1892 / 298 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 16 Dec 1892 18:00:01 GMT) scan diff

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_ _ Der Geheime Regierungs=R91h ProfesZor Vr. oerster, Dtrector der Berliner Sternwarte, ferert heute einen sechzigsten Ge- burtstaJ. Geboren am 16. Dezember 1832, trat ])r. Foerster im Jahre 855 unter_Encke als Zwerter Affi tent bei der Berlmer Stern:“ warte em und ruxkte 1860 111 die Sie e des Ersten Lclksfistenten auf. Im Jahre 1863 ubernahm er für den erkrankten En e die Leitung des Jnstttuts und wurde 1865 zum Director der Sternwarte ernannt.

Gesundheitswesen. Thierkrankheiten und Absperrungs- . Maßregeln.

Türkei. Zufolge Beschlusses des internationalen Gesundheitsraths in Kon- stantxnopel vom 6. Dezember 1892 unterlie en Provenienzen aus rralientfchen und egypti1chen Ykittelmeer öfen fortan nur noch emer arztl1che11 Unterm un . _ _ Fernerwerden S ifße ohne Paßa iere, welche aus franzö- sischen Mittelmeerhafen kommen, nur no& einer 24 stündigen Obser- vation, yolche Sch1ffe_ Von der österreichischen, montene- grtnischen, bulgar1s§he11 und ostrumelische11Küste nur noch einer dreitäg1ge11_ O_uarantane uxxterworfen. _ Für Frachtxchtffe aus Odejya ist die Qurantäne auf 5 Tage er- maßiY worden. ie Herabseßuu e11 treten nur für die Schiffe ein, 1ve1che die betreffende Reije na dem 6. Dezember 1892 angetreten haben.

_ _ Bulgarien. _ Zusol e Beschlustes des bu[garische11 GUundheitSraths 110111 9, Dezem er 1892 werden

Reisende aus Rumänien nur noch einer ärztlichen Untersuchung unterworfen. Das Gleiche tritt bei Reixenden des Orient-Erpreßzuges ein, welche in Bulgarien nicht zu bleiben beabfichtigerx, anderenfalls unterliegen dieselben, ebenso wie diejenigen Perjonen, welche auf dem Donau- roe e _oder über Zaribrod aus Oesterreich-Ungarn oder aus Serbien nm?) Bulgarien kommen, einer 24stündigen Beobachtung. (Des- infection des Reisegepäcks durch Dampf findet nach wie_vor statt.) Für Yeiyewde aus den_ ruffischen Donau- und den rusfi1che11 Schwarzmeerhafen 111 die elftagige Quarantäne auf fünf Tage ermäßigt worden. _

Oesterreich,Serbie111111d die europaische Türkei sind als s euchefrei anerkannt.

Den Beschränkungen des Waarenderkehrs _ Vergl. „R.:.“A Nr. 282 Vom 28. November 1892 _ Unterliegen fortan nur noch directe Herkünfte aus R11 [and, Ungarn und der asiatischen Türkei. Sendungen, wel e dieye Lander nur im Transit be- rührt haben, Werden frei zugelaßen. _

Der GesUUdheitspaßzWang ist ansgehoben worden.

Theater und Musik.

_ Berliner Theater. _

Mit Aklerhbchster Genehmigung fand gestern _Mzttag 11111 1 Uhr 311111 Besten des unter dem Protecxorat Ihrer Kömgltchen Hoheit der Erbprinzessm boy Sachsen-Meinmgen stehetxden_ „Charlottenhei111“ eine Matinée statt, zu welcher Jhre_Ma1_estaten der Kaiser und die Kaiserin sowie _mehrere Pr1n_ze11 und Prinzessinnen des Königlichen Hauses und deutchßr Fürstenhauser erschienen. Ein aus- erlesenes Publikum hatte den_ amn 516 auf den [121311311 Maß gefüllt. Die Vorstellung begann 111iterbra11dt's „Jagen d_[1ebe“, in der Herr Barnay und Frau Sorma die Hauptroüen spielten und für ihr

Gäste u1_1d_ das Personal des Kroll'schen Theaters 'die dort kürzlich gls Novitat erschrenene Oper „& 8311111 1411013“, in der sich be- yonders_ Signora Gemma Belkincioni auszeichnete. Ihre Majestaten gaben Ihrer Anerkennun für d1e gebotenen Leistungen wie für die gan e, nach jeder Ri tung gelungene Veranstaltung wrederholt huldvo en Ausdruck. _

_ _ Sin -Akademie. : _

Der Vtolmvirtuos Herr Karl Markees gab estern em Con- cert_m1t dem PhilharmoniÉchen Orchester, we Yes Herr Y_rof. Jojeph Joachim leitete. eine stets gerübmte Si erhett in us- fßhrung aller technischen Schwieri keiten, die verständnißvolle, tief e1_ngehende Vortragsweise der klaf1schen Werke, sowie der neueren vtrtuosen Compofitionen kamen in dem Spohr'schen Violinconcert (Nr. 7), in den sehr interessanten Variationen mit Orchester von Jogckyim, in_ einem Concertsaß von M. Bruch und den bekannten „Zr eunerweisen“ von Sarasate vortrefflich zur Geltung. Die bereits dort eikhaft bekannte Concertsängerin FräuleinJ ac () b a El li n g , welche das_Concert unterstüßte, erfreute durch den wohl gelungenen Vortrag zweter Arien won Mozart u11d_erntete gleich dem Concertgeber reich- ltcben Beifall des zahlreick) Verxammelten Publikums.

_Jm Deutschen_ Theater können die Wiederholungen der ,Rauber“ mit Josef Kainz als Franz Moor, welche durch die Ver- 1v11ndu11g des Herrn Sommerstoxff eine _la'ngere Unterbrechung er- fahren mußten, nunmehr 1151? denen Genejung wieder aufgenommen werden. Die nächste Aufsü rung findet am Montag statt. Am Freitag, 23. d. M., geht der 11e11e Schwank „Zwei glückliche Tage“ _vonMFranz bon Schönthan und-Gustav Kadelburg zum ersten Mal 111 Scene.

_Cleonora Duse wird ihr Gastspiel am Lessing-Theafer “716116111. den 23. d. M., beschließeg und somit außer der heutigen Iorsteerng nur noch fünf Gastjpielabende geben, für welche das Repertorre folgendermaßen bestimmk ist: Sonnabend, bierzehnter Dase- §Abend: „Die Cameliendame“, Montag, zum ersten Mal: .Odekte“, Dienstag: .Fernande“, Donnerstag: „6311311181111 1115160111111“ und ,.[111 ]YOCÜUÜWRZ“, Freitag (a_chtzeh11ter_Duse-Abend und Abschieds- vorstellung): „Fedora“. Die für den früher angekündigten neun- zehnten und zwanzigsten Duje-Abend bereits gelösten BiÜets werden an der Ta eskasse wieder znriickgenounne11._

Jm Zriedrich-Wilhelmstädrischen Theater znorgeu und am Sonntag Offenbachs Operette „Die schöne elena“, 111 den Hauptrollen mit den Damen CorneUi, E. Schmidt, Tavarra und den Ferren Steiner, Wellhof, Binder, Broda, _Ewald beseßt, zur Darste ung. Die erste Aufführung der' MiiÜer'jchen Operette .Der MiÜionenonkel“ ist auf Mtttwoch, den 21. Dezember, angeseßt.

Jm_ Residenz-Th eater wird vom Sonntag bis zum Mitr- woch wieder der Schwa11k.J111 Pavillon“ (1.8 parfum) auf dem Spielplan _erscheinen. Eine ?lusnahme macht nur der Montag, an dem noch e111m9[ „Denise“ in Scene geht. Am nächsten Donnerstag findet dan_n dre urs rünglich für den 23. geplante erste Aufführung Von „Fanalie Pox1t-5 iquet" statt.

_ Jm Kroll'xchen Theater wird schon wieder die Aufführung e111er großen _Opern-Neuheit, Rubinstein's vieractiger Oper „Die K'1__nder der Ha1de',vorbereitet. Das Werk soU bald, nachdem das Kunstlerpaar Stagno und Bellincioni sein Gastwiel beendet hat, im neuen Jahre in Scene gehen,

Im Neuen Theater wird am Sonntag Nachmittag um 21 Uhr_ zu halben Preisen ÖMZ japanische Bühnenspiel „,Die Liebe?- handlerin“ aufgeführt. In der Abendborstellung findet eine Wieder-

gelangt

flottes Spiel reichen Beifall ernteten. Alsdann gaben die italienischen

holung des Preislustspiels „Durch die Intendanz“, s owie des Schwanks

„Logirbesucb' statt. Dieser Dop elvorstellung wegen ist der Beginn am Sonntag Abend auSnahmswei c auf 7 Uhr festgeseßt.

_ Jm Concerthaus e wird morgen, an Beethoven's Geburtstag, em „Beethoven-Abend" veranstaltet. Das Programm enthält 11. a. das Septett (mix mehrfacher Befeßung der Streichinstrumente), die (3-m011-Sy1nphonte Nr. 5 und die Ouverture „Leonore 111“.

Maunigfaltiges.

Der Polizei-Präsident von Berlin Freiherr von Richthofen läßt fol ende Verordnung veröffentlichen: Mit Ermächtigung der Herren inister für Handex und Gewerbe, der getstlichen, Unterrichts- und Z))?edizinal-Angelegenhe[ten und des Innern verordne ich ur weiteren Ausführung der §§ 1051) Abs. 2 und 1050 der Rei s- Gewerbeordnung, was fol t: 1) am [eßtew Sonntage vor Weihnachten darf die eschäftigung der Gehtlsen, Lehrlinge und §Il_rbe1ter in allen Zweigen des andengewerbes wahrend des ganzen Tages bis um 10 Uhr Abends mit 9 usschlus; der für den Hauptgottesdienxt _est- Zeseyxen beiden Stunden stattfinden. 2) Die Beschäftigung der Ge i sen,

ehrlmqe und Arbeiter ist am 1. Weihnachtstage im Betriebe des Handels mit Blumen außer den_ lethcn beiden Stunden Vor dem Beginne des HauptngWdiensteI auch wiih- rend _der Zeit Von 12 bis 3 Uhr Nachmittags zuläsjig. 3_) Dre Vergünstigung der Verlängerung der Beschäftigungszetf brs 6 Uhr Abends findet für den Betrieb des Handels unt Blumen auch am Neujahrstage A111vendun . 4) Im Betriebe des Handels mit Blumen dürfen die Gehilfen, Le rlinge und Arbeiter an Sonn- und Festtagen fortan statt von 7 bis 10 und 12 bis 2 Uhr während der _ett von 8 bis 10 Uhr früh und von 12 bis 3 Uhr Nachmittags beschaftigt werden.

In der gestrixen Stadtbewrdneten - Versammlung erfolgte 11ach_ Mitt)eilung hie1iger Blätter die Wahl des Rechts- anwalts Kirjchner aus Breslau zum Bürgermeister. Von 117 ab egebenen gülti en Stimmen fielen neunzig auf ihn, fünfundzwanzig an? den Stadtrat Meubrink.

Nach Schluß der Reduction eingegangene Depeschen.

Paris, 16. _Dezember. (W. T. B.) Auf Befehl des Jystiz-Ministcrs ist das qerichtliche Verfahren gegen dre Beamte11__der Panama-Gesellschaft wegen Bestechung eröffnet worden. Charles Lesseps und Fontanes als die Administratoren der Panama:GeseUschaft sowie der frük)ere_Deputirte Sanslerov sind verhaftet worden. Der Admmistrator Cottu ist flüchtig geworden.

St. Petersburg, 16. “Dezember. (W. T. B.) Der deutsche Botschafter (General von Schweinitz war gestern von dem Kaiser und der Kaiserin zur Mittagstafel nach (Hatschina geladen. Das diplomatische Corps machte dem General von Schweiniß, welcher heute St. Petersburg verläßt, zwei srlberne Candelaber zum Geschenk.

Bern, 16. Dezember. (W. T B.) Der Ständerat!) hat das Handelsübereinkommen mit Frankreich ein- timmig genehmigt.

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

Wetterbericht vom 16. Dezember, r Morgens.

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Piccolomini.

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u d M red. in Milli

Wind. Wetter.

[fins . =40R.

Stationen. Sonntag :

Bar. auf 0 Gr. („ Temperatur in Ce 50 C

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Mullagbmore Aberdeen . . Cbristiansund Kopenha en . Stockho m . aranda . O

t.Petersburg SO

Moskau . . . W

C f, ee s- waZu. n. WSW 4xwolkig

C erbour . W bedeckt Ylder. „g. . WNW wolkenlos Lylf . . . . WNW Wolkenll) mburg . . WNW wolkrF _ winemünde halb ed.?) Neufahrwasser bedeckt Memel . . . Nebel

FFW . . . . bedeckt nster . . .

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Karlßruhe . . bedec_k13) Wiesbaden . wolkrF) München .. 770 halb ed.5) Chemnitz . . 765

Berlin . . . 761 Wien . . . . 761 Breslau . . . 758 Ile d'Aix . 773 Nizza . . . . 766 Triest . . . . 765 S

1) Nachts starker Regen. 9) Abends und Nachts Re en. 3) Vorm, Nach111._ Regen. f. egen. 5) Nachts stür111i1ch.

WSW Hbedeckt SW Zwolkig ' W 6|Sch11ee WNW 53heiter stilYNebel 2;S nee 11S nee 1Zbedeckt

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Schauspiel )aus Schiller.

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Vom 22.

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Don Carlos. zember :

zember : 2. Januar: Dienstag, Regen bedeckts) Zbedeckt bedeckt

bedeckt halb bed. 1 wolkig

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Sonntag: Die Montag: Die

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Uebersicht der Witterung.

Das barometrische Maximu111,__welches gesxern über Südwest-Europa_[ag, ha] 11ch nordostwarts weiter ausgebreiZet, wahrend eme Depresswn über Skandinavien lagert ux1d eine neue nordwestliéh von Schottland erschienen ist. entsprechend wehen über Central-Europa lebhafte westliche und nordwestliche Wmde, un_ter de_ren Ein- fluß die Temperatur aUenthalberr gest1egen 1st. _Jn Deuts land iét das Wetter veranderlich und 1n1_1d; fast (1 enthal en ist Re en gefaUen. Ganz Deut1ch- ZUdstistZostsfJD ""i; 1'“ch M ' 't

ro. a '1 as atome 11! e grimum wer er An an 7 Uhr. nach IMU zu verlegen scheint, so durfte demnachst f g x wieder kühlung und Frostwetter zu erwarten sem.

Deutsche Seewarte.

Abends 7? Uhr:

Eleonora Dufe

Volksthümliche obne Aufgeld.

Theater - Anzeigen. Sonnabend :

von L. van Beet oven. Text naeh dem Franzöfischen hm?. Dirtgent: von F. Treitsch e. Dirigent: Kapellmeister ])r. An ang 7 Uhr.

Muck. _ Pramet eus. Mu_fik von Beethoven. Nach einer mytholo ichen Tanzdtchtung E. Taubert's in 2 Acten don __ director Hertel. Anfang 1 Uhr. Müller.

In Vor

S_chauspiekhaus. studirt: Wallenstein's Lager.

Friedrich Von Schiller. Anfang 7 Uhr,

Alessandro Stradella. 3 Acten mit Tanz von Fr. von Flotow. Text Von W. Friedrich. Dirigent: (Ales1_a11dro Stradella: Herr Emil Göhr, Köni lich preußrscher Kammersänger, als Gast.) _ V1) )121': Qasallerja rustioaua. Oper in_ 1 Aufzug v3n Pietro dem gle1chnamigen Velksstück von Vergq. In Scene S onnta _ JéxierereZbZtYFtffleFoneßlaff' DmgenkKapell- Gemma LJeUincioni und Gastspiel Von Frau Moran- Wld ZZUMLÜLU-BUÜ zum 251ahrigen BLÜCHER dLs

_ . 282.Vors?e Tod. Trauerjpiel in 5 Aufzügen Von Friedrich 11011 Anfang 7 Uhr.

Schiller = Cyclus. Donnerstag, 22. Dezember:

ZWÜLYGTZZ'DZKMYT: sKabaÖZ uxtd LLZelZZ. SYM- ag, . ezem er: te co. on ag, . ezem er: 5.) Dienstag, 27., Mittwoch, 28. De: [NYM ck W Wallenstein = Trilogie. 29. Dezember: Maria Stuart. Die Braut von Messina. Die Jungfrau von Orleans. _ 3. Januar: Demetrius. Ykrtfwoch, 4.Ja11uar: Wslhelnl Tell. ZUUl 85 Ykale: Die und Tanz. Ausstattungs BY??? ZJYZJFIZ pferde „Germinal“. _ Auftreten sämmtlicher Kunst-

Deutsrhes Theater. . . specialitäten [. Range". um . Das grandiose Ölnefisch“ elgoland """ oer: bbe und Flut „Großes

Kinder der Excellenz. Anfang 7 Uhr.

Berliner Theater. Sonnabend: Nora. An-

, “' Lhr. 4) Nachm1tt. fa" “[ . - . 1 " * «;, Nachts starker WHFUYJ'UYJYÉW“ 22 W" “Wms CWM Regen. Montag: Nachmittags 21 Uhr: Maria Stuart. Haßreiter.

Wening-Theater. Sonnabend : 14. Gastspielvon

' Direction von Cab. Der LuftdruckVerthUlung dame. Anfana „___ Ubr.

Sonniag: Die Orientreise. Montag: 15. Duse-Abend. Z111111.Ma[e:Odette. Anfang 74 Uhr.

UaUner-Theater. Sonnabend: 47.Gast-Vor„

ck1le MUM noch leichten stellung des Lesfing-Theaters: Der Lebemann. sangspoffe in 3 Couplets theilweise Von

Sonntag : Der Lebemann,

Friedrich - Wilhelmslädtisches Theater.

. . . Die schöne Helena. ÜöUlgllä)? Zrhausplele. Sonnabend: Opern- Operette in 3 Arten von _Mailhac und Hal-Zvy. Der Kerr ottsckuiher vou Ammergau. Ober- haus. 270. VorZeÜung. Fidelio. Oper inLActen Deutsch vort Z. Hopp. Musxk von Jacques Offen- bayeri ches ÖL "

Sonntaß: Diesekbe Vorstellung. ereitung: Der Millioneuonkel. Operette Tanz. mil Graeb. Dirigent: Musik- in Z Acten von Zell und Genée. Mufik von Adolf 73: Uh

281. Vorstellung. Neu ein- Schauspiel in

Schauspiel in 5 Aufzügen Von

Opernhaus. 271. VorsteÜung.

NOMÜUÜsÖS Oper in Alexandre Dumas. J

MUfikdirecwr Wegener. ächste Novität:

Bauern : EhreZ

aScagnk. Text na flöte. AnfanJBU Uhr.

FUZ-rWalleustcin's Olden und Juan Lnria. Umberto Giordano. -

Dezember bis 4. Januar:

_ Donnerstag, Fre1tag, 30. De-

, T). , : ' e .

Turandot.

Sonnabend: Die ÉaßreiteÉ. YFU k von J ouis un 11 . _

Iüdm von Toledo. Ballabile: Ein Drachenfest.

Räuber. 500 __ in 1 ct von HF. Musik Von von A. Braun.

spiel). Anfang 7.1 Uhr.

Von Regel. Mufik Von Mader. Dorf und Stadt.

Flavio Ando. Die Camelien- Treptow.

Sonntag: Dieselbe Vorstellung.

Mannstädt. Musik von G. Steffens. Preise (Parquet2-ié). Vorverkauf ,

Chausseestraße 25. _ Komixcbe schauspielers Max Hofpauer.

olkss

Herr Kapellmeister Jedermann. zügen yon

r. Sonntag: Dieselbe VorsteUung.

Kroll's Theater. Sonnabend: Die Zauber-

orletztes Sonntags - Gastspiel

Dlalu situ. drama in 3 Arten von N. Danuro.

MLUV“: Theater (am Schiffbauerdamm 4/5). Die Räuber. Sonnabend:'Zum 15. Male:Logierbefuch.Schwank Bertha Nagel aus Prag. in 4 Aufzügen Von R. Weber und Max Löwenfeld.

onntag, Nachmittags 22“ Uhr:

-- - _ __ 5) ; ' . Verlangen: handlerm WLW 7 Uhr Durch dw Juten des gesanunfenDamenpersonals. Besonders gewähltes

erso11e11.)_ Das Baby. ÉNovität.) Schwank tänze Von 82 Damen.

Jnscenirt durch _er__r_1_)n. Couplets zug der Leib-Garde-ArtiUerie“.

_ ero Fox, amerikanischer Prestidigitateur (Gast-

(Repertoirestück der Wiener Hofoper.)

In Vorbereitun : Modernes Babylon. Ge- cten von Ed. Jacobson und W.

Thomas-Theater. Alte Jakobstraße N:. 30. _ Sonnabend: Ensemble-Gastspiel der Münchener unter Dtrection des Königlich Bayerischen Hof- Zum 8. Ma1e:

_uck mit Gesgng und Tanz in 5 Auf- udw1g Ganghofer und Hans Neuert. _Mufif von F. M. Yrestele- Die Handlung spielt Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags- m Grasweg und Umge ung. Im 3. Act: Schuhplattl-

Ztther- Soli: Albert Sageser.

Ukslde-Thkatkk. Direction : Sigmund Lauten- [49621] Hohenéouern-Galerie

, , . . : ' " ' ' Acten 1Aufz11g bon Fr1edrrch von SchrÜer. In Scene HUM Sonnabend Denise. SCHUNK)!“ 111 4 . Lehrter Babuho geseßt Vom Ober-Negiffeur Max Grube. _ Die FZAYTTUDFUYYFY YTD)" D€UNch WUEMUW Shuntag: Marquise. Lustspiel in 3 Acten von Victorien Sardou. Deutsch Von Robert Buchholz.

Ykontag: Denise. SchÜUspiCl in 4 AUM Von Am Landes. Ausstellun s' Park (Lehrter Bahnhof)-

_ Familie Potrt - Biquet. Schwank 111 3 Arten 11011 Akexandre Btsson.

1 .“ Sonntags 50 „5. Gr. histor. Rund emälde 1640-4890. Geöffnet 9 Uhr bis nnkelb. Sount. 9_9.

Urania, Anstalt für volksthümlicbe Naturkunde. Geöffnet von 12_11 br.

Concerte.

Concert-Ljaus. Sonnabend, Abends 7 Uhr:

Karl Mehder-Concert. Beethobeu:Feier. 11911 Dienstag, 20. Dezember: Fest- Feier. Souper

Melo: Hanses. _ Abends 8 Uhr. Karten ck 5 ;-1(. im Bureau Mnfik Ven des Hauzes.

Baal Wechslein, Linkstraße 42. Sonnabend, Anfang 7-1 Uhr. Lieder-Abend der Altistin

Circus Menz (Carlstraße.) Sonnabend, Abends

' ' 771 Uhr: Gro c Gala-VorsteUun . Auf vielseitiges DW Liebes AZiederholung der feßlichen VorsteÜung Programm. U. a.: Hippowaischer Congreß mit 36 der bestdressirten Freiheitspferde, vorgeführt vom

Theater Unter den Enden, Sonnabend: Director Franz Renz. _ SL'QÜÜS (JUQÜU'US 116 18- Welt in

Bild 1131110 1591111511011, geritten v_o11 6_ Damen und 6-Herre11. _ Mr. James Fillis m1t dem Schul-

ch1uß' ““ Auf (Mitwirkende: and-, .Wasser- und Y_euer-Schauspiel. ational- eue Einla en, 11. a.: „Auf- roßes Brillant-

Feuerwerk.

Sonntag: 2 gro e Fcst-Vorstellungen. Um 4 Uhr (ein Kind frei): ie lustigen Heidelberger“. Abends

Fries e 8811.

In Vorberextung: Die Sirenen: Uses. Baükt 73; Uhr: Mr- James Filles und ,AUf Hngoland--

horeogr. von

_ Familieu-Nackjrichten. Frl. Annemarie Witte mit Hrn. Refe-

Pastor T. Schmidt (Altona). _ Cin So 11: Hrn. Pastor G. Schneider Statnpen). _ Eine Tochter: Hrn. Pastor aul Boy(Badinge11). _ Hrn. Atttksgerichts-Rath Volkmann (Berlin). _ Hrn. RechtSanrvalt und Notar Zdralek (Kapp).

Gestorben: Fr. Pastor Hildegard Boy, _ eb. Hübener (Badingen). _ Hr. Regierungs-A e or ])r.*]'11r. Ernst Walter (Berlin). _ Fr. erta Gräfin von Reichenbach, geb. von Schlichten ?Caffel). _ Hr. Ober-StabSarzt und Regiments-L rzt 1)1'. Tievenow (Düsseldorf). _ Verw. r. Ober- tribunals-Präsident Isabella von S lieckmann, geb. Freiin Von Manteuffel (Naumburg).

Redacteur: 1)1*. H, K l c e, Director. V e r [ i n:

. . _ Verlobt: mit ihrer Gesellschaft unter der [LHleYYWJXFßYYFFH'MFÄMÉW'wYT Gxeélßexre 1??er Foxx Hlelbl (NFP?)- Ptadouna. Gesangspoffe in 3 Arten von Leon ' l o "e' * rn. Couplets von G. Görß. Musik von G. Steffens. In Scene geseßt von Adolph Ernst.

G. Görß.

Verlag der Expedition (Scholz).

Anstalt, Berlin ZW.. Wilhelmstraße Nr. 32. Sechs Beilagen (einschließlich Börsen-Veilqge).

Anfang

'Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

.I./.“? 298.

Berlin, Freitag, den 16. Dezember

“' 1892.

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Deutsther Reichstag.

16. Sißung vom Donnerstag, 15.Dezember, 12 Uhr.

. Ueber die zunächst auf der TageSOrdnung stehende erste Berathung des_Geseßentwurfs über dre Ersaßvertheilung, an_der stch dre Abgg. Richter, von der Schulenburg und Möller sowie der Königlich bayerische Bevollmächtigte zum BundeSrath General-Ma'or Ritter von .Haa betheiligten und die mit der Ueberweisung es Entwurfs an die éilitärcommission endigte, haben wir bereits in der DonnerStag-Nummer berichtet,

Aus der dann folgenden Fortseßung der ersten Berathung des Entwurfs eines Geseßes über Abänderung“ von Bestimmungen des Strafgeseßbuchs, des Gerichts: verfassungSJescZes und des Geseßes vom 5. April 1888, betre end die unter Ausschluß der Oeffentlichkert statt indendcn GerichtSUerhandlungen (1837 Heinze) haben wir Über die Rede des Abg. O1“. Horwiß gleichfalls Lchon berichtet und fahren nun mit der Rede des Commissars

es Bundesrach Geheimen Ober-Justiz-Raths ])1“. WWW, deren Anfang bereits mitgetheilt ist, fort.

Cornmiffar des BundeHrathSGeheimerOber-Juftiz-Rath 131: L uc as : ZweiPunkte der Rede des Vorredners könne er nicht unwidersprochen lassen. Zunächst die Behauptung, in Preußen würden dre Richter zu Tagelöhnern herabgedräckt, namentlich dUrch das Quantum der 1hr1en im Uebermaß zu etheilten Arbeit._ Die Preußische Regierung habe yon der Ste 11119 und Wirkxamkeit ihrer chhter eine zu Vornehme Auffaséung, als dax; _[ie sie zu Tagelöhnern herabdrücken soÜte. Sie sei estrebk, ihre „[weitslast zu znäßigen im Jnkeresfe einer förderlichen Erledigung der Sache selbst, oweit es die fman- ziellen Verhältnisse zuließen. Ferner habe der_ Vorredner es so dar- estellt, als ob kein innerer An1a€z11 geseßgeberijchem Einschreiten vor- iege, als sei hier ein Gelegen eitsgesetz vorgele 1. Der Staats- secretär des ReickB-Justizamts habe bereits 1111 gewiesen, daß die Mißstände, die im Prozeß Heigze zu Tage getreten seien, fich weit über den Rahmen diefes Prozenes hinaus erstreckten und in empfind- licher Weise fühlbar geworden seien nicht nur 111 Berlin, sondern im ganzen Deutschen Reich. Da habe_ der Gesetz- eber die Pflicht, einznschreiten, und man kbtme ihrn daraus einen Vorwurf machen. In diesem Sinne _hatten alle Völker zu allen*Zeiten Gesetze machen müssen. _Eme gebundene Marschroute für die Bearbeitung dicjes Gesetzes ser durchaus nicht egebcn gewesen. Zwei Svecialbestimmungen des Geseßes seien be- Zonders angegriffen worden, §§ 184. und 1611. Was den_ § 184 an- etreffe, so Werde eine Aenderun des bestehendeg Rechts 111 doppelter Richtung vorgeschlagen. Zunächst soÜte1_1_ gewine Hand1u11gen11nter Strafe. gesteslt werden, die bisher strassrei gekresexi seren, 111811111 ihnen nur die Vorbereitung einer strafbaren Handkung _geyehen wwrdensel. Ueber diesen Punkt werde wohl in der Commisswn eme E_111tgu11g sehr leicht sein, da gewichtige Argume11te_f1'ir _dtese Best1mmung [präcYew Doch seien sie nicht sacrosanct, und d1e Regrerung Werde, 1ve11_11 thr essere Vorsch1äge gemacht würden, gern darauf eingehen. Dte zweite Aenderung solle darin beixehen, daß Schaustellungen bon Ab- bildungen 2c. schon dann zur Strafe herangezogerz werdcwsollten, wenn diese Dinge, ohne gerade jurißisch 11nzüchttg zu sem, doch Aergerniß erregten, indem sie das SchamZefühl verleßten. Daß hierzu ein Bedurfniß Vorlie e, könne man a e Ta e m den_Straße11 Berlins sehen. Man sehe ()J Ansammlungen box? albwr'irhstgen §Yer- sonen vor Schaufenstern, in denen bedenkliche B1 der ausgestelxt se1e11. Diese trügen nicht zur Befriedigung der? kiinstlerisrhen Jutereßcs bet, sondern fte seien nur gennffermaßen Lochögel, eme 111edr1ge Laden- reclame. Es sei in hohem Grade erwünscht, daß dre heranwachsende Jugend vor solchen Dingen bewahrt werde. In klemen St_adten würde fich ein Sturm der Entrüstung dagegen erheben Und dtc Sache würde sofort abgesteüt. Warmn soUe das in der Hauptstadt anders sein? Der Vorredner habe die schwersten Befürchtxmgen wegen der Latitüde dieses GeseYes. Diese Befürcltungen 1e1en 111 hohem Maße übertrieben. Bisher sei es üblich geweéen/ erst dan11___e111z_11sch_rette11, Wenn das Scham: und Sittlichkeitögefiihl m_ geschlechtkcyer Bezwhung gröblich verleht worden sei. Dieser Beweis _werde Von den Gerichten in sehr zahlreichen Faklen vernnxzt. Ob dtese Yraxis Vollständig richtig fei, Wolle er 1_11cht entscheiden.

ber man müsse mit ihr rechnen als_111tt e1_11em_ wesentlrchen Factor, und in die em Punkte liege _e1n_ Bedürfniß zur Um- gestaltung des Gese es. (Eine allgemertz gitlttge_ Gre11z11111e werde_fich freilich mcht ziehen affen, aber die Ntchter Wurdewnn allge111e111e_n bei der Beurtheilung des einzelnen FaUes das_ R1chtt_ge treffen. Sie seien doch gebildete Männer, _die unterschetden konnten, ob ein Kunstintereffe Vor[iege oder cme_sch11bde Rec1a1ne._ Was _den § 1611 betreffe, so legten die Reg1eru_nger_1_auf thn em erhebhches Gewicht und zwar aus dem Grunde, Werl d1e1e Bestimmung getv1sser- maßen in dem Gebäude des Geseßes den Schlußstem b1[de, weil sie dazu bestimmt sei, seine im Übrrgen mehr theoretrschen Vor- schriften in das Praktische zu übersetzew und durch Schaffung emes wwklich wirksamen Strafmittels die Abszchten des Geseßes zur An- wendung zu bringen. Wenn die Mehrhert dtes ablehne und das Gesetz im übrigen annehme, so werde die Fol (: sem, daß fre Bestmz: mungen getroffen habe, die nur auf dem ZÖ.?tdter standen; denn die Strafe, auf die erkannt Werden könne, Wurde den Betroffenen nichtbessern oder abschrecken. Das würde auf dasselbe hinauslaufen, als ob man einen neuen Paragraphen einstelle, der sage: es soll 11n_1ner ruhig weiter fortgefreVelt Werden. Der § 163 vae,_ gegenuber den Leuten ohne Ehrgefiihl, der Strafe ihre Kr_aft un_d_1hren Ernst wiedergeben. Alle raktischen Leute seien sich daryber emig, _ und dre Theorie ehe es me)r und mehr zu, daß die heutigen Freihertsstrafen, namentli die von kurzer Dauer, ihre Wirku_ng ga11z11ch verfehlten, weil fie nicht empfindlich genu ein erichtet seren._W1rk2amkett hatten fie überhaupt nur auf den Theil er Verurtheüten, er noch Ehr- ßefühk befiße. Nun müsse er aÜerdings zugeben, daß,_wchm es nhtHWendig ei, Wandel zu schaffen, und diese Nothwend1gke1t_etne aUgememe _rage berühre, es wünschenswerth sei, die Sache _auf V1€_[ bretterer Va 113 zu kegeln. Das sei aber zur Zeit nicht mögltrh. Erne Remston des ge- sammten gegenwärtigen Strafsystems habe 1a _s on der_StagtHÉecretar als _notthdig anerkannt; auch der preußrs e Justtz-Mimter ser dam1t einverstanden. Aber dre Schwterigketten technischer und fiztanzieaer Natur, die fich dem entgegenstellten, seren so erhebl1ch, dF 5,15 zum Zustandekommen einer aÜgememen gesetzlichen Regelung no 21,11? Reihe von Jahren vergehen könne. Dre Regterung wolle aber mchx das Beffere zum Feinde des Guten machen und 111 _be- schranktem Um*=ang die bessernde Hand anlegen- Es bedurfe ke_1ner Rechtfer1kigung, daß der Entwurf an dre Kappler, Zu- balter u. dergl. mit Strafberschärfungen herantrete. Nu11 ztehe der Entwurf an alle diejenigen Strafthaten _heran, die Von_ be- sonderer Roh eit *und Sittenlofigkeit Zeugmß ablegten. Dreses „Wenter rerfen sei von verschiedenen Seiten getadelt wo_rd6n_, aber auch m dle, em Punkte wolle die Regierung einem BedurÉitß abhelfen, das m1t __der Zeit eradezu ein ßagrantes eworden se1._ te Zahl und Jnxenfitat der rutalitätsdeltcte verme re _ cHuh stettg. „_§n allen Blattern, Versammlungen und Privatgespra en werde daruber _ge- redet, Jeder könne sick? durch Augen chem daVon überzeugen; m_emer MUS hatten neu ich zwei s were Fäkle der Art hmter-

"des ganzen

einander gestanden. Solche FäÜe müßten energisch zur Strafe gezogen werden können. Es sei darauf hingewiesen worden, daß die Bestimmun en des § 163. auch aufPreßdelicte und politische Vergehen würden 11wendu11g finden können. Er g1aube versichern zu können, daß die red11che Absicht der Regierungen dahin ehe, nur die Mißstände zu beseitigen, die er vorher gekennzeichnet abe; an den Politisxben Gefichtspunkt sei nicht gedacht worden. Es sei nicht wahr- schemltch, daß jemandem, der Preßdelicte begehe, eine besondere Rohheit nachzuweisen se1._ In besonderen AuSnahmen könne zwar in_de1n_ gedruckten o_der gesprochenen Wort auch eine besondere Noh- he1_t [regen, also _111 _dresem FaÜ wäre grundsäZlich- bei Preß- deltcten eine Strafverjchärfun nicht angeschloffen. Doch man könne den Richtern zutrauen, da?) sie 0 viel 5011 56118 haben würden, um 1111 einzelnen FaU das Kriterium besonderer Rohheit und Sitten- losigkert festzustellen. Die Regierung werde übrigens bereit sein, wenn in der Commisfion wirkliche Verbesserungen vorgeschlagen werden sollten, daraus einzugehen. Nur bitte er, sich dem Grund- gedanken des § 16 3. wohlwollend geéenüberzustellen, man werde ?611_1_1it der Rechrspflege und dem Vater ande einen erheblichen Dienst ei en.

Abg.Ri11te[en (Centr.):_ Er habe zunächst zu erklären, daß der Abg. Gröber seinen Wrderspruäx gegen die Verweisung des Gesetzes an eine Commission von 21 Mitgliedern aufgegeben habe. Man habe es hier nxcht mit einem Gebegenheitßgesetz zu thun; im Laufe des Lebens traten so manche haßliche Erscheinungen in den Vordergrund, angefichts deren dringende Abhilfe geboren erscheine. Der Vorliegende Gesetzentwurf schaffe Abhilfe und man könne die Materie unmögltch _Verschieben, bis das StrafJ-xselzbuch vollständig rcdigirtsei. Der Abg. Bebel habe. in seiner Rede 11 er den E11twuerer- schiedene Aeußerungen gethan, die man nicht_ unwidersprochen lassen dürfe. Er habe die Frage ausgeworfen, wie „diese armen Wesen“ zu ihrem Beruf kamen, und habe gemeint: „Es ist Ihre erste Aufgabe, dies zu untersuchen und dort den Hebel anz111etzen. Das thnn Sie aber nicht.“ Strafgesetz und christliche Liebe 111üßte11Hand in Hand gehen. Man habe es 1111 ReichstaY nicht mit den Werken der christlichen Liebe zu thun, sondern mit em pdlitixchen Leben, mit dem äußeren Zustand der bürgerlichen Gese111chast_. Das Christenthmn sorge auf seinem Gebiet,_ der Staat müße auf dem seinigen sorgen. Daher müsse man em Gesetz haben, das represfib wirke, wo die Heil- miktei der Kirche 11icht aushülfen. Aber dl? Geje gebung dürfe nicht, wie es bisher vielfach in wesentlichen Punkten ges ehen sei, die christ- liche Kirche in ihrem Wirken u11terbinden_1111d hemmen, sondern sie müsse dafür sorgen, daß die Kirche fret 1_hre Kräste entfalten könne. Dann Werde fie heilsam wirken und _e1_11e große Anzahl bon Uebelständen, die man heute bexkage, bese1t1e11._ Gerade auch aus dem Gebiet der Schule müne die Kirche rerheif haben; die Schule habe Vieles verdorben. _ Dre Ge engbung 111Ü1se die- jenigen «Hemmnisie hinwe räumen, dre der AUF reitung der kathrlischen Orden entgegenständen. ebe man d1e Orden fret, ganz frei, dann werde man Abhilfe auf vielen Gebieten haben. Der Abg. Träger habe die Definition des Wortes „Unfittlxch“ Verlangt. Er (Redner) bitte ihn, einen Paragraphen de_s Strasgeseßbuches zU11e11ne11, der eine Definition enthalte; auch die Beleidigung kb1111e nicht definirt Werden. Daß es Annoncen gebe, d1e des Schamgefühl in stem Grade berührten, könne auch der Ab .Trager nicht leugnen. Au hier müsse Abhilfe geschaffen werden. S agsteUungen seien zu1veilen ganz harmlos angekündigt,die_Aussührun getchehe aber in einer Weise, die geradezu ein Skandal set. Die „S ,öne Helrna“ 11011 Offenbach könne z. B. in einer Weise aufgeführt werden, daß eme Dame nichthineingehen könne. Die Jugend gehe gerade zu_so[chcn Statten und werde dort verdorben. r wünsche, daß es 111 der Commiffion gelingen möchte, Bestimmungen zu finden, wonach auch derartige Theater- Vorstellungen und Schaustellungetr rrnter S_traxe gestellt werden könnten, die das Scham- und Srttkrchkewsgesühl Verlerzren. Die sogenannte Humanität sei, wie er aus ferner _amxlichen Thätigkeit wisse, in höchstem Grade Verkehrx, d1e Bestimmungen über Strafberschärfung seien daher voüftandig gerechtxerttgt. _ _Er sei jedoch mit dem L_lbg. Gröber der Me111m1g, daß d1ese Befttmmungen in das Strafge]e?buch eingefügt Werden müßten, und nicht der richterlichen Entscheidung reie Zandgelaffen werden dürfe. Bei Berathung des Gese es über den trawoÜzug kömze man hierauf Rückxicht nehmen. Die estimmnngen richteten sich kerneswegs nur gegew die unteren Stände. Ein gerechter Richter werde fich der Sfrafberjchärfung auch bei Personen aus den gebildeten Sthden mcht widerseiZen. Wenn sich Personen aus höheren Standen leicht ein ärzt- liches Attest beschaffen könnten, so möge man bestimmen, daß ein solches Von dem AnstaltSarzt auögesteüt_ Werden müsse. Die Strafbers ärfung sei dem Abg. Trager eme Etappe znr Prügelstrafe. _9 [[erdin (“ führe der Zug _der _Zett zu der Meinung, daß für gewis1e Verge en die Prügelstrafe dre aÜein richtige Strafe sei. So Mancher bekehre sich jetzt dazu, der früher ein Gegner der ?)rügelstrafe gewesen sei. Im Jahre 1868,_ kurz nach Aufhebun der örperlichen Züchtigun in Strafans-takten, 161 es borgekommen, daS ein junger Bursche im efängniß Tag und Nach1_ eschrieen und dem Aufseher gesagt habe: „Prügeln kannst Du 11_1i_ch 11th1, ich bleibe dabei.“ Nachdem er es mehrere Tage so getrieben, 1er er durch ein paar Ohr- feigen zur Ruhe gebracht. Den Abg. Bebel bitte er zu sa en, aus welcher StelXe der Motwe fich ergebe, da? eine Kasernirung der Prostitution beabs1ch111Zt sei. Er ZRedner könne eine solche Stelle nicht finden. Der ? bg. Bebel ha e ferner gemeint, die Prostitution sei entstandey, (1113 das E1genthum_ ent- standen sei. Die Herren sprächen so 13161 _vvn ihrer socialistischen Gesellschaftsordnung, cxte soÜten aber doch emmal darstellen, wieder socialistische Staat st in aUen Consequenzen gestalte, ob mit ferner Einführung auch die Prostitutiorz besettt t werde. _ Einer der ermd- gedanken in diesem socialisttschen taat set die fre1e_L1e_be. Diese führe aber in ihrer Consequenz zur Prostttutwn

weiblichen Geschlechts. Wenn. der Ab ._Bebel

egen den pcrsönlrchen Gott und die Unsterbxickaeit der

eele eifere, wo finde er dann die Grundlage fÜr _setne Moral?

Wenn der Abg. Bebel meine, die Proß_1tutionsollezu eme): staqtlichen

Jnstitutidn gemacht werden, wie die_K1rche, so habe er dre he1ligst_en

Gefühle eines großen Theiles des Reichstages damit verkehr; derartige Aeußerungen sollte man hter weglassen. _ _

Abg. Hahn (deuts cons.): Den Slandpunkt semer Partei zu der Vorlage habe neuli schon der Abg. von___„§)olleufer dargelegt. Sie wolle durch die (Heseßgebung de11_Auswu sen entgegentreten, die das Volk in gefährlicher Weise _verg_1fteten, _ und stelle fich daher auf den Boden der Vorlage. Nur 111 einem wrchtigen Punkt WetYe er von dem Abg. von Holleufer ab. Der Abg. _von Holleufer ha e das Cinverständniß der Mehrheit der Fraetwn danztt _betont, daß die Vorlage den Polizeibehörden d1e_ Möglichkeit zur Kasernirung der Prostitution gebe. Er habe daher„mcht die schweren ethischen Bedenken ge en eine solche Maßnahme verkcrnnt, aber gemeint, daß noch größer als iese Bedenken der Schaden sei, der_ dem Volke bei dem 'eßigen Zustande zu efügt werde. Er (Redner)_ meme dagegen, daß die ßchweren ethischen 5 edenken ge en d1e Kasermrung we1t mehr ins Gewicht fielen. als irgend wel e prakt1schen_Rückfichte_n, dre zu ihrer Begründung angeführt werden könnten. Du: zur Zett des Heinze-Prozeskes tagende evangelische General ynode, der er m1t acht anderen Mitg iedern des Reichstages an ehört abe, habeam 2. Dezember 1891 einstimmeeschxossexx: „Dur den ebangel_1schenOber-Kirchen- rath an Seine ajestat dte ehrfurchtsvoUe Bitte zu ruhten, es

*die mit Prostituirten verkehrten?

mbge Jhm_als Schuss- und Schirmhexrn unserer evangelischen Kirche _;esallen, ber den zum Zweck der Bekampfung der Prostitution zu

affenden Entschließungen solche Maßnghmen abzuwehren, welche eine

Verwwrung der fittl1ch=religi_ö|en AnychauunYn unseres «istlicben

Volkes zur_Folge h_aben müßten.“ Nach der » egründung defes Be-

schlusses sei unter wlchen Maßnahnzen dieKasernirurig der Prostitution

311 Verstehen gewesen. Erhalte an dresem Beschluß fest. Vom strafrecht-

ltchen und eth1|_chen Standpu11kt_sei_es nicht unbedenklich, daß das

Strafgesexzbuch 1111 § 163,6 an_s1§h_1trafbare Handlungen als straflos h11_1ste[le_ Wenn fie unter polizetlicher Duldung geschähe". Dies

musse_d1e Rechtöanjchauun en des_ Volkes verwirren, und man sollte“ auf eme Abänderung dießer Bestimmung Bedacht nehmen, anstatt

fie noch zu erwertern, wie es die Vorla e thue. Der Sfaatésecretär

des Reichs-melzgmts habe _allerdings be?tritte11, daß die Zulassung

der_ Tyleranzhauxer beabfich11gt sei; die Fassung des Gesehenfwurfs

las1e e_me solche Annahme aber zu, Seine Parkei hoffe, daß die

Commrsswn dem Entwurf eme Gestaltung geben werde, die solche

Bedenken ausschließe.

Abg. Dr. Piesrhel é11l.):_ Er erkenne die Nothwendigkeik der Vor- lczge nach den Ersahrun err 1einer a111t1icbe11 Praxis an. Sie sei xncht nur durch den Fakl _emze und die Znstände in Berlin begründet, 1_ondern quel) d1_11*ch die Zustände (_111 vielen anderen Orten. Wenn man steh amtlich m1t den Dingen befrhäftige, sehe man in einen Abgrund von Elend und Verderbtheit, wie man es sich nicht schlimmer Vor- stellen könne. Der Abg. Bebel habe Recht, die erste Wahr- neh11_1ung sei die eines _grenzenlosen E1e11ds. Die Pro- stitmrten seien_hc"111fig ohm? eigenes Verschulden, vielmehr durch die Schuld der Männer zu d1ese111 Erwerbe gekommen. Die Zuhälter seten nicht immer einf_ach axs Kuppler zu fassen, denn in den äußeren .Pandhmgen, die für die Feststeüung des Tharbestandex? wichtig seien, _Unterjcherde 1111) der Zuhälter “oom Kappler so wesentlich, daß es 111 der Praxrs außerordentlich schwer sei, ihn zu bestrafen. Immer- hin sei die Vorlage eine 19.11 3110513115. und man dürfe dhshakb nicht 11) Weitgehende Bestimmungen machen, wie der Entwurf wolle. Wenn man nicht [115 zur Rege1u11g des Straf- O_ollzuges _ wagten one, dann sollte man wenigstens dle S+rasber1charf1mg in ei11e1_n_ besonderen Geseße ordnen. Der Abg. Bebel meme, die Prostrrution existire erst, seitdem es Pribatetgenthum gebe. Allerdings habe es nicht immer Privatci en- thum gegeben, aber das Streben nach Besitz, nach Eigenthum iege in der Natur eines jeden Mensck)en_begründe1. Weit im Vr1ke sei die Ueberzeugung verbreitet, daß der xocialdemvkratisckye Staat auf der aÜgemeinen Theihmg des Eigenthums ber11he.'Redner wendet sich schließ1ich noch _gegen einige 1reitere_ Ansführungen des Abg. Bebek bleibt aber aus der Tribüne Unverständlich, weil er sich 1111r den Socialdemokraten zu1vendet und der Tribüne den Rücken kehrt.

Abg. Stadthagen (Soc.):_ Das Böseste, was der Heinze- Yrozeß zu Tage gesörderf habe, set die Thatsache ewesen, daß die

olizei die Zuhälter Und Dirxzen als Zuträger 11in geglaubt habe entbehren 511 können, 1111d gegen diese Zuhälter 11. s. w. werde 111111 eine Vorlage gerichtet. EH ware gut ewesen, Wenn die Reichéregierung den Reichstag iiber die1e11 inneren iderspruch aufgekiärk hätte. Für die uhälter werde_niema11d einfreken, sie seien der Abschaum der Ge- seÜs aft, _aber sie 1eie11 dcr _Abschaum erst geworden durch die heutige Gesellscsyastsordnang. Ge1v1s1e Locale diirften Von Damen ohne Herrenbegleitung nicht betreten werden._ Solche Reglements srhafften direct die uhälterei. So [ange die Prostitution bestehe, werde auch das Zuhältertuun bestehen. _Wolle --1na11 die Prostitution eindämmen, so möge man den Arberterinnen lohnende Arbeit schaffen, Vor aslem sorge man dafür, daß die freie Bejvegung der Frauen, ihr CoalitionSrecht zUr Err1_ngu11g besserer Arbeirsbedißgungen nicht erschwert werde. Wo die Arberterinpen 1ich regten, um ihre Lohnverhältnisse zu verbes1er11,_da111it fre mehr der Prostitution in die Arme fieken, da werde die Beweguyg 13011 der Polizei unterdrückt. Man sage, die Kasernirung der Prostitution werde nicht beabsichtigt. Man sollte doch nicht wie _die Kaye um den heißen Brei herumgehen. Man der- suche in gewiffen Zeiträumen nnmer wieder die 11iittelalter1iche11 Bordelle ernzurwhten. In Hamburg beständen die Bordelle heute noch, trotZdem man allgemein angenomnwn habe, daß fie dureh das Srrafgesexzbuch abgeschafft seien. In den Morihen werde sogar ansdrückltch gesagt, das; gewisse Personen ohne die Bei- hilfe der Prostituirten nicht [eben kbnyten; es heiße in den Mdtiven: „Es würde gegen d1e BiUrgkeit verstoßen, hilfsbedürftige, Nächste An- gehörige, wie etwa den Franken, erwerbslosen Vater oder Sohn mik der Strafe des Zuhalters zu belegen. In FäUen dieser Art enthält die Annahme bon Zuwendungen _nicht das Schimpfliche der Freiwilligkeit und der nwralischen Theilnahme an dem Laster, sondern 11e wird mehr von der Noth und den Umständen aufgezWUngen.“ Wenn die Zuhälter aTZ Kappler bestraft würden, weshalb würden nicht die Männer bestraft, die zur KUPPeLer Verleiteten, diejenigen Personen, _ Besonders merkwürdig sei es, die Mädchen genb'ßen, die zur Prostitution gezwungen werden so ten. Schrtste11u11dBildwerke sollte11.strafbar sein, wenn sie Aergerni zu erregen geeignet seien. Die Bibel ent- halte eine Menge sol er SteUen, _an welche diese Worte paßten, und die gebe man den Kmdern 111 die Hande und lasse vie1es daraus auswendig lernen. Das Vertrauen_ zu den Richtern habe hiermit nichts zu thun. Ihr Studium hatten fie ja absolvirt, aber Literaturkenntniffe besäßen s1e n1cht, dazu hätten sie keine Zeit. Wenn ihnen ihr Amt noch Zeit lasse, dann erwicjen sie sich möglichst als Streber, aber _zur Bereicheru11g_ ihrer Literaturkenntniffe hätten sie keine Ze1t. Es sei _em trauriges Brandmal, das die GeseUschaftSordmmg 1ch selbst ausdrücke, daß ohne Prostitution ein roßer Theil _der Men chen nicht mehr leben könne. Der Aus- schlu der Oeffentbxhkeit _beim GertchtZVerfahren ZZ seFr bedenklich. Nicht_ derjenige schadi e dre AÜgemeinheit, der die ahr eit age und Mißstände aufdecke, ondern derjeni e, der die Wahrheit erberge, die Aufdeckung von Mißständen ver mdere. So wie der Gesetz- entwurf vorliege, sei er unannehmbar.

Commi ar des Bundesraths Geheimer Ober-Re ierungs-Rath v o n Leuthe: er Bundesratk) habe sich mit dem * orredncr auf den Standpunkt gesteUf, daß Bordelle ni tgestattet seien. Werxn der Vorredner trotzdem behaupte, daß in ambur Bordelle bestanden, so stehe das 111 Widers ruck) m1t den an1t1ic§en Mittheilungen des Hamburger Senats. enn die Prostiturrten 111 Hamburg in estimmten Straßen wvhnten, so beruhe das auf emer An- ordnung des Senats, wonach sie 111 anderen Straßen nicht wohnen dürften. Das sei etwas_ ganz Anderes, als dre Concesfionirung von Bordellen. Dre Aenderung des § 180 sci namentlich Von den ZauSeigenthümern verlangt worden; es sei notHWendi, fie Vor der estrafung_als Kappler _zu schützen, wenn sie ohne i r Wissen Prostituirte in tbr_Haus aufnahmen. Dagegen e er Einspruch erheben, dgß die Richter nur Streber_seie11. Die Urt eile der NMZter unterlagen _der Prüfung durch dre höheren Gerichte. Wenn te dort für r1cht1g_befunden würden, so gebe ihm das mehr Vertrauen zu ihnen als die Beurthetlung durch den Ab . Stadthagen. Solche Aeußerungen seten in diesem Saale um ?o weni er an ebracht, als es sich dabei um Landesbehörden und nicht um eichs ehörden handele. _

Abg. Bebel: Auf die Frage, wie seine Parteifick) die GeseUschaft ohne Prostitution denke, _könne er b1er nicht eingehen einmal, Weil ihm der Präsident das 111cht gestatten würde; dann aber sei er fest davon überzeugt, daß seine Ausführungen mcht auf einen fruchtbaren

welchen geringen Schu