über die EntartunYdes alten Liberalismus, wie fie fiel) aus der heu-
en Rede des ' orredners er eben a e. _Der; Vorredner__bx- manoele es, daß der kirchliche (Yommiffar allem aber die Berabix ung des_ Lehrers zum Religionöunterrt t e11tsche1denso_lle. _Wer poke denn anders die ConFZsion beider Le rerprüfun reJasenttren? Wenn dér Religionsuntem t von einer anderen Ste e a der Ver- tretun der betreffenden Confesfion geleitxt werde, 1venn_ der Staqt die selbt in die Hand nehme," so sei das_dte remc Heuchelei, wie ein wabr aft liberaler Mann_ das _frubcr_ ausges r_oche_n babe. Die Vorlage bleibe i_veit zgruck _btnter ndert- cianischen Reglements und _weit zuruck hmtixr der Ver- waltungöpra is , wie sie Mit AuSnabme cines _ _ Mnisters, es liberalen Herrn Falk, gehandhabt Worden set. _ ( e_t- fail im Centrum undbei den Conservativezi.) Die Vorlage bringe m richti er Wei e eine'Re elung der Vbrbrldrxng_ der Lehrer und der verfa ungsmä i gewäbr eisteten Unterrichtéfretbeix; das f?r der Vorzug vor der vorja rigen Go ler'scben Vorlage; Dic Socialdcmokraxen rechneten darauf, daß dur die Schullehrer tmmer mehr die Yergivn aus den Gemütbern der Séülcr Verdrcngt werde. Die Social-
demokratie könne nur durch gei tige Mächte bcsic t werden; und welche eistige Macht sei dazu im tande, wcnn nt i_dic __“Schule 111 “YZ"- i11dung mit der Reli ion? (Beifall rech1_s und 1111131111111111.) “411“ Unterrichtsfreiheit ha" 8 die Verfassxmg im weitxxtcu 2:111111 pro- clamiren wollen“ man habe damals 8111 andxchZ Gcmbl gcgcnubrx der Willkür der Verwaltung und der Yolizct gehabt. Es iolltc kein Staatsmonopol auf die (Ich_ulc bcgr1111dct__ worden. Der Hinweis des Vorredners_ aus _Bclgicg 11'1 unzu- treffend, denn Belgien babe; übcrl)c_1up_t_ kcmrn S_cbulztrxm» gr- kannt. Ent egen der Verfassungsvorkchrißx, _xvclcbe dir comes 18118116 Schule als Ziegel aufstelle, fordere dic 111d17ch:11_bcra_l_c Presic_ ("1118 Verfassungsänderung, um die Simultanscbule kinzuxuhrcn, dic _11_11 Grunde enommen nur die religwnZlosc Schule“ ist. _ Aber dich jüdiscb-li eralleeffe verlange? diese Simultanichlcn _kcmrxxchs fur die jüdischen chulen, die vi8lmebr erbaltcn 1111_d_ iogar vermehrt Werden sollten. Gegen _solche *A11maßungcn_ xc"- dcr _ Gedulds- faden der christlich- crmaniychen Bevölkerung gCUl! 1111 an ("1111111111 und man dürfe sich ni t wundern, wem; er cndli e_mma “111131. Er wolle nur daran erinnern , daß tn _dcn _funizigcr _Iabrcn er es ewesen sei , der den schon 1011811111181 Bkjchluß, de_n Arti el 12 der Verfassungsurkunde ,_ welcher __den Juden die bür erliche Gleichheit gewährleiste, zu susprndrre11,_ o_mtcrtrzeberx babe, des 0111 erhebe er skine warnendc Stimme gegen d1cyc§ jßd1sch-libxrale Treiben; es könnte sonst ganz anders_kom_mcn. T_aß die Religtoxis- gesellschaften den Religionsunterriclyt leiten 78111811, iagc ganz deutltch, daß sie alle dafür erforderlichen Anordnungen trrffcn m_üßtcn. Cin Bedenken habe er gcgkn die Yorlagk: cr _wollc, daß nur Lesen, Schreiben und Rechnen .in den S ulplan auigcrwmmcn werde, 11011 11111118, 581] 111111111111. Es f eine 1 111 aber, da der Stoff, wklchcn die Volkss ule bewältigen so 8, viel_zu unifaffen bemesse11sei._Wenn die jungen eute mit 14 ahren 111cht 11111 ciner gewissen Zuxriedqn- heit in ihrenBeruf (118 Le 1111198 und Fabrikarbeiter traten, dann 18i damit drr Haken gegeben, an welchrn dic Socialdsnwkratcn ihre Agi- tation knüpfen. Z ___Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten Graf von e 1 :
Meine Herren! Aus dem bisberigen Gange der Generaldebatte babe ich die für mich sebr erfreuliche Wabrnehmung machen können, daß die Grundlagen des Gesetzes in der borliegendmi Fassung auf vielsn Seiten dieses Hauses Zustimmung finden wrrdcn, und daß diejenigen Bemängelungen im 'cinzelncn, welche Heute berbor- getreten sind, zu einem ganz erhebLichen Theile nicht principieller Natur sind und in der Commission überwunden werden könnrn.
Anders liegt die Sache allerdings dann, wenn man auf den tieferen Grund _ der Herr Abg. Wessel drückte sich aus: auf die tieferen Tendenzen _, welche dem Schulgeschknthrf zu Grunde liegen, übergeht. Da, fürchte ich allerdings, werden Gegensäßc HerVor- treten, bei denen eine Ueberbrückung nicht möglich erscheint. Ich Habe mein Bedauern darüber auszusprechen, daß von einem der Herren Vorredner nach dieser Richtung hin in sehr scharfer We1sc gegen den Entwarf plädirt wvrden ist.
Meins H8rr811, Wenn ich zunächst “?111 kurzes R€su1118 gebe über die einzelnen Bemängelungen, die seitens der Verschiedenen Herren Rcdner gemacht wvrden _sind, so möchte ich glauben, das; insbesondere alle diejenigen Einwendungen, Welche der Herr Abg. Wessel _ viel- leicht etwas heraus 0118 der Lage und Situation seiner unmittel- baren Heimatl) _ gegen die Bestinnnungcn der §§ 14, 15 und 17 gerichtet hat, sich ganz und obne Schwierigkeiten werden überwinden lassen. Ich glaube, der geehrte Hrrr Abgeordnet? bat nicht beachtet, daß in diesen Paragraphen selbst durch die starke Mitwirkung, welche den Organen der Selbstverwaltung bei der Be- stimmung dessen, was gefordert wird, gegeben ist, die größte Garaxitic für die Berücksichtigung der Leistungsfähigfeit der Gemeinden liegt. Jch bin Wenigstens der Ueberzcugung, daß der KrciSaus- schuß, dem der Herr Landratl) Wessel vorsißt, wobl schwerlich die Versagte Zustimmung zu derartigen Organi- sationen, wie er sie hauptsächlich bemängelte, ertheilcn wird; dann ist aber auch die Befürchtung nicht mehr vorhanden, an die dsr Herr Abg. Wessel seine Ausführungen knüpft.
Ebenso kann. ich einen großen Theil der Bedenken, welchc derselbe Herr Abgeordnete aus den Besorgnifsen Vor polnischen Tendenzen ber- v8rhob, als nicht begründet erachten. Ich sehe in dem ganzen Gesetz keme e_tnztge Bestimmung, welche die Besorgnis; rechtfertigen sollte, daß die neue Volksschule etwas anderes als eine deutsche Schule sein' und werden könnte.
Auch der Herr Abg. von Buch hat eine ganze Reihe Von Bemänge- [urigen hervorgehoben, über die eine Verständigung zu erzielen nach meiner Auffa_ffung ohne jede Schwierigkeit sein wird. In einem §Yunkte allerdings hoffe ich sehr, daß die Herren diese Bemängelung nicbt aufrecht erhalten werden; das ist die Frage der Uebertragung des S_trafreckzts an den Schulvorfiand. Ich bin der Meinung, daß gerade dte _ Umanderung dcs btsbertgen Strafrechts in das Ordnungs- strafrecht, 11118 es d_er Gesetzentwurf construirt, eine ganz “wesentliche Besserung sem wurde und msbesondere das Zusammenleben von“ Schule und Gemeinde, von Schule und Eltern, fördern würde, anstatt 85, wie _der Herr Vorredner besorgte, zu hindern.
Bet dem Herrn Sprecher der nationalliberalcn Partei sind die Berührungspunkte _schon sehr viel geringer. (Große Hriterkeit. Zuruf?) _ Gar keine mehr? Das will ich immer noch nicht hoffen oder _furchten. Indessen _ wenn gcir keine mehr vorhanden sind, so Will ul) _zuerst auf ;die principiellen Fragen eingehen. .
Meme Herren, es ist mir von den Herren, die gegen den Ent- wurf gesprochen haben, vorgeworfen worden, daß meine Behauptung, der Entwurf _ lehne 1111) an das VetfussungSrecht und an die Ver- wgltrmgspraxts des preußischen Staates an, unrichtig sei. Einer der - Herren “sagt, der Artikel 112 der Ver- fassung habe “überhaupt *die maßgebenden Artikel, auf denen der (_Grseßentrvurf construirt ist, gar nicht in kraft treten lassen, und
_ __ 79191111) “__existirten diese Artikel überhaupt nicht. Meine Hérren, drr
einzi en '
thikel 112der Vérfaffung _“ darf ich“ dc11 Wortlaut vorlksen _ läutet: ' ' * "-
Bis zum Erlaß des im Artikel 26 vorgesehenen Gefeßes be-
! wendet. cs hinsichtlich des Schul- und UnterkiehtSwesens bei den
jeht geltenden gefeßlicben Bestimmungen.
„Bis zum Erlaß des Geseyes.“ auf die verfaffungstnäßigc Grundlage, wc-lche ?] bis 26 gegeben ist, gestellt werden muß, das hat bisher, „soviel ich weiß, noch niemand bezweifelt. (Sehr richtig!) Ich muß auch sagen: in welche Lage würde ein Unterrichts-Minifter _kommen müffcn, welchcr Ihnen ein Géscy vorlegt, was diese ver- faffungsmäßigc Grundlage nicht berücksichtigt? (Schr richtig! rechts und im Centrum.) Er hätte nothwendig, wenn er der Ucbcrzcugung gewesen wäre, daß diese Grundlage nicht zutreffend und nicht haltbar wäre, mit drm Vor- schlage cincr Abänderung der Verfassung kommen müssen. (Schr richtig! 1811118 und im Centrum.) Nun ist, glaube ich, eine Abände- rung der Ocrfaffung an fich schon etwas im Höchsten Grade Bedenk- licher; (schr richtig! rechts und im Crntrum), aber daß die Staats- rrgicrung mit einem solchen Vorschlage käme, das wäre doch ein so ungciröbnlichcr Vorgang _ _ (lebhafte Zurufcj links). _ Er ist im Culturkampf dagewesen und er wird dann wieder kommen, wenn es absolut nicht anders geht; aber ich stehe auf dem Grunde, daß die Vestimnmngcn der Verfassung eben gehen, und deshalb kann ich Ihnen nicht dic Abänderung vorschlagen. Dagegen glaube ich, daß allerdings dicjcnigcn Herren, welchc meinsn, das vorgelegte Volksschulgeseiz entspreche nicht den Verfassungsmäßigen Bestimmungen oder die VerfassungsmäßigknBestiminmigen entsprächen nicht mehr der Heutigen Zeit, consequenterweisc ihrerseits 81118 Ab- änderung der Verfassung vorschlagen müßten.
Meine «Herren, es ist fcrncr hlengLlekn; dcr Ministrr greift einen einzelnen Artikel der Verfassung heraus, und auf diesen einzelnen Artikel der Verfassung baut er einc ganze Serie von anderen Bc- stimmungsn. Ja, ich weiß nicht, wie man überbaupt anders verfahren soll. Ich habe mit meinen Worten, das GEseZ sLi ein loyaler Ausbau der Vcrfaffung, sagen 111011811, dasz daSjenigc, was bisher geltmd und rechtixns grwrsen ist, auch fortgescßt auf vßrfaffungsmäßiger Grundlage bestehen soll, und ich Habe mit dem Wort? „folgerichtig“ bezeichncn Wollen, daß, wenn man die Voraussetzung, wir sic in der Verfassung gcgeben ist, acceptirt, dann die übrigen Bestimmxxmgcn “sich ganz von selbst ergeben, wenn man nicht zwänglich Etwas AleiIWs bineininterpretircn will. (Sehr richtig! rrchts Und im Centrum.)
Nun, meine Herren, zu der Frage der Vcrwaltungspraxis sagt der Herr Abg. Dr. Enneccerus: Das WOÜLU wir viellrichk zugeben, daß dieser Gesetzentwurf mit der Verwaltungspraxis überein- stimmt, aber die Praxis ist falsch und deswegen muß sie geändert werden. Meine Herren, die Praxis auf dem Gebiet der Schule hat sich berausxzebildet in einer Entwicklung seit Hundert und mehr Jahren, seit der Fridericianischen Perioden Diese Fris- derizianische Periode Hat die Grundlage für uusere SchUlgescx§gebung gelegt, die bezüglich der von anen Hauptsächlich angefochtenen Con- fessionalität unter Mitwirkung dc-xr kirchlichen Organe viel wLite: gebt, als die Heutigen Bestimmungen. (Sehr wahr! im Centrum.) Es ist doch eine mcrkwürdige Erscheinung, daß iroZ des Wechsels der Zeiten und trotz dcr auch in ihren Grundauffassungen ganz bcrschiedknen Minister, die an dieser Stélle gestandsn haben, sich das Schulwessn im großen und ganzen thatsächlich genau so Herausgebildet hat, wie es in der Ihnen Vorliegenden Vorlage codifi-
Aber daß dieses Gesexz in den Artikeln
cirt 'worden ist. Ich bitt? nach wie vor um den Beweis, daß die *
Bestimmungen, Welche bicr cntbaltcn sind, nicht jetzt tbatsächlich überall geübt werden, und das;, was das Merkwürdigste ist, die' große I.)?asse der Bevölkerung [3131 dirscr tbatsächliéhcn Uébung jrnrr Be- stimmungen bisher ganz zufric-dc'n gcwesrn ist und erst mit dem Moment angebliöh aufgeregt sein soll, wo dieselben im (E-Lseiz ans- gesprochen werden sollen. (Sehr richtig! ri'chts.)
Meine Hkrren, nun kann ich nicht leugnen, daß ich Etwas erstaynt darüber bin, daß doch auch jetzt noch 81118 große Zahl von Ein- wcndungrn, die wir Heute gehört haben, augenscheinlich auf einer, miß- verständlichen Auffassung der gesrßlichen Bestimmungen berubk. So sagt der Herr Abg. Wessel: „Dic Volksschule bekormnt einen zweiten Herrn.“ Wo steht- in drm ganzkn Gesexz- Luftvurf eine Bestimmung, welche irgend Liner andrren Instanz, als dcr staatlichen, das Aufsichts- und Bestinunungsrecht crtl)ei[t? (Bewegung links. Zuruf: Naiv!) _ Sie sagen „Naiv!“ Dann 111111“an Sie überhaupt jede Mitwirkung cines andern Organs leugnen (ssbr richtig! im Centrum); dann würde 01111) die Mit- wirkung der Gemeinden und Vor allen Dingen die Rücksichtnahme auf die Eltern ein Aufgeben dcs StaaWbobeitIrrchtS bedeutkn, (Sehr gut! Rechts.)
Ferner ist mir mit einem großen Maß von Emphase, vielleicht auch sitxlicher Entrüstung entgegengehalten worden die Gewissens- bedränguiß des armen Lehrers, der durch diesen Gcseßcntwurf noth- wendig zu einem Heuchler gemacht wcrden, soll. (Hriterkcit) Warmn, meine Herren? Jeder Beamte bat bekanntlich den Justructionen zu folgen, Welche dic- pragmatischen Dienstvvrschrifttzn geben. Wonen Sie in dieser Beziehung jedem Beamten das Récht geben, [cdiglich nach subjectivcm Ermessen zu thun, was er will? Soll der Lehrer in der Volksschule die Freiheit drs akademischen Professors haben, sodaß Lr in Bezug auf das, was er lehrt, ganzirei wäre, reine Wissenschaft zu tr-xiben, und nur das, Was seine subjectiVE Ueberzeugung ist, Writer zu “geben und auf unsere Kinder zu iibertragcn? (Sehr gut! rechts und im Centrum.)
Meine Herren, auch für mich hat das Wort „Freiheit“ und „freiheitliche Entwickelung“ einen entzückenden Klang, aber ich muß doch sagen, der Freiheit des Lehrers steht doch auch die Freiheit der Eltern gegeniiber. (Sehr richtig!) Wollen Sie unsere Kinder, wollen Sie ' die Kinder des Volks“ dem s'ubjectiven Er: messen jedes Einzelnen ausli-xfcrn in denjenigen Jahren, in welchen der Grund drr ganzen Entwickelung der Menschen
,gelegt wird? (Lebhaftes Bravo rechts und im Centrum.) Es ist eine
Wunderbare Erscheinung, daß man überhaubt den Volksschulunterricht auf der einen Seite sd“ ungeheuer bock) und auf der anderen so niedrig schätzt, so ungeheuer boch,- indrm man glaubt, daß es in dem 6. bis 14. Lebensjabre möglich wäre, aus den Kindern unseres Volkes reife, vollständig entwickelte, in ihrer subjektiven Ucberzeugung all den großen Problemen der Zeit und Ewigkeit gcgenübér gefeite Menschen zu machen. Das können vielleicht Professoren und Studenten, dejien kann man das Ansinnen machen, aber nicht an unsere Kinder. Von
unseren Kindern von 6 bis 14 Jahren will jeder, auch der höher stehende, daß sie ein gewisses Maß von positiven Kenntnissen erreichen, und dieses Maß von positiven Kenntnissen soll auch auf dem innerlichsten Gebiei, auf dem der Religion, erworben werden, und dieses Maß sol] nicht abhängig sein Von der Willkür und dem freien Ermessen jedes einzelnén Pädagogen. (Bravo! rechts und im Centrum.)
Wenn Sie mir das nun zugeben, dann ist ja doch die weitere Folge naturgemäß die, daß es irgend eine Instanz geben muß, die über das, was gelehrt werden soll, zu entscheiden hat, und daß auf dem Gebiet des Religionswcsens diese Instanz nur eine kirchliche sein kann, daß aber andererseits die staatliche die Berechtigung hat, unter allen Umständen darüber zu wachen, daß durch diese Instanz nichts seinen Interessen Widersprechendes in den Schulunterricht hinein- kommt, _ daß sind dock) wiederum Dinge, die so selbstverständlich sind, wie zwri mal zwei gleich vier.
Ich habe auch noch nie gehört, daß man den von den großen christlichen Landeskirchcxn abweichenden Religionsgcsellschaften gegenüber in dieser Weise eine scharfe ablehnende Haltung eingenommen hat; _ Warum nun den beiden organisirten christliclxn Religionsgemeinschaften gegenüber?
Die ganz überwiegend? Masse unseres Volkes Hat nach meiner festen Ueberzcugung seit alter Zeit den Wunsch, ihre Kinder in dem kaenntniß erziehen zu lassen, in dem sie selbst gestanden haben und stehen. Warum sich nun dagegen spérrcn, daß dies künftig auf gesetz- licher Grundlage möglich sein und bleiben soll, was jetzt tbatsächlich überall besteht?
Meine Herren, Uebertreibung _ so ist ja wohl der Ausdruck _ dcs confessionellen Princips! Zunächst mache ich darauf aufmerksam, daß in dem Geskßcntwurf steht: die confessionelle Schule bleibt crba1tcn. Also da, ivo im Lauf einer mehr als hundertjährigen Ent- wicklung eine Simultanisirung der Schule Eingetreten ist, wird sie nach drm Gesetzentwurf nicht angegriffen, _ das trifft übrigens auch fiir Westpreußcn zu, wie ich mit Rücksicht auf den Herrn Abg. Wcffcl bcmcrkc. Wenn nun diesc Simultanifirung, wie“ ich mir vor cinigen Tagen gestattet habe, durch Ziffern nachzuweisen, sick) 11111“ in einem 1851 geringen Umfange vollzogen bat, so ist das der Beweis, daß die Bevölkerung dieselbe nicht will. Denn wenn sie die Simultanschule gewollt Hätte, dann Hätte sie disselbß in der Zeit, wo die Simultanisirung möglich war, in ganz 11111fa11greichcr Weise durchführsn können. (Sehr wahr! rechts und im Cchrum.) Wer das aber zugiebt, der würde doch die Simultanisirung nicht als das Ziel unserer neuen Schul- geseßgebung fordern dürfen, sondern er könnte Höchstens den Einwand gkgcn die Vorlage machen: es muß die Möglichkeit einer künftigen Einrichtung von Simultanschulen auch noch offen blei'chn. Es würde sich dann um die Garantien handeln. Ich bin der Meinung, daß es nicht Vedürfniß ist und daß es nicht nötbig ist, aber ich erWarte die Vorschläge.
Meine Herrcn, ick) komme nun auf die Einwürfe, die mir der „Herr Abg. Ennéccerus aus der Entstehungsgeschichte der Verfassung und speciell des Herrn Ministers Von Ladenberg gemacht bat." Ich kenne sie natürlich auch (Heiterkeit) und Wollte nur hervorheben, daß" der geehrte Herr Abgeordnete kleine Säße, die vielieicht das Verständnis; ctWas schneller crmöglichten, dabei ausgelassen hat, und daß außerdem ein ganz wesentlichrr Umstand bei ihm außer Acht ge- blieben ist: die Confessionsschule, die der Herr Minister von Laden- berg hier im A1th batte, war garnicht die Confessionsfchulc unserer brutigen Zeit. Der Herr Minister von Ladenberg hielt eine Confes- sionsfchule dann für vorhanden, Wenn die Kinder einer Schule 0116- 1101111113108 dcrselben Confession angehörten, nicht dann, wenn die' Schule ibrrn stiftungSmäßigen Charakter oder dem Lehrer nach confessionell war. Daß wir in Preußen keine Confessionsschulen haben können, in denen der Besuch der Schule durch andersgläubige Kinder ausgeschlossen wird, das ist, glaube ich, zweifellos. Es steht auch nicht in der Vorlage, daß dsr Besuch von anderßgläubigen Kindern nicht zugelassen sei; das Gegentbeil ist vielmehr durch eine ganze Reihe von Bestimmungen ausdrücklich hervorgehoben.
Ich glaube also, der Herr Minister Von Ladenberg kann nicht dagegen angeführt Werden, das; nach den Absichten der Verfassung der Ausdruck „möglichst? Berücksichtigung der Confessionalität“ die Ein- schränkung enthalte: „soweit es die staatlichen Interessen zulassen“ _ und daß nur unter diesem Vorbsbalt die Einrichtung einer Confesfions- schule möglich sei.
Meins Herren, es ist außerhalb dieses Hauses an mich der Vor- wurf gerichtet worden, ich sei mit einer. gewissen naiven Ehrlichkeit bezüglich der Verfaffungsbestimmungen an die AuSarbeitung dieses Gesetzentwurfes herangegangen. JchWeiß nicht, ob das ein Vorwurf ist, den man machen kann, bekanntlich ist der Gegensatz Von „naiver Ebrlich- keit“ etwas, was nicht zu rechtfertigen wäre. (Heiterkeit) Aber wenn man mit diesem “Ausdruck mir Wohl hat klar zu verstehen geben wollen, daß ich eigentlich das Gebirt nicht beherrsche, über das ich hier dem Landtag Vorlagen zu machen mir erlaube, so muß ich ja diesen Vorwurf hinnehmen wie viele andere; er wird mich nicht berühren- Jcl) fübre das nur an, um Ihnen zu sagen, daß mich bei der Aus- arbeitung dieser Vorlage doch eine ganz andere und viel tiefer gehende“ Ueberzcugung geleitet bat.
Meine- .Herren, nach 111811181" Auffassung muß diese Frage in der nächsten Zeit gelöst Werden, wenn nicht die allerschwersten Nach- tbeile für unsLr preußisches Vaterland entstehen sollen. (Sehr Wahr! rechts und im Centrm'n.) Diese Frage kan n nach meiner innersten festen Ueberzeugung nur auf einem Boden gelöst werden, der dis historische Entwickelung festhält, und der denjenigen Factoren, welche in einem idealen Sinne auf unser Volksleben einzuwirken berufen find, eins vvllcVetHLiligung sichert. (Bravoxrcchts und im Centrum.) Hier sind wir Verschiedener Meinung.- Die eine Auffassung gels dahin: die Religion soll mit in den Entwurf hinein; die Religion soll der Schule erhalten werden. Ick) erkenne das dankbar an; ich babe bisher noch keine gegentbeilige Ansicht 8?- hört, aber wir sagen weiter: die Religion ist in ihrer Betbätigunß abhängig von einem gewissen Bekenntniß, und dieser bekenntnißmäßige
Zustand muß in dem (Hofes einen Ausdruck finden; daher die Formu- lirung, welche Sie gefunden Haben. Dieser bekenntnißmäßige Zustand ist aber doch nicht abbängig von dem Willen der einzelnen Instanz, sondern wird getragen von der Auffassung, die in der ganzen Be- völkerung selbst lebt; und ich verstehe nicht die Vesorgniß, die man immer hat, daß auch einmal ein nach einer etwas Weit gebenden Riih- tung Hin neigender Mann einen Einfluß gewinnen könnte oder daß
gar ein Geistlicher Einfluß gewinnen könnte. Meine Herren, smd denn die Geistlichen nicht ebenso gleichberechtigt in unserem Vcr- faffungslebmr wie alle anderen? (Uhr wahr! rechts und im Centrum.)
Dann ist mir in einem hohen Maße vorgewvrfen worden, ich hätte zwär in diesem Schulgeseßennvurf nicht den Wortlaut, aber den Geist der Windthorst'scben Anträge übernommen. Ja, meine Herren , das sind Dinge, über die man nur nach seiner ganzen inneren Stellung zu diesen Fragen ver- schiedener Meinung sein kann und sein muß. Ich bin der Ansicht, daß, Wenn in dem Geist der Windtborstchen Anträge etwas Richtigcs war, ich es übernehmen mußte; wenn sie: aber etwas nicht Richtiges enthielten, so konnte dies nicht übernommen werden, und ich habe deshalb auch das, wasicl) nicht für richtig hielt, angeschiedcn.
Wenn aber ferner von derselbkn Seite darauf hingewiesen wurde, daß 15 ein vollständiges Novum sei, daß in disscm Gesetzentwurf sogar den Geistlichen die Berechtigung eingeräumt werden sollte, den ReligionSuutcrricht selbst zu übernehmen und daß dadurch die Stellung des Lebrrrs völlig unmöglich gcmackyt würde, und wenn derselbe Herr seine Gegnerschaft dagegen mit der Ausführung motivirte, daß da, wo dies jexzt schon bestände, der Geistliche nur das Recht gchabt babe“, dM KatechiS1nusunterricht zu übernehmen, so ist dies, glaube ich, ein ab- solut nicbt zutreffender Einwand. Wer den Kc118chismusuuterricht in der Schule Hat, der bat den Re[igionöunterricbt. (Schr richtig! im Centrum.) Der ReligionSunterricht in der Schule unterscheidet sick) bekanntlich nach zwei Richtungen: das eine ist der Katrchi§musunter- richt, das andere der biblische GeschichtSunterricht. Ick) glaube, auf den biblischen Gcschichté-unterricht würde keine Confession besonderen Werth legen. (Abg. Richter: Am Rhein ist die Scheidung.) _ Ja, am Rhein ist die Scheidung; in den Provinzen Rheinland, West- falen, Heffcn-Naffau ist die Sache heute schon sd geordnet, wie der Entwurf es will, und die tbatsächliche Uebung bat dazu geführt- daß die Geistlichen in vielen Fiillen den Katech181nusunterricht über- nom'men Haben.
Endlich, meine Herren, die Frage des Privatunterrichts. Ich Habe schon in meinen früheren Ausfübrungen darauf binge'wiescn, daß ich Es für zweckmäßig halte, dic Frage des Privatunterrichts an dieser Steüc zu regeln. Ich muß an dieserAuffaffung auch cht noch, trotz der Ausführung des Herrn Abg. Ennecccrus, festhalten. Wenn der Herr Abg. Enneccerus sagt, die schrankenlose Freiheit des Pribat- unterrichts würde zu Zuständen führen, wir fie sich 1113138191811 gezeigt hätten (Widerspruch des §Abg. Dr. Enneccerus) _ nun, würde also jcdenfaüs zu einer sehr erweiterten Vcrichlkchterung unserer Schul- zustände führen _ das ist ja dock), wie ich glaube, der Sinn Ihrer Ausführungen gewesen _, so erlaube ich mir zunächst darauf hinzuweisen, daß die bedeutendstixn Erscheinungen auf dem Schulgebiete sich an die Namen von Leuten knüpfen, welche auch im Privatschul- wsssn tbätig gewesen sind; ich will nur zivei, den Anfang und das Ende einer ganzen Reihe nennen: August Hrrmann Francke und Pestalozzi„ Ich glaube, man wird nicht leugnrn können, daß auch das Privatschulwesen für die Entwickelung unseres Schulwesens Von der allergrößten Bedeutung gewesen ist. (Sehr richtig !)
Nun aber ferner: Eine Staatsschule in dem Sinne, daß dis
* Einrichtung von Privatschulen ausgeschlossen wäre, ist nach meiner
Auffassung, überhaupt undenkbar (sehr richtig !) Wenn das der Fall ist, wie kann man sich denn dagegen wenden, daß die Grundsätze, back) welchen eine solche Einrichtung getroffen werden soll, gesetzlich festgelegt werden? Es ist doch in einem Néchtsstaat wie Preußen kein Vorzug, wenn eins Entscheidung lediglich Von einer, wenn auch mit voller 110118 11885 gsübten, abcr innnerhin nur subßctiven Erwägung der einzelnen Instanz abhängt. (Sehr gut!) Ich sehe in dem Privatunterricht auch nicht den geringsten Nachtbeil, u:;id das Merkwürdige ist, daß auch die Thatsachen mir Recht geben. Mkine .Herren, unter dem chigen System sind beispielSweise in der Umgegend von Berlin eine ganze Reihe von Privatschulen enkstanden, namentlich auch katholischer Privatschulen. Sie sind concessionirt. Wenn nun all€ die Besorgniffe, die Hier geäußert wordkn sind, wirk- 11chzutreffcnd wären, dann müßte man „doch annehmen, daß die Leiter dieser Privatschulen und diejenigen, die sie ein- gerichtet Haben, den dringenden Wunsch Hätten, sie zu conserviren oder sie zu erwritern. Gerade das Gegentbeil ist der Fal1. Ick muß, wie mein Herr Amtsvorgänger, umgekehrt dem Andrängen dieser Herren nachgeben und die VerwaltungSOrgane auf Grund des Gcscßes 11011 1887 anweisen, diese Schulen als öffentliche zu übernehmen. Wenn das preußische Schulwesen auf der Grundlage eingerichtet wird, die ich vorhin skizzirtez, unter Berücksichtigung der Historischen Entwickelung und unter Bcrückfichtigung der berechtigten Ansprüche der einzelnen kirchlichen Organe, dann ist das Privatschulwesen ohne jede Gefahr. (Sehr wahr!) Geschieht das nicht, dann, meine Herren, allerdings ist die PrivatscHule, und zwar die gefährlichste und von weitgehendem Einfluß getragene, das nothwendige Correlat einer gebundrncn Staats- schule. (Lebhaftes Brabo.) - ur Geschäftsvrdnung bemerkt: _ bg. von Eynern (nb), daß auf diese Rede desMinisters zu antworten seine Partei durch die Ungunt der Rednerliste verhindert sei, da ihr Redner erst an_der_26. telle _komme._ Ab . bon IAI) ewskt weist dqrauf hm, daß in den polnischen Landest eilen daS treben der Regterxmg, das _Deu_tsche zu ver- “brkiten, keinen E o gehabt habZ ; die Kenntm so 1111 Deutschen seien je 1 _viel s le tex als _fruber. L_Oer pra enerlaß des Y_Tiniter - habe 11 _keme_genugex1de Wirkung geha 1, weil die Schu ehörde, namentlich die _örtlrchen Be örden, sich der An- wendung desselben vielfach __widersrßten. _ esbalb ski die Ein- führun eines schulplanmaßigen Unterrtxhts im Polnischen drmgen nothwendig geworden. Wenn der_ Minister auf der Grund- lage der Conse ion das Volksschulwesen emrrxbten wolle, dann müsse au die Kreis- chulin'p_ec11on au dieser Grundlage aufgerichtet werden. An "bezüglich der :multans ulen mü 8 noch manches eändert werden, es seien allerdings nur 503 so cher Schulen vor anden, davon_e tfielen aber 87 auf Posen und 110_ auf Westpreußen. Die kaiholis en Kinder bildeten dort überall eure sehr Yroße Minder- l)_ett, ja 111 manchen Schulen sogar die Mehr eit, olßne ;_ß ein “katho- ltscher Lehrer angextellt sei. Auf dre Einze eiten er orlage geht Redner 111 t ein, ondern-_wendet_ sich nur ge en die Aus übrungen des Abg. ])1“._ ,nneccerus, Wonach eme Gesa r- Y)“ n_ur bet der katholischen Kirche geltend ma 8. Dasjenige, wa derCultus- 11_nst_er„ der katholischen Kirche eingeraumt abe, entsprechci ren Lehren, befrtedrge gber no nicht vollständi ihre An rüche. Eine Beeinflussung der FxUbFlt der teilun des kat olischen xe rers werde dadurch nicx: berbetgeßölzrt, sondern e er werde feine Ste ung fich befestigen we er _der YFU und Leitun seines Seelsor ers unterließe. Redrzer spricht den uns aus, daS das Polnische 8 was mehr erückficht1gt
werden möge". _ ix polni che Fraction werde“ dem Minister zur Sette Herbert b der Scha ung eines Volksschglgeseyes, welches auf
christli Grundlage aufgebaut sei.
würde das noch nicht entscheidend sein.
es, kirchli en Einflusses.
Gegcn 4Uhr wird darauf die weitere Debatte bis TicnStag 11 Uhr v_erta„ t.
Personli bemerkt _ __ _
Abg. Dr. Ennccccrus: Der Minister habc' ausgefuhrt, er (Redner) habe gesagt, der Gesetzentwurf e11tspreche_ der Verwaltungs- praxis. Aber dies sei falsch. Er habe ungefahr das Gegentbeck gesagt: Wenn der Entwurf der Verwaltungspraxis entsprachc, _ so Denn es gebe au eme nicht zu biÜigcnde Praxis. Aber der Entrvuxé entspreche an der_ Per- waltungspraxis nicht, und dies babe erna er begrundet; Der Minister babe ferner die Sache so dargesteüt, als ob er ( Redner) sm_e x_chrankeplqie Freiheit für die Lehrer _verlangt babe, eme e_rkadcmis 8 Freiheit, wi? er sich auSgcdrückt habe, und eg_c1*. eme solche ,a_b8_ er seine Widerlegun gerichtet. Er _cons atirr, daß der Minister etwas bekämpft Fade, Was er nicht behauptet habe und was auch nicht scinc Meinunxx sci. _ Der Minister h_abe ferner gesagt, er (Redner) habe von er Eirzfübrung_ des Prtvatunterrichts __die Entstehun belgischer Zustände ber uns befürch_éet_. Er habe ausdruck- lick) bemer 1, daß er dies bei der großen Ver1ch1edenbeit _unserer Zu- stände nicht befürchte, und er könnc_ auch dieser Meinun? _mcht sein, so lange in Preußen die Schulpfltcht besteoe. Er babe ediglich die belgischen Zustände angeführt, 11111 zu zc'igcn, was die kler1kale «Herrschaft der Schul€ brings.
Kunst und Wissenschaft;
Rückblick auf die Kunstliteratur des Jahres 1891. (Vergl. Nr. 9 des „R. u. St.:A.“) ll. -
11. 1(. Die Ernte auf dem Gebiete der neueren Kunst- geschichtsschreibung ist keine allzu reiche, insbesondere was allgemeinere usammcnfaffende Dgrstellungeir anlangt. Der Eifer der ForscKung richtet sick) merst auf_subnle Einzel: untersuchungen. Gleichwvhlfehlt es auch heute mcht an kühmzn Forschern, welche sich an die Aufgabe einer a1lgemeinen_ Kunit-
eschichte heranwagen. So Hat xm kgtholtfcher Ge1stlicher, rofeffor Kuhn in Mi'mchen, d1e erste reich aUSgestaitete Lieferung eines auf drei ;Bände berechneten Werkes erscheinen lassen, welches die Entwickelung der Kunst von _i _ren Anfänger! bis zur Gegenwart „vom Standpunkte der G81 1chte, Technik und Aesthetik“ zu schildern veermcht. Wie weit es srck) dem hoch- gesteckten Ziele nähern wird ann erst beurtbeilt werden, wenn die Arbeit, welche mit be anderer Genehmrguzig 1.le Unter: stüßung des Papstes in Anarrff genommen ist, wertey fort: geschritten sein wird. Dre „Deutsche Kunst e ch1cht8“, welche in Einzeldarstellun en verschiedener For? _cr 1111 Verla c der Grote'fck)e_n 5 uchandlu1ig erschien, 111 im verfloßenen Jahre 11111 der „Geschtchte des deutschen . olzschnittcs und Kupferstichs_von C_. von Liißow“ ab- eschloffen worden sodaß wir 1821 drer dem augenblichlichen Ylande der_ForsckZung entsprechen 8 Darstellungen der_Kuyst: entwickelung in Deutschland _ neben der genannten hie1en1ge von W.L1i'bke (Ebner 11. Seubert _1890) und H. Knackfuß (Velhagen und Klas") 1890) _ besißen. _ “ _ ür die altchr1?tliche_ Und m1ttelalterlrche Kunst
ist bZonders die ikonoqraphische Art der Betrachtung beliebt, welche einzelne Darsteliun skretse' durch die Jahrhunderte ver- Lolgt und deren künstleriche_Abwandlu1_1g zum Maßstab für 18 Entwickelung der Phantafre und Gritaltungskraft nimmt. Ein umfassendes Handbuch der chr1stlichen Ikonographie verdanken wir in diesem Jahre dem verdienten französtschen Fo cher Barbier de Montault, der in semem zwei- bän igen „1118118 (L*1E0110Z'1'8p11J'L 8111811811118“ die Summe seiner meist in der 11817118 (18 1'811 8111“81;j811 erschienenen Ein eluntersuchungen zieht. In das Gebiet ikoiwgraphischer Jorichung gehört auch die Folge von Aufsaßezi, welche obbert im Repertorium für Kunstwiffenschaft uber „das Abendmahl Christi in der bildenden Kunst _ bis gegen_ den Schluß des 14. Jahrhunderts“ veröffentltcht hat, sowie cF-rimmel'éo „Beiträge zu einer IkonograPhic des Todes“. Besonders werthvoll dürften für die mittelalterliche Ikono- graphie auch Schlosser's „Beiträge Zur Kunstgeschichte aus den Schristquellen des frühen Mittcla ters“ wcrden; erade für den Darstellungskreis der frühmittelaltexltchen uch- malereien gewinnt der Forscher aus den gletchzeitigen Schrift-
quellen erwünschie Au ichlüffe. Und-_ die Miniaturforschung, die von Seiten . rockhaus' m se__mem gründlichen Werk über „die Kunst in den Ythosklostern“ uud von Vocge in seinen kritischen Studien zur Geschichte der Malerei in Deutschland im WWW 11. Jahrhundert im vergangenen Jahre bereichert wurde, bildet no immer neben , der Ar itektur den hauptsächlrchsten _ 5.) UE an 13- punkt mittelalterlicher Kunstbetrachtung.. Das lll auß) ür Kondakoff's 1118130118 (18 1'811» 11128111111, eren zweiter lebhaft erwarteter Band 1891 im Verlage der [11131'3-11'18 112-111 erschienen ist. .Für den deuts en Fo che_r bot bislang die b1)zantmi_sche Kunst eschichte be_son_ ere S w1eri ketten, da die Mebrzah der einfaZlägigen w1cht1gen Untersu ungen in ruf ischer Sprache abgefaßt war. J. Strz1)gows_ki hat'indeß die e indernisse zu uberwinden vermacht, und, seme im Auf-
trage er Mechitaristen-Con_ regation mit_ gediegenem Aufmande heraus egebenen „Byzantianchen Denkmaler“, von welchen der
erste and erschienen ist fi ern der deutschen Forschung auch auf diesem Gebiet eine Hervorragende Stelle.
Die Kunst eschichte des deutschen Mittelalters, welche in der oben erwä nten „Yitfchrift fur christliche Kunst“ einen neuen Mittelpunkt der _ _ _ schon genannten Arbeit Voe ck über die otto_n1s e Mmiatur- maleret an wichtigeren Ers einun, en _noch eme nteffuchung P. Clemen's u verzeichnen, wel e die_„Porträtdarftellungen Karl's des Gro n“ durch _die ve chicdenen Jahrhunderte mit emsiger Gewisscnhaftigkett ver__fo gt. Das verdienstliche Werk Mun enber er's „zur Wurdigyng der mittelalter- lichen Schni altärc euschlands“ 1st,le_1der infolge des Ab- lebens des eraustebers Fragment eblieben. . „_
- rankretch , essen mtttelalter iche Baukunst m der gothi chen Epoche an Reichthgm und nbr'e ender Neu-
ta tung von keiner anderen ubcrtroffen w rd, it_ mit einer Ze onders geschmackvoll ausgestatteten Publication“ „_[1'8-1'13 J0111111118' par . 601188“ auf dem Plane erschtenen, während "_eine populäre Darstellun ,der „ge_samn1_ten Kuxtst; des _franéöfischen Mittelalters „Horsin- eon 111 semer 111810118 118 '811 811 17181188 118 1118 188. 138111118 188 111118 18811188 _ZUI u'an ,)(17. 818818 ( aris LayrenL versucht- :Lecoy de 0 arche, der bewährte Mimatu orscher, behandelt_ das "r die Entwickelun der gothischen- Kunst besonders michti e reizehnte Iahrhun rt in eiiiem Werke [8 MTCILÖG 8 8111813111118“, und“ der unermüdltchr Biblio “kur der'1428018 asg le-th-Z E. Mü ns “veröffentlicht “neue
päpft11chen Architekten Avignons.
.in Boito
orschung gefunden hat, hat außer der.
ocumente, übxr .die
des Mittelalters, die Geschichts- Zeit geßeen Bauthätigkeit in 11 Schon Bauten er-
Dic italienische Architektur _ und Cattan_eo so m:?ltche schreiber gexunden hat , tritt in goth: cher die franzö 1sche und _deutsche_ Hintergrund. Die wem en rem_ go
euen sich heute gleichwol) einer weit gro eren_Achtun und Aufmerksamkeit der italienischen orschung, als _111 den agen Vasari's, der in ihnen die ver erbltche „1118111818. 18118888“ verachtete. So hat der Dom zu Orvieto, eine _der rerzvollsten gothischen Schöpfungen des Südens, yeuerdtngs e1n_e s_ehr glänzende Rechtfertigung in der prachtigen Publtcanon Jumi's „11 131101110 111011718130“ (Ron), 1891) erfahren.
er anregende Auffaß eines Berliner Ktrnjtgelehrten K. F rey- über die Hobenstaufenburgen in Süd:Jtalten (m der „Dxutschen Rundschau“) verdient an dieser Stelle_ un_1so mehr Erzvabnung, als die Mehrzahl der architekturgesch1chtlrchen Handbucher über das Capitel des mittelalterlichen Profanbaues nur allzu ober- flächlich hinweggehen. _ “_ _ _
Die Popularität, welcher sich die m1ttclalxerlichcn Kunst- studien in den Tagen der Romantik erfreuten, rst ihnen augen- blicklich und _vorausitchtlick) auf längere Zett entzogen, „ür weite Kreise der Gebildeien beginnt das Interesse ür christliche Kunst erst Mit der Epoche _der__ R?- naissance lebendig zu werden. Befoxrdcren Reiz ubt dte italienische Frührenaiffance, dercn kräfngixr Ncalxsmus und vielversprechende Negsamkeit noc]? immer dre Einbildungskraft des modernen Menschen in beonderem Maße fesselt. Die Gegenströmung der jüngsten Zeit, welche s1ch der lange ver- achteten Spätrenaissance _und dem Barock und Nococo zuzu- wenden begann, dürfte sick) namentlich auf deutschem_Bode_n kaum lange erhalten, da unserm _Zcitalter die Viegiamkeit und üppige Fülle der Phantasie abgeht, welche zum vollen Verständnis; und vollends zur Wiederbelebung jener Kunstfomuen erforderlich ist. _Einer der ersten, welche das Studium der italieniéchen chm ancekunst und den (Genuß ihrer Werke weiterenKrei en desdeu chen Volkes zu ver- mitteln verstanden, war Jacob Burckhär t.- Seine Ge1chichte der italienischen Renaiffancearchitektur, die als em Theil der Kugler'scben (Geschichte der Baukunst 1867 zum ersten Male ers ien, hat im vergangenen Jahre il1re dritte Auflage erlebt, we che von einem jüngeren Gelehrten ProfessorH olßin- qer bearbeitet wurde. Auch Burckhardt? „Cultur der Renais- sance“, die geniale Schilderung des Milieu, m welchem die Künstler Italiens ihre Werke schufen, behauptet nach wie vor ihre maßgebende Stellung in der Kunjtliteratur. Eme Ueber- seßung des Werks ins Englische von Middlemore legt davon Zeugnis; ab. Auf dem Grenz cbie_t der Cultur: und Kunst- geschichtsforschung bewegen 118? die Arbeiten » Yriarte's „111110111 163 ]Z01'J18.“ und Konrad Lange's Untersuchung über den „Papstefel“. _ _ __ __
Fiir die Geschichte der ttal1en11chen Sculptur 111 das schon an dieser Stelle von uns besprochene Handbuch von Bode ein m_erthvoller Bettra_, das zugleich als erxtes der in Aussicht gestellten Mutieumshandbucher mrt le hafter Gcnugthuung begrüßt werden muß. Eine umfayg: reichere Geschichte der italienischen Bildhaucrkunst berertcxt Schmarsow vor, deffen Anregung wir auch die „Italieni- schen Forschungen zur Kunstgeschichte“ verdanken , deren zweiter Band „Donatello's Kanzcln in S. Lorenzo“ von M. Scmr a u im yorigen Jahre erschren. Die Nuffäße Gruycr's über die fcrraresische Sculptur in dcr „(18281138 1188 11881111 11118“ und die p_rächtigde Publi- cation der Certosa zu Pavia von Beltramr wer en dem künftigen (Geschichtsschreiber der italienischen Bildnerei als Vorarbeiten willkommen sein. _
Morelli, dem die Bilderkundc der italiemschcn Schule so viel verdankt, ist aus dem_ Leben geßckzwden, ohne; dle Neubearbeitung feiner kunstkriti1chen Stu ien abzuschließen. seinem Tode erschienenen zweiten Band, Bilder der DreSdener und Münchener Galerien untersucht, sollte ein dritter folgen, wel er die Berliner (Galerie behandelt. Ob das Material für iesc neue Auflage seiner Galericstudien soweit geordnet vorliegt, daß es von anderer ?and berauSgYeben werden
Dem kurz vor 1velcher die italienischen
kann, wissen wir ni 1. Der beru enste Fmffcher ür eine solche Aufgabe wäre zweiellos (H. rizzoni, wel er in _einen 1891 erschienenen 811€»,- '1 8111181 über italienische Renai jance- kunt durchaus in den * ahnen seines verehrten Freundes und Meisters sich bewegt. _ _ _ _ _ Die MichelAngelo-Forschung beschäfn t s1ch zur „ ett_ m1t besonderer Vorliebe mit der Jugendentwi elung de_s sisters. Grimm's classts e Biographie, welche beretts m sechster Auflage vorliegt Berlin, W. er ), darf ab_er _troß dieser neuesten Bereicherungen unseres i ens, dic w1r insbesondere Wölfflin, Strzygows-ki und Bode verdanken, noch immer als die anregendste Gesammtschtldcrung des Menschen und Künstlers gelten. Auch Raffael's Jugendwerke _stehen 11_n Vordergrunde des Interesses; _seit Morellt den Strcrt um die Jugendentwickelung des Urbmaten wieder neu belebt, ist das Thema einer ununterbrochenen D1Scusston aungßt, an welcher fich im 58an re besonders lebhaft W, von eidliß und Koopmann bet eiligten. Das Erschemen des dritten Bandes der Raffaelbiographte von C r_o_we und C0 va lc as e [[ 8 wird sicherlich auch zu zahlreichen kr111schen_Erörterungen Ver- anlassung bieten. Die Mit so reichen Mitteln und schönem Erfol 8 be onnene Lionardo-Monographie von P. Müller- Wal e s eint leider ins Stocken Yeratheu, da srit cinem Ja re dic ortfeßung der dritten Lieserung dieses bei Hirth „in ünchen erscheinenden Werkes auf sich warten läßt. Die Xacsimile-Au abe der Pariser Manuscripte Lionardo's, welche Ökavaiffon- collien mit Unterstüßung _der französif en Re ierung unternommen, lat mit emem xeßt vorbiege en sech ten Bande ihren Abs lu gefunden, während der im Besiß des Fürsten Trxvulzi in __ ailand_ befi“1_1ylic_h__e Codex neuerdings „ d11_r Becht_rami eine sehr dankenswer 8 Veröffentlichung er a ren a. '. Für die deutsche Kun t eschichte bildet das S affen Dürer's d_en Mittelpunkt.“ ize Thätigkeit seiner Vor äufer auf fränkschem _Gebiet durch eingehendere _ Untersuchungsn klar zu. stellen “versucht das aungeirhnete „Buch HUÉode's über „die, Malerschule-von * ürnber __ mt _4 ".; ““und, )(17. Jahrhundert““ ( , Keller, _ Fxgyéißxi-„ng; M, welches .1v1r an an erer „Siek, ex„KUSkÜhkÜW :*zUkÜkk? zukommen gedenken. Desselbeni _ Ms _ Verst! ' *großen_NürnberT_e_r Meiler einige,_fi„_,„ den er 1n'ei_ne_m„ Uffas- 11er„J11“ “ ' , buch" der'Kon1glich“"'preuichen '*- - - : -- begegnéxe gethxxter- Avi __ 5-1- . , “ - .;Durerbtograp ie haben «dere -
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