1894 / 262 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 06 Nov 1894 18:00:01 GMT) scan diff

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'vors “fi vom 22. Dezember1891 entzogen ist läßt sich nicht aÜgchxxin beantworten, sondern ist nur nach,dcn Umständen“

des Einzelfalls Zu entscheiden.

Als vorü ergehend, „nichtdauernd“ ist eine Er- werbsunfähigkeit nur dann anzusehen, wenn ihre Ur- sachen durch olche Mittel beseitigt werden können, deren An- wendun im Rahmen des eilverfahrens gemäß 12 des Invaliditäts- und Altersver 1cherung§gese3es mögli ist und m_m dem Versicherten geduldet werden muß, wenn er nicht den Anspruch auf Invalidenrente gemäß Ab- sa_ 4 der genannten Geseßesbestimmung verlieren mi . Zu derarti en Maßnahmen gehoren aber Operationen, wel e Eingriffe in den Bestand oder die Unversehrtheit des menschlichen Körpers dqrstellen, nicht; es ist deshalb die Weigerung einer Versicherten, der ihr angesonnenen Operation sich u untexziehen, nicht für geeignet erachtet worden, ihren entenampruch zu gefährden.

Jn äUen der vorgedacbten Art ist die Erwerbs- unfähig eit von dem Zeitpunkt an als eine dauernde an usehen, in dem der ohne operativxn Eingriff unheilbare Zufztand der ErwerbSunfähigkeit objektiv vor- handen war. _

Die Anwendung des dem Anstaltsvorstand nach H 33 des Jnvaliditäts- und AltcrswerficherungMeseßes zu- tehenden R echts, die dem Kläger rechtskräftig zugebilligtc Invalidenrente ihm zu entziehen, ist dann nicht zu- lässig, wenn nur eine veränderte Beurtheilung der Sach- und Recht§lage bei im übrigen unverändertem Sachstande Plaß greift, oder wenn nur eine Ergänzung oder Berichtigung derjenigen Kenntnis; der an fich unveränderten Verhältnisse, welche bei Vor_nahme der früheren Feststellung obgewaltet hatte, vor iegt.

Der gemäß 35 des Invaliditäts- und Alters: versicherungsgc eßes ersaßberechtigte Armenver: band ist im RentenfeststellungSverfahren befugt, nicht nur als Nebenintervenient durch Unterstiißung des Klägers, sondern auch selbständig als Klage- parixi und Streitgenoffe seinen Axispruch gegen die VerßcherungSanstalt zur Geltung zu bringen. In leßtercm Faüe liegt eine „nojhwcndige Streitgenoffenschaft“ im Sinne des § 59 der Zivilprozeßordnung mri der Wirkung vor, daß, wenn eine Frist durch den einen Streitgenossen versäumt wisrZ, dex säumigc als durch dcn nichtsäum1gen verircten an- zu e en it.

Den Gemeinde: und Armenvcrdändcn steht die Geltendmachung der Ersaßforderzing auf Grund des § 35 des Invaliditäts: und Aliersyeryicherungsgeseßes auch dann zu,. wenn der zu der Jnvalidenrentc Ve- recbtigte vor Stellung des chtcnanirags ver- storben ist.

Eine Aufrxchnun?) der Rente mit anderen Gegen- forderungen welche er zadlungstlichtigen Versicherungs: anstalt gegen den chtenbercchtigten zustehen, beispielsweise mit 81116111 gemäß § 39 des Jnvaliditäjs: und Altexsversiche- rungSgeseßcs eltcnd gemachten Ersaßanspruch der Versicherungs- anstalt, ist un tatthaft.

Bei der Rentenverth eilung ist der auf vorgeseßlichc Krankheitßzeiien entfallende Rentenanihcil nicht den beiheiligten VersicherungSanstalten und dem Reich, sondern den ersteren allein zur Last zu legen.

Für den Begriff des „Be irks“ der Versicherungs- anfialt im Sinne des § 1 des Invaliditäts: und AltersversicherungSgcseßes ist nicht die Einihexilung der Bezirke maßgebend, welche zur Zeit dcr_ vorgeseßlichcn Be: schäftigung thatsächlich bestand, sondern die'enige, welche bei Errichtung de'r VersicherungScmftaltcn für die1elbcn getroffen ist.

Der Regierungs-Affcffor ])r. Gerlach aus Memel ist der Königlichen Regierung zu Schleswig zur dienstlichen Vcr- wcndung überwiesen wordsn.

Sachsen.

Ihre Majestäten dcr Köniq und die Königin werden dem „Dr. J.“ ufolgc voraussichtlich Ende dicser Woche aus Sibyllenort na Dresden zurückkehren.

Aus Anlaß des Hinscheidens des Kaisers von Rußland: hat Seine Maxstät der König eine Armce-Trauer an

eordnet, derart, daß an den ersten dxei Trauertagen kein Spiel gerührt werden darf und die Offiziere vierzehn Tage, vom 5. bis 18. Novembsr, Flor um den linken Unterarm an- zulegen haben. Hessen.

Seine Königliche Hoheit der Großherza gedenkt am 14. d. M. zu den Bei)cßmigsfeierlichkeiten nat?) St. Peters: burg abzureiscn.

Der Prinz Waldemar von Preußen,_dcr in Darm- stadt leicht an den Röthcln erkrankt war, befindet sich der „Darmst. Zt .“ zufolge in der Besserung und konnte das Bett bexeits verlaésen.

Mecklenburg-Schweriu.

Seine Königliche ohcit der Großherzog und Ihre Kaiserlichc Hoheit die _Zroßherzogin sind am 4. d. M. zum Winterau enthalt M Cannes eingetroffen.

Schwarzburg-Sondershausen.

Der Landtag ist auf den 13. November nach Sonderk- hauscn einberufen worden.

Oesterreich-ngaru.

In der gestrigen Sißung des österreichischen Ab- gcor netenhauses hielt der Präsident Freiherr von Chlumecki) eine von den Mitgliedern des Hauses stehend an eh'o'rte Ansprache, worin er hervorhob, daß das tra ische, tie ergreifcnde Erci niß des Ablebens des Kaisers" von Ru land in der ganzen Wet mit der wärmsten Theilnahme begleitet werde. „Wir betrauern“, fuhr der Redner fort, „in dem Hinge_schiedenen einen treuen, bewährten Freund unseres viel e iebtcn Kaisers und der allverehrten Mitglieder unseres Kai cr auses; 116 werden diesen Verlust besonders schmerzlich em;ofin en, und die österreichischen Völker und wir mit ihncn theilcn alles Leid, das den Kaiser und das Kaiserliche Haus trifft. Es wird auch in Oesterreich iinvergeßlich bleiben,

daß der Vercwigie ein sicherer Hort dcs Weltfriedeizs war. Europa dankt ihm dafür. Mit Recbx konnte sem erhabener Nachfolger dies seinem Volke verkuyden. Auch wir ehren den Zären, danken ihm als der Verkoryerung des Friedens und erkennen freudig an, daß er als fckzonsies Ver- mächtnis; allen zivilisierten Völkern die Segnungen es Friedens hinterließ. Die Trauerkundgebung des .Abgeordnetenhauscs wird zum ewigen Gedächtnis; dem amtlichen Protokoll einver- leibtwerden.“ (Lebhaftcr BeifallZ Daraufverlangte der Abg. Lewakowski (Pole) das Wort, as ihm m_)n _dem Präsidenten verweigert wurde. Der Abg. Lewakowski rie daxauf: „Ich protestiere gegen diesen -“, weiter ließ ihn der räsidcnt nicht sprechen, worauf das Haus unter großer [L_nruhc ur Tages- ordnung überging. Sofort nach diesem Zivis enfa tr_at der Polenklub zusammen. Der Obmann Zaleski prach sein _leb- haftes Bedauern darüber aus, daßder Abg. Lewakowski seiner erregten Stimmung ohne Rücksicht auf das offentl1che Interesse und das nationale Wohl Folge gegeben und nach der TrauerkundYbung ohne Ermächtigung des Polenkluds und gegen die estimmungen der Siatute_n des Kinds im Laufe das Wort ergriffen und hierdurch die Solidarität des (ubs verleyt abe. Die Erklärung des Obmannes wurde von dem Polen lub einstimmig ohne Debatte angenommen. In allen Kreisen Wiens begegnet das Auftreten des Abg. Lewakowski lebhafter Mißbilligun . __ _ An dem Bezirksgericht in irano 111 gestern das zwei- sprachige Amtsschild ohne alle Störun angebracht worden. Es herrschte vollkommene Ruhe; in der mgebun des Be irkJ: ,erichts waren zum Zeichen der Trauer die GesZäfte un die Fensterläden der Hauser geschlossen. 2111 einzelnxn Häusern wurden schwarze Tücher heraUSgehängt, ]edoch wieder einge: zo?e_n,_ als eine Strafandrohung des Regierungs-Kommissars er 9 g e.

Frankreich.

In der gestrigen Sißung der Dcputirtenkammcr theilte der Präsident Burdeau mit, er habe ein Schreiben des Minister-Präsidcnton Dupuy erhalten, das bcsage, der Kaiser Alexander 111. sei dem unerbittliehcn Leiden erlegen, dessen Fortschreiisn Frankreich mit verdoppelter Sorge seit der ersten Nachricht von diesem unglücklichen Ereignis; onlgt _sei. Die französische Nation habe ihre tiefe

ewegimg und ihre einmüthige Trauer durch spontane Kundgebungen auededrückt, die dem verstorbenen Kaiser erwiesen worden seien. Von allen Seiten kämen Zeugnisse, ver- anlaßt durch die Erinnerung an die lerzlichen Sympathien, die der verstorbene Kaiser gegenüber Frankreich untcr denk- würdigen Umständen kundgegeben habe, Diese Erinnerung werde in dem Leben der beiden großen Völker als Pfand der Eintracht und der Freundschaft zurückbleiben. Die Regierung sci ÜbLL'ZLUJÜ, die Gefühle des Landes und des Parlaiiidnts getreu wiedergegeben zu haben, als sie dem Kaiser Nikolaus dic bßwchn Beileidsbezeugunqen und heißen Wünsche übermiitklt habe. Nach Verlesung dieses Briefs fügte Burdi'au hinzu, der Schlag, der so hart cine befreundete Nation betroffen habe, könne nirgends ein volleres Echo finden, als in der Kammer, wo unmittelbar die Bewegung ganz Frankreichs widerhalle. Aus der Seele beider Nationen entstamme disse gegenseitige Sympathie, deren Kund- gebungen bereits u mehreren Malen die Welt überrascht hätten, und die gethcilte Trauer, wie gcnieinsame Freuden und Feste unaufhörlick) gestärkt hätten. Wenn man heut? mit der

rauer der russischen Negiexung .und des russischen Volks den eigenen Schmerz und die eigene Klage vereine, fo pflanze man nur die bisherige Tradition fort und lege Zcugniß ab von einem Ge iihl, daß die gesammte Nation theile. Das Andenken an den Kaiser Alexander werde, ver- eint mit unauslöschlichcn Erinnerungen, in den „Herzen der Franzosen iind Russen fortleben und einen der stärksten Ringe bilden in 161161? Kette der Brüderlichkeit, welche die beiden Nationcn zum allgemeinen Wohl und um Frieden der Welt vsrbindk. (Lebhafter Beifall.) AUfVorFchlag Burdeau's wurdc sodann die Sißung zum cichen der Trauer aufgehoben.-Jm Senat verlas dcr Präident Challemel-Lacour ebenfaüs dasSchreibcn desMinister-Präfidcnten D u p u 1) und knüpfte daran den Ausdruck der Trauer und des tiefen Schmerzes des franzö- sischen Volks iiber dsn Tod des Kaisers Alexander, sowie den Wiiiifch, daß die Regierung des Kaisers Nikolaus in allem derjenigen würdig skin möge, die inmitten einer die ganze Weit durchzittcrnden Bewegung soeben geendet habe. Darauf wnrde zum Zeichen der Trauer dic Sißung aufgehobsn.

Das Schwurgericht hat den Sozialisten Richard GSkUUlf we cn eines den Präsidenten Cafimir-Pcricr bc: leidigenden Artikels in dem Journal „Chambard“ zu einem Jahr Gcfänqniß und 3000 Frcs. Geldbuße vcrurthcilt.

Wie der „Temps“ mittheil't, erwiderte die Hd v as-Regic- rung auf das Ultimatum Le Myra de Vilers', sie werde sich nur bei Anwendung von Gewalt unterwerfen. Die Franzosen verließen Madagaskar; die telcgraphischc Vcrdindung zwischen Tanariarivo und Tamatave sci eingestellt.

Rußland.

JnDarmstadi cingetroffenenNachrichien ans Livadia zn: folge wird der Kaiser Nikolaus sowie der Kaiserliche Hof Livadia am 8. d. M, verlassen und am 13. d. M. in St. Peters- burg eintreffen.

Der Prinz und die Prinzessin von Wales sind bei der Landung in Yaltci von dem Großfürsten Alexis Alexandrowitsch empfangen und nach Livadia geleitet worden, wo Höchstdicsclbcn im Palais adsticgen.

DLL" heute erschienene „Regierungsbote“ veröffentlicht das Zeremoniell dcr Uebersührung der Leichs des Kaisers Alexander aus Livadia nach Moskau und St. Petersburg. Die Leiche wird aus Lwadia nach Yalia getragewund von dort bis Schastopol auf dem Kreuzer „Pamjat Merkurixa“ und weiter in einem besonderen Eifenbahn:Traucrzug geführt werden. Vorher wird die Leiche in dor großen Kirche von Livadia au-destcllt werden.

Die Reihenfolge des Leichenzugs von' Livadia nach der Dampferstation Yalta ist folgende: Hinter dem Sarge schreitet dcr Kaiser, hierauf der Minister Graf Woronzow- Daschkow, das militärische Hauptquartier, alSdann der Prinz von Wales, dcr Großfürst-Thronfolger, der Kronprinz von (Griechenland, die (_Groß: fürsten Michael, Alexei und Alexander Michae- lowitsch, hierauf in Wagen die Kaiserin-Wiitwe, die Großfürstin Alexandra Feodorowna, die Groß- fürstinncn Olga und Xenia, weiter die Königin von Griechenland, die Herzogin von Sachsen -Coburg und Gotha und die Prinzeséin von Wales, alsdann das Gefolge und die militäri che Eskorte. Längs des

_aan'cn Wc s find Truppen aufgkftellt. Wenn der Lei enzu ie Kirche verläßt, läuten alle Glocken und wer en Kanonen_salven elöst. An der „Dampferstation wird ein (Gottesdient abge alten. Bei dem Ab ung des Kreuzers amxat Merkurija“ seßen sämmtliche chiffe im afen die laggen auf Halbmast und geben den iiblichen

alut. Die Bigleitung _ dcs Kreuzers bilden das Panzerschiff „Die 12 Apostel“ und die Dampfer der freiwilligen Flotte von Orel. Sobald sich der Dampfer der Rhede von Sebastopol nähert, wird vom Ufer salutiert. Bei der Landun wird der Sarg von einer Ehrenwache, der esammten (Hei tlichkeit, _der KriegSmarine, den bürgerlichen Honoratioren, den Deputirtcn des Adels und der Stadtver- waltung und den Schülern der Lehranstalten empfangen. Der Kaiser, die Mitglieder der Kaiserlichen Familie und der Hof: Minister Graf Woronzow heben den Sarg auf und setzen ihn auf einen dazu vorbereiteten Play auf derDampferstation. Hierauf wird Gottesdienst abgehalten und der Sarg unter Artilleriesalut in den Trauerwaggon gebracht. Während des ganzen Aufenthalts in Sedastopol läuten die Glocken. Die Fahrt des Trauerzugs geht über Symfcropol, Charkow, Kursk, Orel, Tula, Moskau und von dort über Twer nach St. Petersburg. Zn Moskau wird der Sarg mit besonderem Zeremonieli nach der Archangelsk: Kathedrale gebracht und von dort zur Nikolaibahn überführt. Das Zeremoniell für die Leichenfeicrn in Moskau und St. Petersburg sowie der fiir die Beichung festgeseßte Tag ist noch nichiveröffentlicht.

Ein Telegramm des „Regierungsbotcn“ aus Livadia meldet, in drei Städten, wo der Eisenbahnzug mit der Leiche des Kaisers halten werde, würden auf Rechnung des Kaisers Nikolaus die Armen gespeist werden.

In Besprcchung dcr glänzenden cinmüthigen Beweise dcr Sympathie, die von Souveränen, Siaatsoberhäuptern, den Regierungen fremder Völker anläßlich des Todes Kaisers Alexander 111. gegeben worden seien, führt das „Journal de St. Pétersbourg“ aus: Rußland nehme die Beweise der Sympathie mit aufrichtiger _ und be: wegter Dankbarkeit auf; mrt gercchtcm Stolz konstatiere es iiberall dcn Riicksch1aq der schrecklichen Erschütterung, welche die Seele des russischkn Volks gctroffen habe. Nichtminder gerührt und dankbar sei Rußland für die Wünsche, die man aller Orten für das Wohl der neuen Regierung, für das Glück des jungen Kaisers außgesprochen habe, dessen erstes an sein Volk gerichtetes Wort ein Wdrt des Friedens gewesen sei. (Hanz Rußland umgebe seinen xungen Kaiser mit seiner Liebe und sehe auf ihn seine ganze Hoffnung.

Die Moskauer Stadtverordneten-Versammlung hat nach einer Meldung des „W. T. B.“ beschlossen, die Ge- nehmigung nachzusuchen, daß es den Stadtverordneten bei dsr Uebcrführung der Leiche des Kaisers Alexander durch Moskau gestattet werde, einen Trauer- gotiesdienst am Sarge ab uhalten, einen von der Stadt Moskau gewidmeten "ranz niederzulegen und eine Deputation zur Beischung der Leiche nach St. Pktersburg zn entsenden. Dic Deputation solL dic nner: schütterlichsn (Gefühle der Treue und die grenzenlose Er- gebenhcii Und Liebe der Stadt Moskau zu dem Kaiser und 1cinem Hausc ausdrücken.

Italien.

Der König hat aus Anlaß des Todes des Kaisers Alexander von Rußland cine zwanzigtägige Hoftraucr VOM 4. d. M. ab angkdrdnet,

In der Kapelle der russischen Botschaft fand gestern feier- lichsr Trauergottesdienst fiir den verstorbenen Kaiser von Rußland statt, dem der Ministchräsident Crispi als Vertreter des Königs, andere Ministcr und hohe Beamte, das beim Quirinal beglaubigte diplomatische Korps, sowie die beim Vatikan beglaubigten Botschafter von Frankreich, Oesterreich, Spanien und Portugal beiwohnten.

Gastern fand unter dem Vorfiß. des Papstes die vierte Bcrathun in der Angelegenheit der_Vereinigung dkl' orien- talischen Kirchen mit der katholischen Kirche statt.

Griechenland. Der König reist heute über Triest nach St. Petersbnrg. ab, wo die Ankunft am Montag erfolgt. _ Dic Dcputirtenkammcr wird am 8. d. M. wieder zummmcntrcten.

Rumänien.

Gestern wurde in der Kathedrale fiir den Kaiser Alexander ein Requiem zelebriert, dem der König und der Prinz Ferdinand, die eigens von Sinaia dazu ein: gctroffcn waren, bciwohnien.

Serbien. Der Professor Ljubomir K_leric ist dem „W. T. B.“ zufolge zum Unterrichts-Minister ernannt worden.

Bulgarien.

In der Sobranje theilte gestern der Minister: räsidcnt Stoilow mit, der Kaiser Nikolaus habe dem rinzcn Ferdinand von_ Sachsen-Coburg fiir das im eigenen und des bulgari1chcn Volkes Namen auSgedrÜckte Beileid gedant; der Minister von (Hicks habe geantwortet, er sei befriedigt, zu sehen, daß das bulgarische Volk die Trauer Rußlands theils. Bei der Verhandlung des Adreß= exitwurfs erklärte der Minister:Präsideni Stoilow auf eine Interpellation Über die auswärtige Politik in längerer Rxde, das; Stambulow nicht wegen auswärtiger Angklcgenheiten, sondern einzig wegen seiner inneren Politik gcstürzt_ sei. __Die auswärtige Politik kleiner Staaten wie Brilgaricn muss _sich au_f dic Entwickelung im Innern riixiden. Bulgarien müffe vor allem in aUSgezeichnetcn ' _eziehungcn zu dem Hofe des Suzcrains stehen, sodann Mit den Nachbarstaaten und erst in leßter Linie mit den Großmächten, Rußland cinbegriffen. Die Re- gierung werde die Regelung der internationalen Lage

Bulgariens nicht aus den Augen verlieren, werde jedoch-

dieser Regeliing wegen keinen Finger breit bulgarischer Erde,. noch irgend ein erworbenes Recht opfern; die Fulassun fremder Offi tere ur bixlgarifchen Armee, noch mehr a er ein ufwerfen der - yna tiefraYk erachte die Re icrung als unzuläsYg. Mehrere Redner sprachen darauf zu (Zunsten des von toilow ver- langtcn Vertrauensv otums, das mit 134 von 159 Stimmen angenommen wurde.

Montenegro.

Vorgestern wurdx, wie „W. T. B.“ meldet, in Cetinje ein Reqnicm für den Kaiser Alexander von Rußland abgehalten, dem der Fürst und dicFÜrstin, das diplomatische

Korps, die Behörden_ und eine große Menschenmen e an- wohnten. Das Fürstliche Paar stattete sodann dem ru sischen MinistewResidenten Argyropulo einen Kondolenzbesuch ab.

Dänemark.

In der gestrigen Sißung des Folkething gedachte der Präsident Höngro des- verstorbenen Kaisers von Rußland als eines der (Garanten des europäischen Friedens. Der Verlust sei für die dänische Königsfamilie besondersschmcr [ich. Das Andenken des Verstorbenen werde auch von dem däniZchen Volke bewahrt Werden, das an der Trauer der schwer geprüften Kaiserin-Wiitwe aufrichtig iheilnehme.

Amerika.

Aus Lima wird der „Times“ gemeldet, die Regierung des Generals Caceres habe die Zollfreiheit aufge- hoben und einen Zoll von 8 Proz. ati 7310r6m nxbst 80 Cents in Silber per 1000 R,? auf Eisen, Kohlen und Maschinen gelegt.

Asien.

Dem „Reuter'schen Bureau“ wird aus Shanghai von Estern gemeldet: Die chinesische Armee unter (Henkral Sung habe nach der Räumung von Kinliencheng den Berg- über img auf der Landstraße nach Peking beseßt und den Bech! erhalten, diese Stellung unter allen Umständen zu ver- ideidigcn. Eins Kolonne japanischer Truppen sci auf dem Marsche nordwärts begriffen, um die Armee des Generals Sung im Rücken anzugreifen.

Ju Ticntsin verlaute abermals, daß japanisch? Truppen im Golf von Ljao-Tong, vierzig Meilen nördlich von Shanghaikwan, wo sich eine starke chinesische Trnppen- macht befinde, gelandet seien. Die AUsländer diirften binnen vicrzchn Tagen amtlich anfgefordert werdcn, Peking zu verlassen.

In Nanking sei ein Dekret des Kaisers eingetroffen, das den Vickzc-König der Liang-Kiang-Provinzen auffordere, si) sofort nach Tientsin zk; begebsn, um die Amtssii'gcl als dienstihucnder Vize-König von Pctschili von Li-Hiing:Tfchang zu Übernehmen.

Aus Yokohama erfährt das genannte Bureau, der den „Meffagcrics maritimes“ gehörige Postdampfcr „Sidney“ sci von den Japanern beiKobe mit Beschlag belegt worden.

Wie die „Agenzia Stefani“ aus Peking meldet, wäre die chinesische Regierung bereit, unter Aufrecht- crhaliung der Unabhängigkeit Koreas und Zahlung einer von den Mächten festzuscßendcn Kriegs- cntschädigung mit Japan Friedsn zu sch4ließcn. China strebc zii diesem Zweck eine Intervention der Vertreter derjenigen Mächtc an, die bereit wären, diesc Vorschläge zu empfehlen. Die Londons): „Daily News“ meldet: China habe sich, beunruhigt durch die Erfolge Japans, entschlossen, die Vermittclung Europas nachzusuchcn. Der chinesische Gesandte habe gestern der englischen Regierung diesen Wunsch seiner Ne- gierung mitgetheilt und sei gestern Abend nach Paris gereist, wo er mit dem Minister des Auswärtigen .?anotaux und dem Präsidenten Casimir-Verier eine Zusammen unft haben werde.

Außerordentliche Versammlung der 111. Gencral-Synodc.

In der gestrigen sechsten Sißung stand zu€rst zur Bcrathung der Bericht der Petitionskommission über die Petition der Kreis-Synode Bochum, bstreffsnd Gewährung größerer Sonntagsruhc für dix, Unter- beqmten der Post. Auf Antrag Dkk,“ Kommission wurdk Einstimmig ke'chlossen: „Unter dankbarer Anerkénnmig dcsskn, was biÖer Von saiten des Staats und dsr Kirche für die Sonntagsruhs geschehen ist, und unter Bézugnahme auf das im Jahre 1891 an den Ewan- gclischén Ober-Kirchenrath gerichtete Gesuch 1pricht die Genkral-Synodc der hohen Bshörde die Bitte aus, dem im Volk vorhandenen Verlangen nach Sonniagsiéuhe _entgegknkommen und dahin wirken zu wollen, daß durch entsprechendc Rexclung des Pdstbktriebs den untersn Beamtkn ein größcrcs Maß von onntagßruhe als bisher zu Zheil wxrdk.“ - Der nächste Gegenstand War der in dsr Reliktenkommijswn vorbkraihsne Entwurf einks Kirchcngcseßks, bcircffend dic Verwaltung des Pfarrwittwen- und Waiscnfvnds. Das Gcseß bcstcht aus zwei THLUM, deren erster eins Veränderung in der Verwaltung der bcirsffenden Fonds betrifft, währsnd dcr zwcits Theil das Bcstrebcn Vcrfdlgt, aucb dsn Hinterbliébsnkn dsr Gkistliéhsn in den neuen Provinzcn cine gleichmäxige und angemesscne Ver1orgung zu gewähren. Der Anschluß der „andkskirchi'n der neuen Provinzén soll sich in Liner Form vollziehen, welche die Selbständigkexit jener Kirchen- gemeinden au recht Erhält. Der Entwurf wurde Mit dsn dyn der_ Kommission Vorgeschlagenen Aenderungen an enommcn. - Hikraus begründstc 1);*. Von Nathusius folgenden ' ntrag: „Hochwürdige General-Synodc woÜe bLschließen: den Edangclischen Ober-Kirchen- rath um Auskunft zu bitten, ob 1eitens der Vereini ung dcr Kirchenregierungen in Eisknach berkits Vereinbarungen in das uge gefaßt smd darüber, Welche Stellung künftig zu denjenigen ewangelischen Kirchen einzunehmen sei, welcbe Mitglieder zulaffen, _die die christliche Taufe nicht Empfangen haben, sowic zu diesen Mitglisdkrn selbst“. Der Vize-Präsident des (Evangelischen Ober-Kixchenxaths, ?)ropst Frei- herr von der Goltz erklärte: Dis Evan elijche Kirchen onferenz in Eisenach habe über die angere tc Frage bis )Lr nicbt verhandelt. Ueber die Frage, ob die Taufe überIaupt crlaséen werden könne, sei darum nicht gksprochen wvrdsn, meildarübcr iiber )aupt kein Zweifel aufkommen konnte. In der evangslischen Landeskirche sei darüber auch kein Zweifel, das; nur die Ge'tauften als Mitgiiedc'r der cdangelischen Kirche angesehen werden können. Die Eisenacher Konferenz sei auch nur eine Versammlung, der eine gesetzgeberische ExekutiVL nicht zustehe, der Evangelische Ober-Kirchenrath nehme aber die Anregung gern ent- egen und sei bereit, die Frage auf einer der nächsten Ver- ammlungen in Eisenach auf die Tagesordnung zu sehen. Nach dieser Axiskunft bcantragtc 1)r. Cremer (Greifswald) zu beschlian: .Die General-Synode nimmt von den Aeußerungen des ertreters _ des_ Evangelischen Ober-Kirchenratbs gern Kenntnis; und spricht die Hoffnung aus, daI die gegebene Anregung dazu diknen wcrdc, da? über den cbtistlicbcn harakter der Taufpraxis in der dcutsch-evayaeli chen Landsskircbe kein Zweifel entstehe.“ Nach- dem sich der Prasident des Evangelischen Ober-Kircbenraths 13.1312 Barkhausen mit diesem Antrag einverstanden erklärt batte, wurde derselbe angenommen. - Ein Antrag des Dr. von Nathusius und Ge- nossen: „den § 34 Abs. 4 der Kirchengemeinde-Synodalordnung dahin zu ändern, daß in Zukunft nicht mehr diejenigen Gemeindkglieder von der Wahlberechtigung auszuschließen sind, welche im letzten Jahr vor der Wahl armutbshalber Unterstüßun? aus Armenmitteln oder Erlaß der Staatssteuern oder der ktrcb ichen Beiträge genossen haben“, wurde der Verfaffungskommission zur Vorberathung überwiesen. _Ein Weiterer Antrag derselben Mitglieder: „den Evangelischen Obcr-Kirchenrath zu

“bitten„ derselbe woÜe die Konfiftorien veranlassen, den kirchlichen

Gewemdeor anen zu empfehlen,_bei der Neudertheilung der Kirchenxtve, syweit eine ermietbun fester SWL nicht_ganz zu umgehen ist, jeden alls fur eine geeignete Anza [ von der Vermiethung ausxzeschlosjener guter Kirchensiye für die ärmeren Mitglieder der Gsmeinde Sorge zu tragen“, fand Annahme.

Ur. Warner! beantragte und begründete sodann nachstehende Reso- lution: „Anläßlich der bekannten Vorgänge in Ksmerun hält es die Ge- neral-Synode unter_auSdrücklicher Anerkennung des Lttlichen Ernstes, mit welchem das Außwartige Amt dieselben behandelt at, für ihre Pflicht, fowrxhl _als Vcrtretertxi der cbristlicb-fittlicben Interesxén wie als Schutzextn u_nd flege_rm der christlichen Misfionéintere en vor der Oeffentlichkeit ex tens ihrer tiefen Betrübniß Auddruck zu geben über diese traurigen Vorgange, dere_n Thatsächlichkeit notorisch ist, und zweitens eizergifcb Verwahrxmg einzulegen gegen den Versuch, diese Vor- gaiige zu rechtfertt en durch tropische Lebeiisgeivobnbeiten, welcbe mt_t den elementarFTen Forderungen der christlichen Sittlichkeit in Widerspruch stehen. _Die General-Synode glaubt sich mit den Organen der Obrigkeit in der Auffasfima in Uebereinstimmung zu befinden, daß jene Vorgange und dieje Rechtfertigungsversuche im Vaterlande wie in den Schutzgebieten das sittliche Urtheil verwirren, den deutschen wie den christlichen Namen schädigen und die Erfolge dex christlichßn Mission erschweren." Nachdem der Wirkliche Ge- heame LZgatwns - Rath Humbert seine Zustimmung ausgedrückt und erkla7t_ hatte?, daß Fgen das Urtheil des Diöziplinarhofs in

otsdam bei dem Reichs- iSziplinarhof Berufung eingelegt worden Ci, wurdk die vorg€schlagene Resolution einstimmig genkbmigi.

Um 5 Uhr Wurde die Sitzung geschlossen und die nächste Sitzung

auf heute, Nachmittags 1 Uhr, anberaumt.

Statistik und Volkswirthsthaft.

Zur Arbeiterbeivegunq.

Einer MittheiLung des „VorwäKs“ ausBremcn zufolge han- délt es sick) bei dem Ausstande von Hafenarbezitdrn (Vgl. Nr. 259 d. Bl.) nur um_ 150 Manwdes Unternehmers Schlöndorf. Als Grund der ArbeitSeinn'eüung wird angeführt, der Unternshmcr habe auch ,nichtorganifierte“ Arbsiter beschäftigi. _

Aus Troppau meldet „W. T. B.“: Aus dem Hauptschachi m Orlau, der Sofienzeche in Poremba und dem Eugeniaschacht in Peterswald ist gestern früh anläßlich der beginnenden Zehnstunden- schicht die Belegschait nicht angefahren; auf dem Bsttina-Sckiaibt in Dombrau und dsm N6U€11Schacht in Lazy erdigte die Anfahrt niir widerwillig. Auf dem Alörecht-Schacht in Pete rerald sollte die erste Zehnstundenschicht erst Nachmittag beginnen; Morgens war noch Acht- st11nd€nschicht; die Anfahrt Verlies dahkr normal. Bki dem gestrigen Nachtschichtwechsel ful)an dic Belegschaften auf dcn Schächten _in O'rlau, Dombrau, Poremba und Lazy garnicht cm; auf dem Erzherzoglichen Schacht Peterswald traten 30 0/0 der Pele schaft ihre _Arbeit an. (Vgl. Nr. 260 d. Bl.)

Aud kährischsÖFtrau wird der „Köln. Ztg.“ über dsn Aus- stand berichtet: Die Geiaimntzahl der Ausständigen beträgt 3000. Man hofft, dcn Ausstand beilegen zu können. Die leegschaft€n einigkr Schächte dkrlangien gestsrn Morgcn bei der Einfahrt eine Achtsiundcnschicht. Auf dis Weigerung der Betrikbsbeamtkn entfernten fick) die Arbeiter mit dem Ersuchen, ihnen Bxdknkzcit zu lasssn; alles VoÜzog sich in vollster Ruhe». _ _

In Schemnitz haben, ww „W. T. B.“ meldet, drkihunderi Bergarbeiter die Arbsii cingesteUt und Eine Abordnung an den BergwerkS-Direktor entsandt. Die Aniwort hatte Sine gute Wirkimg auf die Arbeiter, doch wiirde sür den heutigen Tag einc: grdßsre Arbeitseinstellung als bedorstchend angeschsn. _

Ja den Londoner Baugewerkxn droht, ww dic Londoner .A. K.“ mitihcilt, ein gewaltiger Ausstand. Dem mäcbti en Bau- meisiewc'rsin sieht der Baugewerkbund geschlossen gegexxii sr. ,Die: Meister behauptsn, bei der Beendigung des_gro߀n Ausstandks des Jahres 1892 ski vxreinbart wordsn, dax; GewkrkverLinler und Nichtgewerkvecein1er friedlich neb€neinander arbeiten und die Meister bc-i der Anstellung beider Klaffen von _Arbciiern keinen Unterschied machen solltén. Sie behaupjcn, fie haitxn den Vertrag gehalten, während die (Hervérkdereinlxr sich stetig WngL_kTEn, mit Nichtgewerkvcreinlern znsammen zu arbeiten. Der Baumeister- verein hat daher den Vertrag von“ 1892 gekündigt. Er wird am 1. Mai nächsten Jahres ablaufen. Schon jLHT haben 300 Mann die Arbeit nikdergelkgt.

Kunst und Wissenschaft.

Das „Deutsche Kolonialblatt“ schrkibt: „Am 26. Oktobér iraf auf telegrapbiscbcm Wege die erschütternde Nachricht ein, daß Dr. 91111. Lenk und 1)» 11186. Kretschmer nebstsiebsn Trägern von quombo- [Enten ermordet worden find. 1)» Karl Lsnt befand fich [ert Ende März v. I. am Kilimandjaro, woselbst er die wiffemcbaftliche Forschungsstation bei Marangu in Gemeinscha_ft mit dem Bo- taniker ])1'. Volksns und dem Fodtaffesior Wiener be- gründete. Als Sohn des Dr". 111136. ari Leni Ende 1867 in Dortmund geboren, widmete er fich nacb Ablegung dsr Maturitätsvrüfung an den Uniderfitäicn Greifswald, Freibura i. V. und Wien naturwiffens aftlichen Studien und wurde im Herbst 1890 als Assistent dss 9601091 chen Instituts an der UniversitätFrciburg i. V. angsstellt. Daselbst, wo er bereits im Frühjahr 1888 die ärztliche Vorprüfung bestanden halte, promovierte er im Dezembcr 1891 mit einer gkologiscbcn Kartenaufnahme im westlichen Schwarzwalde. Am 1. März 1892 legte er die Stellung als Assistent niedcr, um fiel) den Vorbereitungen für ostafrikanische Landcduntersuckdungen zu widmen. und unter der Leitung des Dr. Ke'rsten sich die sür die Lande's- aufnahme? nöthigcn Kcnntniffe zu erwerben. Woh! vorbereitet, tra kr“ im Frühjahr 1). I. am Kilimandjaro ein, wo er bis Ende Juni d. J. gxmeiusam mit ])r. Volkens wirkic, um nach dessen L_lbreise die Leitung dcr Staiion (1116111 zu übernehmen. Oi“. Leni ist wahrend dEr 11) Jahre seiner Anwessnheit am Kilimandjaro auf das cifrigstx thätig ewesen, wie die Von der Dcu1schcn Kolonialgcse0fchaft ver- öffentli ten Tagebücher, sowie die im _.,Koloniaiblati' und den „Mit- theilungen“ enthaltenen Nachrichten zeigen. Er hatte die topographi- schen Aufnahmen des Südz und Ostbangcs des Kilimandjaro zum Abschluß gebracht und aus mannigfachen Expeditionen werthdolles Material gesammelt, welches zum großen Theil noch der Veröffsnt- lichung harrt. Neben diksen umfangrsichen Arbeitxn, den meteoro- logischen Bsobacbiungsn und den Stationdgcjchäftcn fand er Zeit, Line größere Arbeit zu verfassen, welche aus das eingehkndste alle für eine Nußbarmachung des Kilimandjarogebiets wichtigcn Fragen behandelt. 1)r. Kretschmkr war erst Ende Juli d. Js. auf der Viarangu- station eingetroffen; er hatte ursHrünglicb an der Freiland-Expedition theilnehmen onen, bei der Aussichtslofigkeit diese's Unternehmens fich jedoch bereit erklärt, die von1)r. Volkens und 1)i*.Lent als dringxnd cr- wünscbt bezeichnete zooloaiscbe Erforschung des Kilimandjaxogebiets zu übcrnehmen. Von ihm rührt der leiste, von der Station etngegangxne und vom 9. September datierte katcht hkk, in welchem bkmerktist: Am (Ende dieses Monats gedenke ich Herrn Dr. Leni _nach_Uscri zu begleiten. Um dorthin zu elangen, ist voraussichtl_tch die zwrschxn der Station und dem nordöstli davon gelegenen Usert gelegene; kurzlich unterworfene Landschaft Rombo betreten worden, welche 1)r. Leut nicht lange vorher in Begleitung des Kompagniefuhrers Johannes schon einmal bcfucht hatte. 1)r. Lent_war dwömal offenbar ohrxe militärische Bedeckung gereist, was ('t im allgemeinen vorzog. Wir können nur dem schmerzlichen Bedauern über chn Tod d_e“c_ bxtdxn Forscher Ausdruck eben, welcbe mitten_ aus eifrtgstex Tbattgkext m der Blüjbe der Ja rc als Opfer der Wtffenschaft dabmgerafft sind.“

- Das Adreßbuch des Vereins für Deutsches Kunst- gewerbe in Ber in ist soeben zum zweiten Mal herausgegeben worden und bildet wieder einen stattlichen Band mit v_ixlen__ reizvollen Vignetten und Illustrajionen. Das Geschaftsverzeichmß fuhrt 1250 Mitglieder aus aUen Gebieten der Kunst und dxs Gewerbes auf upd kann bei Bedarf als bequemes Nachschlagebuch dienen. Aus de_n Mit- theilungen über die Thätigkeit des Vereinsxkzebx bewor, wie hier alle Kräfte des Kunstgewerbes zu emeinsamer 9 _rbeit_ und VelebrungUzu- kammengefaßt werden. Das dreßbuch, das in seiner gediegxnen * us- tattung dem Berliner Buchgewerbe alle Ehre m_acbt, durfte dazu dienen. dem Kunstgewerhe und sein-Zm Verein der Fachleuten und Kunstfreunden neue Anhanger zu gewinnen.

LUU- mld Forstwjrthfthaft.

_ Anbauflächen in Großbritannien. * Einer von _dem 13mm] 01“ 1431'101111-111'9 in London im Oktober d._J. veröffentlichten U'eb cht uber die Anbauftächen in Groß- britannien entnehmen wir so gende Angaben: Es waren bestellt: 1894 1893

mit Weizen . 1 980 228 Acker gegen 1 955 213, Gerste . 2 268 193 2 251 293, Zafer. . 4 524 167 4 435 944,

vagen . 102 676 69 526, Bohnen . 247 062 248 304, Erbsen . 243 551 210 900.

Gesundheitswesen, Thierkraukheiten und Ab errmt s Maßregeln. sp ' g .

_ Nqä) der im Kaiserlichen“ Gesundheitsamt bearbeiteten Statistik uber_ die Verbreitung Von Tbierseuchen im Deutschen R€1ch wahrend des ziveixew Vierteljabres 1894 bat die Maul- u_nd Klauenseuche in diesem Vierteljahr ni t unerheblich an Ausbreituné gewonnen. _Besonderzs Wurde das süd iche und süd- we_stlrche Deu! cblan_d, und hi_er hauptsachlich Mittelfranken (261 Aus- bruche aegen 22 im Vormerteljahr), der Schwarzwaldkreis (258 gegen 6), der Landeskommiffärbezirk Freiburg (406 gegen 24), das Obex-Elsaß (365 gegen 91) und Lothringen (169 egen 2), sowie der Regierungsbezirk Trie_r (179 gegen 2), befallen. n den weniger stark_ heizngesuckptßn nördlichen Gebieterx des Reichs hat die Seuche in betrachtlichcr Weise nur in den pxxußiicben Regierungsbezirken Köni s- berg (44 gegen 12) und Schleswig (42 gkgen 1) zugenommen. m ganzen wurden neue Ausbrüche gemeldet aus

16 Stagten . . . . _. . gkgen 19 im 1. Vierteljahr 1894,

62 Regierungs- 2T. Bcztrken . 65

285 Kreisen Ic. . . . . . 254 ,

754 Gemeinden I;. . . . . . 435

2669 Gehöften „_ . . . . , 666 , , _ Somit wurden wahrend der Berichtßzeit 31 Kreise 2c., 319 Ge.

metnden Ic. und 2003 Gehöfte mehr ergriffen als im Vordierteljahr.

Am Schluß des ziveiten Vierteljabrs 1894 herrschte die Maul- und Klauenseuche in 42 Regierungs- 2c. Bezirken (gegen 37 bei Be- ginn desselhen), 123 Kreisen :c. (77), 275 Gemeinden 2c. (110) und 1038 Gehöxten (133). Sie war um diese Zeit am stärksten ver- breitet m Einzelnen Gegenden Von Bayern, Wurttemberg, Baden und Elsaß-Lothringen,_ sowie in den preu ischen RegierungsbezirkenS les- wig (Landeris Kiel) und Koblenz ( reis Kreuznach). Von den nde Juni 1894 yeuchesreicn arößcren_ Verwaltun Saebieten gehörten 38 von 63 den nördlich des Main (einschl. Ober effen) und 3 von 21 dm südlich davon gelkgcncn Bundesstaaten an.

Türkei.

Zufolgc Beschlusses des internationalcn GesundheitSratbs in Konstantinopsl ist die für Hsrkünftc von dir Küste des Marmara- Mccres zwischkn Mudania und Panderma (inkl.) angeordnete Quarantäne von 5 Tagen auf 10 Tage erhöht worden. (Vergl. .R.-Anz.“ Nr. 256 Vom 30. v. M.)

Argentinien.

Die gigen Herkünftc* aus Deutschland bestehende Quarantäne (veer. „R=.A' Nr. 196 Vom 21. August 1894) ist für die nach dem 13. iovembkr d. J. aus Bremsn und Hamburg anlangenden Dampfer aufgehoben worden.

Cholera.

Königsbsrh, 5. November. Aus Wilhelmßrode und Gr. FricdrichSgrabsn im Kreistx Labiau ist je ein Cholerafall ge- melcht worden.

Danzig, 5. November. In Tolkemit smd zwei weitere Cholerafälle konstatiert wvrden.

Breslan, 5. Novembex. Bci dcr Rclgicrung in Oppeln ist am Sonnabend je Ein Cbolerasall aus Mys owiß und Brzezinka als bakteriologisck) festgestellt qemeldsi worden.

Wien, 3. Nodemdxr. Nach den am 1. und 2. d. M. hier ein- getroffenen Nachrichten über dxn Stand dsr Cholera kamen in Galizien 231 Erkrankungen und 117 Todesfäüe, in der Buko- wina 1 Erkrankung Vor.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagsngestelluiig für Kohlen und Koks

an der Ruhr und in Oberschlesien.

An_der Ruhr sind am 5. d. Yk. gestellt 11380, nicht recht- zeitig gestLUt ksine Wagen.

Jn _Oberscblcsisn find am 3. d. M. gestellt75282, nicht recht- zkitig gcxtelit keine Wagen.

AuEweis iiber den Vsrkchr auf dem Berliner Schlach- Viehmarkt vom 3. Roycmber 1894. Auftrieb und Marktpreise nach Schlachtgewtchi mit AUSnahme dcr Schweine, Welche nacb Lebendgewicbt gehandelt werden. Rindi'r. Auftrieb 2404 Stück. (Durchschnittspceis für 100 kx.) ]. Qualität 122-126 „Fi, 11. Qualität 116-120 «16, 111.Qualitäf 100-108 «M, 17. Qualitat 90-96 «Fi *- Scbw e ine. Auftrieb 4503 Stück. (Durchschnittspreis für 100 kg.) Mecklenburger 106-108 „ckck- Landsckpweine: &, ute 102-104 ck b. gerin ere 94-100 slk, Galizier - ski, leichte ngarn - «Fü bei 20 0/0 am, Bakonvcr 84 ck bei 27,5 kg Tara pro Stück. - Kälber. Austrisb 550 Stück. (Durchschnittspreis für 1 leg.) 1. Qual. 1,36-1,44 „16, 11.Qual. 1.20-1,34 «ii. 111. Qualität 1,00 -1,18-“ - Schafe. Auftrieb 9712 Stück (D_u_rchschninspreis für 1 kg,) ]. Qualijät 0,84-1,16 „ji. 11. Qualitat 0,64-0,80 .“, 111. Qualität -- “kla

Leipzig, 5. November. (W. T. B.) Kammzua-Termin- handel. La Plata. Grundmuster 13 yr. November 2,9771; „ji, pr. Dezember 2,975) «, pr. Januar 3,00 „ji, pr. Februar 3,00 .“ pr. März 3,021 „14, vr. Avril 3,05 „M, vr. Mai 3,05 „M. Vr. Jun 3,10 „46, vr. Juli 3,12€,- „14, Hr. August -, per September -. Umsaß 45000 kx.

Bremen, 5. Nodember. (W. T. _B.) Böxsen-Sebluß-Berisbt. Raffiniertes Petroleum. (Offizteüe Notierung der Brewer Petroleum-Börse.) Ruhig. Loko 4,90 Br. Baumwoxle. Ruhig. Upland middl. loko 292 „3. Schmalz._ Ruhig. Wilcox 38 45, Armour shield 37 45, (Eudahy 38 „z, atrbanks 32 35. Wolle. Umsaß 133 Ballcn. Speck. Rubi . bort clear tmddl. loko 37. Taback. Umsaß: 123 Faß Kentu v.

Mikwaukee, 5. November. (W. T_. B.)" Das Gericht _ordnete die Aufhebung der besonderen Receiverschastxn fur di_e Nebenltnten der Northern Pacificbahn _an und ermacbtigte die Hauptbahn zur Ucbernahme des Bctrikbs diexer Zweigbahnen.

Theater und Musik.

Königliche Schauspiele.

Zur “eier dcs vierhundertsten Geburtstages von aus Sachs wurde geßern Abend im Köniali en Opernhau e Richard Wagner's große Oper .Die Mei texLingxr von Nürnber ' auf eführi: eme VorstelLung, die'durxh 1 re in allen Theilen kün '- leri?che Vollendung eine weibevolle Erinnerung an_ die volkstbümlizbe, Dichtergestalt verwirklichte, die der Dichterkompomst in der Handlung und musikalisch in den Vordergrund seiner O ec gestellt hat. Einen"- vornebmeren Vertreter des Hans Sa S_als errn Bes, der gestern wieder mit einer bewundernswertben arme, Klarheit des UMWE- und Reinheit der Empfindung sang und in seinem en bevorzugten Geist aus dem _ Volke trefflich wi ,' _ dürfte es kaum geben. Die nachxt seiner bedeutendste , ' partie, die des Liebhabers Walt er von Stolzing wnxde dem Gast unserer Königlichen Bühne, Herrn Georg ÄntbeQ