1894 / 5 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 06 Jan 1894 18:00:01 GMT) scan diff

Dem Reichskanzler ist folgendes Schreiben des Aus- schusses des ostpreußischen conservattven Vereins zugegangen:

An den Reichskanzler Herrn Grafen don Caprivi, Excellenz, zu Berlin. Königsberg in Pr., den 21. De ember.

Eurer Excelienz beehren wir uns in der Anlage eine esolution geborsamft zu überreichen, mit dem ergebenen Bemerken, daß es uns ein leichtes sein würde, durch eine Generalversammlung den Beweis dafür zu erbringen, da die gesammte conyervative Partei mit unserer Auffassung der Verhör mine übereinstimmt. _

Wir haben es indessen bei der jeßigen Lage der Ver- handlungen rnit Rußland für_ eine _patriotische Pflicht ge- halten, zunächst von einer öffent11chen_ Dr_Zcussion_tn großen Ver- sammlungen Abstand zu nehmen, weil die Möglichkeit nicht aus- geschlossen ist, daß die russischen Vertreter -- namentlich in der Frage der Aufhebung des Identitätsrxackpweiies _ die m solchen Versamm- lunge zu Tage tretenden Anyrchten in ihrem Jnterene verwerthen

könnten. Der Ausschuß des ostpreußischen conservativen Vereins. Graf zu Dohna-Lauck, Vorfißender.

Dic diesem Schreiben beigefügte Resolution lautet:

Die Ermäßigung der Schußzölle für die Landwirtbsckzait, welche dur Annahme der Handelsverträqe mit Rumänien, Spanien und Ser ien eingetreten, muß eine empfindliche Schädigung des landwirtb- schaftlichen Gewerbes zur Folge haben, da letzteres bei allen Ver- trägen ausschließiich die Opfer drin i. _ _

Die Nothlage der Landwirthxchast tritt aber ganz bewnders scharf in den östlichen Districteu unseres Vaterlapds harder. Sie hat bereits zu einem Rückgang der Bevölkerung geführx. Jn diejen Districten würde die Aufhebung des Jdcntitäténachrreiies heim Ge- treide-Erpori Abhilfe gewähren, auch erheblich fördernd und belebend auf den «Handel und Verkehr einwirken. Die ostdeutschen Landwirtin: erwarten, mit Rücksicht auf die i_chwere Nothlage, in der iich ihr Gewerbe befindet, die 1chleunige Lösung diexer Frage.

Eine gründliche Besserung auf allen Gebieten der productiven Thäti keit im gesammten Vaterlande und einen gerechten Y_uleeich den achthcilen gegenüber, Welche eine Folge der HandelsZ'ertrage find, erkennen wir in einer internationalen Regelung der Wahrungsftage, durch Welche dem Silber das Recht, als voliwsrthiges Münzmeiall zu dienen, wiedergegeben werden soll. _ _

Wir rechnen zuversichtlich darau7,_daß die verbündeten§11€gie- rungen die InitiaTiVe zur Lösung der Wahrungssrage ergreisen Werden.

Königsberg 1. Pr., den 20. Dezemder 1893.

Der Ausschnß deS ostpreußischen cdnyerrativrn Vereins. Graf zu Dohna-Lauck,

Mitglied des Herrenhauses mr_d Yersitzender. Andrrsch-Kalgen, Oekonomie-Rath. Anderzch-K'önigsherg, Commerzien- Rath. ].")r. Brandes, Althdf-Fnsterburg. von Brandt-Tanncnherg. Graf Dönhoff-Xriedrichstein, Mitglied des Reichstags _und des .Herren- bauses. ren Dreßler-Schreitlangken. Graf zu Eulenburg-Pranen, Mit lied des» Herrenhauses. vdn der Grrehen-Arnsteiy, Vkitglied des Rei Stags und des Herrenhausrs. Graf ven Klinfowstrdem-K'orcklack, Mitglied des Herrenhauses. von Klißing-K'ötzigsberg. Laxxdrath a. D. und Schriftführer. Freiherr von Vkeericheidt-Yüüenem-Kuggen, Geheimer Regierungé-Ratd. Graf von_VNirhach=Srrquitten, _Mitgiied des Reichstags und des Herrenhauer. [)en Meßiing-K'arütien. Graf Hrn Schlieben-Sanditten. Mitglied des Yerrenhauer. Prefeffer

])r. Schade, Geheimer Regierungs-Rath.

.Hiercmf isi folgende Antwort des Reichskanzlers er:

an en: 9 g „Berlin, den 5. Januar 1891.

Dem Außichuß des ostpreußischen conservativcn Vereins he: ehre ich mich auf die Eingabe vom 2.1.1.1. M.Folgendeszu erwidern:

Obwohl ich die m der Resolution vom 20. Dezember ÜUÖJSsPWchLNE Befürchtung, daß die mit Rumänien, Spanien und Serbien abgeschlossenen HandelSUeriräge eine Schädigung unseres landwirthschaftlichen Gewerbes zur Folge haben werden, nicht zu theilen _ vermag, so hm ich doch nach wie vor bereit, die ychmierige Lage, iir welcher sich ein großer Theil der ländlichen Bevölkerung benndetx an: ziierkennen und zur Hebung des Druckes, der auf demelhen lastet, mitzuwirken, soweit dies innerhalb der Grenzen meiner AmiIsphäre irgend thuniick) erscheint. _ _ _

In der Uederzcuguna, dax; die von Seiner Majejrai dem Kaiser und König im Verein mit Seinen hohen Verhün: deten befolgte .Handelsvolitik der Gesamnrtheit und 0011 wirthsthairlichen Jntereffen förderlich _111 _und daß der Abschluß eines Handelsvertrags mit Rußchnd Ws der Grundlage des AUHtaUsrhes gleichwerihiger Zrigeytäxidmne der deutschen Landwirthschaft keine _neuen Opfer auferlet, erkenne ich es gern an, daß die Newluiion vom 20. v. vermeidet, cinem deutsch-ruisischen „Handelsvertrage gegenüber eine drincidiell ablehnende Stellungnahme zum 21u§druchzu bringen, Ick bin damit einverstanden, daß die Aushedung des JdentitäthnachweiseS in deri Vordergrund gejteÜt und damit der Boden betreten wird, auf welchexn ein AUSgleick) widerstrebender Intereisen_ erreichbar 111. Auch nach meiner Anschaiiung ist für den _Fall einer: Zustandekommens eines HandelsveriragH i_rzit Rußland dic Arifhebung des Identitätsnachmeiies für die dulichcrr Pro: viirzcn Preußens nützlich, ohne die Intercffen de_r (Zemmmt- heit oder anderer deutscher Landestheile zu_bee1n1rächtigen. Eine Vorlage an den Bundeßraih, m_elche bejtredt sein third, frühere Bedenken gegen ein solches Grieß, zu hexeixrgeri, in in Vorbereitung und mird so gefördert werden, daß ne eintreten- denfalls gleichzeitig mit jenem Handelswertrag den geseßgebenden Factoren vorgelegt werden kann. _ _ _

Was die. gleichfalls von dem Ausschuß erwahnte W_äh- rungsfrage an eht, so vcrkenne ich nicht, daß die jüngsten Vorgänge in Indien und den Vereiniéten Staaten derselben eine erhöhte Bedeutung beilegen. €15er 1ch mirs; an der Ueberzeugung festhalten, daß die zur Wrederheritellung des Silberpreises bisher vorgeschiagenen _Wege als ggxi - bar nicht erwiesen sind, und 1D bin nicht ohne thatyacig) lichen Anhalt für die Auffahung, daß ein _erneuter Versuch, emeinsame Berathungen mit fre1_nden Regrermxgen herbeizuführen, zur Zeit erfolglos bleiberr wurde. Aydererieits verschiieße ich mich der Erkenntnis; n1cht,_ daß bei der _vor: handenen Theilnahme fiir diese Frqge die Gefahr vorliegt, einen so schwierigen und in axle rmrthschaftlichen Interessen eingreifenden Gegenstand der PrufunYsqchverstandi er Manner entzogen und in den Kampf breiter chichteri der_ eoolkerun geworfen zu sehen. Ich bin deshalb getzeigt, uri Anichlu ' an die bereits im Gange befindliche amtliche Prufung auch noch Sachverständige verschiedener §ZZerufsklassen und Lehr- meinungen über die Frage zu huren, welche Maßregeln geeignet wären, um den gesunkenen Werth des Silbers nJieder zu heben. Das Erforderliche hierzu ist in dre Wegegelertet.

Graf von Caprivi.“

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Ter Ausschuß dcs BundeSraths für Handel und Verkehr hielt heute eine Sißung.

Diejenigen BundeSregierungen, die größere. StaatScisexi- bahnneße verwalten, aben aus Anlaß der Weltausstellung m Chicago Eisenbahnfa rnänner nach Amerika entsgndt und sie beauftragt, nicht nur te Ausstellun selbst zu studtren, sondern sich auch über das nordamerikanis e Eisenbahnwesen, das_ in seiner eigenartigen Eniwickelung manches Interessante bietet, eingehender zu untemchten. Der Wuns liegt nahe, zu er- mitteln, in welchen Beziehungen die Urt eile der deutschen Eisenbahnfachmänner über die amerikanischen Ern- richtungen und die mögliche Verwerthung der e- sammelten Erfahrungen für das vaterländis ci? e Eisenbahnwesen übereinstimmen. Von_ dem Präsidenten des Reichs-Eisenbahnamts, der im August und September ebenfalls die Vereinigten Staaten bereist hat, ist deshalb an- geregt worden, die sämmtlichen Commiffare zu einer_ Be: sprechun zusammentreten zu lassen, um ihnen Gelegenheit zu

eben, 1ch Über ihre Wahrnehmungen zu ("xußern und ihre nsickYen auszutauschen. Nachdem die betheiligten Regierungen dem orschlag zugestimmt haben, wird beabsichtigt_, die be: treffenden Eisenbahnbeamten in der zweiten Hälfte dieses Monats im Neichs-Eisenbahnamt zu versammeln.

Braunschweig.

Jm Reiidenz-Schloffe in Braunschweig fand am 3. Januar ein Hofball statt, zu welchem ca. 500 Einladungen ergangen waren. Ihre Durchlauchten der Prinz und die Prinzesjin Friedrich von Sachsen:Meiningen waren Gäste Ihrer Königlichen Hoheiten des Prinzen und der Prinzeisrn Albrecht und nahmen am Hofball theil. Vorgestern Vor- mijtag reisten die meininger Herrschaften nach Hannover 'urück, während Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und

ie Prinzessin Vlibrecht fich Nachmittag?- auf einige Zett dorthin begaben, um daselbst größere Hofsestlichkeiten abzu- halten.

Sachsen-Meiuingen.

“Jhre Königliche Hoheit die Erbprinzessin ist nach der „Köixi. Ztg.“ vorgesicrn von Meiningen nach England ab: ngLlst.

Testerreich-Ungarxt.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ aus Budapest dauerten gestern die Corrferenzen der “inanz:Minister [)1'. von Plener und Dr. Wekerle von ormitiags 1011[)r bis Nachmittags 11/2 Uhr und wurden später um 4 Uhr fort- qeseßi. Tem „Magyar Ujsag“ zufolge hatten die Unterhemd: ungen ein für die energische und beschleunigte Beendigring der Va1ataregulirung§-Operationen sehr günstiges Ergebniß. Die Conferenzen werden heute forigeseßt werdcn.

Großbritannien und Irland.

Der Premier:Minifter Gladstone beabsichtigt dcm „.W T“. V.“ zufolge, sich mit seiner Gemahlin am 20. d. M. nach Biarriiz zu begehen, wo ein dreiwöchiger Aufenthalt in Aussicht genommen ist.

Im Unterhause erklärte gestern der SiaatYiecreiär des Krieges Caniphcll-Bannerman: die Herqbietzung der Arbeitsstunden auf 48 per Woche oder 8 per Tag_sei in allen Werkstätten, Arsenalen u. s. w. des Kriegs-Ministe: riums für möglich befunden worden und erfolge ohne Lohn: hcrabseHunq.

Der „Times“ wird aus P lhmouth gemeldet, im Marine: programm der Regierung sei der Bau von _vier Schiffen erster Klasse, vier neuen K*anmienbooirn, zwei großen Kreuzern und 32 Torpedobooten vorgesehen.

Frankreich.

Der Prozeß gcgen Vaillant ist*, wie „W. T. B.“ meldet, r-ertagr worden, wird aber, wie es heißt, am Montag zur Verhandlung kommen, damit das Urtheil noch vor der Wiedereröffnung der Kammern gefäUt werden könne.

Italien.

Das Derrct, dUkck) welches der Belagerungszuftand über Sicilien verhängt wird, in, wie „W. T. B.“ berichiet, eingeleitet durch einen Bericht der Minister anden König, worin es heißt: „Die Lage in Sicilien zyurde m der l_then Zeit infolge eiiier beklagen-Zmerthen Nachlämgkeit der Behdrden so ernst, daß gewöhnliche Maßregeln 5117.“ Abhilfe nicht genugexi. Unwissende, verblendete Volk§hau1en, geführt von Individuen, die zu allen Verbrechen bereit sind, trugen U_no_rdnung in mehrere Gegenden, begingen Plünderungen, Bravdjtistungen, Morde und Räubereien. Gegen ein so außergeivöhnliches Uebel, wie das nichtswürdige Vorqchen der Feinde de;?) Vaterlatgdee), irt e_in außergewöhnliches Mittel nöthrq. Es ist klar, daß_ e1n_Com1t€ vorhanden ist, das unter Mißbrauch der cdt_11iitutionellen Garantien offen in Palermo zusammengetreien 111.“_ -- Mel- dungen aus den Provinzen Sicilicns he1_tätigen, daß die Ver- hängung des Belagerung-Zzustandcs emen guten Eindruck hervorgerufen habe.

Der „Corriere diNapdli“ meldet ausPalerm 0 vom 4. d.M., das Central -Comiié3 der FaSci habe ein Manifest an die Arbeiter gerichtet, worin arzßgeführt werde, die aegenwäriige Bewegung sei eine schmerzliche und nothwendigc Folge der gegenwärtigen Ordnung drr Dinge. Indem es diese unerhittiicb vcrdamme, verlange es eine Reihe von Zu-

cständniffen seitens der Regierung, um die humanitären ersprechungen der Bourgeorfie zu erprobexi. Das Marij- fest ersuche die Arbeiter, sich zu organifrren, aber sich ruhig zu verhalten, da durch eiii vereinzeltes Vor ehen dauernde Vortheile nicht zu erlangen 1eien. Zum Schlrt be- sage das Manifest: „Aus den Entschließurzgen der Regierung werden wir erfahren, welche Haltung wir einzunehmen habrn.“ Jnfol e dieses Manifestes eien der Deputirte Defelice- Giuf rida und drei andere Häupter der FaZci in Trapani, Messina und _Girgenti verhaftet worden. Der Bund in Palermo fei ausgelöst worden; bei der vorgenommenen Haussuchung abe man zahlreiche Papiere beschlagnahmt. -_-

ach einer eldung des „Folchetto“ wären auch die übrigen Führer der FaSci in Palermo verhaftet worden. _ _

Ueber weitere, in Sicilien vorgekommene Ruhen oru ngen wird berichtet: Nach einer Meldung des „Corriere di Napoli“ aus Palermo vom 4. d. M. fand in Macineo einer etwa 10000 Einwohner zählenden Ortschaft der Provinz Palermo ein Zusammenstoß zwischen den _Truppen un_ Ruhcjtörern statt, welche die Abschaffung des Octror

verlangten und einen Angriff auf die Bürgermeisterei machen onten. Der „Agenzia Stefzugi“ zufolge wurden dabei a t Personen getödtet und zwols verwundet. Von den So daten, dre erst nach längerem Mm Feuer gaben, wurden zwolf leicht verwundet. Fernere eftörungen werden gemeldet aus Ober: und Unterragusa, Mon- tecchiaro, Leonforte, Gibellina, Salemi, Nero, Caltanisetta und Calatafini. An le terem Ort überfielen einige hundert Landleute und Kinder, an gereizt durch Unruhx stifter, die Verzehrungssteuerposten unter dem Ruf: „Nieder mit der Verzehrun ssteuer! Wir wollen _einen freien Markt!“ Caltani etta kam es, nach einer Privatmittheilung von dort, bei einer von dem dortigen Arbeiterbunde veranstalteten Kundgebun zu "einem Zusammenstoß zwischen den Demon- stranten un dem Militär, wobei leßteres, nachdem ein Bauer einen Soldaten verwundet hatte, von der Feuerwaffe Ge- brauch Jnachte. Zehn Personen wurden getödtet und mehrere verwun et.

Spanien.

Die Landung einer von Melilha zurückkehrenden Brigade gab, wie „W. T. B.“ aus Cadrx berichtet, Anlaß zu einer patriotischen Kundgebung.

Griechenland.

_ Dcr deutsche Gesandte Graf Wesdehlen hat, wie W T. B.“ meldet, vorgestern zur Wahrung der Rechre deutscher StaaiSangehörigen der griechischen Regierung eine Note überreicht, worin sowohl gegen die Annullirun der Garantien als auch gegen die Herabseßung des ins- fußes der Staatsschuld protestirt wird. Der britische Vertreter erneuerte seinefrüheren Vorstellungen.

Montenegro.

Die anläßlich der leßten ?mischenfäüe an der Grenze von Montenegro und der Tür ei unterbrochenen Arbeiten zur Regulirung der GrenZe _werden nunmehr nach Ueberein- kommen der Regierungen eider Länder fortqeseßt. Die montene rinische Regierung hat, nach einer eldung des „W. T. - .“ aus Cetinje, die Grenzbehörden beauftragt, strenge Maßnahmen zur Verhütun eines Konflikts zu ergreifen und den Verkehr der Grenzbevöl erung wiederherzusteUen.:

Amerika.

'Der New:Yorker „World“ wird aus Managua ge- meldet, General Bonilla habe die Stadt Choluteca mit Sturm genommen; die Verluste betrügen 150 Todte und Verwundete. Die Regierungstruppen von Honduras hätten sick) zurückgezogen. Tie Truppen von Nicaragua erwarteten einen Angriff und wiirden dann in Honduras eindritr cn. Die Regierung habe bei den Kaufleuten eine ZwangSan eihe von 350000 Doll. gemacht. - Nach einer Depesche des „New-Ydrk Herald“_ habe General Bonilla ein Cabinet gebildet, worin er selbst die Präsidentschaft übernommen habe. Eine Verordnung decZ_Prä7identen von Nicaragua proclamire ein formelles Bügdniß mit Bonilla gegen den Präsidenten von Honduras.

Der bra'ilianische Minister des Auswärtigen hat an den em:Ydrk Herald“ eine Depesche gerichtet, worin er das Gerücht von einer Landung deS Admirals Saldanha da Gama bei der Tduane von Rio de Janeiro dementirt. _

Aus Buenos Aires wird gemeldet, Chile hahe be- schlossen, die Steuer auf Salpeter zu erhöhen. -- Gerücht: weise verlaute, daß Ecuador Truppen mobil mache.

Afrika. „_

Wie dem „Nenter'schen Bureait“ aus Sierra Leone gemeldet wird, ist die gegen die Sofas in Samory's Reich adgesandie britische Expedition von einer französischen Expedition, infolge eines Jrrthums der lehreren, anqe- griffen worden. Der franzöyische Commandant, der britische Capitän Lendr), General:Jnspecteur der Grenzpolizei, sowie 25 Leute und mehrere Offiziere des 1. Batailions deS West: indischechgiments wurden getödtet. Die Engländer nahmerr einen französischen-Oifizier gefangen.

Handel und GeWerbe.

Ani T*dnncréiag Fand hier 111 Berlin eine Versamgniung den derrtschen Besißern Lriechiskher Staqispapiere statt, in der Maßnahmen zum “Schutze der JmtereYen der griechischen Skaatsgläubiger gefahr tyerden wüten. zu der von etwa 1000 Personen hesuchtcn Ver7amm1ung wurde mitgetheilt, daß bei_den drei deutschen Emissidriefirmen etwa 50 Millionen Mark_griechi]cher Staatépapiere und an einer anderen “Steile Weitere 3 Millionen Mark arigemeldet worden srien. Dic Versamminng yahm eine Protest- erklärung egenüher den Maßnahmen der griechischen Regierung an, durch wel e die Inierenen der griechischen Staathläubiger un- herechtigterweise verletzt werden, und ernannte ein Schutzcomité. welches die Beschlüsse der Versammlung zur Kenntniß der Königlich ?ricchi- schen Regierun bringen und tnit_ihr verhandeln, die Unters üßung der deutschen ?ZeicHZregierung anrufen und sich mit den "gleichartigen Sckpuycomités anderer Länder in Verbindung _setzen so . In das Comité wurden aufzcr den Emissionshäujern S. Blei_chröder, Nationalbank für Deutyéhland und von Erlanger und Söhne, die naY- benannten Herren ewählt: Direcierulius Alexander, Postsecretär a. Brook, Banquier Karl Chrambach, Saitlermeister Freund, HandelSrichter Georg Fromberg, Vanquier Paul Kaczynski, _Felix Moral, Director des Exportverbandeé' deutscher Maschinenfabrikezi und üttenwerke, M. Potocki-Nelken, Regierungs-Rath Pieck, _RegterungZ- ath Schasf. Oher-Bergrath a. D. ])r. Wachler, Banqurer Lorenz Zuckermandel. Das Comité: hat fich constituirt und Herrn Ober-Bergrath a. T. 1)r. Wachler zum Präsidenten gewählt.

Verdingnugeu im Auslande.

Großbritannien. _ _

10. Januar, 1 Uhr. A. . Dunstan, Secretar der _thindischen Eisenhahngesellschaft, I_iicholas_ ane, Londo_n, 12. (ck.: Lie'erung vxn Radreisen aus Stahl “für Perjonenz u_nd Gutexwagen. Lastenheft sur 1 Guinea in den Bureaus der Gejellichaft erhaltlgh. __

11. Januar, Mittags. E. L.Marryat, Secretar der Bengalqcheu und Nordwest-Eisenbahngeselxschaft, 237 Gresharn Hyuse, Oxd Broad Street, London 13). €.: Lieferung Von_ Mesanrohren fur Kessel. Lastenheft und Bedingungen für 5 S . m den ureaus der Gesell-

t "ltl' . schaf erha nh Belgien.

4. Januar. Wohlihätigkeitsbureau in Brüde, Rue des Chartreuses Nr. 2: Lieferun von Lemewand für ' etten, Hemden, Kattun, Bettdecken :c. in 7 btheilungen. Angebote find bis zum 8. Januar, 4 Uhr, einzureichen. _ _ _ _

Nächstens. Bör : in Brüssel: Liefrrung in einer Abtheilung von Vignole-Stahls icnen im Gewicht von 38 kg für den laufenden Meter und zwar:

LMStückI 11118119, 759 . 8-96. .

1000 . 5, . . Caution 10000 Fr. Preis der Pl_än_e 2,25 Fr. pro Quadratmeter. _ _Rumanten.

2.4. Janugr. Ministerium des Innern in Bukarest: Bau eines _Poftgebaudes. Voranschlag 1 945000 Fr. Caution 4% des Submtsfionsbetrages. _ _

28. Januar; Krregs-Mtyifterium in Bukarest: Lieferung von 55000 Waffmriemen. Caution 6000 Fr. ,

7. Fehruar. Magistrax z_u Jasfy: Umbau des alten türkischen Bgdes, Einrichtung medrzrmfcher, pneumatischer und therapeutischer Bader, Aufbau des Maschinenhauses sowie Lieferung und Aufsteliung der erforderlichen Maschinen. KostenvoranscHlag 261706 Lei. Pro- visorische Caution 13 085 Lei. Näheres an Ort und Stelle.

7. Februar, Knegs-Ministerium in Bukarest: Lieferung von 165000 atronentaschen.

26. ebruar, ebenda: Lieferung Von 16000 Leinwandsäcken, 16000 Scheeren und 16000 Federmeffern.

5. Marz, ebenda: Lieferung von 5000 Kochgeschirren und 5000

Feldflasehen für das Heer. D ä n e m a r k.

1. 8. Januar, 12 Uhr. Hafenverxvaltung (Jarngxorr-Ut- anSUZ (Jouwjr) Kopenhagen: Ausffihrung einiger Kloaken- anlagen im Terrain des Freihafens don Kopenhagen.

11. 12. Januar, 12 Uhr. Hafenverwaltung (Uax'nczj'orr'Ur- niYZ-eug *(Jouwjr) Kopenha en: Lieferung von gußeisernen Saulen für das Packhaus ] im reihafen Von Kopenhagen.

11]. 15. Januar, 12 Uhr. Hafenderwaltung (UUTUSF'N'UZÜ- niuZ9115_C'-0ut01r) Kopenhagen: Ausführung der eisernen Ueber- bauung emes Vigducts im Freihafen von Kopenhagen.

Zu 1 bis 111 Bedingungen und Zeichnungen erhältlich an Ort_und Stelle gegen HinterlegunF yon 50 Kron, 'die bei Einlieferung eines Angebots und gabe der Bedingungen 2c. zurückerstatiet werden.

117. 15. Januar, 12 Uhr. Zeughausverwaltang (Isarczrja1f0r- x'athrSUJ ()0Qt0r) in Kopenhagen: Lieferung des Bedarfs an Sattler-, Klempner-, Bürstenbinder-, Seiler- und Eisenwaaren. Be- dingungen und Verzeichnise zur Einsicht an Ort und Stelle (wochen- täglicb 10-12 Uhr). _

17. 26. Januar, 1 Uhr. Staatsbatherwaltung (Cobhjörniens- gade 6) in Kopenhagen: Lieferung yon 435 Stück Räderhandagen für die Mafchinen-Werksiätien in Kopenhagen und Aarhus. Bedin- gungen an Ort und Stelle.

Egypten.

15. Januar. Verwaltung der Eisenbahnen, Telegraphen und des Hafens von Alexandrien in Kairo: Verbreiterung des Velags der Brücke bci Meuache und Wiederherstellung des Belags der Wege- brücke Nr. 3. _ _ _

29. Januar, ebenda: Lieferung don Garnituren für Waggons (Kanten, Borten, S_chnüre, Quasten, Knöpfe, Oefen, Wachsieinwand, Linoleum, Carreras, LeiniVJnd, Calico, Haken, japanische Nägel :c.).

Verkehrs-Anftalten.

Vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten wird eine neue „Zeitschrift für Kleinbahncn' herausgegehetx, die im Verlage don Julius Springer in Berlin erscheint und deren erste Nummer soeben ausgegeben wwrden ist. In einem leitenden Arzikel v_on dem Ministerial- Director Brefeld werden die Aufgahcn der Zeitschrift auseinandergeseßt. Sie wilL allseitige Auskunft geben über den St_and der Kleinbahnunter- nehmungen, ihre Begründung, Finanziirnng, ihre Einrichtungen, ihren Betrieb und das für sie geltende Recht. Es sollen zu diesem_Zwecke insbesondere für Preußen fortlaufende Ueherficbten über die _Ge- gehmigungen und die Unternehmer von _ Kleinbahnen, ihre xmanzieüe Grundlage, die etwaige Betheiligung__ ch Staats Oder 'der Gemeinden an der Finanziirung, die Bahnlinie, Bauart, insbesondere Spurweite, eigenartige Constructionen Ven gllgemeinerem Jntereffe, Betriebsart, insbesondere Betriehkkraft, ?ZUÖTte richterliche und sonstige Entscheidungen u. s. W., der- offentt t und in Verbindung hiermit die BetriebSergehniffe der Klemha nunternehm-mgen thunlichsi nach den Berichten der Ver- w_qltungen_ selbst mitgetheilt werden. Ferner besteht die Absicht, 511112 wichtrFeren Vorgänge auf dem Gebiete des Kleinbahnivesens m_ den 11 rigen deutschen Staaten und im _ Ausland regel- maßig zu veröffentlichen. Endlich soli die Zeitschrift einen Sammel- virnkt bilden für wissenschaftliche Arbeiten über aUe Zweige der) Klein- hahnwesens nach seiner technixchrn, wirthschastlichen und rechtlichen Seite und zu dierem Zwecke auch regelmäßige Ueherfichten uber die Literatur auf diesem Gebiete, verbunden mit Besprechungexi wichtiJerer _ literarischer Erscheinungen, bieten. Das 1_. Heft enthalt kerner u. folgende Aufsäße: Ueber die Anlagekosten der Kieinbahnen mit Locomotivbetrieh, von Regierungs-Baumeister (F. Fränkei in Breslau. Die Entwicklung des Klemhahnrresens in Nordamerika. 13011 Director ])r. Koiimann in Frankfurt a. M. Der elektriiche Betrieh hei Straßenbahnen. Ueber die Entwicklung des Kleinhahnwewns in Preußen. -- CUT steht zu hoffen, daß die neue Zeitschriit dazu beitragen wird, das alhettige Interesse an dem Ausbau des Kleinbahnneßes zu wecken und x_u beleben und damit die weitere Entwickelung der neuen Verkehrs- 1ir_aßen zu fördern, *Der Preis des Jahrgangs ren 12 Heften be- iragt 10 „16

_Laut Tele ramm aus Aachen ist die erste englische Port über O ende vom 5. d. M. ausgeblieben. Grund: Zugverspätung in England und Sturm auf See. _- Laut Telegramm aus Köln (Rhein) hat ferner die zweite eng: iiiche Post über Ostende vom 5. d. M. in Köln den An- 1chluß an Zug 31 nach Berlin über Hildesheim nicht erreicht; Grund: verspätete Landung des Schiffs in Ostende Und Zug: verspätung auf deutscher Strecke.

_ In New- York bildet fich, wie „W. _T. _B.“ meldet, ein gxoges Eis enhahnsyndikat, dessen Organisation fast vollendet ist, um alle Waarentransporte von Chicago nach den Häfen YFZ Atlantischen Oceans zu _ reguliren und zu vertbeilen. Dieses Svndtkat wird bedeutender sem als das, welches den Waarentransport nach dem Westen regulirt.

Bremen, 5. Januar. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Der Postdampfer „München“ ist am 1. Januar von Buenos Aires nach der Weser ab egangen. Der Postdampfer „Köln“ ist am 3. Januar Abends cm der Weser an ekommen. Der ost- dßmpfer .Darmftadt' ist am 3. Januar * achmittags in al- ttmore angekommen. Der Reichs HFostdampfer ,Salier' hat anz 3. Januar Abends die Reise von eapei nach Port Said fort- Meßt. Der Schnelldampfer . Spree“ hat am 4. Januar

orgens Lizard ass'nt. Der Schnelldampfer „Aller orgens Dover passirt. Der Schnell- ist am 4. Januar VOrmittags in New- York an ekommen. Der Postdampfer „Braunschweig' hat am 4. anugr Nachmittags Doder pasfirt; De_r Post- dampfer .Wermar“ ist am _4. Januar Vormittags 111 New- York angekommen. Der Reichs-Postdampfer „Bayern“ ist_am 4. Januar Nachmittags in Antwerpen an ekommen. Der Reichs- ostdampfer .Oldenburg“ hat am 4. Januar Nachmittags die

3 erst: von Port Said nach Neapel fortgeseßt.

Londqn, 5. Januar. (W. T. B.) Der Union-Dampfer .Greek_“ ist gestern auf der Außreise von Madeira abgegangen. Der Union-Dampfer „Tara“ ist estern auf der Heimreise von Cavsta_dt abgexzangen. Der Cast e-Damvfer .Methven Castle ift gesern auf der Auskeise in Cap tadt angekommen. ka Castle-Dampfer „Warwick Castle“ ist eute auf der Aus- reise Von London abgegangen.

hat am 4. Januar dämpfer .Trave'

„Hauptrollen sowie „Das e

Theater und Musik.

Concerte. .

Die Concertsängerin Fräulein Johanna Krämer (Sopran) ab am DotinerstaÄ _nn Saal Bechstein ein Concert, in welchem e außer einer _ne aus „Samson und Dalila“ von Saint- Saéns mehrere Lieder von Mendelssohn, Schumann, Wüerst und 9ndercn vortrug. Ihre besonders in der Höhe „sehr wohlklm ende und_ gut geschulte Stimme ist mit temperament-

voller ortragsweise _vereimgt, die sich jedoch oft zu einem Uebermaß des Tremolirens herleiten läßt. Der Cellovirtuos Kerr Hugo_Schlem1_1[ler unterstußte das Concertdurch einige vortre lich ausgefuhrre Soli, unter denen sich auch drei yehr melodiös gehaltene Stucke eigener Composixion befanden. Der Pianiét Herr Frank Zowgraye bra i_e einige Précen von. Mendelsso n, Heller und

aderewskt zu _Ge or, bewies im Vortrag derselben aber mehr eine gewandte Technik als eine fesselnde AusdruckSrveise.

Der Coxnpqnist Herr R. L. Herman, von dem bereits mehrere Werke bier gunstige Aufnahme gefunden haben, brachte am Freitag im Sqal der Stng-Akademie mehrere Scenen aus seinen O:“Lrn .Vmeta' _und .Lanzelot' _1u Gehör, an__deren Aufführun sich das P hil- harmontscbe Orche1ter_,_ der Koßolt'tche &esan verein und hervorragende _ Solisten betbeiligten. Die vo ständige Dczrstellung_ der hier__ noch unbeiannten Opern ist bereits aus _den Buhnen zu Ca11e1__und Braunwhxveig txiit sehr gutem Erfolg gekroni worden, und es l_ayen die gehörten Abichnitte mit Recht den Wunsch rege werden, du:]e Werke auch bier einmal kennen zu lernen. In _der Behandlung des OrYesters wie der Chorsä 6 folgt der Componni dem Vorbilde Meyer eer's und nähert fi darin Mitunter d_en besseren neuen französischen Tondichtern. Von Richard Wagner halt er sich, Wie aus den zahlreichen Chorsätzen und aus der Behandlung der Textesworte zur Genüge erkenntlich isi, fern. Von ganz rdrtreffitcher Wirkung _find: der .Prolog' für Orchester i_1_nd_ Cher, die „Vifio_n' beim_Ausrauchen der_Vineta und die im 1ansthetl:gcn Takt erklmgende, iehr originelle Bailetmufik der erst- enannten Oper. Aus der heroitchen Oper ,Lanzeiot“ sind das

male des ersten Acts wirke die Einleitung zum dritten Act durcb rhythtniscbe nnd medulaiorische Ori inalität besonders herdorragend; "ch Aufführun durch den hdr, das Orchester wwxe die Shititen Frau S ramke-Falfner, Frau Helene Kruger, MUZ Harriet Behxzne, Fräulein A ta Casper- schock, und die Herren P. Kali1ch, A. Schulze, _A. Johnson und B. L_urgenstetn War durchweg sehr lobenswerth und zeugte dmr begeisterter Theilnahme [ür die beiden Werke. Dem Com- pontsten, der die Leitung selhst üheknemmen hatte, irurdc am Schluß des Abends rauschender BeisaU imd »Yerdorruf zu Theil.

Jm Königlichen Odernhause werden am Mdniag „(,'ux'aUSrjrr ri1§rjean3“ mit Frau Piersrn und Herrn Sylva in den oldene Kreuz“ (Damen Weitz, Herzog sc.,

rren Phiiipp, Stammer egehen.

_ Jm Königlichen S auspielhause findrr am Montag die Aufführung .Der Ahrenshoover', „Eingeschlossen' Und „Militär- fromm" in der hekannten Besetzung statt.

Im Deutxchen Theater geht das Lustspiel „Der Herr Senator“ mor en, am Dienstag, Donnerstag und ernnahend in Scene. Am ontag wird .Der Talisman“ gegeben. Am Mittwvcb kdmmt „Götz h_on Berlichingen" zur Aufführung. Am Freitag findet eme Wiedcrausnahmedes „Käthchen von Heilhrdnn“ mit Terefina Geßner in der Titelrolle stati.

Im Berliner Theater geht Gußkow?) Drama .Uriei Acosta“ mit Ludwig Barnay in der Titelrolle am Dienstag neu einstudirt in Scene. Die beiden Lustspieie „Aus der komischen Oper“ und ,Das Gefängnix' mit Ludwig Barnay in den männlichen Haapi- rollen md für den morgigen Abend Und für Sonn- abend angeseßt. Wichert? Schausriel „Aus eigenem Recht“ kommt am Montag und Mittwoch zur Aufführung. Für Donnerstag ist mit Ludwig Barnah in der Rolie des Marc Anton eine Wieder- holung yon Shakespeares „Julius Cäsar“ cin eseizt. Am k"i.“eitag (20. Abonnements-Vorsteüung) findei eine Aufsü rung Von S illeris „Maria Stuart" mit Marie Podpischil in der Titelrolle statt, und am morgigen Nachmittag spielt dieselbe Künstlerin die ,TiteerÜc in Schiüeris „Jungfrau don Orleans“.

Jm Lessing-Theater kommt, wie bereits gemeldet, am nächsten Sonnabend Victorien Sarddu's vieractich Lustspiel „Madame Sans- Géne“ zur ersten Ausführung. Morgen, am Montag, Dienstag, DonnerStag und Freitag wird der Schwank .Der ungläubige Thomas' in Ver indum mit dem einactigeii Lustspiel „Ein Millionär a. D;“ wieder vlt, wiihrend am Mittwoch in vielfach neuer Rollenbeietzung Björnson? Schauspiel „(Jin Falliffemenr' in das Repertoire wieder aufgenoxxnnen wird, auI welchem e:"- seit längerer Zeithatte auZycheiden mühen.

Jm Friedrirh-Wilhelmstädtischen Theater wird bis ein- schließlich Sonnabend, 13. Jannar, die Operette „Der Lieutenant zur See“ egehen.

Jm eyidenz-Theatcr wird bis zum Sonnabend, 13. d.M., „Der Mustergatte“ und vorher „Jm Neglig-Z“ gegeben.

Im Victoria-Tbeater findet, wie schon gemeldet, morgen Nachmittag 3 Uhr eine Wiederholung des_Feenmärchens „Aschenbrödel“ ]tatt. Abends 71- Uhr gehen ,Die Kinder des Capitän Grant“ tn Scene.

Jm Neuen Theater kommt morgen „Sappho' z11r_Auf-. führung. Außerdem findet morgen Mittag die schon erwäLnte Jokai- Feier stati. Max Stempel? neues bürgerliches Drama icht“ wird am Donnerstag zur ersten Aufführung gelanzen. „Jugend“ und .Sapvho' werden dann aUch weiterhin mit dieser Novität im Spiel- plan abwechseln.

Jn_das Comité fiir die Wohlihäiigkeits-Vorstellung zu Gunsten der Hinterbliebenen Carl Metßner7s sind Director Ludwig Barnay und Herr Carl Helmerding eingetreten. In etwa vierzehn Tagen dürfte die geplante Vorstellung stattfinden, für Welche sich die bekanntesten Künstler Berlins zur Verfügung gestellt haben.

Mannigfaltiges.

Die Feier der Wiedereröffnung der Christuskirche hat heute Vormittag in Gegenwart Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin stattgefunden. Unter den Zahlreichen Ehrengästen befanden sich der Präsident des Staats-Mirxiteriums, Minister des Innern Graf zu Eulenburg, der Vice-Präfident dcs Staats-Ministeriums Staatssecretär Dr. von Boetticher, der Minister der eistltchen oc. Angelegenheiten, 1)r. Bosse, der Minister der öffentli en Arbeiten Thielen, der Minister des Königlichen Hauses Von Wedel, der Ober-Stallmeister Graf Wedel, der Ober-Hofmeister “Freiherr von Mirbach, die Ober-Hosmeisterin Gräfin Brockdorff, sowie Fräulein von Gersdorf und GrafKeller vom Hofstaat Ihrer Majestat der Kaiserin. Die kirchlichen Behörden waren durch den Prafidenten des evan elischen Ober-Kirchenraths ]).1)1'. Barkhausen, den Con- sistorial- räfidenten Schmidt, die (General-Superintendenten _TTaber und Dryander, den Propst Brückner, die Superintendenten Stem ach,

übner und Leonhardt, den Hofpredi er Krißinger, die Pastoren Stage,

chmeidler, Hagen u. a. Vertreten. erner waren_ der Polizei-Prafident Freiherr don Richthofen, der Diri ent der Miniiterial-Baucommission Kayser, sowie als Vertreter der tadt mehrere St9dtverordnete an- wesend. Vor der Feier überreichte der Staats-Mtnister_1)r. Bosse dem_ Gemeindekirchenrathsmitglied der Drei altigkeitsparochte, Rentier Julius Schröder, der mit dem Rentier aul die Geschafte des Er-

neuerunZsbaues der Kirche geleitet hat, als A erhöch te Anerkennung den

Königli en Kronen-Orden vierter Klasse. Die aiserin, Alierhöchst- deren Anfahrt unter feierlichem Glockenßeläut erfol te, wurde am Kirchenportal von den Spißen der kirch ichen Behör en, der Geist-

lichkeit und dem Gemeinde-Kirchenrath der Éreifaltigkeits- rochie m_vartet. General-Superintendent aber be rüßte Allerhöch dieselbe mit k__urzer Ansprache, der Geheime aurath reichte den oldeuen Schlussel dar, unt dem alsdann auf Befehl Ihrer Maj ät der Kaiserin-_General-Superintendent Dryander das Gotteshaus erschloß. Beim Etntreterx wurde Ihre Majestät yon dem Chor mit der Motette „Herr Gott, dich loben wir“ empsan en. Den Weiheact vollzog GM_eraZ-Supxrtxiterident Faber im nschluß an das von Ihrer Majestat der Kaiserm in die Altarbibel geschriehene Wort aus Mattl). 16, 15 _th 17: ._Wer saget kenn ihr, daß ich yei_u. s. w.“ Nach der Weihe nel die Orgel ein, und _die Gemeinde stimmte das „Lobe den _»_Hetrn' «m. Dre Festpredigt hielt General-Supcrintendent Dryander nber das_Wort aus dern Evangelium Johannis 14: „Euer Herz er- schrecke nicht: glarzbet ihr _an Gott, 10, [auht ihr auch an mich." Gebet und Se en xvrack) Wieder General-Superintendent Faber. Mit dem Coral . _un danket akle Gott" schloß die Feier. _,

Die Chr!stu_§kir_che -war im Februgr v. Jéé-auf An- reßqnéx _Jhrer _Maxestat der Kaiserin don der Kirchenhehörse der Drei- fa _tig eitsgememde von_ der Londoner Juden-MisfionSgeseUschaft für 225000 ;16 an ekaust worden. Der Erneuemngsbau, der nach den Anga en de? Geheimen_ Baurach Orth vom Architekten Altgelt ausgeführt ist, erforderte 40000 16. sodaß die Gesamuzikosten fich aus_ 265 000 -_-16 berechnen; 50000 „16 sind aus dem_ ?lÜerhochsten Dispofittonsfdnds, 142 500 .16 Von den vereinigten Krethsynoden, 14 300 ;„16. Vom früheren Evangelischen .Kirckyenhaiwerein Berliys, 5000 „_16 don der Neuen Kirche gewährt worden; den Rest hat die Dreifaltigkeits-Gemeinde bestritten. '“

_ Dres Mggisirats-qulegium hat nach dem Bericht der .cht._-Zig._* m terrier gestrigen Sitzung für mehrere Wohl- thattgkeits-Yereirie jährliche Beiträge bestimmt. So smd dem YSTEM .Kmderhort' und dem „Verein der Voikskindergärten' im Osten, Welchen his zur Zeit ein jährlicher städtischer Beitrag von ]e 3000 «16 gewahrt worden ist, diese Beiträge um 1000 .16 erhöht worden, wdaß jeder von ihnen für das VcrwÜtunngahr1894/95 4000 .“ erhalt. Ferner sind dem Vorstande der Gyßner'jchen _Kleinkinderbewahranitalten auf sein Gesuch wider- rnslich jahrlich 1000 „16: unter der Bedingung zugesprochen Zorden,_ dgf; die Anstalten bis ? Uhr eöffnet bleiben. “Schließlich _wU auch der Vorstand der Kinder-Veéksküche einen ein- 1_nal_tgen Beitrag von 1500 „16 erhalten. - Ueber den zur Ver- ychynerung d_e: Thier artens von der Stadtgemeinde Berlin aUxahr11ch getrahrten Zus uf; von 30000 «16 hat das Magistrats- Cdllegmrrr folgende Bestimmungen getroffen. Es folien, Ver- wendung „finden: 12000 „16 zur weiteren Dnrchführung des Reit- weg_es an der Südseite der Charlottenhnrzier Chaussee, Vom roßetr Weg bis über den Wayscrlauf gegenüber den

harlotie11h0s,_ zur Verbreiterung der Brücke über denselben und der Fußgaugerpromenade; 10 000 «16 zur Anleghng zweier FUß- vromenaden zu beiden Seiten de_r Beliedue-(Éhauffee dom Spreewczie his zur _Chqriortemhurger Channee, sowie zur Anlegung eines Spiel- platzes fur Kinder nahe der nördlichen Promeimdr, und schließlich 8000 „16 “zur Aniegung und Ermeiterung eines directen, nach der Rouseau-Jniel Führenden Promenadenwéges Von der Woiff'schen Löwengrudde im Ahornsteig Und zur Anlage eiiies Spielplaßes.

Jm Reichstagsgebäude find, wie die „„Rat-Ztg.“ mitdheil't, ieizt die Grundrisse, das MrdeU, Vorderansicht, Seitenansicht, Rück- ansicht, Lageplan_u. ). w. des National-Dcnkmals für Kaiser Wilhelm 1. aus der SÖloßfreiheit in den Wandelgängen zurAnsicbt ansgeytellt.

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Der Stadtverordneie, Fahrifhefißer Dietsch feierte heute? sein 25jährig€s Juhilänm als Mitglied der Stadtwerdrdneten-Versamm- lung. Ws Vorfiizender des CenicahComisxÉ-I der Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz hatte schon Vorher Cabinets-Rarh VOU dem Knese- beck dem_ Jubilar seinen Besual) ahgesiaitet; heute erschien der Gc1chasissührrr_ deö Central-Cdmitéss, Haitvtmatm Süß, rim _die Glückwünickye des Comité-s zu überbringen. Nl»?- dann sand fich cine Deputation der C0mmuna1beamien des Gesund- brunnens und de:“? dortigen BeZ'irkSVereins ein, Welche ihn zu einem am Montag stattfindenden Festmahl einladen. Die (Hlück'wünsÖe der Stadtverordneten:Versammlung sprach dcr Vorsxeher ])r. Langerhans aus. __ Di Comité zur Errichtung des Kriegerdenkmals anf dem Kyffhäuser hatte die Herren General-Lienkenant Von Rünthe- Fink, Pdfesor ])r. Westphal, Kanzlei-Rath Sten el Und Magistratthecreiär Backhaujen zur Beglückwünschung a geordnet. Auch die Kameradschaftliche Vereinigung der Berliner und benach- barten Kriegerdereine, deren Ehrenpräsident der Jubilar ist, entsandte eine Tevnixrtion. Fiir das Präsidium des Deutschen Sckyüßenhundes, dessen Veriitzeiider „Herr Diersch ist, erschienen die' Herren Wolf, Walter und Föriter mit einer kunsthoUen Adresse: die Berliner ééüézengildr endlich widmete ihrem Ehrenmitglied einen silbernen 5 -O n .

Der Misfiens-Jnsvecwr Winkelmann, der Vor etwa einem halben Jahre Von der Edangeliscben MissionSgesellschaft für Deutsch; Ostasrika nach Afrika gesandt Wurde, um die dorxigen Stationen zu besitchcn, Wurde gestern Abend nach _ seiner glücklichen Rück- kehr im großen ' Saale des Christlichen Vereins junger Männer festlich hegrüßt. General - Superintendent Faber er- öffnete die Feier mir einem _Gehet, die Begrüßung hatte der Geheime Ider-Regicrungs-Rath Gras_Bernstorff' übernommcn. Zn längerem Vrrtrag schilderte sodanri Jmpecwr Winkelmann seine Reiseerlebnisse.

Die militärische Gesellschaft hält ihre nächstkVersamm- l_ung, Mittwoch, 10. Januar, Abends 7 Uhr, im großen Saale der „Kriexxs-Akademie, Dorotheenstraße 58/59, ab. Tagesordnun : Vortrag „Die Flotte der Nordstaaten im Seceifiankriege“, ge alten ren Capitän zur See a. D. Stenzel.

Der _ 66. Yntcrrichtscursus in der vereinfachten Sir*lze"xcheii Stenographie unter Leitung des Herrn L. Loepert, geprüften Lehrers der Stenographie (Schleiermachcrstraße 6) beginnt Freitag, den 12. Januar. Der Cursus umfaßt 12 Lectionen, welche _ *ienstaq und Freitag, Abend?; Von _81 his 94 Uhr, im - örsaal der Königlichen Al_ademie der Künste, am Schin clplaiz 6 ]. (Bau - Akademie) stattfinden. Eintrittskarten za je 6 „16 für Herren, Damen und Schüler find bei Beginn des Unterrichts im Hörsaal oder Vorher heim Hauswart der Bau-Akademie bezw. im Abgeordneten- hausc, Leipzigerstraße 75, beim Portier zu entnehmen.

_Gestern faxid _in dem zum ersten Male nach dem Muster der Subxcriptionshalle im Königlichen Opernhause in einen Ballsaal ver- wandelten Theater Unter den Linden ein BaÜfest des Clubs der Schriststeller-Genossenschaft statt. EinPodium verband den Parquetraum und die Bühne, Von der mittleren Valconloge aus ührtc eine Treppe in den! Ballsaal, der zwar keine große Ausdehnung atte, aber einen behaglichen und eleganten Eindruck machte. Troß 'der großen Zahl der BalLbesucher konnte Von einer Ueber- Tüklung oder Von einem lebenSgefährlichen Gedränge nicht die Rede sein, iyeil das Theater hinter den Baleonlogen und im ersten Rang ]owie auch oberhalb der großen Freitreppe des oyers große und weite, ele ant eingerichtete Räumlichkeiten und Säle efißt, in denen fr die Ge ellschaft be uem yertheilen konnte. Von den ge- ladenen Gäten, die die Bailfeétlichkett ix_1it ihrem BesuÉ beehrten, seien der Minister des Königlichen Haufes Herr Von edel, der Ober-Stallmeister _Graf von Wedel, _der Kammerherr Graf Keller Vom Hoisiaat _Jhrer Mathat der Kaiserin und Königin und der sranöfische ' _otschafter Herbette ge- nannt, Offiziere der hiesigen Garnison, auch in eren Chargen, sowie einige Staatsheamte nahmen an der Festlichkeitt eil; das Hauptcontingent_ stellte die Schriftsteller- und die Tbeatenvelt. Um 11 Uhr wurde die Gesellschaft durch emen“ von Ernst von Wilden- bruch gedichteten Und von Frau Clara Meyer ausdruckSvoll vor-