Aus den allgemeinen Bestimmungen sind die Fqstse'ßun en über TranSportpreise und Tarife hervorzuheben, die irn n- schluf; an die in dem internationalen Ucbereinkommen fur den Güterverkehr griroYencn Anordnun en die obersten Tgrif: grundsäße für den ersonen- und üterverkchr glctchmaßtg dahin zum Ausdruck bringen, daß die Berechnung der Trams- portprcise nach Maßgabe der zu Recht bestehenden, _gehörig veröffentlichten Tarife zu erfolgen hat, daß Tarrfcrtzohungen oder sonstige Erschwerungen der Bcforderungshedingyngen nicht vor „Ablauf von 6 Wochen nach ihrer Veroffentlichung in Kraft treten dürfen, und daß, abgesehdn von TranSportxn fiir milde und für öffentliche Zwecke, sowie von solckZet) Un dienstlichen Interesse der Eisenbahnen; jede Preisdrxnaßxgung odcr sonstiqe Begünstigung egenüber den veroffentltchten Tarifen vcrdoten und nichtig i?
Die Bestimmungen iiber den Personenverkehr hahen, abgesehen von einer zmeckmäßigcren Anordnung des Stoffcéz, nur unwesentliche Aenderungen erfahren. Unter_ anderem ijt der Umtausch von Fahrkarten gegen solche cmer_ anderen Wagenklaffe oder nach einer anderen Station er: leichtert, die Bcfugniß zum Aufenthalt in den Warte: räumen für die mit durchgehenden Fahrkarten vcr- sehenen Reisenden Erweitert, der Verkauf von Jahr- karten für bcstimmtc Pläße in Zügen mit beson- deren Einrichtungen oder in besonders ,UUSgcsiatteten Wagen erlaubt, auch den Reisenden gestattet, brtm Einsteigen fiir sich und Mitreisende Angehörige je einen Plaß zu belegen. In den Abthrilungen fiir Nichtraucher und für Frauen darf selbst mit Zustimnmng der Mitreisenden nicht geraucht wcrdrn, auch ist es nicht gcstattet, solche Abtheilunqen mit brennenden Cigarren odcr Pfeifen zu bctrctrn. Die bisherige Y_estim- mung über die Erhebung cines Ziqchlagß zum Fahrprcüe für den Fakl, daß ein Rsiscnder dem Schaffner odcr Zugführer unaufdrfordcrt meldet, er [mbc wrgen Verspätung keine Fahr: karte lösen können, ist gemildert worden. In Bezug an das Oeffnen der Fenster in den Personenwagen ist angeordnet, daß die Fenster nur mit Zustimmung aUer in derselben Abtheilung mitrriscndcn Pcrsoncn auf bciden Seiten des Wagens „lrichzeitig geöffnet 7in diirfen und das;, soweit die Reisenden Lick) über das Ocffncn und Schlicßrn der Fenster nicht Uerständigen, dcr Schaffner zn entscheiden hat. Éegcnstände, durch die Personen oder Sachen beschädigt werden können, ÜU'Z dem Wagen zu werfen, ist untersagt.
T*cr Begriff drs Reisegepäcks ist insofert erweitert, als außer anderen nicht zUm Reisebedarf zu rechncnden Gegen: ständen auck) Fahrzeuge sowie kleine Thiere in Käfigen, Kisten, Säcken und dcrgleichcn wic Reisegrpäck zur Bc- iördrrung angenommen werden können. In Riicksicht hierauf sind die bisherigcn bcsondrrcn Brstimmungcn
für die Vefördrrnnq von Fahrzrngcn in Wegfall gekommen, *
sodas; diese dLMUäÖft je nach der Anflicferung entwedcr zu den Brstimmungrn iibcr Reisegepäck oder Über Frachtgnt zur Beförderung gelangen.
Fiir die Bcfördcrimg von Exprcßgut ist im Anschlnß an die bicshrrigr Uebung cin besoiidcrcr Abschnitt [)inzugcfiixxt.
Unter den Bcstimmungcn Über den Gütervrrkchr ist
dcs 11611811 FrachtbrirftFormulars schon friiher an dirscr Strlle gedacht worden. Vom 1. Januar k. Js. ab wird nnnmchr für den inneren deufscbcn Vrrkchr das neue Frachtbrief: Formular der Vérkchrsordtmng, dagrgcn fiir den Verkehr, der sich auf Grnnd des internationalen UrbereinkommenS voll: icht, das in diesem fcytgescßte Formular zur Anwendung 0111111ka. Die Verwendnng der bisherigen Fracht: brief-Formulare ist vom 1. Januar 1". Is. ab nicht mehr gestattct. * _
Die Eiscnbahn in wie bisher vcrpxlirhtst, auf Verlangen des Absenders den Empfang des Gutes zu bescheinigen, und zwar entwcdcr auf einem FmchtbricftDup1icat oder auch, foLern es sich um Güter handelt, die nicht in ganzen Wagen: lacungcn aufgegeben werden, auf cim'm Aufnabmcschcineu Beide Urkunden Haben auch in Zukunft nicht die Bcdcutnng des Original-FraMbriech oder ckan Ladescheins. Jhre Aus- fertigrmg erfolgt auf_„c»inen im Frachtbriefc zu strllcndcn An- trag; im internationalen Verkehr ist die Eisenbahn zur Aus- stxlllkang cines Frachtbrief-Duplicats auch ohne Antrag ver: psi 121.
Das Verfügung?:rccht des Absenders ist im wcsentlicbcn in der im Handelsqrsrxzbuche sowie in drin bisherigchetricbs: Reglement vorgrscßcnen Weise gcrcgrlt, ]eddcl) im Anschlus; an die Fcstseßungen des internationalen Uebcrcinkommens schärfer begrenzt. Die Ausübung dicses Rechts hat im Faile der Aus: stellung cines Frachtbricf-Dupliciits odcr cincs Aufnahmchhcins ur Vorausscßunq, daß dicse Urkunden vorgelegt un auf rhncn dic schriftlich abgegebrnrn Verfügungen wiederholt werden. Die Eisenbahn darf die Ausfiihrnng der dem Ab- ender grstattctcn Anweisungen nur dann vcrweigcrn oder vsrzögcrn, oder solche Abweisimgcn in veränderter Weise ausführrn, wenn dnrch deren Befolgung dsr regelmäßige TranSyoercrkeHr gestört werden würde. Durch diese Vorschrift Und die bisher iiblich gewesenen, von den Betheiligten lästig cmpfundcncn Brdingungcn in Wegfall gekommen. Im inneren Verkehr können die Eisenbahn: verwaltungen derartige Anweisungen in einem weiteren Um: fang zulassen, als dies im internationalenVerkehr cstattet ist.
Unter den ncuen Bestimmungen der VcrkeJrSordnung ist von hcrvorragendcr Bedeutung der dem internationalen Uebereinkommcn entlehnte Wegfall der bishcrigen Beschränkung dcs Schadensersaßrs bei Verlust oder Bestbädigung von (Ge- päck, Exprcßut, lebenden Thieren und Gütern auf eincn Normalsaß. n Zukunft hat d;c Eisenbahn, wenn nach den einschlägiger] „Bestimmungen für gänzlichen oder theilweiscn Verlust Er1aß geleistet werden muß, dyn gemeinen Handclr“: wertl), _in_ dessen Ermangelung den gemeinen Wert am Ort der Abltexerung zu erseßen und im Falle der Beschädigung dcn ganzxn Betrag des Minderwertbs zu bezahlen. Nur bei er- mäßtgten Ausmahmetarifen ist drr Eisenbahn noch gestattet, für den zu gcwährcndcn Crsaß emen Höchstbetrag festzuscße'n. Erne Wcr*thvcrs:_cher11ng durch Angabe des Werths im Fracht- brrefe findet mehr mehr statt. Dagegen ist aus dem inter: nationalen Ucberemkommcn die Einrichtung der „Declaration des Interesses an der Lieferung“ in die Verkehrs- qrdnung übernommen. Durch sie ist die Möglichkeit gegeben, Ich gcgcn_Zak)luna xrnes Frachtzuschlags nicht nur im alle cs Verl1ijtes,der Minderung oder Bcschädi ung einen den erth des Gutes übersteigenden Ersaß dcs na gewiesenen weiteren Schadetzs, sonde'rn auch, falls nur eine Versäumung der Lie erfrut _vorliegt, dcn Eraß des hierdurch entstandenen S adrns 111 einem höheren etrage zu fichern, als die Eisen: bahn m Ermangelung der Declaration ihn zu gewähren ver-
pflichtet ist.
Für die Berechnung der Lieferfristen sind iwAbweichung von dem internationalen Uebereinkotpmen m die _Verkehrs- ordnung die bisherigen, den Verkehrsmteressenten grxnsngeren Festseßungen Übernommcn. Zuschlagsfristen smd deßn Eisenbahn- verwaltungen mit Genehmigun der Auffichtsbehorde nur ge: stattet für (Güter, deren Beför erung von und yacl) abseits von der Bahn gelegenen Orten (Güternebenstcllen) ubcrtrommcn wurde, ferner für außergewöhnliche Verkehrsverhältytffe und für den Uebergang auf Bahnen_ mit anderer Spurweite.
Die Veränderungen, dre slch mit dem 1. Januar 1893 in den Grundlagen des Eisenbahn-Frachtrechts vollziehen, find zum theil so erheblich, daß den Verkehrsintereßenten zu empfehlen ist, sich mit den ncusn Bestimmungen eingehend bekannt zu machen. Von der Verkehrsordnung hat dre Vcrlagß-Buck): handlung von Wilhelm Ernst und Sohn in BMW M., Wilhelmstraße 90, auf Veran'laffung des R'eichS-Etscnbalm'amts eine mit einem JuhaltSverzeichniß und einem alphabetischen Sachregister versehene AuSgabe in Octavformat veranstalt_et, deren einzelne Exemplare den Vermarrk „Durchgesehen tm Reichs-Eisenbahnamt“ tragen.
Der Chef der Topographischcn Abtheilung drr „Lunch;- aufnahme, General:Licutcna11t Steinhausen hat mch mxt Urlaub nach Süddeutschland begeben.
Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Herzogiick) sachsxn: altenburische _StaatS-Ministcr von Helldorff ist von hier wieder a gereist.
Der Königlick) serbische Geschäfté-trägcr am hiesigen Aller: Höchsten Hofe Pavlormtsch ist nach Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäft“: der Gcsnndlschaft Wieder übernommen.
Baden. Seine Königliche Holwirvder Großhcrzog hat gestern in Baden : Baden den r1111xschcn chandten Baron von Koßebur in Antritlsandirnz cmpfangcn.
Sackxsen-Weimar-Eifcuackx. Dic Session dcr Landsssynodr ist gcstcrm geschloffon worden. Oldenburg. (11) Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin babkn sul) gestern zum Brsuch des Herzog- lichen „Hofes nach Altenburg begeben.
Sachsen-Meiningen.
Der Landtag ist auf drn 27. d. 212. zur Wahl dss Dirccw- riums, der Ausschüsse, der Berathung dcs Ekats 2c. ein: berufen worden. .
Unter den dem Landtag bereits zugegangenen Vorlagen ist nach der „Goth. Ztg.“ die Domänen: und Landes- kassenrechnung auf das Jahr 1890 die beachtcnßwertheste. Der Abschluß dieses Jahres istsehr befriedigend. Dchdmäncn- kaffe verblcibt bei einer Einnahme v0_n 2854000916. und einer Vlusgabc von 1707000 916 ein Ueberychuß von 1147 000 „46, der zu gleichen Theilen zwischen Herzog und Land getheilt wird. Unter den Einnahmen ergaben die Forsten 1 935 000 «46, sonack) ein Mehr von 510 000 „46 gegen den Voranschlag. Unter den Ausgabrn steht in erster Reihe die fest? Civilliste des Ycrzoch mit 394000 «16. - Bei der Landeskaffc betrugen die - innaHmcn 4821000 „sé: , die Jesammtcn Iltxsgaben aber 4017000 «M, sodaß cin Jahresü erschuf; von 804000 «FC: vrrblieb. Unter den Einnahmrn stehen die Herauszahlungen an?: der ReichSkanc mit 1869 000 „16, die directen Steuern mit 1 260 000 «W, die indirectsn mit 368 000 «; zu den Aus- gabrn gehören 1269 000 «Fl: Matrikularbeiträge und 513 000 «(ck für Verzinsung und Tilgungdcr Staatsschuld. Der Kassen- bestand zu Ende 1890 1tellt€ sick) auf 3568000 4/16, sonne!) um 516000 „16 höhék als zu Ende des Jahres 1889.
SchWarzburg-Rudolstadt.
8. Seine Durchlaucht der Fürst und Ihre Durchlaucht die Fürstin sind am 21. d. M. von Schwarzburg zum Winterancnthalt nack) Rudolstadt zurückgekehrt. Zum Empfang Hatte die Stadt reichen Flaggenschmuck angslegt, um der Freude über die __Gcnesnyg Jhrrr Durchlaucht der Fürstin von langer schwerer Krankheit Ausdruck zu „eben. - In der gestrigen Sißung dcs La_ndtags wurden die' Kosten für den Neubau eines Gymnasiums in Rudolstadt bewilligt und dem von der Regicrung vochlegten Entwurf eines Erwerbe- stcuergcseHcS mit gsringen Iibändcrungcn die „Zustimmung erthcilt.
Elsaß-Lothringeu.
Dcr Kaiserliche Statthalter Fürst Hohenlohe ist vor:
gestern, von Wien kommrnd, wieder in Straßburg eingetroffen.
Oesterreiéh - Ungarn.
Das österreichische Abgeordnetenhaus hat gestern mit 155 gcgen 104 Stimmen seine Mißbilligung iiber die Arußcrungcn ch Abg. Mcnger in der Sißung vom 18. d. M. (siche Nr. 275 des „R.: u. St.-A.“) ausgedrückt. _- Tcm Abgrordnctcnbausc ist gestern das Gescß über die Festscßung drs Rekruten: Contingents für das Jahr 1893 vorgelegt worden. Es wird darin auf Grund der Volks- zählung von 1890 das Contingcnt des Heeres und der Kriegs- marine mit 59211 Mann, das der Landwehr mit 10000 Mann fcstgcscßt. Für die im Neichrathe vertretenen König: reiche und Länder ergiebt fick) eine Verminderung des Contin- gents um 1178 Mann.
Als Einleitnng zu der in den Delegationen angekündigten Umwandlung der beiden Genie-Regimentcr und des einen Pionier:Regiments in 15 selbständige Pionier- Fcldbataillone veröffentlicht „ das gestern erschienene Militär-Vcrordnungsblatt vorläufige organisatorische Aende- ru_ngcn. Dcr General:Major Berk von Nordenau ist mrtddcn Geschäften eines General-Genie-Jnspcctors betraut wor cn.
„ Sämmtliche Wiener Blätter besprechen heute die ostern bel Eröffnung des Deutschen Reichstags gchaltenx TZron- rede und [)eben besonders die Stelle hervor, die srch au die Einmüthigkeit der verbündeten Regierun_cn über die oth- wendigkeit der Militärvorlagc bezieht. as „Fremdenblatt“ schreibt: „Da man sich daran gewöhnt hat, daß das Vor-
handensein der sich kreuzexrden Strömun xn in Europa in den wachsenden Rüstungen semen Ausdruck ndet, ohne daß da- durch der Friede erschüttert würde, wird auch die tzeue Kräfti- gung der deutschen KriegSmacht nirgends Besorgmffe hervor- rufen können.“
Großbritannien und Irland.
In einem vorgestern abgehaltenen Miyisterrgtl ist der „A. C.“ ufolge das Programm für die nä xte Zßarla- mentsseßxion zur Sprache gekommen. Neben der orlage über Homerule oll auch eine Bill zur Abschaffung des mehrfachen Wahlrechts eingebracht werden. Page en will die Regierung von einer Neuetntheilung der Wahlkreisge und der Erweiterung des Stimmrechts vorläung absehen. _ _ _, Angesichts der fcindscliqen Stimmung in L1s1abdn (uche (Nr. 276 des „R.: u. St.:A.“) hat die Regiermxg beschloffrn,daß das britische Geschwader nicht in den Tajo einlaufen soll. Wie das „Reuter'sche Bureau“ erfährt wäre die Nach- richt, daß die cnglisch:russischen Verßandlungrn in dcr Pamir-Angelegenhett ihrer Lösung entgegengmgen, unrichtig; indessen hätten die Cabinetxe beider Länder den Wunsch und den Willen, zu einem fricdltchen und beide Theile znfriedenstellendcn Einvernehmen zu kommen.
Frankreick).
Die Dcputirtenkammcr hat in ihrer gestrigen Sißung mit der Wahl der Untersuchungscommission in dcr Panama-Angclegenheit begonnen. Bsi dem ersten Wahlgange wurden 23 Republikaner _Und drei Conservative gcmählt. Unter dcn Gewählten befmden fick) Brisson, Sarrien und Pcllctan, die den verschiedenen Gruppen der Linken angehören. Villcbois : Mareuil erklärte im Namen der Rechten, die Consrrvativen hätten _ fein Jntrrcffe an der Ernennung dcr Unterfuchunchcommi]sum, wrii nur drei ihrer Mit lieder gewählt seien. Hierauf traten dicse drci Conservativen ?owic sechs Mitglicder, die der Linken angehören, zurück. Der zwrite Wahlgang wurde auf beulc vrrschoben. Am Sonnabend wird die Kammer einen .Antra dcs Deprttirten Pourqucry-Boisscvin berathen, mona dcn Mitgliedern der Untersuchungßcommisfion ein Theil der Bcfngniffe ch Unterfr:chungSrichters zugestanden werden soll.
Trotz der ihr drohendcn Prozesse setzt die Zeitung „Libre Parole“, wie der „Magd. Ztg.“ tclegrapyirt wird, die Ent: [)x'illungcn iiber die PanamaMngclegenhcit fort. Dar: nacb Hätte der chigeKrich-Ministcr de ?reycinet zweimal ]e 200 000 Fr. durch den VcrmaltungE-Ratk) ontane erhalten, frrner Frc-ycinrt's Blatt „Télégraphe“ 100 000 Fr., Clémenceau's Blatt „JUstice“ sei von dcr Panama-Gescilschaft förmlia? aus- gshaltcnworden. Die„LibreParole“fordcrtFreycinctanf, [€ vor dem Schwurgericht zu belangen. Dcr Scnaior Hebrard er- klärt?, er habe allerdings am Panama-Kanal viel (Geld ver- dirnt, abcr infolge glücklicher Spcculationcn. Der Abgeord- nete Telahaye tHcilte dem eractcur des „Gaulois“ mit, er werde im parlamentarischen Untersitchungsausschuß die Namen von 192 Abgeordnetcn und 35 Scnatorrn mittheile-n, die Be: stechung-delder erbaltsn hätten.
Die Pariser Polizei Hat, wie man der „Köln. Ztg.“ be- richtet, crk1ärt, die Mittheilung der Blättsr, daß auf den
Anarchisten Louvet wegen des lcßtcn Dynainitanschlags
gefahndet werde", sei falsch. Es handle sich um zwri Briidxr; der eine sei gsstcrn verhaftet wordcn, weil cr 1ich seiner Wchrpfücbt entzogen habe. _ Dcr Socialist Culine ist in Charleville verhafxet m_ordcn, mril_ik)m der Anfenthalt in den Ardennen unter1agt irt. Culine ist der socialistische Ngitaior, der wegen seiner Hcßcreicn in Fourmies vcrurtheilt, aber vom Cabinet Loubet begnadigt wordrn war. Da er unter Polizeiaufsicht steht, warrn ihm die Orte, wo er sich anfhaltcn diirfte, Uorgeschrieben.
Italien.
Ter italienisch? Votscbafter in Wien Graf Nigra ist, wie „W. T B.“ meldet, in R om eingetroffen und von ,dean önig in Audienz empfxmgcn worden. Später stattete der Bot- schafter dem Minister des Auswärtigen Vrin einen Besuch ab.
Das amtlicheBlatt vcröffentlicbt sechs, später in (Hefe e umzuwandelnde Königliche_Decrete; eines davon betri t die Einrichtung cinrr Drpojitenkaffe, die dazn bestimmt ist, dem Staatssthaß die Mittel znr Bezahlung der Pensionen zu
“beschaffen.
Spanien. _
Aus Madrid in Paris eingetroffene Depeschen tireldcn, daß, als grstern dic Königin-Regcntin die historische Aus- stellung brsucht Und bei dicser Gelegenheit ein vor dem Ge- bäude aufgestelltrs (Hranat-Gcschoß besichtigt habe, etwas Fulminat e_xplodirt sei, wodurch ein seit kurzem als Adjutant der Königin fmrgirender Genie-Gcnrral leicht verleßt worden sei.
Belgien.
Die internationale Münzconferenz ist gestern Nachmitta, 2 Uhr im Akademie-Palast zu Brüssel durch den Minister-Yräsidenten Vecrnaert mit einer längeren Rede xr- öffnet worden, worin er die Münzfrage als eine sehr schwierige bezeichnete, die alle wirthfchaftlichen Interessen berühre und ihren Einfluß auf den Welthandel übe. Der Redner erinnerte sodann an die wichtige Rolle des Metallgeldcs und die werth- vdilrn Vortheile der lateinischen Münz:Union, die als Vor- bild fiir zukünftige Abkommen gelten könne. Zur Regelung der Frage sei ein internationales Uebereinkommen notk): wendig. 'Das Aufhören der lateinischen Müannion würde eine _außerordentliche Erschütterung herbeifubren. Zum Schluß wünschte der Minister den Arbeiten der Conferenz besten Erfolg. '
Rumänien.
Das Parlament ist aufden 27. d._M. einberufen worden. In unterrichteten Bukarester Kreisen wrrd dem „W. T. B.“ zufolge versichert, Alexander Catargi, dcr Vice:Prafide„nt der Kammer in der lcßten Sesston, sei zum Gesandten in St. etersbur ernannt worden. „ „ ie „Agence * oumaine“ erklärt die Meldung auswartrger Blätter, die russi"che chicrung habe steh über die Behand- ung des rusxischen Schiffes „Olg_a“ settens der rumänischen Quarantäncbehordcn beschwert, fiir drzrchaus ut)- beqriindet. Vielmehr habe die rumatxifxckx Rc terung “ die ruisische ersucht, der „Gagarin'schen Schl ahrLSge ellschaft zu empfehlen, eine Uebertretung dcr Quarantänevorschrt ten m Zukunft zu vermeiden.
Bulgarien.
Tas amtli9ée Blatt hat gestern das Gescß veröffentlicht, durch das die ufnahmc einer Anleihe genehmigt wtrd-
_ Sehweden und Norwegen.
_Der Reichstag hat gesiern die Armee-Neorgani: satroysvorlage genehmigt. In einer gestern abgehaltenen Abendstßung'murde von der Ersten Ka mm er auch das Ge- seß uber dte Wehrpflicht angenommen. Die Zweite
Kammer genehmißte die neunzigtägiqe Uebungszeit fiir die vertagte sodann die weitere Berathung
Wehrpflichtigen un 'auf heute. Dänemark.
Die Verhandlungen des Folkethings über die Militär- vorlagen der Regierung haben nach dem „Hamb. Corresp.“ vorgestern ihr Ende erreicht. Es wurde in namentlicher Abstimmung mit 52 gegen 25 Stimnxen (drciundzmanzig Ab- geordnete fehlten) der Armceorgandationsplan zur zweiten Lrsung und anwmetz Ausschuß von fünfzehn Mitgliedern ver- wwsen; guck) dre kletxu'ren zugehörigen Geseßcntwürfe wurden mit ähnltchcr Mchrhert in erster Lesung ängcnommen und dem Armecausschuß zugewirsen.
Amerika.
Zn Nr. 268 d. „R.: u. St.:N.“ mar untcr den nach Schluß der Reduction eingetroffenen Depeschen mitgetheilt worden, dax; die mit der. Ueberwachung der Einwanderung betrauten Beamten belgische GlaSarbeiter angehalten hätten. Wie „W. T. “B.“ berichtet, stattete gcstrrn dcr bel,isch8 Gesandte in Washington dcm Srbaßsccretär cinen Besu ab und ver- langte von ihm die Freilassung jcncr nach seiner Meinung widerrechtlich verhafteten Arbeiter. -
Afrika. Wie dem „Neuter'schen Bureau“ aus Kairo gemeldet
wird, meist das egyptische Budget an Einnahmen 10 010000, an Angaben 9550000 egyptische Pfund auf.
.Es ergiebt Hsick) also ein Ucbcrscbnß von 460000 Pfund.
Davon sind 334000 Pfund durch die Convrrfion dcr Staatsschuld gewonnen und infolge der Weigerung der Mächte, eine Verwendung des Geld??) zur Herbeiführung von Reformen oder zur Herabscßung von Stencrn zu gostatten, für die Regierung nicht disponibcl; 106 000 Pfund sollen der Sck)11ldentilgungskaffe üborwiescn werdcn. Der Ertrag der “Grundsteuer wird um weitere 123 000 Pfund vermindrrt.
Der „TimcH“ wird aus Kairo gemeldet, OSMan Digma habe dte Tclegraphenlcittxng zwischen Suakim und Tokar zerstört.
Nach einem in Brüssel eingrirofferrcn “Telegramm „cms Sansrbar ist die nach Katauga entsandte Expedition Delcommunc's, von der man bereits seit 11/2 Jadrcn keine Nachricht hatte, am 20. August in Mpala eingetroffen. “Del- commude hofft, im Dezcmbrr in Lusambo zu sein.
Parlamentarische Nachrichten.
Deutscher Reichstag. 2. Sißung vom 23. November, 11ihr.
Der Sißrmg wohnen bei dcr Reichskanzler Graf von Caprivi, die Staatssccrctäre ])1'. von B0ctticher, Freibkrr v01x Malßahn, Freiherr von Marschall und Ho llmann, forme der Königlich prmkiézischc K1i€g§:Mi11ister von Kalten: doHnl [Md der Königli prcnßische Justiz:Minister Dr. von (: c rng.
Auf drr Tagesordntm strht die Wahl der Präsi: denten und der Schrifthihrer.
Ava". ])1'. yon Marquardsen beantragt die Wahl durch Zurnf und schlagt vor den AH,. von LEVEYVW zum Ersten Präidcntrn, drn Abg. Graichallc trern zum Erstsn und den Abg.1)r.5 anm- back) z_um Zwritrn Vice-Prä1identcn zn wädlen.
Em Widerspruch dagrgcn wird nicht erhoben; dic drci genanntrii Abgeordnkten wrrdcn gewählt und nclzmkn dis Wadi danksnd an.
Zu Schriftführcrn werdrn _cbrnfalls durch Zuruf auf Vdrschkag YZF Abg. 111“. von Marquardken grwädlr di€21bgg.GrafKieist- Ychme'nzrn, Wichmann, Merbach,_ Hermes = Jauer, Schnetdcr-Hamm, Schmidt- Elberssld, Porsch und von Buol.
, Drr Präsident ernennt zu Quästoren dic Abgg. Böttcher und Rintelen.
_ ngi't ist der Reichstag coustifuirt; Srincr Majcstät dcm Kaisrr Wird die vorgÄckyricbene Anzeige rrstattctwrrdrn.
* Der Prasdrnt edeénkt daranf der Mit der lrxztrn Scsfion ver - storbcnen Mitgjteder des Rrick)§tag§: vdn Kicist-Reyow, don Forckenbcxk, Frtediander, Kirchammcr, von Z).)kcycr=Art1swaldc, von Hoffowskt. Das Haus Lhrt das Andcnken dcr Vcrstorbenrn in der ubltYep Werse. ,
inge angen Lt (_:ine Juterpeisytion des Abg. 111". Petri wrgcn
xder Straß urqer Schteßangclrgenbert, die auf die Tageöordnung eincr der nachsten Sitzungen gestellt werden soil.
Darauf nimmt das Wort:
_Retchßkanzlcr Graf von Caprivi: Ich Habe dem Reichstage zwer Vorlagsn, vorzulegen, wrlehe untrrcinandkr im Zusammenhang strhrn. Ick bm nnr bewußt, daß 68 ungewöhnlich ist, wenn in diescm Hause Vorlagxx redryd ctnge'führt werden. Ich babr es aber nichts- dxstojvcniger xur meme Pflicht gehalten, um das Wort zu bitten, emrnal , um der Brdeutung der Sache willen, und dann wers dic Mtlitärdorlage die öffentliche Meinung bcscYäftigt bat, und, werl die öffentliche Meinung sich in fal chen BaHnen ewegt Lat, Werl fie die Vorlage urzd ihre Motive ni t kannte. Ich will v?rsuchen, _die öffet1tliche._Mcmung davon zu übcrzru en, daß es fich nicht um_ einzelne Fragen, um etwas Unbedeutendes andelt, sondern um Fragen, die nicht vom Partcistandpunkt zu erledigen smd, vqn dean die Zukunft Deutschlands abhängen wird. Der Re terun ist es nicht leicht gcwvrdex1,' der Nation neue Opfer Zuzumut en. rei Jahre sind vergangxn 1€tt der letzten Aenderung unserer Militärverbältnissc. Die Régierungen sind zu der Ueber- zkixgun gekommen, daß der bestehende Zustand nicht fortdauern kann. Ste aben die Vorlage cmachf trotz der Unruhe, Welch daraus „hervorgelen wird un trotz der ernsten Gefahr, welche durch eine Able nung der Vorlage für Deutschlqnd entstebey kann.
„ brauche diese Gefahr nicht näher zu 'erörtern. Die ver- X)„llndeten Regierungen glauben diese Vorlage nicht bmmxsschie'bcn zu onnen. Der 1. Oktober 1893 wird der frühcste Termm sem, an 'Vklkhem mit der Durchführung angcfan en werdewkann; erst _im Jabrc 1894 wird die Wirkung der erLtcn Ersaßemstellungen em- txeten. Die volle Wirkung wird aber crst _nacb 20 Jahren eintreten. Man Hat eingejvendet, und mrt Rxcht: Katxn "Ja" dezm „die Einbringung nicht verschieben? Wir leben m emkk Zth; 111 welcher erhebliche Zweige der Volköwxrtbschaft mehr 9de Wentger zu leiden haben, nnr stehen dor vermehrten ?lusggbett ZFUW? der socialen Gesey ebung und wir befinden mrs rn eurem FWW- wo der größte &taat Deutschlands im Begriff ist, seine _d,manzen ju reformiren. Die verbündeten “Regierungen Haben Uke tBÉÖMUpg dieser Umstände nicht verkannt, aher trdtzdem "[Z fur die Auffchiebung der Vorlage fich erklaren kon_nen. Tbes Jahr , das wir verlieren , ist unwiederbringlicb, verloren, jedes mehr, m'wel' em wir Anstand nehinen, die Rekrutenemstellyngzu ver- ren, ist m t wiederzubringen. Es würde unverantwortltch gewesen
- Concurrrnz
sein, die Vorla e jeßt nicht einzubrin en, wenn fie iiberhaupt ein ebracht werden soll., Eine Vorlage von solktxher Natur kann nicht mitgkleinen
Dingen nzottvtrx werden,. Man wird sa enk warum wartet die Re-
terung nichr bis zu einer bequemeren LGlegenheit? Die Vorlage
ann, nur mrt der volxanabrheit motivirt werden, und sie muß die
Zusttmmuna der Natron unden. Es muß der seit [an er Zcit be-
steheneru'standder Nation offen dargelegt werden. Jaksoz kann nicht
unt Krieg in Sicht czntretkn, i werde nicht mit dcm Säbc[ rasseln,
sondern nur'die rcmc Wahr eit vor Ihnen entrollen. (Beifall
rechts.) Die dcutschx Regierung lebt in normalen und
freupdfchaftltchcn Verhastmjsen _ mit allen anderen Regierungen; * 25 tft uns von ferner Scite 1chwcr gemacht worden, die Würde
Dxutscblands -und sémc Ehrc zu repräsentircn. (Fs ist schon
fruher gesagt worden: Dio deutsche Nation ist satt, sic Hat
nichts zu vrrlangrn. Es ist ein treffendes Wort Scriner Z).)iajcstät ' des Kaisers, das Zr bet der Vcfithabme Hel olands aussprach, daß
dies'daS] leytr Stuck Landsei, wonack) DeutsZiand Vcrlangen trage.
Es ist m vcrscht€de_nen Zrttungrn, ayck) von patriotischen-Männern
gesagt worden: Hie schwcrc-n Rüstungen könnten nicht mehr getragen
wqrdrn; man mgßte [osschlagcm um die Rüstungen los zu wrrdcn.
Die deutsche Regierung und das deutsche Volk würde niemals selbst
zurn Schwert greifen und aggressiy Vorgehen. Was würde das Ziel, der
Stegcsprcrs des Präventivkrieges jein, z. B. Frankrsich gegenübrr? Wir
H'abkn mehr den Wu'nsch, don Frankreich auch nur einrn Quadrat-
ktlometer uns anzurtgncn. Wir würdrn in Verlegenheit geratlwn,
wrnn' wxr uns, undcntschc Völker angliedern sollten. Wir haben
doch m den Mtiliardrn (nick) cixi Haar efunden, und wenn mansagf:
NehmtfranzöUscheColoniesnFo sage ich: ir haben an unsrrcn Colonieen gßnug. („Schr richtig! links.) _chn die Ansicht, daß der jetzige Zustand
nicht €rtraglich rst, welche A1111cht die vsrbündeten chirtungcn nicbt tdcrlcnk durchbrech€n sollte, was wiirde die Folgs sein? Als 1870 der Krieg ausbrach, standsn uns acht Armce-Corps gegenübrr, wslchcn wxr siebzehn Arnwe-Corps „gcgeniibrrstrllen konnten. Heute wiirden rvrr'uns grgcnüber eine glrtcle Anzah! von Armec-Corps findrn und
da[)tztter eme große Reservr- rmce. Wir würdsn don der rusfiscbsn Regierung nrcht em freundlichrs Entgrgenkommkn Erwarten dürfen, sondern müßten an der Grenzr etw.:s von Truyprn steiyrn lassen. Wrr haben ferner dic großen Sperrforts Frankreichs zu überwinden an der Mosek und Mac:?- und dann die“. großen Festungen Frankreichs, Von drnrtx alle stärker armirt sind aks NWZ und Straßburg. Vor dissen Fc'stungcn müßtcu wir eincn Tbcil unserer Truppen stehen lassen. „Schlazxcn wir (ruck) dic Reserde-Armec und mar chiren wir aus Paris, so finden wir eine Festung, wie sie die Writ ni t so [richt gesehen hat, 111it_ ciner KM? von Forts in cinrr 9 usdebnung von 130 Km. Dlésk Fcstung aitszubungern würde schwer sein. Wrnn wir Horrc'n'von Paris sind, würdcn wir eine Rube Von 20 oder 30 JaHrcn grmcxßen. Wüxdén wir nicht, wenn wir nsch «Hause kämrn, vdn ncuem rüstkn 1nü1rn Und zwar Eifriger als früher“? Würdcn nicbt anderc Leute da Fein,; w€lch€ von unserer Lage Grbranch machen wollen? Dur Zustand ware nach einem PropHylaktiychcn Krirge noch unbaltbarer als Heute. Ich wiederbo1c akso: Von Dkutschland wird niemals Sin solchrr Prädrntidkrieg geführt werden. Ich komme aus cin? Bewegung, wclch dir, Grmiitbér vielfach erregt bat. Man hat die Behauptung aufgestrlxx, Deutschland und in rrstrr Linie Fürst Bisinarck babr durch gewine Manipulationen, ja Fälschnngc'n, wclche an Drpsschrn _worgenommen skin sollen, Frankreich in Verdacht gebracht, zum Kriege prodocirt zu haben, wä rsnd im Gegcntbril wir zum Kriege reiztrn.
Bei Schluß des Blattes sprach der Reichszkanzler weiter wir werden die Rede morgen imWortlaut vollständig bringen.
Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten. 7. Sitzung vom 23. November, 11 Uhr.
Der Sißung wohnen bri der Präsident des Staats: Ministeriums, Ministrr des Innern Graf zu Eulenburg und der Finanz:Minister Dr. Miquel mit chirrungs- Commissaricn.
Die erste Berathung des Geseßentwurfs wegen Aufdebung director Stixatssteuern und der Denk: schrift über die Steucrresorm wird fortgeseßt.
Abg. 1)» Friedberg erklärt sich im großrn und ganzen mit drr Régicrung eitwerstandcn. Er sei für die Beseitigung der Doppel- brsteuerung, wmm auch dadurch eincr großc'n Anzahidon Grunddésißxrn Lin Vcrmögenszuwachs zugewendet Werds, denn vieliricht 1v9rde1ich dafür sorgrn [assrm daß dic Gutsbezirke dic Grnndstrucr, dir ibncn zufalie, für communale Zweck? Verwenden. Aber in ein-cm Purikte sei er cin Gegner der Vorlage: er wolle nicht, da?; ein Thei1 entlastet, wädrend der andch belastet wxrde, und zwar Ferade im jetzigrn Augenblick, wo dir scharf€re Einschatzung der Em- ommenstenrr die Bevölkerung erst 1ebr hart angrfaßt [)abr. Außer- dcm sei es ungünstig für eine 70, große Maßrcgrl, daß src sich in befinde mit wichtigen Steurrdorlagrn im Rrichc-é. Reich5-Stcucrdorlagen finde? sick) Link Vlrdoppe- lung der Börsenstcurr, welche gerade „ die Leute belaste, Welche Von der Vermögenssteuer betroffen Werden sollten. Bc,üg[ich der Communalsteucrgeseßgebung Hättc' er erwartet, .das; die ngicrung beim Reiche cine Arnderung dsr ZokiWrcinderträge drr- sucht hätte, um den Gemeindkn, namentlich drn großcn Städtsn in- dirrcts Steucrqueürn zu eröffnen. Jn_ Bezug auf die Vermö ens- steucr wünscht Redner mindestens Brjeitigung der_ Steuerkrbö ung bis auf 40/9 bei Einkommen über 100000 «16 Mi [ich sci das ticfe Eindringen in die einielnen Verhältniffe, auch eien dix; Vérgnla- gun Igrundsätze für einfache Leute fchwrr verständlich. Em weiterer Fel) Er sei, daß aile Verrnögrnsobjectc glrick) behandglf würdcn, ob ÜL nun cin Einkommrn direct ergrben, oder erst dann, wenn yic verkauft werden. chn große Vérmögknsobjecte keinen Ertrag grbrtz, 's!) soilti'n fie auch kcine Steuer bkzahlen, das cntsprechs dcm Prrncw drr _Ein- kommcnstcuer; aber wenn man solche Objectc trrffen woÜr, so ware man dafür eine Aufjvandssteuer einführen, dic tm _vorrgsn Jahre gb- gelebnt sei, oder man könnte eine erheblich chzxxweckyiel- steuer einführen. Empfeölenswertb erschcmc__ ibm smc Erb- schaftsstkuer, die z. B. in Dänemarck bei S_txurrkaßcxi von 1-7 vom Hundert 1-Z Millionen Mark ergebe, was sur “FTWWM drr Bevölks- rungSzabl nacb cinen Ertrag_ von 23 MiÜioncn_ ark bcdcutrn würde. Am besten sei aber die Yrranziehung' des; sundirtcn (S_inkomméns inne'rbalb der Einkommenstcuer, wie die;; „m Italien gcjchrße. Er würde das Arbeitseinkommen mit dem [Eßl en Sayßbc'stcucrn, das gemischtc Einkommen aus Landwirthscbaftund rwcrbc mg emem höheren Saße und das reine Kapitalcinkommen mit_ dem hochsten «aße. Dadurch würde man auch die Garantie erhalten, dai; zu den boden Stcuersäßen der Einkommensteuer keine Zuschläge mehr „Erhoben „Wurden, wahrend bei der Vermögenssteuer diese Garantie nicht vdrlte e. Dem Reform- lan könne er nicht zustimmen, wenn n_1cht eme eform des Wahl- yßetns durchgeführt werde. Gegen em Wablsystrm, Welches fich runde anf fmgirte odcr erlafféne Steuer, musse _er' protestiren. s fehle noch ein Verwendungs ?seß für die 120 Millionen, welche aus den Ueberschüffen der Em ommensteurr angesammelt worden. Man wäre für eine Andeutung über die Verwendung dankbar gewesen, denn es sei eine eigenthümliche zj?kumutkbung, daß eme Er axtzungs- steuer verlangt Werde in einem ome'nte wo noch 120, tllionen Mark, für diesen Zweck geseßlich festgelegt, vorhanden seien. Den Vorschlag des errn von Huene, die Geworbesteuer und die Berg- werksteuer aus em Rahmen der Vorla e wegzulassen, bezeichnet der Redner als einen agrarischen; seine Anna me würde gletchbedeutrnd sein mit der Ablebnun der ganzen Vorlage dern die Gewerbetreibenden würden dadurch geficbädigt werden zu Gunsten der Grund- und; G&- bäudebestßer. Er hoffe, da es gelingen werde, durchkAusschetdurtg dcr Vermögenssteuer den P an zur Durchführung zu brmgen und em
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kWerk zu vollenden, das dem Ideal der Gerechtigkeit möglichst haetr omme.
Finanz-Minister 131“. Miquel": In Bezug auf den Widerspruch gegen den Vorschlag des Herrn von neue, die Gewerbe- und Berg- werkssteuer aus dem Rahmen der 118 erweisung aus aschließen, könne er fich dem Vorredner nur anschließen, denn dadurÉ würde der ganze Plan über den Haufejn geworfen werden. Die Aufhebung der Rxalsteuem ,könne nrcbt für einzelne Bcfiyformen ein- geführt werden, sondern , mßffx aUgemein sein, wenn das Gefüh'l gerechter und gletcbmaßiger Bebandlung allcr Steuer- pflichtigen hervorgerufen werden solle. Man würde dabei ge- zrvungen sein, die Unterscheidung von fundirtem und nichtfundirtem Einkommen fallen zu lassen. Besonders ungerecht sei die Brutto- besteuerung der Brrgwerkc, die sämmtlich gleichmäLig besteuert würden, während ibre Productionskosten ganz vers jeden seien, Soweit sei er mit. dem Vorredner einderstay 1, aber nicht in Bezug auf seine übrigen Ausfiihtuygen. ***-“ ie Vertbeidi- gung des, Kapitals wärs unxiötbig gew-an, denn die Regie- rxmg beabsichtrzge gar nicht, das Kapital cinseiti zu belasten, fie wolle mrlxnehr das .,mrxtalvrrmögen und das gcwer liche und landwirtb- schaftlichr V?Lljikögi'lx voÜständig gleichmäßig bestsucrn. Der Vorredner debgupte, daß die Regirrung keine Erwägungrn iiber die Eröffnun m_dtrr'cter Steusrquell-Zn angestellt babs, dikse seicn aber tbatsächliY seit emem Jahre im _Gange. Was fie crgrbrn, wisse er jedo nicht, denn birr ent1cheide nicht Preußen, sondern das Reich. Das „Verdot der Weinbesteuerung außerhalb der Wcinländrr schädige d1e„(§)cm€mden srhr crbcblicl), weil dadurch auch eineHeranziebnng des 2"ercm uiid _Branntrveins Vcrdindert werde. Die Gémeindcn zur Ein- fuhrung rndrrcct§x_Steuern zu zwin cn, würde er nicht für recht Halten; das wilde vollständig der ElbstVLrwaltUng der Gemsindru und dcr, Prufwng „6:1er V;:rhältniffe überlassen bleiben. Die Unterschctdung „zwischen fundirtem und [infundirtcm Ein- kommen“ sei cm Gebot der Gerechtigkeit Und könne des- baib nicht zungangsn werden, name*ntlich nicht in dem Augen- bstck, wo dre höchst mangelhafte Lösimg dieser Fragc mit drn Rral- sterxern Hretsgegeben wrrdc. Den Saß: die drrrctrn Steurrn dem Reich, drr PerWnalstxucrn dem Staat und die Realstcuern den Ge- mxmden„ habe Er memais durchsüdren wolicn, denn die' Gcmeindcn Harten rms Doppelnatur. Sic bärtrn auch staatliche Aufgaben zu erfirllmrund 'deébaib müßtsn ibncn auch dic Personalstrucrn tbeilwrise zirganglich sem. Der Vqrrrdncr sehe fcrne'r in dczr Vcrmögknssteucr cms: brsonderr Benachth€iligun drs Kapitals; würden dknn abrr nicht der Grundbssiy und das_ erbedrrmögen rbrnso brhandslt? Dkk. Grundbesiß steHcZ iux K*atastrr, ol) _abcr das Kapital sd [richt zu crmrttckn sein werde, 1ei 1chon zweifsibast. Wenn der Plan schertcrc, dann wsrde dic Einführrmg einrr Kapitaircntenslrncr nicht zu umgehsn sri", und ob dabei das Kadifal brsondcrs gut weg- kommen irrrde, das müffr (?1' dabingesteÜt skin lassrn. WENN das fundirte Einkommen innerhalb drr Einkommrnstcner b?- stcurrk wcrdr, wie solle es dann mit den Zuschiägcn bkstkUt sein“.“ Das fnndirte Einkommen „sei in dem (Hrmcinden 1-Sa1jc0r dkstcucrt: soile cs durch die Einkommcnstrucrzuschlä € nochmals beiastrt werden? Dir Veryuche anderer Stagten, nament ich Italiens, ?cien sebr un- voilkonrtn€1t,'weil_ sie zwijchen den Verschiedenen Besttzartcn unter- scht€d§n. Die VWUÖYZUMLULT schlisße eine solche? Unterscheidung dollstandig aus. Ein alcklge1ch soUe noch in dikscr Session, so- bald als tbunlicl) vorgrkegt Wrrden. Die Rrgirrung' Habu cine Entsclhridung dakÜÖCk noch nicht trcffcn könnrn, donn jvcnn das WadircÖt nach drr ersten Zadlimg brmeffrn Wsrdcn soUe, miiffe die Regirrung Erst wiffen, wir die Steuern Vertheilt Werden. Das Hawk- babr es immer in der Hand, das WgWgesrß mit der erorm zu Verknüvfcn. Der) Vorredner Vermisse yodann ein Vrrwendungß- gesetz. LLKW die Stcuorreform durchgefüdrt werde, so wiirden manche Härtkn cntstshrn,_1venigstens in dsr ersten Zrit. De'r Vorredner werde dabcr wohl nichts dagrgrn einzuwsndrn Haben, wenn die 120 Millionrn dazu Verwendet würdrn, nm denbiiflosesten Gcmrinden, Frösche brsondrrs durch dir Schnikostrn [*ciastst Werden, zn «Hild: zu ommen.
Weiter nahmen bis zum Schluß ch Blattcs noch das Wort die Abgg. Graf Limburg-Stirunr (cons.), Hansen (frcicons.),Krausc(nl.) und Meycr-Bcrlm(dfr.), über deren ercn Wir morgen berichten werden.
Theater und Musik.
Neues Theater.
Mark) drm glücklickycn Vérlauf dcr „kayigcnir“-Auffübrung€n, rnit dsnwrdas NEUE TH-Zatereröffnot Wurde, war die crstcx Novität nicht Von e*mrm ('Henso erfreulrcxykn Schicksal begünstigt. k).)kan _gab gestcrn Abend .Die Lisbesbandlerin', cin japanisckyrs Bühncnspirl, dessen Vcrfaffrrin 'die Fratzzösin Judith Gautirr ist, die von ihrem Vater die Portlsche Anlage und Nciguug gcsrbt Hat. Dru WLrsk) ibrcs Schauspiels ,]„Q 11181'011311116 (15 §()111'1l'0“ vormag man nach der gsstxrn gébörtrn, Von Sigmar M cb ring [*r- sorgten Bsarbsitung, dis fich crst wieder auf dic Saar'sche Uebrr- srßung stiitzt, nicht (ibzusckyätzcn. Dcr geringe Erfolx, dcn die Vor- strliung fand, kann aaf Mangel an Handlixng ni t zurückgeführt wcrdemdenn in dem Stück sind die Erlkönisw zwricr cherationcn abgrbandrlt; in dsn beiden Ersten Acten werden die Grscbicke der Eltern, in drn drri [cßtrn die Schicksal? ibrcr Kinder in Wort und Bild dargcstcllt. Was die Langeweile und drn Unmutd gestrrn ("l'- zcugte, _war die ausc'tnandcrziebrnde, writschwrifige Art, mit der ganz übrrflükfige Nxbendinge eingcführt wurdcn, DtL'Verafferin Vcrie'gt den Ort dcr Handlung nach dem fernstcn Osten; Frauen und Männcr erscheinen in de'" farbenprächtigen Gcwändrrn Japan:"; auf der Büdtxe; ihre Denk- und HandlungHweise ist aber m_rbr „abendländisch-franzö]i1ch ais morgenländiscb-japaniftl). Ein reicher Kaustnamx fiibrt eine 191M- ;fertige Liebeshändicrin als zweite Gattin in skin Haus und Vcrtrcxdt dadurckpscinC crstc edle Gemahlin mit ibrem dreijährigcn Söbnlcin. Dir neue Gattin, die ihren Mann natürlich nicht liebt, raubt idm ail? Kostbarkeiten, zündet dcm Bckhörtcn das Haus iibcrm Kopf an und flüchtet mit einem jungen Sck)iffsknccht;_ dcr rxiche Kaufmann muß nun bettc'lnd durch das Land ztcbkn; , reine crste Gattin stirbt am Wege und der zufäÜig disse Straße ziehende Fürst nimmt sich dcs verwaisten Knaben an. Als dieser crwachs9n ist, entbrennt er in Liebe zur Tochter der unwürdigen Ncbcnbublertzr seiner todten Muttrr; die Lösyngh des Conflicts 1vtrd durch dert fret- wiÜigen Tod der Lrebcshandlzxrm erbeigeführt. - Das Ganze ist erne_ romantische Geschichte, _m der manch zartr Empfindung und au drreinzrlt_ em Humoristischcr Einfall _ auftaucht. Die du tige Liedes (ene des drittrn Artes sand nut ihrem finnigen' poetts en_ Zauber, der von einem sehr „Hübscben Lied getragen wrrd, am mxtsten Beifall; leider zeigte der vtertx Act wieder soviel'Z-Zrdfahrejnthett, daß hier der Unmutb des Publikums bei Gelcgcnb'ett emer [armenden WeibliÖc-n Straßendersammluyg suf der Bühne src!) hßrbar machte. Japanische Ei enart trat nur m er;!- zelnen nebensachlzchen Dingen berVor; so er ält der Liebende sezn Brieflxin durch eme schMmmende Schilfblütbe, und die Liebeshandlertn giebt 1'1ch den Tod durch dez: Saft einer japanischen (Htftblume. Im übrigen hat auch das japanische Gewand einzelne Kraßhettrn des Stücks _erhebltcb . gemildert. Jm Publikum fand_ dre romantische Mar engeschtchte Wenig Anklang und auch der außere fremdländiscbe Zu chmtt.kormte über die Schwächen des Stacks nzcht binwegtäus c'n; zudem„schemt es dem Ueberscßcr tznd dem Bearbeiter an dem nöt igen Geschick emangelt zu haben. Fur etholkstheater, das ein naiveres und an pru slosercs Publikum _m jeman Rgumxn versammelt, als das prunkvo e Neue Theater, ware dws Stuck tn seiner jeyi en Gestalt vielleicht passender ewefen. „ . _
Die arstellung konnte enü en. 2711 ,der Rolle emes jungen - Liebenden erwarb fich Herr Éis eld verdzente Anerkennungb; er
richt mit Warmer, angenehmer Stimme uberzeugend und efiß,
U .. . Temperament; Unbeholfenheiten, die noch manchmal storen, wrrd er-