1894 / 147 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 25 Jun 1894 18:00:01 GMT) scan diff

Von den Drucksachen der Silberkommission sind Exner er chienen und durchdie Reichsdruckerei in Berlin ZW., ranien aße 90/91, u beztehen: die Protokolle der 12. Si ung vom 26. Mai d. J. Z9 Bogen), der 13. Sißung vom 28. at d. I. IV Bogen) und der-14. Sitzung vom 29. Mar d. J. (91/- ogen).

Der General-Lieutenant v on Ho Ffbau er, Inspekteur der Feld-Artillerie, ist von Berlin abgerei

Der Köni liche Gesandte in Karlsru e, Wirkliche Geheime Rath von Ei endecher hat einen ihm [lerhöchst bewrlhgten kurzen Urlaub nach Kiel angetreten.

Der Hanseatische Gesandte am hiesigen Allerhöchsten Hofe ])r. Krüger hat Berlin mit Urlaub verlassen.

Der Bevollmächtigte zum BundeSrath, Senator der freien und Hansestadt Lübeck ])r. Klügmann tft hier angekommen.

Ln der Ersten Beilage zur heutigen Nugnmer des„Retchs- und taats:Anzei ers“ werden Nachrtchten rxber den Saaten- stand um die Ttte des Monats Juni „1894,.zusammen- gesteUt im Kaiserlichen Statisttschen Amt, veroffentltcht.

Köln, 24. Juni. Seine Majestät der König und Seine Königliche Hoheit der Kronprinz von Dänemark trafen, wie die „Köln. Ztg.“ meldet, gestern Abend gegen 6 „Uhr„svon EmS kommend, hier ein. Um 91/2 Uhr rejste der Kdmg uber Hannover nach Lübeck und Kopenhagen werter.

Bayern.

DieRegclung des däuerlichenErbrecht-Z thahern soll nunmehr in durchgre1fender Weise in Ylngrrff genommen werden. Die M. „Allg. Ztg.“ bcrrchtet daruber: '

In Bayern gestattet das Geseß vom 22. Februar 1855, dte landwirtbschaftlichen Erbgüter betrcffend, daß germsse landwntbscbaft- liche Güter förmlich als Erbgüter errichter ,wsrderz, und Es stenllt auch das Verhältniß der Anerben an so1che förmltch errtchtet? Crbguter fest. Dagegen bestehen in Bayern kerne. allgemeiden Bxsttszungc'n, dre schon kraft des Gesehes gewisse[andwxrthschaftlxcbe Guter sur geschlossen erklären und eine geskhlichr Erbfolge in dteselhen croffnen. Das bayerische und das Bambergrr Landrkcht, sowre mehrere Landes- ordnungcn kleinerer Bezirke treffen Wegen des WahlVOrrechts drr Söhne und Töchter, Wegen der Heimath u. s. w. fÜr derr Erbgang 111 Immobilien verschiedene Bestimmungen. Wel bauerltche Erbfolge nun thatsächlich stattfindet und in welcher 53111de nung rmungethetlter Ueber ang von Bauerngütern an einen Erbcrz_ schon xe t gemaß der herrs enden Sitte und Gewohnheit erfolgt, 111 xzoch m t restgksteüt. Bei der WiYiegkeit dieser Frage ist es zu begrußrn, daß, guf A'n- regun des misteriums des Jr1ncrn,_das Justtz-thstcrmm xm Mai ?chon Erhrbungen übér fokgendr Vier Punkte dngsordnet hat: 1) ob nach der im brtrcffendcn Bezirk oder in emzelnrtr The1lcn desselben herrschenden Sitte die, denz land- oder forstwtrtbschast= lichen Betriebe dienenden, tmr emem Wohnhausr versehexxen Güter von Einem Erben übrrnommen werden; 2) _db dlLsL Uebernahme des Guts durch einen Erben in UebergabsNrjragen und in letztwilligen Verfü un en angeordnet wird, oder ob fie, mangels solcher Verträge und Der ügungen, bei AuSemandrrsetZung eines chh- lasses unter den Miterben vereinbart zu Werden pflegt; 3) ob es hrer- bet Sitte ist. den Werth des übernommenen Guts mehr nach drm Verkaufswerth, sondern niedriger, etwa nach dern Ertragswerth, m Anschlag zu brin en und außsrdem dem Anerben rmen Vorzug"zu_ge- währen, dann, 0 und in welchem Maße die hternack) dra, ubrtgrn Erben zu leistende Abfindung hinter deren grseßlichem Erbth611 zururk- bleibt; endlich 4) ob dic erwähnte Sitte m Abnahmr begrtffrn rst oder nicht. .

Sachsen.

Seine Majestät der Kdnrg begab srch _am Soxmabcnd Vormittag mit Sonderzug vomBahnhof Ntxdersedhß nach Freiberg zur BeHilchtigung der dortrgen EFgebtrgtschen Erwerbe- und Industrie: usftel1ung und kehrte kachrmttags ".Ück.) dem Lustschloß Pillniß zurück. _ Vdrgestern rst Ihre Komgltche Hoheit die Prin cs tn Henrrrrxe _ von Brlgren und

estern Seine KaiJerltche und Komgltchr Hohen dcr Erz: Herzog Carl Ludwig von'Oefterretch zum Besuch der .““ömglichen Majrftäten in Pillmß emgctroffcn.

Baden.

Die Erste Kamm er hat in ihrer Sihung vom 23. d. M. die (Gesetzentwürfe, die Verbrauchssteuern in den Gemeinden und einen Nachtrag zur GehaltSOrdnung betreffend, m der 'von der Zweiten Kammer beschlossenen Fassung bet namenthcher Abstimmrmg angenommen.

Metklenburg-Schwerin.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog wird sich,'w1e die „Mecklb. Nachr.“ melden, einer Einladun Semer Maxestat des Kaisers folgend, zu den in drefer WoZe auf der „Kieler Föhrde stattfindenden Segel-chatten nach Krel bxgeben, dort an den Wettfahrten theilnehmen und vorausftchtlrch Ende der Woche nach Schwerin zurückkehren.

Sachsen-Weimar:Eisenach. Das GroßhersziM Hoflager im Belvedere bei Weimar

ist am Sonnabend ittag aufgelöst und nach Schloß Dorn- burg verlegt worden, wo gestern das Geburtsfest Semer

Königlichen Hoheit des (Großherzogs gefeiert wurde. Sachsen-Alteubnrg.

meleFrFmHZZÉY. YF. 33333333 'Z'ZüYekangdet ..

gestern dort ihren (Geburtstag begangen.

- Sachsen-Coburg-Gotha.

ist der

Der Landtag des2 Zerzogthums Coburg

„Cob. Ztg.“ zufolge zum ult d. J. einberufen. Reuß ä. L.

Seine Dur lau t der Fürst sowie die Prinzessinnen Hermine undeachfind am Sonnabend Mittag von Burgk

nach Greiz zurü gekehrt.

Oesterreich - Ungarn.

Der Gencral-Adljutant des Kaisers, Graf Paar, fuhr, wie aus Wien geme det wird, heute Vormrttag 11 Uhr er der französischen Botschaft vor, _um dem Botschafter Lozé daß Beileid des Kaisers anlaßltch der Ermordung des Pra: fidenten Carnot au-Zzusprechen. . _ Das remdenblatt“ erfährt von wohlunterrtchteter Sette, daß der esuck) des Erzherzogs Joseph bet dem

112311 i;?hanf Felleicht Téa Fd dort enationellen „w ena an zu an _en ?- Lönsnte, ein einfacher Akt ßer „Ho ich!?tt

Es wäre ein ZqulU _daß der öfl1ch- keitsbesuch, den der anläßlich der nsptzrerung der _onved- Truppen in Semlin weilendc Erzherzog „dem Souveran des be eundeten Nachbarstaats abstattete, mzt der, Abretse des Konigs zusammenfiel. Der Erzherzog ware bet dem Besuch nicht, wie Belgrader Meldungen zu. beruhten „wußten„ in ungarischer Magnatengala, sondern m der Umform emes Generals der Kavallerie erschienen. (Vgl. Serbten.)

Der Krie S-Minifter, (General von Krteghammer und der Generalstaxh :Chef Freiherr von Beck wurden am S_onn- abend auf einer Uebungsreise des,(Heneralstabs von emem Unfall betroffen. Beim Passteren ,der Tarnopoler Landstraße bei Brzezam) scheuten dre Pferde dds Wagens, in welchem die Genanntcn saßen, als cry Jnfanterie:Bataillon unter den Klängen der Mufikkapelle vorber- marschierte. Der Wagen stürzte m den Wassergraben. Der KriegE-Minister erlitt einen Bruch des rechten Oherarms und der Generalstab§:Chef nur e_inc leichte „Kontustdn an den Beinen. Der Zustand beider rst unbedenkltch. _ , '

Jm ungarischen Oberhause erklärtr M1mster:Vras1dent ])r. Wekerle am Sonnabend, er halte rs'm Uebereinstimmung mit den geäußerten Wünschen für zwxckmaßtg, daß die w rrte r cn kirchenpolitischen Vorlagen m der Herk'bstfessron zur Berathung gelangten. Ber der Verhandlung uber den (Hosch- entwurf wegen Versorgung der staatlrck) m_cht ver: sorgten Lehrkräfte betonte _der rcfornxrerte Brschof von Ssa Sz die Nothwendigkeit der wetteren Entw1ckelung des Schrä- wesens und forderte namentl'xch bei den Mittrlschulen alzZ Endztel ihre Verstaatlichung. Der Minister'C'OtVOE sprach srxh gegen die Verstaatlichung aus und bczetxhnete es als hochst er- spricßlich, daß verschiedene Konfesswnen und Gesehschaftcn Schulen errichteten. Es sei dte_ vornehnzstr Pfltcht des Staats, solche (Gesellschaften und Kirchen mogltchst zu unter: stüßen. Dir Vorlage wurde unverändert angenommen, ebenso

König von Serbien, zu emem neigt sein

gewesen sei.

das Valutageseh und die Handelskonvention mit"

Rußland. Die Delrgatidnswahlen werden in der nächsten Sißung, welche in etwa acht Tagen stattfmdet, vorgenommen werden.

Die liberale Partei hat dsm vom Oberhause beschldffrnen Zusaßparagraphen zur Zivilchcvorlage ihrc ZUxtim: mung ertheilt. _

In Lemberg fand zu Ehren der dort cm_ etrdffenrn Reicthaths : Ab eordncten am Sonnabend A end em Bankett statt, ci welchem der Präseß der galizischen LandLSausstcklunq Fürst “Sapicha_ emcn Trinkwruch auf den Kaiser ausbrachte, worm er der Freude Ausdruck gab, die Vertrcter aller Nationen vrrsammclt zu skhen, cr trinke auf das Wohl des Grafen Hohenwart a_ls des ältesten Abgeordneten. Der Trmkspruch_1vurde enthu_s1asttsch aufgenommen. Graf Hohenwart hol) m ferner Erwrderung die Bedeutung der durch die Sclbstthätigkcit des Landes geschaffenen Ausstellung hervor, trank auf das „Wohl, der galizischen Freunde und sprach fernen Dank aus'fur dre bewresenc unvergeßlich bleibende Freundschaft." 'Nach emem Toast des Abgeordneten Smolka auf den Prasrdenten des Abgeordnrtcn- hauses Freiherrn von Chlumeckr) brachte lehterer _ cme'n Toast auf das Präsidium der Ausstellung au_s und prtes dre glänzenden Eigenschaftrn des Polenvolks sokwrc dessen Fort- schritte auf materiellem und knlturellem Gebtrt.

Großbritannien und Irland.

Der Herzog und die Herzogin von S_achscn-Cdburg: (Hot a nahmen am Sonnabend bei dcr Konigin im Schloß Wind?dr dcn Lunch cin. ieran nahm auch der Großfürst: Thronfolger von Ru land theil, dcr aus Walton on Thames eintraf. ' .

Die Herzogin von York ist am Sonnabend von emem Sohn chbunden worden.

Frankreich. Der Präsident der französischen Republik Carnot ist gestern Abend in Lyon ermordet worden.

Präsident Carnot war Smmadend Nachmit'tag' in Be: gleitung des Minister-Vrästdczttcn DUpur) znr Bcstchttgung der Ausstellung in L on eingetroffen. Am Sonntgg Vormtttag hatte er auf der Präfektur die Spitzen der_chhdrden und den Erzbischof Couillé sowie die auswärtigen Konsuln empfangen, die ihm von dem italienischen Gcneral-Konsul Basso vorgestht wurdrn: bei dieser Gele„ enhei'r gab Basso de_n Wünschen fur das Gedeihen Frankreichs usdruck. Nachm11tags de_suchte der Präsident die AusstellUng, am Abend nahm er tm Palms der Handelskammer an einem Bankett theil uxrd hrachte hierbei ein Hoch auf die AusstellunÉ aus, begluckwunschte die Aussteller zu dem großen rfolg und betonte, cin einziges Herz schlage in allen Franzdsen, wenn es sich um die Ehre, die Sicherheit und dte Rechte des Vaterlandes handele; dieselbe Einigkeit 'verbürgc ,die, B8: wegung, welchc auf den Fortschritt und dlc (Hrrechttgkezt gc: richtet sei und von der Frankreich der Welt ezn Bexsmel zu geben habe. Nach dem Bankett be ab steh Prafident Carnot m das Theater. Es formierte [?ck vor dem Palms der Handelskammer eine lange Wagenreihe, m welcher der Landauer des Fräsidenten Carnot als erster fuhr, Neher dem Yrästdenten sa der Präfekt des Rhone-Dcpartements,Rwaud.

er Wagen Carnot'sfuhr um 9 Uhr 10 Minuten unter jubelndcn Zurufen der dichtgedrängten Menge „ab. Carndt dankte, fort: dauernd grüßend. Plö lick) sprang m der Mttte der lang- gestreckten adade des alais der Handelskammer em Indr- viduum au das Trittbrett von Carnot's Wa cn, welcher sofort hielt. Die Zunächststehendcn sahcnden Prärdenten Carnot er- bleichen und in den Wagen zurücksmken' TW stür tetx auf das Individuum los, welches durch einen Yaustfch ag des räfekten des Rhone-Departements auf die Stra e hrnabgesch1eudert wurde. PräsidentCarnot hatte einenDolchsttch tn dre Herz- e end erhalten. Neben dem rothen„©roßkordon des BrYen-Z der Ehrenle ion dran unaufhörlich Blut hervor. Der Verbrecher wo te entflie en; die „Menge„ anfanglich wie versteinert, ergriff in und hätte 1er zerrrffen, wenn Kn nicht eine große nzahl von 'Yoltzet-Agenten der

enge entrissen hätte. Inzwischen fuhr er Wagen des Prä- fidenten nach der Präfektur. Die Men e konnte den Prastdenten Carnot aUSJeftreckt auf den Wagenki en, bewußtlos, regungs- los und dre AUFZU erloschen, [tegen sehen. Die Scene erschütterte die enge zu Thränen. Vor der Präfektur oben General Vorius, der Präfekt des Rhonx- epartements und der Bürgermeister den Präfidentxn nm großer Sorgfalt aus dem Wagen und brachten thn m

das nächste Zimmer. Die ereiqcholicn Aerzte “hielten eine Operation für nothwendig. r. Ollter erwerterte dre yoxt dem Mordstahl emachte Wunde, die 80111 lief „war. Prastdent Carnot erHangte hierauf“ die Bestnmxng Meder und sagte mit deutlicher Stimme zu dem Arzt: „Wte Sie m1r wehe thun!“ Die hieran vorgenommene grundliche Unterstzchung ergab daß die Verwun ung eine schwere und derZustand em sehr bedenklicher sei, umsomehr als eine innere Verblutung zu be urchtetx war, Die räfektur wurde abgesperrt, alle Zugange zu dem Zimmer des rästdenten Carnot wurden bewacht,. Draußen harrte die Menge, Schrecken la erte auf allen Gestchtern; uberall hörte man die Frage, ob ?ßräfident Carnot mlt dem Leben davon- kommen werde. ; '

Unterdefssen hatte ftck) um 9 Uhr dans Theater mxt den zur Galavortcllung geladene'n Gästen gefallt, welchx txnt Un-

eduld die Ankunft des Präftdentrn erwarteten. Ploßltck) ver:

Jreitete sich das Gerücht, Präßdent Carndt se; das Opfer eines Attentats geworden. Dieses Gerucht rief eme !urchtbgre Bestürzung hervor, die Fraurn schrieen NW,. es „enttand, eme allgemeine Bewegung. Die offtzieUen Personltchketren verlteßen das Haus, um weitere Nachrichten zu brtngen. Dze ganze Bc: völkerung war in den Straßen vrrsammelh mrgcnds war eine Weiterbewel ung möglich, da dre allgememc feftltche Bc: leuchtung aUe ewohner als Zuschauer yersamme11_ hatte. Um 91/2 Uhr fuhr der Wagen mit dem Murtster: rastdenten und dem Präfekten dcs RhoncWepartements 'm ra cher (Hang- art vor dem Theater vor. Die Menge rief" ubelnd aus: „Es lebe Präsident Carnot!“ Der Minister-PrasYdent Dupuy erhob sich erschüttert, winkte mit der Hand und antwortetr: „Rufst nicht so! PräsidentCarnot ist das Opfer eines Wtentats geworden.“ Diese Worte machten einen furchtbaren Eindruck. Zuerst herrschte tiefes Stillschweigen, dann wurden von 01an Seiten Vcrwünschungen und Racherufc gegen den Mordor laut. Der Vräfrkt dcs thnchpartemenrs trat m das Theater ein und machte von_ der Präsrdrnfenlogc arts Mittheilung von dem Ereigmß. Dre Mengc schrtc, in Wurh ausbrechcnd: „Tod dem Mörder, Rache dem Mörder!“ Dcr Präfekt des Rhone:Dcpartemcnts_ R'xvaud wollte die EM elheiten erzählen, wurde, aber bet" ]edem Wort von Zwischenrufen, dle der allgemeinen Erschuttcrung entsprangen, unterbrochen. Endlich thriltc drrPräfckt'mithaß angesichtsdesschreck1ichrnEreignisses die_Vor1tcllung mcht Watt- finden werde. Das Publikum verlics; m dumpfem Schweigen das Haus. '

Um 111/2 Uhr wurde ein offi icllcs Bulletin auschedcn, wrlchch bcsagte, der Zustand des 5Éräsidenten qutwr sei bcuné ruhigcnd, aber nicht verzweifelt. Der Stick) sei 11) dre Leber: gegend gegangen und habe einen _rcichltchen Blut: verlust erzcuth, der aber zum Sttllstand gebracht worden sei. Bald nach 111/2 Uhr dc„an_n aher dcr Blutverlust wieder. Die Aerzte _c11tsZlos/en 1lch noch- mals zu einer Operation, um womöghck) das Blut dauernd zu stillen. Während der Opsraridn der Erwcttcrung der Wunde wurde der Körprr pldßhch eiskcxlt. ])1'. Poncct glaubte im Operieren ni t fortfahren zu_ durfen rmd. um den Körper wieder zu eleven, Fußwaychung mlt fteden: dem Wasser vornehmen zu müssen. Um Mitternacht wurde der Erzbischof empfan en; er blieb einige Augcdblicke bei dem Sterbenden und zog €jjich dann 'm ein Nebenzxmmcr zuriick. Um 121/2 Uhr war der Präsident dem Verscheidcn nahe, der Erzbischof wurdc zurückgerufen und trat in _das Ztmmer dcs Präsidentcn in Begleitung des Großvikars. Es war ihm noch möglich , Carnot dic [chte O?[U"?. zn crtheilen. Dieser hatte vdUig klarrs Berpufzisem cines Zustandes. Er sagte zweimal: „Jch'_ ehe dtcsrn Auch: 1) [ i ck hin übe r “. 1)1'. Poncet beugte sch Über den Verwundetep und sagte: „Ihre Freunde findzugegen.“ Carndtertdtdcrte m1t kaum vcrnehmbarcr Stimmr: „Ich bin glückltch daruber, daß sie da sind,“ Das waren seine leßtcn Worte. Eintgc Sekunden später hatte sein Herz zu schlagen duf- gehört; um 12 Uhr 45 Minuten hauchte er fernen Geist aus. Der Präsident der Republik starb auf emem eisernen Feldbctt, das zwischen den zwei Fensterndes von "[m bewohnten Zimmers aufgestellt war, zu Fußcn dcs Änradebrtfes. Der von den Aer ten zur Vcrhutung der inneren Verblutung aUcdefÜhrtc Schnitt war 12 0111 lang und 8 0111 tief.

Ueber das Ercigniß hatte der_ Conseil-Präsidcnt Dupur. alsbald an die Minister, die Prästdcnten drr Kammxr an des Senats und an andcre Staatswürdentrager nachstehende offizielle Depcschc gerichtet: „Prästdcnt Carnot wurde auf der Fahrt von der Handelskammer Uack) dem Großen Theater von einem Dolchstich getroffen; der Morder wurde sdjdrt verhaftet; er hielt mit einer Hand die Wagenlehne fest, mrt der aydcrcn den Dolch. Präsident Carnot wurde sofort xmch der Prafcktur acbracht, wo die ersten Aerzte Lyons . um 1 n hemuhd smd. In dieser schmerzlichen Prüfung schließt, fi dre Regierun' den Wunschen Frankreichs für den Präftdenten _der Neyublt an. (Gezeichnet: Dupuy.“ Madame Carnot reiste m:"t 1hrcn beiden Söhnen und dem ]))". Planchdtr um 1 Uhr fruh yon Paris nach Lyon ab; bei ihrer Abrede hatte ste noch mehr die Nachricht von dem Tode ihres Gemahls erhalten.

Der Verbrecher ward von dem Ort des Artentats untcr Bedeckung von mehr als zehn berittenen Gardtsten nach der Polizeiwache gebracht, wo er sofort gefesselt wurdc. Alsbald erschrencn der Präfekt des Rhoneddpartcments rmd andere dazu berufene Persönlichkeiten, um thn zu verhdrcn. Der Mörder antwortete ohne Erregrnz , aber auch ohne Großz Zprechcrei in schlechtem Franzdst ch rmd erklärte, er ser

taliener, heiße Cesarid Giovanm Sansto, se122Jahre alt, wohne eit 6 Monaten in Cette und set am Sonntag früh nach onn gekommen. Bei _ semer Durchsychung fand fich ein rbeitsbuch vor, in Pams am 20. Zum 1894 abgestempelt; aus diesem geht hervor, daß er aus Moxttechontt, Provinz Mailand, ebÜrtiZ5 ist. Der Murder schrteb sodann_ die Worte auf: CcJario iovanni Corso'Duca Genova bet der wohlbekannten Familie Ma ni Franctsco. Es war un- möglich, aus ihm etwas An eres herauSzubrmgen; dcr Morder blieb dabei, daß er nur vor den Geschworenen sprechen werde. Nach beendigtem Verhör wurde er m ein unterirdisches Gefän niß gebracht,. „wdbcl Gewalt angewendet werden mu te. Em sechztgxährt er Mann Namens Domerguc hatte _den „Dolch es Mörders aufgehoben und dem Polizei-Prafektexx uber- geben. Der Dolch ist 25 cm lang, der Grtff von ver oldetem Kupfer, die Scheide von Sammet mtt schmarßen und rotZen Strei en. Als Augen euge des Attentats wur'e von dem Polizei: räfekten außer omergue auch der Polizetbegmxe verhört, welcher den Mörder aus den Händen des Polizel-

Jnspektors Dubois in Empfang nahm. Dubois war der

Person des Präéidenten Carnot attachiert und hatte den Mörder ver aftet. Der Mörder ist streng be; macht vor _der angesammelten Menge, welche fort- dauernd schrezt: „Tödtet thn!“ Den ganzen Abend hindurch erwartexen dlcht gedrängte Massen vor der Präfektur Nach- richten uberdas Be ndert des Prästdenten mit der größten Theil- nahme. Bet der a.chr1cht vom TodeCarnot'S wuchs die Auf- regyng ungeheuer. DteMuffenwarfen s1ch auf die Restaurants, wo italtexxtsche Kellner bedtenstetFmd, andere stürmten auf das Ge- fängmß los, den Tod des Morders verlangend. Das Restaurant Ckasatt wurde vollständrg verwustet, des leichen dle, CnafÉS o,on Matdssi und Materni. Dre Polizei schrttt uberal] ern. 'ES'ZMd besondere Maßregeln zum Schuhe des malten) chen Konsulats getroffen. Als cmrge Persqncn fra,nzox1sche Fahnen schwenkten, wurde ge- schrten: „Nteder m1t en remden!“ „Hinaus mit den Fremden!“ Vor dem italieni chen Konsulat wurde die Mcnge mehrmals von der olizei zerstreut und zog stch unter den Rufen: „Es lebe die .lrmee!“ zurück.

In Paris erreqte die Nachricht von dem Attentat furcht- bare AufreJung und Bestürzung.Zuerstverbreitete sich das Gerücht davon in en Theatern und den' Restaurants. Das Publikum eilte nach den citungs-Redaktionen, um Einzelheiten zu erfahren. Nach itternacht wurde die Mrldung von dem Attcnrat durch Extrablätter auf den Boulevards verbreitet. Sic „rief überall Ergriffenheit und tiefstes Mitgefühl mit dem Präsidenten hervor. Einzelne Personen lasen den Umstehenden Ldie Depeschen vor, wobei Viele die Thränen nicht zurückhalten mmten.

Die Präsidenten des Senats und der Kammer sowie die in Paris anwesenden Minister traten in der Nacht um 2 Uhr im Ministerirxm des Innern zu einer Berathung ?usammen. Dcr Kriegs - Minister General Mercier thei te mit, er habe an alle Armce-Korps drn Befehl telegraphisch Übermittelt, sick) konsigniert zu halten.

Das „Journal officiell“veröffentlichtheute folgends Note:

„Der-Präsident dcsSenats, in seinerEigenschaft als Präsident der Nationalversammlung, besjimmte, daß beide Kammern zu dem Kon reß nach Ver- sailles auf Mittwoch, den 27. Jun:, 1 Uhr Nach: mittagß, einberufen werden, um zur Wahl eines Präsidentcn der Republik zu schreiten,“ _ Wie weiter aus Paris gemeldet wird, begaben sich yäm_mtlichc Botschafter, Senatoren und De: putt'rtc heute Vormittaxz)K in das Elysée Und trugen dorj rhrc Namen _in die “*dndolenzlistc ein. Sehr viele Dcputirtc fanden srch in dem Palais Bourbon ein,. um cmmüthiq ihrer Trauer über dcn Tod Carnot's Ausdruck zu geben. Der italienische Botschafter Neßmann begab sich um 91/2 Uhr in das Ministerium des Innern und vcrweilte dort cine Viertelstunde. Dcr Minister-Präsidcnt Dupuy traf um „10 Uhr in Paris ein.

In Lyon wurden zwei Individuen verhaftet, von denen das eine sagte: Das ist gnt gemacht: das andere hatte den Ruf aus «stoßen: Es lebe die Anarchie! Ein Trupp Kürassicre muéte sie gegen dic wüthendc Mcngr schüßen.

Von heute früh 4 Uhr 15 Minuten wird aus Lyon _emcldct: Dic Erregung dcr Bcvölkerung nimmt zu. zztalicner und Leute, die man für solche hält, werden m den Straßen verfolgt. Die Zahl der Polizei- Agenten ist vcrstärkt worden. Sie umringcn die verfolgten Personen und bringen sie, um sie u schlich, nach den PoliFHeistationen. Berittenc Patrdui en ziehen in ge- sxrecktem alopp durch die Straßen, um an bedrohten Punkten .Yilfc zu bringen. Jnfantcricsoldatcn bewachen beide Zugänge der vom italienischen Konsul bewohnten Straße.

_. Die Blätter aller Richtungen geben ihrem Abscheu Uber das Attcktat Ausdruck, das um so mehr unrrklärlich, als Carnot durch sein stets korrektes Verhalten sowie durch die Lautcrkeit setncs Charakters sich die Achtung aller Parteien er: worden hatte. Mehrere Pariser Blätter sind heute mit Trauerrand crschiryetx; einde konservative laubcn, daß es sich um ein aparchtfttsches ttcntat handle; ie radikalen Blätter sprechkn dlc Hoffnung aus, das; dir Volksfrciheit und die Volksrechte Unter dem Eindruck ch Attentats nicht zn leiden haben werden, da das Vcrhrkchcn von einem Italiener begangen worden sei.

„. Aus Anlaß des gcstriern JYrcStags der Schlacht bei 301ferin0 tauschten dcr ita rents c Botschafter Reßmann Und MarschaU Canrobrrt Bssuche aus (“v„ [. Italien).

An sonsttgen Nachrtchten aus Frankrcie?) ist noch nachzu- tragcn, daf; Pclletan am Sonnabend in der Deputirten- kammrr did chicrun über die Dauer der Konvention mit den EzsenbahngesrllschaYen des Südens interpeliierte, wobei er scme Angrtffc ' gcgen dic Konventionen erneuerte. Pellctan behauptet, dre Gesellschaften, besonders die Südbahn: (Yessllschaft, hätted _den Staax über die wirkliche Lage ge- tauscht. Der, thster der offentlichen Arbeiten Barthdu sprach die Aust t aus, daß die Konventionen mit der Orléans- bdhn und der «üdbahn, entgegen der Ansicht der Direktoren dre er Gesellschaften, im Jahre 1914 ablaufen. Dcr Staats- rath fe: augenblicklich mit dieser Fra e befaßt, er habe sie zu entscheiden. Barthou erklärte, der taat habe in dieser An- qclcgenheit seine Pflicht crfülLt, die Kammer werde ihm ihr *.ertrauen mchtvverwei'gern. Rahnal trat für die Konvention cm ynd schloß s1ch bezugltch der Bestimmung ihrer Dauer der Nnstcht des Mmisters an. Die Kammer nahm darauf mit 285 gegen 21 Stimmen eine Tagesordnung an, welche die Erklärung und die Haltung der Regierung billigt.

Der französtsche Kommissar,. welcher Siam bereist, hat an den Minister für die Kolonien Delcassé berichtet, daß er am 31. März in Luang Prabang eingetroffen sei und überall exne her liche Aufnahme gefunden_ habe. Zwei sqmmtli e Mandarinen hätten feierlich den Eid der Treue für Frankreich geschworen.

Rußland.

_ Der „Regierungs:Anzeiger““ theilt mit:, anläßlich der Kommisfionsberathungen über eine zeitwetse

rrabsMun der Getreideausfuhrtarife ha e das manz- inisLtJerium die Ueberzeugunge gewonnen, daß_ dtese * aßregel kaum die inneren Getreideprerse werde hebetr konxzen, pagYen würde fie einen künstlichen Preisdruck auf dre Hafen tm dusland ausüben. Der Plan ei daher aufgegeben wor en.

Nach einer Mittheilun der „Pol. Korr.“ aus St. Petersburg verfolgt die Reise des inanz - Ministers Witte nach der Murmanküste auch den Zweck, die Mittel zu studieren, durch „welche die Konkurrenzfähtgkeit der rus s ischen Fis cherei gegenuber der norwegischen gehoben werden könnte. Herr

Könige und *

all emeine .

Witte wird den Rückweg über Norwegen imd Schweden nehmen MZ) Ich tu verschiedenen Städten, darunter in Stockholm, an a en.

Italien.

'In Anwesenheit des Herzogs von Aosta, des Grafen von Turm, zahlretcher Generale, der Spißen der Behörden, des osterretch1sch=ungqrrschen Militär-Attachés Obersten von Pott forme, vreler Kmeger- und Arbeitervereine fand am Sonntag ux thlafranca die feierliche Enthüllung des Denkmals Lur detx erzog Amadeus stark. Der Feier wohnte auch 'er Prafet von Verona, Sormani-Moretti bei, welcher m der Schlacht bei Custozza mitgekämpft und dem ver- wundeten Her og Amadeus Beistand geleistet hat. Das Denkmal 1te t den Herzog in dem Augenblick nach der Vernxundung dar. Oberst von Pott legte namens des Mqrta-Theresien-Ordens einen Kranz meder. Auf dle Enthullrmg des Denkmals folgte eine Gedenkfeier für die (Gefallenen 1m Beinhause zu Belvedere bei Custozza, wo zwei von dem Maria-Theresien:Orden gewidmete Gedenktafeln mit den Namen der 1848 und 1866 gefallenen Offiziere enthüllt wurden. Zahlreiche Kränze wurden niedergelegt. Zwei Batailldne erwiesen die militärischen Ehren.

Wte ferner aus Desenzano (am Gardasee) gemeldet wird, fand gestern Vormittag in Anwesenhcßt des Sindaco und des Yräfekten von BreScia in Solferino und Mittag?» in

an Martino dic Gedenkfeier für die GefaUenen von 1859 statt. Vedder Feier in Solfrrino trug der Priester ein von der franzostschen Regierung gespendetes Meßgewand. Zahlreiche Vereme sowie eine große Menschenmenge wohnten der Feier bei,

Die Deputirtenkammer nahm in Fortseßung der Be- rathung der Finanzmaßregeln am Sonnabend Art. 1 der Vorlags an. Die Berathung des Art. 2 be üglich Erhöhung der Grundsteuer um ein Zehntel wurde fa en gelassen, und die Kammer trat sofort in die Berathun des Art. 3 ein, in welchem die Einkommrnsteuer um 20 rozent erhöht wird.

' Im weiteren Verlauf der Sihun, begründete meriani seme Anfrage an den Krixgs- Sinister Über die dem Major T_cxs 1dni vom 3. Bcr)ag[ieri-Negiment wegen seiUer auf Stztlten erworbenen besonderen Verdienste verliehcne OrdchuszeichnUn . Dcr Krich-Minister Morenni forderte_ de_n Frageste er auf, diexenigen zu respektieren, welchc stch m der Kammer nicht dertheidigen können. (Sehr qut.) Dre Bezeichnung „Besondere Verdienste“ sei der Übliche Ausdruck für eine Gesammtheit mit bcsouderem Eifer geleisteter Dienste. Solche_Die11ste habe Major Tassdni geleistet, welcher vier Monate hmdurch cänc cmincntc militärrsche Begabung an den Tag gelegt habe. meriani erwiderte, er habe srch niemals hinter die parlamentarische Immunität ver- schanzt und sei bereit, seine in der Kammer gethanen Aeußerungcn auch außsrhalb derselben zu verantworten. ZLärm. Dcr Präjtdcnt mahnr ur Rahe.) Es seien Offiziere,

te an ihn ges ricben und st über derartige Vorgänge be- klagt haben. ( ewegung.) Der Krier:Minister hielt seine Erklärungen aufrecht. Jmhriani blie dabei, die Ordens- auSzeichnung in dirsem Faüe als unpassend zu erklären. ( Großer Lärm.

Der „Trtbuna“ zufolge war (Gerücht verbreitéj, daß der Kriegs: inister wegen dieses Jmtschenfalls in drr Kammer dem Minister-Präfidenten CrisPi sein Pdrtefeuillr zur Verfügung gestellt habe, um steh volle _Akttdnsfähigkeit gc en Imbriani zu wahren. Man habe jedoch dem Kriegs: inister u bedenken gegeben, das; er, wenn er_ infolge dieses Zwischenfa 53 sein Amt nieder: legen würde, emen einschneidenden Präzedenzfal] gegen die parlamentarische Redefreiheit schaffe.

'Die römischen Blätter von heute Morgen veröffentlichen erttkel, in denen ste ihrem Entseßen und ihrer Entrüstuna uber das gegen Carnot bxgangcnc Attentat AusdruF gebrn, und dessen hdhc personliche Eigenschaften hervorheben.

Türkei.

Der Sultgn empfing am Sonnabend den Herzo Addlf „Friedtrch von Mechlenburq:Schwerin un verlieh ihm das Großkrruz des OZmaniézDrdens. Der Bot: schafter Fürst Nadolin wohnte dem Empfang bei.

Rumänien.

Der Chef des (Großen Generalstabs Poenaru ist zUm Kriegs-Minister ernannt.

Serbien.

König Alexander ist, wie schon kurz erwähnt am Sdnngberzd früh m Begleitung der Minister Andonowitsch und GjorqxewUsck) nach Konstanttnopel abgereist. Vor Abgang des Zugs trqf der Erzherzog Joseph von Oesterreich- Ungarn mrttels Sonderzugs auf dem Belgrader Bahnhof ein und wurde dort durch König Milan empfangen. Der Erzherzog war arn Freitag bei seiner Ankunft in Semlin rm Namen des Konigs durch General Pantclic und Major Mischic begrüßt worden. Die Begegnung dcs Erzher ogs mit Konig_ Ale ander war überaus herzlich. Das - er onal der österrerrhisck? = ungarische_n Gesandtschaft war in ( alauniform auf dem Bahnhof erschtenen. _ Bei seiner Ankunft in Nifch wurde König Alexander von einer rdßen Menschenmenge Hl))sxg'esistcfertt empfangen. Nachmittags ?eßtc der König seine - exe or.

estern in Rom das

Amerika.

Aus Was hington meldet „W. T. 5 .“ : Der in der Tarif: Vorlage festgeseßte Zoll für Diamanten dürfte durch den Senat kerne Abänderung erfahren.

Nach Meldungen aus Buenos Aires macht die a u f- ständische Bewegung in Peru weitere Fortschritte. _ Aus Rio de Janeiro wird gemeldet, daß dort sechs sp ani sche Anar chiften verhaftet worden seien. -

Afrika.

Aus Madrid wird ?emeldet, daß der neue S_ultgn von Marokko, Abdu :Aziz, in der nächsten Zett „eme außerordentliche Gesandtschaft an die europäischen Großmachte zu entsenden beabsichtige.

Parlamentarische Nachrichtem

Vorläufiges Resultat der engeren ReichstFÉs-Ersaß- wahl im 6. S leswi :.Holsteinschen ahlkreis, Pinneberg 2c.: ohr nl.) 13296, von Elm (Soz.) 13 887 Stimmen.

Nr. 25 des , „eqtraxblatts der Bauverwaltung',berauz- Zegebey im im ertum der öffentlichen Arbeiten vom 3. Irm: bat folgen en Inhalt: Der gemeinwirthsZaftliche Ruhen der Eisenbahnen. _ Evangeltsche Kirche in Schwetz ( estpreu en). - Dtx Architektur „auf dxr Berliner Kunstausstellun . _ Um an des Mublendammes m Berlm. (Fortse ung.) _Vermis tes: Grundstein- legung fur den neuen Dom jn Ver in. _ Abgeordneten-Versammlung des'Verbandes, dxutscber Architekten- und Jngenieur-Verekne. _ Staats- prets der Lönigltcben'Akademie der Künste 111 Berlin. _ Wettbewerb um eme Synagoge _m Magdeburg. _ Deutsche und Ausländer bei Wettbe'werben.,_ Btld des verstorbenen Verlagsbuchhändlers Wilhelm Ernst in Berlm.

Entscheidungen des Reithsgerichts.

In einer Strafsacbe wegen Postdefraudation it, na einem Urtbeil' des incbsgerichts, 1. Strafsenats, vom 12. Apsril UYU, der Strafrtchter nicht befugt,. durch das Urtheil neben der Strafe auch aufErsaß des defraudrerten Portos zu erkennen; dieserEr aß- anspruch der oft kann nur,im Zivilprozeß verfolgt werden. ach § 30 des Po tgese es um;; in de_n Fäüen des § 27 außer der Strafe das orto, ws ck80 ü dre Beförderung der Gegenstände der oft zu entrjchten geWesen wäre, gezahlt werden, und es aften für dasselbe im Falle des § 27 iffer 1 Absender und Besörderrr solidarisch. Dieser Anspruch des ostfiskus rst xedoch mchk strafrechtlicher, sondern seinem inneren Wesen nach ztv_1lre chtltchrr Natur. Er hat den Ersatz des der oft durch die Drsraudatwn entzogenen Portos zum Gegenstand , betri t also eine Art des Schadensersaßes. Jn Ermangexung besonderer geseßli er Besttmmungen kann em solcher Ahfpruch tm Weg? des Strafproze es mcht Verfolgt Und durch das Urthctl Lines Strafgerichts nicht beschieden werden.“ (612/94.)

_ Der Wix; erstand grgcn eine von dem Vollstreckungsbeamten zu semer Un'terstuKuyg bet der Voüstreckungsbandlung zugezogene Perjon tft, na emem Urthetl des Reichsgerichts, 1. Strafsenats, Vom 10. JUN 1893, wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt aus §113. drskStrque-scßbuches zu bestrafen, auch wenn diese Person gesrletcb fur drs Ausführung der Vollstreckungshandluna nicht Erforderlzch war und von dem Beamtrn lediglich auf Gruyd setnßs Ermessens zugezogen worden war. ,Die Revtfion halt für unzuläsßg, daß die Strafkammrr den Schuh des § „113 Abs. 3 des Strafgesetzbuchs einer Yom Geddarmkn zu semer Unterstühung in der rcchtmäßigen Aus- uhung seines Awtes zugezogenen Person zugesprochen hat, der die Etgenschgsten ernes Gemeindebeamtrn oder eiye's Mitgliedrs der Ge- memde, m deren Bszirk die Durchtuchung erfolgte, abgingen. Sie erkknnt, daßKDte h1erbei ins Auge gefaßten Vorschriften des § 105 WIN,? der Strafprozeßordnung nur die Voraussshungen der Recht- maßtgkett dsr Amts andlung betreffen, während § 113 Abs. 3 Strafgesehburhs dkn Krris der Personen bestimmt, die unter dirser VoraUHssßung dem Bramfsn binswhtlich der Strafbarkeit des Wtderstandes gleichgrftelLt sein sollen. Jenen Vorschriften war nach den Fcststeüungen des Urtheils durch Zuziehung eines Gemeinde- bram'ten entsprochen.. Fand der Gendarm noch eine Unterstüyung nothtg, so wnrden dle Wirkungsn der so gefichrrten Rechtmäßi keit der Amtsausübung des ersteren auch der zugezogsnen Person zu 1 eil und dre Redtswn irrt in der Annahme, der Gendarm sci in der Wahl und tg der thhder zur Urxterstüyung nöthigen Personkn gesetzlich beschrankt. Hteruber hat [edtgltchsrin pflichtmaßiges Ermessen zu ent- schetden.“ (11.56/93.)

Entscheidungen des Ober:Verivaltungsgerichts.

Gegen den in der Beschwerdeinstanz gefaßten Brschluß des Promnztalraths über die Wählbarkeit _Lincs Staats: oder Grmrmrd'ebeamten, welche ihr Amt kraft staatlicher Ernennung dder Bestatrgung verwalten, zum Vorsißenden oder stellverrretenden Vorsrßenden eines Gewerrbsgerichts in Preußen kann, nach einem Urthcrl des Obsr - Verwaltungsgerickyts, 111. Senats, vom 30. November 1893, der Ober - Präsident die An- fechtungsklagr beun Obkr = Verwaltungsgcricht gemäß § 126 des LgndrsverWaltungsgeseßes, ohne an eine Frist gebunden zu sem, Zrhcbxn. .Der § 126 des LandeSverwaltungs- geseßes gxlt fur rerchögeseßltck) eregelte Angclegenheitcn ebenfalls, und zwar.auch dann, wenn ste na dem Erlasse des Landesverwaltungs- gesehes den Landrsbehörden zur Beschlußfassung zugewieskn smd. Eine Beschränkung trttt nur nach dem Grundsahe, daß das Reich§rccht dem Landesrecht Vorgeht, insoweit ein, als fur eine einxelne rei s- rechtlin Mareric durch die für diese grtroffenen rei s- rechtli en, Bestmzmungen die Klagr aus dem § 126 ausgescblo en wrrd. Djes rst hter nicht der FW. _ Da &? an cinrr Bestimmung fehlt, welche auf, dem in Rede stehendrn Gebiet die Klage an eine Frist bindet, so tst dieselbe nicht befristet. _ Die Vorausseßung für drr Kla (1th dem F“ 126, die Endgültigkeit des ange ocbtenen Bkscblu es", “rst gegeben. Das; die Klage nach § 126 gegen erst noch emer BestatrxsIzung bedürfexde Beschlüsse nicht stattfindet, ist ungeachtet des 15 Ab. 2 Satz 1 des Gesetzes über die ererbegerichte vom 29. uli 1890 unerhrblich; denn nach Saß 2 das. hatte eine Be- stätigung der Wablrn des Ober-Vürgermristers und des Bürgermeisters nicht zu erfolgen.“ (4. 25/93.)

_ Die Genehmigung des Statuts einer Preußischen Orts- krankenkaffc durch den Bezirksausschuß sann, nach einrm Urtheil des Ober-Vrrwaltungsgerickpts, 111. Senats, vom 30. November 1893, Von dem Regierungs-Präfidrnten mittels K la 9 beim Ober-Verwaltungs- gericht gemäß TF 126 des Landt's-VerwaltungSgesetzes vom 30. Juli 1883 angefo ten werden; auch ist diese Klage an keine Frist e- bunden. „Das; drr § 126 des LandeSverwaltungsseßes nicht blos? ei Beschlüssen in landeégeseßlich geordneren, sondern guch bci Beschlü en in t e i ck) Z rechtlich geregrlten Angxlrgeghetten pxats gretft, kann keinemeeifel unterliegen. _ Es könncnamckyr emmal diejenigen reichsgeseßlich ge- ordneten Angelegenheiten fur mcht drm § 126 unterliegend angesehen werden, welche erst UAZ dem Landesverwaltungsxzeseß und durch Spezialbestimmung drn eschlußbehörden übertragen wvrden find. . . Dre Frage kann vjelmehr nur die sein, ob ctrva für eine ein- zelne reichsrechrltche Materie dureh die. für diese getroffe- nen reichßrechtltchen Besttmmungen nach dem Grundsa , daß das Retcherrht deux Landeörecht Vorgeht, die Klage aus dem § 1 ausgejchxoffen wrrd. Dtese Frage 1st_al)er für di? Vorliegende Materie zu vernemen., _ "Jm § 126 tst kerne Frist für die Klage geseßt. Eine KlageFmst konnte, daher nur insoweit an enommen werden als sie cxnderwett vorgeschrieben ist. Leßteres ift ür die Klage auf, dem vorliegenden Gebtet' nicht geschehen. _ Die Voraussetzung für die Klage aus § 126, die Endgültigkeit des angefochtenen Beschlusses, rst hier vorhanden.“ (13. 26/93.)

Kunst nud Wissenschaft.

Zu dem Wettbewerb um eine SynagoÉe iq Magdeburg waren im ganzen 26 Arbeiten ein egangen. on thnen sLelangten, wie das , entr.-Bl. d. Bauv.“ berießtet, fünf auf die eng e Wahl,; keine jedo löste die Aufgabe so, da tZr der erste Preis zuerkannt werden konnte. Das Preißgertcht be cblo daher, eine andere als die im Programm genannte Preisvertbxilung vorzunehmen und ertbeilte einen Preis von 2500 .“ den Architektcy Cremer u. ol en .in Berlin, von 2000 «js. dem ArchitektenK1mgenberg in Olden mLi. r und von 1500 „zu dem Architekten Theobald Hofmann in äßzi . Derf hG'xlntwurf mit dem Kennwort .Salomo“ wurde zum A mkf emp 0 en.