1894 / 24 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 27 Jan 1894 18:00:01 GMT) scan diff

Seine Durchlaucht der Fürst von Viswarck hat gestern Abend 71/2 Uhr Berlin wieder verlassen. Nachmittags hatte der Fürst Ihrer Maxeftät der Kaiserin Friedri einen Besuch abgestattet. Um 6Uhr fand in den Gemächern des "rsten eine kleinere Abendtafel statt, an welcher Seine Majestät der Kais er und Seine Königliche Hobeit der Prinz Heinrich theilnahmen. Kurz nach 7 Uhr verab chiedete sich der Fürst von Ihrer Majestät der Kaiserin und wurde von Seiner Majestät dem Kaiser und König in geschlossenem Galawagen, der von einer Schwadron Garde-Kürasfiere eskor: tiert wurde, nach dem Lehrter Bahnhof geleitet. Auf dem Wege dahin, insbeondere Unter den Linden, wurde der Wagen von lebhaften_ freudien Zurufen .der dichtgedrängt stehenden Menge begrüßt. Au? dem Bahnhof waren die sämmtlichen .Herren des Hauptquartiers, sowie mehrere Generale an: wesend. Seine Majestät der Kaiser geleitete den Fursten_zu dem Salonwa en, drückte ibm her (ich die Hand und küßte ihn wiederholt au? beide Wangen. I achdem der Fürst den Mit reichen Blumenspenden angefüllten Salonmagen bestiegen hatte, wandte Sick) Seine Majestät der Kaiser mit einigen huldvoilen Worten an den Grafen HerbertBismarck. Alsdann unterhielt Sich Seine Majestät wieder mit dem Fürsten, tyelcher den Kürassierbelm abgelegt hatte und sich aus_ dem Fenster beugte. Das Publikum, welches zum tbeil auf den Bahnsteig zu- gelassen worden war, brachte Seiner _Maxestät dem Kaiser und dem Fürsten Bisamarck _entbuyiajtische Hochrufe und stimmte das Lied „Deutschland, Deutschland über a11es“ an. Als der Zug die Halle verließ, ertrinken wiederum Zochrufe, auf welche Fürst Wißmarck freundlich lächelzid mit ' erneigen dankte. In seiner Begleitung _befandexi sich die Grafen «Herbert und Wilhelm Bismarck, forme Vrofeijor Schwe- ninger. Seine Majestät der Kaiier verließ Hierauf unter“ be- geisterten Hochrufen des Publikums den Bahnhoß

Die Ankunft des Fürsten in Friedrichsrub erfolgte Abends 11 Uhr. Ter Weg vom Bahnhos bis zum Schloß war durch Magnesiumfackeln erhellt. Eine zahlreich versammelte Menge brachte dem Fürsten begeisterte Ovationen dar,_

Wie „W. T. B.“ meldet, hat Seine Majestät den Fürsten BiHMarck zum Cbef des Kiirassier : Regiments von Seydlis (Magdeburgiiches) Nr. 7, “Hr 1a suite deiien Fürst BiSmarck bisher geführt wurde, ernannt.

Aus Breslau, Leipzig, Dresden und anderen_Städt_en wird gemeldet, daß aus Anlaß des Besuchs des Füriteti Bis: matik in Berlin qeflaggt war und mancherlei patriotiiche Kundgebrmaen erfolgten.

Das „Armee:Verordnungs:Blatt“ vom beatigen Taqc veröffentlicht nachstehenden Allerhöchsten Gnadenerlaß: ! Ich will den Tag, an wc1chem Ich eim: ijährige Militär- Dienstzeit boilende, binfichtlicb Meiner Armee durch einen Akt der Gnade aUSzeicbnen und folgende, innerbalb des Bereichs der preu- ßischen Militärberwaliung Ven militäriscben Vorgesetzten ober von Miliiärgericbteii Verbängte Strafen, soweit letztere (111127. ZanU-zr D. J, noch nicht vier nicbt boUstänbig vollstreckt sind, Hiermit in Gnaden erlassen:

1) (111€ im DiSziplinarWege berfüiten Arresistraien, sowie die in den FäÜen dcs § “28 der Disziplinen-Sirafordnung für das Heer aui"- erlegien Haftstrafen eker Geldbußen,

?) die wegen militärischer Vergeben gerichtlich erkannten Arrest- strafen, sofern die Strafe vier Wochen gelindem oder drei Wochen mittleren oder vierzehn Tage strengen Arrestes nicht übersteigt.

Ausgesckylrsien bleiben jedoch diejenigen Militärpersonen, gegen we1che . 3. wegen Dorsckyriitswidriger Behandlung oder Mißbandlung

Untergebener (§§ 121, 122 des Militär-Strafgesetzbucbs), 1). wegen Diebstahls eder Unrersckylagung auiGrund des § 138 .). a. I., e. neben der Arreststraie arri eine militärische (Fbrenstraie erkannt werden ist.

Ich beauftrage Tas KriegÉ-Miiiistcrium, für die icbleunige Be-

kanntmacbuug und Aasfübrung dieses Erlaffes Sorge ZU Tragen. Berlin, Den 27. Januar 1894. W i l h cl m. Bronsari bon Schellenberif. An das Kriegs-Yiinisterium.

Ferner enthält das „Armee:Verordnungß-Vlati“ folgende Allerizpöchfte Kabinets-erres, betreffend die Erleich- rerung der feldmar1chmaßigen Belaytimg der Infanterie bezw. Schießauszeichnungem

Ick) bin auf Grund Meiner eigenen Wabrnebtnunéen sowie der Berichte, welche die General-Kommandos über die eTien Herbst- übungen erstatiet Haben, zu der _Ueberzeugung gelangt, die feld- marschmäszige Belastung der Infanterie drin end einer wesentlichen Erleicbterung bedarf. Ich balte das, was isber in dieser inficbt geschehen, nicbt iür genügend, _11111 die Marsch: und (Hefe tsfraft Meiner Jnfanierie in dern Maße zu steigern, wie dies die heute an dieselbe zu stellenden Ausgaben_ fordern, und beauftraZe Sie daher, Mic schleunigst noch weitere aus die Erleichterung der Infanterie ab- zielende Vorschläge ZU unterbreiieti. Berlin, den “27. Januar 1894. Wilhelm. An den Ki'iegs-Mini11er.

Ick) bestimme, dax; die Schüßenabzeicberi der Infanterie, der Jäger und Schüßen, wie der Pioniere _und Eiienbabntrupven fortan die

orm Von Fangschnüren nach beiso1aenden Proben Haben. Gleiche

bzeichen find auch bei den anderen Waffen, in welcher Hinsicht Ick) Vorschlägen des Kriegs-Ministeriums entgegensebe, zur Einführung zu bringen. Es gereicht Mir zur Freude, in den neben Abzeichen der Armee ein sichtbares Zeichen Meiner Anerkennung für die Leistungen im Schießdienste zu gewähren; Ich halte Mich überzeygf, das; diese Bethäti ung Meines Jnteremes (zn dem genanriten, für die kriegs- mäßige usbildung besoriders wichtigen Dienstzweigestets ein erhöhter Ansporn für die weitere Förderung desselben sein wird. Berlin, den 27. Januar 1894. Wilhelm. Bronsart von Scheüendorn.

Die Feier des (HeburtNags Seiner Majestät des Kaiiers und Konth

wurde heute Mor en durch das _Blasen eines Choral?» und einiger geistlicher eieder von der Kuppel der Schloßkapelle und durch das von den Spielleuten des 4. Gardeegiments aus- efü rie große Wecken eingeleitet. Alsbald schmückten sich die äuéer mit Flag en, die Schaufenster_mit Blumengruppen, deren Mittelpunkt ie Büste Seiner Ma1estät bildet, und eine ahlreiche Menschenmenge durchzog die Straßen, insbesondere Lie Linden, Um ihrer Theilnahme an dem Fest Ausdruck zu

Zhen, Um 11 Uhr fand in der KapelLe des Königlichen chloffes ein feierlicher Gottesdienst und daran_ anschließend im Weißen Saale Gratulations-Cour bei den Majeßäten statt.

Zu Beginn der GratulationH-Cour wurden durch die Leib- Batterie des 1. GardxFeld-Artillerie-Regiments im Lustgarten 101 Salutschüffe gelöst.

Um 121/2 Uhr fand im Zeughause große Parole:AuSgabe statt. Hierzu war eine Kompagnie des 2. Garde-Regimentß . F. mit Fahne, Spielleuten und der Re imentsmufik, die .direkten Vor eseßten auf dem rechten Flügel, dem Jupteingan des eu hauses gegenüber im Paradeanzyge in

änteln außgesteüt. ei Annäherung Seiner Majestät des Kaisers und Köni s präsentierte die Kom- pagnie, die Musik spielte die Nationalhymne. Seine Majestät schritten die Front der Kompagnie ab und begaben Sich in das Zeughaus. Inzwischen formierte fick) die Kompagnie “um Vorbeimarsch, welcher nach beendeter Parole um 11/4 kÜbr- aUSgeführt _wurde.

Die festlichen Veraxistaltungen hatten bereits am Don: nerstag ihren Anfang genommen, wo Nachmittags um 5 Uhr die Königliche Akademie der Wissenschaften ihren Statuten gemäß zugleich die Gedächtnißfeier Friedrichs des Großen und die Vorfeier des Geburtsfestes Seiner Majestät des regierenden__Kaisers und Königs mit einer Fest- sißnng unter dem Vornß ihres ständiqen Sekretars „Herrn Numer?) be ing; der Sißung wohnten Seine Durchlaucht der Prinz und J re Hoheit die Prinzeffm Albert von Sachsen: Altenburg sowie der vorgeordnete Staats : Minister 1)1*. Bosse bci. _ .

Der Vorfißende eröffnete die Sißung mii cxnleitenden Worten, in welchen er der Beziehungen Friedricb's des Großen zur Akademie, insbesondere der von dem_„.c';0ni_ge vor gerade 150 Jahren an seinem _Geburtstage du:“;“k, Verichmelzung der alten „Sozietät der Wii1enschasten“ und der nach Friedrichs NegierungSantr-itt entstandenen _ freien Vereinigung der „Lite- rarischen Gesellschaft““ und d:.rch Verleihung neuer Statuten für die vereinigte Körpersiyaft vollzogenen Erneuerung der Akademie, ferner der [iterariichen Denkmäler gedachte, welche diese dem Gedächtnii: des Königs errichtet hat und zu errichten fortfäbrt, und nach einem Rückblick auf die fünf seit der Thronbesteigung Seiner Majestät des regierenden Kaisers und Königs verflossenen Jahre den Wünschen der Akademie für dessen fernere Herrschaft Ausdruck "gab.

Es erfolgte alsdann die für diese Sißung Vorgeschriebene Berichterstatiung Über den Fortgang der großen wisenschaft: lichen Unternehmungen der Akademie im verfloffenen Jahre und die Vorlage der Jahresberichte der mit der Akademie verbundenen Stiftungen und Institute.

Der Wirkliche Geheime Ober-YegierungH-Jiaik) Heinrich von Snbel eröffnete die Reihe dieier Verichterstattungen mit einem Vortrag, den mir im Wortlaut in der Ersten Beilage veröffentlichen.

„Hierauf wurden die fblgenden Berichte verlesen:

Sammlung der griechischen Jnsébriéien.

* Bericht Von „Herrn Kirchhoff.

Was 'die Sammlung der griechischen Inschriften betrifft, so find die Indices zur zweiten Abtheilung des Korpus ker Artischen Ju- scbriiten mit dem Beginn des verfloffetien Jahres zur Ausgabe ge- langt, und der Druck der Supplemente zu derselben Abtheilung, welcbe bestimmt sind, den zweiten Tbeii des vierten Bandes zu bilden, hat begonnen werden können. Die Arbeiten an dem zweiten und dritten Bande der Nordßriecbiscben Inschriften baben ihren Fortgang genommen. Außerdem hat Herr 131". Freiherr Hiller bon Gärtringen das von ibm gesammelte Yiaterial für die Inschriften bon Rhodos und den näcbstgelegenen kleineren Inseln der Akademie zur Verfügung gestellt, Und ist dasselbe beitimmi werden, Vor: ihm redigiert als erster Tbeil eines Korpus der Jnselimcbriften Verönent1icht zu werben. Die Arbeit ist soweit gefördert, daß 'die Drucklegung sofert wird beginnen 121111611.

Sammlung der lateinischen Inschriften. Bericht der .Herren Mommsen und HirsÖfeld.

Von der Sammlung der [ateiniscben Inschrifteii find in diesem Jabrc die zweite, ben den Herren Mommsen und Hülsen bearbeitete AUflage res irie Fasten und Elegien enthaltenden Tlxeils des ersten Bandes und der dritte FaÖcikel des Supplements zn dem dritten Band., der “die Nachträge zu den Inschriften von Pannonien. Noricum, Raetien, ferner zu dem_Edik'te Diecleiian's und den Militärdiplomen in der Bearbeitung der „Herren Mommsen, Hirschfeld, von Domaszewski umfaßt, zur Ausgabe gelangt. Die Vorarbeiten für die zu diesem Bande gehörigen Karten nnd Indices, die für die ganze dritte Ab- theilung nen zu bearbeiten find, finb so Weit gefördert, daß der Ab- scblrtß des Subplcmentbandes in diesem Jabre erfolgen kann.

Der Druck der Pembejanisckxen Wachstajew bat infolge ander- Mitiger Verpflichtungen des Herrn Zangemeiiter nech nieht be innen können. Die Redaktion_der_übrigen Nachträge zu dem vierten 5 ,anee (Pempejanische Wanbinjchristeii) ist Herrn Man in Rom übertragen Worden.

TieWiederaufnabme des Zeit [ängerer Zcit Unterbrochenen Druck:? des“ sechsten Bandes éstadtrögnixche Inschriften) wird Von Herrn Hülsen in unmittelbare Aussicht geitcÜt.

Herr Bormann bat die Von der Haupisammlung al_1ein neck) übrigen Inschriften von Umbrien im Manuskript fertiggestellt und großentbeils edruckt. (Fr Hbfft, nach dem Abscbiuß derielben das von Herrn I m redigierte Instrumentum und die Nachträge zum Druck zu bringen. _

Der mit der Bearbeitung des afrikanischen Suvplementbandes (7111) beauftragte Herr Johannes Schmidt in Königsberg ist nach längerer Krankheit am 6. d. M. verstorben. Es ist ibm_nicht ber- gönnt gewesen, dieses Werk, dem er in treuer Hingebung ]eine reiche Kraft gewidmet bat, zum Abschluß zu bringen; und gleicbwie der- jenigen seines Vorgängers Gustav Wilmanns hat der Tod Vor der Zeit auch seiner Arbeit ein jähes Ziel gesetzt. In dankenswertber Weise hat noch vor dem Eintritt derfeitlän erer Zeit_vorausgesebenen Katastrophe Herr Teffau fich der Uebernaßme der iür dicien Band noch ausstehenden Arbeiten unterzogen. Derselbe hat im Verein mit Herrn Ca nat den _Druck der Inschriften bon Numidien VoUendet, die demnä | als beyonderer Fascikel zur Arisgabe gelangen sollen.

Den Druck der ermaniscven Inschriften (211112) haben die Herren Hirschfeld und Zangemeister für den südlichen Tbeil von Ober- Germanien weitergeführt. _

Die Redaktion ker Irisceriiten der gallischen Provinzen ist von Herrn Hirschfeld _so weit gefördert, daß der Beginn des Drucks dieses Bandes (21111 1) für dieses Jahr mit Sicherheit in Aussicht gestelit werden kann. - Die Ausarbeitung des gansch-germanischen Instru- mentum Hat Herr Bohn für einige Abtheilungen voÜendet.

Die Bearbeitung des iadtrömischen Jnstrurzientum (Band )(?) hat Herr Dressel bis_zum bscbluß der Arretinijcbcn Gesäße_ in dem verflosenen Jahre gefördert. Der elbe bofft, nacb Verboüstandigung des aterials für die übrigen Tbongefäße und die Lampen, den Druck in der früheren Weise weiterführen zu können. _ _

Das epi rapbische Archiv, Das zur Zeit in den Raumen der König- lichen Bib ibibek *sich befindet, ist in diesem Jahre besonders durch die bisher bei Herrn Schmidt aufbewahrten, zum tbeil noch von Herrn Wilmanns angefertigten Abklatscbe bereichert wvrden._ Die BenuYung des Archivs _ist unter den durch die Beschaffenheit der Sammlun gebotenen Kantelen den Gelehrten jeden Drenstag von 11 bis 1 [hr gestattet.

„Corpus numworum. _ Bericht des Herrn Mommsen.

Die als nothwendig sub herausstellende Revision einer Anzahl von E emplaren des Pariser Kabinets hat Herrn Pick aenötbigt, in den Oiierferien v._J. sie!; dorthin zu begeben, und die “(&dean desselben von Zürich nach Gotha sowie andere einschlagende omente sind dem Fortgang der Arbeiten hinderlich in den Wen getreten, Jndeß find die für den ersten Band der nordgriecbiscben Sammlung bestimmten 20 Tafeln aufgenommen worden, und es ist ein großer Theil des dam gehörigen Manuskripts fertiggestellt worden. Der Saß dieses Bandes hat ebenfalls begonnen. Für den zweiten ist Herr Gaebler gleichfalls dauernd tbätig gewesen.

Prosopograpbie der römischen_Kaiserzeit. Bericht des Herrn Mommyen.

_Von sämmtlichen drei Bänden der Prosovy raphie der römischen Kaiierzeit hat der Druck des ersten (alphabetijxpen) Haupttbeils bc. sonnen, und zwar ist" im Laufe des leßten Jahres der erste von Herrn K'lebs bearbeitete Band im Satz bis zu Bogen 4, der zrveite von Herrn Deffau bearbeitete bis zu Bogen 15, der dritte von Herrn von Rohren bearbeitete bis zu Bogen 9_fortgeschritten.

Ausgabe der Aristoteles-Kommentatoren.

- Bericht der erren Keller und Diels.

Unseren dies'äbriqen * ericht aben wir zu beginnen mit dem Ausdruck des [ebsaftesten Dankes gegen die hohe Staaxsregierung, durch deren Unterstützung es uns ermöglicht ist, das Aristoteleswerf in Yer ursprünglich geplanten Zeit und AuSdehnung zur Vollendung zu ringen.

Der Druck der beiden umfangreichen Kommentare “des Sim- plicius zur Physik (17-1'111, bercrusgegeben von Herrn Diels und zu_ (19 03810 (herausgegeben Yon Herrn Heiberg) ist erfreuli fort- Zeicbritien, sodaß der Abschluxz beider Bände im laufenden Jabrc ircher zu erwarten ist.

Daneben wurde der erste Theil des 111. Bandes des Zupp1e- memnm Zrine-Micom in der Bearbeitung des «Herrn Diels heraus- gegeben. Diexcr Theil entbäli die medizinischen Excerpte eines etwa um das Jahr 100 n; Gbr. bexchricbenen Papyrus, der Vor kurzem in den Besitz des Britiicben Muieums zu London gekommen ist. Da die erste Hälfte dieser Cxcerbie bisher unbekannte AuLzüge aus den unter Aristoteles? Namen gebenden, ven Menen, einem Schüler des Aristoteles, verfaßten Jairika xntbäkt, 10 war der Wunsch begreiflich, dieje weltbvollen Ueberreste_einer Geichickyte der Medizin aus “cer altyeripaietiscben Schiris unierem Aristoteleswerk einzuverleiben. Das; diejer Munich sobald Pcb verwirklichen konnte und unserer Akademie die Cbre der Läirio ])rimJZZJZ zu tbeil wurde, verdanken wir der außercreeiitlicben Liberalität der Vernurltung des Britischen Museums, der wir gerne auch an dieser Stelle gedenken.

Ilusgabe der griechischen Kirchenväter. Bericht des Herrn Harnack.

Tic *»orarbeiten für eme Außgabe der älteren christlichen griechischex1 Literatur sirib im Vergangenen Zabre beendigt worden und eine Vcüjtänbige Ueberiicbi über die Ueberlicferung und den gegen- wärtigen Bestand jener Literatur liegt _Zedruckt bor. Die Akademie erwartet nur die Genebmigung des Seiner Excellenz dem Herrn Minister borgelegten Plines der Ausgabe 1owie die Gewährung “der nötbigen Mittel, um sofort die Edition zu beginnen.

. Jets bUl'UZZ10Ü. Berickyider Herren bon Sybel unb Sckymoller.

1. Der erste Band ber bon Herrn Dr. Krauske bearbeiteten Be- börbenorganisation, Welcher die Epoche von 1700 bis 1713 sowie ron der Regierung Friedrich _Wilbelm's 1. die Zeit bis Ende Juni 1714 nebst einem Register i_imiaYZ, ist aus etwa 900 Seiten fertig edruckt und kann in den nächsten 3 schen ausgegeben werken, sobald orworr und Einleitung von Professor S_chmoUer Voklends ferti gestellt und gedruckt sein werden. Von dem folgenden Bande ist au bereits ein erheblicher Tbeil bes Manuskriptes der Vollendung nabe.

11. Bezüglich der preußischen Getreidebandelspolitik, welcbe Dr. W. Raub»? in Händen Hat, konnte Vorm Jahre gemeldet werden, daß, die Aktensammlung bis 1786 in der Hauptsache fertig sei. Bei dem großen Umfang derselbeii schien es angezei t, die vor 1713 fallenden “Stücke weder in Misr)», noch in Regeiform abzukruckexr, sondern diesen Theil des Stoffes in Form einer Einleitung zu geben. Mit der Herstelluyg berielben war 131'. Naudé dieses Jahr über beschäftigt; fie wird als besonderer _Banb erscheinen und neben den hande1s: politischen 1*rand_enbur;.ziich - Preußischen Maßregeln bezüglich des Getreides die Anfänge des Magazinweiens, die Geschichte der Preise. Ernten und Tbeuerimgen bis 1713, sowie einen Ueberblick über die analoge Pelitik der übrigen europäischen Staaten im 17. Jahrhundert und bis 1713 enihalten. Das Bändchen wird, sobald es fertig ist, gedruckt und ausgegeben werden. Der Druck der Akten Von 1713 an wird sich dann jbfort anschließen.

111. Herr Dr. Hinye bat fertgesabren, die Materialien für die Bebbrdenorganiiatien iind innere Staatsberwaliung unter Friedrick: dem Großen_zunächsi bis 1756 zu sammeln. Er bat Hauptsächlich die Ceccexrkcben Justizreformen in Bearbeitung und ist zu diesem Zwec_ke im Sommer 1893 längere Zeit im Breslauer Archiv tbätig geweien.

111. Herr Berg-Asseffor S_chweemann, we1cher seit Oktober 189") an Stelle Von Berg-Nffesier Knops getreten ist, bat im Laufe e_ez Jahres 1893 die Wien der Bcrgabtbeilung des Ministeriums-iür Handel und Gewerbe nnd kcs'biesigen Staatsirrckyivs, we1che“sich aur das Salinenrvesen (das Salzregal, den Salzbandel, die Seebandlung, die Pfännerscbaftlicben Salinen) von 1700 bis 1805 beziehen, aus- gezogen und bearbeitet. Es steht zu hoffen, daß er die1es ganze Gebiet abso1biert haben wird, wenn er im Laufe des Jahres 1894, wie er wünycht, ben dieser Thätigkeit zUrück- und in eine praktiickxe Stellung übertritt. _

K*. Der Lieuteriant a. D. [)1'. Freiherr von Sckprötter bat sort- gefabren, die auf die brand?"burgikcb-preuFische Wollindustrie des 18. Jahrhunderts bezüglicben Akten durcbzuar eiten; im Oktober 1893 ist er nach Breslau Übergefiebelk, um auf ein halbes Jahr am Bres- lauer Staatsarchiv rie schlesischen Akten, 'die fich auf _das Wel]- gewerbe, den Wellbandel und die einicblägige Handelspolitik beziekieix,

durcbzusehen. _ _ Hu_mboldt- Stiftung. Bericht bon Herrn E. du Y_ois-Reymond. _

Das Kuratorium der Humboldt-Stistung für_Natur_-fox]chun_g und Reisen erstattet statutenmäßig Bericht über die Wirk1amke1t der Stiftung im Verfleffenen Jahre. _ .

Ueber die Fortichritte in der Bearbeitung des Materials “rer Planfion-Expedition meldet Herr .Pemen olgendes. Die Zahlungeii waren im Juni des Jahres beendet, aber es um ten noch die größeren Formen zur genauen Bestimmunxx für die bezüglichen Mitarbeiter era_us esuchk Werden, welcbe Arbeit erst im Oktober zum Abschluß kgm. Die _erren Mitarbeiter konnten ibre Arbeiten nicht gut abschließen, ebe auä) noch dies Material in ihren Händen war. Daher sind rm verflossenen Jahr nur einige Abschnitte zur Verauszzabung gelanßt. Es mb dies: Krümmel, Geophyfikaliiche Beobachtuygen; Trans edt, T aliaxec'n. systematischer Theil; Dahl, Halobatiden; Lohmann, Halacarmen; Ortmann, Dekapoden und Schizopoden; _Maas, CraZpedote Medyscn- Sechs neue Abtheilungen_ find im Beginn des Drucks, eixie großcrc Reibe ist „Herrn Hensen für das Jahr 1894 bestimmt_ zuge1_agt, do ergiebt fich, daß die Yusarbeitung _wegen der "Berucksichtigung Dkk quantitativen Verbältnine Ungewöhnlich Viele Muhe macht und Ver- zögerungen erfährt. _ _

Herr Professor Dr. Karl von den Steinen, welcher unter _VCZ tbeiligung der Stiftung 1887-1888 eine zweite Expedition den Xing" hinauf ausgeführt hatte, gab schon 1892 ein Buckx heraus über 731? Sprache des dortigen Karibenstammes der Bakasrt. Jeßt hM FX diesem Werke ein größeres, mit Pbotogrammen reich auSgestatteie:*- „Unter den Naturvölkern Zentral-BrafiltenS', Leipzig 1893, ML?" lassen.

Von dem mit Stiftungsmitteln auf Mada aska_r werlendß? Berliner Zoologen, errn 11:2 Alfred Voelykow,_ md im Mai d, Jahres höchst intere ante Nachrichten über das Eierl_egen,_ die VW- pflege und überhaupt die Naturgeschichte der Krokodile eingeganSEU-

welcbe Thiere in solcher FüUe urid mit solcher Kübnbeit bisher kaum je beobachtet wurden.: _Nach unseren) Reisenden gebt ein guter ' der embryonalen- Entwukluyg schon tm Eileiter vor sich, soda mau faft_sagen kann, die_ Krokodile seien auf halbem Wege zum Le endig- geboren isteben geblieben.

_ Während daxm Herr Dr. Georg Volkens am Kilimandscharo sich mit StiftungSmrtteln -- er erhielt einen weiteren Zuschuß von 3000 ..“ - der Erforschung der afrikanischen Alpenflora widmet, ift a_n der i_lerirschen Kuste Herr Dr. Plate mit zoologischen Studien bes_ ast: t, von denen er schon in zwei Ab- bandlzm erz m en Sißungsberichten der Akademie, über die faxs lich zu den Lungenschnecken gestellte (1361319. ysruyiana, und u den Kreislauf und die Nieren der Cbitonen Kenntniß e e en at. in? sehr umfangreiche Sendung von Fischen, vaalopoden, Dekapoden, Mollusken, Echinodermen, S necken,

ürmern, Coelenteraten, wobei auch eini _e Vögel und Sänger nicht fehlen, ist aus I ique schon in vortr ichem Zustande eingetroffen und zeugt _von_ erm Vr. Plaie's glücklichem Sammlerfleiß. Nach einem kü_rzlt_ch emgegapgenen Schreiben war er- im Begriff, an Bord eines ch1„lemfchen Krregsschiffes sich nach der zoologiscb erst sehr unvollkommen ekannten Nobmson-Jnsel Juan Fernandez zu einem längeren Au_sent alt zu begeben, von welchem er sich eine reiche Aus- beute verspricht; _

Mittlerweile fuhr die Stiftung fort, durch weitere AuSibeilung von_Unterstuyungen neue Unternehmungen zu ermöglichen und vorzu- bereiten. Hern) 131". Max Verryorn, Pribaidezenten in Jena, Wurden 2000 „_M bewilligt zu einem Aufenthalt am Rothen Meere. Hier be- absubtiat _er in erster Lime seine exyerimenteüen Untersuchungen über die Funktion “des ZeUkernes und über beßen Beziehungen zu den BeibegungSersMmuzigcn des Proioplasmas forizuseßen, Wozu nämlich dre _uber_ ck am großen Forammiseren mit 1 bis 2 cm [an en Pseudo- vbdienbuscheln an deri dortigen Korallenbänken vortreffliche elegenbeit bieten. Leider hat die an Feiner Station herrschende Cholera der Aus- iübrung seines Planes zunachst Schwieri keiten bereitef.

Dem Geheimen__ Mebiziyal-Ratb errn Profeffor [)1'. Fritsch, Vorsteher der biologijch-mikroykopiscben Abtheilung des Phyfiolo ischen Instituts bierselbst, sind zur fortgesetzten Untersuchung des itter- welses m Cngyien, dessen Entwickelung noch immer in so tiefes ankel gebuYt ist, 2500 „zz, endlich Herrn O1". K. Dobe, zur Zeit in Dudwest-Afrtxa, zur Fortführung seiner deri begonnenen klimatologischen und geygrabbiscben Fors_chungen 1600 .“; zur Verfügung gestellt worden. __ Die fur_ bas_1auiende Jahr zu Stiftungszwccken verwendbare Smpme belauri 11ch ordnuYsmäßig abgerundet auf 7000 .«H Das Kapital der Stiftung bat sr „_ im vorigen Jahre um 119 F1. 28 Kr. vermehrt, Welche vo_n der Kaiiexlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien a1s Betrag für die Siistung eingeganaener Sammlungen ein- gesandt __und zu 192 ,L 60 „3 zum Tageskurie umgewecbselt worden Und.

_ Bopp-Stiftung.

Bericht der Vorberarbenben Kommission: HH. Weber, Schmidt, Dillmann, Steintbal, Zupitza.

Zum 16. _Mar 1893, als dem Jahrestage der Stiftung, ist von dem zur Verfugung stehenden Jahresertrage yon 1892, im Betrage von_ 1350 „M, die erste Rate, 900 .76, dem Dr. O. Wiedemann, Privatdozenten in Dorpat, d. Zt. in Leipzig, zur Fortführung seiner l_itauisch-slawischen Studien, uni: die zweit: Rate, 450 16, dem Pro- reffor ])r. E. Leumann in Straßburg zur Fortseßung seiner Jaina- Studien zixertbeilt worden.

Der jahrliche Zinsertrag der Stiftung beläUft sich zur Zeit aiif

1679 „zl: 50 „5,

Savigny-Siiftung. _ _Ueber den Druck des Wörterbuchs der klassischen Iiecbtswissen- 1chast schweben noch Verhandlungen.

Die Arbeiten an dem Erganzungsbande zu den 11013 11813101113 SSrwemiMS hat Herr Oberlehrer 1)» Knod zu Straßburg i. E. so weit gefördert, daß ein natzibaster Theil der Namen des Personenindex im wesentlichen biographikch erledigt ist.

_ Eduard Gerbarb-Siifiung.

Aus die am Leibniz-Tage 1893 den Statuten gemäß erfo] te

erste Ausschreibun des Eduard Gerhard-Stipendinms sind eine 5 n- 3abl_Bewerbunqss risten einge (ingen. Das Ergebniß wird statuten- maßig in der nächsten Leibniz-Oißung bekannt gemacht_werden. _ __ Die [tatutenmäßig zu erstattenden Jahresberichte iür das Kaiser- 11che Arckxaologiiche Institut und die Il0n11m611t8. (;01'11131118S1115UI- riea werden später mitgetheilt werden, nachdem die Jahressixzungen der leitenden General-Direktionen stattgefunden Haben Werden.

_ Schließlich berichtete der Vorfißende über die seit der leyten Friedricbs-Sißung im Persenalstande der Akademie eingetretenen Aenderunßän.

Die kademie hat durch den Tod berloren: die ordentlichen Mit- glieder Herrn Kummer aus der pbbsrkaliscb-mathematischen und Herrn Von der Gabeleni; aus der Vbilosovbiscb : historischen Klafie: bie korrespondierenden Mitglieder der pbyfikaliich-makbemaiischen Klasse, Herren P. Z. 13911 Beneben iii Löwen, Alphonse de Canbosle in Genf, Heinrich ÖMZ in Bonn, Arcangelo Scaecbi in Neapelxbie korrespon- dierenden itglieber der philosophisch: historischen Klaffe, Herren Giurebpe Canale in Genua, Alexander Cunningham in London, Konrad LLLMÜYZ in Leiden, Hermann Sauppe in Göttingen, Aloys Sprenger in eidesberg, WiUiam Waddingwn in Paris.

Neugewä lt find die Herren Emil Fisckyer und Oscar Hertwig zu ordentlichen Mitgliedern der pbyfikaliscb-mqtbematisckyen Klasse; zu kbrrespondierenden Mitgliedern : in ker phyfifali]ch=matbemaiischen Klasse die .Herren Walter Flemming in Kiel, Wi1be1m His in Leipzig, Leo Königsberger in HeidelberHKarlNeumann in Leipzig, Gustav Re“ius in Stockholm; in 12er Phi 010pbisch=bistorischen Klane “eie )erren Yito Bennbori in Wien, Edward Byles Cowell in London, 3. Duchesnc in Paris, Theodor Gompch in Wien, Wilhelm Von Hariel in Wien, Karl Justi in Bonn, (Georg Friedrich Knapp in Straßburg, Habbo Yerardus Lolling in Athen. Adolf Merkel in Siraßburg, Emil Schürer in Kiel, A. H. de Villefoffe in Paris.

_ Herr Heinrich bon Brunn in München, bisher korrespondierenbes Mitglied, wurde zum auswärtigen Mitglied der pbilosopbisch-bistori- ichen Klasse erwählt.

Die Königliche Akademie der Künste hielt zur Yier des Tages heute Vormittag um 11 Uhr eine öffentliche est- fißung im reich geschmückten großen Saale der Sing:Akademie. Eine zahlreiche Versammlung wohnte der Feier bei. Das Ministerium der geistlichen :c. An elegenheiten vertraten die Geheimen Ober-Re ierungs-Räthe r. Althoff und Naumann; ferner waren er?chienen der Direktor des Kaiserlichen Gesundheitsamts 1)r. Köhler, der Dirigent der Ministerial- Baukomtnisfion, Geheime Ober-Regierungs-Nath Kayser, der Konsistorial-Rath Arnold, die Geheimen NegierungK-Räthe ])r. Curtius,])r. vonBezold u.a. Die Mitglieder der Akademie h_atten zu Seiten der Kaiserbüste Plaß enommen, rechts die Sektion für die bildenden Künste, links ie Sektion furMufik. Das akademische Orchester und der Chor der Akadeime, der unter Professor Joachim's Leitung stand, nahmen die Estrade ein. _

Die Feier begann mit der Festmufik für Chor, Orchester und Orgel von Joh. Seb. Bach: „Preise Jerusalem det) Ferm; [Ohe Zion, deinen Gott! Denn er machet fest-dic 5 ie el deiner Thore und segnet deine Kinder drinnen: er schaYet deknen Gren en Frieden 2c.“ Alsdann_ htelt_ der _ e: henne Ober: auratl), Professor Adler die Festrede uber „Wittenberg und Jerusalem“ und zwar im Anschluß ar) die am 31. Oktober 1892 erfolgte Einweihung der_Scbloßktrche zu Wittenberg durch Seine Maxestat de_n K(User“ i_md die evangelischen “71: ten Deutschlands und an_ die am gleichen Tage 1893 an llerhöchften Befehl bcwrrkte

Grundsteinlegung der evangelischen Kirche u rusalem durch den Präfidenéien des Evangelischen Ober: 'r enraths Herrn Barkhausen und_den Vortragenden. .

Na_ch ber Einleitung, welche der Bedeutun “des Festtags Salt, wurdigie der Redner das vieljährige leb?)an Jntereffe 913, Kronprinzen _ edrich Wilhelm _ verewigten Kaisers Ftiedrick) 111. - r die Wiederherstellung der Schloßkirche und bespraeh das grundlegende Bauprogramm des erlauchten Bauherrn. Demnachft ging er zu einer näheren Erörterung der umfgngreichen technischen wie künstlerischen Arbeiten über,“ welche innerhalb eines Zeitraums von sieben Jahren zur Arrsmhrung gelangt smd. Ein Hauptgewicht wurde auf die Mittheilung des neuen reichen Jnnenfchmucks gelegt, der mit Hilfe der drei bildenden Künste zu stande gekommen sei. Es habe fich dabei besonders darum ehandelt, [eden spaiererr Besucher der Schloßkirche durch finn: volle künstlerische Ausstattung an ]ene große Epoche der deuischen Geschichte zu erinnern, in welcher Fürsten und Ritter, Gelehrte und Künstler, Bürger und Bauern mit größter Be: geisterung der neuen Lehre nch zumandien, Geschehen sei dies durch statuarischen Schmuch von leben-Zgroßen Standbildern, durch Erzreliefs, durch steinerne Wappen und reiche Glas- xnalereien. Den leßten bas Ganze würdig abschließenden Kunst: ichmuck babe Seine Ma1estät der Kaiser und König dadurch herbeigeführt, daß er im Verein mit den zweiundzwanzig evangelischen Fürsten Deutschlands ein prachtvolles, reich in Eichenholz geschnißtes Fürstengestühl nebst seinem Kaiserstuhle im Cbore gestiftet ha , - damit für alle Zeiten ein sicht: bares Denkmal seßend für die feste einmüthige Gesinnung, in welcher aucb urkundlich dieselben Fürsten ihre-Absicht aus: gesprochen hätten, unentwegt und treu an den Lehren der evangelischen Kirche festhalten zu wollen.

Unter Hinweis MILLI die engen geistigen Beziehungen zwischen Wittenberg a iege der Reformation und Jerusa em als die Heimat!) des «bristentbums, wurden die Schicksale der Uralten (Hottesstadt berührt und auf ihre eigenartige Stellung zu drei Religionen, welche hier heilige Stätten verehren, bin: gewie1en. In erster Linie steht dabei die unzerftörbare Sehn- sucht des Abendlandes, welche fick) nach dem Verlust des bei: li en Landes fortdauernd in WaÜfahrten und Reisen _deutscher Fürsten äußert. In der heiligen Grabeskirche iind im )(1-*;_Jak)rl)undert Fürsten aus dem Hohenzollernbauie wie säch1i1che Fürsten gewesen, um hier den Ritterschlag zu empfangen oder Reliquien und Merkwürdigkeiten zu sammeln. Von den ersteren sind hervorzuheben die drei Söhne des Kur- fürsten Friedrich ]., von den leßteren Kurfürst Friedrich der Weise, ber Erbauer der Schloßkirche zu Wittenber und der Hauptgönner und Schirmherr Luiber's. Vierhun ert Jahre später fübrie der fromme christliche Sinn Friedrich Wilhelm 11'. zur Erneuerung des Johaxiniter:Ordens und zur Stiftung eines evau elischen Bisthums im Bunde mit England; dock) ging ein heißer Wunsch auf Erbauung einer Kirche nicht in ErfÜUung. Erst sein _Neffe Kronprinz Friedrich Wilhelm, 1869 nach Jerusalem geichickt, Übernahm das vomSultan seinem Vater geschenkte Terrain, nahe der Grabeskirche belegen und einst den Johannitern gehörig. An diese Reise schloß fich schbn 1871 die Mistion des Vortragenden, den gesammten BMZ der Krone aufzu- meffen und die vorhandene großartige Nuinenmeli ein1ch1ießlich der Kirche, welche nach AUerböchsten Direktiven für evangelische Zwecke im ganzen Umfange wieder nußba'r gemacht werden soll, in architektonischen Entwürfen zu bearbeiten.

Die betreffenden, schon 1874 vollendeten Pläne solleniiun- mebr, nachdem alle Schwierigkeiten in künstlerischer wie frnxin- Zieller Beziehung beseitigt find, auf Befehl Seiner Maxstät es Kaiser?- in wenigen Jahren vollendet werden. Nachdem dann eine kurze Beschreibung der in vollem Fliiffe befindlichen Ar: beiten gegeben worden war und eine nähere Würdigung der alten KreuzfahrerkircLe in baulichem und geschi tlichem Sinne stattgefunden atte, wurden zuleßt die merwürdigen regen Beziehungen zwischen Jerusalem und der deutschen Kunst aus: fübrlicher “nachgewiesen und die Feier mit ehrfurchtsvollen (Hliick- und SegenSmÜnschen, und nachdem die Zubequverti'ire von Carl Maria von Weber verklungen, geschlossen.

Die hiesige Königliche Friedrich WilhelmS-Uni: versität beging die Feier des Geburtstags Seiner Maxstät des Kaiser?- und Königs heute in ihrem großenHörsaale. Ter- selben wohnten der Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten ])r. Bosse, der Unter:Staats1ekretär 1). von Weyrauch, die Geheimen Ober : Regierungs : Räthe 131“. Althoff, Nau- mann, Spinola, RegierungH-Ratb Schmidt und «ndere hervorragende Personen bei. *Die Feier wurde mit Gesang eröffnet, worauf der Professor der Geschichte O1". Lenz die Festrede hielt. _ __

AuSgehend von einem Hinblick anf die umbildende Kraft, welche die reformatorischen Ideen in den von ihnen ergriffenen Staaten entwickelt haben, gab der Vortraxßende eine Uebersicht Über die Lehre Luther's von der po Nischen Gewalt. Der Reformator knüpft, wie er ausführte, den Begriff der: „Obrigkeit“ (die er durchaus persönlich faßt) an den Y_Mklff der Kreatur, der von Gott mit guten Zweckgedanken erquxen Schöpfung, und stellt ihn auf eine Stufe mit den Be kiffen von der Ehe, der Arbeit, dem Vesiß und allen irdischen ütern. Ihre von Gott eordnete Gewalt ist die des Schwertes. Sie dient damit ediglich irdischen Interessen: dcm S_chuß des Friedens, der Wahrung des Rexhts, der Forderung irdischer Wohlfahrt: ihre Funktion ist nur negativ, Noth: mehr gegen die Bosheit und das Elend. Dxirum ist sie schon vor Gott gerecht: wenn auch ohne sem _Wort, ist sie doch nicht ohne seinen Rath, ohne _scine „heimliche Ordnung.“ Hieraus leiten sich alle gegenseitigen Rechte und Pflichten der Regenten und der Unterthanen ab. Unbedin ter Gehorsam gegen die Obrigkeit als die von Gott geseßte c: walt ist daher Pflicht auch der christlichen Unterihanen. Umgekehrt hat die Obrigkeit an sich keinerlei Berpßichtung

egen die Kirche, unter der Luther hier nur die unytchtbare Kirche versteht,“ die an Zeit und Stätte nicht ebundcrie (Ge: meinschaft dcr wahrhaftGläubigen; sie kann Zei nisch sein _und ist doch vor Gott gerecht. Ihre Pflichi gegen ie Kirche begitznt erst, sobald sie selbst christlich geworden_qt, und leitet sich, qbne ihr kreatürliches Recht irgendwie zu tan ieren, aus der Pftt t der christlichen Liebe her, die fie antrei en muß, ben Untert anen einen Zu ang zu Gott zu eröffnen. Aus diesem dopyeltexi Verhältni erklärt fich in Luther's Sinn das a_n eVerhaltmß zu der christgewordenen Obrigkeit, “11 jeder kir li en Ordxmng und der Pflege geistlicher und gei tiger Interessen. Mit einem Ueberblick über die Fortwirkung der Liither'schen Ideen in den s äteren Epochen bis zur Gegenwart hm schloß der Redner. Hit Gesang schloß die Feier. '

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Die Köni liche Technische Hochschule feierte das Geburisfest Seißner Majestät mit einem Festakt in ihrer Aula, zu welchem die Einladungen für gestern Abend 6 Uhr ergangen waren. Schon geraume Zeit vorher war der weite tüchtige Raum von den Damen und Angehörigen der Pro essoren und Lehrer und einer großen Zahl von S_rudierenden dicht gefüllt. „Hinter der Rednertrivüne erhob 11ch auf hohem Postament mit dem dunklen rüncn _Fmiergrunde von Lorbeerbäumen und Palmen die te des

aiseés, rechts davon das reich gestickte Banner der Hoch: schule. An den Seitenwänden des Saals entlang Hatten die Chargierten der studentischen Vereine und Verbindungen mit ihren Fahnen Aufstellung enommen. Als Vertreter des Ministers der geistlichen 2c. ngelegenheiten ersch' n der (Ge- heime Ober-RegierungS-Nath ])r. WeYenpfennigx-Éie Ve örden von Charlottenburg waren durch den olizei-Direktor Ge eimen Re ierungs-Rath von Saldern und den Ober-Bürgermeister Fritsche repräsentiert. u der für den Beginn der Feier fest: gcseßten Zeit_ bewegte sich der lange Zug der Lehrer der An: stalt in den strahlend erleuchteten Saal, voran der Rektor mit der Amtskette und die Profenoren in den ilmen neu ver: liehenen Talaren. Sie nahmen links yon der Tribüne Plaß, während die anderen Dozenten und Lehrer znr Nechten.sich niederließen. Ein Sängerchor,_ welcher in der der Tribüne gegenüber belegenen Loge Aufstellung genommen hatte, leitete die Feier mit einer von A. Dregert komponierten Hymne „Hör' uns, 0 Gbit, Herr der Welt!“ ein. Dann nahm der Rektor der Hochschule, (Geheime RegierungH-Ratl), Professor Rietschel das Wort zu der Festrede „_iiber den gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen und prakti1chcn Wolmunchbygiene, insoweit sie in Beziehung zur Luft steht“. ( Ten Wortlaut dieser Rede veröffentlichen wir in der Ersten Bei: lage.) In das von dem Redner am Schluß angebracht-e dreimalige Hoch auf Seine Majestät den Kaiser stimmte die Zestversammlang begeistert ein. Mit dem Choral „Lobe den

errn!“ schloß die Feier.

_ Die Konigliche Landwir_ibschaf11iche Hochschule feierte den Geburtsta Seiner Majestät am Vorabend, Freitag, in der Arixa dcr Hochs Ule, die eine prächtige Ausschmückung mit der Busta des Kaners, den Bannern der akademischen Korpora- tionen und 1ebenden Pflanzen erbalien hatte. Die CHargierten der vier Verbindungen an der H0chschule 111 Wichs umgaben die Rednerbühne im Halbkreis.

Die Feier begann um 0 Uhr mit einem Gesange bon Mitgliederrr des Opernchors „(Zott grüße Euch“ von Abt. H_1erauf bemeg der Rektor, Professor 1)1'.Weriier die Redner: buhne und gab nach einer der Würde der Feier entsprechenden Einleitung einen Rückblick auf die Entivickelimg der Hochschule, über welche nur Fehr Errreuliekxs zu berichten war, uiid schloß seinen Bericht mii dem WuWch, Daß die Landwirtbschaftlichc Hochschule auch __sernerhin__ zmter __dem starken Schuß Seiner K_aiestät des Kaiicrs und Konich iich kräftig weiter entwickeln moge. ) „Hierauf ertönte das herrliche Lied „Tas treue, deutsche Herz“ von Otto, und bestieg Professor 1)1*. Fleischer die Tri- büne, ix_m die eigenilicbe Festrede „Ueber die Kolonisation der nordiveiideutichen Hochmoore“ zu halteii. Er fiihrie darin ungefähr Folgendes aus:

_ Mit bcrechtigietn_Stcck15 blicken wir auf die kriegerischen Heldenibaten umerer Yerrsckyer, aber der Schwervmikt ihres segens- reicben Wirkens liegt_ nichl sowohl in dem Glanz ibres Waffenrubms, als vielmehr in der jiilXeit, vflicbtgeireuen,_ Weiificbtizien friedlichen Arbeit, diirch die unxere Kurfürsten und Könige keine Staatsaufgabe mehr als die Landeskultur gefördert Haben.

Jbre Tbatet] auf diesem Gebiet bilden seit den Tagen des Großen Kurfürsten eine saft ununterbrochene Kette ben friediicben Eroberungen im eigenen Lande, imb es beißt den Traditietien seiner großen Ver- fahren gerecht werden,_ wenn man zur Feier des Geburtstags unseres Kaisers ein Werk beipricht, das, wenn es gelingen sollte, gleichfalls eine friedliche Eroberung im eigenen Lande bedeuten wird: die Be- siedelnngier großen nordwestdenrschen Hochmoore.

Vermebe, auf diesen gewaltigen, einen Fläckyenraam ben annähernd 120Quadraimeilen bekeckenien Oek1änkereien menschliibe Wobnstätten 511 schaffeti, smd rnit den berichiedensien Erfolgen bereii-I seit der Mitte des 17. Jahrhunderts gemacht worden. Jbre Gescbicbte giebt werth- vOUe Ausschlüffe über die Faktoren, welche für das Gelingen der Kolonisation aurbiesem vonNatur spröden, aber bei richtiger Behand- lung sebr kulinrsabigen Boden ausschlaggebend fine. Laß trotz des glüch1icben Gebeibens einer großen Arizabl mir:! giinstigen Bc- bingungen begründeten Anxiedelungen seit dem Aiiiang dieses Jahr- bunberrs _bie K*olenizatioanätigkeit aiif een *HOchTUOOkM ins Stocken gerietb, 111 _im n*e1entlichen _der Einfübrmig eines Moorkuliurber- fahrens zuzuicbreiben, das zuerit eine beqnem-x undergiebige AUÖUUHUUJ des Moorbobens in Aussicht stellte, durch seine verbingnißvoklen Felgen aber irie kaum ein anderes Ereigniß dic Beäedelmrxisbestrebungen in Mißkredil gebracht bat. Das war das; Morrbren-„ien mit nachfvl=_ gendem Brichweizenbau.

Den Anregungen des unlän st Verstorbenen Unier-Staatsiekretärs ben Marcard i1_t es vornehm ich zu danken, wenn man in den siebziger Jahren w:eder__§1us den richtigen We.; zurückkehrte und große Moerilächen durch Schtssabriskanäle gleickxieitig eine: rationellen [ane- wirtbsckyastlicben Kultur und industriellen Verwertbimg erschloß. Die Auigaben, welche eine gusfichtsrsolle Wiederaufnabme ker Kolonisatiens- bestrebungen nich_t bloß an die administrative, sondern, wie sich immer deutlicher [)erausitellte, auch an die technische und wiffenschaftlicbe Tbätigkeiifiellte, waren sq mannigfaltiger Art, das; nur eine mit Wiffenjgbastlickyen [m_d techni7chen Hilfsmitteln und mit einem gewiffen Einflu aiif die Gestaltung des Moorivesens ausgestattete ZentralsteUe eme g Ückliche Lö1ung Versprach. Diese Erwägungeii Veranlaßten im Jahre 1876 die Begründung der Zentral::))?eorketiimiision, die im folgenden Jahre als ihr wiffenschaftlich-iechnisches Tegan die Moor- Versncbssiation in Bremen ins Leben rief.

Ihre Arbeiten Haben die technische Grundla e gelegt, worauf die neueren Hoch1ne.or-Befiedelnngsbestrebungen mit .[ix-Zsicbt auf Erfol weiter zu bauen hoffen. In staatsmänniscber Würdigung der dur die_Kanalba11ten in den bannobcrschen Hochmooren neu erwachsenen Ausgaben _ bat fick) zuerst die hannoversche Provinzialverwaltung ent- schlossen, in dem größten zusammenhängenden Hochmoorkomvle , dem Bourtanger Moor links der Ems, eine größere Fläche anzukauien und auf Grund ker neueren Erfahrungen in der Moorkultur zu besiedeln. Ihrem Vorgang ist die preußische Staatsregierung in dem großen vpm Ems-Jade-Kanal erschlossenen Misebcr Moor nachgefolgt. Beide Kolonien zeigen bis jetzt freudiges Gedeihen,

Viele Fra en auf dem so eigenartigen Gebiete der Hochmoor- kultur und Be redelung harren noch einer Lösung, die sie nur bei ein- trächtiqem Zusammenwirken von Verwaltungskunst, Landwirtbscbafts- technik und Wissenschaft finden könnexi. Aber die bisherigen Erfah- rungen lassen doch mit einem gewinen Vertrauen aus die fernere Entwicklung des großen Werkes blicken. Gestärkt wird dasselbe durch die tigen Fortschritte, die bisher “_Jandwirtbichaftstechnik und Wissens ft gemacht haben, durch die bewahrte Tüchtigkeit der Volks- stämme, in deren Mitte das Befiedelungswerk fi Vollziebt, durch das Woblwoklcn der leitenden Behörden und dur bie Sachkunde und Schaffensfreudigkeit der mit seiner Leitung betrauten Beamten.

_ Und wenn sich durch die Regententbätigkeit unserer Landesfürsten ieit Friedrich Wilhelm 1. wie ein rother Faden das Streben hindurch-