaft, zwei seiner “Berateé und fHZlfershelfF 55.111an dzu v8 UW“? ZJaliriZ Kettenbaft unter 111-113 u rung na 9 un 11 erure . u e wurded' ' bannJ'g FrtVserZrteilten beaÖtrtagt. ?) le dauernkoeVer„ ie n er u ung gegen e ugge ga ein le rrei e der Denkart des Negers; Als Betugge sal), daZ seYesYZsepieil vo" Mehrzahl nuf seine Plane ni t eingeben onten, sagte er iii de? bin ein altex Mann, 1 Werde bald sterben; mir kann "än“ glei „sein. Aber ,ein Weißer muß mit mir in die Grube. Ihr Ties 1a, wre es der Weiße macht. Er packt dann mich nicht allein als dßt Schuldigen, sondern er bekriegt den Stamm in seiner Gesamtbin un? dann müßx be wohl oder übel aucb mittun. Schlägt „elt, [tever sofort Mit mir 106.“ Und so wäre es wohl auch g'ekomxx so Wenn nicht rasch eingegriffen wvrden wäre. Man steht, Wie ee'n, übles Elernent emen ganzen Stamm ins Verderben ziehen kann M Das uberraschende Erscheinen der - wenn auch schwa Zn _ Truppe nnd die Verurteilun Betugges und seiner nächsten Zerat haben bei der Bewölkerung Zchtlicb großen Eindruck gemacht- es ies; kaum anzunehmen, da?) sie in nächster Zeit feindlich wird. Sie 3111111 ihre Kopfsteuern nnd ält die Wege imstande, ist aber im übrigen furchtsam und vor allem arbeitsscheu. Zur Berub' ung des Kauf manns Greve und zur Sicherung der Karawanenstra e im Bereich; bon Betugge wurden 3 Soldaten dort belassen. Der Kompagnie führer kehrte am 20. Februar nach der Station zurück. '

Parlamentarische Nachrichten.

Die Schlnßberichte über die gestrigen Sißungen des Reichs- tags und des „auses der Abg eordneten befinden sich in der Ersten und weiten Beilage.

- Der ReichStaÉ feste in seiner heuti en (177.)Siß1mg dxr dex Staatssekretär r. Delbrück beiwo nie, die Spezial:“ diskusfton des Entwurfs einer ReichSversicherun s- ordnnng auf Grund de_r Beschlüsse der )(71. Kommisiion im drittenBuch„Unfa11vers1 erung“, §§ 560-1212, (Referent: Abg. Dr. Mugdan (foxts )r. VolkSp.) fort. Der erste Ab- schmtt, Umfang der „Versicherung, §§ 560_573, ist gestern big emschl. „H 569 erledigt worden.

§ 5698. ist von der Kommission zugefügt und besagt:

' BetriebSunternebmer, die nach der Sayun der Versicherungs- bf11cht unterlieg€n, _aber keiner besonderen Un allgefabr ausgesext snid, kann der Vorsand der Berufsgenoffenschast für Vekficberungk- fr? _elrtharen. Auf Beschwerde entscheidet das Oberbetficberungsamt en 11 ig.

??bg. Bus old (Soz.) befünvortete einen Antrag Albrecht, siatt „berficberungsfrei“ zuÖethn „beitragßfrei“. Der kleine Handwerker, namentkich der kleine augeWerbeireibenke, müsse beute einen gewiffen Wohlstand bcucbeln, hinter de_m aber vielfach nichts stecke. Diese Kategorie von Arbeitgebern dürfe nicht ein Privileg erhalten, indem man sie für berfich€rungsfrei erkläre; wolle man ihnen ein(n Vorteil zuwenden, so möge man ihre Beitränc berabseßen oder sie nach 11111 Anfrage Albrßcht von der Bsitragspflicbt befreien.

Der ' Antrag Albrecht wurde abgelehnt, dagegen ein Kompromißnnt'rag Schnlß nngenommen, wonach dem „6 56911 hinzugefügt W115: „Er nndexruft die Befreiung, sobald ihre Vorausseßung, ntcht mel1r vorliegt.“

§ 5723. 1st ebenfalls von der Kommisfion eingefügt:

Die Satzung kann bestimmen, daß die freiwillige Versicherung anßer Kraft tritt, wcnn dcr Béttrag nicht rechtzeitig bezahlt worden iii, und daß eine Neuanmeldung so lange 11nwi1ksam bleibt, bis der rückständige Beitrag kntrichtet worden ist.

Abg. Albxecht (Soz.) befürwortete einen Antrag, statt „nicht rechtziéitig“ zn ingen „trotz wiederholtsr Z).)kabnung nicht“, Es handle fick) bier um die Wabxung der ivoblernwrbenen Rechte der freiwillig Vcrficbertcn, nnd cs !éi _cbarakrsristisch, daß es der Sozialdemokraiie vorbehalten bleiben müne, „für sie einzutreten. Es handle sich um großs Kreise des kleincn Oandwarks; die BeHauptung, das; 1161 freiwiüig Verfichcrtcn den Berufsgenoffenscbaften eins 111111! Last wären, sei durchaus nicht zutreffend. Um finanzicli besonders ungünstig gestcÜts klcine Unternehmcr . . . (Dic VUband- lung crfubr eine Unterbrscbung, indem eine auf der allgemeinen Tribüne anwesknde Z1chörcrin,die wiederbo1t den Ruf „Lauter“ ausgéstbszen hatte, Von den Galericdienekn und einem Hausinspektor 1181511111111 Von der Tribüne entfcrnt wurde und sich der Hinausfübrungmit lautem, anhaltendem Schreikn widerseßie). Wolle man dem kleinen Handwerk wirklich und nicht'wit Worten niißlich skin, so müffe man den sozialdemokratischen Antrag anncbmcn. '_

Ab . Jrl (IMU): An fich ist uns dieser Antrag sinnpatbncb, wir miiiien ibn a er im Interesse“ der Bernfsgcnosscnscbaftmi 1111161111", weil der Begriff ,wicdkrlwltc Mabnung“ zu unbksiimmt ist. Die kleinen Unternehmer, um die es fich bicr Handelt, würdm d111ch eme Prozeßbcricblcppung du1ch leicbtfinnige Zahler geschädigt Werksn-

Abg. Albrecht (Soz.): Ich kann diesen Einwand nicht 11111811 11111an nur in der Von uns borgcschlagenen Form ist der Paraskäph annehmbar. .

Abg. Sen1lerénl.): Ick) beantrage, über das Wort „wieder- bolt' in dem Antrag Albrkcht gesondert abzustimmen.

Der Antrag Albrecht wurde ohne das Wort „wisdcrboli“ angenommen und mit dieser Aenderung der § 57211.

Der zweite Abschnitt, §§ 574-*--637, betrifft den „(536119P stand der Vsrsickwmng“.

„6 577 1th fest, daß bei Verleßungen vom Beginns der 14. Woche nach dem Unfall Krankenbehandlung und 319111er gewähren ist. .

Die Anträge Albrecht und Genossen woÜen dic UniM- versicherung vom Tage des UnfaÜs ab eintreten laffcnnmd Ü“ 13 Wochen Knrenzzeit, fiir die bisher die Krankenvenickzerung auszukommen hat, beseitigen. [

Abg. Büchner (Soz.) befürwortete diesen Antrag. TW, ZLF der in den ersten 13 Wochen auf dem Schlachtfelde der Axbelk N' fallenen sci erschreckend groß. Die Berufégenoffenschaften 1111115181131" Vcrleßten Vom ersten Tage des Unfalls m sachgemäße Bkbanrlung durch fachkundi e Aerzte geben, dadmcl? würde das Heilveifabkk" 111- kürzt und der ' erufsgenossenscbaft ge olsen sein, ebenso den Kran ?"“ kassen, dic cht für die 13 Wochen aufkommen müßten.

Der Antrag wurde abgelehnt.

Nack) § 578 beträgt die VoÜrente (Rente für 1191111189?“ merbsunlfähigkeit) “3,12; des Inhresarbeitsverdienstes, die TMNT? den Tei der Vollrcnte, der dem Maße der Einbuße und U, wcrbsxähigkeit entsprickÉ. ,

A Z. Lehmann - iesbaden (Soz.) befürWortete emen Antravl; den vo en Betrag des Jabresarbeitsverdienstes als Vollrentxss" gewähren. Das Zentrum habe auch in dieser Sache in der Komm1csbxkn wieder eine sonderbare Rolle gespielt und sei vor den Scharfma be- zurückgewicben, zu denen vor allem Alexander Thiele mit seinemdlich kannten Buch gehöre. Wollten die Herren wirklich arbeiterfkku" sein, 11) müßten fie den sozialdemokratischen Antrag annehmen-

Der Antrag Albrecht wurde abgelehnt. 5 581 besagt na der Kommissionsfaffung: 8S1.)1ange der erle te iniolge des Unfalls unvers FTT

arbeitslos ist, kann die enossenschast auf Zeit die Teilren zur Vollrente erhöhen.

** . trat für einen sozialdemoqutifeben Antrag

WJYYoTld (Zé o61)esem Flle die Genossensch zur, Erhöhung

2111-1175 BMW die ganze auer der Arbeitslo gkeit veÜyflixhtet

Yi! d'eo 11- Seine Partei verlange nicht Gnade für die rbeiter,

Recht. ZOPYX Antrag wurde abgelehnt.

In 584 ist u. a. bestimmt, daß der Arbeitsverdienst für

, BereTJUUUI der Rente nur zu einem Drittxl angerechnet dl? d soweit er 1800 (Vorlage 1500) 5,15 überstetgt.

nnr Üb Molkenbubr(Soz.) trat für die Streichung dieser Bestim-

eZ, So groß sei die Zahl derer nicht, du in einem Großbetriebe

ZW? als 1800 „46 vex'diilentend (Zis hFdlleftfichmYmder nncßtum eirsen

, UU ? e a un Uk 11 zu en

gans LLKW?" Bruch Die Parteien, Isis s1ch sonst so für die

' “ten ebören. ungebeuerltkieyxelverwsindeten, sollten gerade an dieser Stelle für den

rivatbeam , _ * 11 Antrag eintreten. thaldemokFÉisÖÄbgg, Sachse (Soz.) und Hue (Soz.) traten

namJillcibch im Interesse der Bergarbeiter, der Steiger usw. für die

17 "chung ein. S “(Schwß des Blattes.)

_, Das aus der Abgeordneten verhandelte in der heutigen (78.) ißung, welcher der Justizminister Dr. Beseler und der Minister des Innern von Dallmtß benvohnten, zu- nächst in zweiter Lesung über den Gesetzentwurf, betreffend

die Feuerbestattunkx. ' . , ' Die 15. Komm1s tun hat die Vorlage, nachdem sie einige exschwerende Bestimmungen eingefügt hatxe, bei der Gesamt- abstimmung im ganFen mit 7 gegen'7 Stimmen ab elehnt. 1, der auch ei der Einzelabstimmung'm der ommtsfion mit Stimmenqleichheit abgelehnt worden lst, lautet in der Faüunq der egierung6vorlage: ;Die Feuerbestattung darf nur in landespolizeilich genehmigten 5111111961 erfolgen.“ , . Bexjchterstatter Abg. Dr. Schmttt-DYeldorf Vermeist in kurzem Referat auf den gedruckt vorl1egenden ericht über die Ver- handlungen chr Kommission. Abg. Freiherr von Richthofen (kons.): Die Mehrheit meiner reunde hält an dem Standpunkt fest, daß fie nicht für dieses Geseß eintreten kann. Geschäftsordnungsmäßig liegt heute Weder der Regisrungsentwurf der Beratung zugrunde, da die Kommission das ganzLGSsLZ abgelehnt hat. In der Kommission smd Verschiedene Aenderungen vorgenommen worden, um weitere Ventile vorzuschieben, um denjenigen, die an fich die Leichenberbrennung nicht,befürworten, dieZustimmung möglich zu machen. (Lebhafte Rufe links: euer- besiattung!) Sie Werden wir doch nicht verdenken, da ich hier Von Leichenberbrennung spreche. Sou ick) etwa in den Aus- drücken der .Flamme' davon reden, das;, was aus Feuer ge- kommen sci, wiedkr zu Feuer Werden solle, nachdem die Seele durcb Fsuer geläuteri sei? Das find die Ausdrücke der „F1ammc". (Abg. Hoffmann (Soz.): Wenn eine Seele Vorhanden ist!) Dafür ist Herr Hoffmann nicht ganz zuständig; darüber, ob sine Seele vorhandkn ist oder nicht, entscheiden andere Instanzen, Die Mehrheit meiner Frxunde kann also von ihrem früheren Stand- punkt nicbt zurückkommen, kann hier nicht einen Schritt tun, den fie 1111 bedsnklich hält, kann also auch der fakultatiben Feuerbestattung 1111111 zustimmen. Die Regierung hat bei der ersten Lesung für die 5111112111111] ibrks früheren Standpunktes gagenüber dcr fakultativen Feuerbestattung fich darauf berufen, daß dle Majorität d_es Hauses im vorigen Jahre sich dafür entschieden habe, daß also das Oausselbst seinen früheren Standpunkt in der Mehrheit berlaffen babe. Von einer Veränderung des Standpunktes des Hauses kann man nur sprechen, WEnn heute eine Mehrheit für das Gesetz zustande käme; im Vorigen Jahrs War es nur eine Zufallsmajorität. (151111111 damals eine PLÜÜOU zur Beratung, und wohl keine Partki deanws hatte damals den Gesichtspunkt, daß es si um eine große 11018 9616 liche Aktion handeln solle. Der vorjäbrige escbluß konnte 1111 die egierung keinen Anlaß bieten, ibrkn Standpunkt zu ändern. §Yuch sonst liegen keine Gründe für die Vorlage bor. Nach dem Standpunkt meiner Freunde, die ich Vertretk, smd unsere Bedenksn nicbt Entkräftet worden, weder nach der kriminalistiscben Seite, noch nach dsr Seite dc'r Llufrechterbaltung der christlichcn S1tte. Die Regierung hat vor zwei Jahren und früher immer gesa t, nenn'dia fakultatibe L€iche11v€rbrennung eingeführt werde, kZei bie Lerchenöffnung notwendig. Es ist gar keine Rede dabon, daß die chrbeit meiner Freunde den Antrag auf Einfübrnng der Leichen- meng zu dem Zweck gestellt bat, das Zustandekommen des Geseßes 11,1 bintértreiben, sondern wir haben nur ÖM Standvnnkt, d611_fr1"1 er die ngierung hatte, als unssren eigenen bezeichnet, da[; nur durch, die Leichenbffnung die Bedenken gs 911 die Feuerbestattung bFZiLMgt Werden können, die in kriminaliiiscber Beziehung bor- [WM- (Abg. ?offmann: Bei der Cinbalsamierung auch!) Eine géngue Statisti darüber, wie Weit Exhumierungen bon Leichen dazu. gedicnt haben, Verbrechen aufzuklären, bat die Regierung uns nicht 1101189111 können, aber sie hat uns doch eine dem Kommisfions- [*Nicht beigegebene Zusammenstellung darübcr mitgeteilt, und aus dicrcx €rgivt fich, daß sehr viele Verbrechen erst durch die Ex- hu1111eru11g entdéckt und festgesteÜt wordkn sind, sodaß viele Juristen Mch [31:11th noch der Ansicht sind, daß die kriminalistichen Bedenken kaÖ dis Beschlüsse der Kommission nicht eseitigt sind. Dix Mehrheit meinkr Freunde meint, chf; die Bedenken in bezug 9111 die ,cbrisiliche Sitte auch nicht bkyeitigt Werden; aücrdings andert die Leichenberbrennung nichts (111 unserem Auferstehungs- 111111111811, aber cs fühlen sich doch die christli gefinntcn Zkk11x_ _Verleßt, wenn ein Kremaiorium erri tet wird. ??blksölicb ist dies _auch der ch znr obligatorischen “»Ukbknvbrbrennung. Dic Hauptberfcchier der Feuerbestattung gehören gexade nth zu den pofitiv gerichteten Christen. In der „Flamme' MAY s1 dock) eine etwas Pbantastischs Anschauung. Wir Christen unterWerfen uns dem Wort: Von Erde bist du und sonst Wk“ zu Erde werden. Die Kirchböfe haben eine große Be- 1111111111] für die Aufrcckptcrbaltung der Pietät; die Hinterbliebknen, Ble die Kizchböfe besuchen halten fest an den alten Traditionen und Wäykein 111 den Fußtap en ihrer Vorfahren. Wir sind mit dieser Anifaiiung in keiner Weise tückständig. Ich bitte deshalb die Re- JWUJ, ihren früheren Standpunkt, den sie jahrzehntelang vertreten “t- «"ck fernerhin aufrecbtzuerhalten. ' bg. Dr. Krause (nl,): Die FrnZe muß rein sachlich behandelt “NM Der Vorredner mag durch den usdruck „Leichenverbrennung“ t&“mand haben verlc en wollen, aber geeianet war der Ausdruck dazu. 9 Handelt sich 111 t allein um die Verbrennung, sondern auch "mine Bestattung, und beides zusammen ist die Fenerbestattung. Habe den FeuerbestattungsVerein in Hagen .in seinem, Prozeß MHM! OberberWaltungsgericht vertreten. Dieses Gßrnht bat MUÖiedcn, da gcseßliche Hinderungsgründe gegen die «ter- tatkung in reußen nicht vorliegen, daß aber besondere aß- in- . um die Feuerbestattung auszugestalten, in Preußen TW" U1cht vorliegen, und fie deshalb Verboten werden könne. daW lestcren Punkt kann ich nicht anerkennen, ich meine vielmehr, hß11eYolizei die Feuetbestattung nicht verbieten kann. Der Minister EkatKUart, daß, was jest durch Geseß gemacht wird, aucbsdurch Ekakrwczltung gema t Werden könne, und das halte ich auch fur dem 21-7 knntms des Geri ts entsprechend, und ich nehme an, daß, wenn wéi“? Gese ni t zustande kommt, die Sache auf dem Verwaltungs- „feige ema t w rd. Der Gedanke des Vorredners, dax; es hier der ist e _ chritt sei, dem die obligatorische Feuerbestattung olgen werde. Abkkln unmöglich; ich habe mich darüber gewundert, daß der barg“ reiberr von Richthofen diesen Gedanken ausges kochen Um" ,s handelt fich hier gar nicht um einen Zwang, ondern den die freie Entschließung des Einzelnen. Niemand kann auf ode Gedanken kommen, dax5 man die Erdbestattung verbieten sollte, 7 man kann auf diesen edanken höchstens kommen, wenn man

auf dem Stand unkt der Intoleranz siebt- Jm Lande ist die Miß- ftimimmg über isses Geseß nur dadurch erregt worden, daß man die Leute glauben machte, daß es sich hier um einen Zwang handeln solle. Ein großer Teil in den Parteien, die für das Gase

eintreten, ist ar ni t Anhänger der Feuerbestattun und den

nicht daran, ?ur 91 die Konsequenzen aus die er Vorlage zu ziehen. Ick) selbt abe mir meine Begräbnisstätte gekauft und denke, an der alten Form festzuhalten, aber wir Wollen es niemand verbiet die Feuerbestattung für sich anzuordnen. Nach Friedri dem Großen sollte jeder in seinem Staate nach seiner Faffon selig werden können, deshalb ollie man es in diesem Staate achp 'edem überlassen, wie er si bestatten lassen will. Die alte rstliche Sitte wird nicht verleßqt, wenn einer dkm anderen seinen Willen und seine Memung überlaffen will. Das ist gerade Achtun vor der Meinun des anderen. In der Kommission it der Gedanke ausge prochen worden, daß man durch Hintertüren die Wirkun des Gesetzes doch verhindern könne; das ist nicht gerade eine saÉlicbe Behandlung. Wenn der Justizminister für dieses Geseß eintritt, find alle juristi- schen Bedenken beseitigt; wenn das gesamte Staatsministerium auf diesem Standpunkt stebt, brauéen wir keine Bedenken mehr zu haben. Die kirchliche Seite wi ich nicht ausführlich behandeln, aber Freiherr von Richtbo en hat anerkannt, daß auch ein post- tiver Christ in seinem lauben nicbt Anstoß an dem Geseß zu nehmen brauche. Die Kirche selbst ist ja dem Erdbegräbnis nicbt treu geblieben; fie hat doch die Einbalsamierun zugelasen. Sehr fromme Menschen haben die Feuerbestattungs orm genoahlt. Es ist ein Akt der Toleranz, daß Sie diesem GesetzentWUrf zustimmen, ein Akt der Toleranz gegen diejenigsn, die An- hänger der Feuerbestattung sind. Die Feuerbestattung entfremdet niemand der ircbe; aber sorgen Sie, wenn Sie niemand der Kirche entfremden woÜen, dafür, daß die Hindernisse binweggeräumt werden, die den Geistlichen bezüglich ihrer Teilnahme an der Feuerbestattung entgegenstehen. Dann werden Sie manchen, der entfremdet ist, wieder der Kirche zurückgewinnen.

(Schluß des Blattes.)

Statistik und Volkswirtsckxaft.

Die deutsche überseeische AusWanderung im April1911 und in dem gleichen Zeitraums des Vorjabrs. Es wurden befördert deutsche AusWanderer im Monat April über 1911 1910 Bremen . . . . . . . . 1321 1608 Hamburg . . . . . . . 652 936

deutsche Häfenzusammen . . 1 973 2544 fremde Hasan (soweitermittelt) 709 491

überhaupt . . . 2682 3035.

Aus deutschen Häfen Wurden im April 1911 neben den 1973 deutschen Auswanderern noch 15 204 Angehörige fremder bStaatéZNbefördert, daVOn gingen über Bremen 8917, über Ham- urg ' .

Die endgültigen Ergebnisse der Volkszählung Vom 1. Dezember 1910 in Bayern.

Das bayerische Statistische Landesamt, das das Vorläufige Resultat der Volkszählung Vom 1. Dezember 1910 bereits am 10. Dezember bekannt ge eben hat, brin t nunmehr die endgü1tigen Ergebnisse dieser Vo kszäblun znr erbffentlicbung. Danach betrug am 1. De- zember 1910 die ebölkerungsziffer Bayerns 6 887 401 gegen- über 6524 372 am 1. Dezember 1905. Die Bevölkerung 111 somit in den lcßten fünf Jahren um 363 029 Personen gleich 5,6 0/0 ge- wachsen. An dieser Mehrung sind die unmittexbaren Städte mit 148 055 und die Bezirksämter mit 204 974 beteiligt.

Für die einzelnen „Regierungsbezirke sind die Ergebnisse folgende:

Zunahme

1910 1905 absolut

Oberbayern ..... 1 532 065 1 413 788 118 277 Niederbayern ..... 724 331 707 367 16 964 alz ........ 937 085 885 833 51 252 berpfalz ...... 600 294 574 693 25 601 Oberfranken ..... 661 862 637 700 24 162 Yiittelfrankcn . . . . 930 868 868 846 62 022 Unterfranksn ..... 710 943 682 532 28 411 Schwaben ...... 789 953 753 613 36 340

Dem Geschlechts nacb gliedert fich die Bevölksrung i1 3379 684 männliche und 3507 717 Weiblicbc Psrsonen. Anf 1000 Männer treffcn also jetzt 1038 Frauen gsgenübe'r 1041 im Jabre1905.

Was den Familienstand betrifft, so sind

absolut 0/0

ledig . . . . 4169103 60,5 Verheiratet . . 2333 893 33,9 5,5

0,1

D K O

* *

*

***

SP*INF-U'WR] »SOWOPR)

“00

bcrwitwet . . 374 818 geschieden . . . ' 8 997 In 590 FäÜcn blieb der Fatnilicnstand unbekannt.

Die Ausscheidung nach dem Religionsbekenntnis bat er-

geben: absolut 0-0 Katholikcn . . . . . . 4 862 343 70,6 Ebangeliscbe . . . . ' 1 942 385 28,2 Jsraelitcn . . . . . . 55 065 0,8 Sonstige . . . . . . 27 608 0,4. Nach der Staatsangehörigkeit endlich Wurden g zählt: absolut 0/0 Bayern . . . . . . . 6 550 733 95,1 andere Rcichai-gebörige . 202 075 2,9 Ausländer . . . . . . 134122 1,9. Bei 471 Personen konnte die StaatSangebörigkeit nicht ermittelt werden.

Zur Arbeiterbewegung.

Eine gcstern abend abgehaltene, außerordentlich stark besuchte Versammlung der in den Eiscnkonstruktionswcrken Berlins und der Um cgend beschäftigten Arbeiter Erklärt? die ZYesiändniffc der Arbeitgeßcr für unannebmbar und beschloß, wie die off. tg," mitteilt, in geheimer Abstimmung, die Arbeit _ beute ( kitt- wocb) nicht wieder aufzynebmcn. _ Zwei öffentliche Ver- sammlungen ker Bäckereiarbeiter Gro - Berlins tagtsn gestern in Berlin, um zu dem Schiedsscxru des Einigungs- amts des Berliner Gewerbegeri ts (Vgl. Nr. 113 11.231.) Stellung zu nehmen. Die Versammlun en gaben dem Schiedsspruch ihre ZustimmunJl und nahmen eine rklärung an, in dcr es 11. a. beißt: „Von den ' rbeitgebcrn erwarten die Versammelten, daß sie, bon denselben Grundsäßen der Friedensliebe beseelt, den Tarif nicht nur annehmen, sondern auch Yk seine loyale Durch- führung Sorge tragen werden. ollie wider Erwarten der S iedssprucb von den Arbeitgebern abgelehnt werden, dann abe die Lobnkominisfion unumscbränkte Vollmacht u allen ibr geeignet erscheinenden Ma na men.“ Eine Ver- iammlung der Konditoren und Tages „ä er faßte den gleichen Beschluß. Die 17 Bäckerinnungen Groß-Berlins werden in besonderen Generalversammlungen über die Annahme oder Ablehnung des Schieds- spqus die Entscheidun? treffen.

us Witten me det die „Rb.-Wesif. Ztg.“, daß die Beleg- schaft der „Wittener Steinkohlenwerke“ vorm. Zeche Berg- mann, die seit dem 13. März d. J.'sireikte, gestern frü unter den früheren Arbeitsbedingungen die Arbett wieder aufnahm.

_ Bei einzelnen Rbeinschiffabrtsgeseklschaften waren, wie wiederholt mitgeteilt worden tft, die Maschinisten und Heizer in eine Lohnbewegung eingetreten. Die Köln-Mülbeim er Gesell- schaft nahm jeßt, wie die ,Voff. Ztg.“ erfährt, die Forderungen dsr Angestellten, die in der Hauptsache Lohnerhöhungen enthalten, an. Auch wurden für 11112 Monate drei freie Tage bewilligt. Die Ma- schinisten und Heizer der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft haben nunmehr auch ähnliche Forderungen erhoben. Die bisher ge- pflogenen Verhandlungen haben isher zu keiner Verständigung geführt.

Ueber fünfhundert Axbeiter der Pianofortefabrik Justus Blütbner in 26113319 haben, wie „W. T B.“ berichfet, beute wegen Maßregelung des Vorsnzenden des Arbeitsausschusses die Arbeit niedergelegt.

Aus Hambur wird dem „W. T. B.“ telegraphiert: Auf der Werft von [ohm n. Voß, haben heute vormittag 500 Maschinenbauer wegen Lobnstretts die Arbeit niedergelegt.

Eine Krisis droht, wie „W. T. B.“ meldet, im Baum- wvllindu1triebezirk 171911 Lancasbire auszubreckyen infolgs des Beschlusses der Gewerkscbasten, gegen die Nichtorganisierten Schritte zu unternehmen. Die Arbeitgeber betrachten die Frage als sshr be- deutend, da sie einen Grundsaß einschlie'ße, der die ganze Baumwoll- industrie des Landes berühre. Beide Parteien sind gut organificrt.

In Paris hielten, „WT. B;" zufolge, gestern absnd die Post- u'nd Telegrapbenbeamten eme Versammlung ab, in der fie eme 20prozentige Erhöhung der Gehälter a11er derjenigen Bsamten Verlangten, die weniger als 6000 Francs jährlich verdienen.

' AÜG Installateure der Warschauer Gasansialten find, wrte tder „Voss. Ztg.“ telegrapbikrt wird, gestern in dsn Ausstand ge re en.

Aus „Kopenhagen wird-dem „W. T. B.“ 981116111131: Gestern nahmen'die Klempnsr in einer Genxxralbersammlung mit 292 gegkn 185 Stimmen den Entrvurf zu einem Arbeitsiibkreinkommen mit 75611 bon dem Vermittler vorgeschlagknen Zusätzen und Abänderungen an. Hiera11f_ Wurdsn Von dem Vermittler die Vertrster dsr beiden Pnk- teien fur Henke Vormittag zu ei11€r abschließenden Berafung Einbernfkén. (Vgl. Nr. 115 1). B1.)

(Weitere „Statistisike Nachrichten“ 1.1. d. Zw-xiten Beilage.)

Wohlfahrtspflege.

Die „Norddeutsche Allgem. Zeitung“ schreibt:

Der bekannte», aUcb dnrch vielfache Akte dsr Wohltätingit ans- gczeilckonste Sir Ernsst Cassxl, London, bat 1111181- dkm Namen „'KOUL Eduard 711.,Br1tisch-Deutsch€ Stiftung“ mit Einem apikal bon 2 Z).)kiüionen M*ark 61116 Stiftung 311911111"th in Deutsch1and sick) aufbaltender, hilfsbs'diirftigen Ennliinde'r errickztkt 11111) den Anirag auf“ landesherrlicke Bestätigung der Stiftung gsstsllf.

Ssrne Majsstat der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin haben das Protßktorat übernommen. Die Stiftung soll von sincm Verwaltungsrnt nnd V€11valtungsaussch11ß gelsitet werden, derén Mit- glieder ersttnalig bon Seiner Majssiät dem Kaiser ernannt werden.

Z11Mitglred_ern dss Verwaltnngsrnts bat der Kaiscr ernannt: dkn'Staatsseertar a. D. Fteiberrn Von Tbislmann, den Staats- m1n1sicr a. D. Grafén bon Posadowsky, den Vizébbxrzercmonicnmcistsr und Kamxnerbsrrn Von, dem Knssebeck, Oberpräsidenf a. D. VM LOKÖCÜ, Ge'nYraldirekwr Ballm, Geheimcn Kommerzienrat Ed. 2111111011“, Z).)éin1sieria1birektbrL_ewald Und Bankier Max M. Warbarg. Dsn Verwaltnngsansichuiz soklcn die 3,3erth Warbnrg, 11011 89611811 und 28112111) bilden.

' Diese? Stiftnng 6111852111181111111111 und Ergänznng 111 811181 bon Six Ernest (3.171,61 131611559161] i_n (811111111111 crricht€tc11 glcichartigsn Stiftnng, dieZ fick) die FürWrgc für bilfsbediirftigs Ventsche in (11113- 1a11d_ znr Ausnabk 1112111 11115 11?an Protskwrkn 111511111113 und Die Königin bon" Enx11c1nd find.

Die boxhberzige Tat Sir Exnest Cnsséxs kann auch 51131,“ 1111r mit Freude bkgrnßt werdsn nnd läßt “kik Honnung bersckdtigt CriÖCiULU, daß auch 11e sich zu 61116111 11611611 Bindkglied zwischen dcn [*Cidcn stammbcrwandten Nationsn entwicke'lt.

In der Rexntsngutkolonie Votbfsld der Hannobxrscbcn Wohnungs- genoffenscbaft aus Mitglicdern des evangeliicbcn Arbeitervcreins in Hannobcr beitébend, find kVSitch 45 Einfa111ilik11bänscr fsrtiggsstcllt und 1chon be'zogen worden.

BaUWesen.

Von Mitri: Januar bis Mitts Märx ivnrde dsr AUßénbafen 111 Emden Von zwei Baggern bcrtieft und bicrbci 414500 «11111 ausgcbaggsrt, bon dencn rund 367 200 011111 auf das Watt westlich des Außenbafcns gepumpt und 47 300 «11111 in dcr Aa Vérsiiirzt wurden. Seit Mitte L).)éärz wird an 179111 AUfstLiiM Links fabl: gerüstes bor dem Wybklsnxncr Watt 51111 A11f11a11111c eincr r11ck- robrleitung znm 2111111116811 bon Baggergitt .111s dcm (Hatje ge- arbeitet. -

Dic Arbeiten zur Jn1tandba1111ng dcr Bubncn auf 1611 friesischen Jnssln konnte wegcn dcr 1111111119111 Wittcrnng fast ununterbrbchen fortgeskyt werden.

Der Ban dcs 111211611 Hellings 11111 Liegsbafen dcs Banbofss in Emden ist so1veitborgeschrittcn, daß das in AUftrag gcgsbcnü Windrverk ncbst Hcllingwagkn “(*cmnäcbst anfgcstclit nwrdcn kann. An der ne11€n Vkrkndcbrückc, dcren 2116111111 Anfang Fcbrnnr bscndet War, werdsn dic clkktrischcn Anlagsn eingkbant.

Die Vertiefung und Vcrbrcirsrung der Mündnngsstrcckc dcs Dorttnund-Ctns-Ka11a1s anf 9 111 “Tisis und 150 111 Brsitc wurde seit dem 20. März wisdcr in Angriff ,]6110111111211. (T's Wurksn rund 35 000 «11111 Boden gcbaggcrt, bis 11111“ 7.15 (3581511156 dis 111111311 Hafcnpblders gepumpt wurdan. Der 24.111 dcr neuen Lstmole, der im Vergangencn Vierteljahr bcgonncn Wurds, konnts seit dem 20. März weiter fortgesetzt_ werden. Die Packwcrflagc ist anf cine Lc'ny? Von rund 50 111 81111ch1icszlich Schüttstsinlagcrung fcriiggcstht.

Beim Bau der ULU€11S861ch161118111Emdcn sind biI-bcr rund 160 000 01.1111 Mauxrwerk (bierVOn 111111) 30 000 (311111 im bur.- gangenkn Vierteljahr) el_ngebaut worden; das Außenbaupt ist bis zur entwnrfsmäfxigen Höhe fkrtiggesiküt, desglcicben 80 11111111. 40 lfd. Vieter_ dcr Kammerwände; dic übrigen Streckkn Dkk Kammcrwändc wwie_ das Binnenbaupt sind im Durchschnitt bis Orb. 1,0 untcr M. *V- W. fertig. Zur HinterfüUnng der fcrtigcn Bauteile find rund 120 000 (“6111 Boden eingcbnnt (1111 16151111 Viertcljabre rund 48000 0111111. Die Pflasicning dsr Kammer- soblc nnd der *Vorböden ist fertig. Das n11'1'11ickye Wike'rlager ist bis 2,0 über M. .O. W., der Drebbseilcr 11111“ dsr t1eine Pfeiler bis 0,0 iibcr M. H. W. fertiggestelit. Die Rntximarbcitén fiir das Jnndmncnt dcs östlichen Widerlagcrs find bekndci, iodaF in nächster Zeit mit dsr Aufinancrung begonnen werden kann. ür die Herstellung der Böschungen und der Anschlußdännne sind rund 32 000 013111 Bodrn eingebaut.

Die Arbeiten zur Vollendung des Durchsiickps bei Mark- Hilkenborg wurdcn wieder aufgenommen.

Die Hafenerwciterungsbautcn i11 Wilbelmöbaben konnten bei der günstigen Wittcrnng gut gefördert wcrden.

Verkehrstmseu.

Anfragen über den Bau oder das Gewicht der Güter- wagen des Dentschen StaatsbabnwagenVerbandes.

Die Ueberwachung des gesamten Bestandes der prcußisch-besfischen EisenbabngemeinsYst an freizügigen Güterwagen, an stationierten und nicbtstat onierten pezialwagen, an Arbeitsnmgen sowie an Privat- ??üterWa en und PrivatbabngüieNvagcn ist Vom 1.April1910 ab dem .önigli en Eisenbabnzentralamt in Berlin übertra en. Anfragen über den Bau oder das Gewicht diescr Güterwagen 1111) daher nicht

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