farb angegriffenen Leute anführen. Wir haben zur Zeit in Ost-Afrika fünf oder sech Frauen, und bei dcr AuSwabl drr Offiziere, die nach Ost-Afrika geschickt werdrn, ist es für mich ein wesentliches Motiv gewesen, wenn die Herren vcrbeiratbct waren und cheigt, ihre Frauen mit hinüber zu nehmen. Denn es ist ja natürlich, daß, wenn draußen nur Kolonien von Männern existicrén, und wenn diese auch noch so gebildet find _ wenn ich auch dem .Twpcnkvlicr“ krine Wirkung zu- schreiben will _, doch nach und nach das gcielikcbaftliche und viel- leicht auch das sittliche Nibeau beruntrrgeht, wrnn solche Männer den Verkehr mit Frauen entbehren. Es hat mich also gefreut, daß auch Damen binübergegangen, die in der Lage smd, eincn geseüigen Mittel- punkt zu bilden. Herr von Scheele ist verbeiratb-kx, ebenso Herr bon Wrochem, und der zweite Frangois befindet fili) in Windhoek mit seiner Frau. Aber die Auöwabl ist beschränkt; viele Verbeiratbete geben nicht hinaus. Es werden meistens nur junge Leute grneigt sein, binäbrrzugeben, und daß ein junger Mann, dsr binübergebt, den Gedanksn dabei hat, etwas zu erleben, auf die Jagd zu geben, bis:!- leicht einen Löwen zu schießen, daß er ein Abcntrxrr erleben möchte, ist das ctwas Sonderbarrs? Glauben Sie, das; rin junger Offizier binäbrrgeben wird nur mit der Anwartschaft, bio“? Straßenvolizri in Tanga zu Üben? Unter solchen Bedingungen bskbmmen Sic keine Leute, und das ist auch rrcht. Jcl) würde von soichrm Menschen nicht viel halten; die Leuts geben einmal hinüber, im etwas zu erleben. Wir Drutschrn find darauf stolz, daß die Deutscixrn immer die Nei- gung gehabt haben, andere Welttbrile zu sehrn, sich in ihnen um- und berborzutbun. Auch das tadle ich nicht.
Nun geratbcn Sir mit fich selbst in Widkrspruck). Wie der Herr Rcferrnt ausgrfübrt bat, ist die Kommission dafür geivesen, daß in Ost-Afriia bei der Schußtrupre nicht das Patcnt der Heimatb, sondern ein eigenes Patent für Ost-Afrika den Rang und das Alter geben solle. Den Zustand Haben wir gcbabt. Wir haben ihn ab- geschafft, weil es nicht gebt; und 65 grbt nicht, weil wir ganz junge Leute, menschlich ganz junge Leute, nicht in bobc Stcilungen bringen mögen, wo sie Weder dis Rrifr, noch auch die chkns-erfabrung haben, um überhaupt anderr zu kommandieren. Wir baben die Erfahrung gemacht, daß wir im allgemeinen besser wegkommen, Wenn wir die- irnigen, dic birr den Höheren Rang haben, auch dbrt mit dem böbrren Rang bekleiden. Man hat ja immer die Möglicbkeit, wenn jemand mit einem älteren Patent hinkommt, ihn in dem Maße zu vrrwendcn, daß er erst Erfahrungen in Afrika macht; abcr wrnn er fie gemacht bat, wird er im Durchschnitt tveribbollcr skin, (115 ein junger thaten- lustiger Afrikaner _ ganz abgrsebcn dabbn, daß rin älterer Mann sich ja schwrr unter einem jüngeren Afrikanrr füg-.*n wird.
Nun, meine Herren, abrr zu den Mißerfosgrn! Wo likgen denn die eigentlich? Zuerst in Bezug auf Kamerun! Also, wir haben in Kamerun jabrrlang gut und billig grwiribscbaftrt, bis die Reste einer Expedition nac!) Kamerun gekomwe'n waren, schwarze Menschen, der wildesten und unbändigstrn Art. Die bleiben da, man kann fie iiicht wegfcbicken, sie würden sonst wiedrr, was sie warrn, Sklaben werde'n; man bat fie freigekaust, man sucht fie zu brbalicn, man verwendrt die Männer bei der Schußtruppe, die Frauen als *"irbeiterinnen. Nun werden Sir zugeben, schwarze Fro-ucn zum Arbiix-xn anzubaltrn, die nicht die Nkigung zur Arbeit haben. iii sckiwirrix; und ich wird?.“- boie, was ich gestern gesagt babe: ich will übrr das, was geschebe'n ist, nicht Weiter reden, weil ich nichts Näberrs wriß; es ist ja cin Bramtrr hinübergeschicki, um die Sacha zi: untcrsmchen. Nun fühlrn die Männer _ den Begriff „Männer“ im afrikanischrn Sinne gc- nommrn, nicht in dkm ron Ebrgattcn im christ1ichcn Sinn _ die Männkr dieser Frauen fick) durch das, was den Frauen geschchn isi, gedrückt. Ich muß sagen, mir grfällt das an den Männern, drnn Es ist das immerhin ein gewiffrs Ehrgefübl, was zum Ausdruck kommt und es ist recht schön. Josi meutern diese Märnsr. Nun soll mir Einer sagen _ und ich möchte denjenigen, drr ini stand: ist, das zu tbun, scbcn _ was hat der Mann, der die Schutztruppe, die Polizei- truppe kommandiert, für Mittrl, binter dirAbsicht das; die Schwarzcn meutern wollkn, rechtzeitig zU kommen? Die Soldatrn rrden eins ganz andere Sprache; er bat gar kein Mittel, fie in ibrem Verkrbr im Jnnrrn zu übrrwackyen. S0 bricht die Mezterei aus. Etwas, was andkrcn Staate'n, die Trupprn in fremden Wclttbeilen babrn, raufendnml passiert ist und immer wieder pasfieri, kassiert uns auch. Ist das etwas UngrbcureS? ist das ein Mißerfolg? EZ nötbigr Uns dazu, eine Anzahl von Truvprn binaußzusckyicksn, um sicher zu sein, daß dicse Meuterri krine größere Ausdebnung annimmt. Das Glück wili, daß die Meutrrci schon bcseitigt ist, ebe dicse Trupps über- bauvt binauskommt. Das Errigniß war unangenehm, es kostet uns Geld; aber es ist doch nichis, woiwn man sagrn kann: es ist cin Mißerfolg unsrrcr Kolonialpolitik. Das bcwcist eben nur, daß wir Binnenländrr sind, wcnn wir solche Dings als Mißerfolg der Kolonialpolitik anirben, (Schr richtig !) Das kann uns noch hundertmal passxcren, wenn wir Kolonien babrn, und wird uns noch bundcrimal vaifirrcn; das ist doch aber gar kein Grund, den Kopf bängrn zu lassen. Der nun binauégssébicktk Bramte bat sofort zurücktelrgrapbieit: «Handel und Wandrl geben gut, (11165 ist vorübrr. Also ich kann dirsrs cm fich unangcnrbmr Ereignis; in Kamerun nicht für Linéli Mißrrfolg Halten.
Nun kommen wir zu Südwest-Afrika, Hier saß Herr bon Franxr'is mit srincn zuletzt 39 Yiann Schuxxxrupprn. Ta wurd? die Lage gegenüber dem Hrndrik Witboi schwierig, der, wir ich schon früher gcsagt babe, bali) Propbrt und halb Räuber ist, _ er bat eine Anzabl Männer, die ibm anhängen, um fick; versammelt, [affen Sir es 500, 600 sein _ der treibt da sein Wesen; er stiehlt Herden, er stiehlt das, was rr an Kleidungsstücken braucht, und so lebt Lr auf srinr Weise: gut in den Bkrgkn weiter. Das hätten wir ja noch länger sr- gchcn lasiem können; aber nun Wurde seine Haltung dadurch gefäbrlich, daß die uns anhängenden Stämme, über die wir den SCHULZ übrrnommen, für dir zu sorgen wir eine moralische Verpflich-
tung battcn, sagtrnx wrnn dcr uns unsere Herden stiehlt, was nußt uns da dcr drutsch€ Schutz! Und noch Weiter: Hendrik Witboi ging- dazu über, sich mit rinigrn diescr Stämmr zu alliieren; wir standen vor dem Entschluß, rntw-Ider Südwrst-Afrika aufzugeben oder die Trurre Francxois' so zu rerstärkrn, daß, wrnn auch nicht sofort, so doch mit dcr Zcit iir Möglichkrit ;;cgrbrn war, diesem Zustande ein (ane zu machrn. Das ist grschrbrn. Die Truppe ist erst auf 200 Man:: verstärkt wordrn und dann sind noch 100 nachgrscbickt. Ehr dir:“- Allrs Zeichkbrn isi, babe ick) eins Krnfrrenz mit drm brrbriratbstcn Brudrr, dem Premier-Lirutrnant Von Franixois, ab- grbalt-xn, und mir einem: "zweiten Brudrr, dsr cht n0ch Neigung hat, in die“ ROiMiC zu geben. Wir babrn durchgciprbchrn, was zu gr-
scheben hat, und find darüber ganz klar gewesen, daß voraussichtlich, wenn man nicht viel Glück hat, es nicht wahrscheinlich sei, daß mit einem Schlage diesem Wesen von Hendrik Witboi ein Ende zu machen wäre“. Denn wie wollen Sie es machen? _ Der Mann verfügt über eine berittene Truppe; die Truppe ficht nicht zu Pferde, sondern steigt ab zum Gefecht, abrr entzieht sich jedem Gefecht zu Pferde rechtzeitig. Also, wenn sie uns angegriffen haben, wenn wir auf sie gestoßen sind, und die Sache ihnen “ungemütblich wurde, dann steigen sie auf und empfrblen sick). (Heiterkeit.) Einer solchen Truppe gegenüber find entscheidende Schläge überhaupt nicht möglich oder webigstens sehr schwer.
Nun wußte Major von Francxois den einzig richtigen Weg, den er wählen konnte: sobald er die Verstärkung hatte, ebe es noch ruck)- bar wurde, machte er sich in schnellen Märschen auf nach der Feste Hornkranz, suchte sie von zwei Seiten anzugreifen, zu umstellen und die Leute zu fangen. Das ist nicht geglückt; es ist das auch an sich ein großes Kunststück, mit 200 Mann 600 zu fangen, die darin fißen. Nebenbei gesagt, hat die Feste Hornkranz eine weite Ausdehnung. Also der Mann ist entkommen; das ist kein Wunder; es wäre ja besser gewesrn, es wäre anders gekommen. Was ist nun zu machen? Es blsibt doch nichts weiter übrig, als dem Witboi nacbzugebcn und ibn immer und immer wiedrr anzugreifen und ihm so die! Verluste an Mensch?", Waffen und Munition beizubringen, daß er zuletzt nicht mehr in der Lags ist, diesen Kampf fortzusetzen. Das hat Franxois getban, dabei ist er noch. Daß das nicht in ein paar Monaten, die!- leicht in zwei, drei Jabrcn einen durchschlagenden Erfolg geben kann, liegt doch auf der Hand; abrr den Erfolg hat er gehabt, das; er in den folgenden Gefechten drm Witboi immer mehr Leutc abgeschossen bai, als er uns, so daß also, wenn das so weiter geht, der Moment abzusehen ist, wo dieser Kampf aufbört. Nébenbei bleibt die Möglich- kcit, dem Witboi die: Waffen und die Munition mit der Zeit abzu- schneiden; und ich muß anerkennen, daß in dieser Veziebang von den Englischen Behörden uns grgcnüber korrekt Verfahren worden ist,
Nun begegnrt man birr wunderbaren VorsteÜungLn. Ich babe sagen böten: jeßt woÜen wir doch ein Kavallerie-Rrgiment hinaus- schickenT (Heiterkeit) Das soll der Sache den Garaus machen“.) Wie soil denn das gi'macht werden“.) Drübcn giebt's keinen Hafer, und drübsn giebks sehr wenig Wasser; und das find zwei Vorausseßungrn, ohne die die Existenz europäischer Kavallerie nicht möglich ist. Die Pférde drübrn, die wir brauchen _ unsere Schußtruppe ist auch be- ritten _ werdrn donKapstadt gekauft: kleine _ um den militärischen Ausdruck zu gebrauchen _ KaZen, die nicht sehr stark find, aber die unbezahlbar? Eigenschaft haben, sich von Gras zu nähren. Wenn der Marsch zu Ende ist, über Mittag oder zur Nacht, wrrden fie auf die Wride getriebrn _ meist ist das Gras trockrn, also Heu, davon leben sie, und das 1“th fir in den Stand, drn Rsiter wirdrr einen Marsch wciirr zu tragen:. Von solch€r Truppe kann man nicht erwartrn, daß fir mit der Schnrlkigkrit einer Europäischen Kavallerie oprriert. Nun mcxg eins afrikanische Truppe noch so anspruchslos ausgerüstet sein, sie hat gewiff Brdürfnisic: ('s, muß ibr Munition nachgefabrsn Wurden _ sic bat zwei Grfcbüße _ es müssen auch stsnßmittel narbgrscbickr wrrden, man muß für dic Vsrwundrtrn iorgen und dafür ein Paar Wazcn babsn. Nun bitte, stellen Sir sich vor, daß jrder dirsrr Wagen mit achi bis fünfzrbn Ochicn brspannt ist, sonst kommt er nicht [)mit Flick. Wslciyr Erschwerung für die Bewegung ciner Truppr, solchcn Troß mitzufübren!
Es bat (1er anch die Größe der Truppr, dic brrwrndrt wird, cini: Grenzr. Wir babrn drm Major von Fraiigbis gegeben, was ('r an Truppen beansprucht [ckat._ Er konnte auch nicht mehr beanspruchen. Drnn wenn er auch mit taussnd Mann auszirbcn wolLte, er kann ibnrn kein Waffkr grb€n, weder Heute noch morgen. In drr Regenzrit fließt r€ichlich Wasser arif das“ Land herunter, 0er das Land strigt bon drr Küstr rasch ÜUf, und das heruntergrkommrne Wasser fließt cbrnso schnrii wieder ab. Und da, wo wir Ansiedelungcn gründen, fängi dir Kunst mrist damit an, daf; man in irgknd Liner Weise bintér Dcichrn odrr in Zisternen wäbrcnd drr Regrnzeit soviel Waser auffängf, daß man dén Rest drs Jahres daddn leben kann. Nun möchte ich, daß Siklkk derjrnigrn, dir drn Herrn Major don Frangois dafür radeln, daß er nicht grrße KMUs grgen Witboi fübrr, uns die- jrnigrn Mitirl angicbi, wic man mit rinrr Trupps vicle Tage max- scbicrrn kann, wenn dir “Truppr zu groß ist, daß fie mit drm Waffrr- inhalt der vorbaridcncn Pfiißrn genügend gctränkt wrrdrn könntr.
Nun nebmrn Sie, bitir, writrr an, daß das Gebict von Südwest- Afrika Vorn Nordrn bist zum Südcn ungsfäbr cbsn so weit ist wie Von Mrmrl bis Konstanz, und in drr Brrite imgrfäbr wir bon Ham. burg bis an das Erzgebirge, und dieses Grbikt, drnfen 'Sie: NÖ, Hält ein Mann jsßt bc'srizt mit 300 Mann. Es ist gar nicht möglich, daß er das ganze? Grbirt bebcrrscbt, daß er jrden cinzrlncn Flcck, an drm drutsche Anfiedelungrn smd, so schüßt, das; die Räuber des Witboi nichts dagegen untrrnebmcn iönnrn. Witboi zisbi auch nicht mit seiner ganzen Masse aaf rinmal aus, er tbcilt fir, rr schickt cinmal bier rinen'Pulk bin, rinmal dorthin, die zrrstörrn bier und da, ncbmen bier und da eine Virbberdr weg, und dann brrschwindrn sir.
Ich bin also der Meinung, daß Herr Major Von Frangois 11icht andkrs Hätte handeln können, als er gehandslt bat, und ich sebr in feinrn Handlungen nicht drn mindesten Grund zu einer abfälligcn Kritik.
Nun find mir troßdem zab1r8iche abfäUige Kritiken über ibn zuge- kbmmen. Ich babe schon gestern gesagt: gikbt Ls denn etwas, was natürlicher ist“.) Herr bon Francxois kann don Weißen, dir drüben find, nicht alle: Wünsche brfriedigcn; selbst Missionarr klagen über ihn; aber auch das ist natürlich. Der I.)?issionar, dcr Lina Gemsindr um sich versammclt bat, idrntifiziert fick) allmäblich immer mit der Gemeindk, und rr wird geneigt sein, die Gemeinde in Schuß zu nchmrn gegen dic Vehörds, wrnn deren beiderseitige Interessen sich zuwiderlaufen. Ich würde mich auch gar nicht wundern, Wenn selbst aus der Truppe heraus Klagen über den Major von Francxois kämen. Denn daß rr nicht in der Lage ist _ ich habe nicht die Ehre, ihn persönliä) zu kennen _ aber daß er gar nicht in der Lage ist, einen böberen Grad von Liebenswürdigkeit zu entwickeln, ist mir unzweifel- baft. Selbst aus den kameradschastlichen Beziehungen muß der Be- fehlshaber unter solchen Verhältnissen bis zu einem gewissen Grade heraustreten.
Es ist eine bekannte Erfabrang, daß aaf Seeschiffcn, wenn sie eine lange Fahrt haben, der Kommandant sich schließlich isoliert bon drn übrigen Offizieren. Tbut er das nicbt, so wird Lk zu vertraulich mit ihnen, und Wenn er ihre lrtzte Kraft einmal braucht, rricht seine Bcieblkraft nicht mehr ans. Ick) vcrmutbe, daß es hicr ebenso ist. Hcrr Major bon Franxois kann nicht Skat spielen mit seinsn Unter-
gebenen _ um dieses Beispiel zu brauchen _, sondern er muß |ck von ihnen absondern. Und daß das hier und da Mißvergnügen ber- vorruft, ist mir ganz begreiflich. Also ich kann nicht anerkennen, daß hier etwas verfehlt worden ist und daß in Südwest- Afrika Grand gegebkn wäre, von Mißerfolgen zu sprechen. Wir haben nicht den Erfolg gehabt, den wir uns gewünscht hätten, wir haben nicht das große Loos da gezogen; wir haben aber nichts versäumt, wir find in nichts zurückgegangen, und wir sind auf der Bahn, auf der wir weiter kommen Werden, wenn wir nur das haben, was unseren Koloniaj. freunden hier meist fehlt _ Geduld.
Nun die [este Kolonie Ost-Afrika! Wo ist denn in unserem Ost, Afrika der Mißkrfolg in den [eßten Jahren gewesrn? Wir batthnjn Ost- Afrika den Freiberrn von Soden und haben nach meiner Mei- nung unter dem Herrn Frsiberrn von Soden eine ausgezeichnete Re, gierung in Ost-Afrika gehabt. Ich habe bedauert, daß er abgegangen ist. Das war also Typ Affefforißmus und Bureaukratismus. F ist der Typ Militarismus gekommen, und ich glaube, wir haben das Glück gehabt, wieder einen aus,]ezcichneten Mann zu finden, Und wir haben auch in dcn letzten Jahren das Glück gehabt daß er nirgrndwo eine Schlappe erlitten bat. Ich würde mich nicht darüber wundern, wenn ihm das einmal pasficrre, aber es ist ihm nicht passiert; er hat einen Erfolg nach dem anderen gehabt und unsere Herrschaft aug. gedehnt. Er ist am Kilimandscharo gewesen und erweitert jeßt unsere Herrschaft nach dem Innern. Sollten wir aber einmal geschlagen werden, sollten Stämme aufrührerisch werden, sollten wir einen Ort verlieren, drn wir jest baben _ wenn man auf so etwas nicht gefaßt sein wiÜ , so muß man das' Kriegfübren lassen und auch das Kolonifieren aufgeben, denn das smd die unvermeidlichen wirtbscbaft. lichen Außgaben, die dabei gemacht werden müffen. Nack) allem diesem bin ich der Meinung, man hat nicht die Brrecbtigung, zu behaupten, es wären in den letzten Jahren Mißerfolge das Charakteristikum unserer Kolonialpolitik gewesen. (Vravv !)
Abg. Dr. Lieber (Zentr) erklärt" seine Befriedigung über die Ausfübrungxn des Reichskanzlers, welche von der Verzweiflung an der Kolo_nialpo1:tik „ebenso weit entfernt find wir von der Kolonial. schwarmerrt. Die Mißerfcüge hätten das Zentrum nicht erschreckt: darauf ski es vorbersitet gewesen, ja man hätte vielleich noch schlim- mere Dmg? rrirbrn können. Die Klagen, w€lchr erbob€n worden, werdrn s1ch Woh] auch als nicht anz begründet beraus- Ztellen. Der veriiorbene Herr von_Ma inckrodt sagte bei alien „olchen Klagen: Dre Urschriften aus meinen Tisch, dann Werde ick? sehen ,_ was zu machen ist! SochÉ Gouvernementsbefcble, ww die hier angeführten, können nur erstimmung herborrufen unter den dort lebenden Europäern. Wenn eine Kritik die Ncigun der Beamten, in, die Koionien zu geben, Vermindert, so ist d axidercrszxits auch richtig, daß solche Vorkommnisse in drn Kolonien die Tbctlnabme der deuttchen Bewölksrung an unseren Kolonien bk- em'trkachtigenmmüffen. Bezüglich der Rrsolution über die Väter vom H€1[19811_G€11t stehr das Zentrum aus dem Skandpunkt, das; «s fich dabei nicht uiii Einen Grgenstand der inneren K*irchenpolitik handelt": es Handelt 11cb dabri nur um die Verhältniss in den Kolonien, wo _große kulturells Ausgaben zu lösen sind, denen auch dir Misßonare disnrn sollcn. Gerade für die dcutschnationaie Seite ihrer Aufgabe folien die Missionäre in Deutschland sr- zogrn wrrden. Mit _dem Abg. Bebrl könne man sich aÜcrdings über die!r_Frage nicbt berjtändigen. Drnn er behaupte, daß es mit dem Cbriitxntbum der bekehrten Bevölkerung sehr schlecht bcstsllt ssi. EZ strbt damit besser, als mit mancher Gemeinde in Deutschland. erncr tritt auch für _die zweite Resolution der Kommission für die Be- strafima dcs Sklabknraubs uno des SkiaNnbandels ein. Wenigstens innerhalb des drutirbe'n Gebiets müßten solche? Dinge bestraft wsrdcn. Sclywirrig ist die Sache ailcrdings; drnn es ist schwer, den Sklaven- raiibtitnd -Handel zu Verbieten, währendxman das SklaVOnhalten nrcb ge! a et. «.
Abg. Bebel (Soz.): Der R€ich§kanzier scheint drm Vorgang ir. Kamerun krine erbeblicbe Bedeutung beizulegen. An der Hand dä Berichts deri Gbuberneurs wird fich nachweisen lassen, daß die Vor- gängs ntcht aÜ-Zm Srbaden anrichten und Geld kosten wrrdrn. srndern daß fie auch leicht battrn vermieden werden könnsn. Auf brsbndcrc Jnfdrmationen babe ich mich gcstern nicht gestützt, sondern aus*drücklick erklart, daß ick) xiur bekannte Dinge vorbringen will. Meine Kritik war nicht so scharf, wie die Kritik durch die Presse; man würds sicbir Auslande_gewundrrt haben, wenn die Vertretung des Volks überdies- ZOinge gsicbwiegen hätte. In anderen Staaten übt man rine sebrrii 1chärsere Kritik,_ wOVOn der deutsche Parlamrntarismus nur ck schwircbrr Abklatjch isi. Dsr Major von Wrochrm mag ein tüchtißä Offizier sem, aber er hat fich jedsnsaÜs als ein schlechter Leiter sini: Kylonir» gc'zeigt. Die: bsi uns schon in_ üblen Ruf grkommeni» milita- ri1ch€ Scioneidigkeit Ut in Ost-Wrika und in dcn Kolonien übcrbaudl gar nicht angebracht. Wrnn nicht ein Ich grfunden wird. um kik K'olonialbeamtrn für ibren Beruf besser borz_uber0t9n, dann wird man überhaupt auch in Jabrzrbnten keinen Erfolg zu ocrz€ichnen haken- Dcr Reichskanzlcr bar ]Slbft anerkannt, daß ein Kaufniann [*r-"* JntcÜigknz und Mittrln sein Glück andSrwärts sucht als in O1!) Afrika. Das iit die? schärfste Verurtbrilung für Ost-Afrifa. Deßbal? wiltc man nun Mittel für übrrfliissige! Versuch nicbt mrbr 0erka dcnn auf die *:Oauer könnrn dort die Europäer überhaupt nicht auk- baltrn. Selbst auf dem (Orbis! der Missionen sind keine Erfolge er zielt worden. Aber irlbst wenn die Väter Dom Hriligen Geist dab!" kommen, wird es nicht beffrr werdrn. Durch Rkligion schafft'inä" ksinkn K*nlruriusiarid, wohl aber schafft drr Kulturzustand Religion- Wclchsn Einfluß batte denn das Cbristrntbmn in dem ersten Jaks- bundettrn bei unseren drittschen_Vorfal)ren? Die alten bridmräißn Auffassungen und Vorurtbxil? be7tanden noch Jahrhunderte lang. WU sieht es denn mit dem Cbrijtentbum dsr christlichrn Abesfinier JUZ? Voi Uns [eidrn dic: Kulturauigaben Noth; es fehlt an Geld für “75917“ bildungsscbuldcn, für wissenschaftlickye Bauten u. s. w. Da babenrvlr 0110 Ursache, uns zu besinnen, ebe wir Millionen für solche "JW guöacbcn. Wir blkibexi bsi unserrr ablcbncndcn Haltung. Ost“ M“ ist fast ds_ppelt so groß (115 das Deutsche Reich und da klagt mä“- diß das Yintrrkand an En-Zland abgetrrten ist. Wenn wir das „Land, nur abtrctrn könntrz) gegen Erstattung drr aufgewendeten Mittel. Dsr Major von Wismann Hat sich bri seiner Expedition nach den: innerasrifanrscben Seen großer Unterlassungssünden chuldig get/gacbk er hat für die von ibm mitgrführtcn Handwerker ni t rinuxal «(bub Legen di? tropischsKSr'nne gricbaffen, wie dies in England xmms? JK chiebt._ Auf die Kinder und Enkel bat man uns vertröstet. YU emem iolcbe'n T_rost ist uns nicht geholfen. ,
Abg. [Jr. Hammacber (ni.): Der Vorredner verlangt [ck01 jrßt für die Lebenden die Frücbte der Kolonialpolitik; wenn dle]? nicht gleich vorhanden find, 0 Wii] er die Aus aat Verbindern. WM" Englgnd, Frankreich und Hokland ebenso geda t hätten, dann c[Zattkkn sie_ ntemals Kolonien gehabt. Haben Englan , Holland und MFM: reich tböricbt gebandelt, als fie ibre Kolonien ründeten? Dex RAM“ kanzler sprach von der Schwirrigkeit der Anichaffung i?auiknanm'cbc-r Kräfte; daraus leitete der Vorredner den Schlu [ck „dat? für deutsche Unternehmungen in Ost - Afrika über aupt mcbf, zu machen wäre, daß" man deshalb die Kylomrix ») „Ulk; Leben'solle; Dic Niedrrlanung zahlreicher Deutscher m Oxé-slikiér
abe ich niemals erwartet; aber für Plantagenkultur ist dort Yoßa Raum vorhanden. Ich erinnere an die Tabackplantagen n'. „SW,; Der Kgffeebau ist auch bcgonnen wordrn, und wenn nichk MM 5“, rricht ist, so liegt das daran, daß es an der nötbigcy Rl! “ALS „“,“ Rubi: u11d_Ordnung ist das erste Erfordrrniß. Dazu tik dk? “*:-chibi truppc bestimmt, die man als eins Poliiri- odrr cine MtlliakmlÜN betrachten kann_, die abrr hauptsächlich bestimmt war, _dzén OMNI, 11chern. Es 1ind auch manche mrsitärische Expeditionen U" &“
muten, die besser unterblieben wären. Auf die Streitfrage:
'kitarißmus _und _Affefforismus, [aße ich mir!; nicht em. Weder der Militar noch drr Aneffor ist der geeignete Malm für die Verwalturig der Kolonien. Ich habe in Bezug auf die NeuGuinea-Kompagme“nicbt das behauptet, was der Abg.Rtchter ausführte, sondern nur,_ daß v_on zehn hinausgescbickten Beamten sich nur zwei bewähren. Diese Er-“czbrung maeht dle ReichSregierun (ruck). Es kommt nicht auf die Vorbildung an, ,sondkrn auf den ge undrn MenscbenVerstand und den praktischen Blick. Der Reichskanzler bat ausgeführt, daß pon Francxois nicht alle deutschen Interessen scbüßen könne. »s giebt dort nicht _viel zu schüyen. Das einzige, was zu schüßen war, war die große «Heerde des Herrmann in Kuba _ Herr von Francois Hat es abgelsbut, den rrmann zu schützen, weil er meinte, daß Hendrik §Witbboi nicht im tandc sei, einen räuberischen Ueberfall zu machen. Herr von Francxois bat sigi) getäuscht, die Resolution _bitte ich anzunehmen. Die Frage, ob die Väter vom Heiligen Geist zu den AiZliierten drs Jesuitenordens e- hören, untersuchen wir r_1icht._ Der 5 undesratb hat diese Frage 6- jabt; der betreffende Bitchlux; müßte also aufgehoben werden. Die Väter vom Heiligen Geist sollen ihre Schüler auf deütschkm Boden „»in deutschem Geist Erziehen. Von den Missionen hängt nicbt nur die Erziehung dsr Einaeborenrn znr Arbeit ab; sondern aucb die Förderung sonstiger Kulturintkreffcn ist nur möglich durch die Mit- arbeit der Missionen. _ ' _ , _ ,
Abg. Ebni (südd. Volksp.) Wrtcht sich für dre Reiolution in Bexug auf die Bestrafung des Sklavenhandels aus, die dringend noth- wendig fei“ schwierig sei die Sache_ abrr , dadurch,_ daß das Sklaven- halrrn nocli gestattet sei. Die Erfolge drr druticb-en Kolonialpolitik eien nicbt bedeutende. Man hat Von dem Tropenkoller gesprochen. Dian wandelt eben nicht ungestraft unter Paimrn; wenn aber der Tropenkoller sich bei den Beamten zeigt, dann [ollie man ße so schnell wie möglich „aus ihrem_ Amt entfernen. Besonders mü e aberxfür die Lösung der Arbeiternage gesorgr wrrden, die Haussklaven müssen beseitiat werden; deshalb muß in dte Resolution auch die Strafbarkeit des Sklavenhaltens aufgenommen werden.
Abg. 1)» Lieb er (Zentr) bestreitet, daß das Zrntrum die Kolonianolitik nur WLJSU der Missionen untkrstüße; im Namen seiner politischen Freunde und auch wohl aller (Ebristen müffe er Widrr- spruch erheben gegen die abschäßige Art und Weise, in_ wclober der Ab . Bebel vom Cbristrntbum 1prcche. Daß die Kuktur neue Reiigionen schaffe, nxag sozialdemdkratiscbe Wissenschaft sein. Es schlägt aber der Geschichte Vollstaxidig ins Gefickot. Die christlich- crmanische Kultur ist durch das Cbristentbum geschaffen. Das Christen- ibum der Abessinier ist mit dem Cbristentbum der römisch-katboliichen und der evangeliscbm Cbristeri durchaus nicht in Vergleich zu steUen; es ist nicht als Maßstab dafür anzunebmrn, was das Christsntbum elristet hat und leisten kann. Was der Abg. Bebel von der christ- iicben Kultur hält, lst bekannt; aber er (Redner) widerspricht dem, daß im ReichstaÉe so vom Cbristrntbum gesprochen werde.
Abg. von alisck) (dkons.): Wo wären wir, wenn man zur Zeit des Großen Kurfürsten so gedacht hätte wir beute die Sozial- demokraten? Ich will aiich im Namcn des Christenibums Widerspruch erheben gegen die Ausrübrungen des Abg. Bebrl. Er sollte doch wiffen, daß das Reich Gottes aufErdcn noch nicht boÜrndet ist. Die Missionen leisten “vieles, und wénn fie nur eine einzige Srele ge- winnen, so ist das mehr aks alles, was die Sozialdemokraten bis jevt Positives geleistet haben.
Abg. von Staudt) (dkons.): Wir erwarten bon ds_n Kolonien wirtbsrhaftliche und nationale Vortbkile für die Zukunft, deshalb wollkn wir die Kolonialpolitik. Unser Herz schlägt auch warm für die Zukunft Deutschlands. Es tbut mir [Eid, daß wir nicht auf eine fiärkere Kolonialpolitik binwirkcn können; 8_9 Millionen Mark jährlich für diesen Zweck auszugeben, würde mir nicht unrichtig ersch€inen. Das würde eine wertb00Ue Anlage sein. Das Christen- ibum in Sobutz zu nehmen, babe ich,nach den Aeufxcrungen der Ab g. Dr. Lieber und bon Salisch_ keine Veranlaffung mehr. Zu einer ziclbewußten Kolonialpolitii“ rechne ich auch die us- bildung der Beamtsn für die Koloniexi. Dafür muß genügrnde Fürsorge getroffen werden. Kaufleute mußten für den Koniaidirnst mebr grwonncn wrrden, abcr ami) andx'rr Wege müffen gefunden werden, um die Beamten derartig auSzubilden, daß man eine gewjsse Garantie für ibre Bewährung in verantwortlichrn Posten bat. Das; das jetzt nicht immer der Fall gewc1en ist, wird auch die Regierung nicht bestreiten. Hrrr von Fran-xois hat eine Verstärkung der Schu - iruvpe Verlangt, dann ivrrde er alien Eventualitäten gewachsen sein. r hat sich geirrt, und dczs müßrc eigentlich 'nicht Vorkommen. Wir sind der Uebcrzeugung, daß die Kolomqlpoliiik eine Nqibwendigkcit für Deutschland ist; wir boffen.„daß die Regierung sie Fördern wird, fie wird damit immc'r an uns eme Unteritüßung finden.
Ab . Bebel (Soz.): Der lebhafte protest des _Abg. Dr. Liebrr war wo [ mehr auf die Wirkung nach außen hin als “für den Reichstag berechnet. Ich habe das Cbristentbum m 1“ berabgeseßt, sondern an- erkannt, daß 60 aus Liner so hoben Kultur tufe stammt, daß die Neger es nicht begreifen können, daß die Abessinier trotz ibrks Cbristrntbunis wieder auf den Standpunkt der Barbaren zurückgesunken sind. Was iie christlich Priester für Deutschland tbaten. war nicht das Predigen (hiistlicber Lehren, sondern die Einführung römischer und griechischer Kultur. Die christlichen merovingiychn Königc waren tro ihres Cbristentbnms die reinen Barbaren. Was bedeutet drnndas bristen- tbxxm in Afrika? Prügelstrafr, Mißhandixmg von Weibern, Schnaps- Peit u. s. w. Der Sklaverrt wil! MKT! entgcgcntrrtcn, abe'r man duldet die Haussklaverei; dort die HaussklaVLrei, hirr die Lohn- sklaverri, das ist die christliche Kultur.
Abg.1)r. Lirbcr (Zrntr.): Dir Auirccbirrbaltung der Haus- sklaverei in Afrika und der Lobnsklamxrei hier ist doch nicht der ganze analt des Cbrisientbums. Ueber Kultur kann ich mit einem Manne mxbt streiten, welcher die Kommune in Paris sympatbiicb bkgrüßt Hat. Die Einführung des Branntweins'in den Kolonien ist nicht christlich; 1ch ermnere nur an den Streit zwischen Zenn Woermann und rinrm evangelischen Pastor in Bezug auf die * ranntweinxragc. Mit dem Abg. Bebel kann man fich nicbt verständigen, Weil er das Christen- tbum als das Produkt einer Kulturstufe bezeicbnct, während wir sagen, das Cbristentbum ist die Religion, welche die höchst entwickelten Mknsckpengeister befriedigt und die nicdrigst Stebenden zur Ent- Wicklung bringt.
Damit schließt die Diskussion. Beide'Resolutionen werden unverandert gcncmnixt; dcr Antrag'Ehni, das Sklavenhalten ebenfalls unter Straie zu stellen, rmrd abgelehnt.
. Genehmigt werden darauf der Nachtrags-Etat für OstzAfrika
UUf_das_Jak)r 1893/94 (550000 016.) und der Etat fur Ost- Afrrka fur 1894/95 unter Abfeßlung von 130000 „jk: einmaliger AUSJabrn, entsprechend dem 5 nfrage der Bud etkommrljfion, nachdem der Abg. Graf Bernstorff : Lguen urg (d'ons.) gegen dre Streichung der 1300005“: protestiert harte, weil fie hauptsächlich für die Zwecke der Mission bestimmt sei.
Um „5 Uhr wird die Weiterberatbung des Etats der Schußgebiete auf Montag 1 Uhr vertagt.
Preußischer Landtag.
Haus der Abgeordneten.
© „18. Sißun vom 17. Februar 1894. '
«Im weiteren Ver auf der fortqeseßien „zweiten Be- rathung desStaatshau-ZZalts:États fur 1894/05, und szvar des" Ministeriums es Innern, nimmt m der
ebatte uber das Kapitel „Einnahmen der Strafanstalts- SQÉWNUUUJ“(Gefängnißarbeit) nach dem Abg. vonMendel- Nteinkels (k011s.) (s. d. Anfangsbericht in der Sonnabend- Ummer 0. Bl.) das Wort der
Abg- v. Elrrn (kons.). Rednrr sucht darzulrgen, daß die Ge-
olgen, babe, ' und fordert vom sozialpolitis en Standpunkt aus cbleumge _Abbtlfe. '“
Geheimer Regierun s - Rail) Vr. Krobne macht darauf auf- merksam, das;,in vielen efängniß-Betrieben, z. B. in der Schreinerei, S5bxtbmacheret„ Schneiderei :c., die Arbeit weniger eine handwerks- maß: €, als vrxlmebr eine fabrikmäßtge sei. Im Verhältniß zur Anza [ der „freien Arbeiter würden nur 0,2 bis 0,3 0/9 Arbeiter in den Gefangntffen bes äftigt. Die Regierung sei aber zu allen mög- lichen Maßnahmen. ereit, um diese Konkurrenz möglichst wenig fühlbar zu ma en.
Abg. Lü b_of„f (fr. kons.): Der Staat hat das Recht, die Ge- fqngenen zu beschafttgcn und für seinen Bedarf zu beschäftigen, jedoch mcht_ da's,Re'cht, den freien Arbeitern Konkurrenz zu machen. Die Bereitwrlltgkeit der Verwaltung zu möglichstem Entgegrnkommen ist aber dankbar anzuerkennen.
Abg. Pleß (Zentr.): Man erwägt allerhand Mittel, um die Lgndwirtbschaft zu schützen, die Beamten besser zu stellen; aber an- die Handwerker denkt man nicht. Wenn auch die Lösung der Frage der Gefängnißarbeit schwierig ist, so wird man die Schwierigkeiten dennoch überwinden, wenn nur der ute Wille dazu da ist.
Abg. Rickert (Frs. wg.): Die konservative Partri nimmt er- freulicher Weise heute ei_nen„ anderkn Standpunkt ein als noch 1891, wo fie ;Petitionen in dieser Frage ablehntk. Diese Sache kann aber mit Er olg nur in einer Kommission beratben werden; es würde 1ch desbxilb vieilsicht die Verweisung drs Titels an die Komzms ion empfehlen. Dort könnte uns die Regierung umfaffende Mittheilungen über ihre Maßregeln machen, und wir könnten bestimmte Brsckywerden vorbrinaen. Ich stimme darin überein, daß mit der landwrrtbschaft- lichßn Beschäftigung der Gefangenen ein ernsthafter Veriuch gemacht wer (2.
Abg. Graf zu Limbur - Stirum (kons.) bestreitet, daß die Konservativen einen FronTWecbsel in dieser Frage gemacht hatten. Woüe man die Gefängnißarbeit zulassen _ und das woÜe man, doch _, so trete ganz natürlich eine Konkurrenz ein mit den freien Arbertxrn, auch wenn man die Gefangenén bei Yieliorations- und Kanalarbeiten beschäftige. Das fteieÉandwerk müffe aber vor diejxr Kdnxurrenz be- wahrt werden. Die erwxisung an eine Kommimon set zwecklos, es sei denn, daß Herr Rickert „bestimmte maßgebende Gesichtspunkte aufsteÜte, über welche die Kommission bcratben könnte._
Abg. Euler (Zentr.) wünscht, daß die Bedürfnisse der Armee durch die Gefängnißarbeit befriedigt würden. Die Handwerker batten besondere Nachtbeile durch die Militärpflicht; denn 11ntaugltche"_aus anderen Berufszweigen skien daddn ggnz frei, die Handwerker mußten als Oekonomiehandwerker für den Staat arbeiteri. Dre Gefangenen könnten cbrnso gut unter der Lritung des Bataillonsschneidérs und -Schuhmachers arbeiten, wie unter einem Unternebmgr.'
Abg. Schwarze (Zentr.) tritt für die Beschaftigung der, Ge- fan enen bei der Moorkuliur ein. Was die Gefängnisse produzierer], düriite wenigstens nicht zu biÜigeren Preisen abgese t werdrn 015 die Fabrikate der freien Produktion; ebenso dürften die öbne fur die Ge- fangenen nicbt niedriger sein_ als die der frrien Arbeiter.,
Abg. Freiherr bon Huenc (Zentr.) stimmt diesem lrßtercn Wunsch zu. Die Frage der Oekonomiebandwerker sei" a_uch schon mit Erfolg im Reichstag brbandelt wvrden. Die Bescha [gung der Gefangenen für Zwecke der Moorkultur bedinge die „Erri tung neuer Strafanstalten cm Ort und Stelle und würde MiÜwnen kosirn, ,
Abg. Von Eyrxern (nl,): Die Schwwrigkeiten drr Abhilfe smd allerdings sebr groß; aber eines könnte sofort beseitigt'wxrden: drr maschinelie Betrieb in den Gefängniffen, durch dessen Cmfrxbrring die Konkurrenz vrrZÖärst worden ist. Positive praktische Voriqchlage'zu anderer Beschätigung drr Gefangenen in de_n Anstalten Und nicht
VoUsiändig läßt ssic'k) die Gerängnißarbcit und darmt die Konkurrenz derselben nicht be eiligen.
Die landwirtbscbaitliche Beschäftigung ist aÜerdings erwägenswertb. - . _
Abg. Meßnrr (Zentru) bittet um Vorlegung emrr eingehenden Statistik über die Gcfangnißarbeit, wie fir sonst alljährlich dem Hause mitgetbailt worden sei. , ' _"
Geheimer Regierungs-Ratb Dr. Krobnc stellt dicse Statistik sur die nächsten Tage in Artsficht, . ,
Der Rest der Einnahmen wrrd bcwikltgt.
.Bei dem ersten Titel der dauernden Auszgaben:
„(He alt des Ministrrs“ wünscht , bg. Olzem nl.) eine_ bessere Versorgung der rbeiniZchen Kom- munalbeamtcn in T ezug aus Perisionsberechtigung und Llnteüung.
Präsident des Staats-Ministeriums, Minister des Innern Graf zu Eulenburg:
Es wird kaum dsr Bemerkung bedürfen, daß das Ziel der Wünsche, die Von dem Hrrrn Vorredner ausgesprochen worden find, durchaus mit den Wünschen der Staatsregierung übereinstimmt. Indessen, um dieses Zirl zu erreichen, würde ein Weg ngangen werden müssen, welche'r auf so viele Schwierigkeiten stößt, daß die Regierung für jeßt nicht in der Lage ist, ancn in Aussicht zu stellen, eine solche Vorlage Ihnen zugeben zu lassen.
Ich bitte: den «Herrn Vorrednrr, sicb Folgcndcs zu bergegen- wärtigen. Ucbrrall, im unmittekbarrn Staatsdienst? uneingeschränkt, aber fast ebrnso uneingeschränkt im mittelbaren Staatsdienstc, sind in einem gegenseitigen Verhältniss lebenslänglicbc Anstellung und Penfionßbcreckytigung. Nun sind aber nach der gegenwärtiganage der Gemsindrgesrngebung am Rhein die Beamtcnkatcgorien, bon denen drr Herr Vorredner gesprochen bat, nicbt lebenslänglich angestellt, und es ist einer der nicht unerheblichen Untrrsckyiedc der rbrinischen Gemeindegesrße Von den östlichen Gemeindegeseßrn, daß dirsc Art von Beamten nicht müssen lebrnslänglick) angkstellt wrrdrn. Im Osten muß das grschebcn, am Rheine braucht das nicht der Fail zu sein.
Nun bitte ich, fich vorzusieilen, welcher Erfolg davyn zu erwarten sein wiirde, wenn wir dazu übrrgeben woliten, diesen Beamtrn, dir theils auf bestimmte Frist, tbeils auf Kündigung angestellt find, die Penfionsberecbtigung beizulegen und dabei ferner bestehen zu [afferi die weitere Bestimmung des rheinischen Geseßes, daß darübrr, ob die Pensions- berechtigung eintritt oder nicht, eine strie Vereinbarung zwischen den Gemeindebehörden und den betreffenden Bkamten zuläsfig ist. Es fehlt also der Boden, auf dem die Pensionöberechtigung aufgebaut wcrdcn kann. Ick glaubs, wenn man dir Frage so stelicn würde: ob die Gemeinden bereit sein würden, sich zu unterwerfen der Bestimmung, daß die Subaltern- und Untrrbemnten in drn Gemeindsn, sofern fie nicht bloß zu mechanischen Dienstleistungen berufen find, lebenslänglich angestelit werden müßtrn, daß wir da auf sebr erheblichen Widarstand stoßen würden und darum Vorlagen in dem Sinne, wie der Herr Abgeordnete es will, schwerlich mit irgend welcher Aussicht mit Erfolg würden eingrbracht werden. Wie die Verhältnisse liegen, bedaure ich daher, erklärcn zu n1üffen,*daß wir nicht in der Lage find, dem Wunsch des Hsrrn Abgeordneten durch Einbringung einsr Vorlage zu entsprechen.
Abg. Seyffardt-Magdeburg (nl,) tritt fiir eine Revision der Armrngese grbung ein. In Bayern und Elsaß-Lotbringen fehle noch ein Unt tü ungswobnfi esexz, und das bringe Nachtbeile für die anderen Bundess aaten mit HZ. Vielleicht lasse sic? Bayern zur Aufgebung seines Reservatre ts in dieser Beziehung ewe en. Auf Bayern müsse man allerdings politische Rückfichten nr men; der Ausdehnung des Unterstüßungswobnsißqeseßrs auf Elsaß-Lotbrin en ständen aber keine Bedenken entgegen, fir wiirde auch für die Rai s-
lande selbst Vortheilbaft sein. _ " _ Abg. von Czarlinskt (Polk) beklagt nch über die Germa-
xxingnißarbeit mit ihrer Konkiirrenz für das eie Handwerk üble
gemacht wordcn.
" »
nifierung polnischer OrtSnamen, Die Regierung sollte von dieser ge- schmacklosen Umtaufe Abstand nebmexi; sie habe doch alle'n Grynd, mit den Polen zufrieden zu sein. Die Ausweisung polnischer Arbeiter, die Außwanderuna und die Sachsengängerei schädigten dir Landwirt - schaft. Der Vielschreiberei sollte der Ministrr durch rina «net 1! Verfügung Einhalt thun. In den zweisprachigen Lancht eilen müßten die Gendarmen beider Sprachen mächtig sein. Aus den Re- munetationsfonds sollten nicht nur solche? Beamte brdaäzi wrrden, denen die Vorgeseyten besonders wohlwollen.
Präsident des StaatH-Minifteriums, Minister drr; Innern Graf zu Eulenburg:
Ich möchte zunächst aufdie Anregung etwas erwidkx'n, welch? von dem Herrn Abg. Seyffardt gegeben war: Meine Herren, ich beklage mit ihm, daß in Bezirbung auf- die Armen: und Heimatbgcse'gßxbung innerhalb des Deutschen Reiches noch Verschiedenheiten bestt'bén, ich glaube aber nicht, daß die Aussicht groß ist, in dikser Brziebung in kurzer Frist einen Wandel schaffen zu können; denn anrn _allen ist bekannt, mit welcher Entschiedenheit man in Bayern auf das in dieser Beziehung bestehende Ressrbatreckxt bält, und daß ritt Mittel, SZ zu besritigen, nicht gegeben ist.
Was Elsaß-Lotbringrn betrifft, so ist, soviel mir brkannt, die Stimmung der Bewölkerung mit ebensolcher Entsckyiedrnbcit gegex: die Einführung der Grundsätze des UnterstüHungswohnfiR-Geskycs. In- dessen schweben beim BundeSratk) Vrrbandlungen darüber, ob und auf welchem Wege einr Einführung dieser Gesetzgebung in Elias;- Lotbringen berbsizuführen ifi. “ -
Was sodann die Aeußerungen des Herrn Abg. bon Czarlinski be- trifft, so hat er zunächst behauptet, daß in Beziehung auf die V??- drängung der polnischen Ortsnamen Und ihren Ersay durch deutsche in neuerer Zeit, wie cr sicb ausdrückte _ eine Wendnng zum schlimmsren eingetrsten sei. Ich habe darauf zunächst zu crwidern, daß von irgend einer direkten oder indirekten Einwirkrmg nach dieser Richtung mir nichts bekannt ist und eine solche, wie ich mit Be- stimmtbeit sagen zu können glaubc, auch nicht stattgefundrn bak, Mir ist gar kein Fall bekannt, in welchem ein polniichrr Ortsnamen erseyt worden wäre _ andcrs, als auf ausdrücklichen Wunsch und Antrag der bstreffrnden Grmeindk, und zwar, soviel mir brkannßist, aitsschließlich b€i Gelegrnbeit drr nenen GUineindebezirksbildnngen, die infolge der Thätigkrii der Aniikdelungskommisfion noibwcndig grworden find. Mir sind andrre Fälie: nicht brkannt, und ich muß bis auf writeres annehmen, daß solcbr auch nicht cristirrn. Daß aber in dirsrn Fällen den Wünschen der Anfiedler nacb Line'r neusn Brzeichnung diescr Orte Rechnung getragen wird, das wird gerade Von [einem Standpunkt aus der Herr Abg. bon Czarlinski nicht mißbilligen können,
Meine Herren, was die Angelegenheit der Zulassung yolnischer und galizischer Arbeiter zur Arbeit in unseren Provinzen betrifft, so ist Ihnen ja bekannt, das; dir StaatSrrgierung gewünscht bat, in dieser Beziehung eine Erleichterung eintreten zu lassen, soweit es mit den allgemeinen Staatsintereffen irgend Vereinbar ist, d. f). also, soweitz wir in der Zaza bleiben, uns gegen Cine Ein- wanderung, die'. uns im übrigen nicht erwünscht ist, mit Erfolg zu wehren. Das ist der Grund, warum in dieser Beziehung gewisse Kontrolmaßregeln und gewisse zeitliche Beschränkungen bor- grschrirben wvrdrn sind, und das ist ein Gesichtspunkt, den wir auch ferner nicht werden aufgeben kölnlCil.
Die Sache liegt formrll in diesem Augknblick so: Die drcijäbrige Frist, für die die damalige Vc'rfügung rrlassen war, ist mit dem 1. Jannar dicsrs Jahres abgelaufen; fie ist ohne weiteres verlängert Worden, damit irgend eine Untrrbrccbung in der Zulassung der polnischrn Arbeitsr nicht eintrete; rs ist aber Writerhin gleichzeitig eine sebr eingehende und ebsn deshalb noch nicht zur Erledigung gelangte Bérichtcrsiattung erfordert worden, ob nach irge'nd Liner Richkung bin das Bedürfnis; oder der Wunsch [)?tddrgrtrkten sri, in den Be- dingungen, in den Modalitätsn drr „ZUlaffung Aenderungen eintreten zu laffcn. Sobald wir diese Bcrichtr haben- wird eine eingebkndr Erwägung dirier Angelegenbrit statt- finden und wir wrrden gewiß gsrn bsreit srin, so weit zu geben, als wir es im Interesse der Landwirtbschait im Vcrglcich mit den allgrmrinen Staatsinterrffen glauben Verantworten zu könnrn. Ebcnso bin ich gcrn bereit, in eingehende Erwägung zu zie'be'n, ob in Bezug auf die Formalitäten, übrr die sich der Herr Abg. bon Czarlinski beschwerrt bat, eine Erleichterung eintreten kann, und es soll mir [ich icin, wenn das geschehen könnte.
Dann find es noch drsi Punkte, mein? Herrkn, dir der Herr ng.von Czarlinski angeregt hat: zunächst betreffend di? Stationierung bon Gendarmen in dcn zwriipracbige'n Landestbeilen. Den Wunsch, das; man da Gendarmen, die bridrr Sprachyn mächtig find, stationieren soll,tb€ileich Voklkommrn, und wir wirken daraufhin, daf; cr erfiillt wird, soweit es in unseren Kräften liegt; aber wir find nicht im stande, so viel?. Gendarmen diescr Art zu bcschaffrn, daß drm Wunsche überall entsprochen werden kann. Immerhin biribt rs ein Ziel, das wir Verfolgen.
Was die ferner erwähnte StandeSamtssache betrifft, so muß ich sagen, daß mir die Schwierigkeiten, welche der Hrrr Abgeordnete berührt hat, nicht genügend klar geworden find, um darauf eine Antwort gebrn zu können. DerFaÜ, wenn er aus dem stenographiscben Bericht fich drmnächst ergeben wird, wird mir Anlaß geben, mich um die Sache zu bekümmern, aber ert Antwort zu gebcn bin ich nicht im stande; es bezicbt sich dies auf den zweiten Fall, wo das große Akirnstück gezeigt wurdr, aus dem ich nicht habe entncbmen können, was rigcntlich drn Gegenstand drr BcschWerde bildet. Im iibrigen will ich darauf aufmerksam machen, das; dir Standesämter zu handeln haben nach den Vorschriften des Sprachengeseßes, und daß davon eine Außnahme nicht zulässig ist.
Endlich, was die Remunerationen betrifft! „Ja, wenn man die Rede des Abg. von Czarlinski gehört hat, muß man annehmen, daß es das Schlimmste ist, deffrn fiel; ein Bcamtrr schu1digmachm1kann, das; er fick) die Gunst seines Vorgeseytrn erwirbt. Nun muß ich ge- stehen, so kann ich die Sache nicht ansehen. Mir ist recht wobl br- kannt, daß es Leute giebt, die auf eine unwürdige Weise, während sie sonst nicht viel wertb sind, wcnigstrns den Versuch machrn, fick) cin- zuschmeicheln und dergleichen. Aber sonst halte ich das für keinen Vorwurf, wenn Jemand darauf bedacht ist, fich die Zufriedenheit seiner Vorgeseyten zu Erwerben. Im übrigen kann ich mich, so lange wir bei den auch von dem Herrn Abgeordneten als niedrig bemeffen anerkannten Gebäliern genötbigt sind, starke Rcmunerationsfonds zu haben, nicht zu dem Prinzip bakrnnen, daß rs angezrigt - oder zweckmäßig wäre, diese Fonds nun lrdiglicl) nach drn Regeln der Division zu behandeln, in Atome zu zersplittern. und an alle Beamte,