Innern wird das Beamten:Corps des Miyisteriums am Dienstag empfangen. (HrafTisza übernimmt die Leitung seines Amtes in Wien am Donnerstag. Im Parlament wird vor allem die Schließung der jetzigen Session und hierquf die Eroffnung der zweiten Session erfolgen. Nach Conjtiturrung des Hausrs gelangt die' Verhandlung der dreimonatigen Jndemni: tät und der Vorlage über die Vertiefung des Eis er nen Thor: Kanals auf die Tachordnung, worauf die Vudgetdebqtte beginnen kann, sodaß es keineswegs aUSgeschloffcn erscheint, daß der nächstjährige Voranschlag wenigstens im Abgeordeien: hause noch. in diesem Jahre erledigt werden durfte. Der Cultus:Minister wird noch vor Ende des Jahres den bereits fertiggestellten kurzen Geseßentwurf über _ die Reception der jüdischen Confession dem Hause unter: breiten. Darin wird der factisch bestehende Zustand durch die Inartikulirung des jüdischen Glaubens als staatlich arterkannte Confession geseßlich auSgcsprochen und außerdem die gegen- seiti, e Gleichberechtigun_ mit den übrigen anerkanntrn Con?ession2n damit ge cnnzeichnei, daß der Uebertritt von Christen zum Zudenthum gestattet_ iind gere elt wird. Der Geseßentwurf iiber die Eirzfuhrung' cr staatlichen Standesrcgister wird dem R81chstage m den ersten Monaten des nächsten Jahres unterbreitet werden und damit in theilweiscm Zusammenhang als Grundla e__der gatzzen Verwaltungsrcform eine Vorlage iiber die SZassung einer neuen Gemeindeordnung. Der _Gesetzeniwiirf über die freie Ausübung der Religion mird erst waier folgen.
Graf Julius Szapari) traf gestern in Wien cm, um dem Kaiser seinen Dank für das ihm zugegangenc huldvolle Allerhöchste Handschrciben auszusprechen.
Großbritannien und Irland. Die KöniJin ist am Freitag friih_in Beglciiung der Yrinzesfin Heinrich von Battenberg im besten Wohl1ein ach almoral wieder in Windsor eingrtroffcn. Der Premier-Ministcr Gladstone wird fich, wre es heißt, am Dienstag zur Königin begeben. In dem Cabinets- 'rath, der zu Beqinn die1cr Woche abgehalten werden wird, dürfte dem Vernehmen der „A. C.“ zufolge die Ver- tag1an ch Parlaments bis zum 27. Januar beschlossen wer en. Der englische Gesandte in Marokko Sir Euan Smith wird nach einer Meldung des „W. T. B.“ Milte Drzcmber auf seinen Posten zurückkehren.
Frankreich. _
Die Dcputirtcnkammer setzte am Sonnabend zunächst
die Berathung des Prcßgeseßes fort. Der Ber1_chterftatter dcr Commission machte die Mittheilung, die Commixswn habe vcrschicdenc Amen dcm crits angenommen, um aus dcm Geseß: entwnrf jeden Vorwand zu willkürlichm Vorgehen zu beseitigen. Der Minister-Präfidcnt Loubet erkliirtc, cr nehme diesc AmendemcntaZ an, welche die Preßfreiheit vcrbürgtcii. Mehrere andere Abänderungsaniräge wurden hieran abgelehnt oder von den Antragstellern zurückgezogcii imd 1odann mit großer Mehrheit der Theil des (Hestßcntwurfs, der eine Ver- schärfung der in den Artikeln 24 und 25 des gegen- wärtigen Pre ß gescßes enthaltenen Strafdestimmungeii ein: führt, angenommen. Im weiteren Verlauf der Sißung wurde der Theil des Entwurfs berathen, der unter Bezugnahme
auf Artikel 49 des gcgenwärtixken Preßgcseßes die pro-
visorischs Beschlagnahme owie die provisorische Verhaftung vorsicht. Troß der Einwendungen seitens des Justiz- Ministch Ricard wurde unter dem Beifall der äußerstsn Linken mit 289 gcgen 256 Stimmen cin Ill)- ändcrungsanirag Jullien angenommen, der drn bis: herigen Artikel 49 aufrechterhält und bloß dcm Assisenhofe das Recht einräumt, dic Unverziigliche Vollstreckung cines Urtheilsspruchs anzuordnen. Schiicßltch wurde das ganze Gescß angenommen, worauf die Kammer in die Erörterung der Interpellation bxziiglick) dcr Panama- Angelegenheit eintrat. Dcr Präyident Jloquct erklärte, bevor er denjenigen, die die Interpellation uber die Panama: Angelegenheit eingebracht, das Wort eriheile, wolle er eiiie ihn persönlich angehende Angelegenheit besprechen. Die „Cocarde“ habe einen Artikel vsröffc11t1icht,_w0r1nx_:r (Redner) beschuldigt werde, im Jahre 1888 als Minister-Prändeni unter Zustimmung Carndt'I von der Panamagcscll1chaft 300000 Fr. zur Brkämpfung der Pariser Candidatur Boulangcris erhalten zu hadcn. Er erkläre, daß er niemals von der Panamagesell1chaft irgend etwas begehrt, 110ch1rgend etwas erhalten hqbc. (Lrbhafter Beifall.) Das Cahmet, an deffen Spiße er gestanden hadi, sei ein loyales gewe1czi, und er würde auch niemals die Kühnhcii gehabt haden, die Ehre des Kammcr-Präsidiums zu Übernehmen, wcnn die Erinnerung an eine unlautere „Handlung auf seiner Vcrgangenbettruhen WÜde. ( Lebhafte Beifallsvezeugungen.) Mchrcre Abgeordnete beantragten hierauf, die Verhandlung über die Anfrage auf Myntgg zu ver: tagen. Der DcpuiirteDc la l; a 1) € bestand auf der sosoriigcii Bera- thung der Anfrage, wclche nichts mit den eingeleiteien _Vcr- folgungen zu thun habe, in dir er wenig Vertrauen Zeßc. Der Justiz:Ministcr Ricard protestirte gegen diese Bemcr uzig und sagte, niemand habe ihn gezwungen, dicse Yerfolgung cm- zulcitc'n, er habe einzig und allein sginem (Hewincn entsprechend gehandelt. (Hr nehme die DiScusjion aller Fragen an, die nicht der crichtlichen Entscheidung unterliegen, Hieraufwurdc die BeratZung über die Anfrage auf Montag vertagt.
Die “ournale aller Parteien constatiren, das von der Kammer angenommene Prcßgescß unterscheide sich infolge, der während der Beraihung hinzugefügten Amendements in mchis von dem früheren. Während ferner die gemäßigt republi- kanischsn Organe das Gescs in seiner gegenwärtigen Gcsialt für vollständig wirkungslos halten, erklären die oppositio- nellen, das Cabinet habe eine moralische Niederlage erlitten.
Die Zollcommission hat bei der Vorberathung drr ZollherabseYqun auf Baumwollengewebe, die in dem französi ch-schweizerischen Uebereinkommen ent- halten find, die 011 erabscßungcn für bedruckte Vaumwollen- gewebe hauptsächlich cshalb abgelehnt, weil Deutschland und England den grdßten Vortheil daraus ziehen würden. Die Commission at sich sodann_bis Dienstag vertagt.
In der ntersuchung uber die Panama-Angelegen- b'eit haben, wie ,W. T. B.“ meldet, Ferdinand und Charles de Lesieps, der Baron Cotta, Fontane, Eiffel und der Baron Reinach auf den 24. d. M. Vor- ladungen vor den AppellannSgerichtshof erhalten. (Der Baron Reinach ist gestern Xstorben. Sein Tod“ soll infolge eines Ge- hirnschlags, andern achrichtcn ziifol e dur Selb tmord erfolgt “sein.) In den Blättern wird die espre ung er Panama- Angelc enheit lebhaft fortgeseßt; Unter anderem wird der von der nklage mitbetroffene, inzwischen verstorbene Baron
Reinach, der mit der publicistischen Lancirung des Unter-
nehmens betraut gewesen war, von mehrereti Seiten beschul- digt, einzelne Journalleiter und Parlamentarier bestochen zu haben. Das Journal „Libre arole“ behauptete sogar, auch der Krich-Minister de Freycinet habe von der Panama- (Hcéellschaft zweihunderttausend Francs erhalten, ]edoci) _lteß die er die Behauptung sofort auf das entschiedenste_dcmcntirxn. Was die auf diese Sache bezügliche Znierpellation h_etrisft, so sind die Blätter der Ansicht, daß die Verhandlun, ni der Kammer eine sehr lebhafte sein durfte wegen der perßönlrchen Zwischenfälle, die sich ereignen konnten. Mehrere Blatter glauben, die Verhandlung werde nzit der 'Ernennung eincr UntersuchungZ-Commisfion end: en. Em _gestern Abend ab, chaltener Ministerrath at sich mii der Frage besiZä ti t, welche Haltung “das Cabinet bei. der * eantwortung er Interpellation einnehmen solle. Wie ,es heißt, würde si dasselbe einem Aritrage, betreffend eme parlamentarische ntersuchung, nicht wrdcrseßen.
Das Journal „Jour“ meldet, der flüchtige Urheber der Explosion in der Rue des Bons Enfants sei der Anarchist Louvet, ein Freund des in London verhafteten
rancxois, der in Begleitung _ciner mitschuldichi Frauxnßperson Lch auf einem tranSatlantischrn Dampfer emgeschtfft habe, deffcn Vestimmun, sort die Polizei qber kenne. „Dcr deutsche Kürschnergesclle nahe ist als an ]encr Explosion nicht be»- theiligt befunden, aber wegen. seiner Beziehungen zu aus- wärtigen Anarchisten außgewrcsen worden.
Aus Lissabon sind in Paris (bis 1631 indes; _noch uube- stätigt gebliebsne) Nachrichten aus Why dah eingetroffen, wonach General Dodds mit dem König von Dahomei) Frieden ge-
schlossen habe, Italien.
Jn- alermo fand gestern Abend zu Ehren deS vorz maligen Ninister-Präsidenien CrisPi ein Bankett statt, bei dem Crispi in ausführlicher Rcde [cine Thätigkeit als Minister;Präsidcnt besprach. Crispi griff nach einem Bcricht des „W. T. B.“ die Rechte heftig an und betonte die Noil): wendigkeii cincr Nrconstruction der Parteien. Zwischen den Anhängern der Linken und deren ngncrn, den Mitgliedern der Rcchten, bestehe eine weitgehende Spaltung. Die Monarchie unterscheide fich mm der Republik nur dadurch, daß erstere ein ständiges, die chtcre ein aus einer Wahl hervorgehendrs Oderhanpt besiße. An dicser Ich halte cr mehr denn je fest, weil sich an dcr Gren c Italiens die fran: zösische Republik gebildet habe. CriSpi Zchloß daran warme Lobsprüche_ auf die französische Rrpublik, indem er hinzu- fügte, dax; dicse Lobsprüche ans seinem Munde nicht als Schmeichelcicn rrschrinen würdxn. Er erörterte sodann die Reformen, deren Durchführung er wünsche, und erklärte, auf einer Reforni dss staatlichen Kirchenrecbts bkstch “11 müssen. Bci Besprechung drr auswärtigen Politik cmcrktc (Trichi, Italien Habe sich im Jahre 1882 den boiden Kaiserreichen behufs gcmcinsamor Vertheidigung angefchlosscii Es sei das Princip cines Bündnisses der coniinentalen Staaten,
'das Italien erstrrbe; die Vereinigung dcr Waffen sollte jedoch
von ]cner der wirthschafilichcn Interessen begleitet srin. Den lsßierrn sei durch die abgeschloffcnen Handelsverträge nur schlecht entsprochen worden. Er sprecöe gegen das Mi: nisterium, das die Verträge mit Ocsterreich-Ungarn und Deutsch: land crnrueri hade, keincn Tadel aus, sondern mißbilligc nur die iidcrstiirzte Art and Weise; er selbst würde in die Erneurrung der Verträge nur auf anderen Grundlagen und _untrr anderen Bedingungen gcwilligt haben. Italien sei die- ]enige der drei verbündeten Mächte, die am meisten von dem Dreibund lcidc. Crispi besprach sodann den erbitterxin wirthschaftlichcn Kricg, dcn Frankreich gegen Italien 1eit ch Jahren aus politischen (Hriindcn führe und in der Usbek- zeugung fortscZe, Italicn ermiidcn und dann über dasselbe
triumplm'cn zu onnen. DasMinisterium hätte bei derErneucrimg dcs Dreidundcs von dem Grdanken durchdrungen sein sollen, daß es unmöglich sei, die wirihschaftlichen Fragen von der Politik zu trennen. Crispi schloß mit der Versicherung, daß ihn Enttäns ungen nicht entmuthigten, daß er vielmehr die Zukimst ch atcrlandes noch in ro1ig€n Farbrn sche. Er appellire vcrtrancnsvoll an die jüngere Generation, damit diese sick) rinrn Führer wähle, dcr fie zur Erruiigcnschaft cines fre-ien, großen und gcachietcn Italiens zu gelritcn und die Volksthiimlichc, durch die Einhßit des Landes gewährleistrtc Monarchie unerschütterlich zu gestalten im stande sci.
Portugal.
Eins Versammlung von Gcschäft§inhabcrn in Lissabon bssckstoß, dcm „W. T. B.“ zufolgr, ihre Läden auf 24 Stunden zu schließen, sobald das erwartete englische Geschwader in den Hafen cinlaufen werde. Man beabsichtigt, durch diese Trmonftration YU zeigen, daß dcr portugiesische, andelSstand das englische V emorandum vom 11. Jannar 18 0 Über die portugicfischcnOccUpationen in Ost:?lfrika nicht vergeffcn habe.
Unter den Fcnstcrn des Grafen Xolgosa, dcs Präsi- denten des mit den Vorbereitungen Fiir den Empfang des Königs und der Königin betraut gewesenen Ausschusses, ist eine Dynamiibombe geplaßi. Die Untrrsuchung ist ein-
geleitet. Säureiz.
Amtlich wird mitget' eilt, daß die erste Verathung dcs schweizerisch:ösierrci ischen Staatsvertrags iiber die Nheinregulirung becndigt ist und daß dies wcizcrischen Delegiricn nunmedr die Entschließungen des Bun cSraths er: warten. Der Scl) uf; der Conferenz wird voraussichtlich bereits in den nächsten Tagen erfol en.
Das Verner Volk cfchloß gestern mit etwa 27 000 gegen 17 000 Stimmen, die gänzlich veraltete Kantons- verfassung vom Jahre 1846 durch den großen Rath rev?-
dircn zu lassen. Belgien.
Die Deputirtcnkammer hat am reitag die Adrekß: debatte beendigt. Der Deputirte Janson eklagte, der „Fr f, Ztg.“ zufolge, das Schweigen der Hronredc über die brennende
' rage des allgemeinen Wahlrechts und verlangte die Anerken-
nung des Rechts der Arbeiter, am politischen Leben theil- Junehmcn. Der Abgeordnete Yara, obschdn ein (HeZner es all emeinen Wahlrechts, crklarte, daß dieses doch wurde eingcfü rt werden müssen, und hcdauerte,_ daß der Minister sich in Schweigen hülle. Dcr Mimster-Praßdent Vccrnacrt eröffnete, er erwarte zunächst den„Abschluß' der Arbeiten der Commissionen, dann werde die Regierung mit festen Anträgen vortreten. Schließlich wurde die Adresse mit 50 gegen ZZStimmen angenommen, das Amendement Janson's wegen des allgemeinen Wahlrechts verworfen.
Als Präfideni der „morZen zusammentretenden Mü nz- conferen'z ist dem „W. T. _.“ zufolge Myntefiore Levi als Vice-Präsidenx der amerikanische Gesqndte, in Brüssel T e re 11 in Aussicht genommen. In der amerikanischen Gesandtschaft findet morgen ein Empfang statt.
Rumänien.
Der provisorische Leiter der Handelsseetion im ausivärti en Amt Papiniu ist nach einer Meldung des „W. T. .“ nach Ver 1 in abgereist, um dem dortigen rumänischen Gesandten bei den HandelWertragS-Verhandlungen zur Seite zu stehen.
Bulgarien.
Vorgestern, am Jahrestage der Srhlacht von Slid- nißa, fand, wie „W. T. V.“ berichtet, in Philippopel ein feierliches Requiem für die in der Schlacht gefallenen Sol- daten statt, dem der Prinz Ferdinand und die Prinzessin Clementine beiwohnteq, Der Prinz und die Prinzessin reisten Nachmittags nach Softa ab.
Schweden und Norivegen.
Die Kronprinzessin tritt, wie den „Hamb. Nachr.“ geschrieben wird, heute ihre Reise nach Baden an.
Beide Kammern des Reichstags haben, wie die „Hamb, Nachr.“ melden, übereinstimmend beschlossen, heute mit den Verhandlungen Über die Militärvorl a gen zu beginnen und täglich zwci Sißungen zu halten.
Dänemark. „
Die Regiernng hat dem Landsthing einen Gcscß: entwurf vorgelegt, der bezweckt, den Handel mit Dhnamii unter verschärfte Controle zu stellen, namentlich, wie es in der Vorlagc heißt,_„um zu verhindern, daß Personen, die nicht im stande scicn, 1ich in'ihrer ?eimath Dynamit zu verschaffen, in Dänemark Exploswstoffe iir verbrecherische Zwecke ankaufien.“
In der gestern fortgeseßten Verhandlung des Folke: thingS iiber den Armee-OrganisatiOUlean trat der Kriegs-Minister in längerer Ausfiihrung dcn Angrikazen auf die Vorlage entge en und suchte den Nußen der e- fcstigung Kopenhagens arzuthun. Im Laufe der Verhandlung trat der Abg. Zungersen mit mrl)reren andern Mitqliedern von der gemäßigten Linken zur Fraction des 1)1“. rundes übsr, indem sie erklärten, mit ihm für die Verweigerung des Uebergang?» dcs (Hessßentwurfs zur zweiten Lesung stimmen zu wollen. Von comervativer Seite wurde gngedeutei, daß die Armcc-Organisaiion eventuell auf provi1orischem Woge werde durchgeführt werden.
Afrika.
Wie das „Reuter'fckw Bureau“ aus Sansibar meldet, bcabsichtigt die dortige Regierung vom 1. Februar kommenden Jahres ab einen Einfuhrzoll auf Weiß, Opium und Taback zu crhebrn. Die Regierung 1ei hierzu durch das Vorgehen des französischen Consuls genöthigt, der auf dem F?rkZuf aller alkoholhaltigcn Liqucnrc, ohne ]ede Einschränkung,
e te c.
Parlamentarische Nachrichten. Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten.
5. Sißung vom 21. November 1892,
Der Sißung wohnen bei der Präsident des Staats; Mitiistcrinnis, Ministrr des Innern Graf zu Eulenburg und der Finanz-Ministcr 131“. Miquel.
Die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Aufhebung director Staatssteucrn und der Denk: schrift dazu wird fortgesetzt.
Abg. von Zedliß-Ncukirck) (freicons.); Ueber die Haupt- ziclc der Vorlagen hrrrscbe unter den Hauptparteien große
Uebcreinstimmunq. Die Conservativen, die Natioualliberalen.
und die Mehrheit feiner (Nedncrs) Partei billigen den Verzicht des Staates aiif die Rcalstcuern. Meinungsvcrschiedenheiten bestünden nur in chug auf die Nßbenfraßen. In dieser Beziehung werde sick) auck) icmcmd beeinslnffcn affcn durch die Rede des Herrn Richter, die sich wcdrr durch RcchtH- noch durch Sachkenntniß außgczeichnct habe. W;:m dic Grundstcnrr, dercn innere Ungcrkchtigkcit man erkannt habe, aiifgchobcn werde und einige Personen davon Vortheil Hätten, die vielleicht einer Erleichterung nicht bedürften,_so könne man daraus noch nicht auf eine Be- vorzugung die1er Einzelnen schließen, denen viele „andere gegrnüberständen, die wirklich einer Erleichterung bc- diirftcn. Selbst der potente Großgrundbesiß würde nicht den ganzen Betrag der (Grundsteuer ersparen, denn diesem BetraJe ständen gegenüber die Vermögenssteuer und dic Erhohung der Kreisstcuer infolge der 1611 neue. Dazu komme», daß die Inhaber der Gutsbezirke die taatß und Communaljtcuern ihrer Hinterlassen unentgeltlich erheben müßten, während fie dafür bisher Entschädigung erhielten. Die Vortheile, die den kleinen Bauern und Landemeindcn zu ihcil würden, habe Herr Richter aber vollständig verichwie cn. Herr Richter meine auch, die Landgemeinden hätteniiir die S ul- lastcxi mehr zu tragen, als die Gutsbefißer. Das sei aber nicht richtig, denn die Gutsbefißer, hätten fiir dieSchuibautcn alles Mgtcrial zu liefern, und das falle mehr ins Gewichi, als die pcr1önliche Schullast. Die Armenlast würde meistens von Vrrbänden getragen, denen die Gutsbeirke ebenfalls ange- horcn, und wo das nicht der Fall sein ?olltc, biete die Land- gemeindeordnung die Mittel, solche Verbände zu bilden. Fur keine Behauptung, daß der Verzicht des Staats auf die Regl- teucrn zur Entlastung der Bduerngemeinden führe, verweist der Redner auf mehrere concrete Beispiele aus den statistischen Nachweisungcn und zwar aus den Kreisen Greifswald, Gla
u_nd Sagan. Die Landgemeinden hätten von der Maßrege
„emen Vortheil von inSgesammi 20 Millionen Mark. Auch m den Städien werde eine Erleichterung der Einkommensteuer- *uschläge erfolgen, selbst in Berlin. Es werde nicht den Haus- ?xcsißern ein Theil der Haussteixer erlassen werden, sondern sie würden wahrscheinlich ebemoviel bezahlen müssen, mie sie bisher an Staats- und Gemeindesteuern beza lt haben. Bezüglich des Gemeindeabgabengeseßes habe Herr iehter bx- mängelt, daß keine Vorschriften darin enthalten seien über, die Veranlagung der Realsteucrn, daß die veraltete Grund: und Gebäudesteuer als Maßstab zur AnwendunZl komme- Die Gemeinden, welche . einen raschen ufschwung nähmen, hätten fich allerdings nach einem anderen Maßstab umsehen müssen, dazu biete das , R.,eglemxnk über die Berliner Haussteuer hinreichendes Material; un
1": ' en wiirden die Gemeinden einfach an der Grund; und Gebaudcsteuer Festhalten können. Herr Ni ter "bemängele ferner, das; „kein festes Verhältniß zwischen er Besieuerun des Grundbestßes und der des EtniommenS fest estet sei. Ein solches festes Verhältniß "würde wün?chens- worth sein, wenn die Verhältnisse überall gleichmäßig wären. Da dies aber nicht der Fall sei, so müsse eine gx wiffe Bewegungsfxeiheit gestattet werden. Daß die Grund- steuer und die Gewerbesteuer gleichmäßig herangezogen wiirden, sei durchaus zutreffend, denn der Gewerbebetrieb habe von den städtischen Einrichtungen fast noch mehr Vortheil als der Hausbefiy. Die Fdlge dcr Steuerreform werde sein, daß die Realbctißer von drückenden Staats: steuern entlastet würden und daß die Zuschläge zur Staats: einkommenjteucr nicht mehr so hoch sein würden wie bisher. Wenn innerhalb der Gemeinden noch eine ungleiche Belastung bestehen bleiben sollte, dann würde man dahin wirken müssen, daß bei“ LeistungSunfähigkcit- cines niederen Verbandes der hohere Communalvcrband eintrete. - Dcr ,orifall drr 1611 Hucnc sei für die Staatskasse nur mit 24 illionen in Rechnxmg gestellt, während man wohl auf 30 Millionen rechnen konn_e, so lange die Getreidezölle in der WWU Höhe besteheii. Vielleicht würde es sich Empfehlen, dgß dcr Siaat die 6 Millionen, die ihm mehr zu: fließen, an die Kreise als feste Rente verthcilte, welche diese bei dcr Ueberweisung weniger erhalten als aus der 1811 Huene. Metnungßverschiedenheiten bestünden iiber die Einzelheiten der Ausführung, namentlich Über die Deckung des Fehlbetragcs von 35 Millionen für die Staatskasse. Man wolle diesen Betrag decken durch die Besteuerung des fundirten Einkommen?- in Form einer Erbschaftssteuer oder innerhalb der Einkommenstener, während die Regierung eine Ver- mögenssteuer vorgeschlagen habe. Redner erkennt an, daß die Vermö ensyteuer der ungiinstigste, dic Briteuerung innerhalb er Einkommensteuer dcr qiinstigjte Vor: schlag sei; die Erbschafts1tener liege in der Mitte. Die Ver- mögenssteuer hqbe „gegen fick) einmal den Namen, zweitens den Umstand, daß sie xine neue Steuer darstelle, und drittens, daß fie ein tiefes Eindringen in die Verhältniffe erfordere. Innerhalb
der Einkommensteuer könne das Vermögsn in den meisten Fällen
leicht getroffenwerden, ab_e_r nichtbei drr Landwirthscbaft, bei der die Oberleitung_und Beaufnchiigung, ]a die persönliche Mitarbeit bei der Gestaltung des Einkommens briheiligt sci. Dieser Theil des Einkommens könne nicht so leicht auWeschieden werden, so daß man den Anthcil des Vermögens allein erhalte. Beim Gewerbe liege dies vielfach ebenso, deshalb sei eine besondere Vermögenssteuer besser, wenn dabei auch tief in die einzelnen Vrrhältniffe ein__cdrungcn werden müsse. Die Schäßun brauche ja nicht a jährlich zu géschchen, er würde viclchr dafur sprechen, daß längere Perioden, etwa von 5 Jahren, eingefiihrt würden, denn ein ertbum in der Schäßung dcs Vcrmdgens um 10000 «sé: bedeute nnr eine Differenz von 5 «Fl: in der Steuer. Die Erbschaftssteuer sei deswegen nicht brauchbar, weil die Erbfälle nicht in regel.- mäßiger Folge entstünden, sondern sehr unregelmäßig. Wenn man aber den neuen Steuerplan wolle, dann müsse man klein: liche Bcdenkcn bei Seite lassen.
Abg; Staats-Ministcr errfurth: Der Vorredner habe sick) vollständig für de_n teuerplan der Regierung aUZ- gesprochen, cr (Redner) fürchte aber, daß seine olffnungen sich als Illusionen ergeben wiirden. Ueber den an der Re- gierung, der als der Plan dcr „ganzen Steuerreform“ be: eichnet werds, sei in den Tachblättern schon lange ge- ?prochcn worden. Dieser Plan habe etwas Bestechendes und werde nicht derfehlen, nach vielen Richtungen Anhänger zu finden. __Seme Bedenken richteten sich nicht [Zwohl gegen die theoretijchen Grundlagen des Systems der Staats: und Communalbexieuerung, als gegen die praktischen Folqcn, die ihre Nechifertr ung nicht in dem rein steuerlichen Theil der Vorlagen, son cm in der Rückwirkung fändcn, welche dieser Plan auf, _das gesammte Politische Leben äußern werde, in den politischen Folgen von (Heseßen, die ihrer Natur nach nicht politisch seien und nicht politisch sein sollten. Die Stellung zur Steuerreform sei keine Parteifrage und sollts von keiner Seite zur Parteifragc gemacht werden. Bis zu'diesem Jahre sei nur die Rede gewesen von dcr Ueber: weisimg der Grund: und Gebäudcsteucr, oder vielmehr eines Thrils derselben an communale Verbände. Auch der jcßige
'“ inanz-Miyister habe 1879 mir von der Ueberweisung gc:
proclzen; ]eßt bringe die Regierung den Plan eines solchen Erlassrs dcr voÜen Grunix und Gebäude:, Gewerbe: und Berg: werksftcucr, von wclchcr lcßteren bisher überhaupt nicht die Nede_ gewesen. Zur Begründung dieses Plans srhe sich dwßchrcrung diirch den Wortlaut des § 82 des Ein- kommezuteuergeseßes in Verbindung mit der unerwarteten Mehrzxmnahme der Einkommensteuer veranlaßt. § 82 nehme allerdings den, Mehrbxtrag zur Beseitigung der Grund: und Gebäudesteuer in Aussicht; nur mit einem „beziehungSweisc“ werde die Ueberweisung damit in Verbindung gebracht. Da- durch werde diese lcßtcre aber nicht in den Vorder- grund gedrängt, fie sei vielmehr in erster Linie in Ausncht genommen gewesen. 'Gc en die Streichung des Wortes „Ueberweisung“ hach sich er Finanz-Ministcr selbst ausgesprochew “Aus der Hoh? dcs Mehrbetrages der Ein- kommensteuer könne ebenfalls nicht der Schluß ezogen werdcn, daß die Aufhebung der Gruyd- und Gebäudeteuer erfolgen musse“. Der Mehrertrir sei fruh_cr auf 20 Millionen höchstens geschutzt" worden; da er hoher sci, konnte doch nicht dazu fuhren, _so viele Millionen weiter zu verwenden, um di? Rxaljteuern vollständig aufzu eben, Viel näher l_age es vielleicht,- von den 40 illionen 10 Mil- lionen abzu weigen zur Befriedigung von'Staatsbedüaniffen, welche längßt als nothwendi anerkannt seien: zur Er öhung der Gehälter der Subaltern eamten und zur Verbesserung der Schulverhältniffe. Das Volks chuleseß nehme ja eine _erwendung von 9 Millionen iar von den Ueberschiiffen in Aussicht. Eine Nothwendigkeit des „ganzen'Planes“ konne alia nicht egründet werden auf 82 des Etnkommenfteuxr- „Leises. Die Motive fülLrten mit echt aus, da der Begriff eberweifung ni t festste e, daß auch nicht feststc e, (M, WSU)? Coinmunglverbän e die Ueberweisung erfolqen so e; die Auf- fassung sei allgemein daZin ge angen, daß die Steuer'weiter erh oben werden solle, aber en ( cmeinden zur Erleichterung zu: gemiesen werden solle, Ießt wiirden die Steuern auf: gxhoben, und die Gemeinden erhielten nur das Recht, dle- Sieuerzahler ihrerseits heranzuziehen. Gegen die 1Leherwetsung sei geltend gemacht worden, daß die großen Studie. und die wohlhabenden Landestheile allein davon Vortheil hätten; das 1 e aber von der Aufhebung 'der Grund- und Gebaudesteuer „eben alls zu. Der Erlaß beliefe sich 111
den- wohlhabenden Landestheilen Sachsens, annovers und SchleSwi „Holsteins auf 7 bis 8 „M, in dem reise Eiderstedt sogar an 13 «ji pro Kopf, in den östlichen Landestheilen aber nur auf 1 „M pro Kopf. Das sei ungerecht,
(Bei Schluß des Blattes spricht der Redner fort.)
Im 1.7 Frankfurter Landtagswahlbezirk (Arns- walde-Friedeberg ist, an Stelle des verstorbenen Land- raths a. D! yon eyer in elpe, von Waldow (conservativ) mit 287 "Stimmen zum itglicd des Hauses der Ab-
eordneten „ ewählt worden. Der Gegencandidat von Reibniß: Zeinrichsau (?reisinnig) hat 21 Stimmen erhalten.
Kunst und Wissenschaft.
N a ck r u f. _
Am 19. d. M. entschlief nach kurzem Krankenlager der Geheime Ober-Bayrath und vortragende Rath im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Professor
_ Ludwig Hagen hier1elbst. „ Derselbe gehörte _der unteréeichneten Akademie seit deren Grundung als ordentliches Mitg ied der Abtheilung für das Ingenieur- und Maschinenwesen an und zählte zu den hcrvorragendsten Vertretern seines Fachs.
Sein umfassende? Wissen, der große Schuß seiner in einer langen und erfolgreichen praktischen Thätigkeit erworbenen Erfahrungen, das Interesse, _mit welchem er alle Fortschritte seines Fachs im In: und Auslande verfolgte und die Ver: bindiing mit den bedeutendsten Ingenieuren aufrecht erhielt, befahigten ihn i_xi hohem Maße zur Förderung unserer Arbeiten, ati denen er [ich Mit stets berciiem Eifer br..!“xxiligte. Wie wrr Hierbei „sein gereiftes Urtheil und seinen stren en Gerechtigkeitsstnn stets zu schäßen gehabt haben, so wer en wir auch dds Andenken an den uns durch sein biederes und liedenswiirdiges Wesen theucr gewordenen Freund nie in uns erloschen (affen.
Berlin,_dc_n 19. November 1892. Konigliche Akademie des Bauwesens.
4:1: In der Königlichen Akadcmir dcr bildenden Künste sind für kürzere Zeit vier Concurrenz-Eniwürfs für rin in Berlin zu errichtendes Denkmal der Tondichter Haydn, Mozart und Berthoden ausgekstellt, die von den Bildhauern Hilde- brand,_ undrieser, Schaper und Siemering herrühren. Die Ausga «, das Gedächiniß dreier nur durch idealr Gemcinsckyast Verbundrner Männcr durch ein _Monument zn vercwigrn, bot drr Eil.- bildungskrast der Künstler cbrnrovicl Schwicrigkcii€n wie Zieizk. Nur einer von, ihnen hat es gewagt, dir drei Gestalten zu _ciner Gruppe? zu Vrreimgen, die anderen babcn cs Vorgrzogen, dir Büitkn der Ton- dichter dnrch einen architckwnischcn Rahmen zu Vcrrini Ell. Die Architrkiur, Miche in dcr modérncn Monumrntalplastik ick) immcr brciiérsn Raum croberi,' Hat bei diesc); brsondcrcn Gicicgenheii zwci Ansgabcn zu erfüllen: die Vermittelung des plastischen Kunstwrrks mit seiner Umgcbung, als wrlchc dcr Thirrgartcn gcdachi ist, und den Zusammrnschluß dsr drci Gestalten, bczichungswcisc Büsten; Am glücklichstrn ist dieser Thcil dcr Denkinalsanlago von Adolf „Hild c- brand in Florcnz gclöst wordc_n. Cr icbt €in€n_ frst abgrscbloffrnsn Bezirk in eliiptischer Form mit KuppeldaZ und Cinsallcndem Obcrlicbt, in den strcn en, feicrlichen Formen römischer Architektur. An drr Vordrrseitc d' net sich disser tempclartigc Bau in einer durch Niedrige Balustradcn Verbundenrn und durch einrn kleinen Springbrunnrn be- lebtc'n Saulcnstellung, durch We1ch€*man in dir Halls Hineinblickt, an d€r€n_gcschlossener Hinterwand" die HLWUCU der drei Tonbrroen au ge- stellt Und. Die? scitlichen Zugange werden durch Vorgrlegte Säu cn- ballcn betont, in deren_J11tercolum11icn die Gestalten dEr Vocal- und Jnstrnmentaimusik Aussteligng gefunden lwbrn. Jm Jnnrrn der Halle ladeii Bänke zn [»Es cha111icher Betrachtung ein. De'r ganze Entwur , ercher nur in einer Fedcrzeicbnung vorliegt, athmet Ruhe, Xeicrli keit und ;Vornebmhseit. Die innerlichc Sammlung, welche die ?Nusik erlwischt, Findet darm ihren treffenden Ausdruck, die dccoraich Absichi dss Monuments kommt dagegen wcnigkr zur Geltung. Ucbrr die plastische Durchführung der Einzelheiten läßt sick) angesichts derLlüchtig an- denkender Zeichnung ksin Urtbeil abgeben. _Jn Fritz «chaper's Entwyrs feffeln_ am meisten die allegoriscben Gruvpen, wclche vor den Yermenschästsn der drei durch eine flaci) gekrümmte Säulen- balustrade vereinten Büsten angeordnkt find. Havwn'S Eigenart wird in der Gruppr eines id€a*e1 Violinspielers und ein3s flötrnblasendcn Kindss Vcrfinnbildlicht, zu drr lyrischen Muss Mozart's tritt dcr Genius des Dramas mit der Maske eran, währcnd am Fuße der Brethodcnhrrmc rin finstcr brütendrr „Ycld fich nikdrrgclaner) 1391, der, im Bkgriff sein Schivrrt zu zirbcn, Von ciner P1ychc brfgnftt t wird. Die fcim'innige Erfindung zeichnet diese Grupvrn cbrn 111 sc,r Jus wie der anmuthige Linie'nfluß ihrer Gestalten. AUY die Büstrn Und bereits in dcm kleinen ?Maßftab des Modells als araktcristisck) aiif cfaßt und durchgeführt ere'nnbar. Schwäcßlich und unorgani1ch er] rint dagegen der architektonische Theil der_,[nlage, zu drr eine breite, won Spbinxen flankirtc Freitrexpe bina11fsük)rt.- Jm ngcnsaiz zii dirser _ge'brechlichrn Säulengalcrie )at Hundries cr eine ungefüge, Viel zu 1chwere Yseilerbalustrade geplant, die fich in der Mitte dss ziirückweichenden rissegmenis in cinemTriumphbog-xn öffnet; Unter diesem Triumphbogen, auf schmalem Postament m das Halbrund bewortretend, ist die Gruppc der drei Componisien mit ailegorisclxm Sockelschmuck angcordnet. Die Gestalten Haydn's und Mozarth sicben Hinter dcm sißknd dargestkllten Schöpfcr des Fidelio. Die Gruppe ist durchaus mißlunqen; es fehlt ihr an klarer Ent- wrckelung und Lösung der Massen, sie? wird durch dic rwxltigrn Architekturflanksn eingezwängt und erdrückt. Die am 2?oftgment gelagerten allegoriscben Gestalten und der _Relicffries der alustrade, der die Hauptschöpfungen der drei Meister versinnlicht, vermögen troß ihrer reich bewegten Composition und glücklichen Erfindung für die, unglüxkliche Gesammtanordnung nicht zu entschädigen. - Rudois Siemermg schließlic? concentrirt das ganze Monument in em flaches Friihrenaiffance- abernakel, von dessen durch Mosaikschmuck 128- leiiter Hinterwand ich die prächtig charaktcrisirtcn ortrai- busten auf Pfeilerso eln abheben. In i?nen liegt der chwer- piinkt_der ganzen CompoYion; die aliegorichen Zutbaten, wie die die Lunette Lankirenden. utti, sowie die musizirenden Genien am Soxkel der 5 ecthovemBüste und die beiden größeren FZFMM zur Seite Wirken [edi lich decorativ. Wenn sich Siemering's üstcn mit SÖaper's allegochhen Gruppen in dem von Hildebrand entworfenen Tempelbau vereinigen ließen, würds das Denkmal si erlich zu den bedeutsamsten Schopfungen moderner Bildnerex zu za len sein und den herrlichen Parkanlagen des Thiergartens zu idealer Zier gereichen.
„ _ Im Verein für deutsches Kunstgewerbe wird am nachsten Mittwoch, 8x Ubr Abends, im gro en Saale des Archi- tektenhaufes Herr B. Mannfeld eine usstellung seiner Radtrungen veranstalten, darunter auch eine Anzahl neuer, noch nicht beikannter Arbeiten. Herr Mannfeld selber wird die Ausstellung durch emen Vortra über „Kunst und Technik der Radirun " er- läutern. Vorher wizrd ' Professor E. Doepler d.J.d1ejunfzig Wettarbeiten der eßten Vercinsconcurrenz (Entwurfs fur ein Titelblatt) besprechen. ,
- a einer-Meldung des „W. T. B.“ aus Kopenhagen ist Jer bDichter Jens Christian Hostrup heute Vormittag ge- or en.
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Land- und Forstwirth'säjaft.
Ernte.
„Jm- Regierungsbezirk KL 11] ist die Ernte in Roggen quantitativ wie quaittattv eme gute, _thetlwet_se auSgezeichnete gewesen. Auch die Weizenernie war fast uberall eiiie sebr ute, Der Hafer ist im aanzen Bezirke t_mt Außnabme der. Krsisequs irchen und Gummersbach und Wipperfurth, wv nur, eme Mittelernte erzielt wurde, recht gut eratberi. Dassxlbe gilt von Gerste und Buchweizen. Ebenso
rfteultches ist von „den Kartoffeln zu berichten. Die Früh- kartoffeln haben eme schr ute Ernte geliefert, die
.Späxkartoffeln versprechen cine sol 6 für den ganzen Bezirk. Die
Zurkerrüben haben in den meisten Districten eine ute, in andern eine Mitteierntexrgeben. Dagegmx hatden Hülsenfrü ten, den Gemüsen und fammtlrchen Futtexgewachjen dic Dürre des August sebr geschadet. . _ „Jin RegierungsbezirkKoblcnz war die Ernte im allgemeinen recht befriedigend und lieferte ,in BMZ? auf die (Güte eines,;ZE ezeicbneten Er_trag. Drr Körnerertrag von 1) gen, Weizen und“ ie ist na Gute iindMenge durchweg zizfricdcn tellrnd, dagegen beiHafer schwa und meisch „auch von gernxger Güte. Die Kartoffelernte ist seit [611th Zeit nicht mehr 11) rrgirbig gewesen wie in diesem Jabra. 75111 Regierungsbezirk Trier Hat das Wintergetreide im aa- gcmemen emen guten Körxierertrag gelisfcrt, Welcher bei Ro gen auf etwa 110 9/0 imd be1 Weizen cms etwa 100 0/0 einer Mitte ernte zu scheißen sem durfie. Dte_Ernt€ cm Frühkarioffsln war eine sehr er- tebigr und in Ls'ezug auwGüie drr Frucht befrisdigend. Die späten Sorten babetx reiche Ertragc' gsliefert; die Kdrtoffeln smd mehlreick) und schmackhast 11in _zctgcn keine Neigung zu'Fäulniß. Die Wurzklz Futter- und Gemuyepslanch babs" fich_ infolge des aiisgiebi en ngens FäsScZéembcr gut eniwxckclt und itxxlle'n brfriedigcnde Erträge in
u.1 .
„ Ju _de„n Holyenzdllernschcn Landen war dic Ernie, was die Ouaittai anlangt, eme srbr g'ute; lyinsirhtlick) der Quantität stand sie, gegen friihere Jahre etwas zurück. Hsu- und Futterkräuter lieferten beim . ziveticn Schnitt kqum rinsn Halben Ertrag. Auch das Er- iragniß (m_Strok) wqr em gxringxs. Von dem Hackfrücbien Haben fich die Rubin gut, die Karionrin Jahr gut cntwickrlt und vrrsVrechkn sowohl qualitativ wre qiiantiiaiid Lins: gnis Ernie.
Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.
Cholera.
lirbcr das mrbrerirähntc Experiment deö Gébeimcn und Ober- Medizmal-Raths Profkffors 1)1'. Pritrnkofrr und drs Professors 101; Emmerich in Münchrwmit dcn Kommabacillen Vcr- offrntlicht dic „„National-Zig.“ 8111611 Artikrl , drm wir foigrnde ncucn Mittbrtilungew eninkhmen:
„Dia Ligsnen Angaben Prttenkofrr's iiber die Infection bei ihm, [vivre iiisbeforidere das KrankatÖbild, _wrlckyrs sein Miiarbriier Pro- fessor Cmnzkrtch durch seinen Selfbstvcrxuci) dei sick) brriwrrirf, zeigen, daß betd€_;Y€rre'n m «Milsechziehung sogar recht typischc Cöolera- mile rcvramitiren. 5Z-Ziteiikoforr Hat das, was mcm sine Cholera- diarrböc nxnnt, EmmeriY dagcgén einen ausgesprochenc'n Cholcraansall durch)ge'ma t. __
" Zuxn besseren _Vcrständniß müßen wir" auf das Expsriivent selbst nahrr crxigeben, schicken (1er zur Erläutrrung Voraus, daß Pattenfofrr das 'tha'ndekommen der Choicra Linrr Reihr won Facwren zu- schrc1bt, die er in Form einer mathematisch Gl€ichung, ); + )'+ » =.Cbolera, außdrückt; :( ist der Krankbritskeim (Kockyis Komma- bgcrilus), )J dcr Einfluß dcr Örtlich zriikichen Vcrhältniffc, 7, die indi- Vidueilc Disposition. O _
Pettenxofrr nahm scinkn „Cbolcrairank" 21 Siundrn nac!) drm aus emrr Taffe Cbokoladr und zwci WLiÖLU Eiern br- 1i8hcnden Frühstück. Er briand fich troß ssincr 74 Fabre urid dcn cnttprrchendxn 'Altcrscrsckycinungcn in Lincm guten Er- nahrungsznstand. Bex scinexx gxrc'gklicn und nüchtern?" strnsweise bxsqß „sr sonach wahrychriniicky 61116 bcdcutendr Widcrstands- fahigkeit g'egcn das Kranidciisgist; ieine individucllc Di:“?position, das 7- scmer Cholcraglercbnng, kann dcmnack) nur gering gr- ivxssn sein. Das )(, wekche§ rr einnahm, bestand in 1 00111 ciner frischen CHolerabouilloncultur, die. Er in 100 (30111 Wasssr Vermisckyt Mit 1_ Z doppelt - koblrnsaurem Natron trank. Diss exitspricht nun alirrdmgs nicht anz weder der natürlichkn Infection noch dem Von Koch _angch enrn Experiixirnt, Wik CI an Viscrschwcinchcn emacht Wird. Beim _ Vrrimyckyen dcr BouiUonculTUr mit dcr '.atronliisimg können diE deierabakterirn geschädigi wrrdrn, ch- Haib pslsgt man den Merrickywcincheti das doppelt - kohlsnsaure Natron zur Absinmpfung drr Magensänrr vordrr Einzugsben und dietCnitur nachsoigcn zu [anon. Ebrnsi) sei 1181118er daß man de'" Tbikren doch eiwas mehr, his zur fünffachcn Mcngr, also 5 13-111 Remculiixr Lingiébf. __Auci) bei _dcr 11aiür1ichannf€ctiM ma fis nun durch vcr]x11chtes Wamrr zu vrrychiedcnen Makrn, odkr dur , cin mit Cholcrakettnrn bescßtrs NabrnngSmittc'l Erfolge'n, kann dir. don Petten- korér ungeheyrr gengnnte Mcnge Von thfkctionsstoff srdr wobl rr- rsicht, beziehungßwriye nocl) writ iibertroffen wrrdcn.
Bci Prtirnkrser zcigicn fick) die Crstrn Symptome zwci Tags nach dcr Infection in Form Von Gurrcn in drn Gedänncn und virrmaligcm Durchfall. Dcrxrlbc tricb ihn in der Nacht zum dritxrn Tagk wisdxxrhold cms dcm Bett und stklitc sich im Verlauf die:]cs TQJLÖ noch fünfmal ein. Das Kollcrn im Leib und die Durchsalle bie ten bis zum sechsten Tagr an. (irt dann stsllic fick) das früher? normale _Vrrbaltrn wieder ein. In déi] dünnen Aus- lecrungrn fandcn iich bis dahin auch dic Cdolkrabakisricn und zwar in großcr Men L_, ja theilwsikc in Rcinkulturcn. Ddr; Allgemerxi- befinden Petten oscr's war so wenig gestört, das; er Mina Arbeit 111 gewohnter Weise Mrrichtete. Seine Ernährung ändrrte Sr allerdings insofern ab, als er an Stelle des Biers Rothirkin trank _(thcckwcne als Glühwcin, Bordeaux mit Zimmetrindc), und Schicimyuppsn aß, um seinen Darm, wie er selbst angiébt, wenigcr zu rcczsn_. Er that also glücklicherweise das, was man in Cholkrazcitcn bei solch Urr- dächtiaem Durchfall eben thun muß. _ . _
Einen wsit schlimmeren Verlauf nahm das Experimexii bet
wf. EntmericL, troßdem dirser Herr Lrlxeblicb jünger rst als
etienkofer. Cr egnügtc sich mit dem zebntcn Theil dchosts von Pettenkofer, nahm sie jedoch m gleicher Wxisc. Sem )( war also zehnmal schwächer. Durch absichtliche Diätsehler _(Genuß yo'n
Pflaumenkuchsn und 3Z1Bxer) erhöhte er sein _2, 161116 indivi- durlie Disposition. Für _ die groß? Wirisamkeit der sznfach geringeren Giftdosts unter dtessn Umstanden liefert sem Krankbxitsbrld, das jeder Unbefangene M1 recht stürmischcs nennen muß, die hefte Illustration. Emmerich selbst hatte, wie Prttenkofxr bemerkt, „emen so raschen Verlauf nicht erwartet“. Schon am _nachften Tage batie er drei dünne Entleerungep, und in der darauffolgerzden Nacht [115 Morgens 5 Uhr drei weitere „Reiswaé'serstühle'. Eine so schnelle und - wie man wohl Hinzufügen ann _ recht unaqgenxbme Wirkung yon )( xing J hatten die Münchener Herren 111 thrxr Vera tung der [einen Koxnmas, die man laut Pcttcnkofcr'm der atronlösun nicht einmal „schmeckte', denn dczch nicht erwartet. Es so te a'ber no besser kommen, und fast hatten die verachtstkn Kommas cinen re t roßen Strich unter das Lebenöwqto Emmericb's gezogen. Am zweien Tage hatte er15 bis 20 Rets- wafferftüble, Es stellte fich, wie gewöhnlich in diesem Stadmnx der Cholera, sebr roßer Durst ein, und er wurde heiser (rox 0b016k1681- Es ist ibm da er gewiß nicht zu "verdenken, daß er Gebeim-Ratb von Ziemßen consultirte welcher ihm ein Clystrer von Opium und drei Pulver ron Eerßsäure und Opium verordnete. Try dem seßten sich dre Dtarrböen fort“. In der Nacht zum "“. sten Ta 8 hatte er . n *cbt und im Laufe „des VNUUÜLIÉ no zwöl reiswa eräbnliche Stühle- Zwei „ T“ ? spater wurde sein efinden wieder normal. Die Kommabacillew andenslcb bei Emmerich schon etwa 24 Stunden na der "FMM!“ m: den Cntleerungen, traten in den Reiswa erféüh en in _orm von -- Rein- kulturen auf, imd lieben bis zum el ten Tag,_ also Mk TUK? länger- als die eigentliche tkrankung dauerte, nachweisbar. Petten ofer sagt.