Personalberänderungeu.
Königlich Sächsische Armee.
Evangelische Militärgeisiliche. Durch Allerböcbsten Beschluß. Den 11. Oktober. Schulze, Militäroberpfarrer beim le.
(2. K. S.) Armeekorps, Standort Leipzi . auf seinen Antrag unterm 1. Nodember d. I. mit Penfion in den uhestand verseßt.
Durch Verfügung des Kriegöministeriums. Den 16. Oktober. Dr. Wolf, Div. Pfarrer bei der 2. Div. Nr. 24, Standort Leipzig, auf seinen Antrag unterm 1. Ianuae 1913 mit Pension in den Ruhestand versetzt.
Beamte der Militärverwaltung. Durch Verfügung des KriegSministeriums.
Den 11. Oktober. Wangemann, Unterapotheker der Res. im Landw. Bezirk 11 Dresden, zum Oberapotbeker der Res. befördert. Foerts ch, Oberapotheker der Landw. 1. Aufgebots im Landw. Bezirk ZyliebmbißKlé'eliÜs Ueberiührung zum Landsturm 2. Aufgebots der Ab-
e ew lg . „ ,
Den 14. Oktober. Zs ch'erp, Geheimer Rechnungskat, Geheimer expedisrender Sekretär im Kriegßministerium, auf seinen Antrag unterm ]. Januar 1913 mit Pension in den Ruhestand versetzt.
Königreich Preußen.
Seine Majestät der König haben Aliergnädigst geruht: den Katasterinspekioren Loy in Alienstein, Maurer in Amtsberg, Heilandt in Merseburg und Boedecker in Frankfurt a. O. den Charakter als Steuerrat zu verleihen sowie der Wahl des bisherigen Leiters der in der Entwicklung begriffenen Realschule in Barth, Oberlehrers Dr. Franz Ost zutnxl Direktor dieser Anstalt die Allerhöchste Bestätigung zu er et en.
SeineMajestät der König haben Aliergnädigst geruht:
dem Hofapotheker Dr. Johannes Hörmann in Berlin
anläßlich seines Ausscheidens aus dem Dienst den Charakter als Medizinalrat zu verleihen.
Seine Majestät der König haben Aliergnädigst geruht: dem Kaufmann Karl Glaeser in Charlottenburg den Charakter als Kommerzienrat zu verleihen.
Iustizministerium.
Dem AmiéderichtSrat, Geheimen Justizrat Reinking in Hannover, dem LandgerichiSrat Bastian in Altona, den AthgeriMsräten Kölle in Euskirchen und Herz in Kiel ist die nachgesuchte DienstenilaffUng mit Pension erteilt.
Dem Notar Plato in Treuenbrießen ist der Amtssiß in Schlawe angewiesen worden.
In der Liste der Rechtsauwälfe find gelöscht die Rechts- anwälte: Justizrat Miiller bei dem Amthericht in Schlawe und dem Landgericht in Stolp, Justizrat Hertel bei dem Amthgericht in Hermsdorf u. K., Dr. Schocks bei dem Land- gericht in Cassel, Dr. Marxheimer Und Dr. Hpoack) bei dem Landgericht in Frankfurt a. M.
In die Liste der Rechicsanwälte sind eingetragen die Rechts- artwälte: Engels aus Weßlar und Köhrmann (mH Cöln bei dem Oberlandecdericht in Düsseldorf, Dr. Marxheimer und Dr. Hosbach vom Landgericht in Frankfurt a. M. bei dem OberlandeeZ-gericht daselbst, Dr. Griihl cms Ohligs bei dem AmtéZ-gericht und *dem Landgericht in Diisseldorf, Spieß aus Koblenz dri dem Amtsgericht und dém Landgericht in Wies- baden und Plaid aus Treuenbrießen bei dem AintSJericht in Schlawe, der frühere Recht-Zanwalt Gideon H ahn bei dem Amtes- gericht in Sontra, die (HerichiSaffsfforen: Dr. WachéI-ner bei dem Kammergericht, Dr. Feld, Möhle und Friß Schumann bei dem Landgericht ] in Berlin, Dr. Bodenheim bei dem Amthericht und demLandgericht in Cöln, Oidimann bei dem Amttdericht und dem Landgericht in Diisseldorf, Kaschau bei dem Amtédericht und dem Landgericht in Wietsbaden, Dr. Haarmann bei dem Amt§gerichi Und dem Landgericht in Hagen, Wrobel bei dem Amtkzgericht in Labiau, Jenrici) bei dem AmtherickU in Wolmirstrdt und der frühere Gericht:")- affeffor, RegiErUngsasseffor a. D. Dr. Oberwinter bei dem OberlandeSgericht in Frankfurt a. M. '
Der Landgericthdirektor Dr. Kauß in Duisburg und der Neschléöanwalt und Notar, Justizrat Schönborn in Berlin sind ge wr en.
Ministerium der geistlichen und Unterrichts- angelege-Ubeiten.
Dem Privatdozenten in der Medizinischen Fakultät der
Universität zu Königsberg Dr. Kurt Goldstein ist daß Prädikat Professor beigelegt worden.
Bekanntmachung.
Gemäß § 46 des Kommunalabgabegeseßes vom 14. Juli 1893 ((H.-S. S. 153) wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das im Jahre 1912 kommunalabgabepflichtige Rein- einkommen aus dem Betriebe der Brohltal-Eisenbahn- gesellschaft im Jahre 1911 auf 27 750 «Fl- festgesteUt worden ist.
Cöln, den 23. Oktober 1912.
Der Königliche Eisenbahnkommissar. J. " Riesen.
Bekanntmachung.
Fiir die Turnlehrerpriifung in der Provinz Pommern, welche im Jahre 191.3 in Greifswald statt- -findet, ist Termin auf den 17. bis 19. März 1913 an- beraumt.
Zur Prüfung werden zugelassen: 3. Bewerber, welche bereits die Befähigung zur Erteilung von Schulunterricht vor- schriftsmäßig erworben haben, 1). Studierende.
Meldungen der in einem Lehramt stehenden Bewerber sind durch Vermittlung der vorgeseßten Dienstbehörde, Meldungen anderer Bewerber unmittelbar bei uns bis zum 15. Januar 1913 einzureichen.
Der Meldung sind beizufügen: 1) der Geburrsschein, 2) der Lebenslauf, auf dessen Titelblatt der vollständige
Name, der GeburtSort, das Alter, die Konfesfion, der, Wahr)- ort und die Wohnung des Bewerbers anzugeben ist, 3) em ärztliches GesundheitßzeUJnis, 4) ein XUJnis über die erwor- bene Lehrerbildung und ie seitherige ir samkeit als Lehrer, 5) ein Zeugnis über die erlangte turnerische Yigkeil und die sonstige Ausbildung für die Prüfung. - "r Studierende tritt an Stel1e des unter4 genannten Zeugnisses ein akademisches Sittenzeugnis.
Die Prüfung wird nach der von uns durch die Amts- blätter der Königlichen Re ierung in Stettin, Köslin und Stralsund veröffentlichten rüfungßordnung für Turnlehrer vom 9. Juli 1900 abgehalten werden.
Im Anschluß an die Turnlehrerprüfung finden auch Schwimmlehrerprüfungen statt, und zwar:
in Greifswald, ungefähr am 1. und 2. August 1913, in Stettin, gegen Mitte August 1913, in Stettin jedoch nur für solche Bewerber, welche die Turn- lehrerprüfung in Pommern vorschri tSMäßig bestanden haben.
Diese Prüfungen werden na dem Nachfrage vom 25. September 1905 zur Prüfungöordnung für Turnlehrer abgehalten werden.
Die Anmeldung zu den Schwimmlehrerprüfungen hat bis zum 1. Juli 1913 unter EinLendung des Zeugnisses über die bestandene Turnlehrerprüfung ei uns zu erfolgen.
Abdrücke der PrüfungSordnungen werden den Bewerbern auf Antrag zugefertigt werden.
Stettin, den 9. Oktober 1912.
Königliches Provinzialschulkoliegium. J. A.: Friedel.
Yiehfamtliehes.
Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 26. Oktober 1912.
Die vereinigten Ausschüsse des VundeSrats für Zuli- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr, der Ausschuß für Zoll- und Steuerwe en sowie die vereinigten Ausschüsse fiir Zoll: und Steuerwesen und für Justizwesen hielten heute Sißungen.
Am 24. Oktober starb nach schwerer Krankheit im Alter von 47 Jahren der ständige HilfSarbeiter des Reich§bank- direktoriums, Kaiserliche Bankdirektor Paul Weinert. Er stand seit 1889 im Reichsbankdienst, war von 1897 an als Kassier bei drr Reichshauptbank, dann als Bankvorstand in Hirschberg, demnächst als zweiter Vorstandsbeamter der Rei Hbankstellen in Frankfurt a. O. und Görliß und seit 1910 im Reichsbankdirekiorium tätig. Die Reichsbank verliert in ihm einen ausgezeichneten Beamten von großer Begabung und musterhafter Pflichttreue und einen aligemein geschäßten und beiixbten Kollegen, deffen allzufrühes Hinscheiden tief beklagt mtr .
Laut Meldung des „W-Le' B.“ sind am 24. d. M. S. M. S. „Seead "F,“ PZM to Amelia (Mozambique), das Geschwader-Jegl ' i' “I;? „ . ania“ mit dem Chef des Kreuzergeschwaderß in Taktsa () S. M. Flußkbt. „Vaterland“ in Kiukiang (Yangtse) eingetroffen.
Bayern.
In der gestrigen_SiZur_rg der Kammer der Abgeord- neten gab der Ministerpräiideni Freihrrr von Hertling artf eine sozialdemokraiische Interpeliatton eme Erklärung ab, 111 der er laut Bericht des „W. T. B.“ 11. a. sagte:
Die bayerische_ Regierung hat nicbt Anlaß genommen, den BundesrarSausickyuß fiir die auswärtigen Angelegen- heiten einzuberufen. Das Haus wird niit nnr in der Anschaunng übereinstimmen, das; angesichts der Vorgange auf dem Balkan fiir die Regierung äußerste Zurückhaltung in der Darlegung der Momente geboten ist, die uns bestimmsn, Von einer Anregung zum Zusammrntritt drs Bundeßratöaudschuffes abzusehen. Uiid ich glaube, 66 liegt im Inter- esse des R€ichs, nicht minder aber auch im Interesse des Ansehens des bayerischen Landtages, wenn wir bist nicht der parlamenrqriichen Instanz Vorgreifen, die für die Besprrrhung der „deutschen auswärtigen Politik an erster Stelle berufen i_md zustandtg ist, nämlich dem Deutschn Reichstag. Die Zweckbestimmung des. achten Bunderats- auxschuffes ist es nicht, daß beim Eintritt jeder internationalen Ver- wicklung die Forderung nach dem Zuiammcntritt des auswärrigrn Ausschusses crboben wird. Nicht nur, daß eine durch nichts der- anlaßte Beurrubigung der öffentlichen Mrinung eintreten müßte, wollte der Ausschuß in dicsem Augenblick sich drrsammeln, sondern es würde auch dcr Anschein entstebrn, als gkbrecbe es der außwäriigpn Politik drs Deutschen Reiches an jener unbeirrbaren Einbeitlichkrit und Zielbewvßtbeit, die eines großen und mächtigen Volkrs allein würdig ist. Die Regierung hat, und'biermit komme ich zur zwriien Frage der Intexv'eliati'on, auch keine Schritte zur Einberufung des Reickydtagcs getan. Die Crnbrrusung des Reichs- tages steht nach der Rsickysvérfaffung dem Kaiser zu, und das Urteil darüber, ob es den Intrreffen des Reiches angemkffrn und nüßiici), ob es für unsere auswärtigen Beziehungen erwümckyt oder auch nur förderlich ist, daß die internatioriale „Lage im Rriclystage erörtert Werde, kann nur der Rerckydlertung zustehen, die allein imstande ist, sämtliche für einen solchenn Entschluß in Betracht kommknden Momente gegrneinander abzuwagen, Ick möchte aber trdydem den Anlaß dieser Interpeilation benutzen, um nach einer anderen Richtung hin einige Worte; der Aufklärung zu geben. Ich babe Von der Notwendigkeit der EinbeiiliYeit und Bestimmtheit unsrrer Ausmndrpolitik gesprochen. aß die Retchs1€itung die Jntereffen des Deutschrn NLLchLJ soweit solche bei der gegenwärxigen Balkankrise in Betracht kommen mit dieser Bestimmtheit , wabrt, daß „fie im Ver- ein mit drn übrigen Großmächten aufrichtig rind energisch bemüht ist, den im Orient aufgeflammten Brand auf seinen'Herd zu bsscbränkcn und seinem Uebergreif-n auf das Gebiet drr wtcktigsten Interessen Europas vorzubeugen, dafür haben wir, ich moapte dies brtonen, dank der vertraulichen Mitteilungen, die uns über all? Pbaien der Ereigniffe am Balkan aus Berlin gegenwärtig zugeben, dre _thrgscbaft der eigenen U- berzeugung. Es gereicht mir zur (Genugtuurxnxa ich halte es für meine
flieht, an dieser Stelle ausdrücklich zu e aten, daf; wederiür die
aktoren, die unxere öffentliche Meinung, noch für jene, die unser
wirtschaftliches Le en bestimmend beeinflussen, Anlaß zu jrner Unruhe und zu jenem Pessimismus gegeben ist_, wie sie bedauerlicherweise in der jün sten und alierjüngsten Zeit in der Beurteilung der inter- nationa?e*n Lage an unseren Börsen urid in unserer Preffe fich virlfach wabrnsbmen ließen. Wir können, meme Herren, da.““ Voile Vertraaen haben, daß das Deutsche Reich das kawbt an Macht und Einfiuß, das die wirtschaftliche und politische Entwickluna von vier Jahrzehnten ibm erworben haben, nicht Vergebens in die Wagscbale dcs Friedkns learn wird, an dessen Aufreclpterbaltung alie Großmächte überein- stimmend das größte Interesse haben.
An die Erklärung schloß sich eine kurze Debatte an.
'du-rcbzdg,_ als die Botschaft aus crufen
Der Abg. Lerno (Zentr. erklärte namens, seeinex politischen Freunde, daß sie von den Er lärungen des Ministerprasidenten be- friedi t seien. - Der Abg. Dr. Ca s s e im an n (lid.) führte aus, die Politik des eutschen Reiches solle nicht ohne die deutsche Volksvertretung gemacht werden. Ob heute ein Bedürfnis zur Einberufung d&g Reichstags bestehe, sei eine andere Frage. Jndeffen könne er die Gründe, die der Ministerpräsident für dre Nichteinberufung de_s Aus- schusses für auSwärtige Angelegenheiten angeführt habe, als ent- scheidend nicht anerkennen. Wenn dieser Ausschuß noch eine Bedeu- tung haben solle, so sei gerade im cLegenwättigen Moment Feine Be- rufung am Plaße. - Der Abg. Be (kons.) erklärte, daß seine Partei keinen Anlaß habe, in eine längere Besprechung einzutreten. - Der Abg. Müller (Soz.) sagte, er sei mit der Beantwortung, der Inter- pellation nicht ganz einverstanden. Er müffe aber von seiner Forde. rung der Einberufung des Ausschusses für auswartige Angelegenheiten und des Reichstags zur Zeit absehen, weil die Mebrbeitdparteien doch unter allen Umständen die Ansicht des Ministerpräsidenten unter.
stützten. Sachseu-Weimar.
Gestern nachmittag hat im Großherzoglichen Schlosse in Weimar die Taufe, Seiner Königlichen Hoheit des Erbgroßher ogs m Gegenwart der hohen Eltern des Täuflings, Jbrer Majestäten des Kaisers, der Kaiserin und des Königs von Sachsen, Ihrer Königlichen Hoheit der Groß- herzogin Marie von Mecklenburg, Ihrer Hoheiten des Herzogs und der Herzogin Johann Albrecht zu Mecklenburg, “des Erb- prinzen von Sachsen-Meiningen und anderer Fürstlichkeiten stattgefunden. Der Oberhofpredi er 1). Spinner taufte den Erbgroßherzog auf die Namen tlhelm Ernst Carl August ("riedrich Georg Johann Albrecht mit den) Rufygmen Carl
ugust. Nach der TauZe war Gratulationsdeftltercour und darauf Galatafel im Wei e_n Saal, zu der auch die Spißen der Behörden und das Präsidium de§ andtirgs geladen waren. Bei der Tafel brachte Seine Kötztgltche Hoheit der Großherzog Wilhelm Ernst, mie „W. T. B.“ meldet, folgenden Trinkspruch aus:
Meiner (Gemahlin und Mir ist es ein Herzensbedürfnis, einem jedsn, der an dem heutigen Ereignis Anteil genommen, Unseren innigsten Dank auszusprechen. Cure Kaiserlichen und Königlichen Maiesiäten haben geruht, bei Unserem erstgeborenen Sohn PatensteÜS zu übIrnebmen und damit dersehon oft aezeiglen freundlichen Gesinnung Unserem Hause gegenüber don neuem AuSdruck zu geben. Möge die Anwesenheit des Deutschen Kaiserpaares für Unseren Sobn späterbin ein Ansporn sein, stets fich seiner Filtcbi“ als deutscher Fürst bewußt zu sein. Wir Eltern aber werden i n dazu erziehen, daß er stets seine Pflicht dem roßen Vaterlande gegenüber erfüUt. Seine Majestät der König don Éaäosrn bat ebenfalis gerubt, bier"zu erscheinen. Wir danken Eurer Majestät (ruf das Herzlichste dafur und Werden Uns Jets bemühen, die freund1chaftlichen Beziehungen zu dem Königlichen Hanse Sachsen aufrechtzuerbalten. Wir danken allen_ lieben Ver- wandten, die so weit hergekommen find, um dieses Fest mit Uns zu feiern. Wir gedenken Ihrer Majestät der Königin der Nisderlande, die auch die Güte gehabt hat, bei Unserem Erben Patenstelle zu über- nehmen, ebenso wie Seiner Hoheit des Herzogs Von Meiningen, der durch sein hohes Alter leider vrrbindert ist, heute Hier zu er- sch2inen, und bitten Seine Hoheit den Erbprinzen, ibm Unseren hcrz- liebsten Dank zu Übrrmitteln für die stets brwiefene Teilnahme an Unserem Geschick. Wir begrüßen die Vertreter Unseres Landes und freuen Uns. daß sie Zeugen Unseres Glückes find. Wir erbebrn Unsere Gläser und trinken auf das" Wohl Unserer (Göfis. Jbre Kaiserlichen und Königlichen Piajksiaten, der Deutsche Kaiser, die Kaiserin, der Könié Von Sachsen, (198 Unsere lieben Verwandten und Fürstlichen Gäste eben hoch!
In Erwiderung auf diesen Trinkspruch [)ielt Seine Majestät der Kaiser und König, obiger Queile zufolge, nachstehende Rede:
Gestattrn Cure Königliche Hoheit Mir namsns der hier der- sammelren Gäste deu bérzlicbsten Glückwunsch und,Dank zu gleicher Zsit zu dem heutigen Tage auszusprechen: den Glückwunsch, daß Weimar einen Erbgroßberzog begrü *en kann, den Dank, daß Wir Paten sein duriten. Daf; rcude und Jubel Weimar Wurdr: „Ein Erbgroß- berzog ist da!“, fühlen Wir vo mit. Mb,)? der junge Herr, drr in drm Lande geboren ist, aus dem die Wartburg grüßt, Vorbiidlicb sein in rittrrlicber Tugend, wie seine Vorfahren und Almen, und fein Schwert, bereit halten für des Reiches Herrlichkeit. Möge er eine Säule unserer rvangelisrhrn Kirchr ssin und möge er, Von dem Geist? der großen Dichterzeit Weimars umfioffen, auch einst ein Schüizer und Fördrrer der deut=chen Wiffcnsckyaft und Dichtung sein. Möge er zur Freude seiner Eliern' und zum Segen für sein Land aufwachsen. Wir aber vereinigen alis unsere Grfiible in drm Wunsche: Gott segne Eure KöniglicheHoheit, die Frau Großbrrzogin, den Erb roßberzog und das Großherzoglich Haus und das weimari1che Land. bre Königlichen Hoherten und der Erbgroßberzog hurra, hurra, hurra!
Oesterreich-Ungaru.
Der Kaiseri'ranz Joseph hai, wie „W.T.B.“ meldet, gestern den MiniSer des Aeußern Grafen Berchtold in be- sonderer Audienz empfangen, in der der Minister iiber seine
italienische Reise Bericht erstattete. , - Das österreichische Abgeordnetenhaus seßte m der gestrigen Sißung die erste Lesung des Budgets fort. Nach dem Bericht des „W. T. B.“ tadxlre der Abg. Dr. Kramarcz, daß der deuticb-tscbechische Aus,;letci) durch die jungsten Sprachenerlaffe drs Justizministers und durch die Sperrung der Wiener Komrnsky Schule gestört worden sei. Ern guter ehrlicher Aus leich zwischen den Völkern sei aber notwendig, namentlich m't Rü iicht anf die äußere Lage. Nach den Siegen .der Balkanvöiker bestehe keine große Hoffnung, daß es möglich sein werde, den Sirgern zu entreißen, was fie erobert haben. Giurk- 1icherivrife vertrete jrtzt die öffentliche Meinung in Oesierrexck) eine realdolitiscbe Auffassung der Dinge. 'Von Oesterreich hänge beute der europäische Friede ab. Durch eme falsche Politik, namentlich jenseits drr Leiria, dürften dis Lebensintereffen der Mon- archie auf dem Balkan nicht Verletzt werden. Die Tschechen seien aufrichtig für den Frieden nach auß-n und nach innen. - Der Abg- Jäger erklärte, die Alldeutschen seien unbedingt für den Friedenimd wolken nicbt, daß deutsches Blut und deutsches Geld für slawische Jntrreffkn zur Erwerbung slawischer (Gebiete geopfert werde. -- .Der Abg. Lewicki bezeichnete es schon mit Rücksicht auf die außere Lage als notwendig, daß die Grenzvblker zufriedengesicllt würden. GYM die russische Agitation in Galizien geschehe seitens der Regierung nichts. Die Ruthenen belaffe man weiter unter dem polnischen Joche-
Rußland.
Wie „W. T. B.“ meldet, hat der Großfürst-Thron- folger nach dem gestern abend erschienenen Bulletin den Tag gut verbracht. Er schlief drei Stunden und zrigte besseren Appetit. Die Temperatur betrug am Tage 38,3 Grad, am Abend 37,9 Grad, der Puls am Tage 128, am Abend 122.
Norwegen.
Die norwegische Regierung hat, wie. „W. T. B.“ meldet, gestern ihre Neutralität in dem Kriege zwxschen der Türkei und den vier Balkanstaaten erklärt.
Türkei.
Ueber die Erstürmwng von Kirtkilisse meldet der Kriegsbenchterstatter der 111 Wien erscheinenden „Reicbgpos “,
en Bemchtxn, m_1e „W. T. B.“ mitteilt, in militärischen Kreise? lderdossterretchischen Hauptstadt Bedeutung beigemessen wird, ogen e : . ,
Der Fall 'von Krrkkiltffe wurde durch einen Nachtangriff vor- bereitet, der dre Bulgaren zu Herren der Stellungen nördlich und nordöstlickx der Stad? machte. Die Bul aren brachten auf diesen Höhen sofort Artillerie in Stealing, Und eim Morgengrauen begann das Bombardezvent der Stadt, die in kurzer Zeit in Brand geschossen war. Gleichzeitig ssßte die bulgarische Infanterie auf der aanzen Front don Demndscba 'auf" der Straße Mali-Tirnovo-Kirkkiliffe über Karakotsch u'nd Rakltca ostltcb von Petra zum Angriff auf Kirkkiliffe an. wahrend etye weitere Kolonne östlich über die Höhen Von Jundakcz gegen die Straße „nacb „Vunar Hisar vorsiieß. In den Wein- bergen im Norden von Kirkklltffe entspannen sich nun zwischen den angreifenden Bulgarerx und den Türken furchtbare Nabkämvfe. Die Bulgaren Wurden wiederholt zurückgeworfen, seyten jedoch immer wieder von neyem zum Sturm an. Das Gros der Türken hatte bereits „tm _Latzfe der Nacht den Rückzug auf Bunar JW' sowie in sudlicher Riehtung angetreten. Um 10 Uhr
ornuttags drangen ,die ersten bulgarischen Truppen durch die Weingärten nordwestlich von Kirkkiliffe in die Stadt, wo fich ein furchtbarer Straßenkampf entspann. Schon um!) einer Stunde war der Kampf entschieden, die Bulgaren waren Herren der Stadt. Troß allgxmeiner Erschöpfung der Truppen wurde sofort die Verfolgmxg der TU_rken aufgenommen, während starke Kolonnen einen Vorstoß uber Ueskub auf Bunar Hisar unternahmen, um den Rückzug der türkischen Truppen abzusckßneiden. Von großer Bedeutung wird jest das Vorgehen. der dnrch die Waldzone an der Küste auf. Viza vorrückenden bulgarischen Streitkräfte sein, da durch diese den Türken der Wrg nach Konstantinopel boliständi derlegt werden kann. Die "türkisch? Hauptkraft, die ,bei Kirkkili e im Kampf stand, bat den Ruckzug auf die zweite Verteidigungsstellung am Ergenefluß angetreten.
Jn türkischen Kreisen wird, dem genannten Telegraphen- bureau zufolge, versichert, daß der Rückzug des re ten türkischen Flügel-Z unter Mahmud Mukhtar Pascha auf ein fal ches Manöver des (Henxrals Aszs Pascha, der die Kavallerie kommandierte, zurückziifuhren set. Nach weiteren Nachrichten aus Konstanti- nopel ist es Mahmud Mukhiar Pascha gelungen, seine Streit- kräfte_zu sammeln. Er hat m der Richtung auf Kirkkiliffe die Lffemwe Wieder aufgenommen.
Der Kommandant von Adrianopel hat eine strenge Verqxdnuzi iiber den Belagerungßzustand der Stadt verönentli t. e„'Herr Einwohnern ist verboten, große Mengeri, Lebensmtttel 'zu kaufen. Greise und Kranke und diejenigen, die'kem (Geld oder Leben?:miitel für zwei Monat; bestyerz, forme verdächtige Personen werden entfernt. Die kriegstüchtige Bevölkerung wird, wenn es erforderlich sein sollte, grzwungen, die Truppen zu unterstüHen. Personen, die beunruhigende Gerüchte verbreiten, soilen erschossen werden.
„Vom westlichen Kriegsschauplatz melden amtliche serbischeBertckxte, daß Veriffovitsck), Vouciirou und Ghilan von den serbischen Truppen eingenommen worden seien, und geben don dem Kampf bei Kumanowo, dessen Bedeutung darin liege, daß UeSkiib von der türkischen Armee nunmehr mtr von senkler einzigen Sieüung verteidigt werden könne, foigende Dar- te ung:
Der Kampf begann in der Nacht Vom 23. zum 24. und dauerte irnstganzen (folgenden Tag bis zum Absnd an. Die Stärke der turki1chen Truppen wird auf 25 000 Mann geschätzt. Trotz des Völlig
_ icsiricbenen Gefechtsfeldrs girxg dir serbische Infanterie gegen die
1rrki1chen Sckyanzen mit einem Bajonetiangriff vor; es kam wisderbolt zu einem Handgemenge. Besonders erfolgreich war iir Eingriff der serbischen Artilierie bei Dolni Konjare in dsn Kampf, der drei zu einer Attacke auIboiende türkisch“: Schwadronen Krmchtete. Die briderfcitigen Verlusis sind groß, die? Türken folien 5000 Mann Verloren haben. Der Krmiprinz leitete den Kampf in nnmittrlbarer-Räbe d:]:„Feaerlinie. Auch der König erschiendon Eukarka her mit dem Generalstabßchcf anf dem Gefechtsfelde. Unter :rdsrrr Kriegsbeute eroberten die Serben zwölf türkische (Hefckpüßx.
Nack) einer Meldung des „W. T. B.“ aus Konstaritinopel
wird amtlich bestätigt, daß die Serben Pristina beseZt,
haben und die Verbindung zwischen UeSkiib und Mitrowißa Unterbrochen ist. Terselben Meldung znfolge Haben die Vuigaren nach einem siegreichen Kampfe gegen die türkische Weyrarmee bei Domousova Korschana eingenommen.
Griechenland.
Der frühere Ministerpräsident Dragumis ist nach einer Meldnng der „Agence HavacZ“ zum Gouverneur von Kreta exnannt worden und bereits dort eingetroffen. Sobald der Goypernenr an Land gegangen war, Überreichte ihm das rMUCHO, Exekutivkomiiee seine Demission.
Amerika.
Nach _einem vom ,W. T. B.“ verbreiteten Telegramm AUS Mex_1ko hat der Bundesrichter des ersten Bezirksvgerichts emen GrrtchiLbefehl erlassen, der den General Feli, Diaz der Gérichtsbarkeit des Militärgerichts vorläufig entzieFt. Der Gßrxchtshof wird einen Plenarbeschluß fassen, ob Diaz dem liiitarger1cht wieder übergeben oder von einem Zivilgericht bgeurieilt werden soll.
Afrika.
Nach einer Meldung des „W. T. B.“ aus Casablanca .indder Kaid Triahi und der spanische Schüßling Sicrisu, "“me Zuflucht gewährt hatte, gestern durch das Kriegs- Wchk zum Tode verurteilt worden.
Parlamentarische Nachrichten.
Der Schlußbericht über die gestrige Siyung des Hauses 'er Abgeordneten befindet sich in der Ersten Beilage.
Ub * In der heutigen (86) Sißung des Hauses der . [geordneten wurde die Besprechung der Inter- lelatiotren der Nationanberalen und der Fortschrittlichen 9 sJpartei, betreffend die Fleischteuerung, fortgeseßt. an Wa Strbbel (Soz.): Es ist bemerkenswert, daß der "Z? Ministerttsch beute absolut leer ist, gerade in dem Augen- im, in drm der Vertreter der Mehrheit des Volkes das Wort oltxt' Eine größere Mißachtung der Minister gegenüber dem ." kgnn gar nicht gedacht werden. Wenn wir endlich MWT Lin gleiches Wahlrecht in Preußen hätten, dann würden viele ß Ihnen (zur Rechten gewandt) nicht hier sein. Es War auffällig, nt ubrrba'upt dre Nationalliberalen hier vor dieses Haus mit ihrer „Erdellation gekommen sind. Man mußte sick) fragen: was einen Ziveck bat dieß? Sind die Nationalliberalen W ?ÜZV, daß sie ich einbilden, daß das Dreiklaffen- **e' kgend etwas unterne men würde, um die Notstandßaktion der MMI zu fördern“.) Das konnte man doch wirklich nicht an-
*Ferrcnstoff- und Wechselstublarbeitcr der
nehmen, und die Rede die estern Abg. Sebiffer hier gehalten, hat dgs Rätsel gelöst. Es hatg fich ezeigt, daß die Jnterpeüaiion medi? anderes war als eine HUYEaktion zugunsten der Junker. Daruber bat Abg. Schiffer k-Zinen Zweifel gelassen, ais er erklärte, er verlange nur Maßnahmen, soweit sie im Rahmen i_mferer Zoll- sYuxgese € nxöglich smd. (Inzwischen ist der Munster fur Landwirt- s gt, omanen und Forsien Dr. Freiherr von ScholeMLr er- sch_tenen.) Anders konnte es “ja auch Abg. von Hkydebrand nicht aus- drucken. Er hat so ar dem Ab . Schiffer feirte Anerkennung über deffenfderständxge Außfassung der inge ausgxdruckt- Schiffers Rede war em ezgentumliches Ding. Er fing mit einig?" SWM gegen die KonservattVen an, und Abg. von Heydebrand erklarte, die Rede wäre wirkungsdoller gewesen, wenn diese Spißen fortgelaffen worden wären. Aber diese Sptßen sollten nur vor dem Volke verhehlen, daß zwischen_ Natiqnalliberalen und Kon ervativen kein Unterschied ist. Man batie meinen sollen, daß Abg. chiffkk- als Lk zugab, da? nicht nur Arbeiter, so'ndern auch andere große ichten drs ge amten Volkes in Mitleidenschaft gezogen seien, darm wenigstens sicb auf den Standpunkt des Abg. Wiemer gestellt hatte. Statt desen aber empfahl er der Regierung, doch um Gottes Wilien nicht weiter zu geben. Er erklärte: „wir halten unbedingt fest an unserer SÖUßzOÜgeskßgi-„bung'. Das isi keynze'icbnend für die Nationallibrralen und ganz besonders eigentumlick), wenn man dagegen die Artikel der ,Nationalzeitung' liest. In diesen ste_bt eWas ganz Anderes. (Zuruf der Nationaliiberalen: Das Blatt druckt nicht die Meinung der Partei aus.), Sie schütteln ja jedes Blatt ab, das etwas sa t, was Ihnen nicht angenehm ist. Herr von Beibmann Hollweg bat ja den Nationalliberalen und Konser- VatiVM zugescxgt, daß nicht beabsichtigt sei, an unserer ZoUgeseß- gebung zu rutteln, ,sondern daß es fich nur um ganz vorüber- gehende Notstandkaktwnen handelt, und daß diese sofort wieder Eingestellt würden, wenn _der ärgste Notstand beseitigt sei. Auch un Llersckybeschaugeseß 1011 keine Aenderung eintreten. aner wurde no erilart, es handle sich nur um eine ganz a_normale reis- stetgerung, und es werde bald brsser Werden.“ Dieirlbe Erklärung bat die ngierung auxb schon früher bei ahnlicher Gelegenheit ab- ge'gebezt. Aber es ist immer alles beim alten geblieben; im Gegen- tril, die Preise find immer noch gestiegen, und zwar so, daß selbst die Regierqng jet genötigt war, in der „Norddeutschen AÜ- grmeiney Zeriung' ie Teuerung zuzuxZesteben. Auch dießmal werden die Prrise wirder weiter steigen. De KonserVativi-„n, das Zentrum und die Natwnasliberalen sind natürlick) anderer Meinung. Sie lauben, „daß von einer Teuerung keine Rede sein kann, wenn die leifchpreisr auch nur um einige Pfennige beruntergeben. Trotz- dem sind die Preise dann immer noch hoch genug, ganz besonders, wenn man- sie in Vrrgleich stellt mit den Preisen, die im Ausland fur Fleisch gezahlt werden. Der Ministerpräsident bat offen angefprocben, daß das Volk Opfer bringen müsse für die nationale Wohlfahrt; Diese wird dadurch geWabrt. daß die breiten Volksinaffen möglich1i_gut ernährt werden, aber nicht dadurch, daß eiiiem kleinen Teil beionders günstige Bedingungen geschaffen werden. Dre der Landwirtschaft angebörxxnde Bedblkerung beträgt nur etwa 28 0/0 der Gesamtbevölkerung. alw nur ein geringer Brnchteil hat Ein Jytereffe a_n hoben Schweinefleiscbpreisen. Die Prrisr fÜr Fkxisch und Vieh sind in den [eßien Jabren verbältniSmäßig bock) gewe1en, und weiin aucb ]etZt „ein gewisser Preißabschlag eintritt, wenn das Fleisch i_rm 10 „3 biÜiger wird, so ist es doch immer noch dirl zu truer. Das „sachfiscbe Statistiscbe Landesamt hat selbst zngeben müssen, daß LMS erhebliche Ermäßigun der Vieb- und Fleischpreise kamxr zu erwarten_1st. Die deutsZpe Fleisch- und Viebbroduktion ist absolut un_zizianglich. Wenn man auf die Vermehrung des Fleisch- konsyms 1eit dem Anfang dés vorigen Jabrbunderts hinweist, so dergißt man, daß sich seitdrm die Verhältniss doilsiändig um- ?ewandeit badetz, daß der Fleischbedarf inzwischen außerordentlich iarker geworden ist. Das ist zurückzuführen auf die Jndustrialifierung Deutschlands. _die ungeheure Vermehrung der Einwohnerzabi der großen Sxadte. Es ist ein Unfug sonderßleicben, zu behaupten, da VEthabllUÖL Nabrung ausreichend sei. Der Landarbeiter kann si wobl dorx Veqrtabilien crnabren, der industrislle Arbeiter muß sie!) don Fletick), Eiern und Milch ernäbren. Der Landbewobner hat ganz andere Verdauungsorgane und Bedürfnisse, wie ein Stadt- bewbbnsr und Industriearbeiter. (Uanbe rechts.) Die Herrrn dort druben smd doch wohl auch nicht ngetaricr. Sie haben keine Ursache
* zu lächeln, Sie zeigen damit, daß es Ihnen nicht crnst ist um
die „Sache. _Auf jrner Seite beißt es: Wir wolien böbsre Fleisch- preiie, damri wir umeren Vorteil babersauiKosjcn der großen Muffen des Volkes. Nrugieriq bin ich, wie drr Arbeitrrdertreter Giesberts sich mit der Sache abfinden wird. Es gcbbrt die ganze Underfrdrenbeit des JUnkertums „dazu, den Proletarirrn das Recht auf den Fleisch- konsum zu bestreiten. Der Pfarrer Paul bat offen erklärt, das Vater- unser sage„ daß wir unser tägliches Brdx haben sollen, nicht aber unsrr iagltcbes Fleisch. 'Von solchen Pasioren gilt das bridnischs Wort: .Sie trinken heimlich Wein und predigen öffentlich Waser“. Man bat den taglichen '? leischderbrauch in Deutschland Pro Kopf auf 90 Zberecbnet. Das tt viel zu wenig. Ein Erwachsener braucht mindejiens'150 9- Nach amtlichen Erhebungen beträgt der Flrisch- Verbrauch in Arbeitrrfamilien aber mtr 60 8- Was sollen wir daddn sagen, irrn'n ein Minister der Landwirtschaft es gestern aus- gewrocbZn hat: die Arbeitcrxraurn möchten doch mehr Gemüse kochen, danzi wurd?!) sie viel besser auskommexi: aber da heiße es immer: FlLLsÖ- Fléiick) und imrner wieder Flriyrb! Das ist die blutigste Verböbnrrng der Arbeiter. Woher bat er seine Kenntnis über den [embderbraucb in Arbeiterfamilirn, bat er virileicht eine Schla stelle in einer Arbeiterfamilie innegehabt? Seine Behauptung war mindestens €in€_ Unvorfichtigkeir _ parlameiitariscb ausgedrückt. Ein Herr mit einem Mrmsiergehalt, der außerdem Millionär ist, sollte sich enieren, so etwas auszuwreckzen. (Zu timmunx'z bei den Sozialdemo- raien; Heiterkeit rechts.) Die Herren beweien, daß fie desselbén Geistes smd wie der Landwirtschaftsminisirr; sie glauben, dem Volke Yobn bieten zu könnezi. Der Altenarr Krcisarzt hat im doriigen rrisblatt auf ,die traurige Zunahme der Skropbulose und Tuberkulose bei _der Schuljugend hingewiesen und diss auf die unzweckmäßige Ergabrung und „_dte Teuerung, besonders des Fleisches, zurück- gefubrt. Das iii aUerdin s ein garxz anderer Sachderständiger ais der Landwrrtschajtkmrnister. Es ist zu erwartkn, daß die Fleiscbnot auch in der nächsten Zeit foribesteben wird.
(Schluß des Blattes.)
Statistik und Volkswirtschaft.
Zur Arbeiterbewegung.
Aus Gera wird dem „W. T. B.“ telegrapbiert: Nachdem die _. Firma Lummer-
ach „und Rgmminger, um eine Ldbnerbobung durcbzuseßen, ihre Kündtaung emgereixbt haben, ist gestern von der Ortsgruppe (Fiera des erbandes_sachsisch-thüringtsch€r Webereien sämtlichen Arbkttern ßßkundtgt wvrden. Dreitausend Weber und Weberinnen kommen dabe m Betracht.
(Weitere „Statistische Nachrichten“ !. i. d. Zweiten Beilage.)
Kunst und Wissenschaft.
3.17. Im Anschluß an die im Abgeordnetenhause erfolgte „Aus- siellunYJ eines bedeutenden Teiles der Erwerbungen der Deutscbkn innexa rikanischen Forschunngpedition aus den Jahren 1904-1912, woruber an dieser Stelle in voriger Woche berichtet worden ist, er- stattete Herr Leo" Fr obenius in fast zivetstündigem Vortrage der Gesellschaft fur Anthropologie Bericht über die ethnolo- giscben Ergebnisse seiner beiden l'eßten Reisen von 1910 bis 1912. Unter Begleitun zahlreicher farbiger Lichtbilder
gab der Redner zunächst eine fe elnde Schilderung der ganz
au erordentlicben, auf drn Forscher immer wieder als Ueber- ra chung wirkendetx Verschiedcnbetx der Bevölkerungen des Sudans, die sich nur „aus EinWanderungen in weit außeinander liegenden Zeit- raumen erklaren kann, Equnderungen, die teils in Maffen, auf (Fr- obrrungszuaen, erfolgten," teils sich in mehr friedlicher Art und in kienxereni Umfange arif langere Zeit Verteilten. So nur find ebenso die m dte,Augen sprtngenden,tgroßen RaffenrersÖiedenbeiten, z.B.die auf Vermisckyuanzwtscben _Weißen und Negern, Berbern und Arabern, Axgyptern und 5 ubiern mit Niggerblut denkenden „Fulbe“ neben den remblüitgen HauYanegern zu Erklären, großen kulture en Unterschirde zwischen den kaum be- kleideten „wilden Stämmen der enilegenen Gegenden und den reich gekleideten, mit aliem Luxus des Orients ausgestattrten Städtern. „Die,;Frage erhebt sich fur die Forschung: Hat es eine Urbevölkerung in diesem arxsgedebnten Teil Nordafrikas gegeben und welcbe Spuren deuten auf eme solche; zu welchen Zeiten und woher, durch welche Bevölkermrgkn erfolßter) die vrrschiedxnen Einwanderungen und mit welcher Wirkung an die Kultur“.) In Beantwortung dieser Fragen darf zunachst als gesichertes Ergebnis bezeichnet Werden, daß die Ein- wanderung, welcbe dem Zentralsudan den Islam brachte, dcrbältniS-mäßig jungen Datums ist. Das ist aus den Aufzeichnungen arabischer Schrift- steller zu entnehmen. Wahrscheinlich entspricht das Jahr 1329 der Eroberung von'Timbuktu und dem Beginn einer Herrschaft des er- obernden iHlamttischen Volkes in diesem Trile Nigerikns, die aber ntxiyts weniger als von großerAuNrbnung war und den Siidrn des Nigeriandks sowie den atlaniiichen Teil des SUdans ganz unberührt ließ. Hier in dieskm überaus dolkreichen Gelände im äußrrsten Westen ist" der Eindruck unabweisbar, daß man einer älteren und in vielen Stucke_n Vom Durchschnitt der Sudandölker stark abweichenden Kultur gegrnuberstebt. Man hat Von dirsrn Jorubaländern in der Nähe des Atiantiscben Ozeans bisher eine vöUig irrige Vorsieliung gehabt, z. B. nichts daVon gewußt, daß es hier eine beträchtliche Anzabl dolkreicber Stadte gibt, derezr Zahl bis zu 10 000 Einwrbnern mit 400 nicht zu hoch geschaßt wird. Auch Städte über 100000 Einwohner sind :]Zmbaft zu machen, Jbgbu wird auf 200000 Berrobnrr geschäxzt. «"traßen in unserérn Sinne darf man dort allerdings nicht suchen, die Hauser sieben aber ziemlich dicbt bsieinander, tragen überbängrnde Kuppel- dacber, errrchiex 11er einem flachen Dach, das nsben den Lehmwänden diirch! hohe. Saulen gestüßi ist. Manche Kunstfertigkeiten sind ver- balimsmaßrg' boch Entwickelt, die Webersi sogar bis zur Stufe der Samtweberei. Dyck) Von einer ungleick) höheren Kultur in einer ernen Vergangenheit melden viele plastiiciye Werke, u. a. Porträt- kopfein Terracotta don feinsier Durckzarbritung, dsren edrlste man griechischen Plastiken an die Skike stellen könnte, belebtfe nicht die treue Wiedergabe don Tätowierung, daß die Künstler Undibre Modelle einem chu den Griechen sebr Verschiedenen Volke angehörten. Nichts- destowknigxr ist auch nach anderer Richtnng eine grwiffe Verwandiscbaft mit bellenrscber Kultur augenfällig. Die Geräte drs eigrnariigen_ K_ults der Jorubabevölkerungen, der Tempel odsr ähnliche Kultstätten mcht kennt, sondrrn die religiösen Handlungen in dichte Haim? der- legt und 16 scharf grgeneinardrr charak2€rifierie Gottheiten vrrrbrt, sind in ihrer Form und Ausschmückung, heißen sie nun Donnerkeile odrr Tanzrassein, don außerordsntlichcr Schönheit, und drr Vor- tragende batte? nur zu bedauern, daß ibm der Englische Goudrrnrur „ dcn Ankauf Von mehr solcher Stürké, als das religwse Grsübl drs Voikes derleßrnd, Verbot, obglrick) die Eiwgeborrndn fich ern gegrn gute Zahlung dirser Dinge entaußert batten. Fro enius hält auf Grund seir-er Beobachtungrn nnd Erkyndungrn dasiir, daß die Bevölkerung des atlantischen SUdans, wenn nicht die Nachkommen drr nordasrikanischen Urbevölkerung, so doch der aitesten beute noch nachweisbarrn BédbikrrUng Nordafrikas darsieÜt. an dünkt, auch in der Brdrrxtnng, die ÖSUTL noch drm Amulett bier beigemkffen wird, vdr allrm aber in der bestimmr um- grenzten Götteriebre, eine Anknüpfung an Iberer und Etrusker Irgeben, und er deutet eine 5 vptiicbs Erxäblung do:] Kämpfrn, die Ramses 111. mit einem Volketim eijen des Erdteils gerübri, anf diese Brbblferupg. AEbnlicbe Kriterien wendßt Frobenius auf die übrigen, noch deutlich bestimmbaren Brstandteile drs nordafrikaniscbrn Völkergrmifches an. Die dxtzt Heidentam noch völlig ergcbenén Hauffanegrr bält er für boderzßandig. Sie haben im 7. Jahrhundert, Verrint und zum Teil dermtjcbx mit anderen Einwandrrrrn, cine Blütezeit afrikaniscber Industrir berdorgerufen, mir der Verglichen drr beute norh brstcbrnde Rest emrr Bronze-, Steinscbneide- Und Glastkckynik wie drr Kcrmnik, Wrberei und Stickrrei stark in drn Hiiitrrgrund iritt. Immerhin find dis Städte Makwa_und Vida in Nigerirn aucb benfr noch drr Brachtmig wcrir JridUstrirvrte drs SudansgAuf der SUM imc!) Zusqmmenbängsn und Erklärrzngrn des ethnograpbisckosn Wirrwarrs in Nordafrika, ist Es Frobsnius auch gelungkn, im Zrntraiiudan dic Existsnz einss Nups- reiches nachznweis€n, das [Wie noch untrr aiirrkannten und arif ibren alten Stammbaum stolzen Fürstcn siebi, das dem Ansimrm drs Islams s. Z. Widerstand gelristrt und fich mit Eridlg behauptet but, in srinrn Städtrn Kirltur cniwickrind, wabrrnd _die _Landbrwdbnsr noch in tirfsier Barbarei lcbcn. Ein_ Ratiel 1chrinen cine Meng? don kirinen Siediundrn und Dörfern aufzugebrtr, die? sich in Südnigerien Und im bstlichrn Trile drs Sudans brfindrn. Sir bieten zunächst drn Eindruck eines Sprach- gewirrs; jedes Dorf, Mun auch mir durch cine Taiwrüe don dem arzdcren grirrnnt, spricht seinr Ligexie Spracbe. Sieht man abcr naher zu, so findrn fir!) die wichtigsten VergWicbsvunkte in vbliigcr Uebereinjtimmun : dirielben Lebensformrn, drrsclbe Abnrnkultus, diesrlben Brän e und abergläubis-qun Vorsirilungen. WWF dies gestattet, diesr Brvblksrungen nacbzrxwrisem als aus Artbidrien ans- gewandert und als Linsm ane don Ost nach West fdigrnd, der sie wabrscbrinlicb in [angcn Zeiträumen in klrian TrUprs der ursprünglich Heimat entfremdst bat. Von Jntcrkiie erschcint (ruck) eine andkre Spur. Im 6. Jabrbuudrrt, ais Akgyptrn noch eine Provinz don Byzanz war, bat, wie u. a. aws Eigxn- und Ortsnamcn nacbwrisbar ist, Von drxrt brr eine Einwanderang statigriundrn «wie anzunehmen, don landsliichtigcn Persern, und cd ist recht möglich, zu- sammengebaitrn mit dem 100 Jabre ipätér nachgewirsenen industriellen Aufschwung drr Hauffaländkr, daß diese! Ein- wanderung das Land mit Jndustris befrucbtete. Was, abgrseben von dem atlantischen Sudan mit sriner mcbr stetigen Kultur- entwicklung, an vielen Stellen des Sudans, vor allrm in Timbnktu, befrexndlich anmutct, ist drr sick) aufdrängende Eindruck beträchtlicbrr Rückichritte egcn einem in wait zurückliegender Zrit dirl bbbrr ent- wickelt gewe enen Kitlturzustand. Bezeichnend hierfür ist 11. a., daß man unter den elenden Lebmbütten des brutigrn Timbuktu steiner"? Grundmauern findet und daß mehrfach die Anwendung don Backstrinen nachweisbar ist, u. a. auch zu Gewölbebauten.- Die zahlreichen Licht- bilder ließen, soweit fie Marktszeurn, Aufzüge, Spiric darsteüten, deutlich erkennen, was der Vortragende mit einem lururibsrn Auf- treten der Städter im Vrrglrich zum Urzustande der Landbewobner des Sudans gemeint hatte. In dieser Kkeiderpracbt, in der grelle Farben, wie Rot und Blau, überwiegen, wicdrrbolen sich die Zeiten mittelalterlicber Prunkentfaltung, wclche der nahe Orient beute aucb nicht mehr krnnt. - Dem Vortragenden wurde, als er geendet, der lebbafteste Beifall zutril, und mit aÜgemeincr Zustimmung durfte der Vorsißende ihm sagen, daß er in bewundernswerter Art ein ungeheures Gebiet nicht nur räumlich, sondern auch kulturell kraftvvil durcb- drungen babe. Erfreulich sei die AUSficbl, im künftigen Meinungs- ausjausch feste Stellung zu dcn neuen und interessanten Anschauungen des Redners zu gewinnen. *
VerkehrsWescn.
Cöin, 25. Oktober. (W. T. B.) Die Königliche Cisexnbabrz- direktion in Cbln tsilt mit: JnfolgoVerkebrsstörung wird mit Genebmi ung drr LandrSauffickdtsbebörde die Annahme don Fra t- aut in aacnladungen von den preußisch-besfischkn Staatsba t)- siationcn und Privateisenbahnen nach dem ' _linkSrheint- schen Empfangögebiet, umgrenzt von der 211116 Uerdingen- Neu -Cöln - Bonn - Euskirchen-Düren-Grevrtibrotch-Rheydt- M.: ladbacb-Viersen-Crefeld-Uerdingen, fur die Tage vom 26. bis einschließlich 29. Oktober gesperrt.
wie auch die überaus