1892 / 287 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 03 Dec 1892 18:00:01 GMT) scan diff

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Der dortige Departements-Thierarzt ist mit entsprechender Anweisung zu versehen. Berlin, den 21. November 1892. _ Der Minister für Landwirthschaft, Domanen und Forsten. von Heyden. An sämmtliche .eran Regiertings :Präsidenteii mn AUSnahme desynigen zu Sigmaringen, soxme an den Herrn Polizei:Präsidenten hicrselbst.

Bekanntmachung

wegen AUZreichung dcr ncu_cn Zinsscheine zu der Staats- Anleihe dcr Vormals freien Stadt Frankfurt a. M. Vom 30. November 1848.

Die neuen Zinsscheinc Reihe 111 Nr. 1 bis 8 nebst Anweiiungen zur Abbebung der Zinsscheinc Reibe_ 117 zu den Schu_[dverschreibungen der 311% Anleihe .der Vormals freien Stadt_F_rank_iurt a. M. Vom 30.NoVLmbcr 1848 l-itr. (;., wovon dcr erste Zinsschein am 1. Oktober 1893 fällig wird, werdcn Vom '

15. Ic_muar 1893 _ _ ab von dcr KöéiiglÖckxn Krkisksßé zu Frankfurt a. M. wahrend der üblichen Diensttun en ausgcge cn. _ _ _ _ _

Es können diese Zinsscheinc auc!) bei de'n KoniglichcnNegii'xungs- F auptkasscn bczogcn wcrden, in welchemTaYc dic _altcn _stxchczn- Änweisunqen mit einem doppcltkn Verzci ,me der diesen Kassen cm- zurcich€n sind. _ _ _ __ _ _ _

Das eine Verzcichniß Wird, niit Liner Epipfangsoks e_imgung wcr- schkn, sogleich zurückgegcben _wxrdcn __und ist bei Aus_andigyng dsr nLUkn Zinsscheine wieder abzultesern; ubxr diE nc_ucn Zinsscheme und Zinsschein-Anweisungen bat d_€rcn_ E111Yanger_Qurtfung zu 961761].

Formulars ?ubdsn Vcrzsichmffsn 11nd bet den gcnanntcn Kassen uncut eltlicl) zu )(i en. _

er Einreichung Von SchuldVerchretbungen _bedarf es _ziir Er- langung der neuen Zinsscheinc nur ,dann, n'enxi die alten stschein- Anweisungkn abhanden gkkomnlkl1__s1_t1d_. In diiZsem Falle „sind die bx- trcffcndcn Documcnte an den Komalichxén RS_gicrungs-Prapdknfen in Wiesbaden mittels besondsrer Eingabe cmzuxerckycn. __

Dic Entsicbcndsn Porwkostcn Haben die Empfangkr dcr ncUM Zinsscbkine zu tragcn,

Wichadc'n, din 8. Novembsr 1892.

Dcr ReqiLrungs-Praiidcnt. wn chper-Laski.

Yiehtamtliches.

Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 3. Dezember.

Seine Majestät der Kaiser und K_öyig sind gestern Nachmittag zum Besuch Seiner _Maieytät des Königs von Sachsen in Strehlen emgctroxseix.

. eule Vormittag begaben Sick) Bcidc Majestatcn zur Jagd nach ; ioriZbUrg.

Tcn Mclduugcn des „W, T. B.“ ans Tresd_en_ xntnehmcn wir noch Folgcndcs: Seine Majestät der _Kai1er trafen Nachmittags 4 Uhr bei der Haltestelle _erxlsen cin _nxtd _wurden a11fdcmBahnhofvon Seiner MaWtat dcm Konig von Sachsen, Seiner Königlichen HMM dem Prinz_e_i1_(8_corg Don Sachscn und W andexen Prinzen dcs Komgl1chsn „Hauses empfangen. Tic gcgcnieitigc Begxiißung t_rug emen äußorst herzlichen Charakter. Scinc Maiexsn'it der Kaiskx, Aller; höchstwclche die Uniform Ihres fächmchcn (ch_xiadter:R_eg1- ments Nr. 101 angelegt hatten, und Scinc Majcstat dcr Konig Albert, in der Uniform des ihm vcrliehc-ncn 10. Ostpreußischcn Tragoncrchgimcnts, Umarmtcn und küßtcn ciiiqndcr wieder: holt. Auch der PrinzGcorg und die anderen Prinzen wurhen von dem Kaiser uns das herzlichstc begrüßt. Dcr preUßi1che Gesandte Graf Dönhoff Und eine Deputation ch Offizier: corps dcs 2. Sächsischen Grenadicr-MJimknts Nr. 101 waren cbcnfaUs zum Empfangs Seiner I)ajestät anwesend.

Das Zahlreich vcrsammclte Publikum bereitete dcn Monarchen

lebha te Ovationen. _“Jn dcr Königlichcn Villa, m:) die _Be- griißung Seiner Mcijc-ität des Kaisers mit Jhrer Maicität der Konigin (Tavola und den iibrigen Mitgliedern d_er Königlichen Familie erfolgt?, fand qlsdann großcFamilicntascl statt, an welchgr Seins Majestät dcr Kaissx, Ihre Majestäten der König nnd die Königin, die Königlich? *amilic, sowie die „Herzogin Friedrich und die Prinzessin Zcodora zn Schlcswig-H01stein theilnahmen. _ Heute Morgen 71/2 Uhr begaben Sich Ilse Majestäten dsr Kaiser und der König Albkrt zu Wagen von der Villa Strehlen zur Jagd nach I)iorißburg. “Jm Gciolge der Maj-kstäten bcsandc-n sick) dcr Fliigcl-Adjumnt Oberst:Licmenant von Scholl und der GL11ckal:AdetaNt Freiherr von .Hodciibcrg.

TLM Bundeßrath ist der am 19. Juli d. J". mit Egyptcn abgeschlossene „Handelsvertrag ziir Beschluß: iiahmc vorgelegt worden.

In dcm öffentlichen Aiizci er der Heutigen Nummer wird ein auf Grund; der Kaiserli cn Verordnung vom 6. Sep: tcmve'r d. J. von_dcm stcllvcrtxctcndcn Kaiserlichen Commissar fiir das siidweit-afrikani1chc Schußgcbict unter dem 25. November d. J. Erlasscnss Aufgebot öffentlich bc- faimt gemacht. Hiernach werden diejenigen, welche in dcn Gebieten dcr Bondclzwaxts, der Vcldschocndragcr und von Zwartmoddér (K*ectmaiishoop) vor dem ]. April1890 Bergwerksgcrcchtsame rechtsgültig erworben zu haben glauben, aufgefordcrt, dikse Gerechtsamc spätestens bis zum 1. April 1893 bei dcr Bcrgbchörde in Windhoek an: zumclden. Da nach Ablauf dcr Anmeldefrist voraussichtlich dcr Ausschluß nicht angemeldeter Gsrcclnsame durch den Commiffar vcrfi'x t werden wird, so wollen wir nicht unter: lassen, die JntcrcFsenten auf dieses Aufgobot besonders auf: merksam zu machen.

_ Aus einer größcrkn Zahl L_)cr im Finaaninisterium zur Kenntnis; gelangten Bescheide ist ersichtlich geworden, daß die Be ründung der von den Einkommensteuer:Be: ruJungScommisfioncn getroffenenEntscheidungen über die von den Steuerpflichtigcn eingelegten Berufungen vielfach insofern nicht den zu stellenden Anforderungen ent- spricht, als die Mokivirung nicht erkennen läßt, aus welche

"Gründe und Einwendungen dic eingelegte Berufung ge- stüßt ist, und aus wchen Griinden dieselben keine oder doch nicht die erlangte erückstchttgung _gefunden_lxabe_n. Den Ccnsiten kann durch den Mangxl _und_*die Unvolljtandig- keit der Entscheidungsgründe die Moglichkeit entzog_en_werden, sich über die Umstände, welche zu einer von der thrtgen ah- weichcnden Auffassung Vexanlaffung egeberx ha_ben, Klarheit zu verschaffen und eme sichere Unter age fiir die Anfechtu_ng der Entscheidung im Bcschwerdemege zu gewmnen. Derartige Bescheide haben deshalb auch auf einZelethe Beschwerden beim Ober-VerwaUungsgericht ( 44 a. a. .) er Nngel nach Lchon wegen Unvollständikeit er Begründung dre Aufhe ung der Entscheidung ezw. die Zurückarwetsung _der Sache an die Berufungsinstanz, und dadurch e1n_e_ unxrwuns te Ver- schleppung der endgültigen Erledi ung_sow1e cine Ers wcrung der Geschäftslast dcr betheiligtcn ehordqn zur Folge gehabt. Der Finanz-Minister hat dabex dic Vorsißendeix der Einkommensteuer-Veruf11ng§c0mmiss1oncn dim? Verfugung vom 28. November d. J. aufgefordert, in anun : bei der Be- “urbcitung der Berufungsfälle sox, fällig dar_auf zu achten, daß dcn Entscheidungen, der Vorschrth im_Artikel 66 Nr. _2 dcp AusführungSanweisung vom 5. August 1891 gemaß, die her Sachlage cntsprechendcn (Hründc beigegeben werdcn. _ Zugleich empfiehlt der Minister, zur Vermeidung von Werterungen den (Gründen des Berufun sbescheides eme Rechtshelehrung dariiber anzuschließen, inner alb welcher Frist und het welcher Behörde das RcchtSmittcl der V6schmerdc statthaft [st.

Dic „Amtlichen Nachrichten des Reichs-Ver- ficherungsamts“ Nr. 28 vom 1. Dezember_d. I. ent- halten fol ende bemerkenswerthen Rekucmentschcidungcn.

Dic ?Wiederaufnahme des Verfahrxns gegen rechtskräftige Urtheile in Unfallversrchcrungs: streitigkciten in entsprechender Herübcrnalxme der Bestim- mungen des F 548 der Civilprozcßordnung ijt als zulässig anzuerkennen. _ _

Die Anwendung des §65 des Unfgllyersichc- rungSgcseHes kann nur auf wirkliche, objectivx Ver: änderungen (Eintritt neuer Folgen des Unfalls, Steigcxung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit), dagegen nicht lediglich auf eine Veränderung der actcnmäßigen Verhält- nisse, d. h. eine veränderte Beurtheilung odßr bessere Kennt“- niß der an sich Unveränderten Verhältnisse gestüYt werden.

Der in dem ersten Bescheid der Berungenoffcnschaft der Rentenbcrechnmig zu Grunde qclcgte JakweSarbeitSvcrdicnst wird mit der Rkchtskraft dicses Bescheides nicht fur das gc- sammtc EntschädignngSverfahren cndgültig festgestellt, und sind Einwendungen gegen den bisher angenommenen Jahresarbeitsvcrdienft im Lauf eines von_ der Bcrungenosscnschaft nach § 65 des Unfallvcrsiche: rungsgeschks eingeleiteten andcriveitcn Renteii: fcststellungsvcrfal)rens keineswegs grundsätzlich (in?:gcschlossen.

AUchislick) dsr Sonder-Aus. abe der „Nmtkichcn Nachrichten des Reichß-Versi cruUJSamts, Juva- liditäts: Und Altersversichkrung“, vom 1. Dezember d. I., hat das ?)kcichß-Vcrsick)crun_g§amt als Rcyi- sionsinftanz angesproch-In, daß die_ in VerZZin: dung mit der Navision in dcr Haiiptyack)? zulämige Revision bezüglich des Kostenpunktcs auch dann statthaft ist, wenn die Kostenfsstseßxmg nicht unmittelbar im Urthcil, sondern in cincm wcni 6 Tage spiiter erlasssncn, mit dem Urthcil ycrbundcneu (Heri tsb_eschluf; er: folgt ist. Die Kostenfestseßung des Schiedsgerichts - cbcnso wie die Entscheidung in dcr Hanptsachc _- unter- liegt nur insoweit einem Angriff, als emeydcr im § 80 des Jiivaliditäts: und Al_tcrsvcrfichc- runqsgcscycS erwähnten Rcvisionsgriindc nachge- wiesen ist. _

Wenn in dcr Rcvisionßinstanz nack) Erlsdigung der Hauptsache in diescr Jnstunz nur noch dcr Kostxn: pnnkt strcitig bleib1,soistdichrfolZungderNevision qegcn diesen Theil der sck)i6d§gcrichtlichcn Ent- ichcidung g!cich1vol)lnoch znlässig.

Die dem Rcvisionchrickst zustehcndc Nachpxüfung der Grändc, ivclche das Schisds ericht fiir die Ablehnung eines vom StaatscommiFar auf Grund ch §13 Abs. 8 dur Kaiserliche'n Verordnung _vom 1. Dezember 1890 gestellten BcweicZantrags geltend gemacht (iat, ist darauf zu bosch r ä n k e 11, ob jene Griinde dem bestehenden Nccht oder dem klaren Inhalt der Acten widersprechen. Nur dann, wenn dlks dcr FaU, ist in der Ablehnung des bcziiglichen Antrags des SiaatScommisfars ein wesentlicher Mangel des Verfahren;? im Sinne ch HZ 80 Abs. 2 Ziffcx 2 ch Zn: validitäts: und Alterövcrsichcrungsgcscßcs zu erblicken.

Der im § 172 Absaß 1 der Civilprozeßordnting enthaltene Grundsaß, daß bei Zustellungen an den Vcr- treter mchrcrcr Bctkzciligtcr die Ucbergabe Einer Ausfertigung des zuzustellciidcn Schriftstücks genügt, ist auf das Vcr- fahren in JnvaLidcn: undxAltersrcntcnsachen und

zwar auch dann anzuwenden, wenn es sich um die Zu:"

stellung an eine Person handelt, die zugleich _in eigenem Namen und als Vertreter eines Bciheilißten auftritt.

Die V9rsichcrnng§anstalt, we (hc durch förmlichen Vcschcid gemäß 875 dcs Jiivaliditäts- und Altchvcrsicherungs: qcscßcs dcn Anipruck) des Klägers ancrkannt und dcm: selben die Rente zugcsprochen hat, ist_ nicht niehr befugt, gegen die Entsch-eidung das_SchteDSJcrichts, wclchcs die Berufung dcs Staathommiisars egen dsn vorgedachtcn Bescheid zurückgewiesen hat, die Revißion einzulege'n.

Der auch in dem auf Grund des ngaliditäts- Y_nd AltersversichcrungI cscßcs stattfindenden Verfahrkn zuläsngc Antrag anf 51 iedereinseßung in den vorigen Stand gcgcn die Versäumung einer Rechtsmiticlfrist ist an die Einhaltung der in § 211 der Civilpxozeß: ordnung vorgeschriebenen zweiwöchigen Frist nicht gebunden.

ZumNachweisc ciner anrechnungsfähigen Krank: [mit ist die Beibringung dcr- im § 18 des Iiivaliditäts: und Illtcrswcrsichcrungögcschs erwähnten Bcscheinigun cn dcr Krankenkaésen-Vorständc und Gcmeindebchörden ni )t unter allen Um tändcn erforderlich; das Gericht kann vielmehr auch auf andere Weise zu der Ueberzeugung gclangen, daß eine mit ErwerbSunfähigfcit verbundene Krankheit vorliegt.

Einem chicnberverber kann diejenige vorgeseßlichc Zeit, in der er sein sechzehntcs Lebensjahr noch nicht vollendet hatte, aufdieWartczeit nichtangcrcchnctwcrden.

Dér Finanz-Minister ])r. M iquel ist gn einer Luftröhrcn- Entzündung erkrankt und muß das Bett huten.

Potsdam, 3. Dezember. Dem Magistrat und den Stadtverordneten von Potsdam ist auf die zum Geburtsta_ an Ihre Majestät die Kaiserin und Köni in FriedricZ gerichtete Glückwunschadreffc nachfolgendes A erhöchste Dank- schreiben zugegangen: .

Dem Magistrat und dsn Stadtverordneten unterlaffe Ich nicht für die Mir aus Anlaß Meines Geburtstags in altgewobnter Treue und Anbängliéhkeit dargebrackyten Glückwünsche Herzlich zu kaufen. Zugleich spreche Ich den städtischen Behörden gern aus, daß Meine Tshcilnahme für das Wohlergehen der Stadt Potsdam Und ihrer Bewvhner nie aufhören wird, Mich ganz zu erfüllen.

Berlin, den 24. November 1892.

' Victoria, Kaiskrin und Königin Friedrich. An dcn Magistrat und die Stadtverordneten in Potsdam.

Görliß, 1._ Dezember. Nachdem gestern seitens dA“ drci Landtachausschü1se die ihnen Überwicscnen Vorlagen der Vor- bcrathung unterzogen worden waren, eröxfnete der Vorsißendk, Landeshauptmann und Landcsältestcr Gra von Fürstenstein die weite Plcnarfißung des Oberlausißer Communal: Lan tags mit dem Vortrage einiger Urlaungcsuchc, die

enehmigt wurden, und ging sodann_ zur umfangreichen

echnunngegung über die gesammte ständi1che Verwaltung über. Der Bericht über die vorgenommenen außerordentlichcn Kassen- Und DeposrtahRevisionen, sowie über die Revision der Rechnungen gelangte zur Kenntnis; des Landtags, her die Ucberzeugung von der guten Ordnung gewann, in der sich das ständische Kaffem- Und Rechnungswesen befindet, und Decharge über die ständischcn Rechnungen pro 1891 ertheilte. Aus dem hierauf erstatteten Verwaltungsbericht iiber die communalständische Bank der Yreußischcn Oberlausitz entnahm der Landtag eingehende Kenntnis; über die gegenwärtige Gesckäftslage sowie davon, daß mit Sicxerheit darauf zu rechn€n ici, daß 'die Erträge der Bank im lau enden Jahre gegen die des Vorjahres nicht zurück: bleiben wiirden. Der Verwaltungskostcn-C'tat pro 1893wurde nach dem vorgelegten Entwurfe fsstgeseßt, und gleichzeitig von einem Landtagsmitgliede Bericht über den in Augenschein genommenen Eriveitcxungsbau der Bank erstattet, aus dem hervorging,. daß dieser allen Anforderungen vollkommen entspreche. Demnächst gelangte eine Anzahl von Gesuchen, die an den Communal-Landtag gcrichtet waren, zar Berathung. Dem unxcr dem Vorsiße dcs Ober-Präfidenten von Schlesien, Wirklichen Gehsimen Raths ])1*. von Seydemiß gegründeten Schlesischen Verein _für Hausindustric, welcher die Hebung der Lage der schlesischen HaUSJewerbetreibcnden, in erster Liixic der Jandweberci beziv-eckt, wurde eine namhafte Bci: hilfe bcwi igt, und zwar mit Riicksicht auf die in nicht unbedeutendem Umfang im Oberlaufißer Theile des Laubaner Kreiscs bciriebsne Handweberei. Auch einige andere Gefache fanden durch BcwilliZung von Béihilfcn Berücksichti- gung; dagsgen mußte eine zlnzahl von Gesuchen unberück- 1ichtigt gelassen werden, theils weil die Bedürfnißfmgc nicht anerkannt werden konnte, Mils weil principicUe Gründe der Bcwilliguiig cntgcgcnstandcn. Ltherc galtxn insbesondere denjenichn Gesuchen, in denen es sick) um die Erfüllung der den Gemeinden als solchen ob: liegenden gescßlichcn Verpstichtun_ cn handclt. Nachdem die Tagcßordnung erschöpft_war, schlq der Vorsißende die Si?_11ng Und bcraumte die nächste Plcnarjißung auf morgsn, 11 Thi“, an. Der ObewPräsident ])1'. vo_n Scydewiß war durch anderweits Verpflichtungen vcranlaßt, dcn Landtag heute Abend wieder zu vsrlaffen.

Merkleubnrg.

Bci dem Ankauf einzelner Privatbahnen seitens des Landes im Jahre 1889 hatte der Großherzog insofern das Nisico dcr Eiscnbahnverwaliung übernommen, als ein etwaiger »Ansfall zunächst auf die jährlichen ZaYungcn, die der Landes: herr noch aus dem friiher erfolgten erkauf einzelnxr Bahn- strecken an die Friedrich Franz Eiscnbahn-Acticngcsekljckth zu fordkrn hat, in Abrechnung gebracht werden sollte. 1891 hatte die Regierimg dcn Bau 1v2iti'i'cr_ Bahn: stricken, Rostock_Tcsyiii-Zilec-*Laiidcs§;rciizc, Zriviß- Parchim und SchWLÜU-Gadchsch-*“Rkk)na vorgejchlagen; unter der Bedingung, daß die'?) Risico dcr landesherrlichen Kaffe beseitigt wcrde. Diese Vorlage wurde damals vom Landtag abgelehnt. Tem ]eßigcn Landtage ist nun der Bau dieser 'Ztrcckcn erneut vorgeschlagen worden, mit der Maßgabe, daß dazu 25000 «16 pro Kilometer aus der Allgemeinen Landcs-ReccptiirKasst 9, 101108 ])Skäu gewährt wüxdcn. Der Landtag hat sich vorweg Über die Vorstage schiüsstg gemachi, ob zum Ausbau des Landcs-Eisenbalmneßes gbcrhaupt Bci: hilfen uns der Allgemeinen LandeFReccptur-Kaffe bewilligt werden sollen, und diese Frage mit 87 gsgcn 19 Stimmen bejaht.

Deutsche Colonien.

Ueber die festliche Begkhunx des Geburtstags Jbrer Majestät der Deutschen Kaiierin in Dar-eH:S_ala1n bcricbtct die „(1329856 t'0r23112iba1' 3110 FWH Zkrjca'“ wre folgt : „Letzten Donnerstag gab (*I. an diesem Platze zur Feier ch Gcbnrtstach der Deutschen Kaiserin Auguste Victoria großen Jiibcl. Jedes Haus und jcdc Straßenecke war mit Palmen und Flaggen geziert, und die Schiffe im Hafen waren Mit FLaggcn geschmückt. Eine Parade der Truppen“ wurde unter Lieutenant Berthold abgehalten und zu Lande und von der See wurdcn Salutschüssc abgefeuert. Eine große Menge Volks war auf dem Paradepla versammelt.“ _

Nack) Aufhebung des bisicrigen Commismriats für das Kilimandjaro-Gebiet ist der Compagniefülirer Johannes mit der Wahriiehmung der Geschäfte der obe'rstcn örtlichen Behörde für die genannten Gebiete mit dem Siß in Marangu_ am Kilimandjaro beauftragt worden. Auf dsr Kilimandjaro- Station, die nach einem Gmwcrnsmcnlsbéfchl vom 12. Sep: tcmber fortan Marangu-Ttation benannt wird, sind gegen- wärtig unter dem Compagniefiihxcr Johannes ein_Lieutcnant, ein Arzt und ctwa 160 Mann itationirt. Es smd dascxbst mehrere kleine Geschütze nebst einsr größeren Menge Munixion vorhanden. Auf dem Wege von Masindc nach dem Kilimandxaro sind Zwischenstationcn eingerichtet. um die Verbindung aufrecht u erhalten. Zu Masindc befindet sich ein Offizier mit 60 mm,

Der von der Deutschen Colonialgcsellschaft nach Deutsch- Ostafrika gesandte Lohrer Bartl) ist am 19. Oktober mit dem

Reichs-Postdamyfer „Reichsmg“ in Tanga cinqetroffcn. Er

wird vorerst in Tanga .bleiben, wo ebenfa*lls_, wie in Bagamoyo, die Gründau? einer Schule oder vielmehr die

Fortseßung des vom Mi fionar Krämer bereits begonnenen“

Unterrichts geplant wird. _

Ueber den am 6. Oktober erfolgten Tod des Lieutenants Brüning im Kampfe geqen die Wahehe meldet der Sergeant Köhler aus Kilossa, 16. OXtober, an den Gouverneur:

Lieutenant Brüning, ich und 35 Salus marschirten auf die K_undi', daß die Wabehc in Kondoa seien und plünderten, sofort dorthin ab un., vertriebc'n sie nach tüclztigem Feuer aus dem“ Ort. Da Wir pro Kopf nur noch 15 bis 20Paxron8n hatten, schickten wir 6 Waniamwesi von dem Häuptling Hami , wclcher sich mit 20 Mann uns an- ge chlossen Hatte, ngcb dem Fort, Patronen zu Holen; wir blieben bis

=da m ausgeschwarmt im freien Felde liegen. Um den

Feind besser beqbachten zu können, , kletterie ick) auf einen -* aum: hier sah ich nun, wie die Wahehe in geschlossener Colonne auf uns loskamen. Sab)? anf Salve wurds gegeben, kaum waren die Wabebe dicht an uns Heran, etliche schon in unserer Reibe, da „war auch kein Halten mehr unter den Sulus. _AUes im Stich lassend, rannten sie wie dic Wahnsinnigen daVOn. Hier fielen

' Herr Lieutenant Brüning und vier Salus. Von Wahéhe umzingelt,

nur den Ombascha Peint imd Gutéboy bei mix, schlugen wir uns durch und gelangten gcgen Abend am Umwegen im Fort an. Hier steÜtc ich soforx doppelte Posten aus, um einem Ucberfall dsr Wahsk)? vorzubeugen. Da ich 1?th mit den Sulus nichts weitc'r anfangen l_“onntc, so beschloß ich, im Fort zu bleiben, da 66 ja nicht ausgeichloiscn war, daß die WahekZZ das Fort angrc-rifcn würden. Ich Hatte meine Noth, die Salus im Fort zu haltsn, sic wollten in die Bsrge, big, meinfim sie, seien sie fichcr vor den Wabebc. Ein Sulu, - Nkabon, entfernte sich aus Furcht wor den Wabebe dom Foxt, cr- schicn aber am vierten Tag: wieder, ich steckte ihn ioiort in Arrest. Am 8. Oktober entsandte ich dcn Lazaretbgehilscn Riek)! mit einer Abtheilung nach Condoa, um die Leichen zu holen. J ließ fie in der NäHL des Forts mit den üblichen dreiSasvcn eerdxgen. Ferner fanden wir die Leichen Von dem Wali Sc'ff bin Seliman und vkrschiedencr anderer Araber. “- Dic Wahcbc Hatten qm 8. Oktober fich wicht zurückgezogen. _ _ _ _

Der Gouverneur bcmyrkt hierzu in einem Bericht an den Reichskanzler: Es scheint sich dadurch leider zu bestätigen, das; die Su_lus, deren Brauchbarkeit stets eme sehx streitige Fra 6 war, sich nicht bewährt haben. Sie werden ]eyt, zumax i r ursprünglicher Contract zu Ende ist, wie'dcr nach Hauke ge- schickt wcrden.

Oesterreich -Ungarn.

_ Im österreichischen Abgeordnetenhaui wurdc gcjjern die Debatte über den DisPositionsfonds fortgeseßt. Dcr Abg. von Jaivorsxi erklärte im Namen der Polen, die gegenwärtige parlamentariychc Lags sei durch ein I)iiszverständniß zwischen dsr Negicxung und der vereinigten Linken entstanden. Von einc? Gehäsyigkeit der Regierung ge cn letztere könne keine Rede sein. Die Polen bcivahrtcn sich ?reic Hand bis zur Lösung des in der Thronredc angekündigtai Programms. Dic bishxrigc Mehrheit sci gebildet ans der Grundlage des festen Pro: gramms der Gleichwerthigkc'it dcr theilnehmenden Parteien, dercn fesigesjcllter ziffermäßigen Stärke sowie des Gruiiysaßes,

_ daß niemand das Programm aufgezwnngen werden dürxe, daß

aber auch nismand ausgeschlossen werden dürfe, der sick) dem Programm anfiigc. Dcr DualiSmUcZ habc für die Polen cine specielle Vedentung (i_ls Grundlage dcr gegenwärtigen aus: wärtigen Politik Oesterreich-Ungarns, in der die Polen eine wesentliche kaähr fiir die Zukunft Oesterreichs erblickten. DM Dreibimd sähen die Pylen als dcn alleinigen Schuß dsr österreichischen Völker gegeii ]0118 Macht an, in der sie die größte Gcfahr für ihre Nationalität, ihre Freiheit und ihre Cultur cr: blicktc-n. Dcr Abg. Herold führte aus, die Verweigerung des DisPosijionßfonds stitcns dcr Jungcz'chen bedeute nicht eine Opposition gcgen die Ncckztc, sondern gcgen dic vöhmcnfcind- liche Politik. _ Dic Dcui1chltbcralcn dächtcn nicht an cine ernste Opposition, iic wiirden wohl den Rath des Grafen Taaffe

- behchige'n und darüber nachdenken. Aus deniDualichus sol, 6

nicht ie Unabänderlichkcit der TczembervcrfaffunTinOéstcrrei . So lange das große Proble der böhmischen Frage nicht ge: lost sei, werde die Partei d_c§ Redners bei ihrer Opposition verharren. Dcr Abg. Graf „Hohenwart stellt? fest,dcr Prinz Schwarzenbey habs nur in sLinem cigc'ncn und nicht im Namen der 5 artci gc prochcn. Die österreichischen Conservativen sticn stets ür das historische Recht Ungarns eingetreten. DUS von dem Abg. von Plencr als wünschenswert!) bczeichnctc Coalitions- Ministerium sei in der gegenwärtigen chicrung gcgcbcn. Keine Partei lasse sich in die von dem Abg. von Plcncr gc: wünschten Combinationcn einfach hinein commandiren. Seine Parteigenossen scien_zur ernsten Prüfunl positivsr Vorschl_ägc „enei t. (Händcklat1chen rechts.) Hieran? ergriff der Minister: Präsi cut Graf Taaffe das Wort zu folgender Er: klärung: Gegenüber den im Laufe der Debatte von ver: schiedenen“ Seiten abgegebenen Aeußerungcn halts es die Regierung für angemessen, ihren Standpunkt neuer- dings mit aller Deutlichkeit und Entschiedenheit aus- znspxechcn. Die Regierung stehe unverrückbar auf dem Boden der bestxhcnden Verfassung und werde diesen Standpunkt auck) ferner in keinem Fall verlassen. Die Rigicrung Halte rück: haltlos an.dem gegenwärtigen gcseßlich geregelten Verhältnis; zu der ungarischen Reichshälfte fest und erachte die hier: durch „cschaffetxc Organisation der Monarchie für dankrnd abgesch offen; s16_ könne es daher nicht als geboten ansehen, bei jedem beliebigen Anlaß von neuem auf diese Frage zurückzukommen, müsse c__S aber mit lebhaftem Dank bc- grüßen, _daß ihre loyale_,„altung wie immer so auch kürzlich von Seiten der ungari] en Regierung offene Anerkennung gefunden habe. Zu der gcgcnivärtiIcZen Lage vcrmögc er nur die Erklärung abzugeben, daß die egierun_ auch derzeit an dcn Grundsäßen dir Tyronredc vom 11. ??pril 1891 unent- wegt festhaltc. In der gemeinsamen Arbeit aller gemäßigten Parteien, welchc die Regierung bisher in dankenswerther Weise mit patriotischer Zurückstcüung ihrer einzelnen Wünsche untcrstüßt hätten, crblicke die Regierung das sicherste Mittel zur Bildung einer festen, auch von ihr erwünschten und als nothwendig anerkannten Majorität. Zur Erreichung dieses Ziels werde es die Regierung, nur auf das Wohl des Staats bc: _dacht_und unbeirrt durch die ei enen Interessen, soviel an lizr liege, an Bemühungen gemi 11icht_ fehlen lassen. Von e cn diessezi Gesinnungcn erfülit, werde die Regierung in dem Bewußiem der von ihr übernommenen Verpflichtungen auch feriieth bedacht sein, speciell im Königreich Böhmen cine Verstandignng zwischcn beiden Volksstämmcn zu fördern. Von solchen Erwägungey, die fick) nur auf das Ganze des Staats u_nd_ dessen wichtÉzxte Interessen bezögen, geleitet, vcrmöge die Ilegierung dcr cmi igung odcr Abkhnung der zur Ver:

handlimg stehenden Budgetposition keine so'chc Bedeutung bei-,

zulegen, die sie in ihren Grundsäßen irre machen oder ihre Haltung den gemäßi ten Parteien gegenübek' ändern könnte. Die Rede rief le ha tc Bewegung im ganzen Hause

hervor. Die Abgg. S neider und Pattat) erklärten, sie,

würden für den DiSpositionsfonds stimmen, nicht um ein Ver- trauensvotum für die Regierung abzugeben, sondern aus unbe- dingter Gegnerschaft gegen die Bestrebungen der Linken. Dcr Abg. Dr. von Plcner betonte, mit den Grundsäßen des Ab. von Jaworski für die Melzrheitsbildung könnten die Deutsc?- Liberalen sich einverstan en erklären. Die Voreinstellung der Dreibunds- Politik durch den _Abg. von Jaworski billige er: der Dreibundsgedanke 1ei von der Politik der deutschen Linken unlösbar, er sei einer der Mark- steinc für die Zugehörigkeit oder Nichtzugehörißkcit zu der Majoriiät. - arteicn, die bezüglich der grun legenden staatlichen Anschauungen in .unüberbriiékbarem Gegensaß ständen, könnten nicht in einer Majorität zusammen sein. Dies gelte auch vom StaatSrecht. Vsi der hierauf folgenden nament- lichen Abstimmung wurde der DisPositionsfonds mit 176 gegen 146 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten die vereinigte deutsche Linke, die Deutschnationalcn u_nd dic Jung: czechen. Dis Linke nahm das Ergebnis; dcr Abstimmung mit anhaltendem Beifall anf.

Großbritannien, und Irland.

' Die Königin bsabsichtigx, dcr „AHC.“ zufolge, zwci Monate in Osborne zu rcfidiren und cine_ Woche nach Ostkrn na Italien zu reisen, LVO Ihre Majestät in dcr 23an Pa misri bei Florenz cinen vierwöchigen Achnthalt nehmen wird. Vorgestern stattete die Königin der Kaiserin Eugenie in Farnborough einen Besuch ab.

Lord Ripon, Minister für die Colonien, sagte in einer von ihm am Mittwoch im „EighttiClub“ gehaltenen Rede, daß er als Mitglied der Regierung, obwoll instruirt iiber die Ab: sichten und Pläne derselben, doi!) einc Geheimnisse verrathen dürfe. Das könne er jedoch crklären, daß die Regierung ein Programm vorbereitet Habe, das nicht als ungenügend an- gesehen we'rdccn diirfte. Homerulc stehe in erster Linie. Die Vorlage, dic dcm Parlament in BL'UJ auf dicse Frage unter: breitet werden würde, von der er a cr auch nicht einmal eine Skizze gchn könne, werde sicherlich nicht weniger wcitgreifend und umfassend sein, als die Bill von 1886. Die in [cßtcrcr ent- haltenen “Fehler iviiroen vermieden worden. Die irische Trage dür jedoch nicht aUcin das Parlament in nächster Session beschäftigen. Die Negicritng bereite daher eine Reihe von Maßregkln vor, welche die Wohlfahrt dor britischen Nation beträfen. Die Majoriiät der Regierung werde von ihren Gegnern für gering erklärt. Mit diescr Majorität ikdock) hoffe sie, große und weitgehende Pläne durchzuselzcn. Das Volk habe sick) bei der Wahl mit der Politilder vorigen Negicsrung unzufricdcn erklärt. Die libera1-e Partei moll? dic Einigkeit unter allen Theilen ch Rc'ickys fördern. Die Nation habe schon 1th Einen (Zc- schmach von 'der Art und Woise bekommen, wie die Ncgicrung die Administration auSiibc. Das Gehkim: nis; der Macht EnqlandS in den Colonicn bestehe darin, daß zur rechten Zeit Das Recht der Selbstverwaltung gcwährt worden sei. (11 Irland jedoch sei eine cntgcgengescßtc Politik gang und gäbe gewesen. Die Regierung _ so schloß der Redner --- werde die von ihr gegebenen Versprechnngcn erfiillen.

Frankreich.

Der Präsident Carnot hat, wie „W. T. B.“ meldet, nunmehr Casimir Péricr mit dcr Bildnng dcs neucn Cabincts beauftragt. Die? MissionBrisson's ist insbesondere daran gescheitert, da[; Péricr und Bourgeois dabci bc: harrtcri, auf dem Boden der strictcn chalitiik zu bleiben und “11 keinerlei Verwirrung dcr Gewalten die Hand zu bistcn. Bourgeois verlangte außerdem, daß dc Frcycinct und Ribot ihre Portefeuilles bchaltcn sollten. Péricr conferirtc gestern Nachmittag mit mehreren der zuriicktrctcndcn Minister, namentlich mit Ribot. Nach einer iveitorsn Meldung von heute früh stößt noch Périer auf großc Schmisrigkcikcn. Na- ZLOJÜUCH soll Bourgeois den Eintritt iii das Cabinet abgelehnt

(1 en.

Dic Panama:Untersiichungscommission vernahm qcstcrn dcn Dcputirtcn Salis, der seiner Zcit Mitglied dcr Commission mar, dis im Jahre 1888 das Projcct dcr Panama-Loos-Obligationcn zu pkiiiji hatte. Salis erklärte, sechs Mitglikder der Commission häxtcn von ihrem Barsan eincn formellenAuftrag erhalten, gcgendatZ Projectzu stimmen; fiinf hätte'n fick) sofort dafür erklärt. Indessen sei es angenom- msn worden, weil ein Mitglied, Sanchwy, obwohl als Gegner dcs Projects gewählt, doch für dasselbe gestimmt babe. Sans: leroy habe, über seine Abstimmung befragt, erklärt, daß er bei seinem Votum dcn Bittcn ssincr Wähler nachgegeben babe. 'ierauf wurdc Chantagrcl, _dcr gleichfalls im Jahre 1888 -. it„ lied der Panama-Commisston war, vernommen. Chantagre sach aus, es seien ihm, damit er für das Project stimme, von einem Beamten der PanamaWescllschast nach und nach 100000, sodann 200000 und schließlich 500 000 Fr. gc- boten worden. Der Journalist Martin, der in der „Libre Parole“ die Artikel mit der [lsbcrschrift „Die le)ci1nnisse dcr Panama-Affaire“ veröffentlicht hat, versilberte bei seiner Ver: nehmung, er sei Überzeugt, daß die Panamachellschafi selbst die gegenwärtige Bewsgung angestiftet Habe. Im Jahre 1886 habe er, damals noch Beamter der Gcscllsckzafi, von dieser den Auftrag erhalten, einigen Depuxirtcn (Heldéummen anzubieten, damit sie für das EmffsionsProxcct der Ge ellschaft stimmten; allein von den Dcpntirten fei kkincr seiner Auf: forderung nachgckommen.

Dkk Generalprocurator Quc§nay dc Vcaurcpaire hat an die Commisfion ein Schreiben gerichtet, worin er räth, die Beschlagnahme der Checks des Hauses Thicrrée auf akx ministrativem Wege durch den Polizei=Präfccten vornehmen zu lassen und nicht durch da?- Gcricht. da leßtexes Vorgehen U zeitraubend wäre. Die Commisnon hat infolge dessen

risjon bcauftrth, den Minister des Innern von dem Inhalte dieses reibens in Kenntnis; zu se en. Briffon eröffnete dcm Minitcr ferner, daß die Commision ihrerseits die Beschlagnahme dcr Checks ivi'm che. ' '

Dcr Gemeinderath von - aris [mt dem Wunsche nach strenger Bestrafunq der Deputirtcn Ausdruck gegeben, diiZ _)in dcr Panama-Nngelegenheit als schuldig befunden wur en. -

Am 1. d. M. ist von der Polizei ein Mann yerhaftet worden, der sich Luskina nennt und aus Galizien stammen soll. Aus den bei ihm vorgefundenen 5anpieren, unter denen fich auc!) Karten und Pläne befanden, chloß die Polizei, daß

er ein Sizion im Dienst eines fremden Staats sei. Luskina selbst crxlarte, die_bei _ihm _vorgefundenen Karten und Pläne Lättxn ihm_1ei_)i lich fur die von ihm verfaßten oder vor- erertetcn militarixchen Schriften gedient. Luskina ist der Ver:

fasser eincr polnichen Broschüre, betitelt „Die nächste große Armee“.

- Rußland.

_ “Tem inchsrath ist, wie „W. T. B.“ berichtet, ein GM? e_xiiwurs, betreffend die Einführung der Salzaccise “i_md ie Erhöhung dchuckcraccise, zugegangen. Danach 1011 die Er änzungsaccisc von 40 Kopcken per Vud Naffinade; zucker aufgeghoben und die Accise auf Sandzucker verdoppelt werden, d. l). auf 2 Rubel per Pud normirt werden.

Italien. *“ k

_Dic Teputirtcnkqmmcr nahm gestern die Wahl: pxüfungcn vor. Colaxaxini (äußerste Linke) beschuldigte, xme „W. T. B.“ berichtet, die'. chierung, sich in die Wahl m_ S_an S_epero, wo Tondi gcgen merrani „cwählt worden sei, emgcchbt zu haben, und verlangte die inseßung cincr parlqmcntarischen Untersuchunchcommission. Der Minister: Präsident (H iolitti wies _dic Ilnflagen zuriick. Dic Negiernng h_abe gar kein Interesse, die Wahl Tondi's, der immer gegen irc gestimmt habe, zu begünstigen. Nach längerer Debatte wurde die Wahl für gültig erklart.

Die in auswärtigen Blättern verbreiteten bennruhigcndcn Nachrichten iier das Befinden des Papstes wcrden von de_r „Agen 1a Siefani“ _fiir v'ollkommcn unbegründet crklärt Mit dem .Zmzufngen, daß dcr (HesnndhcitSzustand des Papstes cin dnrchauö normaler sci.

Belgien.

Die Commission des Senats zur Revision dcr Vcr- fasfnnZ hat in ihrer Sitzung vom 29. U. M., wie der „Frkf. Zi?“ _erichtct wird, zwei Anträge des Grafen Goblet d'sllWellc (lid.) angenommen, wonach die Wablberechtigung *ustehcn soll_: 1) allkn Bürgern, die mit gutem Zeugnis; ihren ZNilitärdicmt absolvirt und 2) allen Familienvätcrn Über 30 Jahre, die wenigsten?) drei Kinder haben. Beide Anträg-x wnrden mit 13 gegcn Z Stimmcn nnd 1 Enthaltungen aii- genommcn. Aach wurde ein Antrag chsclbkn Ssna'torS an: genommen, wodurch die Bcthciligimg an den Wahlen obli- gatorisch gemacht wird. .

_Dcr Bkrichx der mit der Priifung der Rothschild'schcn Vor1chlägc beanstragten Commission dcr intcrnationalcn M_ünzcor_ifcrcn betont, ciner M-Zldung des „W. T B.“ zufolge, die Boys läge seisn von sehr großem Jntsrcssc und verdicntcn von der Conferenz in Erwägung gezogen zu werdeii, Von den Mitgliedern der Commission, dic anfgexordcrt wurden, zu erklären, ob sis geneigt seien, die Annuhmc der Vorschläge ihren Regierungen zu empfehlen, hätten sechs zustimmsnd Und sieben ablchncnd geantwortét. Dic Levy'schen Vorschläge, die Goldstiick'e im WWW mm wcnigcr als 20 Fr. und aUc Vanknokcn untor 100 Fr. iiach UUYUUckK ans dem Verkehr zurückzuziehen, seien von der Conimimon fast cinstimmi angenommen worden. :Die Dklcgirtsn der der latcinifchcn iinznnion anqehörenden Staaten W(U'LU gestern friih unter dem Vorsiß “Tirard'cz zusammengetrctcn und hatten beschlossen, die Schlußanträge dss Berichts dc-r erwähnten Commission zu prüfen.

' Rumänien.

_ Tw Tcyutirtenkcimmcr at laut Meldnn des „FWTB.“ gcstern mit sehr großer aiorität dic DringJichkcit für die ans dcr Znitiativc des Parlamsnts hcrvorge angcnc Vorlage genehmigt, dym Thronfolßcr cine jäJrliche Apanagc v-s-n 300000 Frcs. zu bewilligen, von Wklchék die Hälfte (mf die Prinzessin Marr) von Edinbnrg iiertragbar ssin soll. Der Bcrichisrstattcr Majorss» legte den Entwurf zu Liner Adresse vor, worin besonders die Stellkn dsr Thronrcdc [icrvorgchobcn werdcn, die von der Hkiratk) dcs ThronZolgcrs Und dcn Vesnchcn ch Königs in Wien und London nudeln: fcrnsr wird darin die sehr giinstige Lage dci“ Finanzen dss Landc's constatirt.

Afrika.

Tem „Rcuieésckxn Bureau“ wird aus Tangcr 1.15.1111 2. d. M. gcmskdct: Gystcrn ADMO ivxirdc bei Ein?!“ Streitig: keit zwischen vici“ Europäern und einer maurischen Poli ci-Pair'ouille ein britischer Unterthan cr- schos?6n und ein Spanicr verwundet. Heute hicltcii die: hier ansässigen Europäkr ("ML Vkrsammlung ab, in dcr beschloffcn wurde, die ausländischin Vertreter aufzufordern, von ihren ngicrungcn die Bildung cinss internationalcn PolizeicorpH zn crwirksn. . '

Parlamentarische Nachrichten.

Deutscher Reichstag.

8. Ziyang vom Sonnabend, 3. Dezember, 12 Uhr.

Dcr S1H11Ug wohnt dor Staatssccretär Freiherr von Malizahn bci. _ _

Wegen der Dc11k1chris_t, bktrcffcnd die Ausführung von An (cthe gc_f LÉLU , bejchließt der Reichstag ohne Besprechung, das; durch die _VklOYFUUq dem (Heseßc Gcnüge geschehen ist.

„Es folgt die erte Bcrathuug des Gesc'ßentwurfs wegen Abandcrung des (Heseßes, betreffend die Grün: dung und Vexwaltnng dcs ReicheZ-Juvalidcnfonds, wonach 67 Millionen Mark aus dcn Bestäzidcn dieses Fonds gkl? Betricbskapiml für die Reichskaffc fliisyig gemacht werden 18 on.

Abg. 1)» Osann (ul.) bxdauk'rt, daß dic_Nov€Üe zur Militär- Pcnfionögcscß, die so lange in AUSficht _gcjtcllt isi, noch nicht vorgclagt worden ist, tro?dem sie doch e_igkxitkicb dic VoraUIsc "ung des jekt zur Berathung s cbknden Entwurfs ici; denn die Nove wird cine erhebliche Mebxausgabc Erfordern, dis ans dcn disponiblen Gcldcrn dss Jiivalidctiwnds gedeckt werden mnß, da andere Mittel dafiir nicbt Verfügbar sind. Erst ivenn dicscJBediirfniÉ bkfiikdigt ist, kann der Juvalidcnfonds Gelder an die IkllckPZkaffL (1 geben, wie das hier vorgeschlchn i_vird. Es ist auch dU_1'ch_(1UZ nicht nachg€wicsen, daß die Rsichskane Yicicr Summc bedarf; sic isi bisher ausgekommcn.

StaatSsecretär Freiherr von Malizabn: Ich erkennc an, daß das Bedürfniß,ivclcbcsderHcrr VVLdejWi'ÖiCr Vsrtrctcn bat, dchorzug vsrdisnt vor dem iyelchc's 1318230171619? befriedigen will. Die betreffende Novelle zumMilitar-Pcnswnsgejel? ist auch dem Bundesrat!) schon vorgele t wordkn, _und zwar fr_ü cr als dicse Vorlage, aber die sach- lichen Hchwierigkcitcn habcn bis jcßßibrc Fkrtigstcilung verhindert. Ich Hoffc', daß die Vorlage noch i_n dicicr Tagung am den Reichstag ?elangen wird. und bedaucrc, daß dcr Vorrednkr eine so scharf al)- chncnkc Stcllung cingsnomnmr hat. Wir köiinon aUerdings ohne die